kulturfreak

Theater, Stückeinfo: I

I hired a contract killer oder Wie feuere ich meinen Mörder

Nach dem Drehbuch von:
Aki Kaurismäki
Deutsch von: Michel Bodmer
Uraufführung der Bühnenadaption: 14. März 1997 (Hannover, Staatstheater)

Für die Theaterfassung des Films „I hired a Contract Killer“ des finnischen Filmregisseurs Aki Kaurismäki ( ("Leningrad-Cowboys go America") steht lediglich ein Filmscript zur Verfügung, kein kompletter Theatertext. Insoweit unterscheidet sich jede Inszenierung dieses Stückes deutlich.

Zur Handlung:
Henri Boulanger hat zwei linke Hände, ein schiefes Lächeln und ein leeres Adreßbuch. Sein Leben verbringt er hinter Aktenbergen, sein Zuhause ist eine spärlich möblierte Wohnung mit Blick auf eine Backsteinmauer. Ein Mann, der nie wagt und nie gewinnt und auch nichts mehr zu verlieren hat. Außer Job und Leben. Nach seiner fristlosen Kündigung beschließt Henri zu sterben. Aber das ist gar nicht so einfach...

Zur Inszenierung des Centraltheater Leipzig:
Studioproduktion der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig

Premiere: 9. März 11

Regie: Michael Schweighöfer
Bühne: Michael Schweighöfer
Kostüme: Ines Schweighöfer
Licht: Veit-Rüdiger Griess
Dramaturgie: Michael Billenkamp, Johannes Kirsten

Mit: Mareike Beykirch, Carolin Haupt, Zenzi Huber, Jacob Keller, Benjamin Kiesewetter, Janco Lamprecht, Benjamin Lillie, Hanna Werth, Raimund Widra

www.schauspiel-leipzig.de 

Zur Inszenierung des schauspielfrankfurt:

Premiere:
20. November 05

Regie: Florian Fiedler
Raum: Michael Graessner
Ausstattung: BerndSchneider
Musik: Christoph Heeg

Besetzung:

Henri Boulanger:
Andreas Leupold
Margaret: Irene Klein
Killer: Wolfgang Gorks
In weiteren Rollen: Christian Kuchenbuch, Robert Kuchenbuch, Abak Safaei-Rad
Musiker: Christoph Heeg


Besprechung auf kulturfreak.de

Florian Fiedler, Regie
Geboren am 23. Mai 1977 in Hamburg.

Theater
1997-1998 Theaterprojekte mit Behinderten am Thalia Theater Hamburg

1998-2001 Regieassistent am Theater Basel
u.a. bei Stefan Bachmann, Lars-Ole Walburg, Nicolas Stemann, Sebastian Hartmann, Tim Staffel, Katharina Thalbach, Albrecht Hirche, Andreas Homoki
gemeinsame Regiearbeit mit Vincent Crowley:
Who loves you, Baby...? – The nearly Elvis-Show mit Schauspielern sowie Tänzern der Schlömer-Company;

seit 2001 freier Regisseur:
Deutsches Schauspielhaus Hamburg
Planet Porno (Projekt / UA); 2002
Plastilin von Wassilij Sigarew (DE); 2002
Der Kuss des Kohaku von Peter Stamm (UA); 2004
Knopf und Lukas der Lokomotivführer nach Michael Ende; 2004

Theater Basel
norway.today von Igor Bauersima(SE); 2002
99 Grad von Albert Ostermaier; 2003
Münchner Volkstheater
Klein Eyolf von Henrik Ibsen; 2003
Nieder Bayern; 2003

Arbeiten am Schauspiel Frankfurt:
Spielzeit 2003/2004: Lolita von Vladimir Nabokov
Spielzeit 2004/2005: Die Leiden des jungen Werther von Johann Wolfgang Goethe
Spielzeit 2005/2006: I hired a Contract Killer oder Wie feuere ich meinen Mörder nach dem Drehbuch von Aki Kaurismäki, Regie: Florian Fiedler
Spielzeit 2006/2007: Fahrenheit 451” nach dem Roman von Ray Bradbury, Regie: Florian Fiedler / Peer Gynt - Im Norwegerpulli ans Ende vom Ich, Monolog frei nach H. Ibsen, Regie: Florian Fiedler / Tod eines Handlungsreisenden von Arthur Miller
Spielzeit 2007/2008: Ein Volksfeind von Henrik Ibsen / Doppel-Feature: Zur Sache Dandy! Ein Projektil von Florian Fiedler und Robert Lehniger ~ Dear Wendy nach dem Drehbuch von Lars von Trier; Uraufführung, Regie: Florian Fiedler, Robert Lehniger
Spielzeit 2008/2009: Amphitryon nach Molière von Heinrich von Kleist / Zeit zu lieben, Zeit zu sterben von Fritz Kater
Spielzeit 2009/2010: Das Weisse Album nach The Beatles, ins Deutsche übertragen von Roland Schimmelpfennig, ein inszeniertes Live-Konzert, Regie: Florian Fiedler
Spielzeit 2010/2011: Blick von der Brücke, Arthur Miller, Regie: Florian Fiedler

Von der Spielzeit 2006/07 bis einschließlich der Spielzeit 2008/2009 war er Hausregisseur am schauspielfrankfurt und Kurator der Spielstätte schmidtstrasse12.
Anlässlich der Vergabe des Gertrud-Eysoldt-Rigs in Bensheim: Förderpreis für Regie 2004 für die Inszenierung Nieder Bayern am Münchener Volkstheater.
Bester Nachwuchsregisseur 2004, Kritikerumfrage Theater heute für die Inszenierungen Niederr Bayern am Münchener Volkstheater und Lolita am schauspielfrankfurt.
Für seine Inszenierung am schauspielfrankfurt “Die Leiden des jungen Werther” von Johann Wolfgang Goethe erhielt Fiedler im Mai 06 den Publikumspreis des Theaterfestivals Radikal jung in München.

www.schauspielfrankfurt.de

Ich war Staatsfeind Nr. 1
Schauspiel

Von: Wolfgang Welsch
Mitarbeit: Sylvia Martin
Nach der gleichnamigen Autobiografie
Uraufführung: 25. April 2010 (Trier, Theater Trier)

Zur Inszenierung des Theater Trier:

Premiere:
25. April 10 (Uraufführung)
Theatercafé: 18. Februar 10 (11.15 Uhr im Foyer)

Inszenierung: Frank Asmus
Bühnenbild: Kerstin Laube
Kostüme: Kerstin Laube
Dramaturgie: Sylvia Martin

Wolfgang Welsch, gerade mal 20 Jahre jung, will die Deutsche Demokratische Republik Mitte der 60er Jahre verlassen. Doch die Flucht wird am Grenzübergang entdeckt und vereitelt. Welsch wird als Republikflüchtling inhaftiert und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Immer wieder setzt Welsch dem Regime Widerstand entgegen und soll mit Folter und einer Scheinhinrichtung zu einem angepassten Verhalten gezwungen werden. Anfang der 70er Jahre gelangt er durch einen Freikauf der Bundesregierung in den Westen. Dort wird er zum erfolgreichen Fluchthelfer und verhalf vielen Akademikern in die Freiheit. Nachdem die Staatssicherheit versucht seine Fluchthilfe-Organisation vergeblich zu unterwandern, beschließt sie die Liquidierung des Staatsfeinds Nr.1. Doch Wolfgang Welsch überlebt...

Der Roman ICH WAR STAATSFEIND NR. 1, der auf authentischen Erlebnissen des Autors Wolfgang Welsch beruht, wurde zum großen Erfolg. Als Auftragswerk für das Theater Trier dramatisierte Welsch den Stoff des Romans. Gemäß dem Spielzeitmotto stand.ort.suche.deutschland, setzt sich das Stück mit der Geschichte der ehemaligen DDR auseinander und thematisiert die brisante Frage nach Widerstand und Anpassung in einem totalitären System.

Die Uraufführung inszeniert Frank Asmus, der im Studio erfolgreich bei Becketts ENDSPIEL Regie führte. [© Theater Trier]

 
www.theater-trier.de

Ich werde hier sein im Licht und im Schatten

Von: Christian Kracht
Deutsche Erstaufführung: 2. Juli 10 (Stuttgart, Schauspiel Stuttgart)

Zur Inszenierung des Schauspiel Stuttgart:

Premiere:
2. Juli 10 (Deutsche Erstaufführung; Depot)

Regie: Armin Petras
Kostüme: Katja Strohschneider
Video: Niklas Ritter
Licht: Norman Plathe

Man erinnerte sich nicht mehr. Es waren fast einhundert Jahre Krieg. Es war niemand mehr am Leben, der im Frieden geboren war.

Etwas ist in der Geschichte im Jahre 1917 anders verlaufen, nur eine Kleinigkeit: Lenin hat sein Züricher Exil nicht verlassen, sondern ist in der Schweiz geblieben und hat hier den Sowjet-Staat, die Schweizer Sowjet Republik (SSR), gegründet. Der hiervon ausgehende alternative Weltverlauf bildet den Hintergrund von Christian Krachts Roman "Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten".
Seit Lenins bolschewistischer Revolution herrscht Krieg in der Schweiz. Terror, Barbarei und Angst bestimmen das Leben. Die kommunistischen Ideale sind in weite Ferne gerückt, der Mensch löscht sich und seine Kultur im andauernden Krieg selber aus.
In diesem Setting bekommt ein schwarzer Schweizer Parteikommissär den Auftrag, den flüchtigen Oberst Brazhinsky, der als ideologisch unzuverlässig angesehen wird, festzunehmen.
Der Kommissär nimmt die Verfolgung durch die vom Krieg ausgeblutete Schweiz auf und findet Brazhinsky im Réduit. Das Réduit, der ganze Stolz der SSR, ist eine Alpenfestung. Ein Tunnelsystem in den Bergen, das von Soldatenmassen stetig ausgebaut wird. Was dem Schein zufolge mächtig wirkt, ist jedoch ein System, das seinem Zweck, letzte Bastion des Kriegs zu sein, längst entfremdet ist.
Die geplante Festnahme Brazhinskys im Réduit verläuft nicht im Sinne des Parteikommissärs. Brazhinsky, vom Krieg müde, zeigt seinem Verfolger die Unwirklichkeit und Verlogenheit des Sowjet-Systems und nimmt sich in dem Moment, in dem das Réduit von feindlichen Mächten zerstört wird, das Leben. Der Parteikommissär entkommt dem Angriff, flüchtet und entdeckt, dass die letzte Möglichkeit der Hölle des Krieges zu entkommen im Aufbruch in die Natur liegt. Er macht sich auf den Weg zurück zu seinen Wurzeln und sucht eine Zukunft, in der Mensch und Natur miteinander verwachsen.

Armin Petras, Regisseur, Autor und seit 2006 Intendant des Maxim Gorki Theaters Berlin, bearbeitet den Roman von Christian Kracht für die Bühne und präsentiert sich dem Stuttgarter Publikum erstmalig mit einer Regiearbeit. [© Schauspiel Stuttgart]

www.staatstheater.stuttgart.de/schauspiel

Ich werde sein ~ Das Drama Rosa Luxemburg

Zur Inszenierung des Freien Schauspiel Ensembles:

Premiere:
30. September 11, 20 Uhr

Inszenierung: Reinhard Hinzpeter
Bühne: Gerd Friedrich
Kostüme: Sabine Steusloff
Textfassung: Reinhard Hinzpeter

Mit: Michaela Conrad, Naja Marie Domsel, Bettina Kaminski

Ich werde sein ~ Das Drama Rosa Luxemburg
© Freies Schauspiel Ensemble

Frankfurt. 26. September 1913. Titania, Bockenheim. Eine kleine verwachsene Person, deutsch-polnische Jüdin tritt an das Rednerpult und fordert die Frankfurter Arbeiter auf, mit Massenstreiks den Ausbruch des Ersten Weltkrieges zu verhindern: Rosa Luxemburg. Freiheitskämpferin, Staatsfeindin, Pazifistin, Terroristin, Revoluzzerin – Viele Namen für eine Frau, die nach wie vor polarisiert. Aber welche Gesichter verbergen sich dahinter? Wer war diese Frau, die mit Macht ihren Weg suchte – an der Universität, in der Partei, in der Liebe? Was macht sie bis heute zur politischen Reizfigur? Aus Briefen, Artikeln, Essays und Reden hat Reinhard Hinzpeter ein Theaterstück entwickelt, das versucht, sich dieser widersprüchlichen, schillernden, lebenshungrigen und kraftstrotzenden Persönlichkeit zu nähren. [© Freies Schauspiel Ensemble Frankfurt]


Rahmenprogramm:
25. September, 11 Uhr – Matinee, Regisseur Reinhard Hinzpeter im Gespräch über die Inszenierung
03. Oktober, 18 Uhr – Historisches Stadtteil-Kaleidoskop, Bockenheim 1913: Ein Stadtteil am Vorabend des 1. Weltkriegs
13. November, 19.30 Uhr – Volk-Ohn-Macht? Publikumsdiskussion, mit Vertretern aus Bürgerbewegung, Politik und Wissenschaft

www.freiesschauspiel.de

Ein idealer Gatte (An Ideal Husband)
Komödie in vier Akten

Von: Oscar Wilde
Uraufführung: 3. Januar 1895 (London, Theatre Royal, Haymarket)
Deutsche Erstaufführung: 25. Mai 1905 (München, Residenztheater)

Oscar Wilde:
Oscar Fingal O' Flahertie Wills Wilde kam am 16. Oktober 1854 in Dublin zur Welt. Er besuchte 1864-1871 die Portora Royal School in Enniskillen und studierte 1871-1874 klassische Literatur am Trinity College in Dublin und 1874-1878 am Magdalen College in Oxford. Neben der Schriftstellerei wandte sich Oscar Wilde der Kunst im weitesten Sinne zu; er wurde zu einem Verfechter der Idee des Ästhetizismus und unterstützte das Motto "Kunst um der Kunst willen" (L'art pour l'art). Seine literarischen Arbeiten wurden von kunstphilosophischen Abhandlungen und Essays begleitet, die unter den ästhetizistischen Künstlern seiner Zeit bekannt und diskutiert waren. Wilde wurde bereits zu seiner Zeit als Schriftsteller bewundert und war im prüden viktorianischen England zugleich als Skandalautor und Dandy verschrien. Er war berühmt für geschliffene Eloquenz und sein extravagantes Auftreten.

Nach 1882 hielt er Vorlesungen in den USA und Kanada, wurde aber von der Kritik lächerlich gemacht. Wilde arbeitete 1887-1889 für die Pall Mall Gazette und danach als Herausgeber der Zeitschrift Woman's World. Während dieser Jahre veröffentlichte er die für seine Söhne geschriebene Märchensammlung "Der glückliche Prinz und andere Märchen" (The Happy Prince and Other Tales, 1888, Kunstmärchen) und "Das Bildnis des Dorian Gray" (The Picture of Dorian Gray, 1891). In den folgenden Jahren schrieb Oscar Wilde etwa jährlich ein neues Werk, vor allem Gesellschaftskomödien. Am bekanntesten sind Lady Windermere´ s Fächer (Lady Windermere’s Fan, 1892), Eine Frau ohne Bedeutung (A Woman of No Importance, 1893), Ein idealer Gatte (An Ideal Husband, 1895) und Bunbury (The Importance of Being Earnest, 1895), welches ein satirisches Abbild der Oberklasse darstellt und als sein bestes Werk gilt.

Am 30. November 1900 starb Oscar Wilde im Pariser "Hotel d’ Alsace" an den Folgen einer Hirnhautentzündung, die aus einer chronischen Mittelohrentzündung resultierte. Der Mythos, Wilde habe an der damals unheilbaren Syphilis gelitten, konnte unlängst durch zwei südafrikanische Wissenschaftler widerlegt werden.
[© Felix Bloch Erben, Berlin]

Zur Inszenierung des Schauspielhaus Zürich unter dem Titel „Der ideale Mann“:
Deutsche Fassung von Elfriede Jelinek nach einer Übersetzung von Karin Rausch

Premiere: 9. Dezember 11 (Schweizerische Erstaufführung)

Regie: Tina Lanik
Bühne: Stefan Hageneier
Kostüme: Su Sigmund
Musik: Rainer Jörissen
Licht: Frank Bittermann
Dramaturgie: Thomas Jonigk

Besetzung:

Sir Robert Chiltern:
Markus Scheumann
Lord Caversham: Ludwig Boettger
Lord Goring, sein Sohn: Patrick Güldenberg
Phipps, Lord Gorings Diener: Janina Schauer
Lady Chiltern: Isabelle Menke
Mabel Chiltern: Julia Kreusch
Mrs. Cheveley: Susanne-Marie Wrage
Lady Markby: Miriam Maertens

Der anerkannte Parlamentarier Sir Robert Chiltern wird wegen seines makellosen und vorbildlichen Charakters von seiner Frau als „idealer Mann“ verehrt. Sie ahnt nichts – oder will nichts ahnen – von seinen dunklen Seiten, zu denen Hab- und Machtgier sowie Skrupellosigkeit gehören.
Oscar Wildes sarkastische Komödie DER IDEALE MANN von 1895 wird ab dem 9. Dezember als Schweizerische Erstaufführung der Neufassung von Elfriede Jelinek im Pfauen zu sehen sein. Als Regisseurin gibt Tina Lanik, 2003 Nachwuchsregisseurin des Jahres bei der Kritikerumfrage der Zeitschrift „Theater heute“ und zuletzt in Hannover und München tätig, ihr Debüt am Schauspielhaus Zürich.

Oscar Wildes „An Ideal Husband“ wurde 1895 am Londoner Haymarket Theatre uraufgeführt. Der Titel dieser von Erpressung, politischer Korruption und Heuchelei erzählenden Komödie lautete im Deutschen üblicherweise „Der ideale Gatte“ oder „Ein perfekter Ehemann“; Elfriede Jelinek nennt ihre Neufassung, die nach der Uraufführungsinszenierung durch Barbara Frey am 23. November 2011 am Wiener Burgtheater, in der Schweiz erstmals aufgeführt wird, DER IDEALE MANN. Und das ist nicht der einzige Unterschied: Wie schon in Elfriede Jelineks Bearbeitung von Oscar Wildes „The Importance of Being Earnest“ („Ernst ist das Leben“) bilden monströse Männer und Frauen die Bestandteile einer emotional und intellektuell ausgehöhlten, selbstgerechten Gesellschaft, die gerade deshalb so reibungslos funktioniert, weil jeder sich nur noch für sich selbst und sein eigenes Fortkommen interessiert. So erscheint die politische Intrige nicht als Ausnahme, sondern als wesenhafter Bestandteil der Politik. Und die Unfähigkeit zur Menschlichkeit als prägendes Charakteristikum des Menschen.

Tina Lanik wurde 1974 in Paderborn geboren, wuchs in Stuttgart auf und studierte Politikwissenschaft an der Universität Wien. Ursprünglich wollte sie in den diplomatischen Dienst treten, hospitierte dann aber bei Elmar Goerden und wurde von ihm als Regieassistentin ans Schauspielhaus Wien empfohlen. Nach Assistenzen in Stuttgart, Wien und Lausanne gab sie mit der „Belgrader Trilogie“ von Biljana Srbljanovic am Rabenhof Theater in Wien ihr Regiedebüt. 2002 begann ihre Arbeit für das Bayerische Staatsschauspiel in München, 2003 wurde sie in der Kritikerumfrage der Zeitschrift „Theater heute“ zur Nachwuchsregisseurin des Jahres gewählt. Sie inszenierte bereits u.a. am Schauspielhaus Bochum, am Theater am Neumarkt Zürich, am Deutschen Theater Berlin, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, am Wiener Burgtheater, dem Schauspiel Frankfurt, am Düsseldorfer Schauspielhaus und am Schauspiel Hannover. Für Tina Lanik ist DER IDEALE MANN die erste Auseinandersetzung sowohl mit dem Werk von Oscar Wilde als auch mit der Sprache von Elfriede Jelinek, der Literaturnobelpreisträgerin von 2004. [© Schauspielhaus Zürich]

www.chauspielhaus.ch

Zur Inszenierung des English Theatre Frankfurt:

Premiere:
26. Februar 10

Regie: Simon Green
Bühne: Bob Bailey
Licht-Design: Frank Kaster
Ton-Design: David Gummper
Kostüme-Design: Constanze Walldorf
Casting Director: Amy Rycroft

Besetzung:
Sir Robert Chiltern:
Richard Grieve
Lady Chiltern: Sarah Desmond
Miss Mabel Chiltern: Ellie Turner
Viscount Goring: Gregory Finnegan
Mrs. Cheveley: Emma Pallant
The Earl of Caversham: Hayward Morse
Lady Markby: Marjorie Hayward
Mason / Phipps: Paul Aves



Besprechung auf kulturfreak.de

An Ideal Husband
English Theatre Frankfurt
v.l.n.r.: Lady Markby (Marjorie Hayward), Lady Chiltern (Sarah Desmond) und Mrs. Cheveley (Emma Pallant)
Foto: Anja Kühn

Oscar Wilde selbst sagte zu seinem Stück, das bis heute triumphale Erfolge feiert: „I really think it reads the best of my plays.“
Auch ein von seiner Frau als „idealer Gatte“ bezeichneter Mann hat eine Leiche im Keller: Sir Robert Chiltern, hochangesehener Parlamentarier, verdiente sein Vermögen in jungen Jahren mit dem Verrat wichtiger Kabinettsgeheimnisse. Die gerissene Mrs. Cheveley weiß um die zwielichtige Vergangenheit und versucht Chiltern durch Erpressung für ihre Zwecke einzusetzen. Doch dieser Plan wird raffiniert durchkreuzt.
Mit Geist, Ironie und rabenschwarzem Humor entlarvt Oscar Wilde in dieser Satire die Scheinheiligkeit der High-Society. [© English Theatre Frankfurt]

www.english-theatre.org

Illusionen
Komödie

Von: Iwan Wyrypajew
Deutsche Übersetzung: Stefan Schmidtke
- Auftragswerk der Theater Chemnitz -
Uraufführung: 29. September 11 (Chemnitz, Schauspielhaus Chemnitz)

Zur Inszenierung der Städtischen Theater Chemnitz:

Premiere:
29. September 11 (Uraufführung; Schauspielhaus Chemnitz / Ostflügel)

Regie: Dieter Boyer
Bühne und Kostüme: Ralph Zeger
Musik: Bernhard Fleischmann

Besetzung:

Erste Frau:
Susanne Stein
Zweite Frau: Julia Berke
Erster Mann: Michael Pempelforth
Zweiter Mann: Hartmut Neuber

Stück und Inszenierung
Erzählt wird die Geschichte zweier befreundeter Paare, die ein Leben miteinander verbrachten. Und erzählt wird die Geschichte einer großen Illusion, die sich Liebe nennt.
Danny liebt seine Frau Sandra. Kurz vor seinem Tod ist er sich dessen gewiss. Doch Sandra liebt schon immer Albert, auch wenn weder Albert noch Danny etwas davon ahnten – bis sie es Albert kurz vor ihrem Tod gestand. Albert dachte, seine Frau Margret zu lieben. Doch da wahre Liebe auf Gegenseitigkeit beruhen muss, liebt Albert jetzt Sandra. Zumindest glaubt er das. Und wer oder wen liebt Margret? Eigentlich Albert. Doch sie hatte ein Verhältnis mit Danny. Zumindest sagt sie das. Ein Scherz, denn sie ist eine Frau mit glänzendem Humor.
Aber wo bleiben die Gewissheiten der gemeinsam verbrachten Zeit?

Im Spiel der Illusionen verliert sich die Grenze zwischen Lüge und Wahrheit. Es verführt zu romantischen Liebeserklärungen und es enttarnt trügerische Liebesverklärungen. Lustvoll changierend zwischen Trugbildern und Realitäten entblättern vier Erzähler das Leben von Danny, Sandra, Albert und Margret. In der Inszenierung des Regisseurs Dieter Boyer, bekannt für seine Arbeiten, die den Rahmen der klassischen Theateraufführung verlassen, wie u. a. bereits in Chemnitz zu erleben bei „Privatleben“ von Ulrike Syha oder „Wolken.Heim“ von Elfriede Jelinek, haben Zuschauer und Spieler einen gemeinsamen Raum. Sie hören Geschichten, die in der gemeinsamen Imagination aufscheinen und in der Erzählung erlebt werden.

Autor und Regieteam

Iwan Wyrypajew (Autor)
ist Jahrgang 1974 und einer der wichtigsten russischen Dramatiker seiner Generation. Er stammt aus Sibirien, hat in Irkutsk und Moskau Regie studiert und ist vor allem durch seine Stücke „Sauerstoff“ und „Juli“ auch international bekannt geworden. Seine Theaterstücke sind mehrfach ausgezeichnet worden. Das Stück „Illusionen“ ist ein Auftragswerk, das er für das Schauspiel Chemnitz geschrieben hat – und ein Stück, das schon jetzt sehr stark im internationalen Fokus ist: Einen Tag nach der Uraufführung in Chemnitz findet bereits die Russische Erstaufführung in Moskau statt, die der Autor selbst inszeniert und für die er auch als Schauspieler auf der Bühne steht, gefolgt von weiteren, u.a. der Ungarischen Erstaufführung in Budapest und Anfang des nächsten Jahres der Schweizer Erstaufführung am Schauspielhaus Zürich.

Dieter Boyer (Regie)
arbeitete von 1988 - 1997 als Schauspieler, war von 1990 - 1993 als Journalist für den ORF und die „Neue Zeit“ tätig, assistierte an der „Escuela de Arte Dramatico“ Valladolid in Spanien und baute ab 1997 das Theater im Bahnhof in Graz auf, als Schauspieler und Regisseur. 1999 ging er dann als Regieassistent u. a. für Claus Peymann und Martin Kušej an das Burgtheater Wien, seit 2001 ist er freischaffender Regisseur. Seitdem inszeniert er an zahlreichen Theatern wie u. a. am Burgtheater Wien, am Altonaer Theater Hamburg, am Schauspielhaus Graz, am Staatstheater Mainz und am Staastheater Mannheim. Am Schauspiel Chemnitz brachte er bisher zwei Auftragswerke der Autorin Ulrike Syha zur Uraufführung und inszenierte in der vergangenen Spielzeit Elfriede Jelineks „Wolken.Heim“. Nach „Illusionen“ übernimmt er die Uraufführung von Ulrike Syhas neuem Stück „Radikale“ im Februar 2012.

Ralph Zeger (Bühne und Kostüme) / Bernhard Fleischmann (Musik)
Mit dem Bühnen- und Kostümbildner Ralph Zeger, der an den Staatstheatern in Stuttgart tätig war, in Karlsruhe und Mainz, am Burgtheater Wien, am Volkstheater und am Schauspielhaus in Wien, an den Schauspielhäusern in Köln, Basel, Graz und Hamburg, am Theater Oberhausen, am Aalto Theater Essen und an der koreanischen Nationaloper in Seoul, arbeitete Regisseur Dieter Boyer bereits mehrfach zusammen – ebenso wie mit dem Musiker Bernhard Fleischmann, der derzeit zu den international gefragtesten Indietronic-Musikern und -Komponisten gehört. Kongenial ergänzen sich diese Künstler in ihren konzeptionellen Suchbewegungen. Text, Körper, Raum, Spiel, Sound und Bild wachsen in ihrer gemeinsamen Arbeit zu einem Gesamtkunstwerk, das auf mehrfachen Ebenen lesbar wird. [© Theater Chemnitz]

www.theater-chemnitz.de

Im Dickicht der Städte

Von:
Bertold Brecht (10.2.1898-14.8.1956)

Uraufführung: 9. Mai 1932 (München, Residenztheater)

Zur Inzenierung des Theater Willy Praml, Frankfurt:

Premiere:
25.August 06, 20h
Aktuelle Vorstellungen:
Donnerstag, 17.5.07, 20h (ab 19:30h Einführung in das Stück)
Freitag, 18.5.07, 20h (ab 19:30h Einführung in das Stück)
Samstag, 19.5.07, 20h (ab 19:30h Einführung in das Stück, mit anschl. Publikumsgespräch)
Sonntag, 20.5.07, 20h (ab 19:30h Einführung in das Stück)


Regie: Willy Praml
Ausstattung: Michael Weber
Dramaturgie: Frank Moritz

mit: Nazir Abdaly, Reinhold Behling, Hertha Georg, Klaus Gößwein, Gabriele-Maria Graf, Birgit Heuser, Anneli Reichel, Tim Stegemann, Michael Weber

Im Dickicht der Städte
Theater Willy Praml, Frankfurt/M
Birgit Heuser (Shlink), Hertha Georg (Mae Garga), Anneli Reichel (Jane Larry) & Reinhold Behling (John Garga/Wurm/Hotelbesitzer)
Foto: Seweryn

"Sie befinden sich im Jahre 1912 in der Stadt Chicago. Sie betrachten den unerklärlichen Ringkampf zweier Menschen und Sie wohnen dem Untergang einer familie bei, die aus den Savannen in das Dickicht der großen Stadt gekommen ist. Zerbrechen Sie sich nicht den Kopf über die Motive dieses Kampfes, sondern beteiligen Sie sich an den menschlichen Einsätzen, beurteilen Sie unparteiisch die Kampfform der Gegner und lenken Sie Ihr Interesse auf das Finish." (Bertolt Brecht).

Der Holzhändler Shlink, ein Malaie, sucht einen Gegner für den Kampf. George Garga, Angestellter in einer Leihbibliothek, übernimmt, "ohne nach dem Grund zu fragen", die Rolle des Gegners. Die beiden setzen alles ein, was sie besitzen und was zu ihnen gehört. Ihr Kampf scheint ihrer Einsamkeit ein Ende zu machen und dem Chaos, in dem sie sich fühlen, einen Sinn zu geben, bis Shlink gesteht: "Die unendliche Vereinzelung des Menschen macht eine Feindschaft zum unerreichbaren Ziel.... Ja, so groß ist die Vereinzelung, daß es nicht einmal einen Kampf gibt...." Shlink, der den puren Kampf gewollt hat und seine Unmöglichkeit einsieht, vergiftet sich, bevor Gargas Lyncher kommen , und Garga, dem es bei dem Kampf nicht darauf ankam, " der Stärkere zu sein, sondern der Lebendige" überlebt; die Partnerschaft der Feindschaft ist zu Ende, er ist allein. Sein "Finish": " Allein sein ist eine gute Sache. Das Chaos ist aufgebraucht. Es war die beste Zeit." [Theater Willy Praml]

Besprechung auf kulturfreak.de

www.theater-willypraml.de (externer Link)

Im Wald ist man nicht verabredet

Von:
Anne Nather
Deutsche Erstaufführung: 1. Oktober 2011 (Chemnitz, Schauspielhaus Chemnitz)

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere:
28. Februar 12 (Box)

Regie: Laura Linnenbaum
Bühne: Daniel Wollenzin
Kostüme: Lene Schwind
Musik: Johannes Kühn
Dramaturgie: Johanna Vater

Mit: Henriette Blumenau; Johannes Kühn, Moritz Pliquet

Im Wald ist man nicht verabredet
Schauspiel Frankfurt
Vorabfoto mit Moritz Pliquet, Henriette Blumenau, Johannes Kühn
© Sophie Linnenbaum

Ein abgelegenes Haus im Wald wird zum Rückzugsort für ein Brüderpaar und sein Schicksal. Denn Simon ist sterbenskrank und für Anton wird das Pflegen zur alleinigen Lebensaufgabe – lediglich in seiner Kunst findet er eine Auszeit von der Realität. Da taucht Elsie auf. Selbst auf der Suche nach einem Neuanfang bricht sie die Strukturen der Brudersymbiose auf und stellt den eingespielten Alltag der Geschwister auf den Kopf. [© schauspielfrankfurt]

www.schauspielfrankfurt.de

Zur Inszenierung der Städtischen Theater Chemnitz:

Premiere:
1. Oktober 11 (Deutsche Erstaufführung; Schauspielhaus Chemnitz / Ostflügel)

Regie: Alexandra Wilke
Bühne: Thomas Weinhold
Kostüme: Sophie Weikert

Besetzung:

Simon:
Sebastian Tessenow
Anton: Guido Schikore
Elsie: Lena Sophie Vix

Stück und Inszenierung
Simon und sein Bruder Anton haben sich in den Wald zurückgezogen, haben sich abgeschottet von der Welt. Simon ist todkrank und versucht jeden Tag neue Mittel und Wege, seinem Leben möglichst schnell ein Ende zu setzen. Anton werkelt an einer überdimensionalen Skulptur aus den Überresten, die die Zivilisation der Natur überlassen hat.
Eines Tages tritt Elsie aus dem Uhrschrank. Sie ist auf der Suche nach einem roten Faden in ihrem Leben, den sie sich durch ihre zahllosen Nacherzählungen von Filmhandlungen zusammenbastelt. Als willkommene Abwechslung und Eindringling zugleich bringt sie Dynamik an den entlegenen Ort und die Ahnung, dass sich die Dinge nachhaltig ändern werden ...

Fast einem Märchen gleicht die reizvolle Kombination dieser drei Menschen, die sich in einem rätselhaften Kosmos befinden. Biografie- und geschichtslos bewegen sie sich durch die Zeit, die aber gleichsam stillzustehen scheint. In poetisch beziehungsvollen Szenen entfaltet die Autorin Anne Nather in ihrem Stück eine Dreiecksgeschichte, die mehr als nur von Abhängigkeit, Liebe und Eifersucht erzählt.

Nach seiner Uraufführung am Schauspielhaus Zürich wird dieses Stück nun am Schauspiel Chemnitz als Deutsche Erstaufführung zu erleben sein.

Regieteam

Alexandra Wilke (Regie)
realisierte am Schauspiel Chemnitz bereits mehrere Uraufführungen, u. a. von Anne Habermehl („Küss mich hinter Kaufhof“) und Johanna Kaptein („Lohnarbeit und Liebesleid & Die Fortsetzung“), die beide ebenso wie Anne Nather „Szenisches Schreiben“ an der Universität der Künste studierten. Zweimal hintereinander wurde Alexandra Wilke als Nachwuchsregisseurin des Jahres in der Kritikerumfrage von Theater Heute nominiert. Seit Sommer 2011 arbeitet sie als freie Regisseurin.

Thomas Weinhold (Bühne) / Sophie Weikert (Kostüme)
Die Regisseurin Alexandra Wilke arbeitet erstmals mit dem Bühnenbildner Thomas Weinhold zusammen, der sich dem Chemnitzer Publikum mit der Ausstattung der Deutschsprachigen Erstaufführung des Stückes „Ladybird“ von Wassilij Sigajew vorstellte. Mit der Kostümbildnerin Sophie Weikert erarbeitete sie bereits mehrere Chemnitzer Produktionen wie „Menschen bei der Arbeit“ (Henriette Dushe, UA) oder auch „Lohnarbeit und Liebesleid & Die Fortsetzung“. 
[© Theater Chemnitz]

www.theater-chemnitz.de

I WENT TO THE HOUSE BUT DID NOT ENTER

SZENISCHES KONZERT IN DREI BILDERN VON HEINER GOEBBELS MIT TEXTEN VON T. S. ELIOT, MAURICE BLANCHOT, SAMUEL BECKETT

Konzept, Musik und Inszenierung: Heiner Goebbels
Bühne und Licht: Klaus Grünberg
Kostüme: Florence von Gerkan
Sounddesign: Willi Bopp
Uraufführung: 28. August 08 (Edinburgh, Edinburgh International Festival)

Produktion: Théâtre Vidy-Lausanne (Schweiz)
Koproduktion: Edinburgh International Festival 2008 (Royaume-Uni), schauspielfrankfurt, Teatro Comunale di Bolzano / Stadttheater Bozen (Italien), Grand Théâtre de Luxembourg, Musica, festival international des musiques d’aujourd’hui de Strasbourg (Frankreich)
Korealisation: Carolina Performing Arts at The University of North Carolina at Chapel Hill (USA) , Hopkins Center, Dartmouth College, Hanover (USA); mit Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia für die Tournee.

Zur Deutsche Erstaufführung am schauspielfrankfurt am 24. – 27. September 2008, 20.00 Uhr, Großes Haus

Aufführungen: 24. - 27. September 08

Mit:
Countertenor:
David James
Tenor: Rogers Covey-Crump
Tenor: Steven Harrold
Bariton: Gordon Jones
The Hilliard Ensemble

Als I WENT TO THE HOUSE BUT DID NOT ENTER am 28. August 2008 seine Uraufführung beim Edinburgh International Festival 2008 hatte, waren Publikum und Presse einhellig begeistert. Nun kommt die neueste Arbeit des Komponisten und Regisseurs Heiner Goebbels zur Deutschen Erstaufführung an das schauspielfrankfurt, das dieses beeindruckende Stück vier Tage in der Mainmetropole präsentiert.

Der Titel dieses szenischen Konzertes, das mit dem weltbekannten Vokalquartett The Hilliard Ensemble entwickelt wurde, signalisiert bereits, dass nicht viel passieren wird. Aber vielleicht gehört das zu den Geheimnissen der Arbeit von Heiner Goebbels, dass sie ohne das große Spektakel auskommt und dennoch eine große Anziehung auf den Zuschauer ausübt.

I WENT TO THE HOUSE BUT DID NOT ENTER ist ein szenisches Konzert in drei Bildern, in sich abgeschlossen und jeweils einem Text der Literatur des 20. Jahrhunderts gewidmet. Obgleich streng voneinander getrennt, haben diese unterschiedlichen Texte doch eines im Blick: einem fragmentierten anonymen ›Ich‹ viele Stimmen und Facetten zu verleihen. Allen Texten ist das Misstrauen gegenüber linearen Erzählformen gemeinsam, auch wenn die Texte voller Geschichten sind. Diese Erzählungen geben ihren oft paradoxen Sinn nur preis, wenn wir sie als Zuhörer vervollständigen.

I WENT TO THE HOUSE BUT DID NOT ENTER ist in Koproduktion mit schauspielfrankfurt am Théâtre Vidy-Lausanne entstanden und wurde beim Edinburgh International Festival 2008 uraufgeführt.

HEINER GOEBBELS
Der Komponist und Regisseur Heiner Goebbels gehört zu den vielseitigsten Grenzgängern der zeitgenössischen Musik- und Theaterszene. Ab Mitte der 80er Jahre wurde er durch seine Hörstücke vor allem nach Texten von Heiner Müller bekannt. Seit den 90er Jahren folgten Kompositionen für verschiedene Ensembles und Orchester, u.a. Ensemble Modern, Berliner Philharmoniker, Junge Deutsche Philharmonie. In seinen von ihm selbst auch inszenierten Musiktheaterstücken, die auch am schauspielfrankfurt zu sehen waren – wie Schwarz auf Weiß, Max Black, Eislermaterial, Hashirigaki, Landschaft mit entfernten Verwandten, Eraritjaritjaka – findet er zu originären Sprech- und Musiktheater verbindenden Formen. Seit Ende 1999 ist Goebbels Professor am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen und leitet seit 2006 auch die Hessische Theaterakademie. Von Oktober 2007 bis Juli 2008 ist er Fellow am Wissenschaftskolleg Berlin.

THE HILLIARD ENSEMBLE
The Hilliard Ensemble wird allgemein als der Welt sublimstes Ensemble vokaler Kammermusik gesehen, und sein Ruhm ist höchstwahrscheinlich konkurrenzlos in beiden Bereichen, dem der Alten und der Neuen Musik. Sein distinguierter Stil und seine hoch entwickelte Musikalität führen den Hörer sowohl ins Repertoire des Mittelalters und der Renaissance als auch in speziell für die Gruppe geschriebene Werke lebender Komponisten.

[© schauspielfrankfurt]

www.schauspielfrankfurt.de

In jeder Beziehung
Komödie

Von: Lars Albaum und Dietmar Jacobs

Zur Inszenierung des Berliner Theater am Kurfürstendamm:

Premiere:
12. Juli 10 (Berliner Erstaufführung)
Wiederaufnahme: 10. Juli 11 (bis 14. August 11)

Regie: Horst Johanning
Bühne: Tom Presting
Kostüm: Regina Schill

Mit : Jochen Busse, Heide Keller, Monica Kaufmann, Marko Pustišek, Kerstin Radt und Fabian Goedecke

In jeder Beziehung
Theater am Kurfürstendamm (Berlin)
Jochen Busse ist in der Komödie "In jeder Beziehung" auf der Suche nach dem perfekten Seitensprung
Foto: Johannes Zacher

Leah und Paul sind in die Jahre gekommen, wie auch ihre Ehe: Es hat sich Routine eingeschlichen, aber beide haben sich darin gemütlich eingerichtet. Sie schenkt ihm zum 24. Hochzeitstag einen Nasenhaarschneider, er ihr einen elektrischen Fußwärmer. Leahs Freundin Katja, die schon längere Zeit Single ist und nichts anbrennen lässt, findet: „Ehe ist einfach ein Unfall“ und die ihrer Freundin ist für sie besonders öde. Pauls Freund Dieter, ein etwas unappetitlicher Möchtegern-Playboy, sieht das ähnlich. Der monogame Lebensentwurf der Ehejubilare gerät durch die beiden Freunde, die ständig vom wilden Single-Dasein, Lust, Laster und Partnertausch schwärmen, stark ins Wanken. Das Paar fasst einen Entschluss: Jeder gewährt dem anderen einen Seitensprung, aber nur einen! Doch zwischen Theorie und Praxis in Sachen Seitensprung liegen Welten.

Die Autoren
Lars Albaum und Dietmar Jacobs
... haben schon häufig zusammen gearbeitet. Nachdem die zwei bereits 2005 für den Adolf-Grimme-Preis und den Deutschen Fernsehpreis nominiert waren, erhielten sie 2006 den begehrten Adolf-Grimme-Preis in der Kategorie Serien und Mehrteiler für das Drehbuch zu „Stromberg“. Vorher waren sie schon mit Vorlagen zu den Comedy-Serien „Das Amt“ und „Die Hinterbänkler“ aufgefallen. Hier wurde Jochen Busse auf die beiden aufmerksam, denn er spielte jeweils die Hauptrolle. Daraufhin bat er sie, für ihn zu schreiben. So entstanden bereits für das Theater die Komödien „Einmal nicht aufgepasst“, „Das andalusische Mirakel“ und jetzt „In jeder Beziehung“.

Paul
„Wenn man ehrlich ist, ist die Ehe sowas wie Microsoft Windows. Die meisten entscheiden sich dafür, aber richtig funktionieren tuts bei keinem.“

Jochen Busse
... hat schon alles gemacht. Angefangen hat er als Statist an den Münchner Kammerspielen bei Fritz Kortner. Es folgten Theatertourneen mit Stücken wie „Die 12 Geschworenen“ oder „Tod eines Handlungsreisenden“. Er arbeitete im Düsseldorfer Kommödchen und gehörte von 1976 bis 1991 zum Ensemble und Autorenteam der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, eine Phase, über die Busse vor einiger Zeit der dpa in einem Interview sagte: „... künstlerisch gesehen, war das meine schönste Zeit“. Es folgten Fernsehserien wie „Drei Mann im Bett“ und „Die Hinterbänkler“. Später dann war Jochen Busse 10 Jahre lang „der Mann in der Mitte“ in der Comedy-Reihe „7 Tage – 7 Köpfe“. Zeitgleich gab er 70 Mal den pingeligen Amtsleiter Hagen Krause in „Das Amt“. 2007 startete er gemeinsam mit Henning Venske die Tournee „Legende trifft Urgestein“. Das aktuelle Folgeprogramm der beiden hat den Titel „Inventur“. Die Berliner Morgenpost schrieb anlässlich des Berliner Gastspiels über die beiden „Gentleman-Grantler“: „... nie um ein bitterböses Poltern, eine messerscharfe Analyse oder eine erbarmungslos demaskierende Pointe verlegen.“
Busse steht zum dritten Mal im Theater am Kurfürstendamm auf der Bühne. Sein erstes Stück war 2003 „Einmal nicht aufgepasst“, 2006 folgte „Das andalusische Mirakel“. Damals gestand er in einem Interview: „Wenn die Zuschauer abends um halb elf Bravo rufen, dann laufe ich danach über den Kudamm mit dem Gefühl ´Dir gehört die Stadt´“. Das ist 2010 bestimmt nicht anders.

Leah
„Ich bin seit 55 Jahren in der katholischen Kirche, ich wähle seit 37 Jahren CDU und ich bin seit 24 Jahren verheiratet.“

Heide Keller
Ihre Liebe gehört schon seit Schulzeiten der Schauspielerei. Daher lag es nahe, die Leidenschaft zum Beruf zu machen. Nach ihrer Ausbildung spielte sie viele klassische Frauenrollen. Später entdeckte sie ihre Vorliebe für Komödien. Zu ihren großen Erfolgen zählen unter anderem „Barfuß im Park“ und „Irma la Douce“. Nach zahlreichen Bühnen- und TV-Engagements entdeckte Wolfgang Rademann sie 1981 im Theater am Kurfürstendamm und bot ihr eine Rolle in der Serie „Traumschiff“ an. Vom Stapellauf bis heute ist Heide Keller als Chefstewardess mit von der Partie und kümmert sich um das Wohl der Passagiere. Auch für die Crew hat sie immer ein offenes Ohr. Als einzige im Team ist sie von Anfang an dabei. Seit einiger Zeit schreibt sie auch einzelne Episoden für die immer noch quotenstarke Serie. Zwischen den Drehs spielt Heide Keller regelmäßig Theater. Die Bühne ist ihr zu Hause.

Die Freunde
Monica Kaufmann und Marko Pustišek
Monica Kaufmann und Marko Pustišek stehen als Katja und Dieter auf der Bühne. In „Das andalusische Mirakel“ stand Monica Kaufmann schon einmal gemeinsam mit Jochen Busse auf der Bühne. Damals spielte sie dessen Ehefrau. Fernsehzuschauer kennen Marko Pustišek vorallem durch seine Rollen in Produktionen wie „Alles was zählt“, „SOKO Kitzbühel“ und „Schloßhotel Orth“. Neben seiner Fernsehtätigkeit steht er auch immer wieder auf der Bühne. So war er bereits am Theater in der Josefstadt Wien, an der Landesbühne Hannover sowie am Theater an der Kö in Düsseldorf zu sehen.

Die potentiellen Seitensprung-Kandidaten
Kerstin Radt und Fabian Goedecke Kerstin Radt machte von 1999 bis 2002 als Isabella Santos in „Verbotene Liebe“ von sich reden. Es folgten verschiedene TVProduktionen wie „Für alle Fälle Stefanie“, „Rosenheim Cops“ und „St. Angela“. Außerdem moderierte sie „The Dome“. Bereits in „Das andalusische Mirakel“ stand sie gemeinsam mit Jochen Busse auf der Bühne und lieferte mit ihrer Rolle der Nelli ein glänzendes Theaterdebüt.
Fabian Goedecke war bereits in diversen Theaterstücken wie „Ladies Night“, „Männerhort“, „Schöne Geschichten mit Mama und Papa“ und „Der Diener zweier Herren“ zu sehen . Daneben stand er auch für verschiedene TV-Produktionen vor der Kamera. So wirkte er in den ARD-Serien „Lindenstraße“ und „Verbotene Liebe“ mit, weitere Rollen übernahm er in der RTL-Serie „Unter uns“, der SAT.1-Comedyserie „Broti & Pacek“ und der ZDF-Produktion „Die Nesthocker“.

Der Regisseur
Horst Johanning
... inszeniert am liebsten Ur-Aufführungen - „Das ist wie Reisen in ein unbekanntes Land.“ Er arbeitet auch als Übersetzer aus dem Englischen und übertrug Stücke von Autoren wie Derek Benfield, John Chapman und Richard Everett ins Deutsche. Er ist Vizepräsident des deutschen Bühnenvereins und Vorsitzender der Privattheatergruppe. Viele seiner großen Erfolge mit den Größen des deutschsprachigen Theaters sind im Fernsehen ausgestrahlt worden. In den Bühnen am Kurfürstendamm konnte man von ihm zuletzt „Einmal nicht aufgepasst“ und „Das andalusische Mirakel“ sehen.

[© Theater und Komödie am Kurfürstendamm, Berlin]

www.komoedie-berlin.de

In seiner frühen Kindheit ein Garten

Roman von:
Christoph Hein
Für die Bühne bearbeitet von: Jens Groß

Uraufführung: 7. April 06 (Frankfurt, schauspielfrankfurt)

Zur Inszenierung des schauspielfrankfurt:

Premiere:
7. April 06


Regie: Armin Petras
Bühne: Kathrin Frosch
Kostüme: Annette Riedel
Licht: Norman Plathe
Dramaturgie: Jens Groß
Regieassistenz: Jörg Reimer
Bühnenbildassistenz: Julia Plickat
Kostümassistenz: Katja Strohschneider
Souffleuse: Christine Schneider
Inspizienz: Annette Thurm
Ton: Oliver Blohmer, Franziska Rudolphi, Josef Rennert
Maske: Karin Junghardt, Verena Martin
Technische Produktionsleitung: Anette Kahler, Klaus Oberüber
Technische Einrichtung: Nico Ramie
Requisite: Albrecht Haevernick, Stefan Markert, Helmut Stumvoll
Regiehospitanz: Lisa Zoh, Johann Kuithann
Dramaturgiehospitanz: Marija Karaklajic
Bühnenbildhospitanz: Martina Bauer
Kostümhospitanz: Johanna von Gehren

Besetzung:

Richard Zurek:
Andreas Leupold
Friederike Zurek, seine Frau: Friederike Kammer
Christin, seine Tochter: Katrin Grumeth,
Heiner, sein Sohn: Simon Solberg
Feuchtenberger, sein Anwalt: Gunnar Teuber

»Fest steht: Sie haben diesem, meinem Oliver nichts nachweisen können. Dennoch ist er erschossen worden. Und da der Staat sich keine Blöße geben darf, wenn er sich angegriffen fühlt, wurden alle Beweise für eine mögliche Überreaktion des Staates und die mögliche Unschuld des Jungen vernichtet und alle Zeugen zum Schweigen gebracht. Ich stehe hier, um Ihnen etwas ganz anderes zu sagen: Ich war Direktor dieser Lehranstalt. Ich habe einen Eid geleistet, den Amtseid eines Staatsangestellten. Ich habe geschworen, das Grundgesetz und alle Gesetze des Landes gewissenhaft zu wahren. Da der Staat aber seine eigenen Gesetze nicht wahrt, bin ich von meinem Amtseid entbunden. Vor Ihnen allen als meinen Zeugen: Ich widerrufe hiermit meinen Eid.«  (Richard Zurek in “In seiner frühen Kindheit ein Garten”)

In seiner frühen Kindheit ein Garten
schauspielfrankfurt
Katrin Grumeth, Friederike Kammer, Andreas Leupold
Foto:
Alexander Paul Englert

Christoph Hein hat in seinem letzten Roman In seiner frühen Kindheit ein Garten auf eine authentische Rahmenhandlung zurückgegriffen. Es geht um die nie restlos geklärten Todesumstände des RAF-Mitglieds Wolfgang Grams, der 1993 auf dem Bahnhof im mecklenburgischen Bad Kleinen bei der Aktion eines Sondereinsatzkommandos ums Leben kam. Grams heißt im Roman Oliver Zurek (beide sind in Wiesbaden aufgewachsen), dessen später zu lebenslanger Haft verurteilte Lebensgefährtin Birgit Hogefeld taucht als Katharina Blumenschläger auf. Christoph Hein bemüht sich nicht, die Analogien zu kaschieren, wenngleich er keine Dokumentation, sondern eine fiktive, emotionale Bestandsaufnahme aus der Perspektive von Zureks Eltern liefert.

In seinem im letzten Jahr erschienenen Essayband Aber der Narr will nicht hat Christoph Hein von den Intellektuellen gefordert, »gegen den Konsens der Zeit und gegen den allgemeinen Konformismus mit der Macht und den Mächtigen« zu kämpfen. Richard Zurek, der Vater des zu Tode gekommenen RAF-Mitglieds, verkörpert diese Maxime in Reinkultur: Wiesbaden in den 90ern. Dr. Richard Zurek, ein pensionierter Gymnasialdirektor, wird von den Umständen, unter denen sein des Terrorismus verdächtigten Sohnes Oliver am Bahnhof von Kleinen ums Leben kam, zunehmend irritiert. Ein Minister trat zurück, der Generalbundesanwalt wurde in den Ruhestand versetzt – für Zurek und seine Frau mehr als nur Indizien dafür, daß ihr Sohn weder einen Beamten erschossen noch sich selbst das Leben genommen hat. Wie im authentischen Fall Grams werden entlastende Zeugen jedoch als unglaubwürdig bezeichnet. Der Direktor beginnt, gestützt von einer altmodischen Moralität, seinen Kampf um Gerechtigkeit – für seinen Sohn. Aus dem gleichen Grund, aus dem er bisher arglos dem Staat vertraut hatte, kämpft er jetzt mit rechtlichen Mitteln gegen diesen Staat um Aufklärung. Die Entwicklung, die der alte Direktor dadurch nimmt, verändert sein Weltbild und damit sein ganzes Leben, auch das Verhältnis zu seiner Frau und seinen Kindern. Ein leise anschwellender Prozeß mentaler Radikalisierung im und am Alltag dieses alten Ehepaares. Letztendlich auch eine große Liebesgeschichte, eine westdeutsche Geschichte, die uns alle angeht.

Die Theaterfassungen der beiden Romane von Christoph Hein sind sowohl einzeln als auch an einigen wenigen Wochenenden an einem Abend zusammen zu sehen.

schauspielfrankfurt

Iphigenie auf Tauris
Schauspiel in 5 Aufzügen

Von:
Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

Entstanden: 1779
Versfassung: 1787
Uraufführung der Prosafassung: 6. April 1779 (Ettersburg)
Uraufführung der Versfassung: 15. Mai 1802 (Weimar, Regie: Friedrich Schiller)

Zur Inszenierung des Theater Bielefeld:

Premiere:
15. September 11

Inszenierung: Christian Schlüter
Bühne und Kostüme: Jochen Schmitt
Dramaturgie: Claudia Lowin
Regieassistenz und Abendspielleitung:  Agnes Langenbucher
 
Besetzung:

Iphigenie:
 Nicole Lippold
Thoas, König der Taurier: Stefan Imholz
Orest:  John Wesley Zielmann
Pylades: Georg Böhm
Arkas: Guido Wachter 

Agamemnon, Heerführer und Urenkel des Tantalus, opfert seine älteste Tochter Iphigenie der Göttin Diana, um günstige Winde für die griechische Flotte nach Troja zu erflehen. Ihre Mutter Klytaimnestra ermordet daraufhin ihren Ehemann. Iphigenies Bruder Orest muss den Fluch erfüllen, der auf der Familie lastet. Er tötet seine Mutter und ihren Geliebten und verfällt durch die Erynnien, die Rachegöttinnen, in Wahnsinn. Gott Apollo prophezeit ihm die einzige Möglichkeit, den Fluch zu lösen: er muss seine Schwester von Tauris nach Griechenland zurück holen. Da Orest die eigene Schwester Iphigenie für tot hält, glaubt er, es handele sich um Apolls Zwillingsschwester, die Göttin Diana, deren Statue er aus dem taurischen Tempel rauben soll. Was Orest nicht weiß, ist, dass die Göttin Diana Iphigenie vor dem Opfertod gerettet hat und sie nach Tauris entführte, wo sie ihr als Priesterin dient. Stiller Widerwille schwelt in Iphigeniens Brust, denn sie sehnt sich zurück in ihre Heimat Griechenland. Thoas, König von Tauris, wirbt um sie und droht mit der Wiedereinführung der Menschenopfer, falls sie seinen Antrag nicht erhört. Er befiehlt ihr, zwei gefangen genommene Fremde der Göttin Diana zu opfern. Dies stellt sie vor eine schwere Aufgabe: Die beiden Fremden sind ihr Bruder Orest und dessen Freund Pylades.
Iphigenie und König Thoas leben auf einer abgelegenen Insel und wissen nichts von den Vorgängen im Rest der Welt. Sie können nicht adäquat auf die Flut an Informationen und Forderungen der über sie hereinbrechenden Griechen reagieren. Auch das im Stück eingeschriebene humanistische Ideal Goethes, das über ihr Versagen oder Gelingen entscheidet, überfordert sie; sie sind unsicher, denn nur Iphigenie kann den Fluch vom Haus Tantals nehmen und den tödlichen Zwist zwischen Griechen und Taurern abwenden. Plötzlich steht Iphigenie vor der Frage, für welche der beiden Seiten sie sich entscheiden soll, obwohl ihr doch die emotionale Bindung an Tauris die Rückkehr nach Griechenland erschwert. Aber Gefühle spielen in der neuen Welt keine Rolle. Letztlich entscheidet sich Iphigenie für ihre eigentliche Heimat Griechenland und Thoas lässt sich zu einem Frieden durch Worte bringen.
In Iphigenie auf Tauris stehen sich eine archaische und eine moderne Kultur gegenüber. Zwei Welten, zwei unvereinbare gesellschaftliche Modelle treffen aufeinander. Die Folge ist der Verlust von Kultur und der Verlust von Gewissheiten. Das Stück erzählt vom Ringen um das Bewahren des Einen und des Anderen. Christian Schlüter zeigt dies in seiner Inszenierung darin, dass die Figuren in Kostümen aus verschiedenen Zeiten gekleidet sind und sich in unterschiedlichen Spielweisen gegenüberstehen. Ein Gestern und ein Heute begegnen sich. Dazwischen steht Iphigenie, die für beide Seiten Liebe und Achtung empfindet, und deren vehementer Wunsch nach einem Zusammenkommen dieser unvereinbaren kulturellen Gegensätze das Zentrum der Auseinandersetzung bildet. Diese Wünsche haben auch heute noch eine Relevanz: Iphigenie will Wahrheit und Wahrhaftigkeit, kann aber am Ende nicht verhindern, dass sich eine »Hochkultur« der scheinbar überholten archaischen Kultur bemächtigt. Iphigenies und Goethes hehre Forderungen werden schließlich entwertet, denn auch Iphigenie selbst wird von den Griechen »geraubt« und vermarktet. Wieder einmal wird eine Kultur im Zuge der Evolution verschwinden.

Inszenierung:
Christian Schlüter
ist seit Beginn der Spielzeit 06/07 Oberspielleiter des Schauspiels am Theater Bielefeld, dem er bereits zuvor viele Jahre als regelmäßiger Gastregisseur eng verbunden war. Vor seinem Engagement in Bielefeld arbeitete er seit 1998 als freischaffender Regisseur und Lehrbeauftragter am Studiengang Schauspieltheater-Regie in Hamburg. Er inszenierte u. a. die Uraufführung von Brechts Hans im Glück und Gesine Dankwarts Girlsnightout am Thalia Theater Hamburg, Früchte des Nichts von Ferdinand Bruckner und Liebelei von Arthur Schnitzler am Schauspielhaus Bochum sowie das maß der dinge von Neil LaBute und Die Wildente von Henrik Ibsen am Staatsschauspiel Dresden. Er führte außerdem Regie bei William Shakespeares Was ihr wollt am Theater Oberhausen, Friedrich Hölderlins Der Tod des Empedokles am Landestheater Tübingen und bei der Ring-Uraufführung von Fritz Katers Tanzen! am Schauspiel Leipzig, die in Kooperation mit dem Theater Graz und dem Berliner Maxim Gorki Theater durchgeführt wurde.
Am Bielefelder Theater inszenierte Schlüter u. a. die Uraufführung von Marlene Streeruwitz‘ Dentro, Amphitryon nach Molière von Kleist, Ödipus von Sophokles, Shakespeares Romeo und Julia, Elling von Hellstenius/Naess, Der Raub der Sabinerinnen/Frau Director Striese (UA) von den Brüdern von Schönthan, das Projekt Schlachten/Samurai, Hauptmanns Die Weber, Der Menschenfeind von Molière, Homo faber von Max Frisch, Neil LaButes Fettes Schwein, den dritten Uraufführungsabend aus der Reihe Schöne Neue Werte, Schillers Maria Stuart, Hesses Steppenwolf, Gegen die Wand, Don Karlos, die deutschsprachigen Erstaufführungen von Schwarm (Essaim) sowie Steven Fechters Die Kommission und The Woodsman, Sophokles’ Antigone, Shakespeare König Heinrich der Vierte und zuletzt die Uraufführung von David Gieselmanns Falscher Hase sowie die deutschsprachige Erstaufführung von Giuseppe Tomasi di Lampedusas Der Leopard. Christian Schlüter, geboren in Nesselwang im Allgäu, studierte nach seinem Abitur zunächst zwei Jahre Theaterwissenschaften an der Universität in Bochum und von 1990-94 Schauspieltheater-Regie bei Jürgen Flimm und Manfred Brauneck in Hamburg. Nach seinem Studium war er bis 1998 als Regieassistent am Thalia Theater Hamburg tätig.

Bühne und Kostüme
Jochen Schmitt
, geboren 1975 in Speyer/Pfalz, studierte Bühnen- und Kostümbild an der Kunsthochschule Berlin-Weissensee mit anschließender Meisterschülerernennung 2008. Seit 2004 eigene Arbeiten in Schauspiel und Musiktheater u. a. in Aachen, Berlin, Dessau, Karlsruhe, Mainz und Zürich. Am Theater Bielefeld war er bereits für das Bühnenbild von Die Hermannsschlacht in der Spielzeit 2008/09 verantwortlich.    [© Theater Bielefeld]

www.theater-bielefeld.de

Zur Inszenierung des schauspielfrankfurt

Premiere:
30. August 07 (Bockenheimer Depot !)

Inszenierung, Raum und Kostüme: Wanda Golonka
Dramaturgie: Susanne Traub
Inspizienz: Lisa Ahle / Thomas Nossek
Licht: Frank Kraus
Technische Produktionsleitung: Josef Dreker
Technische Einrichtung: Johannes Richter, Tobias Wagner
Ton: Bernhard Klein, Josef Rennert
Maske: Lutz Paschke, Anke Scharlach
Strickmaske: Sylvia Schäfer
Requisite: Iris Hagen
Regieassistenz: Anna Konjetzky
Bühnenbildassistenz: Britta Kloss
Kostümassistenz: Julia Plickat
Dramaturgieassistenz: Ulrich Volz
Souffleuse: Alexandra zu Stolberg

Besetzung:
Iphigenie:
Falilou Seck
Thoas, König der Taurier: Georgette Dee
Orest: Bert Tischendorf
Pylades: Fabian Gerhardt
Arcas: Jennifer Minetti

»Verteufelt human« nannte Goethe seine Iphigenie. Damit umschreibt er den Versuch, dichterisch einer barbarischen Geschichte und Gegenwart zu entkommen. Der Fluch auf dem Haus der Tantaliden hat Iphigenie getroffen. Ihr Vater Agamemnon hat sie Diana geopfert, um im Krieg gegen die Trojaner seiner Flotte günstige Winde zu verschaffen. Die Göttin rettete Iphigenie und setzte sie auf Tauris als Priesterin in ihrem Tempel ein. Iphigenie sehnt sich ins Land der Griechen zurück, König Thoas jedoch möchte die Fremde heiraten. Da sie seine Werbung abschlägt, setzt Thoas den alten Brauch wieder ein, Fremde auf dem Altar Dianas zu opfern. Ausgerechnet Iphigenies Bruder Orest scheint das Los als ersten zu treffen. Nach dem Mord an seiner Mutter hofft dieser dem Fluch zu entkommen, indem er dem Gott Apollon das Standbild der Diana bringt. Doch auf Tauris begegnet er der eigenen Schwester. Iphigenie, im Konflikt zwischen Vertrauensbruch und Rettung des Bruders, offenbart sich Thoas und sagt ihm die Wahrheit. Seiner Liebe entsagend lässt er die Fremden in ihre Heimat ziehen. Ist das der Preis der »verteufelten« Humanität: menschlich handeln, aber einsam sein? [© schauspielfrankfurt]

www.schauspielfrankfurt.de

Iwanow
Drama in vier Akten

Von: Anton Tschechow
Uraufführung: 19. November 1887 (Moskau, Korsch-Theater)
Uraufführung der überarbeiteten Fassung: 31. Januar 1988 (St. Petersburg, Alexandrinski-Theater)
Deutsche Erstaufführung: 17. Oktober 1919 (Berlin, Deutsches Theater)

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere:
17. Februar 12

Regie: Christoph Mehler
Bühne: Nehle Balkhausen
Kostüme: Anne Hölzinger
Musik: Oliver Urbanski
Licht: Johannes Richter
Dramaturgie: Nora Khuon

Besetzung:

Nikolai Alexejewitsch Iwanow:
Isaak Dentler
Anna Petrowna: Claude De Demo
Graf Matwej Semjonowitsch Schabelskij: Ernst Alisch
Pawel Kirillytsch Lebedew: Thomas Huber
Sinaida Sawischna: Heidi Ecks
Sascha: Lisa Stiegler *
Jewgenij Konstantinowitsch Lwow: Martin Rentzsch
Marfa Jegorowna Babakina: Sandra Gerling
Dimitrij Nikitytsch Kosych: Matthias Scheuring
Michail Michajlowitsch Borkin: Sascha Nathan
Awdotja Nasarowna: Josefin Platt
Musiker: Oliver Urbanski

* Mitglied des Schauspiel STUDIO Frankfurt.

Besprechung auf kulturfreak.de

Iwanow
Schauspiel Frankfurt
Iwanow (Isaak Dentler), Sascha (Lisa Stiegler)
© Birgit Hupfeld

Noch vor einem Jahr war Iwanow voller Kraft, Leidenschaft und Hoffnung. Doch jetzt, ohne einen besonderen Anlass, sind ihm Energie und Ideale abhanden gekommen. Er ist ausgebrannt, selbst die Liebe zu seiner Frau Anna ist erloschen. Einzig in der jungen Sascha scheint die Möglichkeit auf Glück nochmals auf.
Tschechow verfasst mit gerade einmal 27 Jahren die groteske Komödie über eine Gesellschaft im Stillstand. In ihrer Mitte der unbehauste, einsame Iwanow, der, von den Ansprüchen der Welt überfordert, kapituliert.

Christoph Mehler (Regie)
1974 in Berlin geboren, studierte zunächst Schauspiel, bevor er erste Erfahrungen als Regisseur in der freien Szene sammelte. Von 2003 bis 2006 assistierte Christoph Mehler am Deutschen Theater Berlin u.a. Dimiter Gotscheff, Jürgen Kruse und Armin Petras. Von 2006 bis 2009 war er dort Leiter der Spielstätte »Box und Bar«, wo er bei insgesamt zehn Inszenierungen Regie führte, darunter »Motortown« und »Pornographie« von Simon Stephens. Christoph Mehler inszeniert u.a. am Staatstheater Nürnberg, Staatstheater Braunschweig, Staatstheater Mainz sowie am Schauspielhaus Wien und Theater Dortmund. Seit Beginn der Spielzeit 2011 / 12 ist er als Hausregisseur am Schauspiel Frankfurt engagiert.

Nehle Balckhausen (Bühne)
Geboren 1978 in Köln. Sie studierte Bühnen- und Kostümbild an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und an der »École nationale supérieure des arts décoratifs« in Paris. Sie assistierte am Maxim Gorki Theater und am Deutschen Theater in Berlin, dort entstanden erste eigene Kostüm- und Bühnenbilder. Seit 2008 ist sie als freischaffende Bühnenund Kostümbildnerin tätig. Seit 2006 arbeitet sie kontinuierlich mit Christoph Mehler zusammen. Am Schauspiel Frankfurt war sie Bühnenund Kostümbildnerin für dessen Inszenierung von Patrick Marbers »Hautnah« in den Kammerspielen.

Anne Hölzinger (Kostüme)
Geboren in Berlin. Sie studierte zunächst Architektur an der Hochschule der Künste Berlin. Anschließend arbeitete sie als Bühnen- und Kostümassistentin am Thalia Theater Hamburg und am Deutschen Theater Berlin. Für das Deutsche Theater Berlin realisierte sie außerdem verschiedene Möbelentwürfe und konzipierte die dritte Spielstätte »Box und Bar«. Hier entstanden erste eigene Arbeiten, u.a. mit den Regisseuren Christoph Mehler, Bettina Bruinier, Jo-Anna Hamann und Ivan Panteleev. Seit 2008 arbeitet sie als Bühnen- und Kostümbildnerin unter anderem am Centraltheater Leipzig, am Deutschen Theater Berlin und am Staatstheater Nürnberg. Am Schauspiel Frankfurt gestaltete sie zuletzt Bühne und Kostüme von »Liliom«.

Oliver Urbanski (Musik)
Geboren 1975, arbeitet als Schauspieler, Musiker und Komponist. Er studierte Schauspiel an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« Berlin. Sein erstes festes Engagement führte ihn ans Berliner Ensemble. Als Theatermusiker komponierte und spielte er u.a. in Produktionen von Peter Zadek und Claus Peymann. Gastspiele und Tourneen führten ihn u.a. zu den Wiener Festwochen, dem Edinburgh International Festival, der Ruhrtriennale und den Ruhrfestspielen. Er arbeitet seit mehreren Jahren mit Christoph Mehler zusammen und zeichnet sich u.a. bei seinen letzten beiden Inszenierungen »Liliom« am Schauspiel Frankfurt und »Woyzeck« am Staatstheater Nürnberg für die Musik verantwortlich.            [© schauspielfrankfurt]

www.schauspielfrankfurt.de

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