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Theater: Drei Schwestern
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Drei Schwestern (Tri sestry) Drama in vier Akten
Von:
Anton Tschechow Uraufführung: 31. Januar 1901 (Moskau, Künstlertheater)
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Zur Inszenierung des Schauspiel Frankfurt:
Premiere: 10. Oktober 09
Regie: Karin Henkel
Bühne: Stefan Mayer Kostüme: Klaus Bruns Musik: Christopher Brandt Licht: Johan Delaere Dramaturgie: Nora Khuon
Besetzung:
Natalja Iwanowna: Mira Partecke Olga: Stephanie Eidt Mascha: Claude De Demo Irina: Kathleen Morgeneyer Andreij Sergejewitsch Prosorow:
Sascha Nathan Fjodor Iljitsch Kulygin: Michael Goldberg Alexander Igntjewitsch Werschinin: Martin Rentzsch Nikolai Lowowitsch Tusenbach: Christoph Pütthoff
Wassili Wassiljewitsch Soljony: Victor Tremmel Iwan Romanowitsch Tschebutykin: Heidi Ecks Anfissa: Gerd Kamphausen / Rüdiger von Wedel
Aufführungsdauer etwa 3 Stunden, eine Pause; in der Übersetzung von Ulrike Zemme. Besprechung auf kulturfreak.de
Drei Schwestern Schauspiel Frankfurt
Olga (Stephanie Eidt), Irina (Kathleen Morgeneyer), Kulygin (Michael Goldberg), Tusenbach (Christoph Pütthoff) Foto: Sebastian Hoppe
Am Anfang ist ein Sirren und Flirren um das Haus der Prosorows. Junge Männer gehen ein und aus, es gibt drei schöne Töchter, davon zwei noch unverheiratet. Sie sind die
Attraktionen der Provinz, in der sie leben. Aber sogar Mascha, die verheiratete unter den drei Schwestern, zieht die Männer an, und Werschinin, der einmal den Spitznamen »der
verliebte Leutnant« trug, sagt zu ihr: »Menschen wie Sie wird es nach Ihnen vielleicht schon sechs geben, dann zwölf. Und so weiter. Bis endlich Menschen wie Sie in der
Mehrzahl sind.« Die Schwestern aber haben anderes im Sinn: Raus aus der Provinz und ab nach Moskau, auf den Heiratsmarkt. Da fände sogar Olga, die schon 28 ist, noch
einen Mann. Alle warten nur darauf, dass Andrej Prosorow, der Bruder, seine Dozentur in Moskau antritt, um das Haus, das väterliche Erbe, endlich loszuschlagen und alle
Brücken abzubrechen. Da erscheint Natalja,ein nicht ganz stilsicheres, dafür umso willensstärkeres Mädchen, in das Andrej sich rettungslos verliebt. Ein Jahr später ist Andrej
verheiratet, hat einen Sohn und eine Stelle bei der Kreisverwaltung. Und auch der Verkauf des Hauses scheint so leicht nun nicht mehr möglich, seit Natalja eingezogen ist. Am
Ende sagt Werschinin: »Ich denke oft: was, wenn man sein Leben noch einmal von vorn beginnen könnte? Wenn das eine Leben, das man schon gelebt hat, wie man sagt, ins Unreine gewesen wäre?«
»Drei Schwestern« ist Karin Henkels erste Arbeit am Schauspiel Frankfurt. Sie inszenierte u. a. am Deutschen Theater Berlin, Berliner Ensemble, Schauspielhaus Hamburg,
Staatstheater Stuttgart und Wiener Burgtheater. 2006 erhielt sie den Caroline-Neuber-Preis und ihre Inszenierung von Tschechows »Platonov« wurde zum Berliner Theatertreffen eingeladen.
Zum Stück »In den Dramen Tschechows leben die Menschen im Zeichen des Verzichtes. Verzicht vor allem auf die Gegenwart, Verzicht auf Glück.« Was Peter Szondi hier beschreibt trifft
auch auf die »Drei Schwestern « zu. Doch ist es kein freiwilliger Verzicht, keiner im Zeichen einer Moral, kein Verzicht, der etwas Höheres als Gewinn verspräche, wenn man
nur lang genug aushielte. Nein, es ist mehr ein Ausgeschlossensein vom Eigentlichen, vom Glück, von der Liebe, von der Erfüllung. Die Fabel des Stücks ist schnell erzählt. Olga,
Mascha und Irina, die drei Schwestern Prosorow leben mit ihrem Bruder Andrej in einer Garnisonsstadt in der russischen Provinz. Sie sehnen sich zurück nach ihrer Heimat
Moskau. Ihr Vater, ehemals in diese Einöde versetzt, ist jetzt seit einem Jahr verstorben. Der Aufenthalt am gefühlten Ende der Welt hat somit seinen Sinn verloren. Die
Erinnerung an die Zeit in Moskau überflutet das tägliche Leben und bündelt sich in den Schrei: »Nach Moskau!« Die drei Frauen, gebildet und klug, aber ohne Beschäftigung,
hoffen, dass ihr Bruder Andrej einen Ruf als Universitätsprofessor in die Hauptstadt bekommt und sie endlich ins wirkliche Leben zurück dürfen. Doch Andrej wird kein
Wissenschaftler; nach kurzer heftiger Verliebtheit in die Provinzlerin Natascha, versinkt er apathisch in einem Alltag ohne höhere Ziele, überfordert von den Ansprüchen der
Schwestern an ein besseres Leben.
Umgeben von Militärs, Hängengebliebenen und Angeheirateten leben sie in einer Art Zwischenzeit, einer Lücke. Ihre Gegenwart ist auf eine bloße Spanne des Ausgesetztseins
zusammengeschrumpft. Sie sind an den Rand gedrängt, geographisch wie gesellschaftlich, und immer sehnen sie sich und sind getrieben von einer Suche nach dem
Eigentlichen, nach dem, was dem Leben einen Sinn verleihen könnte. Alle reflektieren diesen Zustand, quälen sich durch Analysen und suchen nach einem Neubeginn. Dabei
orientiert sich die Qualität der erhofften Zukunft an der der Vergangenheit, das heißt an der Erinnerung an das ferne Zauberland der Kindheit, an Moskau, das verklärt über allem
thront. Tschechows Figuren sind dabei nicht tatenlos. Doch sind alle Veränderungen, die sie bewirken, nicht die, die zur Erlösung und zur inneren Ruhe führen. Andrej verliebt
sich und heiratet, doch schon schnell dringt Ernüchterung in die Beziehung ein, er nimmt eine Stellung bei der Verwaltung an, doch zermürbt ihn die Diskrepanz zwischen der
erträumten Moskauer Professur und seinem tatsächlichen Beruf; Mascha stürzt sich in eine Verliebtheit mit einem Militär, doch sie wird verlassen und bleibt zurück; der Offizier
Tusenbach gibt seinen Beruf für Irina auf, doch ihre Liebe erhält er dennoch nicht; Irina will in der Arbeit ihren Sinn finden, doch stellt sich die Realität der Arbeit als fremd, als
»ohne Poesie, ohne Idee« dar. Sie muss bekennnen: »Ich bin vierundzwanzig Jahre alt. Mein Gehirn ist wie ausgetrocknet, ich bin abgemagert, verdummt, gealtert, und nichts,
nicht die geringste Befriedigung habe ich in meiner Arbeit gefunden. Die Zeit entflieht so rasch, und es ist mir, als ob ich mich von dem wahren, wirklich schönen Leben immer
mehr entferne – als ob ich in einen Abgrund versinke.« Die Figuren rauschen am Glück vorbei. Sie sind isoliert von der Welt der anderen, verbindungslos versuchen sie sich
immer wieder zu verorten, doch gelingt es ihnen nicht. Sie spannen ihre Kräfte bis zum Äußersten, ohne Ergebnis. Das ferne Ziel Moskau ist dabei der Stellvertreter des
nichterfüllbaren Wunsches. Pragmatisch betrachtet könnte man sagen: Geht doch nach Moskau, was hindert euch? Aber diese Option besteht überhaupt nicht, ein Moskau gibt
es nicht. Es existiert auch keine Tragödie um das Nichtankommen im fernen Moskau, es wird weder gekämpft noch gearbeitet, um diesen Traum zu realisieren, Moskau bleibt
Symbol. Das eigentliche Zentrum der Tragödie ist das Unvermögen zu erkennen, wo das eigene Glück wohnt. Werschinin beschreibt Mascha gegenüber, als sie Moskau als das
ferne Glücksversprechen proklamiert: »Sie würden nicht bemerken, dass sie in Moskau sind, wenn sie dort lebten. Es gibt kein Glück.« Die Schwestern leben an diesem Nichtort
des Glücks, aber sie erkennen die Nichtexistenz des Glücks nicht an. Ihr permanentes Scheitern kann nicht die Sehnsucht töten, die man zum Weiterleben braucht.
Zum Autor Sie brauchen meine Biographie? Da ist sie. Geboren wurde ich 1860 in Taganrog. 1879 beendete ich das Gymnasium in Taganrog. 1884 beendete ich das Studium an der
Medizinischen Fakultät der Universität Moskau. 1888 bekam ich den Puškinpreis. 1890 unternahm ich eine Reise nach Sachalin durch Sibirien und zurück übers Meer. 1891
unternahm ich eine Tournee durch Europa, wo ich sehr guten Wein getrunken und Austern gegessen habe. 1892 habe ich mich mit V.A. Tichanov auf einem Namenstag amüsiert
. Zu schreiben begann ich 1879 in der »Strekoza«. Meine Erzählungsbände sind: »Bunte Erzählungen«, »In der Dämmerung«, »Erzählungen«, »Mürrische Menschen« und die
Novelle »Das Duell«. Ich habe auch im dramatischen Fach gesündigt, wenn auch mit Maßen. Bin in sämtliche Sprachen übersetzt, ausgenommen Fremdsprachen. Übrigens, die
Deutschen haben mich schon längst übersetzt. Die Serben und Čechen finden mich ebenfalls gut. Auch die Franzosen sind dem Austausch nicht abgeneigt. In die Mysterien der
Liebe eingeweiht wurde ich, als ich 13 Jahre alt war. Mit meinen Kollegen – Medizinern wie Literaten – pflege ich ausgezeichnete Beziehungen. Junggeselle. Möchte eine
Pension bekommen. Praktiziere als Arzt, und zwar so weit, dass ich im Sommer manchmal gerichtsmedizinische Obduktionen vornehme, die ich schon 2-3 Jahre nicht mehr
durchgeführt habe. Unter den Schriftstellern bevorzuge ich Tolstoj, unter den Ärzten – Zacharjin. Aber das ist alles Unfug. Schreiben Sie, was Sie wollen. Wo keine Fakten sind
ersetzen Sie sie durch Lyrik. Anton Tschechow
Zum Regieteam: Karin Henkel (Regie) geboren 1970 in Köln, arbeitet zu Beginn der 90er Jahre als Regieassistentin und Regisseurin am Staatstheater Wiesbaden. 1995 debütiert sie mit
»Hexenjagd« am Burgtheater Wien als jüngste Regisseurin, die dort je inszenierte. Es folgen Inszenierungen u.a. am Thalia Theater Hamburg, Schauspielhaus Bochum,
Schauspiel Leipzig, Schauspielhaus Zürich, Staatstheater Stuttgart, Deutschen Schauspielhaus in Hamburg und am Deutschen Theater Berlin. 2006 wird sie für ihre
Theaterarbeiten mit dem Caroline Neuber-Preis der Stadt Leipzig ausgezeichnet. Ihre Stuttgarter Inszenierung von Tschechows »Platonow« wird im gleichen Jahr zum Berliner
Theatertreffen eingeladen. 2007 wird ihre Arbeit »Liliom« (Staatstheater Stuttgart) für den Faustpreis nominiert. Mit »Drei Schwestern« inszeniert sie zum zweiten Mal ein Drama Tschechows.
Klaus Bruns (Bühne) geboren 1962, studiert zunächst Bühnenbild und Kostümentwurf am Mozarteum in Salzburg. Seit 1988 arbeitet er als Kostümbildner an vielen
bedeutenden Opern- und Schauspielhäusern u.a. in Turin, Hamburg, Frankfurt, Berlin, Antwerpen, Amsterdam, Wien, München, Zürich, Düsseldorf, Köln und Stuttgart mit
Regisseuren wie Barry Kosky, Götz Friedrich, Guy Joosten, Michael Schulz und Michael Talke, Niklaus Helbling, Anna Badora. Mit Karin Henkel verbindet ihn eine langjährige Arbeitsbeziehung.
Stefan Mayer (Kostüme) 1959 in Stuttgart geboren, studiert in seiner Heimatstadt Bühnenbild an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, bevor er ein Stipendium der
Kunststiftung Baden-Württemberg für Lichtdesign an der Yale University annimmt. Ab 1982 arbeitet er in Frankfurt, Bochum, Düsseldorf, Zürich, New York und den Niederlanden
. Er wird Ausstattungsleiter am Schauspiel Frankfurt, später am Schauspielhaus Bochum. Er arbeitete u.a. mit den Regisseuren Jürgen Kruse, Peter Stein, Leander Haussmann,
Christine Mielitz und Nicolas Stemann zusammen. Stefan Mayer inszeniert außerdem in Bochum, Dortmund und Stuttgart. Mit Karin Henkel arbeitet er zum wiederholten Mal zusammen.
Christopher Brandt (Musik) studierte Schulmusik und Gitarre in Frankfurt, Gitarre in Würzburg, Komposition in Darmstadt und Germanistik in Frankfurt. Er arbeitet unter
anderem mit dem Ensemble Modern, dem Klangforum Wien, dem Radiosinfonieorchestern Frankfurt, Saarbrücken und Berlin und den Bochumer Sinfonikern. U.a. Ur- und
Erstaufführungen von Olga Neuwirth, Wolfgang Rihm, Frank Zappa, Helmut Lachenmann, bei den Berliner Festwochen, den Wiener Festwochen, dem New Yorker Lincoln
Center Festival. Christopher Brandt ist außerdem E-Gitarrist und E-Bassist der experimentellen Pop-Formation »Mavis«. Als Bühnenmusiker arbeitet er für das Staatstheater
Kassel, das Thalia Theater Hamburg und das Schauspiel Frankfurt. Außerdem ist er Professor an der Frankfurter Musikhochschule.
[© Schauspiel Frankfurt]
www.schauspielfrankfurt.de
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Zur Inszenierung der Theater Chemnitz:
Premiere: 24. Januar 09 ( Schauspielhaus)
Regie: Enrico Lübbe Bühne:
Hugo Gretler Kostüme: Michaela Barth
Besetzung: Andrej Sergejewitsch Prosorow: Wenzel Banneyer Natalja Iwanowna: Ulrike Euen Olga:
Bettina Schmidt Mascha: Julia Berke Irina: Daniela Keckeis Fjodor Iljitsch Kulygin: Michael Pempelforth Alexandr Ignatjewitsch Werschinin: Dirk Lange
Nikolaj Lwowitsch Tusenbach: Bernhard Conrad Wasilij Wasiljewitsch Solenyi: Yves Hinrichs Iwan Romanowitsch Tschebutykin: Bernd-Michael Baier
Aleksej Petrowitsch Fedotik: Karl Sebastian Liebich Wladimir Karlowitsch Rode: Nikolaus Barton Ferapont: Klaus Schleiff Anfisa: Muriel Wenger
Das Stück Vor elf Jahren verließen die drei Schwestern Olga, Mascha und Irina mit dem Vater ihre Heimatstadt Moskau und zogen in
eine namenlose Gouvernementshauptstadt, in die ihr Vater zum Brigadekommandeur berufen worden war. In der Provinz wird das Haus der drei Schwestern zum gesellschaftlichen Mittelpunkt und
zum Treffpunkt der Offiziere; der Vater hält die Prinzipien der Bildung und der Literatur hoch. Nun ist der Vater gestorben, die drei Schwestern sind erwachsen, und in ihnen brennt immer
stärker der Wunsch, jetzt wieder nach Moskau zurückzukehren. In ihrem Haus und in ihrem Leben herrscht Leere: Mit dem Tod des Vaters nahm schlagartig die Zahl der Gäste ab; mit dem
verbliebenen überschaubaren kleinen Kreis der täglichen Besucher verbringen sie einen um den anderen Tag. Das Leben tritt auf der Stelle – wenn da nicht die Hoffnung wäre auf einen Neubeginn
und eine glänzende Zukunft. Doch bei aller brennenden Hoffnung auf die Zukunft – es kommt zu keiner Rückkehr nach Moskau. Über vier Akte setzt sich das Leben der drei Schwestern immer
tiefer in der Provinz fest, und unter der Hand zerrinnt das Leben ...
Zur Inszenierung Anton Tschechow schuf
das Portrait einer Gesellschaft, die sich in Utopien und Idealen ergeht, die begeistert den Zeitgeist debattiert – ohne jedoch wirklich noch in der Zeit zu leben. Eine Elite, die im
Verdunkeln begriffen ist, rutscht aus der Realität. Wie festgefroren wirken die drei Schwestern und ihre Mitmenschen; auf irrationale Weise unfähig, ihre Pläne zu verfolgen. Unter den
Debatten und Utopien lauern eiskalte Dialoge und latente Aggressivität und bringen die Zukunft zur Strecke. Ideale haben hier keine Chance, und Idealisten auch nicht. Ein ganzes Arsenal
scharf gezeichneter Charaktere lässt Tschechows dramatische Studie aus dem Jahre 1903, hier in der Übersetzung von Peter Urban, zu einer eindrucksvollen Spielvorlage für das Chemnitzer
Schauspielensemble werden.
Zum Regieteam gehört bei den „Drei Schwestern“ wiederum der Schweizer Bühnenbildner
Hugo Gretler, der schon zu Saisonbeginn die Bühnenbilder zu Tennessee Williams’ „Endstation Sehnsucht“ und Ulrike Syhas „Privatleben“ schuf. Kommende Arbeiten führen Hugo Gretler, zusammen
mit dem Regisseur Stefan Bachmann, ans Wiener Burgtheater und das Züricher Schauspielhaus. Erstmalig wirkt bei einer Inszenierung von Enrico Lübbe die Kostümbildnerin Michaela Barth mit.
Michaela Barth arbeitet regelmäßig zusammen mit Regisseur Michael Thalheimer, so bei „Faust 1“ und „Faust 2“, der „Orestie“ und den „Ratten“ am Deutschen Theater Berlin und im kommenden
Frühjahr bei Schnitzlers „Reigen“ am Thalia Theater Hamburg. Darüber hinaus arbeitet sie mit Holk Freytag (Staatstheater Dresden, „Faust 1 und 2“, „King Lear“) und Karoline Gruber
(„Ariadne auf Naxos“, Oper Leipzig), mit Christof Loy erarbeitete sie einen Monteverdi-Zyklus an der Deutschen Oper am Rhein sowie mit Katharina Wagner die „Meistersinger von Nürnberg“ bei
den Bayreuther Festspielen 2007. [© Städtische Theater Chemnitz gGmbH]
www.theater-chemnitz.de
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Zur Inszenierung des Berliner Theater am Kurfürstendamm frei nach Anton Tschechow, von Amina Gusner und Anne-Sylvie König
Premiere: 1. Juni 08 Wiederaufnahme: 16. November 08 (Spielzeit bis 6. Dezember 08)
Regie: Amina Gusner Kostüme: Inken Gusner Bühne:
Uta Kala
Besetzung:
Olga: Katja Riemann Mascha: Jasmin Tabatabai Irina: Nicolette Krebitz Werschinin: Jörg Pintsch
Kulygin: Frank Voigtmann Tusenbach: Heiko Senst
Drei Schwestern Theater am Kurfürstendamm Nach Moskau! Nach Moskau! von links: Jasmin Tabatabai, Katja Riemann, Nicolette Krebitz
Foto: Johannes Zacher
Warten aufs Leben „Leben ist später, Leben ist morgen, alles ward für morgen bestimmt, doch es wurde niemals morgen. Sie glauben, das Leben noch vor sich zu haben und doch spüren sie, dass der Horizont endlich ist. Sie sind um die 40. Sie sind Kinder in Erwachsenenkörpern. Die Eltern sind tot, und Kinder haben sie nicht, sie werden dieser Welt nichts hinterlassen, nicht mal eine gute Idee. Und alles aus purer Angst und aus Hochmut, sich wirklich auf das Hier und jetzt einzulassen, sich die Hände schmutzig zu machen und mutig loszuleben," so beschreibt Regisseurin Amina Gusner die „Drei Schwestern". „<Nach Moskau, nach Moskau> bedeutet: nicht hier, nicht jetzt, nicht so. Es steht für: dort,
dann und auf jeden Fall besser als jetzt."
Die drei Schwestern
Katja Riemann spielt Olga
Nach dem Abitur wollte Katja Riemann zunächst Tänzerin werden. Sie brach das Studium der Tanzpädagogik in Hamburg aber nach einem Semester ab und wandte sich der Schauspielerei zu. Sie besuchte die Hochschule für Musik und Theater in Hannover und die Falckenbergschule in München. Noch vor Ende ihrer Ausbildung holte Dieter Dorn sie
ins Ensemble der Münchner Kammerspiele, wo sie auch mit Volker Schlöndorff zusammenarbeitete. Danach war sie am Berliner Schiller Theater engagiert.
Seit Mitte der achtziger Jahre war sie zunehmend in Fernsehrollen zu sehen. 1988 wurde sie mit dem Adolf-Grimme-Preis in Gold ausgezeichnet. Mit Bernd Fischauers
zehnteiliger Fernsehserie „Regina auf den Stufen" (1989/90) gelang ihr der große Durchbruch. 1990 bekam sie gleich zwei Goldene Kameras: Für Rollen an der Seite von
„Schimanski" Götz George und in Leonie Ossowskis „Von Gewalt keine Rede". Im Kino wurde Katja Riemann schnell Star romantischer Komödien. 1998 wurde sie mit dem Bundesfilmpreis als beste Schauspielerin ausgezeichnet. Ihre musikalische Seite bewies sie nicht nur im Kinohit „Comedian Harmonists", sondern auch als einfühlsame Sängerin.
Ihr Soloalbum „Nachtblende" erschien im Herbst 2000, für die „Bandits"-CD erhielt sie gemeinsam mit ihren Kolleginnen Jasmin Tabatabai und Nicolette Krebitz eine Goldene Schallplatte. Darüber hinaus schreibt sie Kinderbücher, u. a. „Der Name der Sonne", das ihre Schwester illustrierte.
2003 erhielt sie für die weibliche Hauptrolle in Margarethe von Trottas Drama „Rosenstraße" bei der Biennale in Venedig den Preis als beste Hauptdarstellerin. In „Das wahre
Leben" (2006) begeisterte sie zusammen mit Ulrich Noethen in einer humorvollen und sensiblen Tragikomödie, ebenso in „Ich bin die andere", in der Regie von Margarethe Trotta.
2007 kam Rainer Kaufmanns Film „Ein fliehendes Pferd" heraus, für den sie viel Lob bekam.
Eine Zeit lang hat Katja Riemann kaum noch Theater gespielt - bis sie die Regisseurin Amina Gusner traf, über die sie sagt: „Ich traf auf eine Regisseurin, deren Phantasie ich begriff und teilte, die mich als Person begriff und schauspielerisch einsetzte. Mir begegnete endlich das, wonach ich 20 Jahre gesucht hatte: das Miteinander, gemeinsam
Theater zu entdecken und zu realisieren. Kunst und Leben verschmelzen zu lassen und den Gedanken des Ensembles zu erleben." Gusner inszenierte mit ihr u. a. „Hedda
Gabler" am Hans Otto Theater Potsdam, „Szenen einer Ehe" an der Komödie am Kurfürstendamm, „sex Stadt beziehungen" für das Maxim Gorki Theater sowie „Anna Karenina".
Jasmin Tabatabai spielt Mascha Jasmin Tabatabai ist im Iran und Deutschland aufgewachsen und studierte in Stuttgart Musik und Darstellende Kunst. Nach dem Studium wurde sie ans Potsdamer Hans Otto Theater engagiert. Parallel zu ihrer Theaterarbeit war sie Mitbegründerin der Band Even cowgirls get the blues.
Mit dem Film „Bandits", in dem es um drei Frauen geht, die im Knast eine Band gründen und Kult werden, erlebte sie 1997 ihren großen Durchbruch. Kult wurde auch der Soundtrack zum Film, der sich über 700.000 Mal verkaufte, mit einer goldenen Schallplatte ausgezeichnet wurde, und bis heute der erfolgreichste europäische Filmsoundtrack ist.
Viele der Songs stammen von ihr. 2002 erschien ihr erstes Soloalbum „Only Love", 2007 ihr zweites: „l ran". 1999 spielte Tabatabai unter der Regie von Helmut Dietl in „Late Show". Ein Jahr später kam Xavier Kollers Tucholsky-Adaption „Gripsholm" heraus, in dem sie als laszive
Sängerin vor der Kamera stand. 2005 wurde sie für die Hauptrolle in „Fremde Haut" für den Deutschen Filmpreis nominiert.
2007 war Jasmin Tabatabai in mehreren Kinofilmen zu sehen. In Chris Kraus' häufig prämierten Film „Vier Minuten" spielte sie noch einmal die Insassin eines Gefängnisses. Der amerikanische Regisseur Hai Hartley besetzte sie in seinem Film „Fay Grim" als israelische Geheimagentin. In Katja von Garniers „Blood and chocolate" war sie wieder einmal als Sängerin zu erleben. Vanessa Jopp engagierte sie für die Komödie „Meine schöne Bescherung".
Als Synchronsprecherin lieh sie Edith Piaf in „La Vie en Rose" ihre Stimme. Eine Herzenssache war für sie die Synchronisation der iranischen Comiczeichnerin Marjane Satrapi,
auf deren Arbeiten der Zeichentrickfilm „Persepolis" beruht. Satrapi erzählt darin von ihrer Kindheit in Teheran und dem anfangs schwierigen Exil in Europa. Für diese beiden
Arbeiten wurde Tabalabai erst kürzlich mit dem „Preis für Synchron" ausgezeichnet.
Regisseur Dieter Wedel holte sie 2006 auf die Bühne zurück. In seiner Inszenierung der „Nibelungen" in Worms stand sie als Kriemhild auf der Bühne. Im Sommer 2007 spielte sie diese Rolle noch einmal. Angesprochen, was ihr wichtiger sei, die Musik oder das Schauspielen, sagte sie vor einiger Zeit in einem Interview: „Schauspielen ist mein Beruf und
meine Berufung - Musik ist meine Leidenschaft!"
Nicolette Krebitz spielt Irina Nicolette Krebitz steht bereits seit 1982 vor der Kamera. Bei einem Casting, zu dem eigentlich ihre Schwester geladen war, bekam sie die Hauptrolle in einem Kinderfilm. Nach einer Tanzausbildung absolvierte sie die Berliner Fritz-Kirchhoff-Schauspielschule und spielte seitdem erfolgreich in mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Kino- und Fernsehfilmen. Für den Film „Schicksalsspiel" und das Drama „Ausgerechnet Zoe" wurde sie 1994 und 1995 jeweils mit einem Adolf Grimme-Preis ausgezeichnet. 1998 gab es eine Goldene Schallplatte und den Bayerischen Filmpreis (Beste Musik) für den von ihr zusammen mit den Schauspielkolleginnen Jasmin Tabatabei und Katja Riemann komponierten Soundtrackzum Roadmovie„Bandits". Sie spielte in TV-Produktionen wie „Der Tunnel" und „So schnell Du kannst" und war von 1995 bis 2001 Mitglied der Band Terranova, die in diesem Zeitraum fünf Singles, drei EPs und ein Album herausbrachte.
Auf der Theaterbühne stand Nicolette Krebitz 1993 mit „Die roten Schuhe" unter der Regie von Armin Petras, 2003 mit „Motel" von Georg F. Walker als szenische Lesung an der Schaubühne Berlin, „Katertage" am Maxim Gorki Theater Berlin (Regie: Armin Petras), 2006 in „Tanzen" am Maxim Gorki Theater (Regie: Arnim Petras) sowie „Pool for Love" von
Sam Shepard, das 2007 unter der Regie von Philipp Reuter am Ballhaus Ost entstand.
2001 entschloss sich Nicolette Krebitz, eigene Filme zu produzieren und selbst Regie zu führen. So realisierte sie mit ihrer Produktionsfirma EXERCISE 4 gleich zwei Filmprojekte:
Neben ihrem sommerlichgroßstädtischen Spielfilmdebüt „Jeans", in dem sie auch mitspielte, produzierte sie den Kurzfilm „Mon Cherie", der im Rahmen der 99EURO-FILMS-Reihe entstand und bei dem sie Produktion, Buch, Regie und Kamera übernahm. 2007 kam ihr zweiter Spielfilm „Das Herz ist ein dunkler Wald" heraus, zu dem sie das Buch schrieb und Regie führte. Vor der Kamera standen u. a. Nina Hoss und Devid Striesow. Ein Kritiker einer überregionalen Tageszeitung schrieb über diese Arbeit: „... ein großartiger,
spannender Film, mit dem sich Nicolette Krebitz in die erste Reihe unter den Filmemachern ihrer Generation katapultiert hat." Zuletzt stand Nicolette Krebitz, gemeinsam mit Jan
Plewka, unter der Regie von Anne Hoegh-Krohn für „Liebeslied" vor der Kamera, der 2008 ins Kino kommen soll.
Die Männer Werschinin wird gespielt von Jörg Pintsch
, der im festen Engagement an den Theatern Zwickau und Erfurt war. Danach arbeitete er freischaffend u. a. an den Staatstheatern
Mainz, Dresden und Schwerin. Seit 1995 hat er regelmäßige Auftritte in Film und Fernsehen. Seit 2006 übt er eine Dozententätigkeit an der Hochschule für Film und Fernsehen
Konrad Wolf in Potsdam aus. In der Tourneeproduktion „Anna Karenina" unter der Regie von Amina Gusner spielte er den Lewin. Frank Voigtmann übernimmt die Rolle des Kulygin. Er arbeitete am Schauspiel Leipzig, dem Theater Nordhausen und dem Staatstheater Kassel mit Regisseuren wie Katja Paryla, Armin Petras und Horst Hawemann. Seit 2003 inszeniert er auch selbst u. a. in Kassel, am Landestheater Parchim, in Konstanz und Zittau. Heiko Senst steht in der Rolle des Tusenbach auf der Bühne. Schon Anfang der goer Jahre war er in Kinoproduktionen wie „Das Versprechen" von Margarethe von Trotta sowie „Der rote Kakadu" von Dominik Graf und in Fernsehfilmen wie „Im Namen des Gesetzes", „Die Gang", „Deutschlandspiel" (Hans Christoph Blumenberg) sowie „Eine Stadt
wird erpresst" (Dominik Graf) zu sehen. Er hatte Engagements am Hebbel-Theater und am Bremer Schauspielhaus, dem Nationaltheater Weimar. Unter der Regie von Robert Wilson spielter er in „Dantons Tod" am Berliner Ensemble und bei den Salzburger Festspielen. Mit Stephan Bachmann arbeitete er am Theater Basel. Unter der Regie von Wolf-Dietrich Sprenger spielte er den Lucky in „Warten auf Godot" am Schauspielhaus Zürich und war bei Luk Percevals Inszenierung „Aars" am Deutschen Schauspielhaus
Hamburg und an der Schaubühne Berlin dabei.
Die Regisseurin Amina Gusner
... wurde 1965 in Moskau geboren. Nach einer Schauspielausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin ist sie seit 1985 als Schauspielerin bei Film und
Fernsehen (u.a. „Praxis Bülowbogen", „Ein starkes Team", „Wie erziehe ich meine Familie?") sowie als Regisseurin und Autorin tätig. Mit der Künstlergruppe „Allein im Hausflur" (zu der auch Paul Wilke, Johannes Zacher und Peter Rene Lüdicke gehören) hat Amina Gusner zahlreiche Aufsehen erregende Videos, Hörspiele und szenische Montagen
veröffentlicht. Ihre Inszenierung der szenischen Montage „Mütter und Männer", die zu den Hessischen Theatertagen 2004 eingeladen wurde, erhielt den Preis der „Jungen
Experten". Am Staatstheater Kassel inszenierte sie „Orestie Fragment", an der Neuen Bühne Senftenberg Schillers „Die Räuber". 2005 wurde die Produktion „Und Heimat - eine
Oper", ein Projekt des Berliner „Theater unterm Dach", uraufgeführt, bei dem sie für Text und Regie verantwortlich zeichnete. Weitere Regiearbeiten am „Theater unterm Dach":
„Nachträume" und „Gefallen". Am Hans Otto Theater inszenierte sie Ibsens „Hedda Gabler" mit Katja Riemann in der Titelrolle. Dabei war auch Peter Rene Lüdicke. Mit beiden Darstellern realisierte sie für die Komödie am Kurfürstendamm Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe" und für das Maxim Gorki Theater „sex Stadt beziehungen". Es folgte die Tourneeproduktion „Anna Karenina", die auch für zwei Wochen im Theater am Kurfürstendamm zu sehen war. Hierfür dramatisierte sie gemeinsam mit Anne Sylvie König auch das Buch. Zuletzt inszenierte sie „Die Katze auf dem heißen Blechdach" am Theater Gera.
Außerdem führte sie u. a. Regie bei den Dokumentarfilmen „... ich geb mir ja Mühe!" und „so sieht es aus".
Nun arbeitet Amina Gusner zum ersten Mal mit den „Bandits"-Darstellerinnen zusammen.
Anton Tschechow und die „Drei Schwestern" Anton Tschechow wurde 1860 als Sohn eines Kaufmanns in Südrussland geboren. Wegen finanzieller Probleme zog die Familie nach Moskau. Anton Tschechow blieb jedoch als Dienstbote in dem Haus, das seinem Vater gehört hatte. Weil er ein Stipendium bekam, konnte er seiner Familie nach Moskau folgen, wo er 1879 ein Medizinstudium begann. Nach seiner Ausbildung arbeitete er als Arzt an einem Krankenhaus. Mit dem Schreiben hatte Tschechow noch während seiner Schulzeit begonnen. Seit 1886 veröffentlichte er Kurzgeschichten in renommierten Zeitungen und bekam Zuspruch von Literaturkritikern und Autoren, so dass er bald begann, die Literatur als Berufung zu verstehen. 1887
wurde sein Drama „Iwanow" an einem bekannten Moskauer Theater gespielt. Anfang der iSgoer Jahre gehörte er zu den meistgelesenen Autoren Russlands. Seine Stücke
wurden in den besten Theatern Moskaus und Sankt Petersburgs gezeigt. Damals begann seine rege Reisetätigkeit: Er erkundete Russland, fuhr nach Hongkong und Singapur
und bereiste Europa. 1892 kaufte er ein Haus in der Nähe von Moskau. Hier arbeitete er an Erzählungen und verfasste die Dramen „Die Möwe" und „Onkel Wanja". Ersteres und
„Drei Schwestern" (1901) sowie sein letztes Stück, „Der Kirschgarten" (1904), und deren Inszenierungen von Stanislawski am Moskauer Künstlertheater machten ihn weltweit
berühmt. Tschechow starb 1904 in Badenweiler, wo er in Begleitung seiner Frau, der Schauspielerin Olga Knipper, die er 1901 geheiratet hatte, eine Heilkur machte.
Karten unter 030/88591188
oder www.komoedie-berlin.de
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Zur Inszenierung des Theater Augsburg:
Premiere: 24. Februar 06
Inszenierung: Roland Hüve Bühne und Kostüme:
Timo Dentler / Okarina Peter Musik: Fred Kerkmann
Mit: Andrej Sergejewitsch Prosorow: Malte Kühn Natalia Iwanowna: Christine Diensberg
Olga: Nicole Schneider Mascha: Stephanie Gossger Irina: Clarissa Herrmann Kulygin Fjedor Iljitsch: Klaus Müller Werschinin Alexander Ignatjewitsch:
Jacques Malan Soljony Wassilij Wassiljewitsch: Robert Christian Kowald Tusenbach Nikolaj Ljwowitsch: Thomas Peters Tschebutykin Iwan Romanowitsch:
Eberhard Peiker Fedotik Alexej Petrowitsch: Frank Siebenschuh Rode Wladimir Karlowitsch: Tim Bierbaum Ferapont: Thomas Plock Anfissa: Eva Maria Keller
Träume vom Glück – Premiere „Drei Schwestern“
Mit dem Drama von Anton Tschechow setzt das Theater Augsburg einen Schwerpunkt zum Spielzeit-Motto „Resignation. Stillstand.
AUFBRUCH“ „Man möchte immer eine große Lange … und dann bekommt man eine kleine Dicke.“ So schreibt treffend Erich Kästner. Eigentlich hätte man/frau aber doch viel lieber „die/den große(n)
Lange(n)“, eigentlich einen anderen, aufregenderen Job, eigentlich ein Häuschen im Grünen anstelle von ZweizimmerKücheBadohneBalkon in der Großstadt, oder, umgekehrt, eigentlich ein wildes
Leben am Puls der Zeit in einer Metropole, statt auf dem Land zu versauern. Eigentlich… Aber Trägheit, Bequemlichkeit, Angst vor Neuem lassen uns oft zaudern. Wir kriegen den
Allerwertesten nicht hoch, auch wenn’s von außen betrachtet gar nicht so schwer fallen würde. Veränderung täte so gut…
Resignation. Stillstand. AUFBRUCH lautet das Motto, mit dem die
Spielzeit 2005/2006 am Theater Augsburg überschrieben ist. „Wir üben uns in der Kunst des Verzögerns und Vertagens, wohl wissend, dass die Vermeidung einer Entscheidung die Negation der
Zukunft ist. Entscheidung aber heißt AUFBRUCH. AUFBRUCH in eine Zukunft, die riskant ist“, so formuliert das Vorwort des Spielzeitheftes. Etwa zur Mitte der Spielzeit steht im Schauspiel
mit Anton Tschechows „Drei Schwestern“ ein Stück auf dem Plan, das exemplarisch dieses Motto, exemplarisch den zitierten Vorwort-Text zum Thema macht und auf den Prüfstand stellt: Drei
Schwestern, Olga, Mascha und Irina, fühlen, dass sie in der Provinz versauern. 11 Jahre zuvor sind sie von Moskau in ein kleines Gouvernementsstädtchen gekommen, wo ihr Vater, ein
Brigadegeneral, ein Regiment übernommen hatte. Jetzt, ein Jahr nach seinem Tod, hat ihr Aufenthalt eigentlich seinen Zweck verloren, sie ersehnen eine Veränderung ihrer Lage und träumen sich
in die Zukunft, „zurück nach Moskau“, zurück ins „Paradies“. Gleichzeitig üben sie sich in genau jener Kunst des Verzögerns und Vertagens, vermeiden die konsequenten, Risiko behafteten
Entscheidungen, negieren somit die Zukunft. Deswegen zerrinnen ihre Illusionen, ihre Träume vom Glück. Drei vom Schicksal fehlbesetzte Schwestern, ein wenig unglücklich, aber auch ein
wenig komisch, bieten uns Projektionsflächen, halten uns einen Spiegel vor. Sie spielen – wie wir alle bisweilen - die Tragikomödie der Unfähigkeit zum Aufbruch. Melancholisch, ein wenig
wehmütig und doch nicht ohne die kleinen Späße, die unser Leben erträglich machen. [Text: TheaterAugsburg]
www.theater.augsburg.de (externer Link)
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Drei Schwestern
Zur Inszenierung des Schauspiel Hannover beim Berliner Theatertreffen 06:
Deutsche Fassung von: Angela Schanelec Nach einer Übersetzung von: Arina Nestieva
Vorstellungen:
Fr 19. – So 21. Mai 1930 Uhr, Haus der Berliner Festspiele Publikumsgespräch: Sa 20. Mai 23.10 Uhr spiegelBAR Dauer: ca. 3h, eine Pause
Regie: Jürgen Gosch
Die russische Provinz des Regisseurs Jürgen Gosch und des Bühnenbildners Johannes Schütz ist eine
geschlossene Gesellschaft. Die Welt verirrt sich nur unter größten Schmerzen in den langen grauen Raum ohne
Fenster, ohne Vater, ohne Aussicht, ohne Sinn. Obwohl Tschechow die Nöte der vom Zentrum Weggesperrten klar formuliert, zeigen Gosch und seine Schauspieler, dass man
sich gar nicht verstehen will. Nicht im Augenblick. Es ist vielmehr ein Rest an Ewigkeit, den man in Ideologien der Arbeit und der Liebe sucht. Die streng komponierte, immer
polyphone Unordnung dieses Theaterabends führt dann zu einem deutlichen, dunklen Ende. [Text: Berliner Festspiele]
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