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Theater: Die Dreigroschenoper

Die Dreigroschenoper
Ein Stück mit Musik in einem Vorspiel und acht Bildern

Nach dem Englischen des: John Gay
Übersetzt von: Elisabeth Hauptmann
Deutsche Bearbeitung von: Bertolt Brecht
Musik von: Kurt Weill

Zur Inszenierung des Oldenburgischen Staatstheaters:

Premiere:
11. September 10 (Halle 10/Fliegerhorst)

Inszenierung: K.D. Schmidt
Musikalische Leitung: Christoph Iacono
Bühne: Alain Rappaport
Kostüme: Dinah Ehm
Video: Konstantin Bock
Dramaturgie: Johanna Wall

Besetzung:

Frau Peachum:
Caroline Nagel
Polly Peachum: Kristina Gorjanowa
Lucy: Eva-Maria Pichler
Macheath: Gilbert Mieroph
Brown: Klaas Schramm
Hakenfingerjakob: Sebastian Brandes
Münzmatthias: Vincent Doddema
Spelunkenjenny: Anna Steffens
Smith: René Schack

Die Dreigroschenoper
Oldenburgisches Staatstheater
Ensemble
Foto: Andreas J. Etter
www.huebenunddrueben.de

www.staatstheater.de

Zum Gastspiel des Berliner Ensembles im Festspielhaus Baden Baden:

Aufführungen:
1., 3. und 4. Oktober 09

Inszenierung, Bühnenbild und Lichtkonzept: Robert Wilson
Musikalische Leitung, Korrepetition: Hans-Jörg Brandenburg, Stefan Rager
Kostüme: Jacques Reynaud

Besetzung:

Jonathan Jeremiah Peachum:
Jürgen Holtz
Celia Peachum: Traute Hoess
Polly Peachum: Christina Drechsler
Macheath: Stefan Kurt
Brown: Axel Werner
Lucy: Anna Graenzer
Jenny: Angela Winkler
Filch: Georgios Tsivanoglou

Das Dreigroschen Orchester

Im Mittelpunkt der Herbstfestspiele 2009 steht Brecht/Weills "Dreigroschenoper" in der Berliner Neuinszenierung von Robert Wilson. Das Berliner Ensemble gastiert mit dieser Produktion am 1., 3. und 4. Oktober 2009 im Festspielhaus Baden-Baden. Mit der "Dreigroschenoper" ist in diesem Jahr bereits die zweite Arbeit des amerikanischen Regisseurs und Designers Robert Wilson an der Oos zu sehen. Zu den Pfingstfestspielen inszenierte er erstmals Carl Maria von Webers Oper "Der Freischütz".
Zum Ensemble der "Dreigroschenoper" gehören unter anderem Angela Winkler (Jenny), Stefan Kurt (Macheath) und Jürgen Holtz (Peachum).
Bertolt Brecht und Kurt Weill kamen Ende der 1920-er Jahre regelmässig nach Baden-Baden. Im Rahmen des Festivals "Deutsche Kammermusik" entstanden unter anderem die Singspiele "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" oder der "Lindberghflug". Mit dem "Badener Lehrstück vom Einverständnis" endete die Liaison Brechts mit Baden-Baden 1929 in einem Skandal.

www.festspielhaus.de

Zur Inszenierung des Schauspielhauses Zürich:

Premiere:
14. Mai 09 (Pfauen)

Regie: Niklaus Helbling
Bühne: Dirk Thiele
Kostüme: Victoria Behr
Musikalische Leitung: Matthias Stötzel
Choreografie: Salome Schneebeli
Video: Elke Auer
Licht: Frank Bittermann
Dramaturgie: Andreas Erdmann


Besetzung:

Mackie Messer:
Thomas Wodianka
Jonathan Peachum: Gottfried Breitfuss
Polly: Fabienne Hadorn
Frau Peachum: Viola von der Burg
Tiger Brown: Marcus Kiepe
Lucy.
Miriam Maertens
Spelunken-Jenny: Sina
In verschiedenen Rollen:
Kai Bronisch

Zudem spielen: Ludwig Boettger, Marcus Burkhard, Michael Ransburg, Christian Heller und Tomas Flachs Nóbrega.
Musiker: Francesco Carpino, Martin Gantenbein, Christoph Luchsinger, Phillip Powell, Sébastien Schiesser, Matthias Stötzel und Jonas Tauber.


Zum Abschied «Die Dreigroschenoper»
Die letzte Premiere unter Matthias Hartmanns Intendanz: Niklaus Helbling inszeniert das berühmte Musiktheaterstück. Eine Satire über Geld und Geschäft und darüber, wie sich der Mensch korrumpieren lässt. 

Im Herzen Londons unterhält der Bettlerkönig Jonathan Jeremiah Peachum den Kostümverleih, in welchem er den Ärmsten der Armen jenes Aussehen verleiht, das zu den immer verstockteren Herzen der Menschen spricht. Ausserdem entscheidet Peachum, wer überhaupt betteln darf in London. Seine Tochter Polly hütet er wie seinen Augapfel. Wie muss es ihn darum erschüttern, als er eines Morgens unverhofft an ihrem Finger ein Ringlein blitzen sieht. Offenbar verkehrt in seinem Hause, hinter seinem Rücken, ein Herr, der sich der Capt’n nennt. Der Capt’n aber ist in Wahrheit Mackie Messer, König der Verbrecher und der Erzfeind Peachums. Dass er nun auch noch der Schwiegersohn des Bettlerkönigs ist, hindert diesen trotzdem nicht, in Londons Unterwelt einen Krieg zu starten. Zum Spielzeitende inszeniert Niklaus Helbling Kurt Weills und Bertolt Brechts Welterfolg. Schräger Witz und mitreissende Musik sind garantiert: «Und was ist schon der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?»

Bertolt Brechts und Kurt Weills «Die Dreigroschenoper» wurde 1928 am Theater am Schiffbauerdamm in Berlin, dem heutigen Berliner Ensemble, uraufgeführt. Das Vorbild lag in der englischen «Beggar’s Opera» von John Gay (1728). Vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise zielte Brecht mit der Dreigroschenoper auf die Entlarvung der korrupten Bourgeoisie.

Der Zürcher Regisseur Niklaus Helbling inszenierte am Schauspielhaus Zürich zuletzt das Projekt «Von denen die überleben / Of those who will survive», die Stücke «Miss Sara Sampson» und «Brand» sowie das Musical «Wünsch dir was». Helbling ist in Zürich geboren und arbeitete nach dem Germanistikstudium zuerst als Dramaturg am Thalia Theater Hamburg. Er leitet die freie Zürcher Theatergruppe Mass & Fieber und inszenierte u.a. am Wiener Burgtheater, am Theater Basel, bei den Salzburger Festspielen, am Schauspiel Köln und am Schauspielhaus Bochum. [© Schauspielhaus Zürich]

Info/Vorverkauf: +41 (0) 44 258 77 77 –
www.schauspielhaus.ch

Zur Inszenierung des Theater Aachen:

Premiere:
20. September 08

Inszenierung: Deborah: Epstein
Musikalische Leitung: Heribert Leuchter
Bühne und Kostüme
: Florian Barth
Dramaturgie: Sibille Hüholt

Besetzung:
J. J. Peachum: Heinz Kloss
Mrs. Peachum: Elisabeth Ebeling
Polly Peachum, ihre Tochter: Elke Borkenstein
Macheath: Torsten Borm
Brown, Polizeichef: Karsten Meyer
Lucy, seine Tochter: Julia Brettschneider
Spelunkenjenny: Bettina Scheuritzel
Münzmatthias: Markus Haase
Hakenfingerjakob: Joey Zimmermann
Trauerweidenwalter / Filch: Fredrik Jan Hofmann
Sägerobert / Smith, 1. Konstabler: Markus Schramm
Pastor Kimball / Ein Bettler / Ein Konstabler: Jürgen Esbach
Konstabler, Bettler, Huren: Statisterie Theater Aachen

www.theater-aachen.de

Zur Inszenierung des schauspielfrankfurt in der Saison 2006/07:

Premiere:
19. Januar 07
Weitere Vorstellungstermine im Januar: 24. und 28. Januar 07
Aufführungsdauer:
ca. 2 Stunden, keine Pause


Regie:
André Wilms
Bühne: Adriane Westerbarkey
Kostüme: Eva Mareike Uhlig
Musik: Dietmar Wiesner
Licht: Frank Kaster
Musikalische Beratung: Dietmar Wiesner Korrepetitoren: Günter Lehr, Reto Staub, Tibor Stettin
Dramaturgie:
Jens Groß
Regieassistenz: Dagmara Lutoslawska
Bühnenbildassistenz: Jana Lünsmann
Kostümassistenz: Nadja Rudert
Souffleuse: Corinna Schnabel
Inspizienz: Joachim Möller
Technische Produktionsleitung: Josef Dreker
Technische Einrichtung: Nikola Ramie
Ton: Bernhard Klein, Matthias Schmidt
Maske: Patricia Dietz, Verena Martin, Bernhard Springer, Lutz Paschke
Requisite: Anette Mahnke, Levin Kittelmann
Regiehospitanz: Hannah Bayer, Mina Salehpour
Bühnenbildhospitanz: Alexandra Kurcsics
Kostümhospitanz: Marie-Theres Thran


Darsteller:

Macheath, genannt Mackie Messer:
Wolfram Koch
Jonathan Jeremiah Peachum:
Joachim Nimtz
Celia Peachum, seine Frau: Karin Neuhäuser
Polly
Peachum, seine Tochter: Sascha Icks
Brown, oberster Polizeichef von London: Michael Lucke
Lucy, seine Tochter: Chris Pichler
Die Spelunken-Jenny:
Yvon Jansen
Robert Filch:
Max Landgrebe
Matthias: Sebastian Schindegger
Jakob:
Bert Tischendorf
Ede: Florian Stamm
Huren:
Sarah Bauerett, Dorothee Lochner, Alina Rank, Nadja Schneider, Varia Sjöström
Ein Moritatensänger: Jonas Maiwald
Bettler: Bruno Thalhäuser

Orchester: Ensemble Modern und Musiker der Internationalen Ensemble Modern Akademie (IEMA)*:
Dirigent: Nacho de Paz* / Manuel Nawri
Flöte: Daniel Agi* / Jana Machalett*
Klarinette, Saxophon:
Nina Janßen / Ingolfur Vilhjalmsson*
Saxophon: Lutz Koppetsch / Simon Waldvogel
Fagott: Johannes Schwarz
/ Karl Ventulett
Trompete: Sava Stoianov / Valentin Garvie / Lukasz Gothszalk*
Posaune:
Uwe Dierksen / Michael Büttler
Klavier, Celesta, Harmonium: Reto Staub* / Lluisa Espigole*
Schlagzeug: Rumi Ogawa / Tom De Cock* / Asuka Hatanaka*
Banjo, Hawai-Gitarre, Gitarre: Jürgen Ruck / Christopher Brandt
Bandoneon: Claudia Buder / Heinz Huber
Violoncello:
Eva Böcker / Michael M. Kasper / Jan-Filip Tupa*
Kontrabass: Peter Schlier
/ Joachim Tinnefeid / Bruno Suys

*Die
IEMA wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes           Besprechung auf kulturfreak.de

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Die Dreigroschenoper
schauspielfrankfurt
Bert Tischendorf, Sebastian Schindegger, Sascha Icks, Wolfram Koch, Max Landgrebe, Florian Stein
Foto:
Alexander Paul Englert

Das Erfolgsstück von Bertolt Brecht und Kurt Weill ist eine kongeniale Darstellung der bürgerlichen Gesellschaft und deren Weltanschauung. Eine Persiflage auf die Welt der erfolgreichen wie erbärmlichen Gauner und Mafiosi, der Rachephantasien kleiner Leute und der gnadenlosen Gefühlskälte als Ergebnis der Leere des Lebens. Nur noch der Selbsterhaltungstrieb herrscht in dieser Gesellschaft. Allgemeine Armut, Scheinheiligkeit, Käuflichkeit und Durchtriebenheit ergeben ein Gesellschaftsbild, das einer Notgemeinschaft gleicht, bei der es auf der einen Seite nur noch um das reine Überleben, auf der anderen Seite um individuelle Bereicherung und Macht zu gehen scheint.
Mit der Dreigroschenoper schaffte Brecht keine illusionäre Inszenierung, sondern er brachte vielmehr eine kritische Reflexion über gesellschaftliche Zustände auf die Bühne. Mit einem der erfolgreichsten Theaterstücke des 20. Jahrhunderts wird ein großer Klassiker der Theaterliteratur in großer Besetzung auf die Bühne des schauspielfrankfurt gebracht; in den Hauptrollen können Sie Wolfram Koch als Mackie Messer und Karin Neuhäuser als Celia Peachum erleben. Mit den Mitgliedern des weltweit agierenden ENSEMBLE MODERN konnte für die musikalische Umsetzung ein Partner gefunden werden, dem die Bühne des schauspielfrankfurt auch in der Vergangenheit bereits als Konzertpodium gedient hat. [Text: schauspielfrankfurt]


Nacho de Paz
geboren 1974 in Spanien, studierte Klavier bei Tsiala Kvernadze und Komposition bei Jose Luis de Deläs, außerdem Dirigieren bei Arturo Tamayo. Zusätzlich arbeitete er mit Pierre Boulez zusammen. Als Assistent von Arturo Tamayo hat er an verschiedenen Orchester- und Musiktheaterprojekten in mehreren europäischen Ländern sowie CD -Einspielungen mitgewirkt. 2003 realisierte er mit Arturo Tamayo und Andre Richard die spanische Premiere von Luigi Nonos "Prometeo" in Madrid, 2004 ebendort in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Sylvano Bussottis "Silvano Sylvano" und "La Passion selon Sade". 2003/04 war er Assistant Conductor an der neu gegründeten Academia de Müsica Contemporänea. Als Dirigent ist Nacho de Paz bei folgenden Institutionen aufgetreten: Teatro Monumental, Auditorio Nacional, Auditorio 500 (MNCARS), Teatro de la Zarzuela Madrid, L'Auditori Barcelona, Palacio de Carlos V Granada, Palacio de Festivales Santander, Ajourd'hui Musiques Perpignan und Radio Kulturhaus Wien (ORF ).
Er wirkte bei Rundfunkaufnahmen des nationalen spanischen Rundfunk und beim ORF mit.
Nacho de Paz wurde mit den Internationalen Kompositionspreisen ausgezeichnet: Joan Guinjoan (2002), Luigi Russolo (2003) und SGAE für Elektroakustische Musik (2004).
Er ist Professor für Analyse zeitgenössischer Musik am Conservatorio Superior de Müsica n Aragon/Spanien.


Wolfram Koch
Schauspieler, geboren 1962.

Ausbildung
1983 - 1985 Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Frankfurt am Main

Theater
Freie Volksbühne, Schillertheater Berlin, Schauspielhaus Bonn, Schauspiel Frankfurt, Salzburger Festspiele, Schauspielhaus Bochum, Schauspielhaus Zürich, Schauspielhaus Düsseldorf, Deutsches Schauspielhaus Hamburg, Deutsches Theater Berlin, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin

Rollenauswahl
Othello von William Shakespeare, Schauspielhaus Hamburg 2004, Regie: Stefan Pucher, Rolle: Jago
Othello von William Shakespeare, Deutsches Theater Berlin 2004, Regie: Jürgen Kruse, Rolle: Othello
Ivanowvon Anton Tschechow, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin 2005, Regie: Dimiter Gotscheff, Rolle: Lebedev
Heiß von Jan Fosse, Deutsches Theater Berlin, Uraufführung 2005, Regie: Jan Bosse, Rolle: Der einen Mann
Volpone von Ben Johnson, Deutsches Theater, 2006, Regie: Dimiter Gotscheff Rolle: Mosca
Die Perser von Aischylos, Deutsches Theater Berlin, 2006, Regie: Dimiter Gotscheff, Rollen: Bote, Schatten des Dareios, Xerxes
Die Vaterlosen nach Motiven von Anton Tschechow, Volksbühne Berlin 2006, Regie: Stefan Pucher, Rolle: Ossip

Schauspielfrankfurt
Spielzeit 2001/2002
Die Cenc/von Antonin Artaud, Regie: Dimiter Gotscheff, Rolle: Andrea
Spielzeit 2004/2005
God save America von Biljana Srbljanovic, Regie: Robert Lehninger, Rolle: Karl
Spielzeit 2005/2006
Egmont von Johann Wolfgang Goethe, Regie: Armin Petras, Rolle: Graf Egmont, Prinz von Gaure
Spielzeit 2006/2007
Die Dreigroschenoper von Bertolt Brecht und Kurt Weill Regie: Andre Wilms, Rolle: Macheath, genannt Mackie Messer
Kampf des Negers und der Hunde von Bernard-Marie Koltes, Übernahme von der Volksbühne Berlin, Regie: Dimiter Gotscheff, Rolle: Hörn


Yvon Jansen

Ausbildung an der Westfälischen Schauspielschule Bochum. Rollen am Schauspielhaus Bochum in Shakespeares »Viel Lärm um Nichts« (Regie: Leander Haußmann, 1999), Botho Strauß' »Groß und Klein« (Regie: Christina Paulhofer, 1999) und Sarah Kanes »Gier« (Regie: Christina Paulhofer, 2000). Am Hamburger Schauspielhaus 1999 in der Uraufführung von Thomas Jonigks »Täter« (R: Christina Paulhofer) in der Rolle der Petra. Seit 2000 Ensemblemitglied des Schauspielhauses Zürich. Dort u.a. Arbeiten mit Stefan Pucher, Christina Paulhofer, Andreas Kriegenburg, Johan Simons, Meret Matter und Jan Bosse.

An der Schaubühne
Cordelia in »L. - King of pain «, einer Shakespeare-Adaption (Regie: Luk Perceval, 2002)
Hermione in »Andromache« von Peter und Luk Perceval nach Racine (Regie: Luk Perceval, 2003)
Nina in »Die Möwe« von Anton Tschechow (Regie: Falk Richter, 2004)
»Turista« von Marius von Mayenburg (Regie: Luk Perceval, 2005)
Titelrolle in »Maria Stuart« von Friedrich Schiller (Regie: Luk Perceval, 2006)
Sofja Jegorowna in »Platonow« von Anton Tschechow (Regie: Luk Perceval, 2006)

Am Schauspielfrankfurt
Die Dreigroschenoper von Bertolt Brecht und Kurt Weill, Regie: Andre Wilms, Rolle: Die Spelunken-Jenny


Internationale Ensembe Modern Akademie

Die Gründung der Internationalen Ensemble Modern Akademie (IEMA) im Sommer 2003 in Frankfurt am Main ist die konsequente Weiterführung dessen, wofür das Ensemble Modern (EM) seit über 20 Jahren steht: Qualität auf höchstem Niveau, Spielfreude, interdisziplinäre Kunstprojekte und Internationalst. Durch die intensive Auseinandersetzung mit Künstlerinnen und ihren Werken konnte das EM in den 25 Jahren seines Bestehens ein tiefes und breit gefächertes Wissen um die Musik seit Beginn des 20. Jahrhundert ansammeln: ein »Gedächtnis der modernen Musik«. Im Geiste des EM gibt die IEMA - als ein lebendiger Ort des Lernens, Kommunizierens, Austauschens und Erprobens - Nachwuchskünstlern die Möglichkeit, an diesem Gedächtnis teilzuhaben und auf vielfältige Weise davon zu profitieren: Verschiedene Ausbildungsprogramme innerhalb der IEMA - dazu zählen die Vergabe von Stipendien, die Durchführung von Meisterkursen und Weiterbildungsprogramme für Lehrende sowie die Veranstaltung von Symposien - fördern gezielt die künstlerische Auseinandersetzung zwischen hoch qualifiziertem Nachwuchs und renommierten Persönlichkeiten aus Kultur und Wissenschaft.

Seit ihrer Gründung vergibt die IEMA Stipendien an junge Instrumentalisten, Dirigenten, Komponisten und Klangregisseure, die im Zeitraum von einem Jahr bei Tutoren aus den Reihen des Ensemble Modern Unterricht in zeitgenössischer Sololiteratur und Kammermusik erhalten. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Vermittlung von Spieltechniken und Interpretationsfragen der Neuen Musik. Das Förderprogramm entstand in Kooperation mit der Kunststiftung NRW und richtete sich zunächst an Studierende aus Nordrhein -Westfalen. Seit 2004 konnten die Stipendien mit Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes auch deutschlandweit ausgeschrieben und die Stipendiatenzahl verdoppelt werden. Die Förderdauer wurde von sechs Monaten auf ein Jahr erhöht. Die lEMA-Stipendien wurden inzwischen zum vierten Mal vergeben. Seit Herbst 2006 wird das Stipendienprogramm gemeinsam mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt als Masterstudiengang „zeitgenössische Musik" durchgeführt.

Im April 2005 begann in Kooperation mit der Allianz Kulturstiftung zum zweiten Mal das Internationale Kompositionsseminar, Dozent (Komposition und Dirigieren) war in diesem Jahr George Benjamin; das Pariser IRCAM konnte ebenfalls für die Zusammenarbeit gewonnen werden. Abschlusskonzerte fanden im Dezember 2005 in Frankfurt und Paris statt. 2004 leitete Helmut Lachenmann das Seminar, 2006/07 stehen Hanspeter Kyburz (Komponieren) und Stefan Asbury (Dirigieren) als Dozenten zur Verfügung.

Meisterkurse wurden 2005 in Japan und Korea sowie in 2006 jeweils zum dritten Mal beim Paxos Spring Festival in Griechenland und beim Festival Klangspuren im österreichischen Schwaz durchgeführt. Sowohl in Paxos als auch in Schwaz gibt es 2007 Fortsetzungen.

[© Texte: schauspielfrankfurt]

www.ensemble-modern.de
www.internationale-em-akademie.de
www.schauspielfrankfurt.de

zur offiziellen WebseiteZur Produktion der Lukas Leuenberger Produktionen GmbH in Kooperation mit dem Berliner Admiralspalast:


Aufführung zum 50. Todestag von Bertolt Brecht unter der Künstlerischen Leitung von Klaus Maria Brandauer im Admiralspalast Berlin (Fassung 1928).

Premiere:
Freitag, 11. August 2006

Inszenierung:
Klaus Maria Brandauer
Musikalische Leitung:
Jan Müller-Wieland
Bühne: Ronald Zechner
Kostüme: Petra Reinhardt
Dramaturgie: Ingolf Müller
Lichtgestaltung: Michael Frank
Korrepetitor: Arno Waschk
Regieassistenz: Natalie Krenn
Initiator und Produzent: Lukas Leuenberger
Projektleitung: Novapool Artists GmbH, Berlin
Ausführende Produzenten bei Novapool: Alexander Deibel, Steffen T. Sengebusch
Produktionsleitung: Celina Nicolay
Assistentin der ausführenden Produzenten bei Novapool: Angelika Wenzel
Admiralspalast: Joachim Barth, Helgi Björnsson, Marcus Flügge, Jon Tryggvason und Falk Walter

Besetzung:

Mackie Messer:
Campino
Lucy:
Jenny Deimling
Spelunkenjenny:
Maria Happel
Mr. Peachum:
Gottfried John
Tiger Brown:
Michael Kind
Polly:
Birgit Minichmayr
Mrs. Peachum:
Katrin Sass
Walter Schmidinger und anderen
 
Begleitet vom Deutschen Filmorchester Babelsberg

Ermöglicht durch die Deutsche Bank
 
Aufführungsort:
Admiralspalast, Friedrichstraße 101–102 (direkt am Bahnhof Friedrichstraße), Berlin-Mitte
 
Spielzeit:
Vorstellungen: 11. August bis 1. Oktober 06

www.die-dreigroschenoper.de

Von der kurzen Wut zur langen Geduld.
 ”Meine erste Begegnung mit ihm war sein Gedicht „Der Pflaumenbaum“. Noch heute hab’ ich es lieb.
 Die erste Rolle, die ich spielte, war der „Soldat mit der kurzen Wut“ in Mutter Courage. Betrunken musste ich sein und durfte zur Courage „leck mich am Arsch“ sagen.
 Diesen Sommer inszeniere ich „Die Dreigroschenoper“. Ich richte mich auf eine lange Geduld ein, wie es sich für einen Regisseur gehört.
 Handwerk, Kunst, Heiterkeit.”  Klaus Maria Brandauer

Mittendrin
Die Dreigroschenoper von Brecht & Weill, Theaterereignis der Zwanziger Jahre und Bühnenklassiker des 20. Jahrhunderts, dieses Stück zum 50. Todesjahr von Bertolt Brecht in der alten und neuen Hauptstadt Berlin aufzuführen, war ein lang gehegter Wunsch. Die Dreigroschenoper steht für das Berlin der „Wilden Zwanziger“. Eine Großstadt zwischen Glanz, Straßenkampf und Wirtschaftskrise, zwischen Aufbruch und Abgrund.
Mittendrin, in Berlin-Mitte, wollte Klaus Maria Brandauer Die Dreigroschenoper inszenieren. Bei allen Lücken, Ablagerungen und Schichten der letzten achtzig Jahre liegt hier immer noch etwas von der pulsierenden Metropole der „Goldenen Zwanziger“ in der Luft. Ein einmaliger Glücksfall also, dass genau hier in dieser geschichtsträchtigen Gegend eine der legendären Großstadtbühnen just zum Brecht-Sommer 2006 ihre Wiedereröffnung feiert. Dank der Initiative von Joachim Barth, Helgi Björnsson, Marcus Flügge, Jon Tryggvason und Falk Walter erstrahlt der Admiralspalast am Bahnhof Friedrichstraße in neuem Glanz.
Für seine Inszenierung hat Klaus Maria Brandauer Künstler gewonnen, die, wie er, niemals zu überreden, sondern allein zu begeistern sind. Es ist eine richtige Freude, zu erleben, mit welcher Leidenschaft alle auf die Aufführung hinarbeiten.
Begeistert hat sich auch die Deutsche Bank. Ihrem umfassenden Engagement ist es zu verdanken, dass das Projekt unter idealen Voraussetzungen verwirklicht werden kann.

Willkommen im Admiralspalast!
Meistens beginnt etwas damit, dass Menschen sich in einem guten Augenblick begegnen. Und mit weiteren Begegnungen geht es voran.
Vielleicht arbeiten Klaus Maria Brandauer und Lukas Leuenberger an der Realisierung dieser Inszenierung der Dreigroschenoper über einen ähnlichen Zeitraum wie wir an der Realisierung unserer Ideen für den Admiralspalast und seiner Wiedereröffnung.
Jedenfalls freuen wir uns sehr, ihnen zu einem Zeitpunkt vorgestellt worden zu sein, als es möglich war, uns nicht nur gegenseitig zu begeistern, sondern die eigene Fantasie auch zu bereichern: eine besondere Aufführung um einen besonderen Aufführungsort und ebenso in der umgekehrten Reihenfolge.
Und nun ist diese Fantasie so weit gekommen, dass sie als Ereignis vorgestellt werden kann. Mit der Premiere der „Dreigroschenoper“ am 11. August 2006 wird auch der Admiralspalast nach langer Zeit wieder erlebbar.
Zur Produktion, zur Inszenierung und zu den Menschen, die sie schaffen, erfahren Sie im Weiteren mehr – ebenso zum Admiralspalast, seiner Geschichte und seiner vielfältigen künftigen Gestalt.
Auf die spannende Zeit, die vor uns liegt, sind wir außerordentlich neugierig. Wir werden viel davon mit den Künstlern und Beteiligten der Dreigroschenoper gemeinsam verwenden. Schon jetzt möchten wir Sie herzlich willkommen heißen!
J. Barth     H. Björnsson     M. Flügge     J. Tryggvason     F. Walter ADMIRALSPALAST Produktions GmbH


Künstler, Köpfe, Charaktere ...
Die Dreigroschenoper – Höhepunkt des Brecht-Sommers 2006
 
Klaus Maria Brandauer macht Die Dreigroschenoper – gemeinsam mit einem Ensemble von Künstlern, Köpfen und Charakteren, das nur für die Dauer dieses einmaligen Projektes zusammenkommt: aus Begeisterung für ein Stück, das so voll von aggressivem Witz und so musikalisch ist wie seine Urheber. So schillernd und schimärisch schön wie die Zeit, in der es entstand. Und so elektrisierend wie der Ort, von dem es ausging, um eines der weltweit meistgespielten Theaterstücke zu werden.
 
Mit Campino, Jenny Deimling, Maria Happel, Gottfried John, Michael Kind, Birgit Minichmayr, Katrin Sass, Walter Schmidinger und anderen Künstlern bettelt, stiehlt und hurt hier so viel geballte Bühnenpräsenz, dass das Korsett der kanonisierten Klassikeraufführung unweigerlich platzen muss – und sinnenfroh herausfällt, was Die Dreigroschenoper zeitlos macht.
 
Mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg, das ebenso wie Die Dreigroschenoper in der kulturellen Treibhausatmosphäre der Zwanziger Jahre entstand (als man in Babelsberg mehr Filme produzierte als das ganze restliche Europa zusammen), bringt unter der Leitung von Jan Müller-Wieland das einzige professionelle Filmorchester Deutschlands die Musik von Kurt Weill zum Klingen: ein Orchester, das international so renommiert ist, wie es spielerisch die Grenzen zwischen Populär- und Hochkultur überwindet.
 
Auf der Friedrichstraße vis-à-vis vom Bahnhof, in fußläufiger Nachbarschaft von Straßen-strich und Synagoge, unweit vom Sitz des Souveräns und der Shops der Reichen und Schönen, hat Klaus Maria Brandauer das Umfeld und die Bühne gefunden, die der Dreigroschenoper angemessen sind. Nicht nur weil der Mythos der pulsierenden Schlagader Berlins auf der „Sauf-, Kauf- und Laufstraße“ anklangsweise noch erahnbar ist, sondern weil diese Gegend Brechts ureigenstes Territorium war und Die Dreigroschenoper hier ihren gefeierten Auftakt hatte.
 
Im Admiralspalast schließen sich die Kreise, wenn sich drei Tage vor dem 50. Todestag Bertolt Brechts die Pforten zur Premiere der Dreigroschenoper öffnen. Einzigartig erhaltenes Relikt der Goldenen Zwanziger, wird der legendäre Vergnügungstempel einen kurzen Sommer lang seinen verschwenderischen Glanz mit der Opulenz des Bühnenereignisses um die Wette strahlen lassen. Und wenn das Funkeln auf die Straße dringt und wenn der Funke überspringt – dann wird dieser Sommer ein Fest für Brecht.



Biografien:
 
Klaus Maria Brandauer
inszeniert Brecht und Weill
Klaus Maria Brandauer gehört zu den wenigen deutschsprachigen Schauspielern, die weltweite Anerkennung gefunden haben. Bereits Mitte der sechziger Jahre war er einer der gefragtesten Schauspieler auf deutschsprachigen Bühnen. Mit Shakespeares Romeo bis Schillers Fiesko, mit Büchners Leonce bis zum Lessingschen Prinzen in der legendären Fritz Kortner Inszenierung spielte er sich in die Herzen der Zuschauer. Seit 1972 ist er Mitglied am Wiener Burgtheater auf Lebenszeit. Dort war er Don Carlos, Ferdinand, Tartuffe, Cyrano de Bergerac und mehr als 100 Mal Hamlet. Zurzeit spielt er die Titelrolle in Lessings „Nathan der Weise“. Seine im Jahr 2002 inszenierte Hamlet -Aufführung ist immer noch auf dem Spielplan des Wiener Burgtheaters.
 
1970 gab er in der Hollywood-Produktion „The Salzburg Connection“ sein Filmdebüt. Im Laufe der Jahre folgten der James-Bond-Streifen „Never Say Never Again“, „Out Of Africa“, „White Fang“, „Streets Of Gold“, „Rembrandt“ und „Introducing Dorothy“. Mit seinem Freund István Szabó schuf er die Filmtrilogie „Oberst Redl“-„Mephisto“-„Hanussen“. Als Regisseur verfilmte er „Georg Elser – Einer aus Deutschland“ und „Mario und der Zauberer“ von Thomas Mann. Klaus Maria Brandauer ist ordentlicher Professor am Max -Reinhardt-Seminar in Wien, Ehrendoktor der Universität Tel Aviv und Ehrenbürger von Altaussee in der Steiermark und Haynes in Alaska.
 
„Die Kunst der Verführung“ heißt ein unlängst über ihn erschienenes Buch. Das Thema der Verführung zieht sich wie ein roter Faden durch das künstlerische Leben von Klaus Maria Brandauer. Und ganz egal, ob auf oder neben der Bühne, vor oder hinter der Kamera, ob er spielt, liest, singt, rezitiert oder inszeniert – in allen Fällen scheint der Charismatiker zu verführen wie kaum ein zweiter Bühnen- oder Filmkünstler unserer Zeit: Erst erliegen genau die Menschen seiner Begeisterungsfähigkeit, die er braucht, um seine Projekte einzigartig zu machen – dann das Publikum.

 
Campino
debütiert als Mackie Messer
In die Ehrenränge der Punkszene spielen sich Campino und Die Toten Hosen schon früh mit Hits wie „Eisgekühlter Bommerlunder“ oder „Opel-Gang“. In der Folge machen sie mit ihrer Mischung aus anarchischer Spaßbetontheit, intelligent provokativen Texten, aber auch wütendem gesellschaftlichem Engagement nicht nur deutschsprachigen Punk radiotauglich, sondern lassen die Wände der größten Arenen Deutschlands wackeln. Als sie 1988 in der Musical-Inszenierung von „Clockwork Orange“ mitwirken, reißt es selbst das Feuilleton der Zeit zu der Bemerkung hin: „Ihre Musik schlägt zu, dass es eine Freude ist.“
 
Unbeeindruckt von Erwartungshaltungen oder vom Hinscheiden und Wiederauferstehen musikalischer Moden gehen Campino und die (von ihren Fans liebevoll abgekürzt) Hosen ihren eigenen Weg. Zum Beispiel mit ihrer letzten wieder einmal platinveredelten CD: „Nur zu Besuch: Unplugged im Wiener Burgtheater“. Jetzt besucht Campino den Admiralspalast, und man kann davon ausgehen, dass der Bürgerschreck Brecht seinen Spaß an dieser Besetzung des Macheath gehabt hätte.

 
Jenny Deimling
ist Lucy
Zu den besonderen Fähigkeiten, die Jenny Deimlings Künstleragentur zusätzlich zu ihrer Vita als Schauspielerin aufführt, gehört neben Englisch ausdrücklich auch Berlinerisch. Und das ist eben nicht nur ein Akzent, sondern Ausdruck eines ganz besonderen Erfahrungshintergrunds. Aufgewachsen im geteilten Berlin, absolviert sie ihre Schauspielausbildung im Theaterverein 1990 Berlin, in einer Stadt und zu einer Zeit also, in der das kreative Experiment eine der bestimmenden Lebensformen ist. In der freien Theaterszene der Hauptstadt ist die junge Schaupielerin immer noch unterwegs, zuletzt in Matthias Stiers Inszenierung von Ibsens „Die Frau vom Meer“. Zugleich aber ist sie längst auch auf den Bühnen, Fernsehschirmen und Kinoleinwänden der gesamten Republik angekommen: Am Maxim Gorki Theater ist sie eines der „Top Girls“ im gleichnamigen Stück der wohl bedeutendsten englischen Gegenwartsdramatikerin Caryl Churchill. Auf der Bühne des Theaters Brandenburg ist sie als Gretchen genauso zu bewundern wie in der schwungvollen Inszenierung des Musicals „Linie 1“. Und neben zahlreichen Auftritten bei „Tatort“, „Polizeiruf 110“ und anderen Fernsehproduktionen reüssiert sie auf der großen Leinwand in Zoltan Spirandellis „Vaya con Dios“, der bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises gleich drei Auszeichnungen erhält.
 
Mit Klaus Maria Brandauer und Walter Schmidinger arbeitet Jenny Deimling schon bei der in Deutschland und Österreich mit großem Erfolg aufgeführten Inszenierung der dramatischen Dichtung „Manfred“ von Byron/Schumann. Nun wird man sie als Tiger Browns Tochter Lucy um Mackie Messer kämpfen sehen.

 
Maria Happel
ist die Spelunkenjenny
Gleich mehrmals in Wien als „Beste Schauspielerin“ ausgezeichnet, müsste man für Maria Happel eigens einen weiteren Preis ins Leben rufen: einen für vielseitige Schauspielkunst über alle Genre-Grenzen und über den Graben zwischen U und E hinweg. Ob als Burgschauspielerin, Musical-Darstellerin, Serienheldin im Fernsehen oder auf der großen Leinwand – Maria Happel reüssiert in allen Rollen
 
Ihren Durchbruch erzielt sie mit der Titelrolle im Musical „Edith Piaf“, in der sie die Legende mit solcher Verve verkörpert, dass man hingerissen ist. Claus Peymann holt sie 1991 an die Burg, wo man sie für die Lebendigkeit und die Intensität ihres Spiels liebt. Tief beeindruckt ihre unter die Haut gehende Darstellung der Seilkünstlerin in Thomas Bernhards „Der Ignorant und der Wahnsinnige“. Und in der „Hamlet“-Inszenierung von Klaus Maria Brandauer gibt sie die Gertrud so sinnlich, wie man Hamlets Mutter wohl kaum je gesehen hat. Nun wird man sie als Spelunkenjenny sehen und wenn sie die ZuhälterBallade singt, wird es ein Erlebnis sein.
 

Gottfried John
ist Mr. Peachum
Das ist Gaius Julius Caesar, muss Regisseur Claude Zidi gedacht haben, als er auf der Suche nach „seinem“ Caesar Gottfried John traf. Aber ganz gleich, ob als Imperator an der Seite von Gerard Depardieu oder als Gegenspieler von Pierce Brosnan in der James-Bond-Verfilmung Golden Eye – Gottfried John ist einer der international gefragtesten und erfolgreichsten Schauspieler Deutschlands, weil seine unnachahmliche schauspielerische Präsenz und seine unverwechselbaren Züge ihn zum Charakterdarsteller schlechthin machen. Einer der Ersten, die das erkennen, ist Rainer Werner Fassbinder. Mit „Acht Stunden sind kein Tag“, dem ersten von zahlreichen Projekten mit dem wohl radikalsten Vertreter des deutschen Autorenfilms und Gründer des „Antitheaters“, gelingt John der Durchbruch. Seitdem brilliert er an vielen Bühnen und in noch mehr nationalen und internationalen Filmerfolgen, die ihm mehrfach die Auszeichnung als Schauspieler des Jahres sowie den „European Award“ einbringen.
 
Im Sommer 2006 kann man John beinahe zeitgleich in der Fernsehproduktion „Störtebeker“ im Fernsehen sehen wie auch auf der Bühne des Admiralspalastes – wo er als Jonathan Peachum einen Bettlerkönig gibt, der es an Gerissenheit und moralbefreiter Egomanie mit jedem römischen Imperator aufnehmen kann.
 
Michael Kind
ist Tiger Brown
Was wäre der deutsche TV-Krimi ohne Michael Kind? „Polizeiruf 110“, „Ein Fall für zwei“, „Tatort“, „SOKO Leipzig“, „Küstenwache“ – der Mann mit dem hellwachen, kritisch -ernsten Blick scheint auf spannende Unterhaltung abonniert zu sein. In dem Psychothriller „Das Böse“ mit Ulrich Tukur lässt er den Zuschauern Gänsehaut wachsen, als Gegenspieler von Nadja Auermann fesselt er in „Dornröschens leiser Tod“.
 
Bevor er sich auf seine TV-Karriere konzentriert, spielt Michael Kind im Berliner Ensemble, an der Freien Volksbühne und am Deutschen Theater. Vom Laertes in „Hamlet“ über den Moritatensänger in der „Dreigroschenoper“ bis hin zum Balke in Heiner Müllers „Der Lohndrücker“ gibt es wenige Rollen, die er nicht in seinem dramatischen Repertoire hat.
 
Seine Begabung für das Kriminalfach und seinen Bühnenhintergrund kann Michael Kind nun perfekt vereinen – als Polizeichef von London, Tiger Brown.

 
Birgit Minichmayr
ist Polly Peachum
Seit ihrem Debüt in Schnitzlers „Reigen“ an der Burg 1999 hat sich die 29-jährige Birgit Minichmayr in kürzester Zeit in die erste Liga deutscher Theatergrößen gespielt. 2000 erhielt sie den Nestroy-Theaterpreis als Bester Nachwuchs, 2004 den Nestroy-Theaterpreis als Beste Hauptdarstellerin. „Sie ist vehement, laut und ungestüm. Alles ergreift sie total, und so spielt sie auch. Sie verschwendet sich, was bedeutet, dass sie in überreicher Fülle auszuteilen vermag“, so die Laudatio zur Verleihung des Ulrich-Wildgruber -Preises 2003. Und das verfängt auch vor der Kamera. Nach nur zwei Filmauftritten wird sie auf der Berlinale 2001 zum Shooting Star gekürt, spielt 2003 in der „Der Untergang“ eine viel beachtete Rolle und wird im Herbst dieses Jahres in der Verfilmung des internationalen Bestsellers „Das Parfum“ zu sehen sein.
 
2004 wechselt Birgit Minichmayr vom Burgtheater zu Castorfs Volksbühne, was einstimmig als herber Verlust für die Burg und Coup für Berlin kommentiert wird. In der „Hamlet“-Inszenierung von Klaus Maria Brandauer beeindruckt sie als Ophelia. Und wenn sie nun die Polly gibt, gibt sie uns ein weiteres Beispiel für ihre erstaunliche Wandlungsfähigkeit und ihre mitreißende Expressivität.
 

Katrin Sass
ist Mrs. Peachum
Oszillierend zwischen Verletzlichkeit und Stärke, gefeiert in zahlreichen ambivalenten Frauenrollen, ist Katrin Sass in der DDR einer der populärsten DEFA-Stars. Nach der Wende knüpft sie in vielen Kino- und TV-Produktionen – unvergessen ihre Rolle als Kommissarin Tanja Voigt in „Polizeiruf 110“ – daran an.
 
Nachdem sie sich auf der nunmehr gesamtdeutschen Kinoleinwand an der Seite von Dominique Horwitz mit der Titelrolle in „Heidi M.“ eindrucksvoll zurückgemeldet hat, erspielt sie sich in „Good bye, Lenin!“ , der erfolgreichsten deutschen Filmproduktion seit Jahren, ein gefeiertes Comeback. Wie viele Zwischentöne die Sass tatsächlich in ihrem Repertoire hat, zeigt sie auch in der Bar jeder Vernunft, wo sie mit dem sehr persönlichen deutsch-deutschen Liederabend „Fahrt ins Blaue“ gastiert. Im hingerissenen Publikum auch Klaus Maria Brandauer, der im Anschluss alles daransetzt, die Künstlerin zur Mitwirkung an der Dreigroschenoper 2006 zu bewegen – mit Erfolg.
 

Walter Schmidinger
ist Münzmatthias
„Ein Blick, eine Geste, ein Wort und ein Mensch ist erschaffen, dem Publikum bis dahin unbekannt und doch mit einem Augenblick vertraut und nahe.“ Diese auszugsweise Begründung des Kritikerpreises, den Schmidinger für seine Rolle in der Dramatisierung von Thomas Bernhards „Alte Meister“ erhielt, trifft ziemlich genau, warum er als eine der wichtigsten Größen des deutschen Sprechtheaters gilt. Nicht nur als Bernhard-Darsteller, sondern auch mit seinen grandiosen Interpretationen von Hamlet, Nathan und König Lear hat sich Walter Schmidinger in die Theatergeschichte eingeschrieben. Sein fein nuanciertes Spiel kann die Zerrissenheit der menschlichen Existenz enthüllen, die Deformationen der Seele plastisch und das Komische im Tragischen deutlich machen. Oder um es mit den Worten von Hellmuth Karassek zu sagen: „Walter Schmidinger ist einer der wenigen Schauspieler, die man, ohne zu zögern, ‚begnadet‘ nennen darf, wobei man sich darüber klar sein muß, daß „begnadet“ immer auch „verflucht“ heißt und bedeutet: Gnade und Fluch sind zwei Seiten der gleichen Medaille. … Große Kunst ist immer auch ein Pakt mit dem Teufel.“
 

Jan Müller-Wieland
dirigiert das Deutsche Filmorchester Babelsberg
 
„Mit unsentimentaler, expressiver Geste vermögen sich ebenso Lebenslust und doppelbödiger Humor zu artikulieren wie auch Phantasmagorien der Zerstörung oder Konkretionen des Bösen“, so ein Musikredakteur über die kompositorischen Qualitäten von Jan Müller-Wieland. Etwas anschaulicher formuliert der Spiegel in einem Artikel zur selben Person: „Man trägt wieder Stimmband.“ Gemeint ist in beiden Fällen ein Künstler, der die Vitalität musikalischen Ausdrucks den (häufig von schwitzenden Kritikern geforderten) eisigen Höhen irgendeiner Avantgarde vorzieht. Vitalität jedoch existiert für den vielfachen Preisträger nicht ungebrochen, immer liegt darin auch das Komische, Groteske und Absurde des Lebens schlechthin. Die Affinität zur Opera Buffa, zum Theater, zur Singstimme macht den renommierten Komponisten und gefeierten Dirigenten genauso zum idealen Exegeten der Musik von Kurt Weill wie die Unbekümmertheit gegenüber schwarz-weiß zeichnender Konvention. O-Ton Jan Müller-Wieland: „Wenn man gut und böse auf dem Theater nicht mehr trennen kann – das fasziniert mich.“
 
Mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg, dem Jan Müller-Wieland im Rahmen des Projektes erstmals als musikalischer Leiter und Dirigent vorsteht, trifft er auf einen international renommierten Klangkörper, der ebenfalls dafür bekannt ist, Grenzen aufzulösen: namentlich die zwischen dem großen E und dem großen U, zwischen Hoch- und Populärkultur.
 

Lukas Leuenberger
produziert Die Dreigroschenoper
Mit der Sensibilität für außergewöhnliche Konstellationen, dem Feingefühl für Künstler und der Chuzpe des klassischen Impresarios macht Lukas Leuenberger Theater, das – mitunter provozierend quer zum Repertoirebetrieb – die Einzigartigkeit der Stoffe zum Leuchten bringt.
 
So verhandelt er, wie im Fall „Jeanmaire“, mit den Mitteln der Kunst politisch brisante Themen oder lässt als Hommage an den Autodidakten und Shakespeare-Verehrer Ulrich Bräker eigens für einen Sommer das legendäre Globe Theatre nachbauen. Die Weimarer Uraufführungsbühne gewinnt er dazu, den 200. Geburtstag von Schillers „Wilhelm Tell“ mit einer Jubiläumsaufführung auf dem Rütli zu begehen: ein historischer Brückenschlag zwischen zwei symbolisch bedeutsamen Orten und ein Theaterereignis, das durch die gewaltigen Bühnenskulpturen von Günther Uecker zum Gesamtkunstwerk wird. Die Leidenschaft für eine Idee und das Gespür, zur richtigen Zeit die richtigen Leute dafür zu begeistern, führt auch zur Zusammenarbeit mit Klaus Maria Brandauer. Und zu dessen Inszenierung von Esther Vilars „Speer“, die am historischen Amtssitz von „Hitlers Archi-tekten“ in der Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz von geradezu verstörender Eindringlichkeit ist.
 
Mit der Dreigroschenoper in der Hochzeit des Brecht-Jahres 2006 wird dieses Prinzip auf ein höchst lustvolles Niveau gehoben: Das einzigartige Zusammentreffen von Künstlern, Köpfen, Charakteren, Schauplatz, Stück, Stoff und Zeit ergibt eine atmosphärische Dichte, die den Furor der zwanziger Jahre und die Fulminanz von Brecht und Weill neu und überschäumend zu Tage treten lässt.

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