Theater, Stückeinfos: A
 

Abgesoffen (Ahogados)

Nach dem Roman von: Carlos Eugenio López
Deutsch von: Susanna Mende
Urauffühurng:  6. Oktober 09 (Frankfurt/M, Schauspiel Frankfurt)

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere:
6. Oktober 09 (Box; Uraufführung)

Regie: Antú Romero Nunes
Bühne, Musik, Video: Johannes Hofmann
Dramaturgie: Sibylle Baschung


Mit: Nils Kahnwald und Oliver Kraushaar

Besprechung auf kulturfreak.de

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Abgesoffen
Schauspiel Frankfurt
Nils Kahnwald und Oliver Kraushaar
Foto:
Alexander Paul Englert

Ist das Universum eigentlich unendlich oder nur unmessbar groß? Und wenn es nicht unendlich ist, was kommt dort, wo es zu Ende ist? Und wozu ist eigentlich Masturbation gut ? Diese und noch andere Fragen treiben die zwei Männer um, die mit ihrem Wagen nachts durch die Weite der spanischen Mancha eilen. Immer auf das Meer zu. Philosophen sind sie, die die großen Fragen noch mal ganz von vorn aufrollen. Hin und wieder kommen sie ein wenig aus der Spur, durch Überlegungen wie: Welche Augenfarbe hatte eigentlich der Mann, der jetzt im Kofferraum des Wagens liegt? Ist das bei Afrikanern immer braun? Und kutschieren sie seine Leiche nur des Geldes wegen durch die Mancha oder tun sie es für das Gemeinwohl?

»Abgesoffen« ist ein, vollständig als Dialog geschriebener, tief schwarzer Roman des spanischen Autors Carlos Eugenio López. Ätzende Gesellschaftskritik paart er mit den Grundfragen des Seins. López wurde 1954 in Leon, in Spanien, geboren, er veröffentlichte preisgekrönte Romane und Gedichtbände und lebt heute in London.

Zum Regisseur
Antú Romero Nunes wird 1983 in Tübingen als Sohn eines portugiesischen Vaters und einer chilenischen Mutter geboren. Nach ersten Theatererfahrungen als Regisseur und Schauspieler am Theater Lindenhof in Tübingen und den Freilichtspielen Schwäbisch Hall, assistiert er beim Film und im Theater in Chile. 2005 beginnt er sein Studium an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin, das er 2009 mit seiner Diplominszenierung „Die Geisterseher“ nach Friedrich Schiller am Maxim Gorki Theater Berlin erfolgreich beendet. In dieser Zeit entstehen außerdem Arbeiten am bat, am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin und am Düsseldorfer Schauspielhaus. Seine Inszenierung „Don’t wanna die watching Spiderman 3“ wird zu Festivals und Gastspielen nach Straßbourg, Lyon, Montpellier und Paris sowie zum Heidelberger Stückemarkt ins „Forum Junge Regie“ eingeladen.
In der Spielzeit 2009/2010 inszeniert Antú Romero Nunes neben seiner Arbeit am Schauspiel Frankfurt, in der Gaußstrasse des Thalia Theaters Hamburg, am Maxim Gorki Theater Berlin sowie am Theater Essen.

[© Schauspiel Frankfurt]

www.schauspielfrankfurt.de

Die Abschaffung der Arten
Nach dem Roman von: Dietmar Dath

Uraufführung der Bühnenfassung von Kevin Rittberger: 8. November 2009 (Berlin, Deutsches Theater [Box])
Uraufführung der Bühnenfassung on Martin Oelbermann: 30. April 10 (Mainz, Staatstheater Mainz)

Zur Inszenierung des Centraltheater Leipzig:

Premiere:
7. Mai 10 (Skala)

Regie: Martin Laberenz
Konzeptioneller Mitarbeiter: Christoph Wirth
Bühne: Oliver Helf
Kostüme: Aino Laberenz
Video: Matthias Petzold
Dramaturgie: Johannes Kirsten

Mit: Manolo Bertling, Anna Blomeier, Sebastian Grünewald, Guido Lambrecht, Melanie Schmidli, David Simon, Anita Vulesica

„Die Kinder von Dimitri und Lasara hatten schließlich eine andere Aufgabe gefunden als die, von der sie geglaubt hatten, dass ihr ganzer Weg sie darauf vorbereitet hatte. Sie mussten nicht Kundschafter sein, es würde zu keinem Krieg kommen, so kleinlich war die Geschichte nach der Geschichte gar nicht. Die Zweifel der Zukunft richteten sich auf Interessanteres als das nackte Überleben.“ In einer Zeit nach unserer Zeit der Langeweile, wie es heißt: Die Welt gehört den Gente, einer neuen Spezies, Tiermenschen, eine Folge von Biopolitik und -technik. Wo einst Europa war, liegen drei riesige labyrinthische Städte.Der Löwe Cyrus Golden ist der Lenker der Gemeinschaft von Gente, die die Städte bevölkert. Eine neue Art bedroht diese Welt – Keramikaner, Wesen ganz neuer Ordnung. Was bleibt, ist die Emigration in die Weiten des Weltraums, hin zur Venus, hin zum Mars. Als sich auf der Erde nichts mehr regt, schlüpfen zwei Nachkommen: Feuer und Padmasambhava. Am Ende, das vielleicht gar kein Ende ist, wird klar, dass alles bisher Geschehene nebeneinander existierte und weiter existiert. Kein Nacheinander, sondern ein Ineinander, Geschichte und Geschichten wiederholen sich … So ist „Die Abschaffung der Arten“ auch die Geschichte des Wolfes Dimitri, der von Cyrus Golden als Diplomat auf Reisen geschickt wird, um Verbündete gegen den immer mehr erstarkenden Gegner und die neue Gesellschaft zu suchen. Eine Geschichte ganz in der Tradition der großen utopischen Gesellschaftsentwürfe, die Antworten auf die Frage sucht, „warum den Menschen passiert ist, was ihnen passiert ist“. [© Centraltheater Leipzig]

www.schauspiel-leipzig.de

Zur Inszenierung des Staatstheater Mainz:

Premiere:
30. April 10 (Uraufführung; Kleines Haus)

Inszenierung: Martin Oelbermann
Bühne und Kostüme: Marc Thurow

Erzähler 1, Katahomenduende, Dmitri, Zagreus: Tim Breyvogel
Erzähler 2, Cordula Späth: Verena Bukal
Erzähler 3, Stanz, Katahomencopiava, Junger Freund mit Fell, Schütz: Jan-Philip Frank
Erzähler 4, Philomena, Elektrizitas Pulsipher, Wempes, Pyretta: Lisa Mies
Erzähler 5, Livienda, Izquierda, Lasara, St. Oswald: Johanna Paliatsou
Erzähler 6, Padmasambhava: Pascale Pfeuti
Erzähler 7, Feuer: Felix Mühlen
Erzähler 8, Ryu von Schnaub – Villalila: Lukas Piloty
Erzähler 9, Cyrus Iemelian Golden, Ältester Freund mit Fell, Aristoi, Preisnitel: Gregor Trakis

Mit seinem Roman will der erklärte Utopist Dietmar Dath die Welt verändern. Und das mit Hilfe von Tieren. Die Erzählung beginnt paradoxerweise mit dem Ende der Welt und dem Untergang der Menschheit. Die Welt gehört jetzt den Tieren. Dachse, Raben, Laufschweine, der Wolf und ein Luchs, aber auch Fledermaus und Libelle haben die Macht übernommen. König ist der Löwe Cyrus Golden. Diese neu geschaffene Tierwelt befindet sich im alten Europa, wo es nur noch drei letzte Menschenstädte gibt. Doch auch das Reich der Tiere erfährt Bedrohung durch den Angriff einer fremden Macht. So schickt der König den Wolf Dimitri nach Amerika, um als Diplomat Hilfe für sein Reich zu erbitten und Verbündete zu suchen. Die Suche führt ihn bis an den Rand der Welt, wo er erkennt, „warum den Menschen passiert ist, was ihnen passiert ist“. Dietmar Dath schreibt poetisch und mutig die Zukunft voraus. Er schreibt für das kommende posthumanistische Zeitalter und gibt uns Weltverbesserungsmöglichkeiten zur Hand. Und dazu noch die Löwen-Lehre: „Lebt, als ob ihr auf einer neuen Erde lebtet, die einen neuen Himmel vorhat.“
Martin Oelbermann wird die abenteuerliche Fabel mit Hilfe von Musikern, Tänzern und Schauspielern auf die Bühne bringen.

Dietmar Dath, geboren 1970, ist einer der außergewöhnlichsten jungen deutschen Schriftsteller. Mit seinen poetischen Texten, die gesellschaftliche und popkulturelle Themen, linke politische Ideen und übertriebene fantastische und Horror-Elemente vereinen, polarisiert er die Literaturwelt. Von 1998 bis 2000 war er Chefredakteur der Zeitschrift „Spex“, von 2001 bis 2007 Redakteur der FAZ. Bisher veröffentlichte er zehn Romane, Essaybände, Erzählungen und einige Sachbücher. Er unterwandert, überfliegt und durchkreuzt darin Gattungs- und Vorstellungsgrenzen. 2008 wurde Dath mit dem Förderpreis zum Lessing-Preis für Kritik ausgezeichnet. Im selben Jahr wurde „Die Abschaffung der Arten“ für den Deutschen Buchpreis nominiert.

Martin Oelbermann wurde beim NRW-Theatertreffen 2003 für seine Uraufführungsinszenierung von Elfriede Jelineks Roman „Die Liebhaberinnen“ am Düsseldorfer Schauspielhaus ausgezeichnet. Er arbeitete außerdem am Staatsschauspiel Dresden, am Schauspielhaus Graz, am Volkstheater Wien und am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Am Staatstheater Mainz inszenierte er die Uraufführungen „Tristan und Isolde“ (2007) und „Die Ilias“ nach Homer (2009).     [© Staatstheater Mainz]

www.staatstheater-mainz.de

Alkestis
Von: Euripides

Zur Inszenierung des Schauspielhaus Zürich:

Premiere:
Samstag, 6. Februar 10 (Pfauen)

Regie: Karin Henkel
Bühnen: Henrike Engel
Kostüme: Klaus Bruns
Licht: Ginster Eheberg
Choreographie: Anna Tenta
Dramaturgie: Katja Hagedorn

Mit:
Gabor Biedermann
Ludwig Boettger
Carolin Conrad
Jean-Pierre Cornu
Markus Scheumann
Tatja Seibt

In seiner ALKESTIS führt Euripides – schwankend zwischen Tragödie und Komödie - den menschlichen Traum von der Kontrolle über den Tod ad absurdum. Das früheste der Euripideischen Dramen (uraufgeführt 438 v. Chr.) wird ab dem 6. Februar in einer Inszenierung von Karin Henkel im Pfauen zu sehen sein.

Was wäre, wenn sich der Tod delegieren liesse? Admet, König von Thessalien, erhält von den Göttern diese Möglichkeit: Findet er einen Menschen, der für ihn zu sterben bereit ist, muss er nicht in den Tod gehen. Doch in Admets Verwandtschaft will niemand das Opfer bringen; selbst die alten Eltern, die auf ein erfülltes Leben zurückblicken können, wollen nicht für den Sohn sterben. Nur Admets noch junge Frau Alkestis ist zum stellvertretenden Tod bereit.
Jahre später aber, als Alkestis ihr Versprechen einlösen muss, steht sie ihrem Mann in der Stunde ihres Todes entfremdet gegenüber. Und auch Admet wird nicht mehr glücklich. Gerade weil er dem Tod ausgewichen ist, ist dieser nun umso präsenter – in den Erinnerungen an seine tote Frau, in den ausgesprochenen und unausgesprochenen Vorwürfen der Mitmenschen, in seinen Selbstmordgedanken. Was wäre also, wenn man dem Tod noch einmal ein Schnippchen schlagen und die Tote wieder zu den Lebenden zurückkehren könnte?

Euripides gilt als der Zweifler unter den antiken Tragikern, in dessen Dramen der Glaube an das göttliche Walten ins Wanken gerät und die Pathologien der menschlichen Seele ins Zentrum treten. Auch im Drama ALKESTIS stellt er bohrende Fragen nach der Beherrschbarkeit des Todes, der auch im 21. Jahrhundert noch als schicksalshaft erlebt wird.
Alkestis stirbt aus Liebe zu Admet, doch macht das stellvertretende Sterben Sinn? Der Verlust seiner Frau schmerzt Admet so sehr, dass er selber sterben will. Seinen alten Eltern wirft er vor, den Tod Alkestis‘ zugelassen zu haben, wird aber von seinem Vater als Mörder seiner Frau beschimpft: Admet, so der Vater, hätte das Opfer nie annehmen dürfen. „Alle Menschen müssen sterben,/und keinen Sterblichen gibt’s, der sicher weiss,/ob er am nächsten Tag noch leben wird“, sagt Herakles, der gegen Ende Hoffnung in das Geschehen bringt und gleichzeitig die Sinnlosigkeit des Versuchs artikuliert, über den Tod bestimmen zu wollen.

Karin Henkel, geboren 1970 in Köln, inszenierte schon 1993 am Wiener Burgtheater. Es folgten Inszenierungen u.a. am Thalia Theater Hamburg, an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin, am Schauspielhaus Bochum, am Schauspielhaus Zürich („Woyzeck“ 1999, „Das weite Land“ 2004), am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg und am Deutschen Theater Berlin. Ihre Stuttgarter Inszenierung „Platonow“ wurde zum Theatertreffen 2006 nach Berlin eingeladen. Nach „Medea“ (Deutsches Schauspielhaus in Hamburg) und „Iphigenie“ (Schauspiel Köln) beschäftigt sie sich mit „Alkestis“ zum dritten Mal mit einem antiken Stoff. [© Schauspielhaus Zürich]

Weitere Vorstellungen im Pfauen: 9./ 10./ 20./ 24./ 25. Februar, jeweils 20 Uhr; 14./ 21. Februar, jeweils 15 Uhr
weitere Vorstellungen im März und April 2010 sind in Planung.

www.schauspielhaus.ch

Alles Astro

Von:
Frank-Lorenz Engel
Uraufführung: 18. Mai 2009 (Berlin, Komödie am Kurfürstendamm)

Zur Inszenierung der Berliner Komödie am Kurfürstendamm:

Premiere:
18. Mai 09 (Uraufführung)

Regie: Frank-Lorenz Engel,
Ausstattung: Julia Hattstein

Mit: Edith Hancke, Klaus Sonnenschein, Astrid Kohrs, Sylvia Wintergrün, Oliver Dupont

AllesAstro_KomödieKurfürstendamm_©JürgenGrünholz__mitSonne
Alles Astro
Komödie am Kurfürstendamm
Charlotte (Edith Hancke) blickt als Astrologin in die Zukunft,
während ihr Mann (Klaus Sonnenschein) als erfolgreicher Astronom mit dieser Kunst wenig anfangen kann.
Foto: Thomas Grünholz

Lothar ist ein angesehener Professor für Astronomie. Für übersinnliche Dinge hat er nichts übrig. Seine Frau Charlotte hat also gute Gründe, ihre gutgehende Astrologiepraxis vor ihm zu verheimlichen. Doch durch einen Zufall kommt Lothars Assistent hinter Charlottes Geheimnis. Er verspricht ihr, sie nicht zu verraten und bittet sie wegen seiner Eheprobleme um astrologische Hilfe. Sie lässt sich von ihm dazu überreden, ein Liebeselixier für seine Frau Isabelle zu mischen, um seine Ehe aufzufrischen. Bei einem gemeinsamen Abendessen der beiden Paare kommt die Liebesdroge zum Einsatz: Sie wirkt tatsächlich, aber leider anders als geplant. Dies hat für alle ungeahnte Folgen ...

„Alles Astro“ nimmt die Esoterik mit all ihren Auswüchsen auf die Schippe und spielt mit dem Gegensatz von Wissenschaft und Spiritualität.
Ein augenzwinkernder Beitrag der Komödie am Kurfürstendamm zum „Internationalen Jahr der Astronomie 2009“.

Astronomie und Astrologie
Meyers großes Taschenlexikon von 1995 definiert die beiden Begriffe folgendermaßen: Der Begriff „Astrologie“ kommt aus dem griechischen und steht für Sternendeutung. Es ist „der Versuch, das Geschehen auf der Erde und das Schicksal des Menschen aus bestimmten Konstellationen der Gestirne zu deuten und vorherzusagen. Die Astrologie geht dabei von der Überzeugung aus, daß zwischen der Sternenwelt und irdischen Vorgängen (insbesondere die menschliche Existenz) eine erfaßbare geregelte und damit prognostizierbare Beziehung besteht.“
„Astronomie“, griechisch für Stern-, Himmelskunde, ist „die Wissenschaft, die sich mit der Erforschung des Universums befaßt, das heißt mit der kosmischen Materie, ihrer Verteilung und Bewegung, ihrem physikalischem Zustand sowie ihrer Entstehung und Entwicklung, aber auch der Struktur der Welt als Ganzem. Grundlage ist die Analyse der aus dem Kosmos ankommenden elektromagnetischen Strahlung und der Korpuskelstrahlung (kosmische Strahlung).“

Gibt man in der Suchmaschine Google den Suchbegriff „Unterschied Astrologie und Astronomie“ ein, erhält man fast 100.000 Treffer. Bei Yahoo!Clever erklärt jemand den Unterschied folgendermaßen: „Die Astrologie ist Schmarrn. Sie beschäftigt sich mit ... Horoskopen. Das Wort kommt vom Griechischen und bedeutet wortwörtlich Sternenkunde ´Stern, Gestirn´ und ´Rede, Begriff, Lehre´. Die Astronomie – auch griechischer Herkunft, ist die Wissenschaft über die Sterne, ohne vorherzusagen, ob der Ehemann Seitensprung gemacht hat oder die EC-Karte in dem Automaten am übernächsten Mittwoch vergessen bleibt, ...“

Sicherlich kann man sich darüber streiten, ob Astrologie praktische Lebenshilfe oder „Schmarrn“ ist. Bestimmt bedeutet sie jedoch mittlerweile für viele einen angenehmen Geldsegen, schaut man sich die zahlreichen Telefonhotlines von Questico bis Vistano an, die „ganzheitliche“ oder „liebevolle kompetente Lebensberatung“, manchmal auch „wertvolle Lebenshilfe“ versprechen: mithilfe von Astrologie und Horoskopen, Tarot und Kartenlegen, Hellsehen und Wahrsagen. Angeboten werden auch Engelkontakte und Kaffeesatzlesen. Die Beratungsminute kostet zwischen 0.70 € und 2.90 €. Beraten wird dabei häufig in Liebesdingen. Im Zentrum stehen Fragen wie: „Ist er der richtige?“, „Was bringt mir die Zukunft?“, „Wie stehen meine Sterne?“

Die erfolgreiche Astrologin: Edith Hancke
Drei Wochen nachdem sie bei der Abschlussprüfung „wegen Talentlosigkeit" durchgefallen war, bekam sie ihre erste Filmrolle als Adelheid in Gerhard Hauptmanns “Biberpelz“. Die erste Theaterrolle war die Hedwig in Ibsens „Wildente“ am Berliner Renaissance Theater. Darauf folgte ein Gastspiel an den Kammerspielen des Deutschen Theaters. Während ihrer zweijährigen Mitgliedschaft beim Kabarett „Stachelschweine“ begann sie parallel für das Fernsehen zu arbeiten. Aber es zog sie doch immer wieder ans Theater: auf Schiller-, Schlosspark- und Hansa-Theater folgten ab 1970 mit Bert Brechts „Happy End“ 20 Jahre Tribüne mit ihrem Schauspiel- und Regiekollegen und Ehemann Klaus Sonnenschein. 1993 spielte sie am Kurfürstendamm in der Uraufführung „Keine Ehe nach Maß“ von Curth Flatow. Danach wurden die Häuser am Kurfürstendamm ihre künstlerische Heimat. Zuletzt überzeugte sie hier als verschrobene Schriftstellerin in „Pension Schöller“. Hancke wurde von den Berliner Zuschauern bereits zwölf Mal mit dem Publikumspreis „Goldener Vorhang“ geehrt.

Der erfolgreiche Professor der Astronomie: Klaus Sonnenschein
Nach Theaterstationen in Konstanz und Bochum folgten Engagements in Berlin, davon allein sechs Jahre an der Schaubühne. 1970 spielte er zusammen mit Edith Hancke Bert Brechts „Happy End“ an der Berliner Tribüne. Anschließend übernahm er die Direktion des Hauses und heiratete seine Bühnenpartnerin. Das Ehepaar Hancke-Sonnenschein spielte unter seiner Regie 20 Jahre lang an der Tribüne Berliner Volkstheater. Erfolgs-Volksstücke von Curth Flatow und Horst Pillau, wie „Das Fenster zum Flur“ wurden zum Markenzeichen des Hauses.
Für seine Leistung in „Hochzeit bei Zickenschulze“ am Volkstheater Hansa erhielt Klaus Sonnenschein 1998 den „Goldenen Vorhang“ des Berliner Theaterclubs.
Für die Komödie „Herbstzeitlose“ in der Komödie am Kurfürstendamm, in der er gemeinsam mit seiner Frau Edith Hancke auf der Bühne stand, bekamen die beiden den „Goldenen Vorhang“ des Berliner Theaterclubs. 2008 trat er als Großwildjäger in „Pension Schöller“ auf.

Die ehrgeizige Journalistin: Astrid Kohrs
Ab 1988 spielte Astrid Kohrs am Schiller Theater Berlin, wo sie mit Regisseuren wie Harald Clemen und Jérôme Savary arbeitete. Sie war in Wien, am Schönbrunner Schlosstheater sowie in Schwedt an der Oder engagiert, bevor Martin Woelffer sie an sein magazintheater holte, wo sie das „kunstseidene Mädchen“ war und in vielen weiteren seiner Inszenierungen auftrat.
An der Seite von Jürgen von der Lippe war sie in der Comedy Serie „Der Heiland auf dem Eiland“ zu sehen. In „Allein unter Bauern“ stand sie als Wirtin vor der Kamera.
Zuletzt war sie mit Claude-Oliver Rudolph auf Tournee und spielte an seiner Seite die Gelsomina in Fellinis „La Strada“.

Der vielversprechende Astronomie-Professor: Oliver Dupont
... war bereits in diversen Komödien und Stücken auf Bühnen in Duisburg, Bochum, Wuppertal und Bonn zu sehen.
Zahlreiche Rollen in erfolgreichen TV-Reihen und Serien wie „Die Anrheiner“, „Mensch Markus“, „Weibsbilder“, „Soko Köln“, „Deutschland ist schön“ (SAT.1, 2008 nominiert für den Grimme-Preis), „Drei, ein Viertel“ sowie die Sketch-Comedy „Mannsbilder“ (SAT.1) machten ihn dem Fernsehpublikum bekannt.
Zuschauer, die „Die 39 Stufen“ am Kurfürstendamm gesehen haben, erinnern sich auf jeden Fall an ihn und haben schon Tränen über ihn gelacht: Gemeinsam mit seinem Kollegen Alexis Kara bildet er das wandlungsfähige ungemein komische Duo, das neben Ingolf Lück und Nicola Ransom auf der Bühne steht.

Operndiva mit Beratungsbedarf: Sylvia Wintergrün
Unter der Intendanz von Helmut Baumann gehörte Sylvia Wintergrün zum Stammensemble des Theater des Westens und spielte sich in die Herzen des Publikums: „La cage aux Folles“, „Sweet Charity“, „Kurt Weill Revue“, „UFA-Revue“ und „My Fair Lady“ sind nur einige der vielen Produktionen, an denen sie beteiligt war.
Danach spielte sie am Friedrichstadtpalast, im Wintergarten Varieté, am Schlosspark Theater, der Komödie Winterhuder Fährhaus und der Komödie Dresden.
Im vergangenen Jahr begeisterte sie Publikum und Kritiker gleichermaßen mit der Darstellung einer abgelegten Chefgeliebten sowie einer übriggebliebenen Partybraut in Helmut Baumanns Inszenierung des Musicals „Das Apartment“. „Der Tagesspiegel“ lobte damals: „ ... sie hat nur zwei Minirollen, aber sie formt sowohl die zynische Sekretärin (...) als auch (...) Marge mit wenigen, schrill-stimmig servierten Sätzen zu Menschen aus Fleisch und Wut, die einem verdammt bekannt vorkommen.“


Regisseur und Autor: Frank-Lorenz Engel
... ist nicht nur Regisseur, sondern auch Schauspieler. Er spielte unter anderem am Theater am Kurfürstendamm, der Freien Volksbühne und am Maxim Gorki Theater. 1991 begann er zu inszenieren: Er arbeitete u. a. am Renaissance Theater, der Tribüne, der Freien Volksbühne, der Komödie Winterhuder Fährhaus, dem Maxim Gorki Theater, am Altonaer Theater in Hamburg und der Komödie Winterhuder Fährhaus. Weitere Stationen sind München, Kiel und Rostock. 2007 erhielt Frank-Lorenz Engel den „INTHEGA-Preis“ für die beste Inszenierung Musiktheater für das Musical „Sister Soul".
Am Kurfürstendamm inszenierte Frank-Lorenz Engel zuletzt „Herbstzeitlose“ – ebenfalls mit Edith Hancke und Klaus Sonnenschein. [©Komödie am Kurfürstendamm]

Karten 030/88 59 11 88 und unter
www.komoedie-berlin.de

Das andalusische Mirakel - Ein Pingel auf Reisen

Von:
Lars Albaum und Dietmar Jacobs

Zur Inszenierung des Berliner Theater am Kurfürstendamm:

Das Theater am Kurfürstendamm zeigt eine Produktion des Contra-Kreis Theaters, Bonn.

Premiere: 23. Juli 06
auf dem Spielplan bis 24. September 06
(Voraufführungen: 20.bis 23. Juli 2006)

Regie: Horst Johanning
Bühne: Pit Fischer
Kostüme: Brigitt Fellermann

mit:
Jochen Busse, Kerstin Radt, Monica Kaufmann, Florian Kogan, Francisco Rodriguez

Hubertus Heppelmann (Jochen Busse) will die Scheidung – der stocksteife Grantler reist nach Spanien, um dort mit seinem Anwalt die Details durchzusprechen. Irgendwo im Niemandsland, in dem kleinen Dorf San Miguel, bleibt sein Auto liegen und der ewige Nörgler muss sich in das letzte freie Zimmer eines winzigen Hotels einmieten. Zugleich trifft jedoch die junge, lebenslustige Nelli (Kerstin Radt) ein und die beiden müssen sich wohl oder übel das bescheidene Zimmer teilen. Als die zwei im wahrsten Sinne des Wortes aneinander geraten, geschieht das Unglaubliche: Nellis Seele saust in Heppelmanns Körper und umgekehrt. Während der geschäftstüchtige Kellner des Hotels (Francisco Rodriguez) bereits die Vermarktung des Unglücks als „andalusisches Wunder“ anvisiert, vergeht Ehegattin Edelgard (Monica Kaufmann) und Nellis Freund Benny (Florian Kogan) angesichts dieses grotesken Rollentauschs gehörig das Lachen.
Ein schnelles, intelligentes und urkomisches Theaterstück aus der Feder des Autorenteams Dietmar Jacobs und Lars Albaum, das schon das Vorgängerstück „Einmal nicht aufgepasst“ für Jochen Busse geschrieben hat. Hiermit gastierte das Allroundtalent bereits vor zwei Jahren erfolgreich am Kurfürstendamm.

Das andalusische Mirakel
Theater am Kurfürstendamm, Berlin
Zicken haben´s auch nicht leicht
Jochen Busse als Hubertus Heppelmann
Foto: Thomas Grünholz

Der Hauptdarsteller Jochen Busse
Spätestens mit dem Erfolg seiner Comedy-Reihe „7 Tage – 7 Köpfe“, für die er und sein Team 1998 neben dem Goldenen Löwen auch den Bambi erhielten, steht fest, dass Jochen Busse zu den Größten der deutschen Comedy-Szene zu zählen ist. Als Kabarettist der Münchner „Lach- und Schießgesellschaft“ hatte er seinen kritisch-bissigen Humor viele Jahre zuvor längst unter Beweis gestellt. Einen Namen hat er sich darüber hinaus als Fernsehschauspieler in zahlreichen Serien („Das Amt“, „Drei Mann im Bett“, „Die Hinterbänkler“) und Bühnendarsteller gemacht. Liebhaber des Boulevard-Theaters werden sich gern an die Figur des Engelbert in „Einmal nicht aufgepasst“ erinnern, die er in der Spielzeit 2003/2004 im Theater am Kurfürstendamm zum besten gab. Seit April diesen Jahres ist er als Moderator des neuen Sat1 Comedy-Talks „Der heiße Brei“ zu sehen sein. Eine große deutsche Tageszeitung beschrieb das „Phänomen“ Busse einmal so:
„Er hat eine so unglaubliche Coolness, dass selbst die flachste Pointe hochgeht wie eine Rakete. Sein unvergleichlicher Sarkasmus macht auch den seichtesten Text trittfest. Und seine Aura strahlt derart bannend, dass man gar nicht anders kann als hinstarren auf die Bühne.“

Seine Partnerin Kerstin Radt
wurde in Venezuela geboren, verbrachte ihre Kindheit in Ecuador und zog im Alter von zwölf Jahren mit ihren Eltern nach Deutschland. Von 1999 bis 2002 spielte sie die Isabella Santos in „Verbotene Liebe“. Es folgten verschiedene TV-Produktionen wie „Für alle Fälle Stefanie“, „Rosenheim Cops“ und „St. Angela“. Außerdem moderierte sie „The Dome“. Mit der Rolle der Nelli gibt Kerstin Radt ihr Theaterdebüt, besteht ihre Feuertaufe glänzend und zeigt ihr beeindruckend komisches Talent.

Die Autoren Dietmar Jacobs und Lars Albaum
Das Autorenteam Jacobs/Albaum ist längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Nachdem die zwei bereits 2005 für den Adolf-Grimme-Preis und den Deutschen Fernsehpreis nominiert waren, erhielten sie in diesem Jahr den begehrten Adolf-Grimme-Preis in der Kategorie Serien und Mehrteiler für das Drehbuch zu „Stromberg“. Vorher waren sie schon mit Vorlagen zu den Comedy-Serien „Das Amt“ und „Die Hinterbänkler“ aufgefallen, die sie gemeinsam erarbeitet hatten. Hier wurde Jochen Busse auf die beiden aufmerksam, denn er spielte jeweils die Hauptrolle. Daraufhin bat er sie, für ihn ein Theaterstück zu schreiben. So entstand die Komödie „Einmal nicht aufgepasst“, die am 6. März 2003 im Bonner Contra-Kreis-Theater uraufgeführt wurde und seitdem über 350 Mal an verschiedenen deutschen Bühnen gespielt wurde, darunter auch im Theater am Kurfürstendamm in Berlin.

© Texte: Theater am Kurfürstendamm
 

Antigone
Tragödie
Von: Sophokles
Uraufführung: etwa 442 v.Chr. (Athen)

Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:

Premiere:
1. Oktober 09
In der Übersetzung von Ernst Buschor; gemeinsam mit dem Stück “
Ödipus

      Aufführungen bei den Antikenfestspiele 2010:

      Premiere:
      26. Juni 2010 im Amphitheater Trier
      Weitere Termine: 27. Juni, 3. und 4. Juli 2010 (Beginn: 20.00 Uhr)
      www.antikenfestspiele.de

Regie: Michael Thalheimer
Bühne: Olaf Altmann
Kostüme: Katrin Lea Tag
Musik: Bert Wrede
Chorleitung: Marcus Crome
Licht: Johann Delaere
Dramaturgie: Sibylle Baschung


Besetzung:
Antigone:
Constanze Becker
Ismene: Bettina Hoppe
Kreon: Marc Oliver Schulze
Wächter der Leiche des Polyneikes: Oliver Kraushaar
Haimon: Isaak Dentler
Teiresias: Michael Benthin
Bote: Michael Abendroth
Eurydike: Susanne Buchenberger

Chor, Statisterie

Mit der antiken Tragödie fängt alles an. In seinen beiden großen Dramen, »König Ödipus« und »Antigone«, bringt Sophokles – wie kaum ein Dichter nach ihm – philosophische und ethische Menschheitsfragen auf die Bühne, deren Dringlichkeit durch die Jahrhunderte noch zuzunehmen scheint. Dabei sind beide Stücke Teil einer Familiengeschichte: Ödipus, der unglückliche Herrscher Thebens, verfällt demselben Fluch wie seine Tochter Antigone: Schuldlos schuldig müssen beide untergehen. Nach einem Worte Sigmund Freuds der erste der modernen Menschen, ist Ödipus verdammt zur Selbsterkenntnis, welche er in gnadenlosem Ringen mit sich selbst zu Tage fördert. Antigone sucht das Duell mit Thebens König, ihrem Onkel Kreon, um das sittliche Gesetz einzuklagen. König Kreon stellt die Staatsräson dagegen, der Zusammenprall vernichtet beide.

Michael Thalheimer bringt zur Eröffnung der Saison am Schauspiel Frankfurt beide Tragödien in einem Doppelprojekt auf die Bühne: »Ödipus / Antigone« an einem Abend. Später können beide Teile auch an verschiedenen Abenden angesehen werden. Der Regisseur Michael Thalheimer, geboren in Münster bei Frankfurt am Main, zählt zu den prägenden Regisseuren seiner Generation. Er begann als Schauspieler und Regisseur am Theater Chemnitz. Später inszenierte er u.a. in Leipzig, Dresden, Stockholm, seit 2000 vorwiegend am Hamburger Thalia Theater und am Deutschen Theater Berlin. Hier zählten »Die Orestie«, Goethes »Faust« und auch »Die Ratten« zu seinen großen Erfolgen. Sechs von seinen Inszenierungen wurden zum Theatertreffen in Berlin eingeladen.

Besprechung auf kulturfreak.de

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Antigone
Schauspiel Frankfurt
v.l.n.r. Bote (Michael Abendroth), Eurydike (Susanne Buchenberger), Kreon (Marc Oliver Schulze), Haimon (Isaak Dentler)
Foto: Sebastian Hoppe

Tragödie und Inhalt der Stücke:

»Der Mythos gibt Antworten ohne Fragen, während die Tragödie Fragen ohne Antworten, Probleme ohne Lösungen entwickelt.« Mit dieser Formel beschreibt Emil Anghern die Neuerung, die die attische Tragödie in ihrer Zeit darstellt. In der Art und Weise, wie die Tragödie den Mythos bearbeitet, spiegelt sich ein grundsätzlicher Umbruch in der Geschichte des Geistes und des Bewusstseins des Menschen von sich selbst. Das 5. Jhdt. v. Chr. ist der Moment der Weltgeschichte, in der sich zum ersten Mal sowohl politisch ein freiheitliches Denken, als auch die Selbstwahrnehmung des Menschen als Individuum in Opposition zu den Göttern herausbildet. Die Tragödie als ureigener Ausdruck dieser Zeit befragt und problematisiert den Mythos. Damit erschüttert sie die Gewissheiten des Denkens, der Erklärung von Welt, wie sie die Mythen zum Ausdruck bringen. Doch bleibt der Mythos lebendig und problematisiert seinerseits die Tragödie. Das Tragische an der Tragödie ist deswegen ein unauflösbares Paradox: Das Paradox, dass der Moment, in dem sich der Mensch zum ersten Mal als ein autonom Handelnder artikuliert und erfährt, derselbe ist, in dem er seine eigene Ohnmacht leidvoll erkennt. Und diese paradoxale Verschränkung von menschlicher Allmacht und Ohnmacht scheint auch nach rund 2500 Jahren noch zu bewegen.

Die mythologischen Grundelemente der Ödipus-Geschichte waren dem Publikum in Athen bekannt. Anders bei »Antigone«: Zwar hatte Sophokles die Figur der Antigone nicht erfunden, die Überlieferung des Mythos gab jedoch kaum Auskunft über das Schicksal der Ödipustochter.
Die Besonderheit, wie Sophokles den Ödipus- Mythos gestaltete, lag darin, dass er nicht den Hergang der ödipalen Verstrickung – wie Ödipus unwissentlich den Vater erschlug und die Mutter ehelichte – auf die Bühne brachte, sondern wie Ödipus selbst diese Wahrheit über sich herausfindet und beurteilt. Damit problematisiert das Stück Möglichkeiten und Konsequenzen der menschlichen Selbsterkenntnis und -beurteilung. Die Frage nach der Schuld liegt außerhalb der Tragödienhandlung.
Das Stück beginnt mit der Schilderung der Pest. Das Volk erwartet Rettung durch seinen König. Ödipus, der als der klügste, mächtigste und fähigste Herrscher gilt, hat bereits seinen Schwager Kreon zu dem Orakel geschickt, um zu fragen, ob er gegen diese Seuche etwas tun könne. Die Antwort lautet, dass eine »Befleckung des Landes«, welche Kreon mit dem ungeklärten Mord an Thebens letztem König Laios in Verbindung bringt, gesühnt werden müsse. Statt ein traditionelles Sühne- und Reinigungsritual anzuordnen, entscheidet Ödipus, sich selbst als Richter einzusetzen und eine rechtsförmige Untersuchung durchzuführen. Dieses nun geschilderte Vorgehen entspricht den Verfahren eines typischen Athener Gerichtsprozesses. Gleich zu Beginn verkündet Ödipus öffentlich das Urteil, das dem Schuldigen droht: Verbannung aus der Gesellschaft. Doch kaum ist die Untersuchung eingeleitet, kaum hat der Seher Teiresias ausgerechnet König Ödipus als den gesuchten Mörder bezeichnet, beginnt das gnadenlose Ringen von Ödipus mit sich selbst um Wahrheit und Selbsterkenntnis. Zur Hoffnung, den Mörder des Laios zu finden, tritt die Angst, ihn in sich selbst zu erkennen. Und alles, was im Laufe der Untersuchung den König zu retten scheint, schlägt in der unerbittlich von ihm selbst weitergeführten Nachforschung ins Vernichtende um. Am Ende ist Ödipus dazu verdammt, sich als Kind und Gatte von Iokaste, als Vater-Bruder seiner Kinder, Mörder seines Vaters zu erkennen und in seiner Funktion als Richter selbst zu verurteilen.

Nach Ödipus’ Selbstbestrafung entbrennt ein Thronfolgekrieg zwischen seinen Söhnen Eteokles und Polyneikes, in dem sich beide gegenseitig töten. Ihr Onkel Kreon erläßt als neuer König ein Bestattungsverbot gegen den Angreifer Polyneikes. Dem Feind der Stadt sei weder Totenruhe noch ein Leben im Jenseits vergönnt. Mit dieser härtesten aller Strafen betont Kreon im Sinne einer Warnung den grundlegenden Unterschied zwischen Freund und Feind des Gemeinwesens, dessen Schutz für ihn an oberster Stelle steht. Antigone übertritt dieses Gebot, indem sie ein höheres, gottgegebenes Gesetz für sich in Anspruch nimmt: die Pflicht ein Familienmitglied zu bestatten und damit die Würde des Einzelnen unterschiedslos über den Tod hinaus zu achten.
Die prinzipielle Unbedingtheit, mit der Kreon und Antigone ihre Haltung vertreten, vernichtet beide. Nachhaltig stellt das Stück damit Forderungen und Verpflichtungen des Individuums und des Staates zur Diskussion.

Sophokles - Zum Autor:
Sophokles wird 497 oder 496 v. Chr. in Kolonos, einem Dorf vor den Mauern Athens geboren. Seit etwa 470 nahm er am Tragödienwettkampf teil. Seinen ersten Sieg errang er bereits mit 28 Jahren. In den insgesamt 65 Jahren seines Bühnenwirkens war er überaus erfolgreich: Mit insgesamt gut 120 Stücken bei etwa 30 Aufführungen errang er 18-20 Siege und 10-12 zweite Plätze; Dritter wurde er nie. Nur sieben Stücke von Sophokles sind vollständig überliefert (was circa 6% seines gesamten dichterischen Schaffens entspricht): »Aias« (um 450), die »Trachinerinnen« (440er Jahre), »Antigone« (um 441), »König Ödipus« (um 434), »Elektra« (nach 420), »Philoktet« (um 409) und »Ödipus auf Kolonos« (401 posthum aufgeführt). Im Gegensatz zu Aischylos, von dem mit der »Orestie« eine komplette Trilogie erhalten ist, ist dies bei Sophokles nicht der Fall. Zudem sind die Stücke inhaltlich sehr geschlossen und die einzelne Gestalt rückt mehr in den Mittelpunkt – so dass di e Frage nach der Zusammengehörigkeit der Trilogien nicht entschieden werden kann. Nicht nur inhaltlich, auch formal hat Sophokles Neuerungen eingeführt, sowohl die Bühnenmalerei (Skenographía), als auch die Einführung des dritten Schauspielers (welche Aischylos seinerseits in der »Orestie« übernommen hat) schreibt ihm Aristoteles im vierten Kapitel seiner Poetik zu. Neben seiner dichterischen Tätigkeit nahm Sophokles rege am politischen Leben seiner Heimatstadt teil. 443/442 bekleidete er das Amt eines »Hellenotamias«, eines der führenden Finanzbeamten im attischdelischen Seebund; 441/440 im samischen Krieg war er zusammen mit Perikles, dem bedeutendsten athenischen Politiker seiner Zeit, mit allerdings mäßigem Erfolg, Stratege. Diese militärische Führungsposition, im Übrigen die einzige Position im demokratischen Athen, in die man nicht durch Los, sondern durch Wahl kam, hatte er im Jahr 428 und vielleicht 423/22, in der ersten Phase des Peleponnesischen Krieges, noch einmal inne. Sein einflussreichstes politisches Amt übte er als einer der zehn Probulen (»Berater «) aus, die 412/411 an der Abschaffung der athenischen Demokratie mitwirkten. Die darauf folgende Herrschaft der Vierhundert blieb eine kurze Episode, aber das Renommee des Sophokles scheint auch in der wiederhergestellten Demokratie nicht gelitten zu haben. Auch ein bedeutendes Priesteramt übte der Dichter aus. Zum Dank für seine führende Rolle bei der Einrichtung eines Kultes für den Heilgott Asklepios wurde Sophokles selbst nach seinem Tod kultische Verehrung zuteil.
Gestorben ist Sophokles 406 (kurz nach Euripides), nachdem er bei den Großen Dionysien dieses Jahres ein letztes Mal erfolgreich gewesen war. Bereits in der kurz darauf aufgeführten Komödie »Die Frösche«, in der Aristophanes alle drei verstorbenen großen Tragiker auftreten lässt, wird Sophokles mit der meisten Hochachtung behandelt und gilt bis heute als Innbegriff des klassischen Tragikers.

Das Regieteam:

Michael Thalheimer
(Regie) geboren 1965 in Münster bei Frankfurt a. M., zählt zu den prägenden Regisseuren seiner Generation. Er begann als Schauspieler und Regisseur am Theater Chemnitz, inszenierte danach u.a. in Basel, Leipzig, Dresden und Stockholm, seit 2000 vorwiegend am Thalia Theater Hamburg und am Deutschen Theater Berlin, wo er von 2005 bis 2008 Mitglied der künstlerischen Leitung war. Hier zählten »Die Orestie« von Aischylos, Goethes »Faust«, »Die Ratten« und »Emilia Galotti« zu seinen großen Erfolgen. Seine Inszenierungen erhielten zahlreiche Auszeichnungen, darunter den 3sat-Innovationspreis, sowie den Berliner Friedrich-Luft-Preis, zweimal den Wiener Nestroy -Preis und die Moskauer Goldene Maske. Viele seiner Produktionen wurden zu internationalen Festivals eingeladen, sechs davon zum Theatertreffen in Berlin.

Olaf Altmann (Bühne) geboren 1966 in Chemnitz, ist gelernter Stuckateur, arbeitete als Bühnentechniker am Theater in Chemnitz, wo er 1989 sein erstes Bühnenbild entwarf. Danach arbeitete er als Bühnenund Kostümbildner u. a. in Dresden, Köln, Frankfurt, am Thalia Theater Hamburg, am Deutschen Theater und an der Volksbühne in Berlin. In Chemnitz entstand eine feste Zusammenarbeit mit Michael Thalheimer, für den er seitdem zahlreiche Bühnenbilder entwarf. In den letzten Jahren führte Olaf Altmann auch selbst Regie. Er ist Bühnenbildner des Jahres 2008 und gewann im gleichen Jahr den »Faust«-Preis.

Katrin Lea Tag (Kostüme) geboren in Berlin, studierte Bühnenbild bei Prof. Erich Wonder, Malerei und Grafik bei Prof. Renee Green in Wien. 1997 gewann sie mit ihrer Ausstattung für den 1. Akt von Wagners »Das Rheingold« den 1. Preis im Internationalen Wettbewerb für Regie und Bühne in Graz. Sie entwarf Kostüme für Inszenierungen von Dimiter Gotscheff (»Iwanow«, eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2006) und arbeitete als Kostüm- und Bühnenbildnerin am Thalia Theater Hamburg und dem Akademietheater in Wien. Mit Michael Thalheimer verbindet sie seit 2006 eine regelmäßige Zusammenarbeit.

Bert Wrede (Musik) geboren 1961 in Potsdam, studierte Musik an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin. Als freier Musiker veröffentlichte er zahlreiche CDs, gastierte auf internationalen Festivals und arbeitete mit Musikern wie Phil Minton, Elliott Sharp, Friedrich Schenker. 1997 erhielt er ein Kompositions-Stipendium der Akademie der Künste Berlin, 1998 eines für New York. Als Bühnenmusiker arbeitet er regelmäßig mit Michael Thalheimer (z.B. »Emilia Galotti« und »Faust«), Martin Kušej, Andrea Breth, Dimiter Gotscheff und Wilfried Minks. 2002 erhielt er den Nestroy-Preis, 2006 den deutschen Filmpreis.

Marcus Crome (Chorleitung) geboren 1974 in Berlin, studierte Musikwissenschaft in Berlin. 1997 leitete er am Berliner Ensemble die Choreinstudierung für »Die Maßnahme« (Brecht / Eisler) bei ihrer ersten Wiederaufführung seit der Premiere 1930. Bei den letzten Inszenierungen von Einar Schleef (u.a. »Verratenes Volk«, Deutsches Theater Berlin, 2000) übernahm er die musikalische Leitung. 2006 studierte er den Sprechchor für »Die Orestie« von Michael Thalheimer ein, weitere Arbeiten entstanden u. a. mit Frank Cas torf, Dimiter Gotscheff, Claus Peymann und Christoph Mehler.

[© Schauspiel Frankfurt]

www.schauspielfrankfurt.de

Zur Inszenierung des Theater Bielefeld:

Premiere:
11. September 09

Inszenierung: Christian Schlüter
Bühne und Kostüme: Jürgen Höth
Chorleitung: Simone Sima Younossi
Dramaturgie: Bernhard Krebs

Besetzung:
Antigone:
Nicole Lippold
Kreon: Thomas Wolff
Ismene / Eurydike: Silvia Weiskopf
Hämon: Nils Zapfe
Tiresias: Therese Berger
Bote / Wächter: Stefan Imholz

Antigone, Tochter des Ödipus, kehrt nach dessen Tod nach Theben zurück, wo ihr Bruder Eteokles die Herrschaft ausübt. Doch dessen und Antigones Bruder, Polynikes, will auf den Thron und belagert mit dem Heer der Argaier die Stadt. In der heroischen Schlacht um Theben töten sich die Brüder gegenseitig. Neuer Herrscher über Theben wird Antigones Onkel Kreon. Dieser verfügt, dass man Eteokles feierlich begrabe und betrauere, untersagt aber die Bestattung des Staatsfeinds Polynikes, der gegen die Stadt kämpfte. Sein Leichnam soll vielmehr Fraß für Vögel und Hunde sein. Doch Antigone versagt, trotz angedrohter Todestrafe, dem Verbot des Kreon die Gefolgschaft. Sie folgt ihrem Gewissen und dem Gebot der Menschlichkeit und bestattet ihren Bruder.

Antigone formuliert ein fundamentales »Nein«, durch das sie sich selbst als Individuum und Subjekt setzt. Den Beginn machte in dieser vornehmen Ahnenreihe von Rebellen sicherlich die biblische Eva, die Gottes Verbot, nicht vom Baum der Erkenntnis zu essen, missachtete und Adam dazu verführte. Durch den Apfel erhielten sie Erkenntnis vom Guten und Bösen und Eva entriss damit Gott sein Wissensmonopol. Prometheus, aus der griechischen Mythologie, gehört, wie Antigone, schon zum Beginn der Menschheitsgeschichte und nicht wie Eva zum biblischen Ursprung der Welt. Prometheus stahl den griechischen Göttern, die nicht das Wissen, sondern den aufrechten Gang für sich monopolisiert hatten, das Feuer und brachte den Menschen damit ein würde- und genussvolles Dasein. Antigone hingegen legt sich nicht mit den Göttern an, sondern fordert als Frau und Mensch den Herrscher und Mann Kreon heraus, der ihren Bruder Polynikes nicht begraben sehen will. Doch Antigone verneint dieses Verbot und steht damit für die Menschenwürde ein, die jedem Toten eine letzte Ruhestätte garantiert.

Mit der Antigone von Sophokles beginnt also die Geschichte von Subversion und Rebellion gegen den Staat. Antigone ist die erste literarische Figur in der Kulturgeschichte, die das Gesetz des Staates – nicht das der Götter! – subvertiert und gegen einen irdischen Herrscher rebelliert. Sophokles behandelt in dieser 422 v. Chr. in Athen uraufgeführten Tragödie etwas Menschlich-Universelles: den Kampf für die Verteidigung des subjektiven Rechts gegen ein objektives Rechtssystem.
Eine Besonderheit der Inszenierung von Oberspielleiter Christian Schlüter: Der Chor der thebanischen Alten, der die Handlung der Protagonisten kommentiert, wird von Bielefelder Laienschauspielern gemimt.


Inszenierung:
Christian Schlüter
ist seit Beginn der Spielzeit 06/07 Oberspielleiter des Schauspiels am Theater Bielefeld, dem er bereits seit vielen Jahren als regelmäßiger Gastregisseur eng verbunden ist. Zuvor arbeitete er seit 1998 als freischaffender Regisseur und Lehrbeauftragter am Studiengang Schauspieltheater-Regie in Hamburg. Er inszenierte u.a. die Uraufführung von Brechts Hans im Glück und Gesine Dankwarts Girlsnightout am Thalia Theater Hamburg, Früchte des Nichts von Ferdinand Bruckner und Liebelei von Arthur Schnitzler am Schauspielhaus Bochum sowie das maß der dinge von Neil LaBute und Die Wildente von Henrik Ibsen am Staatsschauspiel Dresden. Er führte außerdem Regie bei William Shakespeares Was ihr wollt am Theater Oberhausen, Friedrich Hölderlins Der Tod des Empedokles am Landestheater Tübingen und bei der Ring-Uraufführung von Fritz Katers Tanzen! am Schauspiel Leipzig, die in Kooperation mit dem Theater Graz und dem Berliner Maxim Gorki Theater durchgeführt wurde.
Am Bielefelder Theater inszenierte Schlüter u.a. die Uraufführung von Marlene Streeruwitz‘ Dentro, Amphitryon nach Molière von Kleist, Ödipus von Sophokles, Shakespeares Romeo und Julia, Elling von Hellstenius/Naess, Der Raub der Sabinerinnen/Frau Director Striese (UA) von den Brüdern von Schönthan, das Projekt Schlachten/Samurai, Hauptmanns Die Weber, Der Menschenfeind von Molière, Homo faber von Max Frisch, Neil LaButes Fettes Schwein, den dritten Uraufführungsabend aus der Reihe Schöne Neue Werte, Schillers Maria Stuart, Hesses Steppenwolf und Gegen die Wand. In der letzten Spielzeit setzte er Don Karlos und die deutschsprachigen Erstaufführungen von Schwarm (Essaim) und Steven Fechters Die Kommission in Szene.
Christian Schlüter, geboren in Nesselwang im Allgäu, studierte nach seinem Abitur zunächst zwei Jahre Theaterwissenschaften an der Universität in Bochum und von 1990-94 Schauspieltheater-Regie bei Jürgen Flimm und Manfred Brauneck in Hamburg. Nach seinem Studium war er bis 1998 als Regieassistent am Thalia Theater Hamburg tätig.


Bühne und Kostüme:
Der in Hamburg lebende Jürgen Höth ist seit 1993 freischaffend tätig, u.a. am Thalia Theater Hamburg, an der Volksbühne Berlin, am Schauspiel Leipzig und an Theatern in Braunschweig, Oldenburg, Köln, Basel, Freiburg, Kiel, Konstanz und Heilbronn. Am Theater Bielefeld war Höth bereits für die Bühnenbilder u.a. von Der Raub der Sabinerinnen/Frau Director Striese (UA), Der Menschenfeind (Regie: C. Schlüter), Tartuffe (Regie: Matthias Kaschig), Die fetten Jahre sind vorbei (Regie: J. Zimmermann), Ein seltsames Paar (Regie: W.-D. Sprenger) sowie für die Bühnenbilder der TAMZWEI-Produktionen Jugend ohne Gott, Dutschke/Westwärts 1&2, Kamikaze Pictures, Gegen die Wand, Bagdad brennt und Schwarm (Essaim) verantwortlich.
Von 1989-93 war Höth am Thalia Theater Hamburg als Bühnenbildassistent engagiert. In dieser Zeit entstanden bereits seine ersten eigenen Arbeiten, u.a. für Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui und Endspiel. Der gebürtige Kölner studierte in seiner Heimatstadt Bühnenbild bei Prof. R. Glittenberg.

Chorleitung:
Simone Sima Younossi
, geboren 1976 in Aachen, aufgewachsen in Ulm, Liverpool und Hamburg, absolvierte ein Regiestudium am Max Reinhardt Seminar in Wien. Danach war sie als Regieassistentin am Staatsschauspiel Dresden engagiert, wo sie mit Bernd Freytag und dem Dresdner Bürgerchor ein Sprechchorlabor gründete, um nach neuen Formen für Sprechchöre zu forschen. In Dresden inszenierte sie u.a. Ich bin Blut von Jan Fabre, Kaspar von Peter Handke sowie Sieben Sekunden von Falk Richter.
Seit 2006 arbeitet Simone Younossi als freie Regisseurin und Sprechchorleiterin in Deutschland, Niederlande und England. Für die Produktion Das Schattenkabinett erhielt sie den Publikumspreis beim 100 Grad Festival Berlin 2007. Sie war Stipendiatin des Internationalen Forums 2007 und der 14. Internationalen Schillertage. 2008 erhielt sie eine Nachwuchsförderung des Goethe Instituts für ihre Sprechchorleitung bei der Produktion Ödipus in der Regie von Leonie Kubesteltig am Little Elephant Theatre in London. [© Theater Bielefeld]

www.theater-bielefeld.de

Zur Inszenierung des Theater Chemnitz:

Premiere:
10. Oktober 08

Regie und Bühne: Enrico Lübbe
Kostüme: Sabine Blickenstorfer

Besetzung:

Antigone:
Annett Sawallisch
Ismene: Caroline Junghanns
Kreon: Bernd-Michael Baier
Chorist: Michael Pempelforth
Wächter: Tilo Krügel
Haimon: Karl Sebastian Liebich
Teiresias: Klaus Schleiff
Eurydike: Elvira Grecki

Das Stück:
In der Schlacht um Theben haben sich die Kontrahenten, die Brüder Eteokles und Polyneikes, gegenseitig getötet. Der neue Herrscher Kreon, der Onkel der beiden Toten, hat das Edikt erlassen, dass nur Eteokles bestattet werden darf - Polyneikes bei Todesstrafe aber nicht. Zwar ist auch Polyneikes ein Sohn der Stadt, weil er aber seine Heimatstadt angegriffen hat, hat er, so Kreon, das Recht auf Bestattung verwirkt.
Antigone, die Schwester der beiden Toten, kann dieses Verbot nicht akzeptieren. Sie empfindet es als familiäre Pflicht, nach alter Tradition beide Brüder zu beerdigen.
Sie versucht, ihre Schwester Ismene für die Tat gewinnen. Die aber wagt nicht, gegen das Verbot Kreons zu verstoßen. Also beerdigt Antigone im Alleingang ihren Bruder Polyneikes. Dabei wird sie gefasst und vor Kreon geführt.
Zwischen den Antipoden Antigone und Kreon entwickelt Sophokles eine große Debatte über Traditionen und Reformen, Rechte und Pflichten, Herrschaft und Opposition ...

Zur Inszenierung:
Enrico Lübbe legt den Schwerpunkt seiner Interpretation auf den bestechenden Machtkampf zwischen Kreon und Antigone, auf das Für und Wider der Argumente. Die Aktualität des 2500 Jahre alten Dramas ist dabei ungebrochen; die Fragen, die diskutiert werden, zielen direkt ins Heute: Wo können Reformen ansetzen? Wann beginnt Terror? Unter welchen Gesichtspunkten erscheint Humanität plötzlich diskutierbar?
Eine besondere Rolle spielt der Chor, der in dieser Inszenierung von nur einem Schauspieler verkörpert wird - als eine Art Berater, eine Konstante der Macht, die sich immer dort positioniert, wo die Mehrheit zu finden ist.
Walter Jens ist es in seiner Neuübertragung gelungen, Sophokles’ Text in all seiner Größe und Klassizität zu belassen und ihn gleichzeitg in ein zeitloses und unmittelbares Deutsch zu bringen. Messerscharfe Wortwechsel, glasklare Debatten und geschliffene Monologe führen direkt in das Denken und Argumentieren der Figuren. Bühne und Kostüme führen den Text sacht ins Heute, in eine stählerne Zentrale im Irgendwo der Macht.

Nach erfolgreichen 43 Vorstellungen am Theater Magdeburg hat Enrico Lübbe diese Inszenierung jetzt für das Schauspiel Chemnitz neu erarbeitet. Das Chemnitzer Ensemble wird ergänzt durch Annett Sawallisch als Gast, die in der Rolle der Antigone auch bereits in der Magdeburger Inszenierung zu erleben waren. Ebenfalls in Magdeburg wie in Chemnitz spielt Bernd-Michael Baier den Kreon, der ab dieser Spielzeit zum Chemnitzer Ensemble gehört.

Das Regieteam:

Enrico Lübbe (Regie und Bühne)
wurde 1975 in Schwerin geboren und studierte 1993 - 1999 Kommunikations-, Medien- und Theaterwissenschaft an der Universität Leipzig. 1998/1999 war er Regieassistent am Schauspiel Leipzig und assistierte u. a. Wolfgang Engel, Armin Petras, Thomas Bischoff und Kazuko Watanabe. Nachdem er dort 1999 sein Regiedebüt mit „Disco Pigs“ von Enda Walsh gegeben hatte, wurde er von 2000 - 2004 fester Hausregisseur. Seit dieser Zeit arbeitet er immer wieder mit den Ausstattern Sabine Blickenstorfer, Hugo Gretler, Jürgen Lier und Etienne Pluss zusammen.
Seit 2004 ist Enrico Lübbe freier Regisseur und hat u. a. am neuen theater Halle, am Schauspiel Köln, am Staatstheater Stuttgart, am Schauspiel Magdeburg, am LTT Tübingen, am Staatstheater Nürnberg und am Staatstheater Oldenburg inszeniert – an letzterem gab er 2006 sein Opern-Regie-Debut. Von der Fachzeitschrift Theater heute wurde Lübbe sowohl in der Spielzeit 2004/2005 als auch 2005/06 als einer der besten Nachwuchsregisseure des Jahres nominiert.
Seit der Spielzeit 2008/2009 ist Enrico Lübbe Schauspieldirektor in Chemnitz und brachte hier bereits die Eröffnungspremiere „Endstation Sehnsucht“ heraus.

Sabine Blickenstorfer (Kostüme)
stammt ebenfalls aus Züricher und entwarf für zahlreiche Inszenierungen von Enrico Lübbe die Kostüme. Kontinuierliche Arbeiten in Schauspiel und Oper verbinden sie auch mit den Regisseuren Corinna von Rad, Alexander von Pfeil, Lorenzo Fioroni und Burkhard C. Kosminski und führten sie u.a. an die Deutsche Oper und die Staatsoper Berlin, die Schauspielhäuser Frankfurt/Main, Düsseldorf, Mannheim und Leipzig sowie die Staatstheater Stuttgart und Oldenburg.
Für das Schauspiel Chemnitz erarbeitete sie auch die Kostüme für die Eröffnungspremiere „Endstation Sehnsucht“. Weitere Arbeiten der Spielzeit 2008/2009 sind am Nationaltheater Mannheim die Uraufführung von Theresia Walsers „Besuch aus Brüssel“ (Regie: Burkhard C. Kosminski) sowie am Staatstheater Kassel Wagners „Fliegender Holländer“ (Regie: Lorenzo Fioroni).

Mit Sophokles’ “Antigone” in der Neuübertragung von Walter Jens setzt das Schauspielhaus seinen Schwerpunkt ‚Weltdramatik’ auf der Großen Bühne fort.
Enrico Lübbe hatte „Antigone“ 2005 in Magdeburg erfolgreich zur Premiere gebracht und erarbeitet diese Inszenierung nun mit seinem Chemnitzer Schauspielensemble neu.

www.theater-chemnitz.de

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