kulturfreak

Oper & Musik~Theater: Kurzinfos S - Z

Semele (The Story of Semele)
Oratorium in drei Akten

Von: Georg Friedrich Händel
Text: nach dem Opernlibretto von William Congreve (Bearbeiter unbekannt)
Uraufführung: 10. Februar 1744 (London, Theatre Royal Covent Garden)

Il Templario
Melodramma in tre atti

Libretto: Girolamo Maria Marini nach Walter Scotts Roman „Ivanhoe“
Musik: Otto Nicolai

Theseus
Oper in fünf Akten

Musik: Georg Friedrich Händel (23.02.1685-14.04.1759)
Libretto: Niccolò Francesco Haym
Deutsche Textfassung: Bettina Bartz und Werner Hintze

WERTHER
Lyrisches Drama in vier Akten und fünf Bildern von Jules Massenet

Uraufführung: 16. Februar 1892 (Wien, Hofoper)

Zur Inszenierung der Oper Frankfurt:

Premiere:
Sonntag, 11. Dezember 05
Weitere Vorstellungen: 14., 17., 23., 25., 30. Dezember 2005, 1. (16.30 Uhr), 5., 8. Januar 2006

Wiederaufnahme in der Saison 2006/07: 16. November 06
Weitere Vorstellungen: 25., 30. November, 3. & 9. Dezember 06

Musikalische Leitung: Carlo Franci / Johannes Debus
Inszenierung: Willy Decker / Johannes Erath

Mitwirkende:

Charlotte:
Kristine Jepson (
Wiederaufnahme: Claudia Mahnke)
Sophie: Britta Stallmeister (
Wiederaufnahme: Anna Ryberg)
Werther: Piotr Beczala
Albert: Nathaniel Webster
Johann: Simon Bailey (
Wiederaufnahme: Florian Plock)
La Bailli: Franz Mayer
Schmidt: Michael McCown
u.a.


Nach Manon von Jules Massenet (1842-1912), die im Sommer 2003 an der Oper Frankfurt zu erleben war, stand als dritte Premiere der Spielzeit 2005/06 mit Werther ein weiteres Werk des französischen Komponisten auf dem Spielplan. Die nach Goethes Briefroman entstandene Oper wurde in Frankfurt, von einer konzertanten Aufführung im Dezember 1984 abgesehen, während der gesamten Nachkriegszeit nicht gezeigt – Grund genug, sie dem hiesigen Opernpublikum endlich wieder zu präsentieren. Die musikalische Leitung übernehmen – wie in der Premierenspielzeit – der Italiener Carlo Franci und alternierend Kapellmeister Johannes Debus. Franci gastiert seit 1974 regelmäßig in Frankfurt, vorwiegend im italienischen Fach. Die Inszenierung, eine Originalproduktion der De Nederlandse Opera Amsterdam, stammt von Willy Decker, zu dessen jüngsten Projekten die Salzburger Traviata mit Anna Netrebko 2005 zählt. Die Titelrolle verkörpert, wie in der Premierenserie, der polnische Tenor Piotr Beczala, dessen Karriere ihn regelmäßig an die Opernhäuser von Zürich, Wien und London führt. Mit ihren Partien bereits vertraut sind auch die Ensemblemitglieder Nathaniel Webster (Albert), Simon Bailey (Johann), Franz Mayer (Le Bailli) und Michael McCown (Schmidt). In der weiblichen Hauptpartie der Charlotte präsentiert sich als neues Ensemblemitglied erstmals in dieser Produktion Claudia Mahnke. Die Mezzosopranistin kommt von der Staatsoper Stuttgart und hat u.a. wiederholt an der San Francisco Opera gastiert. Im September 2006 stellte sie sich dem Frankfurter Opernpublikum bereits als Magdalena in Wagners Meistersingern vor. Aus dem Ensemble ist zudem Anna Ryberg (Sophie) neu besetzt, die kürzlich einen großen Erfolg als Poppea in Händels Agrippina feierte.

Internetseite von Piotr Beczala:
www.beczala.com (externer Link)

Besprechung der Aufführung
Bericht von der Einführungsveranstaltung Oper Extra zu “Werther”

www.oper-frankfurt.de

Unsichtbar Land
Oper in 7 Tagen

Von: Helmut Oehring, mit Musik von Henry Purcell
Nach: William Shakespeare: Der Sturm

Auftragswerk des Theater Basel

Uraufführung: Sonntag, 7. Mai 2006 (Basel, Theater Basel)

Szenenfolge in der Partitur:

Montag - Prolog
Mienstag - Prospero und
Mittwoch - Die Unbändige Liebe
Donnerstag - Intrigen und Macht
Freitag - Schuld reue Mitleid
Samstag - Freiheit Befreiung Aufgabe
Sonntag - Epilog

Zur Inszenierung am Theater Basel:

Premiere:
7. Mai 06

Regie: Claus Guth
Bühne und Kostüme: Christian Schmidt

Musikalische Leitung: Jürg Henneberger
Cembalo/Leitung Barockensemble: Giorgio Paronuzzi

Licht: Hermann Münzer
Chorleitung: Henryk Polus
Dramaturgie: Bettina Auer
Mitarbeit Regie/ Dramaturgie: Kai Grehn
Studienleitung: David Cowan, Giorgio Paronuzzi
Sound Konzeption/ Produktion: Torsten Ottersberg/GOGH surround music

Gesangssolisten: Rita Ahonen, Karl-Heinz Brandt, Arno Raunig, Catherine Swanson, Bjørn Waag
Gebärdensolisten: Christina Schönfeld, Ralf Engelmann, Jan Sell
Schauspieler: Urs Bihler, Helene Grass
Tänzer: Fabio Pink

Chor des Theater Basel
Sinfonieorchester Basel
Instrumentalisten der Schola Cantorum Basiliensis
Ensemble Phönix Basel : Nenad Markovic, Trompeten; Jörg Wilkendorf, Solo-E-Gitarre; Toshiko Sakakibara, Bass- /Kontrabassklarinette

Besprechung auf kulturfreak.de

Eine "Oper in 7 Tagen" nennt Helmut Oehring sein neuestes Musiktheater, das er im Auftrag des Theater Basel komponiert hat. Am 7. Mai kommt "Unsichtbar Land", das zeitgenössische Musik mit Werken von Henry Purcell verbindet, auf der Grossen Bühne zur Uraufführung. Die Musikalische Leitung hat Jürg Henneberger, Regie führt Claus Guth, Bühne und Kostüme entwirft Christian Schmidt.

Mit dieser letzten Opernpremiere unter der Intendanz von Michael Schindhelm wollen wir noch einmal den Bogen von den Anfängen der Oper bis in unsere heutige Zeit spannen.
Helmut Oehring integriert in sein grosses ?Crossover'-Musiktheaterwerk Arien, Chöre, Ouvertüren und Tänze des englischen Barockkomponisten Henry Purcell, er stellt zwei musikalische Zeiten einander gegenüber, so dass Altes, scheinbar Vertrautes, ebenso wie Neues, Unvermutetes im Zusammenklang neu hörbar wird. Dieser musikalische Brückenschlag spiegelt sich im instrumentalen Klangkörper, dem Sinfonieorchester stehen ein Ensemble von Barockmusikern der Schola Cantorum sowie einige Instrumental-Spezialisten für Neue Musik zur Seite.

Auf der Bühne finden KünstlerInnen mit unterschiedlichsten Ausdrucksmöglichkeiten zusammen: vier Gesangssolisten des Basler Ensembles und ein Sopranist, der Chor des Theater Basel, drei Gebärdensolisten - gehörlose Künstler, die Poesie in der ungeheuer expressiven Gebärdensprache vermitteln - Schauspieler und Tänzer.

Ausgangspunkt für dieses vielschichtige Projekt ist William Shakespeares Drama "Der Sturm", das in der Oper mit poetischen Texten des Komponisten und dokumentarischem  Material zu etwas Neuem verschmilzt.
In Shakespeares "Sturm lebt Prospero nach seiner Verbannung vom Hofe mit seiner einzigen Tochter Miranda auf einer einsamen Insel. Dort hat er sich den Luftgeist Ariel und den ?Wilden' Caliban, die ursprünglichen Inselbewohner, untertan gemacht. Mit magischen Kräften entfacht Prospero einen Sturm, damit seine alten Gegner auf der Insel Schiffbruch erleiden. Während sich die Höflinge, über die Insel irrend, in beinahe tödliche Machtspiele verstricken, führt Prospero Miranda und den jungen Ferdinand zusammen, die sich ineinander verlieben. Shakespeares letztes Werk entstand in den Jahren 1610 und 11, wofür wahrscheinlich ein aufsehenerregendes Ereignis des Jahres 1609 Anlass gab: die zufällige Entdeckung der Bermuda-Inseln durch englische Auswanderer, die auf der Fahrt nach Virginia in einem Sturm Schiffbruch erlitten. 1695 komponierte Henry Purcell nach Shakespeares "Sturm" eine so genannte Semi-Opera unter dem Titel "The Tempest or The Enchanted Island", d.h. er schrieb eine Ouvertüre zum Schauspieltext, Liedeinlagen, Ensembles, Tänze und Chöre. Einige davon sind in Oehrings Oper eingeflossen.

Helmut Oehring, 1961 in Berlin geboren, hat neben Kammermusik, Orchesterwerken, Filmmusik und Hörspielen sehr erfolgreich für das Musiktheater komponiert. Zuletzt wurden seine “Opernsaga” "Kobayashi singt (unter fremden Sternen), ein anschaulicher Dokumentarbericht mit Musik" an der Hamburger Opera Stabile und "WOZZECK kehrt zurück, tonschriftliche MOMENTAUFNAHME in drei Abzügen" am Theater Aachen uraufgeführt. Am Theater Basel hat der Komponist 1999 schon einmal mit Joachim Schlömer zusammen gearbeitet für "Bernarda Albas Haus" nach Frederico Garcia Lorca. Im letzten Jahr wurde Helmut Oehring in die Berliner Akademie der Künste als neues Mitglied der Sektion Musik aufgenommen.

Helmut Oehring hat seine Oper in 7 Tage strukturiert. Beginnend mit "Montag - Prolog. So kommt der Reigen in Gang", erzählt sie von Prospero, der sich in der Welt der Bücher verloren hatte, seiner Tochter Miranda, die zusammen mit dem jungen Ferdinand die Liebe entdeckt, von Luftgeistern, Schwebezuständen, vom Ureinwohner Caliban, der von Prospero die Sprache und damit das Fluchen gelernt hat, von geheimnisvollen Klängen und der Begegnung mit dem Fremden, bis die Oper nach dem Sonntag mit einem Epilog endet.

Dirigent Jürg Henneberger, ein grosser Kenner der zeitgenössischen Musik, sagt auf die Frage nach dem Charakteristischen von "Unsichtbar Land": "Die Überlappung der beiden musikalischen Ebenen - Oehring und Purcell - geht innerhalb des Stückes stufenweise voran. Zu Beginn sind sie streng getrennt, folgen in harten Schnitten aufeinander, bis sie sich allmählich sehr behutsam vermischen.
Im ersten Teil der Oper, dem Montag, hat das Orchester lautmalerische Funktion, ist den Luftgeistern zugeordnet. Am Donnerstag und Freitag vermischen sich die musikalischen Ebenen: Das Barock-Ensemble spielt Oehring, während das Orchester auch Purcell spielt. Ganz zum Schluss der Oper musizieren alle zusammen - ganz entsprechend zur Geschichte des "Sturms", in der die Figuren zunächst gegeneinander arbeiten, um schliesslich zur Harmonie zu finden.”

Musikalisch beschreibt Helmut Oehring ganz unterschiedliche Atmosphären. Luft-Wasser-ähnliche Klangschichten, die wie Meeresrauschen oder Wasserplätschern klingen, stehen den sehr erdigen, bisweilen aggressiven Prospero-Klängen gegenüber. Die Singstimmen werden oft instrumental behandelt, da sie bei Vokalisen gar keinen Text haben oder der Text nicht immer verstanden werden muss. In einer Art Patchwork entstehen durch verschiedene Erzählebenen und mit unterschiedlichsten Ausdrucksmöglichkeiten, Sprache, Gesang, Gebärde, instrumentaler Musik und durch Live-Elektronik verfremdete Klänge, ein komplexes Gebilde.

Für Christian Schmidt, den Bühnen- und Kostümbildner, ist der zeitliche Orientierungsrahmen der Beginn des 20. Jahrhunderts, als es immer noch einige “blinde Flecken”, also unentdeckte Gebiete auf der Weltkarte, gab. Vor diesem Hintergrund erzählt das Bühnenbild von dem Versuch des Menschen, Wirklichkeit zu erfassen. Es stellt den Raum in den Mittelpunkt, in dem das theoretische Wissen gesammelt und aufbewahrt wird: eine Bibliothek. Auf der im wahrsten Sinne “anderen Seite” davon: der Versuch, das theoretische Wissen z.B. über eine ferne Welt visuell plastisch werden zu lassen: Ein Diorama suggeriert die Weite einer (ant-)arktischen Landschaft.

Regisseur Claus Guth ist bereits mit Helmut Oehrings Musik vertraut, da er schon die Uraufführung von dessen Oper "BlauWaldDorf" inszeniert hat. "Ein Antwortbrief" aus der Gegenwart an den von ihm sehr verehrten Barockkomponisten Henry Purcell ist für ihn die Verbindung von Alter und Neuer Musik in "Unsichtbar Land". Der rational-kategorisierenden Welt des Forschers Prospero stellt er eine noch unberührte Eislandschaft, die Welt des Irrationalen gegenüber, in die eine Expedition vorzustossen versucht und scheitert. Wechselseitig durchdringen sich diese Welten, wobei die Begegnung mit dem Fremden, sei es in der Liebe oder der unbekannten Kultur, bereichernd und irritierend ist.
Claus Guth hat am Theater Basel u.a. bereits "Schwarzerde" (01/02), "Tannhäuser" (02/03), "Der Freischütz" (03/04) und "Il barbiere di Siviglia" (04/05) inszeniert.

www.theater-basel.ch (externer Link)
 

Zar und Zimmermann oder Die zwei Peter
Komische Oper in drei Aufzügen

Von: Albert Lortzing
Uraufführung: 22. Dezember 1837 (Leipzig, Stadttheater)

Zur Inszenierung der Oper Leipzig:

Premiere:
26. September 09 (Spielstätte: Musikalische Komödie)
Weitere Vorstellungen: 26.09.09, 19:00 Uhr; 03.10.09, 19:00 Uhr; 19.11.09, 19:30 Uhr; 22.11.09, 18:00 Uhr; 27.11.09, 19:30 Uhr

Musikalische Leitung: Stefan Diederich
Inszenierung: Dominik Wilgenbus
Bühnenbild: Udo Vollmer
Kostüme: Andrea Fisser
Choreographie: Mirko Mahr
Choreinstudierung: Mathias Drechsler
Dramaturgie: Marita Müller

Peter Michailow: Kurt Schober
Peter Iwanow: Alexander Voigt
van Bett: Milko Milev
Marie: Iva Mihanovic / Mirjam Neururer
Admiral Lefort: Karsten Müller
Lord Syndham: Folker Herterich
Marquis von Chateauneuf: Radoslaw Rydlewski
Witwe Browe: Anne-Kathrin Fischer / Margarete Junghans

Chor, Extrachor und Orchester der Musikalischen Komödie

Albert Lortzing ist der erklärte Liebling der deutschen Spieloper. Bei der Leipziger Uraufführung 1837 spielte er selbst den Peter Iwanow. Hier bekam er zwar schlechte Presse, doch andere Städte machten „Zar und Zimmermann“ bald zum Kassenschlager. Schon bevor Lortzing 1851 in Berlin an den Folgen chronischer Unterernährung starb, waren die Hits wie „Lebe wohl, mein flandrisch’ Mädchen“, „Einst spielt ich mit Zepter, mit Krone und Stern“ und „Ja, ich bin klug und weise“ unsterblich geworden. Aber nicht allein die Ohrwürmer machen den Erfolg seiner Opern aus (auch „Waffenschmied“ und „Wildschütz“ sind ja aus dem Repertoire nicht wegzudenken), sondern auch der treffsichere Blick für Komik und die liebevolle Zeichnung der Charaktere. Jede Figur wird ernst genommen, so können Missverständnisse im Laufe der Handlung dem Publikum umso mehr Vergnügen bereiten. Wer freut sich nicht auf die „Singschule“ mit dem Chor „Heil sei dem Tag, an welchem du bei uns erschienen“ und dem eifrig mitgesungenen „Dideldum“? Wer ist nicht gespannt auf den berühmten Holzschuhtanz, choreographiert von Mirko Mahr, dessen Tänze zu „Hello, Dolly!“ und vielen anderen Klassikern seit Jahren begeistern?

Für den Regisseur Dominik Wilgenbus, der schon den Schweizer Kinderklassiker „Heidi“ und Offenbachs französische Griechenoperette „Die schöne Helena“ auf die Bretter der Musikalischen Komödie brachte, und seinen Bühnenbildner Udo Vollmer bildet die flandrische Malerei die Quelle der optischen Inspiration. Wie aus einem Vermeer- oder Breughel-Gemälde steigen die Figuren auf die Bühne, als wären sie von der Musik ins Leben gerufene Geister. Sie entfalten hemmungslos ihr buntes Treiben, denn in der Geschichte treffen Menschen aufeinander, die sich normalerweise im Leben kaum begegnen würden: ein russischer Zar und ein Dorfbürgermeister, ein Werftarbeiter und zwei ausländische Diplomaten. Mittendrin aber kämpft Marie, das gar nicht auf den Mund gefallene „flandrisch’ Mädchen“, mit Herz und Verstand um ihren Bräutigam. [© Oper Leipzig]

www.oper-leipzig.de

nach oben