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Operette: Das Land des Lächelns

Das Land des Lächelns

Operette von:
Franz Lehr
Text: Ludwig Herzer und Fritz Löhner-Beda nach einer Vorlage von Victor Léon.

Uraufführung: 9. Februar 1923 (Wien)
 

Zur Inszenierung der Komischen Oper Berlin:

»Fremd ist der Fremde nur in der Fremde« Karl Valentin

Premiere:
1. Juli 07
weitere Vorstellungen der Spielzeit 2006/07: 6./10./14./18. Juli 2007
Vorstellungen der Spielzeit 2007/08: 5./11./13./30. Juni 2008, 7./17./20. Juli 2008
Einführungsmatinee: 17. Juni 2007, 12:00 Uhr
Der Fernsehsender 3sat wird die Premiere am 1. Juli 2007 ab 20:15 Uhr senden.


Musikalische Leitung: Kirill Petrenko
Inszenierung: Peter Konwitschny
Bühnenbild: Jörg Koßdorff
Kostüme: Michaela Mayer-Michnay
Choreographie: Enno Markwart
Regiemitarbeit und Dramaturgie: Bettina Bartz
Dramaturgie: Ingo Gerlach
Chöre: Robert Heimann
Lichtdesign: Franck Evin

Besetzung:

Graf Ferdinand Lichtenfels:
Hans-Martin Nau
Lisa:
Tatjana Gazdik / Bettina Jensen
Graf Gustav von Pottenstein: Thomas Ebenstein /
Tom Erik Lie
Prinz Sou-Chong: Thomas Piffka / Stefan Rügamer
Mi: Miriam Meyer / Karen Rettinghaus
Tschang: Jens Larsen
Obereunuch: Peter Renz
Excellenz Hardegg: Barbara Sternberger
Die Chorsolisten und das Orchester der Komischen Oper Berlin.
Tänzerinnen: Luise Helbig, Djamila Wendisch, Angelika Wenzel, Miriam Wolff.

Premierenbesetzung jeweils
rot.

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Peter Konwitschny
Komische Oper Berlin
Foto: Hanns Joosten

Als »Land des Lächelns« preisen Reiseveranstalter nicht nur China, sondern wahlweise auch Thailand oder Japan. Ganz Asien scheint nur dazu da zu sein, uns von immer freundlichen, immer dienstbereiten exotischen Gastgebern träumen zu lassen. Eine Parabel über den Zusammenhang zwischen eigenem Dilemma und exotischer Sehnsucht? Das »Immer nur Lächeln« dieser Chinoiserie aus der silbernen, das heißt späten Periode der klassischen Wiener Operette spiegelt natürlich das Lebensgefühl der Autoren und ihres Publikums in der Zeit zwischen Europas beiden größten Kriegen wider.
Dass der Flirt nicht nur auf den Praterwiesen Hochkonjunktur hat, sondern auch bei den Chinesen längst bekannt ist, ist für die Damen der gehobenen Wiener Gesellschaft eine kleine Sensation. Eine von ihnen, Lisa Lichtenfels, findet den Prinzen Sou-Chong dann auch gleich so was von apart, dass sie ihm ins Land des Lächelns folgt, um seine Frau zu werden. Und auch Gustav von Pottenstein kann sich dem exotischen Charme von Sou-Chongs Schwester Mi nicht entziehen. Statt, wie eigentlich geplant, die angebetete Lisa aus China heimzuholen, verzweifelt er auf ganz eigene Weise am Clash der Kulturen: »O du geliebtes, süßes, kleines, zartes Chinagirl, mir bricht meines armes Herz! Warum bist du kein Wiener Girl?« Das Land des Lächelns arbeitet mit Klischees und Stereotypen. Es ist keine Analyse, sondern wirkt assoziativ, denn es ist eine Operette. Als solche offenbart es ungeahnte Stärken. Wenn Peter Konwitschny mit seinem an der Komischen Oper Berlin schon bekannten Team zum ersten Mal an einem Berliner Opernhaus eine Operette inszeniert, darf man Neues ebenso wie Vertrautes erwarten. Er hat den Choreographen Enno Markwart hinzugezogen, nicht nur weil Operette diese Art Schauwert verlangt, sondern auch um auf witzige, surreale und traumhafte Weise dem »Land des Lächelns« hinter die Fassade zu schauen.
Nach der aufsehenerregenden Deutung von Don Giovanni und dem einhelligen Erfolg von Così fan tutte widmen sich Kirill Petrenko und Peter Konwitschny in ihrer dritten gemeinsamen Arbeit nun einem Werk der sogenannten »leichten Muse«, die, wie spätestens Peter Konwitschnys Dresdener Csárdásfürstin gezeigt hat, sich ernstzunehmen lohnt. Kirill Petrenko erfüllt sich darüber hinaus mit seiner letzten Premiere als Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin einen langgehegten Wunsch: Das Land des Lächelns zählt zu seinen Lieblingsstücken. Und das Thema der Operette, Fremde, korrespondiert in idealer Weise mit dem Thema der Konzertsaison »Leben heißt die Heimat suchen«. Dass Das Land des Lächelns in der Neuproduktion der Komischen Oper Berlin ohne Striche – und also auch mit der äußerst selten gespielten Ballettmusik – aufgeführt wird, hängt wiederum nicht nur mit der Liebe Kirill Petrenkos zur Musik Lehárs zusammen. Diese Nummern sind auch für die Konzeption Peter Konwitschnys unerlässlich, die beweisen will, dass es sich bei dieser Operette um mehr handelt als bloßes Unterhaltungstheater.


Inszenierungsansatz
Karl Kraus machte sich im Oktober 1929 schon vor der Wiener Premiere über den zu erwartenden Publikumserfolg vom Land des Lächelns lustig: »Mit dem Land ist aber nicht Österreich gemeint, sondern China. Es ist so groß und wehrlos wie Goethe. Aber es hat schließlich eine noch ältere Kultur als Österreich und da das Notizengeschmeiß schon jetzt den chinesischen Prinzen mit einem japanischen verwechselt (wie die Juden auch gern Norwegen statt ›Schweden‹ sagen), so fällt mir ein, dass ein in diesen Belangen versierter Japaner einmal auf meine Frage, was denn seine Landsleute über Mitteleuropa denken, die Antwort hatte: ›Mer lacht‹. Was hätte ein Chinese geantwortet?« Die Antwort gab prompt Richard Tauber als Sou-Chong: »Immer nur lächeln!« Musik- und Theaterwissenschaftler wie Stefan Frey und Volker Klotz haben klar zu Tage gefördert, dass die Wiener Autoren ihre eigenen Probleme einem Chinesen in den Mund legen. Es ist eine oberflächliche Sicht auf China, nicht frei von rassistischen Zügen, die damals in Europa allgemeines Gedankengut war. Wie gehen wir heute damit um?
»Immer nur lächeln und immer vergnügt. Doch wie’s da drin aussieht, geht niemand was an.« – Fassaden schmücken und verdecken. Wie die Pagodenzitate der Chinarestaurants den Nachkriegsbauten deutscher Innenstädte exotischen Glanz verleihen, überdeckt die Operette die gesellschaftlichen Ängste und Traumata der Zeit mit dem Schmelz ihrer Melodie und dem Schmalz ihrer Texte. Das oft beschworene Ende der multikulturellen Utopie verleiht einer der erfolgreichsten Operetten des 20. Jahrhunderts im 21. Jahrhundert erneut gesellschaftliche Aktualität. Die Luftschlösser der Liebe und deren Zusammenbruch – nicht nur in der Fremde – sind Thema des Werkes, dessen Uraufführung 1929 im Haus an der Behrenstraße gefeiert wurde, das damals noch Metropol-Theater hieß. Gemeinsam werden Peter Konwitschny und Kirill Petrenko im Land des Lächelns hinter die Fassaden schauen.
Der 1. Akt spielt in Wien zur Blüte der k.u.k.-Monarchie. Wir sehen einen Ballsaal, Uniformen und Ballkleider, Lüster und Spiegel sowie operettengemäß verkleinerte Wahrzeichen der Stadt: die Operette thematisiert sich wieder einmal selbst. Zunächst werden die Figuren etabliert. Lisa wird vom Chor angehimmelt und macht öffentlich bekannt, dass sie jemand »Apartes« zum Verlieben sucht.
Den standesgemäßen Heiratsantrag ihres Freundes Gustl lehnt sie daher ab: »Freunderl, mach dir nichts draus« – schon dieses erste Duett zeigt, dass nicht nur in China Probleme verdrängt und tödliche Trauer mit Lächeln übertüncht werden. Bereits hier offenbart sich, woran dieses Walzer-Wien krankt: an der Unfähigkeit zu trauern. Doch dann geschieht das Unerwartete: Durch eine Drehung der Scheibe wird aus diesem Wien im 2. Akt China – das eine ist immer als Kehrseite des anderen anwesend.
Der Berliner Musikwissenschaftler Gerd Rienäcker schreibt: »In Lehárs Musikalisierungen sind schmeichelnde – oft melancholisierende – Einladungen und martialische Gewalt dicht beieinander: Inwieweit macht sich der Militärkapellmeister darin geltend? Allerdings geht Lehárs Melancholie nicht im schmeichelnd Einladenden auf!«
Der Versuch des liebenden Paares, kulturelle Schranken zu überwinden, nur noch Liebende zu sein und nicht mehr Chinese und Wienerin, endet folgerichtig tragisch. Sie haben beide keine Chance, weil sie aus verschiedenen Welten kommen, aber sie versuchen es. Lehár komponiert eine Art Leitmotiv: finstere Akkorde, die die Schwierigkeiten immer wieder präsent machen. Diese Musik bedeutet Gefahr. Es ist charakteristisch für die Haltung des kommerziellen Musikmarktes, dass diese Stellen auf manchen Aufnahmen einfach weggelassen werden. Da aber auch die unangenehmen Töne eine dramaturgische Funktion haben, muss man sich mit ihnen auseinandersetzen.
Während Sou-Chong und Lisa an den Dogmen der Gesellschaft scheitern, wagt das Buffo-Paar noch einmal den Ausflug in den Traum: »Als Gott die Welt erschuf, war’n alle Menschen gleich, alle Blumen blühten dort für uns sowie für euch und es gab nicht weiß und gelb und schwarz und arm und reich.«
Aus der ironischen Liebesszene zwischen Mi und Gustl, bei der Mi Vorurteile gegenüber österreichischen Offizieren wiederholt und er Mühe hat, sie von seiner lauteren Absicht zu überzeugen, entwickelt sich eine Utopie:
»Meine Liebe, deine Liebe,
die sind beide gleich.
Jeder Mensch hat nur ein Herz
und nur ein Himmelreich.
Meine Liebe, deine Liebe
hat denselben Sinn:
Ich liebe dich,
und du liebst mich,
und da liegt alles drin.«

Handlung:
1. Akt
Ein Palais in Wien: Die temperamentvolle junge Witwe Lisa lehnt den Heiratsantrag ihren Freundes Gustl dankend ab. Sie hat etwas viel Aparteres im Sinn, etwas exotisch Fremdes: den chinesischen Gesandten. Der ist Prinz und heißt Sou-Chong. Aber er hat nicht vor, ihr zu zeigen, dass er ebenfalls in sie verliebt ist. Denn Chinesen dürfen »immer nur lächeln«, und »wie’s da drin aussieht, geht niemand was an«. Doch als er in seine Heimat zurückgerufen wird, um Ministerpräsident zu werden, muss er sich eingestehen, wie ungern er Lisa zurücklässt. Sie verspricht, bis ans Ende der Welt mit ihm zu gehen. Beide lassen sich auf das Abenteuer dieser Ehe ein, obwohl Lisas Vater warnt: »Ihr beide entstammt verschiedenen Welten.«

2. Akt
Ein Palast in Peking: Kaum ist das junge Paar in China angekommen, fällt der Traum von Zweisamkeit auch schon in sich zusammen. Sou-Chong ist als Staatspolitiker Zwängen ausgesetzt, die Lisa weder versteht noch akzeptieren will. Sein dogmatischer Onkel Tschang erkennt Lisa nicht als Ehefrau an. Die Tradition verlangt, dass Sou-Chong vier chinesische Frauen heiratet. Gustl, der Lisa nachgereist ist, verliebt sich in Sou-Chongs Schwester Mi. Für einen kurzen Moment scheint es, als wären die beiden fähig, die kulturellen Schranken durch Liebe zu überwinden.
Gegen die Machtverhältnisse in seinem Land kann sich der Prinz Sou-Chong nicht durchsetzen. Er ist in seiner eigenen Welt ein Fremder geworden. Fremd stehen sich nun auch Mann und Frau gegenüber. Lisa erlebt einen Alptraum. Ihr Mann lässt sie die Brutalität der Welt spüren. »Du bist hier nichts als eine Sache. In China kann der Mann die Frau selbst köpfen lassen.«

3. Akt
Für Lisa hat China allen Reiz verloren. Sie sehnt sich nach der verlorenen Heimat, jetzt erscheint ihr Wien als verlorenes Paradies. Gustl soll Lisa zur Flucht in die Heimat verhelfen. Sou-Chong vereitelt den Plan. Aber auch er hat begriffen, dass ein Zusammenleben nicht mehr möglich ist. »Wir beide entstammen verschiedenen Welten.« Er kann Lisa nicht halten, also tötet er die Liebe seines Herzens. Der weinenden Mi wiederholt er: »Wie’s da drin aussieht, geht niemand was an.«

Entstehung:
Franz Lehárs Das Land des Lächelns, das mit »Dein ist mein ganzes Herz« einen der bekanntesten Operettenschlager überhaupt enthält, ist eigentlich das Remake eines mit 99 Aufführungen mäßig erfolgreichen Werkes von Lehár: der Gelben Jacke, die 1923 im Theater an der Wien uraufgeführt wurde. Der Librettist Viktor Léon hatte die Idee zu dem Stoff bereits 1916 ins Auge gefasst – als Inspiration diente ihm wohl ein junger Attaché der chinesischen Botschaft, der sowohl Léons Gattin als auch seiner Tochter Lizzy den Hof gemacht hatte. Ob diese Anekdote stimmt oder doch jene, nach der Léon in einer Zeitung gelesen habe, dass der erste Attaché der chinesischen Botschaft in Wien, Herr Hsüeh Chi Tschong, sich mit einem Fräulein Zenoth aus Berlin-Charlottenburg vermählt habe, sei dahingestellt: In beiden Fällen regte eine gleichermaßen exotisch wie erotisch pikante Geschichte die Phantasie des Autoren an. Viktor Léon, der mit Franz Lehár bereits bei der Lustigen Witwe zusammengearbeitet hatte, konnte den Komponisten von dem Sujet überzeugen, so dass dieser 1918 mit der Arbeit an der Gelben Jacke begann.
Doch erst mit der Bearbeitung zum Land des Lächelns wurde der Stoff ein Welterfolg. Mehrere entscheidende Entwicklungen hatten sich in Lehárs künstlerischer Biografie bis dahin ergeben. Zum einen hatte er seinen Schwerpunkt von Wien nach Berlin verlegt – seit dem großen Erfolg der Berliner Aufführung des Paganini wurden die Uraufführungen Lehárs an der Spree gefeiert. Des weiteren hatte sich Lehár innerhalb der Gattung »Operette« immer stärker in Richtung Oper orientiert – Stefan Frey spricht von den Werken dieser Phase als »Lyrischen Operetten«, die sich im Vergleich zur Salonoperette der früheren Jahre vornehmlich durch die Verweigerung eines glücklichen Ausgangs auszeichnen. (Lehár selbst hatte diesbezüglich 1929 im Neuen Wiener Journal geschrieben: »Die Verfassung des Publikums in unserer Zeit ermöglicht auch der Operette, sich von der Lüge des Happy-Ends abzuwenden. Die dichterische Unterlage darf einen angeschlagenen Konflikt in seiner Wahrhaftigkeit ausklingen lassen – der Komponist darf von der Operette zur Oper aufsteigen und braucht vor dem komplizierten musikalischen Ausdruck nicht zurückzuschrecken. «) Und schließlich war es die Zusammenarbeit mit dem Startenor Richard Tauber, der den Titelhelden der Deutschen Erstaufführung des Paganini in Berlin gesungen hatte, die so gravierende Folgen für die gesamte Dramaturgie der späteren Werke Lehárs hatte, dass man von den Werken ab 1926 auch von »Tauber-Operetten« sprechen könnte. An den Änderungen von der Gelben Jacke zum Land des Lächelns werden diese Punkte besonders deutlich: Die Erstfassung des Stoffes endet mit einem Wiedersehen der beiden Paare in Wien. Sou-Chong gibt nicht die Liebe auf, sondern die Macht. Am Ende vom Land des Lächelns steht hingegen die melancholische Entsagung – auch bei dem Buffo-Paar Mi und Gustl, der in der Gelben Jacke noch Claudius hieß. Die zentrale Nummer der Zweitfassung wiederum, »Dein ist mein ganzes Herz«, kam in der Gelben Jacke zwar schon vor, war aber noch anders positioniert. Im Land des Lächelns wurde es an eine prominente Stelle im 2. Akt gestellt und zudem musikalisch stärker verwoben, textlich leicht verändert und so zu dem »Tauber-Lied« der Operette. Gänzlich neu komponiert wurden lediglich zwei Nummern: Das Duett von Lisa und Sou-Chong »Wer hat die Liebe uns ins Herz gesenkt« und Lisas »Märchen vom Glück«. Die wichtigsten Mitarbeiter Lehárs bei der Neufassung waren zweifellos die beiden Librettisten Ludwig Herzer und Fritz Löhner, mit denen Lehár bereits an Friederike zusammengearbeitet hatte. Während der Arbeit an der Goethe-Operette, die 1928 im Berliner Metropol-Theater uraufgeführt wurde, hatten die Theaterunternehmer Alfred und Fritz Rotter mit Lehár eine weitere Uraufführung vereinbart, für die ein älteres Werk der neuen Dramaturgie entsprechend umgearbeitet werden sollte.
Den großen Erfolg vom Land des Lächelns konnte langfristig allerdings lediglich einer der vier Autoren für sich verbuchen: Franz Lehár. Zu Ehren seines 70. Geburtstags wurde im April 1940 Das Land des Lächelns in der Wiener Staatsoper gespielt – unter den Anwesenden war auch Adolf Hitler, der einem seiner Lieblingskomponisten gratulieren wollte. Die Namen der drei jüdischen Librettisten wurden dabei allerdings nicht genannt. Viktor Léon starb 1940, zwei Jahre nach dem »Anschluss« Österreichs an Nazideutschland, in einem Wiener Versteck; Ludwig Herzer gelang die Flucht nach Frankreich und Fritz Löhner wurde 1942 im KZ Auschwitz-Monowitz ermordet – offizielle Todesursache: Altersschwäche. Texte: Bettina Bartz und Ingo Gerlach, Dramaturgen © Komische Oper Berlin

Karten: Kartentelefon Komische Oper Berlin 030.47 99 74 00 (Montag bis Samstag 9:00 bis 20:00 Uhr, Sonntag 14:00 bis 20:00 Uhr), Preise: (8,00) 11,00 bis 62,00 €
karten@komische-oper-berlin.de , www.komische-oper-berlin.de

Die Schlossfestspiele Langenlois präsentierten “Das Land des Lächelns”:

Premiere:
21. Juli 2006
Weitere Vorstellungen: 22., 23., 28. und 29. Juli, 4., 5., 11., 12. und 13. August 2006
Benefiz-Kindervorstellung zugunsten der Aktion “Licht ins Dunkel”: 6. August

Beginn: jeweils 20.30 Uhr, außer 6. August und 13. August um 20 Uhr, Winzerdorf mit kulinarischen Besonderheiten und besten Weinen im Schlosspark ab 18 Uhr geöffnet.


Regie: Werner Pichler.
Technische Leitung: Axel Rot
Produktionsleitung: Ferdinand Buchinger


Besetzung:
Lisa:
Elisabeth Flechl
Gustav, Graf Pottenstein: Erwin Belakowitsch
Prinz Sou-Chong: Mineo Nagata
Prinzessin Mi: Yuko Mitani
Fürst Tschang: Seto Gen
Fu Li: Josef Forstner
Marie Therese, Baroness Hardegg: Sigrid Martikke

Das Wiener Opernball Orchester unter der Leitung von Intendant Prof. Uwe Theimer.

Operette von Franz Lehár (Musik) und Victor Léon, Ludwig Herzer und Fritz Beda-Löhner (Text)
mit den Liedern “Dein ist mein ganzes Herz” und “Von Apfelblüten einen Kranz”

Seit 1929 begeistert die Operette “Das Land des Lächelns” von Franz Lehár ihr Publikum! Sie wurde als “Die gelbe Jacke” am 9. Februar 1923 im Theater an der Wien uraufgeführt. Das Libretto stammte von Victor Léon, der die Hochzeit zwischen Hsüch-chi-Tchong, dem damaligen Attaché der chinesischen Botschaft in Wien und einer Berlinerin zum Ausgangspunkt seiner Geschichte gemacht hatte. Das Stück rund um den Konflikt von zwei Liebenden zwischen den Kulturen brachte es in Wien nur auf 98 Vorstellungen. Dies war nicht gerade als Erfolg zu werten – dazu hätte es schon 200 und mehr Vorstellungen gebraucht.

Der Tenor Richard Tauber aber war von einigen Stücken und Melodien so begeistert, dass er Lehár zu einer Neufassung überreden konnte. Der bereits 70jährige Victor Léon stimmte der Überarbeitung des Librettos zu. Die Routiniers Ludwig Herzer und Fritz Beda-Löhner bearbeiteten Lieder und Handlung, vor allem aber bearbeiteten sie den Schluss: Im Gegensatz zu “Die gelbe Jacke” gab es nun kein Happy End. Franz Lehár dazu: “Die Verfassung des Publikums in unserer Zeit ermöglicht auch der Operette, sich von der oftmals unglaubwürdigen Lüge eines Happy Ends abzuwenden.”

Die Namen der drei Textdichter Victor Léon, Ludwig Herzer und Fritz Beda-Löhner sind untrennbar mit der Operette “Das Land des Lächelns” verbunden. Auch ihr Schicksal war ein gemeinsames: Alle drei waren jüdischer Abstammung, alle drei wurden vom Verbrecherregime der Nationalsozialisten verfolgt und ihres Besitzes und Vermögens beraubt. Victor Léon starb in einem Versteck in Wien, Ludwig Herzer floh nach Frankreich, Fritz Löhner starb nach mehrjähriger Gefangenschaft in den KZ Buchenwald und Auschwitz.

Die Premiere am 10. Oktober 1929 im Berliner Metropoltheater war ein durchschlagender Erfolg. Die weibliche Hauptrolle spielte Vera Schwarz, die tenorale Heldenrolle war auf Publikumsliebling Richard Tauber zugeschnitten, der das Liebeslied “Dein ist mein ganzes Herz” zu einem Welterfolg machte:

Dein ist mein ganzes Herz! Wo Du nicht bist, kann ich nicht sein!
So, wie die Blume welkt, wenn sie nicht küsst der Sonnenschein.
Dein ist mein schönstes Lied, weil es allein aus der Liebe erblüht.
Sag‘ mir noch einmal, mein einzig Lieb,
Oh, sag‘ noch einmal zu mir: Ich hab‘ Dich lieb!

Nach wie vor ist das Publikum von der romantischen Handlung und dem Zusammentreffen von chinesischer und europäischer Tradition beeindruckt. “Das Land des Lächelns” wurde und blieb international das meistgespielte Werk aus der Serie von Franz Lehárs späten quasitragischen Operetten.

Kartenreservierungen unter +43 2734-3450 oder unter
www.operettensommer.at (externer Link)
 

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