Oper, Stückeinfo: M
 

Madame Butterfly
Tragedia giapponese in drei Akten
 
Von: Giacomo Puccini
Libretto von: Luigi Illica und Giuseppe Giocosa (nach dem Schauspiel von David Belasco)
Deutsche Fassung von: Joachim Herz und Klaus Schlegel

Uraufführung: 17. Februar 1904 (Mailand, Teatro alla Scala)
Zweitfassung: 28. Mai 1904 (Brescia, Teatro Grande)

Zur Inszenierung des Staatstheater Mainz:

Premiere:
15. Januar 10

Musikalische Leitung: Catherine Rückwardt
Inszenierung: Katharina Wagner
Szenische MItarbeit: Alexander Busche
Bühnenbild und Licht: Monika Gora
Kostüme: Thomas Kaiser
Choreinstudierung: Sebastian Hernandez-Laverny
Dramaturgie: Garsten Jenß
Dramaturgie-Hospitanz: Claudia lsabel Martin
Übertitelung: Bettina Hentschel
Regie-Assistenz: Holger Liebig
Bühnenbild-Assistenz: Caroline Jarczyk
Kostüm-Assistenz: Susanne Reul
Inspizienz: Eckhard Wagner
Souffleuse: Iris Conradi
Hospitanz Soufflage: Bettina Hentschel
Textfassung Übertitel: Garsten Jenß

Besetzung:

Cio-Cio San, genannt Butterfly:
Abbie Furmansky
Suzuki: Patricia Roach
Kate Pinkerton: Cornelia Langhals
Pinkerton: Sergio Blazquez
Sharpless: Patrick Pobeschin
Goro: Alexander Kröner
Der Fürst Yamadori: Patrick Hörner
Onkel Bonzo: Hans-Otto Weiß
Yakuside: Soung-Teak Moon
Kaiserlicher Kommissar: Ion Grigorescu
Standesbeamter: Si Jae Lee
Die Mutter Cio-Cio Sans: Ewa Wargin
Die Tante: Katja Ladentin
Die Kusine: Elisabeth Stradalski

Statisterie des Staatstheaters Mainz (Leitung Dieter Rößier)
Chor des Staatstheaters Mainz
Philharmonisches Staatsorchester Mainz

Besprechung auf kulturfreak.de

MadameButterfly_StaatstheaterMainz_11©MartinaPipprich
Madame Butterfly
Staatstheater Mainz
Alexander Kröner, Sergio Blazquez, Abbie Furmansky, Hans-Otto Weiß, Patricia Roach, Chor
Foto:
Martina Pipprich

Giacomo Puccini schuf mit Madame Butterfly eine “japanische Tragödie”, die durch ihre subtile Verarbeitung musikalischer Motive besticht. Anstelle einer wirklichen Begegnung zweier Menschen behauptet am Ende die Tradition ihr tödliches Recht.

www.staatstheater-mainz.de

Zur Inszenierung der Oper Zürich:

Premiere:
17. Oktober 09
Weitere Vorstellungen: 21., 25. und 30. Oktober sowie 5., 8., 12., 15. und 19. November 2009

Musikalische Leitung: Carlo Rizzi
Inszenierung: Grischa Asagaroff
Ausstattung: Reinhard von der Thannen
Lichtgestaltung: Martin Gebhardt
Chor: Ernst Raffelsberger

Besetzung:
Cio-Cio San, Madama Butterfly:
Xiu Wei Sun
B. F. Pinkerton: Neil Shicoff
Sharpless: Cheyne Davidson
Suzuki: Judith Schmid
Kate Pinkerton: Margaret Chalker
Goro: Andreas Winkler
Yamadori: Krešimir Stražanac
Bonzo: Pavel Daniluk
Standesbeamter: Alejandro Lárraga

Es spielt das Orchester der Oper Zürich

«Madama Butterfly», Giacomo Puccinis berührende Oper um die tragische Liebe einer japanischen Geisha zu einem amerikanischen Lieutenant, gelangt am 17. Oktober neu in den Spielplan des Opernhauses Zürich. Basierte die letzte Inszenierung dieser Oper, die in der Spielzeit 1986/87 in das Zürcher Repertoire gelangte, auf der ersten Fassung des Werkes, hat sich das Leitungsteam nun für die von Puccini nach der Uraufführung mehrmals überarbeitete letzte Fassung entschieden.
Die musikalische Leitung der Neuinszenierung liegt in den Händen von Carlo Rizzi, der sich u.a. mit Puccinis «Tosca» und «La Bohème» im Opernhaus Zürich empfohlen hat.
Die Titelpartie übernimmt die chinesische Sopranistin Xiu Wei Sun, die als Cio-Cio-San bereits international Aufmerksamkeit erregte. Als Pinkerton an ihrer Seite ist Neil Shicoff zu erleben. Judith Schmid als Suzuki, Cheyne Davidson als Sharpless und Andreas Winkler als Goro sowie Margaret Chalker, Pavel Daniluk und
Krešimir Stražanac in den weiteren Partien vervollständigen das Ensemble. 
Die Inszenierung liegt in den Händen von Grischa Asagaroff, der gemeinsam mit Bühnen- und Kostümbildner Reinhard von der Thannen den Zusammenprall zweier Kulturen ins Bild setzen wird.

Kartenbestellungen: Opernhaus Zürich, Billettkasse Tel. +41 44 268 66 66,
www.opernhaus.ch

Zur Inszenierung der Komischen Oper Berlin in der Saison 2005/06:

Premiere am:
25. September 05

Musikalische Leitung: Daniel Klajner
Inszenierung: Calixto Bieito
Bühnenbild: Alfons Flores
Kostüme: Anna Eiermann
Licht: Franck Evin
Chöre: Peter Wodner
Dramaturgie: Antje Kaiser

Besetzung
Cho-Cho-San:
 Juliette Lee
Suzuki: Susanne Kreusch
F.B. Pinkerton: Marc Heller
Sharpless: Tom Erik Lie
Goro: Christoph Späth
Fürst Yamadori: Günter Neumann
Onkel Bonzo: Neven Belamaric
Kaiserlicher Kommissar: Tobias Hagge
Mutter: Barbara Sternberger
Die Chorsolisten der Komischen Oper Berlin, das Orchester der Komischen Oper Berlin.

Calixto Bieito inszeniert … Madame Butterfly
Hochzeit im falschen Paradies – und die Freier kommen und gehen Mit seiner Erfolgsinszenierung der Entführung aus dem Serail gab der international bekannte und derzeit meistdiskutierte Opernregisseur Calixto Bieito im vergangenen Jahr sein Debüt an der Komischen Oper Berlin. Auch bei der Neuinterpretation der Madame Butterfly legt der Katalane mit seiner aufsehenserregenden Sichtweise klassischer Stücke den inhaltlichen Kern bloß und konfrontiert herkömmliche Aufführungstraditionen. Mit der Madame Butterfly sucht er das Stück jenseits gängiger Überzuckerungen zu zeigen, die nie in der kritischen Intention von Puccini lagen, als dieser das damals wie heute hochaktuelle Sujet für seine Oper aufgriff. Keinesfalls ein folkloristisches Japan-Ambiente, sondern der ökonomische Konflikt zwischen Pinkerton und Butterfly steht in aller Härte im Zentrum der Oper. Er wendet die Geschichte auf den modernen Sextourismus in der Dritten Welt an und auf die Industrie der falschen Träume, welcher die westliche Konsumgesellschaft anhängt und sie weltweit exportiert.  (Q.: Komische Oper Berlin)

Handlung …
Pinkerton, ein amerikanischer Marineoffizier, kauft sich in Japan die junge, mittellose Geisha Butterfly für die Dauer seines Aufenthaltes. Er geht eine Schein-Hochzeit mit ihr ein, samt gemeinsamem Häuschen und finanzieller Verpflichtung gegenüber ihren Verwandten. Für Butterfly ist es wahre Liebe und sie sagt sich sogar für Pinkerton von ihrer Religion und Kultur los. Nachdem er das Land verlassen hat, bekommt Butterfly ein Kind von ihm.
Ausgestoßen von ihrer Familie, wartet sie drei Jahre auf Pinkerton und glaubt fest an ein anderes Leben mit ihm als seine Ehefrau. Als Pinkerton wiederkehrt, ist er mit einer Amerikanerin verheiratet. Er nimmt Butterfly das Kind weg und diese begeht Selbstmord.

Wirkungsgeschichte der Oper …
Giacomo Puccini (1858 – 1924) entnahm den Stoff für seine Oper John Luther Longs Erzählung Madame Butterfly von 1898 und nutzte darüber hinaus das gleichnamige Schauspiel von David Belasco als Vorlage. Die Uraufführung an der Mailänder Scala 1904 wurde, gezielt durch Gegner Puccinis gelenkt, ein Misserfolg. Nach einer Überarbeitung noch im selben Jahr und weiteren Revisionen Puccinis bis 1907, bei der das Werk seine endgültige Gestalt erlangte, trat die Butterfly in Puccinis gestraffter Fassung den Siegeszug über die europäischen Bühnen an. Bis heute ist das Stück weltweit populär.
Die deutsche Erstaufführung fand 1907 in Berlin statt. An der Komischen Oper Berlin erlangte Joachim Herz’ Inszenierung – welcher eine kritische Neuausgabe des Werkes nach den Quellen und seine neue deutsche Textfassung zugrunde lagen – große Berühmtheit in den Siebziger Jahren.

Werk …
Der aus Lucca gebürtige Puccini entstammte einer alten Musikerfamilie. Seine Ausbildung empfing er in Mailand und lebte dann meist in der Nähe von Lucca oder Viareggio. Als Opernkomponist errang er Welterfolge – schon seine erste Oper Le Villi 1884 fand starke Beachtung, es folgten an der Mailänder Scala Edgar 1889 und in Turin Manon Lescaut 1893. La Bohéme 1896, Tosca 1900 und vor allem Madame Butterfly begründeten seinen internationalen Ruf. »Wer auf Puccini sich einlässt, hat bergeweise Halb-, Vor- und Fehlurteile vor sich, denen er nachgehen muss, will er ihn nicht verfehlen. Puccinis musica teatralis entbehrt nicht des allzu Süßen, der Glätte, des Schmachtenden, des Kitsches, was immer man darunter versteht. Nur hat sie alldem nicht bloß sich selbst ausgeliefert, es vielmehr thematisiert, transparent gemacht und befragt nach Erlebbarem, nach Unerledigtem, nach Illusion und Utopie; befragt und oft genug gekontert durch beklemmende Prosaik, durch Brutalität, die sich thematisiert als maschinell, um Maschinelles in der Lebenswelt durchsichtig, und kenntlich zu machen.« Gerd Rienäcker Die sich im 19. Jahrhundert ausbreitende »Ostasienmode« hatte ihren Ursprung im wettlauf westlicher Länder um den wirtschaftlichen Einfluss in Japan: Amerikanische Flottenverbände erzwangen 1853/54 die Öffnung Japans für auswärtige Mächte. Puccini sah 1900 anlässlich der englischen Erstaufführung der Tosca eine der Londoner erfolgreichen Aufführungen von Belascos Einakter Madame Butterfly, der Longs Roman von 1898 zur Grundlage hatte. Darin wird die Geschichte einer verlassenen Japanerin im Rahmen jener Miet-Ehen geschildert, wie sie in Japan seit der Öffnung des Landes gegenüber Amerika und der westlichen Kolonialisierung als Geschäft üblich waren - wobei die menschliche Tragik der Titelheldin bei Long und Belasco im Mittelpunkt steht.
Puccini, ergriffen sowohl von dem sensationellen Erfolg des Stoffes als auch von dem kritischen Aspekt bezüglich der westlichen Zivilisation, beschäftigte sich gleichwohl für seine Oper ausführlich mit der fernöstlichen Klangwelt, die in Form original japanischer Melodien in seine Komposition einfloss. Die Partitur war ursprünglich als lyrische Kammeroper konzipiert und atmet auch aus diesem Geist. Die Geschichte erscheint äußerst konzentriert und verknappt auf fünf Hautprotagonisten, zwischen denen das Drama sich entfaltet, und gewinnt daran gleichnishafte Dimensionen.
Puccini war das exotische Kolorit lediglich Mittel der Verfremdung. Im Grunde schrieb er ein Stück über die westliche Kultur und ihr Selbstverständnis – kein Stück über Japan, im folkloristischen Sinne illustriert.

Inszenierungsansatz …
Puccini’s Oper Madame Butterfly fiel bei der Uraufführung 1904 beim Publikum durch, da der Stoff als zu anstößig empfunden wurde. Erst eine Überarbeitung brachte dem Werk Weltruhm. Bis heute gilt die Oper meist als rührende Geschichte im zuckrig-exotischen Milieu. Calixto Bieito ist international bekannt dafür, dass er die klassischen Stücke in die Gegenwart verlegt und sie jenseits der herkömmlichen Aufführungstradition neu liest. Puccini setzte die Figur des Pinkerton stellvertretend für die Verheißung des »Amerikanischen Traums«, dem Butterfly verfällt. Calixto Bieito spitzt den Konflikt, wie er zwischen Pinkerton und Butterfly angelegt ist, zu. Er wendet die Geschichte auf den modernen Sextourismus in der Dritten Welt an und auf die Industrie der falschen Träume, welcher die westliche Konsumgesellschaft anhängt und sie weltweit exportiert. Calixto Bieito: »Das ist ein gutes Stück über das alte und immer gleiche Problem: die Ausbeutung von Frauen, Männern und Kindern für die sexuelle Befriedigung von Angehörigen wirtschaftlich starker Kulturkreise, die andere mitleidlos ihren Gelüsten unterwerfen. Es geht hier nicht um einen kulturellen Konflikt, sondern ausschließlich um einen Konflikt zwischen Arm und Reich. In meiner Butterfly geht es um Emigration und den amerikanischen Traum, um die Sehnsucht in Geborgenheit zu leben. Davon träumen die Menschen in Kuba, in Mexiko, in Thailand ... Butterfly tötet sich nicht aus Liebe, sie tötet sich aus Verzweiflung und Besessenheit. Zwischen ihr und Pinkerton ist keine reine Liebe in der Idealform einer Liebe zwischen gleichberechtigten Partnern. Cho Cho San projiziert zu viele Wünsche auf ihn. In der Beziehung der Beiden gibt es ein extremes Ungleichgewicht, denn sie ist abhängig von ihm. Und das ist die wirkliche Situation, in der Butterfly sich befindet. Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq hat in seinem hochgelobten und wegen seiner sexuellen Freizügigkeit und seiner Islamkritik viel geschmähten Roman Plattform eine Art moderne Butterfly-Geschichte erzählt.
Über einen gemeinsamen Freund sind wir sogar in Kontakt miteinander. Für mich ist er ein Romantiker und kein Zyniker. Plattform ist eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund von Sextourismus und Terrorismus. Ich verwende den Roman nicht als Vorlage für Madame Butterfly, aber ich habe den Sängern gesagt, sie sollen das Buch ruhig zur Inspiration lesen, damit sie zum Beispiel erfahren, dass der Sextourismus eines der größten Geschäfte weltweit ist. Und nicht nur im Ausland, auch hier in Deutschland. Zur Fußballweltmeisterschaft kommen 40.000 ausländische Nutten nach Berlin. Da werden dann Zelt-Baracken aufgebaut, in denen die Hooligans befriedigt werden. Die Deutschen sind einfach gut im Organisieren. Dieser Betrieb ist mechanistisch und obszön. Die Männer gehen wie Lämmer ins Stadion und kommen raus wie Schweine. Das ist die Wirklichkeit und das ist ekelhaft – nicht ich wenn ich darüber rede oder das auf der Bühne zeige.«

© Text: Antje Kaiser, stückführende Dramaturgin / Komische Oper Berlin

Zur Inszenierung des Staatstheaters am Gärtnerplatz (München) in der Saison 2004/05:

Premiere am:
15. Mai 2005
Wiederaufnahme: 17. September 05


Regie: Doris Dörrie
Bühne und Kostüme: Bernd Lepel
Musikalische Leitung: David Stahl
Licht: Georg Boeshenz
Chöre: Hans-Joachim Willrich

Im Zentrum der 1904 uraufgeführten Oper steht die unschuldig und mit aller Kraft liebende Cho-Cho-San, die an der nur kurz anhaltenden Zuneigung Pinkertons zerbricht. Untrennbar damit verbunden sind die politischen und kulturellen Unterschiede zwischen Japan und den USA. Zeitlos muten diese Themen an, immer noch für jeden genauso verständlich und nachvollziehbar wie berührend.

Doris Dörrie: »Nirgendwo in Asien wird wohl so virtuos mit Versatzstücken westlicher Kultur gespielt wie in Japan, was immer noch zu dramatischen und manchmal tragischen, kulturellen Mißverständnissen führt. Die ›Fruit Girls‹ sind mir auf verschiedenen Japan-Reisen immer wie moderne Butterflys vorgekommen, deren Unschuld und überwältigende Sehnsucht nach Romantik sich in Bilder von leicht derangierten Prinzessinnen, willigen Dienerinnen, zerbrechlichen Püppchen und ›Gothic Lolitas‹ kleidet, die von jedem Mann aus dem Westen nur als das dechiffriert werden können, was er kennt: als unverblümte sexuelle Aufforderung. Nichts könnte den Fruit Girls jedoch ferner liegen, denn sie träumen den Traum von der großen Liebe und dem blonden, lockeren Typen aus dem Westen, der ihnen ein freieres Leben verspricht, als das, was ihnen in Japan möglich erscheint.«

Eine Einführungsmatinée mit dem Regie-Team und den Sängern findet am Sonntag, den 8. Mai 2005 um 11 Uhr im Staatstheater am Gärtnerplatz statt.

Doppelbesetzung in alphabetischer Reihenfolge:

Cho-Cho-San, genannt Butterfly:
Sandra Moon / Elaine Ortiz Arandes
Suzuki, Cho-Cho-Sans Dienerin: Martina Koppelstetter / Barbara Schmidt-Gaden
Kate Pinkerton: Päivi Elina / Thérèse Wincent
Franklin Benjamin Pinkerton: Harrie van der Plas / Michael Suttner /Mathias Zachariassen
Sharpless, Konsul in Nagasaki: Thomas Gazheli / Gary Martin
Goro, Nakodo: Michael Gann / Florian Simson
Der Fürst Yamadori: Robert Bruins / Dirk Lohr
Onkel Bonze: Pawel Czekala / Peter Loehle
Yakusidé: Michael Kranebitter / Stefan Rampf
Der kaiserliche Kommissar: Martin Hausberg / Robert Merwald
Der Standesbeamte: Ivan Orescanin / Markus Wandl
Die Mutter Cho-Cho-Sans: Rotraut Arnold / Susanne Heyng
Die Base: Regina Holubova / Julia Rutigliano
Die Tante: Alpina Albesteanu / Simone Stäger
Das Kind: N.N.

Handlung:
Der amerikanische Leutnant Pinkerton ist in Japan stationiert. Für die Zeit seines Aufenthaltes geht er mit dem Mädchen Cho-Cho-San, genannt Butterfly, eine sogenannte »Japanische Ehe« ein, die jederzeit vom Mann aufgelöst werden kann. Als die Angehörigen Cho-Cho-Sans erfahren, daß sie wegen der Heirat zu Pinkertons Glauben übergetreten ist, wird sie von ihrer Familie verstoßen. Von nun an ist es ihr einziger Lebensinhalt, ihre Liebe zu Pinkerton bedingungslos zu leben. Als dieser nach Amerika heimkehrt, gibt Cho-Cho-San die Hoffnung nicht auf, daß er zu ihr zurückkommen wird. In dieser endlosen Zeit des Wartens wird ihr gemeinsamer Sohn geboren. Pinkerton kehrt später tatsächlich nach Nagasaki zurück, jedoch mit seiner Frau Kate und lediglich, um seinen Sohn zu holen. Er hat nicht einmal die Kraft und den Mut, Cho-Cho-San gegenüberzutreten. Diese verspricht Kate, ihnen das Kind zu geben, wenn Pinkerton sie noch einmal aufsucht. Als Pinkerton kommt, findet er den leblosen Körper Cho-Cho -Sans, die sich selbst das Leben nahm, um dem tragischen Mißverständnis ihrer Liebe zu entkommen.

Weitere Vorstellungen:
18., 21., 26. Mai / 5., 14., 26. Juni / 11., 22., 26. Juli 2005

www.staatstheater-am-gaertnerplatz.de

Der folgende Auszug entstammt der Einführungsmatinée vom 8. Mai 05, an dem Klaus Schultz mit Doris Dörrie (Regie), Bernd Lepel (Bühnenbild und Kostüme) und David Stahl (Musikalische Leitung) sprach.

Doris Dörrie:
Ich war das erste Mal mit 25 in Japan, weil mein erster Film zu einem Festival eingeladen wurde. Dieses Land war und ist das exotischste Land, das ich kenne, obwohl ich sehr viel in der Welt herumgekommen bin. Auf der einen Seite ist es wirklich in jeder Beziehung anders; und auf der anderen Seite ist es sehr vertraut, weil es oberflächlich gesehen, sogar relativ deutsch ist: Die Züge fahren pünktlich, wie sie bei uns früher einmal pünktlich waren; alles ist sehr organisiert, sehr bürokratisch, sehr repressiv in vielen Dingen. Diese Ähnlichkeit hat natürlich mit unserer gemeinsamen Geschichte zu tun: die beiden großen Kriegsverlierer, Deutschland und Japan. Beide sind nach 1945 sehr amerikanisiert wieder aufgebaut worden, und es kam zu einem Abbruch der Tradition und dem Versuch, ganz schnell an amerikanische Traditionen anzuknüpfen.

Mich hat dieser Konflikt zwischen dem oberflächlich einfachen Vorankommen in Japan, das so westlich erscheint, und dem ganz traditionellen und fremden interessiert. Ich bin immer wieder nach Japan gefahren. Inzwischen habe ich zwei Kinofilme dort gedreht. Bei dem einen Kinofilm – »Erleuchtung garantiert« – haben wir, weil wir sehr wenig Geld hatten, wie die meisten Westler, die nach Japan fahren, in einem sehr billigen Businesshotel gewohnt. Es wohnten dort viele Vertreter aus westlichen Ländern. Jeden Mittag pünktlich um 12 Uhr erschienen 15 bis 17jährige Schulmädchen in bizarren Kostümierungen, angezogen wie kleine Prinzessinnen in rosa Tutus mit Krönchen und Schleiern – sehr, sehr seltsam angezogen. Sie kamen pünktlich um 12 Uhr und verschwanden wieder gegen Viertel vor Eins. Sie haben mich so interessiert, daß ich mich hingesetzt und auf sie gewartet habe und sie schließlich gefragt habe: »Was macht ihr eigentlich hier?« Sie erzählten mir sehr unverblümt, daß der Grund für ihr Kommen der war, daß sie sich für ihre Handy-Rechnung in der Schul-Mittagspause prostituieren. In Japan ist das inzwischen eine bekannte Tatsache und wird auch oft in den Zeitungen als schreckliches Phänomen beschrieben.

Auf meine Befragungen hin, haben mir diese Mädchen aber dann etwas ganz anderes erzählt: Daß nämlich, abgesehen von ihrer Handyrechnung, eigentlich alle davon träumten, so einen blonden, am besten amerikanischen Geschäftsmann kennen zu lernen, der so aussehen sollte wie Brad Pitt, und sich in ihn zu verlieben, oder besser, daß er sich in sie wirklich verlieben würde. Und dann vielleicht noch heiraten... das wäre überhaupt das Größte.

Ich habe recherchiert und herausgefunden, daß das tatsächlich auch ab und zu passiert; daß diese Mädchen, die wirklich eigentlich sehr, sehr unschuldig sind – es ist eine merkwürdige Lolita-Mischung aus absoluter Unschuld und Vorstellung von großer Liebe und Romantik auf der einen Seite und dieser ganz schnöden Prostitution für die Handyrechnung auf der anderen – ab und zu mal von ihrem Brand Pitt aus Amerika schwanger werden, ein »Mischlingskind« auf die Welt bringen und dann immer noch komplett aus der japanischen Gesellschaft ausgestoßen werden. Es ist auch heute noch ein absolutes, soziales Tabu, ein »Mischlingskind« zu haben und als ledige Mutter in Japan zu leben.

Da dachte ich: »Diese Geschichte kommt mir doch ziemlich bekannt vor. Das ist doch MADAME BUTTERFLY! Das ist doch komplett MADAME BUTTERFLY!«

Als ich für den nächsten Film zusammen mit Bernd Lepel länger für Recherchen in Japan war, habe ich festgestellt, daß die Verkleidung der Mädchen aus dem Businesshotel inzwischen zur Modewelle geworden ist, daß ihre Kostümierungen in Kaufhäusern erhältlich sind und daß die Mädchen sich an bestimmten Punkten in der Stadt in diesen Kostümierungen treffen, z.B. an der U-Bahnstation Harajuku, sonntags um 12 Uhr.

Für westliche Männer sehen sie alle aus wie Lolitas – sie nennen sich z.T. auch so: »Gothic Lolitas«. Aber eigentlich sind sie ganz gefangen von der Idee einer großen, großen Roman

Wir haben diese Mädchen an dem U-Bahntreffpunkt gefilmt, um zu zeigen, daß sie tatsächlich in der Großstadtrealität in Japan verankert sind, und nicht etwas, was ich mir ausgedacht habe.Q. & ©: Staatstheater am Gärtnerplatz, München

Zur Inszenierung des Staatstheater Stuttgart, Opernhaus in der Saison 2005/06:

Premiere:
2. März 06
Folgevorstellungen: 15., 18., 24., 30. März, 2., 16., 21., 29. April, 6., 18. Mai, 23. Juni, 6., 14., 20., 22. sowie 25. Juli 06

Musikalische Leitung: Nicola Luisotti
Regie: Monique Wagemakers
Dramaturgie: Klaus Zehelein
Bühne: Karl Kneidel
Kostüme: Silke Willrett
Licht: Reinhard Traub
Chor: Johannes Knecht

Besetzung:

Cho-Cho-San:
Karine Babajanian
Suzuki: Claudia Mahnke
Kate Pinkerton: Simone Jackel
F.B. Pinkerton: Brandon Jovanovich
Sharpless: Gabriele Viviani
Goro: Heinz Göhrig
Fürst Yamadori: Nam Soo Kim
Onkel Bonze: Wolfgang Probst
Yakusidé: Kenneth John Lewis / Alois Treml
Kaiserlicher Kommissar: Siegfried Laukner / Stephan Storck
Standesbeamte: Tommaso Hahn / Roman Ialcic
Mutter Cho-Cho-Sans: Maria Janowski / Ines Malaval
Die Base: Larisa Bruma / Maja Tabatadze
Die Tante: Megumi Adachi / Claudia Votteler
Das Kind

Staatsorchester Stuttgart
Staatsopernchor Stuttgart

Zur Neuproduktion:
Unter der musikalischen Leitung von Nicola Luisotti, der in Stuttgart bereits die Neuproduktionen von Il trovatore und Otello sowie die Wiederaufnahmen von Turandot und Tosca geleitet hat, inszeniert die niederländische Regisseurin Monique Wagemakers die Neuproduktion von Puccinis Madama Butterfly. Es ist ihre erste Regiearbeit an einem deutschen Opernhaus, nachdem sie zuvor in den Niederlanden, Kanada und den USA gearbeitet hat. Karl Kneidl hat die Bühne entworfen. Die Kostüme sind von Silke Willrett. Den Staatsopernchor hat Johannes Knecht einstudiert. Opernintendant Prof. Klaus Zehelein übernimmt mit dieser Produktion die letzte Dramaturgie in seiner im Sommer zu Ende gehenden 15jährigen Intendanz an der Staatsoper Stuttgart.

In der zweijährigen Vorbereitungszeit dieser Produktion hat sich das Leitungsteam intensiv mit der Situation Japans in der Entstehungszeit des Werkes auseinandergesetzt. Knapp 50 Jahre nach der durch den US-Navy-Kapitän Perry erzwungenen Öffnung Japans im Jahr 1853 hatte sich Japan zur führenden Wirtschaftsmacht in Ostasien entwickelt. Um einer Kolonialisierung zuvorzukommen, hatte Japan offensiv eine Annäherung an die westlichen Industrienationen vorangetrieben. Die „japanische Tragödie“ ereignet sich vor diesem Hintergrund. Die Regisseurin Monique Wagemakers: „Cho-Cho-San hat sich entschlossen. Sie hat sich zu sehr entschlossen, und das ist das Drama. Sie hat sich ganz klar entschlossen für diesen Mann, Pinkerton. Und sie kann nur noch den Weg weitergehen, den sie damit eingeschlagen hat. Bereits vor dem Stück geschieht Wesentliches: Butterfly hat eine große seelische Verletzung erlitten durch den Tod ihres Vaters, der sich auf Befehl des Kaisers umbringen musste. Und damit hat sie alles verloren. Sie hat ihre Würde verloren und musste ihren gesellschaftlichen Stand verlassen. Ihre einzige Möglichkeit bestand darin, Geisha zu werden, um Geld zu verdienen. Sie sieht für sich nun in Japan keine Perspektive mehr und stellt sich unter Amerika eine neue Welt, eine neue Welt ihrer Zukunft vor. Sie hat sich entschlossen, aus Japan nach Amerika wegzugehen. Diesen Entschluss hat sie gefasst, bevor sie Pinkerton begegnet ist. Sie hat sich entschieden, für Amerika ihre Familie, ihre Religion und ihre Traditionen hinter sich zu lassen. Und als sie Pinkerton begegnet, projiziert sie alle ihre Wünsche, ihre Sehnsüchte, ihre Hoffnung auf ein besseres Leben auf ihn.“ 

Biographien:

Nicola Luisotti
, Dirigent von Madama Butterfly, wurde in Viareggio geboren. Er studierte am Boccherini-Konservatorium in Lucca Klavier, Komposition, Gesang und Trompete. Nach seinem Studium arbeitete er an der Mailänder Scala mit Riccardo Muti und Lorin Maazel. Sein Opernrepertoire umfasst u.a. Le nozze di Figaro, Lucia di Lammermoor, Simon Boccanegra, Macbeth, Attila und La traviata, außerdem Nabucco, Rigoletto, Il trovatore, Mefistofele von Boito, Cavalleria rusticana und Il trittico. Zuletzt leitete er La forza del destino in San Francisco, Madama Butterfly in Tokio und I Pagliacci in Los Angeles. An der Staatsoper Stuttgart war er bereits als Dirigent von Tosca, Il trovatore, Turandot und Otello zu hören.

Monique Wagemakers inszeniert die Neuproduktion Madama Butterfly. Mit demselben Stück hatte sie 1983 ihr Regiedebüt an der Nederlandse Opera Amsterdam, der sie bis 1993 verbunden blieb. Danach arbeitete sie für Häuser im In- und Ausland. Ihr Nordamerika-Debüt war 1990 die Produktion von Der fliegende Holländer für die Edmonton Opera Association, gefolgt von Carmen für die Vancouver Opera. Weitere Arbeiten waren u.a. Rigoletto für die Nederlandse Opera, Peter Grimes, Fidelio und La traviata für die Nationale Reisopera, Brands Machinist Hopkins und die Uraufführung von Heppeners Een ziel van hout für das Holland Festival sowie Don Giovanni und Rigoletto für die Opera Zuid. Neben Choreografien für die Nederlandse Opera war sie Co-Regisseurin und Choreografin beim Glyndebourne Festival für Intermezzo und Arabella. Diese Spielzeit inszeniert sie I due Foscari an der Nationale Reisopera und Lucia di Lammermoor an der Nederlandse Opera. Seit 1995 ist sie Dozentin an der Opernklasse der Hochschule der Künste in Utrecht.

Karl Kneidl, Bühnenbildner von Madama Butterfly, wurde 1940 in Nürnberg geboren. Er war Schüler des Schweizer Malers und Bühnenbildners Ambrosius Humm und absolvierte eine Lehre als Bau- und Möbelschreiner. 1974 wurde er Professor für Bühnenbild an der Kunstakademie Düsseldorf und erhielt 1986 den Kulturpreis der Stadt Nürnberg. Seine erste eigene Inszenierung war Jewgenij Schwarz’ Die Schneekönigin in Stuttgart, daran schlossen sich Regiearbeiten in Frankfurt, Darmstadt, Zürich, Hannover, Mannheim, Berlin und Düsseldorf an. Mehrmals war er bei den Wiener Festwochen tätig, u.a. 1983 als Ausstatter von Zimmermanns Die Soldaten. Er schuf Ausstattungen für Peter Palitzsch und Peter Zadek am Berliner Ensemble sowie für Tankred Dorst in Bonn, Frankfurt und Zürich. Für die Oper Frankfurt gestaltete er 2001 die Bühne für Tosca. In Stuttgart entwarf er bereits Kostüme und Bühnenbild zu Il trovatore, Die Walküre, Die verkaufte Braut und Simplicius Simplicissimus.

Silke Willrett , Kostümbildnerin von Madama Butterfly, wurde 1974 in Stuttgart geboren und besuchte ab 1995 die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Sie studierte bei Prof. Moritz Baumgartl, Prof. Sotirious Michou und in der Klasse für Bühnen- und Kostümbild von Prof. Jürgen Rose. Nach ihrem Studium assistierte sie zwei Jahre lang an Schauspiel und Oper der Staatstheater Stuttgart. Sie erarbeitete Bühnenbild und Kostüme für einige Schauspielproduktionen sowie für The Jumping Frog von Lukas Foss und für Cupid and Death von Christopher Gibbons und Matthew Locke an der Jungen Oper der Staatsoper Stuttgart. An der Staatsoper selbst zeichnete sie bereits verantwortlich für die Kostüme von Simplicius Simplicissimus.

Johannes Knecht wurde in Speyer geboren. Er studierte Schulmusik, Musikwissenschaft, Germanistik und Orchestermusik in Saarbrücken, bevor er als Geiger ins Orchester des Pfalztheaters Kaiserslautern engagiert wurde. Nach einem Kapellmeisterstudium u.a. bei Volker Wangenheim und Frieder Bernius ging er als Dirigent ans Stadttheater Pforzheim. Engagements als Chordirektor und Kapellmeister führten ihn über Coburg und Wuppertal nach Stuttgart, wo er seit der Spielzeit 2001/02 Stellvertretender Chordirektor ist. Gastengagements verbinden ihn u.a. mit dem SWR Vokalensemble, dem WDR-Rundfunkchor und dem RIAS-Kammerchor. Er leitete den Chor in La clemenza di Tito, Masaniello furioso, Una cosa rara, Les Contes d’Hoffmann und La Bohème, ferner in Tosca, Die Fledermaus, Simplicius Simplicissimus, Die Zauberflöte sowie Götterdämmerung und L’Orfeo. Zur Zeit betreut er Don Giovanni, Elektra, Idomeneo, Il barbiere di Siviglia, Der Wildschütz, Le nozze di Figaro und Madama Butterfly.

Karine Babajanian, Cho-Cho-San in Madama Butterfly, Elettra in Idomeneo und Donna Elvira in Don Giovanni, wurde in Eriwan, Armenien, geboren und schloss ihr Studium am Staatskonservatorium ihrer Heimatstadt mit Auszeichnung ab. Im Jahr 2001 nominierte sie die Zeitschrift Opernwelt für die Partien der Manon Lescaut und der Butterfly als »Sängerin des Jahres«. Seit der Spielzeit 2003/04 ist sie Ensemblemitglied der Staatsoper Stuttgart, wo sie bereits als Erste Dame in Die Zauberflöte, Gräfin in Le nozze di Figaro, als Isabella in Una cosa rara, Leonora in Il trovatore und Mimì in La Bohème zu hören war. Gastengagements führten sie in La forza del destino an das Nationaltheater Mannheim, in Madama Butterfly zum Schleswig-Holstein-Musikfestival, in Manon Lescaut, La Bohème und Andrea Chénier ans Aalto-Theater Essen, in Mazeppa an das Theater Bern und mit Beethovens 9. Symphonie nach Tokio.

Claudia Mahnke, Suzuki in Madama Butterfly und 3. Magd in Elektra, studierte an der Musikhochschule Dresden und erhielt 1992 ihr erstes Festengagement in Chemnitz. Gastspiele führten sie als Komponist in Ariadne auf Naxos an die San Francisco Opera, als Rosina an die Komische Oper Berlin, als Dorabella an die Opéra National de Lyon, nach Korea und ebenfalls nach San Francisco sowie als Octavian nach Essen. Sie ist Ensemblemitglied der Staatsoper Stuttgart und sang u.a. Zulma in L’italiana in Algeri, Fjodor in Boris Godunow, Hänsel, Lola in Cavalleria rusticana, mehrere Rollen in Lulu, Page/Sklave in Salome und Philidel in König Arthur. Sie trat ferner als Prinz Orlofsky, Dorabella, Minerva in Il ritorno d’Ulisse in patria, Cherubino, Niklausse/Muse in Les Contes d’Hoffmann, Rosina in Il barbiere di Siviglia und Sextus in Giulio Cesare in Egitto auf. Zuletzt war sie in der Titelpartie von Simplicius Simplicissimus, als Oberto in Alcina, Flora Bervoix in La traviata, Fricka in Das Rheingold und Siegrune in Die Walküre zu erleben.

Brandon Jovanovich, Pinkerton in Madama Butterfly, stammt aus Billings, Montana/USA, und studierte an der Northern Arizona University und der Manhattan School of Music. Er nahm 1996/97 am Santa Fe Opera Apprentice Program teil und war 1998 Gründungsmitglied des Seattle Young Artists Program. Sein Repertoire umfasst Partien wie Pollione in Norma, Alfredo in La traviata, Jean Geaussin in Massenets Sapho und die Titelrolle in Werther, Paris in Offenbachs La belle Hélène, Ladislov in Smetanas Zwei Witwen, Narraboth in Salome, Sam Kaplan in Weills Street Scene und Peter Quint in The Turn of the Screw, außerdem wirkte er in Ur- und Erstaufführungen von Jonathan Doves Flight, Craig Bohmlers The Tale of the Nutcracker und Lowell Liebermans The Picture of Dorian Gray mit. Vergangene Spielzeit trat er u.a. als Don José in Calixto Bietos Carmen an der Vlaamse Opera und in der Titelrolle von Les Contes d’Hoffmann am Teatro della Scala auf und jüngst war er als Turiddu an der Dallas Opera und als Sergej in Lady Macbeth von Mzensk an der Austin Lyric Opera zu hören.

Gabriele Viviani , Sharpless in Madama Butterfly wurde in Lucca, Italien, geboren und studierte Musik bei Graziano Polidori sowie Gesang und Oboe bei Marco Bocassini und Fiovanni Dagnino am Conservatorium L. Boccherini in Lucca. Er gewann zahlreiche Preise und Auszeichnungen, so u.a. beim Mozart-Wettbewerb des Teatro Lirico di Cagliari, beim Wettbewerb Cascina Lirica sowie beim Wettbewerb Toti dal Monte in Treviso. Er besuchte Meisterkurse bei der berühmten Soprano Regina Resnik und debütierte als Valentin in Gounods Faust unter der Leitung von Peter Maag. Mit Partien wie Belcore in Elisir d´amore, Malatesta in Don Pasquale, Marcello in La Bohème, Germont in La traviata , Enrico Lucia di Lammermoor und Baron Puck in Die Großherzogin von Gerolstein gastierte er in Rom, Palermo, Tokyo, am Teatro Carlo Felice in Genua, am Teatro Communale in Bologna, Cagliari und am Teatro la Fenice in Venedig. In der Saison 2005-2006 gab er sein Amerikadebüt als Marcello in La Bohème in Kanada und als Fra Melitone in La Forza del Destino an der San Francisco Opera. Als Sharpless in Madama Butterfly trat er bereits mit dem Israel Philharmonic Orchestra auf.

Nam Soo Kim , Fürst Yamadori in Madama Butterfly, Stimme des Orakels in Alceste, Eine Stimme in Idomeneo, wurde in Kyong Ki Do, Süd-Korea, geboren. Er studierte Gesang an der Universität Yonsei in Seoul, an der Akademie und dem Konservatorium von Pescara, der Internationalen Musikakademie in Rom und den Musikhochschulen in Köln und Rostock. Nach seinem Studium wurde er am Volkstheater Rostock engagiert. Gastengagements führten ihn als Banquo, Sparafucile, König in Aida und Basilio an zahlreiche Bühnen in Italien, nach Seoul, Bogotá, Liège, Köln, Dortmund, Darmstadt und Duisburg. 2002 war er Finalist des Mario del Monaco-Wettbewerbs in Veneto und 2003 Erster Preisträger des Umberto Giordano-Wettbewerbs in Foggia. Seit 2004 ist er Ensemblemitglied der Staatsoper Stuttgart, wo er bereits Colline in La Bohème, Ferrando in Il trovatore, Ein Herold in Otello, Zweiter Geharnischter in Die Zauberflöte und zuletzt Zweiter Soldat in Salome, Student aus Wittenberg in Doktor Faust und Baron Douphol in La traviata sang.

Wolfgang Probst, Onkel Bonze in Madama Butterfly und Ein Herold in Alceste, studierte in seiner Geburtsstadt München Gesang. Seit 1971 ist er Ensemblemitglied in Stuttgart , wo er u.a. in der Titelpartie von Der fliegende Holländer, als König Heinrich, Klingsor, Orest, Jochanaan in Salome, Herzog Blaubart und Boris Ismailow in Lady Macbeth von Mzensk auftrat, ferner als Hans Sachs, Schigolch in Lulu, Kaspar in Der Freischütz, Antonio in Giuseppe e Sylvia und Ein Gefolterter in Intolleranza 1960. Außerdem war er als Direttore in Sitten und Unsitten des Theaters, Frank in Die Irren aus Vorsatz, Paolo Orsini in Rienzi und Don Pizarro in Fidelio zu hören. Zuletzt sang er Kecal in Die verkaufte Braut und Herzog Adorno in Die Gezeichneten, Wotan in Das Rheingold und Theologe in Doktor Faust. Er wirkte bei den Salzburger Festspielen mit, gastierte an der Deutschen Oper Berlin, in München, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Dallas und Buenos Aires, Stockholm, Paris, Basel, Zürich, Bologna, Venedig und Neapel.

Simone Jackel, Maria Janowski, Ines Malaval, Larisa Bruma, Maja Tabatadze, Megumi Adachi, Claudia Votteler, Kenneth John Lewis, Alois Treml, Siegfried Laukner, Stephan Storck, Tommaso Hahn und Roman Ialcic sind alle Mitglieder des Staatsopernchors.

Texte:
Staatstheater Stuttgart, Opernhaus (externer Link)

Maria de Buenos Aires
Operita in zwei Teilen

Von:
Astor Piazzolla
Text: Horacio Ferrer

Zur Inszenierung des Theater Dortmund:

Premiere: 5. Mai 2007,
Weitere Vorstellungen:
13., 19. & 24. Mai, 7. & 13. Juni 07

Musikalische Leitung: Günther Wallner
Inszenierung: Anja Nicklich
Bühne und Kostüme: Stefani Klie
Choreinstudierung: Granville Walker
Choreographie: Michael Ihnow

Mit:
Maria (Sängerin):
Gilda Rebello
Maria (Tänzerin): Marta Lastowska
El Duende: Justo Moret Ruiz
La voz de un payador, Porteno Gorrion con sueno, Ladron antiguo mayor, Analista primero, Una voz de ese domingo: Andreas Wolfram



Ástor Pantaleón Piazzolla (* 11. März 1921 in Mar del Plata; † 4. Juli 1992 in Buenos Aires) war ein argentinischer Musiker, Bandoneon-Spieler und Komponist. Er gilt als Begründer des Tango Nuevo, einer Gegenbewegung zum traditionellen Tango Argentino. "María de Buenos Aires" entstand 1968 und wurde, nicht zuletzt durch die Mitarbeit des berühmten Tango-Dichters Horacío Ferrer, zu einem Stück Weltmusiktheater. Darin gehen verschiedenste Musikwelten eine glückliche Synthese ein, und dennoch steht im Mittelpunkt der Tango. ( Natalio Gorin: Astor Piazzola)

„María de Buenos Aires“ ist eine Oper in 16 Bildern. Piazzolla bezeichnete sie selbst als „Tango Operita”. (Maria S. Azzi: A grand tango. The life and music of Astor Piazzolla, University Press, Oxford). Das Stück verkörpert den Tango selbst, sein Sterben und Wiederauferstehen und symbolisiert auch die Stadt Buenos Aires mit ihren Legenden, Mythen und Klängen.

María ist die Tochter der Vorstädte, ihre Herkunft liegt an der Flussmündung des Rio de la Plata. María ist der Tango. In ihr ist die Musik der landflüchtigen argentinischen Bauern und der europäischen Einwanderer des 19. Jahrhunderts personifiziert, die in den Armenvierteln von Buenos Aires auf das ersehnte Glück warten. Hier verbinden sich afroamerikanische Rhythmen, die kubanisch-spanische Habanera und europäische Tänze zu einer einzigartigen Mischung aus kontrollierter Bewegung und Hingabe. Dabei ist der Tango untrennbar mit dem Bandoneon verwachsen, dessen Klang die Sehnsucht der Melodien immer weiter treibt. Die einzige Oper Piazzollas zeichnet die Stationen im Lebensweg einer jungen Frau in atemberaubenden Bildern vom Geboren-Werden und Verglühen im Strudel des Tangos nach. Zugleich ist es ein zutiefst berührendes Bekenntnis zu dieser Musik, die als Lebenselixier, als atmosphärische Schwingung eines Lebensgefühls und als Kaleidoskop der menschlichen Leidenschaften und Leidensfähigkeit dem Werk seinen Grundpuls verleiht. (Presse Dortmund)

Maria wird verkörpert von Gilda Rebello. Sie hatte das Glück, Astor Piazzolla im Jahre 1986 als Teenie im Teatro Carlos Gomes in Vitoria de Esprito Santo (Brasilien) persönlich kennen zu lernen. Gilda Rebello begann ihre künstlerische Laufbahn in Rio de Janeiro, wo sie ihre Ausbildung in Tanz und Theater sowie Gesang in der ehemaligen Schule des Teatro Municipal und Escola de Musica Villa Lobos absolvierte. In Deutschland war sie u. a. vier Jahre am Folkwang Tanzstudio unter der künstlerischen Leitung von Pina Bausch engagiert, in deren Compagnie Tanztheater Wuppertal sie oftmals gastierte. Als Musicaldarstellerin war sie u. a. in „Miami Nights“ am Ronacher Theater in Wien und am Capitol Theater Düsseldorf zu sehen, wo sie auch in „Cats“ als Booth-Sängerin mitwirkte. 2004 feierte sie große Erfolge als Anita in der „West Side Story“ am Theater Dortmund. Es folgten Auftritte im Musical „Aida“ in Essen, „The Life“ in Gelsenkirchen. Zuletzt choreographierte sie „Little Shop of Horrors“ im Theater Kassel.

Zu ihren Engagements in Europa zählten u. a. die solistische Mitwirkung beim „Jazz Bossa Nova Trio“, bei „Simpty Studios“ und in der Band „Soul United“. Ferner gab sie zahlreiche Konzerte mit ihrer eigenen Band mit selbst geschriebenen und komponierten Liedern beim Chill Out with Soul at Nikko in Düsseldorf. Zurzeit arbeitet sie an ihrer eigenen CD, die u. a. von ihr komponiert ist, bei P.J.M. Studios in Düsseldorf.

Tickets und Information sind erhältlich unter der:
Tickethotline : 0180 - 5170 517 (EUR 0,12/Min. ) oder unter www.theaterdo.de und in allen bekannten Vorverkaufstellen und Reisebüros.

Zur Inszenierung der Komischen Oper Berlin (Saison 2005/2006):

Premiere:
22. Januar 06
Wiederaufnahmepremiere: 3. Februar 07
sowie im Februar und März zu folgenden Terminen: 6., 11., 13., 24.2., 4.& 9.3. 07, jeweils 19:00 Uhr.
Dauer: 1 Stunde 20 Minuten ohne Pause


»
Ich finde, das ist ein so aufregendes, bewegendes Stück Musiktheater, dass wir es unbedingt spielen müssen. Es gehört an ein Opernhaus. Es gehört nach Berlin. Es ist absolut nicht übersetzbar. Und es ist uns so wichtig, dass wir an dieser Stelle einmalig sogar unser Prinzip der Deutschsprachigkeit durch-brechen müssen.« Andreas Homoki

Musikalische Leitung: Per Arne Glorvigen
Inszenierung: Katja Czellnik
Bühnenbild und Kostüme: Bernd Damovsky
Licht: Franck Evin
Dramaturgie: Antje Kaiser

Besetzung
María:
Julia Zenko
El Cantor: Matthias Klein
El Duende: Daniel Bonilla Torres
Gitarre: Cesar Nigro
Bandoneon: Per Arne Glorvigen
Klavier: Sverre Indris Joner
Stravaganza: (Ulrike Schladebach und Stephan Wiesner) sowie Musiker des Orchesters der Komischen Oper Berlin

Maria de Buenos Aires ~ Komische Oper Berlin
Foto: Hanns Joosten

Die Titelgestalt dieses Werkes verkörpert den Tango selbst, sein Sterben und Wiederauferstehen, und symbolisiert auch die Stadt Buenos Aires mit ihren Legenden, Mythen und Klängen. Zugleich ist María die Frau von der Straße, in deren Schicksal Piazzolla das soziale Los vieler Menschen bündelt. In einer Reihe von Tänzen und Balladen über das Leben, ohne eine herkömmliche Handlung miteinander verknüpft, wechseln Frau und Mann, Chor und Einzelner, Sprechen und Gesang einander ab. Im Zentrum des Werkes steht die Sehnsucht nach Lebendigkeit und Wahrhaftigkeit.
Astor Piazzollas Tango-Kammeroper María de Buenos Aires (Piazzolla nannte sie eine »Operita«) entstand 1968 und wurde, nicht zuletzt durch die Mit-arbeit des berühmten Tango-Dichters Horacio Ferrer, zu einem Stück Welt-musiktheater. Darin gehen verschiedenste Musikwelten eine glückliche Synthese ein, und dennoch steht im Mittelpunkt der Tango. Die spezielle Poesie des Genres geht mit der Musik Piazzollas eine so enge Bindung ein, dass bei einer deutschen Übersetzung der Dichtungen von Horacio Ferrer wesentliche Dimensionen des Werkes unrettbar verloren gehen würden. Darum hat sich die Komische Oper Berlin entschlossen, bei dieser Produk-tion von der Regel, alle Stücke in deutschen Übersetzungen aufzuführen, abzuweichen und das Stück, das im intimen Rahmen des Hauses an der Behrenstraße einen nahezu idealen Aufführungsort hat, ausnahmsweise in der Originalsprache herauszubringen.

Die Regisseurin Katja Czellnik - nach Peter Grimes zum zweiten Mal an der Komischen Oper Berlin - erarbeitet mit internationalen Solisten und Laien-darstellern aus Berlin ihre eigene Version des Stückes als eine unkonventio-nelle Choreographie intensiver Lebensbilder und Gefühle. Sie sieht Piazzollas Operita als ein zeitkritisches Stück Musiktheater, das Grenzen der Gattung auslotet und genreübergreifend neu definiert.

»Für Astor Piazzolla war das Bandoneon ›sein Psychiater‹, seine Lunge, sein Lebensatem und Motor. María ist das Scheitern, der Verlust, die Ausge-grenztheit und zugleich: paradise lost.« Katja Czellnik

Der argentinische Musiker, Bandoneon-Spieler und Komponist Astor Pantaleón Piazzolla (1921-1992) gilt als Begründer des »Tango Nuevo«, einer Gegenbewegung zum traditionellen »Tango Argentino«. Piazzolla wuchs einige Jahre lang in New York auf und studierte später in Europa Komposition (bei Nadia Boulanger) sowie Dirigieren (bei Hermann Scherchen). Aber Buenos Aires und die Volksmusik Argentiniens, der Tango, blieben seine künstlerische Heimat. Auf dieser Grundlage fand er nach der Rückkehr aus Europa seinen persönlichen Stil.

In Argentinien hatte der traditionelle Tango der Bordelle lange einen schlechten Ruf, vor allem bei der Oberschicht. In Europa wurde Tango dagegen als folkloristische Unterhaltung vermarktet. Durch Piazzolla erneu-erte sich der Tango seit Ende der 50er Jahre zu einer hochkomplexen Musikform, welche die Straßenmusik und starkes sozialkritisches Engagement ebenso einbindet wie Einflüsse aus Jazz, Rock, Klassik und Neuer Musik. Mit Piazzolla betrat der Tango auch das experimentelle Theater. Für Pina Bausch schuf er die Musik zu dem Ballett Bandoneón. Sein musikalisches Hauptwerk ist die Tango-Kammeroper María de Buenos Aires.


Karten …

Kartentelefon Komische Oper Berlin … 030.47 99 74 00 Montag bis Samstag 9:00 bis 20:00 Uhr, Sonntag 14:00 bis 20:00 Uhr Preise ... (8,00) 11,00 bis 62,00 € karten@komische-oper-berlin.de,
www.komische-oper-berlin.de 

Handlung …
Das Werk handelt von Leben, Tod und Auferstehung Marías, der Schutz-heiligen der Stadt Buenos Aires. María ist der Tango selbst, aber auch die Frau schlechthin, die sich einer Stilisierung als Hure oder Heilige immer wieder zu entziehen versucht.
Im ersten Teil des Stücks wird die Titelheldin vorgestellt, ihre Geschichte und Herkunft werden skizziert, und wir erleben ihr Abgleiten in die Prosti-tution, das mit ihrem Tod endet. Der zweite Teil schildert ihr Begräbnis und die skurrilen Abenteuer ihres Schattens in den Straßen von Buenos Aires. Der Schlussabschnitt des Stückes zeigt Marías Wiedergeburt, und der Kreis schließt sich.

Wirkungsgeschichte der Oper …
Indem Astor Piazzolla mit seiner Komposition auf die verschütteten Wurzeln des Tango zurückgreift, reinigt er diese traditionelle argentinische Musik von den Klischees, mit denen sie belegt ist. In Piazzollas Aneignung geht der Tango weder in vordergründiger Erotik noch in den Versatzstücken des »Kampfs der Geschlechter« auf, sondern ist eine eigenständige und kraftvolle Sprache des Widerstands.
Der Tango-Forscher Dieter Reichardt schreibt in seinem 2003 erschienenen und sofort zum Standardwerk gewordenen Buch Tango: »Dass vom Tango in Europa, soweit er als Schlager und Gesellschaftstanz industrialisiert und ver-marktet wurde, nur ein Zerrbild vorhanden ist, das mit seiner eigentlichen Gestalt und Aussage ebenso wenig zu tun hat wie die in ihre individuelle Tonsprache umgesetzten Tangos von Strawinsky, Hindemith oder Krenek, entspricht maßstabsgerecht den wirtschaftlichen und politischen Machtverhältnissen.
Im einzelnen wäre da nach der Funktion zu fragen, die Musik in Klassenge-sellschaften erfüllt. So ist es bezeichnend, dass unsere Riesenenzyklopädien zum Tango im Fall des ›Meyer‹ keinen, des ›Brockhaus‹ einen einzigen und recht kuriosen bringen: Vom Schamanentanz zur Rumba. Danach darf man den Tango zwischen Sibirien und Kuba, zwischen Zauberei, Negersklaven, Besessenheit, Zuckerrohrplantagen, Neigung zur Epilepsie und Rasselinstru-menten vermuten, aber keineswegs in der Nähe von Chopin oder Puccini.

Es verbleibt als spezifische Ursache seiner Zurückweisung, dass der imma-nente soziale Gehalt des Tango ihn nicht in unser System einfügen lässt. In elitären Kreisen ist er nicht in, weil er es auch in seinen Heimatländern nicht war, von deren Eliten er eher schamvoll verschwiegen wurde, im Unter-schied zu denen der USA, die den fast gleichaltrigen Jazz sehr früh und stolz als typisches Landesprodukt exportierten. Solange die gesellschaftliche Kon-trolle nicht total war, konnte der Tango in permanenter Opposition gegen seine einheimische Geld- und Geisteselite heranreifen. Der Widerstandsgeist war ihm in seinen Ursprungsländern nicht mehr auszutreiben, als auch dort eine von oben gesteuerte Kulturindustrie in Gang kam. Er blieb, was er war: eine ansatzweise demokratisch strukturierte Kultur der Massen, deren bewusst wahrgenommene und durchgesetzte Werte und Eigenheiten sich nicht mehr wegstutzen ließen, um standarisierten Konsum zu ermöglichen. Die Manipu-lation der Massen, ihre Erziehung zu Konformismus und Kritiklosigkeit musste man mit anderen Produkten, notfalls mit Gewalt erreichen. Für eine Kultur, die aus den Massen selbst entstanden ist, und von ihnen in eigener Regie über mehrere Jahrzehnte hinweg organisiert wurde, ist aber hier wie in den sonstigen hochentwickelten Industriestaaten – vielleicht mit der Aus-nahme Japans – kein Platz.
Es kommt noch ein anderes Moment hinzu, das mit dem Kainsmal einer demokratischen Kultur verknüpft ist: der Tango ist nicht fröhlich, er gaukelt kein Weltbild vor, in dem alles sein gutes Ende findet, weil schließlich, von wem und wo oben auch immer, alles zum besten bestellt ist. Ein Tango im Lärm und Trubel einer Disko – Bar würde den Luftballon der Happiness zum Platzen bringen. Das mit phonpotenten Anlagen erzeugte Bankett der Ersatz-befriedigungen hätte auf einmal einen Gast, dessen lebenswahre Substanz die Minderwertigkeit von genormtem Plastik entlarven würde.«

Werk …
Mit ihrer »Operita«, in deren musikalisch Struktur zahlreiche Spielarten des »Tango Argentino« einbezogen sind, haben die Autoren ein singuläres Werk des Musiktheaters geschaffen. Sie verzichteten darauf, dem Stück eine zu-sammenhängende Handlung zu geben, und bezogen neben den Tango-Intonationen Formelemente der Kantate, der Messe, des Oratoriums und der Kammeroper mit ein. Astor Piazzolla hat das Werk, das seit seiner Urauf-führung im Jahre 1968 in verschiedenen Varianten gespielt worden ist, 1985 für eine große Orchesterbesetzung bearbeitet.
Das Libretto des exzentrischen Dichters Horacio Ferrer ergänzt die Musik durch eine zwischen Straßenpoesie und hoher Lyrik angesiedelte Dichtung, die vom Lunfardo (dem für Buenos Aires typischen Sprachgemisch aus Spanisch, Italienisch, anderen Einwanderer- und Indiosprachen) geprägt ist. Einmalig ist der formale Aufbau des Stückes, dessen sechzehn Bilder sich kreisförmig anordnen lassen. Der Kreislauf der Existenz, in den sich María gestellt sieht, kann am Ende erneut beginnen: So bietet Ferrers und Piazzollas Werk ein Bild der ewigen Wiederkehr, das Hoffnungslosigkeit und zugleich Vertrauen in die Kraft des Lebens signalisiert.

Inszenierungsansatz …
»Für Astor Piazzolla war das Bandoneon ›sein Psychiater‹, seine Lunge, sein Lebensatem und Motor. Mit dem Instrument verwachsen, beschwört und beschreitet er seine Welt im Rotationsprinzip des ›Tangomartyrium‹. Eine hermetisch abgeschlossene Welt, aus der es kein Entrinnen gibt. Meine Erfahrungs- und Bilderwelt als Regisseurin prallt auf die von Piazzolla und Ferrer. Im Bewahren der Fremdheit entsteht etwas Drittes. María ist das Scheitern, der Verlust, die Ausgegrenztheit und zugleich die nie endende Sehnsucht: paradise lost.«
Katja Czellnik inszeniert María de Buenos Aires als Passion, als existenzielle Bewegung, in welcher alle María sind – jeder für sich und alle gemeinsam. Ausbruchs- und Integrationsversuche, Ruhe und Aufbruch, Stilisierung und authentische Gefühlsregungen, Sterben und Aufleben werden entwickelt in einer aus der Musik lebenden dynamischen Gruppenchoreographie, die auch der Entfaltung des Einzelnen Raum lässt, und für die Sinnsuche im Leben des modernen Menschen steht.
                   [Text: Antje Kaiser, stückführende Dramaturgin der Komischen Oper Berlin]

Maria Stuarda

Von:
Gaetano Donizetti
Uraufführung: 30. Dezember 1835 (Mailand, Teatro alla Scala)

Zur Inszenierung des Staatstheater Darmstadt:

Premiere:
24. April 10

Musikalische Leitung:  Martin Lukas Meister
Inszenierung: Alfonso Romero Mora
Bühne: Dirk Hofacker
Kostüme: Gabriela Salaverri
Choreinstudierung: André Weiss

Besetzung:

Maria Stuarda:
Adréana Kraschewski
Elisabetta: Katrin Gerstenberger
Roberto, Conte di Leicester: Angelo Scardina
Lord Guglielmo Cecil: Oleksandr Prytolyuk
Giorgio Talbot: John In Eichen
Anna Kennedy: Margaret Rose Koenn
Elisabeth: Stephanie Theiß

Besprechung auf kulturfreak.de

Maria Stuarda
Staatstheater Darmstadt
Elisabetta (Katrin Gerstenberger), Elisabeth (Stephanie Theiß)
Foto:
Barbara Aumüller

Elisabeth I., Königin von England, und Maria Stuart, Königin von Schottland, sind Rivalinnen, nicht nur um den Thron, sondern auch in der Liebe. Beide lieben den Grafen Leicester. Elisabeth hält ihre Kontrahentin Maria schon seit Jahren gefangen, kann sich jedoch nicht zu einer endgültigen Entscheidung über ihr Schicksal durchringen. Durch Vermittlung Leicesters kommt es zu einer direkten Begegnung der beiden Rivalinnen, die in eine offene Konfrontation ausartet: Elisabeth bezichtigt Maria des Ehebruchs und des Verrats, Maria nennt Elisabeth einen Bastard.

Maria Stuarda (1834) gehört ebenso wie Anna Bolena (1830) und Roberto Devereux (1837) zur Königinnen-Trilogie Donizettis. Schillers Trauerspiel Maria Stuart bildete die Vorlage. Donizetti geht es in seiner Fassung jedoch weniger um die Staatsintrige. Er konzentriert sich vielmehr auf die beiden außergewöhnlichen Charaktere. Mit der eskalierenden Begegnung und Konfrontation der beiden Königinnen gelingt Donizetti dabei eine der eindrucksvollsten musikalischen Szenen seines Schaffens. [© Staatstheater Darmstadt]

www.staatstheater-darmstadt.de

Medea
Von: Aribert Reimann

Uraufführung: 28. Februar 2010 (Wien, Staatsoper Wien)

Zur Inszenierung der Oper Frankfurt:

Premiere: 5. September 10

Musikalische Leitung: Erik Nielsen
Regie, Bühnenbild und Licht:
Marco Arturo Marelli
Kostüme:
Dagmar Niefind

Besetzung:

Medea:
Claudia Barainsky
Gora, ihre Amme:
Tanja Ariane Baumgartner
Jason:
Michael Nagy
Kreon, König von Korinth:
Michael Baba
Kreusa:
Paula Murrihy
Ein Herold:
Tim Severloh


Frankfurter Opern- und Museumsorchester

www.oper-frankfurt.de

Zur Inszenierung der Wiener Staatsoper:

Premiere:
28. Februar 10 (Uraufführung)

Dirigent: Michael Boder
Inszenierung und Licht: Marco Arturo Marelli
Bühnenbild: Marco Arturo Marelli
Kostüme: Dagmar Niefind
Bühnenbildassistenz: Ludwig Stang
Kostümassistenz: Isolde Binsteiner

Besetzung:

Medea:
Marlis Petersen
Kreusa: Michaela Selinger
Gora: Elisabeth Kulman
Kreon: Michael Roider
Jason: Adrian Eröd
Herold: Max Emanuel Cencic

www.wiener-staatsoper.at

Médée
Musikalische Tragödie in fünf Akten

Von: Marc-Antoine Charpentier (1643 - 1704 )
Text: Thomas Corneille
Uraufführung: 4. Dezember 1693 (Paris, Palais Royal)

Zur Inszenerung der Oper Frankfurt:

Premiere:
13. Juni 11 (Bockenheimer Depot; Frankfurter Erstaufführung)

Musikalische Leitung: Andrea Marcon
Regie:
David Hermann
Bühnenbild und Kostüme:
Christof Hetzer
Dramaturgie:
Zsolt Horpácsy

Créon:
Vuyani Mlinde
Médée:
Anne Sofie von Otter
Nérine:
Eun-Hye Shin *
Créuse:
Christiane Karg
Jason:
Julian Prégardien
Arcas:
Simon Bailey
Oronte:
Sebastian Geyer

Frankfurter Opern- und Museumsorchester


* Mitglied des Opernstudios
 
www.oper-frankfurt.de

Das Medium (The Medium)
Monooper für Mezzosopran
Von: Peter Maxwell Davies
Uraufführung: 21. Juni 1981 (Stromness, Orkney, USA; Academy Hall)

Zur Inszenierung des ensemble adhoc:

Premiere: 9. Dezember 2008

Inszenierung:
Leo Krischke
Ausstattung: Friedrich Despalmes
Lichtdesign: Norbert Chmel
Dramaturgie: Angela Heide & Julia Zirkler
Produktionsleitung: artminutes
Ausstattungsmitarbeit: Gudrun Lenk-Wane
Technische Leitung: Veronika Leitl
Maske: Andrée Lauterbour

Mit: Annette Schönmüller
 
»Verehrte Damen und Herren! Bitte fühlen Sie sich nicht genötigt, mich zu bezahlen!« (Das Medium)

Mit der deutschsprachigen Inszenierung von Peter Maxwell Davies' 1981 entstandener Monooper für Mezzosopran solo präsentiert das ensemble adhoc zugleich auch das neue künstlerische Leitungsteam:
Neben Ensemble-Gründer Leo Krischke gehören seit 2007 die Sängerin Annette Schönmüller und der Bühnenbildner Friedrich Despalmes zur künstlerischen Leitung des 1999 gegründeten Wiener Ensembles.
Das selten gespielte Werk des 1934 geborenen renommierten britischen Komponisten stellt im internationalen Musiktheaterrepertoire eine singuläre Ausnahmestellung dar: Das knapp einstündiges Mono-Musikdrama konzentriert sich im Unterschied zu bekannteren musikalischen Ein-Personen-Dramen wie etwa Francis Poulencs La voix humaine oder Arnold Schönbergs Erwartung ohne jede Instrumentalbegleitung gänzlich auf die weibliche Singstimme des Mezzosoprans. Peter Maxwell Davies, von dem auch das Libretto stammt, stellt dabei der inhaltlichen Dichte des Textes eine grandiose, absolute Verdichtung der Form gegenüber.
Der spannungsgeladenen Drastik von Text und Komposition folgt auch die Regie des auf zeitgenössisches Musiktheater spezialisierten Regisseurs Leo Krischke, der 1997 mit seiner Inszenierung von Davies' Resurrection eine der aufregendsten Wiener Musiktheaterpremieren dieses Jahres herausbringen konnte. Die Wiener Zeitung schwärmte anlässlich der Premiere in Anwesenheit des Komponisten: »[...] eine Produktion, angesichts der man nur deshalb weiß, dass man nicht in der Wiener Staatsoper sitzt, weil die Staatsoper in letzter Zeit keine Produktion zuwege gebracht hat, die auch nur annähernd so aufregend gewesen wäre«.
Das speziell für den »Seziersaal« des 3raum Anatomietheaters entwickelte Raumkonzept hat der international tätige Wiener Bühnenbildner Friedrich Despalmes entworfen, der zuletzt mit seiner Bühne für Der Vetter aus Dingsda an der Wiener Volksoper erfolgreich war.
Zwischen äußerster Komplexität und banalstem menschlichem Gestus (»Ich bin ein Wechselbalg«) bewegt sich die weibliche Figur, die weniger als »einmaliger (weiblicher) Charakter« denn als eine Bündelung von Emotionen und Schicht für Schicht abgetragener psychischer Zustände bezeichnet werden kann: Kind und Mutter, Mörderin und (lange schon) Tote, Herrin und devot Untergebene, Hure und Hexe, Engel und Elfe.

Doch die Oper ist mehr als nur der paranoide Seelenterror eines »Mediums« und seiner vielen Gesichter. Das Medium ist mehr – vielleicht auch »zu viele« ... »Ich bin bereit. Mein Kopf ist geschoren. Kopfhörer an meinen Schläfen. Ich grüße Euch, meine Peiniger!« (Das Medium)


DER KOMPONIST
Peter Maxwell Davies
Peter Maxwell Davies wurde 1934 in Salford geboren und zählt seit den 1960er-Jahren zu den renommiertesten Vertretern der musikalischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts und in der Nachfolge Benjamin Brittens zu den bedeutendsten Komponisten Großbritanniens. Davies studierte an der University of Manchester und am Royal Manchester College of Music, wo er gemeinsam mit seinen Mitstudenten Harrison Birtwistle, Alexander Goehr, Elgar Howarth und John Ogdon eine der damals führende jungen Gruppe für zeitgenössische Musik – die New Music Manchester – gründete. 1967 gründete er zusammen mit Harrison Birtwistle die »Pierrot Players«, 1970 wurde das Ensemble als »The Fires of London« neu formiert und bestand als solches bis 1987. Nach weiteren Studienaufenthalten in Rom (bei Goffredo Petrassi) und an der Princeton University (bei Roger Sessions, Milton Babbitt und Earl Kim) war Davies von 1959 bis 1962 Musikdirektor an der Cirencester Grammar School, ehe er von 1965 bis 1966 als »Composer in Residence« am Elder Conservatorium of Music der University of Adelaide (Australien) tätig war. 1977 initiierte der Komponist auf der britischen Insel Orkney das renommierte St. Magnus Kulturfestival, in dessen Rahmen in den folgenden Jahren eine Reihe seiner Werke uraufgeführt wurden. Von 1979 bis 1984 war er künstlerischer Leiter der Dartington Summer School, von 1992 bis 2002 stellvertretender Dirigent und Komponist des Royal Philharmonic Orchestra.
Davies dirigierte in den letzten zwanzig Jahren zahlreiche internationale Orchester, darunter das Philharmonia Orchestra, das Cleveland Orchestra, das Boston Symphony Orchestra und das Leipziger Gewandhausorchester.
1981 erhielt er den Order of the British Empire (CBE), 1987 wurde der Komponist in den Adelsstand erhoben. Seit 2004 ist er Master of the Queen's Music des Royal Household of the Sovereign of the United Kingdom.
Die 1980 uraufgeführte Oper The Lighthouse gilt heute als Davies' populärste Oper, er schrieb eine Reihe leichterer Orchesterwerke wie beispielsweise Mavis in Las Vegas und An Orkney Wedding, with Sunrise (u. a. unter Beteiligung von Dudelsäcken) sowie einige Theatermusiken für Kinder und eine große Anzahl von Musik zu pädagogischen Zwecken.
In Wien wurde zuletzt in der Spielzeit 2006/07 die Bühnenversion von Davies' Eight Songs for a Mad King an der Wiener Kammeroper uraufgeführt.

Werke (Auswahl)
1955 Trumpet Sonata
1958 Prolation (sein 1. Orchesterwerk)
1962–1968/1970 Taverner
1966 Revelation and Fall
1969 Eight Songs for a Mad King, St. Thomas Wake, World´s Blis, Vesalii Icones
1976 The Martyrdom of St Magnus, Vollendung seiner 1. Sinfonie
1980 The Lighthouse
1981 The Medium
1982 Sinfonia Concertante
1988 Resurrection
1996 The Doctor of Myddfai
1987–1996 Strathclyde Concertos
bis 2000 Symphonies No.1–No.7
2000 Symphony No. 8, Antarctic
2002 Beginn der Arbeit an einer Serie von Streichquartetten für das Maggini String Quartet, die auf dem Schallplattenlabel Naxos erscheinen (Naxos Quartets)

ensemble adhoc
Seit 1999 produziert das Wiener ensemble adhoc an der Schnittstelle zwischen zeitgenössischem Sprechund Musiktheater. 1998 gegründet von dem Regisseur Leo Krischke und den Schauspielern Kerstin Slawek und Andreas Bettinger, stellt sich das Ensemble mit der aktuellen Produktion in einer neuen Formation vor.
Nach einigen Jahren künstlerischer Pause, in denen die Mitglieder der Gruppe vor allem international tätig waren, bilden seit 2007 neben Leo Krischke der Wiener Bühnen- und Kostümbildner Friedrich Despalmes sowie die Münchner Sängerin Annette Schönmüller das Leitungsteam der Gruppe.
Mit Das Medium präsentiert ensemble adhoc nach Tanz auf dem Vulkan (2003, schikaneder) im 3raum Anatomietheater die aktuelle Musiktheaterproduktion.

Produktionen (Auswahl)
1999 Liebestoll (Sam Shepard), Theater des Augenblicks
2001 Der reizende Reigen nach dem Reigen des reizenden Herrn Arthur Schnitzler (Werner Schwab), Theater Spielraum
2002/03 Jahreszyklus Vollmondnächte (Weannachten, Tanz auf dem Vulkan u. a.), Theater Spielraum
2003 Festival MARLENI: THEATER – FILM – DIALOG: Marleni – Preußische Diven blond wie Stahl/Thea Dorn, »Merkwürdige Gleichzeitigkeiten«/Angela Eder, Filmschau Leni Riefenstahl, Symposion u. a. m.), schikaneder, Wien (www.marleni.info)
2003/04 Tournee Marleni – Preußische Diven blond wie Stahl: St. Pölten, Linz, Salzburg, Regensburg
2004 Fuga (Suzanne van Lohuizen), KosmosTheater
2008 Das Medium (Peter Maxwell Davies), 3raum Anatomietheater

Leo Krischke – Inszenierung
Leo Krischke studierte Theater- und Musikwissenschaft an der Universität Wien sowie Musiktheaterregie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und bei Ruth Berghaus (Meisterkurs Berlin). Es folgten Regiemitarbeiten u. a. bei Ruth Berghaus, Hans Neuenfels und Olivier Tambosi an Wiener Volksund Staatsoper, Deutsche Oper Berlin, Staatsoper Stuttgart, Staatsschauspiel Stuttgart, Opernhaus Zürich, bei den Salzburger Festspielen und den Wiener Festwochen.
Seit 1992 erarbeitete Krischke eigene Opern- und Schauspielinszenierungen (u. a. von A. Berg, P. Hindemith, H. Purcell, G. Kühr, P. M. Davies, S. Shepard, W. Schwab, W. Sauseng, Th. Dorn, J. Offenbach, S. v. Lohuizen, K. Weill, K. Schwertsik, G. Büchner, O. Neuwirth) in Wien (Odeon, dietheater Künstlerhaus, Jugendstiltheater, Theater des Augenblicks, Theater Spielraum, Kirche St. Ursula, schikaneder, KosmosTheater, Wiener Festwochen/WIENER MOZARTJAHR 2006/stadtTheater walfischgasse), Graz (Schauspielhaus, Grazer Oper), Berlin (Akademie der Künste), Linz (Posthof), Regensburg (Turmtheater), Antwerpen (de Singel), Amsterdam (Stadsschouwburg) und Glasgow (Mayfest Festival). 1995–1997 war der 1972 in Wien geborene Regisseur künstlerischer Leiter der Wiener Taschenoper; seit 1999 ist er künstlerischer Leiter des im gleichen Jahr gegründeten ensemble adhoc.
Seit 2005 ist Leo Krischke daneben künstlerischer Produktionsleiter bei der RuhrTriennale. 2001/02 war Leo Krischke Gastprofessor für Regie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, 2003 leitete er das Festival Marleni – Film-Theater-Dialog gemeinsam mit Angela Heide, mit der ihn die aktuelle Produktion Das Medium künstlerisch wieder zusammenführt. 1992 Auszeichnung der Richard-Wagner-Stipendienstiftung 2003 Prämierung durch das Bundeskanzleramt der Republik Österreich für die Produktion Marleni von Thea Dorn
2003 Gewinner des ring.award.03 – Internationaler Wettbewerb für Regie und Bühnenbild (Preis der Intendantenjury/Preis der Stadt Graz) 2008 Gewinner bei operare08 – Interdisziplinärer Realisierungswettbewerb/Zeitgenössische Oper Berlin
www.leokrischke.com


Friedrich Despalmes – Bühne und Kostüm
Friedrich Despalmes studierte an der Akademie der Bildenden Künste bei Lois Egg, wo er sein Studium 1983 mit einer Arbeit über Mozarts Zauberflöte abschloss. Schon während des Studiums begann seine Zusammenarbeit als Ausstatter mit dem Max Reinhardt Seminar und der Opernschule der Wiener Musikhochschule im Schönbrunner Schlosstheater; es folgten zahlreiche Arbeiten für die freie Wiener Opernszene (u. a. Macbeth, The Rape of Lucretia, Lulu, Billy Budd, Lear, Mahagonny, Candide) und den Wiener Klangbogen (Die Reise ins Paradies, Die Fledermaus) sowie Engagements an zahlreichen Wiener, österreichischen und internationalen Häusern, darunter Wiener Kammeroper, Volkstheater (Medea, Figaro lässt sich scheiden), Theater in der Josefstadt (Das lebenslängliche Kind, Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde, Eisenbahnheiraten), Theater St. Pölten (Wilhelm Tell, Faust I, Anatevka, The Sound of Music u. a.), Stadttheater Klagenfurt (La voix humaine, Der Vetter aus Dingsda, Don Carlo u. a.), Linzer Landestheater (Die Zauberflöte), Tiroler Landestheater (Liebe in Madagaskar, Amphitryon, Floh im Ohr), Schauspielhaus Salzburg, Altes Schauspielhaus Stuttgart, Schauspiel Frankfurt, Oper Bielefeld (Werther), Oper Cottbus (Die Schöne und das Biest), Staatstheater Oldenburg (Hoffmanns Erzählungen), Theater der Stadt Heidelberg (Cosí fan tutte, Die verkaufte Braut, Tosca), Vereinigte Bühnen Bozen (Der Zerrissene) und Litauische Nationaloper Vilnius (Turandot).
Zu Friedrich Despalmes' aktuellen Arbeiten zählen u. a. die Ausstattung von Der Vetter aus Dingsda an der Wiener Volksoper (Premiere: September 2008, Regie: Olivier Tambosi) und Bühnen- und Kostümbild für Martin Scharnhorsts Inszenierung von Kathrin Rögglas mehrfach ausgezeichnetem Stück Draußen tobt die Dunkelziffer am Schauspielhaus Salzburg (Premiere: 5. November 2008).
http://embers.chello.at/friedrich-despalmes


Annette Schönmüller – Mezzosopran
Annette Schönmüller, geboren in München, absolvierte vor ihrem Gesangsstudium bei Colleen Rae Holmes an der Wiener Musikuniversität ein Studium im Konzertfach Orgel-, sowie Instrumentalpädagogik und Dirigieren.
Zum klassischen Rollenrepertoire der Sängerin zählen Carmen, Czipra und Messaggiera sowie Preziosilla, Fenena und Maddalena. Als gefragte Interpretin zeitgenössischer Musik bilden (Musiktheater-)Werke des 20. und 21. Jhts., die neben dem musikalischen auch besonderen darstellerischen Einsatz fordern, einen wichtigen Arbeitsschwerpunkt der Sängerin. Annette Schönmüller sang zahlreiche Ur- und Erstaufführungen, darunter Helga in K. Schwertsiks Katzelmacher (Neue Oper Wien, 2005), Magdalena in C. Coburgers Zwischenfälle (Donaufestival NÖ 2004) und Messaggiera in C. Cechs/C. Monteverdis Orfeo

(Nederlands Kameropera Festival, Zwolle 2005).
Engagements führten die Künstlerin bislang in die Münchener Philharmonie, den Mannheimer Rosengarten, das Jugendstiltheater Wien, das Nederlands Kameropera Festival, an die Neue Bühne Villach, das Donaufestival NÖ, Neue Oper Wien, SireneOperntheater Wien und sie gab Liederabende in Österreich, Deutschland, der Slowakei und in Frankreich.
Künstlerische Zusammenarbeit u.a. mit Leonard Prinsloo, Carlos Wagner, Leo Krischke, Anselm Lipgens, Karoline Gruber, Walter Kobéra, Till A. Körber, Savaria Symphonie Orchester, pro arte Orchester Wien, amadeus ensemble-Wien, Ensemble für Neue Musik/Bruckneruniversität Linz. Neben ihrer klassisch-sängerischen Tätigkeit sucht Annette Schönmüller verstärkt die Zusammenarbeit mit KünstlerInnen anderer Sparten: so verfasste sie gemeinsam mit Lucas Cejpek einen literarischen Streifzug durch „Einsingzimmer“, der im November 2008 vom ORF als Hörspiel gesendet wird. Weiters ist u.a. eine von Annette Schönmüller konzipierte textlich-musikalische Neudeutung von Cocteaus/Poulencs La voix humaine in Vorbereitung.
www.schoenmueller.at

Spielort: 3raum Anatomietheater, Beatrixgasse 11, 1030 Wien
Kartenreservierungen unter: +43.650/323 33 77
Online-Reservierung unter:
www.3raum.or.at
Kartenpreise: 16 €, 12 € ermäßigt
www.ensembleadhoc.at.tf

Mefistofele
Oper in einem Prolog, vier Akten und einem Epilog

Von: Arrigo Boito
Dichtung: vom Komponisten nach Johann Wolfgang Goethes Faust I und II
Uraufführung: 5. März 1868 (Mailand, Teatro alla Scala )

Zur Inszenierung der Oper Frankfurt:

Premiere:
16. Mai 04
Wiederaufnahme: 16. Januar 10
Weitere Vorstellungen: 22., 30. Januar, 5., 12. Februar 2010 (zum letzten Mal)

Musikalische Leitung: Carlo Montanaro
Inszenierung: Dietrich Hilsdorf
Szenische Leitung der Wiederaufnahme: Fabian von Matt
Bühnenbild und Kostüme: Johannes Leiacker
Dramaturgie: Norbert Abels
Licht: Olaf Winter
Chor und Kinderchor: Michael Clark

Besetzung der Wiederaufnahme:

Mefistofele:
Askar Abdrazakov
Faust: Gustavo Porta
Margherita: Julie Makerov
Elena: Sophie Angebault
Martha: Tanja Ariane Baumgartner
Pantalis: Katharina Magiera
Wagner: Hans-Jürgen Lazar
Neréo: Michael McCown
Chor, Kinderchor und Statisterie der Oper Frankfurt
Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Neben die metaphysische Universaltragödie vom Fall des hybriden Wissenschaftlers trat in Goethes Faust I und II die Gretchentragödie nach dem Schicksal der Susanna Margaretha Brandt, die 1772 als Kindsmörderin in Frankfurt hingerichtet wurde. In der Opernvertonung dieses Stoffes von Arrigo Boito (1842-1918) wird die Handlung um Gretchen ins Zentrum gerückt und im Titel Mefistofele die Rolle des stets verneinenden Geistes hervorgehoben. Die Uraufführung der ersten Fassung an der Mailänder Scala 1868 geriet zu einem desaströsen Misserfolg. Erst 1875 gelang der Oper in einer umgestalteten und deutlich gekürzten Fassung in Bologna der Durchbruch.

„Eine in jeder Beziehung respektable Faust-Adaptation. In der Oper Frankfurt jetzt ein weiterer Leistungsnachweis, der das Prädikat ‚Opernhaus des Jahres’ eindringlich bestätigt.“, so urteilte ein Kritiker nach der Premiere am 16. Mai 2004. Nun wird die Produktion des durch aufsehenerregende Inszenierungen von sich reden machenden Regisseurs Dietrich Hilsdorf im Bühnenbild von Johannes Leiacker zum zweiten und letzten Mal mit wichtigen Neubesetzungen wiederaufgenommen.

Der russische Bassist Askar Abdrazakov (Mefistofele) gastierte hier bereits in Mussorgskijs Chowanschtschina sowie in Rimski-Korsakows Die Zarenbraut. Weitere Engagements führten ihn an die Mailänder Scala und die Metropolitan Opera in New York sowie in die Arena di Verona. Der Argentinier Gustavo Porta (Faust) verkörperte in Frankfurt bisher Cavaradossi in Puccinis Tosca und Paco in de Fallas Das kurze Leben. Zudem gastiert er regelmäßig an der Deutschen Oper Berlin. 2007/08 feierte die amerikanische Sopranistin Julie Makerov (Margeritha) in Frankfurt ihr Europa-Debüt als Puccinis Tosca. Sie gastiert häufig an den Opernhäusern ihres Heimatlandes, darunter auch an der New Yorker Met. Aus dem Ensemble sind Tanja Ariane Baumgartner (Martha) und Katharina Magiera (Pantalis) neu besetzt; Sophie Angebault (Elena) ist Mitglied des Frankfurter Opernstudios. Mit der Produktion seit der Premiere vertraut sind Hans-Jürgen Lazar (Wagner) und Michael McCown (Neréo). Die musikalische Leitung übernimmt erstmals bei dieser Inszenierung Carlo Montanaro, der 2007/08 mit Puccinis La Bohème an der Oper Frankfurt debütierte. Der Italiener arbeitet regelmäßig an den Bühnen seiner Heimat, darunter auch an der Mailänder Scala. [© Oper Frankfurt]

Preise: € 11 bis 77 zzgl. 12,5% Vorverkaufsgebühr (außer an der Vorverkaufs- und Abendkasse der Oper Frankfurt) Karten sind bei den üblichen Vorverkaufsstellen, online unter
www.oper-frankfurt.de oder per Ticket-Hotline 069 – 13 40 400 erhältlich. Bei Buchung von Vorstellungen bis 4 Wochen vor dem Aufführungstermin gilt ein Frühbucherrabatt von 10% auf die oben angegebenen Preise.

Mosè in Egitto
Azione tragico-sacra in 3 Akten (6 Bildern)

Von: Gioachino Rossini (1792-1868)
Libretto: Andrea Leone Tottola, nach der Tragödie „L’Osiride“ (1760) von Francesco Ringhieri
Uraufführung:
1. Fassung: 5. März 1818 (Neapel, Teatro San Carlo)
2. Fassung: 7. März 1819 (Neapel, Teatro San Carlo)

Zur Inszenierung der Oper Zürich:

Premiere: 19. September 09
Weitere Vorstellungen:
23./25./27. September, 2./4./8./11./15./18./20./23. Oktober 09

Musikalische Leitung: Paolo Carignani
Inszenierung: Moshe Leiser, Patrice Caurier
Bühnenbild: Christian Fenouillat
Kostüme: Agostino Cavalca
Lichtgestaltung: Christophe Forey, Hans-Rudolf Kunz
Chor: Jürg Hämmerli
Choreographie: Beate Vollack

Amaltea: Sen Guo*
Elcia: Eva Mei*
Amenofi: Anja Schlosser*
Mosè: Erwin Schrott*
Faraone: Michele Pertusi
Osiride: Javier Camarena*
Aronne: Reinaldo Macias*
Mambre: Peter Sonn*
*Rollendebut

Es spielt das Orchester der Oper Zürich

Die erste Opernpremiere der Saison 2009/2010 im Opernhaus Zürich wartet mit einer Rarität auf: Gioachino Rossinis «Mosè in Egitto». Die 1818 am Teatro San Carlo in Neapel uraufgeführte «Azione tragico-sacra» verbindet die alttestamentarische Erzählung vom Auszug der Juden aus Ägypten mit einer Liebesgeschichte aus einem Drama der 1760er Jahre. Rossini und sein Librettist Andrea Leone Tottola thematisieren am Beispiel des Liebespaares Elcìa und Osiride die Auseinandersetzung miteinander im Streit liegender Völker und erzählen vom Konflikt zwischen familiären und nationalen Bindungen.

Nachdem sich Moshe Leiser und Patrice Caurier vor zwei Jahren mit Halévys «Clari» erstmals mit grossem Erfolg am Opernhaus Zürich vorstellten, wird das belgisch-französische Regieduo nun auch Rossinis Oper auf unkonventionelle Weise inszenieren, unterstützt werden sie dabei von Bühnenbildner Christian Fenouillat und Kostümbildner Agostino Cavalca.

Rossinis Meisterwerk, das mit der Preghiera des Titelhelden eine der berühmtesten musikalischen Schöpfungen des Komponisten enthält, ist nur selten auf einer Bühne sehen; dies liegt nicht zuletzt an der Schwierigkeit, eine adäquate Besetzung zu finden. Neben zwei charismatischen Bassisten müssen drei Soprane und drei Tenöre für zum Teil halsbrecherische Partien aufgeboten werden.

Erwin Schrott wird sich als Mosè eine wichtige Rolle des Belcanto-Repertoires erarbeiten. Mit Michele Pertusi als Faraone ist einer der grossen Rossini-Interpreten unserer Tage zu erleben. Rollendebüts geben ausserdem Eva Mei als Elcìa, Sen Guo als Amaltea, Javier Camarena als Osiride und Reinaldo Macias als Aronne. Als neue Mitglieder des Opernhaus-Ensembles stellen sich die aus dem Internationalen Opernstudio hervorgegangene Sopranistin Anja Schlosser als Amenofi und der junge österreichische Tenor Peter Sonn als Mambre vor. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Paolo Carignani. [© Oper Zürich]

Kartenbestellungen: Opernhaus Zürich, Billettkasse, Tel. +41 44 268 66 66,
www.opernhaus.ch

Moses und Aaron

Musik & Text:
Arnold Schönberg

Oper in drei Akten (unvollendet)

Uraufführungen:
1. Konzertant: 12. März 1954 (NWDR, Hamburg, ohne den 3. Akt)
2. Szenisch: 6. Juni 1957 (Opernhaus Zürich, ohne den 3. Akt)
3. Szenisch: 4. Oktober 1959 (Deutche Oper Berlin; mit Text des fragmentarischen 3.Aktes, mit Musik aus dem 1. Akt)

Zur Inszenierung der Hamburgischen Staatsoper:

Für Arnold Schönberg war die Arbeit an »Moses und Aron« ein äußerst langwieriger Prozess. Erste Pläne zu einer szenischen und musikalischen Umsetzung des biblischen Bilderverbots fasste er bereits in den 1920er-Jahren. Erst 1954, drei Jahre nach dem Tod des Komponisten, wurde die Oper in der Hamburger Musikhalle konzertant uraufgeführt. Schönberg selbst hat also nie miterlebt, wie sich der stumme Moses und der stimmgewaltige Aron in seinem von Paradoxa und Dualismus geprägten Werk gegenüberstehen. 50 Jahre nach der Uraufführung, in ihrer letzten gemeinsamen Spielzeit an der Hamburgischen Staatsoper, haben Peter Konwitschny und Ingo Metzmacher den Tanz um das goldene Kalb im Jahr 2004 in ein neues Licht gesetzt.

Inszenierung: Peter Konwitschny
Ausstattung: Johannes Leiacker
Dramaturgie: Werner Hintze
Licht: Hans Toelstede

Inhalt:

Erster Akt:

Moses erfährt die Gegenwart Gottes. Dem Auftrag, den Inhalt dieses Erlebnisses seinem Volk zu verkünden, kann er sich nicht entziehen. Sein Bruder Aron soll Moses Gedanken aussprechen.

Die beiden Brüder, von ihrem göttlichen Auftrag gleichermaßen beseelt wie überfordert, ringen um die notwendige Vermittlung des nicht Vermittelbaren.

Unter dem apathisch dahindämmernden Volk verbreitet sich die Nachricht, dass Moses zurückgekehrt ist, um einen neuen Gott zu verkünden. Moses spricht vom einzigen, ewigen, allmächtigen, unvorstellbaren und unsichtbaren Gott. Aron versucht, seine Worte in Begriffe zu übersetzen, die dem Volk verständlich sind. Da die Leute die Gefolgschaft verweigern, verblüfft sie Aron mit einigen Wundern. Als er ihnen verspricht, der neue Gott habe sie vor allen Völkern auserwählt und werde sie in das Land führen, wo Milch und Honig fließen, gewinnt er die Menge für die neue Lehre.

Zwischenspiel:

Moses hat sich in die Einsamkeit zurückgezogen, um das Gesetz niederzuschreiben.

Zweiter Akt:

Seit vierzig Tagen ist Moses verschwunden. Unter dem wartenden Volk breitet sich Anarchie aus. Die Masse verlangt ultimativ die alten Götter zurück. Aron muss sich den Forderungen beugen und den Verunsicherten ein Bild geben, das sie anbeten können.

Das Opferritual mündet in eine wüste erotische Orgie.

Moses steigt vom Berg herab und stellt Aron zur Rede. Aron verteidigt sich: Die Existenz des Volkes stand auf dem Spiel, darum musste er handeln. Aber für Moses ist das Dasein ohne den Gottesgedanken sinnlos. Die Auseinandersetzung eskaliert und bleibt unentscheidbar. Während das Volk der Feuersäule folgend in das gelobte Land zieht, versinken Moses und Aron in Verzweiflung.

Q. & ©: Hamburger Staatsoper

Moses und Pharao (oder Die Durchquerung des Roten Meeres (Moise et Pharaon, ou Le passage de la Mer Rouge)
Oper in vier Akten

Von: Gioacchino Rossini
Libretto: Victor-Joseph-Etienne de Jouy und Luigi Balocchi
Uraufführung: 26. März 1827 (Paris, Théâtre de l'Académie Royale de Musique)

Zur Inszenierung des Staatstheater Nürnberg:

Premiere:
30. Januar 10
In frz. Sprache mit dt. Übertiteln

Musikalische Leitung: Guido Johannes Rumstadt
Inszenierung: David Mouchtar-Samorai
Bühne: Heinz Hauser
Kostüme: Urte Eicker
Choreinstudierung: Edgar Hykel
Choreographie: Christiane Milenko
Dramaturgie: Johann Casimir Eule

Besetzung:
Moïse:
Nicolai Karnolsky
Moïse (Schauspieler): Sebastian Dominik
Pharaon: Melih Tepretmez
Aménophis: David Yim
Éliézer: Richard Kindley
Osiride: Vladislav Solodyagin
Aufide: Kalle Kanttila
Sinaide: Ezgi Kutlu
Anai: Hrachuhí Bassénz
Marie: Teresa Erbe
Une Voix mistérieuse: Vladislav Solodyagin

www.staatstheater-nuernberg.de

La Muette de Portici (Die Stumme von Portici)
Große Oper in fünf Akten

Von: Daniel-François-Esprit Auber (1782 – 1871)
Dichtung: Eugène Scribe und Germain Delavigne
Uraufführung: 29. Februar 1829 (Paris, Grand Opéra)

Zur Inszenierung des Anhaltischen Theater Dessau:
In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere: 24. April 10
Weitere Vorstellungen: 30. April, 2., 16., 22. Mai und 4. Juni 10

Musikalische Leitung: GMD Antony Hermus
Inszenierung: André Bücker
Bühne: Jan Steigert
Kostüme: Suse Tobisch
Dramaturgie: Heribert Germeshausen
Chor: Helmut Sonne

Besetzung:
Elvire:
Angelina Ruzzafante
Masaniello: Diego Torre
Fenella: Gabriella Gilardi
Alphonse: Eric Laporte/ Oscar de la Torre
Pietro: Wiard Witholt
Lorenzo: Angus Wood
Selva: Ulf Paulsen
u.a.

Mit diesem Werk kehrt nach jahrzehntelanger Abwesenheit eine der erfolgreichsten Opern des 19. Jahrhunderts auf die Dessauer Opernbühne zurück. Das diesjährige Spielzeitmotto des Anhaltischen Theaters – „Utopie und Wahnsinn“ in politischer Grundierung – konkretisiert sich nach Andrea Moses aufregender „Lohengrin“ - Neuinszenierung wahrscheinlich in keinem Werk besser als in diesem Werk Aubers, dass 1830 als einziges Werk der Operngeschichte tatsächlich eine Revolution und die Realisierung eines damals als für utopisch gehaltenen Zustandes, die Unabhängigkeit Belgiens als demokratisch verfasster Nationalstaat auslöste.
Generalintendant André Bücker stellt sich mit dieser Inszenierung, die auch auf DVD aufgezeichnet wird, in Dessau erstmalig als Opernregisseur vor. In der zentralen Rolle des Masaniello gibt der 30 jährige Tenor Diego Torre sein Europadebüt. Torre ist einer der vielversprechendsten dramatischen Tenöre seiner Generation. 2008/2009 war er Mitglied des Domingo-Thornton Young Artist Program der Los Angeles Opera, an der er im Dezember 2008 mit triumphalem Erfolg in „Carmen“ als José debütierte. Diego Torre nahm 2003 in Mexiko an zahlreichen Wettbewerben teil und gewann den 2. Preis beim Nicolás Urcelay Wettbewerb, den 3. Preis beim Carlo Morelli Wettbewerb und den 1. Preis beim Francisco Araíza Wettbewerb. 2007 gewann er den 3. Preis bei „Neue Stimmen“. Diese Spielzeit debütierte er bereits an der Metropolitan Opera New York.
In weiteren zentralen Rollen sind Angelina Ruzzafante, Wiard Witholt und Eric Laporte/ Oscar de la Torre zu hören.

„La Muette de Portici“ gilt als die erste Grand Opéra mit allen typischen Merkmalen dieser Gattung: Eine tragische Liebesgeschichte in historischem Umfeld, Massenszenen mit großem Aufwand von Maschinerie, Bühnenbild und Kostüm. Auber zitierte die Revolutionsmusiken von 1789 in diese Partitur, ein Umstand der erheblich zu ihrer Popularität in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beitrug.

Zur Handlung: Fenella, die stumme Schwester Masaniellos, wird von Alphonse, dem Sohn des Vizekönigs von Neapel, kurz vor dessen standesgemäßer Heirat mit Elvire verführt und daraufhin vom Vizekönig ohne Alphonses Wissen eingekerkert. Fenella gelingt die Flucht. Als Masaniello von der Entführung erfährt, gibt er das von seinen Anhängern lange ersehnte Zeichen für den Aufstand. [© Anhaltisches Theater Dessau]

www.anhaltisches-theater.de

Murder in the cathedral (Assassinio nella cattedrale)
Tragedia musicale in zwei Akten und einem Intermezzo

Von: Ildebrando Pizzetti (1880 – 1968)
Text: Ildebrando Pizzetti nach dem Drama Murder in the Cathedral (1935) von Thomas Stearns Eliot, englische Fassung: Geoffrey Dunn
Uraufführung: 1. März 1958 (Mailand, Teatro alla Scala)

Zur Inszenierung der Oper Frankfurt:
(Frankfurter Erstaufführung)

Premiere: 1. Mai 11

Musikalische Leitung: Sebastian Weigle
Regie:
Christof Loy
Bühnenbild und Kostüme:
Herbert Murauer
Dramaturgie:
Norbert Abels
Licht:
Olaf Winter
Chor:
Matthias Köhler

Gabriel von Eisenstein:
Christian Gerhaher
Rosalinde:
Barbara Zechmeister
Frank:
Thorsten Grümbel
Prinz Orlofsky / Frosch:
Martin Wölfel
Alfred:
Stephan Rügamer
Dr. Falke:
Michael Nagy
Dr. Blind:
Hans-Jürgen Lazar
Adele:
Britta Stallmeister
Ida:
Andrea Dewell

Chor der Oper Frankfurt
Frankfurter Opern- und Museumsorchester

www.oper-frankfurt.de

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