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Theater: Hörst du mein heimliches Rufen

Hörst du mein heimliches Rufen

Von:
Thomas Jonigk
Uraufführung: 16. September 2006 (Frankfurt, schauspielfrankfurt)

Stückbeschreibung:
Ein erfolgreicher Geschäftsmann, tätig im Bereich der Rüstungsindustrie, wird unerwartet entlassen. Bis dahin hatte er alles im Griff: Arbeit, Karriere, Frau, Adoptivsohn, Geliebte. Die Fassade des Erfolgsmenschen beginnt zu bröckeln, als ihm die Kontrolle plötzlich entzogen wird. Kurz entschlossen greift er zur Waffe, um seinem Leben auf dem heimatlichen Sofa ein Ende zu bereiten, als ihn die Angst vor der eigenen Zivilcourage packt. Doch es gibt kein Zurück mehr, denn unvermittelt sieht er sich mit einem Engel konfrontiert, der gekommen ist, ihn zu holen. Unerbittlich und nicht ohne Schadenfreude gewährt dieser dem Mann eine Gnadenfrist, zum Erinnern und zum Träumen.
Und wie in einem Alptraum läuft sein Leben noch einmal vor ihm ab: Zahllose hat der Mann ins Unglück gestürzt, ob aus Gleichgültigkeit, Lust oder Gier – und doch wäscht er seine Hände in Unschuld. Schließlich hat er sich bei seiner Frau entschuldigt, gleich nachdem er sie vergewaltigt hatte, und hat er nicht dafür gesorgt, dass Gelder aus Waffengeschäften als Fördermittel in Krisengebiete transferiert wurden? Vielleicht hält er seine Geliebte wie ein dressiertes Tier, aber immerhin hat er sie vom Strich an der tschechischen Grenze in sein schönes deutsches Haus geholt.
In alptraumhaften Sequenzen erlebt er die Momente seiner größten Schuld ein zweites Mal. Noch wehrt er sich gegen den Tod, doch nach und nach wird ihm die Vergeblichkeit seines Kampfes bewusst – charakterlich ist er schon lange am Ende; die Ideale, die er einst hatte, sind auf der Strecke geblieben. Der Tod ist da nur der nächste und letzte Schritt. Auch seine späte Reue ändert nichts am vorgegebenen Weg. Am Ende hat der Mann, der alles hatte, nichts und niemanden mehr. Mit einer Ausnahme: Der Engel ist nicht von seiner Seite gewichen. Er wartet. Aber seine Geduld ist begrenzt.
In der Schwebe zwischen Wahn und Wirklichkeit erlebt ein moderner Jedermann einen grotesken, schwindelerregenden Bilderreigen, der sein Leben war. Ohne falsche Sentimentalität, aber mit viel bösem Humor beschreibt Thomas Jonigk den Niedergang eines Menschen, der sich erst zu wandeln beginnt, als es zu spät ist.

Das Stück ist als Auftragswerk für das schauspielfrankfurt entstanden.

Thomas Jonigk
Thomas Jonigk, 1966 in Eckernförde geboren, studierte Mediävistik, Neuere Deutsche Literatur und Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Vor allem mit Stefan Bachmann in der gemeinsamen Theatertruppe "Theater Affekt" sowie an verschiedenen Stadt- und Staatstheatern arbeitete er als Dramaturg. Seit 1991 schreibt Jonigk Theaterstücke, Hörspiele, Libretti, Romane.
Als Chefdramaturg am Schauspielhaus Wien führte er zwischen 1997 und 1999 dort auch Regie. Seine Stücke erhielten vielfach Preise und Auszeichnungen, wurden in mehrere Sprachen übersetzt und unter anderem in Holland, Frankreich, den Philippinen und den USA aufgeführt.

1995 kürte ihn die Kritiker-Jury von "Theater heute" zum Nachwuchsdramatiker des Jahres. Zu seinen erfolgreichsten Stücken zählen Täter, Rottweiler und Du sollst mir Enkel schenken.
2003 wurden die Rockoper Heliogabal, zu der Thomas Jonigk das Libretto schrieb, im Rahmen der RuhrTriennale in Duisburg sowie die Dramatisierung seines Romans Jupiter am Theater Freiburg uraufgeführt. Für das schauspielfrankurt schrieb er das Stück Hörst du mein heimliches Rufen, das dort im September 2006 in der Regie von Tina Lanik uraufgeführt wird.
Thomas Jonigk lebt derzeit als freischaffender Autor in Berlin. Ab der Spielzeit 2006/07 ist er Hausautor und Dramaturg am Düsseldorfer Schauspielhaus.

© Texte: Verlag Felix Bloch Erben, Berlin
 

Zur Inszenierung am schauspielfrankfurt:

Premiere:
19. September 06 (Uraufführung)

Regie: Tina Lanik
Bühne: Magdalena Gut
Kostüme: Su Sigmund
Dramaturgie: Marcel Luxinger

Darsteller:
Der Mann:
Wilhelm Eilers
Die Frau:
Silvia Fenz
Der junge Mann:
Mathias Max Herrmann
Die junge Frau:
Sabine Waibel
Der Engel:
Georgia Stahl                                                         Besprechung auf kulturfreak.de

Hörst du mein heimiches Rufen
schauspielfrankfurt
Silvia Fenz, Mathias Max Herrmann, Sabine Waibel (v.l.n.r.)
Foto:
Alexander Paul Englert

Tina Lanik
Tina Lanik wurde 1974 in Paderborn geboren und wuchs in Stuttgart auf. 1994 - 1996 studierte sie Politikwissenschaft an der Universität Wien. 1996 folgten Regiehospitanzen am Staatstheater Stuttgart bei Elmar Goerden, später am Schauspielhaus Wien, bei den Wiener Festwochen und am Theatre Vidy-Lausanne. Ihr Regiedebüt gab sie 1999 mit der Belgrader Trilogie von Biljana Srbljanovic am Rabenhof Wien.

2001 und 2002 war Tina Lanik mit Inszenierungen beim internationalen Kunstfestival steirischer herbst in Graz vertreten.
Für ihre Inszenierung von Rainer Werner Fassbinders Tropfen auf heiße Steine, die sie im Juli 2002 in München herausbrachte, erhielt sie 2003 den Gertrud-Eysoldt -Förderpreis für junge Regisseure. Im gleichen Jahr wurde sie in der Kritikerumfrage der Zeitschrift Theaterheute zur besten Nachwuchsregisseurin gekürt.
In den Kammerspielen des Deutschen Theater Berlin debütierte Tina Lanik 2003 mit der Inszenierung The Pillowman. In der Spielzeit 2004/2005 inszenierte sie ebenda Arthur Schnitzlers Liebelei sowie William Shakespeares Der Kaufmann von Venedig in der Spielzeit 2005/2006.

In der Spielzeit 2006/2007 inszenierte Tina Lanik die Uraufführung von Hörst du mein heimliches Rufen von Thomas Jonigk, ein Auftragswerk des Schauspielfrankfurt.


Silvia Fenz

Ausbildung:
Tanzakademie, Max Reinhardt Seminar Wien.

Engagements (Auswahl):
1969 - 1997 Thalia Theater Hamburg
1980 - 1985 Schauspielhaus K
öln, Theater Der Kreis (George Tabori)
1993 -1998 Schauspielhaus Wien
1998
- 2005 Ensemblemitglied am Theater Basel.

Rollen (Auswahl)
Merlin (Merlin), Ariel (Der Sturm), Hebuka (Troja), Ranjewskaja (Der Kirschgarten), Ella Rentheim (John Gabriel Borkman), Anna (Spiegelgrund), Vera (Vor dem Ruhestand), Frau Flamm (Rose Bernd).

Spielzeit 2006/2007 am Schauspielfrankfurt
Hörst du mein
heimliches Rufen von Thomas Jonigk, Regie: Tina Lanik, Rolle: Die Frau, seine Ehefrau


Georgia Stahl
Ausbildung
1993 - 1997 Bayerische Theaterakademie August Everding / Hochschule für Musik, München

Rollen (Auswahl)
Lysistrata Regie: Klaus Emmerich
Der zerbrochene Krug Regie: Amelie Niermeyer
Macbeth Regie: Michael Bogdanov
Wegen Reichtum geschlossen Regie: Alexander Lang
Dona Rosita bleibt ledig Regie: Roberto Ciulli
Mordslust Regie: Cornelia Crombholz
Don Jüan und Faust Regie: Anselm Weber
Clavigo Regie: Cornelia Crombholz
Die Kleinbürgerhochzeit Regie: Andre Wilms

am Schauspielfrankfurt
Spielzeit 2001/2002
La vie de boheme nach Aki Kaurismäki und Henri Murger, Regie: Andre Wilms, Rolle: Musette
Spiel des Lebens von Knut Hamsun, Regie: Armin Petras, Rolle: Frau Karneo

Spielzeit 2002/2003
Katzen haben sieben Leben
von Jenny Erpenbeck, Regie: Andre Wilms
Warum läuft Herr R. Amok von Rainer W. Fassbinder und Michael Fengler, Regie: Michael Thalheimer, Rolle: Frau Raab

Spielzeit 2003/2004
Die Logik des Zerfalls von Samuel Beckett, Regie: Andre Wilms, Rollen: "Kommen und Gehen"; F1, F2 ("Spiel")
Antigone
von Friedrich Hölderlin nach Sophokles, Regie: Wanda Golonka, Rolle: Haemon
Jack und Jjill von Jane Martin, Regie: Christiane J. Schneider, Rolle: Jill

Spielzeit 2004/2005
Kollektives Lesen eines Buches mit Hilfe der Imagination in Frankfurt
nach Das Eis von Vladimir Sorokin, Regie: Alvis Hermanis

Spielzeit 2005/2006
Egmont
von Johann Wolfgang Goethe, Regie: Armin Petras, Rolle: Sekretärin Rivarda Vansen

Spielzeit 2006/2007
Hörst du mein
heimliches Rufen von Thomas Jonigk, Regie: Tina Lanik, Rolle: Der Engel

Spielzeit 2007/2008
Was ihr wollt von William Shakespeare, Regie: Corinna von Rad, Rolle: Maria



Zur Inszenierung am Schauspielhaus Düsseldorf in der Saison 2006/07:

Premiere:
30. September 06

Inszenierung: Stefan Bachmann
Bühne: Hugo Gretler
Kostüme: Esther Geremus
Dramaturgie: Thomas Jonigk

Darsteller:
Melanie Kretschmann, Horst Mendroch, Christoph Müller, Pierre Siegenthaler, Susanne Tremper
 

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