kulturfreak

Theater, Stückeinfo: D

Dantons Tod

Von:
Georg Büchner

Zur Inszenierung des Theaters Landungsbrücken, FFM:

Premiere:
7. Oktober 10

Regie: Torge Kübler
Bühne/Kostüme: Kathrin Younes
Assistenz: Giovanna Chiara Gilges
Musik: Markus Denker

Mit: Maja Hofmann, Tim Stegemann und Björn von der Wellen

Dantons Tod
Landungsbrücken, Frankfurt/M
Björn von der Wellen, Tim Stegemann, Maja Hofmann
Foto: Landungsbrücken

Willen.zur.Veränderung
GEORG BÜCHNER // TORGE KÜBLER

"Wegen ungünstiger Witterung fand die deutsche Revolution in der Musik statt." (Kurt Tucholsky)

Revolution! Schreit es in den Straßen. 1789. 1848. 1989. 2010? Nein. 2010 wird keine Revolution mehr gemacht. Es ist ja auch alles ok soweit. Und wie laufen die Geschäfte? Solala, solala, singen Blumentopf und bewerben sich damit um den Text zur Lage der Nation. Es war ja auch alles schon da. Che Guevara? Ein Popstar auf T-Shirts. Uns geht’s doch gut soweit. Die Finanzkrise ist auch überwunden. Ackermann verdient 300 Mark, Uschi vom Friseursalon eine Mark. Aber so ist das. Und leise, ganz leise braut sich da was zusammen, während die Dantons und Robespierres von heute kunstvoll ihre Phrasen drechseln.

Drei Schauspieler SPIELEN Büchners Dantons Tod. Sie spielen mit dem Material, ohne konkrete Figuren zu verkörpern, ohne einer vorgegebenen dramatischen Handlung zu folgen. Vielmehr wird Büchners Text verwendet, um politische Prozesse allgemein und in einer ästhetisierten (Kunst-)Form darzustellen. Musikalisch-schrill, skurril in ihrem Universum schräger Bewegungen und gleichzeitig lustvoll scheiternd öffnen die drei Assoziationsräume für die Beschäftigung des Zuschauers mit Politik und Revolution. Was passiert, wenn die Revolution ein bereits erzählter alter Witz ist? Oder wenn das Pathos der Revolution und der Demagogen zu einem schön geschliffenen oder schräg gemeißelten Kunstlied wird? Und gleichzeitig die Welt da draußen auch hier in Frankfurt weiterläuft.
Anders ausgedrückt: die Idee des DRAUSSEN, vor dessen Hintergrund die drei Spieler im DRINNEN ihre ästhetisierten Kämpfe fechten, hinter Spiegelglas, geschützt, gesichert, während DRAUSSEN Leiber explodieren vor Hunger. Was können wir tun? Was kann die Kunst tun? [© Landungsbrücken]

Weitere Aufführungen am 08./26./27./28. und 29.10.2010
Sowie ab Dezember
www.landungsbruecken.org

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere:
2004 (schmidtstrasse 12)

Regie: Philipp Preuss
Bühne: Natascha von Steiger
Kostüme: Eva Karobaph
Darsteller: Hilke Altefrohne, Michael Weber, Oliver Kraushaar, Susanne Böwe, Susanne Buchenberger, Wilhelm Eilers


Die Revolution ist tot. Es lebe die Revolution. Robespierre herrscht mit Terror über die großen Ideale. Danton hat das Töten satt. Aus den einstigen Weggefährten werden Gegner um die richtige Einstellung. Gepackt von Abscheu über die unendliche Leidensund Gewaltbereitschaft der Menschheit, verweigert sich Danton der Politik. Lieber genießt er das Leben mit Freunden, Frauen und Feiern. Für den tugendbesessenen Robespierre bedeutet dies nicht nur moralischen, sondern auch politischen Verrat. Das Volk ist unzufrieden, will Taten sehen. Danton wird verhaftet. Sein letztes Engagement kommt zu spät: „Die Guillotine ist der beste Arzt."

In einer auf sechs Schauspieler reduzierten Fassung konzentriert sich die Inszenierung auf die Auseinandersetzungen und Haltungen der Hauptfiguren. Wie weit kann und muß politisches Engagement gehen? Wie weit lässt sich eine Revolution steuern? Büchner wurde wegen seiner Sozialrevolutionären Schrift Der Hessische Landbote (1834) steckbrieflich gesucht und mußte nach Straßburg fliehen. Dantons Tod ist sein erstes Bühnenstück und wurde 1835 als einziges zu seinen Lebzeiten gedruckt. Gestützt auf historische Quellen, schildert Büchner die letzten Tage Dantons, der einst selbst den revolutionären Terror organisiert hatte, dann aber wegen seiner kompromißbereiten Haltung in Gegensatz zu den radikalen Jakobinern geraten war.


Philipp Preuss,
1974 in
Österreich geboren, Studium der Theaterwissenschaft und Philosophie in Wien, Regiestudium am Mozarteum in Salzburg. Erste Regiearbeiten: 1998, Mozarteum: Lederfresse von Helmut Krausser und Eskalation ordinär von Werner Schwab im Festspielhaus Salzburg unter der Leitung von Dr. Peter Mußbach. 1999 geht er als Regieassistent an das Theater Dortmund, wo er u.a. Geschlossene Gesellschaft von J.P. Sartre (2001), Der Möwensimulator von Ronald Pohl in einer Szenenfolge von Tschechows Die Möwe (2002, UA), Beauty Queen von Martin McDonagh (2003) und Keiner weiß mehr 2 oder Martin Kippenberger ist nicht tot von Fritz Kater (2003) inszeniert. Am Schauspielhaus Bochum war von ihm zuletzt zu sehen Man spielt nicht mit der Liebe von Alfred de Musset (2004). Zusätzlich zu seiner Theaterarbeit konzipiert er Ausstellungen, in denen er grenzüberschreitend Bildende Kunst und Theater miteinander verknüpft: u.a. The Globe, Künstlerhaus Bregenz (2002) und sei personaggi in verca d'autore, Galeria Galica Milano (2003). Sein Stück Die Welt: Zellteilung im Zeitalter der Einzelhaft wurde am Burgtheater Wien (Regie: Stephan Rottkamp) im Rahmen des take away Wettbewerbs uraufgeführt. Internationale Bodenseekonferenz Förderpreis (2003), Anerkennungspreis Kunst am Bau, LKH Bregenz (2004). www.schauspielfrankfurt.de 

The Dead Guy

Von: Eric Coble

Zur Inszenierung des English Theatre Frankfurt

Premiere:
6. Mai 11

Regie: Adam Lenson
Bühnenbild/ Kostüme: Bec Chippendale
Licht: Jürgen Koss

Besetzung:
Gina Yaweth:
Alix Dunmore
Eldon Phelps: Christopher Heyward
Dougie: Matthew Wynn

sowie mit: Ben Farrow, Nicole Hartley, Anne Wittmann

Spielzeit: 06. Mai 2011 – 24. Juni 2011

The Dead Guy
English Theatre Frankfurt
Eldon Phelps (Christopher Heyward)
Foto: Anja Kühn

„Ich bin ein Loser – bringt mich um!“
Das English Theatre zeigt die Deutschlandpremiere „The Dead Guy“ von Eric Coble Im English Theatre „flimmert“ es mit der Deutschlandpremiere von Eric Cobles „The Dead Guy“. Das Stück wirft einen kritischen wie komischen Blick auf den medialen Nachbarn, das Reality TV. Eine neue Fernsehshow soll die Quoten brechen und ihrer Producerin einen Namen machen. Dass diese dabei wortwörtlich über eine Leiche geht, scheint der Clou des neuen Fernsehformats zu sein.
Eric Coble publizierte das Stück „The Dead Guy“ im Jahr 2006. Zuvor wurde es 2005 am Curious Theatre in Denver unter der Regie von Chip Walton uraufgeführt. Weit weg ist die Thematik des Stücks in unserer Zeit wohl nicht: Immer extremere Reality TV Shows werden produziert und immer näher rückt das Fernsehen dem Tod auf die Spur.

Inhalt:
Eldon ist ein junger Typ, der im Leben nicht gerade das große Los gezogen hat. Er ist sozusagen ein echter Loser. Da trifft er Gina, eine aufstrebende TV-Produzentin, die Eldon überzeugt, der Star einer brandneuen Reality-TV-Show zu werden. Bezeichnenderweise trägt die Serie den Namen: „The Dead Guy". Eine Woche und eine Million Dollar stehen Eldon zur Verfügung, um das tun zu können, wovon er schon immer geträumt hat. Doch der Deal hat einen Haken: nach sieben Tagen muss sich Eldon umbringen und zwar auf eine Art, die das Millionenpublikum entscheidet.
Doch Eldon hält das nicht ab und er lässt sich auf Ginas dubioses Angebot ein. Mit dem Geld kauft Eldon erst einmal teure Geschenke für seine Familie und macht seiner Ex -Freundin einen pompösen Heiratsantrag. Christy lehnt diesen allerdings mit der Begründung "Glaubst Du wirklich, ich will schon mit 21 Witwe werden?" ab.
Darüber enttäuscht und verärgert macht sich Eldon auf den Weg nach „Disneyland". Er betrinkt sich, trifft eine Prostituierte und wird schließlich aus dem Park geworfen. Nach diesem Abenteuer wählt das Publikum die härteste aller Todesarten: Eldon soll sich mit einer Kettensäge umbringen. Mit dieser Wahl zeigt das Publikum seine tiefe Abneigung gegenüber dem Serienstar. Aus Angst vor dieser Antipathie versucht Eldon eine Hilfsorganisation zu finden, der er sein Geld stiften kann. Aber keine einzige Stiftung will sein „Blutgeld". Daraufhin versucht sich Eldon durch die freiwillige Arbeit in einem Kinderkrankenhaus beim Publikum beliebt zu machen. Dort aber schafft er mehr Probleme als er löst. Allmählich zeigt das Publikum seine Zuneigung, die Show ist ohnehin schon zur Kultserie geworden.
Dann besucht ihn seine Ex-Freundin Christy am Set und die beiden versöhnen sich. Die Zeit rennt davon und mittlerweile liebt das Publikum ihren Eldon. Schließlich aber überrascht am Todestag das Wahlergebnis alle...

Zur Inszenierung:
Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Wie wirklich ist das Live-Fernsehen? Diese und andere Fragen werden in „The Dead Guy“ aufgeworfen. Der junge britische Regisseur Adam Lenson war überrascht von dem amerikanischen Stück „The Dead Guy“, als Intendant Daniel Nicolai es ihm zu Lesen gab. Das Stück beinhaltet so viele Ebenen, sagt Lenson. Es verbindet Theater mit Fernsehen, Fiktion mit Realität und wirft dabei immer wieder kritische Aspekte auf die mediale Gegenwart. „The Dead Guy“ ist nicht nur eine Satire auf amerikanische (und überhaupt alle?) Reality TV Shows, sondern stellt auch den unterschiedlichen menschlichen Umgang mit den Medien und ihren Konsequenten dar. Es ist ein wirklich mediales Spektakel auf der Theaterbühne. Mit einer Kamera wird das Bühnengeschehen auf drei über dem Set schwebenden Bildschirmen übertragen. Lenson hat dem Stück so eine eigene Note gegeben, indem er alles, was auf den Bildschirmen zu sehen ist von einem (Schauspieler)-Kameramann live aufnehmen lässt. In den vergangenen Inszenierungen von „The Dead Guy“ handelte es sich bei den Einspielungen auf den Bildschirmen jeweils um vorher aufgezeichnete Videos. Lenson will durch den Live -Charakter die Produktionsprozesse von Live-TV zeigen. Er macht das Fernsehen zum Teil der Szene und bezieht es ins Bühnengeschehen mit ein. So wird deutlich, dass Reality TV eben (oft) nicht real, sondern selbst inszeniert ist.

[© English Theatre Frankfurt]

www.english-theatre.de

Doppel-Feature:

Zur Sache Dandy!
Ein Projektil von Florian Fiedler und Robert Lehniger
Dear Wendy
nach dem Drehbuch von Lars von Trier; Uraufführung
Übersetzt aus dem Englischen von Ulrike Syha

Uraufführung: 2. Februar 2008 (Frankfurt, schauspielfrankfurt)

Zur Inszenierung des schauspielfrankfurt:

Premiere: 2. Februar 08, schmidtstrasse 12 (Uraufführung)

Regie: Florian Fiedler und Robert Lehniger
Grundraum: Bernd Schneider
Ausstattung: Irene Ip
Chorleitung und -arrangements: Martin Engelbach
Video: superJeans / Bert Zander
Dramaturgie: Marcel Luxinger
Licht, Ton, Technik: Marcel Heyde
Technische Einrichtung: Joachim Schröder, Mathias Rößler
Regieassistenz: Felix Meyer-Christian
Bühnenbildassistenz: Jana Lünsmann
Maske: Anke Scharlach
Requisite: Anja Becker, Uschi Trella
Regiehospitanz: Julia Kietzmann
Ausstattungshospitanz: Leon Schmid
Dramaturgiehospitanz: Tobias Steiner
Leiter der Statisterie: Winfried Scheffler
Rüstmeister: Thorsten Fleige

Besetzung:

Freddie, Sherif Krugsby, Mr. Salomon, Vater:
Mathias Max Herrmann
Stevie: Toni Jessen
Susan: Anne Müller
Sebastian: Nicholas Reinke
Huey: Sebastian Schindegger
Dick: Wieland Schönfelder
Chor der Weltkriegsveteranen: Rosemarie Bock, Helga Comperl, Wolfgang Gropp, Gunter Knauf, Peter Srezek, Klaus Zeun

Besprechung auf kulturfreak.de

Die beiden jungen Regisseure Florian Fiedler und Robert Lehniger nehmen das Drehbuch von Lars von Trier in der deutschen Übersetzung von Ulrike Syha und den Film von Thomas Vinterberg zur Grundlage für einen Theaterabend, der sich um das Thema Kunst und Gesellschaft, Fiktion und Realität dreht. Der Umsetzung des Drehbuchs auf die Bühne geht ein Prolog voraus, der sich mit theatralen Mitteln dem Thema des Dandytums widmet. In den Mittelpunkt drängt die Dandygruppe, die sich als Gegenentwurf zur gesellschaftlichen Realität versteht, sich in eine künstliche, ästhetisierte Welt abkapselt und, ganz im Sinne ihrer historischen Vorbilder, nach dem Grundsatz des L’art pour l’art lebt, mit dem Ziel, bessere Menschen zu werden. Die Dandys schaffen ein Dandytheater, in dem sie den Film Dear Wendy nachspielen. Doch im Theater verschwimmen die Grenzen zwischen Spiel und Realität.

Zum Inhalt von Dear Wendy
Dick, ein junger friedfertiger Einzelgänger, lebt in einem Bergwerksdorf und liebt Wendy. Wendy ist eine Pistole. Zusammen mit anderen Außenseitern gründet er einen Geheimbund – Die Dandys. In dieser Gruppe finden die jungen Menschen gegenseitige Anerkennung. Das oberste Gebot des Clubs beruht auf den Grundsätzen des Pazifismus und gleichzeitig auf der Lehre der Waffen.
Die wichtigste Regel eines Dandys lautet: Ziehe niemals deine Waffe. Mit der Ankunft des neuen Clubmitglieds Sebastian beginnen die Ideale der Dandys zu bröckeln. Unter dem Motto „Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden“ beschließen sie, ihre Waffen in der Öffentlichkeit zu tragen, um Sebastians Großmutter unversehrt durch das Dorf zu begleiten. Fuß für Fuß setzen die Dandys damit ihren Weg hinein in eine tödliche Spirale der Gewalt.

Es ist die erste Arbeit von Florian Fiedler und Robert Lehniger, in der sie gemeinsam Regie führen. Zusammengearbeitet haben beide allerdings schon für Fahrenheit 451 in der schmidstrasse 12, als Robert Lehniger für die Inszenierung von Florian Fiedler das Video entwarf. Eine fruchtbare und kreative Zusammenarbeit, die nun in Form einer Doppelregie ihre Fortsetzung findet. Florian Fiedler, Kurator der schmidtstrasse12 und Hausregisseur am schauspielfrankfurt, hat zuletzt mit seiner hoch gelobten Inszenierung von Henrik Ibsens Ein Volksfeind auf sich aufmerksam gemacht. Robert Lehniger ist dem Frankfurter Publikum bekannt durch seine Videoarbeiten und durch seine hinreißende Version von Daniel Defoes berühmtem Roman, den er unter dem Titel Robinson Crusoe oder Friday, I’m in love in der schmidtstrasse12 für die Bühne umsetzte.
[© schauspielfrankfurt]

www.schauspielfrankfurt.de

Der Diener zweier Herren (Il sevitore di due padroni)
Komödie in 3 Akten

Von: Carlo Goldoni (25. Feb.1707 - 6. Feb. 1793)
Uraufführung: Herbst 1745 (Mailand, Compagnia Sacchi)

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere:
9. März 10 (Bockenheimer Depot)
Weitere Vorstellungen: 12. / 13. / 15. / 19. / 22. / 26. / 31. März sowie im April 10

Regie: Andreas Kriegenburg
Bühne: Harald Thor
Kostüme: Katharina Kownatzki
Licht: Frank Kraus
Dramaturgie: Alexandra Althoff

Besetzung:

Pandolfo:
Roland Koch
Rosaura: Valery Tscheplanowa
Doktor Lombardi: Thomas Huber
Silvio: Christian Bo Salle
Beatrice: Bettina Hoppe
Florindo: Sascha Nathan
Tebaldo: Nils Kahnwald
Blandina: Henrike Johanna Jörissen
Truffaldino: Mathis Reinhardt

Besprechung auf kulturfreak.de

Der Diener zweier Herren
Schauspiel Frankfurt
vorn Truffaldino (Mathis Reinhardt), hinten Blandina (Henrike Johanna Jörissen), Beatrice (Bettina Hoppe),
Doktor Lombardi (Thomas Huber), Rosaura (Valery Tscheplanowa), Pandolfo (Roland Koch)
Foto: Sebastian Hoppe

Truffaldino hat Hunger. Die Stellung eines treuen Dieners seines Herren ernährt ihn nicht. Heimlich tritt er in den Dienst eines zweiten Herren, um sich endlich einmal richtig satt essen zu können. Doch nun fehlt ihm dazu die Zeit. Beide Herren sind nämlich im gleichen Gasthaus abgestiegen: Florindo, der nach Venedig fliehen muss, weil er beschuldigt wird, den Bruder seiner Geliebten Beatrice getötet zu haben, und Beatrice, die in Männerkleidung, und unter dem Namen ihres toten Bruders, Florindo nachreist. Wachsende Gefahr für seine Geldquellen und für sein Leben treibt Truffaldino in immer unverfrorenere Schwindeleien und immer halsbrecherischere Kapriolen. Und will er nicht ertappt werden als ein Diener zweier Herren, muss er gerade das verhindern, was seine beiden Herren so innig wünschen: dass sie sich endlich finden.

Der außergewöhnliche Regisseur Andreas Kriegenburg nimmt sich des berühmtesten Stückes der Commedia dell’Arte an und wird dabei nicht nur das Geheimnis des Slapstick zu ergründen suchen. Kriegenburg ist einer der markanten Regisseure seiner Generation. Er hat zahlreiche Preise gewonnen, u. a. den Faust-Theaterpreis 2008. Acht Inszenierungen von ihm wurden bereits zum Theatertreffen in Berlin eingeladen. Von 2000 bis 2009 war Andreas Kriegenburg Oberspielleiter am Thalia Theater Hamburg, seit Beginn dieser Spielzeit ist er Hausregisseur am Deutschen Theater in Berlin.


Andreas Kriegenburg (Regie) geboren 1963 in Magdeburg. Ab 1984 Regieassistenzen in Zittau und Frankfurt/Oder. Nach der Wende wechselte er 1991 an die Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, wo er bis 1996 fester Regisseur war. Als Hausregisseur folgten die Stationen am Niedersächsischen Staatstheater Hannover (1997 -1999) und am Wiener Burgtheater (1999-2001), dazwischen hat er regelmäßig am Bayerischen Staatsschauspiel in München gearbeitet. Von 2000 bis 2009 war Andreas Kriegenburg Oberspielleiter am Thalia Theater Hamburg und ist seit der Spielzeit 2009/10 Hausregisseur am Deutschen Theater in Berlin. Außerdem inszenierte er regelmäßig an den Münchner Kammerspielen. Im Jahr 2006 gab er sein Debüt als Opernregisseur am Theater Magdeburg mit »Orpheus und Eurydike« nach Christoph Willibald Gluck, es folgte Alban Bergs »Wozzeck« an der Bayerischen Staatsoper in München (2008) und am New National Theatre in Tokyo (2009). Für seine Inszenierung von Hebbels »Die Nibelungen« erhielt er den Nestroy-Theaterpreis für die beste deutsche Inszenierung des Jahres 2005 und den 3sat-Innovationspreis für seine »zukunftsweisende Leistung«. Seine Inszenierung »Das letzte Feuer« von Dea Loher wurde mit dem Faust-Theaterpreis 2008 ausgezeichnet. Von Andreas Kriegenburgs Arbeiten wurden insgesamt neun zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Für das Theatertreffen 2010 ist Andreas Kriegenburgs letzte Berliner Inszenierung, »Diebe« von Dea Loher, ausgewählt worden.

Harald Thor (Bühne) ist gebürtiger Salzburger und schloss 1982 am dortigen Mozarteum seine Ausbildung zum Bühnen- und Kostümbildner ab. Nach seinem ersten Engagement als Ausstatter und Graphiker am Landestheater in Coburg kam er 1984 an die Staatsoper München, wo er ab 1986 die Ausstattungsleitung übernahm. August Everding engagierte ihn 1999 als Ausstattungsleiter und Dozent für Bühnenbild an die Bayerische Theaterakademie. Neben zahlreichen Bühnenbildern für das Prinzregententheater in München entwarf er u. a. Ausstattungen für Theater in Berlin, Basel, Zürich, Moskau, Seoul sowie für Opernhäuser in Dortmund, Darmstadt, Mannheim, Nürnberg und München. Seit der Spielzeit 2001 ist Harald Thor als selbstständiger Ausstatter tätig und arbeitet seitdem kontinuierlich mit Andreas Kriegenburg zusammen. Es entstanden gemeinsame Produktionen am Thalia Theater Hamburg, am Schauspielhaus Zürich, am Schauspiel Hannover, am Akademietheater in München sowie für die Opernarbeiten Kriegenburgs in Magdeburg, München und Tokyo.

Katharina Kownatzki (Kostüme) wurde 1978 in Hannover geboren. Dort studierte sie zunächst Philosophie und Musikwissenschaften an der Hochschule für Musik und Theater , später Kostümbild an der Fachhochschule für Design und Medien Hannover sowie Szenographie an der Musikhochschule in Bratislava (Slowakei). 2004 gründete sie mit anderen die freie Theatergruppe »neunacht«. 2006 bis 2009 war sie feste Kostümassistentin am Thalia Theater in Hamburg. Hier entwickelte sie u. a. eigene Kostüm- und Bühnenbilder für »Regen in Neukölln« von Paul Brodowsky (Regie Hasko Weber) und »Stadtnotizen 3« sowie »Stadtnotizen 5« in der Regie von Frank Abt, mit dem sie seitdem kontinuierlich zusammen arbeitete. Außerdem arbeitete sie regelmäßig mit dem Regisseur Stephan Kimmig, für den sie zuletzt die Kostüme für »Macbeth« am Burgtheater Wien und »Öl« von Lukas Bärfuss am Deutschen Theater in Berlin entwarf. [© Schauspiel Frankfurt]


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Der Disney Killer (The Pitchfork Disney)
Gruselkabinett in Vollnuss
Von: Philip Ridley
Deutsch von: Jörn van Dyck

Uraufführung: 3. Januar 1991 (London, Bush Theatre)
Deutschsprachige Erstaufführung: 12. April 1992 (Berlin, Deutsches Theater, Baracke)

Zur Inszenierung der Landungsbrücken Frankfurt:

Premiere:
8. Juni 11

Regie: Nenad Smigoc

Mit: Felix Bieske, Nele Hornburg, Linus Koenig und Burak Uzuncimen

Der Disney Killer
Landungsbrücken Frankfurt
© Landungsbrücken Frankfurt

Angst essen Schokolade auf. Ein neurotisches Zwillingspärchen macht sich eine Welt, wie sie nicht gefällt. Tagträume, Teddies und Tabletten sind ihre einzigen Waffen im Kampf um ein Stückchen Sehnsucht. Alles ist böse. Realität. Fremde. Das Erwachsensein. Kater Karlo. Kein Wunder also, das man schlecht einschlafen kann. Erzählst Du mir noch eine Gute-Nacht-Geschichte? Und lass Dich bloß nicht vom großen bösen Wolf ablenken, der gerade durch eine Nebelwand in unser Kämmerlein getreten ist. Der hat nämlich eine Mistgabel.

„Der Disney-Killer“ spielt ein vergnügliches Spiel. Vor allem mit den Erwartungen, Phantasien und Sehnsüchten eines vom Film-, Funk- und Fernsehkonsum gestählten Zuschauers. Harter Psychothriller, harmloses Kindermärchen oder einfach eine brillante Charakterstudie einer Jugend, die sich standhaft gegen den Wahnsinn und die Perversionen der alltäglichen Welt da draußen wehrt? Oder geht's hier am Ende doch um etwas ganz anderes? [© Landungsbrücken]

Weitere Aufführungen: 09.06./01.07./02.07.2011, jeweils 20 Uhr

www.landungsbruecken.org

DNA

Von:
Dennis Kelly
Deutsch von: John Birke
Uraufführung: 12. Juli 2007 (London, National Theatre)
Deutschsprachige Erstaufführung: 6. November 2008 (Mainz, Staatstheater Mainz)

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere:
11. März 11

Regie: Robert Schuster
Bühne / Kostüme: Sascha Gross
Musik: Jörg Gollasch
Dramaturgie: Nora Khuon

Mit Esther Dierkes, Ronja Losert, Annalena Müller, Lisa Weidenmüller, Janina Zschernig; Nils Kreutinger, Florian Mania, Robert Oschmann, Jonas Schlagowsky

Eva ist tot. Sie ist metertief in ein Loch gestürzt. Sie fiel nicht aus Unaufmerksamkeit oder Ausgelassenheit, sie wurde getrieben, gejagt und malträtiert. Eigentlich war alles nur als eine Mutprobe gedacht, als Spaß, doch dann lief es aus dem Ruder. Dennis Kelly zeichnet eine Welt, in der Angst, Orientierungslosigkeit und Stumpfheit vorherrschen. Desillusioniert und kommunikationsgestört versuchen die Jugendlichen die Tat zu verarbeiten, doch trotz aller Unterdrückungsmechanismen hält ihr Gewissen nicht still.
Robert Schuster wird mit den Studenten der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt Kellys Jugenddrama erarbeiten. [© Schauspiel Frankfurt]

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Don Camillo und Peppone
Komödie

Von: Gerold Theobalt nach Erzählungen von Giovannino Guareschi

Zur Inszenierung der Burgfestspiele Bad Vilbel:

Don Camillo und Peppone
 Burgfestspiele Bad Vilbel
Ensemble
Foto: Eugen Sommer

Premiere: 4. Juni 10

Regie: Adelheid Müther
Ausstattung: Doris Engel 
Licht: Sebastian Saarkamm
Kampfchoreografie: Didi Weyrowitz
Regieassistenz / Abendspielleitung: Maren Van Severen
Regiehospitanz: Peter Krassmann

Besetzung:

Don Camillo:
Joachim Bliese
Peppone: Volker Weidlich
Ariana, seine Frau: Anja Schiffel
Signora Christina: Bernadette Süthold
Pasotti, Großgrundbesitzer u. Führer der Konservativen: Harald Heinz
Gina, seine Tochter: Anna Eger
Smilzo: Christian Higer
Bruciata, verarmter Bauer: Thomas Kornack
Mariolino, sein Sohn: Michael Klein
Fulmine: Arne Obermeyer
Smilzo: Christian Higer
Pietro Pizzi: Jens Wachholz
Jesus: Harald Heinz

Statisterie: Nicole Apel ~ Sabine Büttner ~ Sabine Held ~ Angelika Mattheis ~ Johannes Gihr ~ Theodor Kratz ~ Thilo Kratz ~ Gerhard Radgen

Wer kennt sie nicht, den schlitzohrigen Priester Don Camillo und den bauernschlauen Bürgermeister Peppone aus der italienischen Provinz der Nachkriegszeit, die im Streit zwischen Kirche und Partei keiner Handgreiflichkeit aus dem Weg gehen. Bekannt wurden die beiden durch die Verfilmung mit Fernandel als Don Camillo, dem Jesus immer wieder die Leviten liest. Die Burgfestspiele lassen die vergnüglichen Abenteuer der liebenswerten Schwerenöter wiederaufleben. [© Burgfestspiele Bad Vilbel]

www.kultur-bad-vilbel.de

Don Carlos, Infant von Spanien
Ein dramatisches Gedicht

Von: Friedrich Schiller
Uraufführung: 29. August 1787 (Hamburg, Schauspielhaus)

Zur Inszenierung des Schauspiel Stuttgart:

Premiere:
17. Februar 12 (Schauspielhaus)

Regie: Hasko Weber
Bühne: Thilo Reuther
Kostüme: Anette Hachmann
Dramaturgie: Jörg Bochow

www.staatstheater.stuttgart.de

Zur Inszenierung der Burgfestspiele Bad Vilbel:
In der Vilbener Fassung von Harald Demmer

Premiere: 17. Juni 11

Regie: Harald Demmer
Bühne: Oliver Kostecka
Kostüme: Marion Hauer
Bühnenmusik: Bernd Keul
Lichtdesign: Sebastian Saarkamm
Regiesassistenz: Peer Gahmert
Abendspielleitung: Maren Van Severen
Regiehospitanz: Marie Menesi


Besetzung:

Philipp II., König von Spanien:
Volker Niederfahrenhorst
Elisabeth von Valois, seine Gemahlin: Alexandra Finder
Don Karlos, der Kronprinz: Sebastian Gerasch
Infantin Klara Eugenia: Elli Oana / Paulina Liehr
Marquisin von Mondekar: Zeljka Preksavec
Prinzessin von Eboli: Claudia Kraus
Marquis von Posa, Malteserritter: Clemens Giebel
Herzog von Alba: Christian Higer
Graf von Lerma, Oberster der Leibwache: Hans-Jörg Frey
Großinquisitor des Königreichs: Volker K. Bauer
Don Raimond von Taxis, Oberpostmeister: Alexander Weikmann
Domingo, Beichtvater des Königs: Daniel Kuschewski
Ein Page: Arne Obermeyer

Besprechung auf kulturfreak.de

Don Karlos
Burgfestspiele Bad Vilbel
Philipp II. (Volker Niederfahrenhorst), Marquis von Posa (Clemens Giebel)
© EugenSommer

Schiller verstrickt das Drama des ungeliebten Sohnes (Karlos) wie der Einsamkeit des Mächtigen (Philipp II.) mit der Unmöglichkeit von Freundschaft, Liebe und Vertrauen in einem Geflecht politischen Kalküls. Über einen Idealisten (Posa), der gleichzeitig die verhängnisvolle Intrige inszeniert, an deren Ende Enttäuschungen und Tod stehen, gerät es zum Drama der Politik wie zur höfischen Familientragödie. [© Burgfestspiele Bad Vilbel]

Weitere Vorstellungen:
Öffentliche Generalprobe Do 16. Juni um 20:15 Uhr; Sa 18. | Mi 22. | Do 23. jeweils 20:15 Uhr
Juli : Mo 25. | Di 26. jeweils 20:15 Uhr
August: Do 11. | Fr 12. | Sa 13. | Mi 24. |  Do 25. jeweils 20:15 Uhr , So 14. um 18:15 Uhr

www.kultur-bad-vilbel.de

Zur Inszenierung des Nationaltheater Mannheim:

Premiere:
2. Juni 11

Inszenierung: Georg Schmiedleitner
Bühne und Kostüme: Florian Parbs
Musik: Philipp Stangl
Dramaturgie: Ingoh Brux
Video: Philipp Contag-Lada

Besetzung:

Philipp:
Thomas Meinhardt
Elisabeth: Sabine Fürst
Eboli: Ines Schiller
Marquis Posa: Sascha Tuxhorn
Domingo: Thorsten Danner
Alba: Michael Fuchs
Lerma: Jacques Malan
Don Karlos: Martin Aselmann

www.nationaltheater-mannheim.de

Zur Produktion des Theater Willy Praml (Frankfurt):

Premiere:
6. September 08
Aktuelle Spieltermine: 5., 6., 12., 13., 26., und 27., Juni, und dann ein letztes Mal vor den Theaterferien am 4. Juli 09, jeweils um 19.30 Uhr

Regie: Willy Praml
Bühne/Kostüme: Michael Weber

Mit: Reinhold Behling, Gabriela Maria Graf, Birgit Heuser, Tim Stegemann, Mitschiko Tsubaki, Michael Weber

Spieldauer: 3 Std. mit Pause

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Don Carlos. Infant
Theater Willy Praml
Foto: Seweryn

Solche Söhne müssen sterben. Carlos träumt vom guten Königsein, vom Menschheits- beglücken und –befreien. Sein Freund Posa liefert ihm den Stoff zu solchen Träumen – ein Dealer in Sachen Gedankenfreiheit. Doch ohne den Dealer Posa ist Carlos wie einer auf Entzug, ein in allem Überforderter. Ein Kind, das im schönen Garten von Aranjuez unter Heuschnupfen leidet, im prachtvollen Madrid unter Depressionen, in der Familie an Komplexen, im Blick auf die Zukunft an Pessimismus. Carlos verkörpert wie die griechische Königstochter Elektra, wie der Dänenprinz Hamlet eine NO-FUTURE-Generation, weil die Gegenwart so übergewaltig und undurchschaubar auf die Seele drückt. Was soll man auch als Erbe eines Reichs, in dem die Sonne nicht untergeht? Carlos scheint ein Typ, der die Sonne eher meidet, ein bleicher Allergiker, der die Fensterläden geschlossen hält. Denn was die spanische Sonne, d.h. der Vater König Philipp II., beleuchtet, sind vor allem die Scheiterhaufen, auf dem die brennen, die anders denken und anders glauben, die eroberten Länder der Welt, die sich vor Krone und Kreuz beugen müssen, die bis in die Körper beherrschten Bürger, die der Maler El Greco in bis zu Halskrausen verborgenen Leibern an Marterszenen teilnehmen lässt – die Frauen verbergen sich unantastbar hinter spanischen Spitzen.
Alles scheint wie angehalten, erstarrt, unmöglich aufgebrochen zu werden, ein Zeitalter der Versteinerung – während die Kontinente wie Kontinentalplatten Verschiebung vorbereiten.
Carlos ist der sensible kranke Seismograph seiner Epoche, der Freund Posa sein Erdbeben, Endlich gerät alles aus den Fugen: Infanten – Time!
Ludwig II von Bayern (1845 – 1886), auch ein träumender Infant, aber einer, der es bis auf den Thron geschafft hat, hat sich den DON CARLOS in 6stündiger, voller Länge vorspielen lassen und dabei wohl gefunden, was er darin ahnte: sich selbst und die Unmöglichkeit eines Königtraums.
Und für heute: ist ein Traum von Politik möglich? Kann es Infanten geben an der Macht?             [© Theater Willy Praml]

Spieldauer: 3:30 Std. mit Pause

www.theater-willypraml.de

Draußen vor der Tür
Ein Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum sehen will

Von: Wolfgang Borchert
Uraufführung: 21. Novemebr 1947 (Hamburg, Kammerspiele)

Zur Inszenierung des Staatstheater Mainz:

Premiere:
24. September 11

Inszenierung: Mattias Fontheim
Bühne und Kostüme: Marc Thurow
Dramaturgie: Marie Rötzer

Besetzung:

Beckmann:
André Willmund
Ein Mädchen: Karoline Reinke
Ihr Mann: Der Einbeinige: Tibor Locher
Ein Oberst: Marcus Mislin
Seine Frau: Nicole Kersten
Seine Tochter: Karoline Reinke
Deren Mann: Tibor Locher
Ein Kabarettdirektor: Zlatko Maltar
Frau Kramer: Nicole Kersten
Der alte Mann: Michael Schlegelberger
Der Beerdigungsunternehmer/Ein Straßenfeger: Nicole Kersten
Der Andere: Stefan Walz
Die Elbe: Nicole Kersten

Besprechung auf kulturfreak.de

Hört mich denn niemand? – Beckmann –
Gibt denn keiner, keiner Antwort? – Beckmann –

Es passiert täglich in Afghanistan und Libyen oder irgendwo anders auf der Welt. Das Drama des Krieges, es ist allgegenwärtig und doch unsichtbar für uns. Ein Gesicht bekommt der Krieg erst, wenn die Soldaten zurückkehren, oft traumatisiert und versehrt. Die Generation der Heimkehrer aus dem Zweiten Weltkrieg porträtierte 1946 der 26-jährige Wolfgang Borchert. Es ist eine Art Requiem, in das die Lebensstationen des Kriegsheimkehrers Beckmann eingebettet sind. In knappen, expressionistisch- alptraumhaften Szenen wandert Beckmann durch die Straßen einer verlorenen Zeit, zwischen Leben und Tod, Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Realität. Er hat den Anschluss an die Welt und das Leben verpasst. Seine Frau hat einen Anderen, seine Geliebte kommt von der Erinnerung an ihren gefallenen Mann nicht los. Sein Oberst, auf dessen Befehl hin er Kriegsverbrechen begangen hat, weist ihn ab, als er ihm die Schuld von damals zurückgeben will. Mit den Bildern des Krieges, dieser kaum vorstellbaren Menschheitskatastrophe, im Kopf, taumelt Beckmann durch die Nachkriegswelt, die längst eine andere geworden ist. Er bleibt allein, schreit, flüstert, dichtet sich die Verzweiflung von der Seele. Er klagt an, dass man jeden Tag morde und gemordet werde. Er fragt nach dem Sinn des Lebens und seines Weiterlebens, er fordert Moral und Verantwortung, verlangt nach Antworten. Am Ende ruft Beckmann nach Gott, der aber schweigt.

Matthias Fontheim arbeitete als freier Regisseur u. a. an den Theatern in Freiburg, Darmstadt, Kassel, Krefeld/Mönchengladbach, Kiel, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und Zürcher Schauspielhaus. Am Niedersächsischen Staatsschauspiel Hannover war er als Regisseur und Leitungsmitglied engagiert, genauso wie anschließend am Bayerischen Staatsschauspiel München. 2000/2001 übernahm er die Intendanz des Schauspielhauses Graz, seit der Spielzeit 2006/2007 ist Matthias Fontheim Intendant des Staatstheater Mainz. Eine intensive Arbeitsbeziehung verbindet ihn mit Simon Stephens: dessen „Port“ und „Country Music“ zeigte er jeweils als Deutschsprachige Erstaufführung in Graz und Essen, am Staatstheater Mainz folgten „Motortown“ (DE 2006), „Christmas“ (DSE 2007) und „Marine Parade“ (DSE 2010). Daneben inszenierte er Eugene O’Neills „Ein Mond für die Beladenen“ (2008), „Reiz und Schmerz“ von Bruce Norris (DSE 2009), „Onkel Wanja“ (2007) und „Die Möwe“ von Anton Tschechow (2009), „Richard III.“ von William Shakespeare (2010) sowie am Schauspielhaus Zürich „Andorra“ von Max Frisch (2008).
In der vergangenen Spielzeit inszenierte er sehr erfolgreich „Tod eines Handlungsreisenden“ am Theater Bonn. In Mainz brachte er mit „
Clybourne Park“ (ausgezeichnet mit dem Pulitzer-Preis für Drama) außerdem eine weitere Deutschsprachige Erstaufführung von Bruce Norris auf die Bühne des Staatstheaters Mainz.

André Willmund wurde 1982 in Engelskirchen/Köln geboren und absolvierte von 2001 bis 2005 sein Schauspielstudium am Max Reinhardt Seminar in Wien. Von 2007 bis 2010 war er Ensemblemitglied am Theater Augsburg. André Willmund spielte außerdem in einigen Fernsehproduktionen mit, u.a. „Die Hafenkante“(ZDF, 2007); „Mein Leben und ich“ (RTL, 2007); „Stadt, Land, Mond“ (SAT1, 2005). Er ist seit der Spielzeit 2010/2011 festes Ensemblemitglied am Staatstheater Mainz.
Aktuell zu sehen als:
- Beckmann in „Draußen vor der Tür" von Wolfgang Borchert
- in „Eine Fahrt ans Mittelmeer" von Fiston Mwanza
- Karl / Steve in „
Clybourne Park" von Bruce Norris
- Ferdinand in „Kabale und Liebe“ von Friedrich Schiller

[© Staatstheater Mainz]

www.staatstheater-mainz.de

Drei Schwestern (Tri sestry)
Drama in vier Akten

Von: Anton Tschechow
Uraufführung: 31. Januar 1901 (Moskau, Künstlertheater)

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere:
10. Oktober 09

Regie: Karin Henkel
Bühne: Stefan Mayer
Kostüme: Klaus Bruns
Musik: Christopher Brandt
Licht: Johan Delaere
Dramaturgie: Nora Khuon

Besetzung:

Natalja Iwanowna:
Mira Partecke
Olga: Stephanie Eidt
Mascha: Claude De Demo
Irina: Kathleen Morgeneyer
Andreij Sergejewitsch Prosorow: Sascha Nathan
Fjodor Iljitsch Kulygin: Michael Goldberg
Alexander Igntjewitsch Werschinin: Martin Rentzsch
Nikolai Lowowitsch Tusenbach: Christoph Pütthoff
Wassili Wassiljewitsch Soljony: Victor Tremmel
Iwan Romanowitsch Tschebutykin: Heidi Ecks
Anfissa: Gerd Kamphausen / Rüdiger von Wedel

Aufführungsdauer etwa 3 Stunden, eine Pause; in der Übersetzung von Ulrike Zemme.
Besprechung auf kulturfreak.de

dreischwestern_schspffm4 © SebastianHoppe
Drei Schwestern
Schauspiel Frankfurt
Olga (Stephanie Eidt), Irina (Kathleen Morgeneyer), Kulygin (Michael Goldberg), Tusenbach (Christoph Pütthoff)
Foto: Sebastian Hoppe

Am Anfang ist ein Sirren und Flirren um das Haus der Prosorows. Junge Männer gehen ein und aus, es gibt drei schöne Töchter, davon zwei noch unverheiratet. Sie sind die Attraktionen der Provinz, in der sie leben. Aber sogar Mascha, die verheiratete unter den drei Schwestern, zieht die Männer an, und Werschinin, der einmal den Spitznamen »der verliebte Leutnant« trug, sagt zu ihr: »Menschen wie Sie wird es nach Ihnen vielleicht schon sechs geben, dann zwölf. Und so weiter. Bis endlich Menschen wie Sie in der Mehrzahl sind.« Die Schwestern aber haben anderes im Sinn: Raus aus der Provinz und ab nach Moskau, auf den Heiratsmarkt. Da fände sogar Olga, die schon 28 ist, noch einen Mann. Alle warten nur darauf, dass Andrej Prosorow, der Bruder, seine Dozentur in Moskau antritt, um das Haus, das väterliche Erbe, endlich loszuschlagen und alle Brücken abzubrechen. Da erscheint Natalja,ein nicht ganz stilsicheres, dafür umso willensstärkeres Mädchen, in das Andrej sich rettungslos verliebt. Ein Jahr später ist Andrej verheiratet, hat einen Sohn und eine Stelle bei der Kreisverwaltung. Und auch der Verkauf des Hauses scheint so leicht nun nicht mehr möglich, seit Natalja eingezogen ist. Am Ende sagt Werschinin: »Ich denke oft: was, wenn man sein Leben noch einmal von vorn beginnen könnte? Wenn das eine Leben, das man schon gelebt hat, wie man sagt, ins Unreine gewesen wäre?«

»Drei Schwestern« ist Karin Henkels erste Arbeit am Schauspiel Frankfurt. Sie inszenierte u. a. am Deutschen Theater Berlin, Berliner Ensemble, Schauspielhaus Hamburg, Staatstheater Stuttgart und Wiener Burgtheater. 2006 erhielt sie den Caroline-Neuber-Preis und ihre Inszenierung von Tschechows »Platonov« wurde zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

 
Zum Stück
»In den Dramen Tschechows leben die Menschen im Zeichen des Verzichtes. Verzicht vor allem auf die Gegenwart, Verzicht auf Glück.« Was Peter Szondi hier beschreibt trifft auch auf die »Drei Schwestern « zu. Doch ist es kein freiwilliger Verzicht, keiner im Zeichen einer Moral, kein Verzicht, der etwas Höheres als Gewinn verspräche, wenn man nur lang genug aushielte. Nein, es ist mehr ein Ausgeschlossensein vom Eigentlichen, vom Glück, von der Liebe, von der Erfüllung. Die Fabel des Stücks ist schnell erzählt. Olga, Mascha und Irina, die drei Schwestern Prosorow leben mit ihrem Bruder Andrej in einer Garnisonsstadt in der russischen Provinz. Sie sehnen sich zurück nach ihrer Heimat Moskau. Ihr Vater, ehemals in diese Einöde versetzt, ist jetzt seit einem Jahr verstorben. Der Aufenthalt am gefühlten Ende der Welt hat somit seinen Sinn verloren. Die Erinnerung an die Zeit in Moskau überflutet das tägliche Leben und bündelt sich in den Schrei: »Nach Moskau!« Die drei Frauen, gebildet und klug, aber ohne Beschäftigung, hoffen, dass ihr Bruder Andrej einen Ruf als Universitätsprofessor in die Hauptstadt bekommt und sie endlich ins wirkliche Leben zurück dürfen. Doch Andrej wird kein Wissenschaftler; nach kurzer heftiger Verliebtheit in die Provinzlerin Natascha, versinkt er apathisch in einem Alltag ohne höhere Ziele, überfordert von den Ansprüchen der Schwestern an ein besseres Leben.
Umgeben von Militärs, Hängengebliebenen und Angeheirateten leben sie in einer Art Zwischenzeit, einer Lücke. Ihre Gegenwart ist auf eine bloße Spanne des Ausgesetztseins zusammengeschrumpft. Sie sind an den Rand gedrängt, geographisch wie gesellschaftlich, und immer sehnen sie sich und sind getrieben von einer Suche nach dem Eigentlichen, nach dem, was dem Leben einen Sinn verleihen könnte. Alle reflektieren diesen Zustand, quälen sich durch Analysen und suchen nach einem Neubeginn. Dabei orientiert sich die Qualität der erhofften Zukunft an der der Vergangenheit, das heißt an der Erinnerung an das ferne Zauberland der Kindheit, an Moskau, das verklärt über allem thront. Tschechows Figuren sind dabei nicht tatenlos. Doch sind alle Veränderungen, die sie bewirken, nicht die, die zur Erlösung und zur inneren Ruhe führen. Andrej verliebt sich und heiratet, doch schon schnell dringt Ernüchterung in die Beziehung ein, er nimmt eine Stellung bei der Verwaltung an, doch zermürbt ihn die Diskrepanz zwischen der erträumten Moskauer Professur und seinem tatsächlichen Beruf; Mascha stürzt sich in eine Verliebtheit mit einem Militär, doch sie wird verlassen und bleibt zurück; der Offizier Tusenbach gibt seinen Beruf für Irina auf, doch ihre Liebe erhält er dennoch nicht; Irina will in der Arbeit ihren Sinn finden, doch stellt sich die Realität der Arbeit als fremd, als »ohne Poesie, ohne Idee« dar. Sie muss bekennnen: »Ich bin vierundzwanzig Jahre alt. Mein Gehirn ist wie ausgetrocknet, ich bin abgemagert, verdummt, gealtert, und nichts, nicht die geringste Befriedigung habe ich in meiner Arbeit gefunden. Die Zeit entflieht so rasch, und es ist mir, als ob ich mich von dem wahren, wirklich schönen Leben immer mehr entferne – als ob ich in einen Abgrund versinke.« Die Figuren rauschen am Glück vorbei. Sie sind isoliert von der Welt der anderen, verbindungslos versuchen sie sich immer wieder zu verorten, doch gelingt es ihnen nicht. Sie spannen ihre Kräfte bis zum Äußersten, ohne Ergebnis. Das ferne Ziel Moskau ist dabei der Stellvertreter des nichterfüllbaren Wunsches. Pragmatisch betrachtet könnte man sagen: Geht doch nach Moskau, was hindert euch? Aber diese Option besteht überhaupt nicht, ein Moskau gibt es nicht. Es existiert auch keine Tragödie um das Nichtankommen im fernen Moskau, es wird weder gekämpft noch gearbeitet, um diesen Traum zu realisieren, Moskau bleibt Symbol. Das eigentliche Zentrum der Tragödie ist das Unvermögen zu erkennen, wo das eigene Glück wohnt. Werschinin beschreibt Mascha gegenüber, als sie Moskau als das ferne Glücksversprechen proklamiert: »Sie würden nicht bemerken, dass sie in Moskau sind, wenn sie dort lebten. Es gibt kein Glück.« Die Schwestern leben an diesem Nichtort des Glücks, aber sie erkennen die Nichtexistenz des Glücks nicht an. Ihr permanentes Scheitern kann nicht die Sehnsucht töten, die man zum Weiterleben braucht.

Zum Autor
Sie brauchen meine Biographie? Da ist sie. Geboren wurde ich 1860 in Taganrog. 1879 beendete ich das Gymnasium in Taganrog. 1884 beendete ich das Studium an der Medizinischen Fakultät der Universität Moskau. 1888 bekam ich den Puškinpreis. 1890 unternahm ich eine Reise nach Sachalin durch Sibirien und zurück übers Meer. 1891 unternahm ich eine Tournee durch Europa, wo ich sehr guten Wein getrunken und Austern gegessen habe. 1892 habe ich mich mit V.A. Tichanov auf einem Namenstag amüsiert . Zu schreiben begann ich 1879 in der »Strekoza«. Meine Erzählungsbände sind: »Bunte Erzählungen«, »In der Dämmerung«, »Erzählungen«, »Mürrische Menschen« und die Novelle »Das Duell«. Ich habe auch im dramatischen Fach gesündigt, wenn auch mit Maßen. Bin in sämtliche Sprachen übersetzt, ausgenommen Fremdsprachen. Übrigens, die Deutschen haben mich schon längst übersetzt. Die Serben und Čechen finden mich ebenfalls gut. Auch die Franzosen sind dem Austausch nicht abgeneigt. In die Mysterien der Liebe eingeweiht wurde ich, als ich 13 Jahre alt war. Mit meinen Kollegen – Medizinern wie Literaten – pflege ich ausgezeichnete Beziehungen. Junggeselle. Möchte eine Pension bekommen. Praktiziere als Arzt, und zwar so weit, dass ich im Sommer manchmal gerichtsmedizinische Obduktionen vornehme, die ich schon 2-3 Jahre nicht mehr durchgeführt habe. Unter den Schriftstellern bevorzuge ich Tolstoj, unter den Ärzten – Zacharjin. Aber das ist alles Unfug. Schreiben Sie, was Sie wollen. Wo keine Fakten sind ersetzen Sie sie durch Lyrik. Anton Tschechow

Zum Regieteam:
Karin Henkel (Regie) geboren 1970 in Köln, arbeitet zu Beginn der 90er Jahre als Regieassistentin und Regisseurin am Staatstheater Wiesbaden. 1995 debütiert sie mit »Hexenjagd« am Burgtheater Wien als jüngste Regisseurin, die dort je inszenierte. Es folgen Inszenierungen u.a. am Thalia Theater Hamburg, Schauspielhaus Bochum, Schauspiel Leipzig, Schauspielhaus Zürich, Staatstheater Stuttgart, Deutschen Schauspielhaus in Hamburg und am Deutschen Theater Berlin. 2006 wird sie für ihre Theaterarbeiten mit dem Caroline Neuber-Preis der Stadt Leipzig ausgezeichnet. Ihre Stuttgarter Inszenierung von Tschechows »Platonow« wird im gleichen Jahr zum Berliner Theatertreffen eingeladen. 2007 wird ihre Arbeit »Liliom« (Staatstheater Stuttgart) für den Faustpreis nominiert. Mit »Drei Schwestern« inszeniert sie zum zweiten Mal ein Drama Tschechows.

Klaus Bruns (Bühne) geboren 1962, studiert zunächst Bühnenbild und Kostümentwurf am Mozarteum in Salzburg. Seit 1988 arbeitet er als Kostümbildner an vielen bedeutenden Opern- und Schauspielhäusern u.a. in Turin, Hamburg, Frankfurt, Berlin, Antwerpen, Amsterdam, Wien, München, Zürich, Düsseldorf, Köln und Stuttgart mit Regisseuren wie Barry Kosky, Götz Friedrich, Guy Joosten, Michael Schulz und Michael Talke, Niklaus Helbling, Anna Badora. Mit Karin Henkel verbindet ihn eine langjährige Arbeitsbeziehung.

Stefan Mayer (Kostüme) 1959 in Stuttgart geboren, studiert in seiner Heimatstadt Bühnenbild an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, bevor er ein Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg für Lichtdesign an der Yale University annimmt. Ab 1982 arbeitet er in Frankfurt, Bochum, Düsseldorf, Zürich, New York und den Niederlanden . Er wird Ausstattungsleiter am Schauspiel Frankfurt, später am Schauspielhaus Bochum. Er arbeitete u.a. mit den Regisseuren Jürgen Kruse, Peter Stein, Leander Haussmann, Christine Mielitz und Nicolas Stemann zusammen. Stefan Mayer inszeniert außerdem in Bochum, Dortmund und Stuttgart. Mit Karin Henkel arbeitet er zum wiederholten Mal zusammen.

Christopher Brandt (Musik) studierte Schulmusik und Gitarre in Frankfurt, Gitarre in Würzburg, Komposition in Darmstadt und Germanistik in Frankfurt. Er arbeitet unter anderem mit dem Ensemble Modern, dem Klangforum Wien, dem Radiosinfonieorchestern Frankfurt, Saarbrücken und Berlin und den Bochumer Sinfonikern. U.a. Ur- und Erstaufführungen von Olga Neuwirth, Wolfgang Rihm, Frank Zappa, Helmut Lachenmann, bei den Berliner Festwochen, den Wiener Festwochen, dem New Yorker Lincoln Center Festival. Christopher Brandt ist außerdem E-Gitarrist und E-Bassist der experimentellen Pop-Formation »Mavis«. Als Bühnenmusiker arbeitet er für das Staatstheater Kassel, das Thalia Theater Hamburg und das Schauspiel Frankfurt. Außerdem ist er Professor an der Frankfurter Musikhochschule.

[© Schauspiel Frankfurt]

www.schauspielfrankfurt.de

Die Dreigroschenoper
Ein Stück mit Musik in einem Vorspiel und acht Bildern

Nach dem Englischen des: John Gay
Übersetzt von: Elisabeth Hauptmann
Deutsche Bearbeitung von: Bertolt Brecht
Musik von: Kurt Weill

Zur Inszenierung des Theater Bielefeld:

Premiere
:14. Januar 12

Inszenierung: Michael Heicks
Bühne und Kostüme: Timo Dentler, Okarina Peter
Musikalische Einstudierung, Gesang: Frank Raschke
Musikalische Leitung: William Ward Murta
Dramaturgie: Franziska Betz

Besetzung:

Jonathan Peachum:
Thomas Wolff
Frau Peachum: Carmen Priego
Polly Peachum: Julia Friede
Macheath: Thomas Wehling
Brown: Oliver Baierl
Lucy: Charlotte Puder
Trauerweidenwalter: Norman Grüß
Hackenfingerjakob: Lukas Graser
Münzmatthias: Omar El-Saeidi
Sängerobert: Niklas Herzberg
Filch / Smith: Johannes Lehmann
Spelunkenjenny: Christina Huckle
Kimball / Lehrer: Stefan Imholz

Die Viertel Soho und Whitechapel sind die Zufluchtsstätte der undurchsichtigsten Schichten Londons: Jonathan Peachum, Inhaber der Firma »Bettlers Freund«, betreibt dort florierende Geschäfte mit der Armut. Sein Konkurrent ist Mackie Messer, Anführer einer Gaunerplatte, ein Dandy, ein Frauenheld und ein notorischer Verbrecher. Peachum tobt, als er erfährt, dass seine Tochter Polly eben diesen Mackie Messer heimlich geheiratet hat – unter grotesken Umständen und das auch noch aus Liebe. Er beschließt, Mackie an den Galgen zu bringen. Der Krieg zwischen beiden bestimmt das Hin und Her der dramatischen Handlung und lässt das (Un)sittengemälde einer Gesellschaft entstehen, die durch wirtschaftliche Interessen die Liebe zersetzt. »Denn die Verhältnisse, sie sind nicht so.« In einem Brief an George Grosz schrieb Brecht 1935 zur Dreigroschenoper: »Hauptlinie: Die Räuber sind Bürger. / Die Bettler haben Sparkassenbücher in der Tasche. Auch die Räuber. Auch die Huren.« Das Stück ist geschrieben als Parabel auf die bürgerliche Gesellschaft. Nicht die offene, sondern die versteckte Gewalt dominiert das Verbrechermilieu: Korruption, Bestechung, Verrat, Betrug. Man trägt seine Zähne nicht offen im Gesicht, sondern unter einer biederen Maske. »Denn ein Haifisch ist kein Haifisch / Wenn man’s nicht beweisen kann.«
Brecht beschreibt das soziale System als ein Geflecht aus ökonomischen Beziehungen: Jeder Mensch hat seinen Preis. Alle sind abhängig, alle käuflich, alle korrupt: Der scheinheilige Peachum und seine trunksüchtige Gattin kalkulieren die Gewinnspanne zwischen inszeniertem Elend und Spendenbereitschaft. Macheath finanziert sich durch die Aktivitäten seiner Gaunerplatte – und liefert sie ans Messer, sobald sich das nicht mehr rentiert. Die Hure Jenny, einstige Geliebte Mackies, verrät ihn gegen Geld an den Galgen. Selbst der Polizeichef Brown unterhält einträgliche Beziehungen zum Verbrechen. Am Ende muss Mackie die bittere Erfahrung machen, dass ihn fehlendes Bargeld zwecks Bestechung an den Galgen bringt und keine seiner Beziehungen auch im Unglück standhält. Jeder hier ist sich selbst der nächste und alle sind letzten Endes einsam. Mackie Messer steht schon unterm Galgen, als sich – durch ein bewusst unmotiviertes und operettenhaftes Finale – doch noch alles zum Guten wendet: Ein »reitender Bote« der Königin erscheint, verfügt Mackies Freilassung und sogar seine Erhebung in den Adelsstand. Ganz, als wären die Verhältnisse doch so, wie sie eben leider nicht sind. Natürlich ironisiert dieser Schluss auch das romantische Liebesideal einer kapitalistischen Wirklichkeit. Ein ähnlicher Widerspruch prägt auch die Rezeption des Welterfolgs Dreigroschenoper: Wo Brecht rationale Erkenntnis vermitteln wollte, schwelgte das Publikum in der Liebesgeschichte, wo er agitieren wollte, wurde mitgesungen. Michael Heicks setzt sich vom heutigen Standpunkt aus mit den politischen und wirkungsästhetischen Implikationen der Dreigroschenoper auseinander. Er lässt Ideal und Wirklichkeit, rationale und emotionale Wirkung gleichberechtigt nebeneinander stehen und stellt den produktiven Widerspruch zwischen beiden ins Zentrum seiner Inszenierung.

Inszenierung
Michael Heicks
ist seit Januar 2005 Intendant des Theater Bielefeld. Der Regisseur war zuvor von 2000 bis 2004 Schauspieldirektor des Bielefelder Theaters. Dort inszenierte er u. a. Shakespeares Was ihr wollt, Ein Sommernachtstraum und Wie es euch gefällt, Rainald Goetz’ Jeff Koons, die Uraufführung von Ror Wolfs Nachrichten aus der bewohnten Welt, Effi Briest von Theodor Fontane, Neil LaButes das maß der dinge sowie Moritz Rinkes Republik Vineta und Café Umberto. Michael Heicks führte außerdem Regie bei der deutschen Erstaufführung von Zdenek Fibichs Oper Der Sturm, der Uraufführung von Heul doch!, Tschechows Der Kirschgarten, der Uraufführung von Tom Peuckerts Elende Väter, Robert Thomas Kriminalkomödie Acht Frauen, Mike Svobodas Erwin, das Naturtalent sowie Kay Pollaks Wie im Himmel. Zuletzt inszenierte er den Liederabend Männerbeschaffungsmaßnahmen, Tracy Letts’ Eine Familie (August: Osage County), die Uraufführung von Die Leiden einer jungen Kassiererin von Anna Sam, Woyzeck, Brassed Off – Mit Pauken und Trompeten, Boeing-Boeing und Hedda Gabler. Bevor Michael Heicks nach Bielefeld kam, arbeitete er als freier Regisseur mit Inszenierungen am Staatstheater Braunschweig, Staatstheater Oldenburg, Grips Theater Berlin, Deutschen Theater Göttingen, Theater Salzburg, Theater Basel und am Thalia Theater Hamburg. Er studierte von 1979 bis 1984 Schauspiel und Regie an der Akademie der darstellenden Kunst, Otto-Falckenberg-Schule, München. Nach seinem Studium folgten Regiearbeiten in München und Salzburg sowie einige Arbeiten an der Hochschule für Film und Fernsehen München.

Bühne und Kostüme
Timo Dentler
, geboren 1971 in Ulm, studierte von 1990 bis 2000 Bühnenbild an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Kneidl, dessen Meisterschüler er 1999 wurde. 1996 erhielt er den Markus Lüpertz Preis der Kunstakademie Düsseldorf. Seine ersten Engagements hatte er von 1992 bis 1998 als Bühnenbild- und Kostümbildassistent am Berliner Ensemble, an der Oper Frankfurt, bei den Wiener Festwochen und an den Münchner Kammerspielen bei Karl Kneidl, Peter Zadek und Peter Palitzsch. Seit 1999 arbeitet Timo Dentler als freier Bühnen- und Kostümbildner unter anderem für die Staatsoper Stuttgart, Semperoper Dresden, Zürcher Schauspielhaus, Bregenzer Festspiele, Nationaltheater Mannheim, Staatstheater Nürnberg, Theater Augsburg, Theater Bremen, Theater Bern, Badisches Staatstheater Karlsruhe, Düsseldorfer Schauspielhaus, Kölner Schauspielhaus, Luzerner Theater, Theater Freiburg, Staatstheater Cottbus, Staatstheater am Gärtnerplatz München, Centraltheater Leipzig und Staatstheater Mainz. Häufig arbeitet er mit Okarina Peter zusammen im Team und mit Regisseuren wie Nicholas Broadhurst, Harald Fuhrmann, Immo Karaman, Peter Konwitschny, Manfred Weiß und Klaus Zehelein. Timo Dentler wurde 2009 und 2011 von der Fachzeitschrift »Opernwelt« als bester Bühnenbildner des Jahres nominiert. Am Theater Bielefeld arbeitete er bereits mehrfach u. a. für die Produktionen Die Reise nach Reims, Die Hochzeit des Figaro, Oedipe, Der Baum der Diana, Tristan und Isolde, Don Pasquale, Ruslan und Ludmilla und Brassed Off.

Die Bühnen- und Kostümbildnerin
Okarina Peter arbeitete gemeinsam mit Timo Dentler am Theater Bielefeld bereits für die Ausstattung bei Die Reise nach Reims, Die Hochzeit des Figaro, Oedipe sowie für Der kleine Muck, Das Dschungelbuch, Der Räuber Hotzenplotz, Pippi Langstrumpf, Tristan und Isolde, Peterchens Mondfahrt, Don Pasquale und Ruslan und Ludmila. Ihre Engagements führten sie u. a. an das Staatstheater Dresden, das Rheinische Landestheater Neuss, die Landesbühne Niedersachsen, das Neue Theater Halle, das Stadttheater Nordhausen, die Städtischen Bühnen Osnabrück, das Staatstheater Stuttgart, das Nationaltheater Mannheim, das Staatstheater Cottbus, das Theater Oberhausen und das Schauspielhaus Zürich. Seit 2002 entwirft Okarina Peter Bühnenbilder und Kostüme zusammen mit Timo Dentler. Aus dieser Teamarbeit entstanden u. a. an der Staatsoper Stuttgart Schostakowitschs Moskau in Tscherjomuschki, Mario und der Zauberer und Die reisende Ceres (Regie: Manfred Weiß). In Stuttgart entwarf Okarina Peter zudem die Kostüme zu Aeneas in Karthago (Regie: Peter Konwitschny/Klaus Zehelein). Für Nicholas Broadhurst stattete sie außerdem auch Les Nègres am Theater Freiburg, Catone in Utica am Nationaltheater Mannheim und Paul Bunyan (Kostüm) bei den Bregenzer Festspielen 2007 aus. Am Theater Augsburg entwarf Okarina Peter das Bühnenbild und die Kostüme für Così fan tutte (Regie: Roland Hüve), Was Ihr wollt und Silbersee (Regie: Manfred Weiss) sowie das Bühnenbild für Un ballo in maschera (Regie: Freo Majer) und für Die Bestmannoper (Theater Osnabrück, Regie: Immo Karaman). Okarina Peter, geboren 1973 in Konstanz, studierte von 1994 bis 2000 Bühnenbild bei Prof. Kneidl und war während des Studiums Bühnenbildassistentin am Düsseldorfer Schauspielhaus, bei Peter Zadek an den Münchner Kammerspielen und bei den Wiener Festwochen. Seit 1999 ist sie freiberuflich tätig.

Musikalische Einstudierung Gesang
Frank Raschke
studierte an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin Waldhorn, Klavier und Komposition. 15 Jahre lang tourte er mit der Jazz-Big-Band »Vielharmonie« durch Europa, deren Komponist und Leiter er war. Er schrieb im Auftrag der Berliner Symphoniker, der Staatskapelle Berlin, des Theater des Westens u. a. Kammermusiken, Chorwerke und Orchestermusiken. Von 1993 bis 2000 war Frank Raschke am Deutschen Theater Berlin tätig, u. a. in den Inszenierungen Der Kyklop von Euripides (Regie: Friedo Solter) und Die Dreigroschenoper von Bertolt Brecht (Regie: Alexander Lang). Zurzeit arbeitet er u. a. als Lehrbeauftragter für Klavier und Chanson / Liedgestaltung an der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« Leipzig und in Berlin. Am Theater Bielefeld übernahm er bereits die musikalische Leitung bei Die Hermannsschlacht und Männerbeschaffungsmaßnahmen.

Musikalische Leitung
William Ward Murta
, geboren in Fort Smith/Arkansas und aufgewachsen in Oklahoma, ist seit 1984 Musical-Kapellmeister am Theater Bielefeld. Er übernahm die musikalische Leitung vieler Produktionen wie Cabaret, Evita, Chicago, La Cage aux Folles, Piaf, Die Comedian Harmonists, der Uraufführung von James Lyons Für mich soll’s rote Rosen regnen, Franz Wittenbrinks Männer – Tore, Tränen und Triumphe, Sekretärinnen und Mütter, außerdem She Loves Me (2006), Jekyll & Hyde (2007), Me and My Girl, Guys & Dolls (beide 2008) sowie Crazy for you (2009) und The Scarlet Pimpernel (2010). Murta ist in Musikerkreisen ein gefragter Arrangeur; zahlreiche seiner Arrangements gehören zu den Standards von Musical-Aufführungen und -Galas im In- und Ausland. Darüber hinaus komponierte Murta eigene Musicals: 1987 M... wie Marilyn, 2004 sein Werk über das Leben von Galileo Galilei, Starry Messenger (Sternenbote) und zuletzt The Birds of Alfred Hitchcock, das in der letzten Spielzeit ausgesprochen erfolgreich am Theater Bielefeld uraufgeführt wurde. [© Theater Bielefeld]

www.theater-bielefeld.de

Zur Inszenierung der Städtischen Theater Chemnitz:

Premiere:
30. September 11 (Schauspielhaus Chemnitz / Große Bühne)

Musikalische Leitung: Anja Bihlmaier
Regie: Philip Tiedemann
Bühne und Kostüme: Norbert Bellen

Besetzung:

Macki Messer:
Dirk Lange
J. J. Peachum: Urs Rechn
Celia Peachum: Ulrike Euen
Polly Peachum: Caroline Junghanns
Spelunken-Jenny: Muriel Wenger
Tiger Brown: Bernd-Michael Baier
Lucy Brown: Daniela Keckeis
Moritatensänger / Pastor Kimball / Reitender Bote: Karl Sebastian Liebich
Filch / Smith: Nils Buchholz
Münz-Matthias: Wenzel Banneyer
Hakenfinger-Jakob: Yves Hinrichs
Säge-Robert: Timo Hastenpflug
Trauerweiden-Walter: Jan Sabo
Betty: Luise Schubert
Dolly: Katharina Schlothauer
Sprecher: Michael Degen

Musiker der Robert-Schumann-Philharmonie

Stück und Inszenierung
Mackie Messer ist der größte Gangster Londons. Sein letzter Raub galt einem besonderen Schatz – Bettlerkönig Peachums schöner Tochter Polly. Eilig wird geheiratet unter dem Mond von Soho, aber die folgende Nacht ist Mackie schon wieder dort, wo er am liebsten ist: bei den Huren um Spelunken-Jenny.
J. J. Peachum ist entsetzt, dass ihm seine Tochter auf diese hinterlistige Weise verloren gegangen ist - und Polly ihren Mackie offensichtlich auch noch liebt. Peachums Rache folgt sofort; er verlangt von der Obrigkeit, Mackie aufs Schafott zu bringen. Doch die Obrigkeit – zuletzt gesehen wurde sie auf der Hochzeit Mackie Messers ...

Brecht/Weills ureigene Analyse der Marktgesetze entsteht im Schauspielhaus im Zusammenspiel von Schauspielensemble und Musikern der Robert Schumann-Philharmonie. Dirk Lange als Mackie Messer, Urs Rechn als Peachum sowie Caroline Junghanns als Polly singen und spielen die Hauptrollen in einer Inszenierung, die in der „Dreigroschenoper“ die zutiefst theatrale Typenkomödie, die Spielfreude und die Lust an der Zuspitzung in den Vordergrund stellt.

Eine kleine Besonderheit dieser Inszenierung wird sein, dass die Zwischentexte von Michael Degen eingesprochen wurden, einem der bekanntesten deutschsprachigen Schauspieler - und gebürtigem Chemnitzer. Philip Tiedemann und Michael Degen erarbeiteten 2010 zusammen am Wiener Theater in der Josefstadt Thomas Bernhards „Heldenplatz“, und auf Anfrage von Philip Tiedemann hat Michael Degen der Idee spontan zugestimmt, der Chemnitzer „Dreigroschenoper“ seine Stimme zu leihen.

Regieteam

Anja Bihlmaier (musikalische Leitung)
ist seit 2010 als 2. Kapellmeisterin und Assistentin des GMD Frank Beermann am Theater Chemnitz engagiert. Sie studierte bei Scott Sandmeier an der Musikhochschule Freiburg und war Stipendiatin in der Dirigierklasse von Jorge Rotter und Dennis Russell Davies am Mozarteum Salzburg. 2005 wurde sie als Stipendiatin in das Dirigentenforum des Deutschen Musikrates aufgenommen und gewann 2006 den 3. Preis beim internationalen Dirigierwettbewerb „Dimitri Mitroupoulos“ in Athen.

Philip Tiedemann (Regie)
inszeniert erstmals in Chemnitz. Er begann seine Regiekarriere am Burgtheater Wien unter Claus Peymann und war mehrere Jahre Oberspielleiter am Berliner Ensemble, wiederum unter der Direktion von Claus Peymann. Nach wie vor inszeniert er regelmäßig am Berliner Ensemble, außerdem u. a. am Theater Mainz sowie am Theater in der Josefstadt Wien. Seit Jahren beschäftigt er sich in seinen Inszenierungsarbeiten immer wieder mit Stücken von zwei Autoren: Thomas Bernhard und Bertolt Brecht. Mit der Uraufführung von Thomas Bernhards „Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen“ wurde er 1999 zum Berliner Theatertreffen eingeladen; und in der aktuellen Spielzeit 2011/12 stehen, neben einer erneuten Arbeit am Berliner Ensemble, nach der Chemnitzer „Dreigroschenoper“ noch zwei weitere Brecht-Inszenierungen in Oslo und Heidelberg auf seinem Plan. 

Norbert Bellen (Bühne und Kostüme)
stellt sich ebenfalls erstmals am Schauspiel Chemnitz vor. Nach einem Studium der Architektur arbeitete er als Bühnen- und Kostümbildner u. a. am Grillotheater Essen, am Theater Graz, am Landestheater Linz sowie regelmäßig am Staatstheater Mainz. Er arbeitete wiederholt mit den Regisseuren Anna Bergmann und Søren Schuhmacher. [© Theater Chemnitz]

www.theater-chemnitz.de

 

Zur Inszenierung des English Theatre Frankfurt Drama Club in Kooperation mit dem Gymnasium Oberursel:
(The Threepenny Opera)

Premiere: 12. August 11 (bis 24. August 11)

Director: Michael Gonszar
Musical Directors: Rudi and Angela Federspiel
Choreography: Gabrielle Staiger
Costume Designer: Isabelle Hofmann
Lighting Designer: Philip Pabst
Sound Designer: David Gumpper
Mask: Marie Moser
Props: Dirk Conrad
Assistant to the Director: Melanie Schoeberl

Cast:

Macheath, called Mac the Knife
: Mike Marklove
Matthew, known as Matt of the Mint: Malte Sandstede
Jake, known as Crook-fingered Jake: Redouan Abdellaoui
Walter, known as Dreary Walt : Ken Gerlinger
Bob, known as Bob the Saw: Valentin Biehl
Jimmy: Philipp Walsh
Ned: Fridolin Koch
Jonathan Jeremiah Peachum, proprietor of the Beggar’s Friend Ltd: Sebastian Polag
Celia Peachum, his wife: Lea Dunbar
Polly Peachum, his daughter: Swana Rode
Filch, a young beggar: Timon Papouschek
Brown, High Sheriff of London: Jürgen Stockhausen
Lucy, his daughter: Hannah Mereien
Smith 1: Timon Papouschek
Smith 2, Constables: Nikola Uljarevic
Jenny 1: Rebekka Viehl
Jenny 2: Claudia Zielke
Vixen: Jasmin de Main
Dolly: Miriam Lellek
Suky Tawdry: Gisela Garzon
Betty: Annika Meier-Gerssler
Cathy: Marie Hasselberg
Mizzy: Lisa Ullrich
Lizzy: Nathalie Kreuzer
The Reverend Kimball: Timon Papouschek
Beggars: Lena Leun, Leonie Themelidis, Clara Goll, Nikola Uljarevic

Besprechung auf kulturfreak.de

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The Threepenny Opera
English Theatre Frankfurt
Mac the Knife (Mike Marklove) und Ensemble
Foto: Anja Kühn

Zur Inszenierung (von Michael Gonszar, Regisseur)
Obwohl es vordergründig um den Machtkampf zwischen Peachum (der seine Tochter Polly und damit sein Geschäft nicht an Macheath verlieren und deshalb seine Verhaftung erzwingen will) und dem Polizeichef Brown geht, steht für mich eine junge Frauenfigur im Vordergrund: natürlich Polly, die, fast noch Kind, unversehens zur Frau/Geschäftsfrau wird und als verlorene Seele zwischen brutaler Männerbegehrlichkeit, sie unterdrückenden Eltern und der Eifersucht weiblicher Konkurrentinnen (Lucy Brown, Jenny) herumirrt. Die Haltung der Eltern tarnt sich als Erziehungsphilosophie, meint aber die eigenen Interessen.
Der Vater instrumentalisiert die Tochter für seine Geschäftsinteressen, die Mutter spielt mit ihr selbst-infantil wie ein Kind mit einer Puppe, die man herumkommandiert und der ständig andere Kleider angezogen werden.
Nachdem sie durch das Fegefeuer der Enttäuschung ihrer romantischen Liebe hindurchgegangen ist und verschiedene Identitäten ausprobiert hat, geht Polly am Ende als durch ihre Erfahrungen Verwandelte aus diesem Spiel hervor.
Diese Geschichte ist es, die unsere Inszenierung interessiert, weniger Aufstieg, Fall und parodistische Begnadigung von Mackie Messer. Brechts sozialkritische Parallele zwischen korrupter Polizei, moralisch verkommenem Bürgertum im Banker- und Politikergewand und der Welt der Kriminalität, gibt in ihrer Verwischung klarer moralischer Grenzen nur das schwierige soziale Terrain ab, auf dem ein Individuum wie Polly sich orientieren und bewähren muss.
Die Figur des Mackie Messer, eher pathogene Joker-Gestalt als schmieriger Gangster, hält sich eine servile Jugendlichen - Gang von Gelegenheits-Kriminellen; wie einst Fagin in „Oliver Twist“ seine Kinderdiebesbande von Pick-Pockets. Zu dem Angestellten - Ausbeutungsverhältnis gehört auch der pseudofamiliäre Zusammenhalt des Betriebs; so muss die Gang Mackies Hochzeitsfeierlichkeiten anlässlich seiner Verbindung mit der Tochter des Bettlerkönigs Peachum ausrichten und soll gleichzeitig für auch für die familiäre Nestwärme sorgen. Kinder, die zu früh Erwachsene spielen müssen um zu überleben. Eine Szene, die, wie so viele in der Dreigroschenoper, zu makabrer Komik drängt.

Der Drama Club und die Kooperation mit dem Gymnasium Oberursel:
Seit 2005 hat sich der Drama Club des English Theatre mit seinen „Reach-Out Projects“ für Schulen und den Inszenierungen von Peter Shaffers „Equus“, Rob Johns „Living with Lady Macbeth“, „OLIVER!“ und Shakespeares „Romeo and Juliet“ einen Namen gemacht. So werden Stückvorlagen ausgewählt, in denen es sowohl jugendliche als auch erwachsene Rollen gibt. Letztere werden immer von erwachsenen Schauspielern aus der freien Szene, mit Absolventen der „Stage & Musical School Frankfurt“ und Amateuren , die neu zum Drama Club kommen, besetzt. In den Jugendrollen zeigen Schüler und Studenten ihr Können und haben die Möglichkeit in der Zusammenarbeit mit erfahrenen und professionellen Theaterleuten Bühnenerfahrung zu sammeln.
In den Erwachsenenrollen von „The Threepenny Opera“ sind Schauspieler des Drama Clubs zu sehen. Die jugendlichen Rollen spielen Schüler des Gymnasiums Oberursel der Jahrgangstufen 9-13. In der Zusammenarbeit mit dem English Theatre können sie mit Freude ihre Kompetenzen im Umgang mit der englischen Sprache und dem Musical bzw. Theater stärken.
Die Kooperation des Drama Clubs des English Theatre mit dem Gymnasium Oberursel führte in der Vergangenheit bereits zur Aufführung des Musicals „Oliver“, „The Little Shop of Horrors“ und „Fiddler on the Roof“. „Es ist eine sehr gute Chance für die Jugendlichen artistische und soziale Kompetenzen, durch Schauspiel, Tanz und Gesang zu erlernen“, so Angela und Rudi Federspiel. In enger Zusammenarbeit mit Michael Gonszar, dem Theaterpädagogen des English Theatre, der die szenisch-, dramaturgische Leitung übernimmt, koordinieren sie Musik und Tanz, deren Proben im Februar dieses Jahres begannen.
Die Zusammenarbeit mit Michael Gonszar und professionellen Licht- und Toningenieuren und erfahrenen Schauspielern des Drama Clubs ist es eine besondere Herausforderung und eine sehr positive Erfahrung für die jungen Schauspieler und Musiker. [Q.: EnglishTheatre Frankfurt]

www.english-theatre.de

Zur Inszenierung des Oldenburgischen Staatstheaters:

Premiere:
11. September 10 (Halle 10/Fliegerhorst)

Inszenierung: K.D. Schmidt
Musikalische Leitung: Christoph Iacono
Bühne: Alain Rappaport
Kostüme: Dinah Ehm
Video: Konstantin Bock
Dramaturgie: Johanna Wall

Besetzung:

Frau Peachum:
Caroline Nagel
Polly Peachum: Kristina Gorjanowa
Lucy: Eva-Maria Pichler
Macheath: Gilbert Mieroph
Brown: Klaas Schramm
Hakenfingerjakob: Sebastian Brandes
Münzmatthias: Vincent Doddema
Spelunkenjenny: Anna Steffens
Smith: René Schack

Die Dreigroschenoper
Oldenburgisches Staatstheater
Ensemble
Foto: Andreas J. Etter
www.huebenunddrueben.de

www.staatstheater.de

Zur Inszenierung des schauspielfrankfurt in der Saison 2006/07:

Premiere:
19. Januar 07
Weitere Vorstellungstermine im Januar: 24. und 28. Januar 07
Aufführungsdauer:
ca. 2 Stunden, keine Pause


Regie:
André Wilms
Bühne: Adriane Westerbarkey
Kostüme: Eva Mareike Uhlig
Musik: Dietmar Wiesner
Licht: Frank Kaster
Musikalische Beratung: Dietmar Wiesner Korrepetitoren: Günter Lehr, Reto Staub, Tibor Stettin
Dramaturgie:
Jens Groß
Regieassistenz: Dagmara Lutoslawska
Bühnenbildassistenz: Jana Lünsmann
Kostümassistenz: Nadja Rudert
Souffleuse: Corinna Schnabel
Inspizienz: Joachim Möller
Technische Produktionsleitung: Josef Dreker
Technische Einrichtung: Nikola Ramie
Ton: Bernhard Klein, Matthias Schmidt
Maske: Patricia Dietz, Verena Martin, Bernhard Springer, Lutz Paschke
Requisite: Anette Mahnke, Levin Kittelmann
Regiehospitanz: Hannah Bayer, Mina Salehpour
Bühnenbildhospitanz: Alexandra Kurcsics
Kostümhospitanz: Marie-Theres Thran

Besetzung:

Macheath, genannt Mackie Messer:
Wolfram Koch
Jonathan Jeremiah Peachum:
Joachim Nimtz
Celia Peachum, seine Frau: Karin Neuhäuser
Polly
Peachum, seine Tochter: Sascha Icks
Brown, oberster Polizeichef von London: Michael Lucke
Lucy, seine Tochter: Chris Pichler
Die Spelunken-Jenny: Yvon Jansen
Robert Filch:
Max Landgrebe
Matthias: Sebastian Schindegger
Jakob:
Bert Tischendorf
Ede: Florian Stamm
Huren:
Sarah Bauerett, Dorothee Lochner, Alina Rank, Nadja Schneider, Varia Sjöström
Ein Moritatensänger: Jonas Maiwald
Bettler: Bruno Thalhäuser

Orchester: Ensemble Modern und Musiker der Internationalen Ensemble Modern Akademie (IEMA)*:
Dirigent: Nacho de Paz* / Manuel Nawri
Flöte: Daniel Agi* / Jana Machalett*
Klarinette, Saxophon:
Nina Janßen / Ingolfur Vilhjalmsson*
Saxophon: Lutz Koppetsch / Simon Waldvogel
Fagott: Johannes Schwarz
/ Karl Ventulett
Trompete: Sava Stoianov / Valentin Garvie / Lukasz Gothszalk*
Posaune:
Uwe Dierksen / Michael Büttler
Klavier, Celesta, Harmonium: Reto Staub* / Lluisa Espigole*
Schlagzeug: Rumi Ogawa / Tom De Cock* / Asuka Hatanaka*
Banjo, Hawai-Gitarre, Gitarre: Jürgen Ruck / Christopher Brandt
Bandoneon: Claudia Buder / Heinz Huber
Violoncello:
Eva Böcker / Michael M. Kasper / Jan-Filip Tupa*
Kontrabass: Peter Schlier
/ Joachim Tinnefeid / Bruno Suys

*Die
IEMA wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes           Besprechung auf kulturfreak.de

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Die Dreigroschenoper
schauspielfrankfurt
Bert Tischendorf, Sebastian Schindegger, Sascha Icks, Wolfram Koch, Max Landgrebe, Florian Stein
Foto:
Alexander Paul Englert

Das Erfolgsstück von Bertolt Brecht und Kurt Weill ist eine kongeniale Darstellung der bürgerlichen Gesellschaft und deren Weltanschauung. Eine Persiflage auf die Welt der erfolgreichen wie erbärmlichen Gauner und Mafiosi, der Rachephantasien kleiner Leute und der gnadenlosen Gefühlskälte als Ergebnis der Leere des Lebens. Nur noch der Selbsterhaltungstrieb herrscht in dieser Gesellschaft. Allgemeine Armut, Scheinheiligkeit, Käuflichkeit und Durchtriebenheit ergeben ein Gesellschaftsbild, das einer Notgemeinschaft gleicht, bei der es auf der einen Seite nur noch um das reine Überleben, auf der anderen Seite um individuelle Bereicherung und Macht zu gehen scheint.
Mit der Dreigroschenoper schaffte Brecht keine illusionäre Inszenierung, sondern er brachte vielmehr eine kritische Reflexion über gesellschaftliche Zustände auf die Bühne. Mit einem der erfolgreichsten Theaterstücke des 20. Jahrhunderts wird ein großer Klassiker der Theaterliteratur in großer Besetzung auf die Bühne des schauspielfrankfurt gebracht; in den Hauptrollen können Sie Wolfram Koch als Mackie Messer und Karin Neuhäuser als Celia Peachum erleben. Mit den Mitgliedern des weltweit agierenden ENSEMBLE MODERN konnte für die musikalische Umsetzung ein Partner gefunden werden, dem die Bühne des schauspielfrankfurt auch in der Vergangenheit bereits als Konzertpodium gedient hat. [Text: schauspielfrankfurt]

Internationale Ensembe Modern Akademie

Die Gründung der Internationalen Ensemble Modern Akademie (IEMA) im Sommer 2003 in Frankfurt am Main ist die konsequente Weiterführung dessen, wofür das Ensemble Modern (EM) seit über 20 Jahren steht: Qualität auf höchstem Niveau, Spielfreude, interdisziplinäre Kunstprojekte und Internationalst. Durch die intensive Auseinandersetzung mit Künstlerinnen und ihren Werken konnte das EM in den 25 Jahren seines Bestehens ein tiefes und breit gefächertes Wissen um die Musik seit Beginn des 20. Jahrhundert ansammeln: ein »Gedächtnis der modernen Musik«. Im Geiste des EM gibt die IEMA - als ein lebendiger Ort des Lernens, Kommunizierens, Austauschens und Erprobens - Nachwuchskünstlern die Möglichkeit, an diesem Gedächtnis teilzuhaben und auf vielfältige Weise davon zu profitieren: Verschiedene Ausbildungsprogramme innerhalb der IEMA - dazu zählen die Vergabe von Stipendien, die Durchführung von Meisterkursen und Weiterbildungsprogramme für Lehrende sowie die Veranstaltung von Symposien - fördern gezielt die künstlerische Auseinandersetzung zwischen hoch qualifiziertem Nachwuchs und renommierten Persönlichkeiten aus Kultur und Wissenschaft.

Seit ihrer Gründung vergibt die IEMA Stipendien an junge Instrumentalisten, Dirigenten, Komponisten und Klangregisseure, die im Zeitraum von einem Jahr bei Tutoren aus den Reihen des Ensemble Modern Unterricht in zeitgenössischer Sololiteratur und Kammermusik erhalten. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Vermittlung von Spieltechniken und Interpretationsfragen der Neuen Musik. Das Förderprogramm entstand in Kooperation mit der Kunststiftung NRW und richtete sich zunächst an Studierende aus Nordrhein -Westfalen. Seit 2004 konnten die Stipendien mit Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes auch deutschlandweit ausgeschrieben und die Stipendiatenzahl verdoppelt werden. Die Förderdauer wurde von sechs Monaten auf ein Jahr erhöht. Die lEMA-Stipendien wurden inzwischen zum vierten Mal vergeben. Seit Herbst 2006 wird das Stipendienprogramm gemeinsam mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt als Masterstudiengang „zeitgenössische Musik" durchgeführt.

Im April 2005 begann in Kooperation mit der Allianz Kulturstiftung zum zweiten Mal das Internationale Kompositionsseminar, Dozent (Komposition und Dirigieren) war in diesem Jahr George Benjamin; das Pariser IRCAM konnte ebenfalls für die Zusammenarbeit gewonnen werden. Abschlusskonzerte fanden im Dezember 2005 in Frankfurt und Paris statt. 2004 leitete Helmut Lachenmann das Seminar, 2006/07 stehen Hanspeter Kyburz (Komponieren) und Stefan Asbury (Dirigieren) als Dozenten zur Verfügung.
Meisterkurse wurden 2005 in Japan und Korea sowie in 2006 jeweils zum dritten Mal beim Paxos Spring Festival in Griechenland und beim Festival Klangspuren im österreichischen Schwaz durchgeführt. Sowohl in Paxos als auch in Schwaz gibt es 2007 Fortsetzungen.

[© Texte: schauspielfrankfurt]

www.ensemble-modern.de
www.internationale-em-akademie.de
www.schauspielfrankfurt.de

Die dritte Generation

Film (Kriminalkomödie) von:
Rainer Werner Fassbinder

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:
Kooperation mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main (Ausbildungsbereich Schauspiel,) und der Hessischen Theaterakademie

Premiere: 18. Februar 12

Regie: Alice Buddeberg
Bühne: Sandra Rosenstiel
Kostüme: Martina Küster
Musik: Stefan Paul Goetsch
Dramaturgie: Alexandra Althoff, Johanna Vater

Mit: Kathrin Berg, Marlene Hoffmann, Karoline Stegemann; Christoph Bahr, Tom Bartels, Rajko Geith, Daniel Rothaug

Die dritte Generation
Schauspiel Frankfurt
Vorabfoto
© Birgit Hupfeld

Fassbinders satirisch groteske Vision einer dritten Generation der RAF: Ein Haufen gelangweilter Spießer, die aus Frustration und Überdruss den Aufstand proben – ohne eine politische oder soziale Utopie. Zusammenhalt stiften lediglich eine hysterische Revolutionsromantik und blinder Aktionismus. Wie im Rausch stürzen sie sich in das große Abenteuer, das der Selbstzweck ihres Handelns ist und bei dem einer nach dem anderen auf der Strecke bleiben wird. Was die Möchtegern-Terroristen nämlich nicht ahnen – sie werden vom Großkapital manipuliert. Der Terror wird zur Inszenierung eines planvollen Chaos’, das dem Kapital aus der Krise helfen soll. [© Texte: schauspielfrankfurt]

www.schauspielfrankfurt.de

Durch die Wüste
Ein Karl May-Projekt

Von:
André Rößler

Uraufführung: 5. März 2010 (Mainz, Staatstheater Mainz)

Zur Inszenierung des Staatstheater Mainz:

Premiere:
5. März 10 (Uraufführung; Kleines Haus)

Inszenierung: André Rößler
Bühne: Tine Becker
Kostüme: Simone Steinhorst
Video: Elmar Szücs

Besetzung:

Karl May/Sir David Lindsay :
Andrea Quirbach
Kara Ben Nemsi: Gregor Trakis
Hadschi Halef Omar: Stefan Graf
Hanneh: Tatjana Kästel
Mersina, die Bäckerin: Verena Bukal
Sadek, der Wüstenführer/Kaufmann/ Selim Agah/Bruder des Kaufmanns/Prediger : Thomas Prazak
Mythe Selim, der Statthalter/Scheik Mohammed Emir: Joachim Mäder
Hamd el Amassad, der Mörder: Zlatko Maltar

Der sagenumwobene und märchenhafte Orient ist der Schauplatz von Karl Mays berühmten Reise- und Abenteuerromanen um die Figur des Ich-Erzählers Kara Ben Nemsi und seines arabischen Dieners Hadschi Halef Omar. Die phantasiereichen Erzählungen über wilde Abenteuer und harte Überlebenskämpfe von den Dünen der Sahara, zum Roten Meer bis nach Mekka, begeisterten Leser über Jahrzehnte. Mays Orient ist bevölkert von korrupten und gesetzlosen Beamten, von Verbrecherbanden mit mafiösen Strukturen, von Glaubenskriegern und unterdrückten Haremsfrauen. Aus literarischen und wissenschaftlichen Quellen schuf er ein höchst spekulatives Bild des Orients, den er erst viel später selbst bereiste. Es ist ein Bild, das sich nah an der christlich-europäischen Geisteshaltung des 19. Jahrhunderts orientiert, und das vielleicht immer noch tief an die Wurzeln unserer Kultur rührt.

Ausgehend von Karl May macht sich der junge Regisseur André Rößler auf eine lustvoll-multimediale Suche: Was steckt hinter den Klischees über die islamische Religion, ihre Kultur und Mentalität? Existiert der „clash of cultures“ womöglich nur in unseren Köpfen? Wenn ja: Welche Schablonen, Blickwinkel, Projektionen sind es eigentlich, die die westliche Wahrnehmung vom „Orient“ bestimmen?

Karl May (1842 – 1912) war einer der produktivsten Abenteuerschriftsteller und zählte jahrzehntelang zu den meistgelesenen Autoren Deutschlands. Bekannt wurde er vor allem durch seine so genannten Reiseerzählungen, die vorwiegend im Orient, in den USA und in Mexiko angesiedelt sind. Viele seiner Werke wurden verfilmt, für die Bühne adaptiert, zu Hörspielen verarbeitet oder als Comics umgesetzt.

André Rößler, 1978 in Wolfen geboren, studierte Chemie in Jena und Regie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. nach seiner Diplominszenierung „Mamma Medea“ von Tom Lanoye am Deutschen Theater Berlin, inszenierte er am Staatstheater Stuttgart und am Jungen Schauspiel Hannover. Am Staatstheater Mainz zeigte er bereits „Reigen“ (2007) und „Frühlings Erwachen! (live fast – die young)“ (2009). [© Staatstheater Mainz]

www.staatstheater-mainz.de

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