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Theater: Der Kirschgarten
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Der Kirschgarten Komödie in vier Akten
Von: Anton Tschechow Uraufführung: 17. Januar 1904 (Moskau, Künstlertheater)
Deutschsprachige Erstaufführung: 1919 (Prag, Stadttheater)
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Zur Inszenierung des Schauspiel Stuttgart:
Premiere: Samstag, 16. Januar 2010
Regie:
Michael Thalheimer Bühne: Olaf Altmann Kostüme: Michaela Barth Musik: Bert Wrede Dramaturgie: Frederik Zeugke
Besetzung:
Dunjascha, Zimmermädchen:
Emilia de Fries Semjon Pantelejewitsch Jepichodow, Kontorist: Jonas Fürstenau jotr Sergejewitsch Trofimow, Student: Christoph Gawenda
Boris Borissowitsch Simeonow-Pischtschik, Gutsbesitzer: Boris Koneczny Jermolaj Alexejewitsch Lopachin, Kaufmann: Markus Lerch
Leonid Andrejewitsch Gajew, Bruder der Ranjewskaja: Martin Leutgeb Anja, Tochter der Ranjewskaja: Sarah Sophia Meyer Charlotta Iwanowna: Rahel Ohm Firs, Diener:
Elmar Roloff Jascha, ein junger Diener: Markus Weickert Ljubow Andrejewna Ranjewskaja, Gutsbesitzerin: Anna Windmüller Warja, Pflegetochter der Ranjewskaja:
Minna Wündrich
Die Bäume im Kirschgarten sind seit Jahren schon sich selbst überlassen. Die Menschen auch. Alles wächst so vor sich hin. Die Zweige, die Kinder, die Sehnsüchte,
die Schulden, die Schuld-gefühle auch. Die Gefühle ganz besonders. Was für ein Wildwuchs! Die können jahrelang vor sich hinwuchern im Unterholz des Bewusstseins. Dort stören sie lange
niemanden. Irgendwann aber dringen sie doch an die Oberfläche und treiben dort ihre Blüten, wollen gesehen und bewundert werden und vielleicht Früchte tragen. Das gelingt aber immer wieder
nicht, denn so nah die Blüten einander sind, sie lassen keine wirklichen Berührungen zu, so sehr sie auch gegenseitig um Aufmerksamkeit ringen. Irgendwann ist jede Blütezeit vorbei. Dann
ist der Blick frei auf einen Kirschgarten, der viel zu lange bewundert, aber nicht gepflegt wurde, der ausweglos verwachsen ist und keinen Ertrag mehr abwirft. Ertrag ist aber das einzige,
was zählt, wenn die Schulden steigen. Nun soll der schöne, aber unnütze Kirschgarten verkauft und abgeholzt werden. Mit dem Bau einer Feriensiedlung glaubt der Geschäftsmann Lopachin einen
Aufschwung aus der Schuldenfalle zu schaffen. Und wenn die alten Besitzer des Grundstücks sich dagegen wehren, so wird es auch ohne sie gehen. Effizienter.
Michael Thalheimer (*1965)
wurde mit Inszenierungen aus Dresden, Hamburg und Berlin seit 2000 bereits sechs Mal zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Von 2005 bis 2009 war er leitender Regisseur und Mitglied der
Künstlerischen Leitung am Deutschen Theater Berlin. In Stuttgart inszeniert der für seine entschiedenen Klassikerinterpretationen vielfach ausgezeichnete Regisseur zum ersten Mal. [©
Schauspiel Stuttgart]
www.staatstheater.stuttgart.de/schauspiel
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Zur Inszenierung des Centraltheater Leipzig:
Premiere: 12. November 09
Regie:
Sebastian Hartmann Bühne: Susanne Münzner Kostüme: Adriana Braga Peretzki Musik: Steve Binetti Dramaturgie: Uwe Bautz
Mit: Rosalind
Baffoe, Maximilian Brauer, Artemis Chalkidou, Manuel Harder, Thomas Lawinky, Paul Matzke, Ingolf Müller-Beck, Hagen Oechel, Peter Rene Lüdicke, Lore Richter, Holger Stockhaus, Birgit
Unterweger, Anita Vulesica
KEINER WEISS MEHR. Scheinbar zufällig ist alles Wirklichkeit. Es wird heruntergespielt. Es wird nicht beantwortet, es wird nicht aufgelöst. Jeder Satz bei
Tschechow spiegelt nur die besondere und eingeschränkte Perspektive der konkreten Person, die ihn spricht. Da weiß jeder immer nur so viel, wie er selbst wissen kann, niemals mehr. Jeder
formuliert sein Recht auf den eigenen Standpunkt. Ich bin - weil. Es fehlt alle Sicherheit. Es gibt nur die immer wiederkehrenden Leute, die zu Autoren des Tschechowdramas werden und die es
schreiben, während sie es spielen; das unser Drama wird, wenn sie es schreiben, während sie es spielen. [© Centraltheater Leipzig]
www.schauspiel-leipzig.de
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Zur Inszenierung des schauspielfrankfurt:
Premiere: 24. Januar 09
Regie: Urs Troller Bühne: Stefanie Wilhelm Kostüme: Katharina Weißenborn Licht: Nicol Hungsberg
Dramaturgie: Hans-Peter Frings Regieassistenz: Ute Bansemir Bühnenbildassistenz: Stephanie Rauch Kostümassistenz: Jessica Mairbichler Souffleuse:
Corinna Schnabel Inspizienz: Lisa Ahle Technische Produktionsleitung: Josef Dreker, Katrin Omlor
Technische Einrichtung: Hubertus Schneider Ton: Bernhard Klein, Oliver Blohmer Maske: Patricia Dietz, Lutz Paschke, Bernhard Springer Requisite: Corinna Lange
Regiehospitanz: Katharine Müller Bühnenbildhospitanz: Bettine Theissen Kostümhospitanz: Amelie Stockinger, Sofia Aidonopoulou
Dramaturgiehospitanz: Andre Weikard
Besetzung: Ljubow Andrejewna Ranjewskaja, Gutsbesitzerin: Friederike Kammer
Anja, ihre Tochter, 17 Jahre alt: Sandra Bayrhammer Warja, ihre Adoptivtochter, 24 Jahre alt: Abak Safaei-Rad Leonid Andrejewitsch Gajew, ihr Bruder:
Felix von Manteuffel
Jermolaj Alexejewitsch Lopachin, Kaufmann: Oliver Kraushaar Pjotr Sergejewitsch Trofimow, Student: Daniel Christensen Boris Borisowitsch Simjonow-Pischtschik, Gutsbesitzer: Wolfgang Gorks Charlotta Iwanowna, Gouvernante: Leslie Malton Semjon Pantelejewitsch Jepichodow, Kontorist: Andreas Haase Dunjascha, Zimmermädchen: Anne Müller Firs, Diener, 87 Jahre alt: Heiner Stadelmann
Jascha, ein junger Diener: Bert Tischendorf
Ein Reisender: Horst Templin
Besprechung auf kulturfreak.de
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Der Kirschgarten schauspielfrankfurt
Pjotr Sergejewitsch Trofimow (Daniel Christensen), Ljubow Andrejewna Ranjewskaja (Friederike Kammer),
Charlotta Iwanowna (Leslie Malton) und Boris Borisowitsch Simjonow-Pischtschik (Wolfgang Gorks) Foto: Alexander Paul Englert
schauspielfrankfurt: Urs Troller inszeniert Anton Tschechows DER KIRSCHGARTEN Die Gutsbesitzerin Ljubow Andrejewna Ranjewskaja kehrt nach einer gescheiterten Liebesbeziehung hochverschuldet aus Paris in ihr heimatliches Gutshaus, das von einem
Kirschgarten umgeben ist, zurück. Der Kirschgarten soll zwangsversteigert werden. Der Kaufmann Lopachin, Sohn eines ehemaligen Leibeigenen auf Ranjewskajas Landgut,
bietet ihr seine Hilfe an. Er rät ihr, die alten Kirschbäume abholzen zu lassen und den Garten als Baugrundstück für Datschen an Sommergäste zu verpachten. Ranjewskaja
wehrt sich gegen den Vorschlag und gegen eine neue Zeit, die alles nach ihrem Nutzwert berechnet. Sie hofft noch immer, eine Versteigerung des Kirschgartens abwenden zu können. Vergeblich.
Ein Ball, von Ranjewskaja zur Unzeit veranstaltet (am Tag der Versteigerung), stellt sie vor eine neue Situation: Lopachin kommt von der Auktion mit der Nachricht, er habe den
Kirschgarten gekauft. Er beginnt seine Umbaupläne zu verwirklichen und vertreibt die Familie Ranjewskajas von ihrem Gut und aus ihrem alten Leben. Als alle abgereist sind und
von draußen Axtschläge die Rodung des Kirschgartens anzeigen, erscheint in dem leeren Haus der alte Diener der Familie, Firs. Man hat ihn bei der Abreise einfach vergessen.
Anton Tschechow zeichnet in seiner Komödie DER KIRSCHGARTEN das Bild einer Übergangsgesellschaft. Gefangen in der eigenen Vergangenheit, in der Gegenwart nicht
angekommen, geht sie einer ungewissen Zukunft entgegen.
Am 24. Januar 2009 wird im schauspielfrankfurt die Premiere von Tschechows weltberühmtem Bühnenwerk gefeiert. Urs Troller inszeniert DER KIRSCHGARTEN mit großem
Ensemble. Dem Frankfurter Publikum ist der Regisseur durch erfolgreiche Inszenierungen bekannt. Die Spielzeit 2008/09 eröffnete er mit TORQUATO TASSO von Johann
Wolfgang Goethe im Großen Haus. Euripides Mythenstoff MEDEA und QUARTETT von Heiner Müller zeigte er auf der Bühne im Kleinen Haus. In DER KIRSCHGARTEN werden
neben weiteren Ensemblemitgliedern die in MEDEA und QUARTETT gefeierten Schauspieler Friederike Kammer als Ljubow Andrejewana Ranjewskaja und Oliver Kraushaar als
Jermolaj Alexejewitsch Lopachin wieder gemeinsam auf der Bühne stehen. [© schauspielfrankfurt]
Stefanie Wilhelm (Bühnenbildnerin)
Stefanie Wilhelm arbeitet seit 1999 als Bühnenbildnerin und freischaffende Künstlerin.
Sie entwarf Bühnenbilder für Inszenierungen u.a. am Thalia Theater Hamburg, Schauspielfrankfurt, der Biennale Bonn, am Schauspielhaus Wien, Tanzquartier Wien,
Bayerischen Staatsschauspiel, Nationaltheater Mannheim, Theater am Neumarkt Zürich.
Sie war mit Lichtinstallationen u.a. an Ausstellungen in der Philharmonie Luxembourg, im Altonaer Museum in Hamburg, beim Lux.us Lichtkunstpreis Lüdenscheid, O.K. Centrum
für Gegenwartskunst in Linz, Les Subsistances in Lyon, Sirius Art Center in Cork beteiligt. Sie entwarf das Bühnenbild für die Inszenierung Medea in der Regie von Urs Troller am Schauspielfrankfurt in der Spielzeit 2007/08.
In der Spielzeit 2008/09 entwarf sie das Bühnenbild für Torquato Tasso von Johann Wolfgang Goethe, Regie: Urs Troller, und Der Kirschgarten von Anton Tschechow, ebenfalls
Regie: Urs Troller.
Katharina Weißenborn (Kostümbildnerin)
Katharina Weißenborn studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Sie realisierte freie Animationsfilme (Drehbuch, Regie, Animation) und
Auftragsproduktionen u.a. für das ZDF, nahm am Wettbewerb des Internationalen Trickfilmfestivals Stuttgart und an den Filmfestivals in Mannheim, Kiew und Dortmund teil. Für
eine Musikfilmproduktion des Schweizer Fernsehens DRS übernahm sie die Regiemitarbeit und entwarf die Kostüme. Als Kostümbildnerin arbeitete sie u.a. am Staatstheater
Hannover, Thalia Theater Hamburg, Theater Bremen, Schauspielhaus Bochum („Brennende Finsternis", eingeladen zum Theatertreffen Berlin), Nationaltheater Mannheim,
Schauspiel Bonn, Staatstheater Stuttgart, Nationaloper Helsinki, Opernhaus Zürich, Schauspielhaus Zürich und Theater Basel.
Sie arbeitete bereits mehrfach mit Urs Troller zusammen und entwarf für dessen Inszenierung Medea am Schauspielfrankfurt in der Spielzeit 2007/08 die Kostüme.
In der Spielzeit 2008/09 entwarf sie die Kostüme für Torquato Tasso von Johann Wolfgang Goethe, Regie: Urs Troller, und Der Kirschgarten von Anton Tschechow, ebenfalls
Regie: Urs Troller.
Horst Templin 1929 Am 29Juli geboren in Forst/Lausitz.
1936 Volksschule bis 1940 1 940 Besuch Mittelschule bis 1945 - Kriegsende.
1945 Das Erlebnis, dass die Heimatstadt, in der während der ganzen Kriegszeit keine Bombe fiel, durch Beschuss mit Artillerie zu 75 % zerstört wurde. Im Februar Evakuierung
, im Mai Rückkehr in die abgebrannte Stadt. Mit Mutter, mein Bruder war drei Jahre alt. 1945 Beginn einer Lehre als Bau- u. Möbeltischler: Abschluss 1948.
1948 Arbeit bei verschiedenen Tischlereien bis 1951 1951 Badeunfall mit Verletzung der Halswirbelsäule. Arbeit als Lagerist im Eisenhüttenkombinat Ost bis 1954
1954 Flucht in den "Westen", nach Frankfurt am Main. Arbeit im erlernten Beruf als Tischler (Schreiner) bis 1958.
1958 Grundausbildung bei der Bundeswehr als Flieger. Ist nur der Dienstgrad - hat nichts mit dem Fliegen zu tun. 1958 1. Heirat-Scheidung 1962.
1959 Geburt der Tochter Claudia im Februar. Ab 1. Januar Arbeit bei der Deutschen Flugdienst GmbH (seit 1 960 Condor Flugdienst GmbH). Dort 30 Jahre beschäftigt - bis 31.1 2. 1988.
Anfangs als Lagerist im Ersatzteillager für Flugzeugteile. Beendigung als Leiter der Allgemeinen Verwaltung. 1964 2. Heirat. 1969 Geburt der Tochter Cornelia.
1996 Bau eines Hauses im Westerwald und Umzug dorthin. 2000 Verkauf des Hauses und Umzug nach Frankfurt
www.schauspielfrankfurt.de
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Zur Inszenierung des Theater Bielefeld: (Übersetzung von Werner Buhss)
Premiere:
29. September 06 (Stadttheater)
Inszenierung: Michael Heicks Bühne: Annette Breuer Kostüme: Hildegard Altmeyer Musik: Patrick Schimanski
Choreinstudierung: Hagen Enke, Hartmut Sturm Choreographie: Gregor Zöllig Dramaturgie: Uwe Bautz
Mit: Benjamin Armbruster, Harald Gieche, Stefan
Gohlke, Stefan Hufschmidt, Christina Huckie, Stefan Imholz, Claudia Mau, Ulrike Müller, Carmen Priego, Mathias Reiter, Alexander Swoboda, Monika Wegener, Thomas Wolff.
Eine
Gesellschaft ist pleite. Man hat auf zu großem Fuß gelebt, der Lebensstil und die ökonomischen Grundlagen stehen zueinander in krassem Widerspruch. Das Wertvollste ist nur noch zu erhalten,
wenn alle zu gravierenden Veränderungen bereit sind. Soweit ist allen Beteiligten in Tschechows Drama die Lage klar. Sie ziehen daraus nur keine Konsequenzen. Die Reform der Lebensgrundlagen
wird radikal sein. Auch die alten, großbürgerlichen Werte einer Familie müssen auf den Prüfstand. Erste Lektion: Für deinen Namen kannst du dir nichts kaufen. Zweite Lektion: Gut und Besitz
sind nur dann etwas wert, wenn sie Ertrag erwirtschaften, also Mehrwert produzieren. Der Schritt vom Ideellen zum Realen, zur Anerkenntnis der harten Tatsachen des neuen Lebens erweist sich
für die hoch überschuldete Gutsbesitzerin Ranjewskaja und ihren tatenlosen Clan als ein einziger riesiger Abgrund.
Der Kirschgarten ist Tschechows letztes Stück. Es ist das große,
farbige Bild einer Zeitwende, das Tableau einer Gesellschaft im Wertewandel, ein Stück über »Haben oder Nicht-Haben«, das Szenarium eines Abschieds vom Vertrauten und einer Utopie des
Möglichen: Wie kaum ein anderes Stück der Weltliteratur vermag es einen heutigen Gesellschaftszustand zu spiegeln. Das Stück steht also nicht nur als großes Ensemblestück auf dem Spielplan
der Eröffnungs-Spielzeit NEUZEIT, sondern eben als das große Tableau des Abschieds vom Vertrauten, der immer der Beginn des Neuen, der unbekannten Zeit ist. Denn die Werte und Regeln eines
neuen, kommenden Lebens müssen ja erst gefunden werden, und die Frage nach der Selbstaufgabe und Anpassung an eine andere Zeit ruft das dramatische Potenzial aller Zeiten im Umbruch herbei.
Heute genau wie vor Hundert Jahren.
Der Kirschgarten auf dem überschuldeten Gut der Ranjewskaja, zugleich das Symbol für die alte Zeit, in der man sich auskannte, wird zum Schluss in
Tschechow großem Stück abgeholzt- geopfert dem Überleben in der Neuzeit, gegen die man sich erfolglos gestemmt hatte. Tschechow, der den Realismus seiner Beobachtungen nicht ins Symbolische
überhöht, sondern in der Realität selbst die Symbole findet, setzt hier den alten, einzigartigen, weithin bekannten Kirschgarten auf dem überschuldeten Gut der Ranjewskaja als höchsten und
zugleich bedrohtesten Wert. Er bedeutet für die Menschen, die das Gut bewohnen, bewundernswerte Schönheit und die Erinnerung an den Reichtum ihrer Vergangenheit. Sie wollen an diesem Garten
festhalten, auch wenn das Gut darüber zu Grunde geht. Ranjewskajas wohlhabend gewordenem Verwalter Lopachin dagegen, einem Nachkommen von Leibeigenen, sind die Rücksichten der Gutsbesitzer
fremd. Er schlägt eine radikale, weil effektive Lösung vor: Der Kirschgarten muss geopfert werden, damit das Gut überleben kann. Und Lopachin setzt sich durch.
Tschechow nannte sein
letztes Stück - ein knappes Jahr danach starb der Dichter und Arzt mit 44 Jahren an Tuberkulose - eine Komödie. Er empfand diesen Abgesang auf eine Welt, in der die Verschwender weiter ihr
Leben verträumen, die Cleveren ihr Glück machen und die Arbeitenden verloren zurückbleiben, als »komisch, sehr komisch«.
Nach Tschechows erstem Theaterstück Platonow als
Eröffnungsinszenierung seiner Bielefelder Intendanz zeigt Michael Heicks nun das letzte Stück des Autors. Die Tschechowsche Methode der Menschenbeschreibung- und Darstellung nicht als Gericht
über den Menschen, sondern als Befund über seinen Zustand hat sich hier verfeinert und ist genauer geworden. Der als Arzt ausgebildete und praktizierende Dichter Tschechow schreibt auch als
Mediziner: Er stellt die Diagnosen. Um die Therapien müssen wir nachgeborenen uns selber kümmern.
Michael Heicks ist seit Januar 2005 Intendant des Theater Bielefeld. Der Regisseur war
zuvor von 2000 bis 2004 Schauspieldirektor des Bieiefelder Theaters. Er inszenierte hier bereits Shakespeares Was ihr wollt, Rainald Goetz' Jeff Koons, Moritz Rinkes Republik Vineta, Lessings
Emilia Galotti, Marivaux' Der Streit, die Uraufführung von Ror Wolfs Nachrichten aus der bewohnten Welt, Shakespeares Ein Sommernachtstraum, Effi Briest von Theodor Fontäne, die Uraufführung
von Veronique Olmis Meeresrand und Kleists Käthchen von Heilbronn. Zuletzt führte er bei Shakespeares Wie es euch gefällt und Moritz Rinkes Cafe Umberto Regie. Neben Tschechows Der
Kirschgarten wird der Bielefelder Intendant in dieser Spielzeit auch bei Zdenek Fibichs Oper Der Sturm Regie führen. Bevor Michael Heicks nach Bielefeld kam, arbeitete er als freier
Regisseur mit Inszenierungen am Staatstheater Braunschweig, Staatstheater Oldenburg, Grips Theater Berlin, Deutschen Theater Göttingen, Theater Salzburg, Theater Basel und am Thalia Theater
Hamburg. Er studierte von 1979 bis 1984 Schauspiel und Regie an der Akademie der darstellenden Kunst, Otto-Falckenberg-Schule, München. Nach seinem Studium folgten Regiearbeiten in München
und Salzburg sowie einige Arbeiten an der Hochschule für Film und Fernsehen München. Seit 1997 inszeniert Heicks auch Opern und arbeitete als Dozent an der Musikhochschule Hamburg und der
Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel. In den letzten Jahren war er zudem am Theater am Neumarkt in Zürich tätig, hier führte er unter anderem Regie bei Shockheaded Peter, The
Lamb lies down on Broadway und Elling. Für die Freilichtspiele Schwäbisch Hall inszenierte er 2004 Dracula. [© Theater Bielefeld]
www.theater-bielefeld.de
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