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Zur Inszenierung des Deutschen Nationaltheater Weimar:
Premiere: 16. Februar 07 (e-werk)
Mit Georg Friedrich Händels „Ariodante“
bringt das Deutsche Nationaltheater Weimar nach Veracinis „Wie es Euch gefällt“ und Galuppis „Die verkehrte Welt“ erneut eine Barockoper auf die Bühne des e-werks. Regie führt wieder Michael
Dißmeier, der in dem außergewöhnlichen Ambiente der Spielstätte am Kirschberg nun bereits zum dritten Mal ein Werk dieser Kunstepoche in Szene setzt. Unter der musikalischen Leitung von Marco
Comin und in der Ausstattung von Bodo Demelius erlebt die Inszenierung am Freitag, 16. Februar 2007, um 19.30 Uhr hier ihre Premiere.
„Ariodante“, im Januar 1735 im Londoner Covent
Garden Theatre herausgebracht, entstammt einer der produktivsten Phasen des bereits seit 1712 dauerhaft in London ansässigen Komponisten. In kaum einem zweiten Werk findet sich eine ähnlich
dichte Folge zum einen überwältigend schöner, zum anderen faszinierend effektvoller Arien aus seiner Feder. Allein die Titelpartie, entstanden für den berühmten Altisten Giovanni Carestini,
ist eine der vielschichtigsten und virtuosesten des gesamten händelschen Opernschaffens.
Der Ritter Ariodante und Ginevra, die Tochter des Königs, sind ein Paar, das durch eine
grausam perfekte Intrige des Herzogs Polinesso auseinander gebracht wird. Er will Ginevra heiraten, um auf den Thron zu gelangen. Polinesso überzeugt die Hofdame Dalinda, sich als Ginevra zu
verkleiden und sich nachts mit ihm zu treffen. Ariodante ist dabei anwesend, glaubt dem, was er sieht und entschließt sich zum Selbstmord. Ariodantes Bruder, der den Tod rächen will, klagt
Ginevra des Treuebruchs an; es kommt zum Gottesgericht, bei dem ein schwarzer Ritter erscheint...
Zentraler Inhalt der Oper ist das Machtstreben ihrer Handlungsträger, dem anfangs noch
die Liebe als scheinbar reale Insel der Seligkeit gegenübersteht. Doch die Gier nach Macht streut Neid, Hass und Misstrauen, die allmählich jeden Funken von Glück auslöschen und unmöglich
machen. Hier herrscht Krieg – ein Krieg, in dem Liebe lediglich vorübergehend als Mittel zum Zweck legitim und „sinnvoll“ erscheint und mit umso schärferem Zynismus abgeschrieben werden kann,
sobald sie ihren Zweck erfüllt hat. Völlige emotionale Leere steht am Ende des ohne Rücksicht auf Verluste geführten Kampfes. Zwar ist der Intrigant vernichtet, was bleibt, ist dennoch nichts
als Erschöpfung am Rande der Selbstaufgabe.
In der Weimarer Inszenierung von Michael Dißmeier kommt Händels Oper in italienischer Sprache mit deutschen Dialogen nach dem
Originallibretto „Ginevra, Principessa di Scozia“ von Antonio Salvi zur Aufführung. Es singen und spielen Ulrika Strömstedt (Ariodante), Marietta Zumbült (Ginevra), Christiane Bassek
(Polinesso), Heike Porstein (Dalinda), Jean-Noel Briend (Lurcanio) und Jens Söndergaard (Der König von Schottland). Es spielt die Staatskapelle Weimar.
Marco Comin geboren 1976 in
Venedig, studierte Klavier bei Prof. Lovato und Komposition bei Prof. Priori am Conservatorio Di Musica Benedetto Marcello Venedig sowie Geschichte an der Università Ca' Foscari Venedig. Von
2000-2004 absolvierte er ein Dirigierstudium an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin bei Prof. Hans-Dieter Baum und Prof. Christian Ehwald. Er leitete Konzerte mit den Berliner
Symphonikern, dem Berliner Sinfonie-Orchester und der Magdeburgischen Philharmonie und ist musikalischer Leiter des Linos Kammerorchesters Berlin und der Solisti in Villa. Als Pianist
arbeitete er u.a. mit Julia Varady, Scot Weir, Christine Schäfer, Nadia Michael und Sherman Lowe zusammen. Seit Beginn der Spielzeit 2005/06 ist Marco Comin als Zweiter Kapellmeister am
Deutschen Nationaltheater Weimar engagiert. Hier hat er seitdem Aribert Reimanns Melusine, Rossinis Othello, Offenbachs Pariser Leben, den Sommernachtstraum (nach Purcell), die Märchenoper
Die Schneekönigin und den Musiktheater-Doppelabend Das Wundertheater/Der Kaiser von Atlantis dirigiert. In der Spielzeit 2006/07 übernimmt
er die musikalische Leitung von Nino Rotas Florentiner Hut und Händels Ariodante sowie die Wiederaufnahme des Nabucco und dirigiert Mozarts Così fan tutte.
Michael Dißmeier studierte
Musiktheater-Regie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Von 1995-98 war er als Dramaturg und Regisseur am Hans-Otto-Theater Potsdam engagiert. Anschließend arbeitete er
freiberuflich unter anderem an Barockopern-Ausgrabungsprojekten, übersetzte Antigone (Sophokles) und verfasste das Schauspiel Carmen. Eine Recherche (UA: 22.10.99, Landestheater Dinslaken).
Nach einer einjährigen Tätigkeit als Regieassistent und Dramaturg am Theater Lübeck (1999-2000) wurde er vom Deutschen Nationaltheater Weimar als Regisseur und Dramaturg engagiert. Hier
inszenierte er Die Könige von Thule - Goethe-Vertonungen (2001), die Deutsche Erstaufführung der Barockoper Wie es Euch gefällt von Francesco Maria Veracini (2001), ebenso die Barockoper Die
verkehrte Welt, oder Die Herrschaft der Frauen von Baldassarre Galuppi (2002), Mann und Frau. Italienisches Liederbuch von Hugo Wolf (2003) und Verdis Il Trovatore (2004). Nach Smetanas Die
verkaufte Braut (2004) folgt in dieser Spielzeit von ihm mit Händels Ariodante eine weitere Regiearbeit am DNT Weimar im Bereich der Barockoper.
Als Produktionsdramaturg begleitet er zudem zahlreiche Musiktheater-Inszenierungen.
Der Schweizer Bodo Demelius, geb. 1960, studierte nach einem Volontariat am Theater St. Gallen an
der Akademie der Bildenden Künste in München. Nach einer Beschäftigung als Ausstatter am Ulmer Theater (1990-92) wurde er Assistent des Bühnenbildners Erich Wonder und war an zahlreichen
großen Theatern und Opernhäusern tätig, u.a. an der Mailänder Scala, am Opernhaus Zürich, an der Staatsoper Wien und an der Bayerischen Staatsoper München. Er entwarf zahlreiche eigene
Bühnenbilder u.a. an den Theatern von Bern, Trier, Würzburg, Ingolstadt und am Thalia Theater Hamburg in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Jürgen Flimm. Von 1995 bis 2005 war er
Lehrbeauftragter für Bühnenbild an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Händels Oper Ariodante ist seine dritte Arbeit in Weimar, er stattete am DNT bereits Verdis Trovatore und
Smetanas Verkauften Braut aus. [© Deutsches Nationaltheater Weimar]
www.nationaltheater-weimar.de
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