Oper, Stückeinfo: K
 

Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung
Spiel in einem Akt

Von: Viktor Ullmann
Libretto: Peter Kein

Zur Inszenierung des Landestheater Linz:

Premiere:
18. Februar 10 (Kammerspiele)

Musikalische Leitung: Ingo Ingensand / Daniel Linton-France
Inszenierung: Rainer Mennicken
Bühne und Kostüme: Silke Fischer
Dramaturgie: Julia Zirkler

Besetzung:

Kaiser Overall:
Martin Achrainer
Der Lautsprecher: Leopold Köppl
Der Tod: Nikolai Galkin
Harlekin: Hans-Günther Müller
Ein Soldat: Iurie Ciobanu
Bubikopf: Teresia Bokor
Der Trommler: Elsa Giannoulidou

www.landestheater-linz.at

Kann Heidi brauchen, was es gelernt hat?
Szenisches Musikpanorama für 12 Musikerdarsteller

Eine Produktion im Rahmen des Fonds Experimentelles Musiktheater – Eine gemeinsame Initiative des NRW KULTURsekretariats und der Kunststiftung NRW in Zusammenarbeit mit dem Theater Bielefeld

Uraufführung:
6. Juni 2008 (Bielefeld, Theater am Alten Markt)

Zur Inszenierung de Theater Bielefeld:

Premiere: 6. Juni 08 (Uraufführung)

Musikalische Leitung: Titus Engel
Inszenierung: Leo Dick
Szenographie: Tassilo Tesche
Textarbeit, Szenarium: Felizitas Ammann
Dramaturgie: Jón Philipp von Linden, Thomas Witzmann

Besetzung:

Kandidat / »Hotel«-Glocken:
Titus Engel
Dete / Musikglocken, Schwyzerörgeli u.a.: Barbara Berger
Klara / Gesang, große Flöte: Danielle Bonito Salès
Rottenmeier / Klavier, Toy-Piano, Melodika, Flaschenspiel u.a.: Annekatrin Klein
Sebastian / Klavier, Toy-Piano, Melodika: Daniele Pintaudi
Brigitte / Violine, Zither, singende Säge: Swantje Tessmann
Peter 3 / Kontrabass, singende Säge: Martin Klein
Peter 2 / Alphorn, Gesang u.a.: Samuel Stoll
Peter 1 / Alphorn, Gesang, Englischhorn, Oboe: Mathias Bühler
Alpöhi / Musikglocken, Maultrommel, Gesang: Helmuth Westhausser
Doktor Stefan Imholz Großmutter / Musikglocken, Gesang: Christín Mollnar


Johanna Spyris Heidi – das sind schneebedeckte Berggipfel vor betörend blauem Himmel, meckernde Ziegen, die mit dem Geißenpeter bergauf ziehen, ein knorriger Großvater in seiner höhenluftumwehten Holzhütte, der im Grunde herzensgut ist, kurzum: Idylle pur. Zurück zur Natur, back to the roots, deine Welt sind die Berge: Heidi steht – nicht nur für Schweizer – für ein ungetrübtes Heimatbild und eine unbeschwerte Kindheit, in die wir uns alle manchmal zurücksehnen. Und doch bevölkern die beiden Heidi-Romane eine Reihe von Gestalten, die äußerlich oder innerlich versehrt sind, angefangen bei der kleinen Klara, die im fernen Frankfurt an den Rollstuhl gefesselt ist, über des Geißenpeters blinde Großmutter, die »das Heidi« so gern frische weiße Brötchen mitbringen würde, bis hin zum Alpöhi selbst, den ein dunkles Geheimnis einst in seine Einsamkeit trieb.

Kann Heidi brauchen, was es gelernt hat? macht sich auf die Suche nach dem verlorenen Heimatbegriff: Mit Alphörnern, Kuhglocken und weiteren einschlägigen Instrumenten befragt es die Figuren des Romans nach dem Vakuum, das Heidi bei ihnen hinterlassen hat, dabei stets den Diskurs zwischen »wirklicher Heimat« und ihren Klischees auslotend.
Angesichts des Bekanntheitsgrades des Kinderbuches wird dabei auf eine lineare Nacherzählung verzichtet, zugunsten einer frei assoziativen, quasi kompositorisch-sprachlichen Gestaltung der Thematik: Die Gegensatzpaare Natur – Kultur, Wildnis – Zivilisation, Ungebundenheit – Verantwortung, Instinkt – Erziehung prägen die Textgestaltung. Musikalisch fließen zwei Auffassungen ineinander: Musik als Ausdruck eines künstlerischen Individuums, basierend auf der Umsetzung einer differenzierten Partitur, und Musik im Sinne einer kollektiven Musizierpraxis, basierend auf der Pflege und Weiter-entwicklung überlieferter Lieder und Verse.
Das NRW KULTURsekretariat und die Kunststiftung NRW gründeten im Mai 2005 den Fonds Experimentelles Musiktheater. Ziel ist es, zeitgenössische Musiktheater-Produktionen zu initiieren, zu erproben und zu fördern, die das Wechselverhältnis von Sprache, Musik und Theater-Raum neu befragen und experimentell erkunden. Von besonderer Bedeutung ist dabei der Entwicklungsprozess, der sich frühzeitig auf den spezifischen Aufführungsraum der Uraufführung beziehen soll.

KOMPONISTENPORTRÄT LEO DICK
Im Rahmen der Aufführungen wird sich der junge Schweizer Komponist und Regisseur Leo Dick im Gespräch mit Musikdramaturg Jón Philipp von Linden am 09.06.08, 20:00 Uhr im OPERN.STUDIO vorstellen. Mit Christín Mollnar.

MUSIKALISCHE LEITUNG
Titus Engel ist Initiator der Akademie Musiktheater Heute sowie der Ligerzer Opernwerkstatt und Herausgeber der Anthologie Generation Oper – 15 junge Kommentare zur Situation der Oper (Saarbrücken 2001) sowie von Libretto – zeitgenössische Positionen (Saarbrücken 2006).
Seit 2004 erarbeitet Titus Engel mit dem Regisseur Andreas Bode und dem Ensemble Resonanz jährlich eine Opernproduktion. Dabei kamen bereits Aufführungen wie Webers Freischütz, Mozarts Don Giovanni und Monteverdis Orfeo zustande. 2003 war er Fellow von David Zinmans American Academy of Conducting at Aspen. Von 2002 bis 2005 wurde er vom DIRIGENTENFORUM des Deutschen Musikrats gefördert. Als Assistent von Marc Albrecht und Peter Rundel war er an der Deutschen Oper Berlin, der Opéra de Paris und am Teatro Real Madrid tätig.
Neben der Oper ist die zeitgenössische Musik der zweite Arbeitsschwerpunkt von Titus Engel. Im Jahr 2000 wurde er zum musikalischen Leiter des Ensemble Courage Dresden ernannt, das sich seither zu einem der profiliertesten jungen Ensembles Deutschlands entwickelt hat. Als Gast leitete er u. a. die musikFabrik NRW, die Ensembles »Recherche«, »Ascolta« und »Modern« sowie das Kammerensemble Neue Musik Berlin. Er hat zahlreiche Werke für Rundfunk und CD-Aufnahmen eingespielt und über 30 Werke uraufgeführt, darunter Kompositionen von Wolfgang Rihm, Benjamin Schweitzer, Olga Neuwirth, Enno Poppe und Klaus Lang.
Titus Engel studierte Musikwissenschaft und Philosophie in Zürich und Berlin sowie Dirigieren an der Hochschule für Musik Dresden.

INSZENIERUNG
Der Schweizer Leo Dick erhielt 2007 den Förderpreis des Fonds Experimentelles Musiktheater NRW für das Projekt Kann Heidi brauchen, was es gelernt hat? Im selben Jahr schloss er sein Studium in der Meisterklasse Komposition/Musiktheater von G. Aperghis an der Hochschule der Künste Bern ab. Außerdem studierte er Komposition an der Universität der Künste Berlin (Diplom 2004) sowie Regie an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin (2000-2006, Diplomprüfung 2008).
Während des Studiums war er als Lehrer für Musiktheorie an der Musikschule Konservatorium Bern sowie als Regieassistent am Theater Luzern tätig und absolvierte Produktionshospitanzen beim Festival Rümlingen (2005) und beim Berliner Festspielhaus (2003). 2003 erhielt er den ersten Preis im Kompositionswettbewerb der Hochschule für Musik und Theater Zürich für Farblichtflügel.

TEXTARBEIT, SZENARIUM
Felizitas Ammann arbeitet als freischaffende Journalistin und Kritikerin (u.a. für Tages-Anzeiger Zürich, Schweizer Radio DRS2 und nachtkritik.de) sowie als freie Dramaturgin im Theater- und Tanzbereich, zuletzt für Sandra Schöll (corporeal. prod.) in Basel. Sie studierte Germanistik, Theater- und Kunstwissenschaft in Basel, Bern und Berlin und schloss 2002 mit Lizentiat ab. Während des Studiums führte sie Regie bei Jugendtheaterproduktionen und absolvierte Hospitanzen am Theater Basel. 2002 bis 2003 war sie wissenschaftliche Assistentin und Dozentin am Deutschen Seminar der Universität Basel.

SZENOGRAPHIE
Seit 2005 arbeitet Tassilo Tesche freischaffend und gestaltete Bühne und Kostüme u.a. für Untergrundkrieg an den Münchner Kammer-spielen, drei Uraufführungen bei den World New Music Days am Luzerner Theater, Rossignol und Mavra am Theater Aachen und zuletzt Gift am Schlachthaustheater Bern und dem Theater an der Winkelwiese. Von 2003 bis 2005 war er als Bühnenbildassistent am Luzerner Theater. Er arbeitete u.a. mit Robert Wilson, Daniel Libeskind und Christoph Schlingensief zusammen.
Tassilo Tesche studierte an der Accademia di Belle Arti in Venedig Bühnenbild und an der Hochschule der Künste in Berlin Architektur. Schon während seines Studiums war er mit kleineren Arbeiten als Ausstatter an der Schaubühne am Lehniner Platz und am Berliner Ensemble vertreten.

[© Theater Bielefeld]

www.theater-bielefeld.de

Katja Kabanova

Oper in drei Akten von:
Leoš Janáček
Text: Leoš Janáček (nach dem Schauspiel Das Gewitter (1859) von Alexandr Nikolajewitsch Ostrowski)

Uraufführung: 23. November 1921 (Brünn, Nationaltheater)

Zur Inszenierung der Oper Bonn:

Premiere:
2. Mai 10

Musikalische Leitung: Will Humburg
Inszenierung: Balázs Kovalik
Ausstattung: Csaba Antal

Besetzung:

Dikoj: Ramaz Chikviladze
Boris: George Oniani
Kabanicha: Daniela Denschlag/Anjara I. Bartz
Tichon: Mark Rosenthal
Katja: Irina Oknina/Julia Kamenik
Barbara: Susanne Blattert
Wanja: Tansel Akzeybek
Kuligin: Martin Tzonev

Chor des THEATER BONN
Beethoven Orchester Bonn

www.theater-bonn.de

Zur Inszenierung des Staatstheater Darmstadt:
(in deutscher Sprache)

Premiere: 19. September 09
Musikalische Leitung: Martin Lukas Meister
Inszenierung: John Dew
Bühne: Heinz Balthes
Kostüme: José-Manuel Vázquez
Choreinstudierung: André Weiss

Besetzung:

Sawjol Prokofjewitsch Dikoj:
Andreas Daum
Boris Grigorjewitsch: Norbert Schmittberg
Marfa Ignatjewna Kaban: Sonja Borowski-Tudor
Tichon Iwanytsch Kabanow: Andreas Wagner
Katherina: Susanne Serfling
Wanja Kudrjasch: Lucian Krasznec
Barbara: Viola Zimmermann
Kuligin: Werner Volker Meyer
Glascha: Margaret Rose Koenn
Fekluscha: Niina Keitel
Eine Frau aus dem Volk: Barbara Haber

www.staatstheater-darmstadt.de

Zur Inszenierung der Oper Frankfurt:

Wiederaufnahme:
11. November 05

Musikalische Leitung: Lothar Zagrosek
Inszenierung: Anselm Weber
Szenische Leitung der Wiederaufnahme: Katharina Thoma / Alan Barnes
Bühnenbild: Hermann Feuchter
Kostüme: Bettina J. Walter
Dramaturgie: Werner Hintze / Hendrikje Mautner
Licht: Olaf Winter
Chor: Alessandro Zuppardo

Besetzung Wiederaufnahme Saison 05/06:

Dikoj: Magnus Baldvinsson
Boris: Michael König
Kabanicha: Elzbieta Ardam
Tichon: Hans-Jürgen Lazar
Katja: Ann-Marie Backlund
Kudrjáš: Peter Marsh
Varvara: Jenny Carlstedt
u.a.

„Ich habe eine neue Oper angefangen“, schrieb Leoš Janáček (1854-1928) im Januar 1920 an seine Geliebte Kamila Stösslová, die als Vorbild die großen Frauengestalten seiner späten Opern prägte. „Die Hauptfigur ist eine Frau von so sanftem Gemüt, dass eine leichte Brise sie schon davonwehen würde, geschweige denn der Sturm und das Gewitter, das über sie hereinbricht.“

Von ihrem Ehemann Tichon und dessen Mutter Kabanicha gekränkt, vertraut Katja Varvara an, dass sie einen anderen Mann, Boris, liebe. Als Tichon auf Geschäftsreise geht, trifft sich Katja heimlich mit Boris, wird jedoch nach Tichons Rückkehr von ihrem schlechten Gewissen gequält. Durch ein Gewitter in Aufruhr versetzt, gesteht sie schließlich ihren Ehebruch. Von allen Menschen verachtet, wünscht sie sich den Tod. Bei einem letzten Treffen mit Boris müssen beide die Unerfüllbarkeit ihrer Liebe erkennen. Katja stürzt sich in die Wolga. Erst nach ihrem Tod findet Tichon die Kraft, sich gegen seine Mutter aufzulehnen.


Zum ersten Mal wird Anselm Webers Inszenierung vom Januar 2004 in den Spielplan der Oper Frankfurt wiederaufgenommen. Inzwischen bekleidet der Regisseur seit der Saison 2003/04 die Position des Intendanten am Schauspiel Essen. Seine Sicht auf die Geschichte einer jungen Frau, die an der Kälte und Gleichgültigkeit ihrer Umwelt scheitert, fand bei Publikum und Presse gleichermaßen großen Anklang. „Die lyrische Spannung einer hochkonzentrierten Aufführung bewegt sich bis zum tödlichen Ende auf höchstem Niveau“, konnte man in einer der Kritiken lesen. Die Wiederaufnahme weist drei Neubesetzungen aus dem Ensemble der Oper Frankfurt auf: So gibt Ann-Marie Backlund, umjubelte Jenufa der letzten Spielzeit, nun auch ihr Rollendebüt als Katja. Peter Marsh singt in dieser Produktion erstmals den Kudrjáš; Hans-Jürgen Lazar übernimmt den Tichon. Die musikalische Leitung dieser Wiederaufnahme liegt, wie bereits bin der Premierenserie, bei Lothar Zagrosek, seit 1997 GMD in Stuttgart. [© Oper Frankfurt]

www.oper-frankfurt.de

Kein Ort. Nirgends

Oper nach Christa Wolf von:
Anno Schreier
Libretto von: Christian Martin Fuchs
Uraufführung: 22. September 2006 (Oestrich-Winkel, Bentano-Scheune)

Zur Inszenieung des Staatstheater Mainz in der Saison 2006/07:


Uraufführungspremiere 1:
22. September 06, Oestrich-Winkel (Brentano-Scheune)(Geschlossene Veranstaltung des „Singing Summer")
Uraufführungspremiere 2: 14. Oktober 06, Staatstheaters Mainz (Kleines Haus )
Weitere Vorstellungen: 22. (15 Uhr), 19. Oktober 2006 um 19.30 Uhr

Musikalische Leitung: Thomas Dorsch
Inszenierung: Anna Malunat
Bühne und Kostüme: Janina Janke

Mit:
Sonja Gornik, Sarah Kuffner, Diana Schmid; Daniel Jenz, Arthur Pirvu, Patrick Pobeschin, Florian Rosskopp. Statisterie des Staatstheaters Mainz.
Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz.

Zum Stück:
Salon Merten in Winkel am Rhein im Juni 1804. Es trifft sich eine ebenso illustre wie weltgewandte Gesellschaft: Friedrich Carl von Savigny, Clemens Brentano mit Schwester Bettine und andere. Dazwischen zwei Dichter, beide der Welt abhanden gekommen: Heinrich von Kleist und Karoline von Günderrode. Es entspinnt sich ein einsamer Dialog, „Gesprächsinseln in einem Meer von Fremde", in denen „das Wort als Feld der Hoffnung" erscheint (C. M. Fuchs).
In musikdramatischen Momentaufnahmen leuchtet Anno Schreier in seiner Oper „Kein Ort. Nirgends" nach der gleichnamigen Erzählung von Christa Wolf die „inneren Räume" seiner Figuren aus. Vergangenheit erscheint als produktive Gegenwart, der „Projektionsraum Romantik" wird zum Analogiemodell für unsere Zeit.

Anno Schreier, 1979 in Aachen geboren, studierte Komposition bei Manfred Trojahn in Düsseldorf, am Royal College of Music London und ist seit 2005 Meisterschüler Hans-Jürgen von Böses. Er ist Preisträger zahlreicher Wettbewerbe, darunter „Schüler komponieren" der Jeunesses Musicales, Saarbrücker Komponistenwerkstatt, Uuno-Klami-Wettbewerb Finnland und wurde vom „ensemble eleven composers" Manchester und dem Tactus-Forum Brüssel ausgezeichnet.

Die junge Regisseurin Anna Malunat (*1980) studierte in Bonn Germanistik und Komparatistik sowie in München Schauspiel- und Musiktheaterregie. Am Prinzregententheater inszenierte sie Schillers „Kabale und Liebe", am Staatstheater Saarbrücken das Musiktheater „Der Herr Gevatter" sowie am Staatstheater Cottbus „Die Zauberflöte". 2005 gewann sie den Grazer „Ring-Award" für Regie- und Bühnenbild.

In Kooperation mit der Internationalen Sommerschule „Singing Summer" an der Hochschule für Musik Mainz. - Mit freundlicher Unterstützung der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur und der Brentano-Scheune Oestrich-Winkel.

www.staatstheater-mainz.de

Der König Kandaules
Oper in drei Akten

Von:
Alexander Zemlinsky
Text: Alexander Zemlinsky nach dem Drama Le Roi Candaule von André Gide
Partitur rekonstruiert und Instrumentation vervollständigt von: Antony Beaumont
Uraufführung: 6. Oktober 1996 (Hamburg, Hamburgische Staatsoper)

Zur Isnzenierung des Theater Bielefeld:

Premiere:
19. Juni 10 (Stadttheater)
Musikalische Leitung: Peter Kuhn
Inszenierung: Birgit Kronshage
Bühne und Kostüme: Marina Hellmann
Dramaturgie: Uwe Sommer

Besetzung:

Kandaules:
Luca Martin
Nyssia: Sabine Passow
Gyges: Alexander Marco-Buhrmester
Trydo, seine Frau: Ilknur Özcan (stumme Rolle)
Koch/Philebos: Torben Jürgens
Phedros: Meik Schwalm
Simias/Syphax: Dirk Mestmacher
Nicomedes: Jacek Janiszewski
Pharnaces: Lutz Laible
Sebas: Eric Laporte
Archelaos: Sebastian Pilgrim

Gefördert durch den Alexander-Zemlinsky-Fonds bei der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien

Peter Kuhns letzte Opern-Premiere als Bielefelder GMD ist ein berührendes, tiefgründiges und zugleich dramatisch ungemein bühnenwirksames Abschiedsstück: Alexander Zemlinskys letzte Oper Der König Kandaules. Komponiert in Wien 1935-38 ist sie ein Dokument aus letzter Zeit – bezogen sowohl auf die Lebenszeit des Komponisten als auch auf die Entstehungszeit, die Jahre der Agonie vor dem Einmarsch Hitlers und dem bald folgenden Kriegsausbruch. Zemlinsky hat die Oper zwar im Particell (Partiturskizze) vollendet, die Instrumentation aber nur zu etwa einem Drittel fertig stellen können. Im März 1938 floh der 67-Jährige mit seiner Frau in die USA, wo er – vermutlich mit Recht, schließlich sieht das Libretto eine kurze Nacktszene vor – keine Zukunft für das Werk sah. Der Dirigent und Musikologe Antony Beaumont hat in den 90er Jahren die Partitur vervollständigt. 1996 wurde Der König Kandaules in Hamburg mit großem Erfolg uraufgeführt und seitdem an vielen Häusern nachgespielt.

Ist Kandaules glücklich? Man könnte es meinen – hat er doch Macht und Reichtum ohne Ende, viele Freunde und die schönste Frau an seiner Seite. Doch wenn einer soviel über sein Glück spricht, wie Kandaules, wird man stutzig. Und in der Tat hat der König ein Problem, denn er fühlt sein Glück nur, wenn er es mit anderen teilt. So kommt er auf die perfide Idee, den armen Fischer Gyges zu überreden, eine Liebesnacht mit seiner Frau Nyssia zu verbringen. Dabei kommt ihm ein geheimnisvoller Ring zu Hilfe, der seinen Träger unsichtbar macht. Gyges kann nicht widerstehen, Nyssia erbebt in ungeahnter Ekstase, und Kandaules wird zum ersten Mal eifersüchtig…

Die Handlung geht zurück auf die schon bei Platon und Herodot erzählte Geschichte über den lydischen König Kandaules und dessen Nachfolger Gyges, der als erster Tyrann in die Historie einging. In der Dramatisierung von André Gide und in der expressiven Vertonung Zemlinskys wird die Geschichte zu einem psychologisch feinsinnigen Krimi um Liebe, Besitz und Begehren. Zemlinsky hat in dieses typische Spätwerk die ganze Erfahrung seines reichen Schaffens hineingelegt und noch einmal sein immens vielgestaltiges Ausdrucksvermögen unter Beweis gestellt. Die Hauptfiguren sind so vielschichtig angelegt, dass jedes Schema von »Gut« und »Böse« an ihnen scheitert. Die Musik schlägt einen Bogen von der Spätromantik Mahlers und des frühen Schönberg über den Songstil eines Kurt Weill bis zur Komplexität eines Alban Berg, wobei Zemlinsky in der Partitur immer wieder einen Spiegel auf seine eigenen Werke wirft: Sein ohnehin zum privaten Bekenntnis neigenden Tonfall wird in dieser Oper noch persönlicher.

Musikalische Leitung:
Peter Kuhn
, seit 1998 Generalmusikdirektor des Theater Bielefeld, dirigierte hier u.a. Turandot, die Uraufführung von Claus Kühnls Die Geschichte von der Schüssel und vom Löffel, Carmen, Hoffmanns Erzählungen, Idomeneo, Rusalka, Lulu, Otello, Così fan tutte, Madama Butterfly, Jenufa, Margarethe, Un Ballo in Maschera, Die Meistersinger von Nürnberg, Amerika, Der fliegende Holländer, Norma, Don Carlos, Il Viaggio a Reims, Der Rosenkavalier, Pelléas und Melisande, Die Hochzeit des Figaro, Oedipe, Aida, Luisa Miller, Der Baum der Diana, Tristan und Isolde, Don Pasquale, Capriccio, Falstaff und Der Stern. Im Jahr 2000 erhielt Peter Kuhn zusammen mit den Bielefelder Philharmonikern die Auszeichnung des Deutschen Musikverleger-Verbandes für das beste Konzertprogramm der Saison 1999/2000.
Der gebürtige Karlsruher begann sein Dirigierstudium 1985 bei Hans Herbert Jöris und Lutz Köhler an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover, das er 1992 mit dem Konzertexamen abschloss. 1990 erhielt er den Förderpreis des Niedersächsischen Kultusministeriums. Sein erstes Theaterengagement hatte Peter Kuhn von 1990 bis 1995 als Repetitor und Kapellmeister am Theater Dortmund, 1995 wurde er 1. Kapellmeister am Luzerner Theater und 1998 wechselte er zum Theater Bielefeld.

Inszenierung:
Birgit Kronshage
ist seit der Spielzeit 2002/03 Spielleiterin am Theater Bielefeld, wo sie zuvor schon bei einigen Produktionen als Regieassistentin gearbeitet hat. In der Spielzeit 2003/04 inszenierte sie für das Theater am Alten Markt mit sehr großem Erfolg Monteverdis szenisches Madrigal Combattimento di Tancredi e Clorinda. Für das OPERN.STUDIO setzte sie bereits den Monteverdi-Abend Orpheus oder Umdrehen zwecklos, Viktor Ullmanns Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke, das musikalische Märchen Des Kaisers neue Kleider und den Operetten-Abend In Sachen Gasparone frei nach Carl Millöcker in Szene. Zuletzt inszenierte sie in Bielefeld La Bohème, den Liederabend Schlachten / Tanten / Grausamkeiten und Im Anblick der Rose.
Von 1991-93 war Birgit Kronshage als Dramaturgin für Musiktheater und Konzert am Stadttheater Gießen tätig, wechselte dann als Regieassistentin an die Bühnen der Stadt Kiel und war dann von 1994-98 als Spielleiterin und Regieassistentin am Stadttheater Bremerhaven engagiert. In Bremerhaven inszenierte sie Frau Diavolo von Auber, Der Liebestrank von Donizetti, Zwei Witwen und Die verkaufte Braut von Smetana. Für das Nordharzer Städtebundtheater/ Harzer Bergtheater Thale übernahm sie die Co-Regie bei Das Schwarzwaldmädel von Jessel und inszenierte Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer von Berg/Wecker. Birgit Kronshage studierte Romanistik (Französisch, Italienisch), Musikwissenschaft und Neuere Deutsche Literatur in Göttingen und Bonn.

Bühne und Kostüme
Die aus Serbien stammende Bühnenbildnerin Marina Hellmann studierte Architektur in Belgrad. In ihrer Heimat stattete sie über 100 Produktionen aus und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. 1991 wechselte sie an das Theater an der Ruhr, 1993 an die Wuppertaler Bühnen. Seit 1994 ist sie freischaffend tätig, u.a. in Düsseldorf, Bremen, Antwerpen, Lübeck, Kiel, Rostock, Hamburg, Hannover, Mainz, Weimar, Berlin, Linz und Klagenfurt. Auch nach Übersee – Seoul, Bogota, Damaskus – führte sie ihre Arbeit. Neben ihrer Tätigkeit als Bühnenbildnerin veröffentlichte sie verschiedene Beiträge in Fachzeitschriften und unterrichtete am Institut für neue Theaterformen in Belgrad. 2007 war sie für die Raumgestaltung der Freilichtspiele Das große Welttheater in Einsiedeln (Schweiz) mit seinen rund 500 Teilnehmern verantwortlich. An der Staatsoper Hannover stattet sie seit 2007 die jährlichen Opernbälle aus. Seit 2009 unterrichtet sie außerdem als Gastdozentin Bühnenbild im Fachbereich Theaterregie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

[© Theater Bielefeld]

www.theater-bielefeld.de

König Roger

Von:
Karol Szymanowski
Uraufführung: 1926


Zur Inszenierung der Bregenzer Festspiele:

Premiere:
23. Juli 2009 - 19.30 Uhr
Weitere Aufführungen: 26. Juli – 11.00 Uhr, 1. August – 11.00 Uhr, 3. August – 19.30 Uhr
(Festspielhaus )

Musikalische Leitung:
Sir Mark Elder
Inszenierung: David Pountney
Bühne: Raimund Bauer
Kostüme: Marie-Jeanne Lecca
Choreographie: Beate Vollack
Licht: Fabrice Kebour
Chorleitung: Anna Szostak, Wlodzimierz Siedlik
Chorleitung Kinderchor: Wolfgang Schwendinger

Wiener Symphoniker
Sängerensemble der Stadt Katowice - "Camerata Silesia"
Polnischer Rundfunkchor Krakau
Kinderchor
Tänzer

Koproduktion mit dem Gran Teatre del Liceu Barcelona

Ein Herrscher zwischen Vernunft und Ekstase
König Roger von Karol Szymanowski



Mit König Roger von Karol Szymanowski steht 2009 als Oper im Festspielhaus ein Meisterwerk der polnischen Musikliteratur auf dem Spielplan, das diesen uralten Konflikt zwischen Sinn und Sinnlichkeit als Zusammenprall frühchristlicher Askese und spätantiker Lebensbejahung auf die Bühne bringt. Premiere ist am 23. Juli 2009.


Im Zentrum von König Roger (uraufgeführt 1926) steht der in Literatur und Kunst der europäischen Moderne oft behandelte Konflikt zwischen Ratio und Sinnlichkeit, zwischen Vernunftkultur und Ekstase. Das Werk entsprang aber auch Karol Szymanowskis (1882-1937) Faszination für den Mittelmeerraum, den er zwischen 1911 und 1914 mehrmals bereiste, und dessen Kultur. Als Ergebnis eines Verschmelzens verschiedenster Völker und Religionen erschien diese ihm vor allem auch als ein Hort homoerotischer Freiheit.

Die in König Roger angelegte Begegnung von christlicher, arabischer und antiker Welt erweckt Szymanowski durch den exquisiten Farbenreichtum seiner Orchestrierung, die evokativen Harmonien und die oft orientalischen Melodien eindrucksvoll zum Leben: König Roger changiert zwischen byzantinischem Kirchengesang, impressionistischem Klangkolorit, arabisch anmutender Melismatik, spätromantischem Pathos und expressi¬vem Gesang.

Heilsversprechen eines Hirten
König Roger herrscht über Sizilien, doch Reich und Kirche sind von einer unbekannten Gefahr bedroht. Ein geheimnisvoller Hirte zieht durch das Land und verführt das Volk mit einem mysteriösen Heilsversprechen: Er predigt eine Religion der grenzenlosen Sinnlichkeit und der Liebe. Auch der um religiöse Ethik und vernünftige Gesetzgebung ringende Roger kann sich den Verheißungen des Hirten, der sinnlichen Genuss, Glück und Freiheit predigt, nur schwer entziehen, auch wenn dieser den moralischen Halt der Gesellschaft gefährdet. An ihn richtet der Hirte die Frage: "Wann hast du zum letzten Mal getanzt, wann zum letzten Mal gefühlt, wann zuletzt jemanden berührt?" Der Hirte nimmt Roger am Ende alles, was er besitzt: seine Frau, sein Königreich, seine Macht, seine Autorität. Doch durch ihn erlebt der König auch eine existentielle Wiedergeburt.

Die musikalische Leitung von König Roger liegt bei Sir Mark Elder, es inszeniert Intendant David Pountney, das Bühnenbild stammt von Raimund Bauer, die Kostüme von Marie-Jeanne Lecca und das Licht von Fabrice Kebour.


Ein einzigartiges Talent für die Symbiose
Der Komponist Karol Szymanowski
Karol Szymanowski, 1882 im Dorf Timoschewka im ukrainischen Gouvernement Kiew als Sohn kunstinteressierter Gutsbesitzer geboren, zählt zu den Begründern der modernen polnischen Musik. Er gilt heute als Polens führende Musikerpersönlichkeit des beginnenden 20. Jahrhunderts und als Bindeglied zwischen Frédéric Chopin und der "Polnischen Schule" um Witold Lutoslawski und Krzysztof Penderecki.

Als Sohn wohlhabender Eltern unternimmt Szymanowski bereits in jungen Jahren zahlreiche Bildungsreisen in verschiedene Länder Europas, was seinen Horizont maßgeblich erweitert: Statt Kompromisse an den herrschenden Zeitgeist zu machen, entwickelt er schon früh eine unangepasste, progressive Tonsprache, die im traditionserstarrten polnischen Musikleben nach der Jahrhundertwende zunächst auf einiges Unverständnis stößt.

Stile und Kulturen verschmelzen
Szymanowskis Werke werden oft als Symbiose verschiedenster Einflüsse beschrieben: Sein herausragendes Talent lag in seiner Fähigkeit, durch die Synthese verschiedenster musikalischer Kulturen und Stile eine ganz eigene Ausdrucksform zu entwickeln. Seine oftmals ekstatische Musik zeugt von einer großen Faszination für orientalische und mediterrane Melodien, zu seinen Inspirationsquellen zählt aber auch die französische und russische Moderne, dabei insbesondere die beiden Komponisten Ravel und Strawinsky. Gleichzeitig war Szymanowski aber auch ein nationaler Komponist Polens, der etliche Lieder basierend auf polnischen Texten und Volksliedern schrieb und sich mit seinen Wurzeln schöpferisch auseinandersetzte.

Antike, Christentum, Orient
Bereits im zarten Alter von elf Jahren fasst Szymanowski den Entschluss, Komponist zu werden. 1900 nimmt er nach seinem Abitur ein Musikstudium an der Musikakademie Warschau auf, 1905 gründet er gemeinsam mit Freunden die "Verlagsgenossenschaft junger polnischer Komponisten". Er schließt in dieser Zeit aber auch andere wichtige Freundschaften – unter anderem mit Artur Rubinstein, der eine seiner frühen Etüden später weltberühmt machen sollte. Zwischen 1909 und 1914 unternimmt Szymanowski mehrere Reisen nach Italien, Sizilien und Nordafrika. Vor allem die Verschmelzung östlicher und westlicher Kulturen in Sizilien und Nordafrika fasziniert ihn. Bald beginnt er, antike, frühchristliche und orientalische Sujets zu bearbeiten.

Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Sommer 1914 kehrt Szymanowski an seinen Geburtsort zurück. Im Herbst 1917 wird das Haus in Timoschewka zerstört und die Familie zieht nach Jelisawetgrad. Hier schreibt Szymanowski den Roman Efebos, der neben einer Beschäftigung mit orientalischer Philosophie auch autobiographische Züge trägt, wie etwa das Eingeständnis homosexueller Neigungen. Einige der in Efebos enthaltenen Gedankengänge deuten aber auch auf Szymanowskis nächstes entscheidendes Werk hin: Die Oper König Roger, die sich mit dem Roman nicht nur den Schauplatz, sondern auch die grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem apollinischen und dionysischen Prinzip teilt.

Zu dieser Zeit reift auch die für Szymanowski typische stilistische Symbiose von Impressionismus, mediterranen und orientalischen Melodien sowie den Klangwelten Skrjabins und Strawinskys heran. 1916 beendet er seine überschäumende 3. Sinfonie Das Lied von der Nacht mit Sologesang und Chor nach Texten des persischen Dichters Jalal ad-Din ar-Rumi: Verschiedenste Schichten und stilistische Elemente überlagern sich, verschwenderische melodische Einfälle mit exotischem Flair halten alles auf bestechende Art und Weise zusammen.

1919 ist Szymanowski wieder in Warschau, wo er am Konservatorium lehrt, das er später auch leiten wird. Oft zieht er sich nach Zakopane in die Hohe Tatra zurück, wo die Begegnung mit der Musik der Einheimischen zu einer Rückbesinnung auf die polnische Folklore führte. 1926 findet die Uraufführung von König Roger in Warschau statt. Szymanowskis Gesundheitszustand verschlechtert sich zusehends. Er leidet an Tuberkulose, mehrere Kuraufenthalte bewirken nur eine vorübergehende Linderung.

Nach der Umwandlung des Konservatoriums in eine Musikhochschule wird Szymanowski zum Rektor ernannt. 1932 legt er das Amt nieder und übersiedelt nach Zakopane. In diesem Jahr entstehen sein 2. Violinkonzert und die 4. Sinfonie Sinfonia Concertante. Da sich seine Gesundheit erneut verschlechtert, reist Szymanowski zunächst nach Davos und Südfrankreich, schließlich in ein Sanatorium in Lausanne. Dort stirbt er am 29. März 1937.

© Babette Karner 2008

www.bregenzer-festspiele.com

Kullvervo
Oper in zwei Akten

Von: Aulis Sallinen (* 1935)
Text: Aulis Sallinen nach dem Epos Kalevala (1835 / 1849) und einem Schauspiel von Aleksis Kivi (1859)
Auftragswerk der Finnischen Nationaloper

Uraufführung: 25. Februar 1992 (Los Angeles, Dorothy Chandler Pavilion)

Zur Inszenerung der Oper Frankfurt:

Premiere:
5. Juni 11 (Frankfurter Erstaufführung)

Musikalische Leitung: Sebastian Weigle / Karsten Januschke
Regie:
Christof Nel
Szenische Analyse:
Martina Jochem
Bühnenbild: Jens Kilian
Kostüme: Ilse Welter
Dramaturgie: Malte Krasting
Licht: Olaf Winter
Chor: Matthias Köhler

Kullervo:
Ashley Holland
Mutter:
Heidi Brunner
Kalervo:
Alfred Reiter
Kimmo:
Peter Marsh
Schwester:
Barbara Zechmeister
Des Schmieds junge Frau:
Jenny Carlstedt
Jäger:
Frank van Aken
Unto:
Franz Mayer
Untos Frau:
Katharina Magiera

Chor der Oper Frankfurt
Frankfurter Opern- und Museumsorchester

www.oper-frankfurt.de

Das kurze Leben (La vida breve)
Drama lyrique in zwei Akten

Musik: Manuel de Falla (1876-1946)
Text: Carlos Fernández Shaw
Uraufführung: 1. April 1913 (Nizza, Theatre du Casino)

Zur Inszenierung des Theater Freiburg:

Premiere: 9. Mai 09

Musikalische Leitung:
Lutz Rademacher
Regie: Calixto Bieito
Bühnenbild: Rebecca Ringst
Kostüme: Marian Coromina
Dramaturgie: Dominica Volkert
Chor: Bernhard Moncado

Besetzung:
Salud:
Sigrun Schell
Abuela: Leandra Overmann
Carmela: Sang Hee Kim
Paco: Christian Voigt
Sarvaor: Neal Schwantes
Manoel: Matthias Flohr
Stimme aus der Ferne: Christian Voigt
Verkäufer: Jörg Golombek
1. Verkäuferin: Kyoung-Eun Lee
2. Verkäuferin: Christiane Klier-Tetah
3. Verkäuferin: Junko Nishi
Gitarre und Gesang: Jörg Hofmann
Philharmonisches Orchester Freiburg
Opernchor des Theater Freiburg

Calixto Bieito inszeniert diese Tragödie einer kurzen, hoffnungslosen Leidenschaft, die unter dem Fluch steht. Es handelt sich um die zweite Freiburger Regiearbeit des Katalanen, der im Februar 2007 im Großen Haus Richard Strauss’ »Elektra« inszeniert hatte. Das Philharmonische Orchester Freiburg spielt unter der Musikalischen Leitung von Lutz Rademacher.

»Unselig der Mensch, der zu düsterem Geschick geboren wird. Unselig, wer zum Amboss bestimmt ist, anstatt zum Hammer.« Leitmotivisch durchzieht dieser Klagegesang das Werk, mit dem sich Manuel de Falla 1913 seinen Platz im Opernrepertoire sichert und das ihn zu einem spanischen Nationalkomponisten avancieren lässt. Mit dieser Oper dient er aber nicht einem Spanienklischee, sondern dem existenziellen Kampf von Menschen, die das Schicksal nicht auf die Sonnenseite des Lebens gestellt hat. Im Mittelpunkt des Geschehens steht Salud, die an ihrer Liebe zu dem leichtlebigen Paco zerbricht – dabei hätte ihr von Anbeginn an klar sein können, worauf sie sich einlässt.

Der Kampf um die Liebe ist gleich dem Kampf ums Leben – de Fallas Zugriff ist von ähnlich eindringlicher Konsequenz wie die Texte von Federico García Lorca, seinem Landsmann und guten Freund. Mit ihm zusammen organisierte er 1922 das »Festival de Cante Jondo«, (ursprünglicher, tiefer Flamenco-Gesang), – musikalische Wurzeln, die sich auch in »La vida breve« wiederfinden.

»Musik wird nicht gemacht und sie sollte nie gemacht werden, damit man sie versteht, sondern damit man sie erlebt.« Diesem Diktum unterstellte sich Manuel de Falla, 1876 in Cádiz geboren, auf seiner Suche nach einer eigenen musikalischen Sprache, die fern jeglichen Konstruktivismus-Gedankens ist, die vielmehr nach der Intensität eines überzeitlichen Gefühls strebt. Wie eine antike Tragödie will die heftige und düstere Geschichte erschüttern, kann dann die Musik kathartische Kraft entwickeln. Pittoresker Realismus und gezähmte Folklore dagegen sind ihm fremd. Nicht von ungefähr sucht de Falla sein Sujet am Rand der Gesellschaft, denn hier sieht er wie in einem Brennglas grundsätzliche Bedingungen menschlicher Verhaltensweisen, die Fähigkeit oder Unfähigkeit eines Miteinanders – hierin entwickelt seine Kunst ihre Symbolkraft.

Unübersehbar sind dabei die Nähe, aber auch die sukzessive Abgrenzung zu den wichtigen Künstler-Kollegen, die er vor allem in seiner Pariser Zeit von 1904 bis 1914 kennen gelernt hat: Claude Debussy, Gabriel Fauré, Maurice Ravel, Paul Dukas sind in diesem Zusammenhang genauso zu nennen, wie die Gruppe »Generation 1927«, Luis Buñel, Salvador Dalí oder eben immer wieder Lorca. Dessen Ermordung durch die Faschisten zu Beginn des Bürgerkrieges hat de Falla schwer erschüttert – und die Gewissheit, dass sein Land, nach dessen kulturellen Wurzeln er so intensiv grub, keinen Raum fürs Leben bot, hat ihm mehr als zugesetzt. 1939 zog er die Konsequenz und emigrierte nach Argentinien, wo er 1946 starb.

Zum ersten Mal bietet das Theater außerdem ein spartenübergreifendes Publikumsgespräch an. Neben »La vida breve« handelt auch »Die heilige Johanna der Schlachthöfe« von Armut und Existenzangst. Beteiligte beider Produktionen werden sich am 14. Mai 2009 im Anschluss an die Vorstellung von »La vida breve« den Fragen des Publikums stellen. [© Theater Freiburg]

www.theater.freiburg.de

Zur Inszenierung der Oper Frankfurt:

Premiere:
22. Februar 09

Musikalische Leitung: Johannes Debus
Inszenierung: David Hermann
Bühnenbild: Christof Hetzer
Kostüme: Irina Bartels
Dramaturgie: Zsolt Horpácsy
Licht: Olaf Winter
Chor: Matthias Köhler
Choreografie: Nir De Volff


Salud: Barbara Zechmeister
La Abuela: Elisabeth Hornung
Carmela: Katharina Magiera
Paco: Gustavo Porta
Bailey Sarvaor: Simon Bailey
El Cantaor: José Parrondo u.a.

Besprechung auf kulturfreak.de

Die Oper Frankfurt zeigt „Das kurze Leben“ gemeinsam mit „
Die spanische Stunde“:

das_kurze_leben_22_©BarbaraAumüller
Das kurze Leben
Oper Frankfurt
v.l.n.r.: v.l.n.r. Tänzer; an den Stangen (Jochum de Boer, Satya Roosens, Hyoung min Kim),
Hochzeitsgesellschaft; im Hintergrund (Chor der Oper Frankfurt)
Foto:
Barbara Aumüller

L’heure espagnole, die musikalische Komödie in einem Akt von Maurice Ravel (1875-1937), wurde als Gegenentwurf zum symbolistisch-impressionistischen Stil Debussys konzipiert und erlebte im Anschluss an ihre Uraufführung am 19. Mai 1911 an der Opéra-Comique in Paris vorerst nur wenige Vorstellungen. Dies mochte an der praktischen Schwierigkeit gelegen haben, Ravels Einakter mit einem geeigneten zweiten Bühnenwerk zu einem abendfüllenden Opernabend zu kombinieren. An der Oper Frankfurt wird Ravels Uhren-Lustspiel nun in Verbindung mit der Liebestragödie La vida breve von Manuel de Falla (1876-1946) zu erleben sein, die hier bisher noch niemals gezeigt wurde. L´heure espagnole hingegen war in Frankfurt zuletzt 1964 in der Regie von Wolfgang Müllner und unter der musikalischen Leitung von Hans Löwlein zusammen mit Ravels Ballett Daphnis et Chloë zu sehen. Zwar konnte de Falla mit seiner ersten vollendeten Oper La vida breve 1905 den ersten Preis eines Wettbewerbs der Academia de Bellas Artes in Madrid erlangen, jedoch wurde das prämierte Werk – komponiert als spanischer Beitrag zum internationalen Opernrepertoire – erst am 1. April 1913 im Théâtre du Casino Municipal in Nizza mit großem Erfolg uraufgeführt.

Beide Kurzopern beleuchten die Thematik der Untreue aus unterschiedlichen Perspektiven: In L´heure espagnole nutzt Concepción, die Ehefrau eines Uhrmachers, die beruflich bedingte Abwesenheit ihres Mannes für zärtliche Stunden mit ihrem Liebhaber. Als zwei weitere Verehrer erscheinen, kommt es zu einem schweißtreibenden Versteckspiel in den Standuhren des Geschäfts. Als in La vida breve das leidenschaftlich liebende, einfache Mädchen Salud von der Hochzeit ihres Geliebten Paco mit der wohlhabenden Carmela erfährt, eilt sie auf das ausgelassene Hochzeitsfest, um Pacos Betrug aufzudecken. Doch dieser leugnet die Liebschaft, und Salud bricht tot zusammen.

Angeführt von Claudia Mahnke (Concepción) und Aris Argiris (Ramiro) sowie Barbara Zechmeister (Salud) sind fast alle Partien aus dem Ensemble und dem Opernstudio der Oper Frankfurt besetzt. Einzige Gäste sind der argentinische Tenor Gustavo Porta (Paco), der sich bereits 2007/08 dem Frankfurter Opernpublikum als Cavaradossi in Puccinis Tosca vorstellte, und die Mezzosopranistin Elisabeth Hornung, seit 1984 Ensemblemitglied am Staatstheater Darmstadt. Die musikalische Leitung liegt bei Johannes Debus, dem früheren Kapellmeister der Oper Frankfurt, der ab der Spielzeit 2009/10 den Posten des Generalmusikdirektors der Canadian Opera Company in Toronto bekleiden wird. David Hermann, Regisseur u.a. des Monteverdi-Zyklus’ im Bockenheimer Depot während der vergangenen Spielzeiten, zeichnet für die Inszenierung verantwortlich.

Preise: € 12 bis 130 zzgl. 12,5% Vorverkaufsgebühr
Karten sind bei den bekannten Vorverkaufsstellen, per Ticket-Hotline 069 – 13 40 400 oder online unter
www.oper-frankfurt.de erhältlich. Bei Buchung von Vorstellungen bis 4 Wochen vor dem Aufführungstermin gibt es einen Frühbucherrabatt von 10% auf die oben angegebenen Preise, die Premiere ausgenommen.

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