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Oper: Carmen

Carmen

Opéra comique von:
Georges Bizet
Libretto von: Henri Meilhac und Ludovic Halévy,
nach einer Novelle: von Prosper Mérimée
Uraufführung: 3. März 1875 ( Paris, Opéra-Comique)

Zur Inszenierung des Festspielhaus Baden Baden:

Premiere:
22. Mai 10
Weitere Aufführungen: 24. und 26. Mai 10

Musikalische Leitung: Teodor Currentzis
Inszenierung, Bühnenbild und Licht: Philippe Arlaud
Kostüme: Andrea Uhmann

Carmen: Rinat Shaham
Don José: Nikolai Schukoff
Escamillo: Michael Nagy
Micaëla: Marina Rebeka
Frasquita: Katherina Müller
Mercédès: Gabriela Scherer
Remendado: N.N.
Moralès: Roman Grübner
Zuniga: Jean-Marc Salzmann
Dancuairo: Michael Vier

Balthasar-Neumann-Chor
Petits Chanteurs de Strasbourg, Maîtrise de l’Opéra national du Rhin (Chordirektor: Philippe Utard)
Balthasar-Neumann-Ensemble

In französischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln.

www.festspielhaus.de

Zur Inszenierung des Theater Bielefeld:
Fassung mit gesprochenen Dialogen
In französischer Sprache mit deutschen Übertexten

Premiere: 23. Januar 10 (Stadttheater)

Musikalische Leitung: Leo Siberski
Inszenierung: Helen Malkowsky
Bühne: Harald B. Thor
Kostüme: Tanja Hofmann
Choreinstudierung: Hagen Enke
Dramaturgie: Uwe Sommer

Besetzung:
Carmen:
Frances Pappas / Mojca Vedernjak
Mercedes: Cornelie Isenbürger
Frasquita: Sarah Kuffner
Micaela: Viktoria Granlund / Melanie Kreuter
Don José: Emmanuel di Villarosa
Escamillo: Alexander Marco-Buhrmester / Wieland Satter
Zuniga: Torben Jürgens
Dancairo: Dirk Mestmacher
Remendado: Lassi Partanen
Morales: Paata Tsivtsivadse / Tae-WoonJung

Bielefelder Opernchor, Extra-Chor, Chorinis, Bielefelder Philharmoniker

Bizet war erst 37 Jahre alt, als er sein Meisterwerk Carmen vollendete. Doch war es ihm nicht mehr vergönnt, zu erleben, welch einen Siegeszug die Oper nach der ganz und gar nicht erfolgreichen Pariser Uraufführung im März 1875 antreten sollte: Nur drei Monate nach diesem für den Komponisten so schmerzlichen Abend erlag Bizet einem Herzleiden.
Carmen neu zu inszenieren, ist immer eine besondere Herausforderung – ist sie doch nicht nur die weltweit vermutlich meistgespielte Oper, sondern auch diejenige, die wie keine andere zum »Inventar« der abendländischen Kultur geworden ist. Und dies nicht nur auf der Opernbühne: Zahllose Bearbeitungen, Fantasien und Paraphrasen in Film, Literatur, Tanz und Musik haben den Stoff weitergetragen und immer wieder neu beleuchtet, und schließlich lässt sich auch im Alltag über keine andere Opernhelden trefflicher plaudern und streiten, als über Carmen, Micaela, Don José, Escamillo, die als Archetypen von »männlich« und »weiblich« immer wieder zum Überprüfen der eigenen diesbezüglichen Konstitution taugen.
Carmen ist aber auch und vor allem: eine verdammt gute Oper. Was Bizet und seine Librettisten aus der auf den ersten Blick recht simplen Handlung gemacht haben, ist schlichtweg genial. Erzählt wird die Geschichte um den pflichtbewussten Soldaten José und der Zigeunerin Carmen, die einander verfallen sind, ihre Liebe aber nicht leben können. Zu sehr sind sie in die Fesseln ihrer Milieus, Moralvorstellungen und Ängste verstrickt. Der Versuch, sich zu lieben, führt mit erschreckender Zwangsläufigkeit in den Tod. Der Tragik und dem Pathos des Geschehens setzt Bizet eine Musik entgegen, die sehr körperlich ist, aber Leichtigkeit und Charme ausstrahlt und die Oper eben nicht zu einem exotisch eingefärbten Eifersuchtsdramas, sondern zu einer glaubwürdigen und zeitlos gültigen Parabel über Liebe, Tod und Lebenslügen macht.

Die Neuinszenierung liegt in den Händen von Bielefelds designierter Operndirektorin Helen Malkowsky, die hier bereits Verdis Luisa Miller und Strauss’ Capriccio auf die Bühne brachte. Ihre Deutung der Geschichte beleuchtet das Verhältnis von Carmen und Don José auf eine Weise, die weit über erotische Anziehung und die vielbefragte Antinomie von Pflichtgefühl und Freiheit hinausgeht. Was passiert, wenn zwei Menschen sich begegnen und im selben Moment wissen, dass es so nicht weiter gehen kann? Und dieser Moment vielleicht die Chance ihres Lebens ist, frei zu werden? Und wenn sie dann merken, wie unendlich schwer es ist, die inneren Fesseln zu sprengen? Für die beiden Hauptrollen hat das Theater Bielefeld mit Frances Pappas als Carmen und Emmanuel di Villarosa als Don José zwei Sänger-Darsteller der Extraklasse gewinnen können, die beide auf Erfahrungen mit diesen Partien zurückblicken können. Erstmals tritt darüber hinaus der zu Beginn der Spielzeit neu gegründete Kinder- und Jugendchor »Chorinis« in einer Opernproduktion auf.

Musikalische Leitung
Leo Siberski ist seit Beginn der Spielzeit 2007/08 1. Kapellmeister am Theater Bielefeld. Sein Debüt gab er mit seinem Dirigat bei der Aufführung von Der Sturm. Seitdem dirigiert er u.a. auch Lakmé, Roberto Galvans Tanzabend Requiem, die Aufführungen von Mike Svobodas Oper Erwin, das Naturtalent, Puccinis La Bohème, den Tanzabend Erste Symphonie von Johannes Brahms und Glinkas Ruslan und Ludmila.
Dem Werdegang Leo Siberskis als Dirigent ging eine erfolgreiche Laufbahn als Instrumentalist voraus. Bereits im Alter von 22 Jahren war er Solo-Trompeter der Staatskapelle Berlin, Primarius des Deutschen Blechbläserquintetts und Mitglied des Bayreuther Festspielorchesters. Fünf Jahre später, kurz nach seiner Aufnahme an die renommierte Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin bei Professor Rolf Reuter, gab er sein Dirigier-Debüt an der Staatsoper Unter den Linden mit der Kinderopernproduktion Cinderella von P.M. Davies. In den darauf folgenden Jahren wurde er zum Künstlerischen Leiter der Kammerphilharmonie Berlin ernannt. Weitere Konzerte gab er mit dem Berliner Sinfonieorchester, den Bremer Philharmonikern, den Berliner Sinfonikern, dem Staatsorchester Hannover und dem Philharmonischen Orchester Plauen-Zwickau. Seit 2003 leitet er mehrmals im Jahr das Landesjugendsinfonieorchester Brandenburg.
2003 engagierte Daniel Barenboim Leo Siberski als Assistenten an die Staatsoper Berlin. Seitdem ist auch die Zahl seiner Operndirigate angewachsen, so mit dem London Philharmonic Orchestra bei der Glyndebourne Festival Opera 2003 (Fledermaus) und an verschiedenen deutschen Theatern wie der Sächsischen Staatsoper in Dresden und der Kammeroper Rheinsberg. Leo Siberski war wiederholt zu Gast bei den Bremer Philharmonikern, dem RSO Saarbrücken, der Deutschen Kammerakademie Neuss und an der Komischen Oper Berlin. Engagements erhielt er vom Rundfunkorchester des Bayerischen Rundfunks und dem Sinfonieorchester des MDR in Leipzig.

Inszenierung
Helen Malkowsky, geboren und aufgewachsen in Dresden, studierte Musik in ihrer Heimatstadt. Erste Regie-Erfahrungen machte sie in der Opernklasse der Hochschule für Musik. Nach dem Studium folgten Engagements als Regieassistentin und Abendspielleiterin an den Landesbühnen Sachsen Radebeul, dem Staatstheater Saarbrücken, dem Theater Basel und bei den Bayreuther Festspielen.
Von 2004 – 2009 war Helen Malkowsky Oberspielleiterin am Staatstheater Nürnberg. Dort inszenierte sie u.a. den Fliegenden Holländer, Melusine, Der Rosenkavalier, Das Land des Lächelns und Eugen Onegin. Ihre weiteren Regiearbeiten führten sie u.a. an Theater in Saarbrücken (Die lustigen Nibelungen), Aachen (Werther), Detmold (Die lustigen Weiber von Windsor) und Würzburg (Die Entführung aus dem Serail). Ab der Spielzeit 10/11 ist sie als Operndirektorin am Theater Bielefeld engagiert.

Bühne
Seine rund 150 szenografischen Arbeiten führten den Salzburger Bühnen- und Kostümbildner
Harald B. Thor um die halbe Welt: von Schauspielhäusern im deutschsprachigen Raum wie Hamburg und Zürich über Opernhäuser in Dortmund, München, Wien, Basel und die Sommerfestspiele in Pompeji und Agrigento in Italien, bis hin zum Opernhaus im südkoreanischen Seoul. Mehrere Jahre lang war er außerdem als Ausstattungsleiter und Bühnenbildner an der Staatsoper in München sowie als Bühnenbildner und Dozent an der Bayerischen Theaterakademie »August Everding« München engagiert. Mit Helen Malkowsky arbeitete er bereits mehrmals zusammen, u.a. am Staatstheater Nürnberg bei Der Fliegende Holländer und Der Rosenkavalier sowie bei Luisa Miller und Capriccio am Theater Bielefeld.
Er ist außerdem als Scenic Art Supervisor für Walt Disney Productions und als Architekt von Konzertsälen und Ausstellungen tätig (Neuer Konzertsaal im Prinzregententheater in München, Theatermuseum in Wien und für die Firma Audi beim Autosalon in Genf). Zu seinen nächsten Projekten gehören die Bühnenbilder für Sweet Charity am Staatstheater Nürnberg (Februar 2010), Der Diener zweier Herren am Schauspielhaus Frankfurt (März 2010) und Othello an der Deutschen Oper Berlin (Mai 2010).

Kostüme
Seit 2003 arbeitet die Bühnen- und Kostümbildnerin
Tanja Hofmann freiberuflich. Von ihr stammen bislang Ausstattungen für Theater in Wien, Bayreuth, Graz, Berlin, Saarbrücken, München, Leipzig, Bozen, Chur, Stuttgart, Ingolstadt, Landshut, Bamberg, Kaiserslautern und Regensburg. Mit Helen Malkowsky arbeitete sie bereits mehrfach zusammen, zuletzt am Staatstheater Nürnberg bei ihren Inszenierungen von Der Fliegende Holländer und Der Rosenkavalier sowie am Theater Bielefeld bei Luisa Miller und Capriccio. Tanja Hofmann, geboren in Bamberg, machte ihre ersten Theater- Erfahrungen am ETA Hoffmann Theater ihrer Heimatstadt. 1993 begann sie das Studium zur Bühnen- und Kostümbildnerin an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz, bei Professor Wolfram Skalicki und Prof. Hans Schavernoch, das sie 1997 abschloss. Bereits während ihres Studiums assistierte sie mehrere Jahre bei den Bayreuther Festspielen sowohl in der Kostüm - als auch in der Ausstattungsabteilung. Es folgten Festanstellungen als Assistentin am Berliner Ensemble, am Staatstheater Saarbrücken sowie an der Staatsoper München.

[© Theater Bielefeld]

www.theater-bielefeld.de

Zur Inszenierung der Oper Zürich:

Premiere:
28. Juni 08

Dirigent: Franz Welser-Möst GMD
Inszenierung:
Matthias Hartmann
Bühnenbild:
Volker Hintermeier
Kostüme: Su Bühler
Lichtgestaltung: Martin Gebhardt
Choreinstudierung: Ernst Raffelsberger
Choreographie: Teresa Rotemberg

Besetzung:

Carmen:
Vesselina Kasarova*
Micaëla: Isabel Rey
Frasquita: Sen Guo*
Mercédès: Judith Schmid
Don José: Jonas Kaufmann
Escamillo: Michele Pertusi
Zuniga: Morgan Moody*
Remendado: Javier Camarena*
Dancaïro: Gabriel Bermudez
Moralès: Kresimir Strazanac

* Rollendebüt
Matthias Hartmann – Inszenierung
Matthias Hartmann, 1963 in Osnabrück geboren, begann nach einer kaufmännischen Ausbildung eine zweijährige Regieassistenz am Berliner Schillertheater. Die erste eigene Inszenierung folgte 1989 in Kiel. Als leitender Regisseur gehörte er drei Jahre zum Niedersächsischen Staatstheater Hannover. Seine «Emilia Galotti» wurde 1992 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Von 1993 bis 1999 war Matthias Hartmann leitender Regisseur am Bayerischen Staatsschauspiel in München. Er inszenierte dort u.a. «Richard III.», «Kabale und Liebe» und «Hamlet». Daneben inszenierte er am Schauspielhaus Hamburg (u. a. «Das Käthchen von Heilbronn », «Peer Gynt», «Die Jungfrau von Orleans») und am Wiener Burgtheater («Die Räuber», «Kasimir und Karoline» und die Uraufführung «Die Liebe von Madagaskar» von Peter Turrini). Am Schauspielhaus Zürich brachte er «Kuss des Vergessens» von Botho Strauss zur Uraufführung (Einladung zum Berliner Theatertreffen 1999 und Auszeichnung als «Inszenierung des Jahres»). Von 2000 bis 2005 war Matthias Hartmann Intendant des Schauspielhauses Bochum. Dort inszenierte er u.a. die Uraufführung von B. Strauss’ «Der Narr und seine Frau heute Abend in Pancomedia», Becketts «Warten auf Godot», die Uraufführung «1979» von Christian Kracht und zuletzt Tschechows «Iwanow» und Molières «Menschenfeind». Daneben inszenierte er für die Eröffnung der Ruhr- Triennale (2002) die Uraufführung «Deutschland, deine Lieder» von Albert Ostermaier. Seit Sommer 2005 ist Matthias Hartmann Künstlerischer Direktor des Schauspielhauses Zürich. In der laufenden Saison inszenierte er hier «Amphitryon», «Blackbird» und «Warten auf Godot». Seine Operninszenierungen umfassen «Die verkaufte Braut» und «Tiefland» am Opernhaus Zürich sowie «Elektra» an der Opéra National de Paris. Mit der Saison 2009/10 übernimmt Matthias Hartmann die Leitung des Wiener Burgtheaters.

Volker Hintermeier – Bühnenbild
Volker Hintermeier stammt aus Donauwörth. Er studierte Kostüm und Bühnenbild am Mozarteum Salzburg bei Prof. Herbert Kapplmüller und war Bühnenbildassistent bei Jürgen Rose und Peter Mussbach an der Bayerischen Staatsoper München. 1995 entwarf er den Mozarteumsbeitrag zur 8. Prager Bühnenbild-Quadrinale mit Mozarts «Entführung aus dem Serail». Es folgten eigene Ausstattungen in München, Salzburg und Essen. Freie Ausstellungen und Installationen in Deutschland, Österreich, Slowenien und Zypern. 1999 war er Bühnenbildmitarbeiter von Peter Mussbach für die Uraufführung von «De Amore» bei der Biennale München. In Bochum entstanden Bühnenbilder für Stücke von Shakespeare, E. Walsh und A. Ostermeier (Uraufführung «Es ist Zeit – Abriss», Regie: M. Hartmann). Als Ausstattungsleiter am Schauspielhaus Bochum schuf er seit 2002 u.a. Bühnenbilder zu Besses «Die Direktoren» (Regie: M. Hartmann), Ostermaiers «Deutschland, Deine Lieder» (Eröffnungsproduktion der Ruhr-Triennale 2002), Shepards «True Dylan» (Regie: Jürgen Kruse), «1979» nach Christian Kracht (Uraufführung, Regie: M. Hartmann) und Helge Schneiders «Mendy – Das Wusical». Mehrfache Nominierung in der Kategorie «Bestes Bühnenbild» bei der Kritikerumfrage 2003 der Zeitschrift «Theater heute». Am Opernhaus Zürich schuf er die Bühnenbilder für «Die verkaufte Braut» und «Tiefland». Weitere Bühnenbilder entstanden für das Staatstheater Stuttgart und das Luzerner Theater. Seit 2005 ist VolkerHintermeier Ausstattungsleiter am Schauspielhaus Zürich. [© Opernhaus Züriich]

www.opernhaus.ch

Zur Inszenierung der Theater Chemnitz:

Premiere:
9. Juni 07

Musikalische Leitung: Domonkos Héja
Inszenierung: Ralf Nürnberger
Bühnenbild: Thomas Gruber
Kostüme: Claudia Rühle
Chor: Mary Adelyn Kauffman


Besetzung:

Carmen:
Tiina Penttinen
Micaela: Judith Kuhn
Frasquita: Susanne Thielemann
Mercédès: Kathrin Göring
Don José: Zurab Zurabishvili
Escamillo: Jaakko Kortekangas
Remendado: André Riemer
Dancairo: Andreas Kindschuh
Zuniga: Martin Gäbler
Moralès: Frank Schiller
Lillas Pastia: Roland Glass

Zum Inhalt:
Die schöne Zigarettenarbeiterin Carmen verführt José, einen Sergeanten, der dafür seine Braut Micaela sitzen lässt. Für José ist Carmen die Einzige, die Göttliche. Sie hingegen demonstriert ihre Freiheitsliebe und hat schon den nächsten Mann im Visier: den erfolgreichen Stierkämpfer Escamillo. Kalt gibt sie José den Laufpass. Doch ihre Freiheit bezahlt sie teuer: Während Escamillo in der Arena den Stier tötet, wird sie von dem eifersüchtigen José erstochen.

Geschichte der Oper:
„Carmen ist und bleibt ein schamloses Weib. Sie spielt auf der Bühne, die uns bis jetzt Moral und Schamgefühl eingeprägt hat, eine widerliche Rolle. Sittsame Mütter und ehrsame Väter! Im Glauben an diese Tradition haben sie Ihre Töchter und Ihre Frauen hierher geführt, um ihnen ein anständiges Vergnügen zu bereiten. Was empfanden Sie beim Anblick dieser widerlichen Prostituierten?“
So oder ähnlich klangen alle Kritiken zur Uraufführung von Bizets letzter Oper „Carmen“. Bereits vor der Premiere hatte die Direktion der Pariser Opéra Comique schwere Bedenken gegen die Unmoral des Stückes, das unerfreuliche Milieu und die brutale Ermordung Carmens auf offener Bühne geäußert. Sogar ein Happy End wurde dem Komponisten nahegelegt. Bizet ließ sich von all dem nicht beirren, und er sollte Recht behalten. Bereits nach kurzer Zeit empfand das Publikum die Musik nicht mehr als zu fortschrittlich, ließ sich mitreißen von Bizets Rhythmen, der inzwischen berühmten „Habanera“ zum Beispiel, und den sinnlichen musikalischen Verführungskünsten der Hauptdarstellerin. Auch die genannten inhaltlichen Probleme spielten keine Rolle mehr. Heute ist „Carmen“ eine der meistgespielten Opern überhaupt.

Das Regieteam:

D
ie Chemnitzer Inszenierung hat Ralf Nürnberger übernommen, der sich in den letzten Jahren vor allem als Regisseur für Oper, Operette und Musical im deutschsprachigen Raum einen Namen gemacht hat. U. a. war er von 1997 bis 2003 Oberspielleiter an der Staatsoperette Dresden und inszenierte bei den Händelfestspielen Karlsruhe, am Theater Dortmund und an der Oper Leipzig.

Bühnenbildner Thomas Gruber stammt aus Oberhausen/Rheinland, studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München und war Stipendiat an der Cité Internationale des Arts in Paris. Er zeigte seine Werke seit 1978 auf zahlreichen Einzelausstellungen, war mehrfach an Ausstellungen beteiligt und schuf Arbeiten im öffentlichen Raum. Seit 1974 entwirft er Bühnenbilder für Schauspiel und Oper, u. a. am Staatstheater Wiesbaden, Theater an der Wien, Staatstheater Saarbrücken, Schauspielhaus Kiel, Theater Dortmund, Staatstheater Schwerin, Deutsche Oper Berlin, Deutsches Nationaltheater Weimar, Oper Köln, Staatstheater Braunschweig, Theater Bielefeld, Oper Bonn, Oper Leipzig, Wiener Staatsoper.

Die gebürtige Schweizerin Claudia Rühle sammelte erste praktische Erfahrungen am Landestheater Tübingen. Seit 1992 ist sie als freie Kostümbildnerin für Schauspiel und Oper u. a. in Augsburg, Berlin, Braunschweig, Bremen, Darmstadt, Dortmund, Dresden, Esslingen, Hamburg, Heilbronn, Innbruck, Karlsruhe, Leipzig und Rostock tätig.

In den Hauptpartien:
In der Titelpartie wird Tiina Penttinen zu erleben sein. Die vielseitige finnische Sängerin, die seit Sommer 2006 zum Chemnitzer Solistenensemble gehört, hat hier bereits in zwei Hosenrollen, Cherubino und Hänsel, begeistert, verlieh der Intrigantin Clarica in Prokofjews Oper „Die Liebe zu den drei Orangen“ Gestalt und versuchte als 2. Dame der Königin der Nacht, Tamino in der „Zauberflöte“ zu verzaubern.

Zurab Zurabishvili gibt als Don José sein Chemnitzer Debüt. In seiner Heimatstadt Tiflis (Georgien) studierte er von 1988 bis 1994 Gesang und setzte seine Ausbildung anschließend am Mozarteum in Salzburg fort. 2003 erhielt er den Österreichischen Würdigungspreis, 2005 war er zweifacher Preisträger des Internationalen Gesangswettbewerbs „Ferruccio Tagliavini“. Meisterkurse in Salzburg – u. a. bei Bernd Weikl und Paata Burchuladze - und Nizza runden seine Ausbildung ab. Von 2003 bis 2006 war er Ensemblemitglied in Augsburg, seit vergangenem Sommer ist er am Staatstheater Darmstadt engagiert. Er war bisher in Partien wie Ottavio, Idomeneo, Narraboth, Duca, Macduff, Walther von der Vogelweide, Cavaradossi, Manrico und Erik zu erleben.

Sein Gegenspieler Escamillo wird von Jaako Kortekangas dargestellt. Er stammt aus Finnland, war zehn Jahre lang in Freiburg engagiert und arbeitet seit 1999 freiberuflich. Zu seinem Repertoire gehören Partien wie Figaro („Barbier“), Posa, Marcello, Almaviva, Giovanni, Dandini, Wolfram, Escamillo, Billy Budd, Nixon, Captain („The Death of Klinghoffer“) sowie Eisenstein und Danilo. Er hat bei zahlreichen Uraufführungen finnischer Vokalmusik mitgewirkt. Liederabende und Konzerte führten ihn u. a. nach Finnland, Deutschland, Frankreich, Spanien, Ungarn, New York, St. Petersburg, Tokio und in die Schweiz.

Als Micaela ist Judith Kuhn zu erleben. Genau so wie Tiina Penttinen wird sie in „Carmen“ ein Rollendebüt haben. Judith Kuhn wurde in Berlin geboren. Sie sang bereits an der Staatsoperette Dresden, in Detmold, Görlitz, an der Musikalischen Komödie Leipzig und im Schlosstheater im Neuen Palais Potsdam. Ihr Repertoire umfasst Partien wie Rosalinde, Sonja („Der Zarewitsch“), Helena, Eurydike („Orpheus in der Unterwelt“), Hanna Glawari, Lisa, Kurfürstin, Martha, Gretel, Mimi, Antonia, Frau Fluth und Donna Elvira. Sie gastierte mehrfach zur Wiener Johann-Strauß-Konzert-Gala. Seit September gehört sie zum Chemnitzer Solistenensemble. [© Theater Chemnitz]

www.theater-chemnitz.de
 

CARMEN in Oberammergau

Highlight im Kultursommer 2006: Staatsoper Kiew gastiert im Passionstheater Oberammergau vom 1.-3. September

Originalproduktion Staatsoper Kiew:

Inszenierung: Nikolaj Kuznezov
Musikalische Leitung: Wladimir Koschuchar
Bühnenbild: Andrej Zlobin
Kostüme: Anna Ipatjeva
Chorleitung: Lew Wenediktow
Choreographie: Viktor Jaremenko


Die international renommierte Staatsoper Kiew gastiert vom 1.bis 3. September 06 mit CARMEN in Oberammergau - mit über 220 Mitwirkenden. Die exzellenten Solisten und Ensemblemitglieder werden von einem großen Orchester von rund 60 Musikern begleitet, 70 Personen umfassen Opernchor und Statisterie. Dem Ballettensemble gehören 20 Tänzerinnen und Tänzer, dem Kinderchor 20 Jungen und Mädchen an. Zum ersten Mal wird das Ensemble des traditionsreichen "Tempels der Musik", wie die Ukrainer ihre Oper nennen, Georges Bizets Meisterwerk in einer Großproduktion in Deutschland aufführen. Schauplatz ist das rund 4.700 Plätze umfassende Passionstheater. Ihr hohes Niveau verdankt die Kiewer Oper vor allem Generalmusikdirektor Wladimir Koschuchar, Chefdirigent seit 1989. Er ist gemeinsam mit Nikolaj Kuznezov (Regie) verantwortlich für die in der französischen Originalsprache produzierte CARMEN-lnszenierung. Schon im August 2005 besuchte eine Delegation der Kiewer Oper das Passionstheater, um ein Inszenierungskonzept für die besonderen Voraussetzungen der Spielstätte zu entwickeln.

Gastspiele: Symbol für die Macht der Musik, die Kulturen verbindet
Die „Ukrainische Staatsoper Taras Schewtschenko', Kiew" - so der offizielle Titel - gehört zu den osteuropäischen Opernhäusern von Weltrang. Nach der Gründung 1867 prägten neben russischen Komponisten besonders Rossini, Mozart und Weber das Repertoire, bald jedoch avancierte Verdi zum Lieblingskomponisten der Kiewer. Heute gastieren seine Solisten auf den großen internationalen Bühnen. In seinem Grußwort wertet Dr. Walery Stepanow, Generalkonsul der Ukraine, das bevorstehende CARMEN-Gastspiel in Oberammergau "als Symbol für die Macht der Musik, die Kulturen verbindet". Es setzt die Tradition bayerisch-ukrainischer Beziehungen fort, die bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen. Heute wird der kulturelle und wirtschaftliche Austausch auf vielen Ebenen geprägt: Zwischen München und Kiew, Nürnberg und Charkiw, Regensburg und Odessa bestehen Städtepartnerschaften, zahlreiche Austauschprogramme lassen die Menschen von der Vielfalt beider Kulturen profitieren.

Mythos und Grande Opera
Dass Georges Bizets Meisterwerk einmal zu den meistgespielten Opern der Welt gehören würde, war bei seiner Uraufführung am 3. März 1875 in der Opera Comique in Paris keinesfalls zu ahnen: Das Premierenpublikum war wenig überzeugt von der realistisch dargestellten, auf einer Novelle Prosper Merimees basierenden Geschichte um den spanischen Soldaten Jose, dem die Leidenschaft für das Zigeunermädchen Carmen zum Verhängnis wird. Seine Kritiker monierten Anstößigkeit, Bruch mit den musikalischen Konventionen, sogar Melodienarmut. In Bizets Heimatland stellte sich der Erfolg Jahre nach seinem Tod erst ein, nachdem die Oper bei ihrer Erstaufführung in deutscher Sprache an der Wiener Staatsoper 1875 die Zuschauer begeisterte. Heute gehören die Blumenarie des Jose, Carmens Habanera sowie das Auftrittslied des Toreros Escamillo zum Weltmusikerbe.


Tickets: www.muenchenticket.de und an allen bekannten Vorverkaufsstellen.
Informationen:
www.carmen-oberammergau.de / www.oberammergau.de (externe Links)
 

Zur Inszenierung am Münchener Staatstheater am Gärtnerplatz:

Premiere:
17. Oktober 04
Wiederaufnahme in der Saison 2005/06: 21. September 05


Musikalische Leitung: Adrian Müller / Constantinos Carydis
Inszenierung: Jochen Schölch
Bühne / Kostüme: Andrea Fisser / Jochen Schölch


Premierenbesetzung:

Don José:
Wolfgang Schwaninger
Escamillo: Gary L. Martin
Remendado: Florian Simson
Dancailo: Dirk Lohr
Zuniga: Pawel Czekala
Moralès: Johannes Beck
Carmen: Alexandra Petersamer
Micaela: Márta Kosztolányi
Frasquita: Elaine Ortiz Arandes
Mercédès: Barbara Schmidt-Gaden
Lillas Pastia: Michael Häfner


Inhalt:

In und um Sevilla
Kurz nach der Wachablösung übergibt Micaëla dem Sergeanten Don José eine Nachricht von seiner Mutter: Sie würde sich über seine Heirat mit Micaëla freuen. Währenddessen verbringen die Arbeiterinnen aus der nahen Tabakfabrik ihre Mittagspause im Freien. Die von den Männern umworbene Carmen, hat ein Auge auf José geworfen. Weil Carmen kurz darauf ihre Kollegin während eines Kampfes mit einem Messer verletzt, wird sie verhaftet. José, der sie zum Gefängnis bringen soll, wird von ihr um den Finger gewickelt und läßt sie entkommen. Für dieses Vergehen wird er bestraft. In der Schmugglertaverne von Lillas Pastias trifft Carmen auf den Stierkämpfer Escamillo, dem die impulsive Frau auf Anhieb gefällt. Auch Carmen ist nicht abgeneigt. Später, als dann José und Carmen in der Taverne beisammen sind, ertönt das Signal zum Zapfenstreich. José will pflichtbewußt aufbrechen, worüber Carmen empört ist, da sie bei ihm nicht an erster Stelle zu stehen scheint. Als er beim Eintreffen seines Vorgesetzen Zuniga aus Eifersucht die Waffe zieht, macht dies seine Rückkehr zum Militär unmöglich. Das Angebot der Schmuggler, sich ihnen anzuschließen, kommt gelegen. Escamillo erzählt José vollkommen unbedarft von seinem Interesse an Carmen. Wieder einmal ist dieser außer sich vor Eifersucht. Als Micaëla ihm davon berichtet, daß seine Mutter im Sterben liege, versäumt er es nicht, Carmen kurz vor seiner Abreise noch unmißverständlich klar zu machen, daß er sie trotz Escamillo nach seiner Rückkehr nicht in Ruhe lassen werde. Die Katastrophe ist unausweichlich. Vor der Stierkampf-Arena treffen sich José und Carmen, die ihren neuen Freund Escamillo begleitet hat. José fleht sie an, mit ihm ein neues Leben zu beginnen. Als sie ihn zurückweist, tötet er sie.

Der Regisseur Jochen Schölch inszenierte am Staatstheater am Gärtnerplatz bereits Hans Werner Henzes DIE ENGLISCHE KATZE und Wolfgang A. Mozarts COSÌ FAN TUTTE. Mit der Neuinszenierung von Georges Bizets CARMEN bleibt Constantinos Carydis unserem Haus als Gastdirigent auch weiterhin verbunden. Q. & ©: Staatstheater am Gärtnerplatz, München

Staatstheater am Gärtnerplatz

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