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Programm-Tipps: Musik ~ Theater auf arte:
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Sonntag, 20.06. / 09.50 Uhr / Konzertsommer in Aix-en-Provence 2008: Das Trio con Fuoco spielt Schubert Klaviertrio Nr. 1 B-Dur Op. 99 D 898
Komponist: Franz Schubert; Fernsehregie: Andy Sommer
Mit: Sullimann Altmayer - (Violine), Gauthier Hermann - (Cello), Samuel Parent - (Klavier)
Die drei Mitglieder des seit 1998 bestehenden Ensembles Trio con Fuoco - der Geiger Sullimann
Altmayer, der Cellist Gauthier Herrmann und der Pianist Samuel Parent - sind keine 30 Jahre alt und teilen ihre Leidenschaft für die Kammermusik seit Beginn ihrer Karriere. Sie lernten noch
von großen Meistern wie Mstislav Rostropowitsch und György Kurtág, später waren Paul Meyer, Eric Le Sage, das Trio Wanderer, Paul Boufil und Claire Désert unter anderem ihre Mentoren. Das
Ensemble interpretiert Schuberts Klavierkonzert Nr. 1 op. 99 aus dem Jahr 1827.Dieses Programm wurde in HD produziert. ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in
einer "Streaming"-Fassung auf ARTE+7 bereit.
Sonntag, 20.06. / 10.35 Uhr / Konzertsommer in Aix-en-Provence 2008: Der Derwisch Musik, Frankreich 2008, ARTE F, Erstausstrahlung Regie: Jérémie Cuvillier
Mit: Moneim Adwan - (Gesang), Sayed Ghonimy - (orientalische Langflöte), Mathias Autexier - (Schlaginstrumente)
Der Sänger, Lautenspieler und Komponist Moneim Adwan wurde 1970 in
Rafah/Gaza geboren. In seiner Musik verarbeitet er das palästinensische und klassisch-arabische Musikerbe. Seine Stücke besingen die Geschichte seines Landes, den palästinensischen Alltag und
die Liebe. Bei dem im Juli 2008 aufgezeichneten Konzert interpretierte Moneim Adwan in Begleitung von Sayed Ghonimy (Nay, Kawâla, orientalische Längsflöte) und Mathias Autexier (Percussion,
Schlaginstrumente) auch Texte des palästinensischen Nationaldichters Mahmoud Darwich, der einen Monat später verstarb.
Dieses Programm wurde in HD produziert. ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in einer "Streaming"-Fassung auf ARTE+7 bereit.
Sonntag, 20.06. / 13.00 Uhr / Künstler hautnah: Jan Voss - Maler Regie: Antoine Parouty
Jan Voss wurde 1936 in Hamburg geboren. Nach seinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste München zog der Maler 1960 nach Paris, wo er heute noch lebt. Sein Werk ist vor allen
Dingen von Comics beeinflusst. Es lebt von der Kreation chaotischer und spielerischer Räume, die ihre Struktur aus der Zerstückelung von Formen schöpfen. Voss' Leinwände werden zu
Entdeckungsreisen, die beim ersten Blick wie unkontrollierbare Feuerwerke aus Figuren und Farben wirken. Beim genaueren Hinsehen ergeben sie dann eine neuartige visuelle Kohärenz. Jan Voss
spielt in seiner poetischen Malerei mit den Symbolen und Gestalten seiner Vorstellungswelt, ohne dabei einer bestimmten Theorie zu folgen. Sein durchgehendes Thema ist das geordnete, sich
aber in ständiger Dynamik befindliche Chaos einer vielgliedrigen Situation. Seine erste Einzelausstellung war 1963 zu sehen. In den 60er Jahren stellte Voss seine Arbeiten oft im Kontext der
künstlerischen Bewegung "Figuration Narrative" aus. In den 80ern jedoch entfernte er sich immer stärker von dieser Kunstrichtung, um seinen eigenen Stil zu finden. Auch in den
letzten Jahren hat Jan Voss seine Kunst immer wieder neu erfunden. Er erschließt dabei eine zusätzliche Dimension und macht den Raum zum zentralen Thema seiner Arbeit. Er experimentiert mit
neuen Materialien und stellt beispielsweise Collagen aus Leinwandresten und zerrissenem Papier her. Darüber hinaus erschafft er kleinformatige Skulpturen wie Totems und Assemblagen kubischer
Formen. Antoine Paroutys Film begleitet den Künstler von seinem Atelier in einem Pariser Vorort zum Kunstmuseum "Hôtel des Arts" in Toulon, wo eine Retrospektive seiner Werke
gezeigt wird. Vor der Kamera erzählt der Künstler offen von seiner Leidenschaft für Malerei, Bildhauerei und Grafik. Er berichtet von seinen ersten Jahren in Paris und erzählt von seinem
inneren Verlangen, Kunstwerke zu erschaffen. Mitunter begutachtet er sein Werk mit auch durchaus kritischem Blick.
Zu Wort kommen in der Sendung der Kurator Gilles Altieri, die Kunstkritikerin Anne Tronche sowie der Philosoph Yves Michaud. Mehr Infos unter: www.arte.tv/kuenstlerhautnah
Sonntag, 20.06. / 14.55 Uhr / La Fura dels Baus:Rheingold Global/Naumacchia 4 Regie: Christoph Goldmann, Andreas Wojtaschek Mit: La Fura dels Baus
Sie sind die Könige des Spektakeltheaters: Da wo "La Fura dels
Baus" auftreten, kracht und funkt und flimmert es, was die Theatermittel hergeben. Das Open-Air-Highlight "Global Rheingold" wird Tausende Zuschauer in den Duisburger
Rheinhafen locken und ist einer der Höhepunkte der Kulturhauptstadt "RUHR.2010". Hauptspielort wird das Theaterschiff "Naumon" sein, das die Furas bereits bei der
Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Barcelona mit einem Großspektakel bespielt haben. Ein Open-Air-Spektakel zur Eröffnung von "Duisburg - Hafen der Kulturhauptstadt 2010".
Mit ihrer Arbeit am "Ring des Nibelungen" in Valencia hat "La Fura dels Baus" nicht nur einen Meilenstein der Operngeschichte geschaffen, sondern auch ihr neues Thema
für Duisburg gefunden: Richard Wagner und das "Rheingold" im Duisburger Rheinhafen. Dazu wird Regisseur Carlus Padrissa ein Orchester mit Industrieschrott auftreten lassen,
Trapezkünstler, eine fliegende Dirigentin, Erda und die Rheintöchter, Gerhard Mercator und, als Hommage an das Ruhrgebiet, die Riesin Montanus. "Rheingold Global" greift die
Begegnung von archaischem Straßentheater mit Eisen, Stahl und der Industrieästhetik des Ruhrgebietes auf. Die Zuschauer erwartet ein Makro-Spektakel mit Kränen, Riesen, Feuerwerk und - wie
immer bei "La Fura dels Baus" - mit der Hoffnung auf Welterlösung. Mit ihrem Auftritt bei "RUHR.2010" kehren "La Fura dels Baus" an den Ort zurück, an dem sie
ihren ersten Auftritt außerhalb Spaniens hatten und von dem aus sie ihren Siegeszug rund um die Welt angetreten haben. Dieses Programm wurde in HD produziert.
Sonntag, 20.06. / 17.00 Uhr / Joe Jackson - Mein Leben Regie: Jean Boué
Seine Kindheit war unglücklich, doch dafür ist er heute sogar dankbar: Joe Jackson, dem 1979 der Durchbruch als Sänger und Komponist gelang. Sein Repertoire reicht von Pop über Rock bis
hin zu Swing und Jazz. Der englische Musiker lebt nach einer langen Station in New York derzeit abwechselnd in Portsmouth und Berlin. Jean Boué begleitete den sonst eher kamerascheuen Star
auf seiner letzten Konzertreise und in seine britische Heimatstadt Portsmouth. Dorthin zieht es ihn trotz gemischter Gefühle immer wieder zurück.
Es war 1979, als Joe Jackson über
Nacht mit "Is She Really Going Out With Him" berühmt wurde. Bis heute, 30 Jahre später, kann er schlecht damit umgehen. Er gilt als unzugänglich, Auftritte außerhalb seiner Konzerte
lehnt er ab, er geht in keine Talkshow. Mit Journalisten spricht er ungern und nur über eines: die Musik. Persönliche Fragen werden nicht beantwortet - er sei Musiker, kein Star. Am liebsten
wäre Jackson anonym. Joe Jackson ist noch gut im Geschäft, die Konzerte sind weltweit ausverkauft. Gerade hat er ein neues Album herausgebracht. In der Presse wurde dies auch als Comeback
gesehen, als sei Jackson Teil des derzeitigen medialen 80er Revivals. Aber Joe Jackson war nie weg, es gab ihn immer, nur in den Massenmedien wurde kaum über ihn berichtet. Immer wieder
hat er sich und seine Musik scheinbar neu erfunden. Er machte Pop und Rock, Swing und Jazz, er komponierte Filmmusiken und sogar eine Symphonie. Für diese Vielseitigkeit lieben ihn seine
Fans. Ständig änderte er die musikalische Richtung, egal, ob es Erfolg versprach oder nicht. Ruhm sei ohnehin ungesund für einen Künstler, sagt er, man werde dadurch vom Beobachtenden zu
einem, der beobachtet wird. 20 Jahre lebte Joe Jackson in New York, 2006 verließ er seine geliebte "Stadt der Außenseiter" und kehrte zurück nach Europa. Die Überregulierung des
amerikanischen Lebens, besonders das generelle Rauchverbot, ist ihm unerträglich. In England probt er in einem kleinen Studio mit seiner Band, einem Trio, das sich seit 35 Jahren kennt.
Jackson geht wieder auf Tour und findet überall nur verstimmte Flügel. Eine Tortur für den Perfektionisten mit dem absoluten Gehör.
Eine Begegnung mit einem großen Musiker und einem scheuen Menschen, der heute fast unerkannt in Berlin lebt. Dieses Programm wurde in HD produziert.
Sonntag, 20.06. / 19.15 Uhr / Joe Hommage an Schumann (1/2) (1): Konzert aus der Frauenkirche Dresden
Regie: Ute Feudel; Komponist: Robert Schumann; Orchester: MDR-Rundfunkchor Leipzig; Dirigent: Daniel Harding Mit: Markus Butter (Bariton), Dresdner Kreuzchor
Anlässlich des 200.
Geburtstags von Robert Schumann (1810-1856) zeigt ARTE ein glanzvolles Konzert mit Werken, die alle in Dresden entstanden sind. Unter Leitung des britischen Dirigenten Daniel Harding spielt
die Staatskapelle Dresden, Markus Butter (Bariton) sowie Solisten des Dresdner Kreuzchores singen gemeinsam mit dem MDR-Rundfunkchor Leipzig. Das Konzert wurde am 20. März 2010 in der
Frauenkirche Dresden für ARTE aufgezeichnet. Den zweiten Teil zeigt ARTE am kommenden Sonntag, den 27. Juni ebenfalls um 19.15 Uhr.
Zwickau, Leipzig und Dresden sind die wichtigsten
Lebens- und Arbeitsstationen von Robert Schumann in Sachsen. Sechs Jahre lebte er in der Elbmetropole, bevor es ihn weiter an den Rhein zog. In dieser kurzen Zeit komponierte er immerhin fast
ein Drittel seines Gesamtwerkes.
So schuf er die Ouvertüre zur Märchenoper "Genoveva", das "Requiem für Mignon" und das "Nachtlied" für Chor und Orchester
in seiner Dresdner Zeit. Mit der "Rheinischen" Symphonie erklingt darüber hinaus ein Werk, das Schumann nach seinem Weggang aus Dresden unter anderem unter dem Eindruck des Kölner
Doms komponierte und welches somit auch in die sakrale Architektur der Frauenkirche passt.
Auf dem Programm stehen: - Ouvertüre zur Oper "Genoveva" op. 81
- Scherzo g-Moll instrumentiert von Joachim Draheim (Erstaufführung) - "Abendmusik" Rekonstruktion von Joachim Draheim (Uraufführung)
- "Nachtlied" von Friedrich Hebbel für Chor und Orchester op. 108 - "Requiem für Mignon" aus Goethes "Wilhelm Meister" op. 98b
Spätestens seit seinem
spektakulären Debüt mit den Berliner Philharmonikern, als er kurzfristig für Franz Welser-Möst einsprang, ist Daniel Harding eine feste Größe in der internationalen Dirigentenszene. Nach
Chefpositionen in Trondheim und bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen ist er derzeit Principal Conductor des Mahler Chamber Orchestra, des Swedish Radio Symphony Orchestra sowie beim
London Symphony Orchestra. Gastdirigate führen ihn regelmäßig an das Pult von internationalen Spitzenorchestern, aber auch in die Scala sowie an die Staatsopern in Wien und München. Sein
Debüt bei der Staatskapelle Dresden gab er im Jahr 2002, seitdem ist er in der Semperoper ein regelmäßiger und gern gesehener Gast. Bereits 2008 überzeugte er Presse und Publikum mit einem
reinen Schumann-Programm in Dresden. Die Staatskapelle Dresden feierte am 22. September 2008 ihr 460-jähriges Bestehen: 1548 durch Kurfürst Moritz von Sachsen gegründet, gehört sie zu den
ältesten und traditionsreichsten Orchestern der Welt und ist wohl das einzige, das über viereinhalb Jahrhunderte hinweg kontinuierlich Bestand hatte und immer zu den führenden Klangkörpern
der verschiedenen Epochen gehörte. Neben der von ganz spezifischem Ensemblegeist getragenen, musikantischen Spielkultur ist es vor allem der durch die lange Tradition gewachsene, in Timbre,
Transparenz und Homogenität unverwechselbare Klang der Staatskapelle, der Publikum und Presse in aller Welt auch heute von einem der großen Orchester unserer Zeit sprechen lässt.
Bedeutende Kapellmeister und international geschätzte Instrumentalisten haben die Geschichte der einstigen Hof- und heutigen Staatskapelle geprägt. Zu ihren Leitern gehörten unter anderem
Heinrich Schütz, Johann Adolf Hasse, Carl Maria von Weber und Richard Wagner, der das Orchester als seine "Wunderharfe" bezeichnete. Bedeutende Chefdirigenten des 20. Jahrhunderts
waren Ernst von Schuch, Fritz Reiner, Fritz Busch, Karl Böhm, Joseph Keilberth, Rudolf Kempe, Otmar Suitner, Kurt Sanderling und Herbert Blomstedt. Von 1992 bis zu seinem Tod 2001 war
Giuseppe Sinopoli Chefdirigent, von 2002 bis 2004 Bernard Haitink und seit 2007 Fabio Luisi. Richard Strauss war dem Orchester, dessen internationaler Ruf als "Strauss-Orchester"
bis heute fortbesteht, über 60 Jahre lang freundschaftlich verbunden. Neun seiner Opern - darunter "Salome", "Elektra" und "Der Rosenkavalier" - wurden in
Dresden uraufgeführt, seine "Alpensymphonie" ist der Staatskapelle gewidmet. Auch viele andere berühmte Komponisten schrieben Werke, die von der Staatskapelle uraufgeführt wurden
beziehungsweise ihr gewidmet sind, darunter Vivaldi, Schumann, Wagner, Liszt, Hindemith, Weill und in jüngerer Zeit Matthus, Zimmermann, Ruzicka oder Rihm. Seit dem ersten Drittel des 17.
Jahrhunderts auch ein Opernorchester, musiziert die Sächsische Staatskapelle heute in der Dresdner Semperoper pro Saison etwa 260 Opern- und Ballettaufführungen sowie 50 symphonische und
kammermusikalische Konzerte. Hinzu kommt eine eigene Konzertreihe in der Dresdner Frauenkirche, deren feierliche Wiedereröffnung die Staatskapelle 2005 mit einer Aufführung von Beethovens
"Missa solemnis" unter Fabio Luisi mitgestaltete. Umfangreiche Konzertreisen führen die Staatskapelle darüber hinaus jährlich in rund 35 Musikmetropolen Europas, Asiens und der USA.
Feste Residenzen etwa bestehen im Musikverein in Wien und im Pariser Théâtre des Champs-Élysées, wo das Orchester mehrmals im Jahr zu erleben ist. Seit Anfang der 20er Jahre dokumentieren
zahlreiche, zum Teil legendäre Aufnahmen mit berühmten Dirigenten und Solisten den außergewöhnlichen Rang der Staatskapelle als Opern- und Konzertorchester. In den letzten Jahren entstanden
Aufnahmen unter anderem mit Hélène Grimaud, Esa-Pekka Salonen, Lang Lang, Anna Netrebko, Rolando Villazón, Thomas Quasthoff und René Pape für die Deutsche Grammophon. Mit Fabio Luisi nimmt
die Staatskapelle derzeit eine neue Gesamteinspielung der Orchesterwerke von Richard Strauss für Sony Classical vor, deren erste Veröffentlichungen von der Kritik hoch gelobt wurden.
Montag, 21.06. / 21.45 Uhr / "Elektra" aus dem Festspielhaus Baden-Baden
Komponist: Richard Strauss; Orchester: Münchner Philharmoniker; Fernsehregie: Andreas Morell; Inszenierung: Herbert Wernicke; Dirigent: Christian Thielemann
Mit: Linda Watson - (Elektra), Jane Henschel - (Klytämnestra), Manuela Uhl - (Chrysothemis), René Kollo - (Aegisth), Albert Dohmen - (Orest)
Elektra Festspielhaus Baden Baden Elektra (Linda Watson) will ihren ermordeten Vater rächen.
Bild: ZDF / © Andrea Kremper
Ein heimtückischer Meuchelmord, der die Protagonistinnen nicht loslässt, und ein Rachemord, der dräuend über der ganzen Oper liegt. Einen Psychothriller in Musik könnte man
dieses Gemeinschaftswerk des Erfolgsduos Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss nennen.
In einer Inszenierung von Herbert Wernicke wird "Elektra" aus dem Festspielhaus Baden-Baden gezeigt. Dirigent Christian Thielemann holt aus seinen Münchner Philharmonikern
alles heraus und formt gemeinsam mit ihnen eine hoch spannende Aufführung, die nicht nur den Kenner begeistern dürfte.
"Elektra" fußt auf Sophokles' Bearbeitung der antiken Sage, derzufolge der Atridenkönig Agamemnon nach jahrelanger Odyssee zu Hause von seiner Frau Klytämnestra und
deren Geliebten Orest im Bade erschlagen wurde. Seine Tochter Elektra kann diesen Mord nicht verwinden und sinnt unablässig auf Rache.
Herbert Wernicke hat die Oper an der Bayerischen Staatsoper inszeniert und Bettina Göschl hat sie für das Festspielhaus Baden-Baden adaptiert. Die unheimliche Wirkung ergibt
sich aus dem Zusammenspiel der Sprache Hugo von Hofmannsthals und der kongenialen expressionistischen Tonsprache von Strauss, der zum Umsetzen der jeweiligen
Seelenzustände der Akteure die ganze Palette seiner Orchestrierungskunst aufbietet. Hinzu kommt die starke Gestik der Darstellerinnen, allen voran die vom Wahnsinn
zerfressene Klytämnestra. Das Bühnenbild ist sparsam gehalten und wirkt durch wechselnde Farbflächen und Formen.
Zusatzinfo:
Herbert Wernicke, geboren am 24. März 1946 in Auggen, Markgräfler Land, gestorben am 16. April 2002 in Basel, war einer der einflussreichsten Opernregisseure der letzten
Jahrzehnte. In ungewöhnlichen Bühnenräumen schuf er Bilder von suggestiver Kraft und eröffnete so neue und überraschende Einblicke in die Werke der Musikliteratur. Herbert
Wernicke studierte Musik in Braunschweig - unter anderem Klavier, Querflöte, Dirigieren - und absolvierte danach eine Ausbildung zum Bühnenbildner an der Kunstakademie in
München. Zunächst war er als Bühnenbildner tätig, ab 1978 auch als Regisseur. Er inszenierte an den großen Häusern der Welt wie Wien, Salzburg, Brüssel, Paris, Amsterdam,
London und New York. Sein Lebens- und Arbeitszentrum war seit 1989 Basel. Herbert Wernicke begann als Regisseur von Barockopern, das Spektrum seiner Arbeiten reichte
aber vom 16. Jahrhundert bis zur zeitgenössischen Oper und bezog die szenische Realisierung von Kantaten, Oratorien und Operetten mit ein. In der "Elektra" konfrontiert er die
hochkomplexe Musik und das psychologisch aufgeladene Libretto mit einer zurückgenommenen Ästhetik der theatralischen Mittel, die ihre Wirkung vor allem über die Licht- und
Personenregie entfaltet.
Christian Thielemann wurde in Berlin geboren und begann seine Laufbahn an der Deutschen Oper Berlin, wo er von 1997 bis 2004 Generalmusikdirektor war. Seit 2004 ist er
Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker. Er gastiert an den wichtigsten Opernhäusern der Welt wie der Wiener Staatsoper, der Metropolitan Opera New York und der
Covent Garden Opera in London; ebenso verbindet ihn eine enge Zusammenarbeit mit dem Festspielhaus Baden-Baden, wo er bei den Winterfestspielen 2009 den
"Rosenkavalier" in der Inszenierung von Herbert Wernicke leitete. Bei den Bayreuther Festspielen dirigierte er "Die Meistersinger von Nürnberg", "Parsifal", "Tannhäuser" und den
"Ring". Darüber hinaus gibt Christian Thielemann Gastkonzerte bei den Berliner und Wiener Philharmonikern, bei der Staatskapelle Dresden, dem Concertgebouw Orchestra
Amsterdam, dem Israel Philharmonic Orchestra und dem Philharmonia Orchestra London. In den USA verbindet ihn eine regelmäßige Zusammenarbeit mit den Orchestern in New
York, Philadelphia und Chicago. Für die UNITEL nehmen die Münchner Philharmoniker unter Christian Thielemann einen Bruckner-Zyklus und verschiedene andere Werke auf; mit
den Wiener Philharmonikern erarbeitet Christian Thielemann seit 2008 einen Beethoven-Zyklus, der pünktlich zur zyklischen Gesamtaufführung 2010 auf DVD erscheinen wird.
Bei der Deutschen Grammophon Gesellschaft sind zahlreiche symphonische Werke und Opern unter seiner Leitung erschienen. Im Rahmen der Salzburger Festspiele 2011 leitet
Christian Thielemann "Die Frau ohne Schatten" von Richard Strauss. Ab der Saison 2012/13 wird Thielemann Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden und damit
auch der Dresdner Semperoper.
Dieses Programm wurde in HD produziert. ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in einer "Streaming"-Fassung auf ARTE+7 bereit.
Donnerstag, 24.06. / 22.50 Uhr / Tracks (1): Johnny Clegg: Der weiße Zulu
(2): Gil Scott-Heron
(1): Johnny Clegg: Der weiße Zulu
Der umtriebige Musiker, der 1987 mit seinem Stück "Asimbonanga" zur Freilassung von Nelson Mandela aufgerufen hatte, hat sich den Ehrentitel "der weiße Zulu" regelrecht
erkämpft. Johnny Clegg wurde in England geboren und wuchs in Simbabwe, Sambia und Südafrika auf. 1964 ließen sich seine Eltern in Johannesburg nieder, wo er Johnny
seine Leidenschaft für die Zulu-Musik entdeckte und mit 17 Jahren gemeinsam mit Sipho Mchunu die erste gemischtrassige Band im Apartheidstaat Südafrika gründete. "Juluka" -
so der Name der Gruppe - war eine künstlerische und politische Revolution. In Südafrika gab es damals keinen Konzertsaal für Weiße und Schwarze, und Johnny und Sipho
wurden mehrfach festgenommen, ehe ihnen schließlich der internationale Durchbruch gelang.
(2): Gil Scott-Heron
Aufgrund diverser Probleme mit der amerikanischen Justiz durfte er seit fast zehn Jahren die USA nicht mehr verlassen. Jetzt ist Gil Scott-Heron, Godfather des Rap und
trinkseliger Poet, in Europa - live bei "Tracks"! Mehr Infos unter: www.arte.tv/tracks
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Samstag, 26.06. / 23.20 Uhr / Metropolis
(1): Bobby McFerrin
(2): The Hangar: Kulturzentrum in Beirut (3): Der Boom der Audioguides (4): Montpellier Danse (Beitrag unter Vorbehalt)
(1): Bobby McFerrin Wer hat nicht schon einmal „Don’t
worry, be happy“ vor sich hingeträllert? Bobby McFerrin schrieb diesen Song 1988 und landete damit sofort auf Platz 1 der Charts. Doch kaum jemand weiß, dass er den gesamten Song allein mit
seiner eigenen Stimme eingespielt hat, ohne jegliche Instrumentierung. Bobby McFerrin ist fähig, auf der Bühne allein ein A-cappella-Konzert zu geben; dabei improvisiert er immer einen
erheblichen Teil und fordert die Zuhörer zum Mitmachen auf. Er hat bereits mehr als 16 Alben eingespielt, teilweise unter Beteiligung herausragender Jazzmusiker wie Herbie Hancock und Chick
Correa. Seine Stimme überwindet mühelos Genregrenzen, springt mit Leichtigkeit vom Gospel zum Jazz und von der Klassik zur Weltmusik. „Metropolis“ traf Bobby McFerrin am Rande seines Pariser
Konzerts am 3. Mai 2010.
(2): The Hangar: Kulturzentrum in Beirut Lokman, ein libanesischer Intellektueller, der in den 90er Jahren das Verlagshaus Dar al Jadeed gründete,
und seine Frau Monika, eine freiberufliche deutsche Journalistin, lassen sich 2004 am südlichen Stadtrand von Beirut nieder. Sie beginnen mit Recherchen für einen Dokumentarfilm über
Kriegsverbrecher, stellen jedoch fest, dass es kaum Archive über den Libanonkrieg gibt. Also sammeln sie zunächst einmal Unterlagen mit dem Ziel, einen Fundus an Archivmaterial aufzubauen.
2005 restaurieren sie eine alte Halle, die sie zum Kulturzentrum „The Hangar“ umfunktionieren. Hier finden Vorträge, Diskussionsrunden, Foto- und Kunstausstellungen sowie Filmvorführungen
wider das Vergessen statt. Die Archive sind nunmehr der Öffentlichkeit zugänglich. „Metropolis“ spricht mit den Initiatoren und porträtiert diesen einmaligen Ort in Beirut, der Kunst und
Geschichte unter einem Dach beherbergt.
(3): Der Boom der Audioguides Seit einigen Jahren bieten immer mehr Museen und Ausstellungshallen Audioguides an, auf denen der Besucher
nicht nur Kommentare zu den Ausstellungsstücken, sondern auch Tonarchive über Künstler des 20. Jahrhunderts abrufen kann. Diese inzwischen sehr vielseitigen Anwendungen beinhalten
gelegentlich sogar Videos, zum Beispiel über den Künstler in seinem Atelier, und werden praktisch zu einer eigenständigen virtuellen Führung. Sie können auch – und das wird immer häufiger der
Fall sein – auf iPod oder iPhone heruntergeladen werden. Was bedeutet das für die Museumskultur? Hält die Kunstpädagogik schleichend Einzug ins Museum? Liegt der wachsende Erfolg von
Kunstausstellungen hierin begründet? Für manch einen sind diese Guides ein wichtiger Beitrag zum besseren Verständnis der Werke. Kunst zu betrachten, scheint gar nicht so einfach zu sein,
doch das kann man lernen. Audioguides liefern nicht nur Erklärungen, sondern schulen vor allem den Blick und geben Anhaltspunkte zur Interpretation der Werke.
(4): Montpellier Danse (Beitrag unter Vorbehalt)
Mehr Infos unter: www.arte.tv/metropolis
ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in einer "Streaming"-Fassung auf ARTE+7 bereit.
Sonntag, 27.06. / 10.10 Uhr / "Elektra" aus dem Festspielhaus Baden-Baden Oper, Deutschjland 2010, ZDF, Erstausstrahlung
Komponist: Richard Strauss; Orchester: Münchner Philharmoniker; Fernsehregie: Andreas Morell; Inszenierung: Herbert Wernicke; Dirigent: Christian Thielemann
Mit: Linda Watson - (Elektra), Jane Henschel - (Klytämnestra), Manuela Uhl - (Chrysothemis), René Kollo - (Aegisth), Albert Dohmen - (Orest)
Ein heimtückischer Meuchelmord, der die
Protagonistinnen nicht loslässt, und ein Rachemord, der dräuend über der ganzen Oper liegt. Einen Psychothriller in Musik könnte man dieses Gemeinschaftswerk des Erfolgsduos Hugo von
Hofmannsthal und Richard Strauss nennen.
In einer Inszenierung von Herbert Wernicke wird "Elektra" aus dem Festspielhaus Baden-Baden gezeigt. Dirigent Christian Thielemann
holt aus seinen Münchner Philharmonikern alles heraus und formt gemeinsam mit ihnen eine hoch spannende Aufführung, die nicht nur den Kenner begeistern dürfte.
"Elektra" fußt
auf Sophokles' Bearbeitung der antiken Sage, derzufolge der Atridenkönig Agamemnon nach jahrelanger Odyssee zu Hause von seiner Frau Klytämnestra und deren Geliebten Orest im Bade erschlagen
wurde. Seine Tochter Elektra kann diesen Mord nicht verwinden und sinnt unablässig auf Rache. Herbert Wernicke hat die Oper an der Bayerischen Staatsoper inszeniert und Bettina Göschl hat
sie für das Festspielhaus Baden-Baden adaptiert. Die unheimliche Wirkung ergibt sich aus dem Zusammenspiel der Sprache Hugo von Hofmannsthals und der kongenialen expressionistischen
Tonsprache von Strauss, der zum Umsetzen der jeweiligen Seelenzustände der Akteure die ganze Palette seiner Orchestrierungskunst aufbietet. Hinzu kommt die starke Gestik der Darstellerinnen,
allen voran die vom Wahnsinn zerfressene Klytämnestra. Das Bühnenbild ist sparsam gehalten und wirkt durch wechselnde Farbflächen und Formen.
Zusatzinfo: Herbert Wernicke, geboren
am 24. März 1946 in Auggen, Markgräfler Land, gestorben am 16. April 2002 in Basel, war einer der einflussreichsten Opernregisseure der letzten Jahrzehnte. In ungewöhnlichen Bühnenräumen
schuf er Bilder von suggestiver Kraft und eröffnete so neue und überraschende Einblicke in die Werke der Musikliteratur. Herbert Wernicke studierte Musik in Braunschweig - unter anderem
Klavier, Querflöte, Dirigieren - und absolvierte danach eine Ausbildung zum Bühnenbildner an der Kunstakademie in München. Zunächst war er als Bühnenbildner tätig, ab 1978 auch als Regisseur.
Er inszenierte an den großen Häusern der Welt wie Wien, Salzburg, Brüssel, Paris, Amsterdam, London und New York. Sein Lebens- und Arbeitszentrum war seit 1989 Basel. Herbert Wernicke begann
als Regisseur von Barockopern, das Spektrum seiner Arbeiten reichte aber vom 16. Jahrhundert bis zur zeitgenössischen Oper und bezog die szenische Realisierung von Kantaten, Oratorien und
Operetten mit ein. In der "Elektra" konfrontiert er die hochkomplexe Musik und das psychologisch aufgeladene Libretto mit einer zurückgenommenen Ästhetik der theatralischen Mittel,
die ihre Wirkung vor allem über die Licht- und Personenregie entfaltet.
Christian Thielemann wurde in Berlin geboren und begann seine Laufbahn an der Deutschen Oper Berlin, wo er von
1997 bis 2004 Generalmusikdirektor war. Seit 2004 ist er Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker. Er gastiert an den wichtigsten Opernhäusern der Welt wie der Wiener Staatsoper, der
Metropolitan Opera New York und der Covent Garden Opera in London; ebenso verbindet ihn eine enge Zusammenarbeit mit dem Festspielhaus Baden-Baden, wo er bei den Winterfestspielen 2009 den
"Rosenkavalier" in der Inszenierung von Herbert Wernicke leitete. Bei den Bayreuther Festspielen dirigierte er "Die Meistersinger von Nürnberg", "Parsifal",
"Tannhäuser" und den "Ring". Darüber hinaus gibt Christian Thielemann Gastkonzerte bei den Berliner und Wiener Philharmonikern, bei der Staatskapelle Dresden, dem
Concertgebouw Orchestra Amsterdam, dem Israel Philharmonic Orchestra und dem Philharmonia Orchestra London. In den USA verbindet ihn eine regelmäßige Zusammenarbeit mit den Orchestern in New
York, Philadelphia und Chicago. Für die UNITEL nehmen die Münchner Philharmoniker unter Christian Thielemann einen Bruckner-Zyklus und verschiedene andere Werke auf; mit den Wiener
Philharmonikern erarbeitet Christian Thielemann seit 2008 einen Beethoven-Zyklus, der pünktlich zur zyklischen Gesamtaufführung 2010 auf DVD erscheinen wird. Bei der Deutschen Grammophon
Gesellschaft sind zahlreiche symphonische Werke und Opern unter seiner Leitung erschienen. Im Rahmen der Salzburger Festspiele 2011 leitet Christian Thielemann "Die Frau ohne
Schatten" von Richard Strauss. Ab der Saison 2012/13 wird Thielemann Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden und damit auch der Dresdner Semperoper. Dieses Programm wurde in
HD produziert.
Sonntag, 27.06. / 13.00 Uhr / Künstler hautnah: Adel Abidin – Videokünstler Regie: Alyssa Verbizh
"Künstler hautnah" - das Rendezvous mit der internationalen Kunstszene. Jede Sendung ist einem Künstler gewidmet, die heutige Adel Abidin.
Mit seinem ebenso distanzierten wie poetischen Blick kritisiert der junge irakische Videokünstler das Manipulationspotenzial der Informationsgesellschaft.
Adel Abidin war schon
Künstler, als er Bagdad im Jahr 2000 verließ. Er siedelte nach Helsinki über, um dort sein kreatives Oeuvre als Video- und Installationskünstler weiter zu entwickeln und sein Studium an der
Kunstakademie fortzusetzen. Gerade die Auseinandersetzung mit dem Exil, dem eigenen Fremdsein und der Darstellungswelt des vormals Vertrauten löste bei ihm einen kreativen Schaffensprozess
aus. Abidin reagiert in seinen Werken auf die oberflächliche und zumeist voyeuristische Art, in der die westlichen Medien den Irak und die Iraker darstellen. 2007 vertrat er Finnland auf
der Biennale von Venedig. Die dort ausgestellte Installation "Abidin Travels" (2006), eine fiktive Reiseagentur mit Bagdad als einzigem Reiseziel, war die bisher radikalste Arbeit
des Künstlers. Er weigert sich, westlichen Erwartungen und Stereotypen zu entsprechen, und zeigt die Unmöglichkeit, das Ausmaß des Schreckens in Bagdad nach der amerikanischen Invasion
darzustellen. Er widerspricht den Medienberichten über das Grauen, indem er dieses als ausdruckslos verbannt und ihm in seinen Werken radikale, subversive, sarkastische und ironische
Formen gibt. Die Bilder und die Agonie der Menschen seiner Installationen zeigen die radikale Grenze dessen, was nicht kommuniziert werden kann. Als Künstler in Residence am Musée d'Art
Moderne du Val-de-Marne arbeitete er 2008 an einem Projekt in Bezug zu den örtlichen Gegebenheiten. Dort wurden auch zwei seiner vorher geschaffenen Videoinstallationen ausgestellt: Die eine,
"Vacuum", zeigt im Hintergrund einen Videofilm, in dem der Künstler Packeis mit einem Staubsauger bearbeitet. Auf dem Boden bersten zwei plastiküberzogene Glasplatten unter den
Schritten der Besucher und erinnern an das knirschende Geräusch der Schritte im Schnee. Mit seiner anderen Videoinstallation, "Alyaa", schuf Abidin eine Hommage an eine Studentin
der Kunstakademie von Bagdad, die das Studium abbrechen musste, da sie von ihrer Familie zu Hause eingesperrt und zwangsverheiratet wurde. Im Videofilm ist eine Frau zu sehen, die an eine
Glasscheibe klopft - wie eine Gefangene hinter einem Einwegspiegel. "Künstler hautnah" begleitet Adel Abidin während der Entstehungsphasen verschiedener Projekte und
Installationen und lässt dabei neben ihm die unabhängige Kuratorin Catherine David, den Ausstellungskurator Hervé Mikaeloff sowie den Chefredakteur des Kunstmagazins "Beaux-Arts"
Fabrice Bousteau zu Wort kommen. Mehr Infos unter: www.arte.tv/kuenstlerhautnah
ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in einer "Streaming"-Fassung auf ARTE+7 bereit.
Sonntag, 27.06. / 17.00 Uhr / Oliviero Toscani – Bilderwut Regie: Peter Scharf, Katja Duregger
Wer erinnert sich nicht an das großformatige Werbeplakat mit dem blutdurchtränkten T-Shirt eines kosovarischen Soldaten mit dem grünen Button von United Colors of Benetton links unten im
Bild? Oder an die weiß gekleidete Nonne, die einen schwarz gekleideten Priester küsst, den ausgemergelten jungen Mann, gezeichnet von der tödlichen Immunschwächekrankheit Aids, sowie das
magersüchtige Modell, das für eine italienische Modemarke wirbt? Krieg, Zölibat, Krankheit und Magersucht - Reizthemen in Bilder gefasst, die auf der ganzen Welt heftig diskutiert wurden.
Sie alle stammen von Oliviero Toscani, dem Vorreiter gezielter Antiwerbung. Seine aggressive, politisch inkorrekte Werbefotografie verursachte ästhetische wie inhaltliche Aufschreie.
Der Film porträtiert den heute 68-jährigen Italiener. Er zeigt den vom Bauhaus beeinflussten Künstler, dessen Karriere mit Modeshootings für Firmen wie Fiorucci und
Armani begann. Und den Privatmann, der sich 2001 mit Benetton überworfen hat und seitdem auf eigene Faust Werbekampagnen jenseits des Mainstreams initiiert, die immer wieder für heiße
Diskussionen sorgen. Die Sendung blickt auf Toscanis Leben und schaut ihm bei der Entstehung aktueller Arbeiten über die Schulter.
Sonntag, 27.06. / 19.15 Uhr / Hommage an Schumann (2/2): Paavo Järvi und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen Regie: Klaus Bertram; Orchester: Deutsche Kammerphilharmonie Bremen; Dirigent: Paavo Järvi
Mit: Paavo Järvi
Anlässlich des 200. Geburtstags
von Robert Schumann (1810-1856) widmet ARTE dem großen Romantiker 2 Sendungen. Heute Abend geht es nach Bremen: Nach dem weltweit sensationellen Erfolg des Beethoven-Projektes startet die
Deutsche Kammerphilharmonie Bremen jetzt einen neuen Zyklus. Gemeinsam mit ihrem Chefdirigenten Paavo Järvi präsentieren die Bremer Musiker in diesem Jahr sämtliche Symphonien von Robert
Schumann. Es ist zu erwarten, dass auch hier - ähnlich wie bei Beethoven - neue Maßstäbe der Interpretation gesetzt werden. ARTE zeigt Ausschnitte aus dem Konzert aus der Bremer Glocke vom 8.
April 2010. Auf dem Programm: die Symphonie Nr. 1 B-Dur op. 38 "Frühlingssymphonie" und die Ouvertüre zu "Die Braut von Messina" c-Moll op. 100.
Ob im New Yorker
Lincoln Center, bei den Salzburger Festspiele oder in der Kioi Hall in Tokio - auf vielen internationalen Bühnen hat die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen mit ihrem Beethoven-Zyklus weltweit
für Furore gesorgt wie kaum ein anderes Orchester zuvor. Höhepunkt der vielen positiven Stimmen für diesen besonderen "Bremer Beethoven" war die Verleihung des Jahrespreises der
Deutschen Schallplattenkritik 2007. Wissend um die Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis, zugleich ausgestattet mit Neugier, unerschöpflicher Energie und Offenheit gegenüber
allen stilistischen Entwicklungen, werden auch wohlvertraute Werke der symphonischen Repertoires in der Interpretation der kammerphilharmonischen Musiker zu spannenden Entdeckungsreisen.
Vor allem die Zusammenarbeit mit ihrem derzeitigen Chefdirigenten Paavo Järvi hat sich als außerordentlich fruchtbar erwiesen. Der Spross einer traditionellen estnischen Musikerfamilie,
ausgebildet von seinem Vater Neeme Järvi und Leonard Bernstein in New York, ab 2010 Chefdirigent des Orchestre de Paris, ist kongenialer Partner der Musiker. Berühmt-berüchtigt für seine
akribische Probenarbeit, verbindet Järvi Spiellust und Spielkultur des Orchesters zu einzigartigen Aufführungen im Konzertsaal. Nach der Erfahrung mit dem "Bremer Weg zu Beethoven"
ist die Vorfreude auf das neue Projekt "Schumanns Symphonien" mehr als berechtigt. Järvis Schumann-Interpretation zeigt neue Sichtweisen auf die romantische Welt des
Dichterkomponisten und widerlegt das Vorurteil, Schumann sei in erster Linie ein Klavierkomponist.
Zusatzinfo: Die Aufzeichnung des Konzerts am 8. April 2010 im Konzerthaus Bremer
Glocke stellt die außerordentliche Energie der Musiker, ihr kommunikatives Spiel und die spannungsvolle Interaktion mit dem Dirigenten in den Mittelpunkt der Übertragung. Mehr Informationen
zur Sendung kurz vor Ausstrahlung auf: www.arte.tv/schumann Dieses Programm wurde in HD produziert.
Montag, 28.06. / 10.30 Uhr / Die Stimme des Himmels - Jacek Laszczkowski Regie: Peter Schlögl
Aus Spaß sang der ausgebildete Tenor Jacek Laszczkowski an der Warschauer Kammeroper einige Partien so hoch er konnte. Daraus entwickelte sich eine
außergewöhnliche Karriere als Sopranist. Die Dokumentation zeigt den Sänger sowohl bei seinen international umjubelten Auftritten als auch im Privatleben mit seiner Familie.
Als Kind
sang er so hoch wie eine Piccoloflöte. Im Stimmbruch verlor er zwei Oktaven, aber die "Königin der Nacht" kann er immer noch im Sopran singen. Er liebt den "Pop-Appeal"
dieser Stimme, jene erste Schrecksekunde beim Publikum, das ungläubig den Atem anhält, sobald er zu singen beginnt. Der Sopranist Jacek Laszczkowski ist heute einer der internationalen
Protagonisten der sehr populär gewordenen Barockopern-Renaissance. Seine Rollen interpretiert der Sänger aus Warschau gern wie ein moderner Popstar: glamourös und unberechenbar. Jacek
Laszczkowski verfügt über enorme Bühnenpräsenz, Expressivität und eine Stimme, deren strahlende Kraft unwillkürlich an die glamourösen Stars des Barock, die großen Kastratensänger, denken
lässt. Dabei ist er ein Sopranist aus Zufall. An der Warschauer Kammeroper sang der ausgebildete Tenor einst zum Spaß einige Partien so hoch, wie er konnte. Die daraus resultierende
Sopranistenkarriere brachte ihm neben Ruhm und Hauptrollen an führenden internationalen Opernhäusern 2003 auch die Auszeichnung "Sänger des Jahres" von Deutschlands Opernkritik ein.
Trotz all seiner Erfolge gilt seine geheime Liebe dem Tenorsingen.
Zusatzinfo: Filmemacher Peter Schlögl montiert in seiner Dokumentation die ganz privaten Versuche Laszczkowskis, als
dramatischer Tenor Fuß zu fassen, zwischen umjubelten internationalen Auftritten als Helden-Sopran in Opern von Monteverdi und Händel. Außerdem zeigt er, wie der Sänger Kraft beim Aikido und
mit seiner Familie schöpft.
Montag, 28.06. / 11.25 Uhr / Engel wider Willen: Die Welt der Kastraten Regie: Michael Bartlett, Hubert Ortkemper
Um ihre hellen Stimmen zu erhalten, wurden in Italien im 17. und 18. Jahrhundert Tausende Sängerknaben kastriert. Die Dokumentation erzählt das Schicksal der Kastraten und stellt einige
der schönsten Altarien des Barock vor.
Der Kastrat war die zentrale Figur in der Musik des Barock. Seine Sangeskunst riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Tausende von Knaben
wurden im 17. und 18. Jahrhundert in Italien kastriert, obwohl die lebensgefährliche Operation, die ihre hellen Knabenstimmen vor dem Stimmbruch bewahren sollte, verboten war. Doch nur wenige
schafften den Sprung auf die Bühnen der Opernhäuser. Der international berühmte Altus Jochen Kowalski führt durch diese Episode der europäischen Musik- und Theatergeschichte und schildert
- zum Teil an Originalschauplätzen und mit Ausschnitten der schönsten Altarien des Barock - das Schicksal der Kastraten. Zu den berühmtesten gehörten Farinelli, der auch für den spanischen
König Philipp sang, und Guadagni in Padua. Heute ersetzen die Sänger mit Stimmtechnik, was im Barock die "Messerchen" der Ärzte bewirkten.
Donnerstag, 01.07 / 23.00 Uhr / Chuck Berry Live at BBC Theatre 1972 Das
Konzert von Mr. Rock'n'Roll Chuck Berry wurde am 29. März 1972 im BBC Theatre aufgezeichnet. Dabei wurde er von der Band Rockin' Horse begleitet. Beide befanden sich in Bestform und gaben
brillante Versionen der großen Hits "Roll Over Beethoven", "Sweet Little Sixteen", "Promised Land" und "Johnny B. Goode" zum Besten. Ein
unvergessliches Ereignis!
Chuck Berry ist eine der wichtigsten und legendärsten Persönlichkeiten des Rock'n'Roll. Er wurde 1926 in St. Louis (Missouri) geboren, wo er noch heute einmal
im Monat im Blueberry Hill Club Konzerte gibt. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis 1947 arbeite er bei General Motors und begann sich für Musik zu interessieren. Entscheidend für
Berrys Musikerkarriere war die Begegnung mit Muddy Waters im Jahr 1955. Mehrere Gefängnisaufenthalte bekräftigten seinen schlechten Ruf, doch sein Beitrag zur Musik ist bis heute einmalig und
sein musikalischer Einfluss unbestreitbar. Bedeutende Künstler wie Elvis Presley, die Beatles und die Rolling Stones, aber auch das Electric Light Orchestra und der französische Sänger Eddy
Mitchell spielten Berrys größte Hits. Angus Young, Lead-Gitarrist von AC/DC, nahm sogar den berühmten Duckwalk (Entengang) in sein Bühnenprogramm auf.
Donnerstag, 01.07 / 00.00 Uhr / Elvis '56 Regie: Alan Raymond, Susan Raymond
Mit: Levon Helm
In ihrer außergewöhnlichen Produktion dokumentieren Alan und Susan Raymond das aufregende Jahr 1956, in dem sich ein 21-jähriger Lastwagenfahrer aufmachte, die
Musikszene zu revolutionieren und die Welt aus den Angeln zu heben. Elvis nahm "Heartbreak Hotel", seinen ersten Millionenhit, auf, stand mit den Dorsey Brothers auf der Bühne, trat
in den illustren TV-Sendungen von Milton Berle, Steve Allen und Ed Sullivan auf, bei der die Zensur befahl, den neuen Star nur von der Taille aufwärts zu zeigen.
Elvis - The King of
Rock'n'Roll: Man erlebt ihn in dem Porträt als einen jungen Mann, der zielgerichtet auf seinen ersten Major-Plattenvertrag hinarbeitet und eine perfekte Vermarkungsstrategie seiner eigenen
Person betreibt, wie sie bis dato in der Musikbranche weitgehend unbekannt war. Dazu zählen auch seine ersten Schritte in Richtung einer Filmkarriere, die nicht den Hauptzweck hatte, Elvis
zum Filmstar zu machen, sondern das Projekt Elvis omnipräsent vermarkten sollte. Diese Dokumentation aus dem Jahr 1987 überzeugt durch ihre intelligente Erzählweise und das Bildmaterial
aus der Anfangszeit der Karriere von Elvis Presley. Höhepunkte sind allerdings ohne Zweifel Szenen früher Bühnen- und TV-Auftritte von Presley und seiner Band, die zu Beginn als Trio, später
als Quartett agierte. Zu diesen Szenen gehören auch Ausschnitte aus Milton Berles und Steve Allens Fernsehshows. Ihre Shows werden in den USA heute als die Klassiker des
Unterhaltungsfernsehens schlechthin bezeichnet. Ebenfalls dabei ist Elvis' legendärer erster Auftritt, in dem er sein Becken lasziv zum Takt der Musik bewegte - etwas, was 1956 als obszön,
ja sittenwidrig galt. Die Zensur befahl "Elvis the Pelvis" darf nur noch von der Taille aufwärts gezeigt werden. Die Eltern befürchteten die Vergiftung der Seelen ihrer Kinder
angesichts des erregenden Hüftschwungs ihres neuen Idols. Doch natürlich versetzte gerade der die weiblichen Fans in Ekstase. Mehr Informationen zur Sendung kurz vor Ausstrahlung auf: www.arte.tv/summer
Freitag, 02.07. / 06.00 Uhr / Auditorium Parco della Musica Regie: Chloé Perlemuter; Interpret: Orchestra dell'Academia Nazionale di Santa Cecilia; Dirigent: Antonio Pappano
Renzo Piano, der berühmte Architekt, erläutert das Auditorium Parco della Musica in Rom, einen Konzertsaal, den er wie ein Instrument konzipierte, ein Komplex in dem Architektur und
Musik eine Einheit eingehen. Die Musik spielt auch in Chloé Perlemuters Dokumentation eine wichtige Rolle. Ausschnitte aus Proben und Konzerten veranschaulichen den Erfolg des Projekts. Unter
der Leitung von Antonio Pappano interpretiert das Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia Werke von Beethoven, Sibelius und Ravel.
Das Auditorium Parco della Musica ist
seit seiner Einweihung im Jahr 2002 fester Bestandteil des kulturellen Lebens von Rom und ganz Italien. Es ist das größte Kulturzentrum Europas und zählt auch weltweit zu den bedeutendsten
Einrichtungen dieser Art. Das Auditorium umfasst drei unterschiedlich große Konzerthallen, Theaterbühnen, ein Foyer, Ausstellungsflächen sowie Proben- und Aufzeichnungsstudios. Ein
Open-Air-Amphitheater im Herzen der Anlage bietet 3.000 Besuchern Platz. Inmitten eines großen bewaldeten Parks gelegen, verschmilzt das Auditorium mit der Landschaft zu einem harmonischen
Ensemble. Dieses Programm wurde in HD produziert. ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in einer "Streaming"-Fassung auf ARTE+7 bereit.
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Samstag, 03.07. / ab 13.30 Uhr / Thementag: Montpellier Danse - 30 Jahre Tanzabenteuer
Montpellier
Danse, Europas größtes Tanzfestival, feiert sein 30-jähriges Bestehen. ARTE nimmt das Jubiläum zum Anlass, um den zeitgenössischen Tanz in seiner ganzen Vielfältigkeit zu präsentieren. Ab
13.30 Uhr werden Arbeiten von Dominique Bagouet, Boyzie Cekwana, Robyn Orlin, Merce Cunningham, Sasha Waltz und Raimund Hoghe zu sehen sein. Abends schaltet ARTE zum Festival nach Montpellier
und überträgt ab 22.20 Uhr gleich drei Choreographien: "Refraction" von Alonzo King, "Gnosis" von Akram Khan und "Roaratorio" von Merce Cunningham. Durch den
Live-Tag führt Moderatorin Marie Labory.
Das international renommierte Festival geht auf die Initiative des 1992 verstorbenen Choreographen Dominique Bagouet zurück, der zu Beginn der
1980er Jahre zu den bedeutendsten Vertretern des französischen Tanzes gehörte. Seit nunmehr 30 Jahren begleitet das Festival die Entwicklung dieser Kunstgattung und damit in gewissem Sinne
auch die Entwicklung unserer Welt. In diesem Jahr wird außerdem ein sehr symbolträchtiges, ebenfalls von Dominique Bagouet angeregtes Architekturprojekt der Öffentlichkeit übergeben: die
Agora, das neue Zentrum für Choreographie und Tanz. Dieser in Europa einmalige Ort vereint zwei Studios, Unterkünfte für Künstler und zwei Veranstaltungsräume unter einem Dach.
ARTE-Moderatorin Marie Labory unternimmt an diesem Sommernachmittag einen Spaziergang durch die Welt des modernen Tanzes. Dabei trifft sie Jean-Paul Montanari, der seit 1983 das Festival
Montpellier Danse leitet. Er stellt die Geschichte des Festivals aus seiner Sicht dar und erläutert auf einem Rundgang durch die Agora die verschiedenen damit verbundenen Projekte. Natürlich
wird er auch von Dominique Bagouet sprechen, dem er sehr nahe stand. Am Nachmittag zeigt ARTE "Studio Bagouet", ein kleines Stück, das von der Truppe des verstorbenen
Festivalgründers neu aufgeführt wird. Jean-Paul Montanari wird auch auf das Jahr 2000 zurückblicken, in dem das Festival mit einem Afrika-Schwerpunkt sein 20. Jubiläum feierte und dabei
Boyzie Cekwana und Robyn Orlin zum Durchbruch verhalf. ARTE zeigt die Stücke der beiden heute in Frankreich sehr bekannten Choreographen. Auf dem Programm des diesjährigen Festivals steht
auch Boris Charmatz. Vor kurzem wurde eine seiner Choreographien uraufgeführt, die durch das Werk des großen amerikanischen Tänzers und Choreographen Merce Cunningham inspiriert ist. Mit
Marie Labory spricht Charmatz über den vor wenigen Monaten verstorbenen Cunningham, dessen Truppe am 18. Juni mit "Roaratorio" das Festival Montpellier Danse eröffnete. ARTE
strahlt heute Abend einen großen Teil von "Roaratorio" aus. Zuvor wird ein anderes Stück von Cunningham gezeigt, "Pond Way", das speziell für die Verfilmung neu aufgeführt
wurde. Nach dem Tod von Dominique Bagouet übernahm Mathilde Monnier im Jahr 1994 die Leitung des Choreographie-Zentrums Montpellier. Marie Labory begleitet die Choreographin auf einem
Rundgang durch das Choreographie-Zentrum in der Agora. Mathilde Monnier geht dabei auf ihre Sicht der Stadt, des Festivals, der Arbeit mit den Profis der Tanzbranche und dem Publikum ein.
Ein weiterer Künstler, der das Festival seit 1998 ("Dialogue with Charlotte") treu begleitet, ist Raimund Hoghe. Dieses Jahr führt er in Montpellier ein Stück auf, das er Dominique
Bagouet gewidmet hat. Marie Labory spricht mit ihm im Théâtre de Grammont, wo das Stück aufgeführt wird. Außerdem wiederholt ARTE "Cartes postales", ein aus zwei Stücken des
Choreographen zusammengestelltes Tanzvideo. Auf dem Nachmittagsprogramm steht auch die bekannte deutsche Choreographin Sasha Waltz mit einem Film, der anlässlich der Wiedereröffnung des
Neuen Museums auf der Berliner Museumsinsel im Oktober 2009 gedreht wurde. Und last, but not least: die speziell für das 30-jährige Jubiläum des Festivals Montpellier Danse gedrehte
Dokumentation von Marie-Hélène Rebois, "Montpellier Danse Zig Zag: 1980-2010". Zum Ausklang des Thementages werden einige Journalisten auf die Archivbilder der Dokumentation
reagieren. Rosita Boisseau, Autorin für "Le Monde" und "Télérama", Agnès Izrine, Chefredakteurin des Magazins "Danser" und Philippe Noisette, Autor für "Les
Inrockuptibles" und "Danser" werden ihr persönliches Verhältnis zum Festival erläutern und die Entwicklung des Tanzes in den letzten drei Jahrzehnten aus ihrer ganz eigenen
Sicht darstellen.
Zusatzinfo: Die einzelnen Sendungen im Überblick: "Studio Bagouet", Choreographie, am Samstag, den 3. Juli um 13.35 Uhr
"Boyzie Cekwana - Rona", Choreographie, am Samstag, den 3. Juli um 14.05 Uhr
"Robyn Orlin - Daddy, I've Seen This Piece Six Times Before and I Still Don't Know Why They're Hurting Each Other", Choreographie, am Samstag, den 3. Juli um 14.35 Uhr
"Merce Cunningham - Pond Way", Choreographie, am Samstag, den 03. Juli um 15.05 Uhr
"Sasha Waltz & Guests: Dialoge 09 - Neues Museum", Choreographie, am Samstag, den 03. Juli um 15.35 Uhr
"Raimund Hoghe - Cartes Postales Choreographie", Choreographie, am Samstag, den 03. Juli um 16.30 Uhr
"Montpellier Danse: Zig Zag 1980-2010"," Dokumentation, am Samstag, den 03. Juli um 17.05 Uhr "Montpellier Danse - 30 Jahre Tanzabenteuer", drei Choreographien:
"Refraction" von Alonzo King, "Gnosis" von Akram Khan und "Roaratorio" von Merce Cunningham, Tanz, am Samstag, den 03. Juli ab 22.20 Uhr
Mehr Informationen kurz vor der Ausstrahlung auf www.arte.tv/tanz
Samstag, 03.07. / 13.30 Uhr / Studio Bagouet Regie: Marie-Hélène Rebois
ARTE würdigt den vor 18 Jahren verstorbenen Choreographen Dominique Bagouet mit zwei Werken aus seiner Jugend, die zu diesem besonderen Anlass neu einstudiert und gefilmt wurden:
"Danse blanche avec Eliane", ein Solo, das er 1979 selbst geschaffen und interpretiert hatte, und "Ribatz-Ribatz", ein Stück für sieben Tänzer, das seinem Ensemble den
Durchbruch verschaffte. Diese beiden kurzen Stücke veranschaulichen Dominique Bagouets besonderes Talent. Es gelingt ihm, mit jeder Bewegung schwungvolle Energie, Freiheit, Feingefühl,
Leichtigkeit und Präzision auszudrücken.
Mehr Informationen kurz vor der Ausstrahlung auf www.arte.tv/tanz
ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in einer "Streaming"-Fassung auf ARTE+7 bereit.
Samstag, 03.07. / 14.05 Uhr / Boyzie Cekwana Regie: Denis Caiozzi
Montpellier Danse, das weltweit renommierte Festival für modernen Tanz, feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Jubiläum. Durch die Sendung führt ARTE-Moderatorin Marie Labory. Sie trifft
unter anderem Jean-Paul Montanari, der seit 1983 das Festival Montpellier Danse leitet. Er stellt die Geschichte des Festivals aus seiner Sicht dar und erläutert auf einem Rundgang durch die
Agora die verschiedenen damit verbundenen Projekte. Jean-Paul Montanari blickt auch auf das Jahr 2000 zurück, in dem das Festival mit einem Afrika-Schwerpunkt sein 20. Jubiläum feierte und
dabei Boyzie Cekwana und Robyn Orlin zum Durchbruch verhalf. In diesem Zusammenhang wiederholt ARTE die im Jahr 2000 gezeigte Inszenierung des Südafrikaners Boyzie Cekwanas, "Rona".
Der Titel des Stücks von Boyzie Cekwana, "Rona", bedeutet "Wir" auf Sotho. Das Stück vereint spirituelle Identität und Geschichte in Vergangenheit und Gegenwart.
Cekwana vollzieht mit "Rona" eine feierliche und zugleich kontrollierte Reise für drei Tänzer zu den afrikanischen Wurzeln des Spirituellen. Einer der drei Tänzer begleitet die
Choreographie dabei stets musikalisch.
Zusatzinfo: Während seines dreijährigen Aufenthalts an der Johannesburg Dance Foundation lernte Boyzie Cekwana zahlreiche südafrikanische
Tanzensembles kennen und wurde mit 23 Jahren als Haus-Choreograph von der Playhouse-Company engagiert. Seine Choreographie "Brother, Brother" wurde 1995 auf dem dritten
Choreographie-Wettbewerb von Helsinki ausgezeichnet. Inzwischen haben zahlreichen Tanzensembles, darunter das Scottish Dance Theatre und das Washington Ballet, seine Choreographien übernommen
und in Europa und Amerika bekanntgemacht. Seit letztem Jahr arbeitet Boyzie Cekwana an der Trilogie "Influx Controls" über künstlerische Identität, Apartheid und globalen
Kolonialismus. "Influx Controls" hießen die 1923 in Südafrika erlassenen Gesetze, die der schwarzen Bevölkerung die Niederlassung in den Städten verboten, womit ihnen der Zugang zu
Kultur, Bildung, Ökonomie und Macht verwehrt wurde. Mit Ende der Apartheid wurden diese Gesetze in Südafrika abgeschafft. Der zweite Teil der Trilogie "On the 12th night of never, I will
not be held black" entsteht im Frühjahr 2010 und wird kurz nach der Uraufführung in Paris im Juni als Deutschlandpremiere bei den Braunschweiger Theaterformen aufgeführt werden.
Mehr Informationen kurz vor der Ausstrahlung auf www.arte.tv/tanz
Samstag, 03.07. / 14.35 Uhr / Robyn Orlin Regie: Denis Caiozzi
Montpellier Danse, das weltweit renommierte Festival für modernen Tanz, feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Jubiläum. Durch die Sendung führt ARTE-Moderatorin Marie Labory. Sie trifft
unter anderem Jean-Paul Montanari, der seit 1983 das Festival Montpellier Danse leitet. Er stellt die Geschichte des Festivals aus seiner Sicht dar und erläutert auf einem Rundgang durch die
Agora die verschiedenen damit verbundenen Projekte. Jean-Paul Montanari wird auch auf das Jahr 2000 zurückblicken, in dem das Festival mit einem Afrika-Schwerpunkt sein 20. Jubiläum feierte
und dabei Boyzie Cekwana und Robyn Orlin zum Durchbruch verhalf. In diesem Zusammenhang zeigt ARTE die Inszenierung der Südafrikanerin Robyn Orlin, "Daddy, I've Seen this Piece Six Times
Before but I Still Don't Know Why they Are Hurting Each Other", welche 2000 auf dem Montpellier Danse Festival dargeboten wurde.
Robyn Orlins Stück "Daddy, I've Seen this
Piece Six Times Before but I Still Don't Know Why they Are Hurting Each Other" beschäftigt sich mit den sogenannten Swenkas, Farmern und Arbeitern im heutigen Afrika, die am Samstagabend
ihre schmutzigen Overalls abstreifen und in schicke Outfits schlüpfen, um als Models auf Modeschauen aufzutreten. Die südafrikanische Choreographin will "Politischen Tanz": keine
Arabesque aus Selbstzweck, nicht solange den jeweiligen Gemeinschaften ihre gesellschaftliche und politische Kultur aus den Augen zu verlieren drohe - egal ob in Südafrika oder Europa. Stets
sind ihre Stücke somit auch ein Plädoyer für eine Politik des Körpers.
Zusatzinfo: Robyn Orlin erhält ihre Ausbildung in zeitgenössischem Tanz in London und Chicago. Danach kehrt
sie 1980 in ihr Heimatland Südafrika zurück, wo sie ihre erste Performance darbietet. In Frankreich ist sie seit ihrem großen Erfolg im Jahre 2000 "Daddy, I've Seen this Piece Six Times
Before but I Still Don't Know Why they Are Hurting Each Other" bekannt. Dieser Titel steht auch für Robyn Orlins Stil, der Kritik mit politischer Botschaft und Chaos mit Spektakulärem
verbindet. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und wird wohl deshalb manchmal mit dem Spitznamen "die ständige Irritation" belegt. In Frankreich folgt "We Must Catch Our
Suckers With the Wrapper on" (2001), eine metaphorische Show über die Immunschwächekrankheit Aids, die vom Publikum begeistert aufgenommen worden ist. In den letzten Jahren entstanden
zahlreiche neue Arbeiten, unter anderem "Hey Dude I Have Talent I'm Just Waiting for God ...". (2006) und "Dressed to kill ... Killed to dress" (2008).
Mehr Informationen kurz vor der Ausstrahlung auf www.arte.tv/tanz
Samstag, 03.07. / 15.05 Uhr / Merce Cunningham - Pond Way Regie: Charles Atlas; Kostüme: Suzanne Gallo; Musik: Brian Eno; Choreografie: Merce Cunningham
Mit: Merce Cunningham Dance Company
Tanz auf dem Wasser: In seiner lyrischen Naturstudie "Pond Way" aus dem Jahr 1998 paart der amerikanische Starchoreograph Merce
Cunningham Tanz mit elektronischer Musik. Charles Atlas, der bereits mehrfach mit Cunningham zusammengearbeitet hat, hat das Tanzstück eindrucksvoll verfilmt.
"Pond Way" ist
1998 aus der Begegnung des amerikanischen Starchoreographen Merce Cunningham mit dem Musiker Brian Eno entstanden und nun erstmals in voller Länge im Fernsehen zu sehen. Im Gegensatz zu
anderen abstrakt gehaltenen Arbeiten Cunninghams entfaltet das poetische Tanzstück zu den kontemplativen Klängen elektronischer Musik eine ungewöhnlich figurative Kraft. Die tanzenden Körper
erinnern in ihrer Lebendigkeit an das Treiben auf der Oberfläche eines schillernden Teiches. Vor dem von Roy Lichtenstein pointilistisch gestalteten Hintergrundprospekt "Landscape with
Boats" evozieren die 13 Tänzer der Merce Cunningham Dance Company Vögel, Tiere oder Landschaften. Dazu tragen auch die von Suzanne Gallo entworfenen weißen Kostüme mit flatternden
Ärmeln bei, die die Tänzer momentweise wie auf dem Wasser tänzelnde Insekten erscheinen lassen. Ihre absolut individualistischen Bewegungen folgen nicht dem klassisch-akademischen
Formenkanon, sondern dem des modernen Tanzes. Cunningham selbst hat seine Ästhetik mit einem Satz von Albert Einstein beschrieben: "Es gibt keine festen Punkte im Raum". Für den
Tanz bedeute dies: "Wenn es keine festen Punkte gibt, dann ist jeder gleich interessant und gleich beweglich." Auch der Filmregisseur Charles Atlas, der bereits mehrfach mit
Cunningham zusammengearbeitet hat, hält sich an diese Prämisse, wenn er dessen Naturstudie gleich mit mehreren Kameras aufzeichnet. Diese scheinen mit den schwingenden Bewegungen der Tänzer
eins zu werden.
Zusatzinfo: Der Tanzfilm ist in Zusammenarbeit mit der Cunningham Dance Foundation entstanden und in der Filature-Scène National in Mülhausen für ARTE aufgezeichnet
worden. Der Filmregisseur Charles Atlas hat seit den 70er Jahren immer wieder für Cunningham gearbeitet. Unter anderem realisierte er 1999 das Porträt "Merce Cunningham: A Lifetime of
Dance". Mehr Informationen kurz vor der Ausstrahlung auf www.arte.tv/tanz
ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in einer "Streaming"-Fassung auf ARTE+7 bereit.
Samstag, 03.07. / 15.30 Uhr / Sasha Waltz & Guests: Dialoge 09 - Neues Museum Regie: Sasha Waltz Mit: Vocalconsort Berlin, Sasha Waltz & Guests, Solistenensemble Kaleidoskop
Das wiederaufgebaute Neue Museum in Berlin ist eine Sensation: ein
innovatives Meisterwerk des britischen Architekten David Chipperfield, das Neues und Historisches vereint. Hier gestaltet die bekannte Berliner Choreographin Sasha Waltz ein Projekt zwischen
Kunst, Architektur und Tanz: eine auf die einzelnen Räume abgestimmte Ausstellung aus Tanzsequenzen. Mehr als 70 Tänzer, Musiker und Sänger lassen das Museum direkt vor der Neueröffnung
lebendig werden.
Sie lehnen an der Wand, hängen an Mauervorsprüngen, klettern in Nischen und laufen an der Wand entlang: die Tänzer und Tänzerinnen von Sasha Waltz sind die ersten
Statuen und quicklebendigen Figuren, die das Neue Museum in Berlin zum Leben erweckt hat. Der Wiederaufbau des Neuen Museums gilt als Sensation. Da, wo einst Bomben und
Maschinengewehrfeuer, dann Wind und Wetter und zuletzt die brachialen Stabilisierungsversuche der DDR nur wirre Ziegelbrocken zurückließen, hat der englische Architekt David Chipperfield in
einer Mischung aus Konservierung und Neubau ein eindrucksvolles Werk geschaffen.
Und nach über 60-jähriger Schließzeit sind Nofretete und ihr steinernes Gefolge wieder eingezogen, so dass Berlin ein neues Schmuckstück hat. Direkt nach der baulichen Fertigstellung hat
man Sasha Waltz und ihren Tänzern das Feld überlassen: Die noch leeren Räume wurden von Sasha Waltz & Guests in "Dialoge 09 - Neues Museum" mit 70 Tänzern, Musikern und Sängern
erkundet und bespielt - entstanden ist in den verschiedenen Räumen ein "Jahrhundertwerk" (Die Zeit). Waltz nimmt in ihren Szenen Bezug auf die mythische Dimension der Räume, vom
ägyptischen über den griechischen Saal bis hin zu den großen Szenen im zentralen Treppenhaus. Bewegung und Raum durchdringen sich, und Waltz öffnet die Augen für die theatralische Dimension
des Gebäudes. Immer wieder hat sich Sasha Waltz mit Architektur und bildender Kunst auseinandergesetzt und sich dabei gerade für die Momente des Übergangs interessiert. Insofern ein
ideales Projekt für die Choreographin, die hierfür Tänzerinnen und Tänzer aus 15 Jahren Sasha Waltz & Guests vereint hat, ebenso wie das Vocalconsort Berlin und das Solistenensemble
Kaleidoskop.
Zusatzinfo: Sasha Waltz wurde 1963 in Karlsruhe geboren, wo sie bereits im Alter von fünf Jahren anfing, Tanzstunden zu nehmen. Nach einem Studium an der School for
New Dance Development in Amsterdam tanzte sie bei verschiedenen Compagnien in New York und kooperierte mit Künstlern ganz unterschiedlicher Richtungen. Zusammen mit dem Kulturunternehmer
Jochen Sandig gründete sie 1993 ihre eigene Tanzcompagnie Sasha Waltz & Guests. Zu ihren wichtigsten Arbeiten zählen die frühen Stücke wie "Allee der Kosmonauten" (1996)
ebenso wie die "Travelogue-Trilogie" (1993), "Zweiland" (1997) oder "Na Zemlje" (1998). "Allee der Kosmonauten" wurde zum 34. Theatertreffen
eingeladen, die ARTE-Verfilmung des Stückes wurde 2000 mit dem Adolf-Grimme-Preis als zukunftsweisende Produktion für den Bereich Tanz im Fernsehen ausgezeichnet. Mit ihrem berühmten
Tanzstück "Körper" eröffnete sie im Januar 2000 die Schaubühne unter neuer künstlerischer Leitung. Im November 2000 folgte die Uraufführung der Produktion "S". Neben
diesen Repertoireproduktionen spielten in der Arbeit von Sasha Waltz die Rechercheprojekte unter dem Titel "Dialoge" eine wichtige Rolle. "Dialoge I/99" fand im
leergeräumten Festsaal der Sophiensaele statt, "Dialoge II/99" im Jüdischen Museum, dem monumentalen Bauwerk von Daniel Libeskind, ebenso leer - noch vor seiner offiziellen
Eröffnung. Mit "17-25/4 / Dialoge 2001" bespielte sie den gesamten Innen- und Außenraum des Mendelsohn-Baus am Lehniner Platz. Das aus dieser Recherche entstandene Stück
"noBody", uraufgeführt 2002, bildete den Abschluss einer Trilogie über den Menschen und seinen Körper. Im September 2006 folgte "Dialoge 06 - Radiale Systeme" in ihrem
eigenen Kunstzentrum Radialsystem V. Weitere internationale Erfolge waren die choreographische Installation "insideout" (2003), "Impromptus" (2004) zu Musik von Franz
Schubert sowie die Opernproduktion "Dido & Aeneas" (2004/2005) und das Tanzstück "Gezeiten" (2005). Ihre aktuellsten Arbeiten sind "Medea" (2007), auf
Grundlage der Oper "medeamaterial" von Pascal Dusapin / Heiner Müller, sowie "Jagden und Formen", uraufgeführt 2008 im Schauspiel Frankfurt. Fünf Jahre lang war Sasha
Waltz insgesamt für die künstlerische Leitung der Berliner Schaubühne mitverantwortlich, bevor sie sich ganz ihren eigenen Projekten widmete und aus Sasha Waltz & Guests 2006 ein
internationales Kulturunternehmen machte, das heute seine feste Spielstätte im Berliner Radialsystem V hat. Die Gruppe feierte 2008 ihr 15-jähriges Bestehen. Das dreijährige Bestehen des
Radialsystems beging das Ensemble im September 2009 mit drei Radialen Nächten, bei denen unter anderem Auszüge aus Sasha Waltz' musikalisch-choreographischer Installation "Dialoge 09 -
Neues Museum" auf die Räume des Radialsystems adaptiert wurden. Im April 2009 wurde Sasha Waltz mit einer der wichtigsten kulturellen Auszeichnungen Frankreichs, dem "Officier dans
l'Ordre des Arts et des Lettres" (Orden der Künste und Literatur), für ihr choreographisches Werk geehrt. Mehr Informationen kurz vor der Ausstrahlung auf www.arte.tv/tanz
Dieses Programm wurde in HD produziert.
Samstag, 03.07. / 16.30 Uhr / Cartes Postales Regie: Richard Copans; Choreografie: Raimund Hoghe
Mit: Raimund Hoghe, Lorenzo de Brabandere
Klein und bucklig, aber dennoch ein gefeierter Tänzer: Einfühlsam kombiniert Raimund Hoghe in seiner Choreographie "Cartes
postales" Tanz und Musik. Sein sentimentales Tanzstück handelt von Einsamkeit, die aber durch die Kraft der Erinnerung in Begegnung mündet.
"Cartes postales"
verdeutlicht, wie durch die Kraft der Erinnerung Einsamkeit in Begegnung mündet. Der Körper dient dabei als poetisches Zeichen, mit dem Bilder entworfen werden. Wie aus einer Musikbox ertönt
zu jedem Bild ein passendes Lied. Von weit her kommende Postkarten werden vorgelesen und getanzt. Dazu erklingen Lieder über Liebe und Schmerz, wie zum Beispiel von Melina Mercouri, Sophia
Loren, Jacques Brel, Gluck und Mahler. Das sentimentale Tanzstück "Cartes postales" ist von Hoghes früheren, in ihrer Bühnensprache ebenso außergewöhnlichen Choreographien
"Lettere amorose" und "Tanzgeschichten" inspiriert. Die gesprochenen Worte, die Musik und die Raumgestaltung untermalen den Dialog zwischen zwei extrem entgegengesetzten
Körpern: dem Raimund Hoghes selbst und dem des jungen Tänzers Lorenzo de Brabandere. Raimund Hoghes Körper entspricht nicht dem gängigen Schönheitsideal: Er ist kleinwüchsig und hat eine
verformte Wirbelsäule. Sein gut 30 Jahre jüngerer Tanzpartner Lorenzo de Brabandere dagegen ist groß gewachsen und hat eine athletische Statur. Die beiden Tänzer traten bereits in Hoghes
letzten Stücken zusammen auf und sind mittlerweile zu einem Kult-Duo avanciert, das bislang vor allem in Frankreich bekannt ist. Raimund Hoghes Tanztheater versteht sich als politisches
Theater, ohne jedoch dabei die Form zu vernachlässigen. In seinen minimalistischen Stücken trifft die rituelle Strenge des japanischen Theaters auf deutschen Expressionismus und amerikanische
Performance-Kunst. Hoghes Welt kann so als eine unendliche Abwandlung von Körperritualen beschrieben werden, denen er auf sanfte, aber kompromisslos minimalistische Weise räumliche und
musikalische Form gibt.
Zusatzinfo: Raimund Hoghe arbeitete zunächst als Journalist für "Die Zeit". Insbesondere verfasste er Porträts von Außenseitern und Prominenten,
die später auch als Buch erschienen. Von 1980 bis 1990 arbeitete er als Dramaturg für Pina Bausch am "Tanztheater Wuppertal", über das er auch zwei Bücher schrieb. Seit 1989
entwickelt er eigene Theaterarbeiten für verschiedene Tänzer und Schauspieler aus Brasilien und Europa. 1994 realisierte er sein erstes Solo "Meinwärts", dem "Chambre
séparée" (1997) und "Another Dream" (2000) als Trilogie über das 20. Jahrhundert folgten. 2003 inszenierte er mit zwölf jungen Interpreten "Young People, Old Voices".
Nach Nijinski, Pina Bausch und Martha Graham brachte 2004 auch Raimund Hoghe eine Neuinterpretation von Igor Strawinskys "Le sacre du printemps" auf die Bühne. Das Duo "Sacre -
The Rite of Spring" tanzt er zusammen mit Lorenzo de Brabandere. Neben seinen Theaterarbeiten drehte Hoghe auch ein einstündiges Selbstporträt für das Fernsehen mit dem Titel "Der
Buckel". Raimund Hoghe lebt in Düsseldorf und hat für seine Arbeiten zahlreiche Preise erhalten, darunter 2001 den Deutschen Produzentenpreis für Choreographie.
Raimund Hoghe über seine Arbeit als Tänzer und Choreograph: "'Den Körper in den Kampf werfen', schreibt Pier Paolo Pasolini. Dieser Satz: für mich auch ein Anstoß, auf die Bühne zu
gehen. Andere Anstöße: die mich umgebende Realität, die Zeit, in der ich lebe, die Erinnerung von Geschichte, Menschen, Bilder, Gefühle und die Kraft der Musik, ihre Schönheit und die
Konfrontation mit einem Körper, der - in meinem Fall - herkömmlichen Vorstellungen von Schönheit nicht entspricht. Auf der Bühne auch Körper zu sehen, die nicht der Norm entsprechen, ist
wichtig - nicht nur mit dem Blick auf die Geschichte, sondern auch mit Blick auf Entwicklungen der Gegenwart, an deren Ende der Mensch als Objekt des Designs steht. Zur Frage des Erfolgs:
Wichtig ist, arbeiten zu können, den eigenen Weg zu gehen - ob mit oder ohne Erfolg. Ich mache einfach das, was ich tun muss."
Mehr Informationen kurz vor der Ausstrahlung auf www.arte.tv/tanz ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in einer "Streaming"-Fassung auf ARTE+7 bereit.
Samstag, 03.07. / 17.05 Uhr / Montpellier-Danse: Zig Zag 1980 – 2010 Regie: Marie-Hélène Rebois
Seit 30 Jahren wird in Montpellier getanzt: Mit dem Tanzfestival in Montpellier etablierte sich ein Festival, welches ein klares Profil, sein Stammpublikum und eine eingespielte
Organisation besitzt. Das Festival prägt die Stadt, wirkt in der Region, landesweit und weit über die Grenzen hinaus. Der Dokumentarfilm "Montpellier-Danse: Zig Zag 1980-2010"
erzählt die lebendige Geschichte des Festivals von den Kinderschuhen bis in die aktuelle Gegenwart. Zwei Choreographen des Festivals 2010, Raimund Hoghe und Alain Buffard, kommentieren das
zeitgemäß aufgearbeitete Archivmaterial im Lichte ihrer eigenen Laufbahn.
1980: Der damalige Bürgermeister von Montpellier, Georges Frêche, lädt den jungen Choreographen Dominique
Bagouet und seine Truppe ein. Sie richten sich im Schauspiel- und Opernhaus an der Place de la Comédie ein. Wenig später wird es Frankreichs erstes Zentrum für Choreographie. Dominique
Bagouet hat dem Tanz ein neues Gesicht gegeben und in seiner Bedeutung gestärkt. Tanz ist für ihn - wie für viele Choreographen der 80-er Jahre - nicht mehr bloße Unterhaltung, sondern eine
künstlerische Ausdrucksform mit eigener Gefühlswelt und ästhetischem Anspruch; und vor allem ist der Tanz der Welt und seiner Zeit zugewandt. Schon Bagouets erste Choreographien, die an den
Teichen von Maguelone und in der Arena von Lunel gefilmt wurden, zeichnen sich durch freie Gesinnung und Wagemut aus und sind deshalb zum Symbol des entstehenden Festivals geworden. Die
ersten Gäste des Festivals waren Maurice Béjart, Rudolf Noureev, Susan Buirge, die Derviche Tourneurs und Michael Denard; aus Spanien reiste Antonio Gades an, aus den USA Jennifer Muller.
1983 kam Dominique Bagouets Freund Jean-Paul Montanari aus Lyon, um die Leitung des Festivals zu übernehmen. In diesem Jahr entstand Bagouets für die Esplanade von Montpellier konzipierte
Freilicht-Choreographie "La Valse des Fleurs" zu einer Musik von Tschaikowski. Das Festival Montpellier-Danse gewann ständig an Ansehen, und mit der Eröffnung der "Agora,
Cité Internationale de la Danse" ist ein neuer Höhepunkt erreicht. Dieses in Europa einzigartige Zentrum, das nach 15-jährigen Bauarbeiten zum Beginn des diesjährigen Festivals
fertiggestellt wird, widmet sich ausschließlich dem Tanz und seiner Verbreitung. Der Dokumentarfilm "Montpellier-Danse: Zig Zag 1980-2010" stellt eine Verbindung zwischen dem
Gestern und Heute des Festivals her. Um die Vergangenheit in der Gegenwart zu verankern, waren zeitliche und räumliche Sprünge, Querverbindungen und Umwege nötig - zugleich sind diese
visuellen Umbrüche auch ein Sinnbild für den aktuellen Tanz, der aus seiner Geschichte lebt und sich durch alle Stile bereichert.
Zusatzinfo: Das international renommierte Tanzfestival
in Montpellier, das seit seinem Bestehen für die Förderung der choreographischen Künste eintritt, koproduziert jedes Jahr zahlreiche Werke, von denen viele heute eine Referenz sind.
Mehr Informationen kurz vor der Ausstrahlung auf www.arte.tv/tanz
Samstag, 03.07. / 20.15 Uhr / Marie Antoinette Dokumentarfilm, Frankreich 2005, ARTE F, Synchronfassung
Regie: David Grubin
Was weiß man wirklich über Marie Antoinette? Fest steht, dass die aus dem Ausland stammende französische Königin lebensfroh und unbesonnen war und unter der
Guillotine starb. Angeblich riet sie dem hungernden Volk, mangels Brot doch Kuchen zu essen. Doch eine solche Äußerung hat es von Marie Antoinette nie gegeben. Nicht nur mit diesem Vorurteil
räumt der Dokumentarfilm auf. Er zeichnet das Porträt einer feinfühligen Frau, deren Charakter sich im Laufe eines öffentlichen und privaten Lebens voller Fallstricke offenbarte und deren
Schicksal unweigerlich in eine Katastrophe mündete.
In Frankreich war sie lange eine Fremde; Marie Antoinette wurde nur "die Österreicherin" genannt. Doch wer weiß schon,
dass sie bereits im Alter von 14 Jahren zum Unterpfand einer Verbindung mit geopolitischem Zweck wurde? Kaum dem Kindesalter entwachsen, wurde sie mit dem um ein Jahr älteren introvertierten
späteren Ludwig XVI. verheiratet. In aller Öffentlichkeit musste sie sich in sein Bett begeben. Sie wurde ihrer Familie, ihrem Land und ihrer Kultur entrissen. Die Schönheit und Unschuld der
jungen Braut bezauberte die Franzosen. Mit 19 Jahren wurde sie Königin, und die Hoffnung eines ganzen glückshungrigen Volkes lastete auf dem anmutigen jungen Paar. Sie war lebensfroh und
unbesonnen, aber wie sollte es auch anders sein bei einem Leben im goldenen Käfig von Versailles? Natürlich suchte die meisthofierte Dame Frankreichs, deren Mann erst nach sieben Jahren
die königliche Ehe vollzog, nach Zerstreuung im prunkvollen Leben. Ihre Mutter, die österreichische Kaiserin Maria Theresia, versuchte vergeblich, die junge Königin vor den heraufziehenden
Schatten zu warnen. Marie Antoinette verspielte riesige Summen und verschuldete sich bei Vergnügungen. Der König hatte die Staatskasse nicht besser im Griff. Doch der durch die Skandalpresse
geschürte Ärger der Öffentlichkeit richtete sich auf die Königin. Es kam zu einem wahren "Bilderkrieg" mit unzähligen Karikaturen und Flugschriften - auch pornografischen Inhalts.
Im Kontext solcher Erniedrigungen kam es zu einer ersten Verurteilung der Königin in der berühmten Halsbandaffäre. Sie war das Werk hochrangiger Betrüger und ruinierte den Ruf Marie
Antoinettes endgültig. Der Tod des ersten Thronfolgers, der Sturm auf die Bastille, die Inhaftierung, die Schreckensherrschaft der Jakobiner, ihre in Varennes vereitelte Flucht, der Krieg
gegen Österreich und die Hinrichtung des Königs waren nur weitere Etappen des unausweichlichen Schicksals. Marie-Antoinette übernahm schließlich die Rolle der Königin der Gegenrevolution -
die Ehefrau, die ihrem Mann im gemeinsamen Schicksal treu ergeben ist. "Erst im Leid erfahre ich mein wahres Ich", schrieb sie, die sich im Angesicht des Todes ihrer eigentlichen
Existenz bewusst wurde. Die letzte Königin Frankreichs wurde im Alter von 38 Jahren enthauptet. So ging Marie Antoinette in die Geschichte ein. Das in dieser Dokumentation gezeichnete
Porträt Marie Antoinettes hat mit den zeitgenössischen Karikaturen nichts gemein. Mythos und Wahrheit werden mit Hilfe von Expertenmeinungen, zahlreichen Illustrationen und einigen
nachgestellten Spielszenen lebendig.
Samstag, 03.07. / 22.20 Uhr / Montpellier Danse - 30 Jahre Tanzabenteuer Montpellier Danse, Europas größtes Tanzfestival, feiert sein 30-jähriges Bestehen. ARTE nimmt das Jubiläum zum Anlass, um den zeitgenössischen Tanz in seiner ganzen Vielfältigkeit
zu präsentieren. Ab 13.30 Uhr werden Arbeiten von Dominique Bagouet, Boyzie Cekwana, Robyn Orlin, Merce Cunningham, Sasha Waltz und Raimund Hoghe zu sehen sein. Abends schaltet ARTE zum
Festival nach Montpellier und überträgt ab 22.30 Uhr gleich drei Choreographien: "Refraction" von Alonzo King, "Gnosis" von Akram Khan und "Roaratorio" von Merce
Cunningham. ARTE Moderatorin Marie Labory führt in der Agora mit drei Programmhöhepunkten durch das Jubiläumsprogramm des diesjährigen Tanzfestivals.
Zur Einstimmung in den Abend
überträgt ARTE aus der Agora den ersten Teil von Alonzo Kings Choreographie "Refraction". Mit dieser Inszenierung kreiert er seine ganz eigene Sprache der Bewegung, die aus jeder
traditionellen Klassifikation herauszufallen scheint. Alonzo King gilt mit seiner in San Francisco ansässigen Truppe derzeit als einer der großen Namen des zeitgenössischen Tanzes in den USA.
2005 wurde er mit dem angesehenen Bessie Award ausgezeichnet. Diese und zahlreiche andere Ehrungen würdigen sein Engagement für die Popularisierung des Tanzes. Seine plastischen, von
fließenden Übergängen gekennzeichneten Gruppenchoreographien vereinen die Ästhetik des klassischen mit der Freiheit des modernen Tanzes. "Gnosis" von Akram Khan ist die zweite
Choreographie dieses besonderen Abends bei ARTE. Für Montpellier schuf Akram Khan "Gnosis" für Solotänzer und fünf Musiker. Das Werk ist eine Anrufung der Hindugötter und
-göttinnen, aber auch eine Reise durch unsere sich ständig verändernde Welt. Der aus Bangladesch stammende Londoner Tänzer Akram Khan studierte als Kind bei einem Guru den 500 Jahre alten
indischen Tanz Kathak, den er wenig später in Peter Brooks Bühnenepos "Mahabharata" tanzte. Von asiatischen und westlichen Einflüssen geprägt, entwickelte er eine ureigene virtuose
Körpersprache zwischen Tradition und Moderne. Die letzte Choreographie des Abends bei ARTE, "Roaratorio", entstand 1984 nach einer Musik von John Cage und ist zugleich eine
Hommage der Merce Cunningham Dance Company an den kürzlich verstorbenen Großmeister, der mehrfach Gast des Tanzfestivals Montpellier war. Bei ARTE werden längere Werkauszüge zu sehen sein.
Zwischendurch, in den Pausen und hinter den Kulissen, trifft die ARTE-Moderatorin Marie Labory die Choreographen des Abends sowie den künstlerischen Leiter der Merce Cunningham Dance
Company, Trevor Carlson. Die vollständigen Stücke sind über Arte Live Web abrufbar. Mehr Informationen kurz vor der Ausstrahlung auf www.arte.tv/tanz
Samstag, 03.07. / 00.00 Uhr / Metropolis (1): Portico Quartet
(2): Amok im Theater (3): "Burlesque Shows" (4): Stieg Larsson
(1): Portico Quartet
Ein ungewöhnliches Musikinstrument war der Auslöser für vier junge Musiker aus London, eine Band zu gründen: das Hang. Hang bedeutet im Schweizer Deutsch soviel wie Hand. Das ähnlich wie
Steel Drums klingende Instrument in der Form zweier Wokdeckel benötigt zur Klangerzeugung lediglich die Hände. Und Portico Quartet spielen auf Saxofon, Kontrabass, Schlagzeug und Hang
intuitive Rhythmen, die sich wie in Trance wiederholen, und lassen sich so musikalisch in fremdländische Gefilde treiben. Innerhalb weniger Jahre hat es die Band von Europas Straßenmusikszene
bis zur Nominierung des Mercury Music Prize und zur Aufnahme eines Albums im Abbey Road Studio 2 gebracht.
(2): Amok im Theater Amokläufe in Schulen - immer wieder kommt es zu
dieser Katastrophe, in der ein Mensch aus den vorgegebenen Mustern ausrastet und in einem rasenden Lauf Mitmenschen umbringt, oft auch sich selbst. Die Medien stürzen sich auf diese
schrecklichen Ereignisse. Schon kurze Zeit nach der Tat ebbt das Interesse der Öffentlichkeit allzu oft ab.
Mehrere deutsche Schauspielhäuser haben das Thema Amok im Programm. "Metropolis" stellt zwei Stücke vor: Mit "Good Morning, Boys an Girls" hat Juli Zeh für das
Düsseldorfer Schauspielhaus als Auftragsproduktion ein Stück geschrieben, welches den Amoklauf als gesellschaftliches Phänomen darstellt. In Hannover gibt es ein eher ungewöhnliches
Theaterprojekt zu sehen: Das Stück "komA". Aufgeführt wird es an der Tellkampfschule und gespielt von 19 Schülern, zwei Lehrern und zwei Schauspielern. Erzählt wird die fiktive
Vorgeschichte eines Amoklaufs, hautnah vom Publikum erlebt im realen Umfeld eines Gymnasiums.
(3): "Burlesque Shows" Sie haben schillernde Namen und stürmen die Bühnen der
Clubs und Salons - die Burlesque-Tänzerinnen. Sie nennen sich "The Petit Fours", "Pepperellas" oder "The Teaserettes". Ihre Vorbilder sind große
Burlesque-Tänzerinnen der 50er Jahre wie Betty Page oder Mae West. In den Burlesque-Vorführungen geht es nicht um das Ausziehen sondern um das neckisch-humorige Reizen, das "Teasen".
(4): Stieg Larsson Zu Ruhm kam der schwedische Schriftsteller Stieg Larsson erst nach seinem Tod. 2004 verstarb der Autor der erfolgreichen Millennium-Trilogie. Bestsellerlisten
und die Verfilmung seiner Krimis brachten ihm posthum großen kommerziellen Erfolg. Mehr als 26 Millionen Exemplare seiner Bücher wurden bisher verkauft. Die Verfilmung der Millennium-Trilogie
hat bisher 61 Millionen Euro eingespielt. Im Mai sind zwei Biografien über Stieg Larsson erschienen. Sie zeichnen das Bild des politisch engagierten Journalisten Larsson nach. Seit seiner
Jugend arbeitete er für das kleine, aber einflussreiche linke Magazin "EXPO" in Stockholm im Kampf gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in Schweden. Kurdo Baksi, ein
langjähriger politischer Weggefährte im Kampf gegen den Rechtsextremismus, beschreibt ein Stück gemeinsamen Weges in seiner Biografie. Jan-Erik Petersson, ein ehemaliger Lektor, legt seinen
Schwerpunkt auf den politischen Menschen und die letzten Jahre Stieg Larssons, in denen er und seine Lebensgefährtin Eva Gabriellson aufgrund von Todesdrohungen aus der rechtsradikalen Szene
nur noch unter strengen Sicherheitsvorkehrungen leben konnten. Mehr Infos unter: www.arte.tv/metropolis
ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in einer "Streaming"-Fassung auf ARTE+7 bereit.
Sonntag, 04.07. / 09.50 Uhr / Bei der Arbeit beobachtet: Carlos Kleiber „Fledermaus-Ouvertüre" von Johann Strauss Regie: Dieter Ertel; Orchester: Südfunk-Sinfonieorchester; Dirigent: Carlos Kleiber
Am 3. Juli wäre Carlos Kleiber - einer der bedeutendsten
Dirigenten des 20. Jahrhunderts - 80 Jahre alt geworden. Kleiber gab praktisch nie Interviews und mied die Medien im Allgemeinen. Aus diesem Grund sind die Aufnahmen von Dieter Ertel so
einzigartig. 1970 gelang es ihm, Carlos Kleiber bei den Proben mit dem Südfunk-Orchester zu filmen und ein Konzert aufzuzeichnen. ARTE zeigt die Proben und die Aufführung der
"Fledermaus-Ouvertüre" von Johann Strauss.
Carlos Kleiber ist der Sohn des österreichischen Dirigenten Erich Kleiber. Er wurde 1930 in Berlin geboren, sein Vater war damals
Generalmusikdirektor an der Staatsoper "Unter den Linden". Fünf Jahre später verließ die Familie Deutschland und ließ sich in Buenos Aires nieder, da Erich Kleiber nicht mit den
Nazis zusammenarbeiten wollte. Carlos Kleiber war berühmt und berüchtigt für seinen Anspruch auf Perfektion. Als einer der gefragtesten Dirigenten seiner Zeit akzeptierte er keinen festen
Posten und trat selten auf. Sein Charisma war legendär und er hatte zahllose Fans. Carlos Kleiber starb 2004 unerwartet in seinem Ferienhaus in Slowenien, der Heimat seiner Frau Stanislava.
Sonntag, 04.07. / 13.00 Uhr / Künstler hautnah: Tobias Zielony – Fotograf Regie: Jana Buchholz
"Künstler hautnah" - das Rendezvous mit der internationalen Kunstszene. Jede Sendung ist einem Künstler gewidmet, die heutige dem jungen
deutschen Fotografen Tobias Zielony. Der Weg ins Herz von Tobias Zielonys Arbeit führt über den Stadtrand: Untätige Menschen, verlassene und verwahrloste Orte - der 1973 in Wuppertal
geborene Künstler lebt heute in Berlin und interessiert sich für alles, was sich der Gesellschaft entzogen hat und was meist jenseits des Sichtfeldes bleibt. Bei Tobias Zielony verwischen die
Grenzen zwischen dokumentarischer Reportage und künstlerischer Fotografie.
Tobias Zielony macht eine uns häufig nicht bekannte Welt sichtbar: Auf seinen Fotos bildet er Gruppen und
Gangs von Jugendlichen ab, die ihren Platz in der Gesellschaft nicht gefunden haben, die nachts an Tankstellen oder tagsüber draußen auf der Straße herumlungern. Sei es in einer Großstadt wie
Berlin oder auch in heruntergekommenen Wohnsiedlungen Ostdeutschlands oder Polens. Wie wirken diese Jugendlichen auf ihr soziales Umfeld und wie zelebrieren sie ihre Jugendkultur vor der
Kamera? Zielonys häufig leuchtend farbige Bilder erzählen davon, indem sie sich von Formen der gewöhnlichen Sozialreportage lösen, sich aber dennoch in den Porträtierten hineinversetzen.
Seine kunstvollen Aufnahmen sind eine Mischung aus intimer Nähe und beobachtender Distanz. Timm Rautert, Professor für Fotografie in Leipzig, weiß an Tobias Zielonys Arbeiten besonders zu
schätzen, dass sie "nicht dem Geklingel der Medien folgen, sondern ruhig bleiben". Als Ganzes seien seine Bilder, laut Rautert, so nah am Leben und so authentisch, dass sie alles
ausschöpften, was Fotografie überhaupt leisten könne.
Zusatzinfo:
Zu Wort kommen Timm Rautert Professor für Fotografie in Leipzig, der Kurator Martin Germann und die Kunstkritikerin Vera Tolleman. Mehr Infos unter: www.arte.tv/kuenstlerhautnah
ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in einer "Streaming"-Fassung auf ARTE+7 bereit.
Sonntag, 04.07. / 19.15 Uhr / Schuberts Forellenquintett mit Lang Lang Regie: Michael Beyer
Mit: Lang Lang - (Klavier), Radoslaw Szulc - (Violine), Hermann Menninghaus - (Viola), Sébastian Klinger - (Violoncello), Karl Wagner - (Kontrabass)
Lang Lang und Solisten des
Kammerorchesters des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks gaben im Juli 2007 einen Kammermusikabend im Herkulessaal der Münchner Residenz. Auf dem Programm: das
"Forellenquintett" von Franz Schubert. Es ist Schuberts einziges Klavierquintett und eines der populärsten Werke des klassischen Repertoires. Den Beinamen
"Forellenquintett" verdankt es dem vierten Satz, in dem die Melodie des Liedes "Die Forelle" als Thema für Variationen dient.
Lang Lang und Solisten des
Kammerorchesters des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks gaben im Juli 2007 einen Kammermusikabend im Herkulessaal der Münchner Residenz. Auf dem Programm: das Quintett für Klavier,
Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass A-Dur, D 667 "Forellenquintett" von Franz Schubert. Es ist Schuberts einziges Klavierquintett und eines der populärsten Werke des
klassischen Repertoires. Den Beinamen Forellenquintett verdankt es dem vierten Satz, in dem die Melodie des Liedes "Die Forelle" als Thema für Variationen diente. Lang Lang spielt
Klavier, Radoslaw Szulc Violine, Hermann Menninghaus Viola, Sebastian Klinger Violoncello und Karl Wagner Kontrabass.
Zusatzinfo: Der 1982 in Shenyang/China geborene Pianist Lang Lang
gehört zu den Shootingstars der jungen Musikergeneration. Er ist live in "Good Morning America" und "The Tonight Show with Jay Leno" aufgetreten, wurde im Wall Street
Journal vorgestellt und gehörte zu den von Teen People präsentierten "Top 20 Teens Who Will Change the World" - zu jenen "20 Teens, die die Welt verändern werden". Als
erster chinesischer Pianist wurde er von den Berliner Philharmonikern und allen großen amerikanischen Orchestern verpflichtet. Im Sommer 2007 tourte er durch Deutschland und gab
Open-Air-Konzerte, die mit der Berliner Waldbühne und der Berliner Staatskapelle unter Daniel Barenboim einen krönenden Abschluss fanden. Im Herbst 2007 hat er in Peking, beim Beijing
International Festival, sein 20-jähriges Bühnenjubiläum gefeiert und im Sommer 2008 war er der Star der Eröffnungsfeiern der Olympischen Sommerspiele von Peking. Er spielte zudem bei der
Eröffnungsfeier der diesjährigen Expo in Shanghai und ist offizieller Botschafter der Weltausstellung.
Sonntag, 04.07. / ab 20.15 Uhr / Themenabend: Gimme some lovin: 30 Jahre Blues Brothers
Ein
kompletter Themenabend über die "Blues Brothers", das verspricht Musik, Tanz und viel Komik. Nach der Ausstrahlung der turbulenten Musikkomödie, die vor 30 Jahren von John Landis in
Szene gesetzt wurde und mit John Belushi und Dan Aykroyd in den Hauptrollen perfekt besetzt ist, folgt ein Porträt des legendären Jazzmusikers Cab Calloway, der in "The Blues
Brothers" eine tragende Rolle verkörpert und durch ebendiesen Film über die Jazzszene hinaus bekanntwurde.
Musik, Komik, Humor und Tanzeinlagen verspricht der ARTE-Themenabend zum
30. Geburtstag des Kultfilms "The Blues Brothers". Nach dem Drehbuch, das er gemeinsam mit Hauptdarsteller Dan Aykroyd nach dem amerikanischen Comedy-Format "Saturday Night
Live" verfasst hatte, schuf Regisseur John Landis einen Meilenstein des Musikfilmgenres - was nicht zuletzt daran liegt, dass die Vertrautheit zwischen weißen und farbigen Sängern und
Musikern deutlich zu spüren war. Die anschließende Dokumentation porträtiert die Musikerlegende Cab Calloway. Seine außergewöhnlichen Fähigkeiten als Sänger, Bandleader, Tänzer und
Entertainer kommen auch in "The Blues Brothers" zum Tragen. Der Film wiederum machte Calloway über die Grenzen der Jazzszene hinaus bekannt und trug ihm in den USA den Spitznamen
"The Hi De Ho Man" ein.
Sonntag, 04.07. / 20.15 Uhr / The Blues Brothers Regie: John Landis;
Buch: Dan Aykroyd, John Landis; Kamera: Stephen M. Katz; Schnitt: George Folsey Jr.; Ausstattung: John J. Lloyd; Ton: Bill Kaplan; Musik: Ira Newborn, Taj Mahal, Henry Mancini, A.M. Brunner,
John Lee Hooker, Aretha Franklin, Dimitr; Choreografie: Carlton Johnson; Produzent: Robert K. Weiss
Mit: Dan Aykroyd - (Elwood), Cab Calloway - (Curtis), James Brown - (Cleophus
James), John Belushi - (Joliet Jake), Ray Charles - (Ray), Aretha Franklin - (Besitzerin des Soul Food Cafe), John Lee Hooker - (Street Slim), Carrie Fisher - (Attentäterin), Henry Gibson -
(Anführer der "Illinois-Nazis"), Steven Spielberg - (Finanzbeamte), Kathleen Freeman - (Schwester Mary), John Candy - (Burton Mercer)
Gerade aus dem Gefängnis entlassen, will
Jake Blues zusammen mit seinem Bruder Elwood 5.000 Dollar für das von der Schließung bedrohte Waisenhaus auftreiben, in dem die beiden aufgewachsen sind. Bei einer Predigt kommt Jake die
göttliche Erleuchtung: Wenn sie ihre alte Band "Blues Brothers" wieder zusammenbringen, können sie das Geld mit Auftritten auf ehrliche Weise beschaffen. Doch die ehemaligen
Bandmitglieder sind in alle Winde zerstreut und nur schwer ausfindig zu machen. Aus der göttlichen Mission erwächst rasch ein action- und klamaukreiches Chaos.
Jake Blues wird nach
drei Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Sein Bruder Elwood holt ihn ab. Gemeinsam besuchen sie das Waisenhaus, in dem sie aufgewachsen sind. Dort erfahren sie, dass die Einrichtung vor dem
Ruin steht und schon bald geschlossen werden soll, weil es mit einer Steuerschuld von 5.000 Dollar belastet ist. Jake und Elwood sehen sich in der Pflicht, das Geld zu beschaffen. Um ihrem
Ziel näher zu kommen, wollen sie ihre alte Band "Blues Brothers" wieder zusammenbringen. So machen sie sich auf die Suche nach den ehemaligen Bandmitgliedern. Mit diversen
Konzertauftritten soll das Geld auf ehrliche Weise beschafft werden. Die Band, die sich mit ihrem Blues-Mobil auf den Weg von Konzertsaal zu Konzertsaal macht, hat tatsächlich Erfolg und
steht sogar kurz davor, einen Plattenvertrag abzuschließen. Doch Elwood und Jake sind bei Organisation und Durchführung ihrer Konzerttour nicht immer rücksichtsvoll vorgegangen und haben
sich zahlreiche Feinde geschaffen. Verfolgt von der Polizei, einer Gruppe Nazis, einer übers Ohr gehauenen Country-Band und einer betrogenen Exfreundin, stürzen sie sich in eine wilde Flucht
und hinterlassen eine Spur der Verwüstung.
Zusatzinfo: Das Drehbuch des Kultfilms basiert auf einem Sketch des für das US-Fernsehen entwickelten Comedy-Formats "Saturday Night
Live" von John Belushi und Dan Aykroyd. Innerhalb kürzester Zeit wurde der Film zu einem Klassiker mit einer Fangemeinde über alle Generationsgrenzen hinweg. Anarchischer Witz,
umwerfende Komik, schwarzer Humor und Slapstick machen den Reiz dieses Films aus. Aber auch die beeindruckende Schar von Musikgrößen, die nicht nur ihre Hits zum Besten geben, sondern die
turbulente Handlung in vielen kleinen Rollen bereichern, sorgten für den großen Erfolg. Da ist James Brown als göttlich erleuchteter Prediger, Ray Charles als Instrumentenverkäufer, Aretha
Franklin als Imbissbesitzerin und John Lee Hooker als Boogieeman zu sehen. Und als zentrale Figur mimt Cab Calloway den Direktor des Waisenhauses. Außerdem spielt Carrie Fischer - bekannt als
Prinzessin Leia aus "Star Wars" - John Belushis gefährliche Verlobte "Mystery Woman", Steven Spielberg gibt einen Finanzbeamten und Henry Gibson ist als Anführer der
"Illinois-Nazis" zu sehen. "The Blues Brothers" lebt weniger von seiner - rasch erzählten - Handlung als von den grandiosen Auftritten der vielen Stars aus der Blues-,
R'n'B- und Jazzszene, die den beiden Brüdern in dem über zweistündigen Chaos über den Weg laufen. Dieses Programm wurde in HD produziert.
Sonntag, 04.07. / 22.25 Uhr / Cab Calloway, der Dandy aus Harlem Regie: Gail Levin
Der Jazzmusiker Cab Calloway stieg in den Clubs des New Yorker Schwarzenviertels Harlem zum Star der Szene auf und machte sich als Sänger, Bandleader, Tänzer und Entertainer einen
Namen. Das Porträt zeichnet das Leben des Jazzmusikers nach, der sich auch Zeit seines Lebens für die Rechte der schwarzen Bevölkerung der USA einsetzte.
Cab Calloway (1907-1994) war
eine außergewöhnliche Figur der amerikanischen Jazzszene. Er stand mit enormer Begeisterung als Sänger, Bandleader, Tänzer und Entertainer auf den Bühnen zahlreicher Clubs. Sein Charisma,
seine Stimme und die musikalische Ausstrahlung machten ihn binnen kurzem zu einem der großen Musikstars seiner Zeit. Erstmals werden in diesem Porträt die außergewöhnliche Karriere Cab
Calloways und sein Engagement im langen Kampf gegen die Rassenschranken in den USA nachgezeichnet.
Weit über die Grenzen der Jazzszene hinaus wurde Cab Calloway durch den Kultfilm
"The Blues Brothers", der Calloway in den USA den Namen "The Hi De Ho Man" eintrug, bekannt. Vor 30 Jahren gedreht, ist "The Blues Brothers" ein Filmmythos mit
einem ganz besonderen Status bei seiner großen Fangemeinde geworden - ähnlich wie ihn auch Cab Calloway bei den Anhängern des Jazz genießt.
Zusatzinfo: Mit vielfältigem Archivmaterial,
unter anderem Animationen, Filmen, Mitschnitten, Plakaten und Karikaturen, lässt dieses Porträt des großen Showman Cab Calloway das Goldene Zeitalter des Jazz und der legendären Big Bands
wieder auferstehen. ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in einer "Streaming"-Fassung auf ARTE+7 bereit.
Montag, 05.07. / 18.05 Uhr / Die Zirkusschule von Shanghai Regie: Guo Jing, Ke Dingding
Akrobatik ist ein wichtiger Teil des chinesischen Zirkus und steht somit selbstverständlich auch auf dem Stundenplan der Zirkusschule von Shanghai. Hier lernen schon die jüngsten
Schüler, dass es wichtig ist, die Grenzen des eigenen Körpers immer weiter auszudehnen. Die Dokumentation hat einige der Schüler bei ihrem harten Training begleitet, das ihnen physische wie
psychische Höchstleistungen abverlangt.
Für die Kinder, die die Zirkusschule von Shanghai besuchen, stehen täglich mehrere Stunden körperliches Training auf dem Programm. Die
Dokumentation begleitet einige der Kinder durch ihren harten Alltag. Die angehenden Akrobaten unterliegen einem extremen physischen und psychischen Leistungsdruck. Für viele von ihnen - so
sagen sie zumindest - resultieren gerade daraus ihre Erfolgserlebnisse, die sie wiederum zu neuen Höchstleistungen beflügeln. In China ist Akrobatik fester Bestandteil der nationalen
Kultur. Denn in der mehr als tausendjährigen chinesischen Zirkustradition steht die Überwindung der Grenzen des menschlichen Körpers im Mittelpunkt und sogenannte Schlangenmenschen gehören
zum Standardrepertoire chinesischer Zirkusdarbietungen. Das unterscheidet den chinesischen Zirkus erheblich vom Zirkus westlicher Prägung. Der stellt traditionell in Dressurnummern die
Beziehung zwischen Mensch und Tier in den Vordergrund oder richtet sein Augenmerk auf die Belustigung des Publikums.
ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in einer "Streaming"-Fassung auf ARTE+7 bereit.
Montag, 05.07. / 21.25 Uhr / Don Giovanni - Live aus Aix-en-Provence
Oper, Frankreich 2010, ARTE F, Erstausstrahlung
Moderation: Emmanuelle Gaume; Komponist: Wolfgang Amadeus Mozart; Kostüme:
Dmitri Tcherniakov, Elena Zaytseva; Inszenierung: Dmitri Tcherniakov; Fernsehregie: Andy Sommer; Dirigent: Louis Langrée; Produktion: Bel Air Media; Chorleiter: Tim Brown; Chor: English
Voices; Libretto: Lorenzo da Ponte; Licht: Gleb Filshtinsky; Orchester: Freiburger Barockorchester
Mit: Bo Skovhus - (Don Giovanni), Kyle Ketelsen - (Leporello), David Bizic -
(Masetto), Colin Balzer - (Don Ottavio), Marlis Petersen - (Donna Anna), Kristina Opolais - (Donna Elvira), Kerstin Avemo - (Zerlina), Anatoli Kotscherga - (Il Commendatore)
Lachen aus
Grauen geboren. Von allen Gestaltungen des Don-Juan-Mythos ist Mozarts Oper die tiefgründigste, widersprüchlichste und erstaunlichste. Der russische Starregisseur Dmitri Tcherniakov bringt
diesen Sommer seine Fassung der Geschichte über den klassischen Bösewicht und Frauensammler Don Giovanni in Aix-en-Provence auf die Bühne und ARTE ist live mit dabei. Für den musikalischen
Klang zeichnet Louis Langrée verantwortlich. Eine Gemeinschaftsproduktion des Aixer Opernfestivals mit dem Teatro Real Madrid und der Canadian Opera Company, Toronto. Durch den Opernabend bei
ARTE führt Emmanuelle Gaume.
Die Ouvertüre dieses "dramma giocoso" mit ihrer überwältigenden, ja teuflischen Musik, die die wilde Jagd ankündigt, gibt den Ton an: So sehr
sich der Frauensammler seiner 1003 Eroberungen brüstet, er tanzt über dem Abgrund. Er dringt ins Haus von Donna Anna, tötet ihren Vater im Duell, versucht Zerlina zu verführen und zu
vergewaltigen, verschmäht Donna Elvira, die er mit einem Eheversprechen verführt hat, niemand ist vor ihm sicher. Erst der tote Komtur, Donna Elviras Vater, bietet dem Zügellosen in Gestalt
einer steinernen Statue Einhalt. Mit einem Schlag endet das Verwirrspiel der Opera buffa, und ein metaphysischer Raum tut sich auf, der die Romantiker so sehr faszinierte. Auch mehr als 200
Jahre nach der Uraufführung bewahrt dieses Meisterwerk der Opernkunst seine Wirkungsmacht - und alle Mozart'schen Zweideutigkeiten. Der russische Bühnenregisseur Dmitri Tcherniakov
inszeniert für das Opernfestival von Aix-en-Provence die Mozart-Oper neu. Wie üblich zeichnet er auch für das Bühnenbild verantwortlich. Die Besetzung ist international: Der dänische Bariton
Bo Skovhus interpretiert die Titelrolle, als Leporello steht ihm Kyle Ketelsen zur Seite. Der Amerikaner wurde bereits in London und in Barcelona in dieser Rolle gefeiert. Marlis Petersen,
die Donna Anna, kommt aus Deutschland und Kristine Opolais - Donna Elvira - aus Lettland. Im Orchestergraben steht Louis Langrée am Pult des Freiburger Barockorchester.
Zusatzinfo.
immanuelle Gaume moderiert den Abend und berichtet in der Pause über die diesjährige Ausgabe des Opernfestivals von Aix-en-Provence und über den Mythos des Don Giovanni. Mehr Informationen
kurz vor der Ausstrahlung auf www.arte.tv/festivals
Donnerstag, 08.07. / 22.25 Uhr / Joan Baez: How Sweet the Sound Regie: Mary Wharton
Das Gewissen einer Generation: Die politisch engagierte Folksängerin Joan Baez sang im Luftschutzbunker, während draußen die Bomben fielen. Aber sie ist auch eine der wichtigsten und
bekanntesten Vertreterinnen der Folkmusik. Seltene Archivaufnahmen und sehr persönliche Interviews mit Bob Dylan, Reverend Jesse Jackson, Roger McGuinn und vielen anderen machen den
Dokumentarfilm zu einem sehr persönlichen und historischen Porträt zugleich.
In einem ersten umfassenden Dokumentarfilm über Joan Baez werden sowohl die Privatperson Baez als auch ihre
Karriere, ihre Geschichte als Live- und Studiomusikerin und ihr bemerkenswerter Weg als Menschenrechtsaktivistin beleuchtet. Historische Aufnahmen zeigen Joan Baez bei ihrem umstrittenen
Besuch in Nordvietnam, wo sie mit den Einwohnern von Hanoi während der heftigsten Luftangriffe des Krieges betet, aber auch Martin Luther King Jr., der der inhaftierten Joan Baez einen
Solidaritätsbesuch abstattet. Musikalische Aufnahmen vom legendären Auftritt auf dem Newport Folk Festival 1959 oder eines frühen Auftritts im historischen Club 47 in Cambridge werden mit
Interviews mit bekannten Persönlichkeiten wie David Crosby, Bob Dylan oder Reverend Jesse Jackson zu einer dichten Erzählung verwoben. Der Dokumentarfilm gibt in bisher nicht dagewesener Art
und Weise Einblick in das Leben der Künstlerin und Aktivistin, die 2010 mit 68 Jahren erneut auf einer internationalen Tournee unterwegs ist.
Die Originalfassung des Dokumentarfilms wurde für die vielfach preisgekrönte Non-Fiction-Reihe American Masters der New Yorker Firma WNET produziert. Parallel zur ARTE-Programmierung
bietet arte.tv dem User mit einem crossmedialen Spiel, kommentierten Playlists und Video-Erinnerungen bekannter Persönlichkeiten der 60er Jahre ein umfangreiches Web-Angebot:
www.arte.tv/summer Dieses Programm wurde in HD produziert. ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in einer "Streaming"-Fassung auf ARTE+7 bereit.
Themenabend: Schwerpunkt: Summer of the 60s
Donnerstag, 08.07. / 23.35 Uhr / Festival! Newport Folk Festival 1963 – 1966 Regie: Murray Lerner
Ob Bob Dylan, Joan Baez oder Johnny Cash: Beim Newport Folk Festival standen sie alle auf der Bühne. Die entscheidenden Festivaljahre von 1963 bis 1966,
in denen sich der tiefgreifende Wandel innerhalb der Folkmusik vollzog, werden in diesem Dokumentarfilm mit Blick auf seine Akteure und Zuschauer, die Musiker und ihre Fans beleuchtet.
Das Folkfestival von Newport war das erste bedeutende Folkmusikfestival in den Vereinigten Staaten. Es wurde 1959 von Georges Wein ins Leben gerufen, der 1954 bereits das Newport Jazz
Festival gegründet hatte. 1960 und 1961 pausierte das Festival, aber 1962 konnte Wein es mit Unterstützung von Pete Seeger und Theodore Bikel fortsetzen. Das nicht gewinnorientierte Festival
vereinte traditionelle und nicht-traditionelle Sänger und empfing trotz seiner Folkmusikausrichtung Künstler wie den eher dem Blues verpflichteten Howlin' Wolf und den Country-orientierten
Johnny Cash. Zusammen mit dem in den 60ern aufblühenden Blues Revival ermöglichte es vielen seit den 40ern in Vergessenheit geratenen Künstlern eine Wiederentdeckung. Das Festival von 1963
zählte 45.000 bis 70.000 Zuschauer, überwiegend Gymnasiasten und Studenten. Die Leitfiguren des Festivals und der neuen Folkmusikwelle überhaupt waren natürlich Joan Baez und Bob Dylan
(sie beteiligten sich auch 1964 wieder), Peter, Paul & Mary, aber auch Judy Collins, Johnny Cash, Howlin' Wolf, Odetta, Donovan, Mike Bloomfield, die Paul Butterfield Blues Band,
Mississippi John Hurt, Pete Seeger, Buffy Sainte-Marie. Ein wichtiger Akteur war auch das Publikum selbst, dem der Film lange Interviewteile widmet.
Zusatzinfo: Der schwarzweiß
gedrehte Film ist ein Gesellschaftsdokument. Er zeugt von einer Jugend, deren Verhalten und Interessen sich nicht grundlegend von denen der Jugend auf heutigen Festivals unterscheiden. Er
würdigt die musikalischen Leistungen ebenso wie die mit der Folkmusik verbundene pazifistische Protestbewegung der damaligen Zeit. Parallel zur ARTE-Programmierung bietet arte.tv dem User
mit einem crossmedialen Spiel, kommentierten Playlists und Video-Erinnerungen bekannter Persönlichkeiten der 60er Jahre ein umfangreiches Web-Angebot: www.arte.tv/summer!
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Samstag, 10.07. / 20.15 Uhr / Netrebko, Garanca, Domingo ... An der Wiener Staatsoper: Abschiedsgala Ioan Holender
Musik, Deutschland/Österreich 2010, ZDF Regie: Felix Breisach; Dirigent: Ioan Holender; Redaktion: Martin Schneider Mit: Thomas
Quasthoff - (Bassbariton), Anna Netrebko - (Sopran), Waltraud Meier - (Mezzosopran), Barbara Frittoli - (Mezzosopran), Plácido Domingo - (Tenor), Thomas Hampson - (Bariton), José Cura -
(Tenor), Ramón Vargas - (Tenor), Siegfried Jerusalem - (Tenor), Elina Garanca - (Mezzosopran), Diana Damrau - (Sopran), Angelika Kirchschlager - (Mezzosopran)
Zum Abschied des Wiener
Operndirektors Ioan Holender gibt es als Galakonzert der Superlative ein ganz besonderes Aufgebot an Klassikweltstars: Ob Anna Netrebko und Plácido Domingo, Elina Garanca oder Thomas
Quasthoff, gemeinsam mit anderen Künstlern der Klassikwelt werden sie die künstlerischen Höhepunkte aus den vergangenen zwei Jahrzehnten mit Ioan Holender Revue passieren lassen.
Ioan
Holender, der Wiener Staatsoperndirektor, ist einer der letzten großen Impresarios des europäischen Musiklebens. Zu seinen Vorgängern im Amt gehörten Gustav Mahler, Richard Strauss, Karl
Böhm, Herbert von Karajan und Lorin Maazel. Doch in der 140-jährigen Geschichte des legendären Hauses am Wiener Ring hat niemand so lange regiert wie er. Zum glamurösen Abschied geben sich
die Stars der Dirigentenszene den Taktstock in die Hand. Es dirigieren unter anderem Zubin Mehta, Fabio Luisi, Antonio Pappano, Simone Young, Bertrand de Billy, Franz Welser-Möst und Marco
Armiliato.
Nach 19 Jahren verabschiedet sich Ioan Holender von seiner Staatsoper und blickt zurück auf 157 Premieren: 83 Opern-, 63 Ballettabende und elf Kinderopern. Zum
künstlerischen Erfolg gesellt sich da nebenbei auch der wirtschaftliche: Die Wiener Staatsoper ist im Durchschnitt jeden Abend zu 97 Prozent ausverkauft. Gerard Mortier, ehemaliger Chef
der Pariser Oper und der Salzburger Festspiele, bezeichnet seinen Kollegen Holender als "Ikone" der Opernwelt und attestiert ihm "zentraleuropäischen Charme, eine feine Nase
für die besten Sänger der Welt und Offenheit für die Moderne". Andere nennen ihn den Großmeister der internationalen Opernwelt oder den heimlichen Regenten Österreichs. Den
gesellschaftlichen Verpflichtungen der Klassik-High-Society ging Holender gerne aus dem Weg: "Bei den Salzburger Festspielen ist es wichtig, was nach der Vorstellung passiert, hier ist
wichtig, was während der Vorstellung passiert." Entsprechend skeptisch stand er auch dem größten gesellschaftlichen Ereignis der Österreichischen Hauptstadt gegenüber, dem Wiener
Opernball, den er nur widerwillig in seinem Haus duldete. Mit seinem autokratischen Führungsstil war Holender alles andere als ein bequemer Chef: "Ich muss entscheiden, was wir hier
spielen, wer hier singt und - was noch viel dramatischer ist - wer hier nicht singt." Unerbittlich auch sein Qualitätsanspruch, wonach er die Karriere eines Sängers "lieber fünf
Minuten zu früh als fünf Minuten zu spät" beende. Trotzdem - oder gerade deshalb - schätzen und lieben ihn seine Künstler. Er hat zahllosen Stars den Weg bereitet und viele große
Karrieren befördert: Wer in Holenders Haus auf die Bühne kam, dem standen die Bühnen der Welt offen. Dieses Programm wurde in HD produziert.
Samstag, 10.07. / 21.00 Uhr / Tosca - Live aus München Oper, Deutschland 2010 Kostüme: Milena Canonero; Ausstattung: Richard Peduzzi; Chor: Kinderchor der Bayerischen Staatsoper, Chor der Bayerischen Staatsoper; Orchester:
Bayerisches Staatsorchester; Inszenierung: Luc Bondy; Dirigent: Fabio Luisi Mit: Karita Mattila - (Floria Tosca), Jonas Kaufmann - (Mario Cavaradossi), Juha Uusitalo - (Baron Scarpia),
Christian Van Horn - (Cesare Angelotti), Enrico Fissore - (Der Mesner), Kevin Conners - (Spoletta), Rüdiger Trebes - (Sciarrone), Christian Rieger - (Ein Gefängniswärter), Tölzer Knabenchor -
(Stimme eines Hirten)
Ein Alptraum von Verzweiflung, Wut und Verrat: Luc Bondy räumt in seiner "Tosca"-Inszenierung, die zugleich den Auftakt der Opernfestspiele der
Bayerischen Staatsoper 2010 darstellt, mit allen Gefühlsduseleien auf. ARTE und der Bayerische Rundfunk sind live bei der hochkarätig besetzten Aufführung im Münchner Nationaltheater dabei.
Luc Bondy präsentiert seine "Tosca"-Inszenierung als jenen Alptraum von Verzweiflung, Wut und Verrat, wie er sich hinter der süffigen Musik Puccinis verbirgt. In der
Titelrolle ist der finnische Sopran-Star Karita Mattila zu sehen und zu hören, den Cavaradossi singt der aktuelle Liebling unter der lyrischen Tenören, Jonas Kaufmann. Aber auch das Geschehen
auf dem Max-Joseph-Platz vor dem Nationaltheater ist zu beobachten, denn dort wird die Produktion der "Tosca" auf einer Leinwand als "Oper für alle" projiziert.
Die
im Jahr 1900 uraufgeführte "Tosca" war Puccinis fünfte Oper. Mit "Tosca" bekannte sich Puccini endgültig zum Verismo. Dazu gehört, dass die Vorgänge so dargestellt werden,
wie sie auch im Leben ablaufen könnten. Trotz einer Musik voller Wohllaut, eingängiger Kantilenen und solch bekannter Stücke wie Toscas "Vissi d'arte" und Cavaradossis "E
lucevan le stelle" erspart die Oper ihrem Publikum nicht die Härte, mit der politische Macht und selbstversessene Skrupellosigkeit das Leben der weniger Mächtigen zerstören kann.
Der Schauplatz der Handlung ist Rom. Der Maler Mario Cavaradossi liebt die gefeierte Opernsängerin Floria Tosca. Er sympathisiert mit dem Regimegegner und politischen Gefangenen Angelotti,
den der korrupte und skrupellose Polizeichef Scarpia in der Engelsburg hat einsperren lassen. Nach dessen Flucht gibt ihm Cavaradossi Unterschlupf in seinem Haus. Cavaradossi wird jedoch von
Scarpia entdeckt, weshalb er ihn gefangen nehmen und im Beisein von Tosca foltern lässt, um so das Versteck von Angelotti aus den beiden herauszupressen. Um das Leben von Cavaradossi, den
Scarpia hinrichten lassen will, zu retten, willigt Tosca ein, Scarpia die geforderte Liebe zu gewähren. Als der sich ihr nähert, ersticht ihn Tosca mit einem Dolch. Im Glauben, die von
Scarpia angeordnete Hinrichtung von Cavaradossi werde, wie versprochen, nur zum Schein erfolgen, eilt sie am nächsten Tag zur Engelsburg. Als die Gewehrsalven krachen, bricht Cavaradossi tot
zusammen. Tosca muss erkennen, das Scarpia sie betrogen hatte. Sie stürzt sich von der Mauer der Engelsburg in den Tod.
Zusatzinfo: Luc Bondy wurde 1948 in Zürich geboren. Er
absolvierte eine Ausbildung an der Schauspielschule von Jacques Lecoq in Paris. Sein Deutschland-Debüt als Regisseur gab er 1971 mit einer Inszenierung von Stanislaw Witkiewiczs "Narr
und Nonne" am Jungen Theater Göttingen. Danach folgten Arbeiten in Nürnberg, Düsseldorf, Wuppertal, Darmstadt und München. Von 1974 bis 1976 war er Hausregisseur am Schauspiel Frankfurt,
danach arbeitete er vorwiegend im Team von Peter Stein in Berlin und Köln. 1977 inszenierte er seine erste Oper, "Lulu", an der Staatsoper Hamburg. Von 1985 bis 1988 war er Mitglied
der Dreier-Direktion an der Berliner Schaubühne. Seither inszenierte er zahlreiche Opern, darunter "Don Giovanni" (Wiener Staatsoper), "Le nozze di Figaro" (Salzburger
Festspiele), "Don Carlos" (Paris), "Macbeth" (Edinburgh Festival), "Idomeneo" (Teatro alla Scala Mailand), "Salome" (Salzburger Festspiele) sowie
Philippe Boesmans' "Julie" (Théâtre La Monnaie Brüssel), wofür er auch das Libretto schrieb. 1997 wurde er Schauspieldirektor der Wiener Festwochen und ist seit 2001 Intendant des
Festivals. "Tosca" ist Bondys erste Inszenierung an der Bayerischen Staatsoper.
Die Bayerische Staatsoper kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Der Kurfürst Ferdinand
Maria, der auch Schloss Nymphenburg und die Theatinerkirche bauen ließ, errichtete im 17. Jahrhundert im Herkulessaal der Residenz ein Saaltheater, in dem vor der Hofgesellschaft die ersten
italienischen Operndarstellungen inszeniert wurden. 1818 erhielt das Opern-Ensemble mit dem Nationaltheater am Max-Joseph-Platz sein heute bekanntes Haus. Es ist bis heute das größte
Opernhaus Deutschlands. In der Bombennacht vom 3. auf den 4. Oktober 1943 wurde das Gebäude weitgehend zerstört. Es dauerte 20 Jahre, bis das Nationaltheater mit Hilfe der "Freunde des
Nationaltheaters" nach den Plänen von Gerhard Graubner und Karl Fischer im alten klassizistischen Glanz wiederaufgebaut und am 21. November 1963 für das Publikum erneut geöffnet wurde.
Samstag, 10.07. / 00.55 Uhr / Metropolis (1): Alexandre Desplat/Frears
(2): Tarot-Garten - Niki de Saint Phalle (3): Gisèle Vienne (4): Falk Richter
(1): Alexandre Desplat/Frears Alexandre Desplat machte sich in Frankreich mit seiner
Vertonung von Jacques Audiards Filmen "Lippenbekenntnisse" und "Der Schlag, der mein Herz verspielte" einen Namen. Seine Soundtracks zu "Das Mädchen mit dem
Perlenohrring", "Birth" und "Syriana" brachten ihm den internationalen Durchbruch. Mit mehr als 70 Filmen zählt Desplat inzwischen zu den gefragtesten europäischen
Komponisten Hollywoods. In "Metropolis" äußern sich Alexandre Desplat und der Regisseur Stephen Frears über ihre Zusammenarbeit an Frears jüngstem Film "Tamara Drewe".
(2): Tarot-Garten - Niki de Saint Phalle Ein einsamer Skulpturengarten mitten in der toskanischen Landschaft. Fast 20 Jahre lang, von 1979 bis 1998, arbeitete Niki de Saint
Phalle an ihrem ohne Auftrag und ohne Fremdfinanzierung begonnenen Lebenswerk. Dabei musste sie zahlreiche Hürden überwinden, nicht zuletzt ihre jahrelange Krankheit. Auslöser für das Projekt
war die Begegnung mit dem Werk Gaudís und der Besuch des Park Güell in Barcelona im Jahr 1955, ein Schlüsselerlebnis für die Künstlerin: "In Gaudí habe ich meinen Meister und mein
Schicksal getroffen." Von ihm übernahm Niki de Saint Phalle die sogenannte "trencadis"-Technik, das heißt das Zerbrechen von Keramikfliesen und die Zusammensetzung der
Fragmente zu Mosaiken sowie die Einbeziehung des Geländes und das Konzept des "Rundgangs". Rückblick auf die Entstehungsgeschichte des Gartens, in den mit den Jahren
unterschiedliche Inspirationsquellen der Künstlerin einflossen.
(3): Gisèle Vienne Mit ihrem Plastik-Panoptikum rührt die französische Choreographin und Puppenmacherin Gisèle
Vienne an die Grenzen unserer geheimsten Widersprüche. Körper, Bilder, Musik, und Wörter fügen sich zu einem sehr persönlichen Ritual um Lebensdrang, Todeswunsch und Sexualtrieb zusammen.
Ihre jüngste Performance, "This is how you will disappear", steht auf dem diesjährigen Spielplan des Theaterfestivals von Avignon. Um die Vermischung von belebten und unbelebten
Körpern und die von der Puppe inspirierten Bewegungen des Tänzers geht es in einem Gespräch mit der Künstlerin.
(4): Falk Richter Der deutsche Autor und Theaterregisseur Falk
Richter wird beim diesjährigen Theaterfestival von Avignon mit zwei Stücken vertreten sein: Seine jüngste Inszenierung, "Trust", entstand in Zusammenarbeit mit der Choreographin
Anouk van Dijik. "Secret Garden" wurde von Stanislas Nordey inszeniert, mit dem Falk Richter auf dem Festival 2008 sein Stück "Das System" präsentierte. Porträt des
Enfant terrible des deutschen Theaters, das den Universalanspruch des Liberalismus anprangert und zum Nachdenken über die zwischenmenschlichen Beziehungen in unserer krisengeschüttelten
Konsumgesellschaft auffordert.
Mehr Infos unter: www.arte.tv/metropolis
Sonntag, 11.07. / 05.55 Uhr / Schumann, Schubert und der Schnee Eine Oper für Klavier von Robert Schumann und Franz Schubert
Musik, Deutschland 2006, WDR Regie: Enrique Sánchez Lansch; Libretto: Hans Neuenfels; Inszenierung: Hans Neuenfels; Redaktion: Lothar Mattner Mit: Olaf Bär - (Robert Schumann),
Elisabeth Trissenaar - (Clara Schumann), Xavier Moreno - (Franz Schubert), Ludwig Blocherger - (Franz Schubert), Daniel Eberle - (Moritz von Schwind), Piero von Jaduczinski - (Johann Baptist
Mayrhofer), Christian Kröhl - (Franz von Schober), Mirik Machnik - (Eduard von Bauernfeld)
Robert Schumann (1810-1856) und Franz Schubert (1797-1828) sind sich nie begegnet. Hans
Neuenfels hat jedoch für die RuhrTriennale 2005 eine fiktive Begegnung der beiden Musikgenies konzipiert und dabei die neuesten biografischen Erkenntnisse verarbeitet. Das musikalische
Kammerspiel erzählt aus der Sicht Schumanns, der das Werk seines Wiener Kollegen zeitlebens bewunderte, von den Unterschieden und Gemeinsamkeiten der zwei Künstlerexistenzen. Der Lied- und
Opernsänger Olaf Bär ist in dem Musikfilm in der Rolle Schumanns zu erleben. Für die Regie zeichnet Enrique Sánchez Lansch verantwortlich, der sich unter anderem mit dem preisgekrönten
Dokumentarfilm "Rythm Is It" einen Namen gemacht hat. ARTE zeigt diese Sendung zum 200. Geburtstag von Robert Schumann.
Basierend auf Hans Neuenfels' gleichnamiger Kreation
"Schumann, Schubert und der Schnee" für die RuhrTriennale zeigt der Musikfilm eine fiktive Begegnung von Robert Schumann mit Franz Schubert im Jenseits. Während sich Schumann um ein
stetes, bürgerliches Leben bemühte, verschrieb sich Schubert einem Leben voller Hingabe, Leidenschaft und wilder Ausgelassenheit. Gemeinsam waren ihnen ihre labile Psyche und ihre wichtigste
musikalische Ausdrucksform, das Kunstlied. Über die Lieder der beiden Komponisten erzählt der Musikfilm die vielschichtige biografische und künstlerische Entwicklung Schumanns. Trotz der
vehementen Versuche seiner Frau, der Komponistin Clara Schumann, vermag sich Robert Schumann der Anziehungskraft Schuberts nicht zu entziehen. Beide Komponisten gehen einen Dialog über ihre
Lieder ein. Es kommt zu einem imaginären Wettstreit, in dessen Verlauf Schumanns Ausbruchsversuche immer deutlicher werden, seine unstillbare Sehnsucht, die Mauern zu sprengen und alles
hinter sich zu lassen. Schließlich tötet Schumann den Schubert in sich, aber Clara verliert ihn dennoch: Ihr Mann findet die Erlösung im Wahnsinn.
Zusatzinfo: Für den Musikfilm wurde
die Aufzeichnung von Neuenfels' Inszenierung mit Bildern verknüpft, die bei zusätzlichen Drehs mit Musikern und Schauspielern entstanden sind. Über das reine Psychogramm hinaus kann der Film
als eine Art Videotagebuch begriffen werden, das eine künstlerische wie seelische Entwicklung verfolgt. Die Einträge des Tagebuchs sind Lieder, die mal Flucht und mal Aufschrei, mal reines
Gefühl und mal Trostspender, immer aber unmittelbar aus emotionaler Not geboren sind. Sie bringen das Wechselspiel von Euphorie und Depression eindrucksvoll zum Ausdruck. Die Beziehung
Schumanns zu Clara, die Flucht in die Fantasie, der Ausbruch im Lied und der ständige Kampf gegen fortschreitende geistige Umnachtung werden filmisch nicht nur im Nacheinander, sondern
simultan dargestellt. Welt und Werk Schumanns und Schuberts verschränken sich so miteinander. Dadurch erlebt der Zuschauer Schumanns Stream of Consciousness in höchster Konzentration. Die
Kamera umkreist die zwei Sänger und sechs Schauspieler, die ständig in Aktion sind. Sie verfolgt sie aus nächster Nähe und erzählt das Geschehen aus der Perspektive Schumanns, und nicht aus
der des Theaterzuschauers. Durch diesen Ansatz des Regisseurs Enrique Sánchez Lansch, der sich unter anderem mit dem preisgekrönten Dokumentarfilm "Rythm Is It" einen Namen gemacht
hat, wird nicht nur der dreidimensionale Außenraum, sondern auch der psychologische Innenraum erfahrbar.
Sonntag, 11.07. / 07.25 Uhr / Palettes: Picasso - Die Farben der Leidensgeschichte: Die Kreuzigung - 7. Februar 1930
Regie: Alain Jaubert Das Gemälde "Die Kreuzigung", entstanden im Februar 1930, blieb auf Wunsch Picassos lange in seinem
Privatbesitz. Heute ist das Bild im Pariser Musée Picasso ausgestellt. Picasso fühlte sich seinem Gemälde aufs engste verbunden. Die apokalyptische, in expressiven Farben gemalte
Kreuzigungsszene deutet auf jene persönliche Krise Picassos hin, in der er sich zu dieser Zeit befand.
"Palettes" - ab 26. Juni bis 19. August von montags bis freitags täglich (außer mittwochs) immer gegen 7.30 Uhr.
Im Gesamtwerk Picassos (1881-1973) nimmt die
"Kreuzigung" aus dem Jahr 1930 einen besonderen Platz ein, da der Maler selten religiöse Themen auf die Leinwand brachte. Im Februar 1930, als das Gemälde entsteht, gestaltet sich
die Beziehung zu Olga Kokhlowa, einer russischen Tänzerin, mit der er seit zwölf Jahren verheiratet ist, immer schwieriger. Picasso fühlt sich von der Pariser Kunstszene und vom Leben der
Bohème immer stärker angezogen. Olga hingegen bereitet Picasso immer häufiger Eifersuchtsszenen. Eine Auseinandersetzung folgt der nächsten. In diesem biografischen Kontext entsteht Anfang
1930 die Kreuzigungsszene. Auffallend an diesem Bild ist, dass es zwar die klassischen biblischen Figuren der Kreuzigung zeigt, dass Picasso daneben aber auch eine Reihe seltsamer
Gestalten in Szene setzt, die schwieriger zu identifizieren sind. Das Thema der Kreuzigung mag überraschen bei einem Maler, der für seinen Atheismus bekannt ist. Aus Picassos Skizzenbüchern
geht jedoch hervor, dass er sich mehrfach mit dem Sujet der Kreuzigung beschäftigt hat, das erste Mal bereits als zwölfjähriger Junge. Die Opferung wird von Picasso wie eine heidnische
Zeremonie, ja wie ein Exorzismus dargestellt. Auch die Farben sind für den Maler ungewöhnlich: Ein krasses Rot, Gelb und Grün. Mit der expressiven Wahl der Farben, die er geradezu brutal in
Kontrast zueinander setzt, scheint Picasso den Höhepunkt allen Leidens ausdrücken zu wollen. Die Figuren sind nicht plastisch und ohne Schatten dargestellt, sie scheinen vielmehr in einem
perspektivlosen Raum ohne Begrenzungen zu schweben. Dennoch respektiert Picasso eine klassische, symmetrische Bildaufteilung mit dem Kreuz im Zentrum, stellt aber einen ganz eigenen, den
Betrachter verstörenden Rhythmus von Farbe und Form her. In der detailgenauen Analyse dieses vielschichtigen Gemäldes deckt "Palettes" unter anderem jene persönliche Krise auf,
in der sich Picasso damals befand und die er auch in seinen Tagebüchern festhielt. Darüber hinaus eröffnet das facettenreiche Gemälde zahlreiche werkgeschichtliche und kunstgeschichtliche
Dimensionen.
Sonntag, 11.07. / 10.40 Uhr / Lucerne Festival Orchestra - Claudio Abbado dirigiert Mahler: Gustav Mahler: 7. Symphonie Musik, Deutschland 2005, ZDF Regie: Michael Beyer; Orchester: Lucerne Festival Orchestra; Dirigent: Claudio Abbado
ARTE feiert den 150.
Geburtstag von Gustav Mahler mit einer Reihe von Konzerten. Heute steht Claudio Abbado am Pult des Lucerne Festival Orchestra. Er dirigiert Mahlers 7. Symphonie. Es ist eine Aufführung des
von der Musikwelt gefeierten Mahler-Zyklus den Claudio Abbado 2005 in Luzern begonnen hat. Am Abend bringt ARTE dann die Aufzeichnung des Festkonzerts zu Ehren von Gustav Mahler aus seiner
Geburtsstadt Kaliste in Tschechien.
Im Juli 2007 jährt sich der Geburtstag von Gustav Mahler zum 150. Mal. Claudio Abbado gilt als einer der besten Mahler-Interpreten unserer Zeit. Vor
sieben Jahren begann Claudio Abbado mit seinem damals neu gegründeten Lucerne Festival Orchestra in der Stadt am Vierwaldstätter See einen neuen Aufführungszyklus der Mahler-Symphonien, die
von der Musikwelt mit Begeisterung aufgenommen wurde. ARTE zeigt die 7. Symphonie, die im Rahmen des Lucerne Festivals 2005 aufgeführt wurde. Die Siebente ist die symmetrischste aller
Mahler-Symphonien. Zwischen den zwei "Nachtmusiken" steht im Zentrum des Werkes ein ins Schattenhafte getauchtes Scherzo, welches die nächtliche Stimmung der beiden Sätze aufspürt.
Diesem eher kammermusikalisch besetzten Teil stellt Mahler als Kontrast die monumental instrumentierten Außensätze gegenüber. Die Symphonie ist ein Werk, das sich Claudio Abbado und seinem
Orchester interpretatorisch ideal anbietet. Denn gerade hier liegen die Qualitäten dieses Ensembles: die Transparenz einer kammermusikalischen Interpretation auch in größter
Instrumentalbesetzung. In einer Zeit der nivellierten Standardkultur von Reiseorchestern gelang es Abbado, ein Orchester zu gründen, das sowohl in der Struktur wie auch in der Klangkultur
unverwechselbar ist: ein Ensemble, in dem Musiker aus dem Mahler Chamber Orchestra zusammen musizieren mit internationalen Kammermusikformationen wie dem Hagen-Quartett oder dem
Bläserensemble von Sabine Meyer oder mit Solisten wie Kolja Blacher und Natalia Gutman. Das Ergebnis dieser ungewöhnlichen Orchesterbesetzung - Stimmführer aus mehr als 20 berühmten
Orchestern sitzen in diesen Reihen - ist ein Traum vom Musizieren.
Zusatzinfo: ARTE hat diese Luzerner Erfolgsgeschichte dokumentiert. Die großen symphonischen Programme wurden
aufgezeichnet und damit einem breiteren Publikum zugänglich gemacht. Nachdem 2003 die "Auferstehungs-Symphonie" von Gustav Mahler aufgezeichnet und gesendet wurde, folgte 2004
Mahlers 5. Symphonie. Im Sommer 2005 geht ging die Suche nach der Idealinterpretation der vielschichtigen, hochkomplexen Mahler'schen Partituren mit der 7. Symphonie weiter, 2006 dirigierte
Abbado die Siebente, 2007 die Dritte, 2008 die Vierte, 2009 die Erste ... und ARTE war immer mit dabei.
Sonntag, 11.07. / 13.00 Uhr / Künstler hautnah: Mathieu Lehanneur – Designer Regie: Gregory Hopf
"Künstler hautnah" - das Rendezvous mit der internationalen Kunstszene. Jede Sendung ist einem Künstler gewidmet, die heutige dem
unkonventionellen Pariser Designer Mathieu Lehanneur, geboren 1974 in Rochefort. Dieser macht die Wissenschaft zum Schwerpunkt seines Experimentierfeldes. 2001 gründete er seine eigene
Agentur zur Entwicklung einzigartiger Konzepte für intelligente Objekte im Haushalt. Sie sollen auf die persönlichen Bedürfnisse der Anwender reagieren und interessante Probleme des Alltags
auf eine kreative Weise lösen.
Mathieu Lehanneur, Kopf einer neuen Generation von Designern, sieht sein Hauptinteresse in der Untersuchung des Verhältnisses des Körpers zu seiner
Umgebung. Seine Leidenschaft ist das Experimentieren und die Suche nach innovativen und gleichzeitig praktischen Lösungen. So lässt er sich von der Natur inspirieren, versucht dabei aber,
ihre Konzepte funktioneller und leistungsfähiger zu machen. Für seine Projekte benötigt er daher meist spezifisches Know-how. Häufig zieht er Spezialisten hinzu, zum Beispiel Wissenschaftler,
mit deren Hilfe er Ausstellungsstücke in Produkte verwandelt - in seinen Augen ein magischer Prozess. "Mathieu Lehanneur vertritt einen radikal pragmatischen Ansatz", erklärt der
Kunstwissenschaftler Pierre Martin-Vivier. "Stilistisch vertritt er das informelle Design, ohne vorgefasstes Rezept und Formenregister. Seine Entwürfe passen sich dem jeweiligen
Herstellungsverfahren, dem sozialen Kontext und der Psyche des Nutzers von Fall zu Fall an." Seine Ideen wendet Mathieu Lehanneur in ganz unterschiedlichen Kontexten an, die von der
Luftreinigung über Recycling bis zur Medizin reichen. Wer Design und Heilmittel in einem Atemzug nennt, denkt normalerweise an die Verpackung. Lehanneur jedoch denkt weiter: "Die
Ästhetik ist bei den Verfahren, an denen ich arbeite, eine der letzten Etappen." Wichtiger ist ihm die Herstellung einer Beziehung zwischen Patient und Heilmittel. Eines seiner Projekte
ist ein "Zwiebelmedikament": eine aus unterschiedlichen Farbschichten bestehende Antibiotikumkapsel, von der der Patient auf spielerische Weise bei jeder Einnahme eine Schicht
entfernt, so dass die letzte Kapsel zum Symbol der Heilung wird. Die bewusst pädagogische Komponente, die die falsche Einnahme verhindern will und den Patienten aktiv einbezieht, gehört zu
den originellen Seiten von Lehanneurs Entwürfen.
Zu Wort kommen der unabhängige Gestalter Anthony van den Bossche und Paola Antonelli, Kuratorin am Museum für moderne Kunst (MoMA) in New York.
Mehr Infos unter: www.arte.tv/kuenstlerhautnah ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in einer "Streaming"-Fassung auf ARTE+7 bereit.
Sonntag, 11.07. / 17.00 Uhr / Mein Leben - Tomi Ungerer Regie: Frank Eggers
Kaum jemand hat sich so sehr Europa als Idee einer einheitlichen, humanen und toleranten Gesellschaft verschrieben wie der elsässische Karikaturist und Schriftsteller Tomi Ungerer.
Der Autor Frank Eggers hat Tomi Ungerer für die Reihe "Mein Leben" einige Tage lang begleitet, nach Straßburg und auf seine Farm in Irland. Gerade von einer schweren Krankheit
genesen, gab der Künstler sehr persönliche Einblicke in sein Leben und Werk.
"Ich bin und heiße Hans Ungerer. Ich werde der Wanderer sein", schrieb er schon als Kind. Ein
Wanderer - in geografischer und intellektueller Hinsicht - ist Tomi Ungerer zeit seines Lebens geblieben: Straßburg, New York, Nova Scotia und Irland gehören zu den Stationen seines Lebens.
Undogmatisch verkehrt er bis heute zwischen allen Ideologien, zwischen der "heilen und der geilen Welt", der romantischen Liebe und der Welt der Dominas, zwischen Kinderreim und
Literatur, spontaner Strichelei und akribischer Detailversessenheit. Kaum jemand hat sich dabei so sehr Europa als Idee einer einheitlichen, humanen und toleranten Gesellschaft
verschrieben wie der elsässische Karikaturist, Cartoonist und Satiriker. Tomi Ungerer wurde am 28. November 1931 in Straßburg geboren. Sein Vater, Théodore Ungerer, starb früh, und Tomis
Mutter gab ihrem Nesthäkchen fortan alle Liebe und Schutz. Obwohl im alemannischen Teil des Elsass' geboren, ist Tomi Franzose, und seine Muttersprache Französisch. 1940, als auch im Elsass
Nationalsozialisten den Schulunterricht übernehmen, muss der Neunjährige lernen, "richtig" Deutsch zu sprechen und zu schreiben. Die politische Zerrissenheit seiner elsässischen
Heimat formt Tomi Ungerer fortan. Bereits als kleiner Junge hält er alles, was er sieht und was ihn berührt, in Bildern fest. Seine Mutter bestärkt ihn in seinem Talent. Nach einer verpatzten
Reifeprüfung reist er per Anhalter durch ganz Europa bis nach Lappland. Später verbringt er ein Jahr bei den französischen Kamelreitertruppen in Algerien, um der Einberufung zum
Indochina-Krieg zu entgehen. Schließlich landet er in New York. Dort macht er Karriere: zuerst als Werbegrafiker, dann als Karikaturist. Doch seine kritische Haltung gegenüber dem
Vietnamkrieg führt dazu, dass er seine Bücher in Amerika jahrelang nicht publizieren darf. Sein Verhältnis zu den USA ist bis heute gespalten, denn New York, so stellt er fest, sei nicht
Amerika. 1971 verlässt er von heute auf morgen den "Big Apple" und beginnt in Kanada ein neues Leben als Farmer. Mit seiner Frau Yvonne hat er drei Kinder, zwei Söhne und eine
Tochter. In den 80er Jahren entdeckt Ungerer seine Heimat, das Elsass, wieder: Mit einer großen Ausstellung in seiner Geburtsstadt Straßburg dokumentiert er die Zwischenkultur des Elsass.
"Wäre ich nicht Elsässer, hätte ich meine Bücher nicht herausgebracht. Unsicherheit, Lebensangst, Wut: Das ist der beste Treibstoff, den es für einen Künstler geben kann."
Sonntag, 11.07. / 19.15 Uhr / 150 Jahre Gustav Mahler: Festkonzert in Kalischt Musik, Frankreich/Norwegen/Tschechische Republik 2010, ARTE F, Erstausstrahlung
Regie: Stein-Roger Bull; Orchester: Mahler Chamber Orchestra; Produktion: Czech Television, Nrk, Nordisk Films & TV Norway; Dirigent: Manfred Honeck
Mit: Thomas Hampson (Bariton), Anne Sofie von Otter (Mezzosopran), Marita Solberg
Gustav Mahler (1860-1911), der Wegbereiter der Neuen Musik und Wiener Hofoperndirektor, wird in den
Jahren 2010 und 2011 gefeiert: Am 7. Juli dieses Jahres wäre sein 150. Geburtstag gewesen, und 2011 jährt sich sein Todestag zum 100. Mal. Zum Geburtsjubiläum geht es bei ARTE nach Kalischt,
Mahlers böhmische Geburtsstadt. Kalischt - heute Kaliste und tschechisch - wird den großen Sohn der Stadt mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen feiern. ARTE zeigt heute - leicht
zeitversetzt - das Abschlusskonzert vom 7. Juli mit Thomas Hampson, Anne Sofie von Otter und Brigitte Christensen. Manfred Honeck dirigiert das Mahler Chamber Orchestra. Auf dem Spielplan:
Lieder von Gustav Mahler und Ausschnitte aus der Zweiten Symphonie, der Auferstehungssymphonie.
Gustav Mahlers Leben und Karriere sind typisch für einen Untertanen der Donaumonarchie:
Wie Sigmund Freud oder Wilhelm Reich wächst er in einem der Kronländer auf, verlässt seine Heimat jedoch, um zu studieren. Es verschlägt ihn nach Wien, wo er den größten Teil seines Lebens
verbringt und schließlich seine Frau kennenlernt: Alma Mahler-Schindler ist selbst Musikerin und eine schillernde Künstlerpersönlichkeit, die gar nicht so ins Bild der idealen Ehefrau der
damaligen Zeit passt. Gustav Mahler hat aber nicht nur mit seiner Frau, sondern auch mit dem unterschwelligen und viel zu oft offenen Antisemitismus zu kämpfen. Der Katholizismus ist
Staatsreligion und Überbau des Kaiserreiches, das schon bald auseinanderzubrechen beginnt. Sein Beitritt zur Kirche macht es nicht einfacher. Nicht nur sein Judentum haftet an ihm, auch
seine absolut neue Art zu komponieren scheidet die Geister und entrüstet das Publikum der Donaumetropole. Doch er überzeugt: In den Jahren 1897 bis 1907 setzt er als Hofoperndirektor
bahnbrechende Reformen durch. Er lässt sich von Wagners neuem Konzept der Oper als Gesamtkunstwerk inspirieren und stellt ein Ensemble zusammen, um es umzusetzen. Danach wird er als
Kapellmeister an die Metropolitan Opera New York geholt. Das neue Lebenskapitel ist kurz: Drei Jahre später stirbt er an einer Herzkrankheit.
Zusatzinfo: Gustav Mahler hat bei ARTE
einen Ehrenplatz und die Zuschauer konnten zahllose Aufführungen von großen Mahler-Spezialisten erleben: Aufführungen, dirigiert von Pierre Boulez, Leonard Bernstein, Michael Gielen oder
Daniel Harding, gesungen von Thomas Hampson, Thomas Quasthoff oder Renée Fleming. Seit 2003 verfolgt ARTE Claudio Abbados von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeierten Zyklus der
Mahler-Symphonien in Luzern. Dieses Jahr im Sommer wird Mahlers Neunte aufgezeichnet, die Ausstrahlung dieser Aufführung ist im Herbst vorgesehen.
Montag, 12.07. / 22.10 Uhr / Heitor Villa-Lobos, Rios musikalische Seele Musik, Brasilien/Frankreich 2007, ARTE F, Synchronfassung Regie: Eric Darmon
Der Film ist eine musikalische Entdeckungsreise in das reiche Schaffen des Komponisten. Eric
Darmon schildert das Leben von Heitor Villa-Lobos, Galionsfigur der brasilianischen klassischen Musik. Musik, die entstanden ist in einer Epoche zwischen Vergangenheitsverhaftung und Moderne,
Tradition und Entdeckung.
Heitor Villa-Lobos (1887-1959) gehört zu den produktivsten und intuitivsten Komponisten der Musikgeschichte. Seine Musik spiegelt die unendliche Vielfalt
Brasiliens zwischen üppiger Natur und berstend großen Städten wider. Er hat die klassische Musik des 20. Jahrhunderts entscheidend mitgeprägt. Villa-Lobos schöpfte aus der indianischen,
der europäischen und der afrikanischen Kultur. Aus ihrer Verbindung entstanden mehr als 2.000 Werke für Symphonieorchester, Chor, Streichquartett, Soli, Duos, Celli und Stimme, Klavier und
Gitarre. Dabei lotete Villa-Lobos die Möglichkeiten aller Instrumente und Harmonien aus. Die Reise auf den Spuren des Komponisten beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts in dem von kultureller
Aufbruchsstimmung erfassten Rio de Janeiro; sie führt dann ins Paris der 1920er Jahre und später ins moderne Brasilien der 30er Jahre unter Präsident Getúlio Dorneles Vargas. Sie endet in den
50ern, als Villa-Lobos ein anerkannter Komponist war und sich auf dem Höhepunkt seines Schaffens befand. Die Stationen Nantes und São Paulo, Paris und Rio de Janeiro stehen für Vielfalt und
Modernität seines Schaffens, das in der brasilianischen und französischen Musik bis heute nachwirkt. Villa-Lobos' Werke sind heute weltbekannt. Er gilt als der Komponist, dem die magische
Verbindung von klassischer und volkstümlicher Musik gelang. Viele Komponisten bekennen sich zu seinem Einfluss und schöpfen wie er ihre Inspiration aus den drei Kulturen Brasiliens.
Dienstag, 13.07. / 06.00 Uhr / Michael Haydn: Requiem für Erzbischof Siegmund Regie: Hannu Kamppila; Orchester: Finnisches Radio-Sinfonieorchester; Dirigent: Andres Mustonen
Mit: Anu Komsi - (Sopran), Petteri Salomaa - (Bass), Vivan Fagerudd - (Mezzo), Topi Lehtipuu - (Tenor)
Michael Haydn war als jüngerer Bruder von Joseph Haydn auch als der
"Salzburger Haydn" bekannt. ARTE zeigt das Requiem für Erzbischof Sigismund, an dessen Hof Michael Haydn bis zu dessen Tod im Jahre 1806 als Konzertmeister und Komponist tätig
gewesen ist. Die Aufzeichnung des Konzerts unter der musikalischen Leitung von Andres Mustonen erstand an einem ungewöhnlichen Ort statt, und zwar in einer ehemaligen Kabelfabrik in der Nähe
von Helsinki.
Michael Haydn, 1737 in Rohrau in Niederösterreich geboren, folgt dem Werdegang seines Bruders Joseph und erhält seine musikalische Ausbildung als Chorknabe im Kapellhaus
zu St. Stephan in Wien. Im Alter von 26 Jahren kommt er an den Hof des Erzbischofs Sigismund von Schrattenbach. Dessen Tod 1771 ist nicht der einzige, den Michael Haydn erschüttert. Seine
einjährige Tochter stirbt im selben Jahr. Zwei Schicksalsschläge, die er in seinem Requiem in c-Moll verarbeitet. Für die Uraufführung des Requiems noch im selben Jahr unterstützt ihn sein
Freund Wolfgang Amadeus Mozart, der 20 Jahre später, im Jahre 1791, sein unsterblich machendes Requiem schreibt - in offener Anlehnung an Haydns Werk. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts werden
in Europa so viele Requien komponiert wie nie zuvor. In vielen Ländern schreiben Komponisten Requien zu Ehren ihrer Herrscher, ihrer Auftraggeber, ihrer Freunde und Verwandten und manchmal
sogar sich selbst zu Ehren. Nur ein Bruchteil dieser Werke findet Eingang in heutige Konzertrepertoires. Auch der Charakter der Requien verändert sich im Laufe der Jahrhunderte. Waren Requien
ursprünglich rein geistliche Chorwerke, werden sie heute auch für Orchester geschrieben. Die Zeiten haben sich verändert, und die Ideologien sind nicht mehr die gleichen, doch das Bedürfnis
der Menschen, Verstorbener durch Musik zu gedenken, bleibt bestehen. ARTE zeichnete das Konzert unter der musikalischen Leitung von Andres Mustonen an einem ungewöhnlichen Ort auf, nämlich
in einer ehemaligen Kabelfabrik in der Nähe von Helsinki. Bilder von stillgelegten Produktionsstraßen und leeren Fabriken versetzen dieses Werk, das zu Beginn der industriellen Revolution in
Europa entstand, in einen aktuellen Kontext. Der alte Kontinent erlebt nunmehr die Auslagerung von Fabriken und Arbeitsplätzen in den Osten und nach Asien. Das Requiem für den Erzbischof wird
nun auch zum Requiem des Produktionsstandortes Europa.
Dienstag, 13.07. / 08.25 Uhr / Palettes: Vollendete Harmonie: Heilige Anna Selbdritt - Leonardo da Vinci Regie: Alain Jaubert
Im Vordergrund des Gemäldes "Heilige Anna Selbdritt" von Leonardo da Vinci, zwischen 1500 und 1515 entstanden,
ist rötlich-brauner Boden zu sehen. Er endet vor einem Abgrund, an dem die Heilige Anna steht. Sie hält die Augen gesenkt und lächelt sanft wie die Mona Lisa. Über ihren Schoß beugt sich die
Jungfrau Maria, die das nackte Jesuskind, einen Jüngling von zwei bis drei Jahren, in ihren Armen umfangen hält. Jesus wiederum hält ein Lamm in seinen Armen und scheint seiner Mutter
entfliehen zu wollen. Leonardo da Vincis Bild regte zu vielseitigen Interpretationen an: So versuchte beispielsweise Sigmund Freud Anfang des 20. Jahrhunderts eine Analyse des Gemäldes.
"Palettes" stellt verschiedene Auslegungen vor. "Palettes" - ab 26. Juni bis 19. August von montags bis freitags täglich (außer mittwochs) immer gegen 7.30 Uhr.
Die "Heilige Anna Selbdritt", zwischen 1500 und 1515 entstanden, kam mit Leonardo da Vinci von Italien nach Frankreich. Auf Einladung von François I. überquerte da Vinci die Alpen
und reiste nach Paris. In seinem Gepäck möglicherweise die "Mona Lisa", "Johannes der Täufer" und die "Heilige Anna Selbdritt". Fest steht: Das Gemälde der
Heiligen Anna kehrte wie die Mona Lisa nie nach Italien zurück. Nachdem es in mehreren königlichen Gemächern hing - wie dem von Ludwig XIV. in Versailles -, fand es 1801 schließlich in den
Louvre. Leonardo da Vincis harmonisch komponiertes Gemälde zeigt rechts einen Baum, der sich an einen Hang schmiegt. Im Mittelpunkt die Heilige Anna. Ihr Haar ist geflochten, sie hat den
Blick gesenkt und lächelt. Auf ihrem Schoß sitzt die Jungfrau Maria, die sich zum kleinen Jesuskind neigt. Es ist nackt mit lockigem Haar, will über ein sich sträubendes Lamm springen. Im
Bildhintergrund einige Bergspitzen und Gletscher, aus denen rauschendes Wasser fließt. Anna scheint Maria einzuhüllen. Maria umfängt das Jesuskind, das sich den Armen seiner Mutter
entzieht, was die Geburt versinnbildlichen könnte. Dass das Kind der Mutter entgleitet und zur Erde herabsteigt, zeigt möglicherweise, dass es inmitten der Menschen sein will. Jesus will über
das Lamm hinwegsteigen, ja, das Tier quält ihn in gewisser Weise. Im Spiel mit dem Lamm - das bei den alten Hebräern als Gottesopfer geschlachtet wurde - nimmt Jesus quasi seine eigenen
Leiden vorweg. Mutter Maria versucht, ihn zurückzuhalten, um ihn vor diesen Leiden zu bewahren. Seit dem 16. Jahrhundert sind viele Kommentare über dieses Werk verfasst worden: Man
versuchte, darin geheime Prophezeiungen, rätselhafte Zerrbilder und auf den ersten Anschein verborgene optische Spielereien zu sehen. Und Freud versuchte 1910 in seiner Schrift "Eine
Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci", Aufschlüsse über die Beziehung Leonardos zu seiner Stiefmutter zu gewinnen. "Palettes" untersucht das mehrdeutige Bild in allen
formalen Einzelheiten und erzählt die Geschichte des Gemäldes nach Art eines Kriminalromans: Die Sendung lüftet nach und nach die verborgenen Geheimnisse des Gemäldes.
Donnerstag, 15.07. / 07.25 Uhr / Palettes: Der Brief, der Pfeil und der Besen - Francisco de Goya y Luciendes Regie: Alain Jaubert Zwei Gemälde gleicher Größe, stets zusammengeblieben, obwohl sie auf den ersten Blick wenig gemein haben, außer, dass sie eine
Frau und ihre Dienerin zeigen: Francisco de Goyas "Junge Frauen" (1812-1814) und "Alte Frauen" (1808-1810), die heute im Besitz des Musée des Beaux Arts de Lille sind.
Während auf dem ersten Bild eine Städterin voller jugendlicher Schönheit in legerer Haltung posiert, ist auf dem zweiten eine sich kokett im Spiegel betrachtende Alte bereits dem Tod nahe.
"Palettes" entdeckt nicht nur Bezüge zum Leben Goyas, sondern auch Hinweise auf das Schicksal eines von Napoleonischen Kriegen gebeutelten Spaniens.
"Palettes" - ab 26. Juni bis 19. August von montags bis freitags täglich (außer mittwochs) immer gegen 7.30 Uhr.
"Junge Frauen" (1812-1814) und "Alte
Frauen" (1808-1810) - zwei Gemälde Francisco de Goyas im gleichen Format, zwei Bilder, die immer als Pendants gezeigt wurden: Das zuerst genannte Gemälde zeigt eine junge Frau, die ein
weites schwarzes Kleid trägt, dazu eine weiße Satincorsage, um ihre Brust zur Geltung zu bringen. Die junge Dame liest einen gerade entfalteten Brief. Vielleicht hat ein Galan der schönen
Städterin ein Liebesbriefchen zugesteckt. Mit diesem Motiv spielt der Maler auf ein verbreitetes literarisches Thema des 18. Jahrhunderts an. Der Hintergrund deutet Gesellschaftskritik an:
Wäscherinnen, die auf einem Waschplatz ihren Haushaltspflichten nachgehen, bilden einen Gegensatz zu der vergnügten Bürgerstochter. Ein Interpret behauptete, die junge Frau könnte die
spanische Königin Maria Luisa darstellen. In jungen Jahren hatte sie einen Skandal provoziert, indem sie durch die Straßen Madrids spazierte. Wäscherinnen klagten ihre Prunksucht an und
verlangten mehr Brot. Sie wurden verhaftet und zu lebenslangen Gefängnisstrafen verurteilt. Eine andere Hypothese: Goya könnte das Gemälde zur Zeit seiner Begegnung mit Leocardia Weiß gemalt
haben, also als Hommage an seine Geliebte, mit der er nach dem Tod seiner Ehefrau im Jahr 1812 den Rest seines Lebens verbrachte. Dem gegenüber steht das Gemälde "Alte Frauen"
(1808-1810), auf dem Goya eine schwarz gekleidete Dienerin und eine alte Frau in weißem Kleid zeigt. Die übertrieben vom Alter gezeichneten Gesichtszüge der beiden Frauen rücken das Bild in
die Nähe einer Karikatur. Die Alte hält in ihren Händen kokett einen kleinen runden Spiegel, in dem sie sich gerade betrachtet hat. Sie blickt in einen weiteren rechteckigen Spiegel, den ihr
die Dienerin hinhält. Mit dem Spiegel nimmt Goya ein Thema auf, das in der Geschichte der Malerei beliebt ist. Hinter den beiden Frauen schwingt ein alter Mann mit weitausladenden Flügeln
einen rustikalen Besen. Eine allegorische Figur - die Zeit. Auch sie ist karikiert, denn anstelle einer Sense, hat der Maler der Figur einen Besen in die Hand gegeben. Zusammen gesehen
bilden die Gemälde eine Art Gleichnis in der Tradition der volkstümlichen Drucke zu den Lebensphasen des Menschen, die im 18. Jahrhundert sehr verbreitet waren. Die alten Frauen
repräsentieren Vergangenheit - mit ihren Katastrophen, dem Krieg und dem Elend Spaniens - die jungen Frauen dagegen könnten für den Beginn eines neuen Lebens stehen. "Palettes"
beschwört die ganze Bandbreite von Goyas Schaffen herauf: Meisterhaft vereinte er in seinem Werk verschiedene Stile und Genres, wie Zeichnungen und Radierungen, die Porträtmalerei,
historische sowie literarisch inspirierte Genreszenen.
Donnerstag, 15.07. / ab 20:15 Uhr : Schwerpunkt: Summer of the 60s ARTE auf sommerlicher
Zeitreise in die 60er: Seit 2007 lässt ARTE jeden Sommer das Lebensgefühl und die Kultur einer ganzen Generation wieder aufleben. Nach dem Flower-Power des "Summer of Love", den
wilden 70ern und den schillernden 80ern geht ARTE in seiner sommerlichen Zeitreise zurück und macht den "Summer of the 60s" zum Hauptprogramm. Mit viel Musik, Kultfilmen,
Dokumentationen und den Stars von damals bringt ARTE im Juli und August jeden Donnerstag das beschwingte Jahrzehnt auf den Bildschirm. Durch das Revival führt die Sängerin und Schauspielerin
Katja Ebstein, die ihre internationale Karriere in den 60er Jahren begann. Der "Summer of the 60s" führt zu den Wurzeln des Rock'n'Roll und somit auch zum Amerika der 50er Jahre.
Der Rock'n'Roll wurde in den USA und anschließend auch in Europa zum Symbol der rebellischen Jugend, die die enge Welt der Eltern auf den Kopf stellte. ARTE geht der Entstehung des populären
musikalischen Phänomens auf den Grund und zeigt Rock'n'Roll-Legenden wie Chuck Berry oder Elvis Presley in Bestform. So heißt es in einem Thementag "Elvis around the Clock" mit
legendären Konzerten, Spielfilmen und Dokumentationen über den "King of Rock'n'Roll". Aber auch die US-amerikanische Folkbewegung und der Surfboom an Amerikas Stränden fehlen nicht
in dem umfangreichen ARTE-Programmschwerpunkt. Die große rockende Welle führt zum Swingin' London, wo die Beatles und die Rolling Stones zu Rocklegenden aufstiegen und aus den unzähligen
Mode- und Musikgeschäften eine neue Pop-Kultur hinaus in die Welt zog. ARTE geht der Beatlemania-Hysterie auf den Grund, zeigt die Stones im Studio, gefilmt von Jean-Luc Godard, die
Subkulturen der Mods & Rockers und erzählt die Geschichte der "British Blues Explosion". Die 60er waren auch die Blütezeit des Jetsets, der ungezügelte Lebenslust und Glamour
verkörperte. ARTE taucht ein in die Welt der Reichen und Schönen, lässt sich einen Abend lang von Brigitte Bardot, dem Sexsymbol der 60er, verführen, und jettet zu legendären Stränden wie der
Côte d'Azur oder der Copacabana. 1961 teilt die Mauer Deutschland. Die Sehnsüchte und Träume der Deutschen nach einer heilen Welt spiegelten sich im deutschen Schlager wider - die 50er und
60er werden sein Goldenes Zeitalter. ARTE erzählt die Geschichte des Aufstiegs und Niedergangs des deutschen Schlagers sowie in einem Spielfilm die Lebensgeschichte des Frauenschwarms Roy
Black. Neben Spielfilmklassikern wie "American Graffiti", "Elf Uhr nachts" oder "What's New Pussycat" darf man sich auch auf die Mystery-Serie "Nummer
6" freuen - ARTE zeigt vier Folgen der britischen Kultserie in deutscher Erstausstrahlung. Parallel zur ARTE-Programmierung bietet arte.tv dem User mit einem crossmedialen Spiel,
kommentierten Playlists und Videoerinnerungen bekannter Persönlichkeiten der 60er Jahre ein umfangreiches Web-Angebot: www.arte.tv/summer
"Summer of the 60s" bei ARTE im Juli und August jeden Donnerstag ab 20.15 Uhr. Alle Sendungen dieser Woche im Überblick:
(1): "Grease", Kino-Musical mit John Travolta, am Donnerstag, den 15. Juli um 20.15 Uhr
(2): "James Dean - Kleiner Prinz, Little Bastard", Dokumentation über den Mythos James Dean, am Donnerstag, den 15. Juli um 22.05 Uhr
(3): "Neil Young - Heart of Gold", Konzertfilm von Jonathan Demme, am Donnerstag, den 15. Juli um 23.35 Uhr, Erstausstrahlung
Achtung: Programmierung und Sendezeiten unter Vorbehalt.
Donnerstag, 15.07. / 20:15 Uhr / Grease Spielfilm, USA 1978, ARTE F, Synchronfassung
Regie: Randal Kleiser; Buch: Bronte Woodard, Allan Carr; Kamera: Bill Butler; Schnitt: John F. Burnett; Musik: Jim Jacobs, Warren Casey, Barry Gibb, John Farrar, Scott J. Simon, Louis St.
Louis; Produzent: Robert Stigwood, Allan Carr; Produktion: Paramount
Mit: John Travolta - (Danny Zuko), Stockard Channing - (Betty Rizzo), Olivia Newton-John - (Sandy Olsson), Jeff Conaway - (Kenickie)
Danny, der Führer der Gang "T-Birds",
verliebt sich in die neue Schülerin Sandy. Auch sie hat Interesse an ihm - im Weg steht beiden nur der Anspruch von Dannys Freunden, möglichst cool zu sein. Nach zahlreichen
Missverständnissen kommt es doch noch zum Happy End. Mitreißender Musicalfilm mit John Travolta und Olivia Newton-John.
Nach den Sommerferien treffen sich alle Schülergruppen wieder
an der Rydell High in Südkalifornien, darunter auch die Lederjacken-Gang "T-Birds" um den coolen Danny und die "Pink Ladies" um die schnippische Rizzo. Sandy aus
Australien ist neu an der Schule. Einen Jungen kennt sie schon, doch was sie nicht weiß: Danny ist ihre Sommerliebe. Die Mädchen erzählen ihr jedoch vorerst nichts. Erst beim Footballspiel
trifft sie ihn, doch auf die Freude folgt allerdings die Enttäuschung: Kühl wird sie von Danny abserviert, der seine Gefühle vor den Freunden verstecken will. Sandy ist tief getroffen.
Doch vorerst hat Danny andere Probleme, als sich um Sandy zu kümmern: Sein draufgängerischer Freund Kenickie hat den Chef der rivalisierenden Gang zum Autorennen herausgefordert, obwohl sein
Wagen eine alte Kiste ist. Mit vereinten Kräften setzen die Freunde ihn wieder instand. Danny und Sandy nähern sich wieder an, bis es beim Tanzwettbewerb der Highschool zur erneuten
Enttäuschung kommt: Danny tanzt mit einer anderen ...
Zusatzinfo: Drehbuch nach dem Musical von Jim Jacobs und Warren Casey Filme wie "Grease" und "Saturday Night
Fever" sorgten in den 70ern für ein 50s-Revival. Regisseur Randal Kleiser hat ein Bühnenmusical mit der perfekten Mischung aus Dialogen, Autorennen, Tanz und Gesang für die Leinwand
adaptiert. Zahlreiche Lieder aus "Grease" landeten an der Spitze der Charts: "You're The One That I Want", "Blue Moon" oder "Greased Lightning" werden
noch lange mit dem Film verbunden bleiben. Mehr Informationen unter: www.arte.tv/summer Parallel zur ARTE-Programmierung bietet arte.tv dem User mit einem crossmedialen Spiel,
kommentierten Playlists und Videoerinnerungen bekannter Persönlichkeiten der 60er Jahre ein umfangreiches Web-Angebot: www.arte.tv/summer Dieses Programm wurde in HD produziert.
Donnerstag, 15.07. / 23.35 Uhr / Neil Young - Heart of Gold Regie: Jonathan Demme
Gruppenbild mit Neil Young: Alles schmeckt nach Lebewohl an diesem Konzertabend, denn alle wissen um den möglichen Abschied, um das mögliche letzte Mal. 2005 steht Neil Young eine
Operation an der Gehirnschlagader kurz bevor. Doch er gibt, zur Weltpremiere seines Albums "Prairie Wind", ein Konzert im Ryman Auditorium in Nashville, Tennessee - der Kultstätte
der Countrymusik. Jonathan Demmes Konzertfilm ist ein musikalisch vorweggenommenes Testament, eine Revue der großen Erfolge und persönlichen Lieder Neil Youngs und zugleich ein Porträt von
ungeahnter Tiefe und Intimität.
Er wolle einfach nur spielen und die Bühne mit seinen Freunden teilen, sagt Neil Young 2005 zu Beginn seines Auftritts in Nashville, Tennessee. Eben das
zeigt der Film und erlöst darüber hinaus den legendären Rockstar von seinem Schicksal, eine Ikone sein zu müssen. Regisseur Jonathan Demme vermittelt ganz ohne Zwischenkommentare oder
Einblendungen einen tiefgehenden Einblick in das Verhältnis dieses einzigartigen Künstlers zu Familie, Freunden, Tod und Vergänglichkeit. Viele Nahaufnahmen des Gesichts schenken feinen
Zwischentönen und Gefühlsregungen Beachtung und vermitteln eine starke Nähe zum Menschen Neil Young. Auf der Bühne wird dieser von lebenslangen Gefährten und Freunden musikalisch
begleitet, darunter Country-Legende Emmylou Harris, Neil Youngs Ehefrau Pegi Young sowie Bandleader und Steel-Gitarrist Ben Keith. Die Operation an der Gehirnschlagader verlief gut, das
"Lebewohl" ist zu einem "Auf Wiedersehen!" geworden, doch die spezielle und fast familiäre Atmosphäre dieses einzigartigen Konzertes ist im Film von Jonathan Demme nun für
immer festgehalten.
Zusatzinfo]: Die Premiere des Films beim Sundance Filmfestival zeigte eine regelrechte Verschmelzung der filmischen Realität und der Wahrnehmung des Publikums. So
war mitunter nicht auszumachen, ob gerade das Kinopublikum, das gefilmte Publikum im Ryman Auditorium, oder beide zwischen zwei Songs applaudierten.
Mehr Informationen unter: www.arte.tv/summer Parallel zur ARTE-Programmierung bietet arte.tv dem User mit einem crossmedialen Spiel, kommentierten Playlists und Videoerinnerungen bekannter
Persönlichkeiten der 60er Jahre ein umfangreiches Web-Angebot: www.arte.tv/summer Dieses Programm wurde in HD produziert.
Freitag, 16.07. / 07.30 Uhr / Palettes: Inszenierungen des Sonnenlichts: Meereshafen - Claude Gellée, genannt "Le Lorrain"
Regie: Alain Jaubert
Ein Hafen mit breiter Durchfahrt, das Hafenbecken von der untergehenden Abendsonne in zarten Gelbtönen
erhellt - so das Motiv des Gemäldes "Meereshafen" (1639) von Claude Gellée, genannt Le Lorrain (1602-1682), heute im Besitz des Louvre. Vom Hafen aus führt der Blick des Betrachters
aufs offene Meer. Die imaginäre Szenerie weist eine faszinierende, perspektivische Tiefenwirkung auf. Die stimmungsvollen Bilder des französischen Malers, der fast sein ganzes Leben in Rom
verbrachte, machten einen solchen Eindruck auf seine Zeitgenossen, dass Neider sie zeitlebens kopierten.
"Palettes" - ab 26. Juni bis 19. August von montags bis freitags täglich (außer mittwochs) immer gegen 7.30 Uhr.
Der Hafen einer Stadt im italienischen Stil bei
Sonnenuntergang. Links eine kleine Kirche mit Uhrturm. Im Mittelgrund eine große, von vier Ecktürmen gekrönte Renaissancevilla. Im Vordergrund ein flacher Sandstrand, auf dem zwei Schiffe
liegen. Überall um den Hafen herum Leute, in Gruppen, sich unterhaltend. Die faszinierende, perspektivische Tiefenwirkung der Hafenszenerie kommt durch in der Nähe der Bildmitte
zusammenlaufende Linien zustande. Die Farben, die Anordnung der Gegenstände im Raum, die Architektur, das lange, weiche Schatten werfende Licht - alles trägt dazu bei, eine Illusion von Tiefe
zu erzeugen. Das Auge des Betrachters wird angezogen von der Ferne des Meeres und des Sonnenuntergangs. Dabei nutzt Lorrain Himmel und Meer wie einen Theaterprospekt, Schiffe und Bauten fügen
sich ein wie aufgesetzte Teile. Die untergehende, goldgelbe Sonne bringt zahlreiche atmosphärische Farbkompositionen hervor und verändert die üblichen Farben der Objekte. Lorrain lasierte
mehrfach, um die für das Dämmerlicht typischen matten oder opalisierenden Töne zu erzeugen. Neben der perspektivischen Anordnung erlangt in der bezaubernden Hafenszene auch das Licht große
Bedeutung. Nach Lorrain wagten die Maler endlich, direkt in die Sonne zu sehen. Turner imitierte zunächst den lothringischen Maler, später sind seine Landschaften von immer flüssigerem und
blendendem Licht überflutet. Manche impressionistischen Maler wie van Gogh machten die Sonne schließlich zum zentralen Thema ihrer Bilder. Die Dokumentation untersucht mehrere Versionen
des Hafenthemas, die Lorrain als Zeichnung oder Gemälde fertigte, und stellt sie einander gegenüber. Neben der kunstgeschichtlichen Bedeutung des Gemäldes beleuchtet "Palettes" die
Baugeschichte des alten Roms, die - wenn auch nicht historisch exakt - Eingang in das Gemälde gefunden hat.
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Samstag, 17.07. / 07.30 Uhr / Palettes: Die Unerbittlichkeit des Motivs: Mont Sainte-Victoire - Paul Cézanne Regie: Alain Jaubert
Paul Cézanne selbst hat alle seine Bilder als unvollendet betrachtet, denn Malen war für ihn ein unaufhörlicher Prozess.
"Palettes" widmet sich den Sainte-Victoire-Bildern der letzten Lebensjahre, Bildern des Berges, der sich vor Aix-en-Provence erhebt. Cézanne malte ihn unzählige Male zu
verschiedenen Jahreszeiten und aus verschiedenen Blickwinkeln - er schuf insgesamt 45 Aquarelle und 36 Gemälde, die heute in verschiedenen Museen der Welt zu sehen sind. Der Mont
Sainte-Victoire wurde für ihn geradezu zu einer Obsession. "Palettes" - ab 26. Juni bis 19. August täglich (außer mittwochs) immer gegen 7.30 Uhr.
Paul Cézanne (1839-1906)
wird in Aix-en-Provence geboren und bleibt seiner Stadt und ihrer Region ein Leben lang treu. In seinen letzten Lebensjahren verbringt er seine Tage mit Malen im Freien oder in seinem Atelier
Les Lauves. Die von Malern bereits im 19. Jahrhundert sehr geschätzte Landschaft macht er zu seinem Motiv: den Gebirgszug Sainte-Victoire, der sich unmittelbar vor Aix-en-Provence erhebt.
Der Berg wird für ihn geradezu zur Obsession: Er malt ihn aus verschiedenen Blickwinkeln, etwa von den kleinen Dörfern an seinem Fuße,, in unterschiedlichen Stilen und zu jeder Jahreszeit -
insgesamt über 80 Mal. Als Zeichnung, Aquarell oder, am häufigsten, als Ölgemälde. Selbst auf seinen Gemälden, die Badende darstellen, ist der Berg immer wieder im Hintergrund zu sehen.
"Mich ziehen die grenzenlosen Dinge der Natur an. Ich gehe sehr langsam vor, da sich die Natur mir sehr komplex offenbart; ein Bild ist niemals fertig", sagte Cézanne einst. Das
Malen ist für ihn ein unaufhörlicher Prozess auf der Suche nach einer geheimen Harmonie, die Form, Linie und Farbe miteinander verbindet. Jeder Strich ist entscheidend, jeder Strich stellt
alle anderen infrage. Mit einer begrenzten Farbpalette, mit Nüchternheit und Schlichtheit der Linien entwickelt Paul Cézanne einen neuen Malstil, eine Art Primitivismus. In den
Sainte-Victoire-Bildern stellt er den Berg nicht mehr realistisch mit Licht und Schatten, sondern durch das Nebeneinandersetzen von Pinselstrichen dar, wie eine Art Wandteppich. Es ging ihm
nicht um die illusionistische Darstellung einer Landschaft, sondern um eine neue Form des Klassizismus. Für Cézanne ist die Landschaft um den Sainte-Victoire Anregung für ein formales
Experiment: Er wollte den Raum mit seinen Parzellen ergründen, in ihn eindringen. Aber dieses Experiment wäre unvollständig gewesen, hätte er nur das übertragen, was er sah, und nicht auch
das, was er beim Anblick des Berges empfand.
Samstag, 17.07. / ab 13.00 Uhr / Thementag: Avignon 2010 ~ Theater, Theater! Moderation: C. Bernd Sucher, Charlotte Lipinska
Den 17.
Juli widmet ARTE ganz dem Theater und dessen südfranzösischer Sommerhauptstadt Avignon. Von 13.00 Uhr bis 18.15 Uhr besuchen die Moderatorin Charlotte Lipinska und der Theatermann C. Bernd
Sucher die wichtigsten Aufführungsorte - den Papstpalast, den Verger Urbain V und die Place de l'Horloge - und treffen die Künstler dieses Festivals.
Neben Christoph Marthaler ist
dieses Jahr der französische Schriftsteller, Bühnenautor und Übersetzer Olivier Cadiot künstlerischer Partner des Festivals. Cadiot, 1956 in Paris geboren, arbeitet seit über 15 Jahren fast
ausschließlich mit dem Regisseur und Leiter der Comédie de Reims, Ludovic Lagarde, zusammen. Gemeinsam haben sie schon rund ein Dutzend Stücke auf die Bühne gebracht. In Avignon zeigen sie
dieses Jahr den Monolog "Un mage en été" mit ihrem Lieblingsschauspieler Laurent Poitrenaud sowie ein Remake von "Un nid pourquoi faire" zu der Musik von Rodolphe Burger,
dem früheren Leader der Rockgruppe Kat Onoma, der ebenfalls schon mit Cadiot und Lagarde zusammengearbeitet hat. ARTE spricht ausführlich mit den Künstlern über ihre neuen Stücke sowie über
frühere Inszenierungen für Avignon. Zum Beispiel über das fabelhafte "Fairy Queen", das ARTE aus diesem Anlass noch einmal zeigt. Darüber hinaus gewährt eine 30-minütige
Dokumentation Einblick in die Arbeitsweise des Künstlerduos Cadiot/Lagarde und zeigt sie bei der Vorbereitung und den Proben für das diesjährige Festival von Avignon. Um 22.20 Uhr
überträgt ARTE live aus dem Ehrenhof des Papstpalastes Christoph Marthalers neues Stück "Papperlapapp", das er eigens für diese Bühne geschrieben hat. Am Nachmittag stehen ein
Gespräch mit Marthaler sowie Ausschnitte von Probenaufzeichnungen auf dem Programm. Wie auch bei den anderen Künstlern des Tages erinnert ARTE an frühere Arbeiten Marthalers in Avignon, wie
"Riesenbutzbach, eine Dauerkolonie" (2009) und "Groundings, eine Hoffnungsvariante" (2004).
Der deutsche Regisseur und Castorf-Protégé Andreas Kriegenburg zeigt im Théâtre Municipal eine Bühnenversion von Kafkas "Prozess". Der französische Regisseur Stanislas Nordey
wiederum präsentiert eine neue Bühnenadaption von Falk Richter, mit Anne Tismer, der "Nora" von Thomas Ostermeier. 2008 hatte Nordey Richters vierteiligen Stückezyklus "Das
System" auf die Bühne gebracht, von dem ARTE einen Ausschnitt zeigt. ARTE spricht mit Anne Tismer, Stanislas Nordey und Andreas Kriegenburg und zeigt Kostproben ihrer Stücke. Nach
Marthalers "Papperlappap" präsentiert das Festival im Ehrenhof eine sehr experimentelle Neuinszenierung von Shakespeares "Richard II". Das Bühnenbild - eine bewegliche
virtuelle Wand auf der Fassade des Papstpalastes - schuf der bekannte türkisch-französische Konzept- und Installationskünstler Sarkis, dessen Werkschau derzeit im Pariser Centre Pompidou zu
sehen ist; die Beleuchtung entwarf Lichtdesigner André Diot, und das ungewöhnliche Sounddesign entwickelte der Komponist und Tonkünstler André Serré gemeinsam mit dem - ebenfalls im Pariser
Centre Pompidou ansässigen - Forschungsinstitut für Musik und Akustik (IRCAM). Studiogäste sind die beiden Hauptdarsteller Denis Podalydès und Nathalie Richard sowie der Regisseur
Jean-Baptiste Sastre. Dazu gibt es Auszüge aus den Proben. Im zweiten Teil des Festivals tritt Clotilde Hesme in Brechts "Baal", einer Inszenierung von François Orsoni, auf. Die
beiden Künstler äußern sich über ihre Zusammenarbeit, die mit der der sehr rockigen Inszenierung von Brechts "Hans im Glück" begann. Nach dem internationalen Erfolg ihrer
atemberaubenden Akrobatik-Performance "Taoub" (Regie: Aurélien Borys) meldet sich die "Groupe acrobatique de Tanger" mit "Chouf Ouchouf" zurück. Das Feuerwerk
zwischen Tradition und zeitgenössischem Theater geht auf die Begegnung der zwölf marokkanischen Artisten mit den zirkusbegeisterten Schweizer Regisseuren Zimmermann & de Perrot zurück.
ARTE trifft die Macher des waghalsigen Bühnenabenteuers und zeigt Ausschnitte aus ihrer Inszenierung. Der belgische Regisseur Guy Cassiers ist für Festivalbesucher kein Unbekannter. Dieses
Jahr präsentiert er eine Adaptation von Robert Musils "Mann ohne Eigenschaften". Gespräch mit dem Regisseur und Rückblick auf einige seiner früheren Aufführungen: "Mefisto for
ever, "Wolfskers/Atropa", "Les belles endormies" und "Der Fliegende Holländer". Alain Platel war schon häufig in Avignon zu Gast. Eines seiner beiden
diesjährigen Bühnenstücke ist eine Hommage an Pina Bausch. Um die im letzten Sommer verstorbene Künstlerin geht es in einem Gespräch mit dem belgischen Choreographen und Regisseur. Der
Choreograph Josef Nadj gehört zu den großen, unverwechselbaren Namen des französischen Tanzes. Er war in der Vergangenheit künstlerischer Partner des Festivals. Dieses Jahr präsentiert er das
Metamorphosestück "Les Corbeaux". ARTE zeigt aus diesem Anlass noch einmal das dokumentarische Selbstporträt "Josef Nadj, letzte Landschaft", in dem der Künstler mit dem
kargen, intensiven Stil ein Stück von sich selbst preisgibt. Avignon lebt nicht zuletzt von seinem Off-Programm. Stimmungsbilder dieses Julinachmittages fangen Eindrücke aus der
Angebotsfülle der inoffiziellen Festspiele ein ... Ein strahlendes Programm über die jüngsten Produktionen der internationalen Theaterszene.
Mehr Informationen zum Programm und zum Festival kurz vor Ausstrahlung unter: www.arte.tv/avignon
Samstag, 17.07. / 13.00 Uhr / Theater Theater! Avignon Festival 2010 Diskussion, Frankreich 2010, ARTE F, Erstausstrahlung
Regie: Selim Isker; Moderation: C. Bernd Sucher, Charlotte Lipinska
Samstag, 17.07. / 13.20 Uhr / Cadiot / Lagarde – Wortspiele Regie: Manuelle Blanc; Inszenierung: Ludovic Lagarde
Mit: Olivier Cadiot Mit seinen unkonventionellen Texten zwischen Dichtung und Avantgarderoman widersetzt sich Olivier Cadiot jeglicher Einordnung. Seit mehreren Jahren adaptiert der
französische Theaterregisseur Ludovic Lagarde Cadiots bild- und klanggewaltige Sprache für die Bühne. Doch wie wird aus Literatur Theater? Anhand der Bühnenbearbeitung von Cadiots jüngstem
Buch, "Un mage en été" - Fortsetzung und Antithese zu "Le Colonel des Zouaves" - untersucht die Dokumentation die fließenden Übergänge zwischen beiden Kunstgattungen.
Samstag, 17.07. / 14.00 Uhr / Fairy Queen Theater, Frankreich 2006, ARTE F
Regie: Christophe Derouet, Ludovic Lagarde; Buch: Olivier Cadiot; Kamera: Christophe Derouet; Inszenierung: Ludovic Lagarde
Mit: Valérie Dashwood - (Besucherin), Philippe Duquesne - (Gertrude Stein), Laurent Poitrenaux - (Alice B. Toklas)
In der Rue des Fleurus 27 in Paris spielt sich eine
"Ehekomödie" der besonderen Art ab: Die Schriftstellerin Gertrude Stein und ihre Lektorin und Lebensgefährtin Alice Toklas haben eine junge Frau zum Mittagessen eingeladen, die
schon bald vom Verführungsobjekt zur Schiedsrichterin zwischen den streitenden Gastgeberinnen avanciert. Die Inszenierung von Ludovic Lagarde nach dem Theaterstück von Olivier Cadiot bezieht
den Zuschauer unmittelbar in die Dreiecksgeschichte mit ein.
Eine junge Frau ist zum Mittagessen in die Rue de Fleurus Nr. 27 in Paris eingeladen. Die Gastgeberin ist Gertrude Stein
höchstpersönlich, nebst ihrer Sekretärin, Lektorin und Lebensgefährtin Alice B. Toklas. Gertrude Stein, die 1874 in den USA geboren wurde, verließ 1902 mit ihrem Bruder Leo das puritanisch
geprägte Amerika der Prohibitionsära und ließ sich in Paris nieder. Dort hielt sie Hof in ihrem Salon, der etwa 30 Jahre lang ein Zentrum der künstlerischen und geistigen Avantgarde war,
unter den Besuchern waren Hemingway, Matisse und Picasso.
Olivier Cadiot, geistreicher Autor der gegenwärtigen französischen Theaterszene, kleidet die "Ehekomödie" in einen klugen und zugänglichen Text. Das turbulente Paar Stein/Toklas
wird von Männern dargestellt. Nachdem im ersten Teil Alice Toklas die junge Frau bald mit schmeichelnden, bald mit verächtlichen Worten bedenkt, tritt im zweiten Teil Gertrude Stein auf, und
damit beginnt eine Wortschlacht zwischen den beiden Protagonistinnen, die weit mehr als eine brillante Stilübung ist. Unterdessen mutiert die junge Fee vom Objekt der Verführung zur
Schiedsrichterin.
Zusatzinfo: In "Fairy Queen" nutzen TV-Regisseur Ludovic Lagarde und sein Kameramann Christophe Derouet geschickt die Möglichkeiten der Kamerabewegung
ebenso wie die Eigenheiten der Bühneninszenierung und der physischen Präsenz der Schauspieler. Dadurch wird der Zuschauer unmittelbar in die Dreiecksgeschichte einbezogen und Zeuge der
intimsten Regungen auf der Bühne.
2005 wurde der Autor Olivier Cadiot für dieses Stück mit dem "Grand Prix des Poètes" der französischen Rechte-Verwertungsgesellschaft SACEM ausgezeichnet.
Samstag, 17.07. / 15.25 Uhr / Cocorico Regie: Dominique Thiel; Musik: Philippe Leygnac
Mit: Patrice Thibaud
Mund, Nase, Wangen, Augenbrauen: Was Patrice Thibaud mit seinen Gesichtsmuskeln anstellt, kann manch einer kaum glauben. Unterstützt wird der Mimikkünstler
dabei von Philippe Leygnac, der mit Piano, Trompete und schlangenartigen Bewegungen seines Körpers die Sketche vervollständigt - auf amüsante Weise kommt das Stück "Cocorico" so
ganz ohne Worte aus.
"Cocorico" heißt das aktuelle Stück des Komikerduos Patrice Thibaud und Philippe Leygnac. Es kommt fast ohne Worte aus und setzt stattdessen auf die
Mimik und Gestik des Schauspielers Patrice Thibaud zur Musik von Philippe Leygnac. Das Stück ist eine Hommage an die physische Bühnenpräsenz des Mimen, ganz im Sinne der großen Vorbilder
Buster Keaton, Jacques Tati, Louis de Funès oder Charlie Chaplin. Die Sketche reichen von der Tour de France über den Majorettentanz, Cowboys und Raubtierdompteure bis zur Modenschau.
Das Duo aus einem scheinbar zu schnell in die Höhe geschossenen Kind und einem explosiven Musiker lässt dabei dem Mimen viel Raum für ein begeisterndes Schauspiel.
Kennengelernt haben sich Patrice Thibaud und Philippe Leygnac durch ihre jahrelange Mitwirkung im Ensemble von Jérôme Deschamps.
Samstag, 17.07. / 17.00 Uhr / Josef Nadj - Letzte Landschaft Tanz, Frankreich 2006, ARTE F, Synchronfassung, Erstausstrahlung,
Regie: Josef Nadj; Musik: Vladimir Tarasov
Josef Nadj war beim 60. Theaterfestival in Avignon Artiste associé - beratender Künstler. Der aus dem ehemaligen Jugoslawien stammende
Choreograph, Tänzer und Pantomime nähert sich dem eigenen künstlerischen Schaffen mit eindrucksvollen Impressionen einer äußeren und inneren Landschaft - ein außergewöhnliches Selbstporträt.
Der Film "Josef Nadj - Letzte Landschaft" zeigt eine Choreographie für einen Tänzer, Josef Nadj und einen Musiker, Vladimir Tarasov, und stellt parallel dazu die Frage nach
der Entstehung des Stücks. Josef Nadj definiert dieses Projekt als "Selbstporträt im Angesicht der Landschaft". Die Landschaft gibt es wirklich, sie liegt nur wenige Kilometer von
seiner Geburtsstadt Kanjiza, in der Vojvodina im ehemaligen Jugoslawien, entfernt und übt seit seiner Kindheit eine unwiderstehliche Anziehung auf ihn aus. Das filmische Selbstporträt
zeigt den Künstler bei der Arbeit und in den schöpferischen Pausen. Die Wirkung des Films beruht auf dem lebendigen Wechselspiel zwischen dem Erleben in der Landschaft und dessen Darstellung
auf der Bühne, zwischen Farb- und Schwarz-Weiß-Aufnahmen, Geräuschkulisse und Musik. Stillstand und Bewegung, Bilder aus der Natur und innere Eindrücke alternieren.
Zusatzinfo :
Josef Nadj, der aus einer ungarischen Enklave im ehemaligen Jugoslawien stammt, ist heute einer der wichtigsten Choreographen der französischen Tanzszene. Nach einem Kunststudium in Budapest
nimmt er Schauspielunterricht und kommt 1980 nach Paris, um Tanz zu studieren. Er arbeitet mit den Pantomimen Marcel Marceau und Etienne Decroux, macht Bekanntschaft mit der japanischen
Tanztheatergruppe Sankai Juku und dem Amerikaner Mark Tompkins und tanzt Choreographien von Catherine Diverrès und François Verret. 1987 choreographiert er sein erstes Stück, "Canard
pékinois", das seinen Ruf als Choreograph begründet und dem circa 15 weitere Kreationen folgen. 1995 übernimmt Josef Nadj die Leitung des "Centre chorégraphique" in Orléans. In
seinen Werken - "Paysage après l'orage", "Paso doble", "Les Corbeaux" und "Cherry-Brandy", um nur einige zu nennen - beschwört er eine ungewöhnliche,
komische und akrobatische Welt herauf, in der alles in der Schwebe bleibt. Seine Inszenierungen enthalten Anklänge an Beckett, Kafka und Borges, an Bilder von Magritte und Porträts von
Balthus. Vor allem aber sind sie geprägt von Josef Nadjs starker Präsenz als Tänzer, Schauspieler und Pantomime.
Samstag, 17.07. / 2130 Uhr / Metropolis (1): Aix-en-Provence: "Pygmalion" von Trisha Brown und William Christie
(2): Avignon: Rigal & Furlan (3): Avignon: Chouf Ouchouf (4): Arles: Treffpunkt Fotografie (Beitrag unter Vorbehalt)
(1): Aix-en-Provence: "Pygmalion" von Trisha Brown und William Christie Zum ersten Mal arbeiten die große Choreographin Trisha Brown und der Meister der Barockmusik, William
Christie, zusammen, um den Ballettakt "Pygmalion" von Jean-Philippe Rameau (1683-1764) für das Festival von Aix-en-Provence auf die Bühne zu bringen. Als Vorspiel dazu gibt es
mehrere Auszüge aus dem barocken Operndrama "Hippolyte et Aricie". Das Programm gibt Einblick in Rameaus Schaffensprozess und beweist die Modernität des Komponisten.
(2): Avignon: Rigal & Furlan In diesem Jahr haben der Choreograph Pierre Rigal und der Performer Massimo Furlan jeweils ein Stück um die Idee des Konzerts geschaffen. Mit
"Micro" hat Pierre Rigal eine Art Mini-Oper choreographiert, deren Musik auf der Bühne entsteht. In "1973" versucht sich Massimo Furlan in der szenischen Wiederaufnahme
des "Eurovision Song Contest" von 1973. "Metropolis" wollte die Herangehensweise der beiden Künstler über ihre jeweiligen Bühnenwerke verstehen.
(3): Avignon: Chouf Ouchouf Nach "Taoub" interpretieren die zwölf Akrobaten aus Tanger "Chouf Ouchouf" ("Schau, schau nur"). Der Choreograph Martin
Zimmermann schrieb und choreographierte das Stück, und Dimitri de Perrot komponierte die Musik. Eine erstaunliche Begegnung der traditionellen marokkanischen Akrobatik mit der Welt zweier
Schweizer Künstler.
(4): Arles: Treffpunkt Fotografie Beitrag unter Vorbehalt
Samstag, 17.07. / 22.15 Uhr / Papperlapapp - Avignon 2010 – Marthaler Theater, Frankreich 2010, ARTE F, Erstausstrahlung
Kostüme: Sarah Schitteck; Ausstattung: Anna Viebrock; Dramaturgie: Malte Ubenauf; Musik: Rosemary Hardy; Fernsehregie: Don Kent; Inszenierung: Christoph Marthaler Mit: Marc
Bodnar, Raphael Clamer, Bendix Dethleffsen, Evelyne Didi, Olivia Grigolli, Rosemary Hardy, Ueli Jäggi, Sasha Rau, Martin Schütz, Clemens Sienknecht, Bettina Stucky, Graham Valentine, Jeroen
Willem
Christoph Marthaler ist beratender Künstler (Artist associé) der 64. Theaterfestspiele von Avignon. Für deren Auftakt im Ehrenhof des Papstpalastes inszeniert er mit der
Bühnenbildnerin Anna Viebrock und seinem Ensemble das eigens für diesen Anlass geschriebene Stück "Papperlapapp". Es nimmt Bezug auf die Geschichte des Papstpalastes und der Stadt
Avignon und vermischt, wie bei Marthaler üblich, Musik und Theater, Popsongs und Klassik mit polyphon vorgetragenen Texten. Moderiert wird dieser Theaterabend von den beiden Journalisten
Charlotte Lipinska und C. Bernd Sucher.
Am morgigen Sonntag, den 18. Juli um 9.45 Uhr zeigt ARTE außerdem die Marthaler-Inszenierung "Die Großherzogin von Gerolstein".
Marthalers Inszenierungen leisten mit ihrer poetischen, wie beiläufig wirkenden Art, sich mit politischen und sozialen Problemen auseinanderzusetzen, mit ihren bunt zusammengewürfelten
Kollagen und vor allem ihrem unglaublichen Zusammenspiel von Schauspielern, Sängern und Musikern einen markanten Beitrag zum zeitgenössischen Theater. Christoph Marthaler und Anna Viebrock
arbeiten seit 20 Jahren zusammen. In Avignon inszenieren die beiden Künstler erstmals unter freiem Himmel. Dem Ehrenhof kommt in "Papperlapapp" die Rolle eines echten Protagonisten
zu: Das Stück wurde für diese Bühne geschrieben und soll nach Avignon an keinem anderen Ort zur Aufführung kommen. Christoph Marthalers Spurensuche kommt wie eine archäologische Ausgrabung
mit Musik daher. Er öffnet Fenster und Gräber, dreht jeden Stein um, bis er zu seiner eigenen Überraschung auf einer unscheinbaren Steinplatte etwas entdeckt, das alle bisherigen Gewissheiten
über den Haufen wirft. Vom Staub der Jahrhunderte befreit, kündigt eine lateinische Inschrift und die danebenstehende Jahreszahl 2010 an, dass die Geschichte des Papstpalastes erst beginnt
und ein entscheidendes Ereignis bevorsteht: Papperlapapp!
Zusatzinfo: Christoph Marthaler wurde in Erlenbach bei Zürich geboren. In den 70er und 80er Jahren war er als
Theatermusiker an diversen deutschsprachigen Bühnen tätig. Von 1988 bis 1993 arbeitete er kontinuierlich am Theater Basel, hier inszenierte er unter anderem "Ankunft Badischer
Bahnhof" (1988), "Stägli uf, Stägliab, juhee!" (1990), "Prohelvetia" (1993), 1997 folgte "The unanswered question" und "20th Century Blues"
(2000). Mit der Inszenierung "Murx den Europäer! Murx ihn! Murx ihn! Murx ihn! Murx ihn ab!", 1993, ist seine neuartige Theatersprache auf den deutschen Bühnen bekanntgeworden. Auf
Marthalers Bühnen scheint die Zeit stillzustehen: Urkomische Choreographien werden wie in Zeitlupe ausgeführt; dann wieder bringt minutenlange Stille jede Handlung zum Erliegen, bevor die
Protagonisten in um so rasantere Aktionen verfallen, die trotz aller Hektik aber nirgendwo hinführen - Marthalers Personen sind Verlierer, manchmal boshafte, aber immer liebenswerte
Untertanen einer unsichtbaren Macht, die Schicksal heißt. Es folgten Inszenierungen am Hamburger Schauspielhaus und der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin, die regelmäßig zum
Berliner Theatertreffen eingeladen wurden, zweimal die Auszeichnung "Regisseur des Jahres" sowie der Konrad-Wolf-Preis, der Fritz-Kortner-Preis, der Bayerische Theaterpreis und der
Europapreis. Seine Inszenierungen werden weltweit auf Festivals eingeladen und zum Teil seit über zehn Jahren immer wieder aufgeführt. Von 2000 bis 2004 war Marthaler Intendant des
Schauspielhauses Zürich, das in dieser Zeit zweimal zum "Theater des Jahres" gewählt wurde. In der Saison 2001 inszenierte er unter anderem "Die Schöne Müllerin" von Franz
Schubert, die aufs Theatertreffen Berlin und auf die RuhrTriennale eingeladen und für den Nestroy-Preis nominiert war. 2002 brachte er "In den Alpen" von Elfriede Jelinek in
Koproduktion mit den Münchner Kammerspielen auf die Bühne, 2003 "Groundings - Eine Hoffnungsvariante". Diese Inszenierung wurde zum Berliner Theatertreffen 2003 eingeladen.
Ebenfalls 2003 entstand sein Projekt "Lieber nicht - Eine Ausdünnung" (nach Melvilles "Bartleby, der Schreiber"), "Invocation" (Moderato Cantabile) wurde im
Rahmen der Zürcher Festspiele uraufgeführt; eine Oper nach Texten von Marguerite Duras, Musik von Beat Furrer. Mit Meg Stuart und Stefan Pucher erarbeitete er das Projekt "Das goldene
Zeitalter", es folgte "Dantons Tod", diese Produktion wurde zum Berliner Theatertreffen 2004 eingeladen. 2004 wurde sein Liederabend "O.T. Eine Ersatzpassion"
uraufgeführt, im selben Jahr wurden Christoph Marthaler und Anna Viebrock mit dem Theaterpreis Berlin 2004 der Stiftung Preußische Seehandlung ausgezeichnet. In der Spielzeit 2004/2005
hatten die Produktionen "Seemannslieder" in Gent und "Schutz vor der Zukunft" bei den Wiener Festwochen ihre Uraufführungen. Letztere Produktion wurde mit dem Nestroy für
die beste Regie ausgezeichnet. Bei den Bayreuther Festspielen inszenierte er im Juli 2005 Wagners "Tristan und Isolde". 2005 entstand "Die Fruchtfliege" und am
KunstenFESTIVALdesArts in Brüssel "Winch Only". Diese Produktion wurde in Italien mit dem "Premio Ubu" ausgezeichnet. "Geschichten aus dem Wienerwald" hatte im
Jahr 2006 an der Volksbühne Berlin Premiere. 2007 inszenierte er "Traviata" an der Opéra national de Paris und das Musiktheater "Sauser aus Italien" über Giacinto
Scelsi. Der Theaterabend "Platz Mangel" wurde für das Theatertreffen 2008 in Berlin nominiert. Es folgte eine Inszenierung von "Wozzeck" an der Pariser Opéra Bastille. Zum
hundertjährigen Jubiläum des Hotel Waldhaus entstand der Abend "Das Theater mit dem Waldhaus". Für die Wiener Festwochen erarbeitete Christoph Marthaler mit Anna Viebrock das
Projekt "Riesenbutzbach. Eine Dauerkolonie", das auch beim Festival d'Avignon 2009 vertreten war. Ebenfalls 2009 wurde ihm der Kulturpreis des Kanton Zürich verliehen. Bei ARTE war
zuletzt seine Inszenierung von Offenbachs Operette "Die Großherzogin von Gerolstein" zu sehen, die am morgigen Sonntag, den 18. Juli um 9.45 Uhr wiederholt wird.
Mehr Informationen zum Programm und zum Festival kurz vor Ausstrahlung unter: www.arte.tv/avignon
Sonntag, 18.07. / 07.30 Uhr / Palettes: Der letzte Blick ~ Die Europäerin - Porträt aus dem Faijum (um 117-138) Regie: Alain Jaubert
Eine unregelmäßige Holztafel ist über die gesamte Fläche bemalt: Sie zeigt das Gesicht einer jungen Frau, mit schwarzen
Haaren und dunklen Augen, deren Hals und Schulterpartie ein goldener Schleier umhüllt. Das Gemälde fand 1952 Eingang in den Louvre und wurde "Die Europäerin" genannt. Es handelt
sich um ein ägyptisches Grabporträt aus der Zeit der Herrschaft des römischen Kaisers Hadrian, um etwa 117 bis 138 nach Christus. Solche Grabporträts sind besonders kostbar, da sie seltene
Zeugnisse antiker Maltechniken sind und über das Leben der Menschen jener Zeit Aufschluss geben.
"Palettes" - ab 26. Juni bis 19. August täglich (außer mittwochs) immer gegen 7.30 Uhr.
Etwa 750 Grabporträts aus den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung sind dank des
trockenen Klimas in der ägyptischen Wüste erhalten geblieben. Die meisten wurden in der Region Faijum unweit von Kairo gefunden. Die Porträts von Frauen und Männern aus der griechischen und
der römischen Epoche Ägyptens waren an den Mumien befestigt. Sie sind umso kostbarer, als sie das einzige Zeugnis antiker Maltechnik darstellen, denn aus Griechenland und dem Römischen Reich
sind fast nur Wandmalereien erhalten. Meistens wurde auf Holz die sogenannte enkaustische Malerei angewandt, oder es wurde mit Temperafarben direkt auf das Leinentuch gemalt.
Stilistisch sind diese Darstellungen Vorläufer der Ikonen und zugleich Vorstufen zu einer äußerst naturalistischen Darstellung des Verstorbenen. Manche Porträts sind gekonnt und
originalgetreu, andere sind schlicht, stark stilisiert, beinahe kubistisch, und einige sind in naivem, volkstümlichem Stil gemalt. Alle Techniken, die in der Renaissance zur lebendigen
Gestaltung eines Bildnisses verwendet beziehungsweise aufgegriffen wurden, sind bereits vorhanden: Schattierung, Relief, Augen- und Lippenreflexe, Gestaltung von charakter- oder
gefühlsbedingten Gesichtszügen. Das "Die Europäerin" genannte Bildnis gehört zu den schönsten Exemplaren überhaupt. Im Labor der staatlichen französischen Museen wurde es
untersucht, in der Restaurationsabteilung gereinigt. Heute ist es in den Räumen des Louvre, die für das Ägypten der römischen Epoche eingerichtet wurden, ausgestellt. Das war der Anlass, die
Geheimnisse dieses wunderbar schlichten Bildnisses zu untersuchen: Wer war die Europäerin? Wie lebte sie und warum wurde ihr Porträt gemalt? "Palettes" geht außerdem der Frage nach,
wozu solche "Mumienporträts" dienten und was für eine religiöse Weltsicht mit ihnen verbunden war.
Sonntag, 18.07. / 09.45 Uhr / Marthalers Großherzogin von Gerolstein
Operette nach Jacques Offenbach Regie: Georg Wübbolt; Kostüme: Sarah Schittek; Komponist: Jacques Offenbach; Chorleiter: Henryk Polus; Ausstattung: Anna Viebrock; Chor:
Chor des Theater Basel; Licht: Hermann Münzer; Orchester: Kammerorchester Basel; Inszenierung: Christoph Marthaler; Dirigent: Hervé Niquet
Mit: Anne Sofie von Otter - (Großherzogin),
Norman Reinhardt - (Fritz), Agata Wilewska - (Wanda), Christoph Homberger - (General Boum), Rolf Romei - (Prinz Paul), Karl-Heinz Brandt - (Baron Puck), Ueli Jäggi - (Privatsekretär), Jürg
Kienberger - (Pressesprecher), Bendix Detleffsen - (Ein Pianist), Raphael Clamer - (Waffen- und Notenhändler), Altea Garrido - (Botschafterin), Carina Braunschmidt - (Honorarkonsulin), Karin
Gamboni - (Boutiqueangestellte)
Theaterregisseur Christoph Marthaler - bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet - hatte vor fast 20 Jahren ein festes Engagement am Theater Basel.
Erst kürzlich wurde das Haus mit dem begehrten Titel "Opernhaus des Jahres" gekürt. Gemeinsam mit der Bühnenbildnerin Anna Viebrock zog es ihn nun dorthin zurück, um Offenbachs
"Großherzogin von Gerolstein" zu inszenieren. Die Operette ist wie für ihn geschaffen, denn er gilt als Schweizer Meister des skurrilen Witzes. Unordnung, Verwirrung und Chaos sind
keine Fremdwörter für den Verehrer des schwarzen Humors. In der Titelrolle singt Anne Sofie von Otter. Die skurrile Inszenierung wurde am 18. und 20. Januar 2010 für ARTE aufgezeichnet.
Das Second Empire stand im Uraufführungsjahr 1867 bereits kurz vor seinem Untergang und der deutsch-französische Krieg vor der Tür. Doch die Bürger Frankreichs verdrängten den Ernst der
Lage und besuchten massenhaft das Theater. "Das Publikum liebt die Kunst, daran ist nicht zu zweifeln, aber es liebt die heitere Kunst. Es soll sie haben", meinte Jacques Offenbach
und hielt seinen Zeitgenossen den Spiegel vor, indem er in "La Grande-Duchesse de Gérolstein" die europäischen Zustände mit aufgeblasenen Machthabern, säbelrasselndem Militär und
degenerierten Aristokraten aufs Schärfste karikierte. Gerolstein, ein kleines, aber kühnes Großherzogtum, erklärt dem Nachbarstaat den Krieg, und das aus einem einzigen Grund: Die
kapriziöse Regentin langweilt sich und muss von den Regierungsgeschäften abgehalten werden. Von ihren intriganten Ministern wird ihr als zweite Ablenkungsstrategie zudem eine politisch
opportune Heirat anempfohlen. Sie jedoch verliebt sich außerplanmäßig in den einfachen Soldaten Fritz, den sie flugs zum Gefreiten, Korporal, Fähnrich und Hauptmann ernennt und schließlich
als befehlshabenden General mit Adelstitel in den Krieg schickt. Doch allen Avancen zum Trotz erhört Fritz die Großherzogin nicht, sondern fühlt sich seiner Jugendliebe Wanda verpflichtet.
Rasend vor Eifersucht schließt sich die Regentin einem Mordkomplott ihrer Minister an: Der Emporkömmling soll sterben! Er überlebt, und sie muss eine bittere Erfahrung machen: "Wenn man
nicht kriegt, was man liebt, dann muss man lieben, was man kriegt." In der Partie der Grande-Duchesse ist Anne Sofie von Otter zu erleben. Sie singt unter der Stabführung von Hervé
Niquet, dem international gefragten Konzert- und Operndirigenten mit Schwerpunkt auf französischer Musik. In Szene gesetzt wird der große Entwurf eines kleinen Reiches von Christoph
Marthaler, dem Schweizer Meister des skurrilen Witzes, dem Verehrer der Nachtschattenseite des Humors. Und Marthaler ist sich dabei durchaus des Wahnwitzes eines Krieges bewusst.
Mehr Informationen zum Programm und zum Festival kurz vor Ausstrahlung unter: www.arte.tv/avignon Dieses Programm wurde in HD produziert.
Sonntag, 18.07. / 13.00 Uhr / Künstler hautnah: Fotografin Camille Vivier Regie: Manuela Dalle
Der besondere Stil der Fotografin Camille Vivier zeichnet sich durch künstlerische Inszenierungen aus. Nachdem die 1977 in Paris geborene Künstlerin in
Grenoble Kunst studiert hat und ein Jahr in London am berühmten "Central Saint Martins College of Art and Design" ausgebildet wurde, etabliert sie sich als Modefotografin und
schafft gleichzeitig persönlichere Arbeiten, die schnell ihren Weg in verschiedene Ausstellungen finden.
Verkleidung, Tarnung und Schauspiel - diese Elemente machen Camille Viviers
Fotoarbeiten aus, bei denen es nicht um die simple Darstellung von Personen oder Objekten geht. Die 1977 in Paris geborene Künstlerin arbeitet aktuell als Modefotografin für internationale
Zeitschriften. Ob es sich um Arbeiten für Modemagazine, um öffentliche Aufträge oder um persönliche Bilder wie ihre magischen Stillleben handelt - jede ihrer Kompositionen führt gleichzeitig
in ihr Innerstes. "Ich zeige die Menschen nicht so, wie sie sind", erklärt sie, "ich arbeite fiktional und kein bisschen dokumentarisch." Camille Vivier geht mit ihren
Modellen häufig wie mit einer Art Theaterensemble um: Sie arrangiert Szenen, arbeitet mit Licht, verkleidet und schminkt die von ihr fotografierten Menschen. Gerade entstehen eine
Fotoserie mit Jugendlichen im Stil der Commedia dell'Arte und einige Stillleben, bei denen sie sich von Darstellungen antiker Götter inspirieren lässt. In ihren nostalgisch anmutenden
Bilderwelten finden sich persönliche Erinnerungen und Erfahrungen wieder, stets strahlen ihre Arbeiten aber auch etwas Überzeitliches, etwas faszinierend Geheimnisvolles und Mysteriöses aus.
Zusatzinfo : 1997 wurde Camille Vivier mit dem Ersten Preis für Fotografie beim XII. Festival des Arts de la Mode von Hyères ausgezeichnet. 2002 war sie Stipendiatin der
Villa Médicis Hors les Murs, im Jahr 2008 zeigte sie ihre Werke bei der internationalen Fotoausstellung "Unseen" des Museum of Contemporary Art in Shanghai. Zu Wort kommen in der
heutigen Sendung Alexis Vaillant, Kurator einer der Ausstellungen von Camille Vivier, und Agnès de Gouvion Saint-Cyr vom französischen Kulturministerium.
Mehr Infos unter: www.arte.tv/kuenstler-hautnah ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in einer "Streaming"-Fassung auf ARTE+7 bereit.
Sonntag, 18.07. / 17.05 Uhr / Mein Leben - Erika Pluhar Regie: Gero von Boehm
Zwischen Wien und Lissabon spielt sich das äußere Leben der Erika Pluhar ab - an diesen beiden Orten hat Gero von Boehm sie besucht und spürt in Gesprächen und vielen Archivaufnahmen
ihrem spannenden Leben nach.
Selten wirkt ein Mensch so verwachsen mit seinem Haus. Es ist, als hätte Erika Pluhar vor Jahrzehnten beschlossen, auf diesem Grundstück in Wien Wurzeln zu
schlagen. Etwas Verwunschenes liegt über dem Gebäude und dem verwilderten Garten, der wilde Wein wuchert über die Fassaden und die Fenster, der Wintergarten droht unter dem üppigen Grün zu
verschwinden.
Im Februar 2009 wurde "die" Pluhar 70 Jahre alt und hat für sich beschlossen, der Natur in jeder Hinsicht freien Lauf zu lassen. Ohne Schönheitschirurgie und
Fitnessstudios möchte sie "einfach so" in Würde altern. Ihren Geburtstag feierte sie mit einem ausgelassenen Fest in Lissabon, auch in Rückblicken auf ihr bisheriges Schaffen.
In Wien kramt Erika Pluhar in ihrem Privatarchiv. Sie war 40 Jahre lang Burgschauspielerin und arbeitet bis heute als Sängerin und erfolgreiche Romanschriftstellerin. Nur so kann sie ihr
Leben voller Schicksalsschläge verarbeiten. Am schlimmsten trafen sie die Verluste geliebter Menschen: vor allem der Tod der einzigen Tochter Anna vor neun Jahren. Da war Erika Pluhar lange
nicht klar, ob sie weiterleben konnte.
Aber was für ein reiches Leben hätte sie weggeworfen? Als gefeierte Schauspielerin hätte ihr auch eine Karriere in Hollywood offen gestanden.
Ihre rauchige Stimme ließ und lässt so manche frühe Schlagersünde verzeihen. Und auch literarisch hat sie einige Achtungserfolge zu verzeichnen. Meist verarbeitet sie darin
Lebenserinnerungen, beispielsweise ihre turbulente Ehe mit André Heller, der den Anstoß zur Gesangskarriere gab und sie als Sängerin heute noch als heimliche Nachfolgerin von Hildegard Knef
und Marlene Dietrich sieht. Zwischen ihrem verwunschenen Wiener Haus und der wilden Atlantikküste bei Lissabon erschließt sich die Lebensweisheit und Melancholie der Erika Pluhar.
Sonntag, 18.07. / 19.15 Uhr / Milhaud und Poulenc mit Jean-Claude Casadesus : Le Boeuf sur le toit, Gloria Musik, Frankreich 2010, ARTE F, Erstausstrahlung Regie: Chloé Perlemuter
Musik von Darius Milhaud und Francis Poulenc stehen heute bei ARTE auf
dem Spielplan. Am 24. März spielte das Orchestre national de Lille französische Musik des 20. Jahrhunderts. Am Pult steht Jean-Claude Casadesus, seit 35 Jahren Chefdirigent des Orchesters.
Der Abend beginnt mit dem "Gloria" für Sopran, gemischtem Chor und Orchester von Francis Poulenc. Die "Chor-Symphonie" entstand 1959 und wurde 1961 vom Boston Symphony
Orchestra uraufgeführt. Sie besteht aus sechs Sätzen und ist eines der letzten und neben dem "Stabat Mater" eines der bekanntesten religiösen Werke des tief gläubigen Katholiken.
Danach folgt das wahrscheinlich berühmteste Werk von Darius Milhaud. Die Vorlage zu "Le Boeuf sur le toit" - auf Deutsch: "Der Ochse auf dem Dach" - lieferte ein
brasilianisches Volkslied. Milhaud, der mehrere Jahre als Kultur-Attachée in Rio weilte, ließ sich von brasilianischen Klängen inspirieren, insbesondere von den wilden Rhythmen des Karnevals
von Rio. Aus der ursprünglich für einen Stummfilm von Charlie Chaplin angedachten "Kinofantasie" wurde ein Ballett, zu dem Jean Cocteau eine Handlung skizzierte. Der Refrain, eine
einfache und einprägsame Melodie in Form eines Rondos, kehrt nicht weniger als 15 Mal wieder und hält die verschiedenen Tänze und Rhythmen zusammen, die Milhaud eingeflochten hat.
Dieses Programm wurde in HD produziert.
Montag, 19.07. / 07.30 Uhr / Palettes: Das Wunder in der Loggia ~ Die Madonna des Kanzlers Rolin - Jan van Eyck Regie: Alain Jaubert
Die "Madonna des Kanzlers Nicolas Rolin" des niederländischen Meisters Jan van Eyck (1376-1441) ist eines der
ersten bekannten Ölgemälde. Neben den vier Hauptpersonen im Vordergrund, unter anderem dem kleinen Jesuskind, zeigt es Hunderte von faszinierenden Einzelheiten. Die heutige Ausgabe von
"Palettes" nimmt das Bild, das heute im Louvre hängt, genauer unter die Lupe, um seinen Mythos und seine Geschichte zu ergründen.
"Palettes" - ab 26. Juni bis 19. August täglich (außer mittwochs) immer gegen 7.30 Uhr.
Das Atelier des Malers Jan van Eyck im 15. Jahrhundert: Ein Dienstmann liefert eine
Holzpalette, ein Gehilfe zerreibt das Pulver im Mühlstein, ein anderer vermischt es mit Leinöl und ein Dritter trägt die Farben auf eine Palette auf. In dieser Umgebung malte Jan van Eyck die
"Madonna des Kanzlers Nicolas Rolin" (1435). Ein kleinformatiges Bild, das die Jungfrau Maria, auf einem goldumrandeten, blauen Kissen sitzend, darstellt. Das Jesuskind hält sie
auf ihren Knien, es ist nackt. Sein Gesicht hat allerdings die Strenge eines Erwachsenen, die Hand erhoben. Ihr gegenüber kniet ein Mann, um die 60 Jahre alt, die Hände zum Gebet
zusammengeführt. Viele Hinweise sprechen dafür, dass es sich um Nicolas Rolin handelt, Finanzminister und ein im politischen und künstlerischen Leben engagierter Mann, der als einer der
größten Mäzene seiner Zeit galt. Dank eines Infrarotgeräts entdeckt "Palettes" die verborgenen Geheimnisse des Bildes: Ein Geldbeutel, der an dem Gürtel des Kanzlers hing, wurde
später entfernt. Rolin hat dies zweifellos gewollt, um seinen Reichtum zu verbergen. Aber das ist nicht das einzige Geheimnis, das die heutige Sendung lüftet.
Montag, 19.07. / 21.45 Uhr / Darius Milhaud und seine Musik Stereo Regie: Cecile Clairval-Milhaud
Darius Milhaud (1892-1974) war einer der bedeutendsten französischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Seine ihm eigene polytonale Kompositionstechnik und die südamerikanischen
Rhythmen, die er in seine Musik einfließen ließ, machen seine Musik unverwechselbar. Milhaud ist Sohn einer angesehen jüdischen Familie aus Aix-en-Provence in Südfrankreich. Doch es gab in
seinem zahlreiche bedeutende Stationen rund um die Welt, neben Paris ist da vor allem Rio de Janeiro. Auf Einladung von Paul Claudel war er als Kulturattaché an der französischen Botschaft
und ließ sich von der brasilianischen Musik inspirieren. In Israel komponierte er die Oper "David", und als die Nationalsozialisten in Frankreich einfielen, flüchtete er mit seiner
Familie in die Vereinigten Staaten, wo er am Mills College in Oakland eine Kompositionsklasse übernahm. ARTE macht Halt an diesen Stationen und bereist die Städte, die den Künstler in seinen
unterschiedlichen Lebensphasen prägten.
Zur Illustration des herausragenden Werks und des ungewöhnlichen Werdegangs von Darius Milhaud suchte die Regisseurin Cécile Clairval-Milhaud
die wichtigsten Stationen im Leben des französischen Komponisten auf: die Provence, die als Schauplatz seiner Kindheit prägenden Einfluss auf ihn hatte; Paris, wo ihm seine Werke Erfolge,
aber auch Skandale brachten, und wo er mit Jean Cocteau und der "Groupe des Six" neue Weichen für die Musik stellte. Aber auch Brasilien, das Land, dessen Natur ihn ebenso
faszinierte wie die Musik; Brüssel, wo im Théâtre de la Monnaie mehrere seiner Werke uraufgeführt wurden; die Vereinigten Staaten, wo er lange Jahre lebte; Israel wegen jener Werke, für die
Milhaud sich von biblischen Texten anregen ließ, wie zum Beispiel die Oper "David".
Für die musikalische Untermalung sorgen das Philharmonische Bläserquintett Berlin mit "La Cheminée du Roi René", interpretiert auf dem Festival von
Aix-en-Provence, das Ensemble Vocal Français mit einem Rezital in Paris und das weibliche Eclipse Quartet aus Los Angeles mit zwei Quartetten. Viele von Milhauds Opern, etwa "Christophe
Colombe", "Maximilien" und "Bolivar", belegen das Engagement des Komponisten für den Freiheitskampf.
Am 18. Juli um 19.15 Uhr zeigt ARTE eine Aufführung von Darius Milhauds bekanntestem Werk: "Le Boeuf sur le toit", auf Deutsch: "Der Ochse auf dem Dach".
Dieses Programm wurde in HD produziert. ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in einer "Streaming"-Fassung auf ARTE+7 bereit.
Dienstag, 20.07. / 07.30 Uhr / Palettes: Spuren der blauen Epoche~ Anthropometrie der blauen Epoche - Yves Klein (Nizza 1928 - Paris 1962)
Regie: Alain Jaubert
Yves Kleins Bild "Anthropometrie der Blauen Epoche" aus dem Jahr 1960 weist nur zwei Farbtöne auf:
ein intensives Ultramarinblau und ein stellenweise bläuliches Perlmuttweiß. Wie interpretiert man die blaue Farbe, die sogenannte Blaue Epoche Kleins? Alain Jaubert begibt sich auf die Spuren
des abstrakten Malers und Performancekünstlers und versucht, das Geheimnis der Formen sowie der einheitlichen Farbe zu lüften.
"Palettes" - ab 26. Juni bis 19. August täglich (außer mittwochs) immer gegen 7.30 Uhr.
Blaue Epoche, blaue Spuren, blaue Schwämme. Nicht zufällig wurde Yves Klein
"Yves, der Monochrome" genannt. Er hat zwar auch viele andere Farben verwendet, wählte aber vor allem Ultramarinblau, das ihm nicht nur Ausdrucksmittel, sondern auch eine Art
spirituelle Energie war. Mit Hilfe seines Farbenhändlers Edouard Adam erfand er sogar sein eigenes Blau: das "International-Klein-Blue" (IKB), ein sehr sattes Ultramarin, das er
sogar patentieren ließ. Anfangs realisierte er seine Monochrome meistens mit einer Malrolle, um eine möglichst einheitliche und unpersönliche Oberfläche zu erzielen. Später hatte Klein die
Idee, die nackten Körper von Modellen unmittelbar als "lebende Pinsel" zu benutzen und erfand bei seinen geradezu rituellen Happenings einen ganzen Katalog neuer Formen.
Gleichzeitig durchlief er damit auf intuitive, beinahe naive Weise nochmals die Geschichte der legendären Bilder, der Absonderlichkeiten der Natur und die hehre Geschichte der Aktmalerei.
Die Anthropometrien sind somit eine Meditation über den Abdruck, die Spur, das Verschwinden und letztlich farbige Variationen über die Fleischwerdung.
Donnerstag, 22.07. / 07.30 Uhr / Palettes: Der Geschmack des Unbeweglichen ~ Der Rochen - Jean Siméon Chardin Regie: Alain Jaubert "Der Rochen" (1728) von Jean Siméon Chardin (1699-1779) ist eines der Bilder im Pariser Louvre, das die meisten
Besucher anzieht. Das Stillleben setzt wie viele andere Gemälde der Epoche ein Stück unbelebte Natur in Szene: Neben Kupfer glänzendem Kochgeschirr, Tontellern und einem Messer, sind Fische
und Austern lose auf einem weißen Tischtuch drapiert. An einem Haken in einer Wandnische hängt ein enthäuteter Rochen. Obwohl das Motiv "degoutant" wirkt, wie schon ein Zeitgenosse
Chardins feststellte, wurde das Bild bereits zu Lebzeiten des Malers als Vorbild seines Genres und als Meisterwerk des Realismus verehrt.
Es ist eines der ersten Bilder, das der Louvre
bei seiner Gründung im Jahr 1793 ausstellt: Der in der Manier niederländischer Meister gemalte "Rochen" (1728) versetzt den Betrachter in das lautlose Leben der vertrauten
Alltagsgegenstände, die der Künstler in einigen seiner Bilder dargestellt hat. Die Suche nach dem genauen Platz jedes Küchengeräts und jeder Frucht im Bild war eine langwierige und
sorgfältige Arbeit, mit der Chardin seinem Werk über den räumlichen und farblichen Zusammenhalt hinaus eine symbolische oder historische Bedeutung gab. Die regelmäßige Anordnung der
Gegenstände geht mit einer "beunruhigenden Fremdheit" einher. Diese hat Schriftsteller wie Diderot, Proust und viele andere fasziniert. Von dem ungeheuerlichen Rochen geht bis heute
eine eigene suggestive Kraft aus, die der Fantasie des Betrachters keine Grenzen setzt. "Palettes" taucht ein in die Geschichte des Stilllebens und erklärt den symbolischen Gehalt
des Bildes, der sich dem Betrachter erst auf den zweiten Blick erschließt: Mit dem Rochen machte der Maler die bestialische Seite unserer zivilisierten Gesellschaft zum Thema.
Donnerstag, 22.07. / 23.30 Uhr / Love, Janis: Die zwei Leben der Janis Joplin Regie: Ray Müller Ihre Karriere dauerte nur vier Jahre, und trotzdem wurde Janis Joplin zum ersten weiblichen Superstar der Rockmusik. Ihr früher Tod trug das Übrige zur
Legendenbildung bei. Die Dokumentation zeigt den kurzen Lebensweg eines texanischen Provinzgirls, das über Nacht zur Hippie-Ikone und zum Star der Musikszene von San Francisco wird, ebenso
berühmt wie Jimmy Hendrix und, was den Umgang mit Drogen und Alkohol betrifft, ebenso berüchtigt.
Janis Joplin bot eine hervorragende Projektionsfläche für das Bild einer unabhängigen,
sexuell aktiven und selbstbestimmten Frau. Aber in ihren Sehnsüchten war sie tief gespalten: Ihrem Drang nach Freiheit, nach einem anderen, wilderen Leben, stand eine tiefe Sehnsucht nach
einem konventionellen Leben, nach Heirat und Geborgenheit, gegenüber. Vielleicht ist es dieser Zwiespalt, der sie am Ende das Leben gekostet hat. Und vielleicht ist sie auch deshalb für viele
heute noch eine Ikone der Popkultur - wegen ihrer Musik, eines Zeitgefühls und eines Lebens, das derzeit von Frauen wie Amy Winehouse wie fortgesetzt wirkt. Die Dokumentation zeigt den
kurzen Lebensweg eines texanischen Provinzgirls, das über Nacht zur Hippie-Ikone und zum Star der Musikszene von San Francisco wird, ebenso berühmt wie Jimmy Hendrix und ebenso anrüchig im
Umgang mit Drogen und Alkohol. Schon bei ihrem ersten Auftritt beim Monterey Pop Festival, dem Vorreiter von Woodstock, fasziniert und schockiert sie ihr Publikum. Als erste Frau gelingt
es ihr, in die bis dahin von Männern dominierte Welt der Rockmusik einzudringen und sich dort wie selbstverständlich zu etablieren. Mit ihrer überragenden Stimme und ihren
rauschhaft-exzessiven Auftritten fasziniert sie ihr Publikum. Ihre Stimme klingt, als stünde beim Singen ihre gesamte Existenz auf dem Spiel. Dazu kamen ihr hemmungsloses Sexualleben mit
heterosexuellen und lesbischen Partnern, Alkoholismus und Drogenexzesse, die seinerzeit wie ein Fanal der Freiheit wirkten, aber letztlich ein verzweifelter Kampf gegen die Einsamkeit waren.
Zusatzinfo: Diesem Zwiespalt im Charakter von Janis Joplin geht die Dokumentation von Emmy-Preisträger Ray Müller nach. Verwandte, Freunde und die Musiker ihrer Bands geben Einblicke
in die Geheimnisse ihrer Musik und ihres Erfolgs. Eine stark subjektive Perspektive zeigt aber auch den Preis, den Joplin dafür zahlen musste - zwischen radikalen Auftritten und Abgründen an
Einsamkeit. Mehr Informationen unter: www.arte.tv/summer Parallel zur ARTE-Programmierung bietet arte.tv dem User mit einem crossmedialen Spiel, kommentierten Playlists und
Videoerinnerungen bekannter Persönlichkeiten der 60er Jahre ein umfangreiches Web-Angebot: www.arte.tv/summer. Dieses Programm wurde in HD produziert.
Freitag, 23.07. / 19.30 Uhr / Palettes: Das Modell mit der schwarzen Katze ~ Olympia - Edouard Manet Regie: Alain Jaubert
Die Frau auf dem Bild sieht den Betrachter direkt an: Sie liegt auf einem Divan und ist nackt, bis auf gelbe Seidenpantoffeln
an ihren Füßen. Am Fußende des Bettes reckt sich ein kleines, schwarzes Kätzchen. Die Rede ist von Edouard Manets skandalträchtigem Gemälde "Olympia" aus dem Jahr 1863. Heute ist
der für die damalige Zeit äußerst freizügige, ja geradezu schamlose Frauenakt im Pariser Musée d'Orsay zu bewundern. "Palettes" erzählt von der Frau, die für Manets Olympia Modell
stand, und erklärt, auf welche anderen berühmten Gemälde Manet anspielt.
Edouard Manet (1832-1883) löste 1863 mit seiner modernen Nachempfindung von Tizians "Venus von
Urbino" einen Skandal aus: Ein hellhäutiges, unbekleidetes Mädchen liegt ganz selbstverständlich auf einem Divan. Die Reaktionen waren entsprechend: "Soll diese Odaliske mit gelbem
Bauch die Olympia darstellen?" oder: "Die Menge drängt sich vor Manets verdorbener Olympia wie im Leichenschauhaus." Die Frau, die für die "Olympia" Modell stand,
war Victorine Meurent. Manet hatte sie schon in seinen Gemälden "Frühstück im Freien" und "Frau mit Papagei" verewigt, und sie sollte auch in einem späteren Werk wieder
erscheinen. Die sanftmütige, kurvenreiche Victorine Meurent, Manets bevorzugtes Modell, war eine unkonventionelle und unabhängige Frau. Das Bild ist zugleich eine Art Hommage an das
traditionelle Künstlermodell, das die Fantasie der Maler seit der Renaissance beschäftigte, und eine Provokation: Die mythologischen und antiken Anspielungen werden in einen modernen
Zusammenhang gestellt und wirken umso skandalöser, als die Szene unzweideutig auf ein Bordell verweist. Sieben Jahre nach Manets Tod unternahm sein Freund Monet im Namen einer Malergruppe
eine Sammelaktion, um das Bild zu erwerben und dem Staat zu schenken. "Olympia" lässt auch heute den Malern keine Ruhe. So hat zum Beispiel Larry Rivers 1970 eine schwarze
"Olympia" gemalt.
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Samstag, 24.07. / 07.30 Uhr / Palettes: Toulouse-Lautrec ~ "Fin de Siècle"-Legende
Regie: Alain Jaubert Eine einst berühmte Cancan-Tänzerin des Moulin Rouge, La Goulue, bestellt bei ihrem Freund Toulouse-Lautrec zwei Bühnenbilder für ihre
Jahrmarktbude. "Palettes" geht dem abenteuerlichen Schicksal der beiden größten Gemälde des Malers nach. Der Stern La Goulues, der berühmten Cancan-Tänzerin im Moulin Rouge, der
Königin des nächtlichen Paris der Belle Epoque, sinkt. Die Künstlerin muss jetzt auf dem Jahrmarkt La Foire du Trône auftreten. Bei ihrem Freund Toulouse-Lautrec bestellt sie zwei
Bühnenbilder für ihre Jahrmarktsbude. Den beiden größten Gemälden des Malers war ein abenteuerliches Schicksal beschert: Sie wurden weiterverkauft, von einem dilettantischen Händler
zerschnitten und 1929, kurz nach dem Tod von La Goulue, wieder zusammengesetzt. Wie Manet und Degas verdünnte Toulouse-Lautrec seine Farben mit Terpentinöl, wodurch sie sehr matt, aber auch
sehr empfindlich wurden. Die heute ziemlich beschädigten Gemälde haben nicht mehr ihren ursprünglichen Glanz, verewigen aber legendäre Persönlichkeiten der Belle Epoque.
Sonntag, 25.07. / 07.30 Uhr / Palettes: Fragonard ~ Das Spiel mit den Falten - Der Riegel
Regie: Alain Jaubert Das erotisch angehauchte Bild "Der Riegel" gilt als Gegenstück zu den Darstellungen heiliger Liebe und zeigt ein Liebespaar, das im
Begriff ist, sich im Schlafzimmer einzuschließen. Das verloren geglaubte Gemälde tauchte im 19. Jahrhundert wieder auf und sorgte zugleich für Unstimmigkeiten unter den Kunstliebhabern.
Stammt es tatsächlich von Fragonard? "Palettes" nimmt das Bild genau unter die Lupe und sucht eine Antwort.
Das Gemälde "Der Riegel", dessen Original verloren
gegangen war, fand als Stich Verbreitung und erfreute sich Ende des 18. Jahrhunderts großer Beliebtheit. Im 19. Jahrhundert tauchte es wieder auf und war sogleich umstritten: Die einen
meinten, es stamme nicht von Fragonard, andere hingegen interpretierten es als Beispiel für einen stilistischen Neubeginn in Fragonards Schaffen. Ein scheinbar banales Bild mit expliziter
Aussage, hinter der sich aber möglicherweise etwas anderes verbirgt.
Das Besondere ist, dass es das Gegenstück zu einer religiösen Szene sein soll. Diese letzte Spielart des Gegensatzes zwischen heiliger und profaner Liebe schließt
mehrere Jahrhunderte religiöser Malerei ab und eröffnet eine neue Epoche: Erotik ist nicht mehr auf die Götter beschränkt, sondern wird von allen geteilt und gehört zum Alltag. Schlafzimmer
und Bett werden durch Fragonard zum Dekor eines fantastischen Theaters, in dem die Requisiten - Wäsche, Kissen, Behänge - mit ihren unzähligen Falten und Vertiefungen am Rande der Handlung
das Abbild einer aufgeklärten Auffassung von Liebe darstellen.
Sonntag, 25.07. / 10.05 Uhr / Joshua Bell in Verbier: Tschaikowsky, Ravel Regie: François-René Martin, Philippe Béziat; Dirigent: Sir Andrew Davis Mit: Tobias Koch, Joshua Bell Weltstars der klassischen Musik treffen sich jeden Sommer im Schweizer
Luftkurort Verbier. 2007 war auch einer der derzeit bedeutendsten Geigenvirtuosen zu Gast beim Festival von Verbier: Joshua Bell. Er interpretierte das Violinkonzert in D-Dur op. 35 von Peter
Tschaikowsky und Maurice Ravels "Tzigane". Begleitet wurde er vom USB Verbier Festival Orchestra unter Leitung von Sir Andrew Davis.
Zusatzinfo: Das Verbier Festival &
Academy, eines der renommiertesten Klassikfestivals der Welt, zeichnet sich durch seine hervorragenden Künstler und die Originalität seiner Programme aus. Ein absolutes Highlight sowohl für
Musikfans als auch für die teilnehmenden Künstler. Auch die 14. Ausgabe vom Sommer 2007 glänzte mit großen Namen, darunter Martha Argerich, Yuri Bashmet, Evgeny Kissin, Sarah Chang, Lang
Lang, Thomas Quasthoff, Mischa Maisky, Zubin Mehta und viele andere mehr. Das außergewöhnlich hohe musikalische Niveau ist nicht das einzige Merkmal dieses Festivals. In Verbier treffen
sich internationale Künstler von Rang, die ansonsten während der Konzertsaison ihre eigenen Wege gehen, zu gemeinsamen Darbietungen. Auch das macht Verbier einzigartig. Dieses Programm wurde
in HD produziert.
Sonntag, 25.07. / 11.00 Uhr / Renaud Capuçon und Elena Bashkirova in Verbier ~ Ravel, Janácek
Regie: François-René Martin Mit: Renaud Capuçon, Elena Bashkirova
Einzigartige Klassikkonzerte vor herrlichem Bergpanorama: Alljährlich kommen beim Schweizer
Verbier Festival, das 1994 ins Leben gerufen wurde, die größten Stars der klassischen Musik zusammen. Auf dem Programm der Aufzeichnung vom 21. Juli 2007 stehen die Sonate für Violine und
Klavier op. posth. von Ravel, die Sonate Nr. 5 op. 24 "Frühling" von Beethoven und die Sonate für Violine und Klavier von Janácek interpretiert von dem französischen Violinisten
Renaud Capuçon und der russischen Pianistin Elena Bashkirova.
Zwischen Juli und August verwandelt das Festival von Verbier den Schweizer Kanton Wallis in ein wahres Paradies für
Musikliebhaber: Vor dem herrlichen Bergpanorama wird dort jedes Jahr ein erlesenes Programm mit hochkarätigen Musikern geboten. In diesem Konzert, das im Sommer 2007 aufgezeichnet wurde,
ist das Konzertprogramm Sonaten für Klavier und Geige gewidmet: mit Ravels "Sonate für Violine und Klavier op. posth.", Beethovens Frühlingssonate Nr. 5 op. 24 und Janáceks
"Sonate für Violine und Klavier". Für eine glanzvolle Interpretation der Werke sorgen der französische Violinist Renaud Capuçon und die russische Pianistin Elena Bashkirova.
Zusatzinfo: Elena Bashkirova, in Moskau geboren, entstammt einem musikalischen Elternhaus. Sie studierte am Tschaikowsky Konservatorium in der Meisterklasse ihres Vaters, des berühmten
Pianisten und Musikpädagogen Dimitrij Bashkirov. Sie ist häufig Gast bei vielen weltweit renommierten Orchestern und arbeitet dort mit so bedeutenden Dirigenten wie etwa Pierre Boulez, Zubin
Mehta oder Christoph von Dohnányi zusammen. Elena Bashkirovas Interesse gilt dem klassisch-romantischen Repertoire ebenso wie der Musik des 20. Jahrhunderts. So hat sie bei zahlreichen
Uraufführungen mitgewirkt. Auch Kammermusik und Liedbegleitung spielen eine wichtige Rolle in ihrer Arbeit. 1998 hat Elena Bashkirova das Jerusalem Chamber Music Festival (JCMF) ins Leben
gerufen, das alljährlich im September stattfindet. Die Künstlerin ist mit dem Ensemble des JCMF regelmäßig zu Gast bei berühmten internationalen Musikfestivals und in den Musikmetropolen
Europas, der USA und Südamerikas. Renaud Capuçon begann mit 14 Jahren sein Studium bei Gérard Poulet und Veda Reynold und setzte es später bei Thomas Brandis und Isaac Stern fort. Schon
bald vielfach ausgezeichnet holte ihn Claudio Abbado 1997 als Konzertmeister zum Gustav Mahler Jugendorchester. 2002 gab er sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern unter Bernard Haitink
und 2004 beim Boston Symphony Orchestra unter Christoph von Dohnányi. Seither konzertiert er mit den weltweit renommiertesten Orchestern und Dirigenten wie etwa Semyon Bychkov, Christoph
Eschenbach, Alan Gilbert, Daniel Harding und Robin Ticciati. Seine besondere Vorliebe für Kammermusik führte ihn mit einigen der bedeutendsten Instrumentalisten wie zum Beispiel den
Pianisten Martha Argerich und Daniel Barenboim, dem Bratscher Yuri Bashmet oder dem Cellisten Truls Mørk zusammen. Auch bei den großen internationalen Musikfestivals ist Renaud Capuçon
regelmäßig zu Gast und gründete vor einigen Jahren in seinem Heimatort Chambéry sein eigenes Festival. Viele seiner zahlreichen Einspielungen wurden ausgezeichnet. Renaud Capuçon spielt
die Guarneri del Gesù "Panette" von 1721, die zuvor Isaac Stern gehörte. Dieses Programm wurde in HD produziert.
Sonntag, 25.07. / 13.00 Uhr / Künstler hautnah: Otobong Nkanga - Bildende Künstlerin Regie: Coraly Suard "Künstler hautnah" - ist das Rendezvous mit der internationalen Kunstszene. Jede Sendung ist einem Künstler gewidmet, die heutige der
nigerianischen Allroundkünstlerin Otobong Nkanga.
In der Dokumentation erzählt Otobong Nkanga von den Einflüssen ihrer afrikanischen Heimat auf ihr künstlerisches Schaffen. Nkangas
vielfältiges Werk umfasst Foto- und Gouachecollagen über den geplünderten und zerstörten afrikanischen Kontinent, aber auch Installationen, Zeichnungen, Plastiken und Performances, in denen
sie die Rolle der afrikanischen Frau und die Bedeutung von Bräuchen hinterfragt. 2005 beteiligte sich Nkanga an der Ausstellung "Africa Remix". Diese Wanderausstellung über
zeitgenössische afrikanische Kunst feierte 2004 im museum kunst palast in Düsseldorf ihren Auftakt und war im Anschluss in London, Paris, Tokio und Südafrika zu sehen. Nkanga stellte in
diesem Rahmen ihre zehnteilige Fotoreihe "Stripped Bare" aus West-Nigeria aus. Zu Wort kommen in der Sendung, neben der Künstlerin selbst, die Kunstkritikerin und Kuratorin
Cécile Bourne-Farrell und Ann Demeester, Leiterin des Kunstzentrums De Apple in Amsterdam.
Zusatzinfo: Otobong Nkanga, 1974 im nigerianischen Kano geboren, studiert zunächst an der
Obafemi Awolowo University in Ile-Ife, Nigeria, und dann an der École nationale supérieure des beaux-arts (ENSBA) in Paris. 1997 beginnt sie mit einer Reihe von Einzel- und
Gruppenausstellungen und Performanceveranstaltungen. Otobong Nkanga lebt in Amsterdam, Paris und Nigeria. Mehr Infos unter: www.arte.tv/kuenstlerhautnah
ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in einer "Streaming"-Fassung auf ARTE+7 bereit.
Sonntag, 25.07. / 19.15 Uhr / Der Geigen-Gipfel! Regie: Nele Münchmeyer; Orchester: Mahler Chamber Orchestra; Dirigent: Constantinos Carydis
Mit: Alina Pogostkina - (Violine), Lisa Batiashvili - (Violine), Baiba Skride - (Violine)
Drei junge Frauen, drei edle Stradivaris: ein Konzert der Extraklasse aus dem
Festspielhaus Baden-Baden mit der aus Russland stammenden Alina Pogostkina, der Georgierin Lisa Batiashvili sowie der Lettin Baiba Skride. Auf dem Spielplan stehen drei Klassiker der
Violinliteratur: Die Konzerte von Sibelius und Beethoven und das zweite Violinkonzert von Prokofjew. Begleitet werden die drei Stargeigerinnen vom Mahler Chamber Orchestra unter der Leitung
des jungen griechischen Dirigenten Constantinos Carydis. ARTE zeigt die Höhepunkte des Baden-Badener Konzertes vom 4. Juli 2010.
Die drei jungen Geigenstars stammen alle aus
Musikerfamilien und fingen außerordentlich früh mit dem Geigenspiel an. Allen drei ist auch gemeinsam, dass sie jeweils als jüngste Teilnehmerinnen große Violinwettbewerbe gewannen. Als
Solistinnen sind sie mittlerweile mit den renommiertesten Orchestern und Dirigenten auf Tournee und konzertieren in den Metropolen der Musikwelt und auf den großen Musikfestivals. Sie
engagieren sich in verschiedenen Kammermusikbesetzungen und sind auch auf dem CD-Markt gut vertreten. Auf dem Programm stehen das 1903 entstandene Violinkonzert des finnischen
Spätromantikers Jean Sibelius mit Alina Pogostkina, das zweite Violinkonzert des Russen Sergej Prokofjew aus dem Jahre 1935 mit Lisa Batiashvili sowie das 1806 komponierte Violinkonzert
Ludwig van Beethovens mit Baiba Skride. Gemeinsam werden die drei außerdem das "Capriccio für drei Violinen und Orchester" des französischen Komponisten Nicolas Bacri uraufführen.
Die drei Geigerinnen stellen sich mit je einem Satz aus einem Violinkonzert und in einem Kurzporträt vor.
Zusatzinfo: Das Konzert wurde am Sonntag, den 4. Juli 2010 für ARTE im Festspielhaus Baden-Baden aufgezeichnet.
Mehr Informationen zur Sendung kurz vor Ausstrahlung unter: www.arte.tv/geigen-gipfel
Auf www.arte.tv/geigen-gipfel finden Sie Video-Kurzporträts in Form von Interviews und Probeauszüge der drei Geigerinnen. Dieses Programm wurde in HD produziert.
Sonntag, 25.07. /23.25 Uhr / Jüdische Rapper und singende Rabbis in New York Dokumentation, Deutschland 2009, Originalfassung mit Untertiteln, NDR, Regie: Wendla Nölle
In der pulsierenden Metropole New York gelingt es den Musikern einer jungen
jüdischen Musikszene, Tradition und Moderne kunstvoll miteinander zu verbinden. Mitreißend und humorvoll, nachdenklich und berührend werden religiöse Aussagen mit Beat unterlegt.
Jeremiah Lockwood lässt sich in der U-Bahn-Station am New Yorker Times Square nieder und singt aus tiefster Seele. Menschen ziehen an ihm vorbei, zumeist mit hektischem Blick auf die Uhr,
denn New Yorker haben für gewöhnlich wenig Zeit. Und doch haben sie ihn bestimmt gehört, denn seine Musik ist einzigartig. Die jüdische Boyband "Blue Fringe" interpretiert
traditionelle jüdische Lieder mit Rockklängen, während der orthodox-jüdische schwarze Rapper namens Y-Love auch schon mal auf Aramäisch über jüdische Gebote und die Kabbala singt. Außerdem
sind da noch der Gitarre spielende Rabbiner Rav Shmuel und die Gruppe Balkan Beat, die zu den bekanntesten Bands Israels gehört und die die Musik ihrer Vorfahren mit elektronischen Beats
kombiniert, wozu sie leidenschaftlich den Frieden im Nahen Osten proklamiert. Die Porträts der einzelnen Künstler geben nicht nur einen direkten Einblick in einen bemerkenswerten Aspekt
heutiger jüdischer Kultur, sondern lassen verstaubte Klischees über altmodische und moralisierende religiöse Musik weit hinter sich. Der Glaube findet sich bei den jungen Künstlern mitten im
Alltag wieder, in ihrer Musik, die mit den altvertrauten Klezmer-Klängen rein gar nichts zu tun hat. Die Dokumentation von Wendla Nölle zeigt das fantasievolle Spektrum dieser Musiker. Sie
begibt sich mit ihnen auf eine Reise in einen unentdeckten Teil New Yorks, in die alten jüdischen Stadtviertel, in denen noch der Geruch eines anderen Jahrhunderts durch die kleinen
Nebenstraßen weht, während aus den Caféhäusern und Tonstudios die aufregende Musik von morgen erklingt.
ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in einer "Streaming"-Fassung auf ARTE+7 bereit.
Montag, 26.07. / 07.30 Uhr / Palettes: Figuren des Unsichtbaren ~ Kandinsky - Moskau 1866 - Paris 1944 Regie: Alain Jaubert
Dünne, luftig aufgetragene Pastellfarben und geometrische Grundformen - Kandinskys Gemälde "Gelb - Rot - Blau" gilt
als eines der wichtigsten Beispiele für abstrakte Kunst. Und tatsächlich malt Kandinsky (1866-1944) Anfang des 20. Jahrhunderts als einer der allerersten beharrlich nicht-figurative Werke und
stellt auch als einer der Ersten eine Theorie über diese abstrakte Kunstform auf. "Palettes" beleuchtet Kandinskys Kunsttheorie und entschlüsselt das avantgardistische Gemälde, das
heute Bestandteil der Sammlung des Pariser Centre Pompidou ist.
Eine wolkig aufgetragene Komposition mit farbigen Abstufungen - das Bild "Gelb - Rot - Blau" aus dem Jahr 1925
entstand, als Kandinsky am Bauhaus lehrte. Auch dieses Bild ist eine künstlerische Umsetzung dessen, was der 60-jährige Maler seinen Studenten über Farbe und analytisches Zeichnen beibrachte
und in seinen Werken theoretisch formulierte. In Kandinskys Bildern jener Zeit sind die immer wiederkehrenden Grundfarben und geometrischen Grundformen - Dreieck, Quadrat, Kreis - fast zu
epischen Gestalten geworden. Kandinsky zufolge bringt die Form den Inhalt zum Ausdruck. Muss man erst die geheime Sprache des Malers und seiner Kunsttheorie kennen, um die abstrakten Bilder
Kandinskys zu verstehen? "Palettes" zeichnet die Lebensgeschichte des in Moskau geborenen und später nach München übergesiedelten Malers nach, um eine Antwort auf diese Frage zu
finden. Am Anfang von Kandinskys Gesamtwerk stehen neoimpressionistische Landschaften oder auch mittelalterliche russische Märchenillustrationen im Fin de Siècle-Stil. Er gründet mehrere
Künstlervereinigungen in München, bevor 1911 eine seiner ersten theoretischen Abhandlungen erscheint, mit dem Titel "Über das Geistige in der Kunst". Mit Franz Marc gründet
Kandinsky 1911 die Gruppe der Blaue Reiter, eine kurzlebige expressionistische Strömung, die nur zwei Ausstellungen und einen Almanach zu verzeichnen haben wird. Die Dokumentation taucht
in die Geschichte von Kandinskys Werk ein und zeigt die unterschiedlichen Einflüsse, die in seinen Bildern Ausdruck fanden. Außerdem geht "Palettes" der Frage nach, wie sich in
Kandinskys Werk die Ablösung von der figurativen Malerei vollzieht - bis hin zu Kompositionen, komplexen Farb- und Formgefügen ohne erkennbare Gegenstände, die nur noch nach Abstraktion
suchen. Sind Kandinskys Bilder etwa Darstellungen der Aura der menschlichen Seele? Eröffnen Kandinskys rätselhaft glühende Bilder eine spirituelle Dimension? Dies mag dahingestellt sein,
"Gelb - Rot - Blau" jedenfalls lässt an die symbolistischen Jahre Kandinskys denken und ist sicherlich ein Versuch der dekorativen Strenge des Bauhauses etwas entgegenzusetzen.
Die Epoche des großen Geistigen, wie sie die Vertreter der avantgardistischen Kunst des 20. Jahrhunderts erhofften, ist ausgeblieben, aber die Bilder jener Künstler hängen in den Museen - den
neuen, modernen Wallfahrtsorten. Und sie bieten dem Betrachter von heute rätselhafte Katastrophen, widerstreitende Formen und furiose Kämpfe.
Montag, 26.07. / 10.10 Uhr / LeseHorizonte: Prag Regie: Virginie Linhart
Prags Charme und Architektur inspirierten schon Autoren wie Franz Kafka und Milan Kundera. Früher Literaturstadt schlechthin, ist Prag heute vom Massentourismus geprägt. Der bekannte
französische Journalist und Schriftsteller Patrick Poivre d'Arvor taucht in der heutigen Sendung der Reihe literarischer Entdeckungsreisen ein in die wechselvolle tschechische Geschichte und
liefert einen Einblick in das zeitgenössische literarische Leben dieser Museumsstadt.
"Ich bin ein Fremder wie Sie, aber ich kenne Prag und seine Schönheiten gut genug, um Sie
einzuladen, mich durch die Stadt zu begleiten", schrieb der Dichter Apollinaire. Selten hat die Hauptstadt eines kleinen Landes durch ihren Charme, ihre Architektur, ihre Geschichte so
viele Schriftsteller inspiriert, sowohl einheimische als auch Besucher. Prag war lange die Literaturstadt par excellence. Die Stadt ist die Heimat von Franz Kafka, Milan Kundera und Václav
Havel, um nur die berühmtesten zu nennen. Ist Prag für die tschechischen Schriftsteller auch heute noch ein Ort der Inspiration? Wie gestaltet sich das literarische Leben in einer
Museumsstadt, die seit dem Ende des Kommunismus eines der beliebtesten Reiseziele des Massentourismus geworden ist? Patrick Poivre d'Arvor bietet einen breiten Überblick über die Geschichte
des Landes, der Stadt und ihrer Literatur: Der im In- und Ausland sehr erfolgreiche Schriftsteller Jáchym Topol zeichnet in seinen Romanen ein schonungsloses Bild der verlorenen jungen
Generation nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes. Der führende Kopf der neuen tschechischen Literatur führt durch "sein" Prag, das zuweilen an Venedig erinnert. Die
Spuren führen zu dem romantischen Dichter Karel Hynek (eigentlich Ignaz) Mácha, zu dem früher geächteten, heute geehrten Franz Kafka und zu den Vertretern der zeitgenössischen tschechischen
Literatur: Václav Havel, Arnost Lustig, Pavel Kohout, Ludvík Vaculík (mit seinem "Manifest der 2.000 Worte" ein Wegbereiter des "Prager Frühlings"), Ivan Klíma, die nach
Schikanierung, Inhaftierung, Verbot und Exil heute anerkannt und weltweit übersetzt sind. Ihre Werke und ihr Leben sind geprägt vom wechselvollen Schicksal des kleinen Landes im Spannungsfeld
der Weltgeschichte. Weitere Interviewpartner sind: Milena Oda und Radka Denemarková (Jahrgang 1968), die in ihrem Roman "Ein herrlicher Flecken Erde" (2009) die verdrängte
deutsch-tschechische Nachkriegsgeschichte behandelt. Für dieses Werk wurde sie 2007 mit dem Magnesia Litera, dem angesehensten tschechischen Literaturpreis, ausgezeichnet. Zwei Vertreter der
jüngeren Generation, Petra Hulová und Jaroslav Rudis, sprechen über ihre Inspirationsquellen, ihre Liebe zur Literatur und ihre weit über Prag hinausreichende innige Beziehung zu Böhmen.
Zusatzinfo: Das Konzept der Reihe stammt von dem weit gereisten Journalisten und Schriftsteller Patrick Poivre d'Arvor. Er führt in die Literatur der von ihm besuchten Länder ein und
führt Gespräche mit berühmten Schriftstellern und Nachwuchsautoren. So wird dem Zuschauer eine fremde Gesellschaft mit ihrer reichhaltigen Literatur und Kultur sowie ihrer Lebensweise
nahegebracht. Für die Auswahl der Länder und Gesprächspartner zeichnet Patrick Poivre d'Arvors Bruder, der Schriftsteller Olivier Poivre d'Arvor, verantwortlich. Er leitet auch
"CulturesFrance", die dem Goethe-Institut entsprechende Institution zur Verbreitung der französischen Kultur im Ausland.
Dienstag, 27.07. / 07.30 Uhr / Palettes: Engel und Henker ~ Michelangelo Merisi genannt Caravaggio
Regie: Alain Jaubert
Wie kaum ein anderer wusste der italienische Maler Caravaggio (1571-1610) biblische Szenen so lebensnah und die Gestik seiner Gestalten so
dramatisch zu gestalten, dass sie den Betrachter mitten ins Geschehen versetzen und ihm nahe gehen. Der Zyklus des Matthäus (1599-1602) - noch heute zu bestaunen in der Contarelli-Kapelle San
Luigi dei Francesci in Rom - ist nur ein Beispiel dieser meisterlichen Kunst und war übrigens Caravaggios erster Auftrag, ein religiöses Thema umzusetzen. "Palettes" geht der
Entstehungsgeschichte des prachtvollen Werkes nach und bringt mit Hilfe von Röntgenuntersuchungen unterschiedliche Entwürfe der Martyriumsszene ans Licht.
Im Jahr 1565 erwarb der
Prälat der französischen Gemeinde in Rom, Mathieu Cointrel, italienisiert Matteo Contarelli, eine Kapelle in der Kirche San Luigi dei Francesci nahe der Piazza Navona in Rom. Als er 20 Jahre
später starb, gab sein Testamentsvollstrecker bei Cavaliere d' Arpino eine Ausschmückung in Auftrag. Der Maler gestaltete das Deckengewölbe, aber dabei blieb es auch.
Die Verwalter der
Kapelle beschlossen 1599, die Kapelle für den Gottesdienst zu öffnen. Deshalb kam es auch zu zwei Verträgen, die einem gewissen Michelangelo Merisi da Caravaggio - damals erst 28 Jahre alt -
die Gestaltung der beiden Seitenwände übertrugen. Bereits ein Jahr später hatte dieser seinen Auftrag ausgeführt. Daraufhin bestellte man ein Altarbild bei ihm. Die erste Ausführung wurde
als "zu vulgär" abgelehnt. Dieses erste Bild, das von einem Sammler erworben wurde, existiert heute nicht mehr: Es wurde 1945 bei einem Bombenangriff auf Berlin zerstört. Nach der
Zurückweisung durch die Priester fertigte Caravaggio jedoch in wenigen Wochen eine zweite Fassung an, die Anklang fand. Auf diese Weise wird die ansonsten mit farbigem Marmor ausgekleidete
Kapelle im Jahr 1602 vollendet. Auf dem über dem Altar hängenden Gemälde empfängt der Evangelist die Inspiration vom Engel. Nach dem Willen des Auftraggebers sollten die Gemälde der
Seitenwände Berufung und Martyrium des Heiligen Matthäus, des Schutzpatrons der Kirche, darstellen. Links hängt die in Dämmerlicht getauchte "Berufung". Sieben Männer erscheinen in
einem Raum ohne Tiefe. Bis auf Christus und Petrus tragen die Protagonisten zeitgenössische Bekleidung. Rechts tritt Christus ins Bild und streckt die Hand aus. Petrus nimmt die Geste in
Richtung des Zöllners Matthäus auf, der gerade Geld zählt. Gesten, Gegenstände, Beleuchtung und Gesichter fügen sich zu einer lebendigen Szene, die eine Evangeliumsgeschichte in vielen
Einzelheiten erzählt. Auf der rechten Seitenwand hängt das "Martyrium": Die 13 Protagonisten sind Henker, mehrere Zeugen, Opfer und Engel. Die Gestaltung der Bildfläche ist
einmalig in der Geschichte der Malerei: In der Mitte bilden der Körper des Henkers und der des Matthäus eine Dreiecksfigur, um die herum sich kunstvoll ausbalanciert die gegeneinander
abgesetzten Gruppen anordnen. Röntgenuntersuchungen zeigen, dass der ursprüngliche Entwurf ganz anders war und dass Caravaggio, von dem keine Entwürfe enthalten sind, hier unmittelbar auf der
Leinwand und mit atemberaubend schnellem Pinselstrich improvisierte.
Donnerstag, 29.07. / 07.30 Uhr / Palettes: Nicolas Poussin ~ Das wunderbare Beben der Zeit - Die vier Jahreszeiten Regie: Alain Jaubert
Ein Berg in der Ferne, Bäume, ein Wasserlauf, in dem Vögel schwimmen, blumenübersäte Wiesen, auf einer Wolke eine Gestalt mit
weißen Haaren, ein Mann und eine Frau unter einem Baum, sie sind nackt. Dieses Bild ist Teil einer Serie, "Die vier Jahreszeiten", die Nicolas Poussin in Rom zwischen 1660 und 1664
im Auftrag des Herzogs Richelieu malte. "Palettes" untersucht das technisch ausgereifte Spätwerk Poussins und durchleuchtet die Hintergründe der komplexen und symbolreichen
Bilderserie.
Während seiner letzten Jahre in Rom malte Nicolas Poussin für den Herzog Richelieu vier Bilder zu verschiedenen Jahreszeiten. Diese Bilderserie, die als das malerische
Testament Poussins angesehen wird, ist Ausdruck einer technisch ausgereiften Kunst und zugleich eine wahre Synthese aller Elemente des Spätwerks des Künstlers. In ihr zeigen sich aber auch
die Spuren seines Alters und seiner Krankheit, die durch die unsichere und äußerst kurze Pinselführung sichtbar werden. Poussin, der der Farbgebung der Venezianer treu geblieben war,
erreicht in engem Zusammenhang mit Inhalt und Aussage des entsprechenden Bildes erstaunliche Farbspiele. "Die vier Jahreszeiten" sind zugleich die vier Phasen der Erlösung, die vier
Abschnitte des Tages, die vier Zeitalter der Menschheitsgeschichte und vor allem die vier Evangelien der Bibel.Die unterschiedlichen thematischen Darstellungen dieser Serie lassen eine enge
Verbindung zwischen der biblischen Erzählung und der klassischen Mythologie erkennen. Poussin fasst sein ganzes malerisches Können zusammen und legt eine Art Pantheismus in seine Bilder, wie
er auch bei Vergil anzutreffen ist.
Donnerstag, 29.07. / 20.15 Uhr / Rhythmus hinter Gittern (Jailhouse Rock) Spielfilm, USA 1957, ARTE F, Regie: Richard Thorpe; Buch: Guy Trosper; Kamera: Robert J. Bronner; Schnitt: Ralph E. Winters; Musik: Jeff Alexander; Produzent: Pandro S. Berman,
Kathryn Hereford; Produktion: Avon, MGM Mit: Elvis Presley - (Vince Everett), Judy Tyler - (Peggy Van Alden), Mickey Shaughnessy - (Hunk Houghton), Vaughn Taylor - (Mr. Shores), Jennifer
Holden - (Sherry Wilson), Dean Jones - (Teddy Talbot), Anne Neyland - (Laury Jackson)
Im Zuge einer Kneipenprügelei schlägt Vince Everett unbeabsichtigt seinen Gegner tot. Im Gefängnis
bringt ihn sein Zellengenosse Hunk Houghton auf die Musik - mit Erfolg: Vince gibt ein Knast-Konzert für das Fernsehen. Hunk erkennt sein Talent und nimmt Vince unter Vertrag. Doch schon bald
wird Vince freigelassen. Mit Hilfe einer jungen Plattenfirma-Assistentin könnte er bald zum Rockstar aufsteigen, wenn da nicht noch alte Rechnungen offen wären ...
Bei einem Streit in
einer Bar schlägt der temperamentvolle Vince Everett einen Fremden nieder, um dessen Frau vor ihm zu schützen. Dabei stirbt der Mann, woraufhin Vince wegen Totschlags zu 14 Monaten Haft
verurteilt wird. Im Gefängnis entwickelt er sich zu einem gefühlskalten Zyniker. Doch mit Hilfe seines Zellengenossen, des Countrysängers Hunk Houghton, erlernt Vince Gesang und
Gitarrenspiel. Das Ergebnis: Nach einer gelungenen Show hinter Gittern, die im Fernsehen übertragen wird, wittert Hank ein neues Gesangstalent und lässt Vince einen Vertrag unterschreiben,
der ihm die Hälfte seiner Einkünfte sichert. Nach seiner Freilassung lernt Vince die junge Werbeassistentin eines Musiklabels, Peggy Van Alden, kennen. Zusammen gründen sie ihre eigene
Plattenfirma: Unter Peggys Regie startet Vince durch nach ganz oben, ohne zu bemerken, dass sich seine Geschäftspartnerin in ihn verliebt hat. Nichts und niemand scheint den arroganten
Jungstar auf seinem steilen Karriereweg bremsen oder gar aufhalten zu können. Doch eines Tages trifft Vince auf seinen ehemaligen Gefängniskumpel Hunk, der ihn lebensgefährlich am Kehlkopf
verletzt. Nun ist seine Rockstarkarriere gefährdet. Gelingt Vince und Peggy ein Neustart?
Zusatzinfo: Drehbuch nach einer Erzählung von Ned Young "Rhythmus hinter Gittern"
ist der dritte Film mit Rock'n'Roll Legende Elvis Presley (1935-1977), der parallel zu dessen gleichnamigem Nummer-Eins-Hit "Jailhouse Rock" in die Kinos kam und wenn auch nicht die
Kritiker, aber umso mehr die Fans begeisterte. Richard Thorpe (1896-1991) galt als Spezialist für Low-Budget-Komödien und Westernfilme. Im Studiosystem Hollywoods der 30er Jahre war
"Mr. One Take" ein äußerst beliebter Regisseur der MGM, da er Szenen und Filme zumeist schnell "im Kasten" hatte. Innerhalb seiner über 40 Jahre langen Karriere drehte
Thorpe 185 Filme, darunter die Meisterwerke "Ivanhoe - Der schwarze Ritter" mit Elizabeth Taylor sowie "Im Schatten der Krone" ("The Prisoner of Zenda"), beides
Klassiker des Abenteuerfilms von 1952. Mit "Jailhouse Rock" und dem "King of Rock'n'Roll" ist Richard Thorpe abermals ein solider Unterhaltungsfilm geglückt, der von Elvis
und seiner Musik lebt: "Everybody, let's Rock!" Neben "Jailhouse Rock" enthält der Soundtrack des Films unter anderem die berühmten Elvis-Songs "Treat Me Nice",
"Young and Beautiful", "I Want to Be Free", "Don't Leave Me Now" und "Baby, I Don't Care". Presley erhielt 250.000 Dollar Gage und 50 Prozent der
Filmeinnahmen. Die 24 Jahre junge Darstellerin Judy Tyler (in der Rolle der "Peggy") verstarb noch im gleichen Jahr bei einem Verkehrsunfall. 2004 wurde "Rhythmus hinter
Gittern" in die National Film Registry der Library of Congress aufgenommen. "Die billige Produktion mit einem Drehbuch, das nicht weniger als 30 Songs ermöglichte, gehörte in den
USA zu den zehn erfolgreichsten Kinofilmen des Jahres 1957", schreibt das Lexikon des internationalen Films. Mehr Informationen unter: www.arte.tv/summer Dieses Programm wurde in HD produziert.
Donnerstag, 29.07. / 21.45 Uhr / Birth of Rock (1/4) Regie: Stefanie Schäfer
1955 - 1966: Ein musikalischer Urknall verändert die Welt und bringt ein Universum neuer Stile hervor. Die vierteilige Dokumentationsreihe "Birth of ..." begibt sich an die
Anfänge unserer Popkultur und verfolgt die Geburtsstunde neuer musikalischer Formen. Beobachtet sie beim Laufenlernen und begleitet ihren Erfolg: Rock'n'Roll, Soul, Cool und Pop - jene
Galaxien, die in ihrer Gesamtheit nicht mehr und nicht weniger bedeuteten als eine kulturelle Revolution.
Der erste Teil der Reihe begibt sich mit der Rockabilly-Formation Baseballs
nach Memphis, wo alles begann. Zeigt, wie die Rhythm & Blues-Kultur der Schwarzen sich mit der Haltung des "White Trash" verband. Das Ergebnis: Elvis Presley. Der
Lastwagenfahrer adaptierte, was er mit seinen kulturellen Wurzeln - einer Mischung aus Country-Schnulzen, Gospel-Musik, Blues-Shoutern, dem Soundtrack der schwarzen Radio-Stationen wie dem
Lifestyle der Schwarzenviertel - ins Leben mitgebracht hatte. So avancierte der "King of Rock'n'Roll" zum alles überragenden Symbol des Rock'n'Roll. Die Dokumentation begibt sich
auf Spurensuche und spricht unter anderem mit dem legendären Songwriterduo Leiber & Stoller, die den Welthit "Hound Dog" komponierten - und ebenso mit der Rock'n'Roll-Ikone
Wanda Jackson, die erläutert, wieso der Rock'n'Roll so offensiv von Männern dominiert wurde. Die Musikethnologin und Feministin Portia Maultsby flankiert diese Aussagen beim Treffen in New
Orleans. Über die amerikanischen Soldatenradios wurde der Rock'n'Roll nach Europa exportiert - Bill Ramsey, der einst dort moderierte, erläutert die AFN-Story. Gebannt vor dem Radio saßen
auch Ted Herold in Deutschland und Dick Rivers in Frankreich. Sie berichten von den Erfahrungen mit dieser so wilden, so rauen und völlig neuen Musik diesseits und jenseits des Rheins, die
insbesondere in Frankreich erst in den 60er Jahren so richtig zu wirken begann - initiiert auch von Dick Rivers' "Les Chats Sauvages". Der Rock'n'Roll wurde vereinnahmt und
kommerzialisiert. So entstand eine multimedial gefütterte Teenagerkultur zwischen Jukebox und Milchbar, Kino, tragbaren Plattenspielern und Vinylsingles. Pat Boone, der softe Gegenspieler zu
Elvis Presley und Konkurrent um die Gunst junger Mädchen, weiß von der süßen Schönheit der Teenieästhetik zu berichten, die bis heute ungebrochen fortlebt.
Zusatzinfo: Rock'n'Roll,
Soul, die Hipster des Jazz und die Popkonzepte der 60er Jahre haben die Blaupause für musikalische Haltungen und Sounds geschaffen, die bis heute nachhaltig wirksam sind. In einer Kombination
aus Neudrehs, Archivmaterial, Zeitzeugeninterviews und Gesprächen mit derzeitigen Fans des jeweiligen Genres entsteht ein breites und facettenreiches Panorama der Geschichte unserer Gegenwart.
Mehr Informationen unter: www.arte.tv/summer Parallel zur ARTE-Programmierung bietet arte.tv dem
User mit einem crossmedialen Spiel, kommentierten Playlists und Videoerinnerungen bekannter Persönlichkeiten der 60er Jahre ein umfangreiches Web-Angebot: www.arte.tv/summer
Donnerstag, 29.07. / 22.50 Uhr / Elvis: '68 Comeback Special Musik, USA 1968, ARTE F
Regie: Steve Binder
Nachdem Elvis Presley in den 60er Jahren überwiegend harmlose Unterhaltungsfilme gedreht hatte, läutete er mit diesem TV-Special von 1968 sein Comeback auf der
Bühne ein. Der King, ganz in schwarzem Leder gekleidet, singt seine größten Hits und zeigt sich in dieser legendär gewordenen NBC-Sendung auf der Höhe seines Erfolgs.
In den 50er
Jahren war Elvis Presley der Anführer der Rock'n'Roll-Revolution in der Popmusik und -kultur. In den 60ern widmete er sich vor allem seiner Filmkarriere. 1968 feierte er nach über
siebenjähriger Bühnenabstinenz sein Konzertcomeback. In dieser für das Fernsehen aufgezeichneten Show singt Elvis in seinem legendären schwarzen Lederanzug allein auf der Bühne seine
berühmtesten Hits und erscheint in Auftritten, die als Vorläufer der heutigen Unplugged-Sessions gelten. Zwischen zwei Songs scherzt er in vertrautem Ton mit seinen Musikerkollegen aus
alten Tagen und erzählt Anekdoten. Mal sanft-verführerisch, mal wild-rock'n'rollig, allein oder seinem Fanpublikum nahe, zieht er seine Show ab. Musicalartig inszenierte Sequenzen zeigen ihn
bei reinem Gospelgesang, als einsamen Salooncowboy und zusammen mit Gangstern in einem Chicagoer Club. All das in orientalisch anmutendem, glitzerndem 70er-Jahre-Ambiente. Elvis Presley
singt viele der Titel, die ihn berühmt machten: "That's All Right", "Heartbreak Hotel", "One Night", "Blue Suede Shoes", "Are You Lonesome
Tonight?" und "Love Me Tender". Außerdem interpretiert er Jimmy Reeds Song "Baby What Do You Want Me To Do" sowie unbekanntere Stücke wie "Tryin' To Get To
You" und "When My Blue Moon Turns To Gold Again".
Zusatzinfo: Mehr Informationen unter: www.arte.tv/summer Parallel zur ARTE-Programmierung bietet arte.tv dem User
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Donnerstag, 29.07. / 00.05 Uhr / Classic Albums: Elvis Presley Regie: Jeremy Marre
"King of Rock'n'Roll" - dieser Beiname gebührt allein ihm: Elvis Presley kreierte in den 50er Jahren in den USA einen völlig neuartigen Sound, der sich weltweit
millionenfach verkaufte. Ab 1956, dem Erscheinungsjahr seines Debütalbums, setzte in den USA und kurz darauf auch in Westeuropa eine regelrechte Massenhysterie um das Teenageridol ein.
"Classic Albums" taucht ein in die Frühgeschichte des Rock'n'Roll, mit den überlebenden Zeitzeugen des Gründungsaktes: So wird die Entstehungsgeschichte von Elvis Presleys
Debütalbum zur echten Geschichtsstunde. Trotz der wenigen Archivbilder, denn das Konzept des Making-of gab es damals noch nicht, und des stolzen Alters der Protagonisten gelingt es dem
Film, zu vermitteln, warum und inwiefern die Einspielung dieses Albums ein Meilenstein für den Rock war - und für Elvis ein persönlicher Sieg. Elvis schaffte es geradezu instinktiv, mit
seinem Starstatus und den Erwartungen seiner Plattenfirma zu jonglieren und das Album nach seinen eigenen Vorstellungen zu gestalten. Der Film beschreibt die Jahre bei den Sun-Studios und
verweilt ein wenig bei "Heartbreak Hotel", seinem ersten Nummer-Eins-Hit in den Billboard-Single-Charts. Die Dokumentation zeugt außerdem von einer Zeit, in der die Musik in ihrem
Wesen noch nicht von der Technologie verfälscht war. "Es gab damals noch keine Equalizer. Für höhere Töne entfernte man sich vom Mikrofon, für tiefere Töne ging man näher heran",
erklärt der Gitarrist Scotty Moore. Alles war ganz einfach.
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ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in einer "Streaming"-Fassung auf ARTE+7 bereit.
Freitag, 30.07. / 07.30 Uhr / Palettes: Sassetta ~ Rekonstruktion eines Altaraufsatzes Regie: Alain Jaubert
Borgo San Sepolcro, eine kleine Stadt, an der Grenze zwischen der Toskana und Umbrien, nicht weit von Arezzo: Hier beschloss der Gemeinderat im Jahr
1304, in der Kirche des Franziskanerklosters einen Hochaltar errichten zu lassen. Gut ein Jahrhundert später, im Jahre 1426, geben die Franziskaner einem Tischler den Auftrag, einen Aufsatz
aus Holz für den steinernen Altar zu gestalten. Die Mönche bitten den Maler Stefano di Giovanni, die Holztafeln zu bemalen. Heute sind die 26 prächtig bemalten Tafeln über zehn verschiedene
Museen verstreut. Nur Alain Jaubert gelingt das, wovon Kunsthistoriker schon lange träumen: In der heutigen Sendung setzt er den größten und berühmtesten italienischen Flügelaltar aus dem
Jahr 1444 wieder zusammen.
In der heutigen Dokumentation gelingt Alain Jaubert ein Unterfangen, von dem jeder Kunsthistoriker nur träumen kann: Er fügt mittels Kamera- und Videotricks
die 26 Flügel des größten und berühmtesten italienischen Flügelaltars, vollendet im Jahr 1444, wieder zusammen. Stefano di Giovanni (1392-1450) oder auch Sassetta - wie er seit dem 18.
Jahrhundert genannt wird - malte sein "Polyptychon für San Francesco" ganze sieben Jahre lang, zwischen 1437 und 1444, in Siena, zu jener Zeit ein reges Zentrum künstlerischer
Aktivitäten. Es handelte sich um eine Auftragsarbeit für das bei Arezzo gelegene Franziskanerkloster von Borgo San Sepolcro. Schon im Jahre 1578 wurde das Altarblatt jedoch wieder abmontiert,
und im Laufe der Jahrhunderte wurden die einzelnen Fragmente verkauft und in alle Winde zerstreut. Heute befinden sich die 26 Teile in zehn verschiedenen Museen wie der National Gallery in
London, dem Kunstmuseum Berlin, dem Moskauer Puschkin-Museum, dem New Yorker Metropolitan Museum oder auch dem Pariser Louvre. Jedes dieser Tafelbilder enthält zahlreiche Hinweise, die es
ermöglichen, die Geschichte des Altaraufsatzes - und manchmal sogar den Platz des einzelnen Teils im Ensemble - zu rekonstruieren. Die Computergrafik erlaubt es, das Puzzle nach den
verschiedenen Varianten zusammenzusetzen, die die Forschung bis heute kontrovers diskutiert.
Freitag, 30.07. / 22.45 Uhr / From Wight to Wight Musik, Frankreich 2010, ARTE F, Erstausstrahlung
Regie: Philip Priestley
1970 kam "Hey Joe" von Jimi Hendrix, 2010 kommt "Hey Jude" von Paul McCartney: Das Jahr 2010 markiert das 40. Jubiläum des 1970 vorerst
letzten Isle of Wight Festivals, bei dem rund 600.000 Besucher zusammenströmten. ARTE zeigt Rückblicke vom Beginn des Festivals bis ins Jahr 2010, angefangen bei Bob Dylan bis hin zu Jay-Z,
The Strokes oder Pink in diesem Jahr. Der Journalist und Rockhistoriker Philippe Manoeuvre präsentiert und begleitet die Dokumentation.
"40 Jahre, nachdem Jimi Hendrix 'Hey Joe'
im Seaclose Park spielte, kommt jetzt endlich 'Hey Jude' zu uns. Ich kann's kaum erwarten", freut sich John Giddings, Promoter des Isle of Wight Festivals, über das diesjährige Event.
Das Isle of Wight Festival fand zunächst 1968, 1969 und 1970 statt, wovon das Dritte zu einer Art Mythos geworden ist: Schätzungsweise 600.000 Besucher strömten damals zusammen, um Stars wie
Joni Mitchell, Leonard Cohen, The Moody Blues, Joan Baez, The Who, Donovan und Melanie live auf der Bühne zu sehen. Das Festival schrieb aber auch Rockgeschichte, weil Jimi Hendrix, der drei
Wochen später starb, dort seinen letzten großen Auftritt hatte. Dieser endete spektakulär: Jemand steckte die Bühne in Brand und setzte damit - wenn auch ungewollt - den Abschied von den
"Fabulous Sixties" symbolisch in Szene. Das Isle of Wight Festival reihte sich ein in Popfestivals, die im Zuge der Hippiewelle Ende der 60er Jahre auf dem Gipfel ihrer
Popularität waren. Bereits beim zweiten Festival im Jahre 1969 strömten über 250.000 Besucher auf die Insel und folgten damit dem Schlachtruf: "Help Bob Dylan sink the Isle of
Wight!" ("Helft Bob Dylan, die Isle of Wight zu versenken!"). Seit 2002 zieht das Isle of Wight Festival in Neuauflage jährlich Zehntausende Besucher an und ist seither
wieder eines der populärsten Sommerevents in Großbritannien. Jetzt, 40 Jahre nach dem Stück Rockgeschichte von 1970, ist es mit dem bevorstehenden Auftritt von Paul McCartney an der Zeit, die
Parole Bob Dylans wieder aufleben zu lassen. Der Ex-Beatle ist der Headliner des Isle of Wight Festivals 2010 und wird das Musikevent mit seinem Auftritt am 13. Juni beschließen. Vorher
werden ab dem 11. Juni auf der vorgelagerten britischen Insel Weltklasse-Acts wie Jay-Z, The Strokes, Blondie, Pink, Florence and the Machine, Vampire Weekend, The Editors und Melanie zu
sehen und zu hören sein.
Zusatzinfo: Der Journalist und Rockhistoriker Philippe Manoeuvre präsentiert und begleitet die Dokumentation. Mit Zeitzeugenberichten, Archivmaterial und
Ausschnitten aus aktuellen Rockkonzerten spannt er den Bogen zwischen dem zum Mythos gewordenen 70er Jahre Festival und seiner aktuellen Neuauflage. Mit einem nostalgischen Rückblick auf
das fulminante Ereignis, das 1970 alle Generationen des Rock'n'Roll versammelte, schildert der Film, wie der Hippietraum der 60er Jahre zu Grabe getragen wurde, und verdeutlicht gleichzeitig,
wie sehr die Rockmusik bis in die Gegenwart unsere Kultur prägt.
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Samstag, 31.07. / 00.30 Uhr / Metropolis (1): Jimi Hendrix
(2): Ungeschnitten: The Vienna Vegetable Orchestra (3): Yves Saint-Laurent und der Damen-Smoking (4): Gestohlene Bilder (5): Découflé au Crazy Horse
(6): Park Chan-wook und die Vampire (7): Literarisches Gespräch: Juli Zeh
(1): Jimi Hendrix Jimi Hendrix' Karriere war kurz, aber nachhaltig: Sein unnachahmliches Gitarrenspiel,
seine enorme Bühnenpräsenz und seine Hits haben Geschichte gemacht. Louis Bertignac, Jean-Claude Rapin und Yazid Manou erklären den Mythos Hendrix.
(2): Ungeschnitten: The Vienna Vegetable Orchestra Das aus elf Musikern bestehende Vienna Vegetable Orchestra spielt auf handgemachten Instrumenten aus frischem Gemüse. Es hat auch eigene
Instrumente erfunden wie Paprikatröte (ein Blasinstrument aus einer ausgehöhlten, durchlöcherten Möhre und einer halben Paprikaschote), Gurkophon und Lauchgeige. Oft zerbrechen die
Instrumente während des Konzerts. Und danach werden sie zu einer Suppe verarbeitet.
(3): Yves Saint-Laurent und der Damen-Smoking Yves Saint-Laurent verdanken die Frauen das Recht,
die Treppe des Festivalpalastes von Cannes anders als im Satinkleid hinaufzusteigen: Er schenkte ihnen den Smoking! Aus dem noblen Abendanzug für Männer machte er ein Symbol
weiblich-eleganter Kleidung. "Metropolis" beleuchtet die Entstehungsgeschichte des super-schicken Hosenanzugs.
(4): Gestohlene Bilder In "Le Musée Invisible" von
Nathaniel Herzberg (Éditions du Toucan) sind Gemälde von Picasso, Renoir oder Vermeer abgebildet, die man sonst nirgendwo findet: Sie wurden gestohlen, danach wahrscheinlich an ziemlich
skrupellose Sammler verkauft. Manche wurden zerstört oder gingen verloren. Bis zum Erfolg der polizeilichen Ermittlungen bleiben lediglich die in dem Buch versammelten Abbildungen.
"Metropolis "beleuchtet den sich weltweit ausdehnenden illegalen Kunsthandel und einige spektakuläre Fälle.
(5): Découflé au Crazy Horse Seit dem vergangenen Jahr entwirft
Philippe Decouflé die Shows für das berühmte Pariser Variétee Crazy Horse. "Désirs" (dt.: Wünsche) heißt eine Show. Der Choreograph und Zeremonienmeister der Abschlussshow der
Olympischen Winterspiele 1992 in Albertville war gewohnt, mit eigenwilligen Balletttänzern zu arbeiten, jetzt leitet er die "uniformierten" Mädchen vom Crazy Horse mit hochhackigen
Schuhen und identischem Ponyschnitt. Wie ist es Découflé gelungen, die althergebrachten Codes des Crazy Horse zu erneuern?
(6): Park Chan-wook und die Vampire Nach dem aggressiven
"Oldboy" ist jetzt "Durst" auf DVD erhältlich. Der südkoreanische Regisseur und Autor Park Chan-wook hat die blutigen Abrechnungen zugunsten einer Vampirgeschichte
aufgegeben, von deren Verfilmung er schon seit Jahren träumte. In diesem deprimierenden und tragischen Melodram verwandelt sich ein Priester, gespielt von Song Kang-ho, nach einem
medizinischen Experiment in einen Vampir. Von jetzt an kämpft er, um seine Seele zu retten und seinen Trieben zu widerstehen.
(7): Literarisches Gespräch: Juli Zeh Juli Zeh ist
Juristin und hat schon während ihres Studiums begonnen, sich literarisch zu betätigen. Die juristische Ausbildung hat ihren Umgang mit Worten geschärft, und umgekehrt fließt ihr juristisches
Verständnis in ihre Romane ein, wenn es zum Beispiel um die Freiheit des Einzelnen, moralische Fragen oder gesellschaftliche Entgleisungen geht. Ihr jüngstes Werk heißt "Corpus
Christi", das demnächst auch auf Französisch erscheint, nachdem die erste französische Übersetzung von Juli Zehs "Spieltrieb" (frz. Titel: "La fille sans qualités")
große Beachtung fand.
Mehr Infos unter: www.arte.tv/metropolis
Sonntag, 01.08. / 07.30 Uhr / Palettes: Euphronios: Von Euphronios gemalt Regie: Alain Jaubert, Pascal Vimenet
Der griechische Vasenmaler und Töpfer Euphronios (circa 535-470 vor Christus) ist einer der bedeutendsten Vertreter des frühen
rotfigurigen Stils. Sein Werk steht am Übergang von der Spätarchaik zur Frühklassik und führt die Kunst der Vasenmalerei auf ein bis dahin unerreichtes Niveau. Sein bekannter Kelchkrater, ein
antikes Gefäß zum Mischen von Wein und Wasser, zeigt Herakles im Kampf mit dem Giganten Antaios. Dieser ist heute im Louvre zu sehen. "Palettes" untersucht Euphronios' Stil, die auf
der Keramik angewandte Maltechnik und den Verwendungszweck dieser bereits in der Antike begehrten Sammlerobjekte.
"Palettes" - ab 26. Juni bis 19. August täglich (außer mittwochs) immer gegen 7.30 Uhr.
Euphronios (circa 535-470 vor Christus) wurde kurz nach Aufkommen der rotfigurigen
Malerei geboren. Seine Schaffenszeit als Vasenmaler und später als Töpfer fiel in die Zeit der Wirren zwischen dem Beginn der Athener Demokratie und dem Ende der Perserkriege. Politisch und
künstlerisch war diese Epoche durch das Ende der archaischen Zeit und den Anbruch einer Übergangszeit geprägt. Euphronios und seine Gesellen übernahmen schon bald die der Keramik eigene
Rotfigurentechnik: Anders als bei der schwarzfigurigen Malerei wurde die von Ornamenten und Mustern umgebene Binnenzeichnung nicht mehr eingeritzt, sondern aufgemalt. Die sich daraus
ergebenden, sehr differenzierten Gestaltungsmöglichkeiten erweiterte Euphronios im Laufe seines Schaffens und führte die Kunst der Vasenmalerei auf ein bis dahin unerreichtes Niveau. Sein
bekannter Kelchkrater, der Herakles im Kampf mit dem Giganten Antaios zeigt, beschreibt eine berühmte Szene der griechischen Mythologie. Er gehört mittlerweile zu den schönsten Exponaten der
Sammlung griechischer Vasen im Pariser Louvre.
Sonntag, 01.08. / 10.05 Uhr / Michael Collins und Julien Quentin in Verbier: Mozart, Carl Maria von Weber Regie: Dominique Pernoo Zwischen Juli und August verwandelt das Festival von Verbier den Schweizer Kanton Wallis in ein wahres Paradies für
Musikliebhaber: Vor dem herrlichen Bergpanorama wird dort jedes Jahr ein erlesenes Programm mit hochkarätigen Musikern geboten. In diesem Konzert, das im Sommer 2007 aufgezeichnet wurde,
interpretieren der britische Klarinettist Michael Collins und der französische Pianist Julien Quentin Werke von Mozart und Carl Maria von Weber. Auf dem Programm: Mozarts Sonate für Violine
und Klavier Nr. 32 B-Dur (K 454) "Strinasacchi", transkribiert für Klarinette von Michael Collins und das "Grand Duo concertant" für Klarinette und Klavier in Es-Dur, op.
48, von Carl Maria von Weber. Dieses Programm wurde in HD produziert.
Sonntag, 01.08. / 11.05 Uhr / Nelson Freire in Verbier: Bach, Beethoven, Debussy, Albeniz, Schumann Regie: Dominique Pernoo
Im Jahr 2007 gab der brasilianische Pianist Nelson Freire ein glanzvolles Konzert auf dem Schweizer Verbier Festival. In
der Konzertaufzeichnung sind die Werke von Bach/Busoni, "Nun komm' der Heiden Heiland" BWV 659, die "Sonate Nr. 2" op. 53 Waldstein von Beethoven, "Children's
Corner" von Debussy, "Tango" von Albeniz und "Arabeske op. 18" von Schumann zu hören.
Zusatzinfo: Nelson Freire - 1944 in Brasilien geboren - begann im
Alter von drei Jahren mit dem Klavierspiel. Seine Lehrer waren Nise Obino und Lucia Branca, die wiederum von einem Liszt-Schüler unterrichtet worden war. Seinen ersten öffentlichen Auftritt
hatte Freire im Alter von fünf Jahren mit Mozarts Klaviersonate A-Dur KV 331. Mit zwölf Jahren gewann er mit der Aufführung von Beethovens fünftem Klavierkonzert "Emperor" den
Internationalen Klavierwettbewerb von Rio de Janeiro (Jury: Marguerite Long, Guiomar Novaes, Lili Kraus), worauf er ein Stipendium erhielt. Dieses ermöglichte ihm, in Wien bei Bruno
Seidlhofer zu studieren. Sieben Jahre später gewann Nelson Freire sowohl die Dinu-Lipatti-Medaille in London als auch den ersten Preis beim Internationalen Vianna-da-Motta-Wettbewerb in
Lissabon. Er arbeitete mit herausragenden Dirigenten zusammen, wie Pierre Boulez, Riccardo Chailly, Charles Dutoit, Valery Gergiev, Fabio Luisi, Lorin Maazel, Kurt Masur, Ingo Metzmacher,
Rudolf Kempe - mit dem er viele Male durch die USA und Deutschland mit dem Royal Philharmonic Orchestra reiste - sowie Vaclav Neumann, Seiji Ozawa und Gennady Rozhdestvensky, um nur einige zu
nennen. Dieses Programm wurde in HD produziert.
Sonntag, 01.08. / 13.00 Uhr / Künstler hautnah: Clemens Krauss – Künstler Regie: Alyssa Verbizh
"Künstler hautnah" - das Rendezvous mit der internationalen Kunstszene. Die heutige Sendung ist dem Maler Clemens Krauss gewidmet. Der
Österreicher Clemens Krauss ist ein Durchstarter: Nach einem Doppelstudium von Medizin und Bildender Kunst beschäftigt er sich mit der Darstellung des menschlichen Körpers in einem
subversiven politischen und gesellschaftlichen Kontext. Mit dem ihm ganz eigenen Konzept von Malerei feiert der 30-Jährige große Erfolge.
Clemens Krauss, geboren 1979 in Graz, ist
Doktor der Medizin und studierte außerdem Bildende Kunst und Kunstgeschichte in Graz, Wien, Berlin und London. Neben seinen Wohnsitzen in Brasilien, Australien und Japan lebt und arbeitet
Clemens Krauss in Berlin. Das zentrale Interesse der Arbeit von Clemens Krauss gilt dem menschlichen Körper. Dabei entzieht sich sein Betätigungsfeld einer klaren Grenzziehung. Sein
jüngstes Projekt kratzt an der starren Definition des Begriffs "Genre": Anders als in der klassischen Malerei sind seine Figurenformationen nicht mehr an einen Hintergrund gebunden,
sondern treten aufgrund eines dicken Farbauftrags auf weißen Leinwänden dreidimensional heraus. "Sie schweben quasi wie gottlose Engel in einem undefinierten Raum. Es sind erhabene
Kleckse, die Clemens Krauss auf die Leinwand aufträgt", so der Kunstsammler Jean Mairet. Die großformatigen Bilder zeigen den Menschen in verschiedenen Posen, die den Medien entnommen
sind, zum Beispiel Zeitungs- oder Fernsehbildern von bedrohlichen Situationen wie etwa Kriegsszenarien oder gewalttätigen Ausschreitungen, aber auch dem alltäglichen Leben. Dabei untersucht
Krauss das menschliche Miteinander, die Wahrnehmung des Anderen oder auch die Sexualität, das heißt, soziale, politische und zwischenmenschliche Strukturen. In den vergangenen drei Jahren
war Krauss in mehreren Gemeinschaftsausstellungen vertreten, so 2008 in der Ausstellung "Die Jugend von heute" in der Schirn-Kunsthalle in Frankfurt und in "Anstoß Berlin -
Kunst macht Welt" in Berlin.
Zusatzinfo: Zu Wort kommen in der Sendung der Kunstsammler Jean Mairet, der Direktor der Galerie DNA Johann Nowak sowie der Kunstkritiker und Kurator Mark Gisbourne.
Mehr Infos unter: www.arte.tv/kuenstlerhautnah ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in einer "Streaming"-Fassung auf ARTE+7 bereit.
Sonntag, 01.08. / 19.15 Uhr / "Princess of Jazz": Aziza Mustafa-Zadeh Regie: Alexander C. Stenzel
Zwischen Amerika, Europa und Orient: Wenn die Sängerin und Pianistin Aziza Mustafa-Zadeh die Bühne betritt, kann man sich auf Überraschungen
gefasst machen. Die zarte, scheue Frau aus Baku, der am Kaspischen Meer gelegenen Hauptstadt Aserbaidschans, vereint an ihrem Flügel mit meisterhafter Souveränität verschiedene Stile und
Genres und verdichtet sie zu einer grandiosen Jazzsynthese. Mit einer umwerfenden Perfektion und Präzision beherrscht sie die ganze musikalische Bandbreite von kraftvoll perlenden
Klavierläufen, vertrackten Rhythmen bis hin zu ausgefallenen stimmlichen Improvisationen.
Aziza Mustafa-Zadeh passt in keine Schublade: Ihre Musik sprengt alle Kategorien. Bach, Chopin
und Giovanni Battista Pergolesi gehören zu ihren bevorzugten klassischen Komponisten. Doch ihr Vater Vagif, in seiner Heimat ein legendärer Star, hat ihr schon als Kind beigebracht, den
aserbaidschanischen Mugam, eine orientalischen Vokalimprovisation, mit dem Jazz zu verbinden. Ihre außergewöhnliche Stimme hat Aziza von der aus Georgien stammenden Mutter geerbt. Zudem
ist sie eine ausgezeichnete Pianistin. Bereits mit 17 gewann sie den Thelonious-Monk-Klavierwettbewerb in Washington. Seit Beginn der 90er Jahre lebt Aziza Mustafa-Zadeh vorwiegend in
Deutschland. Für ihr zweites Album erhielt sie 1993 sowohl den Echo-Preis, als auch den Jazz-Award des Deutschen Phonoverbandes. Die Verwandlungskunst dieser Musikerin ist phänomenal: Mit
ihrem virtuosen Klavierspiel, ihrem Scat-Gesang und ihren Kompositionen entwickelt sie einen mitreißenden Jazzgroove, der jeden in seinen Bann zieht.
Zusatzinfo: Regisseur Alexander
C. Stenzel zeigt Aziza Mustafa-Zadeh an ihrem Wohnort in Mainz, begleitet sie in ihre Geburtsstadt Baku, und filmt sie bei einem Livekonzert. Bewusst gegensätzlich ausgewählte Musikstücke
zeigen ihre enorme Vielseitigkeit. Die Künstlerin erzählt auch über ihre Kindheit, von ihrer Zerrissenheit zwischen den Kulturen und vom Einfluss ihres berühmten Vaters.
ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in einer "Streaming"-Fassung auf ARTE+7 bereit.
Sonntag, 01.08. / 19.15 Uhr / Emil Nolde - Farbe und Landschaft eines Malers
Als sei er eben nur mal schnell zum Meer spaziert oder Farben holen gegangen - diesen Eindruck hat jeder Besucher im Haus und im Garten Emil Noldes in Seebüll, jenem kleinen
Flecken in der nördlichsten Ecke Deutschlands. Über 50 Jahre nach dem Tod des großen deutschen Malers ist die Kraft dieses Ortes und seiner farbenprächtigen Bilder nach wie vor unverblasst.
Die Dokumentation von Wilfried Hauke zeigt die künstlerische Entwicklung des Malers, stellt seine Hauptwerke vor und porträtiert dabei Noldes Landschaft, jene seltsam schwermütige und
zugleich so weite Landschaft Nordfrieslands an der deutsch-dänischen Grenze. Es sind Bilder, die ohne die abseits gelegene Heimat Emil Noldes und die tief erlebte Landschaft nicht zu
denken wären und die diese in immer neuen Variationen und Farbkompositionen zeigen: die Marsch und das Meer Nordfrieslands, der Kindheitsort Noldes nahe der dänischen Stadt Tondern, die Insel
Alsen, das Dorf Rutebüll an der deutsch-dänischen Grenze und gleich daneben sein schleswig-holsteinischer Wohn- und Schaffensort Seebüll. Vor allem Noldes tiefe seelische Krisen, ausgelöst
durch lange Armut und fehlende Anerkennung, haben ihn künstlerisch beeinflusst und reifen lassen. Seine bedeutendsten Motive neben den Porträts sind bis ins hohe Alter das Meer, der Himmel
und die Landschaften im Norden - sowie die Blumen in seinem Garten, die in wahren Farborgien Gestalt finden. Nolde sieht sich als Teil einer großen Natur. Er spürt die besondere Kraft der
Farben, sie sind die eigentliche Substanz seiner Bilder. Das Intellektuelle in der Kunst lehnt er ab. Er malt, mehr nicht. Unterstützt wird er dabei von seiner Frau Ada, die ihn 50 Jahre lang
durch Höhen und Tiefen begleitete. Seine fratzenhaften Menschen und Dämonenwesen, seine gegen 1915 noch als blasphemisch eingestuften Christus- und Kreuzigungsbilder und viele seiner
späteren von Zwergen und Elfen behausten Blumenaquarelle zeigen ein von tiefer Entwurzelung geprägtes Menschenbild und eine Sehnsucht nach einem fast animalischen Urzustand. Nolde,
gemeinhin der Künstlergruppe "Brücke" und den Expressionisten zugerechnet, bleibt zeit seines Lebens ein malerischer Außenseiter. Seine großen Landschafts- und Mythenbilder der 20er
und 30er Jahre entstehen in einer Zeit der Umwälzung. Mit den weltberühmten Blumen- und Dorfgemälden der Spätphase "Dahlien und Sonnenblumen", "Schwüler Abend", "Der
große Gärtner" und "Großer Mohn (rot, rot, rot)" - seinem eigentlichen Hauptwerk - nimmt er die Herausforderung an, eine sich wandelnde Welt als Realität und als Vision einer
besseren Existenz des Menschen auf die Leinwand zu bringen. Er versteht sich als "urdeutscher" Künstler, der für das "Schöne und Edle kämpft", gegen "Überfremdung
und Bevormundung". So begeistert er sich anfangs für den Nationalsozialismus und wird 1934 Mitglied der "Nationalsozialistischen Arbeitsgemeinschaft Nordschleswig". Doch völlig
unverständlich für Nolde werden 1937 knapp 30 seiner Werke in der Ausstellung "Entartete Kunst" gezeigt und über tausend seiner Bilder aus den Museen beschlagnahmt, darunter seine
Hauptwerke. 1941 erhält Nolde Malverbot. In der Abgeschiedenheit des Seebüller Ateliers entstehen - trotz ständiger Gestapobeobachtung - heimlich die sogenannten "Ungemalten
Bilder": auf schlechtem Papier und mit wenigen komplementären Farben gemalte Aquarelle, wie "Meer mit roter Sonne", "Tier und Frau", "Tanzende unter großer
Blüte". Sie zählen heute zu den wichtigsten Werken Noldes.
Montag, 02.08. / 07.30 Uhr / Palettes: Raphael: Porträt des Freundes als Hofmann Regie: Alain Jaubert
1514 oder 1515 gibt der Graf Baldassare Castiglione (1478-1529) bei seinem Freund Raphael (1483-1520) ein Porträt von sich in Auftrag. Das Bild erzählt
eine Geschichte, die über den Rahmen der tiefen Freundschaft zwischen dem Maler und seinem Modell hinausgeht: Es spiegelt die Philosophie einer ganzen Epoche wider. In der Malerei hat das
Porträt nämlich erst ab der Renaissance an Bedeutung gewonnen, als eine neue Weltanschauung und eine veränderte Auffassung der Rolle des Künstlers die mittelalterliche Denkweise ablöste.
"Palettes" - ab 26. Juni bis 19. August täglich (außer mittwochs) immer gegen 7.30 Uhr.
Was ist naheliegender, vertrauter und alltäglicher als ein Porträt? Heute gibt es
Porträts im Überfluss, und dank der Fotografie kann sich nun jeder wie ein Prinz zur Zeit des Klassizismus sein Porträt machen lassen. Das Porträt ist jedoch ein verhältnismäßig neues Genre:
Es entstand erst in der Renaissance, als eine neue Weltanschauung und eine veränderte Auffassung der Rolle des Künstlers die mittelalterliche Denkweise ablöste. Raphael (1483-1520)
porträtierte unter anderem seinen Freund, den Grafen Baldassare Castiglione (1478-1529). Dieser war Botschafter verschiedener italienischer Prinzen und verfasste einen der größten
literarischen Erfolge des 16. Jahrhunderts: "Das Buch vom Hofmann". Maler wie Rembrandt, Rubens oder Matisse waren von dessen Porträt beeindruckt. Denn es gelang Raphael, das
offene, sympathische Gesicht seines Freundes wiederzugeben, wobei er nur die wichtigsten Elemente in die Bildkomposition aufnahm. Außerdem enthält das Gemälde zahlreiche Hinweise aus
seiner Zeit, die heute sowohl mit Laboranalysen als auch anhand von Archivmaterial entschlüsselt werden können. Kleine Einzelheiten auf der Bildoberfläche, Farbauswahl und versteckte
Symmetrien des Bildes geben Aufschluss darüber, wie es gemalt wurde. Von der Kleidung und der Frisur über die verwendeten Materialien bis zum Gesichtsausdruck oder den Lichtreflexen in den
Augen des Modells - kein einziges Detail wurde dem Zufall überlassen.
Montag, 02.08. / 22.30 Uhr / Anne-Sophie Mutter: Dynamik eines Welterfolgs Regie: Ralf Pleger
Mit sieben Jahren gewann Anne-Sophie Mutter bei "Jugend musiziert", mit 14 trat die Violinistin bereits mit Herbert von Karajan bei den
Salzburger Pfingstfestspielen auf und wurde zum international gefeierten Star. Der Dokumentarfilm stellt die Künstlerin vor, die schon ihr ganzes Leben lang Musik gemacht hat, und zeigt neben
musikalischen Höhepunkten auch die persönliche Seite des Ausnahmetalents. Dazu hat sie Ralf Pleger ein Jahr lang bei ihren weltweiten Aktivitäten mit der Kamera begleitet.
Als
Stargeigerin zieht Anne-Sophie Mutter seit drei Jahrzehnten ein Millionenpublikum in ihren Bann. ARTE widmet der Künstlerin, die zu einer der Galionsfiguren der klassischen Musik geworden
ist, ein großes Musikporträt. 1963 im badischen Rheinfelden geboren, begann Anne-Sophie Mutter früh damit, Geige und Klavier zu spielen, und gewann mit sieben Jahren den Bundeswettbewerb
"Jugend musiziert". Ihre Karriere als international gefeierte Künstlerin begann 1976, als Herbert von Karajan sie als "Geigenwunder" entdeckte. Ein Jahr später trat sie
mit dem berühmten Maestro bei den Salzburger Pfingstfestspielen auf und ist seitdem aus der Musikszene nicht mehr wegzudenken. Ein Jahr lang hatten Ralf Pleger und sein Kamerateam
Gelegenheit, Anne-Sophie Mutter zu Auftritten unter anderem nach Boston, Paris, Luzern, Frankfurt und Basel zu begleiten. Der daraus entstandene Musikfilm bringt dem Zuschauer nicht nur die
Künstlerin, ihre Arbeit und ihre packenden Darbietungen, sondern auch die außergewöhnliche Persönlichkeit Anne-Sophie Mutters nahe. Ob in der Probe, hinter der Bühne oder im Interview - neben
der professionellen wird auch immer eine sehr persönliche Seite der weltberühmten Virtuosin gezeigt: ihr Temperament, ihr Engagement und ihre Dominanz, aber auch ihre Selbstironie, ihre
Gedankentiefe und ihre Zweifel. Es ist das Porträt einer aufregenden Musikerin, die nicht nur Violinistin ist, sondern auch geistreiche und amüsante Gesprächspartnerin, leidenschaftliche
Pädagogin und Nachwuchsförderin, Organisationstalent und Kunstnärrin. Zu den vielen interessanten Exkursen abseits des Konzertpodiums gehört ein Besuch bei einem Geigenbauspezialisten, dem
Anne-Sophie Mutter ihre kostbare Stradivari zur Untersuchung und Instandhaltung anvertraut. Wichtige Weggefährten der Künstlerin kommen ebenfalls zu Wort, darunter Deutschlands
prominentester Musikkritiker Joachim Kaiser, der Politiker und Manager Lothar Späth sowie Anne-Sophie Mutters langjähriger Künstlerkollege und Ex-Ehemann André Previn.
Musikalische
Glanzstücke des Filmporträts sind Anne-Sophie Mutters Auftritte bei der Uraufführung von André Previns jazzigem "Doppelkonzert für Violine und Kontrabass" mit Roman Patkoló und dem
Boston Symphony Orchestra, Ausschnitte aus einem mitreißenden Mozart-Rezital mit Lambert Orkis sowie Höhepunkte aus einem Bach-Konzert mit den Trondheim-Solisten. Gemeinsam mit ihrer
Stipendiatin, der jungen Koreanerin Ye-Eun Choi, interpretiert Anne-Sophie Mutter außerdem Bachs "Konzert für zwei Violinen", das als eine der schönsten Kompositionen der
Musikgeschichte gilt.
Dienstag, 03.08. / 07.30 Uhr / Palettes: Henri Matisse: Die Trauer des Königs - Direkt in die Farbe hineinschneiden Regie: Alain Jaubert
"Mit der Schere zeichnen, direkt in die Farbe hineinschneiden, das erinnert mich an den direkten Meißelschlag des
Bildhauers", so kommentierte Henri Matisse (1869-1954) die Technik seiner Papierschnitte. Ab 1943 wurde der Papierschnitt aus gesundheitlichen Gründen zum Hauptausdrucksmittel in der
Arbeit des Künstlers und ersetzte immer mehr die Malerei. Matisse ließ von Assistenten Papierbögen einfärben, aus denen er Figuren und freie Formen ausschneiden konnte, die dann
collageähnlich aneinander und übereinander angeordnet wurden. "Palettes" untersucht seine Schnitt- und Collagetechnik sowie die Bilder dieser Schaffensperiode, unter anderem das
bekannte Bild "Die Trauer des Königs", das eines der letzten großen Werke des Künstlers ist.
"Palettes" - ab 26. Juni bis 19. August täglich (außer mittwochs) immer gegen 7.30 Uhr.
"Die Trauer des Königs" entstand 1952 in Nizza im ehemaligen Grand-Hotel
Regina, in dem Henri Matisse (1869-1954) ab 1938 wohnte. Das Gemälde misst annähernd viermal drei Meter und ist eines der letzten großen Werke des Malers. Das Bild wurde in Collagetechnik
realisiert: Der erkrankte Maler schnitt teilweise im Liegen oder Sitzen die Formen aus zuvor mit Gouache-Farben retuschierten Blättern aus und wies dann einen Gehilfen an, sie an der Wand so
lange zu verschieben, bis die gewünschte Harmonie gefunden war. Die geschickt gehandhabte Schere ersetzte somit dem teilweise bewegungsunfähigen Matisse Bleistift und Pinsel. In der Folge
wurden die Papierschnitte zu einem weiteren Hauptausdrucksmittel des Künstlers, das immer mehr die Malerei verdrängte. 1947 veröffentlichte er eine Folge von Papierschnitten aus den Jahren
1943 bis 1944 unter dem Titel "Jazz", die im Schablonendruck vervielfältigt worden waren. Der Titel spielt auf die Spontaneität und Improvisation des Jazz an. Hinzu kamen noch
Entwürfe für Wandteppiche und die Ausgestaltung einer Kapelle, der Chapelle du Rosaire - auch "Chapelle Matisse" - in Vence an der Côte d'Azur, die alle in Papierschnitten
vorbereitet wurden.
Donnerstag, 05.08. / 07.30 Uhr / Palettes: Jacques-Louis David (1748-1825): Eine Revolution im Gewande der Antike: Die Sabinerinnen
Regie: Alain Jaubert
"Der Tod des Marat" ist eines der berühmtesten Bilder des französischen Malers Jacques-Louis David
(Paris, 1748 - Brüssel, 1825). Seine Malerei spiegelt heroische oder dramatische Ereignisse der Zeitgeschichte wider. Im Mittelpunkt der heutigen Sendung steht das großformatige Gemälde
"Die Sabinerinnen" (1799). Der Künstler beginnt es im Gefängnis zu malen, wo er aufgrund seines politischen Engagements in der Französischen Revolution 1794 auf die Guillotine
wartet. "Palettes" - ab 26. Juni bis 19. August täglich (außer mittwochs) immer gegen 7.30 Uhr.
Im August 1794 ist Jacques-Louis David (Paris, 1748 - Brüssel, 1825) 46
Jahre alt. Da er sich zu sehr mit Robespierre und dessen Freunden eingelassen hat, sitzt er im Gefängnis und ihm droht die Guillotine. Er erhält jedoch die Genehmigung, seine Malutensilien in
seine Zelle kommen zu lassen. Er liest klassische Autoren wie Livius, Plutarch und Ovid. Dabei regt ihn eine Episode über die Gründung Roms zu einer ersten Skizze für das Bild "Die
Sabinerinnen" an. Das großformatige Gemälde wird nach fünf Jahren vollendet und gelangt erst 1799 an die Öffentlichkeit. Jacques-Louis David hält auf seinem Gemälde eine Szene aus der
Legende zur Entstehung Roms fest, und zwar den Augenblick, in dem sich eine ins wirre Kampfgetümmel geeilte Sabinerin, Hersilia, zwischen Tatius, den König der Sabiner, und Romulus stellt.
Romulus ist gerade im Begriff, eine Lanze auf Tatius zu schleudern. Wie unter anderem bei Plutarch zu lesen ist, raubten der Sage nach die Römer unter Romulus während eines Festes die
Frauen der Sabiner, eines italienischen Volkes im mittleren Apennin. Als die Sabiner später mit einer starken Heerschar Rom belagerten, ergriffen die Sabinerinnen die Partei ihrer Entführer
oder sie stellten sich zwischen die Parteien und erzwangen so den Frieden. David lässt in das Bild nicht nur seine Leidenschaft für die römische Antike, sondern auch zahlreiche aktuelle
politische Anspielungen einfließen. Für seine historischen Inszenierungen lässt der Maler, der nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis Wohnrecht im Louvre genießt, historische Gegenstände
als Modelle anfertigen - wie Helme, Sandalen, Schilde oder Möbel. "Palettes" geht unter anderem den Inspirationsquellen des vielschichtig angelegten Gemäldes auf den Grund. Es
kann als Auseinandersetzung verstanden werden mit dem Verhältnis von Mythos und Geschichte, von realem Ereignis und Legende. David stellt die Geburt Roms als Gegenstück zu den gewalttätigen
Ereignissen der Französischen Revolution dar. Deshalb lässt sich an Davids Werk auch eine grundlegende Frage politischer Philosophie ablesen: Bedeutet die Einstellung der Massaker, die
Versöhnung der gegnerischen Lager, tatsächlich die Aufhebung der vorausgegangenen Verbrechen? Oder ist alles nur ein Alptraum, der stets von vorn beginnt?
Donnerstag, 05.08. / 21.40 Uhr / The Beatles, from Liverpool to San Francisco Regie: Alan Ravenscroft
Vier Jungs aus Liverpool wurden zur größten Band aller Zeiten - die Beatles. Sie verkauften Millionen Alben und füllten Konzerthallen von Tokio bis
New York. Was war das Besondere an den "Fab Four"? Wer waren die Beatles und wie haben sie die Welt erobert? Der Film nähert sich anhand von Interviews und Archivmaterial den
"Fab Four" und geht der Beatlemania-Hysterie auf den Grund.
Der Film erzählt die Geschichte der vier Liverpooler Jungs und ihrer gigantischen Fangemeinde. Interviews und
Archivbilder von den Tourneen der Gruppe geben Einblick in den Alltag der "Fab Four" und lassen die geradezu hysterische Begeisterung nachvollziehen, die der Band an jedem
Gastspielort entgegenschlug und für welche die Presse das Wort "Beatlemania" prägte. Nach ihren drei erfolgreichen Gastspielen im Hamburger Star-Club (1962) machte die
Liverpooler Band rasant Karriere: Sie engagierten Brian Epstein als Bandmanager, trafen mit dem EMI-Produzenten George Martin zusammen und ersetzten ihren Schlagzeuger Pete Best durch Ringo
Starr. Auf die Unterzeichnung ihres Plattenvertrags 1962 folgte die erste Single "Love Me Do". Doch Auslöser der "Beatlemania" war "Please Please Me", das
1963 auf Platz 1 der Charts landete. Auch "From Me to You" und "She Loves You" wurden begeistert aufgenommen. Mit "I Want to Hold Your Hand" eroberte die Band
schließlich den amerikanischen Markt. Wie ein Reisetagebuch dokumentiert der Film den Aufstieg der vier Liverpooler Pilzköpfe zur erfolgreichsten Rockband aller Zeiten. Überall auf der
Welt eroberten sie die Herzen, verkauften Millionen Alben und Kinokarten. Was war das Besondere an der Band, das die Menschen von Tokio bis New York in Scharen in Konzertsäle und Flughäfen
strömen ließ? Woran zerbrach der Traum? Was hinterließen die "Fab Four"? Wer waren sie wirklich? Archivbilder von Fans, Aufnahmen von Tourneehöhepunkten, Reiseetappen und
Begegnungen, von guten und schwierigen Momenten sowie Interviews mit den Beatles selbst belegen, wie die Band Woche für Woche die Welt eroberte. Eine Dokumentation über die besten Jahre von
John, Paul, George und Ringo, von den Liverpooler Anfängen bis zum letzten gemeinsamen Konzert in San Francisco. Mehr Informationen unter: www.arte.tv/summer Parallel zur
ARTE-Programmierung bietet arte.tv dem User mit einem crossmedialen Spiel, kommentierten Playlists und Videoerinnerungen bekannter Persönlichkeiten der 60er Jahre ein umfangreiches
Web-Angebot: www.arte.tv/summer
Donnerstag, 05.08. / 22.50 Uhr / Birth of Pop (2/4) Regie: Andreas Dutschke
1955 - 1966: Ein musikalischer Urknall verändert die Welt und bringt ein Universum neuer Stile hervor. Die vierteilige Dokumentationsreihe "Birth of" begibt sich an die
Anfänge unserer Popkultur und verfolgt die Geburtsstunde neuer musikalischer Formen. Beobachtet sie beim Laufenlernen und begleitet ihren Erfolg: Rock'n'Roll, Soul, Cool und Pop - jene
Galaxien, die in ihrer Gesamtheit nicht mehr und nicht weniger bedeuteten als eine kulturelle Revolution.
Am nachhaltigsten haben die Popkonzepte der 60er Jahre die massenmediale Welt
verändert. Ob der Beat der frühen Beatles, Easy Listening, ob Mode, Design oder die Pop-Art eines Andy Warhol und eines Roy Lichtenstein: Ohne die Sixties bist Du nichts. Klaus Voormann,
Ex-Mitglied der Beatles, erläutert, wie aus einer Rock'n'Roll-Kapelle in dem Rotlichtbezirk Hamburgs, St. Pauli, ein ausgeklügeltes Pop-Gesamtkunstwerk mit Pilzkopffrisur und Anzug werden
konnte. Weiter geht's mit Bienenkorbfrisur und Vespa ins Swinging London, wo man "Was so alles geschieht auf der Carnaby-Street" vor sich hinsummt und sich an Twiggy und Mary
Quandts Minirock nicht minder, als am Phänomen Yves St. Laurent erfreut. In Großbritanniens Hauptstadt wird selbst der ursprünglich so hochpolitische Folk popfähig und der Rock'n'Roll wandelt
sich im Twist zum Modetanz. James Last begeistert sich in der Dokumentation für jene Tage, da sein so oft unterschätzter und doch massenfähiger Orchestersound kreiert wurde, Susan Sonntag
über "Camp" philosophierte und die Wegwerfwelt des Plastik in allen bunten Farben und Formen den Alltag eroberte. In Filmen wie "Mon Oncle" wird die schöne, neue Welt
bestaunt. Kommentiert wird der Zeitgeist der Sixties von Größen wie Paul Weller und aktuellen Künstlern, die an jene so stilprägenden Jahre anknüpfen und sie so fortschreiben.
Mehr Informationen unter: www.arte.tv/summer Parallel zur ARTE-Programmierung bietet arte.tv dem User mit einem crossmedialen Spiel, kommentierten Playlists und Videoerinnerungen bekannter
Persönlichkeiten der 60er Jahre ein umfangreiches Web-Angebot: www.arte.tv/summer
Freitag, 06.08. / 07.30 Uhr / Palettes: Utopie in Orange, Grün und Purpur Regie: Alain Jaubert
Der damals erst 26-jährige Georges Seurat stellte bei der letzten Impressionistenausstellung 1886 ein Gemälde aus, das für Aufregung sorgen und die
Kunstwelt verändern sollte. "Ein Sonntagnachmittag auf der Île de la Grande Jatte" begründete die neoimpressionistische Gruppe, die Pointillisten, und wirkte nachhaltig auf die
folgenden Künstlergenerationen. "Palettes" begibt sich auf die Spur dieses zum "Manifest" gewordenen Bildes.
"Palettes" - ab 26. Juni bis 19. August täglich (außer mittwochs) immer gegen 7.30 Uhr.
Im März 1886 findet die achte und letzte Impressionistenausstellung statt. Der völlig
unbekannte 26-jährige Georges Seurat stellt ein großformatiges Gemälde aus: "Ein Sonntagnachmittag auf der Ile de la Grande Jatte". Das wunderbare Licht dieses Bildes ist das
Ergebnis langer Untersuchungen über die Ursprünge der Farbempfindung: eine Unmenge kleiner Flecken, eine klassisch dargestellte Landschaft, von vielen Gestalten bevölkert. Das Gemälde
sorgt für Aufregung. Es begründet die neoimpressionistische Gruppe, auch "Pointillisten" genannt, und prägt die folgenden Künstlergenerationen: die Fauves, Kubisten und Futuristen.
Selbst van Gogh ist fasziniert, und während der vier verbleibenden Jahre seiner kurzen Laufbahn wirken die Entdeckungen Seurats nachhaltig auf ihn. Seitdem ist über dieses zum
"Manifest" gewordene Bild viel geschrieben worden. Hinter der scheinbaren Harmlosigkeit verbergen sich eine Menge Geheimnisse, und erst der Blick hinter die Kulissen des
Dargestellten macht einige Anspielungen verständlich. Heute kann die Geschichte des Gemäldes und die zu seiner Herstellung verwendete Technik aufgedeckt werden, ebenso wie die rätselhafte
Perspektive und das Rebus, das Seurat in den Szenen versteckt hat. Ein Jahrhundert nach dessen Entstehung konnte auch der Ort, an dem Seurat sein Gemälde vorbereitete, sowie das Atelier,
in dem er es fertigstellte und das seitdem niemand mehr betreten hat, genau bestimmt werden.
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Samstag, 07.08. / 07.30 Uhr / Palettes: Rubens: Ruhm des Fleisches Regie: Alain Jaubert
Der flämische Maler Rubens (1577-1640), nebenbei Diplomat der spanisch-habsburgischen Krone, zählt zu den bekanntesten Künstlern des Barock. In zweiter Ehe heiratete er 1630 die viel
jüngere Hélène Fourment, die er von da an in unzähligen Gemälden porträtierte. Die Wiedergabe des Körpers diente aber nicht nur als Abbild, sondern auch der allegorischen Darstellung der
Fruchtbarkeit, der Sanftmut und des Friedens, die der Weiblichkeit zugeordnet wurden. "Palettes" nimmt diese Porträts genau unter die Lupe und untersucht das Schönheitsideal seiner
Zeit. "Palettes" - ab 26. Juni bis 19. August täglich (außer mittwochs) immer gegen 7.30 Uhr.
1630 heiratete Rubens in zweiter Ehe die knapp 17-jährige Hélène Fourment, an
deren Seite der 53-jährige Maler eine zweite Jugend erlebte. In der Folge entstand eine ganze Reihe von Gemälden mit Hélène Fourment. "Palettes" nimmt unter anderem "Rubens und
Hélène Fourment im Garten" und "Hélène Fourment und ihre Kinder" unter die Lupe. Der Maler begnügte sich jedoch nicht mit einfachen Porträts von seiner Gattin. Ihre
Bewunderer verglichen Hélène oft mit der homerischen Helena, und so stellte auch Rubens sie in den Mittelpunkt zahlreicher mythologischer Darstellungen: Hélènes Kopf krönt verschiedene
weibliche Körper, die alle sinnbildlich für die Schönheit stehen. Dank Hélène konnte Rubens somit seiner Leidenschaft für die Antike Ausdruck verleihen. Der vom antiken Vorbild geprägte
Stoizismus des Künstlers erfuhr aber eine Milderung durch seine offenkundige Sinnesfreude. Die ideale Frau jener Zeit hatte ausladende Formen, war füllig und strahlte Gesundheit aus. Aber
Rubens drückte mehr aus als das Schönheitsideal seiner Zeit: Die Wiedergabe des Körpers diente der allegorischen Darstellung der Fruchtbarkeit, der Sanftmut und des Friedens, die der
Weiblichkeit zugeordnet wurden. Die Körperwölbungen waren bei Rubens auch formal begründet, und die weiblichen Rundungen spielten dieselbe malerische Rolle wie die Muskeln der Männer: Sie
erlaubten dem Maler, die Körper plastisch zu gestalten, ihnen Relief und Kraft zu verleihen. Vor allem aber dienten sie einer falten- und arabeskenreichen Ästhetik, die es mit der Virtuosität
der Bildhauer und Architekten aufnehmen konnte, welchen Rubens in Italien begegnet war.
Samstag, 07.08. / 00.25 Uhr / Metropolis
(1): Jacques Higelin
(2): "Nord" und der norwegische Film (3): 50 Jahre Panton-Stuhl (4): Ungeschnitten: Alice im Wunderland (5): Takeshi Kitano (6): Jonathan Coe
(1): Jacques Higelin Jacques Higelins Album heißt "Coup de foudre". Der fast 70-Jährige bietet seinem Publikum immer noch mindestens dreistündige Konzerte. Mit seinem Komponisten
Areski, seinem Produzenten Daniel Colling und der Sängerin Jeanne Cherhal zieht er Bilanz über seinen Lebensweg, seine Vorbilder, sein Engagement und sein Verhältnis zum Schreiben.
(2): "Nord" und der norwegische Film Im Januar kam der Film "Nord" des norwegischen Regisseurs Rune Denstad Langlo in die deutschen Kinos. Er zeigt die Reise eines
bärtigen Norwegers auf einem Motorschlitten durch eine tief verschneite Landschaft. "Metropolis" erkundigt sich in Oslo, wie es um den norwegischen Film steht, was er erzählt, und
ob er in Europa aufgenommen wird.
(3): 50 Jahre Panton-Stuhl 1959 entwickelte der dänische Architekt und Designer Verner Panton die Idee eines bunten, monolithischen Plastikstuhls.
Das war die Geburtsstunde des "Panton-Chairs". Der Stuhl stand für Innovation und setzte konsequent auf Kunststoff und industrielle Herstellung. Damit begegnete Panton dem
kunsthandwerklichen Ansatz des skandinavischen Designs mit seiner Vorliebe für edle Hölzer wie Teak. Der Däne führte als einer der ersten die Pop-Art ins Möbeldesign ein. Sein eleganter
Freischwinger wurde schnell zum Symbol einer Epoche und zur Stilikone. Im Vitra Design Museum (Weil am Rhein) kann man ihn ausprobieren und sich von seinen Vorteilen überzeugen.
(4): Ungeschnitten: Alice im Wunderland 1903 wurde Lewis Carrolls berühmtes Kinderbuch "Alice im Wunderland" (1865) zum ersten Mal verfilmt. Die Titelrolle spielte die 14-jährige
May Clark. Das Kino war damals selbst erst knapp zehn Jahre alt. Der Schwarz-Weiß-Film dauerte etwa zwölf Minuten und war damit der seinerzeit längste Spielfilm. "Metropolis" hat
ihn im British Film Institute "ausgegraben".
(5): Takeshi Kitano Er ist Filmemacher, Schauspieler, Humorist, Maler und Schriftsteller: Takeshi Kitano. Obendrein ist er ein
unruhiger Geist und immer auf der Suche. Mit jedem seiner Werke stellt er erneut die Frage nach dem Künstlertum. Im März widmete ihm die Pariser Fondation Cartier eine Ausstellung mit dem
Titel "Gosse de peintre" (zu Deutsch: "Malergör"). Durch bunte Gemälde, Videos, Gegenstände, Dekors und eindrucksvolle Maschinen wird der Zuschauer in die eigenwillige und
unerschöpfliche Fantasiewelt des japanischen Künstlers eingeführt. Parallel zum französischen Kinostart von Kitanos jüngstem Film "Achilles und die Schildkröte" am 10. März in
Paris veranstaltete das Centre Pompidou eine umfassende Retrospektive seiner Filme. Am 24. Februar erschien in Frankreich seine erste Autobiografie: "Kitano par Kitano" - ein
Porträt.
(6): Jonathan Coe Der englische Schriftsteller Jonathan Coe wurde durch seine sozialkritischen Romane "Allein mit Shirley" (What a Carve Up!) und
"Klassentreffen" (The Closed Circle) bekannt. In seinem neuen Roman "The Rain Before It Falls" treten erstmals nur Frauen auf. Vor dem Hintergrund eines sorgsam gehüteten
Geheimnisses beschreibt Coe die Schicksale der Frauen einer Familie, ganz in der Tradition der englischen Romanschriftstellerinnen. Mit großem Talent meistert der Autor dieses für ihn neue
Genre. "Metropolis" hat ihn in London besucht.
Mehr Infos unter: www.arte.tv/metropolis
Sonntag, 08.08. / 07.30 Uhr / Palettes: Shitao: Der Berg Jingting im Herbst Regie: Alain Jaubert
Wenn ein einzelnes Kunstwerk zum Symbol einer vergangenen Epoche, einer philosophischen Idee oder eines bestimmten Zeitgeschmacks wird, dann erlangt es
eine allgemeine Bedeutung, die über seine eigene Ästhetik hinausweist. "Palettes" stellt heute eines dieser epochenübergreifenden Meisterwerke vor: "Der Berg Jingting im
Herbst" (1671) von Zhu Ruoji, genannt Shitao (1642-1707). "Palettes" - ab 26. Juni bis 19. August täglich (außer mittwochs) immer gegen 7.30 Uhr.
Die mit Tusche auf
Papier gemalte Berglandschaft von Zhu Ruoji, genannt Shitao (1642-1707), scheint einem spontanen Einfall zu folgen und wirkt zugleich höchst raffiniert. Sie stammt aus einer Zeit, als die
wahren Maler keine Berufskünstler waren und sich auch mit Dichtung und Philosophie beschäftigten. Shitao war einer der geschicktesten Maler seiner Zeit und ein großer Theoretiker. Hinter
dem scheinbar einfachen Thema verbirgt sich bei ihm eine ganze Welt von Entsprechungen, Anspielungen und Figuren, deren Entschlüsselung den Kunstgenuss noch erhöht.
Sonntag, 08.08. / 09.5 Uhr / Festival de Benicàssim: Klaxons, Kings of Leon, Muse, Amy Winehouse
Regie: David Montagne; Moderation: Philippe Manoeuvre, Patrice Bouédibéla
Das Festival Internacional de Benicàssim, das seit 1995 bei Valencia am Mittelmeer veranstaltet wird, ist ein
Kulturerlebnis der besonderen Art. Wie jedes Jahr im Juli trafen sich dort vom 19. Juli bis 22. Juli 2007 große Musiker genauso wie Künstler aus den Bereichen Mode, Tanz, zeitgenössische
Kunst, Theater und Kurzfilm.
Das Festival Internacional de Benicàssim, das seit 1995 an der spanischen Ostküste stattfindet, gehört zu den wichtigsten europäischen Sommerevents und ist
ein Kulturerlebnis der besonderen Art. Die Konzerte werden von einem großen nicht-musikalischen Programm umrahmt, das von Tanz- und Theateraufführungen, über Fashion-Acts und
Kunstausstellungen bis zu einem Kurzfilmfestival reicht. Auch das Musikprogramm des Festivals an der Costa Azahar zwischen Barcelona und Valencia ist weit gefächert. Die Organisatoren sind
stets auf der Suche nach neuen Talenten aus aller Welt. Aber auch renommierte Künstler treten gerne beim "FIB" auf. Auf den drei Bühnen sind daher etablierte Größen ebenso vertreten
wie hoffnungsvolle Neuentdeckungen. 2007 öffnete das Festival vom 19. bis 22. Juli seine Pforten. ARTE machte bei seiner Summer Tour vor drei Jahren in Benicàssim Halt und hielt die besten
Momente fest. Auf dem Programm standen unter anderem Altmeister Iggy Pop & The Stooges, Antony & The Johnsons, Klaxons, Kings of Leon, Muse, Amy Winehouse, The Rapture oder der
Elektro-Pop der brasilianischen Cansei De Ser Sexy.
Sonntag, 08.08. / 13.00Uhr / Künstler hautnah: Morgane Tschiember Regie: Fred Fiol
"Künstler hautnah" - das Rendezvous mit der internationalen Kunstszene. Jede Sendung ist einem Künstler gewidmet, die heutige der französischen Fotografin, Bildhauerin und
Malerin Morgane Tschiember. Schon mit knapp 30 Jahren war die Absolventin der Pariser Kunsthochschule und Trägerin des Paul Ricard-Preises Morgane Tschiember in der französischen und
internationalen Kunstszene unterwegs. Ob als Fotografin, Bildhauerin oder Malerin - die 1976 in Brest geborene und heute in Paris lebende Künstlerin ist ein Energiebündel und reitet mit ihrer
ausdrucksstarken Kunst auf allen stilistischen Wellen.
Ganz gleich, ob sie fotografiert, filmt, modelliert oder installiert, Morgane Tschiember lotet in ihrem Werk neue Grenzen der
Bildhaftigkeit aus und findet dabei ebenso anziehende wie ausdrucksstarke Ansätze. "Iron Maiden" nennt sich beispielsweise eine Skulpturenreihe, für die Morgane Tschiember große
unbehandelte Metallbleche montierte und mit monochromen Farben lackierte. Schneiden, Rollen, Falten und Biegen waren die wesentlichen Verfahren, die die Künstlerin für diese Arbeit anwendete
- die Metallblätter standen wie riesige von der Wand herabgefallene Seiten eines Buches im Raum, sie integrierten sich in die baulichen Gegebenheiten der Galerie und spielten mit den
Perspektiven, die der Betrachter einnimmt. "Die Farbflächen wurden wie mit einem Cutter ausgeschnitten", so Morgane Tschiember. "Das Metall hält der Biegung sein ganzes
Gewicht und seine volle Kraft entgegen; die optische Sinnlichkeit ist das Ergebnis eines aufwendigen industriellen Herstellungsprozesses." Auch vor monumentalen Ausmaßen schreckt Morgane
Tschiember nicht zurück: So schuf sie bei ihrem Projekt "Lieu unique" eine überdimensionierte Asphaltstraße, die sich quer durch den Raum schlängelt und sich sämtlichen Gesetzen der
Schwerkraft zu widersetzen scheint. Malerisch steht Morgane Tschiember den amerikanischen Künstlern der 70er Jahre sehr nahe. In ihren großformatigen, abstrakten Fotografien dagegen deutet
sie vieles nur an, was sie wieder zum Dialog mit der Malerei zurückführt. Für Morgane Tschiember ist in ihrer Kunst letztendlich alles möglich.
Zusatzinfo: Zu Wort kommen in der
heutigen Sendung Colette Barbier, Leiterin des Ausstellungsraums Espace Paul Ricard, Hervé Loevenbruck, Geschäftsführer der Galerie Loevenbruck sowie Harry Bellet, Journalist der Tageszeitung
"Le Monde". Mehr Infos unter: www.arte.tv/kuenstlerhautnah
ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in einer "Streaming"-Fassung auf ARTE+7 bereit.
Sonntag, 08.08. / 19.15 Uhr / Julia Fischer und Daniel Müller-Schott spielen Brahms' Doppelkonzert
Regie: Karina Fibich Mit: Julia Fischer, Daniel-Müller-Schott
Zwei ausgezeichnete Solisten, ein selten gespieltes Werk - die Violinistin Julia Fischer und der
Cellist Daniel Müller-Schott spielen mit der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern Brahms' Doppelkonzert a-Moll, op. 102 für Violine, Violoncello und Orchester. Den Abend
beschließt ein Werk des Komponisten Johan Halvorsen, die "Passacaglia".
Das Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester entstand im Sommer 1887 am Thuner See. Leider
ist dieses letzte Orchesterwerk von Johannes Brahms relativ selten zu hören, verlangt es doch auf einen Schlag gleich zwei ausgezeichnete Solisten. Diese Solisten stehen der Deutschen Radio
Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern mit der Geigerin Julia Fischer und dem Cellisten Daniel Müller-Schott zur Verfügung. Julia Fischer ist ein absolutes Ausnahmetalent auf ihrem
Instrument. Bereits mit acht Jahren spielte sie zum ersten Mal ein Violinkonzert mit Orchesterbegleitung, mit neun Jahren begann sie, an der Musikhochschule München zu studieren. Neben ihrer
musikalischen Ausbildung absolvierte sie 2002 ihr Abitur. 2003 debütierte sie mit dem Doppelkonzert von Brahms in der New Yorker Carnegie Hall. Heute gibt sie etwa 70 bis 80 Konzerte pro Jahr
auf der ganzen Welt. Auch Daniel Müller-Schott ist ein weltweit gefragter Solist. Mit dem Cellospielen begann er im Alter von sechs Jahren. 1992 gewann er als 15-Jähriger den ersten Preis
beim Internationalen Tschaikowsky-Wettbewerb für junge Musiker in Moskau.
Sonntag, 08.08. / 22.45 Uhr / Crooner Regie: Paul Ouazan Frank
Sinatra, Nat King Cole oder Peggy Lee sind einige ihrer prominentesten Vertreter: Als Hommage an die Generation der "Crooner" hat ARTE Schauspieler für den "Summer of the
60s" gebeten, die schönsten Songs der 60er neu zu interpretieren.
In den 50er und 60er Jahren brach eine neue Zeit an; das Leben war weniger sorglos, und Glamour war out. Die Ära
des Varietétheaters und des Musicals ging zu Ende, und eine neue Generation von Sängern trat auf den Plan. Mit Bebop, Free Jazz und natürlich Rock 'n' Roll brachten diese jungen Wölfe die
biederen Werte des amerikanischen und europäischen Kleinbürgertums kräftig durcheinander. In den USA hießen sie Frank Sinatra ("The voice"), Dean Martin, Bing Crosby, Sammy Davis
Junior, Fred Astaire, in Europa waren es Tom Jones, Charles Aznavour, Tony Dallara und viele andere mehr. Ihre Hits gingen um die Welt: "Fly Me to the Moon", "Hey Mambo",
"For me formidable", "Quizas Quizas Quizas", "Come Prima", "Cheek to Cheek", "C'est si bon", "Strangers in the Night" ... Als
Hommage an die Generation der Crooner hat ARTE Schauspieler gebeten, die schönsten Songs aus diesen Jahren neu zu interpretieren. Manche haben keine Erfahrung als Sänger und sahen in dieser
Rolle eine Herausforderung, der sie sich mutig stellten. Andere, routiniertere Interpreten sagten ohne Zögern zu. Sarah Murcia schrieb die witzigen, musikalisch einfühlsamen Arrangements. Die
schlichte Inszenierung setzt vor allem auf das schauspielerische Talent der Interpreten. "Crooner" versteht sich als originelle Show fürs Fernsehen.
Die einzelnen Songs und Interpreten im Überblick: (1): Jeanne Balibar: "Sway" (2): Thomas de Pourquery: "Stranger in the Night"
(3): Marie Espinoza: " Quizas Quizas Quizas" (4): Ged Marlon: "Come Prima" (4): Adrienne Pauly: "For me formidable"
(5): Adrienne Pauly und Nicolas Ullmann: "Cheek to Cheek" (6): Nicolas Ullmann: "I Got Rhythm"
(7): Natacha Régnier: "Over the Rainbow" und "My Heart Belongs to Daddy" (8): Jacques Bonaffé: "Hey Mambo"
(9): J. Bonaffé und I. Jacob: "C'est si bon"; "C'est magnifique" (10): Guy Marchand: "I've Got You Under My Skin" und "Fly Me to the Moon"
(11): Maria Medeiros: "They Can't Take Away" und "Stormy Weather" Mehr Informationen unter: www.arte.tv/summer Parallel zur ARTE-Programmierung bietet arte.tv dem
User mit einem crossmedialen Spiel, kommentierten Playlists und Videoerinnerungen bekannter Persönlichkeiten der 60er Jahre ein umfangreiches Web-Angebot: www.arte.tv/summer
Montag, 09.08. / 07.30 Uhr / Palettes: Mimesis der Mimosen, Pierre Bonnard Regie: Alain Jaubert "Palettes" widmet die heutige Sendung einem der letzten großen Werke des französischen Malers Pierre Bonnard, dem "Atelier mit Mimosen".
Welches Geheimnis steckt hinter den kräftig leuchtenden Farben und dem durch Linien rhythmisch gegliederten Bildaufbau? Die Dokumentation analysiert das rätselhafte Werk und stellt es in
einen Zusammenhang mit anderen Bildern aus Bonnards Schaffensperiode in Le Cannet von 1927 bis 1947.
"Palettes" - ab 26. Juni bis 19. August täglich (außer mittwochs) immer gegen 7.30 Uhr.
Pierre Bonnard starb 1947. Das "Atelier mit Mimosen" ist eines seiner
letzten großen Werke. Die quadratische Fläche wird durch zahlreiche Linien - die Fensterstreben, das Geländer mit Stäben im Vordergrund - rhythmisch gegliedert und von kräftig leuchtenden
Farben - ultramarin, smaragdgrün, orange, rosa und zitronengelb - erfüllt. Dieses großartige und rätselhafte Meisterwerk verdient eine genaue Betrachtung. Es muss im Zusammenhang aller Bilder
gesehen werden, die Bonnard zwischen 1927 und 1947 in seinem Haus in Le Cannet oberhalb von Cannes malte. Sie alle sind ein Fest der Farbe und des Lichts, stellen Exterieur und Interieur
gegenüber und erfassen Momente reiner Meditation. Jede Stelle im Garten und jeder Raum im Haus - Schlafzimmer, Küche, Bad, kleiner Salon, Atelier - gab Anlass zu genau berechneten
Bildausschnitten und verschlüsselten Farbkombinationen. Ein Malabenteuer, ähnlich dem von Monet in Giverny, das sich über 20 Jahre erstreckte und in mehr als 200 Gemälden niederschlug. Die
Analyse der Farbkomposition und des Bildaufbaus wird durch zahlreiche Fotos von Henri Cartier-Bresson gestützt. Sie zeigen den Maler bei der Arbeit und dokumentieren dessen tägliche Umgebung
sowie Gebrauchsgegenstände und Handwerkszeug - Palettenteller, Pinsel, Farben und Skizzenblöcke.
Montag, 09.08. / 22.40 Uhr / Naganos Kinderlieder Regie: Nadja Frenz
Japanische Kinderlieder aus dem 19. Jahrhundert in einem faszinierenden Konzertprojekt von Kent Nagano: Der Stardirigent hat diese Lieder gesammelt, um sie vor dem Vergessen zu
bewahren. Zusammen mit dem französischen Komponisten Jean-Pascal Beintus arrangierte er sie neu und zeitgemäß für großes Orchester. Der Hamburger Künstler und Japankenner Peter Schmidt tat
sein Übriges und setzte die Konzertreihe "Mysteries of Japan" visuell in Szene. Nadja Frenz durfte Kent Nagano, Peter Schmidt und Jean-Pascal Beintus zwei Jahre lang bei der
Realisierung ihres Projekts von Hamburg über Zürich, Paris und Tokio bis nach Montreal begleiten.
Vor gut vier Jahren hörte der weltberühmte Dirigent Kent Nagano von seiner Tochter das
erste Mal traditionelle japanische Kinderlieder: Die damals sechsjährige Karin Kei hatte sie in ihrem Kindergarten in Paris gelernt und ihren Eltern am Frühstückstisch vorgesungen. Der
58-Jährige Nagano war berührt von diesen Liedern, der Musik und den Texten, und forschte nach ihrem Ursprung. In Japan bezeichnet man sie auch als "Shoka", Schullieder. Sie
basieren auf der Lyrik bekannter japanischer Dichter und orientieren sich an der westlichen Musiksprache. Die Lieder sind während und nach der Meiji-Restauration - Ende des 19. und im 20.
Jahrhundert - entstanden. Japan öffnete sich dem Westen nach fast 250 Jahren der Abgeschlossenheit. Mal geht es in den Texten um die einfachen Dinge des Alltags, dann werden die Fremden
besungen, die ins Land kommen oder auch die Japaner, die ins Ausland gehen, um der Armut zu Hause zu entgehen - so wie auch der Großvater von Kent Nagano vor 90 Jahren aus Japan in die USA
ausgewandert ist. Doch die Tradition, Kindern Lieder vorzusingen, stirbt in Japan ebenso aus wie hierzulande. Damit drohte einem wichtigen Stück Kulturgeschichte der Untergang. Kent Nagano
beschloss, die Kinderlieder vor dem Vergessen zu bewahren. Er sammelte so viele Lieder wie möglich - wie einst die Gebrüder Grimm in Deutschland ihre Märchen. Kent Nagano wollte die Lieder
aber nicht nur sammeln und konservieren. Er beschloss, sie zeitgemäß zu interpretieren und mit einem großen Orchester aufzuführen. Der französische Komponist Jean-Pascal Beintus, der unter
anderem die Filmmusik für "Coco Chanel" komponierte, arrangierte die Kinderlieder neu für ein großes Orchester. Der Hamburger Gestaltungskünstler Peter Schmidt, der mehr als 100
Parfümflakons, Logos und Verpackungen entworfen und mit seiner Arbeit für Luxusmarken zu einem Star im Designgeschäft wurde, schuf die Animationen zu den Kinderliedern. Sein Leben lang hat
sich Peter Schmidt für Japan interessiert und für seine ästhetische Tradition begeistert. Er ist insofern ein kongenialer Partner. Im Februar 2010 wurden "Naganos Kinderlieder" zum
ersten Mal in Montreal aufgeführt, in der Konzertreihe "Mysteries of Japan" des Orchestre symphonique de Montréal. Dieses Programm wurde in HD produziert.
ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in einer "Streaming"-Fassung auf ARTE+7 bereit.
Dienstag, 10.08. / 07.30 Uhr / Palettes: Tizian: Erinnerungen an Arkadien Regie: Alain Jaubert
In ein glückliches Arkadien führt Tizian (1488-1576) mit seinem Gemälde "Ländliches Konzert" (um 1510). Es zeigt eine bukolische Szene: einen
Schäfer und im Vordergrund zwei Männer und zwei nackte Frauen in einer idyllischen Landschaft im Gras sitzend, wahrscheinlich an einem sommerlichen Spätnachmittag. Sie musizieren auf einer
Laute und einer Flöte. "Palettes" untersucht den Bedeutungsgehalt des allegorischen Bildes und taucht dazu ein in die Geistesgeschichte der Renaissance und der Antike.
"Palettes" - ab 26. Juni bis 19. August täglich (außer mittwochs) immer gegen 7.30 Uhr.
Das Gemälde "Ländliches Konzert", das zu Zeiten Ludwigs des XIV. die Wände
von Versailles schmückte, zählt zu den weltweit berühmtesten Bildern. Es zeigt einen Schäfer, zwei nackte Frauen und zwei junge Männer. Sie haben sich - wahrscheinlich an einem sommerlichen
Spätnachmittag - in einer idyllischen Landschaft unter freiem Himmel zum Musizieren versammelt. Was für Musik spielen sie auf ihren Instrumenten? Besingen sie etwa ein glückliches Arkadien?
"Palettes" taucht ein in die Geistesgeschichte der Antike und Venedigs im 16. Jahrhundert, um das Werk zu verstehen. Außerdem gibt die Auseinandersetzung moderner Maler mit
ähnlichen Motiven - wie Manets "Frühstück im Freien" aus dem Jahr 1863 - Aufschluss über den Symbolgehalt von Tizians berühmtem Gemälde. "Ländliches Konzert" wurde
lange Zeit Giorgione zugeschrieben, da es viele Ähnlichkeiten mit Werken dieses venezianischen Malers aufweist, wie zum Beispiel mit Bildern wie "Der Sonnenuntergang", "Die
drei Philosophen" oder "Das Gewitter". Verschiedene Analysen schrieben "Ländliches Konzert" dem einen, dann wieder dem anderen Maler zu, ohne dass man zu einem
eindeutigen Ergebnis gekommen wäre. Zu ihren Lebzeiten arbeiteten Tizian und Giorgione zusammen an einem Fassadenfresko der deutschen Tuchmacherbörse in Venedig. Da ist Giorgione 31 und
Tizian etwa 20 Jahre alt. Giorgione starb 1510, wahrscheinlich bei einer Pestepidemie. Vielleicht vollendete Tizian einige von Giorgiones Bildern, aber bei den meisten Werken ist sich die
Forschung inzwischen einig: Der junge Tizian war der geniale Urheber.
Donnerstag, 10.08. / 07.30 Uhr / Palettes: Vuillard: Die Wege der Erinnerung - Die öffentlichen Anlagen Regie: Alain Jaubert
Öffentliche Anlagen malte der französische Künstler Edouard Vuillard mit Vorliebe: grüne Baumreihen, spielende Kinder oder
gar Hunde, oft beaufsichtigt von dem wachsamen Auge eines Kindermädchens. Seine Motive löste der Maler dabei in imposanten Farbtupfern auf. Die Dokumentation zeigt einige exemplarische
Meisterwerke des Postimpressionismus und geht außerdem auf die Suche nach einem verschwundenen Bild des von der Kunstgeschichte lange verkannten Genies.
"Palettes" - ab 26. Juni bis 19. August täglich (außer mittwochs) immer gegen 7.30 Uhr.
Kunsthistoriker beschäftigten sich lange Jahre kaum mit ihm, doch heute nimmt Edouard
Vuillard einen der vorderen Plätze in der Kunstgeschichte ein. Von Impressionismus, Symbolismus und der japanischen Kunst geprägt, war er gemeinsam mit Malern wie Pierre Bonnard und Maurice
Denis Mitglied der Künstlergruppe Les Nabis. Alain Jaubert interessiert sich in seinem Beitrag vor allem für die "Öffentlichen Anlagen" in Paris, die Vuillard 1894 malte: neun
dekorative Paneele gleicher Höhe, aber unterschiedlicher Breite. Der Park ist das Hauptthema dieser Gemäldereihe, besonders die Tuilerien und der Jardin du Luxembourg. Fünf Bilder befinden
sich heute im Musée d'Orsay. Drei weitere sind auf andere Museen verteilt. Das Paneel mit dem Titel "Die ersten Schritte" ging während des Ersten Weltkrieges verloren und ist in der
Liste der geraubten Kulturgüter aufgeführt. Heute gibt es nur noch die Fotografie aus dem damaligen Verkaufskatalog. Dennoch ist es möglich, das Bild zu rekonstruieren, indem man sich auf die
Skizze mit den Farbangaben und auf die anderen Paneele stützt, mit denen es eine Einheit bildete. Hinter der augenscheinlichen Einfachheit der Themen von Vuillards "Öffentlichen
Anlagen" - Frauen und Kinder im Park - verbirgt sich eine Vielzahl historischer, technischer und gestalterischer Rätsel. Mit Hilfe von Videotechnik lassen sich einige von ihnen lösen.
"Palettes" taucht ein in das Paris, das Edouard Vuillard auf seinen Bildern festhielt und analysiert Arbeitsstil und Motivwahl des Künstlers.
Donnerstag, 10.08. / 21.50 Uhr / Birth of Cool (3/4) Regie: Christian Bettges
1955 - 1966: Ein musikalischer Urknall verändert die Welt und bringt ein Universum neuer Stile hervor. Die vierteilige Dokumentationsreihe "Birth of" begibt sich an die
Anfänge unserer Popkultur und verfolgt die Geburtsstunde neuer musikalischer Formen. Beobachtet sie beim Laufenlernen und begleitet ihren Erfolg: Rock'n'Roll, Soul, Cool und Pop - jene
Galaxien, die in ihrer Gesamtheit nicht mehr und nicht weniger bedeuteten als eine kulturelle Revolution.
Man glaubt es kaum - auch der Jazz wirkt unterschwellig bis heute nach im
Popuniversum. Als Musik bei erfolgreichen Ausnahmekünstlern wie Jamie Cullum, der durch die Folge führt - als Haltung bei allen "Hipstern" in urbanen Milieus, die auf Sichentziehen
als Form der Widerständigkeit setzen. Denen auch Literatur und bildende Kunst nicht fremd sind. Die sich cool geben - "Birth of Cool", das bereits 1949 aufgenommene, Mitte der 50er
erschienene Album von Miles Davis gilt als Geburtsstunde dieser Attitüde und des Sounds. Lee Koonitz, 83 und bei den Aufnahmen zu "The Birth of Cool" als Saxofonist dabei,
zelebriert den Zauber dieser musikalischen Welt - die Jazzgröße Dee Dee Bridgewater steht ihm zur Seite. Die Dokumentation lässt die Existenzialistenzeiten in den Jazzkellern von Paris
aufleben, die bereits in den späten 40ern vormachten, was in Deutschland erst von der Jugendkultur der "Exis" in den späten 50ern nachempfunden wurde. Zeigt die Bezüge zu der
"Beat-Generation", jenen Literaten rund um Allen Ginsberg, die Mitte bis Ende der 50er Jahre in ihren Werken bereits den Sommer of Love vorwegnahmen - ist "Hippie" doch
nichts anderes als die Verballhornung von "Hipster". Und was das hieß, das leben wiederum die Schwarzen in Harlem und den In-Vierteln von Paris zu den Klängen von Charly Parker
und Chat Baker vor ... Die heutige Sendung folgt ihren Spuren auf dem Weg vom Bebop über Cool bis hin zum Free Jazz der 60er Jahre, der als das Gegenprinzip zum Pop bis in die elektronische
Musik heutiger Tage fortwirkt. Mehr Informationen unter: www.arte.tv/summer Parallel zur ARTE-Programmierung bietet arte.tv dem User mit einem crossmedialen Spiel, kommentierten
Playlists und Videoerinnerungen bekannter Persönlichkeiten der 60er Jahre ein umfangreiches Web-Angebot: www.arte.tv/summer
Donnerstag, 10.08. / 22.40 Uhr / Birth of Groove (4/4) Regie: Jean-Alexander Ntivyihabwa
1955 - 1966: Ein musikalischer Urknall verändert die Welt und bringt ein Universum neuer Stile hervor. Die vierteilige Dokumentationsreihe "Birth of" begibt sich an die
Anfänge unserer Popkultur und verfolgt die Geburtsstunde neuer musikalischer Formen. Beobachtet sie beim Laufenlernen und begleitet ihren Erfolg: Rock'n'Roll, Soul, Cool und Pop - jene
Galaxien, die in ihrer Gesamtheit nicht mehr und nicht weniger bedeuteten als eine kulturelle Revolution.
Die 60er - das waren auch die Jahre von Motown und Staxx. Der Soul wurde
geboren und brachte ein ganz neues Gefühl in den musikalischen Mainstream. Ray Charles, Sam Cooke und James Brown verbanden Elemente des Gospels und Blues zu einem leidenschaftlichen,
rhythmischen Sound mit positiver Grundschwingung. Es groovte! Sharon Jones von den Dap-Kings erläutert im legendären New Yorker Apollo die bis heute gültige Wucht und das so einzigartige
Feeling dieses Sounds. The Dap-Kings, das ist jene Formation, die Amy Winehouse musikalisch ihren Welterfolg ermöglichte. Und im Apollo standen in den 60ern Größen wie Sam Cooke und Diana
Ross & The Supremes auf der Bühne. Ebenso Martha Reeves, die nicht zuletzt ihren Jahrhunderthit "Dancin' in the Streets" kommentiert, den sie gemeinsam mit den Vandellas sang.
Die Dokumentation begibt sich an die Geburtsstätten des Soul in Detroit und Memphis. Über einen schlichten Hitreigen hinausgehend erhellt die heutige Sendung den soziokulturellen
Hintergrund des Soul: In ihm erklingt die Forderung der Afroamerikaner nach dem Ende der Segregation und vollen Bürgerrechten. Soul wird zum Soundtrack für die amerikanische
Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King und Malcom X, das Motown Label zum Vehikel wirtschaftlicher Eigenständigkeit. Gil Scott-Heron, Legende und Vorreiter des Rap wie auch des Poetry
Slam, trägt trotz Barack Obama bis heute noch viel Wut im Bauch über die Zwiespältigkeit der Erfahrungen zu Zeiten der Bürgerrechtsbewegung und wird sie in der Dokumentation zum Ausdruck
bringen. Und mittendrin auch Leiber & Stoller: Denn die haben den Welthit "Stand by Me" geschrieben ... Mehr Informationen unter: www.arte.tv/summer Parallel zur
ARTE-Programmierung bietet arte.tv dem User mit einem crossmedialen Spiel, kommentierten Playlists und Videoerinnerungen bekannter Persönlichkeiten der 60er Jahre ein umfangreiches
Web-Angebot: www.arte.tv/summer
Freitag, 10.08. / 07.30 Uhr / Palettes: Renoir: Die schönen Sommersonntage: Tanz im Moulin de la Galette Regie: Alain Jaubert Im April 1874 kommt es in den Atelierräumen des Pariser Fotografen Nadar zur ersten Ausstellung junger kompromissloser Künstler,
die sich gegen den offiziellen Salon auflehnen. Ein Journalist verspottet Monets Gemälde "Impression - Sonnenaufgang" - er bildet die Wortschöpfung: "Impressionisten". Die
jungen Maler ernten weiterhin Spötteleien, aber bald auch positive Kritik und akzeptieren schließlich den Begriff "Impressionismus" als Bezeichnung für ihre Kunst. Auguste Renoir
(1841-1919) ist einer von ihnen. Bei der dritten Impressionisten-Ausstellung verkauft er sein großes Gemälde "Tanz im Moulin de la Galette" (1876). Es zeigt ein unbeschwertes Fest
an einem Sommerabend im Freien. "Palettes" sucht die Originalschauplätze in Paris auf, von denen sich der Maler inspirieren ließ.
"Palettes" - ab 26. Juni bis 19. August täglich (außer mittwochs) immer gegen 7.30 Uhr.
Ein fröhliches Völkchen amüsiert sich an einem Sommerabend in einem Tanzlokal des
Montmartre. Renoir malt die Szene 1876 und macht daraus ein Manifest der neuen impressionistischen Malerei. Entgegen den missgünstigen Behauptungen der damaligen Kritik hat das Bild Erfolg
und findet schnell einen Käufer. In der Tradition Watteaus malt Renoir etwas, das ihn schon als Pariser Junge begeistert hatte: ein galantes Fest. Die Bälle in Montmartre besuchten damals
einfache Leute des Viertels, unter sie mischten sich leichte Mädchen, Ganoven und auch Maler. "Palettes" sucht unter anderem die Originalschauplätze in Montmartre auf, von denen
sich Renoir inspirieren ließ und erklärt, wer Vorbild für die Figuren auf dem Bild war. Mit den wenigen, aber sehr nuancenreich aufgetragenen Farben, dem Verschwinden der Perspektive, den
luftigen Pinselstrichen, der Verschmelzung der Formen und der Inszenierung der Körper und Blicke ist "Moulin de la Galette" ein äußerst geschickt komponiertes Gemälde, das sich
gegen den fotografischen Realismus seiner Zeit wendet. Und gerade bei der Darstellung des Tanzes treibt Renoir die Auflösung der Form auf den Höhepunkt.
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