kulturfreak

Theater, Stückeinfo: C

Clockwork Orange

Roman von:
Anthony Burgess

Zur Inszenierung des Schauspielhaus Zürich:

Premiere:
28. Mai 08

Regie: David Bösch
Bühne und Kostüme: Patrick Bannwart
Musik: Karsten Riedel
Licht: Frank Bittermann
Dramaturgie: Andreas Erdmann

Mit: Dominique Jann, André Meyer, Jörg Pohl, Karsten Riedel, Siggi Schwientek, Mirjam Zbinden u.a.

Der pubertäre Alex hat zwei Leidenschaften: Brutalität und Beethoven. Obwohl die Eltern brave Leute sind und er im Leben alle Chancen hätte, zieht es Alex vor, nachts mit seinen «Droogs» (Freunden) auszugehen, «Messermilch» zu «pitschen» und wehrlose Bürger zu «tollschocken» (wie es in Burgess' kultig legendärem Nadsat-Slang heisst). Wiederholte Aufenthalte in staatlichen Besserungsanstalten machen ihn nicht besser. Doch nachdem Verständnis und Sozialarbeit auf die jugendlichen Marodeure keine Wirkung zeigen, zieht der Staat auf einmal andere Saiten auf: Die sogenannte Ludovico-Methode soll aus Delinquenten Musterknaben machen. Und da möchte man nicht in Alex’ Haut stecken. Erst recht nicht, als er lammfromm wieder in die immer noch nicht so viel bessere Welt hinausgeschickt wird…

Nach «Romeo und Julia», «Der Streit» und «Kabale und Liebe» inszeniert David Bösch (geboren 1978) in Zürich seine Version des berühmten Romans von Anthony Burgess aus dem Jahr 1962. Das heftig diskutierte Thema «Jugendgewalt» erfährt auf der Bühne eine neue Ausdrucksform. Nachwuchsstar Bösch hat sich – in seiner formal frechen Art – immer wieder mit dem Erwachsenwerden und gescheiterten Sozialisationsprozessen befasst. In «A Clockwork Orange» arbeitet er u.a. mit den Schauspielern Jörg Pohl, André Meyer und Dominique Jann als die drei «Droogs». Für die Ausstattung verantwortlich zeichnet Patrick Bannwart, der zum ersten Mal am Schauspielhaus arbeitet. Die Musik schreibt und spielt Karsten Riedel («1979»). [© Schauspielhaus Zürich]

Info/Vorverkauf: +41 (0) 44 258 77 77 –
www.schauspielhaus.ch 

Zur Inszenierung der Landungsbrücken Frankfurt:

CLOCKWORK ORANGE
- Pop-Art Thriller -

Nach dem Roman von: Anthony Burgess
Bühnenfassung von: Julian König

Uraufführung: 21. September 06 (Frankfurt, Landungsbrücken)

Uraufführung/Premiere: 21. September 06


Regie und Text: Julian König
Mit: Sebastian Huther, Linus Koenig, Paddy Twinem, Daniel Höfner, Ariane Klüpfel, Sandra Lühr, Mario Krichbaum und Felix Graf
Musik: Jens Eichler
Bühnenbild und Kostüme: Sabine Eilers

Die Erlebnisse eines jungen Mannes, dessen Hauptbeschäftigungen das alte Rein-Raus-Spiel, Ultra-Brutale und Beethoven sind.

JC, JI und Georgie - die Droogs - prügeln, vergewaltigen und töten zum Zeitvertreib. Bis man mit Hilfe moderner Technik, der „Ludowico-Methode“, einen wahren Christen aus dem Anführer JC zu machen sucht. Doch zu welchem Preis? Die Therapie soll als Allheilmittel für eine kaputte Gesellschaft dienen, die immer mehr unter einer überhand nehmenden Verbrechensrate zu leiden hat, welche eben dieses Gesellschaftssystem hervorbringt. Der Staat und seine Institutionen unterscheiden sich in den angewandten Methoden dabei nur unwesentlich von denen der Jugendgangs.

Irritierend und schockierend, doch zugleich voll mit beißendem schwarzen Humor stellt „Clockwork Orange“ die Frage, ob es besser ist, den Menschen zum Gutsein zu konditionieren oder ihm die Freiheit zu lassen, böse zu sein: Der Mensch als friedliche Marionette oder selbstbestimmtes Ungeheuer.

Anthony Burgess’ Roman von 1962 ist heute aktueller denn je: Eine Generation von Jugendlichen, die auf der Suche nach dem eigenen Platz im Leben zunehmend außer Kontrolle gerät. Zeiten, in denen Gewalt nicht mehr schockiert, sondern als selbstverständliches Mittel der Kommunikation völlig desensibilisiert. Und eine Gesellschaft mit ihren vermeintlich moralischen Instanzen, die dem ganzen bunten Treiben verständnis- und hilflos gegenübersteht.

Stanley Kubrick schuf mit seiner filmischen Umsetzung der Romanvorlage 1971 ein kontrovers diskutiertes audio-visuelles Meisterwerk. Landungsbrücken Frankfurt unterläuft mit seiner Uraufführung von „Clockwork Orange“ in der Bühnenfassung von Julian König von vornherein sämtliche gängige Erwartungshaltungen an den Stoff. Der Text ist ausschließlich in Versen verfasst, was dem Geschehen eine verstörende Künstlichkeit gibt, die in ihrer Wirkung auf den Zuschauer umso schlagkräftiger ist.

Clybourne Park

Von:
Bruce Norris
Uraufführung: 21. Februar 2010 (New York, Playwrights Horizons)
Deutschsprachige Erstaufführung: 8. April 2011 (Mainz, Staatstheater Mainz)

Zur Inszenierung des Staatstheater Mainz:

Premiere:
8. April 11 (Deutschsprachige Erstaufführung)

Inszenierung: Matthias Fontheim
Bühne und Kostüme: Marc Thurow
Dramaturgie: Marie Rötzer

Besetzung:

Russ / Dan:
Marcus Mislin
Bev / Kathy: Nicole Kersten
Francine / Lena: Lara-Sophie Milagro
Jim / Tom / Kenneth: Lukas Piloty
Alber t/ Kevin: Toks Körner
Karl / Steve: André Willmund
Betsy / Lindsey: Johanna Paliatsou

Besprechung auf kulturfreak.de

406 Clybourne Street lautet die Adresse des schmucken Einfamilienhauses in einem gutbürgerlichen Vorort. In Bruce Norris’ tiefschwarzer Komödie wird es zum Auslöser erbitterter Nachbarschaftsstreitigkeiten.

„Clybourne Park“ erhielt im 2011 den Laurence Olivier Award als „Best New Play“. Der Preis wird jährlich von der Society of London Theatre als Anerkennung für Verdienste im britischen Theater verliehen. Im Jahr 2010 gewann das Stück außerdem in der Kategorie „Best Play“ den Evening Standard Award für herausragende Leistungen im Londoner Theater und einen der South Bank Sky Arts Awards in der Kategorie Theater.
In den USA wurde „Clybourne Park“ in der Kategorie „Best Play“ für den New York Drama Critics' Circle Award, dem zweitältesten Theater-Preis des Landes, nominiert.

1959: Ein weißes Ehepaar will nach dem tragischen Tod des Sohnes dem Familienheim und der alten Umgebung endgültig den Rücken kehren. Dass sie ihr Haus – zudem noch viel zu billig! – an eine farbige Familie verkauft haben, missfällt nicht nur den örtlichen Rotariern. Der soziale Niedergang der Gegend scheint vorprogrammiert. Hinter wohlformulierten Argumenten gegen den Verfall der Grundstückspreise und für den Erhalt des nachbarschaftlichen Gefüges lauert blanke Angst und kaum verschleierter Rassismus.

2009: dasselbe Haus. Die inzwischen gut durchmischte Gegend ist auf bestem Wege wieder zu einem „angesagten“ Viertel zu werden. Längst hat an der Ecke ein Bioladen eröffnet, und natürlich gibt es ein örtliches Komitee, das sich für eine „behutsame Renovierung der historischen Bausubstanz“ einsetzt. Als die Nachfahren der einstigen farbigen Besitzer das Haus an ein neureiches weißes Paar verkaufen, führen deren radikale Umbaupläne erneut zu heftigen Auseinandersetzungen.

Nach dem fulminanten Erfolg von „Reiz und Schmerz“, seiner bitterbösen Analyse bürgerlich-westlicher Doppelmoral, legt der amerikanische Schauspieler und Dramatiker Bruce Norris in „Clybourne Park“ den Finger wiederum exakt in die Wunde unserer vermeintlich so aufgeklärten und multikulturellen Gesellschaft. Hat sich in den vergangenen 50 Jahren wirklich etwas an unseren inneren Haltungen verändert?

Matthias Fontheim arbeitete als freier Regisseur u. a. an den Theatern in Freiburg, Kassel, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und Schauspielhaus Zürich. Am Niedersächsischen Staatsschauspiel Hannover war er als Regisseur und Leitungsmitglied engagiert, anschließend am Bayerischen Staatsschauspiel München. 2000 / 2001 übernahm er die Intendanz des Schauspielhauses Graz. Seit der Spielzeit 2006 / 2007 ist Matthias Fontheim Intendant des Staatstheaters Mainz. Dort brachte er von Bruce Norris bereits „Reiz und Schmerz“ als Deutschsprachige Erstaufführung auf die Bühne.

Bruce Norris, 1960 in Houston (Texas) geboren, ist ein amerikanischer Schauspieler und Autor. Seine Dramen, darunter „Reiz und Schmerz” (DSE von Matthias Fontheim 2009 am Staatstheater Mainz), verfasste er in enger Zusammenarbeit mit dem Steppenwolf Theater Chicago. Er erhielt für seine Texte bereits den „Whiting Foundation Prize for Drama“ (2006) sowie den „Steinberg Playwright Award“ (2009). Seinen Erfolg als Autor verdankt er vor allem dem Feingefühl für soziale und politische Themen, die er in bitterbösen Humor verpackt. „Clybourne Park“ wurde 2010 in New York uraufgeführt sowie mit überwältigendem Erfolg am Royal Court Theatre und am West End in London gezeigt. 2010 wurde „Clybourne Park“ mit dem „Evening Standard Award“ sowie 2011 mit dem „Laurence Olivier Award“ ausgezeichnet. [© Staatstheater Mainz]

Weitere Vorstellungen unter anderem am 12., 17., 26. und 30. April sowie am 4., 8. und 24. Mai, jeweils 19.30 Uhr, Kleines Haus

www.staatstheater-mainz.de

Clyde & Bonnie STILL ALIVER TOUR 2011
Von:
Holger Schober

Zur Inszenierung der Landungsbrücken Frankfurt:

Premiere: 22. Juni 11

Inszenierung: Thomas Klischke
Text: Holger Schober
Bühne und Kostüme: Heike Mondschein

Mit: Carsten Stier & Christine Knispel

produktion: möööp theater produktionen

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Clyde & Bonnie STILL ALIVER TOUR 2011
Landungsbrücken Frankfurt
Carsten Stier & Christine Knispel
Foto: Landungsbrücken Frankfurt

Bonnie und Werner, zwei junge Außenseiter, ziehen wie Rockstars als Clyde & Bonnie durchs Land. Sie haben Geschichten im Gepäck; Geschichten aus ihrer schwierigen Kindheit, der Orientierungslosigkeit der Teenagertage und die Geschichte ihrer eigenen ganz großen Liebe in Zeiten einer sozial wie materiell verarmenden Gesellschaft. Die historischen Vorbilder Bonnie Elisabeth Parker und Clyde Barrow aus der amerikanischen Depressionszeit streifen sie dabei nur im Ansatz. Vielmehr gefallen sie sich im Zitieren verschiedener Gestalten aus dem bekannten Medienzirkus und verstehen dieses Spiel mit Rollen als Suche nach der eigenen Identität.
In ihrer Personality-Show erzählen die beiden von ihren Sehnsüchten, Verlusten und Lebensentwürfen. Sie berühren mit ihren Geschichten exemplarisch die Probleme unserer Gesellschaft. Dazu gehören die hohe Arbeitslosenquote und die damit aufkommende Perspektivlosigkeit vieler Jugendlicher in der Bundesrepublik. Der Umgang mit dem Hartz IV -Phänomen. Gewalt in der Jugendzeit. Dem Umgang mit dem Gefühl, anders zu sein und nicht in die Gesellschaft zu passen. Bonnie Strauss und Clyde Werner ahmen nicht nur das Bankräuberpaar nach, sondern reflektieren darüber hinaus auf witzige, provozierende und berührende Art und Weise über das Geldsystem, Verbrechertum und Gerechtigkeit.
Die Inszenierung gibt ein Abbild der heutigen medial geprägten Welt. In schnellem Wechsel reihen sich Dialoge, Monologe, Vorträge, Moderationen, Maskenspiele, Bild- und Ton -Clips, sinnliche Momente und epische Spielweisen aneinander. Filme, Songs und das Fernsehprogramm werden in der Show zitiert, kommentiert und persifliert.
Bereits beim Einlass beginnt für den Zuschauer ein Spiel mit der Wirklichkeit. Das Einlasspersonal entpuppt sich als Clyde & Bonnie höchstselbst, macht das an einen Bildschirm erinnernde Bühnenportal zur Showbühne und erweitert die Spielfläche auf den Zuschauerraum. Dadurch verwischen sich stetig die Grenzen zwischen Spiel und Wirklichkeit.
Auf ihrer „Clyde & Bonnie - still alive tour 2011“ bieten Werner und Bonnie eine Show, die unterhält und provoziert, das Zwerchfell beschäftigt, aber auch die grauen Zellen. Das Tempo der Inszenierung ist hoch. Es zwingt den Zuschauer die Arbeit des Denkens außerhalb des Theaters fortzuführen. Nachdenken über Alltag und Geschichte, über Politik und die Verantwortung, die jeder selbst für die Gesellschaft trägt. [© Landungsbrücken]


Weitere Aufführungen: 23.06./24.06., jeweils 20 Uhr

www.landungsbruecken.org

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