Programm-Tipps: Musik ~ Theater auf arte:

Montag, 20.05. / 08.55 Uhr / So ein Zirkus! Das European Youth Circus-Festival 2012
Dokumentation, Deutschland, 2012, ZDF       52 Min.
Regie: Birgit Wuthe, Stephan Rebelein

Alle zwei Jahre treffen sich in Wiesbaden Europas junge Zirkus-Talente zum "European Youth Circus Festival", um für die beliebte Trophäe "Bester europäischer Nachwuchs-Artist" zu wetteifern. Der Film begleitet junge Artisten bei ihren Vorbereitungen.

Die Leidenschaft ein Publikum zu unterhalten, beginnt bei den meisten Zirkusartisten, sobald sie laufen können. Es ist der Traum in der Manege zu sein, der sie von Kindesbeinen an antreibt.
Alle zwei Jahre treffen sich die Nachwuchstalente der Varieté-Szene zum European Youth Circus. Sie wurden aus über 100 Bewerbern ausgewählt: die Jongleure, Trapezkünstler, Seiltänzer und Zauberer im Alter von 12 bis 25 Jahren haben die Möglichkeit, vor Kinder- und Erwachsenenpublikum ihr Können zu zeigen. Höhepunkt ist die rauschende Gala der Preisträger und die Auszeichnung "Bester europäischer Nachwuchs-Artist".
Eine Woche dauert das Festival. In den ersten zwei Tagen proben die Artisten, bevor es dann in den Wettbewerb geht. Hinter der Bühne tobt das Leben: Bänder, Keulen, Requisiten und ein Dutzend geschminkter und aufgeregter Jugendlicher bereiten sich vor. Es ist ein Fest der großen Gefühle.
Alte Zirkusnummern werden mit modernen Techniken und choreographischen Finessen neu kombiniert. Akrobatik verschmilzt mit Elementen des Schauspiels. Aber auch die alte klassisch-artistische Zirkusunterhaltung wird von einigen Jugendlichen fortgeführt.
Der Film von Birgit Wuthe begleitet einige der jungen Artisten bei den Wettbewerbstagen. Der 16-jährige Michael Betrian aus den Niederlanden ist, wie seine Mutter sagt, nur schwer von dem abzubekommen, was er sich einmal in den Kopf gesetzt hat. Und das ist der Zirkus: Schon als Kleinkind mit dem Manegen-Virus infiziert machte Michael das heimische Wohnzimmer zur Bühne. Mittlerweile ist er ein Virtuose mit den Diabolos und vermittelt in der Manege den Eindruck, als kämpfe er um sein Leben.
Der 14-jährige David Larible jongliert mit allem, was sich in der Luft bewegen lässt. Er kommt aus einer italienischen Zirkusfamilie mit langer Tradition. Sein Vater, David Larible senior, ist ein bekannter Clown. Larible junior begann als Sechsjähriger mit der Jonglage. Und kämpft mit den Schwierigkeiten junger Artisten, die bereits in einem Zirkus leben: eine reguläre Schule zu besuchen und Freundschaften zu schließen.
Das Nesthäkchen ist der elfjährige Svaytoslav Rsshivikin. Er liebt es, an den Akrobatikseilen durch die Luft zu fliegen. Svaytoslav stammt aus einer Zirkusfamilie in Moskau und begann sein Training mit sechs Jahren. Er ist mit einer solchen Begeisterung dabei, dass er sich nach seiner Vorstellung fühlt wie "eine Gefühlsbombe kurz vor der Explosion".
Die Kamera begleitet die jungen Künstler beim Training in ihrer gewohnten Umgebung, bei ihren Vorbereitungen und dem steigenden Lampenfieber. Denn der große Auftritt kann darüber entscheiden, ob der Traum vom Leben in der Manege Wirklichkeit werden kann.

Montag, 20.05. / 09.50 Uhr / Cirque du Soleil - Amaluna
Zirkus, Kanada, 2012, ZDF       52 Min.
Regie: Diane Paulus
Komponist: Guy Dubuc; Marc Lessard (aka Bob & Bill)
Kostüme: Mérédith Caron
Redaktion: Tobias Cassau
Fernsehregie: Mario Janelle
Choreographie: Karole Armitage
Ton: Jacques Boucher
Künstlerische Leitung: Fernand Rainville

"Amaluna" ist die neueste Show des weltberühmten Cirque du Soleil. ARTE zeigt die Höhepunkte dieser spektakulären Show, die im April 2012 in Montreal ihre Premiere gefeiert hat.

"Amaluna" versetzt die Zuschauer auf eine geheimnisvolle Insel, die von Göttinnen beherrscht wird: Ein weit entferntes Land, das mit den Mondzyklen lebt. Um den Übergang zur Reife ihrer Tochter zu feiern, richtet die Königin Prospera eine rituelle Zeremonie aus. Eine Ehrung der Weiblichkeit, der Erneuerung und des Gleichgewichts, in deren Verlauf dieses wertvolle Erbe von einer Generation auf die nächste übergehen soll.
In Folge eines von Prospera verursachten Sturms landet eine Gruppe junger Männer auf der Insel. Das Herz des jungen Mädchens schlägt schon bald für einen kühnen Bewerber. Doch ihre Liebe wird auf die Probe gestellt, und sie müssen auf dem Weg zu gegenseitigem Vertrauen, Treue und Harmonie furchterregende Hürden nehmen ...

Montag, 20.05. / 10.45 Uhr / 31. Weltfestival des Zirkus von Morgen
Zirkus, Frankreich, 2010, ARTE F       79 Min.
Regie: Massimo Manganaro

Manege frei für junge Zirkustalente: Das 31. Weltfestival des Zirkus von Morgen versammelte 2010 Künstler aus Kasachstan, Südafrika, Kuba, Quebec, Äthiopien, Polen, China und Schweden unter der Zirkuskuppel des Pariser Cirque Phénix. Ihre Darbietungen wurden von einer Jury unter Leitung des italienischen Verwandlungskünstlers Arturo Brachetti mit Preisen bedacht. Eröffnet wurde das Festival mit einer Show der Zirkusschule Fratellini, inszeniert von Coline Serreau.

Wenn gelbe Bälle und Glitter durch die Luft fliegen und ein Jongleur dazu Pirouetten dreht, dann ist es der schwedische Virtuose Johan Wellton, dem der erste Aufritt gehört. Das 31. Weltfestival des Zirkus von Morgen versammelt wieder zahlreiche Künstler aus aller Welt und faszinierte das Publikum mit außergewöhnlichen Darbietungen.
Kraft, Präzision und Grazie sind dabei stets vereint. In fließenden Bewegungen präsentiert die aus Südafrika stammende Schlangenfrau Lunga, eine erstaunliche Biegsamkeit, die nur einem ausgebildeten Kontorsionisten zu eigen ist. Während woanders der typische Clown die Manege betritt, so rufen sich beim 31. Weltfestival des Zirkus die ehemaligen Preisträger Starbugs auf amüsante Art und Weise in Erinnerung.
Die hochkarätige Handstanddarbietung des Duos You and Me, sprich Igor Gavva und Iulia Palii, veranschaulicht ein Höchstmaß an Körperbeherrschung, zumal tragende Funktionen von Iulia Palii übernommen werden. Die neunköpfige Artistentruppe aus Wuqiao und Fuyong experimentiert erfolgreich mit den unterschiedlichen Techniken und erhöht dadurch den Schwierigkeitsgrad. Die anspruchsvolle Kombination aus Diabolo-Jonglieren und Ikarischen Spielen gehört zu ihrem Programm.
Dass sowohl eine vertikale Stange als auch eine Schaufensterpuppe zum Zirkuswerkzeug werden kann, zeigen der Deutschfranzose Rémi Martin und Eike von Stuckenbrok von Base Berlin in zwei beeindruckenden Darbietungen.
Ebenfalls dabei sind das polnische Akrobatenduo Vector, das eine der schwierigsten Nummern des klassischen Repertoires präsentiert, der kasachische Strapaten-Artist (breite Bänder) Darkan, sowie das französische Handstandduo Ludivine Furnon und Nicolas Besnard, das mit ihrer Akrobatik ein Feuerwerk der Sinnlichkeit entfacht.
Im Anschluss an die Preisverleihung der Medaillen tritt die achtköpfige Compania Havana von der Zirkusschule Havanna mit einer Flugtrapeznummer auf, die russische Zirkustradition mit karibischer Energie verbindet.

Die Preisträger 2010:
Goldmedaillen:
- Darkan (Kazakhstan), Strapaten
- Troupe de l'Ecole de Cirque de Wuqiao et Troupe Acrobatique de Fuyong (China), Diablolo & Ikarische Spiele
Silbermedaillen:
- Nicolas Besnard & Ludivine Furnon (Frankreich) Hand-auf-Hand-Akrobatik
- Igor Gavva & Iulia Palii (Ukraine), Equilibristik
- Eric Longequel & Antonin Hartz (Frankreich), Diabolo
Bronzemedaillen:
- Rémi Martin (Deutschland/ Frankreich), Chinesischer Mast
- Eike Von Stuckenbrok (Deutschland), Equilibristik
- Yan & Greg (Frankreich), Hand-auf-Hand-Akrobatik
- Lunga (Südafrika), Kontorsion
- Maxime Pythoud (Schweiz), Rad
Sonderpreis der Jury:
- Johan Wellton (Schweden), Jonglage
- Pauline Hachette & Linde Hartman (Frankreich), Cadre aérien

Montag, 20.05. / 13.10 Uhr / 360° - Geo Reportage: Russlands Zirkusschule auf Tour
Reportage, Deutschland, Frankreich, 2007, ARTE       52 Min.
Regie: Wolfgang Mertin

Am stillen Ufer des Seligersees zwischen Moskau und Sankt Petersburg balancieren junge Leute auf aufgetürmten Rollen, jonglieren mit Bällen und Ringen, machen Handstand auf Stützbalken oder verrenken ihre Körper. Es sind Studenten der Moskauer Zirkusschule, die hier für zwei Wochen trainieren. Ihr Lehrer Igor Teplow, ein ehemaliger Zirkusartist, hat die Reise in die verlassenen Dörfer rund um den See organisiert. So lernen die angehenden Artisten die Menschen und deren Alltag abseits der Großstadt kennen. "360° - Geo Reportage" geht mit der Zirkustruppe rund um den russischen Seligersee auf Reisen.

Vor einer kleinen Hütte am Seligersee zwischen Moskau und Sankt Petersburg ist ein langer Frühstücktisch gedeckt. Clown Alexej jongliert mit den Frühstückseiern, unten am See putzt sich Artistin Jelena die Zähne mit Seewasser. Fernab der städtischen Zivilisation wird die junge Zirkustruppe in den kommenden zwei Wochen Ferien machen. Doch Freizeit werden sie kaum haben, denn ihrer aller Traum ist ein Engagement in den großen Zirkusarenen der Welt.
Jongleur Pawel will es bis nach Monte Carlo schaffen: "Wenn man kein so hohes Ziel hat, sollte man die Finger vom Zirkus lassen", verkündet er selbstbewusst. Dafür trainiert Pawel täglich viele Stunden. Die Artisten bringen ein bisschen Trubel in das Leben der Dorfbewohner rund um den See. Für die Alten und Vergessenen in der Region bedeuten die Auftritte der Truppe eine erfreuliche Abwechslung. In den meisten Ortschaften leben nur noch alte Frauen - ihre Männer sind verstorben und die jungen Leute sind auf der Suche nach Arbeit in die Städte gezogen. Für eine Stunde nehmen die Artisten die russischen Großmütter mit in die Welt des Zirkus.
Laut schallt die Musik durchs Dorf, während Jelena im weißen Tüllröckchen auf acht übereinanderliegenden Rollen schwankt. Groß ist das Staunen über die biegsame Schlangenfrau Alessa, die keine Knochen zu haben scheint, und wenn Pawel seine Jongleurringe durch die Luft wirbelt.
Trainer Igor Teplov lacht zufrieden. Er will die Reise dazu nutzen, seinen Studenten den Kern des Artistenlebens nahezubringen: Trainieren und Auftreten, egal unter welchen Bedingungen. Ob bei Sonne oder Wind, auf der Wiese oder auf einem Boot. Er will den Artisten helfen, ihre großen Träume zu verwirklichen. "Und das geht nur", sagt er "wenn wir uns selber täglich zeigen, dass wir die Besten sind!"

Zusatzinfo:
"360° - Geo Reportage" präsentiert außergewöhnliche Menschen rund um den Globus. Hochglanzfotos, Videoausschnitte und ein monatliches Bilderrätsel: die spannende Welt von Geo jetzt auch im 360°-Diaporama unter: www.arte.tv/geo

Montag, 20.05. / 14.05 Uhr / Cirque du Soleil - La Nouba
Zirkus, Kanada, 2005, ZDF       90 Min.
Regie: David Mallet
Komponist: Benoit Jutras
Kostüme: Dominique Lemieux
Choreographie: Debra Brown
Ton: Jonathan Deans
Künstlerische Leitung: Gilles Ste-Croix
Herstellungsleitung: Franco Dragone

ARTE zeigt mit "La Nouba" eine der erfolgreichsten Resident Shows des Cirque du Soleil. Zirkusmenschen treffen in der Welt von "La Nouba" auf Stadtmenschen, Fantasie auf Eintönigkeit. Die Show verzaubert ihre Zuschauer mit großartiger Artistik und einer spektakulären Inszenierung.

"La Nouba" lädt die Zuschauer zu einer unvergesslichen Reise in eine Welt ein, die zugleich bedrohlich und betörend, intrigant und vertraut ist. Es ist die Geschichte der Geschichten, der Hort aller Geheimnisse, ein Ort, an dem Träume und Alpträume auf irritierende Weise miteinander eine Verbindung eingehen. Eine Einladung, ja sogar eine Provokation, um Leidenschaften aufleben zu lassen, die viele seit langer Zeit schon ausgelöscht wähnten. "La Nouba" ist eine Welt, in der das Unmögliche möglich wird.
Über die Dauer der Show werden zwei verschiedene Menschengruppen in Szene gesetzt - die Magie und Fantasie der bunten Zirkusmenschen treffen auf die monochrome Welt der Städter.
Doch wie in jeder Fabel ist es nicht so sehr der Gegensatz sondern eher die Interaktion, die unsere Neugier weckt und die Vorstellungskraft anregt. Dieses Aufeinandertreffen lässt Angst und Verzückung entstehen. Dieses Aufeinandertreffen lässt "La Nouba" entstehen.

Montag, 20.05. / 15.45 Uhr / Clowns
Dokumentation, Frankreich, 2012, ARTE F       25 Min.
Regie: Michel Huguet, Paul-Henry Rouget

"Clownerie": Auch heute hat diese zeitlose Kunstform nichts von ihrem Charme eingebüßt - zur Freude von Groß und Klein. Clowns bringen ihr Publikum zum Staunen, träumen, lachen, aber auch zum nachdenken oder gar weinen. Sie sind schlicht die modernen Poeten des Absurden und bedienen sich eines Sammelsuriums gebündelter Sinnlosigkeit ... Die Dokumentation von Michel Huguet zeigt Archivbilder von den bedeutendsten Internationalen Zirkusfestivals. Seinen Reiz verdankt sie nicht zuletzt den humorvoll-spritzigen Kommentaren von Calixte de Nigremont, der durch die Sendung führt.

Clowns sind heutzutage aus keinem Zirkus mehr wegzudenken. Sie scherzen, plaudern, musizieren, können aber auch durch Pantomime begeistern. Sie bringen das Publikum zum Lachen, Träumen oder gar zum Weinen. Die Clowns wecken in jedermann eine zumeist vergessene infantile Freude.
Bis Ende des 19. Jahrhunderts waren Clowns jedoch vorwiegend stumm, ihre heute bekannten Requisiten waren ihnen untersagt. Das Sprechen war den Theaterschauspielern auf der Bühne vorbehalten, die Musikinstrumente den professionellen Musikern. Daher mussten die Clowns erfinderisch werden und sich zum Beispiel alter Konservenbüchsen samt Hammer und Amboss bedienen, um "Musik" zu machen - die seit eh und je wichtiger Bestandteil einer jeden Show war.
Später wurden all diese Verbote aufgehoben und den Poeten der Sinnlosigkeit öffnete sich ein viel breiteres Spektrum, um ihr Publikum noch vielseitiger zu erreichen. Im Vordergrund des vielfarbigen Mosaiks steht das Komische dieser poetischen Darstellungskunst - deutlich werden aber auch immer wieder tragische Untertöne. Die Dokumentation von Michel Huguet skizziert die Geschichte der Clowns und zeigt berühmte Auftritte von bedeutenden Zirkusfestivals.

Montag, 20.05. / 20.15 Uhr / Festival von Cannes
Schwerpunkt

ARTE rollt den roten Teppich aus und zeigt im Mai einige der erfolgreichsten Festivalfilme aus Cannes, darunter drei "Goldene Palmen": "Das weiße Band" von Oscar-Gewinner Michael Haneke, den Überraschungserfolg von 2008, "Die Klasse", und "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage", eine ARTE-Koproduktion.

Französische Riviera im Wohnzimmer: Wie immer im Mai zeigt ARTE eine Reihe herausragender Filme, die auf dem Festival von Cannes (15. bis 26. Mai 2013) ihre Premiere feierten, wenn sie nicht sogar mit einem Preis nach Hause gingen.
Den Auftakt bildet der semidokumentarische Film "Die Klasse" des französischen Regisseurs Laurent Cantet, die Überraschungspalme aus dem Jahr 2008: Ein junger Lehrer versucht den Schülern einer Pariser Problemschule seinen Literaturunterricht nahezubringen. Trotz seines unermüdlichen Engagements, lässt er sich eines Tages zu einer despektierlichen Äußerung hinreißen und die Ereignisse eskalieren. Die Schüler und der Lehrer spielen sich selbst, was den Film umso authentischer wirken lässt.
Kunstvoll-romantisch geht es weiter mit "Bright Star - Meine Liebe. Ewig." von der neuseeländischen Regisseurin Jane Campion. Sie erzählt von einer unschuldigen Liebe im England des 19. Jahrhunderts, die gesellschaftliche Hürden zu überwinden sucht - mit Abbie Cornish und Ben Whishaw in den Hauptrollen.
Joaquín Phoenix als depressiver, am Leben und der Liebe gescheiterter Sohn fürsorglicher Eltern verliebt sich in "Two Lovers" Hals über Kopf in die aufgedrehte, kühle Michelle - Gwyneth Paltrow. Verloben tut er sich jedoch mit der ruhigen, sanftmütigen Sandra, die sein Vater für ihn ausgewählt hat. Regisseur James Gray drehte eine tragikomische Dreiecksgeschichte mit melancholischem Unterton.
Der Film "Perserkatzen kennt doch keiner", Gewinner des Prix Spécial du Jury 2009, gewährt einen ungewöhnlichen Einblick in das junge Teheran und seine Untergrund-Rockszene: Um bei einem Konzert in London auftreten zu können, versuchen zwei junge iranische Musiker weitere Bandmitglieder zu finden und ein Visum zu bekommen.
"Das weiße Band" von Oscar-Gewinner Michael Haneke ("Liebe") erhielt die begehrte Goldene Palme im Jahr 2009. Der Schwarz-Weiß-Film schildert bedrückende Familienverhältnisse in einer fiktiven Dorfgemeinschaft kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs - ein Mikrokosmos gebaut auf Abhängigkeit, Angst und Unterwerfung.

Im Anschluss an "Das weiße Band" zeigt ARTE eine Dokumentation über die Entstehungsgeschichte des Films und gleichzeitig auch ein Porträt des österreichischen Starregisseurs Michael Haneke.
Als erster rumänischer Film überhaupt wurde "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" von Cristian Mungiu 2007 mit der Goldenen Palme ausgezeichnet: Die Studentinnen Otilia und Gabita leben im spät- kommunistischen Rumänien unter der Diktatur Nicolae Ceausescus. Gabita ist ungewollt schwanger, doch Abtreibungen sind gesetzlich verboten. Trotzdem entschließt sie sich mit Hilfe ihrer Freundin Otilia zu einem illegalen Schwangerschaftsabbruch.
"Sugarland Express", das Kinodebüt von Steven Spielberg - diesjähriger Jury-Präsident des Festivals von Cannes - gewann 1974 einen Preis für das beste Drehbuch. Aufgrund einer Vorstrafe verliert die arbeitslose Kosmetikerin Lou Jean das Sorgerecht für ihren zweijährigen Sohn Langston. Dieser kommt in die Obhut eines gut situierten Paares in Sugarland, Texas. Um ihr Kind zurückzuholen, überredet die besorgte Mutter ihren Mann Clovis zur Flucht aus dem Gefängnis. Auf dem Weg zum Haus der Pflegeeltern kommt es zur Konfrontation mit der texanischen Polizei.

Auch das "ARTE Journal" atmet die Luft der Croisette, frisch und aktuell: Das "ARTE Journal" lädt die Zuschauer täglich nach Cannes ein - mittags und abends zum Rendezvous mit den Stars des Moments, den Regisseuren von morgen und den spannendsten Kino-Entdeckungen des diesjährigen Festivals.

Die einzelnen Sendungen im Überblick:
(1): "Die Klasse", Film von Laurent Cantet, am Mittwoch, den 8. Mai um 20.15 Uhr
(2): "Abgedreht!", Magazin mit dem Thema Kino anlässlich des Festivals von Cannes, am Sonntag, den 12. Mai um 15.35 Uhr, Erstausstrahlung
(3): "Bright Star - Meine Liebe. Ewig.", Film der neuseeländischen Regisseurin Jane Campion, am Sonntag, den 12. Mai um 20.15 Uhr
(4): "Two Lovers", Film von James Gray, am Montag, den 13. Mai um 20.15 Uhr
(5): "Perserkatzen kennt doch keiner"; Film von Bahman Ghobadi, am Montag, den 13. Mai um 22.00 Uhr
(6): "Das weiße Band", Film von Michael Haneke, am Mittwoch, den 15. Mai um 20.15 Uhr
(7): "Es war einmal ... Das weiße Band", Dokumentation über Oscar-Gewinner Michael Haneke, am Mittwoch, den 15. Mai um 22.30 Uhr
(8): "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage", Film von Cristian Mungiu, am Mittwoch, den 15. Mai um 23.25 Uhr
(9): "Square", Magazin mit einem Gast zu den Internationalen Filmfestspielen von Cannes, am Sonntag, den 19. und 26. Mai jeweils 11.45 Uhr, Erstausstrahlung
(10): "Sugarland Express", Spielfilm von Steven Spielberg, am Montag, den 20. Mai um 20.15 Uhr
(11): "Metropolis", Kulturmagazin mit einem Beitrag zum Festival von Cannes, am Samstag, den 25. Mai um 16.45 Uhr, Erstausstrahlung
(12): "ARTE Journal" mit der Preisverleihung des Festivals von Cannes, am Sonntag, den 26. Mai um 00.35 Uhr, Erstausstrahlung
Mehr Informationen im Internet ab dem 8. Mai auf: www.arte.tv/cannes
Vom 15. bis zum 26. Mai präsentiert das "ARTE Journal" täglich eine Reportage zum Festival von Cannes. Parallel dazu werden weitere Beiträge (durch Bonusmaterial ergänzt) online gestellt wie ein Live-Blog, Filmausschnitte und Trailer.
Mehr Informationen ab dem 8. Mai auf: www.arte.tv/cannes

Mittwoch, 22.05. / 20.15 Uhr / Wagnerwahn
Schwerpunkt: 200 Jahre Richard Wagner
Dokumentarfilm, Deutschland, 2012, SWR       89 Min.
Regie: Ralf Pleger
Darsteller: Philippe Jordan, Katharina Wagner, Oliver Hilmes, Eva Rieger, Laurence Dreyfus
Mit: Samuel Finzi (Richard Wagner), Pegah Ferydoni (Cosima Wagner), Philippe Jordan, Katharina Wagner, Oliver Hilmes, Eva Rieger, Laurence Dreyfus
Erstausstrahlung

"Wagnerwahn" lotet den Zusammenhang zwischen der Person Richard Wagners und seiner überwältigenden Musik aus. Der Film ist eine spannende Neuerzählung historischer Fakten und zeigt in atemberaubenden Bildern Wagners Leben auf der Flucht in Folge seiner Teilnahme am Dresdner Maiaufstand 1849. Interviews mit führenden Wagner-Experten, Animationen und Spielszenen (Samuel Finzi und Pegah Ferydoni als Richard und Cosima Wagner) verschmelzen - getragen von Wagners Musik - zu einer zeitgemäßen Dokumentation über den Komponisten.

Der Film "Wagnerwahn" begegnet dem streitbaren Komponisten kühn, eindringlich und auf Augenhöhe und lotet den Zusammenhang zwischen der Person Richard Wagners und seiner überwältigenden Musik aus. Wagners Leben ist extrem: ausschweifend, egomanisch, anarchisch bis zur Gesetzlosigkeit. Seine schillernde Androgynität, seine Vorliebe für rosa Seide und schweres Parfüm, seine Sucht nach Luxus sind ein Schlüssel zum Geheimnis seiner berauschenden Musik. Aber erst mit seiner zweiten Frau Cosima findet er eine kongeniale Komplizin, die sein Leben organisiert. Sie ist maßgeblich für den Aufbau des Mythos Wagner verantwortlich.

"Wagnerwahn" ist eine spannende Neuerzählung historischer Fakten und erzählt in atemberaubenden Bilderwelten temporeich Wagners Leben auf der Flucht, seitdem er sich im Frühjahr 1849 aktiv am Dresdner Maiaufstand beteiligt hatte und er steckbrieflich gesucht wurde. Außerdem schildert die Dokumentation seine Begegnung mit Cosima von Bülow, die für Wagner immer unentbehrlicher wird. Sein abscheulicher Antisemitismus, den er zunächst anonym, dann mit Kalkül unter seinem Namen in wüsten Pamphleten öffentlich macht, teilt er mit ihr.

Wagner-Experten wie der Chefdirigent der Pariser Oper, Philippe Jordan, die Leiterin der Bayreuther Festspiele, Katharina Wagner, die Bestsellerautoren Oliver Hilmes und Eva Rieger, der Oxford-Professor Laurence Dreyfus und andere kommentieren Mythos und Machenschaften des wohl berühmtesten und bis heute umstrittensten deutschen Komponisten. Mit Hilfe von Animationen wird die Aktenlage illustriert, in aufwendigen Spielszenen wird die Geschichte von Richard und Cosima Wagner inszeniert. So hebt sich "Wagnerwahn" in seinem zeitgemäßen Umgang mit Hochkultur von gängigen Dokumentationen ab, gerade im Hinblick auf ein junges Publikum.

Samuel Finzi ("Flemming", "Kokowääh") und Pegah Ferydoni ("Türkisch für Anfänger") verkörpern das berühmteste "Gangster-Pärchen" der Kulturgeschichte. Wagners Musik hat Hollywood geprägt, dementsprechend wird die Geschichte des extravaganten Duos im Stil eines Hollywood-Melodrams der 50er Jahre erzählt. Die Dialoge basieren auf Originalzitaten aus Wagners Briefen und Cosimas Tagebüchern und die gesamte Filmmusik besteht aus originaler Wagner-Musik.

Richard Wagner stirbt am 13. Februar 1883 in Venedig nach einem Zerwürfnis mit Cosima. Zu Lebzeiten stand sich Wagner immer wieder selbst im Weg, durch seine Skandale, seine Widersprüche, seinen Wahn. Erst nach seinem Tod kann Cosima den Mythos Wagner vollenden.

Zusatzinfo:
Zusätzlich zum Film wird die Wagner-Story crossmedial durch die Medien erzählt: In einer App für Tablets und Smartphones wird in einem interaktiven Comic das Leben Wagners erzählt. Diese Geschichte wird zudem als Graphic Novel veröffentlicht.

Mittwoch, 22.05. / 21.45 Uhr / Live aus Bayreuth ~ Geburtstagskonzert für Richard Wagner
Musik, Deutschland, 2013, BR       120 Min.
Moderation: Annette Gerlach
Komponist: Richard Wagner
Dirigent: Christian Thielemann
Orchester: Das Orchester der Bayreuther Festspiele

Mit: Eva-Maria Westbroek (Sieglinde (Sopran)), Johan Botha (Rienzi, Siegmund (Tenor)), Kwangchul Youn (Hunding (Bass))

Erstausstrahlung

Zuschauerraum im Festspielhaus Bayreuth
Bildrechte: BR / © Bayreuther Festspiele

Live aus dem Festspielhaus Bayreuth: Am 22. Mai 2013 feiert Bayreuth den 200. Geburtstag von Richard Wagner mit einem Gala-Konzert der Extraklasse: Unter der Leitung von Stardirigent Christian Thielemann spielt das Orchester der Bayreuther Festspiele Auszüge aus den Werken "Die Walküre", "Rienzi", Tannhäuser, "Götterdämmerung" und "Die Meistersinger". Als Solisten treten hochkarätige internationale Opernstars auf : Eva-Maria Westbroek (Sopran), Johan Botha (Tenor) und Kwangchul Youn (Bass).


Am 22. Mai 1813 feiert Bayreuth den 200. Geburtstag von Richard Wagner mit einem Festkonzert zu Ehren des großen deutschen Komponisten. Stardirigent Christian Thielemann , seit Sommer 2012 Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden, setzt seit seinem Bayreuth-Debüt im Sommer 2000 ("Meistersinger") alljährlich neue Maßstäbe am Grünen Hügel. Unter seiner Leitung spielt das Orchester der Bayreuther Festspiele das Konzert zum Jubiläum Richard Wagners, dessen Musik auch im 21. Jahrhundert nicht an Kraft und Potenzial zur Kontroverse verloren hat. ARTE-Moderatorin Annette Gerlach präsentiert dieses Festkonzert der Superlative aus Bayreuth.
Auf dem Programm dieser erstmals konzertanten Aufführung auf der Bühne des Bayreuther Festspielhauses steht zum Auftakt der erste Aufzug aus der Oper "Die Walküre" (Teil II des "Ring des Nibelungen"), mit deren Interpretation Christian Thielemann unter anderem schon bei den Bayreuther Festspielen 2010 großen Applaus erntete. Des Weiteren folgen aus der Oper "Rienzi" die Introduktion und das Gebet des Rienzi, Rheinfahrt und Trauermarsch aus der "Götterdämmerung" sowie zum Abschluss des Festkonzerts das Vorspiel aus "Die Meistersinger von Nürnberg".
Auch hochkarätige international renommierte Opernstars werden bei dieser Aufführung für Wagner-Sternstunden sorgen: Als Sieglinde ("Walküre") ist die niederländische Sopranistin Eva-Maria Westbroek zu erleben, die in dieser Rolle 2008 ihr Bayreuth-Debüt gab. Von 2001 bis 2006 war sie an der Staatsoper Stuttgart engagiert, wo sie unter anderem als Tosca und Desdemona ("Otello") auftrat und 2006 zur Kammersängerin ernannt wurde. Gastspiele führten sie unter anderem an die Opernhäuser von Wien, London, München, Berlin, Mailand und New York sowie zu den Festspielen von Salzburg und Aix-en-Provence.
Der weltweit gefeierte Tenor Johan Botha konnte für die Rollen des Rienzi und des Siegmund engagiert werden. Als Siegmund brillierte Botha bereits bei seinem Bayreuth-Debüt 2010. Der in Südafrika geborene Sänger ist seit 1990 in Europa tätig. Seinen internationalen Durchbruch schaffte er 1993 als Pinkerton ("Madama Butterfly") an der Opéra Bastille in Paris. 2003 wurde er zum bisher jüngsten Kammersänger der Wiener Staatsoper ernannt, der er seit seinem dortigen Debüt 1996 tief verbunden ist und im dortigen Repertoire nahezu sein gesamtes Rollenspektrum gesungen hat. Botha tritt regelmäßig an allen wichtigen Häusern und Festivals der Welt auf.

Der koreanische Sänger Kwangchul Youn ist einer der gefragtesten Bässe unserer Zeit. In "Die Walküre" singt er Hunding, den Ehemann von Sieglinde. Youn war von 1993 bis 2004 Mitglied der Berliner Staatsoper, wo er viele Rollen seines breitgefächerten Repertoires sang, unter anderem in den Opern "Aida", "La Bohème", "Don Carlos", "Don Giovanni", "Elektra", "Le nozze di Figaro", "Die Meistersinger", "Parsifal", "Tristan und Isolde". Er ist zu Hause auf den großen Bühnen der Welt wie der MET, der Wiener Staatsoper, der Staatsoper Berlin sowie regelmäßiger Gast bei den bedeutendsten Festspielen wie unter anderem den Dresdner Musikfestspielen, den Salzburger Festspielen und natürlich auch bei den Bayreuther Festspielen.

Zusatzinfo:
Die einzelnen Werke im Überblick:
(1): "Die Walküre", Erster Aufzug
(2): "Rienzi", Introduktion und Gebet des Rienzi
(3): "Götterdämmerung", Rheinfahrt und Trauermarsch
(4): "Die Meistersinger von Nürnberg", Vorspiel

Christian Thielemann wurde in Berlin in eine musikbegeisterte Familie hineingeboren. Seine berufliche Laufbahn begann er 1978 als Korrepetitor an der Deutschen Oper Berlin. Nach Stationen in Gelsenkirchen, Karlsruhe und Hannover wurde er 1985 Erster Kapellmeister an der Düsseldorfer Rheinoper. 1988 trat er als jüngster Generalmusikdirektor Deutschlands in Nürnberg an, bevor er 1997 für sieben Jahre in gleicher Position an die Deutsche Oper Berlin zurückkehrte. Von 2004 bis 2011 war Thielemann Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker. Im Sommer 2012 übernahm er als Chefdirigent die Leitung der Sächsischen Staatskapelle Dresden.
Christian Thielemann hat ein breites Repertoire, das von Bach bis zu Henze und Gubaidulina reicht. Seine Interpretationen des deutsch-romantischen Opern- und Konzertrepertoires gelten weltweit als exemplarisch. Seit seinem Bayreuth-Debüt im Jahr 2000 ("Die Meistersinger von Nürnberg") hat er die Festspiele alljährlich durch Maßstab setzende Dirigate geprägt; seit 2010 ist er den Bayreuther Festspielen auch als musikalischer Berater verbunden. Bei den Salzburger Festspielen 2011 leitete Thielemann eine umjubelte Neuproduktion der "Frau ohne Schatten" von Richard Strauss.
Thielemanns Diskographie ist umfangreich und umfasst zahlreiche Aufnahmen symphonischer Werke und Opern bei der Deutschen Grammophon. Mit den Wiener Philharmonikern erarbeitete er sämtliche Beethoven-Symphonien, deren Mitschnitte auf CD und DVD veröffentlicht wurden. Mit der Staatskapelle Dresden sind Bruckners achte Symphonie, Beethovens "Missa solemnis", die Mitschnitte der ZDF-Silvesterkonzerte 2010 und 2011, "Faust"-Kompositionen von Wagner und Liszt sowie Brahms' erstes Klavierkonzert mit dem Pianisten Maurizio Pollini erschienen.
Ab 2013 übernimmt Christian Thielemann die künstlerische Leitung der Osterfestspiele Salzburg, deren Orchester die Sächsische Staatskapelle Dresden sein wird. Seit 2011 ist er Ehrenmitglied der Royal Academy of Music in London. Außerdem wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und der Katholischen Universität Leuven (Belgien) verliehen.

Mittwoch, 22.05. / 23.50 Uhr / Richard Wagner - Eine Filmbiographie anlässlich des 100. Geburtstags des großen Meisters

Stummfilm, Deutschland, 1913, ZDF       98 Min.
Regie: Carl Froelich
Drehbuch: William Wauer
Kamera: Carl Froelich
Musik: Giuseppe Becce
Produktion: Transit Film GmbH, Messter Film GmbH
Restaurierung: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, EYE Film Institute Netherlands
Mit: Giuseppe Becce (Richard Wagner), Olga Engl (Cosima Wagner), Miriam Horwitz (Mathilde Wesendonck), Manny Ziener (Minna Planer), Ernst Reicher (König Ludwig II.)
Erstausstrahlung

"Richard Wagner. Eine Filmbiographie anlässlich des 100. Geburtstages des großen Meisters" - entstand zum 100. Geburtstag "des großen Meisters" und erzählt in der Manier von "tableaux vivants" die Biografie von Richard Wagner. Zusammen mit der nun wieder rekonstruierten Originalmusik von Giuseppe Becce ist "Richard Wagner" das erste Biopic des deutschen Films, zu dem auch die erste deutsche Filmmusik geschrieben wurde. Die Uraufführung der rekonstruierten Filmfassung findet an selben Tag im Festspielhaus Baden-Baden statt. Die Filmmusik, live eingespielt von der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Frank Strobel, wird von ARTE für die leicht zeitversetzte Fernsehausstrahlung mitgeschnitten.

Der Film:
Oskar Messter, einer der agilsten Filmproduzenten des deutschen Stummfilms, hatte 1913 die Idee für eine Verfilmung der Biografie Richard Wagners. Anlass war der 100. Geburtstag (22. Mai 1913) des Komponisten. So entstand die erste Verfilmung, die in üppiger historistischer Ausstattung den Stationen im Leben des Komponisten folgt - angefangen von seinem Studium und der ersten Anstellung im Lauchstädter Theater, über die Erfolge und Misserfolge in Dresden, bis hin zur Förderung durch König Ludwig II., der ihn bis an sein Lebensende unterstützte.
Restaurierung:
Anlässlich des 200. Geburtstags von Richard Wagner wird das 100 Jahre alte Filmwerk in einer rekonstruierten Fassung von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und ZDF/ARTE wieder zugänglich gemacht: Ausgangsmaterial dieses aufwändigen Rekonstruktionsprojekts ist eine restaurierte Filmkopie aus dem EYE Filminstitute Netherlands (Filmmuseum Amsterdam), wo sich zwei historische viragierte Nitro-Kopien erhalten haben; nach einem sorgfältigen Abgleich der beiden Kopien wurde ein neues Internegativ hergestellt und nach dem Desmet-Verfahren (mit Farblicht und unter Verwendung von farbigem Trägerfilm) ausbelichtet, um die historischen Einfärbungen zu reproduzieren. In seiner rekonstruierten Farbigkeit wirkt der Film wie ein Ausflug ins illusionistische Theater des 19. Jahrhunderts.
Darauf erfolgte eine Digitalisierung in 2K Auflösung und Ergänzung mit den überlieferten historischen Zwischentiteln, so dass die neue Digital-Kopie nun als dcp (digital cinema package) in Kino- und Konzertsälen gezeigt werden kann.
Den Schlussstein der Rekonstruktion setzt die Bearbeitung der Originalmusik von Giuseppe Becce, produziert von ZDF/ARTE und in Auftrag gegeben bei dem Berliner Komponisten Bernd Schultheis, der den überlieferten Klavierauszug auf die restaurierte Filmfassung synchronisiert und instrumentiert hat.

Die Filmmusik:
Kardinalfrage war schon während der Dreharbeiten der Umgang mit der Musik von Richard Wagner. Die Produzenten wollten den Film mit Musik aus Wagners Werken unterlegen , was aber die damals noch lebende Cosima Wagner untersagte, wie auch den Rückgriff auf Musik ihres Vaters Franz Liszt. Da kam ein schöner Zufall zur Hilfe: Der Hauptdarsteller Giuseppe Becce, der wegen seiner verblüffenden Ähnlichkeit zu Richard Wagner von Oskar Messter mit der Titelrolle betraut worden war, empfahl sich mit dem Vorschlag, eine Musik zu komponieren, die der Musik beider so stark nachempfunden sei, dass man sofort die Referenz zum Original erkenne, gleichzeitig aber so verschieden, dass rechtlich nichts einzuwenden sei.
Giuseppe Becce, immer schon ein Pragmatiker im Umgang mit den Werken anderer Musiker, verwendete "... Musiken von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven und Gioacchino Rossini, die er jedoch nicht nur atmosphärisch im "Off" oder als "Source"-Musik (On-Musik) einsetzt. Becce geht es - im Gegensatz zu den Produzenten des Films - offensichtlich nicht allein darum, ein kunstbeflissenes Potpourri bekannter Werke zusammenzustellen, sondern er entwickelt einen Ansatz von filmischer Musikdramaturgie, indem er die Musik schneidet oder auch (agogisch) verzerrt und mit musikalischen Symbolen nahezu leitmotivisch arbeitet und auf diese Weise auch Szenen miteinander verknüpft." (Bernd Schultheis)
So entstand ein kongeniales Plagiat, das heute, im Abstand von 100 Jahren, ein aufschlussreiches Dokument der Wagner Rezeption und des Versuchs ist, den großen Meister dem (Kino)Publikum nahezubringen. Mit seiner musikalischen Arbeit für diesen Film legte Becce den Grundstein für seine spätere Arbeit als Filmkomponist und Verfasser von Kinotheken sowie des Standardwerkes "Allgemeines Handbuch der Filmmusik" (zusammen mit Hans Erdmann und Ludwig Brav).

Zur Bearbeitung von Bernd Schultheis:
Becces Musik existiert in Form eines präzise eingerichteten Klavierauszuges. Eine Partitur ist nicht (mehr) vorhanden. Bernd Schultheis richtete die Musik unter Berücksichtigung von Becces filmdramaturgischen Anlagen neu ein - auch wenn heute, mehr als 75 Jahre nach dem Tod des Komponisten, die Musik Wagners verwendet werden dürfte.
Becce hat mit seinem dramaturgischen Konzept der Raffung und des musikalischen Schnittes der Tatsache Rechnung getragen, dass Wagners Originalmusik sich in der relativ schnellen Szenenabfolge des Films nicht angemessen entfalten könnte.
Wie Bernd Schultheis zu seiner neuen Orchesterfassung anführt, folgt er in seiner Instrumentation nicht immer der Originalpartitur des jeweiligen, von Becce zitierten Komponisten. Seine Bearbeitung zeichnet sich durch eine sanft ironische Brechung des Films und der Musik aus, sie eröffnet eine eher kritische Perspektive auf Wagners Biographie und deren Inszenierung im Film. In der neuen Musikfassung wird der Film auch für "Nicht-Wagner-Kenner" erlebbar und würdigt ihn gleichzeitig als ein wichtiges Dokument der Wagner-Rezeption.

Zusatzinfo:
Carl Froelich (1875 - 1953 / Regie und Kamera)
Wie oftmals in der frühen Filmgeschichte, so war Carl Froelich in einer Doppelfunktion an der Entstehung von "Richard Wagner" beteiligt, nämlich als Kameramann und als Regisseur. Seine ersten Filmerfahrungen hatte er bei Messters Wochenschau gewonnen, im Ersten Weltkrieg war er als Kriegsberichterstatter an der Front. In den 20er Jahren drehte er vor allem Spielfilme, unter anderem mit Henny Porten, mit der er zusammen eine Produktionsfirma betrieb. Carl Froelich zählt zu den großen Filmpionieren, da er immer auch in technischer Hinsicht an Innovationen interessiert war. Er drehte 1929 den ersten deutschen Tonfilm "Die Nacht gehört uns" und 1936 den ersten deutschen Farbfilm. In der NS-Zeit war Froelich als Partei-Funktionär aktiv und war schließlich Präsident der Reichsfilmkammer. Gleichwohl wurde er 1948 entnazifiert und konnte noch im hohen Alter seine Arbeit als Regisseur fortsetzen, bevor er 1953 starb.

Giuseppe Becce (1877 - 1973 / Originalmusik)
Giuseppe Becce, 1877 in Oberitalien geboren, kam um 1900 als Geografie-Student nach Berlin, studierte dort Musik und debütierte 1910 als Komponist von Opern und Operetten. Über den Filmproduzenten Oskar Messter ergab sich ein erster Kontakt zum Film bei der Produktion von "Richard Wagner", an der er zugleich als Hauptdarsteller und Komponist der Filmmusik beteiligt war.
Von da an begann Becces einzigartige Karriere als Filmmusiker und Musik-Theoretiker. Er arrangierte zahllose Illustrationsmusiken, schrieb Lieder und Motive und war als Dirigent an den führenden Berliner Uraufführungskinos tätig: von 1915 bis 1923 leitete er für die Messter-Filmproduktion das Orchester im Mozartsaal, 1922 übernahm er das Orchester des Ufa-Pavillons am Nollendorfplatz, ab 1923 dirigierte er zusätzlich am Tauentzien-Palast und ab 1926 im Gloria-Palast.
Aus der Stummfilmzeit sind einige Originalkompositionen von Becce überliefert; seine wichtigsten sind neben der schon erwähnten Richard Wagner-Musik die Kompositionen für die beiden Murnau-Filme "Der letzte Mann" (1924) und "Tartüff" (1925). Eingegangen in die Geschichte der Filmmusik ist er auch wegen seiner Kinotheken: Sammlungen von Musikstücken für den Einsatz im Kino (Klavier oder Orchester), die ab 1918 erschienen sind. 1927 veröffentlichte er zusammen mit Hans Erdmann das zweibändige "Allgemeine Handbuch der Filmmusik", eine Sammlung von circa 3.000 Musik-Stücken, die zur Begleitung stichwortartig beschriebener Filmsituationen vorgeschlagen werden.
Ab 1930 entstanden die ersten Tonfilmmusiken. Becce erprobte sich erfolgreich in verschiedenen Filmgenres, komponierte bis ins hohe Alter über 100 Filmmusiken; populär sind vor allem die von ihm vertonten Bergfilme, wie "Das Blaue Licht" (1931, Leni Riefenstahl), die Tonfilmfassung von "Die weiße Hölle vom Piz Palü" (1935, Arnold Fanck), sowie "Berge in Flammen" (1931) und "Der Feuerteufel" (1939/40) von Luis Trenker, mit dem er auch nach dem Zweiten Weltkrieg viel zusammenarbeitete. Von da an vertonte er, bis Ende der 50er Jahre, fast nur noch Heimat- und dokumentarische Bergfilme. Becce starb 1973 im Alter von 96 Jahren in Berlin.

Bernd Schultheis (Bearbeitung und Instrumentierung)
Bernd Schultheis lebt als freischaffender Komponist in Berlin. Er komponiert Instrumental- und Vokalmusik für Bühne und Konzertsaal. Seine Stücke werden auf internationalen Festivals weltweit aufgeführt. Seit 1993 hat Bernd Schultheis im Auftrag von ZDF/ARTE neue Musiken zu mehreren Stummfilmklassikern komponiert.
Die Bearbeitung der Musik zu "Richard Wagner - Eine Filmbiographie zum 100. Geburtstag des großen Meisters" war 1991/92 seine erste Auseinandersetzung mit dem Genre im Auftrag des Landestheaters Thüringen Rudolstadt und dem damaligen Intendanten Peter P. Pachl. Nach mehr als 20 Jahren folgt nun eine neue Bearbeitung des gleichen Werkes im Auftrag von ZDF/ARTE. Die neue Orchesterfassung wird durch die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Frank Strobel eingespielt.

Donnerstag, 23.05. / 10.35 Uhr / Götterdämmerung
Dokumentarfilm, Deutschland, Frankreich, 2007, ARTE       88 Min.
Regie: Wilfried Hauke
Kamera: Frank Bergfeld, Sigurour Grimsson
Musik: Jens Schlieker, Nils Rohwer, Axel Donner
Schnitt: Stephan Haase
Ausstattung: Bettina Sasz

Mit: Jürgen Türkowski (Alter Skalde), Alban Depper (junger Skalde), Steffen Lübkert (der Mönch), Katrine Glette (Die Seherin)


Das Dokudrama "Götterdämmerung" erweckt in faszinierenden Landschaftsbildern und aufwendig inszenierten Reiseerlebnissen zweier Gefährten, die Mythen der Germanen erstmals aus dokumentarischer Sicht wieder zu neuem Leben. Dabei wird vor allem die authentische Geschichte vom Ende des Heidentums im Hohen Norden Europas erzählt, als Folge der Christianisierung und neu entstehender Königreiche in Skandinavien.

Im Zentrum steht die abenteuerliche, historische Skandinavienreise des fiktiven isländischen Skalden Einar Ormstunga, der ein fahrender Dichter und Sänger und zugleich ein Krieger aus der Wikingerzeit ist und des fiktiven Hamburger Mönches Martin, der von seinem Bischof zur Mission der Heiden nach Norden geschickt wurde. Zu Wasser und zu Land durchqueren sie in den Jahren 997 bis 1.000 nach Christus den Norden Europas.
Es ist eine schwere Zeit für die Anhänger der germanischen Götter. Von deren sagenhaftem Reich erzählt der Skalde unterwegs seinem Begleiter. Gemeinsam tauchen Einar und Martin in den bereits verblassenden Kosmos von Odin, Thor und Freja ein und erleben - ehe es zu spät ist - noch einmal hautnah in einer Mischung aus Faszination und Furcht die Religion und Mythen der Germanen.
Einar Ormstunga war vor dem ersten Zusammentreffen der beiden vor Krieg, Verwüstung und Hunger aus der großen Stadt York geflohen, dem Zentrum des angelsächsischen Königreiches Northumbria. Er hatte sich auf eine Schiffspassage über die Nordsee zur damals bedeutenden Wikingerstadt Haithabu an der Schlei begeben, um Schutz zu finden und in der dortigen Parallelwelt von Asenglauben, Christentum und Islam begonnen, an den Feuerstellen wie bereits zuvor wieder als Sänger und Dichter von den alten heidnischen Göttern zu erzählen. Dabei lernt er seinen ärgsten Konkurrenten kennen, der bald zum Freund wird: den Mönch Martin. Der braucht einen Gefährten und Dolmetscher für seine weitere Missionsreise ins Nordreich der Heiden. Und der Skalde will von dem gebildeten Gesandten das Schreiben lernen.
Im Frühjahr 998 brechen beide aus dem geschützten Haithabu auf, zunächst zu Fuß und an den alten germanischen Kultplätzen Thorsberg und Nydam vorbei. Dann kommen sie zu den sagenhaften Grabhügeln von Jelling in Mitteljütland und sehen dort den bereits mit christlicher Symbolik versehenen Runenstein von Harald Blauzahn, dem König von Dänemark und Norwegen. Von hier geht es weiter zum Wikingerfriedhof Lindholm Høje am Limfjord mitdessen sagenhaften Schiffsgräbern. Anschließend reisen die Gefährten mit dem Wikingerschiff über das Skagerrak zum Ursitz der norwegischen Könige, ins sagenhafte Avaldsnes, an der Westküste des riesigen Landes.
Von Avaldsnes machen sich die Gefährten im Herbst 998 auf einen beschwerlichen und gefährlichen Fußweg durch die norwegische Fjordlandschaft ins Trøndelag an die Mündung des Flusses Nida, wo das heutige Trondheim liegt. Dort verliebt sich Einar in die wunderschöne Seherin Ragnhild. Sie ist die Tochter des heidnischen Håkon Jarl, dem politischen und religiösen Widersacher des getauften Wikingerkönigs Olav I. Tryggvason, der ganz Norwegen mit Feuer und Schwert zum Christentum und unter seine Macht zwingen will.
Im Sommer 999 werden die Gefährten von den siegreichen Angriffen Olav I. Tryggvasons im westnorwegischen Reich der heidnischen Jarle (=Fürstentitel) überrascht und mit isländischen Siedlern und Händlern in Geiselhaft genommen. Sie sollen Olavs Forderung nach Island überbringen, dass auch diese abgeschiedene und lebensfeindliche Welt mitten im Atlantik seine Herrschaft anerkennt und sich zu Christus bekehrt. Nun begeben sich Skalde und Mönch auf die Schiffspassage zum geheimnisvollen Land aus Feuer und Eis. Auf Island erleben die beiden im Jahre 1.000 auf dem Althing, dem seit dem Jahr 930 bestehenden isländischen Parlament, dann den offiziellen Übertritt der Isländer zum Christentum. Der Mönch Martin verlässt Island bald darauf und kehrt nach Hamburg zurück.
Als alter Mann schreibt der Skalde Einar Ormstunga seine Geschichte auf und erzählt sie uns. Von ihm, dem "Zeitzeugen", erfahren wir höchst emotional von einer unerhört spannenden Welt, die sich in Chaos und Auflösung befindet, nicht nur beim Kampf um den rechten Glauben. In England herrscht am Ende des 9. Jahrhunderts ein heftiger Krieg zwischen dem angelsächsischen Königreich und dänischen Invasoren, die das sogenannte Danelag, ein Gebiet in England, unter die Herrschaft der Wikinger zurückzwingen wollen. Nahezu zeitgleich kämpfen in Dänemark und Norwegen Wikingerkönige wie Olaf I. Tryggvason und Sven I. Gabelbart um die Herrschaft über Skandinavien.

Zusatzinfo:
Die Aura des Dämonischen und Rätselhaften, die der Glaubenswelt der "Nordmänner" heute noch immer anhaftet, wird auch vom "Erzähler" Einar genutzt, um die ungeheure Bildkraft der Göttersagen zu vermitteln. Eine vorzügliche Kulisse und heimlicher Protagonist zugleich ist dabei die berauschend schöne und gewaltige Natur Skandinaviens, mit den Inseln und Mooren Norddeutschlands und Dänemarks, den Fjorden Norwegens und den Geysiren und Gletschern Islands. Eine über weite Teile unzähmbare, wilde, unberechenbare und bedrohliche Natur, die für die Entstehung einer Kosmologie aus Feuer und Eis geradezu prädestiniert war.
Der Dokumentarfilm "Götterdämmerung" bewegt sich fern von jedem Klischee und erreicht ein Höchstmaß an historischer Authentizität. Seine Hauptfiguren sind zwar erfunden, aber der Film basiert inhaltlich auf umfangreichen Recherchen und den neuesten archäologischen, historischen und religionswissenschaftlichen Forschungen.
Die inhaltliche Geschichte der "Götterdämmerung" bezieht sich durchgängig auf eine authentische Quelle: die "Prophezeiung der Seherin" aus dem frühen 13. Jahrhundert, die sogenannte "Völuspa". In 66 magisch klingenden Strophen erzählt die "Völuspa" eindringlich von Entstehung und Untergang der nordischen Götterwelt, prophezeit aber auch, dass es bald wieder neues Leben geben werde. Das berühmteste der germanischen Götterlieder wurde gemeinsam mit der "Edda", der mittelalterlichen Sammlung isländischer Dichtkunst, erst im 17. Jahrhundert wiederentdeckt.
Entstanden sind die faszinierenden Aufnahmen zur "Götterdämmerung" mit einem großen Aufgebot an Darstellern und Statisten im Sommer und Herbst 2006 an historischen Originalschauplätzen auf Island, in Norddeutschland, Dänemark und Norwegen.

Freitag, 24.05. / 05.50 Uhr / Claudio Abbado und das Simón Bolívar Jugendorchester in Luzern ~ Luzernfestival
Musik, Deutschland, Schweiz, 2010, ZDF       54 Min.
Regie: Michael Beyer
Komponist: Sergej Prokofjew, Alban Berg
Dirigent: Claudio Abbado
Orchester: Simón Bolívar Jugendorchester

Mit: Anna Prohaska (Sopran)

Fünf Jahre nach der ersten Zusammenarbeit mit dem Simón Bolívar Youth Orchestra in dessen venezolanischer Heimat setzte Claudio Abbado sein Engagement mit diesem erstaunlichen Ensemble 2010 fort. Prokofjews mitreißende "Skythische Suite" ist ein echtes Geschenk für die grenzenlose Energie, die diese jungen Musiker in sich haben. Die Komplexität und Atmosphäre von Bergs "Lulu-Suite" sind eine Spezialität von Maestro Abbado: die Essenz der Oper "Lulu" - kompakt, betörend sinnlich und subtil bedrohlich herauszuarbeiten. Als Solistin ideal besetzt: die junge Sopranistin Anna Prohaska, die damit ihr Luzern-Debüt gibt.

Fünf Jahre nach der ersten Zusammenarbeit mit dem Simón Bolívar Youth Orchestra in dessen venezolanischer Heimat setzt Claudio Abbado sein Engagement mit diesem erstaunlichen Orchester 2010 fort. Prokofjews mitreißende "Skythische Suite" ist ein echtes Geschenk für die grenzenlose Energie, die diese jungen Musiker in sich haben. Die Komplexität und Atmosphäre von Bergs "Lulu-Suite" sind eine Spezialität von Maestro Abbado: die Essenz der Oper "Lulu" - kompakt, betörend sinnlich und subtil bedrohlich herauszuarbeiten. Als Solistin ideal besetzt: die junge Sopranistin Anna Prohaska, die damit ihr Luzern-Debüt gibt.
Zudem legt Abbado einen besonderen Fokus auf die Arbeit mit jungen Orchestern. 1978 ruft er das European Community Youth Orchestra und 1986 das Gustav Mahler Jugendorchester ins Leben. Für seine Arbeit sowie sein besonderes Engagement in der Nachwuchsförderung erhielt Abbado zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen. Als ein besonderes Projekt der Regia Accademia Filarmonica di Bologna wurde 2004 das Orchestra Mozart ins Leben gerufen. Auch hier übernahm Claudio Abbado die künstlerische Leitung des jungen Orchesters und versammelte für sein abwechslungsreiches Programm internationale Musiker von hohem Rang.

Insgesamt viermal wurde er bereits mit dem Grammy ausgezeichnet: 1979 für Bartóks "Klavierkonzerte Nr. 1 & 2" mit Maurizio Pollini, 1997 für Hindemiths "Kammermusik Nr.1", 1999 für Mahlers "Des Knaben Wunderhorn" mit Anne Sofie von Otter und Thomas Quasthoff und 2003 für Schuberts "Lieder with Orchestra", wiederum mit Otter und Quasthoff als Solisten. Kritiker wählten ihn 2008 zum Operndirigenten des Jahres.
Im Frühjahr 2010 leitete Abbado die Sinfónica de la Juventud Venezolana und dirigierte Werke von Skrjabin, Berg und Tschaikowsky. Nach längerer Pause gab er im September 2011 mit seinem multinational besetzten Orchestra Mozart ein Konzert mit Werken von Mozart, Rossini und Mendelssohn im Wiener Musikverein.

Zusatzinfo:
Fünf Jahre nach der ersten Zusammenarbeit mit dem Simón Bolívar Youth Orchestra in dessen venezolanischer Heimat setzt Claudio Abbado sein Engagement mit diesem erstaunlichen Orchester 2010 fort. Prokofjews mitreißende "Skythische Suite" ist ein echtes Geschenk für die grenzenlose Energie, die diese jungen Musiker in sich haben. Die Komplexität und Atmosphäre von Bergs "Lulu-Suite" sind eine Spezialität von Maestro Abbado: die Essenz der Oper "Lulu" - kompakt, betörend sinnlich und subtil bedrohlich herauszuarbeiten. Als Solistin ideal besetzt: die junge Sopranistin Anna Prohaska, die damit ihr Luzern-Debüt gibt.
Zudem legt Abbado einen besonderen Fokus auf die Arbeit mit jungen Orchestern. 1978 ruft er das European Community Youth Orchestra und 1986 das Gustav Mahler Jugendorchester ins Leben. Für seine Arbeit sowie sein besonderes Engagement in der Nachwuchsförderung erhielt Abbado zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen. Als ein besonderes Projekt der Regia Accademia Filarmonica di Bologna wurde 2004 das Orchestra Mozart ins Leben gerufen. Auch hier übernahm Claudio Abbado die künstlerische Leitung des jungen Orchesters und versammelte für sein abwechslungsreiches Programm internationale Musiker von hohem Rang.

Insgesamt viermal wurde er bereits mit dem Grammy ausgezeichnet: 1979 für Bartóks "Klavierkonzerte Nr. 1 & 2" mit Maurizio Pollini, 1997 für Hindemiths "Kammermusik Nr.1", 1999 für Mahlers "Des Knaben Wunderhorn" mit Anne Sofie von Otter und Thomas Quasthoff und 2003 für Schuberts "Lieder with Orchestra", wiederum mit Otter und Quasthoff als Solisten. Kritiker wählten ihn 2008 zum Operndirigenten des Jahres.
Im Frühjahr 2010 leitete Abbado die Sinfónica de la Juventud Venezolana und dirigierte Werke von Skrjabin, Berg und Tschaikowsky. Nach längerer Pause gab er im September 2011 mit seinem multinational besetzten Orchestra Mozart ein Konzert mit Werken von Mozart, Rossini und Mendelssohn im Wiener Musikverein.

Samstag, 25.05. / 16.45 Uhr / Metropolis
Magazin, Deutschland, 2013, ZDF       50 Min.
Erstausstrahlung

(1): Metropolenreport Basel
(2): Mini-Schwerpunk: Filmfestspiele von Cannes
(3): Anish Kapoor
(4): Atelier: Wrinkles of Berlin

(1): Metropolenreport Basel
Lange Zeit war Basel als Chemiemetropole bekannt. Die beiden Weltunternehmen Novartis und Roche haben hier ihren Hauptsitz. Doch inzwischen ist die Stadt in der Nordwestecke der Schweiz zu einem echten Kunstzentrum geworden. Und ausgerechnet die Familien, die dank der chemischen Industrie zu Reichtum gekommen sind, treten nun als großzügige Mäzene auf.
Das macht sich längst nicht nur an der jedes Jahr stattfindenden Kunstmesse Art Basel bemerkbar. Denn mit der Fondation Beyeler verfügt die Stadt inzwischen über eines der renommiertesten Museen der Schweiz. Und dank dem Architekten-Duo Herzog und DeMeuron hat sich Basel auch als Architekturmetropole einen Namen gemacht.
Doch Basel prägt mehr als nur die von der "Daig" genannten Oberschicht finanzierte Hochkultur. Denn im Schatten der prunkvollen Bürgerhäuser am Rheinufer hat sich längst eine ausgeprägte Untergrund-Kultur entwickelt. So zum Beispiel das Kaffeehaus und Kunstzentrum Mitte oder die Künstlergenossenschaft Via im ehemaligen Arbeiterbezirk Kleinbasel, wo die Musikerin Muda Mathis von der Frauenband Les Reines Prochaines gemeinsam mit befreundeten Künstlern ein Studio mit Atelier betreibt.
Kurz vor Beginn der weltbekannten Art Basel macht sich "Metropolis" auf in die Kulturstadt am Dreiländereck.

(2): Mini-Schwerpunkt: Filmfestspiele von Cannes
Vom 15. bis zum 26. Mai findet das alljährliche Filmfestival in Cannes statt. Neben dem offiziellen Programm steht diesmal Indien als Gastland fest. Eine gute Gelegenheit also, um einen genaueren Blick auf eine der wichtigsten Filmindustrien der Welt zu werfen. "Metropolis" begleitet das Festival in Cannes mit einem Mini-Schwerpunkt. Zwischen Stars und Newcomern, Strand und Croisette entdecken wir auch innovative Projekte, wie zum Beispiel das Atelier: Hier treffen Jungregisseure aus aller Welt auf potentielle Geschäftspartner und versuchen, Unterstützung für ihre Filme zu finden. Oder einen der begehrten Förderpreise zu erhalten unter der Jury-Hoheit der australischen Regisseurin Jane Campion. Und nicht zuletzt der diesjährige Jurypräsident Steven Spielberg ist ein Garant für einen international gut besetzten und glamourösen Roten Teppich.

(3): Anish Kapoor
Er ist Bildhauer, Aktionskünstler und Architekt in einem: Anish Kapoor, Gewinner des renommierten Turner-Preises im Jahre 1991. Kapoor wurde 1954 in Indien geboren. Seit den 70er Jahren lebt er in London und hat etwas von einem Magier: Mit Riesenspiegeln fängt er Wolken ein, schafft Skulpturen aus Farbpigmenten und fasziniert mit schwindelerregenden Rauminstallationen und monochromen Wandgemälden. Kapoor spielt mit den Räumen, die ihm geboten werden, verleiht ihnen eine schwer zu beschreibende Form von Leere - ein Nichts. Und das, obwohl seine Objekte oft größer sind, als ein Einfamilienhaus. Der Martin-Gropius-Bau zeigt nun vom 18. Mai bis 24. November 2013 eine spektakuläre Ausstellung zu den Werken des Bildhauers.
Kapoor ist der Sohn eines indischen Hindu, der als Ingenieur bei der Indian Navy arbeitete und einer jüdischen Irakerin. Im Alter von 16 Jahren verließ er Indien, lebte erst in einem Kibbuz in Israel und kam 1973 nach London, wo er zunächst Kunst am Hornsey College of Art und später am Chelsea College of Art and Design studierte. Seine Arbeiten zeigen Einflüsse westlicher und östlicher Kultur und beinhalten auch religiöse Themen. "Metropolis" porträtiert einen spannenden Grenzgänger der Kulturen.

(4): Atelier: Wrinkles of Berlin
JR treibt sich weltweit als Straßenkünstler in berüchtigten Vorstädten und Slums herum, in die sich nicht einmal die Polizei hineintraut. Mit seinen 29 Jahren gehört der Fotograf, Aktivist und Public Art-Künstler zu den berühmtesten Streetartists weltweit. Nun kommt JR nach Berlin. "Wrinkles of Berlin" ist ein episches, atemberaubendes Projekt. Auf Dächern, Wänden und Mauern der Hauptstadt erzählt JR die Geschichte der Menschen Berlins - in riesigen, überwältigenden Porträts seiner Bewohner.
JR stellt seine Bilder in der größten Galerie unseres Planeten aus: unter freiem Himmel, auf Straßen, Mauern, Plätzen. Illegal und ungefragt plakatiert er seine intensiven Porträts überall auf der Welt - auf den Mauern im Nahen Osten, in zerstörten Dörfern Kambodschas oder in den Favelas Brasiliens. Er verwandelt die Fassaden der großen Metropolen Shanghai, Los Angeles, Peking und jetzt auch Berlin in Kunstwerke.
So erreicht JR Menschen, die niemals Museen besuchen. Seine Protagonisten haben eines gemeinsam: Sie leben ganz alltägliche Biographien, am Rand der Gesellschaft - fern von Glamour. In einer Mischung aus Kunst und Aktion stellt der engagierte Fotograf Fragen nach Freiheit und Verbindlichkeit, Identität und Grenzen. "Metropolis" hat ihn bei der Installation seiner Berliner Arbeit begleitet.

Samstag, 25.05. / 22.55 Uhr / Tracks
Magazin, Frankreich, 2013, ARTE F       52 Min.
Regie: Divers
Erstausstrahlung

Samstag, 25.05. / 00.15 Uhr / Introducing@arte live ~ Mikhael Paskalev / Truls / Heyerdahl
Musik, Deutschland, 2013, RBB       90 Min.
Regie: Stefan Mathieu
Erstausstrahlung

Einmal im Monat am Samstagabend präsentiert die Reihe "Introducing@arte live" aus Berlin Konzerte von internationalen Newcomer-Bands. Heute mit Gästen vom norwegischen Øya Festival: Mikhael Paskalev, Truls und Heyerdahl.

Mikhael Paskalev landete gleich mit seiner ersten Single "I Spy" einen weltweiten Erfolg. Das Video zu dem Song hatte über eine Million Klicks im Netz und machte den Newcomer schnell zu einem Geheimtipp Der Sänger aus Alesund ließ sich davon jedoch nicht unter Druck setzen und legte nur kurze Zeit später mit "Jive Babe" eine zweite Single nach. Überzeugender Indie-Pop, stellenweise inspiriert von Country- und Folk Rock- Melodien. Passend dazu wurde das Video von "Jive Babe" in der bulgarischen Heimat von Mikhael Paskalevs Großeltern gedreht, im Stil eines Roadmovies von Quentin Tarantino.
Truls ist als Frontmann von "Lukestar" und "Truls and the trees" schon lange im Musikgeschäft. Nun steht der Sänger und Gitarrist aus Oslo am Beginn seiner Solokarriere und bringt seinen melodischen Elektro-Pop mit R & B-Einflüssen nach Berlin.
Die Band Heyerdahl hat sich nach dem bekannten norwegischen Forscher und Entdecker Thor Heyerdahl benannt. Die vier Jungs gingen tatsächlich auf Expedition in eine einsame, kalte und düstere Gegend der Westküste Norwegens. Dort nahmen sie in einem abgeschiedenen Leuchtturm ihr Debütalbum "Øen" auf. Melodisch, melancholisch, aber auch mit lebendigen Drums und Electro-Sound erschaffen sie eine ganz eigene Klangwelt.

Sonntag, 26.05. / 11.45 Uhr / Square
Magazin, Frankreich, Deutschland, 2012, ARTE       43 Min.
Erstausstrahlung

Jeden Sonntag um die Mittagszeit stellt die Sendung "Square" Künstler und Intellektuelle in den Mittelpunkt - im Interview sprechen sie über ihr eigenes Leben, aber auch über das politische und gesellschaftliche Zeitgeschehen. Eine andere Art auf die Frage zu antworten: Wie erleben Sie unsere Epoche? Ein kulturelles Gespräch, das abwechselnd von Vincent Josse und Anja Höfer geführt wird: bei den Künstlern zu Hause, draußen oder einem anderen Ort ihrer Wahl.

Mehr im Internet unter: www.arte.tv/square
In vier Rubriken zeichnet ARTE ein Porträt des Gastes anhand von sieben Eckdaten oder Schlagwörtern, diskutiert seine Behauptungen, spricht über seine aktuellen Projekte und entdeckt Menschen, die ihn inspirieren oder ganz besonders am Herzen liegen.

Sonntag, 26.05. / 16.20 Uhr / Abgedreht!
Magazin, Frankreich, 2013, ARTE F       43 Min.
Erstausstrahlung

Kultur mal anders? Dann sind Sie bei "Abgedreht!" richtig! Das wöchentliche retro-moderne Magazin aus Frankreich wirft den etwas anderen Blick auf Kunst, Kult und Kultur. In schrägem und humorvollen Ton, in kurzen und unterhaltsamen Rubriken dreht sich jede Ausgabe um ein Thema. Auf dem Programm stehen Meilensteine der Kinogeschichte und kultiges aus der Musikszene, Flashbacks auf kulturelle Highlights und Skandale vergangener Zeiten sowie auch Aktuelles aus dem Kulturbetrieb.
In dieser Ausgabe dreht sich alles um Loser!

(1): Story: The Big Lebowski
Er ist der Loser schlechthin. Man könnte meinen, er selbst habe diese Kategorie von Filmfiguren erfunden, mit denen man, obwohl sie absolut gar nichts auf die Reihe bekommen, trotzdem gerne mal Bowlen gehen würde. "The Dude" wird seit 1998 in der ganzen Welt verehrt: Ihm zu Ehren wurde die parodistische Religion Dudeismus erschaffen, es findet jedes Jahr ein Festival in Los Angeles statt und der White Russian avancierte zum In-Getränk. "Abgedreht!" berichtet vom Lebowski-Fest und zeigt ein Portrait des weltbekannten Kultfilms.

(2): Damals: 1993 und "Loser" von Beck
Unglaublich, wie groß die Anzahl der Loser in diesem Jahr war. 1993 erlebte Bill Murray in "Und täglich grüßt das Murmeltier" immer wieder denselben Tag, die MTV-Serie "Beavis and Butt-Head" mit den beiden ständig kichernden Vollidioten ging auf Sendung, die Buffalo Bills verloren erneut beim Super Bowl, Boris Jelzin wurde von einer Verfassungskrise heimgesucht und sein Einsatz von Panzern und Raketen heftig kritisiert. 1993 war das Jahr der Verlierer. Was liegt da näher, als die damaligen Ereignisse vor dem musikalischen Hintergrund von Becks Song "Loser" Revue passieren zu lassen?

(3): Dresscode: Loser, aber mit Stil
Freunde von Hartz IV, Könige der Agentur für Arbeit und andere Leidgenossen: Genervt davon, ständig für einen asozialen Penner gehalten zu werden, weil man den ganzen Tag Kaffee trinkend im Straßencafé sitzt? Mit dem Künstlerlook verwandelt man sich in einen stilvollen Loser oder wird, wenn es für den Künstler nicht reicht, zumindest für einen echten, allseits beneideten Dandy gehalten.

Zusatzinfo:
Das französische Journalistenduo Collin und Mauduit, die in ihrer Heimat längst Kult sind, kommentieren aus dem Off. Ihr Geheimnis: großes Wissen gepaart mit teils beißendem Witz, politically nicht immer ganz correct ... Weiteres Markenzeichen des Magazins sind die à la "Abgedreht!" neu gemischten Filmklassiker-Ausschnitte, die anstelle eines Moderators durch jede Sendung führen. So kann es vorkommen, dass plötzlich Cary Grant den nächsten Beitrag ansagt ...
Mehr im Internet unter: www.arte.tv/abgedreht

Sonntag, 26.05. / 17.05 Uhr / Ein Tag im Leben der Geigerin Patricia Kopatchinskaja
Dokumentationsreihe, Deutschland, 2012, WDR       26 Min.
Regie: Claus Wischmann
Erstausstrahlung

Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja ist in Moldawien geboren und lebt in der Schweiz. Sie ist beruflich viel unterwegs, lebt in verschiedenen Städten und Welten. Die heutige Sendung der Reihe "Ein Tag im Leben ..." begleitet die energiegeladene, junge Musikerin einen Tag lang durch Berlin - von den Proben am Morgen, einem Auftritt am Brandenburger Tor bis zum großen Konzert am Abend in der Philharmonie. Das Konzertprogramm für die Berliner Staatskapelle hat sie selbst zusammengestellt: Es erklingen auch die Töne ihrer Heimat. ARTE zeigt eine weitere Folge der neuen Reihe "Ein Tag im Leben", am Sonntag, den 2. Juni 2013 gegen 17.00 Uhr.

Patricia Kopatchinskaja ist ein musikalisches Naturereignis. "Wenn ich die Wahl zwischen Perfektion und Risiko habe, so wähle ich das Risiko - es ist interessanter und aufregender". Wir verbringen 24 Stunden mit einer Violinistin, die sagt: "Nur schöner Ton ist auf die Dauer unerträglich." Proben mit der Staatskapelle, Salonmusik am Brandenburger Tor, ein Treffen mit der Choreographin Sascha Waltz und ihrem Mann, schnelle Telefonate mit der kranken Tochter, am Abend dann der Auftritt in der Philharmonie.
Immer wieder kommt es zum Zusammenspiel zwischen Künstlern und Kamera. Die Kamera ist Partner, Beobachter und Begleiter, sie wird Teil des Geschehens. Die Aufmerksamkeit gilt dabei den kleinen Dingen am Wegesrand, den überraschenden, unvorbereiteten Momenten. Das Wilde, Ungezügelte, Kompromisslose der Patricia Kopatchinskaja findet in den schnellen, oft rauen Schnitten seinen Widerschein. Die Distanziertheit wird aufgehoben, um an die Eigenheit und den kreativen Kern des künstlerischen Ausdrucks zu kommen - im Leben wie in der Kunst selbst.

Zusatzinfo:
Die Reihe "Ein Tag im Leben ..." begleitet junge, unkonventionelle Komponisten der klassischen Musik mit einem leichten, ganz persönlichen Zugang. Die Kamera ist bei der gemeinsamen Probe mit Freunden dabei, begleitet die Künstler durch ihren Alltag, hastet mit ihnen von Ort zu Ort und filmt sie beim Musizieren in unbefangener Stimmung und an ungewöhnlichen, privaten Orten. Die Reihe will ganz bewusst Künstler in ein anderes Licht rücken und sie eben nicht auf den großen Bühnen des internationalen Musikbusiness erleben. Die unverkrampfte Atmosphäre außerhalb des Rampenlichts ermöglicht Eindrücke, die im disziplinierten Konzertbetrieb sonst nicht denkbar sind: mal nicht perfekt funktionieren und ganz ohne Zwangsjacke. Die Regie der inszenierten Inszenierung steht nicht im Mittelpunkt. Es ist das Private, die andere Seite im Leben der Musiker. Beabsichtigt ist die Möglichkeit eines neuen, anderen - vielleicht sogar authentischeren - Verständnisses ihrer Kunst.

Die einzelnen Folgen der neuen Reihe im Überblick:
(1): "Ein Tag im Leben des Pianisten Francesco Tristano", am Sonntag, den 17. Mai um 17.10 Uhr, Erstausstrahlung
(2): "Ein Tag im Leben der Geigerin Patricia Kopatchinskaja", am Sonntag, den 26. Mai gegen 17.00 Uhr, Erstausstrahlung
(3): "Ein Tag im Leben des Cellisten Johannes Moser", am Sonntag, den 2. Juni gegen 17.00 Uhr, Erstausstrahlung

Sonntag, 26.05. / ab 17.35 Uhr / Schwerpunkt: 100 Jahre Sacre du Printemps
Zusatzinfo:
 Die Uraufführung war ein Skandal, einer der größten der Musik- und auch der Ballettgeschichte. Das Publikum lachte, johlte, schrie. Pierre Monteux, der Dirigent des denkwürdigen Abends, leitete das Orchester durch den Tumult und schaffte es bis zum Ende. Das war vor 100 Jahren, am 29. Mai 2013, im Pariser Théâtre des Champs-Elysées.
Die Zuschauer konnten mit den asymmetrischen Rhythmen und den vielen Dissonanzen der Musik nichts anfangen. Die Tänzerinnen bewegten sich nicht elegant in klassischen Positionen, sondern trippelten mit nach innen gestellten Fußspitzen über die Bühne. Nach acht Aufführungen wurde das Stück vom Spielplan gestrichen.
Das "Sacre du Printemps" evoziert ein archaisches Ritual: Eine Jungfrau wird ausgewählt und dem Frühling geopfert, indem sie sich zu Tode tanzt. Inzwischen ist das "Frühlingsopfer" zum bedeutendsten Tanzstück des 20. Jahrhunderts geworden. Mary Wigman, Maurice Béjart, Pina Bausch und Mats Ek haben ihre eigene Fassungen des "Sacre du Printemps" auf die Bühne gebracht, und jede war ein Meilenstein. Choreographie und Kostüme der Uraufführung gingen jedoch verloren. Erst 70 Jahre später gelang es zwei amerikanischen Historikern, die Urfassung wieder zu rekonstruieren. Melissa Hudson und Kenneth Archer durchforsteten Bibliotheken und Archive und 1987 wurde diese Rekonstruktion vom Joffrey Ballet aufgeführt. ARTE hat diese Fassung im November 1993 ausgestrahlt.
Nun überträgt ARTE zum 100. Geburtstag der Choreographie, die Jubiläumsaufführung aus dem Théâtre des Champs-Elysées. Die rekonstruierte Fassung nach Nijinsky wird neben die aktuelle Lesart der Berliner Choreographin Sasha Waltz gesetzt. Mitwirkende sind das Orchester und das Ballett des Mariinsky-Theaters aus Sankt Petersburg unter der musikalischen Leitung von Valery Gergiev. Durch den Abend führt Edouard Fouré Caul-Futy.

Ebenfalls in diesem Programmschwerpunkt bei ARTE: "Coco Chanel & Igor Strawinsky", Jan Kounens Film, der zur Zeit der Uraufführung des "Sacre du Printemps" spielt, und eine Dokumentation über Thierry Thieû Niangs "Sacre du Printemps", neu interpretiert von Senioren zwischen 60 und 80 Jahren.

Die einzelnen Sendungen des Programmschwerpunkts im Überblick:
(1): "Sacre du Printemps - Frühling im Herbst", Dokumentation, am Sonntag, den 26. Mai um 17.00 Uhr, Erstausstrahlung
(2): "Der Tanz des Jahrhunderts", Dokumentarfilm, am Mittwoch, den 29. Mai um 20.15 Uhr, Erstausstrahlung
(3): "Gala "100 Jahre Sacre du Printemps" - Die Originalchoreographie von Nijinsky" (1/3), Ballett, am Mittwoch, den 29. Mai um 21.45 Uhr, Erstausstrahlung
(4): "100 Jahre Sacre du Printemps" (2/3) - Dokumentation über die Geschichte des Sacre du Printemps, Dokumentation, am Mittwoch, den 29. Mai um 22.30 Uhr, Erstausstrahlung
(5): "Gala "100 Jahre Sacre du Printemps" - Eine Neuinterpretation von Sasha Waltz" (3/3), Ballett, am Mittwoch, den 29. Mai um 22.50 Uhr, Erstausstrahlung
(6): "Coco Chanel & Igor Stravinsky", Spielfilm, am Mittwoch, den 29. Mai um 23.20 Uhr

Sonntag, 26.05. / 17.35 Uhr / Sacre du Printemps - Frühling im Herbst
Dokumentation, Frankreich, 2012, ARTE F       52 Min.
Regie: Denis Sneguirev
Erstausstrahlung

Am 29. Mai 1913 erschütterte die Uraufführung von "Le Sacre du Printemps" im Théâtre des Champs-Elysées Paris wie einst die "Schlacht um Hernani". Igor Strawinskys und Vaslav Nijinskys Ballett brach mit allen Konventionen von Musik und Tanz des frühen 20. Jahrhunderts. Der Skandal spaltete das Publikum in Bewahrer der Tradition und Verfechter der Moderne. Die Dokumentation von Denis Sneguirev und Philippe Chevallier beobachtet den Choreographen Thierry Thieû Niang bei der Erarbeitung seiner modernen Variation dieses Stücks - getanzt von Senioren zwischen 60 und 90 Jahren.

Nijinskys Originalchoreographie und die Musik von Strawinsky inspirieren Künstler seit 100 Jahren immer wieder zu neuen Fassungen des Balletts. Maurice Béjart, Martha Graham, Pina Bausch, Glen Tetley und viele andere setzten sich mit dem mythischen Stoff auseinander. Die Dokumentation beobachtet den Choreographen Thierry Thieû Niang bei der Erarbeitung seiner modernen Fassung dieses Balletts. Die 25 Teilnehmer seines Workshops sind Amateurtänzer. Sie sind alle zwischen 60 und 90 Jahre alt und haben mit der Welt des Tanzes eigentlich nichts zu tun. Dennoch bringen sie sich voll und ganz in das Projekt ein.
Der von Thierry Thieû Niang gewählte choreographische Notation basiert auf einem Kreis: Von Anfang bis Ende des Stücks umkreisen die Tänzer die Bühne. Daniel, ein drahtiger Senior um die 70, dreht sich gegen den Uhrzeigersinn, er verkörpert Chronos, die verrinnende Zeit. Anders als im Originallibretto, das Nijinsky als Vorlage diente, ist die Auserwählte in Thieû Niangs Fassung nicht jene, die dem Frühlingsgott geopfert wird, sondern jene, die bleibt und überlebt, gestärkt durch die Energie ihrer Gefährten, die die Bühne im Verlaufe des Balletts einer nach dem anderen verlassen, so dass sie schließlich allein weiterläuft, nicht gegen die Zeit, sondern mit ihr.
Die Dokumentation versteht sich als Reflexion über das Verrinnen der Zeit, über Altern und Tod. Sie zeigt die Anmut dieser Senioren, für die das Ballett den Herbst des Lebens schöner macht und den Frühling wieder aufleben lässt. Dabei wird deutlich, dass jede Bewegung, jede noch so kleine Geste oder Haltung, Tanz sein kann. Ihr Tanz ist nicht stilisiert, sondern in einer konkreten Gegenwart beheimatet.
Als Thierry Thieû Niang mit seinem Workshop begann, hatte er keine öffentliche Aufführung des Stücks im Sinn. Dennoch wurde die Choreographie im Jahr 2011 beim Theaterfestival von Avignon uraufgeführt und vor kurzem auch im Pariser Théâtre de la Ville erfolgreich auf die Bühne gebracht.

Zusatzinfo:
Die Dokumentation enthält Interviews mit dem Choreographen und seinen Interpreten. Sie zeigt die Senioren im Alltag und fragt auch nach ihren ganz persönlichen Vorstellungen und Wünschen. Dabei wird deutlich, dass sie bei dieser Tanzerfahrung unendlich viel über sich und ihr Leben gelernt haben.
Der Film dokumentiert eine sehr zeitgenössische Form der Auseinandersetzung mit dem "Sacre"-Mythos, nicht als Lektion in Sachen Tanz, sondern als einen Weg, Menschlichkeit zum Ausdruck zu bringen.

Sonntag, 26.05. / 18.30 Uhr / Wagner-Geburtstagskonzert aus der Dresdner Semperoper
Musik, Deutschland, 2013, ZDF       43 Min.
Regie: Michael Beyer
Komponist: Richard Wagner
Dirigent: Christian Thielemann
Orchester: Sächsische Staatskapelle Dresden

Mit: Jonas Kaufmann (Tenor)

Erstausstrahlung

Am 22. Mai wäre Richard Wagner 200 Jahre alt geworden. Ihrem ehemaligen Hofkapellmeister zu Ehren feierte die Sächsische Staatskapelle Dresden unter Leitung von Christian Thielemann (Mi.) in dessen Geburtstag hinein - mit Ouvertüren und großen Tenorszenen aus Wagners berühmten Dresdner Opern.
Bildrechte: ZDF / © Matthias Creutziger

Am 22. Mai wäre Richard Wagner 200 Jahre alt geworden. Ihrem ehemaligen Hofkapellmeister zu Ehren feierte die Sächsische Staatskapelle Dresden unter Leitung von Christian Thielemann und mit dem derzeit wohl begehrtesten jugendlichen Heldentenor Jonas Kaufmann in seinen Geburtstag hinein - mit Musik aus Wagners berühmten Dresdner Opern. Maestro zeigt Highlights des Konzerts vom 21. Mai. Der zweite Teil des Konzerts, mit Ouvertüren von Richard Wagner und einem Stück von Hans Werner Henze, wird am späten Abend bei ARTE ausgestrahlt.

Richard Wagner nannte die Sächsische Staatskapelle Dresden seine "Wunderharfe" und vertraute ihr die Uraufführung vieler seiner Werke an. 1843 war er Hofkapellmeister des Orchesters geworden, dessen Klang er fortan prägen sollte. Mit der Beteiligung am Dresdner Maiaufstand 1849 und der darauf folgenden Flucht aus Deutschland endete die Dresdner Zeit, in der Wagners erste drei große Opern aufgeführt wurden: "Rienzi", "Der Fliegende Holländer" und "Tannhäuser".
Ouvertüren und Tenor-Szenen aus diesen Opern standen im Mittelpunkt des Konzerts, das ARTE heute zeigt. Dirigiert wurde die Sächsische Staatskapelle Dresden von ihrem Chefdirigenten Christian Thielemann - vergangenes Jahr von der Zeitschrift "Opernwelt" zum "Dirigenten des Jahres" gekürt. In seinem unlängst erschienenen Buch "Mein Leben mit Wagner" erzählt Christian Thielemann von seiner tiefen Beziehung zu dem Komponisten, dessen Nachfolge als Kapellmeister er Generationen später angetreten hat.

Zusatzinfo:
Jonas Kaufmann
Seit seinem Sensations-Debüt an der Metropolitan Opera New York 2006 in "La Traviata" gehört Jonas Kaufmann zu den Topstars der Opernwelt. Die internationale Presse kürte ihn zum "neuen König der Tenöre", Insider feiern ihn als den bedeutendsten deutschen Tenor seit Fritz Wunderlich.
Jonas Kaufmann stammt aus München. An der dortigen Musikhochschule absolvierte er sein Gesangsstudium, außerdem besuchte er Meisterkurse bei Hans Hotter, James King und Josef Metternich. Während seiner ersten Bühnenjahre am Staatstheater Saarbrücken setzte er seine Ausbildung bei Michael Rhodes in Trier fort.
Nach Engagements in Stuttgart, Frankfurt, Hamburg und Mailand - in Giorgio Strehlers Inszenierung von "Così fan tutte" und in "Fidelio" unter Riccardo Muti - ging Kaufmann 2001 an die Oper in Zürich. Von dort aus begann seine internationale Karriere: Auftritte bei den Salzburger Festspielen, an der Lyric Opera Chicago, der Pariser Oper, der Covent Garden Opera in London, der Mailänder Scala, der Deutschen Oper und der Staatsoper in Berlin, der Wiener Staatsoper und der Met in New York. 2010 gab er sein Debüt bei den Bayreuther Festspielen, als Lohengrin in der Aufsehen erregenden Inszenierung von Hans Neuenfels.
Kaufmann ist im italienischen und französischen Repertoire international genauso gefragt wie im deutschen. Er hat Massenets Werther in Paris und Wien, Cavaradossi in Puccinis "Tosca" in London, an der Met und der Scala gesungen. Seine intensive Darstellung des José in Bizets "Carmen" hat Opernfans in aller Welt erschüttert. Kaufmann liebt es, zerrissene Charaktere zu verkörpern, sich ganz in die Welt seiner Figuren hineinzuversetzen, ihr Denken und Fühlen glaubhaft zu machen.
Neben den stimmlichen und musikalischen Qualitäten ist es immer wieder die totale Hingabe, die bei Presse und Publikum Begeisterung auslöst. So auch bei seinem Rollen-Debüt als Siegmund in der "Walküre" an der Metropolitan Opera New York im Frühjahr 2011. Die Neuproduktion, weltweit in Kinos übertragen und mittlerweile auf DVD veröffentlicht, lässt en detail hören, was die besondere Qualität von Kaufmanns Wagner-Interpretationen ausmacht: Die Verschmelzung von "deutscher" Ausdruckskraft und italienischer Stimmführung. Dass Kaufmann danach mit ebenso großem Erfolg an der Met die Titelfigur in Gounods "Faust" verkörperte (auch diese Neuproduktion war weltweit im Kino zu sehen), zeigt einmal mehr seine stimmliche und darstellerische Wandlungsfähigkeit.
In seiner Heimatstadt München war Kaufmann bisher als Tamino, Lohengrin, José, Cavaradossi, Florestan in "Fidelio" und als Don Carlo zu erleben. Der Sommer 2012 stand für ihn dieses Jahr ganz im Zeichen der Salzburger Festspiele: Nach seinem Rollen-Debüt als Bacchus in der Neuproduktion von "Ariadne auf Naxos" hat er dort auch wieder den Don José in Simon Rattles "Carmen"-Produktion und den Tenorpart im Verdi-Requiem unter Daniel Barenboim gesungen.
2013 stehen natürlich die Opern von Wagner und Verdi im Mittelpunkt seines Schaffens. Nach der Scala-Eröffnung mit "Lohengrin" (Regie: Claus Guth, Dirigent: Daniel Barenboim ) und der neuen "Parsifal"-Produktion an der Met wird Jonas Kaufmann in drei Produktionen die Titelpartie in Verdis "Don Carlos" verkörpern: zunächst in London, dann an der Bayerischen Staatsoper und in Peter Steins Neuinszenierung bei den Salzburger Festspielen. Zum Auftakt der Münchner Opernfestspiele 2013 wird er sein Rollendebüt als Manrico in einer Neuproduktion von Verdis "Il Trovatore" geben, ebenfalls an der Bayerischen Staatsoper ist er im Dezember zum ersten Mal als Alvaro in Verdis "La Forza del Destino".zu hören.
Kaufmanns Vielseitigkeit ist auf zahlreichen CDs und DVDs dokumentiert, so in Aufführungen von "Lohengrin", "Königskinder", "Tosca", "Adriana Lecouvreur", "Werther" und "Carmen". Sein Solo-Album "Verismo Arias", dirigiert von Antonio Pappano, war schon wenige Wochen nach Erscheinen ein Bestseller, sein neues Wagner-Album war kurz nach Erscheinen auf Platz 1 der Klassik Charts in Deutschland und Großbritannien.

Sächsische Staatskapelle Dresden
Am 22. September 2008 feierte die Sächsische Staatskapelle Dresden ihr 460-jähriges Bestehen: 1548 durch Kurfürst Moritz von Sachsen gegründet, ist sie eines der ältesten und traditionsreichsten Orchester der Welt. Bedeutende Kapellmeister und international geschätzte Instrumentalisten haben die Geschichte der einstigen Hofkapelle geprägt.
Zu ihren Leitern gehörten unter anderem Heinrich Schütz, Johann Adolf Hasse, Carl Maria von Weber und Richard Wagner, der das Orchester als seine "Wunderharfe" bezeichnete. Bedeutende Chefdirigenten der letzten 100 Jahre waren Ernst von Schuch, Fritz Reiner, Fritz Busch, Karl Böhm, Joseph Keilberth, Rudolf Kempe, Otmar Suitner, Kurt Sanderling, Herbert Blomstedt und Giuseppe Sinopoli. Ab 2002 standen Bernard Haitink (bis 2004) und Fabio Luisi (2007-2010) an der Spitze des Orchesters. Mit Beginn der Saison 2012/2013 übernimmt Christian Thielemann die Position des Chefdirigenten der Sächsischen Staatskapelle. Ehrendirigent des Orchesters ist seit 1990 Sir Colin Davis; Myung-Whun Chung trägt ab der Spielzeit 2012/2013 den Titel Erster Gastdirigent.
Richard Strauss war der Staatskapelle mehr als 60 Jahre lang freundschaftlich verbunden. Neun seiner Opern, darunter "Salome", "Elektra" und "Der Rosenkavalier", wurden in Dresden uraufgeführt; seine "Alpensymphonie" widmete er der Staatskapelle.
Auch zahlreiche andere berühmte Komponisten schrieben Werke, die von der Staatskapelle uraufgeführt wurden beziehungsweise ihr gewidmet sind. An diese Tradition knüpft das Orchester seit 2007 mit dem Titel "Capell-Compositeur" an, den seither die Komponisten Isabel Mundry, Bernhard Lang, Rebecca Saunders, Johannes Maria Staud und Lera Auerbach innehatten. Capell-Compositeur der Saison 2012/2013 ist Hans Werner Henze.
Die Sächsische Staatskapelle ist in der Semperoper beheimatet und hier pro Saison in etwa 260 Opern- und Ballettaufführungen zu hören. Hinzu kommen ca. 50 symphonische und kammermusikalische Konzerte sowie Aufführungen in der Dresdner Frauenkirche. Als eines der international begehrtesten Symphonieorchester gastiert die Staatskapelle regelmäßig in den großen Musikzentren der Welt.
Ab 2013 wird die Sächsische Staatskapelle Dresden das Orchester der Osterfestspiele Salzburg, deren Künstlerischer Leiter Christian Thielemann sein wird.
2007 erhielt die Sächsische Staatskapelle Dresden als bislang einziges Orchester in Brüssel den "Preis der Europäischen Kulturstiftung für die Bewahrung des musikalischen Weltkulturerbes".

Sonntag, 26.05. / 01.10 Uhr / Wagner-Geburtstagskonzert ~ Thielemann dirigiert die Sächsische Staatskapelle
Musik, Deutschland, 2013, ZDF       50 Min.
Regie: Michael Beyer
Dirigent: Christian Thielemann
Orchester: Sächsische Staatskapelle Dresden
Erstausstrahlung

Richard Wagner zu Ehren feierte die Sächsische Staatskapelle Dresden unter Leitung von Christian Thielemann diese Woche in den 200.Geburtstag ihres ehemaligen Kapellmeisters hinein. Neben Ouvertüren aus Wagners berühmten Dresdner Opern stand das Orchesterwerk "Fraternité" des 2012 mit 86 Jahren verstorbenen Hans Werner Henze auf dem Programm.

Zum Zeitpunkt seines Todes war Henze, der als einer der wichtigsten Komponisten der letzten 50 Jahre gilt, "Capell-Compositeur" der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Aufzeichnung des Konzerts vom 21. Mai, dessen erster Teil am frühen Abend ausgestrahlt wurde.
Was den Publikumserfolg betrifft, gehört Henzes Werk zum erfolgreichsten im Bereich zeitgenössischer Musik. Dies verdankt die Musik einerseits dem starken dramaturgischen Gespür Henzes, andererseits hat Henze klanglich einen gemäßigten Weg beschritten, der seine Musik auch für die Liebhaber klassischer Musik goutierbar macht. Henzes Zusammenarbeit mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden geht zurück bis in die 60er Jahre. Kurz vor seinem Tode im vergangenen Jahr wurde dort noch seine Oper "Wir erreichen den Fluss - We come to the River" aufgeführt.
Richard Wagner nannte die Sächsische Staatskapelle Dresden seine "Wunderharfe" und vertraute ihr die Uraufführung vieler seiner Werke an. 1843 war er Hofkapellmeister des Orchesters geworden, dessen Klang er fortan prägen sollte. Mit seiner Beteiligung am Dresdner Maiaufstand 1849 und der darauf folgenden Flucht aus Deutschland endete die Dresdner Zeit, in der seine drei ersten großen Opern aufgeführt wurden: "Rienzi", "Der Fliegende Holländer" und "Tannhäuser".
Ouvertüren und Tenor-Szenen aus diesen Opern standen im Mittelpunkt des Konzerts, das ARTE an diesem Abend in zwei Teilen präsentiert. Dirigiert wurde die Sächsische Staatskapelle Dresden von ihrem Chefdirigenten Christian Thielemann, der vergangenes Jahr von der Zeitschrift "Opernwelt" zum "Dirigenten des Jahres" gekürt wurde. In seinem unlängst erschienenen Buch "Mein Leben mit Wagner" erzählt Christian Thielemann von seiner tiefen Beziehung zu dem Komponisten, dessen Nachfolge als Kapellmeister er Generationen später angetreten hat.

Mittwoch, 29.05. / 20.15 Uhr / 1913: Der Tanz auf dem Vulkan
Schwerpunkt: 100 Jahre Sacre du Printemps

Dokumentarfilm, Deutschland, 2013, ZDF       90 Min.
Regie: Dag Freyer
Autor: Dag Freyer
Produzent: broadview.tv GmbH
Erstausstrahlung

Tero Saarinens Inszenierung von "Le Sacre du Printemps"
Bild: ZDF / © Marita Liulia/T. Saarinen Company

1913 ist das letzte friedliche Jahr vor dem Ersten Weltkrieg. Die Künstler erahnen in ihren Werken schon die düsteren Zeiten: Autoren schreiben verzweifelte Texte, Maler zerstören Perspektiven. Und Igor Strawinsky schafft mit "Le Sacre du Printemps" den aggressiven Soundtrack zur kulturellen Revolution.
Der Dokumentarfilm beleuchtet dieses spannende Jahr aus verschiedenen Perspektiven und zeigt, warum Strawinskys Werk symbolisch für die Strömungen der Zeit stehen kann.

2013 wird Strawinskys "Le Sacre du Printemps" 100 Jahre alt. Bei der Uraufführung am 29. Mai 1913 kommt es zum Eklat: Das Pariser Publikum reagierte empört auf die brachialen Melodien des russischen Komponisten und die rohe Choreographie von Vaslav Nijinsky.
Der Dokumentarfilm "1913 - Der Tanz auf dem Vulkan" geht dem Ballett "Le Sacre du Printemps" und seiner Zeit auf den Grund. In elf Kapiteln entwirft ein sechsköpfiges Autorenteam das spannende Mosaik eines aufregenden Jahres: Stalin und Hitler leben zeitgleich in Wien, lange bevor sie Tyrannei und Schrecken über Europa bringen. Währenddessen feiern die Könige des alten Europas in Berlin die Hochzeit von Preußens Prinzessin Viktoria Luise und ahnen nicht, dass sie schon bald all ihre Macht verlieren.
Doch die Künstler deuten die dunklen Zeiten in ihren Werken bereits an: Picasso malt perspektivlos. Coco Chanel verbannt Schnörkel aus der Mode. Kafka verzweifelt an seinem Vater. Und Igor Strawinskys schreibt mit "Le Sacre du Printemps" die aggressive Begleitmusik zum Aufbruch in ein neues Zeitalter.

Mittwoch, 29.05. / 21.45 Uhr / Gala "100 Jahre Sacre du Printemps" ~ Die Originalchoreographie von Nijinsky
Ballett, Frankreich, 2013, ARTE F       35 Min.
Moderation: Edouard Fouré Caul-Futy
Regie: Olivier Simonnet
Dirigent: Valery Gergiev
Choreographie: Vaslav Nijinsky
Musik: Igor Strawinsky
Darsteller: Tänzer des Mariinski-Theaters

Mit: Tänzer des Mariinski-Theaters
Erstausstrahlung

Das Ballett des Mariinski-Theaters bringt hundert Jahre nach der skandalösen Uraufführung von "Le Sacre du Printemps"
die rekonstruierte Originalchoreographie Vaslav Nijinskys auf die Bühne.
Bild: ARTE France / © Natasha Razina

Es ist bis heute einer der bedeutendsten Skandale der Tanzgeschichte: Am 29. Mai 1913 wurde im Pariser Théâtre des Champs-Elysées "Le Sacre du Printemps" von Igor Strawinsky, in einer Choreographie von Vaslav Nijinsky aufgeführt. Heute, 100 Jahre später, widmet das Pariser Théâtre des Champs-Elysées dieser umwälzenden Premiere einen festlichen Galaabend, der die rekonstruierte Originalchoreographie neben eine aktuelle Lesart der Berliner Choreographin Sasha Waltz stellt. Es tanzt das Ballett des Sankt Petersburger Marinskii-Theaters, begleitet von dessen Orchester unter der Leitung Valery Gergievs. ARTE überträgt das facettenreiche Tanz-Event live aus Paris.

Am 29. Mai 1913 führten die Ballets russes auf der Bühne des gerade eröffneten Pariser Théâtre des Champs-Elysées ein Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts auf: "Le Sacre du Printemps" von Igor Strawinsky, in einer Choreographie von Vaslav Nijinsky. 100 Jahre später würdigt das Théâtre des Champs-Elysées das doppelte Jubiläum, die Theatereröffnung und die Ballettaufführung mit einem speziellen Galaabend.
In einer Live-Übertragung vom Ort der Uraufführung zeigt ARTE die ursprüngliche Fassung von 1913 und einen neuen "Sacre" in einer Choreographie der Berliner Choreographin Sasha Waltz. Zur Feier des Anlasses geben sich das Ballett und das Orchester des Sankt Petersburger Mariinski-Theaters unter der musikalischen Leitung von Valery Gergiev die Ehre.
Durch den Abend führt Edouard Fouré Caul-Futy. Während der Pause strahlt ARTE eine Kurzdokumentation aus, die die Geschichte der Uraufführung aus dem Jahr 1913 sowie des Theaters nachzeichnet, das bis heute zu den schönsten Bühnen der französischen Hauptstadt zählt.

Mittwoch, 29.05. / 22.20 Uhr / 100 Jahre Sacre du Printemps ~ Dokumentation über die Geschichte des Sacre du Printemps
Dokumentation, Frankreich, 2013, ARTE F       26 Min.
Regie: Olivier Simonnet
Erstausstrahlung

Mittwoch, 29.05. / 22.45 Uhr / Gala "100 Jahre Sacre du Printemps" ~ Eine Neuinterpretation Von Sasha Waltz
Ballett, Frankreich, 2013, ARTE F       35 Min.
Moderation: Edouard Fouré Caul-Futy
Regie: Olivier Simonnet
Kostüme: Bernd Skodzig
Dirigent: Valery Gergiev
Choreographie: Sasha Waltz
Musik: Igor Strawinsky
Darsteller: Tänzer des Mariinski-Theaters
Maske: Kati Heimann, Urte Kusserow
Ausstattung: Pia Maier Schriever, Sasha Waltz
Licht: Thilo Reuther
Orchester: Orchester des Mariinski-Theaters

Mit: Tänzer des Mariinski-Theaters

Erstausstrahlung

Zum 100. Jubiläum von "Le Sacre du Printemps" von Igor Strawinsky präsentiert Sasha Waltz ihre Choreographie "Sacre" in Sankt Petersburg, Paris, Brüssel und Berlin. ARTE ist bei der Aufführung im Pariser Théâtre des Champs-Elysées live dabei.

Es gilt als eines der Schlüsselwerke der Moderne: Hundert Jahre nach der Entstehung von Igor Strawinskys "Le Sacre du Printemps" beschäftigt sich Sasha Waltz im Auftrag des Mariinski Theaters mit diesem außergewöhnlichen Werk der Tanz- und Musikgeschichte.
Der Titel wird mit "Das Frühlingsopfer" oder "Die Frühlingsweihe" übersetzt. Die archaisch anmutende, spannungsreiche und kantige Komposition ist geprägt von einer stark betonten Rhythmik, jähen Einbrüchen und der Übereinanderschichtung sich beständig wiederholender musikalischer Motive. Zahlreiche fast geräuschhafte Dissonanzen und der expressionistische Klangeindruck machten das Werk zu einem der bekanntesten Musikstücke der modernen Avantgarde.
In einigen früheren großformatigen Stücken von Sasha Waltz, "Na Zemlje" ("auf Erde", 1999), "Medea" (2007), "Jagden und Formen (Zustand 2008)" und "Continu" (2010), sind Elemente ihrer Recherche zu Ritus und Gruppendynamik bereits erkennbar. Mit der Choreographie zu "Le Sacre du Printemps" von Igor Strawinsky widmet sie diesen Themen nun ein ganzes Stück.

"Seit langem interessieren mich archaische Mythen und Riten, die die Macht und erhabene Ordnung der Natur beschwören. In unserer heutigen hoch technisierten Welt erscheinen Naturgewalten fast nur noch in Form von Katastrophen. Rituale hingegen bilden die zyklische Struktur der Natur ab und thematisieren das Verhältnis des Menschen zu seinen Ursprüngen. Der Glaube und Bezug zu einer höheren Ordnung werden gestärkt, der Einzelne opfert sich zum Wohle der Gemeinschaft. Mit der Choreographie zum "Sacre du Printemps" von Strawinsky habe ich die Möglichkeit, diesem Stoff ein ganzes Stück zu widmen." (Sasha Waltz, Januar 2013)

In der Gestaltung der Bühne, der Kostüme und des Lichts setzt Sasha Waltz auf die langjährige Zusammenarbeit mit Pia Maier Schriever (Bühne), Bernd Skodzig (Kostüme) und Thilo Reuther (Licht).
Die Neuproduktion "Sacre" wird 2013 in Sankt Petersburg, Paris, Brüssel und Berlin gezeigt. Die Aufführungen finden jeweils im Rahmen mehrteiliger Abende statt, die andere Werke zu "Sacre" in Bezug setzen, so unter anderem in Stankt Petersburg mit der rekonstruierten Originalchoreographie von 1913, "Le Sacre du Printemps" von Strawinsky/Nijinsky, getanzt vom Mariinski Ballett Sankt Petersburg.
In Brüssel wird "Sacre" gemeinsam mit "Jagden und Formen (Zustand 2008)" von Sasha Waltz & Guests zur Musik von Wolfgang Rihm gezeigt und gelangt damit in der Besetzung von Sasha Waltz & Guests zur Uraufführung. Die deutsche Erstaufführung findet im November an der Berliner Staatsoper statt.

Mittwoch, 29.05. / 23.20 Uhr / Coco Chanel & Igor Stravinsky
Spielfilm, Frankreich, Japan, Schweiz, 2009, ZDF       114 Min.
Regie: Jan Kounen
Drehbuch: Chris Greenhalgh, Carlo de Boutiny, Jan Kounen
Autor: Chris Greenhalgh
Kamera: David Ungaro
Musik: Gabriel Yared
Schnitt: Anny Danché
Produktion: Canal+, TPS Star, Wild Bunch, Cinémage 3
Produzent: Eurowide Film Production, Hexagon Pictures, Filmazure, Chris Bolzli, Claudie Ossard, Veronika Zonabend

Mit: Anna Mouglalis (Coco Chanel), Mads Mikkelsen (Igor Strawinsky), Elena Morozova (Katerina Strawinsky), Natacha Lindinger (Misia Sert), Grigori Manoukov (Sergei Djagilew) , Rasha Bukvic (Großherzog Dmitri Romanow), Anatole Taubman (Arthur "Boy" Capel)

"Coco Chanel & Igor Stravinsky" ist die opulente Adaption eines biografischen Romans über die Beziehung der französischen Modedesignerin Coco Chanel mit dem aus Russland emigrierten Komponisten Igor Strawinsky. Das starbesetzte, visuell betörende Ausstattungsdrama zeigt die zwei Berühmtheiten in Gefühlsnöten in einer auch von gesellschaftlichen Zwängen und Erwartungen besonders geprägten Zeit.


Paris im Jahre 1913: Im "Théâtre des Champs-Élysées" in Paris findet die Uraufführung von Igor Strawinsky außergewöhnlicher Komposition "Le sacre du printemps" statt. Die Modeschöpferin Coco Chanel ist anwesend und beeindruckt. Doch vielen anderen ist das revolutionäre Stück zu extrem: Die Vorführung wird zum Skandal.
Sieben Jahre später ist Coco Chanel als außerordentlich erfolgreiche Modedesignerin zu Wohlstand und Ansehen gelangt. Da begegnen sich die Französin und der aus Russland emigrierte Musiker wieder. Beide fühlen sich zueinander hingezogen. Coco Chanel bietet dem im Pariser Exil in beengten Verhältnissen lebenden Strawinsky an, in ihrem Landhaus unterzukommen und dort weiter an seiner Musik zu arbeiten. Strawinsky ist für das freundliche Entgegenkommen dankbar und zieht zusammen mit seinen vier Kindern und der schwindsüchtigen Ehefrau zur alleinstehenden Designerin ins prächtige Landhaus. Dort entwickelt sich zwischen den beiden in unterschiedlichen Gebieten beeindruckend schöpferischen Menschen eine Liebesaffäre von ungestümer Leidenschaft. Doch Spannungen sind unausweichlich.

Zusatzinfo:
Die Uraufführung von Igor Strawinskys "Le sacre du printemps" 1913 in Paris gilt als einer der größten Premierenskandale der Musikgeschichte. Die Ballettmusik des russischen Avantgarde-Komponisten war mit ihrer besonderen Polytonalität und Rhythmik wegweisend für die Musik des 20. Jahrhunderts. Mit der spektakulären Uraufführung dieses beunruhigenden Werkes beginnt der niederländische, in Frankreich wirkende Regisseur Jan Kounen seinen Film über zwei Berühmtheiten des 20. Jahrhunderts und ihr amouröses Aufeinandertreffen: Coco Chanel und Igor Strawinsky.
Basierend auf dem gleichnamigen Buch von Chris Greenhalgh, der auch maßgeblich am Drehbuch beteiligt war, realisierte Kounen einen Film von verschwenderischer Ausstattung und schwelgerischer Kameraarbeit, der die Arbeiten von Chanel und Strawinsky optisch und akustisch wie vor allem sinnlich erfahrbar macht. Die emotionalen Spannungen der "Amour fou", der problematischen Dreiecksbeziehung zwischen Chanel, Strawinsky und dessen zweifach leidender Gattin brodeln unter der üppigen und edlen Oberfläche. Star-Däne Mads Mikkelsen und die attraktive französische Schauspielerin Anna Mouglalis können mit ihrem zurückhaltenden Spiel, das viel durch kleinste Gesten und Regungen vermittelt, durchweg überzeugen.
Mouglalis spielt die von Audrey Tautou im ziemlich zeitgleich erschienenen Kinofilm "Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft" quirliger interpretierte Rolle der französischen Mode-Ikone sowohl tiefgründig wie auch mit viel betörendem Charme. Gerade dieser Gegensatz ist es wohl, der die Anziehungskraft und Wirkung von Coco Chanel ausmacht.
"Coco Chanel & Igor Stravinsky" ist ein visuell opulentes und atmosphärisch dichtes Drama über die leidenschaftliche und erotische Liebesgeschichte zweier exzentrischer Ausnahme-Künstler und die von Rivalität geprägte Beziehung zweier Frauen in einer unvermeidbaren Dreierkonstellation. Von Anfang an besticht der Film durch seine wohlfeile Ästhetik, seine sorgfältig ausgewählten und ausgestatteten Handlungsräume, Anwesen und Dekors im Stil des frühen 20. Jahrhunderts. Aufwändige Konzertszenen ergänzen die prunkvolle Inszenierung.
Unterstützung erhielt die Produktion von Karl Lagerfeld und dem Modehaus Chanel, die dem Filmteam ihre Kollektionen und Archive öffneten. Darüber hinaus erhielt das Team Zugang zur berühmten Pariser Unterkunft von Coco Chanel in der Rue Cambon 31.
"Coco Chanel & Igor Stravinsky" lief 2009 als Abschlussfilm der Internationalen Filmfestspiele von Cannes.
"Nie ist die Kamera statisch, immer in Bewegung zitiert sie die Leitlinie der Epoche. Die Bilder arbeiten stark mit der Ornamentik von Oberflächen, seien es die Interieurs, in denen sich die Pariser Hautevolee tummelt, oder die vollbesetzten Ränge der Oper. Dagegen setzt Jan Kounen immer wieder die reduzierten Chanel-Farben, die unerwartet in den Kompositionen auftauchen und in ihrem minimalistischen Programm abgeklärt wirken wie Mademoiselle Coco (Anna Mouglalis) selbst." (Philipp Goll für: taz. die tageszeitung)
Biographie/Filmographie Jan Kounen
Der 1964 im holländischen Utrecht geborene Jan Kounen ist als erfolgreicher französischer Filmemacher bekannt. Nach Kurzfilmen und Musikvideos realisierte er 1997 sein Kino -Langfilm-Debüt "Dobermann", das - mit Vincent Cassel, Tchéky Karyo und Monica Bellucci prominent besetzt - zum Erfolg wurde. Seitdem ist Kounen eine wiederkehrende Größe im französischen Kino. Ebenfalls mit Vincent Cassel in der Hauptrolle lief 2004 "Blueberry und der Fluch der Dämonen" an und 2007 "39,90" mit Jean Dujardin.

Samstag, 01.06. / 16.45 Uhr / Metropolis
Magazin, Deutschland, 2013, NDR       50 Min.
Erstausstrahlung

(1): Jamie Cullum
Über zehn Millionen verkaufte Alben und Singles weltweit, ausverkaufte Tourneen und außergewöhnliche Projekte - Jamie Cullum ist ein Multitalent, seine Musik ein Crossover aus Jazz, Pop, Swing, Hip-Hop und Rock'n Roll. Als Jugendlicher tingelte er durch die Clubs, verdiente sich damit sein Film- und Literaturstudium, und bei den Brit Awards wurde er als "Britisch Breakthrough Act" nominiert. Er spielte mit Katie Melua live in London und auch zum Geburtstag der Queen.
Im Mai erscheint sein sechstes Album: "Momentum". "Das Album handelt von der Zeit zwischen Jugend und Erwachsensein, wenn du noch mit einem Bein in einer dieser Phasen steckst. Du beginnst die Welt in einer anderen Weise zu verstehen und so viele Dinge zu erkennen - hässliche ebenso wie schöne. Du steckst mittendrin zwischen neuen, frischen Ansichten und den alten Problemen in deinem Kopf", so Jamie.
Zum ersten Mal hat er mit seiner Live-Band Aufnahmen gemacht, hat sich auf die locker aufgenommenen Home-Recordings verlassen. Es ist wohl das erste Cullum-Album, das größtenteils im Schlafanzug entstanden ist. Denn auch seine Ehefrau Sophie Dahl riet ihm einfach: "Mach dir nicht so einen Kopf um konkrete neue Songideen, geh doch einfach in dein Zimmer und amüsiere dich".

Mehr Informationen unter: www.arte.tv/metropolis

Samstag, 01.06. / 00.05 Uhr / 00.05 Uhr / Tracks: Karl Hyde / Holly Herndon / Conny Plank / Glitch Art / Palma Violets
Magazin, Deutschland, 2013, WDR       52 Min.
Erstausstrahlung

(1): Karl Hyde - Underworld Mastermind auf Solopfaden
(2): Laptop-Sound-Aktivistin Holly Herndon
(3): Conny Plank - Pionier am Mischpult
(4): Glitch Art - Die Kunst des digitalen Fehlers
(5): Live: Palma Violets

(1): Karl Hyde - Underworld Mastermind auf Solopfaden
Zum Super-Hit "Born Slippy" des Elektronik-Duos "Underworld" spielte schon Ewan McGregor in "Trainspotting" (1996); mit "Tomato" schufen sie eine der innovativsten Design- und Kunstagenturen Englands. 2012 durften sie sogar als Musikkuratoren die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele leiten. Jetzt veröffentlicht Underworld-Mastermind Karl Hyde mit "Edgeland" sein erstes Solo-Album. Auf dem geht es um urbane Randgebiete - vergessene Stadtteile links und rechts der Tourbusstrecke. Über die bloggt Karl Hyde nämlich schon seit über zehn Jahren - und das täglich. Die perfekte Gelegenheit, um mit ihm über die Faszination dieser Orte zu sprechen und natürlich darüber, wie es sich anfühlt, diesmal ohne seinen Underworld-Kollegen Rick Smith unterwegs zu sein.

(2): Laptop-Sound-Aktivistin Holly Herndon
Nicht erst seit man ihr an der Musikhochschule kein Instrumenten-Schließfach für ihren Laptop geben wollte, kämpft Holly Herndon für die Anerkennung des guten alten Laptops als eigenständiges Musikinstrument. Die Sound-Künstlerin aus San Francisco will der verkannten Bit-Maschine mit Hilfe von Induktionsmikrofonen zu einem besseren Bühnenimage verhelfen und baut die elektrische Spannung des Rechners dabei einfach direkt in ihre Performance ein. Wie verstörend gut das klingt, kann man jetzt auf ihrem Konzept-Album "Movement" hören, live im Vorprogramm von Thom Yorkes "Atoms For Peace" oder ganz einfach bei "Tracks".

(3): Conny Plank - Pionier am Mischpult
Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten zwischen Kraftwerk, Neu!, D.A.F, Brian Eno, Gianna Nannini oder Eurythmics würden wohl die Wenigsten auf den Namen Conny Plank kommen. Und das nur, weil der bedeutendste deutsche Produzent der 70er und 80er Jahre zu einer Zeit zum Starproduzenten avancierte, als Produzenten eben noch keine Stars waren. Künstler wie David Bowie oder U2 ließ Konrad "Conny" Plank gar nicht erst ins Studio. Er wurde lieber zum stilprägenden Techniker und zu einer zentralen Figur der Krautrock-Bewegung. 25 Jahre nach seinem Tod gibt es jetzt eine Compilation und eine Dokumentation, die der Legende um den ersten großen deutschen Produzenten nachgehen wollen.

(4): Glitch Art - Die Kunst des digitalen Fehlers
Während Normalsterbliche bei Störungen einer Skype-Verbindung oder pixeligen YouTube-Standbildern genervt den Reload-Button drücken, jubeln Glitch-Fans über sogenannte "happy accidents". Sie erzeugen die fragmentarisch bunten Fehler und Verzerrungen sogar mit voller Absicht und machen daraus Kunst. Glitch-Pioniere wie Rosa Menkman oder Kim Asendorf zerstören Digicams, erzeugen Kurzschlüsse und erfinden neue Dateiformate, um aus den vermeintlichen Abfallprodukten der digitalen Welt einzigartige Bilder zu erschaffen.

(5): Live: Palma Violets
Kennengelernt haben sich Palma Violets angeblich beim Zeltplatzlagerfeuer auf dem Reading Festival - jenem alljährlichen Großevent im Sommer, bei dem schon Generationen von Briten ihr Herz an Gitarrenbands verloren haben. Dafür werden Sam Fryer, Chilli Jesson, Pete Mayhew und Will Doyle in diesem Jahr einfach selbst sorgen - schließlich liefert ihr Debüt-Album "180" endlich wieder Neues für die englische Musikszene: melancholische Bromance-Hymnen mit ordentlich Gitarren. Selbstredend sind die Jungs damit längst ganz oben auf der britischen Beliebtheitsskala angekommen, auf dem Cover der englischen Musikzeitschrift "NME" ("New Musical Express") mit der Bezeichnung "Beste Rockband Englands" inklusive. "Tracks" hat sich live davon überzeugt.

Zusatzinfo:
Mehr Informationen unter: www.arte.tv/tracks

Sonntag, 02.06. / 11.45 Uhr / Square: ean-François Sivadier
Magazin, Frankreich, Deutschland, 2012, ARTE       43 Min.
Gast: Jean-François Sivadier
Erstausstrahlung

Jeden Sonntag um die Mittagszeit stellt die Sendung "Square" Künstler und Intellektuelle in den Mittelpunkt - im Interview sprechen sie über ihr eigenes Leben, aber auch über das politische und gesellschaftliche Zeitgeschehen. Eine andere Art auf die Frage zu antworten: Wie erleben Sie unsere Epoche? Ein kulturelles Gespräch, das abwechselnd von Vincent Josse und Anja Höfer geführt wird: bei den Künstlern zu Hause, draußen oder einem anderen Ort ihrer Wahl.

Mehr im Internet unter: www.arte.tv/square
In vier Rubriken zeichnet ARTE ein Porträt des Gastes anhand von sieben Eckdaten oder Schlagwörtern, diskutiert seine Behauptungen, spricht über seine aktuellen Projekte und entdeckt Menschen, die ihn inspirieren oder ganz besonders am Herzen liegen.

Sonntag, 02.06. / 16.25 Uhr / Abgedreht!
Magazin, Frankreich, 2013, ARTE F       43 Min.
Erstausstrahlung

Kultur mal anders? Dann sind Sie bei "Abgedreht!" richtig! Das wöchentliche retro-moderne Magazin aus Frankreich wirft den etwas anderen Blick auf Kunst, Kult und Kultur. In schrägem und humorvollem Ton, in kurzen und unterhaltsamen Rubriken dreht sich jede Ausgabe um ein Thema. Auf dem Programm stehen Meilensteine der Kinogeschichte und Kultiges aus der Musikszene, Flashbacks auf kulturelle Highlights und Skandale vergangener Zeiten sowie auch Aktuelles aus dem Kulturbetrieb.

(1): "Django Unchained" von Quentin Tarantino
Der erste "Django" kam 1966 in die Kinos. Der Film des italienischen Regisseurs Sergio Corbucci galt bald als brutalster Western aller Zeiten. Knapp ein halbes Jahrhundert später drehte Quentin Tarantino den New Western "Django Unchained", eine Hommage an Corbuccis "Django" und ein origineller Blick auf die Geschichte der Sklaverei. Once Upon a Time in the West, zwei Jahre vor Beginn des amerikanischen Bürgerkrieges ...

(2): "True Grit" und "No Country for Old Men" von Ethan und Joel Coen
Remakes sind eine Passion der Coen-Brüder. Die Neuinterpretation von Filmgenres aller Art ist eine ihrer Spezialitäten. Auch der gute alte Western blieb nicht außen vor: Ihn modernisierten sie 2007 in "No Country for Old Men" und 2012 in "True Grit", einer Geschichte, die Henry Hathaway 1969 in "Der Marshall" auf die Leinwand gebracht hatte. "Abgedreht!" goes West - mit den Coen-Brüdern und ihren witzig-verschrobenen New Western.

(3): Skandalös! "Heaven's Gate - Das Tor zum Himmel" von Michael Cimino
Michael Ciminos Film "Heaven's Gate" gilt heute als Meisterwerk des amerikanischen Kinos. Vor einigen Jahren wurde ihm die Ehre einer restaurierten Neufassung zuteil. Als er 1981 anlief, erwies er sich jedoch als Flop bei Publikum und Filmkritikern, die ihn völlig verrissen. Cimino fiel in Hollywood durch. "Abgedreht!" erzählt die außergewöhnliche Geschichte vom Revival dieses Westerns, dem die Jahre sehr gut bekommen sind.

Zusatzinfo:
Das französische Journalistenduo Collin und Mauduit, die in ihrer Heimat längst Kult sind, kommentieren aus dem Off. Ihr Geheimnis: großes Wissen gepaart mit teils beißendem Witz, politisch nicht immer ganz korrekt ... Weiteres Markenzeichen des Magazins sind die à la "Abgedreht!" neu gemischten Filmklassiker-Ausschnitte, die anstelle eines Moderators durch jede Sendung führen. So kann es vorkommen, dass plötzlich Cary Grant den nächsten Beitrag ansagt ...
Mehr im Internet unter: www.arte.tv/abgedreht

Sonntag, 02.06. / 17.05 Uhr / Ein Tag im Leben des Cellisten Johannes Moser
Dokumentationsreihe, Deutschland, 2012, WDR       26 Min.
Regie: Holger Preuße
Erstausstrahlung

Der Deutsch-Kanadier Johannes Moser will sich nicht zwischen dem klassischem Cello und seiner elektronischen Variante, dem E-Cello entscheiden. Beides spielt er meisterhaft, einige Komponisten haben ihm Werke für elektronisches Cello auf den Leib geschrieben. Die Dokumentation begleitet ihn einen Tag lang in Frankfurt und New York City, wo er seinen Lebensmittelpunkt hat.

Im September vergangenen Jahres gab Johannes Moser sein Debüt mit den Berliner Philharmonikern. Dabei war selbstverständlich das klassische Cello gefragt. Stardirigent Zubin Mehta hatte ihn persönlich eingeladen. Johannes Moser bereitete sich mit einer Mentaltrainerin monatelang intensiv auf die vier Konzerte in der Philharmonie vor. Die Idee für diese Art der Vorbereitung hatte er sich von Profi-Sportlern abgeschaut, denn Johannes Moser überlässt nur ungern etwas dem Zufall.
Zurzeit lebt Johannes Moser in New York und pendelt von dort aus zu den Konzertsälen der Welt: "Ich bin eigentlich unterwegs seit meiner Geburt. Meine Mutter hat mich sofort mit auf Tournee genommen. Sie ist Sängerin und hat mit mir gesungen bis sie im achten Monat schwanger war, dann musste sie für die Geburt unterbrechen. Nach einem halben Jahr sind wir dann wieder auf Tournee gegangen. Das heißt, dass das Reisen einfach ganz normal ist."
Die Dokumentation begleitet Johannes Moser auf dem Weg zwischen den Kontinenten, zwischen Amerika und Europa. Sie beginnt in New York City, mit Joggen im Central Park am frühen Morgen, ersten Proben einer Debussy-Sonate mit einem neuen Klavierpartner, etwas Fast Food am Broadway mit anderen Cellisten während des Make-Music-New-York-Tags; dann telefoniert Johannes Moser mit seiner Mentaltrainerin via Skype, mit deren Unterstützung er vor vor wichtigen Konzerten Entspannungsübungen macht.
Anschließend die Fahrt zum Flughafenmit dem Ziel Frankfurt. Dort stehen Proben mit dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester an. Auf dem Spielplan steht das Cello-Konzert von Édouard Lalo. Johannes Moser lässt es sich nicht nehmen, zwischendurch auch noch Schüler zu unterrichten. Schließlich ist der 33-Jährige seit kurzem Ordentlicher Professor an der Musikhochschule in Köln.

Zusatzinfo:
Die Reihe "Ein Tag im Leben ..." begleitet junge, unkonventionelle Musiker über einen leichten, ganz persönlichen Zugang. Die Kamera ist bei der gemeinsamen Probe mit Freunden dabei, begleitet die Künstler durch ihren Alltag, hastet mit ihnen von Ort zu Ort und filmt sie beim Musizieren in unbefangener Stimmung und an ungewöhnlichen, privaten Orten. Die Reihe will ganz bewusst Künstler in ein anderes Licht rücken und sie eben nicht auf den großen Bühnen des internationalen Musikbusiness erleben. Die ungezwungene Atmosphäre außerhalb des Rampenlichts ermöglicht Eindrücke, die im disziplinierten Konzertbetrieb sonst nicht denkbar sind. Das Private, die andere Seite im Leben der Musiker, steht im Mittelpunkt. Beabsichtigt ist die Möglichkeit eines neuen, anderen - vielleicht sogar authentischeren - Verständnisses ihrer Kunst.

Die einzelnen Folgen der neuen Reihe im Überblick:
(1): "Ein Tag im Leben des Pianisten Francesco Tristano", am Sonntag, den 17. Mai um 17.10 Uhr, Erstausstrahlung
(2): "Ein Tag im Leben der Geigerin Patricia Kopatchinskaja", am Sonntag, den 26. Mai gegen 17.00 Uhr, Erstausstrahlung
(3 ): "Ein Tag im Leben des Cellisten Johannes Moser", am Sonntag, den 2. Juni gegen 17.00 Uhr, Erstausstrahlung

Sonntag, 02.06. / 17.35 Uhr / Calle del Arte ~ Eine Straße für die Kunst
Dokumentation, Venezuela, Deutschland, 2012, ZDF       53 Min.
Regie: Viviane Blumenschein
Erstausstrahlung

In Maracaibo, der zweitgrößten Stadt Venezuelas, findet jedes Jahr die Velada Santa Lucía statt. Das Kunstfestival wurde 2001 von der in Hamburg lebenden Venezuelanerin Clemencia Labin ins Leben gerufen. Mehr als 240 Künstler sind eingeladen, ihre Kunst in privaten Wohnräumen zu präsentieren.

In Maracaibo findet seit 2001 jedes Jahr die das Kunstfestival Velada Santa Lucía statt. Die venezuelanische Künstlerin Clemencia Labin, die in Hamburg lebt, hat das Festival mit einem ungewöhnlichen Konzept ins Leben gerufen: Mehr als 240 Künstler sind eingeladen, ihre Kunst in den privaten Wohnräumen der Bewohner des Viertels rund um die Iglesia Santa Lucía zu präsentieren. Ein spannungsvolles Aufeinandertreffen der Bürger des Viertels mit Künstlern aus der ganzen Welt.
Die Bewohner des Viertels Santa Lucía stellen nicht einfach irgendeinen Raum zur Verfügung - sie öffnen vielmehr ihre "gute Stube", den Mittelpunkt ihres Familienlebens; inklusive der Couchgarnitur, des Madonnenschreins, der privaten Familienfotos und des Plastikblumenarrangements. Das erfordert ein hohes Maß an Vertrauen auf der einen und enormes Fingerspitzengefühl auf der anderen Seite.
Was werden die Künstler denken, wenn sie in den Häusern stehen? Wie werden sie die Räume verändern? Was wird die Kunst mit dem Zuhause anstellen? Am Ende ist nichts mehr wie es war. Hier prallen im wahrsten Sinne des Wortes Weltbilder aufeinander; es wird diskutiert, gelacht, geweint, gegessen und gemeinsam gefeiert.
Am Ende ist etwas passiert. Es hat eine Kommunikation stattgefunden, ein Austausch. Künstler, Kunst und Bewohner sind eine Verbindung eingegangen, die so schnell nicht wieder gelöst werden kann. Es ist keine Magie, sondern der Zauber von Kunst, die immer auch mit Wahrheit zu tun hat. Umso mehr, weil sie in einem belebten Raum stattfindet, abseits lebloser Museen und Galerien. Die Kunst integriert sich in die Räume der Bewohner - oder ist es umgekehrt? Die Facetten scheinen unendlich, reichen von verspielter Konzeptkunst über Malerei, Plastik, Performance bis hin zur politisch engagierten Kunst, die auch den Zustand des armen "reichen" Öllandes Venezuela widerspiegelt.
Die Vielfalt ist ein Markenzeichen der Velada, mit den Jahren ist auch die Qualität der Kunst gestiegen. Das gesamte Viertel wird während der Velada auf den Kopf gestellt und verwandelt sich für wenige Tage in eine Straße für die Kunst.

Sonntag, 02.06. / 18.30 Uhr / Lorin Maazel trifft Alice Sara Ott
Musik, Deutschland, 2012, ZDF       43 Min.
Regie: Stéphane Aubé
Dirigent: Lorin Maazel
Orchester: Münchner Philharmoniker
Mit: Alice Sara Ott (Klavier)
Erstausstrahlung

Suggestiv, elegant und exakt: Lorin Maazel ist einer der besten Dirigenten unserer Zeit. Der 83-jährige Chefdirigent der Münchner Philharmoniker trifft bei einem seiner ersten Konzerte in München die deutsch-japanische Pianistin Alice Sara Ott. Mit Bravour interpretieren sie Ravels G-Dur-Konzert.

"Wilder Alter" - so nennen ihn respektvoll seine Kollegen. Kaum ein anderer Maestro führt den Taktstock so suggestiv, elegant und exakt wie er - und das seit vielen Jahrzehnten. Im September 2012 trat Lorin Maazel seinen neuen Job als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker an. Mit 83 Jahren ist das einstige Wunderkind der wohl bisher älteste Chefdirigent eines Spitzenorchesters. Seine Vitalität, die Abenteuerlust und Neugierde auf neue Herausforderungen ist ungebremst. Seit vier Jahren gilt sein besonderes Augenmerk der Förderung aufstrebender Künstler, so auch in München.

Bei einem seiner ersten Konzerte mit den Münchner Philharmonikern spielt Alice Sara Ott als Solistin an seiner Seite. Die junge deutsch-japanische Pianistin hat bereits mit Bravour Stars wie Lang Lang und Hélène Grimaud bei Konzerten vertreten. Durch ihr erfrischend freies und zugleich verschmitztes Spiel, flüssig und ohne jede Künstlichkeit, hat sie bei Publikum und Kritikern einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ihr Talent blieb auch Lorin Maazel nicht verborgen.

Für ihr erstes gemeinsames Konzert fiel die Wahl auf Ravels "Klavierkonzert in G-Dur", komponiert im Geiste von Mozart und Saint-Saëns. Alice Sara Ott gefallen besonders die unüberhörbaren Jazz-Anleihen und der kammermusikalische Ansatz in Ravels einzigem Klavierkonzert für zwei Hände. Lorin Maazel selbst hat sowohl als Violinist als auch als Dirigent praktisch das gesamte Werk Ravels interpretiert. Kurze Ausschnitte zeigen Lorin Maazel, Alice Sara Ott und die Münchner Philharmoniker bei den entspannten Probenarbeiten in München.
Dabei überrascht Alice Sara Ott mit einer ganz eigenen Technik, um die Finger vor dem Spiel aufzuwärmen: Minutenlang und sehr virtuos dreht sie einen Zauberwürfel. Für die Lösung benötigt sie nur wenige Sekunden. Als Zugabe musizieren Lorin Maazel und die Münchner Philharmoniker Maurice Ravels "La Valse".

Samstag, 08.06. / 16.45 Uhr / Metropolis
Magazin, Deutschland, 2013, ZDF       50 Min.
Erstausstrahlung

(1): Metropolenreport Kopenhagen
(2): Japanische Mode, britisch vertont, in Berlin
Es ist was faul im Staate Dänemark: in Kopenhagen boomt der Thriller. "Metropolis" nimmt Fährte auf - Tatort: Kultur. Und in Berlin wird es "warholesque", in der Kreativ-Werkstatt MADE.

(1): Metropolenreport Kopenhagen
Am besten man fährt gleich mit dem Rad - von Berlin sind es 630 Kilometer bis in die dänische Hauptstadt. Und dann? Radelt man einfach weiter - von Designern zu Musikern und Filmemachern. "Metropolis" zeigt, wie das geht.

(2): Japanische Mode, britisch vertont, in Berlin
Der Komponist Max Richter komponiert Melodien zu den Schöpfungen einer japanischen Modeikone: Yohji Yamamoto. In der Kunst-Fabrik MADE in Berlin haben sich die beiden getroffen - und "Metropolis" war mit dabei.

Mehr Informationen unter: www.arte.tv/metropolis

Samstag, 08.06. / 22.50 Uhr / "God bless Ozzy Osbourne"
Dokumentarfilm, USA, 2011, RBB       93 Min.
Regie: Mike Piscitelli
Erstausstrahlung

Am 7.Juni 2013 erscheint das neue Album der legendären Band Black Sabbath, die mit Songs wie "Paranoid" oder "Iron Man" als einer der Gründerväter des Heavy Metal gilt. Das Album trägt den schlichten Titel "13" und ist das erste Album der Band in der Urbesetzung seit 35 Jahren. Produziert von Mastermind Rick Rubin, der einst die Red Hot Chili Peppers und die Beastie Boys groß machte und für das grandiose Alterswerk Johnny Cashs verantwortlich ist, sind die Erwartungen der Fans gewaltig. Aus diesem Anlass zeigt ARTE mit "God bless Ozzy Osbourne" ein Porträt des Black Sabbath-Masterminds und "Godfather of Metal".

Ozzy Osbourne, der als Sohn einer Arbeiterfamilie im kriegszerrütteten England aufwuchs, gründete zusammen mit Freunden aus der Nachbarschaft die Gruppe Black Sabbath und gilt Erfinder des Heavy Metal. Ihr Album "Paranoid" aus dem Jahre 1970 mit Hits wie "Paranoid", "Iron Man" oder "War Pigs" gilt bis heute als wegweisend. Zehn Jahre lang nährte er mit Vergnügen den Mythos des wilden Rock'n'Rollers und führte ein Leben, das selbst unter seinen ausgeflipptesten Musikerkollegen als extrem galt.
In den vier Jahrzehnten seiner beispiellosen Karriere ging Ozzy Osbourne als bedeutender Künstler in die Annalen der Rockmusik ein, seine privaten Probleme blieben jedoch immer ein geheimnisumwitterter Mythos. In gewisser Weise gründet Osbournes Ruhm auf seinem unglaublichen Drogen- und Alkoholkonsum, während seine musikalischen Leistungen vom Image des "Madman", des Rocksängers am Rande des Wahnsinns, überschattet wurden.
Eine Weile lang funktionierte dieser Lebensstil, doch irgendwann ging er nach hinten los: Ozzy verlor seine Familie, seine Frau, und als ihn Black Sabbath vor die Tür setzte, auch seinen Lebensunterhalt. Der Zauber wirkte nicht mehr, der Spaß war dahin. Übrig blieb ein gescheiterter Alkoholiker.
Erstaunlicherweise gelang Osbourne kurz vor dem Aus ein Neuanfang, den er nicht zuletzt seiner Frau und Managerin Sharon verdankt. Sie schaffte es, sein ebenso unglaubliches wie triumphales Comeback zu inszenieren. Mit seinen Alben "Blizzard of Ozz" und "Diary of a Madman" wurde Ozzy zu einem der meistverkauften Künstler der 80er Jahre. Diese Platten setzten für drei Generationen von Musikfans Maßstäbe, und der Eingangsriff von Osbournes Song "Crazy Train" ist heute genauso bekannt wie der von "(I Can't Get No) Satisfaction" der Rolling Stones oder von "Day Tripper" der Beatles.
Aber die guten Zeiten dauerten nicht an: Ein dramatischer Einschnitt war der Tod seines Kollegen Randy Rhoads, der während einer Tournee 1982 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Mit Rhoads' Tod und dem Verlust seines Vaters begann für den Musiker eine Talfahrt, die nahezu 30 Jahre anhielt. Und obwohl ihm mit der Show "The Osbournes" als Reality-TV-Ikone erneut der Sprung ins Rampenlicht gelang und er an einem absoluten Tiefpunkt seines Lebens einen Riesenerfolg landete, kam er nicht von seinen Süchten los.

Zusatzinfo
Dieses berührende und zugleich humorvolle Porträt ist der erste Dokumentarfilm über Ozzy Osbourne, der ihn einmal nicht als exzentrischen Freak zeichnet. Die von seinem Sohn Jack produzierte Dokumentarfilm entstand mit Osbournes aktiver Beteiligung und Genehmigung und unter Mitwirkung von Familie und Freunden. "God bless Ozzy Osbourne" bringt neue Interviews und Archivaufnahmen von Black Sabbath und Ozzy Osbourne - viele davon bisher unveröffentlicht.
Mit bisher unveröffentlichten Archivaufnahmen und Interviews mit Sir Paul McCartney, Tommy Lee, Henry Rollins und anderen gewährt dieser Dokumentarfilm dem Zuschauer erstmals Einblicke in das Denken und Fühlen des Ausnahmekünstlers Ozzy Osbourne

Samstag, 08.06. / 00.20 Uhr / Tracks: Jesse Boykins III / The National / Shane Carruth / Chvreches / Don Coscarelli
Magazin, Deutschland, 2013, BR       52 Min.
Erstausstrahlung

(1): Kultfilmer Shane Carruth
(2): Chvrches - Kuschelweiche Synthiesounds
(3): The National - Nicht ohne meine Brüder!
(4): Ryan McNamara - Performancekünstler auf Umwegen
(5): Don Coscarelli - Der König des Trash-Horror
(6): Frank Turner - Ein Mann mit Vergangenheit

(1):Kultfilmer Shane Carruth
Mit gerade einmal 7.000 Dollar hat Shane Carruth sein Filmdebüt "Primer" produziert und lehnt sich so gegen die millionenschweren Hollywoodproduktionen auf. Spätestens als das Low-Budget-Movie beim Sundance Festival mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurde, erlangt der Time-Travel-Streifen Kultstatus. Jetzt legt der studierte Mathematiker mit "Upstream Color" nach. Wieder fabriziert Carruth seinen Film fast im Alleingang: Er schreibt das Drehbuch, übernimmt die Kamera, führt Regie, komponiert die Musik und spielt eine der Hauptrollen. Herausgekommen ist ein spannender Thriller in bester Science-Fiction-Manier: Die Protagonisten versuchen nach einer Gehirnwäsche ihre verlorene Identität zurückzuerlangen. Eine genauere Beschreibung der Handlung ist - wie immer bei Carruth, dem Meister der Assoziationen und verworrenen Handlungsstränge - nicht möglich. Laut Regisseur ist das auch nicht nötig. "Upstream Color" ist die Essenz visualisierter Gefühle - eine Romanze und ein Psychotrip zugleich. Und ein Silberstreif für alle Autorenfilmer und Selfmade-Künstler.

(2): Chvrches - Kuschelweiche Synthiesounds
Weiche Melodien, kalte Synthiesounds und eine Mädchenstimme mit schottischem Akzent. Niemand würde bei Chvrches vermuten, dass zwei der drei Bandmitglieder früher in Postrock-Indieformationen wie "Aerogramme" oder "The Twilight Sad" mitgewirkt haben. Und wohl auch nicht, dass Sängerin Lauren Mayberry ihre Abschlussarbeit über die Idee von Weiblichkeit und Literatur von Frauen geschrieben hat, schließlich ist das Frauenbild im Popbusiness ziemlich eintönig. Bandmitglied Martin Doherty ist sehr froh darüber, gerade in einer Synthieband zu sein. "In Indiebands wird einfach erwartet, dass man auf der Bühne nicht herumhüpft oder lächelt. Jetzt hab ich viel mehr Spaß als früher." Das wird wohl noch lange so sein, schließlich fangen Chvrches gerade erst an. Dennoch starten sie schon richtig durch.

(3): The National - Nicht ohne meine Brüder!
Oasis, Bee Gees, Kings of Leon - wenn Brüder in einer Band spielen, kann es schon mal ziemlich grob zugehen. Was aber, wenn gleich zwei Brüderpaare in einer Band sind? Die nennt sich dann "The National", kommt aus Ohio und klingt nach Drama und Tränen. Bis jetzt funktioniert aber alles bei den um Matt Berninger versammelten zwei Brüderpaaren Aaron & Bryce Dessner und Bryan & Scott Devendorf. Zwischen den Tourneen geht man sich aber lieber aus dem Weg. Auch in Interviews vermittelt die Band gerne den Eindruck, dass sie kurz vor dem Kollaps steht. Aber vielleicht ist es gerade dieser permanente innere Druck, der die Musik von "The National" so aufregend ungemütlich macht.
1991 treffen sich Matt und Scott an der Universität von Cincinnati. 1999 findet sich die jetzige Besetzung, nennt sich "The National" und zieht nach Brooklyn. Die ersten Jahre sind mühsam, aber Aufgeben kam nie infrage. Der lange Atem hat sich gelohnt: Heute sind "The National" Superstars in den USA und werden durch alle wichtigen Late-Night-Shows gereicht. Sie sind Unterstützer Barack Obamas und wurden von USA Today als "Königliche Hoheit des Indie-Rock" betitelt.
Die Band zeichnet sich durch Matt Berningers markanten Bariton und verschrobene Wortspielereien aus. "Die Songs sollen wie ein verschwommenes Foto sein, bei dem man das Motiv zwar ahnt, es aber nie konkret benennen kann." Entsprechend geht es - vermutlich - um Gefühlszombies und stillen Wahnsinn, um Isolation, Existenzangst und Beziehungsprobleme. Ob damit auch die Brüder in der Band gemeint sind? Bisher haben "The National" jedenfalls durchgehalten. Das Geheimnis ihrer Psychologie verraten sie bei "Tracks".

(4): Ryan McNamara - Performancekünstler auf Umwegen
Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass Ryan McNamara einmal Performancekünstler werden würde, war nicht sehr groß. Auf seiner katholischen Jungenschule stand Kunstunterricht nicht einmal auf dem Lehrplan. Deshalb schnappte sich Ryan McNamara irgendwann eine Fotokamera. Doch mitten in seiner Heimat Arizona und ohne Auto fand er kaum spannende Motive. Also blieb ihm nur das Selbstporträt. Nach der Schule begann er ein Fotostudium und experimentierte mit Videokameras. Dabei stellte er fest, dass die Bewegungen zwischen seinen Bildern interessanter sind als seine Posen. So kam er zum Tanz und seiner Performance "Make Ryan a Dancer": Im renommierten Museum MoMA PS1 ließ er sich jeden Tag von insgesamt 15 Lehrern die unterschiedlichsten Tanzstile beibringen - vor den Augen der Museumsbesucher. Nach fünf Monaten drehte Ryan McNamara den Spieß einfach um: Er tanzte durch die unterschiedlichen Räume des Museums und das Publikum lief hinterher. Bei seiner ersten Soloshow "Still" kam nur hinein, wer unter Ryans Regie eine kleine Performance hinlegen konnte. Menschen, die zuschauen und mitmachen, sind also wichtig in der Kunst von Ryan McNamara. Was er dabei alles erlebt, erzählt er bei "Tracks".

(5): Don Coscarelli - Der König des Trash-Horror
Ein Riese mit dem kreativen Namen "Tall Man" schrumpft Leichen auf die halbe Größe und transportiert sie platzsparend in eine andere Dimension. Oder: Zwei College-Abbrecher auf der neuen In-Droge "Sojasoße" bekämpfen ein Monster aus einer Gefriertruhe. Das sind die Filme des amerikanischen Regisseurs, Drehbuchautors und Produzenten Don Coscarelli. Sein Rezept: unsinnige Handlungen vom Feinsten, so weit wie möglich entfernt vom Hollywood-Blockbuster. Don Coscarelli drehte mit 19 Jahren seinen ersten Film, drei Jahre später wurde er mit seinem Regiedebüt "Das Böse" (Originaltitel: Phantasm) und dem leichenschrumpfenden "Tall Man" zum Kult. Coscarelli war dabei auch für Produktion, Buch, Kamera und Schnitt verantwortlich. Seither hat er auch mit Filmen wie "Bubba Ho-Tep" oder dem neuesten Streifen "John Dies at the End" seine Fan-Gemeinde nicht enttäuscht. Denn in seinen Filmen flüchten keine kreischenden Teenie-Mädchen in Unterwäsche vor dem Kettensägenmörder, der genau dann um die Ecke kommt, wenn der Zuschauer ihn erwartet. In Coscarellis Filmen passiert mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit etwas ganz anderes, etwas ganz abstruses. Vielleicht auch beim Treffen mit "Tracks"?

(6): Frank Turner - Ein Mann mit Vergangenheit
Frank Turner hat schon einiges erlebt. Er besuchte dieselbe Schule wie Prinz William, war erst Alternative-Rocker, dann Frontmann der Post-Hardcore-Band "Million Dead" und hat die Zuschauer bei der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele 2012 erfreut. In der Hauptsache geht es dem Engländer immer nur darum, Musik zu machen - egal, in welchem Regal sie dann im Plattenladen landet. Frank Turner kann man entweder hassen oder lieben. Jedenfalls sollte man ihn spätestens dann kennen, wenn er live bei "Tracks" in die Saiten greift. Es gibt doch schließlich nichts besseres, als sich seine eigene Meinung zu bilden.

Mehr Informationen unter: www.arte.tv/tracks

Samstag, 08.06. / 01.40 Uhr / Grace Jones in Concert: AVO Session 2009
Musik, Schweiz, 2009, ZDF       76 Min.
Regie: Rolli Bärlocher

Grace Jones, die Stilikone der 80er Jahre, berauschte das Publikum der "AVO Session" in Basel mit einer rasanten Show im November 2009. Wie eh und je im androgynen Style und mit provokant-ästhetischen Auftritten, machte Grace Jones das Konzert zu einem spektakulären Ereignis. ARTE war dabei, um sich vom Sturm der Grace Jones mitreißen zu lassen.

2009 war das Jahr des Bühnen-Comebacks von Grace Jones. Die Ikone der 80er Jahre tourte durch Europa und begeisterte das Publikum mit einer rasanten Show. Nach 20 Jahren und unzähligen Gerüchten um neue Platten, die dann doch nicht erschienen, sollte 2006 das neue Album herauskommen - es wurde dann doch 2008, bis "Hurricane" die Charts stürmte. Jones holte für dieses Album alte und neue Bekannte zusammen. Mit von der Partie sind Sly and Robbie, Brian Eno, Tricky und viele andere.
Auch die "Hurricane"-Tour mit einer Mischung aus neuen und alten Songs, extravaganter Kleidung und spektakulären Regieeinfällen wurde zu einem einzigartigen Ereignis.
Grace Jones, das "singende Raubtier" ("Tagesspiegel", 2009), wurde 1948 auf Jamaika geboren. Der Umzug nach Syracuse, einer Stadt bei New York, brachte für Grace Jones, damals noch Kind, viele Schwierigkeiten mit sich: Die lässige und ungezwungene Lebensweise, die sie von Jamaika gewohnt war, kollidierte mit dem strengen Ostküsten-Lebensstil. Auf der Highschool fiel sie als einzige schwarze Frau auf. Während sie zunächst von einer Modelagentur entdeckt wurde und für die Zeitschriften "Vogue" und "Elle" in Paris arbeitete, ist ihre Musikkarriere eng verknüpft mit dem legendären New Yorker Studio 54.
Grace Jones, die Karriere als Model, Sängerin und Schauspielerin gemacht hat, machte ihre ersten Schritte im Musikgeschäft im legendären New Yorker Club Studio 54. Mit ihrem zweiten Album, "Nightclubbing", von 1981 gelang ihr der internationale Durchbruch. Ihr größter Hit "Slave to the Rhythm" kam 1985 heraus. Schlagzeilen machte sie nicht nur durch ihre neue Interpretation berühmter Coverversionen, sondern auch durch ihr androgynes Styling und ihre provokant-ästhetischen Auftritte in Werbung und Spielfilmen.

Sonntag, 09.06 / 09.05 Uhr / Die GEOlino Reportage: Das Dschungel-Orchester
Kindersendung, Deutschland, 2010, ARTE       13 Min.

Auf den Spuren der großen Schwester "360° - Geo Reportage" zeigt die "GEOlino Reportage" außergewöhnliche Kinder und deren Schicksale: Ein Bauernmädchen aus Rajasthan wird Ministerin in einem Kinderparlament und lernt so Demokratie. Simón, ein junger Indianer aus dem bolivianischen Dschungel, geht mit seinem Dorforchester auf große Konzertreise. Ein kolumbianischer Junge lebt an der berüchtigten, steilen und kurvigen Pass-Straße "Linea 5". Dort hilft er liegengebliebenen Lastwagen - und träumt von seinem eigenen Bollerwagen. In manchen der Geschichten, die die "GEOlino"-Reporter aus der ganzen Welt mitgebracht haben, spielen außerdem Tiere die Hauptrolle.

Der 15-jährige Simón Aguape spielt Geige im Dorforchester, und beherrscht neben Bach und Vivaldi viele weitere Barock-Partituren. Er lebt mit seinen Eltern und Geschwistern am Rande des bolivianischen Regenwaldes in einer strohgedeckten Hütte ohne Strom und Wasser. Mühsam ernährt sich die Familie von einem kleinen Stück Land. Nun begibt sich Simón zum ersten Mal in seinem Leben auf eine Reise ins Ausland. Sein Dorforchester fliegt zu einem Auftritt nach Peru. Die Aufregung ist groß, denn viele Orchestermitglieder verlassen das Dorf zum ersten Mal. Simón ist besonders nervös, denn in der alten Inka-Hauptstadt Cuzco soll er in einer prächtigen Barockkirche sein erstes großes Solo geben.

Zusatzinfo:
In manchen der Geschichten, die die "GEOlino"-Reporter aus der ganzen Welt mitgebracht haben, spielen die Tiere die Hauptrolle. "Die Mutter der Bonobos" erzählt beispielsweise von der Belgierin Claudine André, die in der Demokratischen Republik Kongo eine Schutz-Station für verwaiste Affenkinder eingerichtet hat und diese dort auf ein selbstständiges Leben in der Wildnis vorbereitet. Doch die wahren Helden sind dabei natürlich die kleinen Bonobos selbst, die der Zuschauer sofort ins Herz schließt. Ganz ähnlich bei Marta aus Ungarn, die sich hingebungsvoll um einen kleinen Otter kümmert.

Sonntag, 09.06 / 11.45 Uhr / Square
Magazin, Frankreich, Deutschland, 2012, ARTE       43 Min.
Gast:
Erstausstrahlung

Jeden Sonntag um die Mittagszeit stellt die Sendung "Square" Künstler und Intellektuelle in den Mittelpunkt - im Interview sprechen sie über ihr eigenes Leben, aber auch über das politische und gesellschaftliche Zeitgeschehen. Eine andere Art auf die Frage zu antworten: Wie erleben Sie unsere Epoche? Ein kulturelles Gespräch, das abwechselnd von Vincent Josse und Anja Höfer geführt wird: bei den Künstlern zu Hause, draußen oder einem anderen Ort ihrer Wahl.

Mehr im Internet unter:
www.arte.tv/square
In vier Rubriken zeichnet ARTE ein Porträt des Gastes anhand von sieben Eckdaten oder Schlagwörtern, diskutiert seine Behauptungen, spricht über seine aktuellen Projekte und entdeckt Menschen, die ihn inspirieren oder ganz besonders am Herzen liegen.

Sonntag, 09.06 / 16.15 Uhr / Abgedreht!
Magazin, Frankreich, 2013, ARTE F       43 Min.
Erstausstrahlung

Kultur mal anders? Dann sind Sie bei "Abgedreht!" richtig! Das wöchentliche Magazin aus Frankreich wirft den etwas anderen Blick auf Kunst, Kult und Kultur. In schrägem und humorvollem Ton, in kurzen und unterhaltsamen Rubriken dreht sich jede Ausgabe um ein Thema. Auf dem Programm stehen Meilensteine der Kinogeschichte und Kultiges aus der Musikszene, Flashbacks auf kulturelle Highlights und Skandale vergangener Zeiten sowie auch Aktuelles aus dem Kulturbetrieb.

(1): "Django Unchained" von Quentin Tarantino
Der erste "Django" kam 1966 in die Kinos. Der Film des italienischen Regisseurs Sergio Corbucci galt bald als brutalster Western aller Zeiten. Knapp ein halbes Jahrhundert später drehte Quentin Tarantino den New Western "Django Unchained", eine Hommage an Corbuccis "Django" und ein origineller Blick auf die Geschichte der Sklaverei. Once upon a time in the West, zwei Jahre vor Beginn des amerikanischen Bürgerkrieges ...

(2): "True Grit" und "No Country for Old Men" von Ethan und Joel Coen
Remakes sind eine Passion der Coen-Brüder. Die Neuinterpretation von Filmgenres aller Art ist eine ihrer Spezialitäten. Auch der gute alte Western blieb nicht außen vor: Ihn modernisierten sie 2007 in "No Country for Old Men" und 2012 in "True Grit", einer Geschichte, die Henry Hathaway 1969 in "Der Marshall" auf die Leinwand gebracht hatte. "Abgedreht!" goes West - mit den Coen-Brüdern und ihren witzig-verschrobenen New Western.

(3): Skandalös! "Heaven's Gate - Das Tor zum Himmel" von Michael Cimino
Michael Ciminos Film "Heaven's Gate" gilt heute als Meisterwerk des amerikanischen Kinos. Vor einigen Jahren wurde ihm die Ehre einer restaurierten Neufassung zuteil. Als er 1981 anlief, erwies er sich jedoch als Flop bei Publikum und Filmkritikern, die ihn völlig verrissen. Cimino fiel in Hollywood durch. "Abgedreht!" erzählt die außergewöhnliche Geschichte vom Revival dieses Westerns, dem die Jahre sehr gut bekommen sind.

Zusatzinfo:
Das französische Journalistenduo Collin und Mauduit, die in ihrer Heimat längst Kult sind, kommentieren aus dem Off. Ihr Geheimnis: großes Wissen gepaart mit teils beißendem Witz, politisch nicht immer ganz korrekt ... Weiteres Markenzeichen des Magazins sind die à la "Abgedreht!" neu gemischten Filmklassiker-Ausschnitte, die anstelle eines Moderators durch jede Sendung führen. So kann es vorkommen, dass plötzlich Cary Grant den nächsten Beitrag ansagt ...
Mehr im Internet unter: www.arte.tv/abgedreht

Sonntag, 09.06 / 17.00 Uhr / Lotte Reiniger - Tanz der Schatten
Dokumentation, Deutschland, 2012, ARTE       59 Min.
Regie: Susanne Marschall, Rada Bieberstein, Kurt Schneider
Erstausstrahlung

Nicht Walt Disney, sondern der deutschen Filmkünstlerin Lotte Reiniger ist der erste abendfüllende Animationsfilm der Filmgeschichte zu verdanken. 1926 zauberte die Virtuosin des Scherenschnitts "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" auf die Stummfilmleinwand und erfand damit eine neue Spielart des Kunstfilms zwischen Jugendstilästhetik, Expressionismus und Zaubermärchen. Während ihr Mann Carl Koch die Multiplankamera und den Tricktisch perfektionierte, entwickelte Lotte Reiniger Figur um Figur und inszenierte deren Bewegungen mit äußerster Geduld und "asiatischem Fleiß" (Bertolt Brecht).

Die 1899 in Berlin geborene und 1981 im Dettenhausen bei Tübingen verstorbene Lotte Reiniger gilt heute als die bedeutendste Pionierin des Animationsfilms. Sie hinterlässt ein gewaltiges Werk mit 44 Filmen, Scherenschnitten, Zeichnungen, Fotos und Schattenrissen berühmter Filmpersönlichkeiten. Mit "Das Ornament des verliebten Herzens" entsteht 1919 ihr erster Film: Auf einem selbstgebauten Tisch fotografiert Reiniger ihre Silhouetten und setzt sie so in Bewegtbild um. Die Dokumentation "Tanz der Schatten" nimmt die Aktualität des Werks Reinigers zum Anlass einer neuen Auseinandersetzung mit dem Silhouettenfilm und dem Schattentheater, zu deren Entwicklung die Berlinerin entscheidend beigetragen hat.
So wird sie von zeitgenössischen Filmemachern und Animationskünstlern in Filmen wie "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" (2010) oder "Tales of the Night" (2011) zitiert. Ausgangspunkt der Dokumentation ist der umfangreiche Nachlass im Stadtmuseum Tübingen, wo die Filmrecherche ihren Anfang nimmt, bis hin nach Berlin und London, den wichtigsten Stationen im Leben der Lotte Reiniger. Ihre narrative und ästhetische Kreativität, die mit Hilfe von Schere und Papier zeitlose Märchenwelten für Jung und Alt schafft, lohnen diese Ausnahmekünstlerin neu zu entdecken.

Zusatzinfo:
Das flackernde Schattenspiel an der Wand kann als Urszene des Kinos verstanden werden. Zwei Hände, eine Lichtquelle und eine Projektionsfläche genügen, um Kindern eine spannende Schattengeschichte vorzuführen, die ihre Fantasie anregt. Der Schatten als lediglich andeutendes Bild öffnet einen Imaginationsraum zwischen Text und Bild, den der Beobachter mit eigenen Ideen und Gefühlen füllen kann. Liest ein Leser einen Text, entstehen die dazugehörigen visuellen und akustischen Eindrücke vor seinem inneren Auge und Ohr. Betrachtet er ein Bild, öffnen sich - in Abhängigkeit von dessen Gestaltung - andere Leerstellen für die Fantasie. Die Bandbreite des Bildlichen reicht vom geheimnisvollen Schatten über die andeutende Silhouette zur skizzenhaften Karikatur bis hin zur fein ausgearbeiteten Bildkomposition, deren Reiz im Zeigen statt im Verbergen besteht. Allerdings besitzt die visuelle Andeutung eine ganz besondere Macht über die Fantasie des Menschen. Dessen Wahrnehmung ist konstruktiv, das heißt, dass er aus wenigen Elementen Simultanformen, "Bezugsfiguren des Sehens" (Johannes Itten) bilden und mit Bedeutung anreichern kann.
Das Spiel mit dem Schatten und dessen Animation im Film gehören jedoch nicht der Vergangenheit an; ganz im Gegenteil, sie sind hochaktuell! Im ersten Teil des Films "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes I" (2010) gestaltete Ben Hibon, ein Animationskünstler aus der Schweiz, das "Märchen der drei Brüder", in Hommage an Lotte Reinigers Schatten- und Silhouettenkunst als 3D-Animation. Die Produktion der dreiminütigen Sequenz dauerte ein halbes Jahr, weil eine technische Transformation und Integration der zweidimensionalen Schatten- und Silhouettenästhetik in die dreidimensionale Raumillusion des Realfilms erreicht werden musste. Die Kamera sollte durch die transparente Welt der Papiersilhouetten und Schatten hindurch fliegen, in eine körperlos schwebende Traumwelt, der Allegorie über Leben und Tod. Der Franzose Michel Ocelot ist ein Vertreter des aktuellen internationalen Animationskinos. Ocelot hat mit fast allen Techniken des Animationsfilms gearbeitet, von Zeichnungen bis hin zu Computeranimationen. Sein Film, das Märchen "Tales of the Night" widmet sich wieder der Silhouetten-Technik im Stil Lotte Reinigers.

Sonntag, 09.06 / 18.00 Uhr / Daniel Buren im Pariser Grand Palais
Dokumentation, Frankreich, 2012, ARTE F       26 Min.
Regie: Heinz Peter Schwerfel

Die Dokumentation wirft einen Blick hinter die Kulissen der Vorbereitungsarbeiten und der Eröffnung der von Daniel Buren gestalteten Monumenta 2012 im Pariser Grand Palais.

Die Kunst, die der französische Künstler Daniel Buren unter der 40 Meter hohen und 200 Meter langen Pariser Glaskuppel des Pariser Grand Palais anlässlich der 5. Monumenta entfaltet, entspricht dem Erfolgsrezept, das er seit einem knappen halben Jahrhundert anwendet: Ein durch seine Hand verändertes Umfeld vermittelt dem Betrachter, was er zu kennen glaubt, ohne es jemals wirklich gesehen zu haben.
Der in Zusammenarbeit mit dem Künstler gedrehte Film zeigt, was sich dem Publikum sonst nicht sofort erschließt: die Intention des Künstlers, die Vorbereitung und schließlich die Gestaltung und Installation des Werks in dem riesigen Raum.
Mit seinen umstrittenen schwarz-weiß gestreiften Säulen im Innenhof des Pariser Palais Royal stellte der 1938 in Boulogne-Billancourt geborene Daniel Buren unter Beweis, dass sich zeitgenössische, kompromisslose Kunst und klassisches Kulturerbe nicht ausschließen. Berühmt sind auch seine exakt 87 Millimeter breiten, auf Stoff, Papier und Spiegeln aufgebrachten Farbstreifen.
Buren setzt sich in seinen Entwürfen mit der Räumlichkeit auseinander. Der Werkstoff, den dieser besondere Bildhauer dafür bearbeitet, ist der Blick des Publikums. Für das Grand Palais schuf er ein riesiges, leicht in der Luft hängendes Labyrinth - so schön, dass man es betreten will und so komplex, dass man sich unweigerlich darin verliert. Aber vielleicht muss man sich erst verlieren, um diesen künstlerisch und architektonisch anspruchsvollen Raum mit neuen Augen zu entdecken.

Sonntag, 09.06 / 18.30 Uhr / Joseph Calleja - Hommage an Mario Lanza
Musik, Deutschland, 2013, ZDF       44 Min.
Regie: Victor Grandits, Hanna Henigin
Komponist: Georges Bizet, Francesco Paolo Tosti, Amilcare Ponchielli, Pietro Mascagni, Jules Massenet, Nicholas Brodzsky, Giacomo Puccini
Dirigent: Frédéric Chaslin
Orchester: Orquesta Sinfónica de Navarra

Mit: Joseph Calleja (Tenor)

Erstausstrahlung

Joseph Calleja besitzt eine der schönsten Tenorstimmen unserer Zeit. Sein aktuelles Programm ist eine Hommage an den neben Caruso wohl bekannteste Tenor des letzten Jahrhunderts: Mario Lanza, der als Sänger und Hollywoodschauspieler die Opernwelt einem großem Publikum nahe brachte. ARTE zeigt den Auftritt Callejas im Wiener Konzerthaus Anfang dieses Jahres. Auf dem Programm standen vor allem Klassiker aus dem italienischen und französischen Opern-Repertoire.

Der gebürtige Malteser Joseph Calleja gehört längst zu den großen Stars der Opern-Welt. Die Bühne teilt er sich mit Anna Netrebko oder Elina Garanca , 2009 sprang er an der New Yorker MET für den verhinderten Rolando Villazón in Jacques Offenbachs Oper "Hoffmanns Erzählungen" ein.
Calleja interessierte sich schon früh für Musik - allerdings nicht für Klassik, sondern für harten Rock. Als er Mario Lanzas Stimme zum ersten Mal hörte, öffnete sich ihm eine neue Welt und er beschloss, Opernsänger zu werden. Callejas aktuelles Programm ist eine Hommage an den Sänger, der ihn zum Gesang brachte. Mitte der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde Lanza, Sohn italienischer Einwanderer, von Hollywood entdeckt. In etlichen Spielfilmen, die ihm auf den Leib geschrieben wurden, sang er Gassenhauer und Opernarien. Die Filme und ihre Handlungen sind längst vergessen, die Stimme Lanzas nicht. Er brachte den Operngesang auch den Menschen näher, die sonst nicht zum klassischen Opernpublikum gehören.
Lanza, der als klassischer Sänger eine Art frühes Pop-Idol war, starb jung. Mit 38 erlag der Sänger einem Herzinfarkt - so die offizielle Version. Alkohol und Tabletten jedenfalls hatten ihren Teil dazu beigetragen.
Den Abgründen und Irrwegen des Startums steht Jospeh Calleja abgeklärt gegenüber: Man muss wissen, mit wem man sich umgibt, sagt der Sänger im Interview, das in Auszügen gemeinsam mit den Arien-Highlights des Wiener Konzerts bei ARTE zu sehen ist.

Sonntag, 09.06 / 23.40 Uhr / Martha Argerich ... in Verbier 2010
Musik, Frankreich, 2010, ARTE F       44 Min.
Regie: Anaïs Spiro, Pierre-Martin Juban
Dirigent: Gábor Takács-Nagy, Daniel Harding
Orchester: Verbier Festival Chamber Orchestra
Mit: Martha Argerich (Klavier), David Guerrier (Trompete), Nikolai Lugansky (Klavier), Daniel Hope (Violine), Vilde Frang (Violine), David Aaron Carpenter (Bratsche), Gautier Capuçon (Cello), Alexander Bedenko (Klarinette), Menahem Pressler (Klavier)
Erstausstrahlung

Das Verbier-Festival, das jeden Sommer vor der grandiosen Kulisse der Schweizer Alpen stattfindet, gehört zu den weltweit renommiertesten Musikevents. Dank erstklassiger Künstler und eines originellen Programms stellt das Festival für Musikliebhaber und Musiker gleichermaßen einen Höhepunkt dar.
Das Konzert für Klavier und Trompete von Schostakowitsch und Prokofjews Ouvertüre über hebräische Themen, viel zu selten gespielt, zeigt ARTE neben anderen Programmhöhepunkten in Starbesetzung vom Schweizer Verbier Festival 2010. Zu erleben sind Martha Argerich, David Guerrier, Nikolai Lugansky, Daniel Hope und Gautier Capuçon.

Wie jedes Jahr wurden auch 2010 wieder hervorragende Konzerte in Verbier gegeben. Nachdem der große Pianist Menahem Pressler das Beaux Arts Trio verlassen hatte, setzte er seine Karriere als Solist fort. Er interpretiert das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 in G-Dur von Beethoven unter der Leitung von Daniel Harding.
Martha Argerich ist die Solistin im Klavierkonzert Nr. 1 c-Moll op. 35 von Schostakowitsch, die Trompete spielt David Guerrier, die musikalische Leitung hat Gábor Takàcs-Nagy. Die Ouvertüre über hebräische Themen op. 34 von Prokofjew wird interpretiert von Nikolai Lungansky am Klavier, Daniel Hope und Vilde Frang an der Geige, an der Bratsche David Aaron Carpenter, am Cello Gautier Capuçon und den Part der Klarinette übernimmt Alexander Bedenko. Menahem Pressler ist der Solist im abschließenden Klavierkonzert Nr. 17 K 453, begleitet wird er von Daniel Harding und dem Verbier Festival Orchestra.

Montag, 10.05. / 05.25. Uhr / Oper entdecken ~ Georg Friedrich Händel "Ezio"
Oper, Deutschland, 2009, SWR       52 Min.
Regie: Georg Wübbolt
Inszenierung: Günter Krämer
Dirigent: Attilio Cremonesi
Darsteller: Yosemeh Adjei
Orchester: Kammerorchester Basel
Mit: Yosemeh Adjei

"Ezio" ist eine der weniger bekannten, aber nicht minder faszinierenden Opern Händels. 1732 in London uraufgeführt, wurde sie bei den Schwetzinger Festspielen im Mai 2009 im dortigen Rokoko-Theater gegeben. Regie führte Günter Krämer, Attilio Cremonesi leitete das Kammerorchester Basel. ARTE stellt das Werk und die Inszenierung in der Reihe "Oper entdecken" vor.

Zu Händels Zeiten war es gängige Praxis, Stoffe aus der "Alten Zeit" zu wählen, aus der Zeit des Alten Rom, aber auch aus der griechischen Mythologie. Der Textdichter des "Ezio", Pietro Metastasio, kannte die römische Geschichte sehr gut. Die Oper ist in der Spätzeit des Römischen Imperiums angesiedelt. Ezio ist eigentlich die geschichtliche Figur des Flavius Aëtius, eines Feldherren, der bei der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern die Hunnen unter Attila geschlagen hatte, so dass diese sich zurückziehen mussten. Zwei weitere Charaktere aus der Oper sind ebenfalls geschichtlich verbürgt: Der Kaiser Valentinian III., Flavius Aëtius' Vorgesetzter, und des Kaisers Schwester Honoria, die eigentlich mit Attila hätte verheiratet werden sollen. Und auch dies ist überliefert: Flavius Aëtius wurde im September 454 nach Christus von seinem Kaiser und Vertrauten Valentinian eigenhändig getötet.

Bemerkenswert ist, wie Pietro Metastasio diese geschichtlichen Fakten nimmt, durcheinander würfelt und zu einer neuen dramatischen Geschichte zusammen fügt:
Der römische General Ezio besiegt in einer Feldschlacht die Hunnen. Nach Rom zurückgekehrt, erwarten ihn Ruhm und Ehre, aber auch ein Problem: Er soll Onoria, die Schwester des Kaisers Valentiniano, heiraten. Seine Liebe gilt jedoch Fulvia, die wiederum vom Kaiser begehrt wird.
Fulvias Vater Massimo hasst den Kaiser und plant, ihn zu töten, weil der seine Frau vergewaltigt hat. Die Liebe Ezios zu seiner Tochter nutzt er aus, um ihn gegen den Kaiser aufzuwiegeln. Ezio aber bleibt seinem Kaiser treu. Massimo verübt einen Anschlag auf den Kaiser, der jedoch misslingt. Da lenkt er den Verdacht auf Ezio, der gefasst und eingekerkert wird.
Onoria, die Schwester des Kaisers, glaubt an die Unschuld Ezios. Im Kerker gesteht sie ihm ihre Liebe. Sie will bei ihrem Bruder um Gnade für ihn bitten. Ihre Bedingung allerdings ist, dass Ezio sie heiratet.
Der Kaiser Valentiniano ist ratlos, wem er trauen kann. Er ordnet ein Tribunal an, bei dem es zum Eklat kommt: Statt sich zu verteidigen, klagt Ezio den Kaiser an. Aus Rache will Valentiniano ihn demütigen, indem er Fulvia auffordert, öffentlich ihre Liebe zu ihm, dem Kaiser, zu erklären. Sie widersetzt sich aber und bekennt vor aller Augen ihre Liebe zu Ezio.
Da fasst der Kaiser einen grausamen Plan: Ezio soll zum Schein begnadigt und danach hingerichtet werden. Nachdem sein Tod verkündet wurde, verbreitet Onoria, die Schwester des Kaisers, die Nachricht, dass Massimo der Anstifter zum Attentat auf ihren Bruder war. Unterdessen wiegelt Massimo das Volk gegen den Herrscher auf. Es stürmt mit ihm auf das Kapitol. Als er im Kampf den Kaiser töten will, stürzt sich Ezio dazwischen und rettet Valentiniano das Leben. Entgegen dem kaiserlichen Befehl wurde er nicht hingerichtet. Der Kaiser Valentiniano bittet daraufhin Ezio um Verzeihung. Als Fulvia den totgeglaubten Ezio sieht, fällt sie ihm glücklich in die Arme.

Zusatzinfo:
Günter Krämer wurde für seine Arbeiten mehrfach als bester Regisseur ausgezeichnet. Nach Anfängen beim Sprechtheater begann er 1979 Opern zu inszenieren, und zwar an allen großen Opernhäusern von Paris bis Berlin. Er erwarb sich rasch den Ruf eines der profiliertesten Regisseure, nicht zuletzt aufgrund seiner intensiven Personenführung.
Attilio Cremonesi war längere Zeit Assistent von René Jacobs. Neben seiner Tätigkeit als Cembalo- und Klaviersolist verschrieb er sich der Entdeckung seltener Opern des Barock und der Klassik. Seine Engagements als Dirigent führten ihn unter anderem nach Berlin (Staatsoper Unter den Linden), Basel, Innsbruck, Lausanne, Zürich, Luxemburg, Montpellier und Sydney. Mehrere seiner zahlreichen CD-Einspielungen wurden mit dem Deutschen Schallplattenpreis der Kritik, dem Choc de la Musique, dem Diapason d'Or und dem Caecilian Prijs ausgezeichnet.
 Die Inszenierung wurde 2009 bei den Schwetzinger Festspielen für ARTE im Rokokotheater aufgezeichnet.

Dienstag, 11.06. / 05.20 Uhr / Alles in einer Hand ~ Der Pianist Paul Wittgenstein
Dokumentation, Deutschland, 2009, BR       52 Min.
Regie: Michael Beyer

Paul Wittgenstein, österreichischer Konzertpianist, verliert als 27-jähriger Offizier im Ersten Weltkrieg seinen rechten Arm. Dennoch will er seine Karriere als Musiker fortsetzen. Große Komponisten wie Ravel und Strauss schreiben ihm Konzerte, mit denen er einhändig weltweit Erfolge feiert. Filmemacher Michael Beyer zeichnet den Lebensweg des Pianisten nach und spricht mit Familienmitgliedern, Musikwissenschaftlern, Zeitzeugen und Historikern über den ungewöhnlichen Künstler.

Karl Wittgenstein ist der millionenschwere "Eisenkönig" Österreichs. Er ist fest entschlossen, seine Söhne zu Industriellen zu erziehen und verwehrt ihnen eine künstlerische Karriere. Nachdem er jedoch drei seiner Söhne durch Selbstmord verloren hat, erlaubt er den beiden noch lebenden Söhnen Paul und Ludwig, über ihre Berufswahl selbst zu entscheiden. Paul schlägt daraufhin die Laufbahn eines Konzertpianisten ein. Und er gibt diesen Traum auch nicht auf, als er im Ersten Weltkrieg seinen rechten Arm verliert. Im Gegenteil.
Nachdem große Komponisten wie Ravel und Strauss für ihn Konzerte schreiben, feiert er auf der ganzen Welt Erfolge.
Paul Wittgensteins Geschichte ist die eines Mannes, der sich scheinbar unüberwindlichen Schwierigkeiten entgegenstellt und sie bewältigt. Wittgensteins Biografie reflektiert zudem beispielhaft die Geschichte des 20. Jahrhunderts.
Der Filmemacher Michael Beyer begab sich auf Spurensuche in Wien und New York. Er lässt Familienmitglieder, Musikwissenschaftler, Zeitzeugen sowie Historiker zu Wort kommen. Auch andere "einhändige" Pianisten, für die Wittgenstein Wegbereiter und Vorbild ist, kommen zu Wort und sprechen über die Bedeutung Paul Wittgensteins und seines Repertoires. Die Klaviermusik für die linke Hand, die der Pianist durch seine Kompositionsaufträge ins Leben gerufen hat, begleitet den Film atmosphärisch.
Komponisten, die für Paul Wittgestein Klavierwerke für die linke Hand komponiert haben: Sergei Prokofjew, Maurice Ravel, Paul Hindemith, Erich Wolfgang Korngold, Richard Strauss, Benjamin Britten.

Donnerstag, 13.06. / 05.00 Uhr / Lorin Maazel trifft Alice Sara Ott
Musik, Deutschland, 2012, ZDF       43 Min.
Regie: Stéphane Aubé
Dirigent: Lorin Maazel
Orchester: Münchner Philharmoniker
Mit: Alice Sara Ott (Klavier)
Wiederholung vom 02.06.

Donnerstag, 13.06. / 05.40 Uhr / Künstler hautnah ~ HeHe - Bildende Künstler
Dokumentationsreihe, Frankreich, 2010, ARTE F       26 Min.
Regie: Samuel Doux

Sie ist Engländerin, er ist Deutscher; beide leben in Paris. 2001 gründeten Helen Evans und Heiko Hansen dort das Medienkunstduo HeHe. Sie widmen sich dem sogenannten kritischen Design, einer neuen Kunstgattung, die sie im Londoner Royal College of Art studiert haben. Diese Kunstform soll die Gesellschaft aufrütteln und Grenzen zwischen Kunst und Alltag aufbrechen.

HeHe steht zwischen Kunst, Design und Alltagsintervention: Das Künstlerduo befasst sich mit Phänomenen aus dem täglichen Leben, mit banalen Gebrauchsgegenständen, verstärkt, vergrößert oder reduziert sie. Bei ihren Aktionen improvisieren HeHe mit ständig neuen Objekten - vom Motor bis zum Bügeleisen. Im Kontext der Kunst erfährt jeder Alltagsgegenstand eine symbolische Aufladung.
Das Duo macht sogenanntes kritisches Design, das auf einen gesellschaftlichen Kontext abzielt und sich in keine künstlerische Disziplin einordnen lässt. Ähnlich wie die Nouveaux Réalistes, die Dadaisten oder die Situationisten streben auch HeHe danach, die Grenzen zwischen Kunst und Leben zu sprengen.
HeHe befasste sich so zum Beispiel mit Themen wie der Umweltverschmutzung, dem Green-Washing der Autoindustrie oder neuen Sicherheitstechnologien, in denen sich auch unbewusst unsere Ängste vor Katastrophen aller Art spiegeln.
Eines ihrer Projekte war die "Grüne Wolke". Im Februar 2008 hatten die Künstler per Hochleistungslaser eine grüne Wolke auf die Dampffahne des Kohlekraftwerks Salmisaan in Helsinki projiziert. Die Lichtinstallation veränderte sich mit dem Strombedarf der Anwohner: Je weniger Energie verbraucht wurde, desto größer war die grüne Wolke. HeHe versucht weniger anzuprangern, als die kritische Aufmerksamkeit des Publikums zu wecken, um es zum Nachdenken zu bringen.
Die heutige Ausgabe von "Künstler hautnah" zeigt HeHe während ihrer Zeit als Artists in Residence im Pariser Musée des Arts et Métiers bei ihrer Arbeit am Konzept "Kleine Katastrophen" und stellt die neuesten Projekte "China Syndrome" und "Toy Parade" vor.

Zusatzinfo:
Zu Wort kommen in der Sendung der Kurator Jens Hauser sowie Joss Auzende, Programmverantwortliche im Pariser Zentrum für Digitalkunst, der "Gaîté Lyrique".

Donnerstag, 13.06. / 21.00 Uhr / Odysseus (1/12)
Fernsehserie, Frankreich, 2012, ARTE F       46 Min.
Regie: Stéphane Giusti
Drehbuch: Frédéric Azémar, Frédéric Krivine
Kamera: José António Loureiro
Kostüme: Catherine Rigault
Redaktion: Arnaud Jalbert
Musik: Bernard Grimaldi
Schnitt: Catherine Schwartz
Produktion: GMT Productions, Makingprod, Sunflag, Moviheart, ARTE F, RAI Fiction, RTP Radio e Televisão de Portugal, TV5 Monde
Produzent: Christophe Valette, Stéphane Drouet, Massimiliano La Pegna
Ausstattung: Chantal Giuliani, Pierre Michon

Mit: Alessio Boni (Odysseus), Caterina Murino (Penelope), Karina Testa (Clea), Carlo Brandt (Laertes), Niels Schneider (Telemachos)
Erstausstrahlung

Griechenland, 8. Jahrhundert vor Christus: Die Insel Ithaka ist seit 20 Jahren herrscherlos. Keiner glaubt mehr an die Rückkehr des Königs Odysseus. Nur Penelope, Odysseus Frau, ist fest davon überzeugt, dass er zurückkehren wird. Mit einer List kann sie die Thronanwärter fernhalten, aber wie lange bleibt ihr Spiel unentdeckt?
Stéphane Giusti hat für die zwölfteilige TV-Serie "Odysseus" Homers Epos frei adaptiert. In der Rolle der Penelope ist Caterina Murino zu erleben, die einem internationalen Publikum als Bond-Girl aus "Casino Royale" bekannt ist.

Griechenland, 8. Jahrhundert vor Christus: Vor 20 Jahren brach Odysseus, König von Ithaka, auf, um in den Krieg um Troja zu ziehen. Seit zehn Jahren ist die Schlacht um die Stadt geschlagen und seither warten die Bewohner der Insel Ithaka auf die Rückkehr ihres Königs. Niemand, außer Penelope, Odysseus' Frau und Königin von Ithaka, glaubt mehr an eine Heimkehr Odysseus'. Dabei braucht das Königreich dringend einen neuen Herrscher, denn die Handelsbeziehungen sind unterbrochen, was zu Hungersnot und Unruhen im Volk führt.
Der Palast ist belagert von einer Meute Freier, die den Thron Ithakas besteigen und den Platz an Penelopes Seite einnehmen wollen. Da Penelope fest davon überzeugt ist, dass ihr geliebter Mann zurückkehren wird, schlägt sie den Männern einen Handel vor: Sobald sie das Leichentuch für Odysseus Vater Laertes fertig gewoben hat, wird sie ihre Wahl treffen.
Telemachos, Odysseus' und Penelopes Sohn sowie Prinz von Ithaka, wird von den Freiern verspottet. Er weiß, dass er kein guter Krieger ist, trotzdem will er König von Ithaka werden, um die alte Ordnung im Land wieder herzustellen und ein rechtmäßiger Vertreter seines Vaters zu werden.

Zusatzinfo:
Das Heldengedicht "Die Odyssee" gehört den ältesten Dichtungen der abendländischen Literatur und erzählt die Geschichte von Odysseus, dem König von Ithaka, der zehn Jahre tapfer und listig um Troja kämpft und dann zehn Jahre auf seiner Heimreise durch das Mittelmeer irrt. Bei dieser Irrfahrt muss er viele Abenteuer bestehen, bei denen er sich immer wieder durch seine besondere Klugheit und List auszeichnet. Die zwölfteilige Serie "Odysseus" konzentriert sich auf Ithaka, wo Penelope auf Odysseus' Rückkehr wartet und von den Freiern bedrängt wird. Als Odysseus dann wieder nach Ithaka heimgekehrt ist und die Herrschaft übernimmt, lösen sich die Probleme jedoch nicht auf einen Schlag ...
Stéphane Giusti, 1964 in Toulon geboren, drehte "Si je t'oublie Sarajevo" (1996), "La ballade de Titus" (1997) und "Les insoumis" für das französische Fernsehen. Außerdem war er auch maßgeblich an den Drehbüchern für die Polizei-Serie "Les bleus: premiers pas dans la police" (2006) beteiligt, bei der er auch Regie führte. Im Kino war er zuletzt mit "Bella Ciao" (2001) und der Komödie "Made in Italy" (2008) vertreten. Giusti setzt sich in seinen Filmen und Drehbüchern oft mit seinen italienischen Wurzeln auseinander.
Die schöne und starke Königin von Ithaka, Penelope, wird von Caterina Murino dargestellt. Murino begann ihre Karriere als Model und belegte 1996 bei den Misswahlen in Italien den vierten Platz. Nach einigen Filmen für das italienische Fernsehen wurde sie dem internationalen Publikum durch ihre Rolle als Bond-Girl in "Casino Royale" (2006, Regie: Martin Campbell) an der Seite von Daniel Craig bekannt. 2007 folgte die britische Komödie "Die Girls von St. Trinian" (Oliver Parker) mit Colin Firth und 2008 spielte sie die weibliche Hauptrolle in Stéphane Giustis Komödie "Made in Italy".
Telemachos muss sich als Prinz von Ithaka gegen die aufständischen Freier behaupten. Diese Rolle wird von dem 25-jährigen Niels Schneider verkörpert. Das Nachwuchstalent spielte bereits in Yves Christian Fourniers Drama "Tout est parfait" (2008) und 2009 in Xavier Dolans "J'ai tué ma mère", der bei der Quinzaine des réalisateurs in Cannes 2009 drei der vier Preise gewann. Eine weitere Zusammenarbeit zwischen Niels Schneider und Xavier Dolan war die kanadische Filmkomödie "Herzensbrecher" (2010), die ebenfalls eine Auszeichnung in Cannes erhielt. 2011 gewann Schneider die Trophée Chopard, die an internationale Nachwuchsdarsteller im Rahmen der Filmfestspiele in Cannes vergeben wird. 

Mehr Informationen kurz vor der Ausstrahlung auf: http://arte.tv/odysseus

Donnerstag, 13.06. / 21.45 Uhr / Odysseus (2/12)
Fernsehserie, Frankreich, 2012, ARTE F       43 Min.
Regie: Stéphane Giusti
Drehbuch: Marie Roussin
Kamera: José António Loureiro
Kostüme: Catherine Rigault
Redaktion: Arnaud Jalbert
Musik: Bernard Grimaldi
Schnitt: Catherine Schwartz
Produktion: GMT Productions, Makingprod, Sunflag, Moviheart, ARTE F, RAI Fiction, RTP Radio e Televisão de Portugal, TV5 Monde
Produzent: Christophe Valette, Stéphane Drouet, Massimiliano La Pegna
Ausstattung: Chantal Giuliani, Pierre Michon

Mit: Alessio Boni (Odysseus), Caterina Murino (Penelope), Karina Testa (Clea), Niels Schneider (Telemachos), Joseph Malerba (Mentor), Ugo Venel (Liodes), Nunos Lopez (Amphinom)
Erstausstrahlung

Telemachos rächt sich an seinem Peiniger Amphinom und bringt ihn kaltblütig um. Der Mord soll durch ein Duell um Leben und Tod vergolten werden. Doch jeder weiß, dass Telemachos keine Chance gegen Liodes, den besten Krieger Ithakas, hat. Penelope ist verzweifelt. Ist Telemachos dem Tod geweiht?
Stéphane Giusti hat für die zwölfteilige TV-Serie "Odysseus" Homers Epos frei adaptiert. In der Rolle der Penelope ist Caterina Murino zu erleben, die einem internationalen Publikum als Bond-Girl aus "Casino Royale" bekannt ist.

Telemachos will sich für die ihm widerfahrene Demütigung rächen und tötet seinen Peiniger Amphinom. Liodes, Amphinoms Cousin und bester Krieger Ithakas, fordert Telemachos daraufhin zum Duell heraus. Penelope hat Angst um ihren Sohn und will ihn fortschicken, doch während Amphinoms Begräbnisses nimmt Telemachos mutig und ehrenhaft die Herausforderung an. Mentor, Odysseus ältester Freund, bereitet den unerfahrenen Prinzen auf den Kampf vor. Die Nacht vor dem Duell verbringt Telemachos mit der schönen Sklavin Clea.
Um Telemachos vor dem sicheren Tod zu bewahren, schlägt Mentor ihn im letzten Training k.o., um ihn auf einem Schiff nach Sparta zu bringen, denn er wird den Zweikampf gegen Liodes niemals gewinnen können. Telemachos kommt noch rechtzeitig zu sich und kann Mentor überzeugen, ihn gehenzulassen. Fest entschlossen, sich dem Kampf zu stellen, sucht Telemachos seinen Herausforderer Liodes auf und das ungleiche Duell beginnt. Clea, die sich in Telemachos verliebt hat, betet im Tempel für ihren Geliebten und kommt dabei Penelopes Geheimnis auf die Spur.

Mehr Informationen kurz vor der Ausstrahlung auf: http://arte.tv/odysseus

Donnerstag, 13.06. / 22.30 Uhr / Odysseus (3/12)
Fernsehserie, Frankreich, 2012, ARTE F       43 Min.
Regie: Stéphane Giusti
Drehbuch: Florent Meyer
Kamera: José António Loureiro
Kostüme: Catherine Rigault
Redaktion: Arnaud Jalbert
Musik: Bernard Grimaldi
Schnitt: Catherine Schwartz
Produktion: GMT Productions, Makingprod, Sunflag, Moviheart, ARTE F, RAI Fiction, RTP Radio e Televisão de Portugal, TV5 Monde
Produzent: Christophe Valette, Stéphane Drouet, Massimiliano La Pegna
Ausstattung: Chantal Giuliani, Pierre Michon

Mit: Alessio Boni (Odysseus), Caterina Murino (Penelope), Karina Testa (Clea), Niels Schneider (Telemachos), Bruno Todeschini (Leocrit), Amr Waked (Eukaristos)
Erstausstrahlung

Während der Hochzeitsvorbereitungen trifft der Sänger Eukaristos auf Ithaka ein. Er erzählt erstaunliche Geschichten aus Troja und zieht so seine Zuhörer in den Bann. Nur Odysseus kann dem fahrenden Sänger die Listen der Krieger aus Ithaka erzählt haben ... Penelope schenkt Eukaristos zum Dank die schöne Sklavin Clea, aber er hat nur Augen für die Königin selbst.
Stéphane Giusti hat für die zwölfteilige TV-Serie "Odysseus" Homers Epos frei adaptiert. In der Rolle der Penelope ist Caterina Murino zu erleben, die einem internationalen Publikum als Bond-Girl aus "Casino Royale" bekannt ist.

Während der Sänger Eukaristos mit seinem Schiff auf Ithaka anlegt, sind die Vorbereitungen für Penelopes und Leocrits Vermählung in vollem Gange. Doch als Eukaristos im Palast seine Geschichten erzählt, stellt sich heraus, dass nur Odysseus selbst ihm von der List des Trojanischen Pferdes berichtet haben kann: Odysseus lebt! Telemachos verkündet dem Volk von Ithaka die frohe Botschaft und überzeugt es, weiterhin auf die Rückkehr des Königs zu warten.
Penelope spürt die Vertrautheit zwischen der schönen Sklavin Clea und ihrem Sohn Telemachos. Um Clea von ihrem Sohn fernzuhalten und zum Dank dafür, dass seine Geschichte Penelope vor ihrer Heirat mit Leocrit bewahrt hat, schenkt sie Eukaristos die trojanische Sklavin.
Leocrit, der den Thron von Ithaka um jeden Preis einnehmen möchte, bringt den Sänger dazu, die Königin zu umwerben. Denn wenn sie sich auf einen anderen Mann einlässt, verliert Penelope ihren Status als Königin. Auch Telemachos trifft eine Abmachung mit Eukaristos, um seine geliebte Clea zurückzugewinnen.

Mehr Informationen kurz vor der Ausstrahlung auf: http://arte.tv/odysseus

Freitag, 14.06. / 03.20 Uhr / Tracks: Jesse Boykins III / The National / Shane Carruth / Chvreches / Don Coscarelli
Magazin, Deutschland, 2013, BR       52 Min.
Wiederholung vom 08.06.

Samstag, 15.06. / 16.45 Uhr / Metropolis
Magazin, Deutschland, 2013, HR       50 Min.

Samstag, 15.06. / 22.45 Uhr / Birth of Rock
Dokumentationsreihe, Deutschland, 2010, ZDF       53 Min.
Regie: Stefanie Schäfer

Von 1955 bis 1966 veränderte ein musikalischer Urknall die Welt und brachte ein Universum neuer Stile hervor. Die vierteilige Dokumentationsreihe "Birth of ..." begibt sich an die Anfänge unserer Popkultur und verfolgt die Geburtsstunde neuer musikalischer Formen. Beobachtet sie beim Laufenlernen und begleitet ihren Erfolg: Rock'n'Roll, Soul, Cool und Pop - jene Galaxien, die in ihrer Gesamtheit nicht mehr und nicht weniger bedeuteten als eine kulturelle Revolution.

Der erste Teil der Reihe begibt sich mit der Rockabilly-Formation The Baseballs nach Memphis, wo alles begann. Er zeigt, wie die Rhythm 'n' Blues -Kultur der Schwarzen sich mit der Haltung des "White Trash" verband. Das Ergebnis: Elvis Presley. Der Lastwagenfahrer adaptierte, was er mit seinen kulturellen Wurzeln - einer Mischung aus Country-Schnulzen, Gospel-Musik, Blues-Shoutern, dem Soundtrack der schwarzen Radio-Stationen wie dem Lifestyle der Schwarzenviertel - ins Leben mitgebracht hatte. So avancierte der "King of Rock'n'Roll" zum alles überragenden Symbol dieser Musikrichtung.

Die Dokumentation begibt sich auf Spurensuche und spricht unter anderem mit dem legendären Songwriterduo Leiber & Stoller, die den Welthit "Hound Dog" komponierten - und ebenso mit der Rock'n'Roll-Ikone Wanda Jackson, die erläutert, wieso der Rock'n'Roll so offensiv von Männern dominiert wurde. Die Musikethnologin und Feministin Portia Maultsby kommentiert diese Aussagen beim Treffen in New Orleans. Über die amerikanischen Soldatenradios wurde der Rock'n'Roll nach Europa exportiert - Bill Ramsey, der einst dort moderierte, erläutert die AFN-Story.

Gebannt vor dem Radio saßen auch Ted Herold in Deutschland und Dick Rivers in Frankreich. Sie berichten von den Erfahrungen mit dieser so wilden, so rauen und völlig neuen Musik diesseits und jenseits des Rheins, die insbesondere in Frankreich erst in den 60er Jahren so richtig zu wirken begann - initiiert auch von Dick Rivers' "Les Chats Sauvages". Der Rock'n'Roll wurde vereinnahmt und kommerzialisiert. So entstand eine multimedial gefütterte Teenagerkultur zwischen Jukebox und Milchbar, Kino, tragbaren Plattenspielern und Vinylsingles. Pat Boone, der softe Gegenspieler zu Elvis Presley und Konkurrent um die Gunst junger Mädchen, weiß von der süßen Schönheit der Teenieästhetik zu berichten, die bis heute ungebrochen fortlebt.

Zusatzinfo:
Rock'n'Roll, Soul, die Hipster des Jazz und die Popkonzepte der 60er Jahre haben die Blaupause für musikalische Haltungen und Sounds geschaffen, die bis heute nachhaltig wirksam sind. In einer Kombination aus Neudrehs, Archivmaterial, Zeitzeugeninterviews und Gesprächen mit derzeitigen Fans des jeweiligen Genres entsteht ein breites und facettenreiches Panorama der Geschichte unserer Gegenwart.

Samstag, 15.06. / 00.05 Uhr / Tracks
Magazin, Frankreich, 2013, ARTE F       52 Min.
Erstausstrahlung

Sonntag, 16.06. / 11.45 Uhr / Square
Magazin, Frankreich, Deutschland, 2012, ARTE       43 Min.
Erstausstrahlung

Jeden Sonntag um die Mittagszeit stellt die Sendung "Square" Künstler und Intellektuelle in den Mittelpunkt - im Interview sprechen sie über ihr eigenes Leben, aber auch über das politische und gesellschaftliche Zeitgeschehen. Eine andere Art auf die Frage zu antworten: Wie erleben Sie unsere Epoche? Ein kulturelles Gespräch, das abwechselnd von Vincent Josse und Anja Höfer geführt wird: bei den Künstlern zu Hause, draußen oder einem anderen Ort ihrer Wahl.


Mehr im Internet unter: www.arte.tv/square
In vier Rubriken zeichnet ARTE ein Porträt des Gastes anhand von sieben Eckdaten oder Schlagwörtern, diskutiert seine Behauptungen, spricht über seine aktuellen Projekte und entdeckt Menschen, die ihn inspirieren oder ganz besonders am Herzen liegen.

Sonntag, 16.06. / 16.15 Uhr / Abgedreht!
Magazin, Frankreich, 2013, ARTE F       43 Min.
Erstausstrahlung

Kultur mal anders? Dann sind Sie bei "Abgedreht!" richtig! Das wöchentliche retro-moderne Magazin aus Frankreich wirft den etwas anderen Blick auf Kunst, Kult und Kultur. In schrägem und humorvollem Ton, in kurzen und unterhaltsamen Rubriken dreht sich jede Ausgabe um ein Thema. Auf dem Programm stehen Meilensteine der Kinogeschichte und Kultiges aus der Musikszene, Flashbacks auf kulturelle Highlights und Skandale vergangener Zeiten sowie auch Aktuelles aus dem Kulturbetrieb.


(1): Story: The Doors
Die Karriere der Kultband begann in Los Angeles: Als im Jahr 1965 noch immer keine Plattenfirma von ihnen überzeugt war, unterschrieben die Doors kurzerhand ein paar Verträge bei den legendären Musikbars "London Fog" und "Whisky A Go Go", um Bühnenerfahrung zu sammeln und dem Publikum ihre ersten eigenen Songs vorzustellen. "Abgedreht!" erzählt die Geschichte der Kultband aus Kalifornien, die mit ihrem musikalischen und poetischen Talent bald die ganze Welt erobern sollte.

(2): Kopf der Woche: Michael Connelly
Vor seiner Schriftstellerkarriere arbeitete Michael Connelly als Gerichtsreporter bei der Los Angeles Times. Aus seinen Erlebnissen im Schwurgericht und auf den Fluren der Justizpaläste sowie aus den Begegnungen mit Opfern, Tätern, Anwälten und Richtern schöpfte er Inspiration für seine schaurigen Stories und die psychologischen Profile seiner Hauptfiguren. Bereits in seinem ersten Krimi "Das schwarze Echo" lernt der Leser den LAPD-Inspektor Harry Bosch kennen, der in 16 (von 19) Folgeromanen die Hauptrolle spielen sollte. "Abgedreht!" sprach in Los Angeles mit dem Bestsellerautor, der die dunklen Ecken der Engelsstadt kennt wie kein anderer.

(3): Story, die zweite: Beverly Hills
Alles begann, als Brandon und Brenda Walsh, zwei Sprösslinge der amerikanischen High Society, aus ihrer Heimatstadt in Minnesota in ein luxuriöses Wohnviertel von Los Angeles zogen. Die Liebes- und Familienabenteuer, die sie mit ihren neuen Schulkameraden Kelly, Dylan, Donna, Steve und Valérie im berühmten Beverly Hills erlebten, fesselten in den 90ern eine ganze Teenager-Generation an den Fernsehschirm ... und gaben ab September 2008 sogar Anlass für den aufgefrischten Ableger "90210". Ein Rückblick auf die berühmteste Serie der 90er Jahre, die noch heute für Einschaltquoten sorgt.

Zusatzinfo:
Das französische Journalistenduo Collin und Mauduit, die in ihrer Heimat längst Kult sind, kommentieren aus dem Off. Ihr Geheimnis: großes Wissen gepaart mit teils beißendem Witz, politisch nicht immer ganz korrekt ... Weiteres Markenzeichen des Magazins sind die à la "Abgedreht!" neu gemischten Filmklassiker-Ausschnitte, die anstelle eines Moderators durch jede Sendung führen. So kann es vorkommen, dass plötzlich Cary Grant den nächsten Beitrag ansagt ...

Mehr im Internet unter: www.arte.tv/abgedreht

Sonntag, 16.06. / 17.00 Uhr / Von Cézanne bis Bonnard, große Maler in Südfrankreich
Dokumentation, Frankreich, 2012, ARTE F       52 Min.
Regie: Florence Mauro
Erstausstrahlung

Um die Jahrhundertwende waren die Künstler Renoir und Signac die ersten Maler, die Südfrankreich für sich entdeckten. Schon bald folgten ihnen weitere, die im französischen "Midi" ein Atelier unter freiem Himmel, eine unversiegbare Inspirationsquelle und eine echte künstlerische Herausforderung fanden. Die Dokumentation taucht ein in die farbig leuchtende Welt der Impressionisten, Neo-Impressionisten und Fauves.

Das 19. Jahrhundert neigt sich seinem Ende zu, der Erste Weltkrieg steht bevor. In Gesellschaft und Politik brodelt es, und auch die Kunst beschreitet völlig neue Wege. Um die Jahrhundertwende zieht es auch in Paris zahlreiche Maler aus ihren Ateliers nach draußen. Am Ufer der Marne malen sie "Frühstücke im Grünen" oder Porträts schöner Frauen. die Hauptstadt fasziniert sie zwar, langweilt sie aber auch.
Es ist eine ganze Gruppe von Malern, die als Impressionisten, Neo-Impressionisten und Fauves in die Kunstgeschichte eingehen werden. Sie entdecken Südfrankreich, das Meer, das mediterrane Blau, die Farbe der Sonne. Matisse, Signac, Bonnard und einige andere lassen die Tristesse der Industrialisierung hinter sich, vergessen Schulden, Niedergeschlagenheit und Gebrechen.
Was verbindet Van Gogh, Signac und Bonnard, was Cézanne, Camoin, Derain und Matisse? 70 Jahre lang währte die enge Verbindung zwischen diesen Malern und Südfrankreich. Der Dokumentarfilm stellt diese faszinierende Epoche der Kunstgeschichte vor.

Zusatzinfo:
Der Film entstand anlässlich der großen Doppelausstellung, die im Rahmen der Kulturhauptstadt Marseille-Provence 2013 veranstaltet wird und vom 13. Juni bis 13. Oktober im Musée Granet von Aix-en-Provence und im Museum der Schönen Künste von Marseille zu sehen ist.

Sonntag, 16.06. / 18.20 Uhr / Königin Elisabeth Wettbewerb 2013
Musik, Belgien, 2013, ARTE / RTBF       43 Min.
Dirigent: Marin Alsop
Orchester: Orchestre national de Belgique
Erstausstrahlung

Sie kommen aus der ganzen Welt nach Belgien, um vielleicht den wichtigsten Tag ihrer bisherigen Karriere zu erleben. In diesem Jahr sind es junge, aufstrebende Pianisten die beim traditionellen Königin Elisabeth Wettbewerb ihr Können unter Beweis stellen. In Brüssel ist dieser Wettbewerb das erste unumgängliche Kulturereignis, mit seinen Kulissen, seiner Leidenschaftlichkeit, seiner Show und seiner Faszination. ARTE zeigt Ausschnitte des Abschlusskonzertes der ersten drei Preisträger. Sie werden begleitet vom Belgischen Nationalorchester unter der Leitung von Marin Alsop.

Musik macht fröhlich und beschwingt die Gemüter. Das dachte sich auch der belgische Geiger und Komponist Eugène Ysaye und entwickelte 1937 das Konzept eines Violinen-Wettbewerbs auf höchstem Niveau. Da er vorzeitig verstarb, übernahm die ihm freundschaftlich verbundene Königin Elisabeth von Belgien die Ausrichtung des Wettbewerbs an. Später kamen die Kategorien Klavier, Komposition und Gesang dazu, die jetzt im jährlichen Wechsel ausgetragen werden.
Im Mai ist es wieder soweit: Eine internationale Jury tritt zusammen, um die 75 Teilnehmer zu beurteilen. Dieses Jahr wird der Wettbewerb in der Kategorie "Klavier" ausgetragen. Das Besondere des Preises liegt in der Art der Entscheidungsfindung: Jedes Jury-Mitglied bewertet die Künstler unabhängig von der Meinung der anderen, es findet keine Diskussion statt.

Zusatzinfo:
Die Liste der Interpreten, deren Karriere hier den entscheidenden Impuls bekam, ist beeindruckend: Der Gewinner der ersten Ausgabe des Wettbewerbs ist niemand geringerer als David Oistrach. Doch auch Vladimir Ashkenazy, Leon Fleisher oder Valeri Afanassiev finden sich in der Liste der Gewinner wieder. In den über 70 Jahren seines Bestehens hat der Wettbewerb nicht an Popularität verloren; kein anderer klassischer Wettbewerb begeistert so viele - auch branchenfremde - Menschen. Dies ist auch dem großen Engagement des belgischen Radios und Fernsehens zu verdanken, die den Wettbewerb jedes Jahr live begleiten und kommentieren. Die sechs Final-Abende werden komplett auf ARTE Live Web übertragen.

Sonntag, 16.06. / 23.10 Uhr / Musik im Salon - Mozart und Haydn
Musik, Frankreich, 2012, ARTE F       62 Min.
Regie: Thierry Villeneuve, Jean-Philippe Perrot
Komponist: Wolfgang Amadeaus Mozart, Joseph Haydn, Luigi Boccherini
Orchester: Chiaroscuro Quartet
Mit: Jérôme Pernoo (Cellist), Alina Ibragimova (Violine)
Erstausstrahlung

Für "Musik im Salon" kam mit dem Londoner Chiaroscuro Quartet eines der vielversprechendsten jungen Streichquartette der Welt nach Paris. Die erste Geige spielt die 1985 geborene Russin Alina Ibragimova, ein aufsteigender Star am zeitgenössischen Klassikhimmel, und am Violoncello ist der berühmte französische Cellist Jerôme Pernoo zu hören.

Das musikalische Programm ist anspruchsvoll, aber zugänglich und ausgewogen. Zum ersten Mal in der Geschichte von "Musik im Salon" werden zwei Werke in voller Länge dargeboten: eines der beiden "Haydn-Quartette" von Wolfgang Amadeus Mozart (KV 421) und Luigi Boccherinis Streichquintett für zwei Violoncelli mit seinem berühmten Rondo. Den Übergang zwischen den beiden Stücken bildet Joseph Haydns weltbekanntes, gefühlvolles Quartett op. 20, Nr.4.
Mit Instrumenten aus der damaligen Zeit, die feiner und weicher klingen als ihre modernen Pendants und auf traditionelle Weise gespielt werden, bewegen sich die Musiker auf den Spuren jener Klänge und Farben, die die berühmten Komponisten damals erschufen.
"Musik im Salon" findet traditionell nicht in Konzertsälen, sondern stets an originellen Locations statt. Für die diesjährige Ausgabe wählten die Veranstalter einen ungewöhnlichen Ort mit spektakulärer Aussicht: die über 900 Quadratmeter umfassende, oberste Ebene des leerstehenden Eiffel-Parkhauses in Paris, das baufällig ist und abgerissen werden soll.

Diese Sendung wird zeitgleich im Fernsehen und im Internet auf ARTE Live Web übertragen.

Sonntag, 16.06. / 02.05 Uhr / Heimatklänge ~ Vom Juchzen und anderen Gesängen
Dokumentarfilm, Schweiz, Deutschland, 2007, BR       81 Min.
Regie: Stefan Schwietert

Was hat Babygeschrei mit dem Echo eines Jodlers im Gebirge gemein und was der Kopfton eines Tuwa-Nomaden aus dem südlichen Sibirien mit der Bühnenshow eines Vokalartisten? Die Antwort ist ganz einfach: es ist die Stimme. Der Dokumentarfilm dringt in die wundersamen Stimmwetten dreier außergewöhnlicher Schweizer Stimmartisten ein. Ihr Klangkosmos reicht weit über das hinaus, was man unter Gesang versteht. In den experimentierfreudigen Auseinandersetzungen der drei Musiker mit heimischen und fremden Traditionen wird die Bergwelt mit ihren mächtigen Naturschauspielen ebenso zur Bühne, wie die Landschaften und Geräuschkulissen der modernen Lebenswelten.

Drei Schweizer Stimmartisten haben das traditionelle Jodeln zu einer ganz eigenen Musiksprache weiterentwickelt. Erika Stucky, die als Kind in den USA lebte, zog mit acht Jahren ins Walliser Dörfchen Mörel und vereint amerikanische mit der ortsansässigen Gesangskultur. Der bekannte Volksmusiker Noldi Alder studierte klassische Musik und Violine, um die Arbeit des traditionellen Naturjodlers neuartig fortzuführen. Und der Stimmpädagoge Christian Zehnder gibt mit seiner Interpretation dem Obertongesang neue Impulse. Stefan Schwietert stellt in seinem Dokumentarfilm dieses Trio höchst eigenwilliger Schweizer Musiker vor, die eine ganz andere Art von Volksmusik machen, als die, die so häufig über die Fernsehschirme flimmert. Es ist auch eine Art Wiedergutmachung an einem Musikgenre, das von vielen zwar geliebt, aber missverstanden, von anderen verachtet und sogar missbraucht wird.
Die Suche nach der eigenen Stimme war und ist immer auch eine Suche nach den Klängen der Heimat. Diese Suche ist der motivische Leitfaden des Dokumentarfilms. Mit den Mitteln der Montage von aufgezeichneten Performances, Erzählungen und klassischem Material, wie Familienfilmen und Fotos, umreißt "Heimatklänge" den persönlichen Werdegang seiner Protagonisten. In ihren Auseinandersetzungen mit heimischen und fremden Traditionen wird die Bergwelt mit ihren mächtigen Naturschauspielen ebenso zur Bühne wie die Landschaften und Geräuschkulissen der modernen Zivilisation. Schwieterts Dokumentarfilm konfrontiert das sogenannte Traditionelle direkt mit dem originär Neuen und lässt dabei in ansteckender Weise das urtümlichste aller Instrumente erleben - die menschliche Stimme.

Zusatzinfo:
Stefan Schwietert, 1961 in Esslingen am Neckar geboren und in Basel aufgewachsen, hat einige der spannendsten Musikfilme des letzten Jahrzehnts gedreht, so unter anderem "A Tickle in the Heart" über die Epstein-Brüder, Legenden der Klezmermusik, - dafür bekam er den Bayerischen Filmpreis - und "Die Akkordeon-Bande", der mit dem Schweizer Filmpreis ausgezeichnet wurde.
"Heimatklänge" erhielt auf der Berlinale 2007 den C.I.C.A.E.-Preis, eine Auszeichnung, die vom Internationalen Verband der Filmkunsttheater verliehen wird. Außerdem bekam der Dokumentarfilm den Schweizer Filmpreis und eine Nominierung für den Europäischen Filmpreis.
Aus der Presse:
Der "FILMDIENST" schreibt: "Dokumentarfilm über drei Schweizer Stimmkünstler, die die alpine Vokalkunst als musikalische Ausdrucksform für sich (wieder-)entdeckt haben, sie von ihrem folkloristischen Ballast befreien und in Verbindung mit anderen Musikformen originäre Klangwelten schaffen ... Dabei verdichtet sich der auditiv wie visuell grandiose Film zu einem leidenschaftlichen Gesamtausdruck."
"Blickpunkt:Film" ergänzt: "Stefan Schwietert porträtiert drei in der Schweiz lebende Musiker, die traditionelle Elemente mit modernen Musikformen verbinden. Wie seine vorherigen Musikdokus ,A Tickle in the Heart' oder ‚El Acordeon del diablo' ist seine Arbeit aber nicht nur Konzertmitschnitt, sondern eine faszinierende Melange aus Klang und Bild."
Bei "Schnitt Online" war zu lesen: "Keiner dieser drei weltoffenen, wortgewandten Sänger hat etwas gemein mit dem Klischee des konservativen Volksmusikers. Vielmehr wird das Jodeln hier als ihre musikalische Heimat verstanden, ihre natürliche, nonverbale Form des stimmlichen Ausdrucks, mit dem sie ihren Emotionen freien Lauf lassen können ... Die Bilder von den schneeumhüllten Gipfeln, der Weite der Landschaft und den mythischen Riten der Jodler, die Schwieter für seinen Film wählt, unterstreichen den ursprünglichen und naturverbundenen Charakter dieser Klangkunst, die keiner Worte für ihren Ausdruck bedarf, sondern sich lediglich der Möglichkeiten der menschlichen Stimme bedient, die in diesem Film unerschöpflich scheinen."

Dienstag, 17.06. / 05.20 Uhr / Oper entdecken: Georg Friedrich Händel "Ezio"
Oper, Deutschland, 2009, SWR       52 Min.
Regie: Georg Wübbolt
Inszenierung: Günter Krämer
Dirigent: Attilio Cremonesi
Darsteller: Yosemeh Adjei
Orchester: Kammerorchester Basel
Mit: Yosemeh Adjei
Wiederholung vom 10.06.

Mittwoch, 18.06. / 21.55 Uhr / Anna Netrebko vom Roten Platz
Musik, Großbritannien, 2013, ZDF       110 Min.
Moderation: Annette Gerlach
Regie: Frank Hof
Dirigent: Constantine Orbelian
Orchester: Russische Staatssinfonie

Mit: Anna Netrebko (Sopran), Dmitri Hvorostovsky (Bariton)

Erstausstrahlung

Ein außergewöhnliches Klassik-Event und Open-Air-Highlight der besonderen Art findet in diesem Sommer in Moskau statt: Die Starsopranistin Anna Netrebko und der russische Bariton Dmitri Hvorostovsky geben vor der einzigartigen Kulisse des Roten Platzes ein gemeinsames Konzert vor über 10.000 Klassikfans. Es ist das erste Mal, dass Anna Netrebko vor so vielen Menschen in ihrer russischen Heimat singt.

Mit ihrem Gesangspartner auf dem Roten Platz, Dmitri Hvorostovsky, hat Anna Netrebko schon öfters gemeinsam auf der Bühne gestanden, unter anderem bei Galakonzerten in London, Sankt Petersburg und München.
Hvorostovsky zählt zu den führenden Baritonen in der Klassikwelt, er ist weltweit auf den großen Opernbühnen zu Gast und wird besonders als Verdi-Sänger und in der Rolle des Eugen Onegin in Tschaikowskys gleichnamiger Oper gefeiert.
In Moskau auf dem Roten Platz stehen natürlich im Verdi-Jahr 2013 zu Beginn Höhepunkte aus seinen Opern auf dem Programm: "Macbeth" und "Il Trovatore". Nach der Pause singen Netrebko und Hvorostovsky neben italienischen Arien und Duetten auch die große Finalszene aus Tschaikowskys Oper "Eugen Onegin". Die beiden Solisten werden von der Russischen Staatssymphonie unter der Leitung von Constantine Orbelian begleitet. Annette Gerlach präsentiert das Programm für ARTE.

Zusatzinfo:
Anna Netrebko wurde 1971 in Krasnodar, Russland, geboren. Ihr Gesangsstudium absolvierte sie am Rimski-Korsakow-Konservatorium in Sankt Petersburg. 1993 erhielt sie den ersten Preis beim Glinka-Gesangswettbewerb in Moskau und wurde beim Kirow-Ensemble am Sankt Petersburger Mariinski-Theater verpflichtet. Bereits 1995, mit ihrem sensationellen Auftritt in der San Francisco Opera als Ljudmila in Glinkas "Ruslan und Ljudmila" begann der internationale Aufstieg der charismatischen Sängerin. Den endgültigen Durchbruch feierte sie 2002 bei den Salzburger Festspielen, bei denen sie als Donna Anna in Mozarts "Don Giovanni" bejubelt wurde. Im Jahr 2003 wurde sie von "Opernwelt" zur Sängerin des Jahres ernannt. Spätestens seit diesem Zeitpunkt ist Anna Netrebko auf den weltweiten Opernbühnen - so zum Beispiel der Metropolitan Opera in New York, der Wiener Staatsoper oder der Mailänder Scala - zu Hause. Und auch privat scheint sie ihr Glück gefunden zu haben: Seit 2007 ist Netrebko mit Erwin Schrott, uruguayischer Bassbariton, liiert. Nach der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes 2008, steht die Opernsängerin seit 2009 wieder auf der Bühne. Im Januar 2013 wurde das einzige gemeinsame Deutschlandkonzert der russischen Sopranistin und ihres Partners Erwin Schrott in Hamburg vom Publikum begeistert gefeiert. 2005 verlieh ihr Wladimir Putin in Russland den Russischen Staatspreis, die höchste Auszeichnung, die das Land im Bereich der Künste und Literatur zu vergeben hat, und ehrte sie 2008 mit dem Titel "Volkskünstlerin Russlands".
Der Bariton Dmitri Hvorostovsky, geboren im sibirischen Krasnojarsk, feierte sein europäisches Operndebüt an der Oper in Nizza in Tschaikowskys "Pique Dame". Schnell gelang ihm im Anschluss der internationale Durchbruch mit Auftritten an führenden Opernhäusern, in Russland, Deutschland, Italien und den USA. Zu seinen bevorzugten Rollen gehören insbesondere Onegin in "Eugen Onegin", Don Giovanni in Mozarts gleichnamiger Oper, Posa in Verdis "Don Carlo" sowie die Titelrolle in "Rigoletto" und den Renato in "Ein Maskenball". Russland ist er eng verbunden geblieben, so gab er 2004 als erster Opernsänger ein Solokonzert auf dem Roten Platz in Moskau, das in 25 Länder übertragen wurde.

Freitag, 21.06. / 08.00 Uhr / X:enius Musik im Kopf - Was macht Musik mit unserem Gehirn?
Magazin, Deutschland, 2013, BR       26 Min.
Moderation: Carolin Matzko, Gunnar Mergner

Die Sendung "X:enius" ist das werktägliche Wissensmagazin auf ARTE. 26 Minuten Sendezeit sind einem besonderen Thema aus dem Alltagsleben und der großen Welt der Naturwissenschaft und Forschung gewidmet. Mit ihrem Wissensmobil touren die Moderatoren durch Europa, immer auf der Suche nach dem Wissen, das die Welt bewegt. Unorthodoxe Fragestellungen sind dabei ebenso zu erwarten wie spannende Begegnungen mit den führenden Köpfen der Wissenschaft. "X:enius" ist Roadmovie, Schatzsuche und Wissenssendung zugleich.

Ob unter der Dusche, im Auto oder bei einem Konzert: Musik ist für viele Menschen wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Quer durch alle Kulturen wird mit Leidenschaft zugehört, selbst musiziert, gesungen und getanzt.
Die moderne Hirnwissenschaft erlaubt faszinierende Einblicke in das Phänomen Musik: Wie entfaltet sie ihre Wirkung? Was spielt sich dabei in unserm Gehirn ab? Weit verbreitete Annahmen - etwa, Musik mache schlau - werden durch neurobiologische Methoden auf die Probe gestellt. In der Medizin hilft Musik zum Beispiel Schlaganfallpatienten dabei, wieder sprechen zu lernen.
Die "X:enius"-Moderatoren Caro Matzko und Gunnar Mergner fahren nach Hannover an die Hochschule für Musik, Theater und Medien. Dort treffen sie einen Neurologen, der die Wirkung von Musik auf das Gehirn erforscht. Sie erfahren unter anderem, was bei einem Ohrwurm im Kopf passiert, und welche Rolle die Musik in der Evolution des Menschen gespielt hat.

Zusatzinfo
Carolin Matzko und Gunnar Mergner präsentierten von 2008 bis 2009 in Doppelmoderation das Jugendmagazin "freiraum" in BR-alpha. Caro Matzko moderiert zudem jeden Freitag das Radio-Szenemagazin "Zündfunk" auf Bayern2. Gunnar Mergner arbeitet als Autor für das BFS-Kinoformat "Kino Kino".
Mehr zu den einzelnen Themen unter: www.arte.tv/xenius

Freitag, 21.06. / 20.15 Uhr / Così fan tutte (Teatro Real de Madrid)
Oper, Frankreich, 2013, ARTE F       190 Min.
Regie: Hannes Rossacher
Komponist: Wolfgang Amadeus Mozart
Inszenierung: Michael Haneke
Dirigent: Sylvain Cambreling
Libretto: L. Da Ponte
Orchester: Orchester des Teatro Real
Chorleiter: Andrés Máspero
Chor: Chor des Teatro Real

Mit: Anett Fritsch (Fiordiligi), Paola Gardina (Dorabella), Juan Francisco Gatell (Ferrando), Andreas Wolf (Guglielmo), Kerstin Avemo (Despina), William Schimell (Don Alfonso)

Erstausstrahlung

Mit Wolfgang Amadeus Mozarts "Così fan tutte" am Teatro Real de Madrid präsentierte der österreichische Filmemacher Michael Haneke (zwei Goldene Palmen der Filmfestspiele in Cannes, fünf Césars und ein Oscar im Jahr 2013 für "Liebe") im Februar/ März diesen Jahres nach "Don Giovanni" in Paris 2006 seine zweite Operninszenierung, die in ihrer hochkarätigen Besetzung Publikum und Kritiker begeisterte. .

Dass die ersten Erfahrungen mit der Liebe zugleich berauschend schön und schrecklich bitter sein können, demonstriert Wolfgang Amadeus Mozart in "Così fan tutte" oder "Die Schule der Liebenden". Er enthüllt darin seine liberale, menschliche Sicht auf die Liebe und zeigt, dass man den Unterschied zwischen Liebe und Begehren kennen muss, um schadlos durchs Leben zu gehen.
Die Handlung von "Così fan tutte" ist scheinbar simpel: Zwei junge Männer sind mit einem Schwesternpaar verlobt und von der Treue ihrer Liebsten überzeugt. Bis sie mit dem zynischen, alten Junggesellen Alfonso eine Wette abschließen: Sie geben vor, in den Krieg zu ziehen und kommen dann in der Verkleidung zweier albanischer Verführer zurück, um die beiden Schwestern in die Falle zu locken und ihnen ein Heiratsversprechen abzuringen.
Wenn "Così fan tutte" bisweilen ohnehin als frivoles Stück gilt, so führt Haneke die tragische Geschichte der Liebhaber, von denen es in seiner Version drei gibt, geradezu grausam weit. In nur einem Tag gelingt es dem hämischen Alfonso und seiner verbitterten Gefährtin Despina, alle Illusionen der Liebenden zu zerstören. Hier ist das ganze Leben nichts als ein eiskalt kalkuliertes, hinterhältiges Spiel ...
Mit einer originellen Kulisse - einem Palast des 18. Jahrhundert mit zeitgenössischem Interieur - und einem Kostümball, der die geschickte Einbettung der Verkleidungsszene erlaubt, verbindet Haneke zwei Rezeptionsepochen der Oper und veranschaulicht gleichsam die Zeitlosigkeit dieses Werkes rund um die allermenschlichsten Gefühle.
Dass Michael Haneke vor seiner Filmkarriere am Theater tätig war, merkt man seiner Inszenierung an. Die unter großem Aufwand ausgewählten und angeleiteten Darsteller spielen natürlich und authentisch und bringen die Verletzlichkeit der Figuren von Mozart und dem Librettisten Lorenzo Da Ponte ergreifend zum Ausdruck.

Unter der Leitung von Sylvain Cambreling liefern Annett Fritsch (Fiordiligi), Paola Gardina (Dorabella), Juan Francisco Gatell (Ferrando), Andreas Wolf (Guglielmo), Kerstin Avemo (Despina) und William Schimell (Don Alfonso) eine besonders realistische und so faszinierende wie verstörende Darbietung.

Zusatzinfo:
Michael Haneke wurde am 23. März 1942 in München geboren und wuchs in der Wiener Neustadt auf. Der Sohn des Schauspielers Fritz Haneke und der Schauspielerin Beatrix von Degenschild kam erst spät zum Film und studierte zunächst Psychologie, Philosophie und Theaterwissenschaften, arbeitete dann als Dramaturg beim Südwestfunk in Baden-Baden und debütierte dort im Stadttheater mit Marguerite Duras' Stück "Ganze Tage in den Bäumen" als Theaterregisseur. 2006 inszenierte er an der Pariser Opéra Garnier erstmals eine Oper: "Don Giovanni" von Wolfgang Amadeus Mozart mit Peter Mattei in der Titelrolle.
Nach ersten eigenen Fernseharbeiten folgt bald sein Engagement fürs Kino mit einer eigenen, klaren Bildsprache. Bereits sein Filmdebüt "Der siebente Kontinent" (1989) wurde beim Festival von Locarno ausgezeichnet. Der Film wurde zum ersten Teil einer Trilogie über "die Vergletscherung der Gefühle", dem Haneke 1992 die Studie über jugendliche Gewalt "Bennys Video" und dann den Film "71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls" anschloss.
Auch in Frankreich feierte Haneke große Erfolge: Zunächst mit der Verfilmung von Elfriede Jelineks beklemmendem Roman "Die Klavierspielerin", herausragend besetzt mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle. Für "Code inconnu" und "Caché" gewann er Juliette Binoche, für "Funny Games" Susanne Lothar und Ulrich Mühe.
Im Jahr 2009 erhielt er für seinen Film "Das weiße Band" mehrere Auszeichnungen, unter anderem die Goldene Palme in Cannes. Viele Filme Hanekes zeichnen sich durch eine strenge und nüchterne Bildsprache aus und thematisieren Angst, Bedrohung und Gewalt. Sein neuestes Werk weicht von dieser analytischen Handschrift ab: "Amour" erzählt berührend und intim von der Liebe eines alten Paares und davon, wie es mit dem Leiden umgeht. Dieses Werk wurde ebenfalls mit der Goldenen Palme bedacht und 2013 mit dem Oscar ausgezeichnet.

Samstag, 22.06. / 16.40 Uhr / Metropolis
Magazin, Deutschland, 2013, ZDF       50 Min.
Erstausstrahlung

(1): Der Bilbao-Effekt
(2): Viva la Biennale!
(3): Zu Besuch in Pakistan

(1): Der Bilbao-Effekt
Bilbao ist Spaniens Vorzeigemetropole. Die an der Mündung des Nervión gegründete Stadt hat sich in den letzten Jahrzehnten von einer maroden Region zur Hochburg für Design und Architektur gemausert. Während der Industriestandort in den 60er und 70er Jahren nicht gerade vorzeigbar war, ist es inzwischen vor allem das imposante Stadtbild, das Touristen in Scharen nach Bilbao zieht, insbesondere das Guggenheim Museum. Das von Frank O. Gehry entworfene Schmuckstück ausgerechnet hier zu bauen, war ein strategisch kluger Schachzug und erwies sich im Nachhinein als großer Coup. Weitere architektonische Highlights folgten und sorgten für neue Impulse. Philippe Starck designte für Bilbao ein Kulturzentrum und Norman Foster versah die U-Bahn der Stadt mit seiner Handschrift, entwarf sogar die Waggons der Züge. "Metropolis" zeigt am Beispiel Bilbaos, weshalb Kunst und Kultur einen ganz wesentlichen Einfluss auf die Zukunftsfähigkeit unserer Metropolen haben.

(2): Viva la Biennale!
Venedig ruft, die Kunstwelt folgt! Im Zweijahrestakt zieht es Künstler, Sammler und Kunstliebhaber in die Lagunenstadt. Hier werden vor historischer Kulisse die neuesten Werke bewundert, Ideen diskutiert, Kontakte geknüpft. In den Giardini, den öffentlichen Gärten der Stadt, präsentieren sich von Anfang Juni bis Ende November die großen Nationen im kreativen Wettbewerb um den Goldenen Löwen auf der 55. Biennale. Wie immer warten auf Kunstfreunde jede Menge Überraschungen: Der Vatikan ist erstmals auf der Kunstmesse vertreten und auch Deutschland und Frankreich wagen dieses Jahr ein Experiment: Zum 50. Jubiläum der deutsch-französischen Freundschaft tauschen die beiden Nationen die Pavillons. Die Losung: Repräsentation ist alles! Selbst jene Länder, die sich die Mieten auf dem Gelände der Biennale nicht leisten können, kommen bemerkenswert malerisch unter. In den Hallen der ehemaligen Schiffswerft Arsenale, in Kirchen, verlassenen Palazzi und mitunter sogar auf abgelegenen Laguneninseln, verschwimmen die Grenzen zwischen Kunstwelt und Realität. "Metropolis" erkundet die einzigartige Kunstmesse.

(3): Zu Besuch in Pakistan
Imran Qureshi ist der bedeutendste Gegenwartskünstler Pakistans. Vor allem deshalb, weil er sich nicht scheut, Trauer und Entsetzten auszudrücken oder die Gewaltereignisse seines Landes künstlerisch zu verarbeiten. In seinen, mittlerweile auch großformatigen Werken, thematisiert der ursprünglich zum Miniaturmaler ausgebildete Pakistaner den ständigen Wechsel zwischen Zerstörung und Schöpfung. Seine Kunst changiert zwischen Verzweiflung und Hoffnung. In Berlin ist sein Werk nun in einer großen Einzelausstellung zu sehen, Qureshi wurde hier zum "Künstler des Jahres" gewählt. Auch auf der Biennale in Venedig ist Imran Qureshi dieses Jahr vertreten. Wie aber arbeitet der Künstler bei sich in Pakistan, fernab vom globalen Kunstmarkt und unter schwierigen Bedingungen? "Metropolis" hat ihn in seinem Atelier besucht und mit ihm über seine Arbeit gesprochen.

Zusatzinfo:
Mehr Informationen unter: www.arte.tv/metropolis

Samstag, 22.06. / 21.50 Uhr / Birth of Pop
Dokumentationsreihe, Deutschland, 2010, ZDF       52 Min.
Regie: Andreas Dutschke

Von 1955 bis 1966 veränderte ein musikalischer Urknall die Welt und brachte ein Universum neuer Stile hervor. Die vierteilige Dokumentationsreihe "Birth of ..." begibt sich an die Anfänge unserer Popkultur und verfolgt die Geburtsstunde neuer musikalischer Formen. Beobachtet sie beim Laufenlernen und begleitet ihren Erfolg: Rock'n'Roll, Soul, Cool und Pop - jene Galaxien, die in ihrer Gesamtheit nicht mehr und nicht weniger bedeuteten als eine kulturelle Revolution.

Am nachhaltigsten haben die Popkonzepte der 60er Jahre die massenmediale Welt verändert. Ob der Beat der frühen Beatles, Easy Listening, ob Mode, Design oder die Pop-Art eines Andy Warhol und eines Roy Lichtenstein: Ohne die Sixties bist Du nichts. Klaus Voormann, Ex-Mitglied der Beatles, erläutert, wie aus einer Rock'n'Roll-Kapelle in dem Rotlichtbezirk Hamburgs, St. Pauli, ein ausgeklügeltes Pop-Gesamtkunstwerk mit Pilzkopffrisur und Anzug werden konnte.
Weiter geht es mit Bienenkorbfrisur und Vespa ins Swinging London, wo man "Was so alles geschieht auf der Carnaby-Street" vor sich hinsummt und sich an Twiggy und Mary Quandts Minirock nicht minder als am Phänomen Yves Saint Laurent erfreut. In Großbritanniens Hauptstadt wird selbst der ursprünglich so hochpolitische Folk popfähig und der Rock'n'Roll wandelt sich im Twist zum Modetanz.
James Last begeistert sich in der Dokumentation für jene Tage, da sein so oft unterschätzter und doch massenfähiger Orchestersound kreiert wurde, Susan Sonntag über "Camp" philosophierte und die Wegwerfwelt des Plastik in allen bunten Farben und Formen den Alltag eroberte. In Filmen wie "Mon Oncle" wird die schöne, neue Welt bestaunt. Kommentiert wird der Zeitgeist der Sixties von Größen wie Paul Weller und aktuellen Künstlern, die an jene so stilprägenden Jahre anknüpfen und sie so fortschreiben.

Samstag, 22.06. / 22.40 Uhr / Tracks ~ Dangerzone Special: Musik im Krisengebiet
Magazin, Deutschland, 2013, WDR       52 Min.
Erstausstrahlung

(1): Musik im Krisengebiet
(2): Street-Art am Abgrund
(3): Dealer-Hymnen aus Mexiko
(4): Blood-Art

Diese Woche wagt Tracks sich in die künstlerische Gefahrenzone. Das Tracks-Team ergründet in Pakistan, wie sich die ständige Bedrohung durch Bombenanschläge und radikale Taliban auf das Songschreiben und die Musikszene auswirkt. Außerdem begleitet die Sendung das französische Künstlerduo Rö & l'Homme Pendu, wie es fabelwesenhafte Street-Art-Gemälde in schwindelerregender Höhe aufklebt. Ferner begleitet Tracks einen furchtlosen Filmemacher in die Drogenhölle Mexikosund zeigt Maler und Performer in London, die sich bei jeder ihrer blutreichen Aktionen im Namen der Kunst immer wieder in Gefahr bringen. Die Faszination der Dangerzone bei Tracks. Nichts für schwache Nerven!

(1): Musik im Krisengebiet
Pakistan macht seit Jahren Schlagzeilen mit Atomwaffen, Selbstmordattentätern und den Taliban. Was die wenigsten wissen: Die islamische Republik hat auch eine lebendige Independent-Musikszene. Bands wie Poor Rich Boy oder der Singer-Songwriter Omar Farooq ziehen aus der schwierigen Situation in ihrer Heimat kreative Energie und kämpfen täglich mit den kaum vorhandenen Strukturen im Land: Es gibt kaum Plattenlabel, kaum Clubs und - aus Angst vor Anschlägen - so gut wie nie Konzerte. Selbst Social Media-Seiten bieten den Künstlern keine Plattform. Denn die Regierung lässt YouTube und Facebook einfach immer wieder sperren. Tracks trifft Künstler, für die Aufgeben nicht infrage kommt.

(2): Street-Art am Abgrund
Das Künstlerduo Rö & l'Homme Pendu lebt in Paris, reist aber durch ganz Europa auf der Suche nach verlassenen Fabriken und Industrieruinen, der perfekten Kulisse für ihre gigantischen Riesenmonster aus Papier. Die selbst entworfenen Fabelwesen kleben die gelernten Industriekletterer zum Teil Hunderte Meter über dem Boden auf halb verfallene, leere Wände. Eine ganz und gar unkommerzielle Kunst,die erst durch Fotos und das Internet eine große Fangemeinde findet, erschaffen in stunden-, manchmal tagelangen waghalsigen Aktionen. Tracks begleitet die bemerkenswerten Künstler auf einer ihrer "Expeditionen".

(3): Dealer-Hymnen aus Mexiko
Seit über fünf Jahren tobt in Mexiko der Drogenkrieg. Und in der 1,5-Millionen-Stadt Ciudad Juárez, direkt an der US-amerikanischen Grenze, tobt er am schlimmsten. Statistisch gesehen geschehen hier 200 Morde pro Monat - 97 Prozent davon werden gar nicht erst untersucht. Genau hier drehte Shaul Schwarz seinen Dokumentarfilm "Narco Cultura" der derzeit auf Filmfestivals der ganzen Welt gezeigt wird. Darin geht es neben der alltäglichen Gewalt vor allem um die eingängigen Songs, die zu Ehren der Drogengangs geschrieben werden und die nicht nur in Mexiko längst zu einem popkulturellen Phänomen geworden sind. Tracks trifft Regisseur Shaul Schwarz in Berlin und spricht mit ihm über verstörend fröhliche Mariachi-Trompeten, das Arbeiten unter Lebensgefahr und einen Landstrich, in dem die Friedhöfe prächtiger sind als die Städte.

(4): Blood-Art
Dass Blut und Kunst einander nicht fremd sind, belegen zahlreiche pophistorische Beispiele irgendwo zwischen Hermann Nitsch und Pete Doherty. Aber ausgerechnet im krisengebeutelten London erlebt die Blood-Art-Szene derzeit einen wahren Boom. Künstler wie Jon John oder Franko B gehen bei ihren Performances bis an die Grenze der eigenen Belastbarkeit und werden dafür jetzt sogar von renommierten Kunstinstitutionen wie dem British Council oder der Tate Modern gefördert. "Tracks" über Lebenskraft versus Hoffnungslosigkeit und Kunst, die wirklich alles gibt ...

Mehr Informationen unter: www.arte.tv/tracks

Sonntag, 23.06. / 11.40 Uhr / Square
Magazin, Frankreich, Deutschland, 2012, ARTE       43 Min.
Erstausstrahlung

Jeden Sonntag um die Mittagszeit stellt die Sendung "Square" Künstler und Intellektuelle in den Mittelpunkt - im Interview sprechen sie über ihr eigenes Leben, aber auch über das politische und gesellschaftliche Zeitgeschehen. Eine andere Art auf die Frage zu antworten: Wie erleben Sie unsere Epoche? Ein kulturelles Gespräch, das abwechselnd von Vincent Josse und Anja Höfer geführt wird: bei den Künstlern zu Hause, draußen oder einem anderen Ort ihrer Wahl.


Mehr im Internet unter: www.arte.tv/square
In vier Rubriken zeichnet ARTE ein Porträt des Gastes anhand von sieben Eckdaten oder Schlagwörtern, diskutiert seine Behauptungen, spricht über seine aktuellen Projekte und entdeckt Menschen, die ihn inspirieren oder ganz besonders am Herzen liegen.

Sonntag, 23.06. / 15.10 Uhr / Abgedreht!
Magazin, Frankreich, 2013, ARTE F       43 Min.
Erstausstrahlung

Kultur mal anders? Dann sind Sie bei "Abgedreht!" richtig! Das wöchentliche retro-moderne Magazin aus Frankreich wirft den etwas anderen Blick auf Kunst, Kult und Kultur. In schrägem und humorvollem Ton, in kurzen und unterhaltsamen Rubriken dreht sich jede Ausgabe um ein Thema. Auf dem Programm stehen Meilensteine der Kinogeschichte und Kultiges aus der Musikszene, Flashbacks auf kulturelle Highlights und Skandale vergangener Zeiten sowie auch Aktuelles aus dem Kulturbetrieb. In dieser Ausgabe dreht sich alles um das Künstler-Comeback.

(1): Die Story
Henri Salvador, Terrence Malick, Frank Sinatra und Drew Barrymore haben es vorgemacht und wissen, wie man auf einen Karriereknick ein brillantes Comeback folgen lässt: Ob Rückkehr eines ehemaligen Kinderstars, Entlassung aus der Drogenklinik, Licht am Ende eines depressiven, beruflichen oder sonstigen Tunnels oder vom Spin Doctor verabreichte Neuinszenierung - "Abgedreht!" zeigt die Typologie des Künstler-Comebacks.

(2): Say Cheese: Passi
2013 veröffentlichte der französische Rapper Passi nicht nur sein neues Soloalbum "Ere d'Afrique", sondern auch seine Autobiografie "Explication de textes", in der er von seiner Jugendzeit mit dem Kollektiv Ministère A.M.E.R. erzählt und die eine oder andere dunkle Affäre enthüllt. Damals ließen seine sozialkritischen Texte die Politiker erschauern und polemisierten das Publikum. Aufgrund seiner Verwicklung in einen Mordfall kam der Rapper sogar ins Gefängnis. Heute ist Passi 40 Jahre alt und neben seiner Musikerkarriere ist er auch Schriftsteller. Bei "Abgedreht!" ist er im Porträt zu sehen. Say Cheese, Passi!

(3): Die Farbe des Geldes
Was haben Robert Rossens "Haie der Großstadt" (1961) und Martin Scorseses "Die Farbe des Geldes" (1986) gemeinsam? Ganz klar: Das Comeback des brillanten Billardspielers Eddie Felson, genannt "Fast Eddie", in beiden Filmen interpretiert von US-Schauspieler Paul Newman. Im ersten Film verliert der junge Draufgänger noch sein lang erträumtes Duell gegen den Veteranen Minnesota Fats, 25 Jahre später ist er würdig gealtert und nimmt ein junges Billardtalent (Tom Cruise) unter seine Fittiche. Angekündigt hatte Eddie seine erfolgreiche Rückkehr übrigens schon in "Haie der Großstadt" mit den berühmten Worten: "I'm back." Das Comeback war hier jedenfalls gelungen, denn 1987 bekam Newman für "Die Farbe des Geldes" endlich den lang ersehnten Oscar als bester Schauspieler.

Zusatzinfo:
Das französische Journalistenduo Collin und Mauduit, die in ihrer Heimat längst Kult sind, kommentieren aus dem Off. Ihr Geheimnis: großes Wissen gepaart mit teils beißendem Witz, politisch nicht immer ganz korrekt ... Weiteres Markenzeichen des Magazins sind die à la "Abgedreht!" neu gemischten Filmklassiker-Ausschnitte, die anstelle eines Moderators durch jede Sendung führen. So kann es vorkommen, dass plötzlich Cary Grant den nächsten Beitrag ansagt ...

Mehr im Internet unter: www.arte.tv/abgedreht

Sonntag, 23.06. / 15.50 Uhr / Das Musée d’Orsay in Paris
Dokumentarfilm, Frankreich, 2011, ARTE F       86 Min.
Regie: Bruno Ulmer

Vom Bahnhof zum Museum: Das Pariser Musée d'Orsay - das in einem prächtigen Bahnhofsgebäude der Jahrhundertwende untergebracht ist - wurde im Dezember 1986 nach einer Phase der Modernisierung wiedereröffnet. Seine Architektur, seine Sammlungen und seine vor kurzem abgeschlossene Renovierung zeugen auf sehr anschauliche Art von zwei Jahrhunderten künstlerischer, gesellschaftlicher, industrieller, politischer und urbaner Entwicklung. ARTE beleuchtet die Geschichte der viel besuchten Kunststätte, die 2011 ihr 25-jähriges Bestehen feierte.


In der relativ kurzen Zeit seines Bestehens kann das Museum stolze Erfolge vorweisen: Seit der Eröffnung kamen rund 75 Millionen Besucher, allein 2012 waren es dreieinhalb Millionen. Beliebt ist das Musée d'Orsay bei Europäern allen voran den Franzosen, Deutschen und Spaniern, ebenso wie bei Nicht-Europäern wie Japanern und Nordamerikanern.
Der Dokumentarfilm zeichnet die Geschichte des Hauses nach und vermittelt gleichzeitig eine Vorstellung davon, wie sich ein so großes internationales Museum an die Erfordernisse der heutigen Zeit anpasst. Die Geschichte des Bauwerks ist Anlass, Fragen der Denkmalpflege und der Umfunktionierung historischer Gebäude zu thematisieren.
Regisseur Bruno Ulmer gewährt einen sehr persönlichen Blick hinter die Kulissen dieser Einrichtung, die jüngst umfassend modernisiert wurde. Ob in den Kellern oder Dachgeschossen des Museums, im Magazin oder in der Ausstellung selbst, immer ist die Geschichte des Hauses und der Menschen, die dort wirkten und wirken, präsent. Eine spannende Reise durch die Zeit, die mit vielen unbekannten Facetten der Institution Orsay bekannt macht.

Zusatzinfo:
Das Musée d'Orsay kann heute optimistisch in die Zukunft blicken. An Erfahrungen reich und umfassend modernisiert, ist das Haus einerseits gut gerüstet für die reichen Erfordernisse des 21. Jahrhunderts, andererseits ist das Haus bis in die Gegenwart hinein stark geprägt durch seine Geschichte; ein umfassender Rückblick muss viel weiter in die Vergangenheit zurückreichen als nur bis Dezember 1986.
Auf der Suche nach dem Ursprung der Sammlungen und des Gebäudes spannt sich der Bogen zunächst von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkriegs: Es war die Zeit der Weltausstellungen, der Industriellen Revolution und der ersten Eisenbahnen, der offiziell anerkannten Kunst und der Ausstellung der Zurückgewiesenen (Salon des Refusés), der düsteren Landschaften und der ausgemergelten Arbeitergesichter, der Republik und eines gewissen Lebensüberdrusses.
Dann spürt der Film den Ereignissen nach, die vom Zweiten Weltkrieg bis in die 70er Jahre die Geschichte des Museums prägten: 1945 war der Orsay-Bahnhof Schauplatz der Rückkehr der Kriegsgefangenen und Deportierten, 1954 der von Abbé Pierre durchgeführten Aktion "Gare de l'Espoir"; 1956 trafen hier zahlreiche Ungarn-Flüchtlinge ein.
Nach der Schließung des Bahnhofs drehte Orson Welles in dem verlassenen Bau Kafkas "Prozess"; später machten sich das Orsay-Theater und die Compagnie Renaud-Barrault das Gebäude zu eigen. Schließlich wurde es endgültig geschlossen, und der Abriss drohte. 1978 wurde jedoch aus einem neuen Modernitätsverständnis heraus beschlossen, den Orsay-Bahnhof zu "retten" und seine facettenreiche Geschichte kommenden Generationen zugänglich zu machen.

Sonntag, 23.06. / 17.20 Uhr / Wild in Art ~ Vladimir Malakhov undercover in Berlin
Dokumentation, Deutschland, 2012, ZDF       26 Min.
Regie: Annabelle Steffes, Caroline Haertel
Erstausstrahlung

Theaterbühne, Konzertsaal und Museum waren gestern - "Wild in Art" ist heute. Prominente Künstler begeben sich in ungewohnte und überraschende Situationen - undercover. ARTE begleitet in dieser Folge den Tänzer und Choreographen Vladimir Malakhov auf seiner spannenden Mission durch Berlin.

Wie schlagen sich Prominente, wenn sie ihre gewohnte Bühne verlassen und sich undercover unters Volk mischen, um Laien für eine kreative Aktion im öffentlichen Raum zu gewinnen? "Wild in Art" zeigt eine überraschende und inspirierende Kunstaktion, die mit konventionellen Formen bricht und den bekannten Künstlern so einiges abverlangt.
Vladimir Malakhov möchte es wissen. Sein Ziel: ein Tanz-Flashmob im Sony Center Berlin. Dafür muss aber erstmal Unterstützung her: Der berühmte Tänzer und Choreograph nimmt inkognito an einem Aerobic-Kurs teil. "Step 1, Step 2" - das ist für ihn natürlich kein Problem.
Noch ahnen die Kursteilnehmer nicht, dass einer der größten Balletttänzer neben ihnen schwitzt - bis Malakhov plötzlich anfängt, Pirouetten zu drehen.
Der Künstler steht vor einer schwierigen Aufgabe. Chaos, Zeitdruck und Nervosität tragen nicht gerade dazu bei, den Probenprozess zum Flashmob zu beschleunigen. Malakhov hat als Initiator der Aktion alle Fäden in der Hand.
Wird es der Star schaffen, die Amateurtänzer zu motivieren und richtig vorzubereiten? Wird der Flashmob wie geplant stattfinden? ARTE zeigt, ob sich die Mühen des Künstlers gelohnt haben.

Sonntag, 23.06. / 17.45 Uhr / Happy Birthday, Claudio Abbado!
Musik, Deutschland, 2013, ZDF       85 Min.
Regie: Michael Beyer
Komponist: Wolfgang Amadeus Mozart
Dirigent: Claudio Abbado
Orchester: Orchestra Mozart

Mit: Martha Argerich (Klavier), Maria João Pires (Klavier)

Erstausstrahlung

Claudio Abbado, einer der angesehensten Dirigenten unserer Zeit, wird am 26. Juni 80 Jahre alt. Sein Geburtstagskonzert, bei dem er selbst am Pult stehen wird, findet kurz zuvor im Teatro Farnese in Parma statt. Das historische Hoftheater mit seiner schönen Holzausstattung gehört zu den barocken Sehenswürdigkeiten Italiens. 2011 wurde es nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten, die auch von Claudio Abbado unterstützt wurden, wieder eröffnet.

Bei dem festlichen Konzert in Parma dirigiert Abbado das Orchestra Mozart, das er 2004 in Bologna gründete. Als Solistinnen gratulieren dem italienischen Maestro zwei langjährige, künstlerische Wegbereiterinnen und "Grandes Dames" des Klavierspiels: Martha Argerich und Maria João Pires.
Höhepunkt des Abends verspricht deswegen auch Mozarts Konzert Nr. 10 in Es-Dur für zwei Klaviere mit den beiden Pianistinnen von Weltrang zu werden. Außerdem dirigiert Maestro Claudio Abbado Mozarts Symphonie Nr. 33 in B-Dur und zwei Orchesterstücke von Beethoven, die Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 und die Coriolan-Ouvertüre.

Zusatzinfo:
Claudio Abbado gehört zu den renommiertesten Dirigenten der Welt. 1933 in Mailand geboren, debütierte er nach seinem Studium der Fächer Dirigieren und Komposition am Mailänder Konservatorium 1960 an der Scala. Dort arbeitete er von 1968 an als Musikdirektor und leitete ab 1979 das London Symphony Orchestra. 1965 leitete er zum ersten Mal die Wiener Philharmoniker, von 1986 bis 1991 war er Musikdirektor der Wiener Staatsoper und 1987 wurde er Generalmusikdirektor der Stadt Wien. Außerdem leitet er von 1990 bis 2002 die Berliner Philharmoniker. 2003 gründete er das Lucerne Festival Orchestra, das er noch bis 2014 leiten wird. 1994 übernahm Claudio Abbado außerdem die künstlerische Leitung der Osterfestspiele in Salzburg.
Nach einer schweren Erkrankung im Oktober 2000 kehrte er an das Dirigentenpult zurück, um eine gefeierte Beethoven-Tournee mit allen Symphonien und Klavierkonzerten zu geben.
Zudem legt er einen besonderen Fokus auf die Arbeit mit jungen Orchestern. Für seine Arbeit sowie sein besonderes Engagement in der Nachwuchsförderung erhielt Abbado zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen. Aus diesem Engagement heraus gründete er 2004 auch das Orchestra Mozart, das er bei seinem Geburtstagskonzert dirigieren wird. Claudio Abbado übernahm die künstlerische Leitung des jungen Orchesters und versammelte für sein abwechslungsreiches Programm internationale Musiker von hohem Rang.
Nach seinem Abschied aus Berlin im Sommer 2002 entstand auf Claudio Abbados Initiative hin das Lucerne Festival Orchestra, das 2013 sein zehnjähriges Jubiläum feiert. Das Lucerne Festival selbst feiert in diesem Sommer sein 75. Jubiläum. Am 25. August ist ARTE live bei dem Jubiläumsfest in Luzern mit dabei.

Sonntag, 23.06. / 00.25 Uhr / Gustav Mahler, 6. Symphonie a-Moll dirigiert von Riccardo Chailly
Musik, Deutschland, 2012, MDR       87 Min.
Regie: Ute Fendel
Komponist: Gustav Mahler
Dirigent: Riccardo Chailly
Orchester: Gewandhausorchester Leipzig
Erstausstrahlung

Riccardo Chailly, beim Echo Klassik als "Dirigent des Jahres 2012" ausgezeichnet, hat sich mit seinen farbenreichen Mahler-Interpretationen bereits einen Namen gemacht und spielte bereits alle Mahler-Symphonien ein - mit dem Concertgebouw Orchestra, dem er bis 2004 als Chefdirigent vorstand. Für ARTE dirigiert der italienische Stardirigent und Mahler-Liebhaber die 6. Symphonie in einem glanzvollen Konzert aus dem Gewandhaus Leipzig.

Die 6. Symphonie von Gustav Mahler ist ein Werk, das Rätsel aufgeben werde, hatte der Komponist selbst erklärt. Entstanden war sie zwischen 1903 und 1905 in einem eher glücklichen Lebensabschnitt Mahlers, in dem er Alma geheiratet und Vater zweier Töchter geworden war. Und doch strahlt die 6. Symphonie Düsternis und Trauer aus. Mahler selbst gab ihr keinen Beinamen, doch nennt man sie allgemein seine "Tragische". Er sagte, künftige Generationen dürften sich nur an sie heranwagen, wenn sie seine ersten fünf Symphonien "in sich aufgenommen und verdaut" hätten.
Riccardo Chailly könnte das getrost von sich sagen. Schon im zarten Alter von sechs Jahren hörte er seine erste Mahler-Symphonie, als Dirigent ist er regelrecht vom "Mahler-Fieber" ergriffen: Riccardo Chailly ist bekennender Mahlerianer. So ist es folgerichtig, dass er sich der künstlerischen Herausforderung nur zu gerne stellt, das als schwierig geltende und wegen seiner Düsternis nicht so häufig aufgeführte Werk auf das Konzertpodium zu bringen.
Erklärungsversuche, den tragischen Gestus der 6. als Vorausahnung kommender persönlicher Schicksalsschläge oder des aufdämmernden Ersten Weltkrieges zu erklären, lehnt Chailly ab, würden sie doch dem universalen Künstler Mahler kaum gerecht.
Schon 2001 initiierte Chailly gemeinsam mit dem Gewandhaus Leipzig ein Internationales Mahler-Festival. Zehn weltberühmte Orchester führten unter Leitung international gefragter Mahler-Dirigenten nahezu das gesamte Orchesterwerk des Komponisten auf. Riccardo Chailly interpretierte mit dem Gewandhausorchester die 2. und die 8. Symphonie.
Mit der Aufführung der 6. Symphonie von Gustav Mahler setzt Riccardo Chailly gemeinsam mit dem Gewandhausorchester seine ganz persönliche Art der Interpretation des Mahlerschen Oeuvres fort. Seit September 2005 ist Chailly Chefdirigent des Gewandhausorchesters und zugleich Musikdirektor des Leipziger Opernhauses.

Zusatzinfo:
Das Gewandhausorchester ist mit über 250 Jahren das älteste bürgerliche Symphonieorchester der Welt. Seine herausragende Stellung und nachhaltig prägende Wirkung in der Musikgeschichte, ungezählte Gastspiele auf allen Kontinenten (seit 1916) und Hunderte von Platteneinspielungen haben es zu einem der populärsten symphonischen Klangkörper unserer Zeit gemacht. Keimzelle des Orchesters war die 1743 von 16 Kaufleuten gegründete Konzertgesellschaft "Das Große Concert". Mit dem Umzug in das Messehaus der Tuchwarenhändler im Jahre 1781 erhielt das Ensemble den Namen "Gewandhausorchester".
Seit 2005 leitet Riccardo Chailly als Gewandhauskapellmeister das Gewandhausorchester Leipzig, das älteste Symphonieorchester Europas. In Mailand geboren, absolvierte Riccardo Chailly seine musikalischen Studien an den Konservatorien von Perugia, Rom und Mailand. Er perfektionierte sich an der Accademia Chigiana Siena in Kursen bei Franco Ferrara.
Die erste Chefposition als Dirigent hatte er von 1980 bis 1988 beim Radio-Symphonie-Orchester Berlin. 1988 wurde er zum Chefdirigenten des Royal Concertgebouw Orchestra berufen, eine Position, die er 16 Jahre innehatte. Gleichzeitig war er Musikdirektor des Teatro Comunale di Bologna und des Orchestra Sinfonica Giuseppe Verdi di Milano.
In Europa dirigiert er regelmäßig die größten Orchester: Wiener Philharmoniker, Berliner Philharmoniker, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, London Symphony Orchestra, Orchestre de Paris usw. In den Vereinigten Staaten hat er das New York Philharmonic, das Cleveland Orchestra, das Philadelphia Orchestra und das Chicago Symphony Orchestra dirigiert.
Als Operndirigent hat er regelmäßig an den wichtigsten Häusern gearbeitet: Teatro alla Scala di Milano, Metropolitan Opera New York, Lyric Opera Chicago, Royal Opera House Covent Garden London, Bayerische Staatsoper München, Opernhaus Zürich, San Francisco Opera. Auch bei den Festspielen in Salzburg und Luzern, bei den Proms in London und anderen Festivals ist er immer wieder zu Gast.
Seit 30 Jahren ist Riccardo Chailly Exklusivkünstler der Firma Decca Records, bei der er mehr als 200 CDs aufgenommen hat. Er erhielt Preise wie Edison Prize, Gramophone Award, Diapason d'Or, Grand Prix dell'Accademia Charles Cros, Echo Klassik sowie viele Nominierungen für Grammy Awards. Jüngst wurde seine mit Stefano Bollani und dem Gewandhausorchester eingespielte Aufnahme der "Rhapsody in Blue" von George Gershwin mit der Goldenen Schallplatte ausgezeichnet.
Riccardo Chailly erhielt 2012 den Echo Klassik als "Bester Dirigent des Jahres" und den angesehenen italienischen Kunstpreis "Premio Internazionale Arca d Oro", Turin. Der Dirigent ist Grande Ufficiale della Repubblica Italiana und Mitglied der Royal Academy of Music in London. 1998 erhielt er die Ernennung zum Cavaliere di Gran Croce della Repubblica Italiana, 2003 wurde ihm der Premio Feltrinelli dell'Accademia Nazionale dei Lincei di Roma verliehen, 2010 der Alexander von Zemlinsky-Preis .2011 erhielt er für die Einspielung von Beethovens Symphonie Nr. 9 den "Prix Herbert von Karajan" und den damit einhergehenden "Orphée d Or".
Darüber hinaus wurde Riccardo Chailly 2011 von dem damaligen französischen Kulturminister Frédéric Mitterrand zum "Officier de L'Ordre des Arts et des Lettre" ernannt.

Mittwoch, 26.06. / 20.15 Uhr / PINA - Ein Film von Wim Wenders
Spielfilm, Deutschland, 2010, ZDF       99 Min.
Regie: Wim Wenders
Kamera: Hélène Louvart, Jörg Widmer
Kostüme: Marion Cito, Rolf Borzik
Choreographie: Pina Bausch
Musik: Thom Hanreich
Schnitt: Toni Froschhammer
Produktion: Neue Road Movies, Eurowide
Produzent: Gian-Piero Ringel, Chris Bolzli, Claudie Ossari
Ton: Matthias Lempert
Künstlerische Leitung: Peter Pabst
Herstellungsleitung: Peter Hermann, Helen Olive
Erstausstrahlung

Von Wuppertal aus hat sie den Tanz neu erfunden und die Welt verändert: Die Choreographin Pina Bausch richtete ihren Blick nicht auf spektakuläre Inszenierungen, sondern eher auf das Kleine und schuf damit Großes. Der oscarnominierte Film von Wim Wenders zeigt die mitreißende, einzigartige Kunst der 2009 verstorbenen Choreographin. Anlässlich ihres vierten Todestages am 30. Juni zeigt ARTE den Tanzfilm "PINA" in 3D und gleich im Anschluss ihr Stück "Vollmond".

"PINA" ist ein Film für Pina Bausch von Wim Wenders und von den Tänzern des Tanztheaters Wuppertal. Er lädt die Zuschauer ein auf eine sinnliche, bildgewaltige Entdeckungsreise in eine neue Dimension: mitten hinein auf die Bühne des legendären Ensembles und mit den Tänzern hinaus aus dem Theater in die Stadt und das Umland von Wuppertal - den Ort, der 35 Jahre für Pina Bausch Heimat und Zentrum ihres kreativen Schaffens war.
Ihr Werk ist eine Liebeserklärung an die Größe im Kleinen, an die Schönheit und das Bleibende im Flüchtigen: Pina Bausch hat die Welt der Bewegung neu entdeckt und den Tanz aus sich heraus erneuert wie keine andere Künstlerin ihrer Zeit. Niemand sonst konnte so eindringlich und lakonisch, beiläufig und doch so liebevoll von menschlichen Bewegungen und Begegnungen auf der Bühne erzählen wie sie. Oft war in einer kleinen Geste ein ganzer Kosmos enthalten, denn Pina Bausch hatte ein sehr waches und genaues Auge für die Menschen. Für ihre Theatervision hat sie sich mit dem Tanztheater Wuppertal ein einzigartiges Ensemble geschaffen. Mit ihm brachte sie ihre faszinierenden Stücke auf die Bühne, wurde mit den Jahren weltberühmt und blieb dabei doch immer in Wuppertal verwurzelt.
Wim Wenders und Pina Bausch hat in über 20 Jahren ihrer persönlichen Freundschaft die Idee eines gemeinsamen Tanzfilms nie losgelassen. Aber erst mit den neuesten Möglichkeiten digitaler 3D-Technologie fand Wim Wenders die ästhetischen Ausdrucksmittel, um die emotionale Ausdruckskraft von Pina Bauschs innovativem Tanztheater in einem Film zu bannen.
Noch gemeinsam mit der Choreographin wurden die Stücke "Le Sacre du Printemps", "Vollmond", "Café Müller" und "Kontakthof" als zentrale Werke ihres Schaffens für das Filmprojekt zur Aufzeichnung ausgesucht. Völlig unerwartet verstarb Pina Bausch 2009 mitten in den Produktionsvorbereitungen für den Film.
Nach einer Phase der Trauer und Reflexion konzipierte Wenders den Film neu: Aus dem gemeinsamen Projekt wurde so ein Film für Pina Bausch von Wim Wenders und ihren Tänzerinnen und Tänzern. Mit sparsam eingesetzten Bildern und Tondokumenten aus ihrem Leben; und mit den für die 3D-Kamera in und um Wuppertal getanzten, individuellen Erinnerungen der einzelnen Ensemblemitglieder des Tanztheaters Wuppertal an den genauen, kritischen und liebevollen Blick ihrer großen Mentorin.

Zusatzinfo:
Ausgezeichnet mit dem Deutschen Filmpreis und dem Europäischen Filmpreis erhielt "PINA" bei den Academy Awards 2012 eine Oscarnominierung in der Kategorie "Bester Dokumentarfilm".
"Mich hat Bewegung als solche vorher nie berührt. Ich habe die immer als gegeben vorausgesetzt. Man bewegt sich eben. Alles bewegt sich. Erst durch Pinas Tanztheater habe ich auf Bewegungen, Gesten, Haltungen, Gebärden, Körpersprache achten gelernt. Und diese dadurch erst achten gelernt. Und jedes Mal aufs Neue, wenn ich über die Jahre Pinas Stücke gesehen habe, viele zum wiederholten Male, habe ich, oft wie vom Donner gerührt, das Einfachste und Selbstverständlichste neu als das Bewegendste überhaupt zu sehen gelernt. Welcher Schatz unseren Körpern innewohnt, sich ohne Worte mitzuteilen, und wie viel Geschichten erzählt werden können, ohne dass ein Satz gesagt wird." (Wim Wenders)

Mittwoch, 26.06. / 21.55 Uhr / Pina Bausch: Vollmond
Tanz, Deutschland, 2010, ZDF       116 Min.
Kostüme: Marion Cito
Fernsehregie: Wim Wenders
Choreographie: Pina Bausch
Musik: Amon Tobin, Balanescu-Quartett, Cat Power, Carl Craig, Jun Miyake, Leftfield, Magyar Posse, Nenad Jelic, René Aubry, Tom Waits

Darsteller: Rainer Behr, Pablo Aran Gimeno, Silvia Farias Heredia, Ditta Miranda Jasjfi, Dominique Mercy, Nazareth Panadero, Helena Pikon, Jorge Puera Armenta, Azusa Seyama, Julie Anne Stanzak, Michael Strecker, Fernando Suels Mendoza

Ausstattung: Peter Pabst

Mit: Rainer Behr, Pablo Aran Gimeno, Silvia Farias Heredia, Ditta Miranda Jasjfi, Dominique Mercy, Nazareth Panadero, Helena Pikon, Jorge Puera Armenta, Azusa Seyama, Julie Anne Stanzak, Michael Strecker, Fernando Suels Mendoza

Erstausstrahlung

Vollmond und Nacht, auf der Bühne Wasser, ein riesiger Felsen und die ausdrucksstarken Tänzer und Tänzerinnen des Tanztheaters Wuppertal - mehr braucht es nicht für eines der großen Werke von Pina Bausch. Zwölf Tänzer spielen in der silbernen Landschaft, sind dem Regen und schließlich dem Orkan ausgesetzt, der über die Bühne tobt. Männer und Frauen sind einander ausgeliefert, suchen fieberhaft nach der Liebe: der Kampf der Geschlechter als Zentrum der Beziehungen.

"Vollmond" zeigt Pina Bauschs Kunst in voller Blüte. Eine überschäumende Musik bestimmt das Stück, genau so, wie das großartige Bühnenbild von Bauschs langjährigem Mitarbeiter Peter Pabst. Ein großer Fels beherrscht die Szenerie sowie ein Wassergraben.
"Ich bin jung. Es ist alles voller Versprechungen. Meine Gedanken fliegen hoch. Und mein Körper ist stark", ruft eine der Tänzerinnen auf der Bühne und zeigt die emotionale Kraft, mit der der "Vollmond" die Tänzerinnen und Tänzer der Tanztheaters Wuppertal antreibt.
Sie treten auf zu expressiven Soli, zu spielerischen und absurden Begegnungen, zu zweit oder dritt. Die meiste Zeit regnet es in dieser Vollmondnacht auf der Bühne, und die Tänzer werfen sich mit der ganzen Wucht ihrer Körpersprache in dieses Stück, klettern über den riesigen Felsen, rutschen den Boden entlang, werden nass und nässer, und toben am Ende durchs Wasser, als sei dies ihr eigentliches Element.
Sie sind in einer silbernen Landschaft dem Regen und schließlich dem Orkan ausgeliefert, der über die Bühne fegt. Männer und Frauen sind einander verfallen, suchen fieberhaft nach der Liebe: der Kampf der Geschlechter als Zentrum der Beziehungen. Wie in allen neueren Stücken von Pina führt das auch zu leichten und humorvollen Situationen, aber auch zu Angst und Schrecken. So spielerisch das Stück beginnt, so wild und ungezügelt wird es gegen Ende, wenn die zwölf Darsteller bis zur Verausgabung tanzen.

Zusatzinfo:
Vor vier Jahren, am 30. Juni 2009, starb die berühmte Choreographin und Tänzerin Pina Bausch im Alter von 68 Jahren. Anlässlich ihres vierten Todestages widmet ARTE der wichtigsten Vertreterin des modernen Tanzes einen Abend mit dem preisgekrönten 3D-Film "PINA" von Wim Wenders und ihrem Stück "Vollmond".
Sie zählte zu den bedeutendsten Choreographinnen der Gegenwart. Mit ihrer Compagnie hat sie von Wuppertal aus das Tanztheater weltweit revolutioniert. Mit Stücken wie "Blaubart", "Nelken", "Der Fensterputzer", "Café Müller" oder "Kontakthof" hat sie die Tanzgeschichte reformiert.
Bereits mit 14 Jahren begann die 1940 in Solingen geborene Pina Bausch an der Essener Folkwangschule ihre Tanzausbildung. Nach ihrem Abschluss wechselte sie an die berühmte Juilliard School in New York. 1973 wurde sie Direktorin des neugegründeten Tanztheaters Wuppertal, wo bis zu ihrem Tod im Jahr 2009 rund 40 Stücke entstanden sind.
Ihre Choreographien sind eine Mischung aus Tanz und Theater. Sie erzählen in bewegenden Bildern von inneren Seelenlandschaften, unserem Bedürfnis nach Liebe und thematisieren existenzielle Fragen, mal auf beglückende oder traurige, sanfte oder konfrontierende, und immer wieder auch komische und skurrile Art und Weise. Sie hat mit ihren Tänzern eine neue, ungewöhnliche Körpersprache entwickelt, fernab vom klassischen Ballett: Gesang, Sprache, Alltagsszenen und Pantomime finden in ihren Tanztheaterstücken Verwendung.
Fast 400 Vorstellungen hat das Tanztheater seit Pinas Tod gespielt. Der Höhepunkt waren 20 Auftritte im kulturellen Beiprogramm der Olympischen Spiele in London vergangenes Jahr vor insgesamt 26.000 Zuschauern. Bis 2015 wird es erst einmal keine Neuinszenierungen am Tanztheater Wuppertal geben.
Bausch wurde mit zahlreichen internationalen Auszeichnungen bedacht, wie dem japanischen Kyoto-Preis für ihr Lebenswerk (2007) oder dem Goldenen Löwen der Biennale von Venedig (2007). 1982 übernahm sie eine Rolle in Federico Fellinis Film "Das Schiff der Träume" (Originaltitel "E la nave va"). 2002 waren im Film "Sprich mit ihr" von Pedro Almodóvar Ausschnitte ihrer Choreographien "Café Müller" und "Masurca Fogo" zu sehen. Wim Wenders setzte der außergewöhnlichen Choreographin und ihrer Compagnie mit dem preisgekrönten 3D-Film "PINA" ein Denkmal.

Samstag, 29.06. / 16.45 Uhr / Metropolis
Magazin, Deutschland, 2013, WDR       50 Min.
Erstausstrahlung

(1): Metropolenreport: Lodz
(2): Die Höhlenzeichnungen der Addaura

(1): Metropolenreport: Lodz
Lodz ist mit 700.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Polens. Einst wurde es das "Manchester Polens" genannt. Tuchfabrikanten siedelten sich hier an und gründeten zahlreiche Textilfabriken. Der ehemalige Reichtum zeigt sich noch heute im Stadtbild. Im Zentrum stehen zahlreiche Gründerzeitbauten und die "Ulica Piotrkowska", der längste Boulevard Europas. 1989, nach der Wende, erlebte Lodz ein Tief mit hoher Arbeitslosigkeit. Mittlerweile ist der Aufschwung wieder da. Die alten Industriebrachen werden für Kulturevents genutzt, in Großraumdiscos oder Einkaufszentren verwandelt. Laut offiziellen Angaben hat die Innenstadt die höchste Dichte an Bars und Clubs in ganz Europa, viele sind versteckt in kleinen Hinterhöfen.
Im Volksmund wird Lodz auch "Holly-Lodz" genannt. Hier werden die meisten Filme Polens produziert, die Filmhochschule, die 1948 gegründet wurde, genießt internationales Renommee. Regisseure wie Polanski, Kieslowski und Andrzej Wajda haben sie besucht, aber auch Josef Robakowski, einer der bedeutendsten Avantgarde-Künstler Polens, der in den 60er und 70er Jahren zur ersten Generation polnischer Video-Künstler gehörte. Sein Leben und Schaffen ist eng mit Lodz verbunden, wo er nach wie vor wohnt und in seiner Exchange Gallery den Austausch von Künstlern gefördert hat, ganz abseits des Mainstreams. Und auch die Filmschule selbst hat das Kulturleben der Stadt geprägt: Lodz ist zur Stadt des Animationsfilms avanciert. Die SeMaFor Studios, in denen die Kulissen und Puppen gebaut und die Filme animiert werden, sind zu einem einzigartigen Zentrum des Stop-Motion Films geworden. Für ihre Produktion "Peter und der Wolf" gab es 2008 einen Oskar.
"Metropolis" reist nach Lodz und entdeckt mit den Kulturschaffenden die Stadt und die kulturelle Szene, die offizielle, aber vor allem auch die abseitige. Wir schauen, was sich in den Hinterhöfen und in den alten Industrieanlagen tut. Denn neben der "Piotrkowska" gibt es auch die "OFFPiotrkowska" im Hinterhof: Ein Hotspot für junge Avantgarde-Künstler. In den alten Industrieanlagen findet im Juni ein internationales Fotofestival statt: Die Werke der acht Finalisten werden in Villen und alten Industriebauten ausgestellt.

(2): Die Höhlenzeichnungen der Addaura
Vor etwa 12.000 Jahren meißelte ein prähistorischer Individualist die Szene einer Menschengruppe in die Felswand einer Höhle bei Palermo, heute Addaura genannt. Die Einmaligkeit dieser Felsenzeichnung besteht darin, dass zum ersten Mal nicht nur Wildtiere und einzelne Jäger abgebildet wurden, sondern - zusätzlich ein Menschenkollektiv bei einer offenbar rituellen Handlung. Diese Felsenzeichnung ist ein spektakuläres Abbild des Beginns der menschlichen Kulturgeschichte.
Nach ihrer zufälligen Entdeckung 1943, mitten im Zweiten Weltkrieg, wurde die Addaura-Höhle weltberühmt. Seit 1997 aber ist sie offiziell geschlossen, angeblich wegen Einsturzgefahr. Tatsache ist: Es fehlen einfach die fünf bis zehn Millionen Euro, die zum Erhalt, zur Restaurierung und zur Öffnung der Höhle für ein großes Publikum notwendig wären. Die Finanznot führt in Palermo zu Schließung und Zerfall vieler kultureller Einrichtungen, vor allem historischer Theater wie dem Teatro Garibaldi, aber keine dieser Kulturstätten hat die globale kulturelle Bedeutung der Addaura.
"Metropolis" hat nicht nur die Möglichkeit, in der Addaura zu drehen, sondern auch einen renommierten Kunsthistoriker und Radiologen zu beobachten, der zum ersten Mal die dem menschlichen Auge nicht sichtbaren Vorskizzen des prähistorischen Künstlers fotografisch erfasst. Bei den politisch Verantwortlichen fragen wir nach, ob und wann die Addaura wieder der Öffentlichkeit zugänglich sein wird.

Mehr Informationen unter: www.arte.tv/metropolis

Samstag, 29.06. / 21.45 Uhr / Birth of Cool
Dokumentationsreihe, Deutschland, 2010, ZDF       52 Min.
Regie: Christian Bettges

Von 1955 bis 1966 veränderte ein musikalischer Urknall die Welt und brachte ein Universum neuer Stile hervor. Die vierteilige Dokumentationsreihe "Birth of ..." begibt sich an die Anfänge unserer Popkultur und verfolgt die Geburtsstunde neuer musikalischer Formen. Beobachtet sie beim Laufenlernen und begleitet ihren Erfolg: Rock'n'Roll, Soul, Cool und Pop - jene Galaxien, die in ihrer Gesamtheit nicht mehr und nicht weniger bedeuteten als eine kulturelle Revolution.

Man glaubt es kaum - auch der Jazz wirkt unterschwellig bis heute nach im Popuniversum: Als Musik bei erfolgreichen Ausnahmekünstlern wie Jamie Cullum, der durch die Folge führt - als Haltung bei allen "Hipstern" in urbanen Milieus, die auf "Sichentziehen" als Form der Widerständigkeit setzen, denen auch Literatur und bildende Kunst nicht fremd sind. Die sich cool geben. "Birth of Cool", das bereits 1949 aufgenommene, Mitte der 50er erschienene Album von Miles Davis gilt als Geburtsstunde dieser Attitüde und des Sounds. Lee Koonitz, heute 85 Jahre alt und bei den Aufnahmen zu "The Birth of Cool" als Saxofonist dabei, zelebriert den Zauber dieser musikalischen Welt - die Jazzgröße Dee Dee Bridgewater steht ihm zur Seite.
Die Dokumentation lässt die Existenzialistenzeiten in den Jazzkellern von Paris aufleben, die bereits in den späten 40ern vormachten, was in Deutschland erst von der Jugendkultur der "Exis" in den späten 50ern nachempfunden wurde. Sie zeigt die Bezüge zur "Beat-Generation", zu jenen Literaten rund um Allen Ginsberg, die Mitte bis Ende der 50er Jahre in ihren Werken bereits den Sommer of Love vorwegnahmen - ist "Hippie" doch nichts anderes als die Verballhornung von "Hipster".
Und was das hieß, leben wiederum die Schwarzen in Harlem und den In-Vierteln von Paris zu den Klängen von Charly Parker und Chat Baker vor ... Die heutige Sendung folgt ihren Spuren auf dem Weg vom Bebop über Cool bis hin zum Free Jazz der 60er Jahre, der als das Gegenprinzip zum Pop bis in die elektronische Musik heutiger Tage fortwirkt.

Samstag, 29.06. / 22.40 Uhr / Tracks
Magazin, Frankreich, 2013, ARTE F       52 Min.
Erstausstrahlung

Samstag, 29.06. / 00.00 Uhr / Introducing@arte live ~ Chvrches, Young Galaxy, Mighty Oaks, Claire
Musik, Deutschland, 2013, RBB       90 Min.
Regie: Stefan Mathieu
Erstausstrahlung

Einmal im Monat am Samstagabend präsentiert die Reihe "Introducing@arte live" aus Berlin Konzerte von internationalen Newcomer-Bands. Heute mit dabei: Chvrches, Young Galaxy, Mighty Oaks und Claire.

Chvrches - das sind Lauren Mayberry, Iain Cook und Martin Doherty aus Glasgow. Den drei Schotten mit prominenten Bandkarrieren bei Aerogramme und Blue Sky Archives wird auf der Insel eine große Karriere vorhergesagt. So wählte die BBC die Band vor kurzem auf Platz 5 ihrer Liste der vielversprechendsten Musiktalente 2013.
Das kanadische Quintett Young Galaxy stand mit seinem Dreampop bereits als Support-Act für Arcade Fire und Death Cab for Cutie auf den großen Bühnen. Obwohl die Band erst 2011 in Vancouver gegründet wurde, veröffentlichten die fünf Musiker um Stephen Ramsay und Catherine McCandless vor kurzem bereits ihr viertes Album "Ultramarine".
Die Mighty Oaks stehen für einen bunten Nationalitäten-Mix mit Berliner Note. Größere Bekanntheit erlangten die aus USA, Italien und Großbritannien stammenden Wahlberliner mit ihrer Musik für den Film "Die Summe meiner einzelnen Teile".
Claire aus München wollte eigentlich nur einen einzigen Song aufnehmen. Doch nach dem großen Erfolg haben die Münchner Musiker um Sängerin Josie-Claire Bürkle einfach weitergemacht. Ende letzten Jahres erschien ihre erste EP, "The Empire".

Samstag, 29.06. / 01.30 Uhr / Kylie Minogue - X 2008
Musik, Großbritannien, 2008, SWR       53 Min.
Regie: William Bake, Marcus Viner

Die 23.000 begeisterten Fans in der ausgebuchten Londoner O2-Arena, die das Finale von Kylies dreimonatiger Europatournee Anfang August 2008 mit Spannung erwartet hatten, wurden nicht enttäuscht: Diese elektrisierende Show ist reine Pop-Perfektion und beweist, dass Kylie auch nach 20 Jahren Showbusiness ganz genau weiß, was die Fans von ihr erwarten. Neben den Songs ihres Albums "X" gab die australische Pop-Sängerin auch die größten Hits aus ihrer Gesamtkarriere zum Besten.

Sonntag, 30.06. / 11.45 Uhr / Square ~ Stanislas Nordey
Magazin, Frankreich, Deutschland, 2012, ARTE       43 Min.
Gast: Stanislas Nordey
Erstausstrahlung

Jeden Sonntag um die Mittagszeit stellt die Sendung "Square" Künstler und Intellektuelle in den Mittelpunkt - im Interview sprechen sie über ihr eigenes Leben, aber auch über das politische und gesellschaftliche Zeitgeschehen. Eine andere Art auf die Frage zu antworten: Wie erleben Sie unsere Epoche? Ein kulturelles Gespräch, das abwechselnd von Vincent Josse und Anja Höfer geführt wird: bei den Künstlern zu Hause, draußen oder einem anderen Ort ihrer Wahl.

Mehr im Internet unter: www.arte.tv/square
In vier Rubriken zeichnet ARTE ein Porträt des Gastes anhand von sieben Eckdaten oder Schlagwörtern, diskutiert seine Behauptungen, spricht über seine aktuellen Projekte und entdeckt Menschen, die ihn inspirieren oder ganz besonders am Herzen liegen.

Sonntag, 30.06. / ab 16.20 Uhr / Schwerpunkt: David Bowie
Er gehört zu den erfolgreichsten Musikern der Popgeschichte: David Bowie. Der 66-jährige Brite kommt bei einem anspruchsvollen Publikum genauso gut an wie bei der breiten Masse und hat die Musikszene in den letzten Jahrzehnten entscheidend geprägt. Mit Songs wie "Heroes", "Let's Dance" oder "China Girl" hat er Popgeschichte geschrieben.
Durch seine Musik, sein androgynes Aussehen, seine Kunstfiguren und revolutionären Shows wurde er vom unscheinbaren jungen Sänger zum größten britischen Star seit den Beatles. Seinen ersten großen Erfolg bei Publikum und Kritikern landete er 1969 mit "Space Oddity". Es folgten heute legendäre Alben wie "The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars" oder "Heroes". Erst im Frühjahr dieses Jahres erschien sein 30. Studioalbum unter dem Titel "The Next Day".
Der Erfolg der Kunstfigur Ziggy Stardust, der Anfang der 70er Jahre entscheidend zu Bowies fulminantem Aufstieg beitrug, erweckt den Eindruck, seine Karriere sei perfekt geplant gewesen. Doch wie die Ausstellung "David Bowie is", die derzeit noch im Londoner Victoria and Albert Museum (23. März bis 12. August 2013) gezeigt wird, verdeutlicht, hat sich der Superstar immer wieder selbst infrage gestellt und offenbar so den Schlüssel zum Weltruhm gefunden.
ARTE widmet der Pop-Ikone am Sonntag, den 30. Juni einen Schwerpunkt mit Dokumentationen, Magazinen, Clips, Konzerten, Internet-Bonusmaterial und dem Kultfilm "Begierde", in dem Bowie als Vampir zu sehen ist, der partout nicht altern will. Eine ideale Gelegenheit, den Superstar samt seiner faszinierenden Verwandlungskunst noch einmal neu zu entdecken.

Die einzelnen Sendungen im Überblick:
(1): "Abgedreht!" - David Bowie Special, Magazin, am Sonntag, den 30. Juni um 16.20 Uhr, Erstausstrahlung
(2): "Dr. Bowie & Mr. Jones", Dokumentation über den Mythos und Menschen David Bowie, am Sonntag, den 30. Juni um 17.05 Uhr
(3): "Begierde", kunstvolles Horrorkino mit David Bowie und Catherine Deneuve, am Sonntag, den 30. Juni um 23.15 Uhr

Sonntag, 30.06. / 16.20 Uhr / Abgedreht! David Bowie Special
Magazin, Frankreich, 2013, ARTE F       43 Min.
Erstausstrahlung

Kultur mal anders? Dann sind Sie bei "Abgedreht!" richtig! Das wöchentliche retro-moderne Magazin aus Frankreich wirft den etwas anderen Blick auf Kunst, Kult und Kultur. In schrägem und humorvollem Ton, in kurzen und unterhaltsamen Rubriken dreht sich jede Ausgabe um ein Thema. Auf dem Programm stehen Meilensteine der Kinogeschichte und Kultiges aus der Musikszene, Flashbacks auf kulturelle Highlights und Skandale vergangener Zeiten sowie auch Aktuelles aus dem Kulturbetrieb.

(1): Story : Bowie und die Mode
David Bowie kreiert für die Figuren seiner Konzeptalben eine eigene Mode. Zeitweise wirkte der Wegbereiter dabei wie ein Außerirdischer: Er trug paillettenverzierte Schulterklappen, schminkte sich blau oder trat geschniegelt und gestriegelt auf, als in London noch die Hippies das Sagen hatten. Designer wie Kansai Yamamoto, Alexander McQueen, Hedi Slimane und Thierry Mugler entwarfen seine Outfits voller wilder Mischungen, Überraschungen und 180°-Wenden, die immer im Einklang mit Bowies zahlreichen Leben standen. Der Glam Rock spielte eine besondere Rolle und begleitete den Künstler am längsten. Doch Stil beschränkt sich für den Performer und einflussreichen Avantgardisten nicht auf die Auswahl des Bühnenoutfits. "Abgedreht!" wandelt auf den Spuren des nicht uneitlen Trendsetters.

(2): Diavortrag: die Hansa-Tonstudios in Berlin
Die Hansa-Tonstudios befinden sich im Herzen von Berlin, zwei Schritte vom Potsdamer Platz entfernt. In dem um 1900 erbauten Haus entstanden zwischen 1960 und 1990 zahlreiche Rock-Hits. Mitten im Kalten Krieg kamen Künstler wie REM, Nina Hagen, U2 oder David Bowie an die Grenze zwischen West- und Ostberlin. Die Endzeitstimmung im Niemandsland inspirierte die Sänger. Für Bowie war es 1978 Liebe auf den ersten Blick. Die Glam-Rock-Ikone blieb, um die weltbekannte "Berlin-Triologie" zu schreiben. Da die Hansa-Tonstudios eine ganz besondere Rolle in Bowies Leben spielen, hat "Abgedreht!" dort hinter die Kulissen geschaut.

(3): Skandal!: Bowie und seine totalitären Wahnvorstellungen
1976 stand Bowie kurz davor, sich erneut in die schattenhafte Figur Thin White Duke zu verwandeln. Er lebte damals nach eigenen Angaben ausschließlich von roter Paprika, Kokain und Milch. Derart (unter)ernährt gab er dem Playboy Magazine ein Interview, das traurige Berühmtheit erlangen sollte: Bowie, der ein paar Lines zu viel gesnifft hatte, wurde paranoid und größenwahnsinnig und verstieg sich in völlig abgedrehte Wahnvorstellungen, u. a. verglich er Hitler - "den ersten Rockstar der Geschichte" - mit Mick Jagger. Die Gemeinsamkeit? Sie beherrschten die Kunst der Inszenierung und wussten, wie man Menschenmassen manipuliert. Drogen und Rock'n'Roll, die klassischen Zutaten für einen Skandal!

Zusatzinfo:
Das französische Journalistenduo Collin und Mauduit, die in ihrer Heimat längst Kult sind, kommentieren aus dem Off. Ihr Geheimnis: großes Wissen gepaart mit teils beißendem Witz, politisch nicht immer ganz korrekt ... Weiteres Markenzeichen des Magazins sind die à la "Abgedreht!" neu gemischten Filmklassiker-Ausschnitte, die anstelle eines Moderators durch jede Sendung führen. So kann es vorkommen, dass plötzlich Cary Grant den nächsten Beitrag ansagt ...
Mehr im Internet unter: www.arte.tv/abgedreht

Sonntag, 30.06. / 17.05 Uhr / Schwerpunkt: David Bowie: Dr. Bowie & Mr. Jones
Dokumentation, Frankreich, 2000, ARTE F       56 Min.
Regie: Gilles Nadeau

In der Musikgeschichte der Gegenwart ist David Bowie an Einmaligkeit nicht zu übertreffen. Mit seiner Musik, die sowohl das breite Publikum als auch elitäre Avantgardisten anspricht, hat er die 60er, 70er, 80er und 90er Jahre entscheidend mitgeprägt. Die Dokumentation beschreibt den kometenhaften Aufstieg des Sängers und beschäftigt sich mit dem Mythos und Menschen David Bowie.

Die Dokumentation beschreibt den Aufstieg des in einer Londoner Vorstadt lebenden Arbeitersohns David Robert Jones zum Superstar David Bowie. Stationen seiner Karriere waren "Ziggy Stardust", die amerikanische Schaffensperiode, die Berliner Jahre mit Iggy Pop und Brian Eno. Der kommerzielle Durchbruch gelang ihm 1969 mit "Space Oddity", in den 80er Jahren gründete er seine eigene Firma. Im Mittelpunkt der Dokumentation stehen auch seine Verwandlungskunst und die zahllosen Bühnenpersönlichkeiten, die er gekonnt zu inszenieren wusste. Im Gespräch mit Bowie und anhand von Archivaufnahmen aus fünf Jahrzehnten kristallisiert sich eine ständig im Wandel begriffene Persönlichkeit heraus. "Dr. Bowie & Mr. Jones" zeichnet ein sehr persönliches Porträt Bowies: Zur Sprache kommen die Selbstmorde seiner Tanten und seines Halbbruders Terry, eine Prägung, die sich in der Morbidität vieler seiner Werke äußert: "In meiner Familie war Selbstmord durchaus üblich. Meine Todessprünge sind eher metaphysischer Art: Ich springe einfach ins Leere, ohne mich vorher zu vergewissern", sagte er einmal. Weitere Themen sind seine Bisexualität, zu der er sich bekennt, die Drogen, die ihn seine so genannte "Schizophrenie" vergessen ließen und ihn fast zerstörten und schließlich die Malerei, durch die sich seine Fantasie vielgestaltig äußert. Heute sieht sich Bowie als innerlich zur Ruhe gekommener, gereifter Künstler, der zu vielem einen gewissen Abstand hat.

Sonntag, 30.06. / 18.00 Uhr / Wild in Art ~ Patrice undercover in Köln
Dokumentation, Deutschland, 2012, ZDF       26 Min.
Regie: Adama Ulrich, Annabelle Steffes
Erstausstrahlung

Theaterbühne, Konzertsaal und Museum waren gestern - "Wild in Art" ist heute. Prominente Künstler begeben sich in ungewohnte und überraschende Situationen - undercover. ARTE begleitet in dieser Folge den Reggae-Musiker Patrice auf seiner spannenden Mission durch die Stadt Köln.

Wie schlagen sich Prominente, wenn sie ihre gewohnte Bühne verlassen und sich undercover unters Volk mischen, um Laien für eine kreative Aktion im öffentlichen Raum zu gewinnen? "Wild in Art" zeigt eine überraschende und inspirierende Kunstaktion, die mit konventionellen Formen bricht und den bekannten Künstlern so einiges abverlangt.
Patrice möchte es wissen. Sein Ziel ist ein Musik-Flashmob auf der Domplatte in Köln. Der Reggae-Star mischt sich als gewöhnlicher Straßenmusiker unters Volk, auf der Suche nach Mitstreitern für seine Aktion.
In der U-Bahn und auf der Straße gesellt er sich zu anderen Musikern und jammt spontan mit ihnen - keine ganz leichte Aufgabe. Mit seiner unverwechselbaren Stimme bleibt Patrice nicht lange unerkannt. Was sagen die Straßenmusiker zu seinem Vorhaben? Werden sie den Reggae-Sänger unterstützen?
Ganz entspannt geht Patrice in die Probenphase, doch so ein Flashmob will richtig einstudiert und geplant sein. Ein Organisationsgenie ist der Reggae-Sänger nämlich nicht. Wird Patrice es schaffen, die Amateurmusiker richtig vorzubereiten? Und kann der Flashmob wie geplant stattfinden? ARTE zeigt eine spannende und ambitionierte Aktion, die einige Überraschungen bereit hält.

Sonntag, 30.06. / 18.30 Uhr / Midori spielt Brahms'' Violinkonzert
Musik, Deutschland, 2013, ZDF       44 Min.
Regie: Hanne Kaisik
Komponist: Johannes Brahms
Dirigent: Zubin Mehta
Orchester: Münchner Philharmoniker
Mit: Midori (Violine)
Erstausstrahlung

Midori, die große Geheimnisvolle des internationalen Konzertbetriebs, spielt das Violinkonzert von Johannes Brahms und feiert damit ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum. 1982 debütierte die damals Elfjährige unter Leitung von Zubin Mehta in New York. Mehta dirigiert auch die Jubiläumskonzerte - ARTE zeigt einen Auftritt mit den Münchner Philharmonikern.

Midori galt früh als Ausnahmetalent und startete - noch als Kind - in den 80ern eine Bilderbuchkarriere, die bis heute mit vielen Preisen bedacht wurde. Mitte der 90er Jahre jedoch zog sich die Musikerin aus dem Konzertbetrieb zurück: Ihr Perfektionsstreben hatte zu einem psychischen Zusammenbruch geführt, von dem sie sich nur langsam erholen konnte. Obwohl sie der Bühne nie ganz fernblieb, standen fortan andere Dinge im Mittelpunkt ihres Lebens - so nahm sie beispielsweise ein Studium der Psychologie auf.
Für ihr Engagement im Bereich musikalischer Förderung und sozialer Projekte wurde sie mehrfach ausgezeichnet.
Brahms' Violinkonzert in D-Dur, mit dem Midori nun auf der Bühne steht, sollte das einzige Violinkonzert des Komponisten bleiben. 1879 in Leipzig uraufgeführt, erfuhr das Stück Zuspruch, aber auch krasse Ablehnung. Darunter das Urteil des Dirigenten Hans von Bülow, das Stück sei eher gegen als für die Violine geschrieben. Tatsächlich ist hier die Violine weniger solistisch angelegt sondern eher eine Stimme unter anderen - und das bei immensen technischen Schwierigkeiten.
Brahms' Verständnis des Solo-Konzerts nähert sich dem Symphonischen; die Geige hat dem Stück zu dienen und nicht das Stück der Geige. Die teils harsche Kritik ließ Brahms seine Pläne für ein weiteres Violinkonzert verwerfen. Die Geschichte indes hat ihr Urteil gesprochen: Das Stück gehört heute zu den wichtigsten im Repertoire eines Geigers von Geltung.

Sonntag, 30.06. / 23.15 Uhr /
Schwerpunkt: David Bowie: Begierde
(The Hunger)
Spielfilm, Großbritannien, 1982, ARTE F       97 Min.
Regie: Tony Scott
Drehbuch: Ivan Davis, Michael Thomas
Autor: Whitley Strieber
Kamera: Stephen Goldblatt, Tom Mangravite
Musik: Michel Rubini, Denny Jaeger
Schnitt: Pamela Power
Produktion: Peerford Ltd.
Produzent: Richard Shepherd

Mit: Catherine Deneuve (Miriam Blaylock), David Bowie (John Blaylock), Susan Sarandon (Dr. Sarah Roberts), Cliff De Young (Tom Haver), Beth Ehlers (Alice Cavender), Dan Hedaya (Leutnant Allegrezza), Rufus Collins (Charlie Humphries), Suzanne Bertish (Phyllis), Bessie Love (Lillybelle)

Miriam ist jung, schön und unsterblich - vor 4.000 Jahren wurde sie im alten Ägypten in einen Vampir verwandelt. Mit ihrem Gefährten John streift sie, attraktiv wie eh und je, nun schon seit 300 Jahren hungrig durch den Großstadtdschungel New Yorks, immer auf der Suche nach etwas lebensspendendem Blut. Als John jedoch erste Anzeichen des Alterns bei sich bemerkt, fürchtet das Paar das baldige Ende ihrer ewig geglaubten Liebe. Auch die zu Hilfe gerufene Gerontologin Dr. Sarah Roberts zeigt sich ratlos. Von der Neugierde getrieben macht sich die Ärztin auf den Weg zu den unheimlichen Wesen und tappt dabei in eine verführerische Falle ...

Miriam ist die letzte Überlebende einer altägyptischen Vampirdynastie. Vor 4.000 Jahren wurde sie durch einen Biss über Nacht unsterblich, Segen und Fluch zugleich für die junge Menschenfrau. Mit ihrem Vampirgefährten John streift sie nun schon seit 300 Jahren durch den Großstadtdschungel New Yorks, deren Bewohner ab und an mit ihrem Blut den Preis des ewigen Lebens bezahlen müssen. Was John nicht weiß: All seine Vorgänger fingen nach einigen Jahrhunderten an der Seite der schönen Vampirfrau an zu altern und wurden untot in Särgen auf dem Dachboden verstaut.
Als John eines Tages selbst zu altern beginnt, wendet er sich panisch an die Gerontologin Dr. Sarah Roberts, die ihn jedoch für verrückt erklärt. Noch so ein Spinner, der sich für einen Vampir hält! In den wenigen Stunden, die John wartend in der Praxis verbringt, altert sein Körper unübersehbar um weitere Jahrzehnte, so dass Sarah sich gezwungen sieht, der unglaublichen Geschichte des Mannes Glauben zu schenken. Entsetzt über das eigene Antlitz stürzt sich John auf die Straßen New Yorks und tötet in der Hoffnung, dadurch seinen Alterungsprozess stoppen zu können, ein junges Mädchen. Doch das frische Blut des Mädchens ist wirkungslos - am Abend findet Miriam in ihrem Haus einen vollkommen vergreisten John vor, dessen Körper sie anschließend auf dem Dachboden entsorgt.
Sarah, die sich in der Zwischenzeit neugierig auf die Spur des Vampirpärchens begeben hat, gerät ebenfalls in den Bann der verführerischen Vampirfrau. Die verheerenden Folgen der Kostprobe von Miriams Blut bemerkt Sarah allerdings erst, als auch sie sich in einen Vampir verwandelt und im Hungerwahn ihren eigenen Liebhaber tötet. Für einen weiteren Untoten ist jedoch kein Platz mehr auf dem Dachboden, wie Miriam bald feststellen wird ...

Zusatzinfo:
"Begierde" ist einer der ersten Filme Tony Scotts, der es vor allem durch seine Actionfilme wie "Top Gun" (1986) und "Der Staatsfeind Nr.1" (1998) zu Weltruhm brachte. Die Besetzung trumpft mit drei Stars auf, die dem Film von Anfang an viel Aufmerksamkeit einbrachten: Catherine Deneuve, David Bowie und Susan Sarandon.
Der Film rekurriert auf den Vampir-Mythos, der wohl mit der Geschichte Graf Draculas seinen ersten literarischen und filmischen Höhepunkt fand und heute durch Kassenschlager wie "Twighlight" und "Vampire Diaries" zum Kult geworden ist. Mit der Figur der Vampirfrau Miriam wird darüber hinaus der antike Mythos der Amazone zitiert: eine kriegerische und unbezähmbare Frau, die Männer lediglich zur Fortpflanzung benutzt und ihre Lust am eigenen Geschlecht befriedigt. Auch die Filmmusik spielt mit unterschiedlichen Stilen - die anfänglich harten Klänge der britischen Dark Wave Rock-Band "Bauhaus", in der auch David Bowie mitwirkte, werden im weiteren Verlauf des Films von klassischen Kompositionen Schuberts, Bachs und Allegris abgelöst. Anhand des Films entstand in den Jahren 1997-2000 die Fernsehserie "The Hunger", die in Frankreich, Großbritannien und Kanada ausgestrahlt wurde.

Mittwoch, 03.07. / 23.10 Uhr / Peter Brook ~ Der Drahtseilakt
Dokumentarfilm, Frankreich, 2012, ARTE F       84 Min.
Regie: Simon Brook
Erstausstrahlung

Peter Brook, geboren 1925 in London, ist einer der größten lebenden Theaterlegenden unserer Zeit. Für diesen Dokumentarfilm hat der Regisseur, Intendant und Theoretiker seinem Sohn Simon Brook nun gestattet, erstmals hinter die Kulissen seiner Arbeit zu blicken. Der sehr persönliche Film begleitet eine Improvisations- und Forschungswerkstatt, in der Schauspieler und Musiker mit Peter Brook zusammenarbeiten: ein einmaliges Lehrstück in Sachen Schauspielmethode, Philosophie und Theater.

"Es ist sehr einfach, ins Tragische oder ins Komische zu verfallen, aber es kommt darauf an, die Balance zu halten." Zum ersten Mal in seiner heute rund 40-jährigen Theaterlaufbahn hat sich Peter Brook, der wie kein anderer das zeitgenössische Theater verkörpert, bereiterklärt, den Vorhang zu lüften und Einblick in die sonst verborgenen Aspekte seiner Theaterarbeit zu gewähren.
Mehrere Tage lang durfte der Regisseur Simon Brook seinen Vater bei der Arbeit filmen. Im Mittelpunkt der Werkstatt, zu der Peter Brook Schauspieler und Musiker geladen hatte, stand eine faszinierende Übung mit Symbolcharakter: "Balance halten". In dieser Übung, die alle Aspekte der Schauspielerei in sich vereinigt, verdichtet sich das jahrelange Suchen und Experimentieren mit der Magie des Theaters. Auf ihr gründet Peter Brooks Methode und Philosophie.
Simon Brook hat mit fünf versteckten Kameras gearbeitet, was ein vollständiges Eintauchen in das Probengeschehen erlaubt, und so gibt der Dokumentarfilm schließlich etwas preis vom Wunder des schöpferischen Prozesses. Dieser ungewöhnliche, sehr persönliche Film macht den imaginären und metaphorischen Balanceakt anschaulich, den Peter Brook und seine Schauspieler vollführen, um dem Zuschauer an einer einmaligen, zutiefst menschlichen und zugleich hoch philosophischen Erfahrung teilhaben zu lassen.

Zusatzinfo:
Peter Brook, am 21. März 1925 als Sohn russisch-jüdischer Eltern geboren, entdeckte bereits als Schüler in London die Liebe zum Theater. Eigentlich wollte er Filmregisseur werden, doch nach einem gescheiterten Versuch als Werbefilmer, beginnt der 20-Jährige Theaterstücke und Opern zu inszenieren. Erste Engagements als Regisseur hat er ab 1945. Er inszeniert hauptsächlich Stücke von William Shakespeare, um dessen Werke seine Theaterarbeiten bis heute kreisen. Mitte der 60er Jahre kommen Brooks erste Inszenierungen von Stücken zeitgenössischer Autoren wie Sartre, Genet, Weiss und Hochhuth auf die Bühne. 1962 wird er Co-Direktor der berühmten Royal Shakespeare Company. Nach drei Jahren findet seine Theatertruppe eine feste Spielstätte im "Théâtre des Bouffes du Nord" in Paris, wo er auch das "Centre International de Créations Théâtrales (CICT) "gründet. Neben seiner intensiven Auseinandersetzung mit Shakespeare befasst sich Peter Brook stark mit außereuropäischen Kulturkreisen und unternimmt dazu Reisen mit seinen Schauspielern nach Afrika. Als Meilenstein zu einer neuen Welttheaterkultur feierte die internationale Kritik seine Inszenierung des Sanskrit-Epos "Mahabharata" oder auch den "Sturm" aus dem Jahr 1990. Mit seinem 1968 erschienenen Buch "Der leere Raum" hat Brook ganze Generationen von Regisseuren beeinflusst.

Samstag, 06.07. / 16.40 Uhr / Metropolis
Magazin, Deutschland, 2013, ZDF       50 Min.
Erstausstrahlung

(1): Metropolenreport: Dublin
(2): Der Eremit im Elfenland

We love Dublin! In Dublin sagt man sich: Aus der Krise helfen nur Musik, Tanz und Literatur. Und: Mit Pinsel und Farbe am "Rand der Welt". Der Landschaftsmaler Peter Lang in Island.

(1): Metropolenreport: Dublin
Dublin hat seine Hausaufgaben gemacht. Das Prädikat: Klassenbester! Bis Ende des Jahres will sich der Inselstaat durch konsequentes Sparen von der Finanzkrise erholt haben. Grund für schlechte Laune? Keineswegs. Bands aus Dublin muntern ganz Europa auf. Die Schriftsteller der Literaturhochburg schreiben auf Hochtouren. Und auf dem landesweiten Festival "The Gathering Ireland" wird die irische Kultur gleich ein ganzes Jahr gefeiert. We love Dublin! "Metropolis" lädt ein zu einem Streifzug durch die irische Hauptstadt.

(2): Der Eremit im Elfenland
"Jede Landschaft hat ihre Geheimnisse. Um sie zu entdecken, muss man vor Ort bleiben", so der renommierte deutsche Landschaftsmaler Peter Lang. Mit seinem Container-Atelier ist er deshalb gerade für ein Jahr in Island, im sagenumwobenen Snaefelljökull-Nationalpark. "Metropolis" besucht ihn in seinem mobilen Atelier zwischen Fjorden und Gletschervulkanen und schaut ihm beim Malen über die Schultern.

Mehr Informationen unter: www.arte.tv/metropolis

Samstag, 06.07. / 22.25 Uhr / Birth of Groove
Dokumentationsreihe, Deutschland, 2010, ZDF       53 Min.
Regie: Jean-Alexander Ntivyihabwa

Von 1955 bis 1966 veränderte ein musikalischer Urknall die Welt und brachte ein Universum neuer Stile hervor. Die vierteilige Dokumentationsreihe "Birth of ..." begibt sich an die Anfänge unserer Popkultur und verfolgt die Geburtsstunde neuer musikalischer Formen. Beobachtet sie beim Laufenlernen und begleitet ihren Erfolg: Rock'n'Roll, Soul, Cool und Pop - jene Galaxien, die in ihrer Gesamtheit nicht mehr und nicht weniger bedeuteten als eine kulturelle Revolution.

Die 60er - das waren auch die Jahre von Motown und Staxx. Der Soul wurde geboren und brachte ein ganz neues Gefühl in den musikalischen Mainstream. Ray Charles, Sam Cooke und James Brown verbanden Elemente des Gospels und Blues zu einem leidenschaftlichen, rhythmischen Sound mit positiver Grundschwingung. Es groovte!
Sharon Jones von den Dap-Kings erläutert im legendären New Yorker Apollo die bis heute gültige Wucht und das so einzigartige Feeling dieses Sounds. The Dap-Kings, das ist jene Formation, die Amy Winehouse musikalisch ihren Welterfolg ermöglichte. Und im Apollo standen in den 60ern Größen wie Sam Cooke und Diana Ross & The Supremes auf der Bühne. Ebenso Martha Reeves, die nicht zuletzt ihren Jahrhundert-Hit "Dancin' in the Streets" kommentiert, den sie gemeinsam mit den Vandellas sang.
Die Dokumentation begibt sich an die Geburtsstätten des Soul in Detroit und Memphis. Über einen schlichten Hitreigen hinausgehend erhellt die heutige Sendung den soziokulturellen Hintergrund des Soul: In ihm erklingt die Forderung der Afroamerikaner nach dem Ende der Segregation und vollen Bürgerrechten. Soul wird zum Soundtrack für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King und Malcom X, das Motown Label zum Vehikel wirtschaftlicher Eigenständigkeit.
Gil Scott-Heron, Legende und Vorreiter des Rap wie auch des Poetry Slam, trägt trotz Barack Obama bis heute noch viel Wut im Bauch über die Zwiespältigkeit der Erfahrungen zu Zeiten der Bürgerrechtsbewegung und wird sie in der Dokumentation zum Ausdruck bringen. Und mittendrin auch das Produzenten- und Songwriter-Duo Leiber & Stoller: Denn die haben den Welthit "Stand by Me" geschrieben ...
Samstag, 06.07. / 23.20 Uhr / Tracks
Magazin, Frankreich, 2013, ARTE F       52 Min.
Erstausstrahlung

Samstag, 06.07. / 01.35 Uhr / Roskilde Festival 2010: Shantel, Florence and the Machine, Alice in Chains
Musik, Deutschland, 2010, WDR       59 Min.
Moderation: Patrice Bouédibéla

Regie: Christian Wagner
Darsteller: Them Crooked Vultures, Jack Johnson, Kasabian, Shantel & Bucovina Club Orkestar, Bonaparte, Céu, Orchestre Poly Rythmo de Cotonou

Mit: Them Crooked Vultures, Jack Johnson, Kasabian, Shantel & Bucovina Club Orkestar, Bonaparte, Céu, Orchestre Poly Rythmo de Cotonou

170 Bands, sechs Bühnen, dazu rund 75.000 Zuschauer: Das Roskilde- Festival in Dänemark, das als das skandinavische Woodstock gilt, feierte 2010 seinen 40. Geburtstag. ARTE zeigt Konzerthighlights und Interviews vom größten Festival im Norden, beleuchtet aber auch die besondere Bedeutung des Musik-Events.

Zwei Begriffe stehen für das Roskilde-Festival: Charity und Community. Die Organisation des Festivals besteht aus einer kleinen Gruppe von Profis, die jährlich zum Ereignis von Zehntausenden freiwilligen Helfern unterstützt werden. Diese Zusammenarbeit garantiert immer wieder die Langlebigkeit und Friedlichkeit des größten skandinavischen Festivals, das in seinem Jubiläumsjahr mit rund 76.000 Besuchern ausverkauft war.
Angeführt von internationalen Headlinern spielten vom 1. bis 4. Juli 2010 170 Bands auf sechs Bühnen. 3.000 Künstler unterhielten das Publikum auf dem weitläufigen Areal, auf dem sich unter anderem auch ein Badesee und ein Fischweiher befinden.

Neben Konzertausschnitten und Interviews mit den Künstlern beleuchtet die ARTE-Dokumentation über das Roskilde-Festival auch die Strukturen und den gesellschaftlichen Stellenwert des Events. Außerdem taucht sie in das besondere Flair des "skandinavischen Woodstocks" ein, das von einer speziellen Mischung aus international renommierten Künstlern getragen wird: darunter Them Crooked Vultures, Jack Johnson, Kasabian, Shantel & Bucovina Club Orkestar und Entdeckungen wie Bonaparte, Céu und das Orchestre Poly Rythmo de Cotonou.

Sonntag, 07.07. / 11.45 Uhr / Square: Patrice Chéreau
Magazin, Frankreich, Deutschland, 2012, ARTE       43 Min.
Erstausstrahlung

Jeden Sonntag um die Mittagszeit stellt die Sendung "Square" Künstler und Intellektuelle in den Mittelpunkt - im Interview sprechen sie über ihr eigenes Leben, aber auch über das politische und gesellschaftliche Zeitgeschehen. Eine andere Art auf die Frage zu antworten: Wie erleben Sie unsere Epoche? Ein kulturelles Gespräch, das abwechselnd von Vincent Josse und Anja Höfer geführt wird: bei den Künstlern zu Hause, draußen oder einem anderen Ort ihrer Wahl.

Mehr im Internet unter: www.arte.tv/square
In vier Rubriken zeichnet ARTE ein Porträt des Gastes anhand von sieben Eckdaten oder Schlagwörtern, diskutiert seine Behauptungen, spricht über seine aktuellen Projekte und entdeckt Menschen, die ihn inspirieren oder ganz besonders am Herzen liegen.

Sonntag, 07.07. / 16.05 Uhr / Abgedreht! Special Ferien
Magazin, Frankreich, 2013, ARTE F       43 Min.
Erstausstrahlung

Kultur mal anders? Dann sind Sie bei "Abgedreht!" richtig! Das wöchentliche retro-moderne Magazin aus Frankreich wirft den etwas anderen Blick auf Kunst, Kult und Kultur. In schrägem und humorvollem Ton, in kurzen und unterhaltsamen Rubriken dreht sich jede Ausgabe um ein Thema. Auf dem Programm stehen Meilensteine der Kinogeschichte und Kultiges aus der Musikszene, Flashbacks auf kulturelle Highlights und Skandale vergangener Zeiten sowie auch Aktuelles aus dem Kulturbetrieb. In dieser Ausgabe dreht sich alles um die Sommerferien.

(1): Story: Eric Rohmer
Der französische Filmemacher Eric Rohmer versteht es wie kein anderer, Feriengefühle auf die Leinwand zu bringen. Seine Kamera fängt sommerliche Flirts und jugendliche Sorglosigkeit an den Stränden von Dinard, Jullouville, Saint-Lunaire oder Saint-Malo ein. "Die Sammlerin", "Pauline am Strand", "Das grüne Leuchten" und "Vier Abenteuer von Reinette und Mirabelle" veranschaulichen eindrucksvoll, wie Rohmer zum Experten dieses Genres wurde. "Abgedreht!" bietet mit einer Auswahl von Rohmers Sommerfilmen einen Vorgeschmack auf jene Jahreszeit, in der es nur um Liebe, Freundschaft und Abenteuer geht.

(2): Diavortrag: Seebad Prora
Diese Woche geht es auf die Ostsee-Insel Rügen ins ehemalige Nazi-Seebad Prora. Die 1933 gegründete NS-Freizeitorganisation "Kraft durch Freude" ließ dort von 1936 bis 1939 den Koloss von Prora bauen. Die insgesamt 4,5 Kilometer langen Häuserblocks waren für 20.000 Urlauber ausgelegt. Durch Erholung gestärkt sollte die Bevölkerung produktiver werden und vor allem bereit sein, den Krieg Hitlers zu unterstützen. Drei Monate vor Beginn des Zweiten Weltkrieges eingeweiht, empfingen die Gästehäuser jedoch nie einen einzigen Gast. Doch heute haben die Gebäude einen neuen Zweck: Seit 2011 wird Prora als längste Jugendherberge Europas genutzt.

(3): Super Cocktail: Karrieremachen am Strand
Mit den ersten Sonnenstrahlen träumt manch einer von Sommer, Sonne, Strand und Meer. Doch um das Bier am Abend bezahlen zu können, muss ein - allerdings nicht zu anstrengender - Ferienjob her. Aber was bleibt, wenn man weder Softeis noch gebrannte Erdnüsse am Strand verkaufen möchte? Ob musikalischer Sommerhit oder Star beim Beachvolleyball - "Abgedreht!" verrät die Zutaten für eine niveauvolle Karriere am Strand.

Zusatzinfo:
Das französische Journalistenduo Collin und Mauduit, die in ihrer Heimat längst Kult sind, kommentieren aus dem Off. Ihr Geheimnis: großes Wissen gepaart mit teils beißendem Witz, politisch nicht immer ganz korrekt ... Weiteres Markenzeichen des Magazins sind die à la "Abgedreht!" neu gemischten Filmklassiker-Ausschnitte, die anstelle eines Moderators durch jede Sendung führen. So kann es vorkommen, dass plötzlich Cary Grant den nächsten Beitrag ansagt ...

Mehr im Internet unter: www.arte.tv/abgedreht

Sonntag, 07.07. / 16.50 Uhr / Leonardo da Vinci ~ Die Restaurierung des Jahrhunderts
Dokumentation, Frankreich, 2011, ARTE F       55 Min.
Regie: Stan Neumann

Leonardo da Vincis "Heilige Anna selbdritt" (1500-1515) ist eines der schönsten, aber auch rätselhaftesten Gemälde überhaupt. Doch viele "Reparaturen" und zahllose Lackschichten haben das Bild im Laufe der Jahrhunderte verändert und teilweise sogar beschädigt. ARTE begleitet die spektakuläre Restaurierung des Meisterwerks, die insgesamt drei Jahre in Anspruch nahm (2008-2011).

Die "Heilige Anna Selbdritt" zeigt eine harmonische Komposition: Im Zentrum sitzt die Jungfrau Maria auf den Knien ihrer Mutter Anna. Zu ihren Füßen spielt der Jesusknabe mit einem Lamm. Um dem Verfall des viel interpretierten Kunstwerks Einhalt zu gebieten, musste das Bild restauriert werden.
Die spektakuläre Aktion dauerte von der ersten Abhängung des Bildes im Jahr 2008 bis ins Jahr 2011 und bot die einmalige Gelegenheit, das Gemälde aus nächster Nähe zu betrachten: Dabei konnte auch der komplexen Beziehung Leonardo da Vincis zu einem seiner herausragenden Werke genauer auf den Grund gegangen werden.
Die Protagonisten des ehrgeizigen Restaurierungsprojekts waren Vincent Pomarède, der Leiter der Gemäldeabteilung des Louvre, Vincent Delieuvin, der junge Konservator für italienische Malerei, und die wichtigsten Mitglieder des Lenkungsausschusses. Die Dokumentation begleitet sie bei der Arbeit und lauscht ihren Diskussionen. Parallel dazu liefert der Film Hintergrundinformationen zur Geschichte des Gemäldes und zur Restaurierung selbst.
Doch die Hauptrolle spielt zweifellos die Restauratorin Cinzia Pasquali, denn von ihrem geschulten Blick und ihrer sicheren Hand hing alles ab. Cinzia kennt ihr Fach aus dem Effeff. Sie hat so bedeutende Arbeiten wie die Restaurierung der Apollo-Galerie des Louvre und des Spiegelsaals von Versailles geleitet.

Sonntag, 07.07. / 17.45 Uhr / Die Geheimnisse der Meisterwerke: Leonardo da Vinci
Dokumentationsreihe, Frankreich, 2011, ARTE F       43 Min.
Regie: Stan Neumann, Juliette Garcias

Die Dokumentation begleitet Vincent Delieuvin, Leiter der Gemäldeabteilung des Louvre, und Luke Syson, Kurator an der National Gallery in London. Sie sind auf Restaurierung von alten Gemälden spezialisiert und waren bei einer einmaligen Aktion dabei: Zwei Tage lang wurden Meisterwerke von Leonardo da Vinci aus der Sammlung des Louvre abgehängt, um sie in einem internationalen Expertenkreis genauer zu begutachten, darunter die "Mona Lisa", "La belle Ferronnière" und "Johannes der Täufer".

An zwei Tagen trafen sich anerkannte Spezialisten aus den USA, Italien, Großbritannien und Frankreich im Pariser Louvre, um da Vincis Meisterwerke unter die Lupe zu nehmen, darunter die "Mona Lisa", "La belle Ferronnière" und "Johannes der Täufer".
Die Gäste arbeiteten unter außergewöhnlichen Bedingungen. Zwei Tage lang wurden da Vincis Werke abgehängt, aus ihren Holzrahmen genommen und in einem Saal bei Tageslicht auf Staffeleien gestellt - wie damals, als sie gemalt wurden. Denn aus nächster Nähe betrachtet verselbstständigen sich die Bilder: Man sieht in ihnen nicht mehr das Werk des Künstlers, sondern einen empfindlichen Gegenstand, an dem die Zeit ihre Spuren hinterlassen hat.

Zusatzinfo:
Die meisten Museumsbesucher sind sich nicht bewusst, welch aufregende Laufbahn die Kunstschätze des Louvre oft hinter sich haben. Die Kunstwerke überlebten Jahrhunderte voller Widrigkeiten, und man kann von Glück reden, dass es sie überhaupt noch gibt. Sie trotzten Plünderungen, Bränden, Holzwürmern, Farbzersetzung, rücksichtslosen Restaurierungen und Übermalungen, wechselnden Geschmäckern, Anschlägen, mutwilligen Zerstörungen, dem Altern und nicht zuletzt dem Vergessen. Manche überlebten im Untergrund unter falschem Namen, andere tauchten Jahrhunderte nach ihrer Erschaffung plötzlich aus dem Nichts auf. "Die Geheimnisse der Meisterwerke" blickt Kunstexperten und Restauratoren im Pariser Louvre über die Schulter und löst manch spannendes Rätsel, das sich unter der Lackschicht der Bilder verbirgt.

Sonntag, 07.07. / 18.30 Uhr / Boris Berezovsky spielt Tschaikowsky ~ Folle journée 2012
Musik, Frankreich, 2012, ARTE F       43 Min.
Regie: François René-Martin
Komponist: Peter Iljitsch Tschaikowsky
Dirigent: Dmitri Liss
Orchester: Ural Philharmonic Orchestra
Chorleiter: Anatoly Gridenko
Chor: Chor des Moskauer Patriarchats
Mit: Boris Berezovsky (Klavier)
Erstausstrahlung

Russische Klänge aus Nantes: ARTE zeigt Ausschnitte aus einem Konzert der "Folle journée de Nantes" 2012. Der russische Klaviervirtuose Boris Berezovsky interpretiert das "Klavierkonzert Nr. 1" seines Landsmannes Piotr Iljitsch Tschaikowsky. Für dieses Meisterwerk der russischen Romantik unterstützt ihn das Ural Philharmonic Orchestra mit dem Dirigenten Dmtri Liss. Ebenfalls auf dem Spielplan: "Schneeflöckchen". Zum Auftakt singt der Chor des Moskauer Patriarchats unter der Leitung von Anatoly Grindenko eine russische Volksweise: "Winter, lieber Winter!".

Das Programm des Konzerts im Überblick:
Chor des Moskauer Patriarchats
Chorleiter: Anatoly Grindenko
- "Winter, lieber Winter!", Russische Volksweise
Ural Philharmonic Orchestra
Dirigent: Dmitri Liss
- Musik zum Schauspiel "Schneeflöckchen" von Ostrowsky, op. 12 (Pjotr Iljitsch Tschaikowsky)
Boris Berezovsky, Klavier
Ural Philharmonic Orchestra
Dirigent: Dmitri Liss
- Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 b-Moll, op. 23 (Pjotr Iljitsch Tschaikowsky)

Boris Berezovsky, 1969 in Moskau geboren, macht mit seiner Tastenkunst erstmals beim Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb 1990 international auf sich aufmerksam. Er gewinnt auf Anhieb die Goldmedaille. Seither hat er sich mit einem breitgefächerten Repertoire von Brahms, Liszt über Tschaikowsky bis hin zu Beethoven und Hindemith profiliert. Boris Berezovsky genießt eine bemerkenswerte Reputation, sowohl als einer der kraftvollsten Virtuosen, wie auch für sein Einfühlungsvermögen und seine einzigartige musikalische Sensibilität. Als Konzertsolist arbeitet er regelmäßig mit den besten internationalen Orchestern. Boris Berezovskys Einspielungen stoßen bei Publikum und Kritik immer wieder auf Begeisterung. Nach einem längeren Aufenthalt in London lebt der russische Pianist heute in Brüssel.
Das Ural Philharmonic Orchestra aus Jekaterinburg zählt heute zu den renommiertesten russischen Musikformationen weltweit. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs erobert das 1936 vom jungen Dirigenten Mark Pavermann gegründete Orchester Konzertsäle in der ganzen Welt. Das Repertoire des Ural Philharmonic Orchestras beschränkt sich nicht auf die Standardwerke der russischen Musik; auch moderne und zeitgenössische Werke europäischer Komponisten stehen auf dem Spielplan. Seit 1995 spielt das Orchester unter der Leitung von Dmitri Liss, der zuvor als Assistent von Dmitri Kitajenko beim Moscow Philharmonic Orchestra tätig war.

Sonntag, 07.07. / 23.25 Uhr / Die lange Flamenco-Nacht ~ "Federico Segun Lorca" - Eva Yerbabuena
Tanz, Frankreich, 2013, ARTE F       90 Min.
Regie: Luc Riolon, Louise Narboni
Erstausstrahlung

Dieses Jahr findet in Paris zum ersten Mal die in Zusammenarbeit mit der Bienal de Flamenco in Sevilla entstandene Biennale d'Art Flamenco statt. ARTE widmet dem andalusischen Tanz eine ganze Nacht und lädt ein, mit Rocío Molina und Eva Yerbabuena zwei Stars des zeitgenössischen Flamencos zu entdecken. Neben den Übertragungen aus dem Théâtre National de Chaillot setzen sich drei Dokumentarfilme mit dieser äußerst kreativen Volkskunst auseinander und ergründen die Rolle des spanischen Tanzes in Sevilla, der Stadt des Flamencos.

Die andalusische Bailaora Eva Yerbabuena, eine der besten Flamencotänzerinnen weltweit, eröffnet die Nacht mit ihrer Kreation "Federico según Lorca". Das Werk sorgte bereits auf der Bienal de Flamenco in Sevilla für Furore und wurde 2012 mit dem spanischen Bühnenkunstpreis Premios Max in der Kategorie "Beste Tänzerin" und "Beste Choreographie" ausgezeichnet. Tatsächlich löst Eva Yerbabuenas Tanz einen Sturm unterschiedlichster Emotionen aus.
Rocío Molina präsentiert ihr neustes Werk "Danzaora" (75 Minuten). Es scheint, als sei Molina auf der Theaterbühne zur Welt gekommen. Die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Bailaora gehört zweifelsohne zu den emblematischsten Vertreterinnen des Flamencos zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Sie revolutioniert diese choreographische Kunst, lässt sie modern und neuartig erscheinen und überzeugt damit Flamencoanhänger der ersten Stunde und neue Fans gleichermaßen.
Die ehemalige Schülerin von María Pagés beherrscht die stark kodifizierte Kunst des Flamencos bis in die Fingerspitzen und mischt traditionelle Schritte mit zeitgenössischeren Elementen. Ihre fließenden Bewegungen lassen sich kaum rational erfassen, keine Atempause unterbricht ihren Tanz. Alles ordnet sich der Musik unter, die sie vollkommen zu beherrschen scheint.
Der erste Dokumentation stellt die Ästhetik des Flamencos in den Mittelpunkt. Didier Deschamps, Direktor des Théâtre National de Chaillot, veranstaltet im Großen Foyer des Theaters eine ganz besondere Modenschau mit Kreationen von Rosalia Zahíno und Encarnación Solá, zwei landesweit bekannten Designerinnen aus Sevilla. Interpretiert wird seine Choreographie von jungen Tänzerinnen und Tänzern aus Paris. Bilder vom Catwalk wechseln sich ab mit Einblicken in die Werkstätten der beiden Modeschöpferinnen und in den Stil von Sevilla.
In der zweiten Dokumentation geht es um die Bewahrung und Weitergabe des andalusischen Tanzes. Seit Generationen pflegt die Familia de los Reyes die Identität des Flamencos. Der Patriarch der Familie, Juan de los Reyes, und seine Töchter Saray und Lole halten in ihrer Familie das Erbe lebendig. Jede ihrer Gesten erinnert an den "Tanz der Zigeuner".
Der dritte Film konzentriert sich auf die einzigartigen Aufführungen zweier Duos: Eva Yerbabuena und Carolyn Carlson sowie Andrés Marín und Kader Attou. Er dokumentiert die Entstehung des leidenschaftlichen Tanzdialogs vom ersten Treffen mit den Choreographen, den Proben bis hin zur Aufführung.

Sonntag, 07.07. / 00.55 Die lange Flamenco-Nacht: Danzaora - Rocia Molina
Dokumentation, Frankreich, 2013, ARTE F       75 Min.
Regie: Luc Riolon, Louise Narboni
Erstausstrahlung

Sonntag, 07.07. / 02.10 Uhr / Die lange Flamenco-Nacht: Mode und Flamenco
Dokumentation, Frankreich, 2013, ARTE F       20 Min.
Regie: Vincent Barthélemy
Erstausstrahlung

Sonntag, 07.07. / 02.35 Uhr / Die lange Flamenco-Nacht: Duos
Dokumentation, Frankreich, 2013, ARTE F       20 Min.
Regie: Vincent Barthélemy
Erstausstrahlung

Sonntag, 07.07. / 02.55 Uhr / Die lange Flamenco-Nacht: Identität - La familia de los Reyes
Dokumentation, Frankreich, 2013, ARTE F       20 Min.
Regie: Luc Riolon, Vincent Barthélemy, Louise Narboni
Erstausstrahlung

Sonntag, 07.07. / 03.15 Uhr / Crooner
Musik, Frankreich, 2010, ARTE F       53 Min.
Regie: Paul Ouazan

Schauspieler interpretieren die schönsten Songs der 60er auf ihre Art. Unter anderen mit Maria Espinosa ("Quizás, quizás, quizás"), Jeanne Balibar ("Dance With Me") und Thomas de Pourquery ("Strangers in the Night"). Eine Hommage an die Generation "Crooner", von Frank Sinatra über Nat King Cole bis zu Peggy Lee, einige der prominentesten Vertreterder.

In den 50er und 60er Jahren brach eine neue Zeit an; das Leben war weniger sorglos, und Glamour war out. Die Ära des Varietétheaters und des Musicals ging zu Ende, und eine neue Generation von Sängern trat auf den Plan. Mit Bebop, Free Jazz und natürlich Rock 'n' Roll brachten diese jungen Wölfe die biederen Werte des amerikanischen und europäischen Kleinbürgertums kräftig durcheinander.
In den USA hießen sie Frank Sinatra ("The voice"), Dean Martin, Bing Crosby, Sammy Davis Junior, Fred Astaire, in Europa waren es Tom Jones, Charles Aznavour, Tony Dallara und viele andere mehr. Ihre Hits gingen um die Welt: "Fly Me to the Moon", "Hey Mambo", "For me formidable", "Quizás, quizás, quizás", "Come Prima", "Cheek to Cheek", "C'est si bon", "Strangers in the Night" ...

Als Hommage an die Generation der Crooner hat ARTE Schauspieler gebeten, die schönsten Songs aus diesen Jahren neu zu interpretieren. Manche haben keine Erfahrung als Sänger und sahen in dieser Rolle eine Herausforderung, der sie sich mutig stellten. Andere, routiniertere Interpreten sagten ohne Zögern zu. Sarah Murcia schrieb die witzigen, musikalisch einfühlsamen Arrangements. Die schlichte Inszenierung setzt vor allem auf das schauspielerische Talent der Interpreten. "Crooner" versteht sich als originelle Show fürs Fernsehen.

Zusatzinfo:
Die einzelnen Songs und Interpreten im Überblick:
(1): Jeanne Balibar: "Sway"
(2): Thomas de Pourquery: "Stranger in the Night"
(3): Marie Espinosa: "Quizás, quizás, quizás "
(4): Ged Marlon: "Come Prima"
(4): Adrienne Pauly: "For me formidable"
(5): Adrienne Pauly und Nicolas Ullmann: "Cheek to Cheek"
(6): Nicolas Ullmann: "I Got Rhythm"
(7): Natacha Régnier: "Over the Rainbow" und "My Heart Belongs to Daddy"
(8): Jacques Bonnaffé: "Hey Mambo"
(9): J. Bonnaffé und I. Jacob: "C'est si bon"; "C'est magnifique"
(10): Guy Marchand: "I've Got You Under My Skin" und "Fly Me to the Moon"
(11): Maria de Medeiros: "They Can't Take Away" und "Stormy Weather"

Freitag, 12.07. / 05.05 Uhr / Von Stimmen und von Steinen
Musik, Frankreich, 2010, ARTE F       52 Min.
Regie: Jacques Debs

Der Isländer Sverrir Guðjónsson ist einer der größten Countertenöre unserer Zeit. Sein Repertoire reicht von mittelalterlichen Gesängen aus Island bis zur zeitgenössischen Musik aus aller Welt. Der renommierte Musiker und Komponist Stomu Yamashta stammt aus einer in Kyoto lebenden Familie, die seit Generationen Künstler hervorbringt. Seine Spezialität: Er bringt Steine und Felsen zum Klingen. Die Dokumentation gibt Einblicke in die kreative Künstlerfreundschaft der beiden: Speziell für diesen Film schufen sie ein Projekt, bei dem die einmalige Stimme des einen den mineralischen Klängen des anderen begegnet.

Die Schöpfung ist das Thema des Werkes, das Stomu komponiert und Sverrir singt. Dem Text liegen drei große Werke der mediterranen, abendländischen und japanischen Kultur zugrunde: die biblische "Genesis" auf Hebräisch, Auszüge aus der mittelalterlichen "Saga von Njál" auf Isländisch und ein Gedicht von Ikkyû (1394-1481), Zen-Meister, Dichter und einer der Schöpfer der japanischen Teezeremonie.
Stomu Yaamashta und Sverrir Guðjónsson verstehen diese Musik als eine musikalische und geistliche Brücke zwischen Japan und Europa. Während die Partitur vor den Augen und Ohren des Zuschauers Gestalt annimmt, erzählt der Film aus dem Leben und der Laufbahn der Musiker, die sich auch zu ihren kulturellen Bindungen und ihrem Glauben äußern.
Der Zuschauer erlebt die komplette Entstehung des Werkes, die Proben in Island und Japan und schließlich die Uraufführung in Notre Dame de Paris im Herbst 2009 - eine wunderbare Reise durch die Mystik des Mittelmeerraums, Nordeuropas und Japans.

Freitag, 12.07. / 08.30 Uhr / X:enius: Oper
Magazin, Deutschland, 2013, ZDF       26 Min.
Moderation: Dörthe Eickelberg, Pierre Girard
Erstausstrahlung

Die Sendung "X:enius" ist das werktägliche Wissensmagazin auf ARTE. 26 Minuten Sendezeit sind einem besonderen Thema aus dem Alltagsleben und der großen Welt der Naturwissenschaft und Forschung gewidmet. Die Moderatoren touren durch Europa, immer auf der Suche nach dem Wissen, das die Welt bewegt. Unorthodoxe Fragestellungen sind dabei ebenso zu erwarten wie spannende Begegnungen. "X:enius" ist Roadmovie, Schatzsuche und Wissenssendung zugleich.

Lang, laut, langweilig - die Oper hat mit vielen Vorurteilen zu kämpfen und in den letzten Jahrzehnten an Glanz verloren. Und an Zuschauern. Noch gibt es staatliche Subventionen und ein großes Repertoire in Deutschland und Frankreich. Doch wie lange lassen sich die Zuschüsse rechtfertigen, wenn die Opernklänge kaum jemanden erreichen?
In der Ausbildungsklasse des internationalen Opernstudios in Zürich gibt es noch junge Menschen, die an die Zukunft der Oper glauben. Was bewegt sie, den Schritt in eine ungewisse Zukunft als Operndarsteller zu wagen? Und welche neuen Wege kann die Oper gehen? Diesen Fragen widmen sich die "X:enius"-Moderatoren Dörthe Eickelberg und Pierre Girard heute. Sie treffen Hetna Regitze Bruun, die Gründerin der sogenannten Home Opera. Das Konzept ist simpel: Die Oper kommt zu den Menschen nach Hause. Professionelle Opernsänger singen in Berliner Wohnzimmern vor wechselndem Publikum. In entspannter Atmosphäre werden die Zuschauer zum Teil der Performance.
Die "X:enius"-Moderatoren sind bei einer Aufführung dabei und sprechen mit den Veranstaltern über ihre Strategie, Menschen wieder für die Kunstform Oper zu begeistern.

Mehr zu den einzelnen Themen unter www.arte.tv/xenius.

Freitag, 12.07. / 20.15 Uhr / Die großen Operngeschichten: Komplotte in der Oper
Dokumentation, Frankreich, 2012, ARTE F       42 Min.
Regie: Lydia Erbibou
Erstausstrahlung

Die Liebesduette von Lully unterscheiden sich von denen bei Verdi, in Wieland Wagners Inszenierung stirbt Isolde ganz anders als bei Patrice Chéreau, und Maria Callas interpretiert den Wahnsinn der Lucia di Lammermoor nicht auf die gleiche Weise wie Natalie Dessay. Die Reihe "Die großen Operngeschichten" beleuchtet, wie sich die Oper allgemein menschlicher Themen annimmt, und zeichnet damit gleichzeitig ein Bild der Epoche, ihrer Musik und Theaterkunst sowie von den Komponisten, Diven und der Oper insgesamt.

Erste Folge: Komplotte in der Oper

Komplotte und Ränkespiele sind die Triebkraft vieler Opern, von "Rigoletto" über "Chowanschtschina", "La Clemenza di Tito" und "Die Krönung der Poppea" bis hin zu "La Tosca". Gerade die Oper des 19. Jahrhunderts bediente sich gerne dieser Handlungsmotive, vor allem in Verdis Werken sind Politik und Gefühle oft vermischt: "Rigoletto", "Ein Maskenball", "Ernani", "Die sizilianische Vesper" und andere.
Komponisten wie Mozart und Monteverdi griffen auf antike Stoffe zurück, andere setzten von Hexen, Feen und Zauberern geschmiedete Intrigen in Szene.
Die erste Folge der Reihe wurde im Centre National du Costume de Scène in Moulins (Departement Allier) gedreht, das in einer Kaserne aus dem 18. Jahrhundert untergebracht ist. In Ausschnitten lassen Bühnenbilder, Figuren, Inszenierungen und natürlich Sänger die Oper lebendig werden, so dass sich Handlung und Musik allmählich der beiden Protagonisten bemächtigen: Sie folgen einer Melodie, die sie fasziniert, und geraten in ein scheinbar verlassenes Gebäude, an dessen Fassade plötzlich prächtige Kostüme erscheinen. Aus dem Innern ruft eine Stimme nach ihnen. Als sie ihr nachgehen, finden sie sich in einer Szene aus "Rigoletto" wieder, der Entführung der Tochter des Hofnarren durch die Höflinge.
Als die Bilder verblassen, nehmen die beiden die Suche wieder auf. Sie finden einen Audioguide und lassen sich führen, bis sie auf eine weitere Überraschung stoßen: Inmitten einer gespannt raunenden Menge erleben sie, wie Karl V. das Komplott aufdeckt, das Ernani und seine Anhänger gegen ihn geschmiedet haben.
Die beiden Opern-Ermittler lassen sich von der verschwörerischen Atmosphäre des Ortes anstecken und halten sich schließlich selbst für die Mafiosi der "Sizilianischen Vesper", für die Liebhaber im "Maskenball" und für die Opfer in "Tosca". Sie treiben ihre Nachforschungen nach Intrigen und Verschwörungen in der Oper immer weiter und werden unwillkürlich in die Geschehnisse verwickelt. Schließlich entrinnen sie dem geheimnisvollen Ort und suchen nach neuen Abenteuern ...

Zusatzinfo:
Jede Folge stellt anhand von Ausschnitten aus Opernaufzeichnungen ein anderes Thema in den Mittelpunkt. Dabei entdecken zwei Protagonisten aus der heutigen Zeit Zauber und Wirklichkeit der Opernwelt: Kulissen, alte Kostüme, Handlungsschauplätze. Im Verlaufe des Parcours stellen Bühnenbilder, Ausschnitte aus Aufführungen und grafisch aufbereitete Dokumente (Scherenschnitte, Fotos, Partituren, Stiche) immer wieder die Verbindung zur Oper her, die Tonbearbeitung sorgt für die passende klangliche Stimmung. Die Figuren bleiben stumm, werden aber von einem Off-Kommentar begleitet, der Anekdoten, historische und biografische Fakten und Musikausschnitte zu einer Erzählung für das breite Publikum verknüpft. Ausschnitte, Bildrhythmus und Erzähltempo sind so beschaffen, dass der Zuschauer in das Thema eintauchen kann; dabei sollen keine Theorien vermittelt werden, es geht vor allem darum, Oper als Erlebnis für die Sinne greifbar zu machen.

Freitag, 12.07. / 21.00 Uhr / Best of Verdi
Musik, Frankreich, 2013, ARTE F       31 Min.
Regie: Carlo Tagliabue
Erstausstrahlung

Freitag, 12.07. / 21.35 Uhr / Rigoletto live aus Aix-en-Provence
Oper, Frankreich, 2013, ARTE F       135 Min.
Moderation: Edouard Fouré Caul-Fouty
Regie: François Roussillon
Komponist: Giuseppe Verdi
Kostüme: Miruna Boruzescu
Inszenierung: Robert Carsen
Dirigent: Gianandrea Noseda
Choreographie: Philippe Giraudeau
Ausstattung: Radu Boruzescu
Licht: Robert Carsen , Peter van Praet
Orchester: London Symphony Orchestra
Chor: Estonian Philharmonic Chamber Choir

Mit: George Gagnidze (Rigoletto), Irina Lungu (Gilda), Arturo Chacon Cruz (Il Duca di Mantova), Gábor Bretz (Sparafucile), José Maria Lo Monaco (Maddalena), Michèle Lagrange (Giovanna), Arutjun Kotchinian (Il Conte di Monterone), Julien Dran (Borsa), Jean-Luc Ballestra (Marullo), Maurizio Lo Piccolo (Il Conte di Ceprano), Valeria Tornatore (La Contessa di Ceprano)

Erstausstrahlung

Eine dramatische Geschichte um Vaterliebe, Verführung, eine folgenschwere Verwechslung und einen Fluch erzählt Verdis "Rigoletto"; die Titelfigur, ein Hofnarr, erfährt am eigenen Leib die Tragik des menschlichen Daseins. Am 12. Juli 2013 gegen 21.30 Uhr zeigt ARTE die Live-Übertragung der ersten "Rigoletto"-Inszenierung in der Geschichte des Opernfestivals von Aix-en-Provence anlässlich des Verdi-Jahres 2013.

Verdi betrachtete das Eifersuchtsdrama von Victor Hugo "Le roi s'amuse", das ihm als Vorlage zu "Rigoletto" diente, als einen der großartigsten Opernstoffe. Verdi verarbeitete den Stoff zu einem seiner bekanntesten Meisterwerke. Der Erfolg der Oper erklärt sich auch daraus, dass sich der italienische Komponist nicht auf die Darstellung von Niedertracht und Gewalt beschränkte, sondern den Stoff zum Anlass für die Inszenierung von rauschenden Festen, flammenden Liebeserklärungen und leidenschaftlichen Duetten zwischen Vater und Tochter nahm.
"La maledizione", der Fluch, lautete der ursprüngliche Titel der Oper. Auf Rigoletto und dem Herzog von Mantua lastet der Fluch eines gedemütigten Vaters. Während Rigoletto ahnt, dass ihn der Fluch früher oder später einholen wird, schert sich der Herzog keinen Deut darum. Aber gerade weil sich Rigoletto dem Verhängnis entziehen will, beschwört er es herauf. Und weil er seine Tochter Gilda vor allen Gefahren dieser Welt bewahren will, verliert er sie letztlich.
Für den kanadischen Bühnenregisseur Robert Carsen ist es die erste Begegnung mit Verdis dramatischem Werk. Seine Inszenierung beim Festival von Aix-en-Provence wird mit Spannung erwartet. Ihm zur Seite steht der Dirigent Gianandrea Noseda, einer der großen italienischen "maestri", die Verdis furiose Kompositionskunst rückhaltlos verehren.
Zweifelsohne wird Robert Carsen auch bei "Rigoletto" seine Kreativität und sein hohes ästhetisches Empfinden unter Beweis stellen, um die geheimen Beweggründe seiner Protagonisten greifbar zu machen, so wie auch 2004 bei der Inszenierung von "La Traviata" anlässlich der Wiedereröffnung des Fenice-Theaters in Venedig. Die Aufführung verlieh der Wiedergeburt des durch einen Brand zerstörten Theaters einzigartige Akzente. Als Partner des Events übertrug ARTE die Oper live aus Venedig.

Die poetische Dichte von Carsens Bühnenbildern, sein feines dramaturgisches Gespür und seine gelungene Schauspielerführung gehen Hand in Hand mit einem sicheren Gefühl für den Rhythmus von Handlungsabläufen und verleihen Carsens Inszenierungen eine cinematografische Präsenz, die sie für die Fernsehaufzeichnung geradezu prädestiniert.

Carsens "Rigoletto" in Aix ist eine Gemeinschaftsproduktion mit der Opéra National du Rhin (Straßburg), dem Théâtre Royal de La Monnaie (Brüssel) und dem Bolschoi-Theater (Moskau). Die Oper wird vor der historischen Kulisse des Théâtre de l'Archevêché aufgeführt und darf als das herausragende Ereignis des Verdi-Sommers gelten.
In den Hauptrollen sind George Gagnidze (Rigoletto), Irina Lungu (Gilda) und Arturo Chacon Cruz (Duca) zu erleben. Gianandrea Noseda dirigiert das London Symphony Orchestra.

Zusatzinfo:
Der Kanadier Robert Carsen studierte an der New York University in Toronto und an der Bristol Old Vic Theatre School Schauspiel. 1986 inszenierte er ''La Finta Giardiniera'' am Camden Festival in London, wobei er von seinem Förderer Hugues Gall, Direktor des Grand Théâtre de Genève und nun Direktor der Pariser Oper, entdeckt wurde. Zahlreiche Engagements für Schauspiel- und Opernregie an internationalen Bühnen schlossen sich an. Seine Operninszenierungen wurden vielfach preisgekrönt, unter anderem mit Kritikerpreisen in England, Deutschland und Frankreich. Für die Inszenierung von Brittens "Ein Sommernachtstraum" erhielt er den Olivier Award. Neben vielen anderen wichtigen Opern inszenierte er an der Wiener Staatsoper bereits Verdis "Jérusalem", dessen erste französische Grand opéra mit Balletteinlage. An der Kölner Oper brachte er die drei von Shakespeare inspirierten Verdi-Opern "Macbeth", "Otello" und "Falstaff" zur Aufführung und für die Pariser Oper setzte er "Nabucco" in Szene. Zur Wiedereröffnung des Teatro La Fenice in Venedig inszenierte er Verdia "La Traviata". Robert Carsen wurde von der französischen Regierung zum Chevalier des Arts et des Lettres ernannt.
Der Bariton George Gagnidze wurde in Tiflis, Georgien, geboren, wo er auch eine Ausbildung am Staatlichen Musikkonservatorium genoss. 1996 debütierte er als Renato in Verdis ''Maskenball'' am Paliashvili Opera House in Tiflis. George Gagnidze wurde in seiner Karriere bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 2005 mit dem ersten Preis beim Concorso Voci Verdiane, einem der wichtigsten internationalen Wettbewerbe für aufstrebende Verdi-Interpreten.
Seine Opern-Auftritte werden weltweit gefeiert und führten ihn unter anderem nach Russland, Deutschland und Japan. In der Saison 2005/06 war George Gagnidze Mitglied des Nationaltheaters Weimar, wo er zahlreiche Erfolge feierte, unter anderem als Posa in Verdis ''Don Carlos''. 2007 debütierte er an der Mailänder Scala, ebenfalls in einer Verdi-Rolle: Er war als Giorgio Germont in "La Traviata" unter der musikalischen Leitung von Lorin Maazel zu erleben.
2008 wurde er beim Verdi-Festival in Parma von Publikum und Kritik für seine Interpretation des Rigoletto frenetisch gefeiert. 2008/2009 debütierte er in dieser Rolle ebenfalls mit sensationellem Erfolg an der Metropolitan Opera.
Seither ist George Gagnidze weltweit als Interpret gefragt und arbeitete unter anderem mit renommierten Dirigenten und Regisseuren zusammen wie James Levine, Jesús López Cobos, Fabio Luisi, Daniel Oren und Daniele Callegari sowie mit Giancarlo del Monaco oder Luc Bondy.

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