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Oper: Chowanschtschina

Chowanschtschina
Musikalisches Volksdrama in fünf Akten

Musik & Text: Modest P. Mussorgskij (1839 - 1881)

Uraufführung:
Bearbeitung Rimsky-Korsakow:
21. Februar 1886 (St.Petersburg, Privat-Theater Kononow)
Bearbeitung Ravel/Strawinsky: 5. Juni 1913 (Paris, Théâtre des Champs-Élysées
Bearbeitung Schostakowitsch: 25. November 1960 (Leningrad, Kirow-Theater)

Ort & Zeit: Moskau und Umgebung, zwischen 1682 und 1689

Inhalt:

I.Akt
Moskau, Roter Platz, Kreml. Die Strelitzen, die ehemals mächtigen Schützenregimenter der Zaren, ziehen lärmend und bedrohlich durch die Stadt. Es herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände. Das Volk befindet sich in größter Unruhe. Im Schatten der Kremlmauer hat ein Schreiber seinen Stand aufgeschlagen. Er erhält einen unter Androhung der Todesstrafe geheim zu haltenden Auftrag. Fürst Schaklowiti warnt die Zarewna Sofia in einem Schreiben vor der geplanten Verschwörung der Fürsten Chowanski. Erneute Konfusion entsteht im Volk, als bekanntwird, dass wieder einige Bojaren durch Strelitzen denunziert und in die Verbannung geschickt oder verurteilt wurden. Fürst Andrei Chowanski verfolgt Emma, ein protestantisches Mädchen aus der deutschen Vorstadt, mit seinen Liebesbeteuerungen. Sie leistet Widerstand und wird von Marfa, seiner einstigen Geliebten, in Schutz genommen. Mitten in dem Streit erscheint Fürst Iwan Chowanski, Anführer der Strelitzen und Vater Andreis. Da ihm Emma ebenfalls gefällt, beansprucht er sie für sich. Entschlossen, seine Rechte zu verteidigen, ist Fürst Andrei eher bereit, Emma zu töten, als sie seinem Vater zu überlassen. Als Priester der Altgläubigen kann Dosifei in dieser Situation schlichten und Emma vor Unheil bewahren.

2. Akt
Fürst Golizyn, ein virtuoser Stratege des politischen Machtspiels, hat sich in sein Kabinett zurückgezogen. Ein lutheranischer Pastor tritt ein und bittet vergeblich um Unterstützung der arg bedrohten kleinen Gemeinde.
Die ehemalige Fürstin und inzwischen bekennende Altgläubige Marfa, die dem Fürsten die Zukunft weissagen soll, prophezeit den Schiffbruch seiner Karriere und die Verbannung. Voller Entrüstung befiehlt Golizyn heimlich seinem Diener, Marfa unterwegs im Sumpf zu ertränken. Währenddessen versammeln sich im Hause Golizyns die Gegner Peters des Großen. Zwischen den Fürsten Golizyn und Iwan Chowanski entbrennt ein heftiger Streit um die Zukunft Russlands, an dem sich auch der ebenfalls dem Adel entstammende Führer der Altgläubigen Dosifei beteiligt. Marfa stürzt ins Zimmer und berichtet, man habe versucht, sie zu ermorden, doch sei sie von Anhängern Peters gerettet worden. Noch größer wird der Schrecken der Versammelten, als Fürst Schaklo-witi ihnen die Nachricht überbringt, Peter der Große habe von ihrer geheimen Unterredung erfahren, sie a s politische Verschwörung der Strelitzenführer (Chowanscht-schina) bezeichnet und Fürst Iwan zu töten befohlen.

3. Akt
Marfa singt ein Liebeslied und beklagt Andreis Untreue. Als dies Susanna, wie Marfa eine Altgläubige, hört, wirft sie ihr hysterisch Blasphemie und Häresie vor und will sie dem Kirchengericht übergeben. Selbst Dosifei kann ihren Streit nicht schlichten, woraufhin Susanna sich voller Zorn entfernt. Marfa äußert erstmalig den Wunsch nach Selbstverbrennung. Schaklowiti beschwört ein zukünftiges Russland. Die vom Wachdienst zurückkommenden Strelitzen berichten von ihrer Verfolgung durch die Petrowzen.

4. Akt
1. Bild
Im Hause Chowanskis: Zum Vergnügen des Strelitzenführers gezwungene Mädchen tanzen zum Fest. Obwohl Chowanski vor Meuterei gewarnt wird, gibt er sich ganz seinem Begehren hin. Als er den Raum verlassen will, wird er von einem Messerstich getötet.

2. Bild
Die Masse begafft Golizyns demütigenden Aufbruch ins Exil. Marfa hat den jungen Chowanski vor der Verfolgung durch die Strelitzen gerettet und hält ihn verborgen. Er jedoch verlangt wie von Sinnen nur nach Emma. Unterdessen werden die Strelitzen zur Hinrichtung geführt. Andrei wird Zeuge ihres Unterwerfungsrituals.

5.Akt
In einer abgelegenen Gegend bereiten sich die Altgläubigen auf die in ihrer Märtyrer-jdeologie vorgesehene kollektive Selbstverbrennung vor. Während Andrei zunächst in Gedanken bei Emma verharrt, verschmelzen kurz vor seinem Tode die Gestalten von Emma und Marfa. In der Illusion seiner Liebe geht Marfa zusammen mit den anderen Altgläubigen in den Flammentod.


Q. & ©: Oper Frankfurt
 

Zur Inszenierung der Oper Frankfurt:

Premiere:
27. März 05
Wiederaufnahme in der Saison 05/06: 14. Oktober 05

Musikalische Leitung: Kirill Petrenko
Inszenierung: Christian Pade
Bühnenbild und Kostüme: Alexander Lintl
Dramaturgie: Norbert Abels
Licht: Olaf Winter
Chor: Alessandro Zuppardo

In russischer Sprache mit deutschen Übertiteln


Besetzung der Wiederaufnahme:

Fürst Iwan Chowanski (Baß):
Gregory Frank
Fürst Andrej Chowanski (Ten): Stuart Skelton / Göran Eliasson
Fürst Wassili Golizyn (Ten): Lars Erik Jonsson
Bojar Schaklowity (Bar): Simon Bailey
Dosifej (Baß): Askar Abdrazakow
Marfa, eine Altgläubige (Alt): Elena Cassian
Schreiber (Ten): Hans-Jürgen Lazar
Emma (Sop): Barbara Zechmeister
Warsonofjew, Vertrauter Golizyns (Baß): NN
Kuska, Strelitze (Ten): Viktor Tsevelev
1. Schütze (Baß): Gérard Lavalle
2. Schütze (Baß): Gregorij Kulba
Streschnew, ein junger Bojar (Ten): Pere Llompart
Susanna (Sop): Sonja Mühleck
Pastor (Baß): Pavel Smirnov

Moskauer Volk, Strelitzen, Raskolniki, Petrowzen:
Chor, Extra- und Kinderchor der Oper Frankfurt und Statisterie

Weitere Vorstellungen in der Saison 05/06: 16., 20., 22., 30. Oktober, 5., 12. November 2005


Pressestimmen zur Premiere vom März 05:

FAZ
(
Julia Spinola)
...Die wenig individualisierten Figuren – bis auf die innerlich zerrissene Marfa allesamt nur Repräsentanten von Prinzipien – läßt Pade gelungen isoliert und mitunter beinahe pantomimisch agieren. Seine „Chowanschtschina“ überzeugt dennoch nicht überall, weil er dem eingeschlagenen Weg einer darstellerischen Abstraktion nur halbherzig folgt.
...Musikalisch gelang die Premiere sehr eindringlich...
...Fabelhaft präsent, artikuliert und durchdringend agierten die von Alessandro Zuppardo vorbereiteten Chöre.

Frankfurter Neue Presse (Michael Dellith)
... Das erste Lob auf musikalischer Seite gebührt denn auch dem von Alessandro Zuppardo fabelhaft einstudierten Opernchor, der sängerisch wie darstellerisch äußerst flexibel agierte und durch den exquisiten Kinderchor ergänzt wurde. Die große Partie der Altgläubigen Marfa füllte Elena Cassian mit ihrem lodernden Alt, den sie aber auch ganz lyrisch einzufärben verstand. prachtvoll besetzt waren zudem die männlichen Hauptrollen...

Frankfurter Rundschau (Hans-Klaus Jungheinrich)
...Falsch verstanden wäre der Wurf der Chowanschtschina, würde er in einer historisierenden Kostüm- und Ausstattungsorgie landen. Nichts davon bei Christian Pades sorgfältiger, nachdenklicher, schrille Effekte meidender Frankfurter Inszenierung...
...Bewundernswert suggestiv formte der Dirigent Kirill Petrenko die musikalischen Ereignisse auf der Basis einer gleichsam unangestrengt lyrischen Diktion, aus der sich umso triftiger Akzente und Steigerungen heraushoben. Ebenso wie der von Alessandro Zuppardo minuziös einstudierte Chor leistete das Orchester Wunder an Differenzierung, an subtilen, oft geradezu impressionistischen Valeurs...

Offenbach Post (Klaus Ackermann)
Und schon zur Premiere am Sonntagabend verblüffte, was das Ensemble so alles hergibt, hier von Gastsängern auch russischen Idioms ergänzt. Großer Jubel am Ende für eine monumentale Opern-Passion, die der Wahl-Berliner Kirill Petrenko im bedächtigen hymnischen Fluss hielt. Beifall auch für den jungen Regisseur Christian Pade und seine Szenen um Glaube, Liebe und grausamen Tod...
...wahrlich ein großer Tag des Museumsorchesters wie des von Alessandro Zuppardo einstudierten Chores...
...Mussorgski in Frankfurt: Da muss es nicht der viel zitierte "Boris Godunow" sein. Lieber die rare "Chowanschtschina". Und mit diesem Neugierde schürenden Konzept liegt die Oper am Willy-Brandt-Platz wieder einmal richtig...

Rhein-Main.Net (Markus Gründig)
...Es ist zwar dunkel und die Stimmung düster, doch bei alldem schwingt durch die Musik Mussorgski´s stets ein besonderer Zauber mit...
...Diese Schlussszene ist der Höhepunkt an ergreifenden Momenten, von denen Chowanschtschina einige zu bieten hat...

Wiesbadener Kurier (Axel Zibulski)
...Selbst ein großes Haus wie die Oper Frankfurt wird dabei an die Grenzen des Möglichen geführt: Nur ein so exzellenter Chor, wie er dort derzeit zur Verfügung steht, dürfte den hohen Ansprüchen der zahlreichen Volksszenen Mussorgskys gewachsen sein. Dabei wächst dieses von Alessandro Zuppardo und Pablo Assante einstudierte Ensemble aus Chor, Extra-Chor und Kinderchor mit nie nachlassender Genauigkeit und tönender Fülle noch über sich hinaus - einer der so vielen starken Eindrücke von der musikalischen Umsetzung dieser "Chowanschtschina"...
...Diese "Chowanschtschina" überzeugt vor allem musikalisch - und das bedeutet bei einem so aufwändigen Werk eine ganze Menge...
 

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