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Zur Inszenierung des Schauspielhaus Wien: Eine Koproduktion von Schauspielhaus Wien mit Toneelhuis Antwerpen
Premiere Wien: 16. November 06
weitere Vorstellungen: 17. November bis 6. Dezember 06, täglich außer Montag, jeweils 20:00 Uhr Die Premiere am Toneelhuis Antwerpen fand am 25. Oktober 2006 statt.
Regie/Bühne/Video/Licht: Peter Missotten Dramaturgie: Erwin Jans Sound Design: Senjan Jansen
Mit: Karel Tuytschaever, Jonas Leemans Stimmen:
Barbara Horvath, Vivien Löschner
Heiner Müllers 'Quartett' basiert auf Choderlos de Laclos Briefroman, mit dessen Handlung man sich vor allem nach den erfolgreichen Verfilmungen der
'Liaisons Dangereuses' (Gefährliche Liebschaften) vertraut fühlt. Der Dialog in dem Zwei-Personen-Stück ist allerdings weniger selbstverständlich als es auf den ersten Blick erscheinen mag:
Die Charaktere tauschen nahtlos und unerwartet die Rollen, die Geschichte bleibt nahezu unerzählt und es gibt nur einen assoziativen Bezug zum originalen Inhalt. Als Text entfaltet sich
'Quartett' zu einem provokativen Monolog für zwei Stimmen. Er handelt von Macht und Begehren als beißende Metapher für Machtlust per se. Die Spirale von Liebe und Gewalt lässt die
Antagonisten im ständigen Rollenwechsel immer tiefer in einen Sumpf liebloser, pervertierter Sexualität einsinken. Das Spiel der Geschlechter wird zum brutalen Kampf und eskaliert in der
Selbstzerstörung. In der Inszenierung von Peter Missotten werden die beiden Charaktere von zwei jungen Männern verkörpert und mit den Stimmen von zwei Schauspielerinnen synchronisiert.
Die Darsteller agieren auf einer transparenten Plattform, die hoch über dem Publikum hängt. Sie sind umgeben von Kameras, Scheinwerfern und Projektoren, welche die Spieler einerseits
verbergen, gleichzeitig aber auf rundum installierten Projektionsflächen sichtbar machen. Verborgen in den Tiefen des Hightech-Equipments ertönen die voraufgezeichneten Texte und werden von
den Darstellern lippensynchron 'geäußert'. Die Schauspieler besitzen keine eigenen Stimmen, sie können nur die Geschwindigkeit und den Rhythmus ihrer weiblichen Stimmen kontrollieren. Sie
sind glücklos gefangen in einem pre-recorded, schicksalhaften Setting. "Salon für die Französische Revolution/Bunker nach dem 3. Weltkrieg" lautet Heiner Müllers
Szenenbeschreibung zu Quartett, die den schneidenden Dialog zwischen Valmont und Merteuil in eine vage Zeit zwischen Guillotine und Bomben versetzt. Peter Missottens schwebende Plattform
treibt wie ein verlorenes Raumschiff im Vakuum der Geschichte. Man wartet auf den Messias, wie man auf Godot wartet, und vom Glauben ist nicht mehr geblieben, als ferne Erinnerungen an das,
was einst Erlösung genannt wurde. Um die Zeit zu füllen, eröffnet man eine zynische Schachpartie der Emotionen, ein verbales Feuerwerk, in dem sogar die Erotik von der Rhetorik beherrscht
ist. Ein Machtspiel in Worten als End-Zeitvertreib.
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Quartett Schauspielhaus Wien Karel Tuytschaever, Jonas Leemans
Foto: N. Mangafas / Schauspielhaus Wien
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Quartett Schauspielhaus Wien Karel Tuytschaever, Jonas Leemans
Foto: N. Mangafas / Schauspielhaus Wien
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PETER MISSOTTEN // Regie
Peter Missotten arbeitet als Regisseur, Bühnenbildner und Videokünstler an renommierten Häusern in Belgien und Holland. Seine Theaterprojekte, Filme und
Videoinstallationen sind bei zahlreichen internationalen Festivals präsent. Seit 2004 lehrt Peter Missotten neben seiner künstlerischen Tätigkeit an der École d'art dramatique de Maastricht.
Seit der Gründung von De Filmfabriek 1994 ist Peter Missotten Teil dieses Kollektivs von KünstlerInnen. In wechselnder Zusammensetzung setzte De Filmfabriek
seitdem zahlreiche künstlerische Projekte um, die sich im Grenzgebiet von Performance, Videoinstallation und Theater ansiedeln. Die Beziehungen zwischen der
physischen Präsenz der Schauspieler, dem Rahmen, in dem sie spielen und der verwendeten Technologie, sind wichtige Ansatzpunkte in diesen Arbeiten.
Wo Theater, Kino und Digitale Medien aufeinandertreffen, liegt Peter Missottens besonderes Interesse. Er arbeitete mit wichtigen Theaterformationen zusammen,
unter anderem der Needcompany oder William Forsythe und den TänzerInnen des Ballett Frankfurt. Die Laufbahn Peter Missottens kreuzte auch wiederholt die
Wege des Regisseurs Guy Cassiers, an vielen Beispielen zeigt sich die fruchtbare Zusammenarbeit der beiden am ro theater und nun auch am Toneelhuis Antwerpen. [Text: Schauspielhaus Wien]
www.schauspielhaus-wien.at
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