kulturfreak

Theater, Stückeinfo: H

Hamlet
Drama in 5 Akten

Von: Wiliam Shakespeare
Uraufführung: 1601 (London)
Deutsche Erstaufführung: 16. Januar 1773 (Wien)

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:
In einer Neuübersetzung von Roland Schimmelpfennig

Premiere: 3. Dezember 11 (Schauspielhaus)

Regie: Oliver Reese
Bühne: Hansjörg Hartung
Kostüme: Bernd Skodzig
Mitarbeit Kostüm Dorothee Joisten
Musik: Jörg Gollasch
Musikalische Einstudierung Wolfgang Runkel
Licht Frank Kraus
Kampfchoreografie: Peter Theiss
Dramaturgie: Nora Khuon

Besetzung:

Hamlet, Prinz von Dänemark:
Bettina Hoppe
Geist, Hamlets Vater, der verstorbene König von Dänemark: Felix von Manteuffel
König Claudius, der Bruder des verstorbenen Königs: Till Weinheimer
Königin Gertrude, Hamlets Mutter: Stephanie Eidt
Polonius, Berater des Königs / Priester: Peter Schröder
Laertes, Polonius’ Sohn: Sébastien Jacobi
Ophelia, Polonius’ Tochter: Sandra Gerling
Rosenkranz, Studienkollege / 2. Totengräber: Mathis Reinhardt
Güldenstern, Studienkollege / Totengräber: Christian Bo Salle
Osric, ein Höfling: Johannes Kühn*
Fortinbras, Prinz von Norwegen: Moritz Pliquet*

* Mitglied des Schauspiel STUDIO Frankfurt

Besprechung auf kulturfreak.de

Hamlet
Schauspiel Frankfurt
Getrud (Stephanie Eidt), Güldenstern (Christian Bo Salle), Rosenkranz (Mathis Reinhardt), Ophelia (Sandra Gerling)
© Birgit Hupfeld

Krisen und Konflikte erschüttern Dänemark. Der alte König, kürzlich verstorben, findet keine Ruhe und geht als Geist um. Dessen Bruder hat die Herrschaft durch geheimen Mord an sich gerissen und die Frau des Ermordeten geheiratet. Der norwegische Prinz Fortinbras steht an der Grenze und erhebt Gebietsansprüche. Dazwischen der eigentliche Thronfolger Hamlet. Er soll eingreifen, ordnen, den Konflikt lösen, soll ungesühnten Brudermord und Thronraub rächen, das Böse richten und die Ruhe im Land wiederherstellen. Aber er kann nicht. Statt zu handeln, flüchtet er sich in Gedankenspiele, statt einzugreifen verharrt er in der Rede. Oliver Reese, von dem zuletzt »Phädra« und »Der Nackte Wahnsinn« zu sehen waren, wird »Hamlet« in einer für Frankfurt angefertigten Neuübersetzung von Roland Schimmelpfennig auf die Bühne bringen.

Regieteam

Oliver Reese (Regie)
geboren 1964. Er studierte in München und arbeitete als Regieassistent an den Münchner Kammerspielen, am Düsseldorfer Schauspielhaus und am Bayerischen Staatsschauspiel. 1989 ging er als Dramaturg an das Bayerische Staatsschauspiel, 1991 als Chefdramaturg an das Ulmer Theater. 1994 bis 2001 war Oliver Reese Chefdramaturg am Maxim Gorki Theater Berlin, danach Chefdramaturg und Stellvertretender Intendant unter Bernd Wilms am Deutschen Theater Berlin, wo er u. a. mit Hans Neuenfels, Robert Wilson, Michael Thalheimer und Jürgen Gosch arbeitete. In der Spielzeit 2008/09 war Oliver Reese Intendant am Deutschen Theater, seit der Spielzeit 2009/10 leitet er das Schauspiel Frankfurt.
Reese brachte zahlreiche Dramatisierungen (»Berlin Alexanderplatz« von Alfred Döblin, »Lolita« nach Nabokov) und Stücke nach biografischen Texten auf die Bühne (»Bartsch, Kindermörder«, »Emmy Göring an der Seite ihres Mannes«). »Emmy Göring« wurde 1999 mit dem Friedrich-Luft- Preis der Berliner Morgenpost ausgezeichnet. In den Kammerspielen des Deutschen Theaters erarbeitete er »Goebbels« auf Grundlage der Tagebücher des NS-Propagandaministers, »Der Mann ohne Eigenschaften« nach Robert Musil und »Ritter, Dene, Voss« von Thomas Bernhard. Am Düsseldorfer Schauspielhaus inszenierte er »Treulose« nach Ingmar Bergman und »Warum tanzt ihr nicht« nach Erzählungen von Raymond Carver. Am Schauspiel Frankfurt inszenierte Oliver Reese Jean Racines »Phädra«, »Die Frau, die gegen Türen rannte « von Roddy Doyle und die Komödie »Der nackte Wahnsinn«.

Hansjörg Hartung (Bühne)
geboren im Allgäu. Er absolvierte ein Bühnenbildstudium an der Akademie der Bildenden Künste in München. Bereits während seines Studiums realisierte er diverse Projekte in der freien Theaterszene in München und für die Münchner Biennale. Als freischaffender Bühnenbildner arbeitete er u.a. am Deutschen Theater Berlin, am Düsseldorfer Schauspielhaus, an den Bühnen Köln, am Schauspiel Frankfurt, an der Staatsoper Hannover. Von 1995 bis 1998 war Hansjörg Hartung als Ausstattungsleiter am Maxim Gorki Theater Berlin tätig sowie wiederholt als Ausstellungsarchitekt, v.a. für die Staatlichen Museen zu Berlin (u. a. die große Rembrandt-Ausstellung 2006). Ihn verbindet eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit Oliver Reese, Hans Neuenfels, K. D. Schmidt und Nicolai Sykosch. Als Ausstellungsarchitekt entwarf er 2011 für »Gesichter der Renaissance« im Bode-Museum Berlin das Raum- und Beleuchtungskonzept.

Bernd Skodzig (Kostüm)
studierte Bühnen- und Kostümbild an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei Prof. Jürgen Rose. Nach dem Studium war er als freier Mitarbeiter in der Textiliensammlung des Victoria and Albert Museum London mit einem Schwerpunkt auf historische Kostüme des 17ten und 18ten Jahrhunderts tätig. So entwarf Bernd Skodzig die Kostüme für Produktionen an der Berliner Schaubühne, dem Deutschen Theater Berlin, den Schauspielhäusern Düsseldorf und Zürich. Darüber hinaus zeichnet er die Kostümbilder für Produktionen der Berliner Staatsoper unter den Linden, der Pariser National Oper sowie für die Bayreuther Festspiele. Zu den Regisseuren, mit denen er arbeitet, zählen Thomas Ostermeier, Peter Mussbach, Ulrich Rasche, Burkhardt C. Kosminski, Falk Richter und Tankred Dorst. Eine langjährige Zusammenarbeit verbindet ihn mit der Choreografin Sasha Waltz, deren Kostümbilder er seit 1998 kontinuierlich gestaltet (u.a. »Körper«, »Inside out«, »No Body«, »Continu«). Darüber hinaus tragen die Inaugurationsproduktionen von Sasha Waltz des Jüdischen Museums des Architekten Daniel Libeskind, des Neuen Museums Berlin in der Architektur von David Chipperfield sowie die Eröffnung des Museums MAXXI der Architektin Zaha Hadid in Rom seine Handschrift als Kostümbildner. 2008 wurde Bernd Skodzig zum Gastprofessor an die Berliner Universität der Künste für den Fachbereich Kostümbild berufen. Er lebt in Berlin und London.

Jörg Gollasch (Musik)
studierte Musik im Rahmen des Studiengangs Angewandte Kulturwissenschaften an der Universität Hildesheim. Von 1997 bis 1999 war er als musikalischer Leiter der Baracke am Deutschen Theater Berlin tätig, wo er vor allem mit Thomas Ostermeier zusammenarbeitete. Anschließend war er Hauskomponist an der Schaubühne Berlin. Seit 2002 arbeitet er als freier Komponist, Arrangeur und Produzent an diversen Theatern im In- und Ausland, darunter das Wiener Burgtheater, das Deutsche Theater Berlin, die Münchner Kammerspiele und das Kretakör Theater Budapest. Er arbeitete u.a. mit den Regisseuren Karin Beier, Claus Peymann, Dieter Giesing und Robert Schuster zusammen. Gollasch komponierte außerdem die Musik für zahlreiche Kurzfilm- und Hörspielproduktionen.

Peter Theiss (Kampfchoreografie)
geboren 1962 in Transsylvanien, Rumänien, ist Bühnenkampfchoreograf. Er studierte Romanistik und Anglistik, bevor er 1990 sein erstes Engagement am Schauspielhaus Hamburg antrat. Er assistierte vier Jahre Malcolm Ranson, wurde dessen Co-Choreograf und war Fightcaptain der »English Shakespeare Company« in London. Seit 1995 ist er als Choreograf, Bühnenfechtmeister und Fight Director u.a. für Bühnen Köln, Schauspiel Bonn, Nationaltheater Mannheim, Hamburger Schauspielhaus, Hamburger Kammerspiele, Hessisches Staatstheater Wiesbaden, Staatstheater Schwerin, Theater des Westens Berlin sowie für Film und Fernsehen tätig. Am Schauspiel Frankfurt zeichnet er sich u.a. für die Kampfchoreografien von »Romeo und Julia« und »Der nackte Wahnsinn« verantwortlich.

 [© Schauspiel Frankfurt]

www.schauspielfrankfurt.de

Zur Inszenierung von „To Be. Hamlet“ des Theaters Landungsbrücken:

Premiere:
28. Oktober 11

Regie und Konzeption: Linus Koenig

Mit: Mario Krichbaum als Hamlet; Nele Hornburg, Linus Koenig, Nenad Smigoc und Burak Uzuncimen

To Be. Hamlet
Landungsbrücken, Frankfurt
© Landungsbrücken

„Ich bin nicht Hamlet. Ich spiele keine Rolle mehr. Meine Worte haben mir nichts mehr zu sagen. Mein Drama findet nicht mehr statt. Hinter mir wird die Dekoration aufgebaut. Von Leuten, die mein Drama nicht interessiert, für Leute, die es nichts angeht. Mich interessiert es auch nicht mehr. Ich spiele nicht mehr mit.“ (Heiner Müller, Hamletmaschine)

Stille Tage im Klischee. So weit, so bekannt: Dein Vater, den Du liebst, stirbt. Du bist der Thronfolger. Eigentlich. Du kommst zurück. Stellst fest, dass, kaum dass die Leiche erkaltet ist, Dein Onkel nicht nur auf den Thron, sondern gleich auch ins Bett der lustigen Witwe hüpft. Deiner Mutter. Wer wird denn da gleich in die Luft gehen? Der Rest ist . . . nein. Eben nicht.
Die Welt ist aus den Fugen. Es gibt kein richtiges Leben im Falschen. Nicht Hamlet ist verrückt, sondern die Situation, in der er lebt. Sagt er. Sagt Hamlet. Ein handlungsunfähiger Handlungsträger. Ein Intellektueller im Dilemma zwischen Denken und Handeln. Jemand, der sich verstellen muss, um wahrhaftig zu werden. Oder doch einfach nur ein wohlstandsverwahrloster Pop-Held auf der Suche nach der 42? Sind wir nicht alle ein bisschen Hamlet? Hamlet, ein Zustand. Grau inmitten von Schwarzweiß. Alles eine Frage der Perspektive.

Kann man in einer Welt der begrenzten Unmöglichkeiten einen humanen Anspruch an sich selbst und seine Umwelt aufrechterhalten, ohne daran zugrunde zu gehen? Gibt es einen Moment, an dem man ganz einfach mal NEIN sagen kann zu all der Falschheit, Verlogenheit und Dummheit, die uns tagtäglich umgibt? Und warum haben wir den verpasst?
Mario Krichbaum will Hamlet sein. Spielt Hamlet. Ist Hamlet. Isoliert von der Außenwelt. Weil er alles verstanden hat. Auf der Suche nach dem einen Weg, von dem er weiß, dass er ihn schlussendlich verderben wird. Alle anderen lediglich Statisten in seinem Spiel. Die nur dann als Stichwortgeber in seine Welt eintauchen, wenn sie eben mal gerade gebraucht werden. Und doch eigentlich die Strippen ziehen. Wenn sie nicht gerade mit wichtigeren Dingen beschäftigt wären. Überleben. Jeder für sich selbst.

Hamlet sein. To Be. Hamlet [© Landungsbrücken]
 
www.landungsbruecken.org

Zur Inszenierung der Burgfestspiele Bad Vilbel;

Premiere:
1. Juli 09

Regie: Harald Demmer
Bühne: Oliver Kostecka
Kostüme: Marion Hauer


Besetzung:
Gertraud:
Angelika Bartsch
Hamlet: Jonas Baeck
Ophelia: Magdalena Helmig
Laertes: Daniel Mutlu
Claudius: Volker Niederfahrenhorst
Rosencrantz: Jens Wachholz
Guildenstern: Stephan Ullrich
Polonius: Volker Weidlich
Bote/Schauspieler: Frank Rebel
Horatio: Daniel Seniuk
Geist, Schauspieler: Maximilian Wigger

Für Hamlet gerät die Welt aus den Fugen. Sein Onkel heiratet seine Mutter, kaum dass der Vater unter der Erde liegt. Es wächst die Wut auf Mutter und Onkel ins Mörderische. Ein königliches Familiendrama um Liebe, Hass, Schuld und Gerechtigkeit.

Mehr Infos zu den Burgfestspielen Bad Vilbel

www.kultur-bad-vilbel.de  

Die Hamletmaschine

Von:
Heiner Müller
Uraufführung: 30. Januar 1979 (Saint-Denis, Théâtre Gérard Philipe)

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:
Neufassung einer Produktion des Deutschen Theaters Berlin

Premiere: 30. Oktober 11 (Frankfurter Erstaufführung; Kammerspiele)

Regie: Dimiter Gotscheff
Bühne und Kostüme: Mark Lammert
Musik: Bert Wrede
Dramaturgie: Bettina Schültke
Licht: Johannes Richter

Besetzung:

Orphelia:
Valery Tscheplanowa
Hamlet: Dimiter Gotscheff
sowie mit: Isaak Dentler / Alexander Khuon

Besprechung auf kulturfreak.de

Der Regisseur Dimiter Gotscheff, berühmter Heiner-Müller-Spezialist, spielt selbst in seiner Inszenierung der »Hamletmaschine«.

Dimiter Gotscheff (Regie)
geboren in Bulgarien. Anfang der 1960er Jahre kam er nach Ost-Berlin und wird Schüler und Mitarbeiter von Benno Besson am Deutschen Theater Berlin und der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. 1979 kehrt er nach Bulgarien zurück. Seit Mitte der 1980er Jahre arbeitet er als freier Regisseur an zahlreichen Deutschen Bühnen. Seine Inszenierungen wurden regelmäßig zum Berliner Theatertreffen eingeladen und wurden von der Zeitschrift »Theater heute« als »Inszenierung des Jahres« ausgezeichnet. Für seine Inszenierung von Tschechows »Iwanow« erhielt er 2006 den 3Sat Innovationspreis.

Mark Lammert (Bühne)
1960 in Berlin geboren studierte Malerei an der Kunsthochschule und der Akademie der Künste in Berlin. Sein erstes Bühnenbild entstand 1993 für Heiner Müllers Inszenierung »Duell-Traktor-Fatzer« am Berliner Ensemble. Es folgen Stipendien für Malerei und 1997 ein längerer Arbeitsaufenthalt in Lissabon. 1998 erhielt Lammert den Grafikpreis der Kunstmesse Dresden und 1999 den Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie der Künste. Seit 2011 ist er Professor für Malerei an der Universität der Künste Berlin. Mit Dimiter Gotscheff verbindet ihn eine langjährige Zusammenarbeit.

Bert Wrede (Musik)
geboren 1961 in Potsdam, studierte Musik an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin. Als freier Musiker veröffentlichte er zahlreiche CDs, gastierte auf internationalen Festivals und arbeitete mit Musikern wie Phil Minton, Elliot Sharp, Friedrich Schenker. 1997 erhielt er ein Kompositionsstipendium der Akademie der Künste Berlin, 1998 eines für New York. Als Bühnenmusiker arbeitet er regelmäßig mit Michael Thalheimer, Martin Kušej, Andrea Breth, Dimiter Gotscheff, Wilfried Minks und Enrico Lübbe. 2002 erhielt er den österreichischen Nestroy-Preis, 2006 den Deutschen Filmpreis für die Musik zu »Knallhart« von Detlev Buck.     [© Schauspiel Frankfurt]

www.schauspielfrankfurt.de

Harper Regan

Von:
Simon Stephens
Uraufführung: 23. April 2008 (London, National Theatre)
Deutschsprachige Erstaufführung: 22. August 2008 (Salzburger Festspiele in Koproduktion mit dem Deutschen Schauspielhaus Hamburg
Deutsch von: Barbara Christ

Zur Inszenierung des Theater Aachen:

Premiere:
4. März 11

Inszenierung: Ronny Jakubaschk
Bühne und Kostüme: Matthias Koch
Dramaturgie: Caroline Schlockwerder
 
Besetzung:

Harper Regan: 
Bettina Scheuritzel
Sarah Regan/ Justine Ross: Emilia Rosa de Fries
A. Wooley, Harpers Mutter: Elisabeth Ebeling
Tobias Rich/ Mahesh Aslam: Felix Strüven
James Fortune: Benedikt Voellmy
Mickey Nestor: Philipp Manuel Rothkopf
Seth: Joey Zimmermann
Elwood Barnes/ Duncan Woolley: Rainer Krause

Harper Regan, 41, verheiratet, Mutter einer fast erwachsenen Tochter, wohnt irgendwo im Niemandsland um London. Mit ihrem leidlich gut bezahlten Job hält sie die Familie über Wasser. Als ihr Vater im Sterben liegt, möchte sie ihn noch ein letztes Mal sehen. Doch ihr Chef verweigert ihr den nötigen Urlaub und droht mit sofortiger Kündigung, so dass sie in einer Nacht- und Nebelaktion abreist, ohne jemandem
davon zu erzählen. Ihre Reise wird zu einer Odyssee zwischen Selbstzweifeln, Ängsten und Begierden… [© Theater Aachen]

www.theater-aachen.de

Harry und Sally (When Harry Met Sally)

Für die Bühne bearbeitet von: Marcy Kahan
Deutsch von: Isabel Welz
Uraufführung: 10. Februar 2004 (London, Theatre Royal Haymarket)
Deutsche Erstaufführung: 26. September 2010 (Bielefeld, Theater Bielefeld)

Nora Ephron, 1941 in New York geboren, ist Journalistin, Autorin, Regisseurin und eine der bekanntesten amerikanischen Drehbuchautorinnen. Zu ihren größten Erfolgen zählen das Stück "Heartburn", inspiriert durch einen persönlichen Tiefschlag, sowie die Filme Harry und Sally, "Schlaflos in Seattle" und "E-Mail für dich".
2009 kam mit "Julie & Julia" ihr neuester Film mit Meryl Streep in der Hauptrolle in die Kinos.

Marcy Kahan ist in Montreal (Kanada) geboren und lehrt an der Universität Oxford englische Literatur. Die mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin ist für Rundfunk, Theater, Film und Fernsehen tätig und schreibt sowohl Theaterstücke, Drehbücher als auch Hörspiele. [© Felix Bloch Erben, Berlin]

Zur Inszenierung des Theater Bielefeld:

Premiere:
26. September 10 (Deutsche Erstaufführung)

Inszenierung: Henner Kallmeyer
Bühne: Jürgen Höth
Kostüme: Franziska Gebhardt
Dramaturgie: Katrin Michaels

Besetzung:
Harry:
Thomas Wehling
Sally: Hannah von Peinen
Jack, Harrys bester Freund / Joe, Sallys erster Freund / Ira, Helens neuer Ehemann: Johannes Lehmann
Mary, Sallys beste Freundin / Helen, Harrys Exfrau: Nicole Paul

New York City, Ende der achtziger Jahre. Die angehende Journalistin Sally Albright möchte in der Stadt, die niemals schläft, endlich etwas erleben und Karriere machen. Der Freund ihrer besten Freundin streicht für ein paar Dollar ihre erste eigene Wohnung. Harry Burns ist angehender Anwalt und ihre Begegnung ist insofern magisch, dass sie sich abstoßen wie die gleichen Pole von Magneten. Harry antwortet mit bissigen Witzen auf Sallys naiven Idealismus und gibt sich betont locker – was Sally zur Weißglut treibt. Seine berühmte These, dass Männer und Frauen nicht befreundet sein können, scheint schließlich das Ende der Beziehung zu markieren und die beiden gehen getrennte Wege, denn Sally ist ja kein bisschen an Harry interessiert. Im Laufe des Stücks begegnen die beiden sich immer wieder und entdecken erst viele Jahre später, was sie einander bedeuten. Bis dahin wechseln ihre Lebensziele, die Moden, die Haarschnitte und Musikrichtungen, Beziehungen kommen und gehen, nur Sally und Harry streiten sich weiter und lassen dabei kein Missverständnis ungenutzt. Trotz allen Widerwillens ist die Geschichte ein modernes Großstadtmärchen von der großen Liebe – mit all ihren Hindernissen.
Die Verfilmung von Harry und Sally von 1989 ist heute ein Klassiker des Genres der romantischen Komödie und ihre Protagonisten Paradefiguren des Paars, das sich einfach nicht erkennen will. Und auf der Bühne? Während die romantische Komödie im Kino ein Dauerbrenner ist, wirkt die Geschichte für ein Theaterstück vergleichsweise konfliktarm. Der Regisseur Henner Kallmeyer, der zuletzt am Schauspielhaus Bochum und am Schauspiel Essen inszeniert hat und sich mit Harry und Sally zum ersten Mal in Bielefeld vorstellt, ist Spezialist für Filmstoffe und spielt mit cineastischen Assoziationen und den Sehnsüchten, die wir im Kino meist viel hemmungsloser ausleben als im Theatersessel. Mit Slapstick-Komik und dem Spiel mit den dem Theater eigenen Erzählformen jenseits der Filmillusion durchschreiten Harry und Sally die Jahre, die seit dem Erscheinen des Films vergangen sind und decken nebenbei so manchen modischen Fauxpas und musikalischen Irrtum auf.

Inszenierung
Henner Kallmeyer
, 1974 in Lübeck geboren, arbeitete als Regieassistent am Schauspielhaus Bochum und bei Christina Paulhofer am Staatstheater Hannover, bevor er 2002 dort mit der Uraufführung von A.L. Kennedys Gleißendes Glück sein Regiedebüt gab. Seitdem war er u. a. am Deutschen Theater Göttingen, am Schauspielhaus Salzburg, am Schauspielhaus Bochum und am Schauspiel Essen tätig. Zu seinen Regiearbeiten gehören u. a. Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, Quartett, Private lives, Spanische Reiter, Engel (DSE), Kitchen Stories (UA), Schöne Bescherungen, Hedda Gabler, Männerhort und Sein oder Nichtsein.

Bühne
Der in Hamburg lebende Jürgen Höth ist seit 1993 freischaffend tätig, u.a. am Thalia Theater Hamburg, an der Volksbühne Berlin, am Schauspiel Leipzig und an Theatern in Braunschweig, Oldenburg, Köln, Basel, Freiburg, Kiel, Konstanz und Heilbronn. Am Theater Bielefeld war Höth bereits für die Bühnenbilder u.a. von Der Raub der Sabinerinnen/Frau Director Striese, Der Menschenfeind, Tartuffe, Die fetten Jahre sind vorbei, Ein seltsames Paar, Antigone, Der Hauptmann von Köpenick sowie für die Bühnenbilder der TAMZWEI-Produktionen Jugend ohne Gott, Dutschke/Westwärts 1&2, Kamikaze Pictures, Gegen die Wand, Bagdad brennt, Schwarm (Essaim), Bis nach Batang und Die Leiden einer jungen Kassiererin verantwortlich. Von 1989-93 war Höth am Thalia Theater Hamburg als Bühnenbildassistent engagiert. In dieser Zeit entstanden bereits seine ersten eigenen Arbeiten, u.a. für Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui und Endspiel. Der gebürtige Kölner studierte in seiner Heimatstadt Bühnenbild bei Prof. R. Glittenberg.

Kostüme
Franziska Gebhardt
wuchs in Hannover auf und studierte Innenarchitektur an der Hochschule für Design und Medien Hannover. Sie war Assistentin bei Jörg Kiefel und Raimund Bauer, bevor sie als freie Bühnen- und Kostümbildnerin u. a. am Schauspiel Hannover, am Oldenburgischen Staatstheater und am Deutschen Theater in Göttingen arbeitete. Sie stattete bereits einige Inszenierungen von Henner Kallmeyer aus, u. a Kitchen Storis (UA), Schöne Bescherungen, Hedda Gabler, Männerhort und Sein oder Nichtsein.

[© Theater Bielefeld]

www.theater-bielefeld.de

Der Hauptmann von Köpenick
Kleider machen Leute
Ein deutsches Märchen
 
Von: Carl Zuckmayer
Uraufführung:  5. März 1931 (Berlin, Deutsches Theater)

Zur Inszenierung des Theater Bielefeld:

Premiere:
11. April 10

Inszenierung: Matthias Kaschig
Bühne: Jürgen Höth
Kostüme: Stefanie Klie
Musik: Tobias Vethake
Dramaturgie: Bernhard Krebs

Besetzung:

Wilhelm Voigt:
Thomas Wehling
Kalle/Kilian: Oliver Baierl
Adolf Wormser/Dr. Jelinek/Friedrich Hoprecht/ 1. Bahnbeamter/Rosencrantz: Alexander Swoboda
Wabschke/Grenadier/2. Bahnbeamter/Comenius: Nils Zapfe
Bürgermeister/Oberwachtmeister/Schutzmann: Guido Wachter
von Schlettow/Krakauer/Gefreiter: Johannes Lehmann
Knell /Grenadier/Gefängnisdirektor/Kutzmann/ PolizeiInspektor/Lurchi: Helmuth Westhausser
Zivilist/Schutzmann/Rau: Benjamin Armbruster
Marie Hoprecht/Knells Sekretärin/Sekretärin: Silvia Weiskopf
Mädchen/Plörösenmietze: Julia Friede
Frau Obermüller: Nicole Paul

Der in seinem Heimatland heimatlose Schuhmacher Wilhelm Voigt steckt in der Zwickmühle: Weil er keine Aufenthaltspapiere hat, bekommt er keine Arbeit, ohne Arbeit gibt’s aber auch keine Ausweispapiere. Er versucht auf einem Polizeirevier einen Pass zu stehlen, wird erwischt und geht erneut für zehn Jahre in den Bau. Als er aus dem Gefängnis kommt, ist die Situation dieselbe, wie zehn Jahre zuvor. Kein Pass, keine Arbeit, keine Arbeit, keinen Pass. Doch jetzt hat Voigt eine Idee, wie er den gordischen Knoten durchschlagen kann. Er zieht sich eine abgetragene Hauptmannsuniform an, übernimmt mit der Autorität der Uniform das Kommando über eine Schar Soldaten und besetzt mit ihnen kurzerhand das Rathaus von Köpenick. Sein schneidiges Auftreten und seine Kenntnis militärischer Verhaltensregeln spielen ihm ebenso in die Hände, wie die Autoritätsgläubigkeit der Deutschen. Nur einen Pass, den gibt’s auch auf dem Köpenicker Rathaus nicht …
Über den Schumacher Wilhelm Voigt lachte ganz Deutschland und die weite Welt. Kaiser Wilhelm II. soll gesagt haben: »Da kann man sehen, was Disziplin heißt. Kein Volk der Erde macht uns das nach!« Der Militarismus des Zweiten Deutschen Reiches war eine Sache des nationalen Erbguts. Das Reich, die Nation wurde in drei Kriegen geboren. Es begann mit dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 und führte über den Deutschen Krieg von 1866 zum Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 in dem am 18. Januar 1871 das Zweite Deutsche Reich proklamiert wurde. Von nun an herrschte der deutsche Kaiser Wilhelm I. und regierte Reichskanzler Bismarck. Zum ersten Mal in der Geschichte gab es einen deutschen Nationalstaat.
Aus diesen Siegen leitete das Militär seinen gesellschaftlichen Status, seine Sonderrolle ab. Die Verankerung in der (Zivil-)Gesellschaft wurde dem Militär in einer zweijährigen Wehrpflicht zuteil, der weitere 25 Jahre in der Reserve folgten. Gesellschaftlich war das Militär also allgegenwärtig – auf den Straßen genauso, wie in den Amtstuben und Schulklassen, den Kontoren und Gerichtssälen. Denn all die Männer, die dort ihren Dienst taten, hatten gedient und dienten noch in der Reserve. Die Verquickung von Gesellschaft und Militär wurde dabei völlig unkritisch gesehen und stattdessen zur Tugend stilisiert. Und so wurde dieser »genetische Defekt« im gesellschaftlichen Bindegewebe von Generation zu Generation unreflektiert weitergegeben. Ihr Produkt war der (fast) perfekte Untertan, der es gewöhnt war Befehle zu empfangen und auszuführen.
Was beim Hauptmann von Köpenick noch wie Spaß wirkt, wird 1914 mit Beginn des Ersten Weltkriegs tödlicher Ernst. Vier Jahre und Millionen Tote später kapituliert das Deutsch Reich. Schon 1916 übernahm die Oberste Heeresleitung unter Hindenburg und Ludendorff die Regierungsgeschäfte – auch im Reich, das damit in den letzten beiden Kriegsjahren von einer Quasi-Militärdiktatur regiert wurde. Bei der Kapitulation 1918 stand das deutsche Heer noch tief im »Feindesland«; eine Tatsache, aus der sich die furchtbare Legende vom Dolchstoß entspann. Nach ihr war das Reich nicht militärisch besiegt worden, sondern das kriegsmüde Volk sei ihm mit der Novemberrevolution in den Rücken gefallen. Eine Legende, die sich hartnäckig hielt und einem kleinen Gefreiten des Ersten Weltkriegs den Weg an die Spitze des Dritten Reiches führte, in dem nicht nur die Partei, sondern die ganze Nation militärisch organisiert wurde.
Die Kontinuität des preußischen Militarismus vom Kaiserreich, über die Weimarer Republik bis hin zur totalitärsten Form im Dritten Reich nimmt Regisseur Matthias Kaschig in seinem märchenhaften Zerrspiel vom Hauptmann von Köpenick auf. Mitglieder des in dieser Spielzeit neu gegründeten Kinder- und Jugendchors »Chorinis« werden als willfährige Soldatenschar dem Hauptmann zur Seite stehen, das Rathaus von Köpenick besetzen und durch ihre Jugend die militaristischen Kontinuitätslinien deutscher Gesellschaften offenlegen.

Inszenierung:
Matthias Kaschig inszeniert, nach Tartuffe in der letzten Spielzeit, bereits zum zweiten Mal am Theater Bielefeld. Er wurde 1976 in Freiburg i. Breisgau geboren, wo er 1997 auch eine eigene Theatergruppe gründete. Von 1998 – 2002 studierte er Schauspieltheater-Regie an der Universität Hamburg und war anschließend als Regieassistent am Staatstheater Stuttgart. Seit 2004 ist er als freischaffender Regisseur tätig und inszenierte seitdem u.a. Port von Simon Stephens am Volkstheater München, Der Streit von Marivaux sowie Schillers Kabale und Liebe am Theater Bonn, Lessings Emilia Galotti und Ronja Räubertochter von Astrid Lindgren am Schauspiel Essen, Yvonne, die Burgunderprinzessin von Witold Gombrowicz am Theater Bern, Edward Albees Wer hat Angst vor Virginia Woolf am Theater Bremen sowie Shakespeares Romeo und Julia und die Uraufführung von Wie ein Leben zieht mein Koffer an mir vorüber von Johannes Schrettle am Theater Osnabrück.


Bühne:
Der in Hamburg lebende
Jürgen Höth ist seit 1993 freischaffend tätig, u.a. am Thalia Theater Hamburg, an der Volksbühne Berlin, am Schauspiel Leipzig und an Theatern in Braunschweig, Oldenburg, Köln, Basel, Freiburg, Kiel, Konstanz und Heilbronn. Am Theater Bielefeld war Höth bereits für die Bühnenbilder u.a. von Der Raub der Sabinerinnen/Frau Director Striese (UA), Der Menschenfeind (Regie: C. Schlüter), Tartuffe (Regie: Matthias Kaschig), Die fetten Jahre sind vorbei (Regie: J. Zimmermann), Ein seltsames Paar (Regie: W.-D. Sprenger) sowie für die Bühnenbilder der TAMZWEI-Produktionen Jugend ohne Gott, Dutschke/Westwärts 1&2, Kamikaze Pictures, Gegen die Wand, Bagdad brennt und Schwarm (Essaim) verantwortlich. Von 1989-93 war Höth am Thalia Theater Hamburg als Bühnenbildassistent engagiert. In dieser Zeit entstanden bereits seine ersten eigenen Arbeiten, u.a. für Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui und Endspiel. Der gebürtige Kölner studierte in seiner Heimatstadt Bühnenbild bei Prof. R. Glittenberg.

Kostüme:
Die Bühnen- und Kostümbildnerin
Stefani Klie studierte Architektur an der Muthesius-Hochschule für Kunst und Gestaltung in Kiel. Schon während ihres Studiums absolvierte sie zahlreiche Bühnen- und Kostümassistenzen und zeichnete verantwortlich für die Ausstattung zweier Schauspielproduktionen am Theater Kiel. Im Rahmen der »Jeunesses Musicales« realisierte sie die Ausstattungen der Opern Figaros Hochzeit und Don Giovanni. Nach erfolgreichem Abschluss ihres Studiums wurde sie 1999 als Ausstattungsassistentin an das Theater Kiel engagiert, wo sie u.a. Offenbachs Orpheus in der Unterwelt, Donizettis Liebestrank und, gemeinsam mit Bernd Damovsky, Rezniceks Donna Diana ausstattete.
Seit 2003 ist Stefani Klie als freischaffende Bühnen- und Kostümbildnerin für Oper, Ballett, Musical und Schauspiel tätig. Zu ihren bisherigen Arbeiten zählen u.a. die Kostüme für Der Zauberer von Oz am Theater Lübeck, die Ausstattung für Das hässliche Entlein am Theater Biel Solothurn (Schweiz) sowie Ausstattungen für die Produktionen The Rocky Horror Show an der Oper Dortmund und an der Musikalischen Komödie in Leipzig. Hier war sie auch für Bühne und Kostüme bei der Produktion Kiss Me, Kate verantwortlich. An der Oper Leipzig war sie Ausstatterin für das Musical Hair.

Musik:
Tobias Vethake, geboren 1975 in Gütersloh, komponiert seit 2004 Theatermusik für unterschiedliche Theater, u.a. das Junge Schauspielhaus Hamburg, das Theater Düsseldorf und das schauspielhannover. Von 1995-1999 absolvierte er ein Schulmusikstudium an der Hochschule für Musik und Theater Hannover mit Hauptfach Violoncello. 1994 gewann er den 1. Preis beim Kompositionswettbewerb der Nordwest-Deutschen Philharmonie. Seit 1998 arbeitet er als Live- und Studio-Musiker für diverse Bands, mit den Instrumenten Gitarre, E-Cello und Schlagzeug und seit 1999 ist er als Komponist von Film- und Werbemusik tätig. 2003 gründete er das Berliner Label »Blankrecods«, das verschiedene seiner experimentellen und elektronischen Projekte vereint, u.a. Vincent und German experimental loop orchestra. [© Theater Bielefeld]

www.theater-bielefeld.de

Zur Inszenierung des Theater Trier:

Premiere:
14. März 10 (Großes Haus)
weitere Vorstellungen: 16.03., 20.00 | 20.03., 19.30 | 26.03., 20.00 | 28.03., 16.00 | 31.03., 20.00 | 04.04., 19.30 | 09.04., 20.00 | 11.04., 19.30 | 16.04.2010, 20.00 Uhr

Inszenierung: Gerhard Weber
Ausstattung: Gerd Friedrich
Dramaturgie: Peter Oppermann

Regieassistenz/ Abendspielleitung: Kathrin Horster
Inspizienz: Heribert Schmitt
Soufflage: Manuela Gutsmann
Regiehospitanz: Dominik Mock

Besetzung:

1. Uniformladen in Potsdam
Adolf Wormser: Michael Ophelders
Zuschneider Wabschke: Manfred-Paul Hänig
Hauptmann von Schlettow: Jan Brunhoeber
Wilhelm Voigt : Klaus-Michael Nix
Wormsers Sohn Willy: Statisterie

2. Polizeibüro in Potsdam
Wilhelm Voigt : Klaus-Michael Nix
Oberwachtmeister: Tim Olrik Stöneberg

3. Café National / Bordell
Dr. Jellinek : Michael Ophelders
Schutzmann: Manfred-Paul Hänig
Hauptmann von Schlettow: Jan Brunhoeber
Wilhelm Voigt: Klaus-Michael Nix
Grenadier : Tim Olrik Stöneberg
Kalle: Hans-Peter Leu
Puffmutter: Angelika Schmid
Plörösenmieze: Angelika Schmid
Nutte: Vanessa Daun
Nutte : Barbara Ullmann
Nutte: Antje-Kristina Härle
Kellner: Heribert Schmitt
Zivilist: Helge Gutbrod

4. Personalbüro der Schuhfabrik
Wilhelm Voigt: Klaus-Michael Nix
Bürodiener: Statisterie
Sekretärin: Statisterie
Arbeitssuchende: Statisterie
Knell : Paul Steinbach

5. Zimmer in Potsdam
Zuschneider Wabschke: Manfred-Paul Hänig
Hauptmann von Schlettow : Jan Brunhoeber

6. Herberge
Gefreiter: Jan Brunhoeber
Wilhelm Voigt: Klaus-Michael Nix
Feldwebel : Tim Olrik Stöneberg
Kalle: Hans-Peter Leu
Buttje: Angelika Schmid
Zeck: Heribert Schmitt
Deserteur Gebweiler: Helge Gutbrod
Herbergsvater : Peter Singer

7. Uniformladen in Potsdam
Adolf Wormser: Michael Ophelders
Zuschneider Wabschke : Manfred-Paul Hänig
Wormsers Sohn Willy: Statisterie
Obermüller: Paul Steinbach

8. Zuchthaus
Wilhelm Voigt: Klaus-Michael Nix
Die Anderen: Statisterie
Zuchthausddirektorin: Barbara Ullmann
Bulcke: Helge Gutbrod
Pudritzki: Peter Singer


PAUSE


9. Wohnstube in Rixdorf
Wilhelm Voigt: Klaus-Michael Nix
Friedrich Hoprecht : Tim Olrik Stöneberg
Frau Hoprecht: Vanessa Daun

10. Schlafzimmer Bürgermeister Obermüller
Zuschneider Wabschke: Manfred-Paul Hänig
Dienstmädchen Fanny: Vanessa Daun
Frau Obermüller: Barbara Ullmann
Obermüller: Paul Steinbach

11. Gang vor dem Polizeibüro
Leser: Michael Ophelders
Polizist: Jan Brunhoeber
Wilhelm Voigt: Klaus-Michael Nix
Wartender : Hans-Peter Leu
1. Frau: Angelika Schmid
2. Frau: Angelika Schmid
Dicker Mann: Heribert Schmitt
Der Mann: Helge Gutbrod
Leutnant : Peter Singer

12. Stube
Wilhelm Voigt: Klaus-Michael Nix
Das Mädchen: Antje-Kristina Härle
Fremde Stimme: N.N.

13. ---

14. Bei Hoprechts
Wilhelm Voigt: Klaus-Michael Nix
Friedrich Hoprecht: Tim Olrik Stöneberg

15. Kleiderladen
Wilhelm Voigt: Klaus-Michael Nix
Kleiderhändler Krakauer: Peter Singer

16. ---

17. Schlesisches Tor
Wilhelm Voigt: Klaus-Michael Nix
Dienstmann: Statisterie
Bahnbeamter: Helge Gutbrod

18. Rathaus Köpenick
Stadtrat Comenius : Michael Ophelders
Schutzmann Kilian: Jan Brunhoeber
Wilhelm Voigt: Klaus-Michael Nix
Schetrum: Statisterie
Stadtkämmerer Rosencrantz: Hans-Peter Leu

19. Amtszimmer des Bürgermeisters
Stadtrat Comenius: Michael Ophelders
Polizeiinspektor Steckler : Manfred-Paul Hänig
Wilhelm Voigt: Klaus-Michael Nix
Schreiber: Statisterie
Soldat: Tim Olrik Stöneberg
Stadtkämmerer Rosencrantz: Hans-Peter Leu
Frau Obermüller: Barbara Ullmann
Grenadier: Helge Gutbrod
Gefreiter: Helge Gutbrod
Schreiber: Helge Gutbrod
Obermüller: Paul Steinbach

20. Bierkneipe / Bordell
Wilhelm Voigt: Klaus-Michael Nix
Plörösenmieze: Angelika Schmid
Nutte: Vanessa Daun
Fahrer: Vanessa Daun
Nutte: Barbara Ullmann
Chauffeur: Barbara Ullmann
Zeitungsjunge: Antje-Kristina Härle
Putzfrau: Antje-Kristina Härle
Kellner: Heribert Schmitt

21. Polizeipräsidium
Direktor: Michael Ophelders
Passkommissar : Jan Brunhoeber
Kommissar: Jan Brunhoeber
Oberwachtmeister: Tim Olrik Stöneberg
Kriminalinspektor: Peter Singer
 
Wegen eines Kavalierdeliktes verbrachte Wilhelm Voigt mehrere Jahre im Gefängnis und arbeitete nach seiner Entlassung im Ausland. Heimgekehrt nach Berlin, bleibt ihm nichts anderes übrig, als seinen Namen zu fälschen, um nicht als vorbestraft zu gelten. Doch der Schwindel fliegt auf, und der Teufelskreis nimmt seinen Lauf. Voigt erhält keinen Pass, weil man ihn aus dem Melderegister gestrichen hat. Arbeit wird jedoch nur dann in Aussicht gestellt, wenn er sich ausweisen kann; eine Aufenthaltsgenehmigung hingegen ist nur möglich im Falle des Beschäftigungsnachweises. Die Mühlen der deutschen Bürokratie führen unweigerlich in die Absurdität, schlimmer noch: Sie verhindern systematisch Voigts Wiedereingliederung in die Gesellschaft. So kauft er sich aus purer Verzweiflung eine alte Uniform und besetzt das Rathaus von Köpenick, um Pass und Aufenthaltsgenehmigung zu erzwingen...

Carl Zuckmayers in den Dreißiger Jahren uraufgeführtes „deutsches Märchen“ DER HAUPTMANN VON KÖPENICK basiert auf einer wahren Begebenheit. Völlig verarmt starb der historische Wilhelm Voigt fernab seiner Heimat und wurde auf dem Luxemburger Friedhof begraben. Nicht zuletzt durch die legendären Film- und Theaterinszenierungen mit Heinz Rühmann und Harald Juhnke in der Titelrolle avancierte das Stück zum großen Publikumserfolg. In einem groß angelegten Bilderbogen parodiert Zuckmayer den deutschen (Un-)Geist ebenso pointenreich wie bissig.

Vor dem Hintergrund des aktuellen Spielplanmottos „stand.ort.suche.deutschland“ und den immer härter werdenden Realitäten hierzulande beschäftigt sich Gerhard Webers Trierer Neuinszenierung aus aktueller Sicht mit dem bewegenden Überlebenskampf Wilhelm Voigts. In den Mittelpunkt rückt sie dabei die Tragik der sozialen Ausgrenzung, wie sie heute in Zeiten von „Hartz IV“ und penibel geregelten Abschiebungsgesetzen unzählige Menschen erdulden müssen. Doch auch der Humor kommt nicht zu kurz, gilt er doch für Voigt als treffsicheres Mittel zur Wehr gegen jegliche Form der Willkür...

In der Hauptrolle ist der Schauspieler Klaus-Michael Nix zu sehen, während das gesamte Schauspielensemble des Theaters Trier in zahlreiche Rollen schlüpft. [© Theater Trier]

www.theater-trier.de

Zur Inszenierung des Staatstheater Mainz:

Premiere:
21. April 07

Inszenierung: Jürgen
Bosse
Bühne: Susanne Maier-Staufen
Kostüme: Erika
Landertinger

Mit: Friederike Bellstedt, Monika Dortschy, Katja Hirsch, Tatjana Kastei; Martin Bretschneider, Tim Breyvogel, Alfred Herms, Lorenz Klee, Thomas Kornack, Andreas Mach, Zlatko Maltar, Thomas Prazak, Daniel Seniuk, Michael Schlegelberger

„Det is wie wennse ne Laus uff ne Glasscheibe setzen. Da kannse nu krabbeln und krabbeln un rutscht ejal immer wieder runter." (Wilhelm Voigt)

Deutschland im Wilhelminismus: Die Menschen begeistern sich
für den Kaiser, für das Militär und für die Obrigkeit. Das Glänzen frisch gewichster Stiefel lässt Herzen höher schlagen. Kleider - Uniformen! - machen Leute. Und wehe dem, der sozial abrutscht. Wer Arbeit sucht, erhält diese bei Vorlage einer Aufenthaltserlaubnis, und eine Aufenthaltserlaubnis erhält, wer eine Arbeitsstelle nachweist. Ein Teufelskreis. Der Schuster Wilhelm Voigt hat für Jugendsünden eine Haftstrafe abgesessen und versucht nun, wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen. Sein ersehntes Ziel erreicht er erst in einer ergaunerten Uniform: die bürokratisch abgesegnete und vor allem abgestempelte bürgerliche Legitimation seines Lebens. Höchste Zeit für eine „Köpenickiade" in einer Welt, in der die Gefahr, durchs soziale Netz zu fallen, nicht geringer geworden ist, der Einzelne immer isolierter in einer „fremden" Gesellschaft steht.

Regisseur Jürgen Bosse
war Schauspieldirektor am Nationaltheater Mannheim, Intendant am Staatstheater Stuttgart und zuletzt am Schauspiel Essen. Während seiner Direktion in Mannheim arbeitete er außerdem regelmäßig am Wiener Burgtheater. Zu seinen wichtigsten Autoren zählen Ödön von Horväth, Bernard-Marie Koltes und Botho Strauß. Jürgen Bosse hat in der Spielzeit 2006/2007 in Mainz bereits sehr erfolgreich Mozarts Die Zauberflöte inszeniert. [© Staatstheater Mainz]

www.staatstheater-mainz.de

Hausaufgaben
Nach dem Roman von Jakob Arjouni
Bearbeitet für die Bühne von Boris C. Motzki und Georg Kentrup

Uraufführung: 15. Oktoebr 2009 (Frankfurt, Landungsbrücken)

Zur Inszenierung der Landungsbrücken Frankfurt:

Premiere:
15. Oktober 09 (Uraufführung)


Regie: Boris Motzki
Dramaturgie: Georg Kentrup
Ausstattung und Bühne: Anke Niehammer
Regie- und Dramaturgieassistenz: Sophie Oldenstein

Mit: Charles Ripley

Der Deutschlehrer Joachim Linde wird angeklagt: In seinem Oberstufenkurs ist eine Diskussion über den Nationalsozialismus völlig außer Kontrolle geraten. Seine Frau Ingrid klagt ihn bei Kollegen an, die gemeinsame Tochter Martina missbraucht zu haben. Auf dem Höhepunkt einer Verkettung von Katastrophen sieht er sich gezwungen, sein Privatleben zu offenbaren. Welche Verantwortung trägt er für den Unfall seines Sohnes Pablo, für den Suizidversuch seiner Tochter und für die psychische Erkrankung seiner Frau?
Mehrfache Schuld, eine Inzest-Anklage und die Auseinandersetzung mit öffentlicher und privater Wahrnehmung stehen im Mittelpunkt der Uraufführung von „Hausaufgaben“. Die Inszenierung vom Nachwuchs-Regisseur Boris C. Motzki konzentriert sich auf die intensive Auseinandersetzung des Hauptprotagonisten (gespielt vom Kölner Schauspieler Charles Ripley) mit dem Publikum.
Hautnah bekommt der Zuschauer die Abgründe und Zweifel des Gymnasiallehrers Joachim Linde zu spüren und wird in den Entscheidungsprozess auf der Bühne mit eingebunden. Die Umwandlung des Romans vom Erfolgsautor Arjouni in einen geradlinigen Monolog ermöglicht die Konzentration auf das Wesentliche. Keine Nebenrollen, keine Dialoge lenken von der Auseinandersetzung der Hauptfigur mit seiner Geschichte und dem Publikum ab. Der Zuschauer muss Position zur Situation der Figur beziehen und seine eigene Haltung zum Thema Schuld überprüfen. Dabei nutzt steht die Sprache Arjounis im Vordergrund, die sowohl klar und präzise als auch doppeldeutig und pointiert ist, um ein konkretes Bewusstsein für den Stoff zu erzeugen. [© Landungsbrücken]

Eine Koproduktion von Landungsbrücken Frankfurt und favouriteplays

Boris C. Motzki
geboren 1980 in Worms am Rhein, studierte Theaterwissenschaft und Germanistik in Mainz. Von 2006 bis 2009 arbeitete er als Regieassistent und Regisseur am Nationaltheater Mannheim und als Gastdozent an der Theaterakademie Mannheim.
Mittlerweile ist er tätig als freier Regisseur. Boris C. Motzki ist Gründungsmitglied von favouriteplays e.V.

Bisherige Inszenierungen:
Danny und die tiefe blaue See von J.P. Shanley - Mannheim 2007
Chatroom von E, Walsh - Theaterakademie Mannheim 2007
Pericle der Schwarze (UA) nach G. Ferrandino - Mannheim 2008
Bikini von T. Müller - Theaterakademie Mannheim 2009.
4 x 4 (UA) von J. Kann, L. Langenegger, P.Löhle und E. Palmetshofer - Mannheim 2009
In yer face! Collage im Rahmen von "Cool Britannia" - Mainz 2009

Geog Kentrup
Jahrgang 1979, aufgewachsen im Münsterland, hat in Mainz und Paris Theaterwissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie studiert. Nach Assistenzen im Rhein-Main-Neckar-Raum und einem Engagement in Berlin fühlt er sich im Ruhrgebiet wohl. Seit Beginn 2007 arbeitet er im Gelsenkirchener Consol Theater als Dramaturg für Öffentlichkeitsarbeit und ist für die Konzeptionierung thematischer Reihen verantwortlich. An der Hamburger Hochschule für Musik und Theater studiert er im Fernstudium Kultur- und Medienmanagement. Georg Kentrup ist Gründungsmitglied von favouriteplays e.V..

FAVOURITEPLAYS E.V.
… entwickelt künstlerische Formen und Projekte
… realisiert Ur- und Erstaufführungen und setzt neue Entdeckungen um
… fördert junge und freischaffende Künstler
… bildet Netzwerke
… schafft Kultur
favouriteplays ist die länderübergreifende Erarheitung neuer Stoffe und Themen für das Theater wichtig. Favouriteplays kennt keine Grenzen, weder in geografischer noch in künstlerischer Hinsicht. Mit starken regionalen Partnern in unterschiedlichen Städten des deutschsprachigen Sprachraums sollen künstlerische und Inhaltliche Akzente gesetzt werden.

www.landungsbruecken.org

haymatlos

Ein Liederabend des Theater theaterperipherie Frankfurt:

Premiere:
16. September 11

Regie, Textfassung und musikalische Leitung: Natalie Schramm
Co-Regie, Textfassung und Theaterpädagogik: Philipp Haines
Bühne: Linnan Zhang
Kostüm: Salima Abardouch
Dramaturgie: Christian Franke

Besetzung:
Jonas Abbood
Amin Biemnet Haile
Mariana Boscov
Olesja Dyring
Francisco Lutumba
Bahar Sarkohi
Anne Sicking

Besprechung auf kulturfreak.de

haymatlos - Ein Liederabend
theaterperipherie
Anne Sicking, Mariana Boscov, Olesja Dyring, Bahar Sarkohi, Francisco Lutumba, Biemnet Haile, Jonas Abbood
© theaterperipherie

theaterperipherie hat einen Liederabend gestaltet, der nicht nur danach fragt, was Heimat für jeden von uns bedeuten kann, sondern auch, ob wir sie brauchen und was wir für sie zu opfern bereit sind.

Die Produktion wird an ganz unterschiedlichen Orten gezeigt. Die Produktion ist demnach, ganz wie ihr Name es sagt, auch ohne eine feste Heimat. Durch ihre Mobilität kann sich die Inszenierung stets dem speziellen Charakter des jeweiligen Raumes öffnen, so dass immer wieder neue Theaterereignisse entstehen werden.

SEPTEMBER 11:
PREMIERE: 16.9., 21.00 Uhr, Café im Kunstverein, Markt 44, 60311 Frankfurt
20.9., 20.00 Uhr, Frankfurt Art Bar, Ziegelhüttenstraße 32, 60598 Frankfurt
23.9., 20.00 Uhr, Blaues Haus, Niederräderufer 2, 60528 Frankfurt
OKTOBER 11:
7.10., 20.00 Uhr, Frankfurter Autoren Theater, Bachmannstr. 2-4, 60488 Frankfurt
8.10., 20.00 Uhr, Frankfurter Autoren Theater, Bachmannstr. 2-4, 60488 Frankfurt
NOVEMBER 11:
26.11., 20.00 Uhr, Brotfabrik, Bachmannstr. 2-4, 60488 Frankfurt am Main
29.11, 20.00 Uhr, Frankfurt Art Bar, Ziegelhüttenstraße 32, 60598 Frankfurt
Karten am jeweiligen Veranstaltungsort und unter info@theaterperipherie.de

www.theaterperipherie.de

Hedda Gabler
Schauspiel in drei Akten

Von: Henrik Ibsen
Uraufführung: 31. januar 1891 (München, Hoftheater)

Zur Inszenierung des Theater Bielefeld:

Premiere:
18. November 11 (Theater am Alten Markt)

Inszenierung: Michael Heicks
Bühne: Jürgen Höth
Kostüme: Katharina Kromminga
Dramaturgie: Marcus M. Grube

Bestzung:
Hedda Tesman, geb. Gabler:
Christina Huckle
Jorgen Tesman: Guido Wachter
Frl. Juliane Tesman, seine Tante: Therese Berger
Eilert Lovborg: Oliver Baierl
Thea Elvsted: Nicole Lippold
Richter Brack: Thomas Wolff
Berte, Dienstmädchen bei Tesmans: Statisterie

Vor einigen Monaten hat die Generalstochter Hedda Gabler den aufstrebenden Historiker Jörgen Tesman geheiratet. Als sie von ihrer ausgedehnten Hochzeitsreise zurückkehren, ist sie schwanger. Zurück zu Hause fühlt sie sich schnell gelangweilt von ihrem Mann und den »dürftigen Verhältnissen«, in denen sie leben. Mit Hohn und Boshaftigkeit traktiert sie ihren Ehemann, der sich in Aussicht auf eine Professur bereits in Schulden gestürzt hat, um seiner anspruchsvollen Frau etwas bieten zu können. Doch plötzlich erscheint dessen berufliches Weiterkommen nicht mehr gesichert, da Heddas ehemaliger Verehrer Lövborg mit der Ankündigung einer Aufsehen erregenden Veröffentlichung Tesman den Rang abzulaufen droht. Hedda hatte den lebenslustigen und attraktiven Lövborg seinerzeit abblitzen lassen, da er ihr gesellschaftlich und finanziell nicht aussichtsreich genug erschienen war. Da sie nun ihre Lebenspläne gefährdet sieht, geht sie zum Angriff über: Sie hintertreibt die Verbindung Lövborgs zu seiner Geliebten und verleitet den frisch gebackenen Abstinenzler zur Teilnahme an einem Herrenabend bei ihrem Hausfreund Richter Brack. Der Abend entgleist in einen wilden Alkoholexzess, in dessen Folge Lövborg betrunken sein Manuskript verliert. Schließlich treibt Hedda ihn in den Selbstmord. Doch auch sie wird das Opfer einer weiteren Drehung des Schicksals und beschließt, sich selbst zu richten, um der eigenen Unfreiheit zu entrinnen.
Henrik Ibsens 1889 entstandenes Drama über die alles vernichtende Frau, deren tragische Widersprüche und deren Aufbegehren gegen Konventionen in den Tod führen, ist eine zeitlose Parabel über Lebenslügen, die Brüchigkeit bürgerlicher Werte und Konventionen sowie den Selbstbetrug.
Michael Heicks wird in seiner Inszenierung der Hedda Gabler das Bild einer modernen Frau zeichnen, die ihre Freiheit und ihre Selbstverwirklichung rücksichtslos auf Kosten anderer durchzusetzen weiß.

 
Inszenierung
Michael Heicks
ist seit Januar 2005 Intendant des Theater Bielefeld. Der Regisseur war zuvor von 2000 bis 2004 Schauspieldirektor des Bielefelder Theaters. Dort inszenierte er u. a. Shakespeares Was ihr wollt, Ein Sommernachtstraum und Wie es euch gefällt, Rainald Goetz’ Jeff Koons, die Uraufführung von Ror Wolfs Nachrichten aus der bewohnten Welt, Effi Briest von Theodor Fontane, Neil LaButes das maß der dinge sowie Moritz Rinkes Republik Vineta und Café Umberto. Michael Heicks führte außerdem Regie bei der deutschen Erstaufführung von Zdenek Fibichs Oper Der Sturm, der Uraufführung von Heul doch!, Tschechows Der Kirschgarten, der Uraufführung von Tom Peuckerts Elende Väter, Robert Thomas Kriminalkomödie Acht Frauen, Mike Svobodas Erwin, das Naturtalent sowie Kay Pollaks Wie im Himmel. Zuletzt inszenierte er den Liederabend Männerbeschaffungsmaßnahmen, Tracy Letts’ Eine Familie (August: Osage County), die Uraufführung von Die Leiden einer jungen Kassiererin von Anna Sam, Woyzeck, Brassed Off – Mit Pauken und Trompeten und Boeing-Boeing. Bevor Michael Heicks nach Bielefeld kam, arbeitete er als freier Regisseur mit Inszenierungen am Staatstheater Braunschweig, Staatstheater Oldenburg, Grips Theater Berlin, Deutschen Theater Göttingen, Theater Salzburg, Theater Basel und am Thalia Theater Hamburg. Er studierte von 1979 bis 1984 Schauspiel und Regie an der Akademie der darstellenden Kunst, Otto-Falckenberg-Schule, München. Nach seinem Studium folgten Regiearbeiten in München und Salzburg sowie einige Arbeiten an der Hochschule für Film und Fernsehen München.

Bühne
Der in Hamburg lebende Jürgen Höth ist seit 1993 freischaffend tätig, u. a. am Thalia Theater Hamburg, an der Volksbühne Berlin, am Schauspiel Leipzig und an Theatern in Braunschweig, Oldenburg, Köln, Basel, Freiburg, Kiel, Konstanz und Heilbronn. Am Theater Bielefeld war Höth bereits für die Bühnenbilder u. a. von Der Raub der Sabinerinnen/Frau Director Striese, Der Menschenfeind, Tartuffe, Die fetten Jahre sind vorbei, Ein seltsames Paar, Antigone, Der Hauptmann von Köpenick, Harry und Sally, Der Leopard sowie für die Bühnenbilder der TAMZWEIProduktionen Jugend ohne Gott, Dutschke/Westwärts 1&2, Kamikaze Pictures, Gegen die Wand, Bagdad brennt, Schwarm (Essaim), Bis nach Batang und Die Leiden einer jungen Kassiererin verantwortlich. Von 1989-93 war Höth am Thalia Theater Hamburg als Bühnenbildassistent engagiert. In dieser Zeit entstanden bereits seine ersten eigenen Arbeiten, u. a. für Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui und Endspiel. Der gebürtige Kölner studierte in seiner Heimatstadt Bühnenbild bei Prof. R. Glittenberg.

Kostüme
Katharina Kromminga
war am Theater Bielefeld bereits für die Kostüme von DRAMENSAMMLER – Schöne neue Werte I, Dutschke/Westwärts 1&2, Don Karlos sowie von Ansichten eines Clowns und Boeing-Boeing verantwortlich. Die Kostümbildnerin, geboren 1972 in Berlin, erhielt ihre Ausbildung zur Kostümbildnerin am Nationaltheater Prag, an der Staatsoper unter den Linden Berlin, am Staatstheater Stuttgart, Residenztheater München und am Schauspielhaus Düsseldorf. Arbeiten mit Stephan Rottkamp u. a. an den Münchener Kammerspielen, am Freiburger Theater, Thalia Theater Hamburg, Burgtheater Wien und mit K.D. Schmidt am Theater Heilbronn. [© Theater Bielefeld]

www.theater-bielefeld.de

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere:
9. Oktober 09
Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen (Premiere bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen:12. Mai 09)
Deutsch von Peter Zadek und Gottfried Greiffenhagen

Regie: Alice Buddeberg
Bühne: Cora Saller
Kostüme: Martina Küster
Musik: Stefan Paul Goetsch
Licht: Jan Walther
Dramaturgie: Alexandra Althoff


Besetzung:
Jörgen Tesman, Privatdozent:
Isaak Dentler
Hedda Tesman, seine Frau: Constanze Becker
Frau Elvsted: Bettina Hoppe
Amtsgerichtsrat Brack: Thomas Huber
Ellert Lövborg: Sébastien Jacobi

 
Aufführungsdauer etwa 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

Hedda langweilt sich bereits auf ihrer Hochzeitsreise. Aus gesellschaftlichem Kalkül hat sie den soliden Kulturhistoriker Jörgen Tesman geheiratet. In der Hoffnung auf eine Professur hat er ihr ein Leben in großzügigen Verhältnissen versprochen. Nach der Rückkehr aus den Flitterwochen muss sie erfahren, dass die Karriere ihres Mannes keineswegs gesichert ist. Heddas Jugendliebe Eilert Lövborg ist zu einem ernsthaften Konkurrenten um die Professorenstelle ihres Mannes geworden. Der geniale aber labile Lövborg genügte Heddas Anspruch damals nicht. Jetzt hat er seine Laster aufgegeben und ein Aufsehen erregendes kulturhistorisches Buch geschrieben. Ein Wunder, von dem die ganze Stadt spricht. Und die das Wunder ermöglicht hat, stürzt hilfesuchend in Heddas Haus: Thea Elvsted, eine ehemalige Schulkameradin. Thea hat Ehemann und Kinder zurückgelassen und ist Lövborg in die Stadt nachgereist. Heddas Ohnmacht und Selbsthass steigern sich zu einer zerstörerischen Wut. Sie will auch einmal Macht haben über einen Menschen und nutzt diese Macht schließlich als Waffe zur Vernichtung.

Die Regisseurin Alice Buddeberg, geboren 1982 in Frankfurt am Main, ist seit 2008 Absolventin der Hamburger Theaterakademie. Schon während ihres Studiums inszenierte Alice Buddeberg u. a. am Schauspiel Bremen, auf Kampnagel in Hamburg und am Theaterhaus Jena.


Das Regieteam

Alice Buddeberg (Regie) geboren 1982 in Frankfurt am Main, ist Absolventin der Hamburger Theaterakademie (2008). Schon während ihres Studiums inszenierte Alice Buddeberg am Schauspiel Bremen, auf Kampnagel in Hamburg, am Schauspielhaus in Wien und regelmäßig am Theaterhaus Jena. Zuletzt inszenierte Alice Buddeberg Molières »Der Menschenfeind« am Schauspiel Bremen und »Frühlings Erwachen « von Frank Wedekind am Deutschen Theater in Göttingen.

Cora Saller (Bühne) geboren 1983 in München, studiert Bühnenbild bei Raimund Bauer an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg. 2008 Auslandssemester in Oslo. Vor ihrem Studium arbeitete sie als Assistentin an den Münchner Kammerspielen. 2007 entwarf sie das Bühnenbild für Alice Buddebergs Inszenierung »Antigone« nach Hölderlin im Malersaal des Schauspielhaus Hamburg.

Martina Küster (Kostüme) geboren 1967 in Hamburg, absolvierte eine Ausbildung für Schneidertechnik und Mode sowie das Diplomstudium Modedesign an der Hochschule der Künste in Bremen. Nach einer zweijährigen Assistenz am Schauspielhaus Hamburg arbeitet sie seit 2004 als Kostümbildnerin u. a. am Schauspielhaus Hamburg, am Mainfranken Theater Würzburg und an der Schauburg München.

Stefan Paul Goetsch (Musik) Komponist und Songwriter, geboren 1978 in Freiburg, studierte systematische Musikwissenschaft und Anglistik an der Universität Hamburg. Er arbeitete u. a. am Staatsschauspiel Stuttgart, am Deutschen Schauspielhaus, am Theaterhaus Jena und am Bremer Schauspiel. Stefan Paul Goetsch ist Mitglied der Band »The Dance Inc.«, sowie des Dance-Projektes »Koch & Goetsch« und veröffentlicht elektroakustische Musik unter seinem eigenen Namen.

[© Schauspiel Frankfurt]

www.schauspielfrankfurt.de

Die heilige Johanna der Schlachthöfe

Von:
Berthold Brecht
Uraufführung: 30. April 1959 (Hamburg, Deutsches Schauspielhaus)

Zur Inszenierung des Freien Schauspiel Ensemble FFM:

Premiere:
18. September 10

Inszenierung: Reinhard Hinzpeter
Bühnenbild: Gerd Friedrich
Kostüme: Sabine Steusloff
Komposition: Mathias Schabow

Es spielen:
Michaela Conrad, Naja Marie Domsel, Axel Gottschick, Bettina Kaminski, Stefan Maaß, Hans-Peter Schupp
Am Flügel: Mathias Schabow


„DIE HEILIGE JOHANNA DER SCHLACHTHÖFE“ aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise - ist das heute politisch brisanteste Stück Bertolt Brechts.
Der „blutige Mauler“, Fleischfabrikant und Multimillionär, entdeckt seine Seele und trifft auf einen Menschen, der in radikaler Einfachheit das ganze System von Kauf und Verkauf mit all seiner Brutalität und sozialen Ungerechtigkeit in Frage stellt: Johanna Dark, Mitglied der Heilsarmee. - Eine Liebesgeschichte mit mehreren Dimensionen.
Eine groteske Moritat über den ewigen Widerstreit der Über- und der Untermenschen, der cleveren Wirtschaftsgiganten, Konzernbosse, Banker, Spekulanten, Lobbyisten, und der unendlichen Schar der ignoranten Lohnabhängigen, die keinen Sinn für das Höhere haben und immer nur nach dem Materiellen streben. [© Freies Schauspiel Ensemble]

www.freiesschauspiel.de

Heinrich der Säger
Nach einem Film von Klaus Gietinger

Für das Theater bearbeitet von: Wolfgang Spielvogel
Uraufführung: 12. November 10 (Frankfurt/Main, Frankfurter Autorentheater in der Brotfabrik Frankfurt)

Zur Inszenierung des Frankfurter Autorentheater:

Premiere:
12. November 10 (Uraufführung)
Regie: Wolfgang Spielvogel
Bühnenbild und Kostüme: Sabine Eilers
Licht: Peter von Marlin und David Merges

Mit: Iris Reinhardt-Hassenzahl, Detlev Nyga, Erich Schaffner, Sascha Weitzel und Viktor Vössing

Heinrich der Säger
Frankfurter Autorentheater
Foto: Norbert Sassmannshausen)

Nachts ist er mit einem Trennschleifer auf den Gleisen unterwegs und sägt Stücke heraus: HEINRICH DER SÄGER.
Ein Einzeltäter? Eine Gruppe? HEINRICH kämpft gegen Stellenabbau, Streckenstillegungen und Privatisierung der Bahn.
Aus seinem authentischen Widerstand wird bald ein Knäuel von Interessen, Lobbyismus, Popanz, Wichtigtuerei und Lüge. Idealistisches vermischt sich mit Eigennutz und den Wunschträumen aller Beteiligten. Es wird ununterscheidbar, wer welche Rolle spielt und welche Absichten wirklich verfolgt werden.  Und die Öffentlichkeit will eine Steigerung der Spannung: Mehr Gefahr, mehr Hinterlist, mehr Verbrechen …
Da ist zunächst der polizeiliche Aufklärer in Gestalt von Kommissar Stahl, der bald ahnt, dass es eine enge Verbindung zwischen dem Streckenwärter Kurt Grantke und Heinrich dem Säger gibt. Seinen Verdacht möchte er aber nicht so schnell befriedigen: Er zimmert an einem gewaltigen terroristischen oder großkriminellen Fall, der Bedeutung für einen Karrieresprung aus der Provinz haben soll.
Dann ist da Heiko, der Freund der Tochter. Als er das nächtliche Treiben seines potentiellen Schwiegervaters herausfindet, will er mitmachen - einmal aus familiärer Solidarität,, aber mit gleichem Elan, weil er aus „ehrenamtlichen“ Protest und Widerstand ein professionelles  Projekt mit anständiger Lösegelderpressung machen will.
Und schließlich der Pfarrer: Er will verhindern, vermitteln, verhandeln, über den Dingen stehen.
Und dann sind da natürlich noch die Frauen - -

HEINRICH DER SÄGER ist eine skurrile Krimikomödie,  ein Stück zum Thema  Machbarkeitswahn und Widerstand, Technikfaszination und Romantik.
Ach ja, die Eisenbahnromantik, die Begeisterung an Dampf, Technik und der Eroberung des Raumes, vielleicht nur noch zu verstehen als wehmütiger Abschied von der letzten großen Industrieetappe, die noch beherrschbar und begreifbar war. [© Frankfurter Autorentheater]

www.frankfurter-autoren-theater.de

hercules @work

Eine Produktion des schauspielfrankfurt in der Reihe “nachtschwärmer”, unter dem Saisonmotto “Helden in Tüten - Singles 2005”

Premiere: 3. März 06

Regie: Paul Georg Dittrich
Dramaturgie: Nina Steinhilber
Bühne: Sabrina Melanie Henssen
Kostüme: Nadja Rudert
Musik: Christopher Brandt

Darsteller: Sandra Bayrhammer, Christopher Brandt, Stefko Hanushevsky, Moritz Peters

Ein Vater hatte einen Sohn ... Hercules: Sohn des Zeus. Der Edelmütige. Der Tapfere. Der Abenteurer. Der starke Arm und die helfende Hand. Im Olymp und auf Erden. Der Held unter den Menschen. Der Mensch hinter dem Helden? Hercules: Geboren, um zu kämpfen. Für wen? Gegen was? Und was dann? Selbsthingabe als Lebensaufgabe. Fremdbestimmt. Wer bestimmt? Hercules: Gezeugt, um die Götter zu retten. Heras Ruhm und ihr Zankapfel. Der Rächer der Schwachen. Der Familienvater. Ein Mörder?
Hercules: Sein Auftrag. Sein Mut. Seine Einsamkeit. Sein Wahnsinn? Hercules: Der Mythos. Der strahlende Held. Hercules für alle. Die Kraft: sprichwörtlich. Der Erfolg: ein Gefängnis. Die Freiheit: ein Traum. Der Feind: unsichtbar.
Ein Sieger, besiegt von seinen Siegen? Hercules: Eine Suche.

Mit Texten von Euripides, Sophokles, gebrüder Grimm, Heiner Müller, Michail Bartenjew u.a.

Die zwölf erfolgreich erledigten Aufgaben des Herakles:

1. Die Tötung des Nemeischen Löwen
2. Der Kampf mit der neunköpfigen Hydra
3. Das Einfangen der windschnellen Kerynitischen Hirschkuh
4. Die Erlegung des Erymanthischen Ebers
5. Die Vertreibung der Stymphalischen Vögel
6. Die Reinigung der Rinderställe des Königs Augias von Elis
7. Die Bändigung des kretischen Stiers
8. Die Erlangung der menschenfressenden Rosse des Thrakerkönigs Diomedes
9. Die Gewinnung des Gürtels der Amazonenkönigin Hippolyte
10. Die Erbeutung der Rinder des Riesen Geryon
11. Die Erlangung dreier goldener Äpfel der Hesperiden
12. Die Entführung des Höllenhundes Kerberos

www.schauspielfrankfurt.de

Der Herr der Fliegen (Lord Of The Flies)
Dramatisierung des gleichnamigen Romans von William Golding

Von: William Golding / Nigel Williams
Uraufführung: 31. Juli 1995 (Stratford-upon-Avon, The Other Place ~ Royal Shakespeare Company)
Deutschsprachige Erstaufführung: 23. Januar 1999 (Neuss, Rheinisches Landestheater)
Deutsch von: Astrid Windorf

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:
Theaterprojekt des Jungen Schauspiels

Premiere: 19. Oktober 11 (Kammerspiele)

Regie: Martina Droste
Mitarbeit Regie: Alexander Frank
Bühne: Olga Ventosa Quintana
Kostüme: Kirsten Hoffmann
Dramaturgie: Julien Renard

Besetzung:

Eric:
Steffi Basseck
Sam: Verena Jockel
Simon: Leonie Moritz
Maurice: Lucie Weismüller
Piggy: Sarah Zelt

Billy: Florian Friedrich
Ralph: Jonas Hackmann
Percy: Arthur Hermeyer
Jack: Erik Herrmann
Roger: Sebastian Lange

Besprechung auf kulturfreak.de

Der Herr der Fliegen
Schauspiel Frankfurt ~ Junges Schauspiel
Percy (Arthur Hermeyer), Jack (Erik Herrmann), Piggy (Sarah Zelt), Ralph (Jonas Hackmann), Simon (Leonie Moritz),
Eric (Steffi Basseck), Sam (Verena Jockel), Maurice ( Lucie Weismüller), Billy (Florian Friedrich), Roger (Sebastian Lange)
© Birgit Hupfeld

Irgendwo am Rande eines Krieges stürzt ein Flugzeug ab. Die überlebenden Jugendlichen finden sich auf einer unbewohnten Insel wieder und müssen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Keine Erwachsenen, keine festgefügte Ordnung – es könnte ein Paradies sein, wo sich alles neu erfinden lässt. Doch für die Jugendlichen wird diese Lage zum Verhängnis, denn zunehmend treten versteckte Ängste auf, die schließlich zur Eskalation führen. [© Schauspiel Frankfurt]

www.schauspielfrankfurt.de

Herzschritt
Von:
Jan Neumann (* 1975)
Uraufführung: 27. September 2008 (Düsseldorf, Düsseldorfer Schauspielhaus)

Zur Inszenierung am schauspielfankfurt:
Premiere: 15. November 2008

Regie: Jan Neumann
Bühne: Thomas Goerge
Kostüme: Nini von Selzam
Video: Matthias Lippert
Licht: Sven Bethmann
Dramaturgie: Sibylle Baschung
Regieassistenz: Ariel-Nil Levy
Bühnenbildassistenz: Birgit Kellner
Kostümassistenz: Katharina Tasch
Souffleuse: Regina Kroneberg
Inspizient: Thomas Nossek
Technische Produktionsleitung: Josef Dreker
Technische Einrichtung: Andreas Kremer
Ton: Bernd Leinberger, Inga Lüth
Maske: Jan Bundil, Beate Bauer
Requisite: Anja Becker, Markus Öhlinger
Regiehospitanz: Franziska Pietsch
Bühnenbildhospitanz: Bettine Theisse

Besetzung:

Ursula:
Traute Hoess
Mutter: Regine Lutz
Sabine: Sabine Waibel
Schering: Roland Bayer
Hagenbeck: Regine Lutz
Harald: Oliver Kraushaar

Besprechung auf kulturfreak.de

Herzschritt_schspffm_2©APEnglert
Herzschritt
schauspielfrankfurt
v.l.n.r.: Mutter (Regine Lutz), Sabine (Sabine Waibel) und Ursula (Traute Hoess)
Foto:
Alexander Paul Englert

Ursula: eine Frau um die Sechzig, alleinstehend und zufrieden damit. Jedenfalls behauptet sie das eisern und regelmäßig, wenn ihre Mutter mal wieder mit einem indischen Hochzeitshuhn vor der Türe steht, um beim gemeinsamen Kochen der eigenen Einsamkeit zu entfliehen. Ursula hat zum Leben ihre Arbeit und zum Träumen ihren Harald; ein Phantom, für (fast) alle Phantasien zu haben. Ihr fragiles Lebensgebäude wird mit einem Schlag von der Tatsache erschüttert, dass sie völlig unerwartet ihre Anstellung verliert und kurz darauf auch ihre Mutter. Aus der Bahn geworfen muss Ursula anfangen, sich zu bewegen. Ihre Arbeitskollegin Sabine, die als berufstätige Mutter unter der Last des Familienlebens ächzt und stöhnt, beneidet Ursula um ihre Freiheit. Mehr von den eigenen Sehnsüchten und Bedürfnissen getrieben als von Ursulas, begleitet sie diese auf der Suche nach neuen Wegen. Damit Ursula jedoch ihrem Herzen in die richtige Richtung folgen kann, muss dieses den entscheidenden Schritt alleine tun. [© schauspielfrankfurt]

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Heul doch !

Von:
Melanie Arns
Uraufführung: 6. Januar 07 (Bielefeld, Theater Bielefeld)

Zur Inszenierung des Theater Bielefeld:

Premiere:
6. Januar 07 (TAM ZWEI JUNG), Uraufführung

Inszenierung: Michael Heicks
Bühne: Friederike Hölscher
Kostüme: Annette Breuer
Choreographische Mitarbeit: Stephanie Bouillaud
Dramaturgie: Claudia Lowin

Mit: Claudia Mau, Ulrike Müller, Ines Buchmann


Eine junge Frau, die wie ein zusammengesetztes Geschöpf erscheint, steht im Mittelpunkt von Heul doch!. Sie hat ein Glasauge, nennt es aber Kunstauge und betrachtet es als persönlichen Vorzug: »Man kann damit eine Menge Dinge tun, die mit beiden Augen nur schwer möglich wären. Zum Beispiel kann ich mich beim Überqueren einer Straße von einem Auto überfahren lassen, ohne dass ich damit gerechnet hätte«. Rund herum gruppiert sich ein bizarres Personeninventar. Vater und Mutter haben einen Hang zum Saufen, die Oma ein marodes Hüftgelenk, der Bruder ist tot, die beste Freundin hat trotz Kartoffelkur Gewichts-probleme, ein Türke zwar Flirttalent, aber keinen Kebabstand und keinen zyklopischen Penis. Das wäre ja alles halb so schlimm, wären da nicht auch noch Pubertät, Liebeskummer, Selbstmordgedanken, Bulimie, Inzest und und und. Klingt nach viel, aber die Heldin durch-schaut das: »Ich kenne meinen Fehler. Es geht mir einfach nicht schlecht genug«. Sie gibt aufrichtig zu, geschädigt zu sein und zu lügen: »Wer mir glaubt, ist selber schuld«. Was also steckt dahinter, was entspricht der Wahrheit?

Die Geschichten, welche die Erzählerin zu ihrer eigentlichen Geschichte dazuerfindet, richten sich wohl nicht zuletzt gegen die Vereinnahmungs-versuche der Erwachsenenwelt – ein Spiel mit Dichtung und Wahrheit, ein ständiger Wechsel von möglichen Verhaltensweisen und das Verweigern einer Auflösung dessen, was davon Realität, was Phantasie ist.

Dieses literarische Debüt von Melanie Arns, in dem eine junge Frau von heute eine Zustandsbeschreibung weiblicher Identitätsfindung formuliert, schreit unerhörte, starke Töne heraus, an die man sich gewöhnen muss. Das sind die Extremwerte der Gefühlsskala des neuen Pathos. Ein infernalischer, lakonischer Triumph der Gier nach Aufmerksamkeit. Eine neue Empfindsamkeit, die Intensität stiftet und in den Eingeweiden nach Authentizität sucht. Zwischen Schmerz und Ohnmacht, Alptraum und Poesie, mysteriösen Geheimnissen und brutaler Sachlichkeit schwebt die Ich-Erzählerin als Figur der Phantasie und Magnet tiefer unausgesprochener Wünsche in den Leser/Zuschauer hinein. Traurig, grotesk, poetisch.


Melanie Arns, geboren 1980 im Kreis Kleve am Niederrhein, las 2002 beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt Auszüge aus dem vorliegenden Roman Heul doch!, mit dem sie 2005 debütierte. Die Autorin lebt heute in Leipzig, nachdem sie eine kaufmännische Ausbildung abgebrochen hat, um am Deutschen Literaturinstitut studieren zu können. Das Theater Bielefeld stellt den Roman erstmals in einer eigenen Theaterfassung vor.

Michael Heicks ist seit Januar 2005 Intendant des Theater Bielefeld. Der Regisseur war zuvor von 2000 bis 2004 Schauspieldirektor des Bielefelder Theaters. Hier inszenierte er u.a. W. Shakespeares Was ihr wollt, Ein Sommernachtstraum und Wie es euch gefällt, R. Goetz‘ Jeff Koons, die Uraufführung von R. Wolfs Nachrichten aus der bewohnten Welt, Effi Briest von T. Fontane, N. LaButes das maß der dinge, die Uraufführung von V. Olmis Meeresrand sowie M. Rinkes Republik Vineta und Café Umberto. Neben der Uraufführung von Heul doch! und Tschechows Der Kirschgarten wird der Bielefelder Intendant in dieser Spielzeit auch bei Zdenek Fibichs Oper Der Sturm Regie führen.
Bevor Michael Heicks nach Bielefeld kam, arbeitete er als freier Regisseur mit Inszenierungen am Staatstheater Braunschweig, Staats-theater Oldenburg, Grips Theater Berlin, Deutschen Theater Göttingen, Theater Salzburg, Theater Basel und am Thalia Theater Hamburg. Er studierte von 1979 bis 1984 Schauspiel und Regie an der Akademie der darstellenden Kunst, Otto-Falckenberg-Schule, München. Nach seinem Studium folgten Regiearbeiten in München und Salzburg sowie einige Arbeiten an der Hochschule für Film und Fernsehen München. Seit 1997 inszeniert Heicks auch Opern und arbeitete als Dozent an der Musikhochschule Hamburg und der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel. In den letzten Jahren war er zudem am Theater am Neumarkt in Zürich tätig, hier führte er unter anderem Regie bei Shockheaded Peter, The Lamb lies down on Broadway und Elling. Für die Freilichtspiele Schwäbisch Hall inszenierte er 2004 Dracula.

Friederike Hölscher gestaltete ein einheitliches Raumkonzept mit produktionsspezifischen Variationen für alle fünf Inszenierungen der Spielzeit 2006/2007 im TAMZWEI . Die Bühnen- und Kostümbildnerin ist seit drei Jahren als Bühnenbildassistentin fest am Theater Bielefeld engagiert. Hier entwarf sie bereits die Bühnenbilder und Kostüme für Philipp Lansdales Ballettabende Der Tod in Venedig und Der Sturm sowie zuletzt für Der Kreidekreis von Alexander Zemlinsky.

Annette Breuer, in Köln geboren, arbeitete bereits mehrfach am Theater Bielefeld, so unter anderem mit der Regisseurin Isabel Osthues bei norway.today und zusammen mit Michael Heicks bei den Inszenierungen von Jeff Koons, Nachrichten aus der bewohnten Welt, das maß der dinge, Das Fest, Platonow, Wie es euch gefällt und zuletzt bei Der Kirschgarten.
Die Bühnen- und Kostümbildnerin absolvierte zunächst ein Kunst-studium in Köln und arbeitete als Freie Künstlerin. 1986 erhielt sie ein DAAD Stipendium in Wien und schloss 1988/1989 ihr Bühnenbild-studium in Köln ab. Von 1990 bis 1993 arbeitete sie als Bühnenbild-assistentin am Thalia Theater in Hamburg. Seit 1994 ist sie als freischaffende Bühnenbildnerin tätig. Ihre Arbeiten führten Sie u.a. an Theater in Wien, Hamburg, Heidelberg, Basel, Göttingen, Heilbronn, Dresden, Zürich und Weimar. [Texte: Theater Bielefeld]

www.theater-bielefeld.de

Heute bin ich blond!
Nach dem Roman von:
Sophie van der Stap (Meisje met negen pruiken, 2006)

Uraufführung: 29. März 2009 (Frankfurt, Schauspiel Frankfurt)

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Regie:
Mina Salehpour
Ausstattung: Anna Dischkow
Musik: Arnim Streek
Dramaturgie: Marcel Luxinger

Darstellerin: Julia Penner

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Die junge Frau hat neun Perücken, weil sie keine eigenen Haare mehr hat. Sie hat ein Leben voller Lust und Sorglosigkeit gehabt, nun hat sie Krebs, und ihr Leben hängt am seidenen Faden. Also kämpft sie darum, mit Humor, Hartnäckigkeit und Haarersatz. Vor allem aber mit der Kraft des Wortes, denn sie führt ein Tagebuch, in welchem sie ihre Erfahrungen festhält. Erfahrungen eines Lebens, das plötzlich endlich scheint, aber trotzdem aufregender denn je ein kann. [© schauspielfrankfurt]

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Hexenjagd (The Crucible)
Drama von:
Arthur Miller

Uraufführung: 22. Januar 1953 (New York, Martin Beck Theater, Regie: Jed Harris)
Deutschsprachige Erstaufführung: 10. Februar 1954 (Berlin, Schiller Theater)

Zur Inszenierung des schauspielfrankfurt:

Premiere:
26. November 06

Regie: Martin Nimz
Bühne: Olaf Altmann
Kostüme: Bernd Schneider
Licht: Nicol Hungsberg
Dramaturgie: Jan Hein
Regieassistenz: Dagmara Lutoslawska
Ausstattungsassistenz: Jana Lünsmann
Kostümassistenz: Katja Strohschneider
Souffleuse: Christine Schneider
Inspizienz: Joachim Möller
Ton: Joachim Steffenhagen, Oliver Blohmer
Maske: Patrizia Dietz, Karin Junhhardt, Verena Martin
Technische Produktionsleitung: Josef Dreker
Technische Einrichtung: Andreas Kremer
Requisite: Jens Schönherr, Helmut Stumvoll
Regiehospitanz: Hannah Bayer, Christoph Friedrich
Kostümhospitanz: Kim Stichel


Besetzung:

Betty Parris:
Christina Pasedag
Reverend Samuel Parris: Michael Grimm
Tituba: Anita Iselin
Abigail Williams: Anne Müller
Susanna Wallcott: Sarah Bauerett
Ann Putnam: Viola von der Burg
Mercy Lewis: Alina Rank
Mary Warren: Nadja Dankers
John Proctor: Oliver Kraushaar
Rebecca Nurse: Cornelia Kempers
Giles Corey: Willem Menne
Reverend John Haie: Martin Butzke
Elizabeth Proctor: Sabine Waibel
Ezekiel Cheever: Axel Sichrovsky
Danforth: Wilhelm Eilers

Hexenjagd
schauspielfankfurt
Nadja Dankers (Mary Warren), Martin Butzke (Reverend John Hale), Axel Sichrovsky (Ezekiel cheever), Wilhelm Eilers (Danforth), Michael Grimm (Reverend Samuel Parris)
Foto:
Alexander Paul Englert

Amerika im ausgehenden 17. Jahrhundert. Im Dorf Salem soll der Teufel sein Unwesen treiben. Einige der Mädchen sind ihm bereits verfallen und üben einen Hexenkult aus. Von Pastor Parris gerufen, soll der Spezialist Hale die Vorgänge untersuchen und dem blasphemischen Zauber ein Ende setzen. Dabei kommt ein Netz aus Verschwörung, Intrigen und Aberglauben ans Licht, das alles andere als teufl ischen Ursprungs ist: Aus Neid, verletzter Liebe und persönlicher Mißgunst werden Gemeindemitglieder der Hexerei verdächtigt und verhaftet. So auch die Ehefrau John Proctors, die von einem der Mädchen, Abigail, denunziert wird. Abigail ist in Proctor verliebt und will ihn für sich allein haben. Proctor gesteht den Ehebruch, verweigert aber das falsche Geständnis wegen Teufelsanbetung, weil er damit auch andere Unschuldige belasten würde. Er bleibt standhaft und geht, sich treu bleibend, in den Tod.
Arthur Millers 1953 auf dem Höhepunkt der Kommunistenverfolgung in den USA geschriebenes Stück ist das beklemmende Psychogramm einer Gesellschaft, die infolge von Intoleranz, Machthunger und Habgier der Massenhysterie zum Opfer fällt. [© schauspielfrankfurt]

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Hinkemann
Eine Tragödie

Von: Ernst Toller (1893 - 1939)
Uraufführung: 19. September 1923 (Leipzig, Altes Theater)

Zur Inszenierung des schauspielfrankfurt:

Premiere:
24. März 07

Regie: Christof Nel
Künstlerische Mitarbeit: Martina Jochem
Bühne: Thomas Goerge
Kostüme: Barbara Aigner
Musik: Paul Lemp
Licht: Jan Walther
Dramaturgie: Hans-Peter Frings
Regieassistenz: Benjamin Eggers
Bühnenbildassistenz: Britta Kloß
Kostümassistenz: Nadja Rudert
Souffleuse: Ingrid Seidel
Inspizienz: Joachim Möller
Technische
Produktionsleitung: Josef Dreker
Technische Einrichtung: Hubertus Schneider
Ton:
Matthias Schmidt, Arnim Streek
Maske: Verena Martin, Bernhard Springer
Requisite: Anette Mahnke, Stefan Markert
Regiehospitanz: Hanna Werth, Gabriel von Zadow
Bühnenbildhospitanz: Julia Strasser
Kostümhospitanz: Marie-Theres Thran

Besetzung:
Eugen Hinkemann: Christian Kuchenbuch
Grete
Hinkemann, seine Frau: Sabine Waibel
Die alte Frau Hinkemann: Friederike Kammer
Paul Gro
ßhahn: Joachim Nimtz
Budenbesitzer: Matthias Redlhammer
Max Knatsch: Felix von Manteuffel
Peter Immergleich: Aljoscha Stadelmann
Sebaldus Singegott: Moritz Peters
Michel Unbeschwert: Susanne Böwe
Fränze, Gretes Freundin: Nadja Dankers
Verschiedene Arbeiter und Arbeiterinnen, allerlei Typen und Volk der deutschen Stra ße: Susanne Böwe, Nadja Dankers, Friederike Kammer, Felix von Manteuffel, Joachim Nimtz, Moritz Peters, Matthias Redlhammer, Aljoscha Stadelmann, Sabine Waibel

Aufführungsdauer: ca. 2 Stunden und 10 Minuten, keine Pause


„Wer keine Kraft zum Traum hat, hat keine Kraft zum Leben.“ (Ernst Toller)

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Hinkemann
schauspielfrankfurt
Christian Kuchenbuch, Ensemble
Foto:
Alexander Paul Englert




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Die Hochzeitsreise (Private Lives)

Uraufführung: 18. August 1930 (Edinburgh,
King's Theatre)

Von: Noël Coward
Deutsch: Axel Bauer und Folke Braband

Zur Inszenierung der Berliner Komdie am Kurfürstendamm:

Premiere:
22. August 10

Regie: Herbert Herrmann
Co-Regie: Martin Woelffer
Bühne: Anja Wegener
Kostüm: N & H

Mit: Herbert Herrmann, Nora von Collande, Johanna Mildner und Patrick Bach

Die Hochzeitsreise
Komdie am Kurfürstendamm, Berlin
Intermezzo auf der Terrasse: Herbert Herrmann und Nora von Collande
Foto: Thomas Grünholz

Sonnenuntergang an der französischen Riviera: Hinter den Terrassentüren eines Hotels beginnen die Flitterwochen von Elyot (Herbert Herrmann) und seiner jungen Frau Sybil (Johanna Mildner). In der Suite nebenan haben sich Amanda (Nora von Collande) und ihr frisch angetrauter Mann Victor (Patrick Bach) einquartiert. Doch die mediterrane Idylle der Hochzeitsreisenden wird gestört, als sich Elyot und Amanda auf der Hotelterrasse überraschend begegnen, denn die beiden haben eine gemeinsame Vergangenheit. Vor fünf Jahren haben sie sich scheiden lassen und sind seitdem getrennte Wege gegangen. Das zufällige Intermezzo auf der Terrasse lässt das Ex-Paar das Scheitern ihrer Beziehung reflektieren und alsbald erkennen sie: „Wir müssen verrückt gewesen sein, dass wir uns je getrennt haben.“ Hals über Kopf brennen die beiden nach Paris durch – ohne ihren neuen Partnern etwas zu sagen, im Gepäck jedoch mit einer Art Passwort, das sie künftig vor Streitereien bewahren soll, die einst zum Ende ihrer Ehe geführt haben. Doch schon bald wird aus Liebesgeflüster Hassgebrüll. Inmitten einer handfesten Auseinandersetzung stehen plötzlich Sybil und Victor in der Tür und bestehen auf den von Elyot und Amanda geleisteten Eheversprechen …


Das Stück
„Die Hochzeitsreise“ wurde unter dem Originaltitel „Private Lives“ 1930 im schottischen Edinburgh im King's Theatre uraufgeführt und zählt zu den in Deutschland meistgespielten Stücken Cowards.

Regisseur und Elyot Chase
Herbert Herrmann
… spielt seit mehr als 35 Jahren am Kurfürstendamm. Er erzählt: „Damals wie heute bin ich sehr stolz darauf, hier auf der Bühne stehen zu dürfen. Ich habe das Glück gehabt, dass dem hiesigen Publikum meine Stücke immer gefallen haben und die Menschen wiedergekommen sind, um mich zu erleben. Hier zu spielen ist wie Nachhausekommen. Ich habe eine große Anhänglichkeit an die beiden Häuser, denn ich wurde dort schon besetzt, als mich in Berlin noch niemand kannte.“
Geprägt hat ihn die Zusammenarbeit mit Darstellern wie Lilly Palmer, Bernhard Minetti, Werner Hinz und Gustav Knuth. Herrmann spielte sich in den 80er Jahren mit Serien wie „Drei sind einer zuviel“ (mit Thomas Fritsch und Jutta Speidel) sowie „Ich heirate eine Familie“ (mit Peter Weck und Thekla Carola Wied) in die Herzen der Zuschauer. Wolfgang Spier entdeckte ihn für die Komödie und inszenierte zahlreiche Stücke mit ihm. Auch unter Jürgen Wölffers Regie stand Hermann häufig auf der Bühne. 1996 gab er selbst sein Regiedebüt an der Komödie Winterhuder Fährhaus mit Curth Flatows „Mein Vater, der Junggeselle“.

Amanda Pryn
Nora von Collande
… und ihr Lebensgefährte Herbert Herrmann kennen sich schon seit mehr als fünfzehn Jahren. Damals standen die beiden gemeinsam in Flatows „Verlängertes Wochenende“ auf der Bühne. Richtig gefunkt hat es aber erst im Jahr 2002, als die beiden für die Produktion „Das glückliche Paar“ zusammen arbeiteten. Die gebürtige Berlinerin stammt aus einer traditionsreichen Theaterfamilie: Urgroßvater, Großvater sowie ihre Eltern hatten sich der Bühne verschrieben. Daher Nora von Collandes Liebe zum Theater: Sie spielte u. a. am Schauspielhaus Bonn, am Hamburger Ernst Deutsch Theater, an der Komödie und am Theater am Kurfürstendamm, der Komödie Winterhuder Fährhaus, dem Theater am Zoo in Frankfurt/Main sowie der Komödie im Bayerischen Hof in München. Zu ihren Bühnenpartnern zählen u. a. Georg Thomalla, Hans Joachim Kulenkampff, Charles Regnier, Sonja Ziemann, Inge Meysel, Witta Pohl und Klaus Löwitsch. Das Publikum der Komödie am Kurfürstendamm erlebte sie zuletzt in „Vier linke Hände“ an der Seite von Herbert Herrmann. Lang ist die Liste ihrer Auftritte in Fernsehspielen und TV-Serien: „Tatort“, „Praxis Bülowbogen“, „Vorsicht Falke“, „Na und“, „Marienhof“, „Soko“, „Jenny & Co“ um nur einige zu nennen, und natürlich von 1993 bis 2002 „Forsthaus Falkenau“. Außerdem ist sie Autorin des 2001 erschienenen Buches „Turbulenzo“.

Victor PryVictor Pryn
Patrick Bach
… wurde durch seine Rolle in der ZDF-Serie „Anna“ an der Seite von Sylvia Seidel einem breiten Fernsehpublikum bekannt. Es folgten zahlreiche Fernsehauftritte in Serien wie „Nicht von schlechten Eltern“, „Das Traumschiff“, „Großstadtrevier“, „Die Wache“ und „SOKO Wismar“. Für seine Arbeit wurde der gebürtige Hamburger bislang zweimal mit dem Bambi Film- und Fernsehpreis (1982 und 1994) sowie der Goldenen Kamera (1987) ausgezeichnet. Neben der Schauspielerei ist Patrick Bach auch als Hörspiel- und Synchronsprecher tätig. So lieh er seine Stimme u. a. Samweis Gamdschie in der „Herr der Ringe“-Trilogie von Peter Jackson. Am Kurfürstendamm tritt er nun zum ersten Mal auf.

Sybil Chase
Johanna Mildner
… spielte bereits an zahlreichen Theatern wie etwa in Wittenberg, Würzburg, München, Hamburg und Düsseldorf, wo sie u. a. als Gretchen in „Urfaust“, als Franziska in „Minna von Barnheim“ sowie als Constanze in „Amadeus“ zu sehen war. Zuschauer der Komödie am Kurfürstendamm kennen sie u. a. aus „Der keusche Lebemann“, „Wer hat Tante Myrtle gesehen?“ und „Meine Schwester und ich“. Neben ihrer Bühnentätigkeit steht sie von Zeit zu Zeit auch vor der Kamera und übernahm bislang Rollen in der ARD-Serie „Praxis Bülowbogen“, der SAT.1-Comedy „Die dreisten Drei“ sowie in dem ARD-Spielfilm „Der Hochzeitswalzer“. Für die Alsfelder Kulturtage hat sie in diesem Jahr das Musical „Hair“ inszeniert.

Der Autor
Noël Coward
… wurde 1899 im englischen Teddington geboren und war Schauspieler, Schriftsteller und Komponist. Im Alter von elf Jahren stand er zum ersten Mal in dem Kinderstück „The Goldfish“ auf der Bühne. Es folgten weitere Kinderrollen und Aufführungen mit dem Schauspieler und Komödienautor Sir Charles Hawtrey, der zu seinem Schauspiellehrer und Mentor wurde. Seine erste Filmrolle erhielt er als 19-jähriger in D.W. Grifffiths „Hearts of the World“. Zur gleichen Zeit begann Coward Komödien und Revuen zu schreiben und erlangte mit dem 1924 veröffentlichten Stück „Der Teufelskreis“ (The Vortex) um Drogen und gleichgeschlechtliche Liebe seinen Durchbruch. 1929 wurde seine Operette „Bitter Sweet“ veröffentlicht, es folgten Erfolgsproduktionen wie „Kavalkade“, „This Happy Breed“, „Die Hochzeitsreise“ und „Fröhliche Geister“. Die beiden letzten Stücke zählen neben „Weekend“ und „Duett im Zwielicht“ zu den auch in Deutschland meistgespielten Stücken Cowards.
1942 erschien das Kriegsdrama „In Which We Serve“, für das Coward das Drehbuch und die Titelmusik schrieb, die Hauptrolle übernahm und gemeinsam mit David Lean Regie führte. Für den Film wurde Coward ein Jahr später mit dem Ehrenoscar ausgezeichnet. In den 50er Jahren ließ seine Beliebtheit als Dramatiker nach und er spielte vermehrt in Filmen wie „In achtzig Tagen um die Welt“ und „Unser Mann in Havanna“. In Las Vegas war er 1955 mit mehreren Revuen sehr erfolgreich.
Ende der 50er Jahre verließ Coward Großbritannien und zog zunächst auf die Bermudas, bevor er sich auf Jamaika zur Ruhe setzte, wo er am 26. März 1973 an Herzversagen starb.          [© Komödie am Kurfürstendamm, Berlin]

Karten 030/88 59 11 88 und unter
www.komoedie-berlin.de

Der Hodler
Musiktheatralische Einsicht

Von: Ruedi Häusermann
Uraufführung: 10. April 2010 (Zürich, Schauspiel Zürich - Schiffbau/Box)

Zur Inszenierung des Schauspielhaus Zürich:

Premiere:
10. April 10 (Uraufführung)

Regie: Ruedi Häusermann
Bühnenbild: Bettina Meyer
Kostüme: Barbara Maier
Lichtdesign: Rainer Küng
Dramaturgie: Katja Hagedorn

Mit: Jan Bluthardt; Klara Manzel; Nicolas Rosat; Hansrudolf Twerenbold

Musiker: Benedikt Bindewald (Viola); Josa Gerhard (Viola); Christoph Hampe (Cello); Sara Hubrich (Violine

Der Schweizer Komponist und Regisseur Ruedi Häusermann ist bekannt für seine eigene musiktheatralische Sprache, mit der er wiederholt Welten um AutorInnen wie Elfriede Jelinek, Robert Walser oder Peter Bichsel geschaffen hat: Text, Ton, Bild und Szene fügen sich in eine übergreifende, fein verästelte Partitur. Für das Stück DER HODLER, das sich mit dem Schweizer Maler Ferdinand Hodler beschäftigen wird, hat Häusermann mit den „Hodler-Quartetten“ nun eigens eine Sammlung neuer Streichquartette komponiert. Die Uraufführung der „Musiktheatralischen Einsicht“ findet am Samstag, den 10. April, um 20 Uhr in der Box des Schiffbaus statt.

Ferdinand Hodler (1853–1918) gilt als einer der wichtigsten Maler der Schweiz. Hodler hat berauschend schöne Landschaften von extremer farblicher und formaler Intensität geschaffen, ohne die bestimmte Entwicklungen der modernen Malerei kaum möglich gewesen wären. Seine Darstellungen des menschlichen Sterbens gehören zu den komplexesten in der Geschichte der Kunst und seine zahlreichen Selbstporträts zeugen von einer fortlaufenden, künstlerischen wie persönlichen Selbstbefragung. Es sind diese einem breiten Publikum eher unbekannten Seiten des Malers, die Ruedi Häusermann gemeinsam mit vier Schauspielern und vier Musikern umkreisen wird, um so Hodler und sein Spätwerk auf poetische und humorvolle Art hör- und sichtbar zu machen. „Ich halte die Wahrheit noch über der Schönheit“, hat Hodler über sich selbst gesagt, und auch Häusermann geht es darum, das dem jeweiligen Werk Eigene erfahrbar zu machen: „Der Motor ist immer, eine eigene Welt zu platzieren, und wenn ich um jemanden kreise, ist es für mich wichtig, eine Atmosphäre zu schaffen, eine Umgebung, in der ihm dann der rote Teppich ausgerollt werden kann.“ Nach „Wenn eine Dolores heisst, muss sie noch lange nicht schön sein“ (2007) erfindet Ruedi Häusermann mit DER HODLER wieder einen musikalischen Theaterabend am Schauspielhaus Zürich mit Texten von Peter Bichsel, Jura Brüschweiler, Beat Sterchi u.a.

Ruedi Häusermann wurde 1948 in Lenzburg geboren. Er studierte Ökonomie und klassische Querflöte. Früh interessierte er sich für Jazz und freie Improvisation. Der Maler Giuseppe Reichmuth und der Musiker und Regisseur Christoph Marthaler gehören zu seinen wichtigsten künstlerischen Weggefährten. Ruedi Häusermann arbeitete u.a. am Theater Neumarkt in Zürich, am Theater Basel (Bayerischer Theaterpreis für „Das Beste aus: Das Menschliche Versagen (Folge I)“ 1999), an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin, am Schauspielhaus Wien, am Wiener Burgtheater und bei den Münchner Opernfestspielen. [© Schauspielhaus Zürich]

Weitere Vorstellungen im Schiffbau/Box: 11./ 18. April, jeweils 19 Uhr, 13./ 14./ 16./ 19. April, jeweils 20 Uhr
Weitere Vorstellungen im Mai und Juni 2010 sind in Planung
www.schauspielhaus.ch

Hörst du mein heimliches Rufen

Von:
Thomas Jonigk
Uraufführung: 16. September 2006 (Frankfurt, schauspielfrankfurt)

Stückbeschreibung:
Ein erfolgreicher Geschäftsmann, tätig im Bereich der Rüstungsindustrie, wird unerwartet entlassen. Bis dahin hatte er alles im Griff: Arbeit, Karriere, Frau, Adoptivsohn, Geliebte. Die Fassade des Erfolgsmenschen beginnt zu bröckeln, als ihm die Kontrolle plötzlich entzogen wird. Kurz entschlossen greift er zur Waffe, um seinem Leben auf dem heimatlichen Sofa ein Ende zu bereiten, als ihn die Angst vor der eigenen Zivilcourage packt. Doch es gibt kein Zurück mehr, denn unvermittelt sieht er sich mit einem Engel konfrontiert, der gekommen ist, ihn zu holen. Unerbittlich und nicht ohne Schadenfreude gewährt dieser dem Mann eine Gnadenfrist, zum Erinnern und zum Träumen.
Und wie in einem Alptraum läuft sein Leben noch einmal vor ihm ab: Zahllose hat der Mann ins Unglück gestürzt, ob aus Gleichgültigkeit, Lust oder Gier – und doch wäscht er seine Hände in Unschuld. Schließlich hat er sich bei seiner Frau entschuldigt, gleich nachdem er sie vergewaltigt hatte, und hat er nicht dafür gesorgt, dass Gelder aus Waffengeschäften als Fördermittel in Krisengebiete transferiert wurden? Vielleicht hält er seine Geliebte wie ein dressiertes Tier, aber immerhin hat er sie vom Strich an der tschechischen Grenze in sein schönes deutsches Haus geholt.
In alptraumhaften Sequenzen erlebt er die Momente seiner größten Schuld ein zweites Mal. Noch wehrt er sich gegen den Tod, doch nach und nach wird ihm die Vergeblichkeit seines Kampfes bewusst – charakterlich ist er schon lange am Ende; die Ideale, die er einst hatte, sind auf der Strecke geblieben. Der Tod ist da nur der nächste und letzte Schritt. Auch seine späte Reue ändert nichts am vorgegebenen Weg. Am Ende hat der Mann, der alles hatte, nichts und niemanden mehr. Mit einer Ausnahme: Der Engel ist nicht von seiner Seite gewichen. Er wartet. Aber seine Geduld ist begrenzt.
In der Schwebe zwischen Wahn und Wirklichkeit erlebt ein moderner Jedermann einen grotesken, schwindelerregenden Bilderreigen, der sein Leben war. Ohne falsche Sentimentalität, aber mit viel bösem Humor beschreibt Thomas Jonigk den Niedergang eines Menschen, der sich erst zu wandeln beginnt, als es zu spät ist.

Das Stück ist als Auftragswerk für das schauspielfrankfurt entstanden.

Thomas Jonigk
Thomas Jonigk, 1966 in Eckernförde geboren, studierte Mediävistik, Neuere Deutsche Literatur und Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Vor allem mit Stefan Bachmann in der gemeinsamen Theatertruppe "Theater Affekt" sowie an verschiedenen Stadt- und Staatstheatern arbeitete er als Dramaturg. Seit 1991 schreibt Jonigk Theaterstücke, Hörspiele, Libretti, Romane.
Als Chefdramaturg am Schauspielhaus Wien führte er zwischen 1997 und 1999 dort auch Regie. Seine Stücke erhielten vielfach Preise und Auszeichnungen, wurden in mehrere Sprachen übersetzt und unter anderem in Holland, Frankreich, den Philippinen und den USA aufgeführt.

1995 kürte ihn die Kritiker-Jury von "Theater heute" zum Nachwuchsdramatiker des Jahres. Zu seinen erfolgreichsten Stücken zählen Täter, Rottweiler und Du sollst mir Enkel schenken.
2003 wurden die Rockoper Heliogabal, zu der Thomas Jonigk das Libretto schrieb, im Rahmen der RuhrTriennale in Duisburg sowie die Dramatisierung seines Romans Jupiter am Theater Freiburg uraufgeführt. Für das schauspielfrankurt schrieb er das Stück Hörst du mein heimliches Rufen, das dort im September 2006 in der Regie von Tina Lanik uraufgeführt wird.
Thomas Jonigk lebt derzeit als freischaffender Autor in Berlin. Ab der Spielzeit 2006/07 ist er Hausautor und Dramaturg am Düsseldorfer Schauspielhaus.

© Texte: Verlag Felix Bloch Erben, Berlin
 

Zur Inszenierung am schauspielfrankfurt:

Premiere:
19. September 06 (Uraufführung)

Regie: Tina Lanik
Bühne: Magdalena Gut
Kostüme: Su Sigmund
Dramaturgie: Marcel Luxinger

Darsteller:
Der Mann:
Wilhelm Eilers
Die Frau: Silvia Fenz
Der junge Mann: Mathias Max Herrmann
Die junge Frau: Sabine Waibel
Der Engel: Georgia Stahl                                                         
Besprechung auf kulturfreak.de

Hörst du mein heimiches Rufen
schauspielfrankfurt
Silvia Fenz, Mathias Max Herrmann, Sabine Waibel (v.l.n.r.)
Foto:
Alexander Paul Englert


www.schauspielfrankfurt.de

Horns Ende

Roman von:
Christoph Hein
Für die Bühne bearbeitet von: Armin Petras

Uraufführung: 19. März 06 (Leipzig, Schauspiel Leipzig)

Zur Koproduktionsinszenierung von Schauspiel Leipzig und schauspielfrankfurt:

Horns Ende
schauspielfrankfurt
Bettina Riebesel, Robert Kuchenbuch
Foto:
Alexander Paul Englert

Premiere Leipzig: 19. März 06
Premiere Frankfurt: 7. Aprl 06


Regie: Armin Petras
Bühne: Kathrin Frosch
Kostüme: Annette Riedel
Licht: Norman Plathe
Dramaturgie: Carmen Wolfram
Regieassistenz: Jörg Reimer
Bühnenbildassistenz: Julia Plickat
Kostümassistenz: Katja Strohschneider
Souffleuse: Christine Schneider
Inspizienz: Annette Thurm
Ton: Oliver Blohmer, Franziska Rudolphi, Josef Rennert
Maske: Karin Junghardt, Verena Martin
Technische Produktionsleitung: Anette Kahler, Klaus Oberüber
Technische Einrichtung: Nico Ramie
Requisite: Aibrecht Haevernick, Stefan Markert, Helmut Stumvoll
Regiehospitanz: Sabeth Braun, Johann Kuithann
Dramaturgiehospitanz: Manuela Kurt
Bühnenbildhospitanz: Martina Bauer
Kostümhospitanz: Johanna von Gehren


Besetzung:

Dr. Spodeck: Berndt Stübner
Christine: Anja Schneider
Thomas: Aleksandar Radenkovic
Gertrude Fischlinger: Bettina Riebesel
Paul, ihr Sohn / Horn: Robert Kuchenbuch
Bachofen: Herr Gohl: Andreas Haase
Marlene Gohl, seine Tochter: Susanne Buchenberger
Kruschkatz, Bürgermeister: Ronald Kukulies
Irene Kruschkatz: Ellen Hellwig


Der Stückfassung von Armin Petras liegt der 1985 erschienene Roman Horns Ende von Christoph Hein zugrunde, der den Mikrokosmos einer typischen DDR-Kleinstadt in den 50er Jahren beschreibt: In Bad Guldenberg hat sich der Historiker Horn, der Leiter des örtlichen Heimatmuseums, das Leben genommen, nachdem er wegen einer Abweichung von der Parteilinie in die Kritik geraten war. Wegen eines ähnlichen Vergehens wurde er bereits von einem höheren Posten in Leipzig in die sächsische Provinzstadt strafversetzt. Doch auch hier widersetzte er sich der offiziellen Geschichtsdeutung und -schreibung mit selbstzerstörerischer Hartnäckigkeit. Nachdem Horn jahrelang völlig isoliert in der kleinen Gemeinde gelebt hatte, war er nicht fähig, eine zweite derartige Demütigung zu ertragen.
Die unterschiedlichsten Bewohner Guldenbergs erinnern sich an den Sommer des Jahres 1957, als Zigeuner ihr Lager mitten in der Stadt aufschlugen, als eine Untersuchungskommission vom Bezirk kam, als Horn sich das Leben nahm: Da ist der desillusionierte Arzt, der sich vom Geld seines rücksichtslosen Vaters hat erpressen lassen und mit dieser Lebenslüge nicht fertig wird.
Da ist der zugereiste Bürgermeister, der offensichtlich einst Horns Leipziger Affäre losgetreten hat und in Guldenberg als linientreu-jovialer Stadtvater erscheint.
Da ist ein schweigsamer Maler mit behinderter Tochter, der ein Grab auf dem städtischen Friedhof liebevoll pflegt, in dem genau diese Tochter bestattet zu sein scheint.
Da ist die Betreiberin eines kleinen Ladens, die gleichzeitig Horns langjährige Vermieterin war.
Und da ist Thomas, damals fast noch ein Kind, aber an die Ereignisse während jenes Sommers erinnert er sich genau: Wie er sich bei den Zigeunern verdingte und dafür von seinem Vater, dem Apotheker, bestraft wurde; wie er seine erste schüchterne Liebe zu Elske erlebte; wie er den toten Horn im Wald fand. Er kann als einziger das damalige Geschehen aus der Perspektive eines ahnungslosen und naiven Jungen rekapitulieren.
Alle anderen der von einer verborgenen Instanz zu dem Fall Befragten äußern sich in einer Mischung aus Betroffenheit und apologetischem Trotz, reden über etwaige Gewissensbisse mit wort- und gedankenreichen Erklärungen hinweg oder entschuldigen die Ereignisse mit den Sachzwängen des fortschreitenden Sozialismus.
So entsteht das Bild einer deutschen Gemeinde, die sich seit jeher von jeder Schuld frei wähnt und frei spricht.


Die Verteidigung der Freiheit
Elisabeth Schweeger im Gespräch mit
Christoph Hein zum Deutschlandprojekt Helden aus dem Hause Hein am schauspielfrankfurt

Elisabeth Schweeger: Ihre beiden Romane Horns Ende und In seiner frühen Kindheit ein Garten beschreiben Deutschland. Einmal Deutschland DDR in den 60er Jahren und einmal Deutschland West zur Zeit der RAF. Armin Petras macht daraus einen Abend – ein Deutschlandprojekt, da es doch recht selten vorkommt, daß ein Autor zwei Sichtweisen auf ein und dasselbe Land zu werfen versucht.
Christoph Hein: Eine interessante Konzeption. Ich bin gespannt, was Petras daraus für Funken zu schlagen versteht.

Beide Geschichten sind miteinander verbunden.
Petras verbindet sie, das macht auch mich neugierig. Freilich, auch In seiner frühen Kindheit ein Garten spielt in Ostdeutschland. Bad Kleinen liegt ja auch im Osten.

Die RAF hat natürlich auch ihre Beziehungen zur DDR gehabt, paradoxerweise haben aber auch die Regierungen in diesen Bereichen wohl zusammengearbeitet. Aber darum geht es ja gar nicht.
Nein, um die RAF geht es nicht, überhaupt nicht. Die RAF interessierte mich nie, da habe ich ein sehr klares und rasches Urteil, seit Jahrzehnten. Mir geht es darum, wie der Staat darauf reagiert. Und das ist ein Problem, mit dem wir offenbar von Jahr zu Jahr mehr zu tun bekommen. Siehe Guantanamo, siehe England. Der Staat hat die Pflicht und das Recht, Terror und Terrorismus abzuwehren, aber wie weit kann er gehen, ohne das, was er eigentlich verteidigen will, selber zu zerstören. Da entsteht einfach ein rechtsfreier Raum wie Guantanamo, die CIA-Flugzeuge, die Folter. All das passiert ja, um den Terror abzuwehren. Aber was damit zerstört wird, ist letztlich das Rechtssystem selbst.

Das hat mich an beiden Romanen so fasziniert: Was macht das System mit den Menschen? Es führt sie, wenn sie sich als Souveräne begreifen, im Grunde genommen automatisch in einen Widerstand hinein. Und der Staat, also der ›demokratische Staat‹, so habe ich es zumindest verstanden oder verstehe es immer noch so, begibt sich in eine äußerst diktatorische Situation. Also im Westen kann ich es sehr genau beschreiben, daß das, was Montesquieu noch gefordert hat, also Gewaltentrennung, ja zumindest mit der Terrorbekämpfung aufgehoben worden ist.
Ja, es droht zumindest. Mit noch unabsehbaren Folgen.

In dem Roman In seiner frühen Kindheit ein Garten haben Sie versucht, eine zärtliche und schöne Liebesgeschichte von einem alten Ehepaar zu erzählen , das den Tod des Sohnes über den Marsch durch die staatlichen, westdeutschen Institutionen aufzuarbeiten sucht und am System zu zweifeln beginnt und daran fast zerbricht. In Horns Ende beschreiben Sie ein anderes System, das sich zwar auch als antifaschistisch und demokratisch bezeichnet hat, jedoch auf seine Weise ebenso strangulierend auf die Gemeinschaft und den einzelnen gewirkt hat.
Ich denke auch, daß eine Sichtweise auf die sogenannten sozialistischen Länder und deren Gründungen dann falsch ist, wenn sie davon ausgeht, daß das Verbrecher waren, die das gemacht haben. Gegründet wurden diese Staaten aus den Träumen des 19. Jahrhunderts, der Arbeiterbewegung, den Freiheits- und Gerechtigkeitsgedanken heraus. Und dann ging es darum, daß diese Freiheit verteidigt werden muß. Diese Staaten wurden mit stalinistischen Mitteln verteidigt, was jede der Gründerideen und letztlich sie selbst zerstörte. Und das droht uns jetzt in Guantanamo; in dem Rechtsstaat USA wurde ein rechtsfreier Raum geschaffen mit der guten Begründung, den Terror wirkungsvoller zu bekämpfen.
Die Überwachungssysteme nehmen weltweit zu, in Deutschland überlegt man, die Mautüberwachung auf Autobahnen für die Verbrechensbekämpfung zu nutzen. Dabei geht es also immer um die Verteidigung von Freiheit und Freiheitsrechten, aber auch um die Frage, was zerstöre ich damit.

Die Frage ist doch nur, ist es überhaupt möglich, eine Utopie, die in ihren Ansätzen meistens zuerst positiv ist, in die Praxis ebenso positiv umzusetzen? Ähnlich wie Wallenstein, der die Utopie des Friedens hat, aber diese nur mit den Mitteln des alten System herstellen kann. Ist also jeder gute Ansatz zum Scheitern verurteilt? Daß man eigentlich keinen Weg finden kann, wie die Praxis zur Verteidigung der Freiheit eben wirklich der Freiheit selbst dienen kann?
Die einzigen Beispiele von gewaltloser Verteidigung der Freiheit, wo das so einigermaßen funktioniert hat, das sind Nehru in Indien und Mandela in Südafrika. Aber das ist natürlich mit unheimlich persönlichen Kosten verbunden. Keiner von beiden wußte, ob ihr Ziel aufgehen wird, aber sie wollten es ohne Gewalt erreichen, und das haben sie gemacht, bis zum Schluß. Selbst um den Preis des Gefängnisses. Aber der wirtschaftliche Druck heute ist zu groß. Die westlichen Länder müssen sich gleichzeitig gegen Indien oder China behaupten, und da wird sich Amerika nicht im geringsten nachgiebig zeigen dürfen, und auch Europa nicht. Und der effektive Weg, um die Freiheit zu garantieren, bedeutet dann auch einen Weg mit Gewaltanwendung.

Ja, und letzten Endes mit Restriktionen. Also mit Kontrollsystemen.
Ja, dieses stalinistische »Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser«, das haben wir natürlich überall.

Könnte man behaupten, daß wir uns von dem faschistischen System noch nicht entfernt haben, sondern daß es sich eigentlich konsequent weiterentwickelt hat und nur subtiler geworden ist?
Das war wahrscheinlich schwer zu umgehen nach 1945. In Ost wie West konnte das alte System nicht gründlich und restlos abgebaut werden, denn es mußte sehr rasch ein neues aufgebaut werden. Im Westen hat man ja dann auch sehr schnell die alte Justiz übernommen, die alten Lehrer und all jene, die nun gefälligst den Mund zu halten hatten, die bereit waren, sich mit der dritten Strophe des Deutschlandliedes zu begnügen. Und dabei konnte es dann bleiben. Und im Osten war es ja auch ganz schnell so, daß man die neue Fahne schwenkte, sich zur neuen Ideologie bekannte und die neue Supermacht begrüßte. Beide deutsche Staaten und ihre Bürger erwiesen sich als Musterschüler, und das war ja auch verständlich: Mit ihrer Vergangenheit mußten sie beweisen, daß sie besonders lernfähig sind.

Ja, aber hat man das in der DDR auch so gesehen? Bestimmte Organisationsformen waren ja einfach eins zu eins übernommen worden, z.B. die Jugendorganisationen?
Es ging wie bei den meisten diktatorischen Systemen vor allem um die Jugend, insofern haben sie auch alles getan, um diese einzufangen und einzubinden. Und um sich vom Westen abzuheben, wollte man zu den Gewinnern der Geschichte zählen und nicht als Verlierer gelten. Man fühlte sich auf der richtigen Seite, rechnete sich selbst zur antifaschistischen Front. Die Faschisten waren woanders. Und dann schien auf einmal die ganze DDR aus dem Widerstand heraus geboren.

Es gab somit auch keine Rechten, keine Nazis.
Offiziell, nein. Der Widerstandskämpfer, das war das einzige, worauf sich die DDR berief. Meine Frau war Jüdin. Als sie eine Kleinstadt in der DDR besuchte, zeigte man ihr die alte Synagoge und sagte zu ihr: »Also die Synagoge haben die Faschisten 1939 zerstört.« Man hat aber nicht gesagt, wir, die Bürger unserer kleinen schönen Stadt waren es, sondern das waren die Faschisten, Außerirdische vermutlich. Das war die Haltung: Da gab es eine Periode, ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte, mit der die DDR-Bürger nichts zu tun hatten. Also, der Vater war nach Möglichkeit im Widerstand, und alles andere mußte man verschweigen.

Also gab es auch keine Neonazis?
Offiziell und in allen Medien, nein. Es gab gelegentlich gewaltbereite Jugendliche, später gab es die Glatzköpfe, das waren Probleme, bei denen die Behörden unbarmherzig zuschlugen. Denn der große Bezugspunkt, auf den sie sich immer beriefen, war der Antifaschismus. Daß sie eben anders als Westdeutschland die Grundlagen, die Lehre gründlich ausgewechselt hatten. Man ging gegen solche rechten Tendenzen sehr entschieden vor. So etwas durfte es einfach nicht geben.

Es wurde tot geschwiegen.
Ja, und ich denke, das war einer der Gründe, warum das dann 1989 so richtig heraus brach. Alles, was man unter den Teppich kehrt, bricht eines Tages hervor. Mit Verboten allein kann man einen Staat nicht regieren. Die Schwierigkeiten hinter Gitter bringen, das ist eine sehr naive und eine einfältige Staatsdoktrin. Und als es mehr Probleme gab, als hinter Gitter zu verbringen waren, wurde das Ganze nicht mehr haltbar. Und plötzlich zeigte sich all das, was nie verschwunden, sondern lediglich verdrängt worden war.

Haben Sie das Buch In seiner frühen Kindheit ein Garten im Hinblick darauf geschrieben, daß Sie dieses andere System unter die Lupe nehmen wollten? Entsprach das einem Bedürfnis, eine Gegensetzung zu machen? Oder entstand das einfach nur nach der Öffnung des Landes, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen?
Also, die anfänglichen Gründe bei so einer Arbeit sind doch immer sehr intime, das kann ein Satz oder auch nur ein Geruch sein, Dinge, die ich Dritten kaum vermitteln kann. Ich hatte über die Vorgänge um Bad Kleinen in der Zeitung gelesen und fand die Reaktion des Staates, der verschiedenen Staatsgewalten befremdlich. Nach drei Jahren habe ich mich schließlich so sehr dafür interessiert, daß ich mir mit Hilfe von Anwälten die Akten der verschiedenen Prozesse besorgte. Die habe ich ein halbes Jahr lang studiert, weil ich irgendwas daraus machen wollte, habe dann aber zunächst erst einmal aufgegeben, weil ich für mich keine Möglichkeit sah, aus dem Dokumentarischen herauszukommen, was mich nicht interessierte. Aber irgendwie ließ mich dieses Thema nicht los. Drei, vier Jahre später kam ich für mich auf die Lösung, nur das, was auf dem Bahnhof passierte und die Prozesse wie einen Film im Hintergrund ablaufen zu lassen und den ganzen Rest völlig frei zu erfinden. Somit konnte ich mit der Freiheit eines Romanciers und mit meinen Mitteln und Möglichkeiten mit den Personen umgehen, was ich bei historischen Figuren nie hätte machen können. Es ist aber nicht so, daß für mich jeweils nur das Thema wichtig ist, sondern da müssen schon andere Aspekte hinzukommen. Insofern war für mich ganz zentral bei der Entstehung des Stoffes die Liebesgeschichte eines Paares, das 50 Jahre älter ist als Romeo und Julia, also etwas ungewöhnlich für Liebesgeschichten. Diese Liebesgeschichte eines älteren Paares interessierte mich. Der Rest ist dann eher Zufall, man hat als Autor vielleicht bestimmte Themen, von denen man gar nicht loskommt. Das Thema sucht sich seinen Autor, nicht umgekehrt, auch wenn der Autor glaubt, er habe die Wahl.

Bekanntlich schreibt der Leser einen Roman oder auch ein Theaterstück selbst weiter. Das ist eigentlich das Wunderbare daran. Ich finde, was so berührend war an der Geschichte, daß man eben durch diese Liebesgeschichte sieht, in welchem Kontext man existiert. Und was das auch für beklemmende Auswirkungen hat. Das war schon bei Horns Ende so, daß man stets das Persönliche gesehen hat, in das das politische System immer wieder einbrach.

Ja. Das entspricht auch meiner Sicht, aber ich denke, daß staatliche Gewalt und überhaupt der Staat, die Politik, so wie in Horns Ende, nur punktuell bemerkbar sind. Wenn ich in einer Kleinstadt lebe, habe ich mit dem Staat nichts zu tun und nur gelegentlich erwischt er mich. Durch Steuererhöhungen etwa oder dadurch, daß auf einmal drei Panzer durch die Stadt fahren. Gelegentlich habe ich also mit dem Staat zu tun, aber ansonsten versuchen die Leute, ein ganz anderes Leben zu führen, unabhängig vom Staat, frei von ihm. Man vermeidet im allgemeinen die Nähe zur Macht. Und das unterscheidet sich auch in den verschiedenen Staaten nicht. Einer der heftigsten Vorwürfe bei Horns Ende in der DDR war, daß ich ein Leben schildern würde, als ob es 1945 gar nicht gegeben habe. Ja, so ist es nun mal. Die Leute heiraten, erziehen Kinder und versuchen, in einem Beruf erfolgreich zu sein, und das ist genauso vor 45 gewesen wie auch nach 45. Und das hat die staatlichen Stellen in der DDR geärgert, weil ich da keinen Bruch aufzeige. Die DDR wollte natürlich auch wie der Westen diese Stunde Null. Aber diese Stunde Null gibt es für mich weder ästhetisch noch philosophisch noch weltanschaulich. Die hat es 1945 nicht gegeben, die hat es in der menschlichen Geschichte nur ein einziges Mal gegeben, vor tausenden von Jahren. Alle spätere Geschichte, jedes spätere Ereignis war dann die Folge einer Folge einer Folge. Aber gerade weil diese Stunde Null wieder einmal ausgerufen wurde, hatten wir im Osten wie im Westen die entsprechenden Probleme. Alles wurde zugedeckt, um dann im fatalsten Moment wieder aufzutauchen.

Dadurch hat man sich natürlich die Möglichkeit genommen, zu erkennen, wie man aus diesem ganzen System wieder rauskommt. Man lebt in einer Chimäre, zumindest in einer Behauptung.
Ja. Ich würde vielleicht noch böser sagen, daß man das vielleicht gemacht hat, weil man auch wußte, man kommt gar nicht raus, denn ich kann diese Leute aus dem alten System nicht austauschen.

Bruno Kreisky hat das vollkommen klar gesagt damals in Österreich: Wenn ich alle Nazis rausschmeißen würde, blieben in Österreich nur noch wenige Leute übrig. Also muß ich mit ihnen operieren.
Da hatte Kreisky völlig recht. Daß wir heute Philosemiten sind, ist nur die andere Seite der gleichen Medaille. Wir sind Philosemiten, weil der Antisemitismus zur Zeit nicht en vogue ist, aber unsere Xenophobie ist uns geblieben, und der Antisemitismus ist nur eine Spielart von diesem, den gab es auch dort, wo es gar keine Juden gab.

Klar. Die Frage ist nur, wie man damit umgehen kann. Ich fürchte, es wird wieder schlimmer. Gerade als Folge der Globalisierung. Es werden Formen von Identitäten gesucht, und die werden nicht in neuen Strukturen gesucht, sondern in alten und üblichen.
Unter anderem auch deswegen, weil wir die Globalisierung – möglicherweise geht das auch gar nicht anders – nur als ein wirtschaftliches Unternehmen erleben. Das Individuum – zumindest das in der sogenannten ersten Welt – hatte seine Globalisierung bereits, es konnte in jedes Land fliegen, um Urlaub zu machen, es konnte aus jedem Land der Welt die Waren kaufen, die es wünschte, zumeist auch noch zu einem geringen Preis. Mit dem Fall der Mauer entdeckte die Wirtschaft ihre Möglichkeiten. Nach den Konsumentenparadiesen, wo man billig leben und einkaufen konnte, sehr billig, entdeckte man die Wirtschaftsparadiese, wo man sehr billig produzieren kann. Und die Globalisierung geht rasch weiter, aus den vormals drei Welten entsteht langsam eine Welt, eine einzige Welt mit einem vergleichbaren Lebensniveau. Das heißt, weltweit gleiche oder vergleichbare Löhne, Arbeitsbedingungen, Lebensqualität, und das heißt auch: Verluste in der ersten Welt, Zugewinne für die zweite und vor allem für die dritte Welt, denn dieses einheitliche Lebensniveau wird nicht in der uns vertrauten Höhe liegen, sondern sehr viel tiefer sein, möglicherweise unerträglich tief für uns. Aus dem alten »Für alle reicht's nicht«, mit dem die erste Welt Jahrzehnte gut leben konnte, wird ein »Für alle fast nichts«, wogegen wir uns heftig wehren. Die zweite Welt und die dritte Welt sehen und nutzen nun ihre Möglichkeiten, und für uns zerbricht eine überkommene, gewohnte Ordnung. In der zweiten und dritten Welt entstehen Hoffnungen, in der ersten wachsen die Ängste. Wir erleben es in Europa, in Ost- wie in Westeuropa, daß jetzt die nationalen und die nationalistischen Parteien Zulauf haben.

Ja. Beispiel Polen, oder?
Ja, und das hat mit Ängsten zu tun. Jetzt soll ich auf einmal Europäer sein? Es ist einfach lächerlich. Wer kann von sich sagen, er sei wirklich Europäer? Wir sollen alle Weltbürger sein und stecken mit all unseren Wurzeln tief in unserer Provinz, im Provinziellen, alles andere sind Träumereien. Ich kenne aus der jüngeren Geschichte nur zwei wirkliche Europäer: Napoleon und Hitler. Die beiden sahen keine Grenzen.

Napoleon hat immerhin ein Rechtssystem entwickelt, auf das wir uns heute noch berufen.
Das hat Hitler auch gemacht und gewollt. Wenn auch richtig verbrecherisch. Die Intelligenz der anderen Völker sollte zerstört werden, damit das Arbeitspotenzial für die Herrenrasse genutzt werden kann. Das Napoleonische ist auch nicht großherziger gedacht, aber weniger verbrecherisch. Aber für beide war Europa die Wohnstube. Bei Napoleon noch viel stärker.

Man sollte sich daran erinnern, daß Kaiser Karl V. ganz Europa beherrscht hatte.
Das Problem der Globalisierung ist, daß wir nicht einmal eine europäische Gesetzgebung zustande bringen, keine verbindliche, keine, an die sich auch nur ein europäischer Staat wirklich halten muß. Karl V. und Napoleon hatten aber dieses verbindliche System. Jetzt aber haben wir überhaupt kein Rechtssystem mehr, das zugreifen kann. So daß die Wirtschaft zum Beispiel frei wirken und somit auch ihre eigenen Gesetze machen kann. Was in Deutschland nicht funktioniert, wird nach Polen ausgelagert, und wenn es da auch nicht funktioniert, dann geht man nach China. Es wäre aber wichtig für die Globalisierung, ein System zu haben, das einen bestimmten Einfluß auf die Wirtschaft nehmen kann, im Sinne einer sozialen Marktwirtschaft. Eine Instanz, die über der Wirtschaft steht und diese bestimmt. Im nationalen System konnte dies noch der Staat sein, das ist aber jetzt vorbei. Wenn die Konzerne immer mehr wollen, dann steht der einzelne Nationalstaat hilflos davor und Europa auch.

Brauchen wir also wieder den autoritären Staat?
Nein, aber Wettbewerb und ein funktionierendes soziales System. Der Kapitalismus war in einer glücklichen Situation, als es auf der anderen Seite den Sozialismus gab, denn da war Wettbewerb, und Wettbewerb ist das Element des Kapitalismus. Seitdem das sozialistische System zusammenbrach, gibt es diesen Wettbewerb nicht mehr, und die wirtschaftliche Entwicklung verläuft jetzt völlig ungehemmt in einer Art und Weise, die für mich selbstzerstörerische Züge trägt. Ich kann alles noch viel billiger produzieren, ich finde immer noch billigere Arbeitskräfte.

Und die Politik ist ohnmächtig.
Wie sagte Karl Kraus: »Sie glaubten, sie seien an der Macht, sie waren aber nur an der Regierung.«

© schauspielfrankfurt

Horror Vacui

Ein Projekt von:
Auftrag : Lorey
Uraufführung: 10. März 2011 (Frankfurt, Schauspiel Frankfurt)

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere:
10. März 11 (Uraufführung; im Bockenheimer Depot)

Konzept / Regie: Stefanie Lorey, Bjoern Auftrag
Bühne/Video: Marc Jungreitmeier
Kostüme: Lene Schwind
Licht: Alexander Kirpacz, Marc Jungreithmeier
Ton: Bjoern Auftrag, Joachim Schröder
Dramaturgie: Alexandra Althoff
Mitarbeit Dramaturgie: Michaela Stolte

Mit: Kathleen Morgeneyer

Statisterie: Susanne Beck, Hannelore Bögeholz, Helga Comperl, Gisela Eiffert, Marga Hildebrandt, Karin Hoffmann, Brigitte Korn, Edith Kreßmann, Gisela Lonnes, Ulla Schröder, Liselotte Schweikhardt

Besprechung auf kulturfreak.de

Horror Vacui
Schauspiel Frankfurt
Kathleen Morgeneyer
© Birgit Hupfeld

Eher erträgt die Natur ihren Untergang, als den kleinsten ungefüllten Raum. »Horror Vacui« ist eine Sammlung von allem, was unsere Sinne anspricht oder beansprucht. Die Symphonie eines ganz gewöhnlichen Tages, Mitteleuropa, Anfang des 21. Jahrhunderts – mit einer Schauspielerin, die über die erstaunliche Fähigkeit verfügt, willentlich die Frequenz ihres Herzschlags zu beeinflussen. Stefanie Lorey und Bjoern Auftrag realisieren Projekte, die sich an der Grenze zwischen Performance und installativer Kunst bewegen.


Auftrag : Lorey (Konzept und Regie)
Stefanie Lorey (geboren 1974 in Bingen am Rhein) und Bjoern Auftrag (geboren 1973 in Ruit auf den Fildern) trafen sich am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Seit 2001 realisieren sie – neben anderen Arbeiten in unterschiedlichen Gruppierungen – Projekte, die sich an der Grenze zwischen Performance und installativer Kunst bewegen.
Ausgangspunkt bildet vor Ort vorgefundenes bzw. recherchiertes Material. Neben ihrer Regietätigkeit unterrichtet Stefanie Lorey im Rahmen des Dorothea-Erxleben-Stipendiums an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Bjoern Auftrag arbeitet auch im Bereich Sounddesign und Tonregie für diverse Tanz- und Theaterproduktionen, u.a. für Stefan Kaegi und Saburo Teshigawara. Außerdem unterrichtet er am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen und an der Hochschule der Künste Bern.

Marc Jungreithmeier (Bühne)
geboren 1979 in Bremen, studierte Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Seit 2005 arbeitet er regelmäßig als Bühnenbildner, Licht- und Videodesigner mit dem Regieduo Auftrag : Lorey zusammen, u. a. für »WMF. Wiedersehen macht Freude«, die Produktion war in unterschiedlichen Versionen am HAU in Berlin, bei den Salzburger Festspielen und am Schauspielhaus Bochum zu sehen, »151 Meter über dem Meer. Selbstportrait einer Stadt« lief im Rahmen der Wiener Festwochen sowie »[blank]« in Johannesburg. Außerdem arbeitete er zusammen mit Rimini Protokoll.

Lene Schwind (Kostüme)
Geboren1979. Sie studierte in München Modegestaltung und arbeitete u. a. bei Hugo Boss und Vivienne Westwood. Sie assistierte am Schauspielhaus Zürich und am Theater Basel. In dieser Zeit gestaltete sie Kostümbilder in Basel sowie für die Hochschule für Fernsehen und Film München. Seit der Spielzeit 2009 /10 ist sie Kostümassistentin am Schauspiel Frankfurt. Dort realisierte sie Kostüme für »Lanzarote« von Michel Houellebecq, »Die Frau, die gegen Türen rannte« von Roddy Doyle und die deutschsprachige Erstaufführung von Simon Stephens »Terminal 5«.

[© Schauspiel Frankfurt]

www.schauspielfrankfurt.de

Hyperion

Roman von:
Friedrich Hölderlin

Zur Bühnenfassung des Theater Willy Praml:

Premiere:
7. August 10

Regie: Willy Praml
Textfassung Hyperion: Willy Praml, Michael Weber, Birgit Heuser, Frank Moritz
Dramaturgie: Frank Moritz
Bühne/Kostüme: Michael Weber
Hospitanz: Myriam Rohn
Musik: Sepp´l Niedermeyer, Gregor Praml
Licht / Lichttechnik: Nico Rocznik, Daniel Gebhard
Ton: Oliver Blohmer
Bühnenbau: Guido Egert
Koordination: Birgit Heuser

Besetzung:

Hyperion I:
Manuele Saccaro
Hyperion II: Sören Messing
Hyperion III: JakobGail
Hyperion IV: Claudio Vilardo
Hyperion V / Alabanda: Michael Weber
Hyperion VI / Adamas: Reinhold Behling
Diotoma I: Gala Winter
Diotoma II:
Nadja Dankers
Diotoma III: Birgit Heuser
Eremit: Michael Rieth

Spieldauer: gute 3:30h mit Pause

Besprechung auf kulturfreak.de

Hyperion
Theater Willy Praml
 Hyperions Lazarett - Hyperion (Jakob Gail)
© Seweryn Zelazny

Von altgriechisch hyper = „drüberhin und ion= „der Gehende“
Hyperion = der Überflieger
Titan, griechischer Licht-und Sonnengott
Text eines deutschen Außenseiters: Friedrich Hölderlin

Selten wurde der Versuch unternommen, dieses Gipfelwerk des deutschen Idealismus ins Theater zu übertragen. Das THEATER WILLY PRAML wird ihn in einer eigenen Bühnenfassung in die Frankfurter NaXoshalle bringen.

Zum Inhalt:
In idyllischer Gegend wächst der Knabe Hyperion auf. Sein Lehrer Adamas führt ihn in die Heroenwelt des Plutarch, dann in die Zauberwelt der griechischen Götter und begeistert ihn für die griechische Vergangenheit. Zum Studium in die Stadt gezogen, lernt er in Alabanda, einem politischen Widerstandskämpfer, die Schmach des von Türken besetzten Vaterlandes zu seiner eigenen Sache zu machen. Dieser weiht ihn in die
Pläne zur Befreiung Griechenlands ein. In Kalaurea lernt er Diotima kennen, in der er, die Verkörperung aller Schönheit und Weisheit des altes Hellas erspürend, die volle Ergänzung seines eigenen Wesens erkennt. Sie ist es, die ihn an seine große Mission mahnt. Von der Kriegserklärung der Russen gegen die Türkei erfährt Hyperion über einen Brief des Freundes Alabanda. Vielleicht hat jetzt die Stunde der Freiheit für Hellas geschlagen; keiner dürfe sich dem heiligen Kampfe entziehen! Diotima billigt Hyperions Entschluss, er nimmt Dienst in der russischen Flotte.
Die Rohheit des Krieges stösst ihn ab. Hyperion wird schwer verwundet, Alabanda muss fliehen und Diotima stirbt. In ihren letzten Briefen sucht sie ihn zu trösten und verweist ihn auf das Reich des Geistes, über das der Tod keine Macht hat. Hyperion verlässt die Heimat.
Er kommt nach Deutschland, wo er sich von den Menschen tief enttäuscht sieht, deren „Leben schal und sorgenschwer und überall von kalter, stummer Zwietracht ist“. Er kehrt nach Griechenland zurück, aber nicht mehr um zu kämpfen, sondern um in der Einsamkeit im Einklang mit der Natur und im Gedenken an Diotima zu leben. „Wir sind nicht geschieden, Diotima . . . Lebendige Töne sind wir, stimmen zusammen in deinem Wohllaut, Natur! . . . und alles Getrennte findet sich wieder . . .
Einiges, heiliges, glühendes Leben ist alles.“
In Hölderlins idealistischem und radikalem Blick auf seine Welt steckt noch immer soviel Sprengstoff, dass die Auseinandersetzung mit ihm auch heute noch lohnt. Es geht um die Fragen:
Was ist der Mensch?
Haben wir die Natur verloren?
Ist Krieg eine Notwendigkeit?
Kann Bildung die Welt besser machen?

Eintritt: 18/14/9,-- Euro
Die Produktion wurde ermöglicht durch die Konzeptionsförderung des Fonds Darstellender Künste e.V. – aus Mitteln des Bundes.
Reservierungen unter: 069/ 43 05 47 34 und
www.theater-willypraml.de

Hysteria (Fragments of an Analysis of an Obsessional Neurosis)

Von: Terry Johnson
Uraufführung: 1. August 1993 (London, Royal Court Theatre)

Zur Inszenierung des English Theatre Frankfurt:

Premiere:
20. März 09
Spielzeit: bis: 3. Mai 09

Regie: Ryan McBryde
Bühne: Neil Prince
Kostüme: Constanze Walldorf
Licht: Hartley TA Kemp
Ton: David Gumpper
Video: Matthias Michel
Casting: Amy Rycroft
Kostümassistenz: Anna Schurau
Deputy stage manager, London: Marte Bergsland

Sigmund Freud: Ged McKenna
Jessica: Melanie Gray
Abraham Yahuda: Simon Clark
Salvador Dali: Anthony Spargo
Anna Freud / woman: Anna Libbach

Besprechung auf kulturfreak.de

HysteriaEnglishTheatreFFM©AnjaKühn1 104
Hysteria
English Theatre Frankfurt
Sigmund Freud (Ged McKenna, links) und Abraham Yhuda (Simon Clark, rechts)
Foto: Anja Kühn

www.english-theatre.org

Vom 23. April bis 24. Mai 09 wird “Hysteria” in einer weiteren Inszenierung im Frankfurter Fritz Remond Theater im Zoo zu sehen sein:
Premiere:
23. April 09
Regie: Rüdiger Hentzschel
Mit: Monica Anna Cammerlander, Maximilian Achatz, Carl Achleitner, Willy Höller
www.fritzremond.de

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