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Lear Oper in zwei Teilen
Musik: Aribert Reimann (* 1936) Französische Übersetzung: Antoinette Becker Librettist:
Claus H. Henneberg Dichter der Textvorlage: William Shakespeare („True Chronicle History of the Life and Death of King Lear and His Three Daughters“, 1605) Uraufführung:
9. Juli 1978 (München, Bayerische Staatsoper - Nationaltheater)
Zur Inszenierung der Hamburgischen Staatsoper:
Premiere: 15. Januar 12
Musikalische Leitung: Simone Young Inszenierung: Karoline Gruber Bühnenbild: Roy Spahn Kostüme: Mechthild Seipel Licht: Hans Toelstede Chor:
Florian Csizmadia Dramaturgie: Kerstin Schüssler-Bach
Besetzung:
König Lear: Bo Skovhus König von Frankreich: Wilhelm Schwinghammer
Herzog von Albany: Moritz Gogg Herzog von Cornwall: Peter Galliard Graf von Kent: Jürgen Sacher Graf von Gloster: Lauri Vasar Edgar: Andrew Watts
Edmund: Martin Homrich Goneril: Katja Pieweck Regan: Hellen Kwon Cordelia: Ha Young Lee Narr: Erwin Leder Bedienter:
Frieder Stricker
Orchester: Philharmoniker Hamburg
Simone Young und Karoline Gruber bringen Reimanns »Lear« auf die Bühne in Hamburg
Lears verhängnisvolle Entscheidung, das Reich unter seinen drei Töchtern aufzuteilen, führt zu einem heillosen Verlust der Werteordnung. Alle Bindungen werden
zerrissen, alle Hierarchien gestürzt. Spiegelbildlich zu Lears Auflösungsprozess vollzieht sich der Untergang des Grafen von Gloster: auch er traut dem falschen Kind. Erst als Blinder erkennt
Gloster die Wahrheit, wie Lear erst durch den Wahnsinn gehen muss, um sehend zu werden.
Nach der Neuproduktion von Georg Philipp Telemanns »Flavius Bertaridus« bringt die Staatsoper
Hamburg im Rahmen des Jubiläums »333 Jahre Oper in Hamburg« jetzt einen Klassiker der Moderne auf die Bühne. Aribert Reimanns »Lear« ist ein Musiktheatererlebnis von bezwingender emotionaler
Kraft. Ursprünglich als Auftragswerk für die Hamburgische Staatsoper geplant, wurde »Lear« 1978 in München herausgebracht. Nun holt die Opernintendantin und Hamburgische
Generalmusikdirektorin Simone Young die wohl bedeutendste Shakespeare-Oper des 20. Jahrhunderts nach Hamburg: »Mich fasziniert, wie es Reimann gelungen ist, die ungeheure Wucht und Größe
dieses Stoffes in eine kompromisslose und unglaublich dichte Musiksprache zu übertragen. Es ist alles aus Shakespeares Drama da – aber eben auf eine höchst operngerechte Weise.« Für die
Inszenierung engagierte Simone Young, die die Musikalische Leitung übernimmt, Karoline Gruber. Die Regisseurin debütierte 2003 an der Staatsoper Hamburg mit Monteverdis »L’Incoronazione di
Poppea«, es folgten Verdis »Nabucco« und Händels »Giulio Cesare in Egitto«. Für das Bühnenbild zeichnet Roy Spahn verantwortlich, die Kostüme der Neuproduktion kreiert Mechthild Seipel.
Mit Bo Skovhus wird ein großer Sängerdarsteller die fordernde Titelpartie dieser Neuproduktion verkörpern. »Bo Skovhus und ich sind beide gleichermaßen begeistert von Reimanns Stück«,
sagt Simone Young. »Er hat ja in Hamburg unvergessene Erfolge als Wozzeck gefeiert und wird sich mit dem Lear eine echte Traumpartie erobern, die szenisch und musikalisch alles verlangt.«
Zuletzt war der dänische Bariton in Hamburg unter anderem als Mandryka in Strauss’ »Arabella« und Oreste in Glucks »Iphigénie en Tauride« zu Gast. Lauri Vasar übernimmt die Rolle des Grafen
von Gloster. Der aus Estland stammende Bariton erhielt gerade für seine Interpretation des Billy Budd an der Deutschen Oper am Rhein eine Nominierung für den Theaterpreis FAUST und ist seit
zwei Jahren Mitglied im Hamburger Ensemble. Als Edgar kehrt der britische Countertenor Andrew Watts nach Hamburg zurück, 2006 gab er hier sein Debüt als Adschib in Hans Werner Henzes »L’Upupa
und der Triumph der Sohnesliebe«. Ein Rückkehrer ist auch Martin Homrich (Edmund), der Mitglied im Internationalen Opernstudio und im Ensemble war und heute an der Semperoper in Dresden
engagiert ist. Er war zuletzt hier als Tamino, Erik (»Der fliegende Holländer«) und Alfred (»Die Fledermaus«) zu erleben. Katja Pieweck singt die Partie der Goneril, zu ihren Rollen zählen
unter anderem Brangäne, Fricka und die Mutter in »Hänsel und Gretel«. Als ihre Schwester Regan steht Hellen Kwon auf der Bühne. Die Sopranistin und Hamburger Kammersängerin erhielt 2010 den
Rolf-Mares-Preis für ihre Leistung als Frau in Wolfgang Rihms »Das Gehege« und sorgte im November 2011 mit ihrem Rollendebüt als Salome für Aufsehen. Ha Young Lee verkörpert die jüngste
Schwester, Cordelia. Die Sopranistin gehört seit 2005 zum Solistenensemble und konnte hier unter anderem als Lucia, Violetta, Gilda und Honey B. (»Bliss«) große Erfolge feiern. Mit Erwin
Leder hat die Staatsoper einen ganz besonderen Gast für die Rolle des Narren verpflichten können: Dem Schauspieler gelang als Johann, das Gespenst in Wolfgang Petersens Filmdrama »Das Boot«
der internationale Durchbruch. Seitdem wirkte er in über 150 TV- und Kinoprojekten und 100 Theaterproduktionen mit. Weiterhin singen: Willhelm Schwinghammer (König von Frankreich), Moritz
Gogg (Herzog von Albany), Peter Galliard (Herzog von Cornwall), Jürgen Sacher (Herzog von Kent) und Frieder Stricker (Bedienter). Die Einstudierung des Chores übernimmt Florian Csizmadia.
Karoline Gruber ~ Regisseurin Karoline Gruber arbeitet seit einigen Jahren erfolgreich als freie
Opernregisseurin im In- und Ausland. Ihren Durchbruch feierte sie mit ihrer Interpretation von »Il Mondo della Luna«, die sie 2001 mit René Jacobs bei den Innsbrucker Festwochen erarbeitete
und die 2002 von der Staatsoper Unter den Linden Berlin übernommen wurde. 2003 folgte in Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Alessandro de Marchi »L’Incoronazione di Poppea« von Claudio
Monteverdi an der Hamburgischen Staatsoper. Die Inszenierung war ein großer Erfolg bei Publikum und Presse und wurde in der Kritikerumfrage der Zeitschrift »Opernwelt« in der Kategorie
»Bester Regisseur / Beste Inszenierung« mehrfach nominiert. Gleiches gilt für Karoline Grubers Inszenierung von Puccinis »Le Villi« an der Wiener Staatsoper mit José Cura und Franz
Grundheber, bei der Simone Young am Pult stand (2005). In den folgenden Jahren inszenierte Karoline Gruber an vielen wichtigen Opernhäusern Deutschlands, darunter die Oper Bonn (»Dardanus«
von Jean-Philippe Rameau), die Dresdner Semperoper (»Cleofide« von Johann Adolph Hasse), die Oper Köln (szenische Uraufführung »Der Held der westlichen Welt« von Jan Müller-Wieland) und die
Oper Leipzig (»Ariadne auf Naxos« von Richard Strauss). An der Hamburgischen Staatsoper inszenierte die Regisseurin des Weiteren Verdis »Nabucco« (2004) und Händels »Giulio Cesare in Egitto«
(2005). Auch international war Karoline Gruber erfolgreich tätig. Am New National Theatre Tokyo brachte sie 2005 Zemlinskys »Florentinische Tragödie« und Puccinis »Gianni Schicchi« auf die
Bühne. Im Januar 2008 hatte ihre Inszenierung der ersten Oper des portugiesischen Komponisten Emmanuel Nuñes »Das Märchen« nach Johann Wolfgang von Goethe am Teatro Nacional de São Carlos in
Lissabon Premiere. Sie wurde vom portugiesischen Fernsehen aufgezeichnet sowie in vierzehn Theater des Landes live übertragen. Im gleichen Jahr erlebte Karoline Grubers Interpretation von
»Salome« (Strauss) an der Biwako Oper Japan ihre erfolgreiche Premiere und wurde an das Teatro Nacional de São Carlos Lissabon übernommen. Zu ihren jüngsten Erfolgen zählen ihr Debüt am
Aalto-Theater Essen mit »Elegie für junge Liebende« von Hans Werner Henze im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres Ruhr 2010 sowie ihre Interpretation von Rameaus »Platée« an der Deutschen Oper
am Rhein in Düsseldorf. Von 2005 bis 2010 war Karoline Gruber zudem Professorin für Szenischen Unterricht an der Universität der Künste Berlin. Diese Tätigkeit beendete sie mit einer
Inszenierung von Poulencs »Dialogues des Carmélites«.
Roy Spahn ~ Bühnenbild In Frankfurt geboren absolvierte Roy Spahn
sein Kunststudium in seiner Heimatstadt bei Willi Schmit. Er war Preisträger des Kunstförderpreises der Stadt Frankfurt und kam durch den Schweizer Marc Deggeller zum Bühnenbild. Als
Ausstattungsleiter war er am Jungen Theater Göttingen und am Landestheater Neustrelitz tätig. Seit 1991 entwirft er Bühnen- und Kostümbilder unter anderem am Schauspielhaus Hamburg und an den
Theatern in Kassel, Bremen, Braunschweig, Luzern, Straßburg und Dessau sowie am Opernhaus Zürich. Enge Zusammenarbeit verbindet ihn mit den Regisseuren Roman Hovenbitzer (unter anderem die
Bernstein-Opern »Street Scene« in Hagen und »On the Town« am Staatstheater Oldenburg) und mit Karoline Gruber. Mit ihr erarbeitete Roy Spahn unter anderem Rossinis »Il Barbiere di Siviglia«
beim OpernFestival St. Moritz, »Ein Märchen« von Emmanuel Nuñes am Teatro São Carlos in Lissabon, Strauss’ »Ariadne auf Naxos« an der Oper Leipzig und Henzes »Elegie für junge Liebende« am
Aalto-Theater Essen. Mit Karoline Gruber erarbeitet Roy Spahn das Bühnenbild für Reimanns »Lear« und stellt sich mit dieser Arbeit erstmals an der Hamburgischen Staatsoper vor.
Mechthild Seipel ~ Kostüme Die in Bochum geborene Mechthild Seipel machte in Berlin eine Ausbildung zur Modedesignerin. Ihr erstes
berufliches Engagement führte sie als Assistentin und Kostümbildnerin an das Schauspiel Köln. Dort begann auch ihre langjährige Zusammenarbeit mit dem Regisseur Andreas Homoki, die sie nach
Basel (»Elektra«, »Der Rosenkavalier« und Verdis »Requiem«), Amsterdam (»Capriccio« und »Lulu«) und Tokio (»Le Nozze di Figaro«, »La Fanciulla del West«) führte, um nur einige Stationen zu
nennen. An der Komischen Oper Berlin erarbeiteten sie außerdem gemeinsam »Die Liebe zu den drei Orangen«, »Eugen Onegin«, »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« und »La Bohème«. Mit der
Regisseurin Karoline Gruber arbeitete Mechthild Seipel bereits viermal zusammen. Sie schuf die Kostüme für Karoline Grubers Inszenierungen von Jean-Philippe Rameaus »Dardanus« in Bonn, von
Emmanuel Nuñes‘ »Das Märchen« in Lissabon, von Hans Werner Henzes »Elegie für junge Liebende« in Essen und von Rameaus »Platée« in Düsseldorf. An der Hamburgischen Staatsoper ist Mechthild
Seipel in der Spielzeit 2011/12 zum ersten Mal zu Gast. [© Hamburgische Staatsoper]
Karten sind an der Tageskasse der Hamburgischen Staatsoper, unter der Telefonnummer 040 / 35 68 68, im Internet unter www.staatsoper-hamburg.de sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.
Zur Inszenierung der Oper Frankfurt:
Premiere: 28. September 08
Musikalische Leitung:
Sebastian Weigle Regie: Keith Warner Bühnenbild: Boris Kudlička Kostüme: Kaspar Glarner Dramaturgie: Norbert Abels Licht: Davy Cunningham
Chor: Matthias Köhler
König Lear: Wolfgang Koch König von Frankreich: Magnus Baldvinsson Herzog von Albany: Dietrich Volle
Herzog von Cornwall: Michael McCown Graf von Kent: Hans-Jürgen Lazar Graf von Gloster: Johannes Martin Kränzle Edgar, Glosters Sohn: Martin Wölfel
Edmund, Bastard Glosters: Frank van Aken Goneril, Tochter König Lears: Jeanne-Michèle Charbonnet Regan, Tochter König Lears: Caroline Whisnant
Cordelia, Tochter König Lears: Britta Stallmeister Narr: Graham Clark u.a.
Chor der Oper Frankfurt Frankfurter Museumsorchester
Besprechung auf kulturfreak.de
Lear Oper Frankfurt Bildmitte: Lear (Wolfgang Koch) und Ensemble Foto: Barbara Aumüller
Die Vertonung der um 1605 entstandenen Tragödie König Lear von William Shakespeare (ca. 1564-1616) hat Komponisten unterschiedlicher Epochen beschäftigt, wobei sich
keine der musikalischen Umsetzungen wirklich behaupten konnte. Erst der 1936 in Berlin geborene Aribert Reimann, einer der führenden deutschen Opernkomponisten der
Moderne, war mit seiner Fassung erfolgreich: Angeregt durch den in seinem Fach Maßstäbe setzenden Bariton Dietrich Fischer-Dieskau befasste sich Reimann ab 1972 intensiv
mit der literarischen Vorlage und beauftragte schließlich Claus H. Henneberg, ein Libretto zu verfassen. 1975 erhielt Reimann den Kompositionsauftrag der Bayerischen
Staatsoper in München, wo das Werk schließlich am 9. Juli 1978 zur Uraufführung kam. Die Titelpartie verkörperte Fischer-Dieskau und hatte somit keinen unerheblichen Anteil
am überragenden Erfolg der Komposition.
Zum Inhalt:
Der greise König Lear möchte das Reich unter seinen drei Töchtern aufteilen. Je größer ihre Liebe zu ihm, desto größer soll ihr Anteil ausfallen. Daraufhin übertreffen sich die
machthungrigen älteren Schwestern Goneril und Regan in gegenseitigen Liebesbezeugungen. Nur die aufrichtig liebende jüngste Tochter Cordelia findet keine Worte, wird daher
missverstanden und verstoßen. Der König selbst wird von Goneril und Regan vom Hof gejagt und irrt in geistiger Umnachtung umher. Doch ihre Machtspiele und Intrigen sowie
das daraus resultierende Misstrauen treiben die grausamen Schwestern in den Tod. Cordelia kehrt aus der Verbannung zurück und will dem Vater wieder zur Macht verhelfen,
wird jedoch ermordet. Mit ihrer Leiche im Arm bricht der um die getötete Tochter klagende König Lear tot zusammen.
Die musikalische Leitung dieser Frankfurter Erstaufführung liegt bei Sebastian Weigle, der ab der Saison 2008/09 das Amt des Generalmusikdirektors der Oper Frankfurt
bekleidet. Für die Inszenierung kehrt Keith Warner an den Main zurück, wo er in den vergangenen Spielzeiten für Rossinis Aschenbrödel (La Cenerentola), Dallapiccolas Volo di
notte und Il prigioniero, Blochs Macbeth und Brittens Death in Venice verantwortlich zeichnete. Zu seinen letzten Arbeiten gehört zudem Wagners Der Ring des Nibelungen am
Royal Opera House Covent Garden in London. Die Titelpartie verkörpert der Bariton Wolfgang Koch, der 2006 in Frankfurt als Hans Sachs in Wagners Die Meistersinger von
Nürnberg zu erleben war. Seine aktuellen Engagements beinhalten Alberich im Ring an der Hamburgischen Staatsoper sowie Projekte in Mailand, München und Wien. Die
weiteren Partien sind mit Gästen und Ensemblemitgliedern der Oper Frankfurt besetzt. [© Oper Frankfurt]
www.oper-frankfurt.de
Die Opern von Aribert Reimann: Ein Traumspiel (nach August Strindberg), Uraufführung: 20. Juni 1965, Kiel
Melusine, Uraufführung: 29. April 1971, Schwetzingen Lear (nach William Shakespeare), Uraufführung: 9. Juli 1978 München - Bayerische Staatsoper Die Gespenstersonate
(nach August Strindberg), Uraufführung: 25. September 1984, Berlin - Hebbel-Theater Troades
(nach dem Schauspiel des Euripides in der Fassung von Franz Werfel), Uraufführung: 7. Juli 1986, München - Bayerischen Staatsoper Das Schloss
(nach Franz Kafka), Uraufführung: 2. September 1992 Berlin - Deutschen Oper Bernarda Albas Haus
(nach Federico García Lorca), Uraufführung: 30. Oktober 2000, München - Bayerischen Staatsoper
In Arbeit: Medea
, Uraufführung: Juni 2010, Wien, Wiener Staatsoper, DEA: September 2010 (Frankfurt, Oper Frankfurt)
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