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Jugendarbeit am Theater - Zum Stand und den Perspektiven der ästhetischen Bildung (Stand: 2007):
Nur langsam setzt sich in der Politik die
Einsicht durch, daß es bei der Aus- und Weiterbildung von Kindern und Jugendlichen nicht nur um die nachprüfbare Vermittlung von Faktenwissen gehen kann. Das Potential der künstlerischen
Fächer, insbesondere des darstellenden Spiels, wird in seiner Bedeutung immer noch zu wenig erkannt und von vielen gerne als verzichtbare Spielerei angesehen. Doch gibt es Anzeichen für ein
Umdenken. So fand im März dieses Jahres in Lissabon zum ersten Mal eine Weltkonferenz zur kulturellen und künstlerischen Bildung statt (World Conference on Arts Education), zu welcher die
UNESCO aufgerufen hatte. Mehr als 1000 Regierungsvertreter und Bildungsexperten aus 150 Ländern hatten sich versammelt, um über den Stand und die Perspektiven kultureller und künstlerischer
Bildung weltweit zu diskutieren und daraus konkrete Handlungsschritte abzuleiten.
Als eines der Ergebnisse der Konferenz wurde die Forderung nach einer Ablösung der Erziehungs- und
Lehrkonzepte aus der industriellen Epoche des 19. und 20. Jahrhunderts formuliert, in der insbesondere die Künste an den Schulen marginalisiert worden wären. Eine zukunftsorientierte
kulturelle Bildung müsse die kreative Entwicklung des Menschen ins Zentrum rücken, die Ausbildung seiner gestalterischen Fähigkeiten. Es ginge darum, eine Kultur des sozialen Umgangs,
Respekt, Empathie, Integration zu erlernen, kulturelle Vielfalt und Identität zu bewahren und daraus Leistungsmotivation, Flexibilität und andere Fähigkeiten zur Gestaltung des eigenen Lebens
zu gewinnen. Die Menschheit, so der internationae Bildungsexperte Ken Robinson, brauche in Zukunft die Orientierung auf die Subjekte, nicht auf die Gegenstände, die Schule müsse Schüler
unterrichten und nicht Fächer. Insbesondere wies er darauf hin, daß das Theaterspiel als schulische Disziplin gegenüber Musik und bildender Kunst vielerorts unterschätzt und unterbewertet
werde (Deutschland nicht ausgenommen!).
Als zwei wesentliche Forderungen an die Bildungspolitik wurden auf der Konferenz formuliert: eine gute Lehrerausbildung in den künstlerischen
Disziplinen und die Beförderung von Partnerschaften zwischen Schulen und Künstlern bzw. Kunstpädagogen.
Bezogen auf das Theater in Frankfurt ist in beiden Bereichen bereits einiges
passiert. So bildet z. B. das Schultheaterstudio Frankfurt seit zehn Jahren mit großem Erfolg Lehrerinnen und Lehrer in einer Qualifizierungsmaßnahme im darstellenden Spiel aus. Auch das
Schauspielfrankfurt bietet Pädagogen verschiedene theoretische und theaterpraktische Fortbildungsmöglichkeiten. Beide Institutionen stehen in regem Kontakt mit einem großen Kreis von Schulen
und Bildungseinrichtungen. Trotzdem ist das Potential bei weitem nicht ausgeschöpft. Zum einen sind hier die Künstler und Institutionen gefordert, bestehende Ansätze weiterzuführen und
auszubauen. Vor allem aber die Politik, indem sie der kunst- und theaterpädagogischen Arbeit einen Rahmen schafft, der es sowohl den Theatern und theaterpädagogischen Einrichtungen
ermöglicht, ihre Angebote im notwendigen Umfang bereit zu stellen und bekannt zu machen, damit auch die Zielgruppen - und dies sind in erster Linie die Schulen - diese nutzen können.
Entsprechende Forderungen und Vorschläge zur Verbesserung der Zusammenarbeit von Theatern und Schulen wurden 2005 von den Theaterpädagogen an hessischen Stadt- und Intendanz von Dr. Elisabeth
Schweeger im Jahr 2001 eingerichtet. An der Schnittstelle zwischen Künstlern und Publikum besteht die Hauptaufgabe in der Vermittlungstätigkeit: von der Information über Programm und
Stückinhalte über theaterpraktische Angebote für verschiedene Besuchergruppen bis zur Theaterarbeit mit Jugendlichen in mehreren Spielclubs und Projekten (siehe unten). So gibt es z.B. in
dieser Spielzeit in Zusammenarbeit mit zwei Schulen im Frankfurter Gallus-Viertel ein Jugendprojekts zur Inszenierung von Kleists „Die Familie Schroffenstein" Kooperationen finden
darüber hinaus auch mit anderen Bildungseinrichtungen statt, wie der Johann Wolfgang Goethe-Universität, der Volkshochschule und dem Schultheaterstudio Frankfurt. schauspielfrankfurt steht in
Kontakt mit einem großen Kreis von Lehrerinnen und Lehrern, der über Frankfurt hinaus bis nach Marburg, Fulda und Würzburg reicht.
Das Theater ist nur dann lebendig, wenn es sich mit
der Gesellschaft und den Menschen seiner Gegenwart auseinandersetzt. Dies zu vermitteln und zu einer aktiven, spielerisch-lustvollen Auseinandersetzung mit der Kunst anzuregen, sie als
unverzichtbaren Teil eines erfüllten, selbstbestimmten und sozial verantwortlichen Lebens zu begreifen, sieht das schauspielfrankfurt als seine wichtigste Aufgabe.
Angebote
Im Zentrum der Arbeit stehen spielpraktische Einführungen zu den Inszenierungen des Hauses. Mit Wahrnehmungsspielen und Darstellungsübungen
sensibilisiert das Haus für die eigenen Ausdrucksmöglichkeiten. Wie entsteht aus dem Rollentext eine lebendige Bühnenfigur? Welche Bedeutung hat der Raum für die Inszenierung? Welche
ästhetischen Mittel werden verwendet? Mit solchen und ähnlichen Fragen geht es in die praktische Theaterarbeit. In szenischen Improvisationen werden die Charaktere und Themen der Inszenierung
mit der persönlichen Erfahrungswelt der Teilnehmenden verknüpft. Der künstlerische Ansatz einer Inszenierung wird so erleb- und nachvollziehbar. Spielpraktische Einführungen können auf Wunsch
zu allen Inszenierungen durchgeführt werden, in der Regel für Schulgruppen in Verbindung mit einem Vorstellungsbesuch, im Prinzip aber auch für alle anderen Besuchergruppen.
Neben der
praktischen Vermittlung werden Werkbesprechungen angeboten, die einen tieferen Einblick in die StückeArbeitsweisen transparent machen. Außerdem werden Gespräche mit Schauspielern, Dramaturgen
und anderen Kollegen aus den vielen unterschiedlichen Berufsgruppen am Theater organisiert.
Seit der Spielzeit 2006/2007 gibt es spielpraktische Einführungen zu ausgewählten Stücken
auch als Fortbildungsveranstaltung für Lehrerinnen und Lehrer. Hier sammeln sie praktische Erfahrungen mit szenischen Verfahren und lernen theaterpädagogische Spiele und Methoden kennen, die
sie selbst im Unterricht zur Vorbereitung eines Theaterbesuchs anwenden können. Zu jeder Neuinszenierung gibt es außerdem eine spezielle Lehrervorstellung. Interessierte Lehrerinnen und
Lehrer erhalten eine Einführung zum Stück durch den Produktionsdramaturgen und können hier Wissenswertes zum Autor und seiner Zeit sowie Erläuterungen zu der besonderen Umsetzung des Stoffes
in der Inszenierung erfahren. Lehrkräfte besuchen diese Vorstellung zum Vorzugspreis von 8,00 Euro im Großen Haus und 7,00 Euro im Kleinen Haus und in der schmidtstrassel 2. Im anschließenden
öffentlichen Publikumsgespräch kann mit den Beteiligten der Produktion über die Inszenierungen diskutiert werden. Über diese und andere Veranstaltungen und Angebote informiert das
schauspielfrankfurt in einem monatlich erscheinenden Newsletter, der auf Wunsch kostenlos per E-Mail oder Post versendet wird. Lehrern können zur Vorbereitung des Vorstellungsbesuches eine
Produktionsmappe mit dramaturgischen Materialsammlungen, ggf. auch ein Programmheft, den Stücktext oder auch den Pressespiegel anfodern.
laiensclub
Der laiensclub wurde 1984 gegründet und hat bisher über 27 Produktionen mit ca. 800 Vorstellungen auf die Bühne gebracht. Jede Produktion hat einen festen
Etat und wird von den Abteilungen des Schauspielfrankfurt professionell betreut. Mehr als 300 Jugendliche und Erwachsene aus Frankfurt und Umgebung haben schon im laiensclub mitgearbeitet.
Der laiensclub bringt ein bis zwei Inszenierungen pro Spielzeit heraus. Die Aufführungen finden im Kleinen Haus oder in der schmidtstrassel 2 statt. Das Ensemble und die Besetzung einer neuen
Produktion werden im Laufe eines zweiwöchigen Workshops herausgefunden. Die anschließenden Probenzeiten bewegen sich zwischen acht und zehn Wochen. Die aktuelle Produktion des laiensclub, Kleiner Mann, was nun? nach dem Roman von Hans Fallada, hatte am 6.10.2006 im Kleinen Haus Premiere. Das Casting für die nächste Produktion
für alle Interessierten ab 1 6 Jahren findet voraussichtlich im Mai 2007 statt. Mehr Info
Jugendclub JAGO!
Seit 2001 gibt es den Jugendclub JAGO! am Schauspielfrankfurt. Junge Leute zwischen 16 und 26 Jahren arbeiten gemeinsam an einer
Theateraufführung. Ausgangspunkt kann ein Thema sein, zu dem in Improvisationen Material gesammelt und am Ende zu einer szenischen Collage verbunden wird, oder ein bestehendes Theaterstück,
das sich die Teilnehmenden vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erfahrungen und Geschichten zu eigen machen und auf die Bühne bringen. Außerdem besteht die Gelegenheit, den Theaterbetrieb rund
um die aktuellen Produktionen kennenzulernen und mit anderen Interessierten über das Erlebte zu diskutieren. Die Proben finden meist einmal in der Woche und an ausgewählten Wochenenden statt.
Am Ende und Stoffe bieten, ästhetische Entscheidungen, Probenprozesse und werden die Arbeitsergebnisse in Form einer Inszenierung oder Werkschau dem Publikum vorgestellt. Termine und
Anmeldeverfahren zu den Veranstaltungen der Theaterpädagogik und den Theaterclubs werden über den E-Mailverteiler der Theaterpädagogik, die Theaterzeitung und auf der Internetseite www.schauspielfrankfurt.de bekannt gegeben. Dort gibt es auch weitere Informationen
zu den Angeboten des schauspiefrankfurt, das für Fragen auch gene telefonisch zur Verfügung steht.
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