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Theater: Torquato Tasso

Torquato Tasso
Schauspiel in fünf Aufzügen

Von: Johann Wolfgang von Goethe
Uraufführung: 16. Februar 1807 (Weimar)

Zur Inszenierung von schauspielfrankfurt:

Premiere:
28. August 08 (Großes Haus)

Regie:
Urs Troller
Bühne: Stefanie Wilhelm
Kostüme : Katharina Weißenborn
Licht: Frank Kraus
Dramaturgie:
Hans-Peter Frings
Regieassistenz: Benjamin Eggers
Bühnenbildassistenz: Birgit Kellner
Kostümassistenz: Katja Strohschneider
Souffleuse: Alexandra zu Stolberg
Inspizienz: Lisa Ahle
Technische Produktionsleitung: Josef Dreker
Technische Einrichtung: Andreas Rasche
Ton: Matthias Schmidt
Maske: Patricia Dietz, Friederike Reichel
Requisite: Stefan Markert
Regiehospitanz: Lisa-Sophie Achinger
Dramaturgiehospitanz: Katinka Deecke

Besetzung:
Alfons der Zweite, Herzog von Ferrara:
Joachim Nimtz
Leonore von Este, Schwester des Herzogs:
Ruth Marie Kröger
Leonore Sanvitale, Gräfin von Scandiano:
Friederike Kammer
Torquato Tasso:
Bert Tischendorf
Antonio,Montecatino, Staatssekretär:
Oliver Kraushaar


Besprechung auf kulturfreak.de

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Torquato Tasso
schauspielfrankfurt
Leonore Sanvitale (Friederike Kammer) und Leonore von Este (Ruth Marie Kröger)
Foto:
Alexander Paul Englert

Der junge, hochtalentierte Dichter Torquato Tasso übergibt seinem Mäzen, dem Herzog von Ferrara, sein neues, mit Spannung erwartetes Werk. Die Schwester des Herzogs, Prinzessin Leonore, krönt ihn zum Dank dafür symbolisch mit einem Lorbeerkranz. Die Aufmerksamkeit, die Tasso zuteil wird, trifft auf die Missbilligung Antonios, des Staatssekretärs von Ferrara. Er betrachtet die Ehrung als verfrüht. Tasso und Antonio geraten in einem hitzigen Wortgefecht aneinander, bei dem Tasso das Schwert zieht. Antonio verlangt vom Herzog harte Bestrafung für Tassos Übertretung. Der Herzog erteilt dem Dichter stattdessen Hausarrest. Tasso ist gleichwohl schwer gekränkt und glaubt an eine Verschwörung. Er will Ferrara verlassen. Ein letzter Versuch der Prinzessin, Tasso umzustimmen, endet in einer Katastrophe. Für Tasso zerbrechen eine Liebesillusion und ein dichterisches Ideal, das ihm die Versöhnung von Kunst und Leben verhieß.

„Der Mensch ist nicht geboren, frei zu sein“
Über Goethes „Torquato Tasso“
Als Goethe 1780 beginnt, sich mit der historischen Figur des Torquato Tasso zu beschäftigen, ist er bereits seit fünf Jahren am Weimarer Hof. Als Geheimer Rat und Erzieher des jugendlichen Prinzen Karl August trägt er politische und administrative Verantwortung. Die aufreibenden Staatsgeschäfte lassen seine künstlerische Tätigkeit fast vollständig ruhen – abgesehen von der Lyrik, der er sich, angeregt durch seine Beziehung zu Charlotte von Stein, weiterhin widmet, und einigen von ihm konzipierten Liebhaberaufführungen am Weimarer Hoftheater. In dieser künstlerisch für ihn krisenhaften Situation stößt Goethe auf die Gestalt des Torquato Tasso. Der italienische Renaissancedichter (1544-1595), der zwei Jahrhunderte zuvor am Hofe von Ferrara sein episches Hauptwerk Das befreite Jerusalem schrieb, erscheint ihm als geeignete Folie, seinen eigenen Zwiespalt als Künstler und Staatsmann in einem Drama zu reflektieren. Goethe, der später sagen wird, Tasso sei „Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch“, sieht in dem italienischen Poeten zugleich wegen dessen angeblicher, zur Legende gewordenen unglücklichen Liebe zur Prinzessin Leonore ein Pendant – denn auch Goethes ambivalentes Liebesverhältnis zu Charlotte von Stein sorgt für persönliche Konflikte und öffentliches Aufsehen. Die Arbeit an dem kaum begonnen Schauspiel muss Goethe jedoch zugunsten seiner Verpflichtungen am Weimarer Hof wieder zurückstellen.
Erst 1787 wendet er sich dem Stoff von neuem zu. Mittlerweile ist er aus Weimar, wo die Beanspruchung durch die Ämter ihn künstlerisch nahezu vollständig blockiert, nach Italien geflüchtet. Hier hofft er, in der Begegnung mit der Antike und ihrer Überlieferung durch die Renaissance zu seiner Identität als Künstler zurückzufinden. Das unvollendete Manuskript des Tasso befindet sich im Reisegepäck. Die Eindrücke der italienischen Landschaft sowie die Begegnung mit den Wirkungsstätten des historischen Torquato Tasso lassen ihn zwischen Rom, Palermo und Messina mit neuem Elan an dem Schauspiel weiterarbeiten. Sein Blick auf die Thematik hat sich allerdings verändert. Der Konflikt zwischen der Kunst und den gesellschaftlichen Anforderungen, der Goethe in Weimar zu zerreißen drohte, macht sich angesichts der neuen Erfahrungen nicht mehr mit derselben Schärfe bemerkbar; auch hat sich die Beziehung zu Charlotte von Stein abgekühlt. Erneut legt er das Manuskript beiseite.
Zurückgekehrt nach Weimar wendet Goethe sich zum dritten Mal dem Text zu – es sind mittlerweile neue Ereignisse und Erfahrungen zu verarbeiten und anhand der modellhaften Situation am Renaissancehof von Ferrara darzustellen. Die Welt ist eine andere geworden: Im Sommer 1789 hat die Französische Revolution einen Prozess eingeleitet, der die Epoche von Grund auf verändern wird. Goethe nimmt regen Anteil am Revolutionsverlauf und beschäftigt sich eingehend mit den Folgen der revolutionären Ereignisse für die politische Ordnung Europas. Nur zwei Wochen nach dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli stellt Goethe seinen Torquato Tasso fertig, der 1790, zehn Jahre nach Beginn der Arbeit, veröffentlicht wird. In diesem Werk des Revolutionssommers spiegelt sich Goethes intensive Auseinandersetzung mit den politischen und philosophischen Fragestellungen seiner Zeit wider, wie sie am eindrücklichsten in der Französischen Revolution zum Ausdruck kamen.
Während halb Europa vom Taumel der Freiheit erfasst wird, bleibt Goethe skeptisch. Er fragt nach dem Preis der Freiheit und der mit ihr einhergehenden Verantwortung des Subjekts. Geradezu prophetisch angesichts der weiteren Entwicklung der Revolution und der von ihr postulierten Ideale in der bürgerlichen Gesellschaft, nimmt sein Schauspiel die in der Realität auszutragenden Widersprüche vorweg.
Mit der kleinen Gruppe, die er im Torquato Tasso auf einem Lustschloss bei Ferrara versammelt, vollführt Goethe eine Art Gesellschaftsexperiment, um die Möglichkeiten und Grenzen individueller Freiheit zu ermessen. Der von der Aufklärung als frei proklamierte Mensch, den die Revolution auf die politische Tagesordnung setzt, provoziert die Frage, ob er denn schon reif sei für die von ihm eingeforderte Freiheit. Darf er, was er will und kann? Oder muss die Gesellschaft seiner Freiheit Grenzen setzen, um ihren Bestand nicht zu gefährden? Wenn ja, wo liegen diese Grenzen und wer bestimmt darüber? „Erlaubt ist, was gefällt“ oder „Erlaubt ist, was sich ziemt“, so lauten die beiden opponierenden, im Dialog zwischen Tasso und der Prinzessin geäußerten Positionen, mit denen Goethe das Problem der Freiheit in seinem Schauspiel umreißt. Was Tasso hier im Rückgriff auf ein mythisches Goldenes Zeitalter benennt, ist eine erst zu erringende Utopie. Auch Tasso scheint dies deutlich zu sehen, wenn Goethe ihn kurz zuvor sagen lässt: „Der Mensch ist nicht geboren, frei zu sein.“ Das heißt, Freiheit ist eine Aufgabe. Sie stellt sich mit der neuen, bürgerlichen Gesellschaft nicht gleichsam automatisch ein: Oft wird Freiheit als Zwang empfunden, und da, wo sie durchgesetzt wird, fehlt es ihr an Verantwortung.
(Katinka Deecke (Studentin der Theaterwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt), Hans-Peter Frings (Dramaturg am schauspielfrankfurt)

[© schauspielfrankfurt]

www.schauspielfrankfurt.de

Zur Inszenierung des Staatstheater Mainz:

Premiere:
17. Mai 08

Inszenierung: Dieter Boyer
Bühne: Hugo Gretler
Kostüme: Susanne Maier-Staufen

Mit: Verena Bukal, Monika Dortschy; Florian Hansel, Zlatko Maltar, Marcus Mislin

Kunst und Kommerz, Illusion und Realpolitik, Leidenschaft und Kalkül — zwischen diesen Polen spannt Goethe das Drama des Dichters Torquato Tasso. Er lebt und arbeitet erfolgreich, ungestört und großzügig gefördert am Hof seines Gönners, des Herzogs von Ferrara. Der Umgang des Künstlers mit seinem Mäzen und dessen Schwester ist beinahe familiär. Als aber mit dem pragmatischen Staatssekretär Antonio ein Mann der Realpolitik in die Gesellschaft hereinbricht, beginnt das vermeintliche Idyll brüchig zu werden. Die Wirklichkeit und ihre sozialen Zwänge schieben sich vor das künstlerische Selbstverständnis. Während Tasso für sich und sein Werk „Absolutheit", Unabhängigkeit und Unbedingtheit verteidigen möchte, ist er, wie er nun zunehmend feststellen muss, eben doch nicht wirklich frei. Werk und Dichter sind vielmehr in jeder Hinsicht deutlich enger an diejenigen gebunden, die seine Arbeit finanziell ermöglichen, als es für ihn erträglich ist.
Goethes Künstlerdrama veranschaulicht in einer Zeit, in der Sponsoring, privatwirtschaftliche Formen der Finanzierung und Mäzenatentum verstärkt an die Stelle der „Öffentlichen Hand" treten, die prekäre Situation der Kunst und ihrer Legitimationsprobleme im Kulturbetrieb.
Dieter Boyer assistierte von 1999 bis 2001 u. a. bei Andrea Breth, Claus Peymann und Martin Kusej am Wiener Burgtheater. Er arbeitet mit jungen Autoren an Stückentwicklungen und ist Kurator und Juror des New Yorker Theaterfestivals „hotink" und des „International Black Sea Theatre Festival" in Trabzon. In Mainz waren von ihm in der Spielzeit 2006/2007 „Kick 'n' Rush" im TiC für Kids und Schülers „Der Parasit", in der Spielzeit 2007/2008 das Jugendstück „Crash" von Sera Moore Williams zu sehen. [© Staatstheater Mainz]

www.staatstheater-mainz.de

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