|
Zur Inszenierung des schauspielfrankfurt:
Premiere: 7. April 06
Regie: Armin Petras Bühne: Kathrin Frosch Kostüme:
Annette Riedel Licht: Norman Plathe Dramaturgie: Jens Groß Regieassistenz: Jörg Reimer Bühnenbildassistenz: Julia Plickat Kostümassistenz:
Katja Strohschneider Souffleuse: Christine Schneider Inspizienz: Annette Thurm Ton: Oliver Blohmer, Franziska Rudolphi, Josef Rennert Maske
: Karin Junghardt, Verena Martin Technische Produktionsleitung: Anette Kahler, Klaus Oberüber Technische Einrichtung: Nico Ramie Requisite:
Albrecht Haevernick, Stefan Markert, Helmut Stumvoll Regiehospitanz: Lisa Zoh, Johann Kuithann Dramaturgiehospitanz: Marija Karaklajic Bühnenbildhospitanz:
Martina Bauer Kostümhospitanz: Johanna von Gehren
Besetzung:
Richard Zurek: Andreas Leupold Friederike Zurek, seine Frau: Friederike Kammer
Christin, seine Tochter: Katrin Grumeth, Heiner, sein Sohn:
Simon Solberg Feuchtenberger, sein Anwalt: Gunnar Teuber
»Fest steht: Sie haben diesem, meinem Oliver
nichts nachweisen können. Dennoch ist er erschossen worden. Und da der Staat sich keine Blöße geben darf, wenn er sich angegriffen fühlt, wurden alle Beweise für eine mögliche Überreaktion
des Staates und die mögliche Unschuld des Jungen vernichtet und alle Zeugen zum Schweigen gebracht. Ich stehe hier, um Ihnen etwas ganz anderes zu sagen: Ich war Direktor dieser Lehranstalt.
Ich habe einen Eid geleistet, den Amtseid eines Staatsangestellten. Ich habe geschworen, das Grundgesetz und alle Gesetze des Landes gewissenhaft zu wahren. Da der Staat aber seine eigenen
Gesetze nicht wahrt, bin ich von meinem Amtseid entbunden. Vor Ihnen allen als meinen Zeugen: Ich widerrufe hiermit meinen Eid.« (Richard Zurek in “In seiner frühen Kindheit ein
Garten”)
|
|
|
In seiner frühen Kindheit ein Garten schauspielfrankfurt
Katrin Grumeth, Friederike Kammer, Andreas Leupold Foto: Alexander Paul Englert
|
|
Christoph Hein hat in seinem letzten Roman In seiner frühen Kindheit ein Garten auf eine authentische Rahmenhandlung zurückgegriffen. Es geht um die nie restlos geklärten
Todesumstände des RAF-Mitglieds Wolfgang Grams, der 1993 auf dem Bahnhof im mecklenburgischen Bad Kleinen bei der Aktion eines Sondereinsatzkommandos ums Leben
kam. Grams heißt im Roman Oliver Zurek (beide sind in Wiesbaden aufgewachsen), dessen später zu lebenslanger Haft verurteilte Lebensgefährtin Birgit Hogefeld taucht als
Katharina Blumenschläger auf. Christoph Hein bemüht sich nicht, die Analogien zu kaschieren, wenngleich er keine Dokumentation, sondern eine fiktive, emotionale
Bestandsaufnahme aus der Perspektive von Zureks Eltern liefert.
In seinem im letzten Jahr erschienenen Essayband Aber der Narr will nicht hat Christoph Hein von den Intellektuellen gefordert, »gegen den Konsens der Zeit und gegen den
allgemeinen Konformismus mit der Macht und den Mächtigen« zu kämpfen. Richard Zurek, der Vater des zu Tode gekommenen RAF-Mitglieds, verkörpert diese Maxime in
Reinkultur: Wiesbaden in den 90ern. Dr. Richard Zurek, ein pensionierter Gymnasialdirektor, wird von den Umständen, unter denen sein des Terrorismus verdächtigten Sohnes
Oliver am Bahnhof von Kleinen ums Leben kam, zunehmend irritiert. Ein Minister trat zurück, der Generalbundesanwalt wurde in den Ruhestand versetzt – für Zurek und seine
Frau mehr als nur Indizien dafür, daß ihr Sohn weder einen Beamten erschossen noch sich selbst das Leben genommen hat. Wie im authentischen Fall Grams werden
entlastende Zeugen jedoch als unglaubwürdig bezeichnet. Der Direktor beginnt, gestützt von einer altmodischen Moralität, seinen Kampf um Gerechtigkeit – für seinen Sohn.
Aus dem gleichen Grund, aus dem er bisher arglos dem Staat vertraut hatte, kämpft er jetzt mit rechtlichen Mitteln gegen diesen Staat um Aufklärung. Die Entwicklung, die der
alte Direktor dadurch nimmt, verändert sein Weltbild und damit sein ganzes Leben, auch das Verhältnis zu seiner Frau und seinen Kindern. Ein leise anschwellender Prozeß
mentaler Radikalisierung im und am Alltag dieses alten Ehepaares. Letztendlich auch eine große Liebesgeschichte, eine westdeutsche Geschichte, die uns alle angeht.
Die Theaterfassungen der beiden Romane von Christoph Hein sind sowohl einzeln als auch an einigen wenigen Wochenenden an einem Abend zusammen zu sehen.
Die Verteidigung der Freiheit
Elisabeth Schweeger im Gespräch mit Christoph Hein zum Deutschlandprojekt Helden aus dem Hause Hein am schauspielfrankfurt
Leben und Werk von Christoph Hein
Geboren am 8. April 1944 in Heinzendorf/Schlesien, verlebt er seine Kindheit in der Kleinstadt Bad Düben bei Leipzig. Als Pfarrerssohn gilt er als »politisch unzuverlässig« und
erhält keine Zulassung zur Abiturstufe. Daher wechselt er 1 958 an ein Gymnasium in Westberlin. Zum Zeitpunkt des Mauerbaus, am 13. August 1961, hält er sich gerade in
der DDR in Dresden auf. Eine Rückkehr nach Westberlin ist nicht möglich.
Ohne abgeschlossene Schulausbildung ist er als Montagearbeiter, Buchhändler, Kellner, Journalist tätig sowie 1 963/64 als Regieassistent bei Benno Besson an der
Volksbühne. 1964 holt er das Abitur nach und studiert 1967-71 in Leipzig und Ostberlin Philosophie und Logik. Anschließend geht er als Dramaturg wieder zu Besson an die
Volksbühne, wo er 1973 als Hausautor fest angestellt wird. 1974 werden dort seine ersten beiden Stücke, Vom hungrigen Hennecke und Schlötel oder Was soll's, uraufgeführt. 1982 erscheint die Erzählung Der fremde Freund, auch bekannt unter dem Titel Drachenblut, es folgen u. a. die Romane Horns Ende (1985), Tangospieler (1989
), zuletzt Willenbrock (2000), die hoch gelobte Landnahme (2004) und In seiner frühen Kindheit ein Garten (2005). Seit 1979 ist Hein freiberuflicher Schriftsteller.
Er gehört dem PEN-Zentrums an, der Akademie der Künste Berlin-Brandenburg, der Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt und der Sächsischen Akademie. Seit
1992 ist er Mitherausgeber der Wochenzeitung »Freitag« und wird 2003 in den Beirat der »Siegfried-Unseld-Stiftung< berufen.
Zu Heins zahlreichen Literaturpreisen zählen der Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste der DDR (1 982), der Westberliner Kritikerpreis (1983), der Literaturpreis der
Neuen Literarischen Gesellschaft Hamburg (1986), der Lessingpreis der DDR (1989), der Erich-Fried-Preis (1 990), der Berliner Literaturpreis (1992), der Solothurner
Literaturpreis (2000), der Chevalier de l'Ordre des Arts et des Lettres (2001), der Premio Grinzone Cavour (2002) und der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur (2002).
Friederike Kammer
Ausbildung
Studium an der Otto-Falckenberg-Schule, München.
Theater
Stadttheater Kiel, Städtische Bühnen Nürnberg, Münchner Kammerspiele, Freie Volksbühne Berlin, Stadttheater Bonn, Münchner Kammerspiele, Bochumer Symphoniker,
Neumarkttheater Zürich, Städtische Bühnen Freiburg, Staatstheater Hannover, Schauspielhaus Bochum, schauspielfrankfurt
Rollenauswahl Don Carlos von Friedrich Schiller, Rolle: Eboli
Geschlossene Gesellschaft von Jean-Paul Sartre, Rolle: Ines Cyrano de Bergerac von Edmond Rostand, Rolle: Roxane Onkel Wanja von Anton Cechov, Rolle: Sonja
Wolokolamsker Chaussee von Heiner Müller, Rolle: Findling Die Minderleister von Peter Turrini, Rolle: Anna Die Ermittlung von Peter Weiss, Rolle: Zeugin 4
Lelio von Hector Berlioz, Rolle: Lelio Troerinnen von Euripides, Rolle: Andromache Women von Ciaire Boothe Luce, Rolle: Mary Stella von Johann Wolfgang Goethe, Rolle: Madame Sommer
Seit der Spielzeit 2001/2002 festes Ensemblemitglied des schauspielfrankfurt.
Spielzeit 2001/2002 Elektra von Hugo von Hoffmannsthal, Regie: Simone Blattner, Rolle: Elektra
Mit vollem Munde von Wanda Golonka Der hingestreckte Sommer von Gisela von Wysocki, Szenische Lesung Die blauen den Kleinen, die gelben den Schweinen, der Liebsten die roten, die weißen den Toten von Heiner Müller, Regie: Wanda Golonka
Die Cenci von Antonin Artaud, Regie: Dimiter Gotscheff, Rolle: Lucrezia
Spielzeit 2002/2003
Gespenster von Henrik Ibsen, Regie: St. Braunschweig, Rolle: Frau Helene Alving Platonovvon Anton Cechov, Regie: Dimiter Gotscheff, Rolle: Sofia Egorovna Warum läuft Herr R. Amok? von Michael Fengler u. Rainer W. Fassbinder, Regie: Michael Thalheimer, Rolle: Irm
Spielzeit 2003/2004 Endstation Sehnsucht von Tennessee Williams, Regie: Burkhard C. Kosminski, Rolle: Stella Kowalski
Spielzeit 2004/2005 Kollektives Lesen eines Buches mit Hilfe der Imagination in Frankfurt nach Das Eis von Vladimir Sorokin, Regie: Alvis Hermanis
Lucretia Borgia Victor Hugo, Regie: Armin Petras, Rolle: Donna Lucretia Borgia
Spielzeit 2005/2006 Urfaust von Johann Wolfgang Goethe, Regie: Jorinde Dröse, Rolle: Martha
Egmont von Johann Wolfgang Goethe, Regie: Armin Petras Rolle: Margarete von Parma, Tochter Karls des Fünften, Regentin der Niederlande
In seiner frühen Kindheit ein Garten von Christoph Hein, Regie: Armin Petras, Rolle: Friederike Zurek, seine Frau Quartett, Heiner Müller, Regie: Urs Troller, Rolle: Merteuil
Spielzeit 2006/07: Die Orestie von Aischylos, Regie: Karin Neuhäuser, Rollen: Klytaimestra, Schatten Klytaimestras
Hinkemann von Ernst Toller, Regie: Christof Nel, Rollen: Die alte Frau Hinkemann u.a.
Spielzeit 2007/2008: Medea von Euripides, Regie: Urs Troller Gertrud nach dem Roman von Einar Schleef; Regie: Armin Petras, Rolle: Gertrud 1 Retten Sie mich! Reden Sie! Irgendwas! Ein Cechov-Abend, Regie: Karin Neuhäuser
Spielzeit 2008/2009: Torquato Tasso von Johann Wolfgang Goethe, Regie: Urs Troller, Rolle: Leonore Sanvitale, Gräfin von Scandiano
Der Kirschgarten von Anton Tschechow, Regie: Urs Troller, Rolle: Ljubow Andrejewna Ramjewskaja
Opening Night nach dem Film von John Cassavetes, Regie: armin Petras, Rolle: Frida (Victoria)
Simon Solberg Schauspieler, Regisseur, geboren 1979 in Bonn.
Ausbildung 2000 - 2004 Schauspielstudium an der Folkwang Hochschule Essen (Diplom März 2004)
Theater 2001
"Bakchen" von Euripides; Regie: Theodorus Terzopoulos, Rolle: Chorführer; Düsseldorfer Schauspielhaus 2002
"Ödipus" von Sophokles; Regie: Tadaski Suzuki, Rolle: Diener; Düsseldorfer Schauspielhaus 2003
"Die Zauberflöte" von Wolfgang Amadeus Mozart; Regie: La Fura dels Baus, Tänzer; Ruhrtriennale 2004
schauspielfrankfurt
Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung von Christian Dietrich Grabbe; Regie: Anselm Weber, Regiehospitanz
Die Frau vom Meer von Henrik Ibsen; Regie: Armin Petras, Video/Regiehospitanz Geschlossene Gesellschaft von Jean-Paul Sartre; Regie: Tatjana Reese, Regieassistenz
Stiller von Max Frisch; Regie: Burkhard C. Kosminski, Regieassistenz Lucretia Borgia von Victor Hugo; Regie: Armin Petras, Regieassistenz/Fechtassistenz
Unter dem Vulkan Ein Projekt nach dem Roman von Malcolm Lowry; Regie: Armin Petras, Video/Projektmitarbeit
2005/2006 Bakchen von Euripides; Regie: Christof Nel, Regieassistenz
Odyssee Reloaded von Simon Solberg nach Motiven von Homer Regie: Simon Solberg In seiner frühen Kindheit ein Garten von Christoph Hein, Regie: Armin Petras, Rolle: Heiner Zurek, sein Sohn
2006/2007 Die Familie Schroffenstein von Heinrich von Kleist, Regie: Simon Solberg
2007/2008 Don Quijote nach dem Roman von Miguel de Cervantes, Regie: Simon Solberg
In der Spielzeit 2006/2007 wart Simon Solberg Hausregisseur am Nationaltheater Mannheim und hat dort mehrere Inszenierungen und Projekte erarbeitet, so z. B. Making of THE
BAND und Fremde Kämpfe. Seither arbeitet er frei, u.a. am Maxim Gorki Theater, am schauspielfrankfurt und am Volkstheater München.
Er erhielt für seine Inszenierungen mehrere Einladungen und Preise, u.a. den Kritikerpreis für DON QUIJOTTE beim Festival “Radikal Jung” am Volkstheater München. Im Frühjahr 09 nahm er mit der Inszenierung “Faust” an selbigen Festival am Volkstheater München teil.
Texte: schauspielfrankfurt (externer Link)
|