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Zu den Vorstellungen im Festspielhaus Baden Baden, Januar 08:
Im Festspielhaus Baden-Baden steht zu
Beginn der Winterfestspiele 2008 eine ganz besondere Premiere auf dem Spielplan: In Koproduktion mit dem Mariinsky-Theater St. Petersburg entsteht unter der musikalischen Leitung von Valery
Gergiev eine Neuproduktion der Oper "Der fliegende Holländer" von Richard Wagner. Die Inszenierung übernimmt der britische Regisseur Ian Judge. Nach Gergievs umjubeltem
"Ring" steht damit abermals eine russische Wagner-Produktion in Baden-Baden auf dem Programm. Die Vorstellungen finden am Donnerstag, 17. Januar, 20 Uhr, Sonntag, 20. Januar, 18 Uhr
und Dienstag, 22. Januar, 20 Uhr statt.
Musikalische Leitung: Valery Gergiev Inszenierung: Ian Judge
Holländer: Evgenij Nikitin Senta:
Mlada Khudoley Daland: Mikhail Petrenko
Chor und Orchester des Mariinsky-Theaters St. Petersburg
Wenn er ohne Stab dirigiert, durchpulst seine Rechte ein magisches
Vibrato. Permanente Schwingungen bis in die Fingerkuppen, energetische Entladung wie eine hypnotische Beschwörung. Er scheint von einer heiligen Unruhe angetrieben zu sein – rastlos,
aber gelassen, vielbeschäftigt, und doch hochkonzentriert: Valery Gergiev gehört zu den derzeit gefragtesten Orchesterleitern der Welt. Geboren1953 Moskau als Sohn ossetischer Eltern,
verfolgte der Musikvisionär zielstrebig sein Vorhaben, das Kirovtheater in der nördlichen russischen Millionenmetropole St. Petersburg aus seinem Dornröschenschlaf aufzuwecken und vor dem
postkommunistischen Verfall zu retten. Und mehr als das! Denn das seit 1992 wieder in Mariinsky-Theater umbenannte Opernhaus an der Newa ist unter Gergievs umtriebiger Führung zu einem der
weltweit gefeiertsten und am häufigsten auf CD und DVD aufgenommenen Ensembles geworden – zum größten noch existierenden Ensembletheater, welches es sich erlauben kann, selbst die kleinsten
Rollen mit allerersten Protagonisten zu besetzen. „Ich bin nicht einfach Dirigent“, sagt Gergiev, „ich bin Dirigent des Mariinsky und Intendant des Mariinsky.“ Für seine unermüdliche
Aufbauarbeit wurde Valery Gergiev im Baden-Badener Festspielhaus, das sich in den letzten Jahren zur Sommerresidenz des Mariinsky-Theaters entwickelt hat, am 12. Juli 2006 im Rahmen einer
großen Gala der Herbert von Karajan Musikpreis verliehen; die Laudatio hielt Anna Netrebko, die wie Olga Borodina ihre Entdeckung dem russischen Dirigenten verdankt.
Tatsächlich ist
Valery Gergievs künstlerische Laufbahn eng mit dem traditionsreichen St. Petersburger Theater verbunden – einem Haus, in dem schon Verdis „La forza del destino“ ihre Weltpremiere erlebte und
russische Opern wie „Boris Godunov“ (1874) und „Prinz Igor“ (1890) ebenso wie das Tschaikowsky-Ballet „Schwanensee“ uraufgeführt wurden. Selbst Teile aus Richard Wagners „Ring des
Nibelungen“ und „Tristan und Isolde“ waren im Mariinsky-Theater zu sehen, bevor sie ihren Weg auf den grünen Hügel in Bayreuth fanden. Dabei hätte Gergievs Karriere auch ganz anders verlaufen
können, standen ihm doch, nachdem er 1977 im Alter von nur 24 Jahren den Herbert-von-Karajan-Wettbewerb in Berlin gewonnen hatte, die Türen nach Westeuropa offen. Doch der Dirigent entschied
sich anders – für Russland, weil er hier etwas bewegen wollte. Er wurde Assistent von Yuri Temirkanov am Kirovtheater, an das er 1988 als Chefdirigent und künstlerischer Leiter
zurückkehrte, nachdem er von 1981 bis 1985 das Armenische Staatsorchester geleitet hatte. 1989 errang er einen ersten internationalen Erfolg mit seinem Auftritt beim Schleswig-Holstein Musik
Festival. Heute ist Gergiev Chefdirigent, Generaldirektor und Künstlerischer Leiter des St. Petersburger Mariinsky-Theaters, Chefdirigent der Rotterdamer Philharmoniker und
Erster Gastdirigent der New Yorker Met. Neben seiner Tätigkeit als Gastdirigent bei den bedeutendsten Orchestern und Opernhäusern tritt er mit „seinem“ Ensemble des
Mariinsky-Theaters in den großen Metropolen Europas, in Japan, Israel und den USA auf. Mit dem Festspielhaus Baden-Baden verbindet ihn dabei eine enge und intensive künstlerische
Partnerschaft, die auch bei den diesjährigen Winterfestspielen fortgesetzt wird. Denn nachdem sich der russische Maestro im Baden-Badener Festspielhaus bereits mit einer Neuproduktion der
mythischen Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ als begnadeter Wagner-Dirigent profilieren konnte, steht nun ein ganz besonderes Ereignis auf dem Spielplan: Gergiev leitet in einer
Koproduktion zwischen dem Mariinsky-Theater und dem Festspielhaus Baden-Baden Richard Wagners romantische Oper „Der fliegende Holländer“ – in einer hier erstmals zu sehenden Neuinszenierung
von Ian Judge. Der britische Regisseur arbeitet zum zweiten Mal mit dem Mariinsky-Theater St. Petersburg zusammen. 2001 entstand dort seine Inszenierung zu "La Boheme".
Allgemein findet sich in Wagners 1841 vollendeter Oper, welche der Komponist selbst als sein erstes „authentisches“ Werk bezeichnet hat, erstmals jener tragische Verstrickungszusammenhang aus
Fluch, Betrug und Erlösung, von dem seine späteren Musikdramen grundlegend geprägt sind. Zentrale Figuren des Bühnengeschehens sind Senta und die magische Holländer-Figur, die Wagner als eine
Synthese aus Odysseus, Ahasver und Kolumbus verstand. Ein Protagonistenpaar, welches sich einer fremden und feindlichen Umwelt isoliert gegenübersteht. Der düstere und impulsive
Gesamtcharakter des Werkes wird bereits in der stürmischen Ouvertüre exponiert – eine musikalisch eindrückliche Darstellung der bedrohlich wirkenden Naturgewalten, in welcher die Streicher
hohe Wogen an die zerklüftete norwegische Küste schlagen lassen, während in Blech- und Holzbläsern das Unwetter pfeift und Blitze zucken. In der Coda deutet sich die Erlösungshandlung an, die
von Senta durch ihr Opfer am Ende der „romantischen Oper“ vollzogen wird: Im Tonfall von Isoldes Liebestod endet die Musik in einem neuen, verklärten und traumhaften Tonfall – visionäre
Klänge, die Wagner erst später, lange nachdem er seinen Tristan fertig gestellt hatte, hinzukomponiert hat. [© Festspielhaus Baden Baden]
Eintrittskarten: € 230 bis 69; ermäßigt: € 195 bis 59 Informationen und Reservierung: 07221/ 30 13 101 www.festspielhaus.de
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