Theater Stückeinfos: E
 

Egmont
Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen

Von:
Johann Wolfgang Goethe
Erste Aufführung: 9. Januar 1789 (Mainz)

"In diesem Trauerspiel also wird ein Charakter aufgeführt, der in einem bedenklichen Zeitlauf, umgeben von den Schlingen der Politik, in nichts als sein Verdienst eingehüllt, voll übertriebenen Vertrauens zu seiner gerechten Sache, die es aber nur für ihn allein ist, gefährlich wie ein Nachtwanderer auf jäher Dachspitze wandelt."
               
(Friedrich Schiller, über Egmont)

Zur Inszenierung am schauspielfrankfurt:

Premiere:
19. November 05

Regie:
Armin Petras
Bühne: Patricia Talacko
Kostüme: Annette Riedel

Darsteller:

Margarete von Parma:
Friederike Kammer
Graf Egmont, Prinz von Gaure:
Wolfram Koch
Machiavell, Wilhelm von Oranien, Silva:
Oliver Kraushaar
Herzog von Alba:
Wilhelm Eilers
Ferdinand, sein natürlicher Sohn:
Moritz Peters
Ricarda Vansen: Georgia Stahl
Klärchen: Nadja Dankers
Klärchens Mutter: Susanne Böwe
Brackenburg: Gunnar Teuber
Soest:
Andreas Haase
Jetter:
Stefko Hanushevsky
Zimmermann:
Jan Neumann

Chorführer: Falilou Seck

Bürger:
Horst Beiger, Kiril Boguslawski, Rainer Böhme, Hans Bolz, Klara Buchtovä, Helga Comperl, Carla Cunningham-Abugindy, Florian Däumling, Andreas Duetsch, Christopher Flach, Bettina Fröhlich, Martin Georgi, Anna Gerhards, Gesine Gress, Andreas Hilberer, Marcus Hosch, Amer Issa, Elena Maria Kaden, Gerd Kamphausen, Konstanze Kappenstein, Adolf-Berndt Kolb, Ursula Krienitz, Roswitha Lehmann, Manfred Michel, Marc-Oliver Möller, Roswitha Nees, Janinka Peterek, Conrad Rau, Philip Rau, Göran Rother, Adolfo Sanz Merino, Wolfgang Schreiber, Liselotte Schweikhardt, Peter Skrezek, Claudia Strabel, Maj Voigt, Rüdiger von Wedel

“Ist Krieg, Mord und Todschlag aber wirklich zu verhindern, wenn man, wie Egmont, nur an das Gute in den Menschen glaubt? Ist positives Denken eine politische Kategorie oder nur Naivität? Ist Egmont ein Held oder lediglich ein furchtsamer Mitläufer? Und was ist Verantwortung, für sich selbst und für die Gemeinschaft?
Fragen, mit denen sich die Inszenierung von Armin Petras auseinandersetzen und woran er zeigen wird, wie aktuell und hochpolitisch das „alte“ Stück im 21. Jahrhundert ist.”

Termine Großes Haus:
19., 23., 25. November, 2., 7. & 16. Dezember 05

Besprechung der EGMONT-Inszenierung auf kulturfreak.de

Biografie Armin Petras:

Geboren 1964 in Ost-Berlin.

1985-1987 Regiestudium an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch
Mitbegründer der freien Theatergruppe „Medea Ost“
1988 Übersiedelung nach Berlin-West
Gründung der freien Theatergruppe „Medea West“
Regieassistent am Frankfurter TAT und an den Münchner Kammerspielen
ab 1992 Regisseur in Frankfurt/Oder
ab 1994 Regisseur in Chemnitz
ab 1996 fester Regisseur in Leipzig und Oberspielleiter in Nordhausen
Schauspieldirektor am Staatstheater Kassel

Ab der Spielzeit 2002/2003 an Hausregisseur am schauspielfrankfurt, seit der Spielzeit 2003/2004 auch Kurator der Spielstätte schmidstrasse12, bis er zu Beginn Spielzeit 2006/07 die Intendanz der Berliner Maxim Gorki Theater übernommen hat.

Inszenierungen unter anderem an den Freien Kammerspielen Magdeburg, am Schauspiel Hannover, Nationaltheater Mannheim, Münchner Kammerspiele, Volksbühne Berlin, Berliner Ensemble , Bayerisches Staatsschauspiel München, Deutsches Schauspielhaus Hamburg, Thalia Theater Hamburg.

Seine Inszenierung von Fritz Katers zeit zu lieben. zeit zu sterben (Thalia Theater Hamburg) wurde von „Theaterheute“ zum deutschsprachigen Stück des Jahres gewählt, zum Berliner Theatertreffen 2003 und zu den Mülheimer Theatertagen 2003 eingeladen. Außerdem wurde Armin Petras 2005 mit dem siebten Lessing-Preis des Freistaates Sachsen ausgezeichnet.

In der Spielzeit 2003/2004 wurde seine Inszenierung von Fritz Katers We are camera / jasonmaterial am Hamburger Thalia Theater zum Berliner Theatertreffen und zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen.

In der Spielzeit 2004/2005 wurde seine Inszenierung von Fritz Katers Drei von fünf Millionen am Deutschen Theater Berlin zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen.

Am schauspielfrankfurt inszenierte Armin Petras in der Spielzeit 2001/2002 Simulacron (nach Daniel F. Galouye) und Knut Hamsuns Das Spiel des Lebens.

In Spielzeit 2002/2003 hatten unter seiner Regie Der zerbrochne Krug von Heinrich von Kleist sowie Friedrich Hebbels Maria Magdalena Premiere.

In der Spielzeit 2003/2004 des schauspielfrankfurt inszenierte Armin Petras Minna von Barnhelm, Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß, Die Glasmenagerie und Zerbombt, alle in der schmidtstrasse12 – sowie Die Frau vom Meer im Großen Haus.

In der Spielzeit 2004/2005 des schauspielfrankfurt führte er bei Fritz Katers krieg böse 5, Heinrich von Kleists Das Käthchen von Heilbronn, Victor Hugos Lucretia Borgia und Malcolm Lowrys Unter dem Vulkan Regie.

In der Spielzeit 2005/2006 des schauspielfrankfurt inszeniert Armin Petras Egmont von Johann Wolfgang von Goethe und
Horns Ende & In seiner frühen Kindheit ein Garten von Christoph Hein im Großen Haus und Ajax von ihm selbst nach Sophokles (UA) in der schmidtstrasse12. Im Kleinen Haus wurde sein Stück abalon, one nite in bangkok uraufgeführt. Zudem war er Kurator von Europe Learning – Frankfurt meets Krakow (Ein kleines Festival des polnischen Theaters).

Spielzeit 2006/2007:
Prinz Friedrich von Homburg , Regie: Armin Petras (Koproduktion mit dem Maxim Gorki Theater Berlin)

In der Spielzeit 2007/2008 inszenierte er am schauspiefrankfurt in Koproduktion mit dem Berliner Maxim Gorki Theater Fritz Katers
Heaven /(zu Tristan) sowie Gertrud nach dem Roman von Einar Schleef; für die Bühne eingerichtet von Jens Groß.

Eigene Stücke:
Auf dem Weg zur Hochzeit, nach dem gleichnamigen Roman von John Berger, UA Schauspiel Leipzig
Hund, nach Motiven von Marek Hasko, UA Schauspiel Leipzig
Die Nacht von Lissabon, nach dem gleichnamigen Roman von Erich Maria Remarque, UA Freie Kammerspiele Magdeburg
Zigaretten, nach der gleichnamigen Erzählung von Einar Schleef, UA Nationaltheater Mannheim
Zombie oder Ich will nie wieder so alt werden, Staatstheater Kassel
Alkestis, mon amour, Schauspiel Leipzig
Ajax, nach Sophokles, UA schauspielfrankfurt
abalon, one nite in bankok, UA schauspielfrankfurt
Heaven /(zu Tristan) UA schauspielfrankfurt

[© Texte: schauspiel frankfurt]
 

Ehrensache

Von:
Lutz Hübner (* 16. Januar 1964)
Uraufführung: 10. Dezember 2005 (Essen, Theater Essen)

TheaterperipherieLogo Zur Inszenierung des Frankfurt Theater theaterperipherie:
(in Kooperation mit schauspielfrankfurt)


Premiere: 26. Januar 08
sankt peter,  stephanstraße 6, 60313 Frankfurt
Wiederaufnahme 2010: 3., 4., 9. und 10. März 10, jeweils 19.30 Uhr, sankt peter
theaterperipherie nimmt seine erfolgreiche Erstproduktion „Ehrensache“ von Lutz Hübner wieder ins Programm. Die Produktion wurde seit ihrer Premiere am 26. Januar 08 in sankt peter bislang in 42 Vorstellungen vor 5.681 Besuchern gezeigt. Neben Spielterminen in Frankfurt gastierte „Ehrensache“ in Freiburg, Eschborn, Istanbul, Berlin, Koblenz, bei der JVA Wiesbaden, in Marburg, Duisburg, Rüsselsheim und in Heidelberg. Von der Jury der Hessischen Theatertage 2009 in Marburg wurde Alexander Brills Inszenierung aufgrund der authentischen und überaus engagierten Spielweise der Schauspieler mit dem Nachwuchs-Preis für die beste darstellerische Leistung ausgezeichnet.
Weitere Einladungen werden „Ehrensache“ demnächst zur Konferenz der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit in Höchst (12. März 10) führen, nach Bensheim zur „Woche junger Schauspieler“ (11. Mai 10) und erneut ans Stadttheater Duisburg (23. und 24. September 10). [Stand vom 1. März 10]

Das Stück
Zwei Jungen lernen zwei türkische Mädchen kennen, es ist Wochenende, und man verabredet einen Ausflug nach Frankfurt, in die Großstadt, will sich einen schönen Tag machen. Doch am Ende dieses Tages liegt eines der Mädchen tot auf einem Rastplatz mit mehr als dreißig Messerstichen regelrecht abgeschlachtet, und ihre zwei Jahre jüngere Freundin überlebt schwer verletzt, nur weil die Täter sie für tot halten. Zwar sind die beiden Täter schnell gefasst, aber was genau an jenem Tag passiert ist, bleibt unklar: Je nach Perspektive gibt es ganz unterschiedliche Versionen oder Vorstellungen davon, was zu einem solchen Exzess von Gewalt geführt hat. Woher kommt die Brutalität, mit der die beiden türkischstämmigen Jungen, die als freundlich und angepasst galten, zugestochen haben? Welche Rolle spielen Frauen- und Männerbilder in dieser Geschichte? Ein psychologisches Spiel über gekränkte Ehre, Männerfreundschaft.

Zum Stück
Lutz Hübner entdeckte in dieser auf den ersten Blick privaten Tragödie einen grundsätzlichen sozialen und politischen Sprengstoff: Viele junge muslimische Frauen können in Deutschland kein selbstbestimmtes Leben führen, weil die patriarchalische Männerwelt darauf oft mit Gewalt reagiert! Sowohl die Frauen als auch die Männer sind Gefangene dieses Systems, aber die Opfer sind immer die Frauen. Tatsache ist, dass es in allen Gesellschaften ein Gewaltverhältnis zwischen Männern und Frauen gibt. Aber im Gegensatz zu den westlichen Demokratien, in denen Gewalt gegen Frauen offiziell verpönt ist, scheint es in anderen Kulturen immer wieder eine stillschweigende Akzeptanz dieser Gewalt zu geben. Auch wenn es von den unterschiedlichen Positionen unterstellt oder propagiert wird: Diese Gewalt ist durch nichts zu rechtfertigen oder zu legitimieren , schon gar nicht durch den Glauben, sei es durch den Islam, den Hinduismus, das Christentum oder den Buddhismus. Die Gewalt gegen Frauen tobt sich in Wirklichkeit dort am hemmungslosesten aus, wo das Patriarchat nach wie vor uneingeschränkt herrschen kann. EHRE ist ein zentraler Begriff im System dieses Patriarchats (der Körper der Frau ist die EHRE des Mannes!) und die gekränkte EHRE ist es, die in dem Stück EHRENSACHE die Hauptrolle spielt und zur Katastrophe führt.

EHRENSACHE ist in mehreren Stadttheatern von deutschen Schauspielern gespielt worden.

“Wir finden das problematisch, denn das kann nur ein Abend werden, in dem wir Deutschen über die „Anderen" erzählen. Unser Ensemble setzt sich aus jugendlichen Darstellern aus der Türkei, Afghanistan, dem Iran und Deutschland zusammen. Ich verspreche mir von dieser Besetzung eine wesentlich höhere Authentizität und Kenntnis der Problematik der EHRE. 
Das könnte helfen, dem Publikum ein differenziertes Bild darüber abzugeben, in welchen Zwängen, Nöten und Widersprüchen junge muslimische Männer und Frauen hier gefangen sind, und wie kompliziert und verletzlich sich die gegenseitige Annäherung oft gestaltet.
Es ist nicht unsere Absicht, die Muslimische Community wieder mal mit dem Klischee der „Gewalt gegen Frauen" in die Öffentlichkeit zu zerren. Diese Community ist in sich genauso differenziert, wie unsere deutsche, und entspricht keineswegs dem Bild, das wir uns von ihr machen. (siehe die blamablen Vorurteile in der „Auseinandersetzung" über den Bau der Moschee in Hausen.) Nein, unser Abend möchte einem Publikum, das sich in der Stadt Frankfurt aus vielen Kulturen und Lebensformen zusammensetzt, zeigen , dass sich Muslime dieses Themas annehmen, weil die meisten hier lebenden diese Gewalt ablehnen.“ theaterperipherie


Die Spielorte

Der Spielort von theaterperipherie wird sankt peter sein: „sanktpeter hat den Auftrag, die Peterskirche und ihre Ressourcen für Jugendliche der Rhein-Main-Region im Alter von 14 – 25 Jahren unabhängig von deren Nationalität oderReligionszugehörigkeit offen zu halten und Programmangebote zu verantworten." So lautet die Programmatik der GMBH.
Damit das Thema aber nicht in der Peripherie verschwindet, sondern auch an einem zentralen Ort seine Öffentlichkeit finden kann, wird EHRENSACHE seit März 2008 auch im Kleinen Haus von schauspielfrankfurt gespielt.
 
www.theaterperipherie.de
www.sanktpeter.com
www.schauspielfrankfurt.de

Eine Familie (August: Osage County)

Von:
Tracy Letts (* 1965)
Deutschsprachige Erstaufführung: 31. Oktober 2008 (Mannheim, Nationaltheater Mannheim)

Zur Inszenierung des Theater Bielefeld:

Premiere:
13. Februar 10

Regie: Michael Heicks
Ausstattung: Ilona Lenk
Dramaturgie: Claudia Lowin

Besetzung:
Violet Weston
: Therese Berger
Barbara: Carmen Priego
Bill, ihr Mann: Thomas Wolff
Jean: Julia Friede
Ivy Weston: Christina Huckle
Karen Weston: Nicole Lippold
Mattie Fae, Violets Schwester: Verena Reichhardt
Charlie, Mattie Faes Mann: Harald Gieche
Little Charles: Thomas Wehling
Johnna, Indianerin: Silvia Weiskopf
Sheriff Deon Gilbeau: Stefan Imholz
Steve Heidbrecht, Karens Verlobter: Guido Wachter


FAMILIE: Vater, Mutter, Tochter, Sohn, Bruder, Schwester, Tante, Onkel, Neffe, Nichte, Enkeltochter und Enkelsohn. Momente der Geborgenheit, glückliche Erinnerungen, liebende Sorge für die Nachkommen. Aber es gibt auch die Kehrseite der Medaille: widerstreitende Interessen, lähmende Verpflichtungen und gestaute Frustrationen. Jeder schlägt sich mit jedem herum, und wie es so schön heißt: »Pack schlägt sich, Pack verträgt sich«.
Der Titel des Stücks scheint viel zu harmlos für dieses hochkomplexe Familiensetting. Es geht um die hohe Schule der Psychologie, es geht um Amerika. Ein einsames Haus im mittleren Westen, der Inbegriff der Provinz. Doch Osage County, Oklahoma, der Schauplatz von Tracy Letts Eine Familie, liegt noch nicht einmal dort. Er liegt in einem heißen, platten Nichts: der Prärie. Und die Prärie, erklärt uns eine der Figuren gleich zu Beginn des Stücks, sei keine Landschaft, sondern ein seelisches Leiden…

Das alte Familienoberhaupt Beverly Weston, Hochschullehrer und Dichter, hat seine krebskranke Frau Violet allein gelassen. Eine Familie ohne Führung. Schnell versammeln sich die drei erwachsenen Töchter mit ihren Männern und Kindern im Haus der Eltern. Noch bevor der Selbstmord des Vaters gemeldet wird, brechen alte Konflikte auf, treten Familiengeheimnisse ans Tageslicht, klären sich inzestuöse Liebschaften auf, werden Minderjährige verführt… Alkohol und Drogen vernebeln den Horizont. Mit dem Vater wird ein Teil einer amerikanischen Gründergeneration zu Grabe getragen.

Osage County wurde 1907 gegründet und Beverly Weston war einer der ersten, der in dieser Abgeschiedenheit seine Familie begründet. Doch bereits drei Generationen später steht alles zur Disposition. Ist das die Chance oder der endgültige Untergang? Noch weiß man es nicht. Zurück bleiben Menschen, die jetzt erst recht auf sich allein gestellt sind.

Längst ist Tracy Letts zum neuen großen amerikanischen Dichter ausgerufen worden. Dass er in den USA als Quentin Tarantino der Theaterwelt gilt, ist seinem Hang zu skandalträchtigen Stoffen zu verdanken. Eine Familie ist ein bestechend perfekt gebautes Stück, mit tragikomischen Dialogen und größten spielerischen Herausforderungen für ein Ensemble. Es gewann – nach seiner Uraufführung am Broadway – den Pulitzer-Preis des Jahres 2008.


Michael Heicks (Inszenierung) ist seit Januar 2005 Intendant des Theater Bielefeld. Der Regisseur war zuvor von 2000 bis 2004 Schauspieldirektor des Bielefelder Theaters. Dort inszenierte er u.a. Shakespeares Was ihr wollt, Ein Sommernachtstraum und Wie es euch gefällt, Rainald Goetz’ Jeff Koons, die Uraufführung von Ror Wolfs Nachrichten aus der bewohnten Welt, Effi Briest von Theodor Fontane, Neil LaButes das maß der dinge sowie Moritz Rinkes Republik Vineta und Café Umberto. Michael Heicks führte außerdem Regie bei der deutschen Erstaufführung von Zdenek Fibichs Oper Der Sturm, der Uraufführung von Heul doch!, Tschechows Der Kirschgarten, der Uraufführung von Tom Peuckerts Elende Väter, Robert Thomas Kriminalkomödie Acht Frauen sowie Mike Svobodas Erwin, das Naturtalent. In der letzten Spielzeit inszenierte er Ralf Westhoffs Shoppen und Kay Pollacks Wie im Himmel.
Bevor Michael Heicks nach Bielefeld kam, arbeitete er als freier Regisseur mit Inszenierungen am Staatstheater Braunschweig, Staatstheater Oldenburg, Grips Theater Berlin, Deutschen Theater Göttingen, Theater Salzburg, Theater Basel und am Thalia Theater Hamburg. Er studierte von 1979 bis 1984 Schauspiel und Regie an der Akademie der darstellenden Kunst, Otto-Falckenberg-Schule, München. Nach seinem Studium folgten Regiearbeiten in München und Salzburg sowie einige Arbeiten an der Hochschule für Film und Fernsehen München.

Ilona Lenk (Ausstattung) wurde 1964 in Stuttgart geboren, studierte zunächst Politikund Literaturwissenschaften in Freiburg, bevor sie an die Freiburger Schauspielschule wechselte, an der sie bereits an Bühnenbildern des KIEW sowie an regionalen Ausstellungen mitarbeitete. 1992 bis 1994 war sie als Assistentin für Bühnenbild an den Städtischen Bühnen Freiburg tätig. Während dieser Zeit entwarf sie Ausstattungen für diverse Theater sowie verschiedene Raum- und Außeninstallationen. Seit 1994 ist sie freischaffende Bühnenbildnerin und Malerin, mit wechselndem Wohnsitz in Rom und Berlin. Sie entwarf Bühne und Kostüme u.a. für die Staatsoper Stuttgart, das Theater Lindenhof, das Nationaltheater Mannheim, das Thalia-Theater Halle, das Theater Konstanz und das Landestheater Tübingen. Am Theater Bielefeld war sie bereits für die Ausstattung bei Das Apartment und bei Gefährliche Liebschaften verantwortlich.  [© Theater Bielefeld]

www.theater-bielefeld.de 

Eines langen Tages Reise in die Nacht

Schauspiel von:
Eugene O’Neill

Zur Inszenierung des Theater Trier:

Premiere:
31. Januar 09

Inszenierung: Peter Ries
Ausstattung: Manfred Breitenfellner
Dramaturgie: Sylvia Martin

James Tyrone: Manfred-Paul Hänig
Mary Cavan Tyrone, seine Frau: Johanna Liebeneiner
James Tyrone Junior, ihr ältester Sohn: Paul Steinbach
Edmund Tyrone, ihr jüngster Sohn: Alexander Ourth
Cathleen, zweites Hausmädchen: Barbara Ullmann

Die Tyrones verbringen wie jedes Jahr den Sommer an der Küste Neuenglands. Seit längerer Zeit ist die Familie wieder einmal zusammengekommen. Vater James Tyrone, ein erfolgreicher Bühnendarsteller, und der älteste Sohn Jamie, ebenfalls Schauspieler, haben Theaterferien.
Der jüngere Sohn Edmund ist nach einer abenteuerlichen Seereise zur Familie zurückgekehrt und die einstmals drogenabhängige Mutter Mary hat eine Entziehungskur hinter sich. Die Idylle scheint perfekt, entpuppt sich aber als fragile Fassade. Nach und nach brechen alte Verletzungen auf. Anlass dafür ist Edmunds lebensbedrohliche Erkrankung an Tuberkulose. Jeder einzelne macht den anderen Vorwürfe im verzweifelten Versuch, die Schuld am eigenen Lebensdilemma auf die Angehörigen abzuwälzen. Der Familienkonflikt spitzt sich zu…

In dem 1940/41 entstandenen Schauspiel setzt sich Eugene O’Neill (1888-1953), einer der erfolgreichsten amerikanischen Dramatiker, mit seiner eigenen von Drogen und Alkohol zerstörten Familie auseinander. Die Aktualität des Stückes liegt auch in der analytischen Darstellung einer Gesellschaft, in der Erfolg und Prestige wichtiger sind als die Verwirklichung individueller Lebensträume. Die Rolle der Mary übernimmt Johanna Liebeneiner, die schon bei den ANTIKENFESTSPIELEN 2007 in der Tragödie ÖDIPUS als Iokaste das Publikum beeindruckte. [© Theater Trier]

www.theater-trier.de

Zur Inszenierung am Staatstheater Wiesbaden:

Premiere:
3. Oktober 08

Inszenierung: Dietrich Hilsdorf
Bühne: Haitker M. Böker
Kostüme: Renate Schmitzer
Musik: Ernst August Klötzke
Dramaturgie: Carola Hannusch

Besetzung:
Mary Tyrone:
Monika Kroll
Edmund Tyrone: Michael Birnbaum
James Tyrone: Wolfgang Jaroschka
Jamie Tyrone: Tobias Randel

„Eines langen Tages Reise in die Nacht“ beschreibt einen einzigen Tag im Haus der Familie Tyrone. Der zerbrechliche Hausfrieden wird nur mühsam aufrechterhalten: immer wieder brechen die Ereignisse der Vergangenheit, Gegenwart und auch der Zukunft die glatte Fassade auf und geben Einblick in die Abgründe der einzelnen Familienmitglieder, die untrennbar miteinander verbunden sind.
Die Mutter, Mary, die gerade vom Entzug ihrer Morphiumsucht wiedergekehrt ist, ist wieder rückfällig geworden. Ihr jüngster Sohn, Edmund, hat Tuberkulose und trinkt sich ins Vergessen, sein Bruder Jamie verdrängt sein persönliches Versagen ebenfalls mit Alkohol. Über allem steht der ehrgeizige Vater James Tyrone, ein ehemals berühmter Schauspieler, der sein Zenith längst überschritten hat...
Immer wieder umkreisen die vier Familienmitglieder einander und sich selbst, voll Bitterkeit und Schuldzuweisungen aber auch voll zärtlicher Liebe und unerfüllter Sehnsucht, nicht fähig, loszulassen.
Der Literaturnobelpreiträger Eugene O’Neill, 1888 in New York geboren, stammt aus einer amerikanischen Schauspielerfamilie irischer Herkunft. „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ weist unübersehbar autobiografische Züge auf: O’Neills Vater war Schauspieler, sein ältester Bruder war Alkoholiker, seine Mutter drogenabhängig. 1912 erkrankte O’Neill an Tuberkulose und begann im Sanatorium Stücke zu lesen und zu schreiben. „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ entstand 1941, wurde aber erst nach seinem Tod im Jahr 1953 veröffentlicht und uraufgeführt.
Es inszeniert der renommierte Opern- und Schauspielregisseur Dietrich Hilsdorf, der 2007 mit dem deutschen Theaterpreis DER FAUST ausgezeichnet wurde. Er arbeitete in jüngster Zeit u.a. in Frankfurt, Essen und Leipzig. In Wiesbaden hat er zuletzt die Oper ,Der Freischütz’ und im Schauspiel ,Maria Stuart’ auf die Bühne gebracht. [© Staatstheater Wiesbaden]

www.staatstheater-wiesbaden.de

Der eingebildet Kranker (Le Malade imiginaire)
Komödie in drei Aufzügen


Von: Molière (Jean-Baptiste Poquelin, getauft am 15. Jan.1622 - gest. 17. Feb. 1673)
Uraufführung: 10. Februar 1673 (Paris, Palais Royal

Zur Inszenierung des Berliner Theater am Kurfürstendamm
Fassung von Jürgen Wölffer

Premiere: 19. Februar 2007
Spielzeit bis: 22. April 07

Regie: Jürgen Wölffer
Bühne: Pit Fischer
Musikalische Arrangements: Horst Maria Merz
Musikalische Leitung: Andrew Hannan

Mit: Walter Plathe, Dagmar Biener, Christine Schild, Luise Bähr, Reiner Heise, Andreas Bisowski, Jens Eulenberger


Argan (Walter Plathe) ist Hypochonder. Und damit er auch morgen noch kraftvoll leiden kann, organisiert er sich eine bombensichere Krankenversicherung: Er ordnet die Vermählung seiner einzigen Tochter Angélique (Louise Bähr) mit dem angehenden – wenn auch nicht besonders ansprechenden – Mediziner (Andreas Bisowski) an, der zudem auch noch der Sohn seines behandelnden Arztes Dr. Purgon (Reiner Heise) ist. Weil Argan nur auf seine Krankheiten fixiert ist, nimmt er gar nicht mehr wahr, was um ihn herum passiert: Seine Frau Béline (Christine Schild) spielt nur seine fürsorgliche Gattin, hat es jedoch auf sein Geld abgesehen. Und Angelique hat sich unsterblich in den Schauspieler Cleante (Jens Eulenberger) verliebt. Erst eine Intrige des listigen Dienstmädchens Toinette (Dagmar Biener) öffnet ihm die Augen.
Eine Komödie mit Musik über das Geschäft mit der Krankheit – heute mindestens so aktuell wie damals.

Original und Autor
Die von Molière 1673 geschriebene Komödie „Der eingebildete Kranke“ ist dessen letztes Theaterstück und eine scharfe Satire auf das Geschäft mit der Krankheit. Auf das Thema kam Molière nicht von ungefähr, war er doch zum Zeitpunkt als er die Komödie schrieb, schon längere Zeit krank und hatte sich deswegen bereits seit einiger Zeit mit inkompetenten Ärzten herumgeplagt. Die Komödie nimmt jedoch nicht nur pfuschende Ärzte aufs Korn, sondern auch leichtgläubige Kranke, die den Quacksalbern blind vertrauen und ihnen ihr Geld hinterherwerfen.
Die Uraufführung von „Der eingebildete Kranke“ fand am 10. Februar 1673 im Theater des Palais Royal statt. Molière selbst spielte die Rolle des Argan. Während der vierten Vorstellung – am 17. Februar – erlitt er einen Schwächeanfall auf der Bühne, einige Stunden später starb er an den Folgen eines Blutsturzes.

Zu Risiken und Nebenwirkungen... Walter Plathe

Ein eingebildet Kranker
Theater am Kurfürstendamm, Berlin
Foto: Thomas Grünholz

Walter Plathe spielt Argan
Der in Ost und West bekannte Schauspieler ist Millionen von Fernsehzuschauern vor allem als „Landarzt“ in der gleichnamigen ZDF-Serie ans Herz gewachsen. Doch obwohl er nunmehr seit 15 Jahren jeweils rund ein halbes Jahr mit den Dreharbeiten zum „Landarzt“ beschäftigt ist, bleibt er seiner ersten Liebe – dem Theater – treu. Denn: „Die Mutter von´s Janze ist das Theater!“. Bei „Der eingebildet Kranke“ wechselt Plathe nun die Seite. Er kümmert sich nicht um Kranke. Er spielt einen Hypochender , der sich ständig krank fühlt.
Plathe hat in den letzten Jahren häufig an den Kudamm-Bühnen gespielt. Sein erstes Stück dort war der Otto Reutter-Abend „Alles weg´n de Leut“. Für das Solostück „Heute kein Hamlet“ erhielt er den Goldenen Vorhang 2001 (Publikumspreis des Berliner Theaterclubs). 1995 glänzte er in der Titelrolle des großherzigen Kneipenwirts in Horst Pillaus „Kaiser vom Alexanderplatz“. Vom selben Autor ließ er sich auch den „Kohlenpaul“ schreiben. In der Spielzeit 2004/2005 überzeugte er als Hundefänger Schwejk.
Plathe ist gebürtiger Berliner. Er wuchs in der Ackerstraße im Scheunenviertel auf. Nach der Schauspielschule spielte er am Staatstheater Schwerin und am Theater der Freundschaft in Berlin. Seit 1981 war er festes Mitglied im Schauspielensemble
des Deutschen Fernsehfunks und wurde fünf Mal zum TV-Liebling der DDR gewählt. Kurz vor der Wende, im Sommer 1989 – verließ er die DDR und begann noch einmal ganz von vorn. Jetzt ist er einer der wenigen gesamtdeutschen Fernsehlieblinge.

Die listige Haushälterin
Dagmar Biener spielt Toinette.
Bis vor kurzem noch stand sie als zornige Großmutter in Andreas Schmidts und Luci van Orgs „Die sieben Todsünden“ auf der Bühne . Parallel dazu probte sie für „Ein eingebildet Kranker“. Sie begann ihre Theaterkarriere am Renaissance-Theater. In den Folgejahren arbeitete sie an der Freien Volksbühne und dem Hebbel-Theater mit Regisseuren wie Claus Peymann, Helmut Käutner und Gerd Vespermann. 1970 spielte sie erstmals im Theater am Kurfürstendamm: „Der Diener“, eine Inszenierung von Ottokar Runze. Danach war sie häufig am Hansa-Theater und der Tribüne engagiert. Ihr musikalisches Talent konnte sie in Musicals wie „30 60 90 Grad durchgehend geöffnet“ (Theater des Westens), „Emil und die Detektive“ (Stella-Musical-Theater), Nonnsense (Tribüne und Schlossparktheater), „Wie einst im Mai“ (Schlossparktheater) sowie „Held Müller“ (Neuköllner Oper“) unter Beweis stellen.
Vor der Kamera steht Dagmar Biener seit 1969. Eines ihrer ersten Projekte war die Verfilmung des Stückes „Bambule“ von Ulrike Meinhoff. Sie arbeitete mit Regisseuren wie Eberhard Fechner, Eberhard Itzenplitz, Wolfgang Staudte, Peter Beauvais, Konrad Sabrautzki, Thorsten Näter und Dominik Graf. Loriot engagierte sie für seine Filme „Ödipussi“ und „Pappa ante Portas“.

Die habgierige Ehefrau
wird gespielt von Christine Schild.
Schauspielerische Vielseitigkeit bewies Christine Schild in Ionescos „Die Unterrichtsstunde“, in Willy Russels „Bildung für Rita“ und in Tom Kempinskys Schauspiel „Duett für eine Stimme“ in der Komödie Winterhuder Fährhaus in Hamburg.
Zu ihren Bühnenpartnern gehörten unter anderem Wolfgang Spier, Peer Schmidt, Herbert Hermann, Ilja Richter, Herbert Feuerstein, Claus Biederstaedt, Johanna von Koczian, Harald Juhnke und Jochen Busse.
Sie spielte viele Rollen im Fernsehen und war unter anderem Partnerin von Herbert Hermann in der 12-teiligen Serie „Lucas und Sohn“ zu sehen.
Am Kurfürstendamm sah man Christine Schild unter anderem in „Unbekannt verzogen“, “Auf und davon“, „Schreib wenn Du kannst“, „Liebe Lügen Lampenfieber“, „Mein Freund Harvey“, „Treppauf- Treppab“, „Ein seltsames Paar“ „Stepping out“, in „Miss Berlin“ sowie in „Dinner Party“. Am Kurfürstendamm war sie zuletzt in „Einmal nicht aufgepasst“ an der Seite von Jochen Busse zu sehen.

Regie und Bearbeitung
Nach „Der Menschenfeind“ ist „Ein eingebildet Kranker“ bereits das zweite Stück von Molière, das die Kudamm-Theater in dieser Spielzeit zeigen. Bearbeitet hat das Stück Jürgen Wölffer , der auch Regie führt.
1964 holte sein Vater Hans ihn und seinen Bruder Christian in die Direktion der Theater am Kurfürstendamm. Unter dem Pseudonym Reinhard Boy (Reinhard ist sein zweiter Vorname, Boy war der Mädchenname seiner Mutter) führte Jürgen Wölffer 1971 erstmals Regie: Das Stück hieß „Die ist nicht von gestern“. Premiere war in Erlangen, in den Hauptrollen Elke Sommer und Karl John. 1976, nach dem Tod seines Vaters, übernahm Jürgen Wölffer die Direktion beider Berliner Theater. Es war keine leichte Entscheidung. Sie war geprägt von der Liebe zum Vater, zu Berlin, zum Kurfürstendamm, einer geerbten Unternehmerlust und dem sanften Druck von George Marton und Hans Sanden, zweier jüdischer Freunde des Vaters aus der großen Berliner Theaterzeit. 1977 inszenierte Jürgen Wölffer zum ersten Mal in Berlin „Phantastische Nacht“ mit Günter Pfitzmann. Es folgten Erfolge wie „Sonny Boys“, „Ein seltsames Paar“, „Damals in Brooklyn“, „Sie spielen unser Lied“ und „Pension Schöller“. Er arbeitete mit Schauspielern wie Johanna von Koczian, Wolfgang Spier, Karin Eickelbaum, Günter Pfitzmann, Harald Juhnke, Anita Kupsch, Carl-Heinz Schroth, Georg Thomalla, Nadja Tiller, Paul Hubschmid, Herbert Herrmann, Susanne Uhlen, Evelyn Künneke, Nora von Collande, Evelyn Hamann, Johannes Heesters, Winfried Glatzeder, Achim Wolff, Herbert Köfer, Friedrich Schoenfelder, Elisabeth Wiedemann, Victoria Sturm sowie Dietmar Mues.
Neben den zwei Berliner Häusern Theater und Komödie am Kurfürstendamm ließ Wölffer 1988 in Hamburg die Komödie Winterhuder Fährhaus bauen. 1996 in Dresden, gewissermaßen als persönlichen Beitrag zur Wiedervereinigung die Komödie Dresden. Außerdem gründete er ein erfolgreiches Tourneeunternehmen.
2004 übergab er die Direktion der Berliner Häuser seinem Sohn Martin.  [© Texte: Theater am Kurfürstendamm, Berlin]

Kartenpreise So bis Do 35/24/12€ und Fr/Sa 39/28/17€ Premieren 47/36/24€
alle Preise inklusive Programmheft
Voraufführungen 19 € auf allen Plätzen
KOMÖDIE um VIER 19 € (nur mittwochs) auf allen Plätzen
Karten 030/88 59 11 88 und unter
www.komoedie-berlin.de 

Eins, zwei, drei
Ein Spiel in einem Akt

Uraufführung: 5. Oktober 1929 (Budapest, Vigszinház (Lustspieltheater))
Deutschsprachige Erstaufführung: 15. Oktober 1929 (Wien, Raimundtheater)

Bankpräsident Norrison sieht sich vor eine schwierige Aufgabe gestellt: Lydia, die ihm anvertraute Tochter eines amerikanischen Geschäftsfreundes, gesteht ihm um drei Uhr nachmittags, dass sie insgeheim den Taxichauffeur Fuss geheiratet hat und ein Kind von ihm erwartet, ihre nichtsahnenden Eltern aber in einer Stunde am Bahnhof eintreffen werden. Zur Rettung seines Ansehens und seiner lukrativen Geschäftsverbindung bleibt Norrison nichts. anderes übrig, als den Taxichauffeur innerhalb einer Stunde in einen annehmbaren, ja idealen Schwiegersohn zu verwandeln. Das Zauberkunststück gelingt. Aus Antal Fuss wird (durch eine Adoption) Anton Graf Dubois-Schottenburg, aus dem Taxichauffeur der Direktor einer Autofabrik, aus dem sozialdemokratischen Parteimitglied ein Mitglied des Golfklubs und als Zugabe auch noch ein Generalkonsul. Fuss lässt, wenn auch widerwillig, alles um seiner Liebe willen geschehen. Die finanziellen Mittel und die rasche Entschlusskraft Norrisons, eines typischen Finanzkapitäns, sichern das glatte Gelingen des Plans; punkt vier Uhr kann er beruhigt in Urlaub gehen.  

Glaubt man den Kritikern, ist EINS, ZWEI, DREI Molnárs gesellschaftskritischstes Stück. Der Amerikanismus seiner Zeit und seine bekannten Maximen „Geld regiert die Welt“, „Zeit ist Geld“, „Kleider machen Leute“ werden präzise und knapp ausgestellt. Nicht von ungefähr ließ sich Billy Wilder von Molnárs Komödie zu seinem gleichnamigen Filmerfolg anregen. Die spritzige, die Personen charakterisierende Sprache, die aufblitzenden Pointen, besonders der Kunstgriff, das Geschehen von einer Stunde in schnellstem Handlungstempo tatsächlich in einer Stunde auf der Bühne abrollen zu lassen, machen EINS, ZWEI, DREI zu einem dramaturgischen Bravourstück. [© Musik und Bühne GmbH, Wiesbaden]

Zur Inszenierung des Theater Aachen:

Premiere:
18. September 09

Inszenierung: Elina Finkel
Bühne und Kostüm: Doey Lüthi
Licht: Pascal Moonen
Dramaturgie: Ann-Marie Arioli

Besetzung
C.R. MacNamara: Philipp Manuel Rothkopf
Otto Ludwig Piffl: Sebastian Stert
Scarlett Hazeltine: Stefanie Dischinger
Phyllis MacNamara: Bettina Scheuritzel
Hazeltine, Mishkin, Graf: Rainer Krause
Schlemmer: Joey Zimmermann
Fräulein Ingeborg: Julia Brettschneider
Untermeier: Thomas Hamm
Borodenko, Herrenausstatter: Robert Seiler
Russen, Angestellte Musiktheater- und Schauspielensemble

www.theater-aachen.de

Einsame Menschen
Drama

Von: Gerhart Hauptmann
Uraufführung: 11. Januar 1891 (Berlin, Freie Bühne)

In einem Landhaus am Müggelsee, um 1890. Der junge Gelehrte Johannes Vockerat und seine Frau Käthe haben ihr erstes Kind bekommen. Käthe ist von Schwangerschaft und Geburt noch angegriffen und kränklich, während Johannes, reizbar und ungeduldig, mit dem philosophischen Werk nicht recht vorankommt, an dem er schreibt. In dieser Situation steht plötzlich eine Fremde vor ihrer Tür: die russische Studentin Anna Mahr, die auf der Durchreise nach Zürich Johannes‘ Freund, den Maler Braun, besuchen will. Johannes ist sofort hingerissen von der intelligenten, selbstbewussten jungen Frau und lädt sie ein, für ein paar Wochen bei ihm und seiner Familie zu leben. Er findet in Anna erstmals einen Menschen, der ihm intellektuell ebenbürtig ist, und zwischen beiden entsteht eine tiefe Verbundenheit, die alle anderen Familienmitglieder mit Sorge beobachten. Käthe leidet still und fühlt sich der klugen Anna hoffnungslos unterlegen, während die frommen Eltern Vockerat zunehmend moralische Bedenken äußern. Johannes und Anna gestehen einander ihre Liebe und erkennen, dass sie ihren Traum von einer freien, partnerschaftlichen Beziehung nicht leben können. Johannes muss Anna abreisen lassen, obwohl es ihm das Herz zerreißt. Als sie fort ist, rudert er allein hinaus auf den Müggelsee um zu sterben.

Der Konflikt, den Hauptmann hier schildert, spielte sich im Leben seines Bruders Carl ab, dessen Freundschaft zu einer jungen Polin die ganze Familie in Aufruhr brachte. In die Figur der Käthe Vockerat ist dagegen viel von Hauptmanns eigener Ehefrau, Marie Thienemann, eingegangen, obwohl seine Ehe zu dieser Zeit noch in keiner Weise gefährdet war.

Gerhart Hauptmann
1862 in Schlesien geboren zählt Gerhart Hauptmann zu den bedeutendsten Vertretern des Naturalismus. Sein umfangreiches Schaffen ausschließlich darauf zu beziehen, wäre indessen den Intentionen des Autors ebenso wenig gerecht wie der stilistischen Vielfalt seiner Dramen. Die Verbundenheit mit seiner schlesischen Heimat und die in seiner Jugend erfahrene wirtschaftliche Not bestimmen immer wieder seine Themen, Motive und Charaktere.
Nachdem er mit 16 Jahren die Realschule verlassen hat, beschäftigt er sich mit vielen unterschiedlichen Studien, ohne sich für die eine oder andere Richtung entscheiden zu können. Die Heirat mit einer Großkaufmannstochter enthebt ihn materieller Sorgen und sichert die Existenz eines freien Schriftstellers. 1889 führt die Uraufführung des sozialen Dramas Vor Sonnenaufgang am Berliner Lessing-Theater zu einem handfesten Theaterskandal.
Seine Schaffenskraft leidet darunter nicht. Im Gegenteil: 1893 werden die Dramen Die Weber, Der Biberpelz und Hanneles Himmelfahrt innerhalb von zehn Monaten an drei Berliner Bühnen uraufgeführt. Bald zählt der "Revolutionär" zu den Etablierten, wird als Volksdichter gefeiert und erhält 1912 den Literatur-Nobelpreis, während ihm im Kaiserreich von "Allerhöchster Stelle" der Schiller-Preis verweigert wurde.

Die Weimarer Republik hingegen feiert in Hauptmann den repräsentativen, weltoffenen Patrioten. Die Nationalsozialisten missbrauchen Namen und Werk zu Propagandazwecken. Hauptmann bleibt in Deutschland, wendet sich aber in der Auseinandersetzung mit der griechischen Mythologie neuen Stoffen zu. In hohem Alter stirbt er am 6. Juni 1946 in Agnetendorf im Riesengebirge, kurz nachdem er von den russischen Besatzungsbehörden aufgefordert worden war, sein Haus und seine Heimat zu verlassen.

Gerhart Hauptmanns Werk ist noch nach mehr als hundert Jahren auf den Theatern lebendig geblieben, und seine Figuren sind so lebendig wie ehedem. Es sind Überlebenskämpfer in einer sich überschlagenden Zeit, Menschen, die ihre Ängste und Hoffnungen, ihre Überforderung, ihre unerfüllten Träume mit sich herumschleppen, die laut die Schuld am eigenen Missglücken dem Andern aufbürden, die lieber austeilen als einstecken - Menschen der modernen Zeit eben! [© Felix Bloch Erben, Berlin]

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere:
13. Februar 10

Regie: Hanna Rudolph
Bühne: Steffen Schmerse
Kostüme: Geraldine Arnold
Musik: Jacob Suske, Kriton Klingler

Besetzung:
Isaak Dentler
Sandra Gerling
Josefin Platt
Felix von Manteuffel
Sébastien Jacobi
Claude De Demo

Einsame Menchen
Schauspiel Frankfurt (Regie Hanna Rudolph)
Isaak Dentler, Sandra Gerling, Sébastien Jacobi, Claude De Demo
Foto:
Alexander Paul Englert

www.schauspielfrankfurt.de 

Die 1002. Nacht
-
Schwarze Jungfrauen. (Feridun Zaimoglu / Günter Senkel)
- Gyges und sein Ring (Friedrich Hebbel)

Eine Inszenierung des Theater Willy Praml:

Premiere:
28. August 09

Regie: Willy Praml
Bühne/Kostüme: Michael Weber
Mit: Hatice Bayval, Reinhold Behling, Maryam Hayatshahi, Birgit Heuser, Dilem Kangalli, Luise Kinder, Burcu Kücük, Nicole Mierzwa, Vanessa Scholz, Stefanie Tauber, Lili Ullrich, Claudio Vilardo, Michael Weber, Gina Spogmeiwassey und Eva Weingärtner
Taiko/Percussion: Johannes Ruppel

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Die 1002. Nacht
Theater Willy Praml, Frankfurt/M
Birgit Heuser und Chor
Foto: Seweryn

Das Theater Willy Praml hat sich mit seiner neuen Produktion DIE 1002. NACHT. eines hochaktuellenThemas angenommen.
Friedrich Hebbels selten gespielteTragödie Gyges und sein Ring aus dem 19. Jahrhundert stellt das TWP in den Zusammenhang mit dem zeitgenössischen Theaterstück Schwarze Jungfrauen von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel , in dem Interviews mit jungen in Deutschland lebenden Musliminnen zu Monologen verdichtet für die Bühne bearbeitet sind.
In beiden Stücken geht es um die Spannung zwischen einer Erziehung / einem Leben innerhalb traditioneller Muster und dem Aufbegehren dagegen – oder umgekehrt um das Festhalten an der Tradition und ein Sich-zur-Wehr-setzen gegen das Neue. Und beiden Stücken wohnt eine Radikalität inne, die den zeitgenössischen Zuschauer erschaudern lässt: Die Konfrontation mit dem Ungewohnten erzeugt Abwehr.
Aufgabe des Theaters als Ort der Aufklärung ist die Provokation.

Die 1002. Nacht – eine Nacht der Wende.
Scheherezade erzählt ihrem Gatten 1001 Nacht lang Geschichten, um nicht sterben zu müssen wie ihre Vorgängerinnen. Nach der 1001. Geschichte wird ihr das Leben geschenkt.
Was aber bringt die 1002. Nacht?
Die 1002. Nacht ist die Nacht der Königin Rhodope und der Schwarzen Jungfrauen. Sie ist die Nacht ihrer Freiheit, die Nacht die Geschichten bringt, für die sie niemand begnadigen würde, kein König und wahrscheinlich auch kein Bundespräsident. [© Theater Willy Praml]

DIE1002.NACHT wird gefördert durch die Konzeptionsförderung des Fonds Darstellender Künste e.V. – aus Mitteln des Bundes. Mit freundlicher Unterstützung: Stadt Frankfurt/M  Kulturamt – Amt für multikulturelle Angelegenheiten – Liegenschaftsamt; Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

www.theater-willypraml.de

Elektra
Tragödie

Von: Euripides

Zur Inszenierung des Theater Chemnitz:
Fassung von Hugo von Hofmannsthal

Premiere: 14. November 09

Regie: Thomas Bischoff
Bühnenbild und Kostüme: Isabelle Krötsch
Dramaturgie: Matthias Huber

Besetzung:

Elektra:
Bettina Schmidt
Klytämnestra: Susanne Stein
Chrysothemi: Ulrike Euen
Orest, ein Mann, der nicht Orest ist: Tilo Krügel

Zum Inhalt
Aus dem antiken Stoff um den trojanischen Krieg entwickelt sich die Geschichte der Atriden, der Familie Elektras. Ihr Vater Agamemnon wird nach seiner Rückkehr aus dem Krieg von ihrer Mutter Klytämnestra und deren Liebhaber Aegisth ermordet. Ihr Bruder Orest soll das Schicksal teilen, entkommt aber. Elektra und ihre Schwester Chrysothemis bleiben am Hof der Mutter und wachsen dort auf.
Zirka 20 Jahre später setzt Hofmannsthals „Elektra“ ein: Orest wird tot geglaubt, und das Leben von Elektra und Chrysothemis gleicht eher einem siechenden Sterben - wie Aussätzige behandelt, sind sie gezwungen, jeden persönlichen Anspruch, jedes Glück aus ihrem Alltag zu verbannen. Chrysothemis kann sich mit diesem Schicksal nicht abfinden, sie sehnt sich nach einem Ausweg aus der Isolation; Elektra, einzig beseelt vom Gedanken der Rache für den ermordeten Vater, wartet hingegen auf ihre Chance, die Mutter und deren Liebhaber umzubringen und sich so von ihrem Schicksal zu befreien - ihr ganzes Leben hat nur dieses eine Ziel. Werkzeug für den Mord soll ihr Bruder sein, an dessen verkündeten Tod sie nicht glauben will.

Zum Stück / zur Inszenierung
Hofmannsthals „Elektra“ galt bereits bei ihrer Erstaufführung 1903 als wegweisend. Der antike Stoff enthüllt sich in dieser Tragödie in ungewohnter Weise. Zwar sind die antiken Vorbilder noch erkennbar, aber Hofmannsthal transformiert die Emotionalität der Figuren in die Moderne. Er belässt sie nicht einzig im Zwiespalt mit den gesellschaftlichen Konventionen, sondern setzt dem noch die Furcht vor den eigenen Abgründen hinzu. Die Frage nach Schuld, Vergebung und Rache, aber auch nach dem, was eine Zukunft sein kann, die für Elektra vor allem aus Hoffen und Ausharren besteht, stellt sich in diesem Stück in beklemmender Dringlichkeit.

Thomas Bischoffs Inszenierung konzentriert sich dabei ganz auf den Kern des Konflikts, auf die Intrige innerhalb des innersten Kreises der Familie. Elektra, die mit ihrem Beharren auf Rache ihr Umfeld tyrannisiert. Klytämnestra, die dieser unliebsamen Tochter überdrüssig geworden ist. Chrysothemis, die endlich leben will. Und Orest, der mit den an ihn gestellten Ansprüchen vielleicht gar nicht umgehen kann. Ein Kammerspiel um Macht und Manipulation.

Das Regieteam

Thomas Bischoff (Regie)
1957 bei Leipzig geboren, fand nach einer durchwachsenen und untypischen DDR-Biografie (der Facharbeiter brach seine NVA-Karriere und sein Ingenieurstudium ab und wurde als Busfahrer zum Romanautor) ab 1985 seine Theaternische in Senftenberg. Seit Mitte der 90er Jahre gehört er zur Spitze der deutschen Theatermacher und inszenierte an vielen großen Theatern und Opernhäusern, u.a. München, Berlin, Bremen, Düsseldorf, Leipzig, Hannover und Köln. Thomas Bischoff wird nachgesagt, auf Klarheit und Strenge der theatralen Form großen Wert zu legen und eine sehr prägnante, szenisch ausdünnende Handschrift zu haben. Seine Leipziger Inszenierung von Heiner Müllers „Weiberkomödie“ wurde 1999 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Seine Inszenierung „Emilia Galotti“ gehörte in der vergangenen Saison zu den Eröffnungspremieren, mit denen der neue Schauspieldirektor Enrico Lübbe in Chemnitz startete.

Isabelle Krötsch (Ausstattung)
geboren 1974, ist freischaffende Künstlerin (Malerei/Fotografie) und Bühnen- und Kostümbildnerin für Schauspiel und Oper. Nach ihrem Studium an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart hospitierte sie zunächst an den Münchner Kammerspielen, am Deutschen Theater Berlin und in diversen Architekturbüros in Deutschland und Frankreich. Seit 2001 entwirft sie eigene Bühnen- und Kostümbilder, u.a. für „Die Familie Schroffenstein“ und „Faust“ am Deutschen Theater Göttingen und „Schattenstimmen“ am Staatstheater Kassel, alle in der Regie von Thomas Bischoff. Weitere Arbeiten am Theater Basel, am Theater Lübeck (Junges Studio), an der Staatsoper Stuttgart und dem Schauspiel Hannover. Daneben Arbeiten für Film- und Fernsehen, grafische Aufträge und diverse Ausstellungen u.a. in Lyon, Stuttgart und Berlin. Seit 2006 ist sie zudem Dozentin an der Filmakademie Baden-Württemberg. [©Die theater Chemnitz]

www.theater-chemnitz.de

Zur Inszenierung des Theater Bielefeld:

Premiere:
25. Februar 06

Inszenierung und Musik:
Patrick Schimanski
Bühne und Kostüme: Colin Walker
Dramaturgie: Claudia Lowin

Mit:
Oliver Baierl, Therese Berger, Harald Gieche, Andreas Hilscher, Stefan Hufschmidt, Ulrike Müller und Nicole Paul.


Euripides, der wohl „modernste" der antiken Dichter, schuf mit seinem selten gespielten Drama Elektra ein Werk über immer aktuelle Fragen von eigenverantwortlichem Handeln und persönlicher Schuld. Elektra, die starke, unbeirrbare Persönlichkeit, wird zur treibenden Kraft, um den zögernden Orest dazu zu bewegen, die Blutrache an der Mutter und deren Geliebten zu vollziehen. Die Rache an den Mördern ihres Vaters ist für sie ein göttlicher Auftrag. Weder moralische Bedenken noch die Rechtfertigungen ihrer Mutter können diesen Auftrag in Frage stellen.

Nach dem Mord an der Mutter, den sie mit List und ohne Mitleid ausführt, kommen Elektra Zweifel an der Berechtigung ihres Tuns. Wer ist Schuld an der Tat, wer hat sie zu verantworten? Das göttliche Orakel oder das rachsüchtige Mädchen, das vom Orakel vor die Aufgabe gestellt wurde, göttliches Recht zu vollziehen? Oder hat sich eigenes Wollen durchgesetzt? Weder das Gesetz der Blutrache noch der Spruch des weisen Apollon können Elektra und Orest entlasten. Die gemeinsame Schuld treibt die Geschwister auseinander, Elektra nach Phokis und Orest auf der Flucht vor den Erynnien nach Athen, wo er entsühnt werden soll. Bei Euripides löst sich das Theater vom Kultischen ab und wird zu einem Ort, an dem der Mensch sich seiner Gefühle und Gedanken, seiner Eigenverantwortlichkeit bewusst wird. Keine Macht der Götter kann die Menschen von der Frage entlasten, ob es richtig ist, Gewalt mit Gegengewalt zu beantworten.

Das Lebensgefühl einer Generation, die sich mit göttlichen Vorsehungen nicht mehr ohne Widerspruch abfindet, äußert sich. Wie kann in einer Gesellschaft wie der Eiektras, in der moderne Gedanken das Zusammenleben bestimmen, wie kann in einer solchen Gesellschaft finstere Blutrache als etwas Selbstverständliches verübt werden? Das Recht Eiektras und Orests, ein Verbrechen aus einer göttlichen Bestimmung heraus zu begehen, stellt Euripides infrage. Einsicht in die eigene Schuld, Verständnis für das eigene Schicksal und Resignation angesichts dieses Schicksals stehen der Überzeugung gegenüber, durch göttlichen Willen im Recht zu sein. Der Dichter Euripides kann den Mythos nicht mehr fraglos übernehmen. Ein Gott, der, aus welchen Gründen auch immer, eine solche Bluttat befiehlt, verdient nicht, Vorbild und Erzieher seines Volkes zu sein; und ein Geschwisterpaar, das mit dem Blut der Mutter befleckt ist, vermag nicht, nach Vollzug einer schweren, aber unabdingbaren Pflicht, sich ein neues Leben aufzubauen.

Vom menschlichen Standpunkt aus betrachtet ist die Tat so grauenhaft, dass niemand von ihr sprechen kann, ohne Protest zu erheben. Diese moralischen Kategorien gelten damals wie heute. Sich damit auseinander zu setzen, sich dabei zu positionieren, ist Anlass genug, dieses antike Schauspiel aufzuführen. Moral bedeutet die Gesamtheit von ethisch-sittlichen Normen, von Grundsätzen und Werten, die das zwischenmenschliche Verhalten in einer Gesellschaft regulieren und die von ihr als verbindlich angesehen werden. Sittliches Verhalten und Pflichtbewusstsein stehen im Falle Elektras der Rache der Einzelnen gegenüber, die sich durch göttlichen Spruch zur Rächerin berufen fühlt. Die Elektra der Antike ist vielleicht der Selbstmordattentäter von heute, der die Welt in Atem hält.


Patrick Schimanski
Elektra ist die bereits vierte Regiearbeit von Patrick Schimanski am Theater Bielefeld. In der letzten Spielzeit inszenierte er die Uraufführung von Tom Peuckerts LUHMANN, das Erfolgsstück über den bekannten Bielefelder Soziologen. Zudem führte er Regie bei den Aufführungen von Werner Fritschs Nico - Sphinx aus Eis und HEILIG HEILIG HEILIG. Patrick Schimanski arbeitete in zahlreichen Projekten mit experimenteller Musik und Texten, komponierte Schauspielmusik und war als freischaffender Regisseur und musikalischer Leiter für zahlreiche Schauspielproduktionen verantwortlich. Er arbeitete unter anderem an Theatern in Heidelberg, Mannheim, Wiesbaden, Frankfurt, Berlin, Hamburg, Bochum, Essen, Zürich, Wuppertal, Halle/Saale, Bremen, Münster und München.
Wichtige Arbeiten in den letzten Jahren waren u.a. die Uraufführungen von Werner Fritschs „Steinbruch" (Regie und Musik), „Monolog 47 -Percussion Discussion" am Schauspielhaus Zürich (Regie und Musik) und „Howl" von A. Ginsberg am Theater am Neumarkt Zürich (Regie und Musik). Zuletzt inszenierte er am Theater Bremen „Wir im Finale". Zudem übernahm Schimanski die musikalische Leitung bei Michael Heicks' Inszenierung von „Shockheaded Peter" in Zürich, die Musik zur deutschen Erstaufführung von „9 mm Lyonel Spycher" (Regie: I. Osthues) am Maxim Gorki Theater Berlin wie auch zu G. Danckwarths „Meinnicht", Thomas Oberenders „Selbstporträt 48 Details" in Bochum, und Sibylle Bergs „Das wird schon" am Thalia Theater Hamburg (Regie beide: I. Osthues).
Der in Worms am Rhein geborene und heute in München lebende Patrick Schimanski spielt seit dem 11. Lebensjahr Schlagzeug und besuchte Schlagzeug-Meisterkurse, u.a. bei Pierre Favre. Er studierte Philosophie, Musikwissenschaft und Publizistik an der Uni-Mainz, ließ sich in Heidelberg in Tonstudio-Technik ausbilden und nahm Kompositionsunterricht. Am Theater Heidelberg entstanden auch seine ersten Theaterarbeiten.   [Text: Theater Bielefeld]


www.theater-bielefeld.de (externer Link)

Endstation Sehnsucht (A Streetcar Named Desire)
Drama

Von: Tennesse Williams (26.03.1914 - 25.02.1983)
Uraufführung: 3. Dezember 1947 (New York, Barrymore Theatre)
Deutschsprachige Erstaufführung: 10. November 1949 (Zürich, Schauspielhaus)

Zur Inszenierung des English Theatre Frankfurt:

StreetcarNamedDesire_ETFFM

Premiere: 5. September 09

DIRECTOR: Jonathan Fox
SET DESIGNER: Neil Prince
LIGHTING DESIGNER: Brenda M. Veltre
SOUND DESIGNER: David Gumpper
COSTUME DESIGNER: Constanze Walldorf
ASSISTANT COSTUME DESIGNER: Iris Hoffmann
FIGHT DIRECTOR: Annette Bauer
INTERN: Benjamin Kaiser, Dayna Murray
CASTING NEW YORK: Stephanie Klapper

Stanley Kowalski: Michael Aronov
Stella Kowalski: Sarah Dandridge
Eunice Hubbel: Donna Davis
Negro Woman, Nurse, Mexican Woman: Bernadette Ströder
Blanche DuBois: Tamara Scott
Steve Hubbel: Mark Mineart
Harold Mitchell (Mitch): Chris Hietikko
Pablo: Umberto de Bernardo, Marten Weise
Young Man: Ludvig Sinander, Philipp Wise, Lucas Janson
Doctor: Philip Lewis
Sax Player: Guy Gretschel

www.english-theatre.org

Zur Inszenierung des Staatstheater Darmstadt:

Premiere:
15. Dezember 07

Regie: Jens Poth
Bühne und Kostüme: Svea Kossack
Bühnenmusik: Wendelin Hejny

Besetzung:

Blanche:
Gabriele Drechsel
Stella: Maika Troscheit
Stanley: Leander Lichti
Mitch: Tino Lindenberg
Eunice / Mexikanerin: Christina Kühnreich
Steve: Andreas Manz
Pablo / Kassierer: Gerd K. Wölfle

Blanche Dubois flieht vor der Nüchternheit der Gegenwart in die Wohligkeit der Vergangenheit. Als französischstämmiger Spross der Südstaatenaristokratie sehnt sie sich nach dem herrschaftlichen Familiensitz Belle Reve, dem Umgang mit eleganten und kultivierten Standesgenossen. Handküssende Kavaliere, Stil und Lebensart sind ihr doch eigentlich vorbestimmt. Doch die Realität sieht anders aus. Eigentlich auf der Durchreise macht sie sich in der schmuddeligen Zweizimmerwohnung ihrer Schwester Stella in New Orleans als ungebetener Gast breiter als es der Gastgeberin lieb ist. Doch damit nicht genug: Schwager Stanley ist alles andere als ein Kavalier. Gering ist sein Verständnis für die sensible rückwärts gewandte Schwägerin, für deren Lebensstil und Standesdünkel. Blanches verklärter Romantik setzt er einen stumpfen Pragmatismus entgegen. Beider Weltsicht und Lebensentwürfe könnten gegensätzlicher nicht sein. Blanches Lebenslüge bricht Schicht um Schicht in sich zusammen so dass ihre Flucht vor der Realität zunehmend zur Endstation wird … [© Staatstheater Darmstadt]

www.staatstheater-darmstadt.de

Zur Inszenierung am schauspielfrankfurt:

In der neuen Übersetzung von: Helmar Harald Fischer

Premiere: 15. Januar 04
Regie: Burkhard C. Kosminski

Besetzung:
Blanche Dubois:
Susanne Lothar
Stella Kowalski:
Friederike Kammer
Stanley Kowalsky:
Guntram Brattia
Harold Mitchell (Mitch):
Felix von Manteuffel
Blumenfrau / Zeitungsjunge / Arzt:
Sven Prietz
Pflegerin:
Kathrin Grumeth


Blanche, eine ehemalige Gutsbesitzerin, besucht ihre Schwester Stella, die mit dem einfachen, lebenstüchtigen, aber gewalttätigen Stanley Kowalski verheiratet ist. Stella erwartet ein Kind. Als Blanche sich zwischen das Paar zu drängen und Stella gegen ihren Ehemann aufzuhetzen versucht, deckt Stanley ihre wahre Vergangenheit auf. Sie ist Alkoholikerin und wurde wegen skandalträchtiger Männergeschichten als Lehrerein entlassen und aus der Stadt gejagt. [© schauspielfrankfurt]

www.schauspielfrankfurt.de

Eraritjaritjaka
Museum der Sätze
Von: Heiner Goebbels nach Texten von Elias Canetti
Uraufführung: April 2004 (Lausanne, Theatre Vidy)
Deutschlandpremiere: 16. September 2004 (Frankfurt, Schauspiel Frankfurt)

Vorstellungen 2009: 11. und 12. April im schauspielfrankfurt

Aufzeichnungen Elias Canettis sind neben kurzen Ausschnitten aus Masse und Macht oder Die Blendung die wichtigste Textquelle in dieser Kreation von Heiner Goebbels mit dem französischen Schauspieler André Wilms. Canetti spricht in kurzen, unerbittlichen scharf formulierten Zeilen. „In einzelnen Sätzen ahmt man am wenigsten nach. Schon zwei Sätze beisammen sind wie von jemand anderem." Er nimmt dabei alles ins Visier: die Musik, die Sprache, unsere Gewohnheiten und Eitelkeiten, die Städte, die Medien, die Tiere. „Beobachtung langweilig? Nie! Langweilig ist das Verzeichnen". Die Musik zu diesem hochkonzentrierten Abend, der einer spannungsreichen Einladung zum Nachdenken gleich kommt, liefert das Mondriaan Quartett aus Amsterdam mit Streichquartettmusik des 20. Jahrhunderts.

Ausführender Produzent:Théâtre Vidy-Lausanne E.T.E.
Koproduzenten: schauspielfrankfurt (Deutschlandpremiere), spielzeiteuropa I Berliner Festspiele, Pour-cent culturel, MIGROS, T&M-Odéon Théâtre de l'Europe, Festival d’Autonome Paris, Wiener Festwochen
Mit Unterstützung der Stiftung Landis & Gyr
Gefördert vom Programme Culture 2000 (Union des Théâtres de l’Europe UTE, Réseau Varèse)

Inszenierung: Heiner Goebbels
Bühne: Klaus Grünberg
Kostüme: Florence von Gerkan
Konzept: Heiner Goebbels
Musik: Heiner Goebbels
Licht: Klaus Grünberg
Dramaturgie: Stephan Buchberger

Besetzung:
Mit André Wilms und dem Mondriaan Quartett:
Violine: Jan Erik van Regteren Altena
Violine: Edwin Blankenstijn
Viola: Annette Bergman
Violoncello: Eduard van Regteren Altena

Eraritjaritjaka_5m©Mario Del Curto
Eraritjaritjaka
André Wilms, le Mondriaan Quartet: Jan Erik van Regteren Altena
Foto: Mario Del Curto

Die Aufzeichnungen Elias Canettis sind neben kurzen Ausschnitten aus Masse und Macht oder Die Blendung die wichtigste Textquelle in dieser neuen Kreation von Heiner Goebbels mit dem französischen Schauspieler André Wilms. Canetti spricht in kurzen, unerbittlichen, scharf formulierten Zeilen. Er nimmt dabei alles ins Visier: die Musik, die Sprache, unsere Gewohnheiten und Eitelkeiten, die Städte, die Medien, die Tiere. »Beobachtung langweilig? Nie! Langweilig ist das Verzeichnen.« Die Musik zu diesem hochkonzentrierten Abend liefert das Mondriaan Quartett aus Amsterdam mit Streichquartettmusik des 20. Jahrhunderts.

Eraritjaritjaka - ein archaischer poetischer Ausruck auf Aranda, bedeutet:
"voller Verlangen nach etwas was verloren gegangen ist." Elias Canetti

Mit Eraritjaritjaka lädt Heiner Goebbels zu einem rätselhaften, bilderstarken und hochmusikalischen Abend ein, dessen Texte vor allem aus den kurzen Aufzeichnungen Elias Canettis bestehen. Mit diesen Texten konfrontiert der Schauspieler André Wilms die Musik, das Publikum und sich selbst. Canetti hat darin alles ins Visier genommen: die Musik, die Sprache, unsere Gewohnheiten und Eitelkeiten, die Städte, die Medien, die Tiere und immer wieder die verheerende Macht der Ordnung.

Außer Johann Sebastian Bachs Kunst der Fuge ist es vor allem Streichquartettmusik des 20. Jahrhunderts: von Ravel und Schostakovitch, bis zu Gavin Bryars und George Crumb, die vom Mondriaan Quartett in immer wieder neuen szenischen Konstellationen virtuos vorgetragen wird.

Einen großen Anteil an der soghaften Wirkung dieses anregenden und immer unvorhersehbaren Aufführung hat bei dieser Produktion wie schon bei den vergangenen Musiktheaterarbeiten Hashirigaki und Landschaft mit entfernten Verwandten das Licht und die Bühne von Klaus Grünberg, aber auch ein vom jungen belgischen Filmregisseur Bruno Deville jeden Abend neu und live gedrehtes Video, das uns die virtuose Intensität des Theater- und Filmschauspielers Andre Wilms besonders nahebringt und uns gleichzeitig schwindeln macht bei der Frage, wo wir eigentlich sind: Im Theater? Im Film? Was ist Fiktion und was ist Wirklichkeit?

Man kann Eraritjaritjaka als dritten und letzten Teil einer Trilogie sehen, die Heiner Goebbels mit diesem Schauspieler erarbeitet hat und deren ersten beide Teile Ou bien le débarquement désastreux (1993) und Max Black (1998) waren. So unterschiedlich diese Arbeiten sind, allen ist gemeinsam das durchgehende Motiv der Weltaneignung des Individuums anhand von Aufzeichnungen und Tagebucheintragungen unterschiedlichster Autoren.

Eraritjaritjaka wurde mit sechs europäischen Theaterpreisen ausgezeichnet:

2004 Herald Angel Award at the Edinburgh International Festival
2005 OPUS Stage Price in der Kategorie Regie
2005 GRAND PRIX DE LA CRITIQUE in der Kategorie best foreign performance (Paris)
2005 GRAND PRIX "Mira Trailovic" des 39. BITEF FESTIVAL (Belgrad)
2005 Preis für die „Beste Regie“ der Zeitung POLITIKA (Belgrad)
2006 Preis "Future of the Theatre" verliehen durch die polnische Theaterkritik beim Warschau "Festiwal Festiwali Teatralnych Spotkania" (Polen) [© schauspielfrankfurt]

www.schauspielfrankfurt.de

Ernst- und seine tiefere Bedeutung
Eine triviale Komödie für ernsthafte Leute

Von:
Oscar Wilde

“Ernst - und seine tiefere Bedeutung”
Komödie am Kurfürstendamm
Katharina Thalbach
Foto: Thomas Grünholz

Inszenierung der Komödie am Kurfürstendamm, Berlin:

Premiere:
15. Januar 2006
Regie: Katharina Thalbach
Bühne: Momme Röhrbein
Kostüm: Guido Maria Kretschmer

Besetzung:

John Worthing:
Lucas Gregorowicz
Algernon Montcrieff: Johannes Zirner
Reverend Chasuble: Holger Kunkel
Mister Gribsby/ Lane/Moulton/ Salome: Richard Barenberg
Lady Bracknell: Katharina Thalbach
Lady Bracknell: Andreja Schneider
Gwendolen Fairfax: Anna Thalbach
Cecily Cardew: Karina Krawczyk
Miss Prism: Peggy Lukac

Spieltzeit bis 12. März 2006
Voraufführungen: 13. und 14. Januar)
Kartenpreise: So bis Do 35/24/12€
und Fr/Sa 39/28/17€, Premiere 47/36/24€
alle Preise inklusive Programmheft
Voraufführungen 19 € auf allen Plätzen, KOMÖDIE um VIER 19 € (nur mittwochs) auf allen Plätzen
Karten 030/88 59 11 88 und unter
www.komoedie-berlin.de

Es gibt Menschen, die behaupten, Oscar Wilde sei der erste Pop-Star gewesen. Zumindest war er ein großer Dandy und ein Liebling der Londoner Gesellschaft. Er war auch ein fürsorglicher Vater, der Märchen für seine Kinder erfand und ein gefeierter Theaterautor, dessen Komödien die gr0ßen Bühnen eroberten. Wegen der Liebe zu einem Mann wurde er in einem für die damalige Zeit aufsehenerregenden Prozess zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Er war ruiniert und starb mit 46 Jahren mittellos in Paris. Im Jahr 2004 wäre Oscar Wilde 150 Jahre alt geworden.

In seinem Stück „Ernst und seine tiefere Bedeutung“, das erstmals 1895 aufgeführt wurde – zwei Monate vor Wildes Verhaftung - stellt dieser die Frage, wie es wäre, sich eine zusätzliche Existenz zu erfinden. Und in der Maske alles zu leben, was die andere Identität nicht zulässt.

Der Autor selbst sagte zu seiner Komödie, sie behandle „... alles Triviale mit gr0ßem Ernst und alles Ernste mit schrankenloser und kunstvoller Trivialität ...“.

“Ernst - und seine tiefere Bedeutung”
Komödie am Kurfürstendamm
Katharina Thalbach als Lady Bracknell
Foto: Thomas Grünholz

Darum geht´s:

Die Freunde Jack und Algernon haben eine gemeinsame, äußerst praktische Angewohnheit: Sie haben sich jeweils einen Bruder bzw. einen Freund zugelegt, den sie als Ausrede für ausgedehnte Aufenthalte in der Stadt oder auf dem Land benutzen. Jack besucht so regelmäßig in der Stadt seinen Bruder "Ernst", umgekehrt kümmert sich Algernon um seinen Freund "Bunbury" auf dem Land. So können sie unangenehmen Verpflichtungen jederzeit aus dem Weg gehen.
Das geht so lange gut, bis Frauen ins Spiel kommen. Jack liebt als sein Alter Ego "Ernst" Gwendolen Fairfax und will sie heiraten, Algernon stellt sich auf dem Landgut von Jack als sein Bruder "Ernst" seiner Angebeteten, Cecily, vor. Als Gwendolen ihren Verlobten "Ernst" auf dem Land besucht und Cecily trifft, kommt es unweigerlich zu einer bösen Überraschung - beide lieben "Ernst"! Ein brillantes, doppelbödiges Spiel voller Witz und Charme frei nach dem Wildeschen Motto: „In wirklich wichtigen Belangen ist der Stil, nicht die Ehrlichkeit, ausschlaggebend.“ Der Klassiker ist dank einer neuen Übersetzung von Bernd Eilert zum ersten Mal in seiner ursprünglichen vieraktigen Fassung zu sehen.

“Ernst - und seine tiefere Bedeutung”
Komödie am Kurfürstendamm
von links: Lucas Gregorowicz, Anna Thalbach, Peggy Lucac, Andreja Schneider, Holger Kunkel, Karina Krawczyk, Johannes Zirner
Foto: Thomas Grünholz

Die sind dabei:

Katharina Thalbach
arbeitet erstmals für die Komödie am Kurfürstendamm. Sie führt Regie und übernimmt die Rolle der Lady Bracknell. Seit langem ist sie ein Wilde-Fan. Im vergangenen Jahr tourte sie zum 150. Geburtstag von Oscar Wilde mit einer szenischen Lesung durch die Republik. Sie alterniert mit Andreja Schneider, dem Berliner Publikum bestens als weibliches Mitglied der Geschwister Pfister bekannt.

Anna Thalbach spielt die Rolle der Gwendolen Fairfax. Schon als junges Mädchen stand sie an der Seite ihrer Mutter Katharina in dem Film „Engel aus Eisen“ vor der Kamera. 2005 war sie für Petra Katharina Wagners Kinofilm „Maria an Callas“ engagiert. Die Fernsehzuschauer kennen sie aus zahlreichen Episodenhaupt rollen in Fernsehreihen wie „Polizeiruf 110“, „Rosa Roth“ sowie „Tatort“.

Auch Johannes Zirner wurde die Schauspielerei in die Wiege gelegt. Er ist der Sohn von August Zirner. In dem sehr erfolgreichen ZDF-Mehrteiler „Die Kirschenkönigin“ spielte er den jugendlichen Liebhaber. Er war bereits am Burgtheater und am Schauspielhaus Bochum engagiert. In „Ernst und seine tiefere Bedeutung“ spielt er die Rolle des Algernon.

Lucas Gregorowicz steht als John Worthing auf der Bühne. Gleich in seinem Debütfilm, der Kifferkomödie „Lammbock“, überzeugte er als Partner von Moritz Bleibtreu. In Sönke Wortmanns „Wunder von Bern“ war er der Journalist Ackermann. Gerade stand er neben Vanessa Redgrave in dem internationalen Fernsehfilm „The Shell Seekers“ vor der Kamera.

Holger Kunkel spielt den Reverend Chasuble. Er war in Fernsehserien wie „Großstadtrevier“ und „SOKO Wismar“ zu sehen. Für´s Kino drehte er unter anderem „Allein“ mit Thomas Durchschlag sowie „Nichts als die Wahrheit“ mit Roland Suso Richter.

Karina Krawczyk machte mit der Hauptrolle in Til Schweigers „Der Eisbär“ von sich reden. Sie ist in der Rolle der Cecily Cardew zu erleben.

Richard Barenberg übernimmt die Rollen Mister Gribsby/ Lane/ Moulton/ Salome. Er studierte in Leipzig und arbeitete am Nationaltheater Weimar, dem Volkstheater Rostock und dem Berliner Gorki-Theater.

Peggy Lukac spielt Miss Prism. Ihre Welt reicht vom Off-Theater bis zur Komödie am Kurfürstendamm, umfasst Regie und Schauspiel ebenso wie Funk und Fernsehen. Zuletzt drehte sie für die Serie „SOKO Kitzbühel“.
 

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