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Objekt und Opfer der Begierde Mérimées Novelle über eine treulose, junge Zigeunerin, die von ihrem vor Eifersucht rasenden Freund ermordet
wird, wurde schon so viele Male mit solcher Brillianz inszeniert, dass es, so Rafael Aguilar, „nicht ausreichte, einfach Carmen zu zeigen, indem man Carmen zeigt. Denn Carmen sein, heißt frei
sein, jenseits jeglicher moralischer Verpflichtungen.” Uraufgeführt im April 1992 in Tokio, wurde Aguilars Vision seiner `Carmen Flamenco´ Wirklichkeit: Mit einer Mischung aus Flamenco
und Bolero, suggestiven Tanzszenen und erotischen Choreografien schuf er mit seiner berühmten Tanz-Compagnie Ballet Teatro Español ein faszinierendes Tanzdrama, das mit großem Erfolg in Japan
und ganz Europa von Presse und Publikum gleichermaßen frenetisch gefeiert wurde. Diese durch und durch sinnliche Inszenierung, die auf der klassischen Novelle Prosper Mérimées und der
großartigen musikalischen Umsetzung George Bizets basiert, gehört heute wohl zu den überzeugendsten Carmen-Interpretationen auf der Bühne. Mit den Ausdrucksmöglichkeiten des modernen
Balletts, verbunden mit „klassischem” spanischen Tanz und der feurigen Musik Andalusiens, wird diese unbändige, alle Begehrlichkeit weckende, nach Freiheit suchende Carmen auf authentische
Weise lebendig.
Der Traum vom erotischen Weib mit tödlicher Konsequenz „Carmen ist die Inkarnation einer teuflischen Frau, deren Gesetze nur ihre Launen sind und die sich
über alle gesellschaftlichen Regeln lustig macht. Für mich ist ihr Geist auf der ständigen Suche nach ihrer Identität. Die von unserer Gesellschaft erhobenen Normen hindern sie daran, ihre
Persönlichkeit zu entfalten. Sie träumt vom sozialen Aufstieg; sie träumt vor allem davon, der Eintönigkeit des Alltags zu entfliehen. Wie schon Prosper Merimée sagte: ‚Das Paradies ist nicht
mehr nur für die bohémiens da.´ Sie fühlt sich nicht nur von der Gesellschaft ausgestoßen, sie ist auch dazu verdammt, jegliche religiösen und ethischen Prinzipien mit den finsteren Augen der
Frustration zu sehen. Daher verschließt sie sich seit ihrer Kindheit immer mehr hinter einem eisernen Panzer, um ihre Sensibilität vor Verletzungen zu schützen. Aufgewachsen mit der
Vorstellung absoluter Freiheit widersetzt sie sich den Gesellschaftsnormen und macht ihren Instinkt zu ihrem einzigen Gesetz. Sie fühlt sich den anderen Menschen gegenüber erhaben, die
sich permanent den Gesetzen und Prinzipien der Gesellschaft, die sie als langweilig und einengend empfindet, unterwerfen müssen, und sie zeigt dies auch deutlich durch ihre Arroganz. Ihre
Schönheit dient ihr als Waffe, um wichtige Männer unterwürfig zu machen, indem sie ihnen die erträumte Vorstellung vom erotischen Weib anbietet und vor allem, um alle Gedanken an das Jenseits
zu bannen. In diesem alltäglichen Spiel, das ihr erlaubt, sich groß zu fühlen, zieht sie auch Don José an, der alle traditionellen Werte verkörpert, die der Gesellschaft zugehörig sind:
Ehrlichkeit, Gesetzestreue, Mutterliebe und die zärtliche, verleugnete Liebe seiner Verlobten. Wie sie José erobert, indem sie ihn herumzerrt und erniedrigt, als ob es sich um eine feindliche
Kraft handele, diese Werte unterwerfend und zerstörend, fühlt sie sich gerechtfertigt und befreit. Letztendlich, dieses schmerzhaften Spieles müde, wünscht sie sich den Tod. Sie nähert sich
ihm, indem sie die Grenze des Spiels überschreitet und – in einem letzten Aufruhr der Treulosigkeit und des Stolzes, ‚Schlachte mich also oder lasse mich gehen´ – Don Josés Werte einem
verzweifelten Nihilismus ausliefert.“ Rafael Aguilar über CARMEN FLAMENCO
Die Handlung mit Zitaten aus der Carmen-Novelle von Prosper Mérimée
Prolog “Es war eine seltsame und wilde Schönheit, ein Gesicht, das anfangs erstaunte, das man aber nicht vergessen konnte.”
Carmen sagte: “Bah! das Paradies...die Leute hier sagen, dass es nicht für uns geschaffen ist.”
Carmen betritt die Szene mit der Vorahnung ihres baldigen Todes. In Schwarz gekleidete
Frauen nähern sich ihr, umkreisen sie und bilden einen Todeszirkel, während Carmen versucht, ihre Zigeunerherkunft unter ihrem Umhang zu verbergen. Die schwarzen Frauen entschleiern sich, und
der Platz beginnt sich mit Leben zu füllen.
I: Akt Erstes Bild: Der Platz Don José: “Es war ein Freitag und nie werde ich ihn vergessen....und sie nahm die
Akazienblüte, die sie im Mund hatte, und schnellte sie mir mit einer Daumenbewegung genau zwischen die Augen...”
Die Zigeuner singen und tanzen, als eine großbürgerliche Familie mit
einem höfisch anmutenden Tanzensemble von Flötenspiel begleitet, den Platz betritt. Carmen empört sich darüber so sehr, dass sie wütend der Dame den Fächer entreißt. Militär rückt an zum
Manöver und Carmen beginnt, mit den Soldaten zu flirten. Die Blüte, die sie verführerisch zwischen den Lippen hält, wirft sie provozierend als Zeichen ihrer Vorliebe nach Don José. In diesem
Moment läutet die Glocke, die die Zigarrendreherinnen zur Arbeit ruft.
Zweites Bild: Die Tabakfabrik Eine Gruppe Zigeuner improvisiert Gesänge und Tänze, während die
Zigarrendreherinnen die Tabakblätter auf ihren Oberschenkeln zusammenrollen. Manolita, eine der Arbeiterinnen, erinnert an ihre baldige Hochzeit mit einem reichen Herrn, der aus ihr eine Dame
machen wird. Sie träumt davon, mit ihm die Osterprozession zu besuchen und eine Mantilla zu tragen. Die Jungfrau Maria wird von zwei Büßern hereingetragen, und es ertönt eine Saeta (Lied bei
Prozessionen während der Karwoche, Anm. d. Red.).
Carmen, blind vor Wut und Eifersucht, erhebt sich, stürzt sich auf Manolita, zerreißt ihr die Kleider, zückt ein Messer und trifft sie
damit im Gesicht. Die Freundinnen Manolitas und die der Carmen bilden je eine Gruppe, die kämpferisch gegeneinander antreten. Das Eintreffen der Polizei, angeführt von Don José, beendet den
Kampf. Carmen kokettiert mit ihm und verleitet ihn so, ihr zur Flucht zu verhelfen. Wieder einmal war es gelungen, die den Zigeunern so verhasste Polizei auszutricksen.
Drittes Bild: Das Gefängnis Don José hinter Gittern: „Ich weiß nicht, ob dieses Mädchen je im Leben ein wahres Wort gesagt hat, aber wenn sie sprach, glaubte ich ihr. Ich war wehrlos
dagegen. (...) Und dann roch ich unwillkürlich an der Akazienblüte, die sie mir zugeworfen hatte und die vertrocknet immer noch ihren guten Duft bewahrte.”
Die alte Zigeunerin Dorotea, die Stimme der Kundigen, singt die Geschichte des aus Navarro stammenden Basken Don José. Don José sitzt im Gefängnis, weil er Carmen entkommen ließ. Wie seine
anderen Gefängnisgenossen gibt sich Don José in der Einsamkeit seinen Erinnerungen hin. Die Blume, die ihm Carmen auf dem Platz nachgeworfen hatte, hat er behalten. Er flüchtet sich in einen
erotischen Traum, in dem er sich die Liebesnächte, die er mit der schönen Zigeunerin verbracht hat, vergegenwärtigt.
Viertes Bild: Das Zimmer
Don José: „Man langweilte sich bei diesem Mädchen nicht, dafür stehe ich ein. Es wurde Abend, und als ich den Zapfenstreich trommeln hörte...” Am selben Tag, an dem Don José aus dem
Gefängnis entlassen wird, trifft er Carmen und die beiden gehen auf ihr Zimmer, wo sie Don José fast um den Verstand bringt. Fasziniert von den Verführungskünsten dieser Frau und der
erotischen Macht, die sie ausstrahlt, überhört er fast die Trompeten, die ihn in die Realität des Militärlebens zurückholen.
Fünftes Bild: Die Taverne Die Zigeuner flanieren
und singen mit Dorotea, während Carmen versucht, den Leutnant Zuñiga zu betören. Sie führt ihn zur Taverne und gebietet ihm, sich unter die Zuschauer zu mischen. Carmen lockt ihn mit einem
bestechenden Tanz, begleitet von der Verkörperung der männlichen Vorstellung weiblicher Erotik. Auf dem Höhepunkt der von ihr sinnlich aufgeheizten Stimmung wirft sie sich in die Arme Zuñigas.
II: Akt Sechstes Bild: Im Gebirge Die mit schwarzen Umhängen bekleideten Frauen erscheinen wieder, um Carmen an ihren baldigen Tod zu erinnern. Don José hat sich den
Schmugglern angeschlossen, um Carmen zu folgen. Plötzlich überrascht ihn die Nachricht, dass Carmens rechtmäßiger Ehemann aus dem Gefängnis entlassen ist und ihm die Freunde ein
Begrüßungsfest bereiten. Don José: „Wie? Ihren Mann? Sie ist also verheiratet? – „Ja, mit García, dem Einäugigen, einem Zigeuner, ebenso verschlagen wie sie selbst.“(...) „Ich liebe
Carmen und will der Einzige sein.” Mit Hilfe Don Josés, durch den sich die Zöllner leichter austricksen lassen, transportiert die Bande die geschmuggelte Ware. Carmen landet in den Armen
ihres Mannes García, dem Einäugigen, der bereits von seinen Freunden über die Beziehung seiner Frau zu dem ehemaligen Brigadier Don José unterrichtet worden war. García macht Carmen
klar, dass nur er der Herr im Hause ist und das Sagen hat. Don José wird García vorgestellt und als neues Bandenmitglied von den Schmugglern bestätigt. In angespannter Stimmung beginnen die
beiden Männer, miteinander Karten zu spielen. Währenddessen legt Carmen sich die Karten und liest aus ihnen ihre Zukunft, die weder ihre noch die Träume ihres Mannes am Ende in Erfüllung
gehen lässt. García spielt falsch, und es kommt zum Streit. Don José bringt ihn um. Carmen, noch immer unter dem Einfluss ihrer Visionen, aber fatalistisch wie alle ihrer Rasse, wirft ihren
Ehering auf García und flüchtet mit Don José.
Siebtes Bild: Die Stierkampfarena
Dorotea singt und das Publikum feiert Lucas, den Torero, den Carmen zu verführen versucht.
Achtes Bild: Der Stierkampf
Lucas bietet dem Stier meisterhaft die Stirn
und verlässt die Arena im Siegestaumel. Carmen wirft sich ihm in die Arme, und Dorotea warnt sie vor der Gefahr, von Don José entdeckt zu werden. Aber Carmen ist glücklich bei ihrem Torero
und hört nicht auf sie.
Neuntes Bild: Vor der Arena Carmen: „Ich liebe dich nicht mehr; aber du liebst mich noch, und deswegen willst du mich töten.” Rasend vor
Eifersucht und Carmen bedrohend stellt sich ihr Don José in den Weg. Vor ihren Augen erscheint ihr die Jungfrau, und sie erinnert sich der Karten, die ihr den Tod prophezeiten und des
Schicksals ihres Volkes, nie in das Paradies zu gelangen. Todgeweiht stürzt sie sich in das gezückte Messer Don Josés und stirbt.
[Quelle: Carmen, Novelle von Prosper Mérimée, Philipp Reclam, 1963, Stuttgart., Übersetzung von Wilhelm Geist; BB-Promotion]
Die Erfolgsgeschichte des Ballet Teatro Español beginnt 1960 in Paris. Hier gründen Rafael und Manuela Aguilar ihre Compagnie, bestehend aus sieben Künstlern, unter
ihnen Carmen Salinas, die seit 1999 als Direktorin und Verwalterin des choreografischen Erbes Rafael Aguilars wirkt. Die Compagnie besteht heute aus 35 exzellenten Tänzern, Musikern und
Sängern, die ausschließlich Choreografien ihres Gründers präsentieren. Und dies aus gutem Grund, die Aktualität und Modernität der Choreografien Rafael Aguilars sind unübertroffen. In
Szene gesetzt von diesem außergewöhnlichen Ensemble um herausragende Solisten, begeistern sie ihr Publikum auf der ganzen Welt. Alle Tänzer des Ballet Teatro Español haben eine fundierte
Ausbildung in klassischem und in spanischem Tanz sowie in Flamenco und kommen zum großen Teil aus dem Spanischen Nationalballett, um ihr tänzerisches und künstlerisches Talent beim Ballet
Teatro Español zu vervollkommnen. Die Musiker und Tänzer zählen in Spanien zu den Besten ihres Genres.
Unter der Leitung von Carmen Salinas feiert die Compagnie seit 1999 insbesondere mit den Choreografien Carmen Flamenco und Bolero Flamenco u.a. am Bolschoi Theater in Moskau, an
der Hamburgischen Staatsoper, am Teatro Olimpico in Rom und an der Semperoper in Dresden überwältigende Erfolge.
Das Repertoire des Ballet Teatro Español de Rafael Aguilar umfasst weitere, bedeutende Choreografien ihres Gründers: - El Rango, eine Inszenierung basierend auf Federico García Lorcas Drama `Bernarda Albas Haus´, uraufgeführt 1963, Neueinstudierung 2002.
- Danzas Nacionales de España, eine Kompilation verschiedener spanischer Tänze aus den Regionen von Navarra über Galicien bis hin zu Andalusien. - Retrato de Mujer, 1980 für Manuela Vargas und das Spanische Nationalballett kreiert nach Texten von Miguel Hernández und der Musik von Cristóbal Halffter.
- Amor y Eternidad, uraufgeführt 1983 auf dem „Festival de Verano“ in Venedig nach einem Text von Miguel de Unamuno (“Sentimiento trágico de la vida“) und der Musik von Maurice
Ohana. - Macama Jonda, Gemeinschaftsproduktion von Rafael Aguilar und José Heredia Maya. - Llanto, basierend auf dem Gedicht „Sonido de la guerra“ von Vicente Aleixandre und der Musik „Derechos humanos por la paz“ von Luis de Pablo.
- Mata Hari, Choreografie zur musikalischen Komödie von Adolf Marsillach mit Concha Velasco. - Diquela de la Alhambra, uraufgeführt 1986, ausgezeichnet als bestes Werk des Festivals von Venedig. Rafael Aguilar erhielt zudem die Auszeichnung für die beste Choreografie.
- La Vida Breve, uraufgeführt am Teatro de Fenice in Venedig 1987 nach Musik von Manuel de Falla. - Suite Flamenca, Anthologie des Flamenco, uraufgeführt 1987, Neueinstudierung 2000.
- Bolero, ausgezeichnet mit dem Preis für die beste Choreografie des Jahres 1987 auf dem „Festival della Versiliana“, Musik von Maurice Ravel. Neueinstudierung 2000. - Yerma, nach dem gleichnamigen Drama von Federico García Lorca, uraufgeführt 1988, Neueinstudierung und Adaption für das Programm Granada 2005.
- Matador, musikalische Komödie, uraufgeführt 1989 in Chicago, ausgezeichnet mit dem Jefferson Award für die beste Choreografie. Rafael Aguilar erhielt für Matador im Jahr
1991 zudem den Laurence Olivier Award. - Carmen Flamenco, uraufgeführt in Tokio 1992, Neueinstudierung 1999. - Zambra, Inszenierung von Francisco Guerrero nach einer Idee von Rafael Aguilar, Uraufführung 2005 im Rahmen des Programms Granada.
Rafael Aguilar Rafael Aguilar war einer der innovativsten Schöpfer und Wegbereiter des modernen spanischen Tanztheaters.
Er verstand es meisterhaft, Elemente des klassischen Balletts, des zeitgenössischen Tanzes und des Flamencos in den klassischen spanischen Tanz einfließen zu lassen. Überzeugt von der
dramatischen Ausdruckskraft und Emotionalität des Flamencos, verband er erstmals die Sprache der Bulerías, der Alegrías und der Siguiriyas mit der expressiven Grammatik erzählender
Tanztheater. „Durch meine Choreografien will ich dem Vokabular des Flamencos eine neue, zeitgenössische Lesart geben, in dem ich das dramatische Potenzial dieser Kunst für die
Entwicklung theatraler Themen nutze. Ich möchte den Flamenco nicht ändern, sondern bereichern unter Wahrung seiner Charakteristik, so wie ich die Nacktheit als das Schönste betrachte und
davon überzeugt bin, dass das Werk Gottes nie von Menschen übertroffen werden kann.“ Rafael Aguilar
Rafael Aguilar widmete sich viele Jahre dem Studium der Kultur der Zigeuner, den
Ursprüngen des Flamencos sowie seiner arabischen, jüdischen und hinduistischen Einflüsse. Seine Inszenierungen gehen weit über eine einfache Darstellung und Umsetzung des Flamencos in
theatrale Bilder hinaus: sie erklären die traditionellen, ethnischen Komponenten dieser unendlich kraftvollen und schönen Kunst und Kultur. Aguilars künstlerische Vielseitigkeit, seine
Toleranz, sein tiefes Verständnis und sein Respekt für kulturelle Besonderheiten sowie sein einzigartiges Vermögen, Gegensätze miteinander zu verbinden, spiegeln sich in all seinen Werken
meisterhaft wieder. Der Choreograf, Leiter und Gründer der Compagnie Ballet Teatro Español absolvierte ein klassisches Tanzstudium am Sadler’s Wells Ballet in London, dem bedeutenden
heutigen Royal Ballet, an das er nach seiner Ausbildung auch verpflichtet war. Im Anschluss arbeitete er mit George Balanchine, Leonide Massine und John Taras zusammen. In Italien feierte
er als Startänzer am San Carlo von Neapel und an der Seite von Mariemma an der Mailänder Scala überwältigende Erfolge. Nach seiner Rückkehr nach Madrid verschrieb er sich wieder der
spanischen Tanzkunst, insbesondere dem Flamenco. Dessen Wurzeln faszinierten ihn, und er bewunderte den Stil von Antonio Gades. Von den Möglichkeiten des Flamencos einerseits und den modernen
choreografischen Entwicklungen andererseits inspiriert, gründete Rafael Aguilar 1960 seine eigene Compagnie unter dem Namen `Manolita y Rafael Aguilar´, die im Jahr 1986 zum `Ballet Teatro
Español de Rafael Aguilar´ wurde. Seit der Gründung verpflichtete Rafael Aguilar Künstler verschiedenster kultureller Provenienz an seine Compagnie, womit er sich die Möglichkeit schuf, in
seinen Werken die Vielfalt der spanischen Kultur virtuos zu inszenieren. Dem Flamenco verdanken seine Schöpfungen die einzigartige Kraft und die Sinnlichkeit, die sie bis heute auszeichnen.
Der große internationale Durchbruch als Choreograf gelang Rafael Aguilar mit der Präsentation seiner Choreografie El Rango in Paris, wo die französische Presse die Eleganz und
technische Vielseitigkeit des Ensembles feierte. El Rango basiert auf Federico García Lorcas Erzählung `Bernarda Albas Haus´ und gilt als erstes Flamenco-Tanztheater weltweit. Alleine
in Paris hatte das Stück eine Laufzeit von 10 Wochen; es schlossen sich ausgedehnte Tourneen durch ganz Europa an sowie umjubelte Auftritte auf den Internationalen Festivals von Hong Kong und
Istanbul. 1979 erbat Antonio Gades das Recht, El Rango mit dem Spanischen Nationalballett und 1980 mit seiner eigenen Compagnie einzustudieren. Seit 1981 gehört die Choreografie
zum Repertoire des Spanischen Nationalballetts. Zu Rafael Aguilars umfangreichem Schaffen gehören Werke wie das arabisch-andalusische Stück Macama Jonda, das Werk Amor y Eternidad,
zu dem ihn die philosophische Schrift „Del sentimiento trágico de la vida” (dt. „Das tragische Lebensgefühl”) des spanischen Schriftstellers Miguel de Unamuno anregte, Llanto mit
Texten von Vicente Aleixandre und der Musik von Luis de Pablo. Er realisierte das Ballett Retrato de Mujer mit Manuela Vargas für das Spanische Nationalballett mit Kompositionen von Cristóbal Halffter sowie die Choreografie zu Mata Hari, einer musikalische Komödie von Adolfo Marsillach und Antón García Abril.
1986 brachte er Diquela de la Alhambra zur Uraufführung, ein Auftragswerk für das renommierte `Festival de Venecia´. 1987 kreierte Rafael Aguilar für das `Festival della
Versiliana´ den Bolero als eine Hommage an den berühmten Komponisten Maurice Ravel. Das Werk wurde ausgezeichnet als die beste Choreografie des Jahres, die allein in Italien über
250mal aufgeführt wurde. 1988 schuf er das abendfüllende Ballett Yerma nach der gleichnamigen tragischen Dichtung Federico García Lorcas, das auf dem `Festival de Otoño´ in Madrid
aufgeführt und einstimmig von der Presse als das bis dahin innovativste Flamenco-Theater bejubelt wurde. Im selben Jahr noch wirkte er an der Verwirklichung der Megaproduktion der Oper Carmen in Paris-Bercy an der Seite von Maestro Pier Luigi Pizzi mit.
In Chicago entwarf er die Tanzszenen für das Musical Matador, wofür er in Chicago mit einem der begehrten Jefferson Awards für die beste Choreografie des Jahres ausgezeichnet
wurde. Im Frühjahr und Herbst 1990 begleitete er seine Compagnie mit Bolero auf ausgedehnten Tourneen durch Frankreich und Italien und präsentierte das Stück ebenfalls im Centro
Cultural de la Villa in Madrid. Auf dem VI. Internationalen Tanzfestival von Cannes 1990 zeichnete Rafael Aguilar für die Neuinszenierung des Dramas Yerma verantwortlich, welches
ein durchschlagender Erfolg und von der Presse als `Meisterwerk´ tituliert wurde. Mit dieser Produktion ging er in Frankreich auf Tournee und bestritt Gastspiele am Teatro Smeraldo in
Mailand, bei den Bregenzer Festspielen in Österreich, sowie in London. Für seine Choreografie des Stückes Matador wurde Rafael Aguilar 1991 mit dem Laurence Olivier Award als bester
Choreograf des Jahres gekürt. 1992 präsentierte er in Tokio seine Interpretation des berühmten Carmen-Stoffes, das abendfüllende Tanzspektakel Carmen Flamenco, mit dem er später auch
das Publikum in Paris und in anderen europäischen Ländern begeisterte. 1995, während eines Gastspiels von Bolero in Madrid, verstarb Rafael Aguilar nach schwerer Krankheit und hinterließ ein künstlerisches Erbe von erlesener Sensibilität.
Manuela Aguilar Als Primaballerina in der Compagnie von Vicente Escudero bereiste Manuela Aguilar ganz Europa,
bevor sie 1960 zusammen mit ihrem Mann die Truppe “Manolita y Rafael” gründete, die später in das heutige Ballet Teatro Español umbenannt wurde. Von Anbeginn an hat das Ehepaar eng
zusammengearbeitet. Manuela Aguilar war nicht nur als Assistentin und Ballettmeisterin ihrer Compagnie an fast allen großen Choreografien ihres Mannes beteiligt, sondern zeichnete zumeist
auch für die Ausstattung und Kostüme verantwortlich. Seitdem bestritten die Beiden gemeinsam mit ihrer Compagnie Tourneen in aller Welt. Im Juni 1963 kreierte Manuela Aguilar die Figur der
Mutter in dem choreografischen Werk El Rango, choreografiert nach der dramatischen Vorlage „Bernarda Albas Haus“ von Federico García Lorca. Diese Interpretation überließ sie 1982
Antonio Gades für sein Gastspiel in Paris. 1986 schuf sie die Rolle der „La Petenera“ für das Ballett Diquela de la Alhambra sowie 1988 die Charakterisierung der „La Luna“ in Yerma.
Manuela Aguilar war die engste Mitarbeiterin von Rafael Aguilar, die nach seinem Tod das künstlerische Erbe ihres Mannes antrat und die künstlerische Leitung des Ballet Teatro Español
übernahm. Sie starb am 6. Dezember 1998.
Carmen Salinas Carmen Salinas wurde in Pamplona geboren. Während
ihres Studiums in Paris begegnete sie Antonio und Carmen Amaya und erkannte, dass sie ihr Leben fortan dem Tanz widmen wollte. Sie ging nach Madrid und lernte hier Manuela und Rafael Aguilar
kennen, mit denen sie fortan eine lebenslange Freundschaft pflegte. Als Rafael Aguilar 1961 seine erste eigene Compagnie gründete, verpflichtete er Carmen Salinas als Tänzerin. In den
Folgejahren war sie als seine künstlerische Assistentin tätig und mitverantwortlich für viele seiner großen Choreografien. Sie arbeitete mit allen bedeutenden Künstlern der spanischen
Tanzkunst zusammen, u.a. mit Antonio Gades und Antonio Canales. Für Jacinta, die Tochter der Aguilars, übernahm sie aus ihrer tiefen Verbundenheit zu der Familie heraus die Patenschaft.
Carmen Salinas erfüllt das Vermächtnis der Aguilars und verwaltet für Jacinta das künstlerische Erbe.
Sie führt die Compagnie mit neuem Glanz von Erfolg zu Erfolg. Seit 1999 geht das Ballet Teatro Español de Rafael Aguilar unter ihrer Leitung wieder auf Gastspiele in ganz Europa.
Francisco Guerrero Francisco Guerrero wurde in Maracena, Granada geboren. Bereits im Alter von 10 Jahren begann er mit
Tanzunterricht an der Flamencoschule von Mariquilla, an der er schon nach wenigen Monaten mit dem Flamenco-Ensemble Raíces, das ausschließlich aus jungen Talenten besteht, öffentlich auftrat.
Mit 12 Jahren wechselte er auf die berühmte Schule Maite Galán. Hier führte er seine Studien in klassischem, spanischem und zeitgenössischem Tanz sowie Folklore und Flamenco fort und
entdeckte seine Affinität zur Choreografie. Nach weiteren drei Jahren gab er sein professionelles Debüt als Solist und wenig später als Erster Tänzer der Compañía Maite Galán. Als
Achtzehnjähriger verwirklichte er seine erste eigene Choreografie für Maite Galán. Folgerichtig begann Francisco Guerrero seine akademische Ausbildung an der Fakultät der Schönen Künste der
Universität Alonso Cano in Granada und ergänzte diese choreografische Ausbildung durch ein Studium an der Königlichen Hochschule für Tanz und Darstellende Künste, wo er seinen Abschluss in
spanischem Tanz mit Auszeichnung machte. Mit 22 Jahren übersiedelte er nach Madrid, und hier begann eine äußerst fruchtbare Zusammenarbeit mit Paco Romero, Javier de la Torre und Antonio
Canales. Bühnenerfahrung sammelte Francisco Guerrero in der Compañía de Antonio Márquez mit dem Stück Sombrero de 3 picos sowie mit Carmen Cortés in Salomé, bis er als Solist
neben Sara Baras an zahlreichen renommierten Häusern auftrat. 1999 begann seine Zusammenarbeit mit dem Ballet Teatro Español de Rafael Aguilar, zunächst als Ensemblemitglied, und seit 2001
als Solist in der Rolle des Don José in Carmen Flamenco. Mit dem Gastspiel der Compagnie am Bolschoi Theater in Moskau im Januar 2002 übernahm er als künstlerischer Koordinator an
der Seite von Carmen Salinas Mitverantwortung für die Verpflichtung neuer Künstler an das Ballett und für die Inszenierung der Wiederaufnahme verschiedener Choreografien Rafael Aguilars. Dem
Tanz gilt aber nach wie vor seine Leidenschaft. In der Choreografie Suite Flamenca von Rafael Aguilar tanzt er eine Farruca, in der er seinen ganz eigenen, herausragenden Stil beweist,
und mit der er allerorten überwältigenden Applaus erntet. Sein choreografisches Talent stellte er 2005 mit der Inszenierung von Zambra nach einer Idee von Rafael Aguilar eindrucksvoll unter Beweis.
Michael Brenner Produzent und Impresario Der Produzent und Impresario Michael Brenner hatte
bereits in den achtziger Jahren Musicals, Ballettaufführungen und Konzerte veranstaltet, bevor er 1987 mit der Gründung von BB Promotion – The Art of Entertainment den Grundstein der BB Group
legte, zu der heute zahlreiche, vorwiegend im Live-Entertainment tätige Unternehmen gehören. Neben der Verpflichtung internationaler Weltstars (Shirley MacLaine, Diana Ross, Marcel Marceau) gewann die BB Group in den folgenden Jahren durch die Präsentation bedeutender Tanz-Ensembles, darunter Alvin Ailey American Dance Theater, Hubbard Street Dance Chicago und Ballet Nacional de España, die Tanz-Revue Fosse und Matthew Bourne’s Swan Lake, ein unverwechselbares Profil als innovativer Produzent von hochklassigem Tanztheater. Weiterhin brachte die BB Group in großer Zahl Originalproduktionen von Musicals sowie Musik- und Bühnenshows auf die europäischen und außereuropäischen Bühnen.
Eigene und Co-Produktionen von Klassikern wie West Side Story, The Original Broadway Swing!, Rent, The Harlem Gospel Singers und dem ersten Tangomusical Tanguera gehören ebenso zur Kernkompetenz der BB Group wie die Realisierung großer Tourneen von außergewöhnlichen Live-Shows, darunter STOMP!, Yamato – The Drummers of Japan, Tap Dogs und viele andere einzigartige Produktionen. Als Produzent realisierte Michael Brenner die erfolgreichen Sit-down Produktionen von Grease, Saturday Night Fever und aktuell dem Queen-Musical We Will Rock You, das zunächst in Köln eröffnete und nach Zürich nun auch erfolgreich in Wien
spielt. Mit über 90 Mitarbeitern ist die BB Group heute eine der größten und bedeutendsten Agenturen für gehobenes Live-Entertainment.
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