Oper, Stückeinfo: D
 

La Damnation de Faust(Fausts Verdammnis)
Légende-dramatique in vier Teilen

Von: Hector Berlioz
Text: Hector Berlioz und Almire Gandonnière (nach Faust. Der Tragödie erster Teil (1806) von Johann Wolfgang von Goethe )
Uraufführung: 6. Dezember 1846 (Paris, Opéra-Comique; konzertant)

Zur Inszenierung der Oper Frankfurt:
In der französischen Übersetzung (1828) von Gérard de Nerval.
In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

Premiere: Sonntag, 13. Juni 10
Weitere Vorstellungen: 17., 21., 24., 27. (15.30 Uhr; mit kostenloser Kinderbetreuung) Juni, 2., 4. Juli 2010

Musikalische Leitung: Julia Jones
Inszenierung: Harry Kupfer
Bühnenbild: Hans Schavernoch
Kostüme: Yan Tax
Dramaturgie: Norbert Abels
Licht: Joachim Klein
Video: Peer Engelbracht
Chor und Extrachor: Matthias Köhler

Besetzung:
Marguerite:
Alice Coote
Faust: Matthew Polenzani
Méphistophélès: Simon Bailey
Brander: Thorsten Grümbel
Chor, Extrachor und Statisterie der Oper Frankfurt; Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Mit freundlicher Unterstützung der ING-DiBa

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Hector Berlioz (1803-1869) gilt als Begründer der Programmmusik und Wegweiser der modernen Orchesterinstrumentation. Schon kurz nach Erscheinen von Gérard de Nervals vielbeachteter französischer Übersetzung von Goethes Faust I im Jahre 1828 verwarf der Komponist frühere Pläne für ein Ballett nach dieser Vorlage und begann mit einer ersten Bearbeitung des Stoffes in acht Szenen. Diese Huit Scènes de Faust stießen bei ihrer Uraufführung – vermutlich im November 1829 – auf Ablehnung, und auch Berlioz distanzierte sich später davon. Trotzdem griff er bei der Arbeit an La damnation de Faust auf diese Fassung zurück und integrierte sie in seine légende-dramatique. Mit für Berlioz enttäuschend geringem Publikumsinteresse erlebte die Komposition am 6. Dezember 1846 an der Pariser Opéra-Comique ihre konzertante Uraufführung. Erfolgreicher war die erste szenische Umsetzung in der Bearbeitung von Raoul Gunsbourg am 18. Februar 1893 an der Opéra Monte Carlo. Heute nimmt das Werk einen exponierten Rang unter den zahlreichen Faust-Vertonungen großer Komponisten ein. Die letzte Neuproduktion von La damnation de Faust an der Oper Frankfurt feierte unter der musikalischen Leitung von Wolfgang Rennert und in der Inszenierung von Hans Neugebauer am 9. Juli 1968 Premiere.

Die Handlung folgt bis auf den Schluss der literarischen Vorlage Goethes: Faust ist des Lebens überdrüssig und sehnt sich nach innerem Frieden. Méphistophélès verspricht ihm ewige Jugend und die Erfüllung all seiner Wünsche, zudem weckt er Fausts Verlangen nach Marguerite. Die junge Frau träumte kürzlich von einem Geliebten. Wieder glaubt sie zu träumen, als Faust erscheint und sie sich ihm hingibt. Als er von den Nachbarn entdeckt wird, ergreift er die Flucht. Méphistophélès hat den Tod von Marguerites Mutter verschuldet, sie selbst soll dafür mit dem Tode büßen. Faust fleht Méphistophélès an, das Mädchen zu retten. Umsonst – die beiden Männer fahren zur Hölle, Marguerites Musik aber spricht nicht von Verdammung.

Die musikalische Leitung der Neuproduktion übernimmt Julia Jones, die seit November 2008 die Position der Chefdirigentin am Teatro Nacional São Carlos in Lissabon inne hat. Zudem ist sie regelmäßig in Frankfurt sowie an weiteren renommierten Opernhäusern der Welt zu Gast. Zu ihren nächsten Plänen gehören die Mozart-Opern Così fan tutte am Royal Opera House Covent Garden in London und La clemenza di Tito in Frankfurt. Harry Kupfer ist einer der renommiertesten Regisseure Deutschlands und kehrte 2008/09 nach längerer Zeit mit einer äußerst erfolgreichen Neuinszenierung von Pfitzners Palestrina nach Frankfurt zurück. Bis 2002 war er neben seiner internationalen Gastiertätigkeit Chefregisseur der Komischen Oper Berlin. Berlioz’ Faust-Vertonung hat er bereits mehrfach inszeniert, u.a. in Amsterdam und London. Alice Coote (Marguerite) sang in Frankfurt zuletzt Charlotte in Massenets Werther. Sie gastierte zudem als Orsini in Donizettis Lucrezia Borgia in München sowie als Humperdincks Hänsel in New York und London. Matthew Polenzani (Faust) debütierte kürzlich in Frankfurt als Edgardo in Donizettis Lucia di Lammermoor. Zu seinen jüngsten Verpflichtungen gehören Auftritte in New York und Wien. Aus dem Ensemble der Oper Frankfurt sind Simon Bailey (Méphistophélès) und Thorsten Grümbel (Brander) besetzt.          [© Oper Frankfurt]

Preise: € 12 bis 130 zzgl. 12,5% Vorverkaufsgebühr (außer an der Vorverkaufs- und Abendkasse der Oper Frankfurt). Karten sind bei den bekannten Vorverkaufsstellen, per Ticket-Hotline 069 – 13 40 400 oder online unter
www.oper-frankfurt.de erhältlich. Bei Buchung von Vorstellungen bis 4 Wochen vor dem Aufführungstermin gibt es einen Frühbucherrabatt von 10% auf die oben angegebenen Preise, die Premiere ausgenommen. www.oper-frankfurt.de

Daphne
Bukolische Tragödie in einem Aufzug

Von: Richard Strauss
Text: Joseph Gregor
Uraufführung: 15. Oktober 1938 (Dresden, Semperoper)

Zur Inszenierung der Oper Frankfurt:

Premiere:
28. März 10

Musikalische Leitung: Sebastian Weigle
Regie:
Claus Guth
Bühnenbild und Kostüme:
Christian Schmidt
Choreografische Mitarbeit:
Lior Lev
Dramaturgie:
Norbert Abels
Licht:
Olaf Winter
Chor:
Matthias Köhler

Besetzung:

Peneios:
Matthew Best
Gaea:
Tanja Ariane Baumgartner
Daphne:
Maria Bengtsson / Juanita Lascarro (26. Juni 10)
Leukippos: Daniel Behle
Apollo:
Lance Ryan
1. Schäfer:
Dietrich Volle
2. Schäfer:
Julian Prégardien
3. Schäfer:
Franz Mayer
4. Schäfer:
Sungkon Kim
1. Magd:
Christiane Karg
2. Magd:
Nina Tarandek
Darstellerin der alten Daphne: Corinna Schnabel

Chor der Oper Frankfurt
Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Mit freundlicher Unterstützung des Frankfurter Patronatsvereins – Sektion Oper

Besprechung auf kulturfreak.de

Daphne
Oper Frankfurt
Leukippos (Daniel Behle; verkleidet in weißem Kleid) und Daphne (Maria Bengtsson) sowie Chor der Oper Frankfurt
Foto:
Barbara Aumüller

Richard Strauss (1864-1949) zählt zu den bedeutendsten Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts. Sein breitgefächertes Werk – bestehend aus Opern, sinfonischen Dichtungen und Instrumentalmusik – ließ ihn zum international gefeierten Künstler aufsteigen. Neben seinen kompositorischen Fähigkeiten gilt er zudem als Mitbegründer der Salzburger Festspiele . Nach dem Tode Hugo von Hofmannsthals und der Flucht Stefan Zweigs aus Deutschland nahm Strauss den Vorschlag des Theaterhistorikers Joseph Gregor zur Vertonung des Daphne-Mythos’ dankbar auf. Doch die Zusammenarbeit zwischen Komponist und Textdichter gestaltete sich äußerst schwierig. Richard Strauss kritisierte fortwährend die starke Dialoglastigkeit des Librettos („Theater und keine Literatur!“). Erst nach drei Textfassungen konnten sich beide einigen. Daphne wurde am 15. Oktober 1938 in der Dresdner Staatsoper unter Karl Böhm uraufgeführt.

Griechenland in mythischer Vorzeit: Mit den Strahlen der untergehenden Sonne wird das Dionysosfest eingeläutet. Daphne, Tochter des Fischers Peneios und der Erdenmutter Gaea, kann sich dieses Fruchtbarkeitsrituals nicht erfreuen. Als menschliche Verkörperung der Natur ist ihr die Liebe zu Männern völlig fremd. Apollo, der als Rinderhirte verkleidet auf dem Fest erscheint und ihr verfällt, kann sie nichts abgewinnen. Erst durch Leukippos’ List, verhüllt in Frauenkleidern Daphne zum Dionysostrank zu verführen, bricht sie mit ihrer wahren Natur. Apollo, der den Betrug durchschaut, fordert Leukippos auf, sich seiner Verkleidung zu entledigen. Daraufhin gibt auch Apollo seine Identität als Sonnengott preis. Daphne jedoch entzieht sich beiden. Als Leukippos Apollo verflucht, tötet ihn dieser. Apollos Erkenntnis, gegen seine göttliche Bestimmung und die Natur Daphnes gehandelt zu haben, kommt zu spät. Vergeblich bittet er die Götter um Verzeihung. Daphne kann erlöst werden: Indem sie sich in einen Lorbeerbaum verwandelt, vereinigt sie sich mit der geliebten Natur.

Die musikalische Leitung liegt bei Frankfurts Generalmusikdirektor Sebastian Weigle, der hier im November 2009 einen überragenden Erfolg mit Korngolds Die tote Stadt feiern konnte. Claus Guth inszenierte an der Oper Frankfurt bereits Verdis Un ballo in maschera (2005) und Puccinis Il trittico (2008). Seit 2008 schmiedet er zudem den neuen Ring des Nibelungen an der Hamburgischen Staatsoper und inszenierte 2009 u.a. Mozarts Così fan tutte bei den Salzburger Festspielen. Von 2002 bis 2007 sang die Schwedin Maria Bengtsson (Daphne) im Ensemble der Berliner Komischen Oper. Ihr Hausdebüt an der Oper Frankfurt feierte sie 2008/09 als Donna Elvira in Mozarts Don Giovanni. 2009/10 wird sie u.a. am Royal Opera House Covent Garden in London, an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin und an der Bayerischen Staatsoper in München debütieren. Als einer der gefragtesten Heldentenöre unserer Zeit hat sich der Kanadier Lance Ryan (Apollo) etabliert. Bacchus in Strauss’ Ariadne auf Naxos führte ihn 2009 an die Wiener Staatsoper; mit dieser Partie gastierte er 2010 auch an der New Yorker Metropolitan Opera. Für den Frankfurter Ring kehrt er schließlich 2011/12 an den Main zurück. Sein Frankfurt-Debüt legt in dieser Produktion der englische Bassbariton Matthew Best (Peneios) vor. 2007 verkörperte er die Partie bereits an der Santa Fe Opera. Zu seinen jüngsten Engagements gehört u.a. die Partie des Doktors in Bergs Wozzeck am Théâtre des Champs-Elysées in Paris. Aus dem Ensemble der Oper Frankfurt sind u.a. Daniel Behle (Leukippos) und Tanja Ariane Baumgartner (Gaea) besetzt. Als Alternativbesetzung der Titelpartie kehrt die holländische Sopranistin Angelina Ruzzafante nach ihrem Erfolg in Puccinis Il trittico (Suor Angelica, Suor Genovieffa, Nella) in 2007/08 nach Frankfurt zurück. [© Oper Frankfurt]

Weitere Vorstellungen: 1., 4., 10., 18., 23., 25. April, 19., 26. Juni 2010
Preise: € 12 bis 130 zzgl. 12,5% Vorverkaufsgebühr (außer an der Vorverkaufs- und Abendkasse der Oper Frankfurt)
Karten sind bei den bekannten Vorverkaufsstellen, per Ticket-Hotline 069 – 13 40 400 oder online unter
www.oper-frankfurt.de erhältlich. Bei Buchung von Vorstellungen bis 4 Wochen vor dem Aufführungstermin gibt es einen Frühbucherrabatt von 10% auf die oben angegebenen Preise, die Premiere ausgenommen. 

Dido and Aeneas
Oper in drei Akten

Von: Henry Purcell
Text: Nahum Tate nach dem fünften Buch von Vergils “Aeneis”
Uraufführung: April 1689 (London/Chelsea, Mädchenpensionat des Tanzmeisters Josias Priest)

Zur Inszenierung der Oper Frankfurt:
(Doppelabend mit Béla Bartóks “Herzog Blaubarts Burg)

Premiere: 5. Dezember 10

Musikalische Leitung: Constantinos Carydis
Regie:
Barrie Kosky
Bühnenbild und Kostüme:
Katrin Lea Tag
Dramaturgie:
Zsolt Horpácsy
Licht:
Joachim Klein
Chor:
Matthias Köhler

Besetzung:

Dido:
Paula Murrihy
Belinda:
Britta Stallmeister
Second Women:
Anna Ryberg
Sorceress:
Martin Wölfel
First Witch:
Dmitry Egorov
Second Witch:
Roland Schneider
Spirit:
Peter Marsh
Aeneas:
Sebastian Geyer
Sailor:
Peter Marsh

Chor der Oper Frankfurt
Frankfurter Opern- und Museumsorchester

www.oper-frankfurt.de

Zur Inszenierung des Staatstheater Mainz:

Premiere:
3. Oktober 09

Musikalische Leitung: Michael Schneider
Inszenierung: Arila Siegert
Bühne: Hans Dieter Schaal
Kostüme: Susanne Maier-Staufen
Gesangscoach: Prof. Claudia Eder
Choreinstudierung: Danilo Tepša

Mit Mitgliedern des Staatstheaters Mainz und des Jungen Ensembles in einer Produktion des Staatstheaters Mainz und der Hochschule für Musik Mainz („Internationale Sommerschule Singing Summer“).

Philharmonisches Staatsorchester Mainz

Die Aufführung von Henry Purcells Dido und Aeneas zum 350. Todestag des Komponisten ist Teil des auf die Spielzeiten 2007 bis 2010 angelegten Opernzyklus „Gottes starke Töchter", in dessen Mittelpunkt große Frauengestalten der Opernliteratur stehen.

www.staatstheater-mainz.de

Don Pasquale
Komische Oper in drei Akten

Von: Gaetano Donizetti
Libretto: Giovanni Ruffini und Gaetano Donizetti
Uraufführung: 3. Januar 1843 (Paris, Theatre-Italien)

Zur Inszenierung der Komischen Oper Berlin:
Deutsche Textfassung:
Bettina Bartz und Werner Hintze

“Die Komödie ist böse und sehr schwarz. Vielleicht ist sie deswegen so menschlich.” (Jetske Mijnssen)

Premiere: 31. Januar 10

Musikalische Leitung: Maurizio Barbacini
Inszenierung: Jetske Mijnssen
Bühnenbild: Paul Zoller
Kostüme: Arien de Vries
Dramaturgie: Malte Krasting
Chöre: Robert Heimann
Licht: Franck Evin

Besetzung:
Don Pasquale:
Jens Larsen / Tilmann Rönnebeck
Ernesto: James Elliott / Adrian Strooper
Doktor Malatesta: Günter Papendell / Mirko Janiska
Norina: Christiane Karg / Maureen McKay
Ein Notar: Ingo Witzke* / David Williams*
Chorsolisten und Orchester der Komischen Oper Berlin

[Premierenbesetzung unterstrichen, Mitglied des Opernstudios*]

Nach ihrer viel beachteten Arbeit am Opernhaus des Jahres 2009 (Opernhaus Basel, Madame Butterfly) kehrt Jetske Mijnssen zurück an die Komische Oper Berlin mit Ihrer Deutung von Donizettis komischer Oper Don Pasquale, einer »bitterbösen, schwarzen Komödie über einen alten Herrn, der viel zu spät in seinem Leben anfängt, von der Liebe zu träumen.

«Gaetano Donizetti hat – kurz vor Ende seines Schaffens – hier noch einmal das Genre der Opera buffa aufgegriffen und auf eine neue Höhe geführt. Äußerlich folgt das Stück zwar den Konventionen der Gattung, doch immer wieder dehnt es die damals gültigen Bühnengesetze oder bricht sie gar. Heute gehört Don Pasquale zu einem der meistgespielten Werke des Opernrepertoires.
Der alternde Junggeselle Don Pasquale verspürt auf einmal die Lust zu heiraten – natürlich eine viel zu junge Frau. Die Auserwählte verbündet sich mit Pasquales Neffen und gemeinsam setzen sie dem »alten Bock« die Hörner auf. Die Moral von der Geschichte: Ein alter Mann soll keine junge Frau heiraten, sonst ergeht es ihm schlecht.
Aus dem stereotypen Personal dieses typischen Commedia dell’arte Stoffs werden bei Donizetti Menschen aus Fleisch und Blut. Während einerseits die Abgründe der menschlichen Seele in drastischer, komisch-überdrehter Weise dargestellt werden und die Motive der »Jungen« im Stück sehr zweifelhaft wirken, wächst der alte Pasquale – mit dem der Moralapostel von Damals keine Mitleid gehabt hat – zu einer fast tragischen Größe heran. Vieles von dem, was Donizetti im Text nicht explizit zur Sprache kommen lassen konnte, übernimmt dabei die Musik. Durch sie ist die Regisseurin Jetske Mijnssen zu ihrer Überzeugung gelangt: »Ein Mensch, der vor dem Abgrund steht, und trotzdem noch einmal neue Hoffnung schöpft: das ist doch eigentlich wunderschön. Ich liebe Pasquale!« Sie verbindet die scheinbaren Ungereimtheiten des Werkes (u. a. die so lakonische, wie kaum glaubwürdige Wendung der Intrige zum Happy End) zu einer ungeschönten Bestandsaufnahme der conditio humana.

MijnssenJetske_K O Berlin©HannsJoosten
Don Pasquale
Komische Oper Berlin
Jetske Mijnssen (Inszenierung)
Foto: Hanns Joosten

Zum Inhalt:
Der alte Don Pasquale, reich, aber unverheiratet, lebt allein mit seinem Neffen Ernesto in seinem großen Haus. Doch statt sich mit einem wohlhabenden Mädchen zu verbinden, will der Alleinerbe Norina heiraten, eine mittellose junge Witwe. Ernestos Starrsinn weckt die Lebensgeister des Onkels neu: Freund Malatesta, der Arzt, hat versprochen, sich nach einer Braut für den reifen Junggesellen umzusehen.
Tatsächlich präsentiert Malatesta die beste aller möglichen Ehefrauen: seine eigene Schwester Sofronia, frisch aus dem Kloster, so schön wie genügsam. Pasquale ist hingerissen. Was er nicht ahnt: Sofronia ist nur eine Rolle, gespielt von Norina, und die ganze Verheiratung eine Intrige, um ihm eine Lehre zu erteilen. Kaum ist die Ehe geschlossen, macht Norina -Sofronia eine Kehrtwende und tut alles, um ihren Gemahl in den Wahnsinn zu treiben: Sie feiert die Nächte durch, verschleudert sein Geld und schlägt ihn zuletzt sogar offen ins Gesicht. Verzweifelt will Pasquale am liebsten alles rückgängig machen, ja er würde sogar Ernesto seine Norina heiraten lassen, wenn das nur hilft, Sofronia wieder loszuwerden – womit er genau da angelangt wäre, wo die anderen drei ihn haben wollten. Als man ihm die List aufdeckt, bleibt ihm nichts anderes übrig, als in den Schlussgesang mit einzustimmen: Ein alter Mann soll keine junge Frau heiraten, sonst ergeht es ihm schlecht.

Die Oper:
Don Pasquale ist die letzte komische Oper von Gaetano Donizetti, einem der produktivsten Komponisten der Operngeschichte. Seit ihrer Uraufführung am 3. Januar 1843 in Paris gehört sie zu den meistgespielten Opern des Repertoires.
Mit dem zu weiten Teilen selbstverfassten Text hat Donizetti einen alten Stoff mit Wurzeln in der Commedia dell’arte in die Gegenwart überführt und gleichzeitig ins Gewand der eigentlich schon historischen Opera buffa gekleidet, einem Genre, das seine Hochblüte ein Vierteljahrhundert zuvor hatte. Die Oper spielt mit der Verstellungskunst, wirbelt echte und vorgetäuschte Gefühle durcheinander, so dass nicht nur der Zuschauer in Verwirrung gerät, sondern manchmal auch die Figuren selbst nicht mehr zu wissen scheinen, wo ihnen der Kopf steht. Dafür sorgt vor allem die Musik mit ihrem übersprudelnden Humor, ob in den pointierten Arien, den temporeichen Rezitativen oder den so hals- wie zungenbrecherischen Ensembles.
Manches an Don Pasquale wirkt vertraut. Einige Charaktere scheinen direkt der Commedia dell’arte entstiegen: Don Pasquale als Mischung aus Pantalone und Dottore, Norina mit Zügen der Colombina, Ernesto als Inkarnation von Pierrot oder Leandro. Die Handlung variiert das langvertraute Thema des alten Mannes, der eine junge Frau nehmen will, wie es beispielsweise Pergolesi in La serva padrona (Die Magd als Herrin) beziehungsweise Telemann in Pimpinone und Rossini in Der Barbier von Sevilla geschildert haben; zudem ist Norinas Auftrittsarie auch deutlich nach Rosinas Cavatina modelliert.
Manches an der Oper wirkt aber auch befremdend. Zum einen ist das Stück quasi aus der Zeit gefallen: über ein Vierteljahrhundert liegt zwischen der Uraufführung von Der Barbier von Sevilla und der von Don Pasquale (während im Jahr zuvor, 1842, bereits Verdis Nabucco über die Bühne ging). Donizettis Oper ist damit ein »gattungsgeschichtlich gleichsam postumes Werk« (Carl Dahlhaus), und zwar als ein ganz bewusster Rückgriff auf die alten Formen, nämlich als »eine kalkulierte Überprüfung der Chance für die Opera buffa unter veränderten Verhältnissen « (Norbert Miller). Das ist auch an den Rezitativen zu erkennen, die nicht mehr von einer Continuo-Gruppe, sondern vom Orchester begleitet werden und damit schon einen Schritt in Richtung durchkomponierter Oper gehen. Die Konventionen der Opera buffa verlässt das Stück spätestens mit dem Moment, in dem Norina Don Pasquale ins Gesicht schlägt. Denn während in der Gattung sonst kein Platz ist für Mitleid mit dem hereingelegten Alten, sind Pasquales Fassungslosigkeit und Traurigkeit hier nicht parodistisch überzeichnet, sondern ganz wahrhaftig dargestellt. In diesem Augenblick verlieren die Figuren ihre marionettenhafte Unschuld (Miller). Die sonst aus der Buffa verbannten moralischen Zweifel an der Intrige werden durch die betont knappe Auflösung am Schluss erst so recht hervorgerufen: »Das überaus flüchtige, beiläufige lieto fine wirkt dann auch so schal, so aufgesetzt und falsch, wie niemals zuvor eine Schlussszene in einer opera buffa. Hier glaubt nicht einmal der Gutgläubigste an ein echtes Happy End. Die versöhnende Kraft der opera buffa ist erloschen, die Harmonie dahin: sie hat sich endgültig ausgesungen.« (Attila Csampai) In vielen Fällen eröffnet die Musik Einsichten in die Gefühlswelt derPersonen, die mit der geradlinigen Intrige nicht in Einklang zu bringen ist. So ist das Duett zwischen Norina und Malatesta von einer derart erotischen Energie, dass man kaum anders kann, als eine Beziehung der beiden anzunehmen; wenn sie hingegen am Schluss gemeinsam mit Ernesto singt, erzählt die Musik von einer nicht weniger innigen Verbindung.

Zur Inszenierung:
Jetske Mijnssens Inszenierung versucht diesen Fährten nachzugehen. Die im Finale besungene »Lehre«, die dem Alten zu erteilen der eigentliche Antrieb für die Farce gewesen sei, entpuppt sich dabei als vorgeschoben: Den jüngeren Menschen im Stück – Norina, Ernesto, Malatesta – geht es vor allem ums Geld. Norina ist leicht von Männern zu begeistern, wenn sie nur Macht und Wohlstand ausstrahlen. Ernesto ist der »Neffe auf dem Sofa«, ein Mensch, der auf sein Erbe wartet und währenddessen nur älter, aber nicht reifer wird, weil er sein Leben einzig auf den Moment ausrichtet, an dem er reich werden wird. Malatesta ist ein undurchsichtiger Intrigant, dessen Motive schwer zu durchschauen sind. Alle drei sehen die Welt unter dem Motto »Life is a jungle«, in dem es ums »Survival of the fittest« geht. Bei diesem Überlebenskampf ist Don Pasquale zwar reich geworden, aber eine Frau hat er über all dem Geldverdienen nie gefunden. So ist ihm, meint er, nur eines geblieben: Sein eigenes Prachtbegräbnis vorzubereiten und seinen Nachruhm vorzuplanen. Folgerichtig ist seine Welt von einem monumentalen Sarg beherrscht, um den herum er seine vermeintlich letzten Tage verbringt. In diesem grotesk-makabren Umfeld erlebt er wider Erwarten etwas Ungeahntes: Pasquale, der eigentlich schon mit dem Leben abgeschlossen hatte, verspürt den Drang nach tieferen emotionalen Schichten. »Ein Mensch, der vor dem Abgrund steht, und trotzdem noch einmal neue Hoffnung schöpft: das ist doch eigentlich wunderschön. Ich liebe Pasquale!« (Jetske Mijnssen) Dabei ist es weniger wichtig, dass diese Entwicklung von einer Manipulation durch Doktor Malatesta ausgeht (»Für alte Leute gibt es nur einen Vertrauten: ihren Arzt.«), sondern die Verwandlung, auf die Pasquale sich einlässt. Jetske Mijnssen: »Vor die Wahl gestellt zwischen Selbstmordgelüsten und Viagra entscheidet er sich für Liebe und Lust und wagt sich an seinen Traum vom nicht gelebten Leben«.
In Don Pasquale treten zwar die Typen der Commedia dell’arte auf, aber die Oper ist keine Erzählung aus vergangenen Jahrhunderten. Schon Donizetti hatte die Handlung in der Gegenwart angesiedelt, wie aus den Dialogen hervorgeht, und dass sein ausdrücklicher Wunsch nach zeitgenössischen Kostümen in der Uraufführung nicht erfüllt wurde (also fast zehn Jahre, bevor Verdi mit diesem Vorhaben bei La Traviata ebenfalls an den Theaterkonventionen scheiterte), zeigt nur, wie sehr seine Konzeption ihrer Zeit voraus war. Auch heute scheint die anthropologische Konstante alter Mann – junge Frau unvermindert weiterzuwirken, ob in Fiktion (bei Michel Houellebecq, Philip Roth) oder Realität (J. Howard Marshall und Anna Nicole Smith, Franz Müntefering und Michelle Schumann).
Jetske Mijnssen: »Die Komödie ist sehr böse und sehr schwarz. Vielleicht ist sie deswegen so menschlich.«

[© Text: Komische Oper Berlin, Malte Krasting (Dramaturg)]

Karten:
Kartentelefon Komische Oper Berlin: +49 (30).47 99 74 00 Montag bis Samstag 9:00 bis 20:00 Uhr, Sonntag 14:00 bis 20:00 Uhr
Preise: So – Do … 8,00 – 62,00 €, Fr + Sa … 10,00 – 72,00 €,
Premiere … 12,00 – 93,00 €
karten@komische-oper-berlin.de, www.komische-oper-berlin.de

Drei Schwestern (Tri sestri)

Von: Peter Eötvös
Uraufführung: 1998 (Lyon)

Zur Inszenierung des Theater Koblenz:

Premiere:
13. März 10

Musikalische Leitung: Enrico Delamboye
Dirigent: Karsten Huschke
Inszenierung: Gabriele Wiesmüller
Bühnenbild: Katrin Hieronymus
Kostüme: Katharina Beth
Dramaturgie: Michael Dißmeier

Besetzung:

Irina:
Tamara Weimerich
Mascha: Aurea Marston
Olga: Anne Catherine Wagner
Natascha: Hana Lee
Tusenbach: Nikodem Lasa
Werschinin: Peter Kubik
Andrej: Michael Mrosek
Kulygin: Andreas Mitschke
Doktor: Roderic Keating
Soljony: Jongmin Lim
Anfisa: Peter Lobert
Rodé: Martin Shalita
Fedotik: Danilo Tepša

Staatsorchester Rheinische Philharmonie

www.theater-koblenz.de

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