Theater: Quartett
 

Quartett

Von:
Heiner Müller
Nach dem Roman: “Gefährliche Liebschaften” von Laclos
Uraufführung: 1982 Schauspielhaus Bochum

Zur Inszenierung des Schauspielhaus Wien:
Eine Koproduktion von Schauspielhaus Wien mit Toneelhuis Antwerpen

Premiere Wien: 16. November 06
weitere Vorstellungen: 17. November bis 6. Dezember 06, täglich außer Montag, jeweils 20:00 Uhr
Die Premiere am Toneelhuis Antwerpen fand am 25. Oktober 2006 statt.

Regie/Bühne/Video/Licht: Peter Missotten
Dramaturgie: Erwin Jans
Sound Design: Senjan Jansen

Mit: Karel Tuytschaever, Jonas Leemans
Stimmen: Barbara Horvath, Vivien Löschner

Heiner Müllers 'Quartett' basiert auf Choderlos de Laclos Briefroman, mit dessen Handlung man sich vor allem nach den erfolgreichen Verfilmungen der 'Liaisons Dangereuses' (Gefährliche Liebschaften) vertraut fühlt. Der Dialog in dem Zwei-Personen-Stück ist allerdings weniger selbstverständlich als es auf den ersten Blick erscheinen mag: Die Charaktere tauschen nahtlos und unerwartet die Rollen, die Geschichte bleibt nahezu unerzählt und es gibt nur einen assoziativen Bezug zum originalen Inhalt.
Als Text entfaltet sich 'Quartett' zu einem provokativen Monolog für zwei Stimmen. Er handelt von Macht und Begehren als beißende Metapher für Machtlust per se. Die Spirale von Liebe und Gewalt lässt die Antagonisten im ständigen Rollenwechsel immer tiefer in einen Sumpf liebloser, pervertierter Sexualität einsinken. Das Spiel der Geschlechter wird zum brutalen Kampf und eskaliert in der Selbstzerstörung.
In der Inszenierung von Peter Missotten werden die beiden Charaktere von zwei jungen Männern verkörpert und mit den Stimmen von zwei Schauspielerinnen synchronisiert. Die Darsteller agieren auf einer transparenten Plattform, die hoch über dem Publikum hängt. Sie sind umgeben von Kameras, Scheinwerfern und Projektoren, welche die Spieler einerseits verbergen, gleichzeitig aber auf rundum installierten Projektionsflächen sichtbar machen. Verborgen in den Tiefen des Hightech-Equipments ertönen die voraufgezeichneten Texte und werden von den Darstellern lippensynchron 'geäußert'. Die Schauspieler besitzen keine eigenen Stimmen, sie können nur die Geschwindigkeit und den Rhythmus ihrer weiblichen Stimmen kontrollieren. Sie sind glücklos gefangen in einem pre-recorded, schicksalhaften Setting.
"Salon für die Französische Revolution/Bunker nach dem 3. Weltkrieg" lautet Heiner Müllers Szenenbeschreibung zu Quartett, die den schneidenden Dialog zwischen Valmont und Merteuil in eine vage Zeit zwischen Guillotine und Bomben versetzt. Peter Missottens schwebende Plattform treibt wie ein verlorenes Raumschiff im Vakuum der Geschichte. Man wartet auf den Messias, wie man auf Godot wartet, und vom Glauben ist nicht mehr geblieben, als ferne Erinnerungen an das, was einst Erlösung genannt wurde. Um die Zeit zu füllen, eröffnet man eine zynische Schachpartie der Emotionen, ein verbales Feuerwerk, in dem sogar die Erotik von der Rhetorik beherrscht ist. Ein Machtspiel in Worten als End-Zeitvertreib.

Quartett
Schauspielhaus Wien
Karel Tuytschaever, Jonas Leemans
Foto: N. Mangafas / Schauspielhaus Wien

Quartett
Schauspielhaus Wien
Karel Tuytschaever, Jonas Leemans
Foto: N. Mangafas / Schauspielhaus Wien

PETER MISSOTTEN // Regie
Peter Missotten arbeitet als Regisseur, Bühnenbildner und Videokünstler an renommierten Häusern in Belgien und Holland. Seine Theaterprojekte, Filme und Videoinstallationen sind bei zahlreichen internationalen Festivals präsent. Seit 2004 lehrt Peter Missotten neben seiner künstlerischen Tätigkeit an der École d'art dramatique de Maastricht.
Seit der Gründung von De Filmfabriek 1994 ist Peter Missotten Teil dieses Kollektivs von KünstlerInnen. In wechselnder Zusammensetzung setzte De Filmfabriek seitdem zahlreiche künstlerische Projekte um, die sich im Grenzgebiet von Performance, Videoinstallation und Theater ansiedeln. Die Beziehungen zwischen der physischen Präsenz der Schauspieler, dem Rahmen, in dem sie spielen und der verwendeten Technologie, sind wichtige Ansatzpunkte in diesen Arbeiten.
Wo Theater, Kino und Digitale Medien aufeinandertreffen, liegt Peter Missottens besonderes Interesse. Er arbeitete mit wichtigen Theaterformationen zusammen, unter anderem der Needcompany oder William Forsythe und den TänzerInnen des Ballett Frankfurt. Die Laufbahn Peter Missottens kreuzte auch wiederholt die Wege des Regisseurs Guy Cassiers, an vielen Beispielen zeigt sich die fruchtbare Zusammenarbeit der beiden am ro theater und nun auch am Toneelhuis Antwerpen. [Text: Schauspielhaus Wien]

www.schauspielhaus-wien.at
 

Zur Inszenierung am schauspielfrankfurt:

Premiere:
31. Mai 06

Regie:
Urs Troller
Ausstattung: Adriane Westerbarkey
Licht: Frank Kraus
Dramaturgie: Hans-Peter Frings
Regieassistenz: Daniela Deinhammer
Bühnenbildassistenz: Sabrina Henssen
Kostümassistenz: Katja Strohschneider

Merteuil:
Friederike Kammer
Valmont:
Oliver Kraushaar

Die Marquise de Merteuil erwartet ihren einstigen Liebhaber Vicomte de Valmont. Im mehrfachen Rollentausch spielen sie mal Verführer, mal Verführte, um der tödlichen Langeweile zu entkommen. In der Rolle der von Merteuil als Valmont verführten Präsidentengattin Tourvel gibt sich Valmont den Tod: Er nimmt das Gift, das ihm die Merteuil reicht, und läßt sie mit ihrer Lust und Qual allein. Aber auch der Tod ereignet sich hier auf dem Theater. Eine Erlösung von dem Schlachtfeld der Liebe gibt es für die beiden nicht.


Urs Troller
Urs Troller, geboren 1947, arbeitete als Produktionsdramaturg mit Regisseuren zusammen wie George Tabori, Christof Nel, Frank-Patrick Steckel, Niels Peter Rudolph, Achim Freyer, Jürgen Flimm, Luc Bondy, Andrea Breth.
Er war Dramaturg und Chefdramaturg an verschiedenen Theatern im deutschsprachigen Raum und Mitglied der Künstlerischen Leitung an den Schauspielhäusern in Hamburg und Bochum. Als Regisseur inszenierte er u. a. in Bochum, Düsseldorf, an den Münchner Kammerspielen und am Deutschen Schauspielhaus Hamburg.
Urs Troller ist Gastprofessor an der Universität Mozarteum Salzburg, Fachabteilung Schauspiel/ Regie.

Am Schauspielfrankfurt inszenierte Urs Troller in der Spielzeit 2005/2006 Quartett von Heiner Müller im Kleinen Haus, in der Spielzeit 2007/2008 Euripides
Medea.
In der Spielzeit 2008/09 inszenierte er die Eröffnungspremiere von johann Wolfgang Goethes
Torquato Tasso und Der Kirschgarten von Anton Tschechow.


www.schauspielfrankfurt.de (externer Link)

Zur Inszenierung des Theater Willy Praml


Premiere: 25. Oktober 2001

Inszenierung: Willy Praml
Bühne & Kostüme: Michael Weber

Merteuil: Birgit Heuser
Valmont: Michael Weber
sowie Nikki Gumster und Jason


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