|
Kiss Me, Kate
Musik & Songtexte: Cole Porter Buch: Samuel und Bella Spewack
basierend auf Shakespeare´s “Der Widerspenstigen Zähmung” Deutsch: Günter Neumann (“Küss mich Käthchen”)
Uraufführung: 30. Dezember 1948 New York (New Century Theater)
Deutschsprachige Erstaufführung: 19. November 1955 Frankfurt/Main (Städtische Bühnen)
Zur Inszenierung des Staatstheater Wiesbaden:
Premiere: 11. Oktober 09
Musikalische Leitung:
Wolfgang Wengenroth Inszenierung: Iris Gerath-Prein Choreografie: Andrea Heil Bühne und Kostüme: Florian Etti Choreinstudierung: Christof Hilmer
Dramaturgie: Bodo Busse
Besetzung: Lilly Vanessi/Katharina: Annette Luig
Fred Graham/Petruchio: Dirk Schäfer Louise Lane/Bianca: Nina Vlaovic Harry Trevor/Baptista: Wolfgang Vater Terrie, Gaderobiere: Rosemarie Schubert
Erster Mann: Eric Biegel Zweiter Mann: Klaus Krückemeyer Bill Calhoun/Luccentio: Brett Carter/Rainer Maaß Hortensio: Christopher Busietta Gremio:
Rainer Maaß/Christian Burkhardt Harrison Howell: Axel Wagner Raphi, Inspizientin: Simone Brähler Tom, der Pförtner: Thomas Braun
Orchester, Chor, Statisterie, Extraballett des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden
Besprechung auf kulturfreak.de
Kiss Me, Kate Staatstheater Wiesbaden Katharina (Annette Luig), Petruchio (Dirk Schäfer) und Ensemble
Foto: Staatstheater Wiesbaden
Mit Evergreens wie „Schlag nach bei Shakespeare“ und „Wunderbar!“ kommt des „Broadways liebstes Kind“ endlich mal wieder auf die Bühne des Hessischen Staatstheaters
Wiesbaden: das Erfolgsmusical „Kiss Me, Kate“ von Cole Porter.
In der Tat steht, steht bei Shakespeare was drin: über Irrungen und Wirrungen von Liebe und Eifersucht der wahren menschlichen Komödie, die sich manchmal auf und
manchmal ebenso hinter der Bühne ereignet wird da erzählt. Und gerade dieses Durch- und Miteinander von Theater und Leben, das den Geist der Shakespear’schen
Theaters ausmacht, ist in Porters und Spewacks Musical „Kiss Me, Kate“ zum dramaturgischen Prinzip erhoben. Hinter der Bühne eines kleinen Provinztheaters streiten und
lieben sich Lilli Vanessi, die Diva der Truppe, und ihr Ex-Ehemann Fred Graham, zugleich Hauptdarsteller und Produzent. Zunächst geht es um Rollen, die man auf der Bühne
spielen oder nicht spielen will, dann aber vor allem um Liebe, denn obwohl schon lange glücklich geschieden, lieben sich die beiden heimlich doch immer noch. Umso deftiger
ist der Streit, denn sie als Schauspieler der Hauptrollen von Kate und Petruchio auch auf der Bühne in einer Version von Shakespeare’es Tragödie „Der Widerspenstigen
Zähmung“ austragen. Wie das Leben und der Zufall so spielen: in Shakespeares Komödie geht es auch um den Dauerkrach eines Liebes- und späteren Ehepaares. Kate gibt
sich widerspenstig, unangepasst und kratzbürstig, während sich Petruchio in der Rolle des Machos versucht, herrisch und männlich unwiderstehlich. Doch leider unterliegen
beide im Geschlechterkrieg ihren wahren Gefühlen. Lilli und Fred können ihre Rollen ebenso mit wahrem Leben erfüllen wie sie umgekehrt ihren Bühnenkrieg heiter-lustvoll im
wahren Leben fortsetzen. Fred liebäugelt mit der schauspielerisch minder begabten, aber dennoch hochtalentierten Blondine Lois Lane, während Lilli ihr neues Lebensglück
bei dem Militärgeneral Harrison Howell zu finden hofft. Die ewigen Eifersüchteleien sind den beiden vielleicht ein wahres Vergnügen, denn anderen Theaterangestellten aber
eher peinlich. Zu allem Überfluss hat Fred auch noch Probleme mit zwei Kleinganoven, die angebliche Spielschulden bei Fred einlösen wollen, was ihm aber nur entgegen
kommt, um Lilli als Hauptdarstellerin bei der Stange zu halten: das Stück „Der Widerspenstigen Zähmung“ muss der Kasseneinnahmen wegen ein Erfolg werden und dieser ist
nur mit Lilli denkbar – auf den Brettern, die die Welt bedeuten und im wahren Leben.
Das amerikanische Broadway-Musical hat mit der Uraufführung von „Kiss Me, Kate“ am 30. Dezember 1948 nach Erfolgsstücken wie „Show Boat“ (1927) von Jerome Kern
und „Oklahoma!“ (1943) von Richard Rogers und Oscar Hammerstein einen ersten Höhepunkt der Gattungsgeschichte erlebt. Die Verwendung literarischer Vorlagen für das
Musical war ebenso eine Erfolgsgarantie wie die vom Jazz und Swing beeinflusste Musik. Bella und Samuel Spewack traten mit der Idee an Porter heran, Shakespeares
Komödie „The Taming of the Shrew“ („Der Widerspenstigen Zähmung“) zu einer „musical comedy“ umzuformen und mit dem Alltag eines gewöhnlichen amerikanischen
Broadway-Theaters zu verknüpfen, wo handfeste Streitereien und Eifersüchteleien unter den Künstlern ebenso auf der Tagesordnung stehen wie Korruption und
Kleinkriminalität. Diese kunstvolle Verknüpfung von realistischem Theatermilieu und ästhetischer Illusionswelt des Shakespeare-Theaters öffnet ein komplexes thematisches
Spektrum in der Wechselbeziehung zwischen Wirklichkeit und Kunst. So wird die Idee der Verwandlung auf verschiedenen Ebenen durchgespielt und führt schließlich in der
Verknüpfung aller Handlungsfäden zum glücklichen Ausgang der Liebesgeschichte hinter und auf der Bühne. Die Illusionswelt der Bühne erscheint durch den Einbau der
Ganovengeschichte als ebenso zerbrechlich wie die Gefühlswelt der Protagonisten, worin einmal gewählte Rollen und Masken bald fallen, wenn die Wahrheit des Lebens
zutage tritt. Während Lilli/Katharina bei einer Szene der Bühnenkomödie noch Teile ihres vorgeschriebenen Shakespeare-Textes spricht, droht sie völlig aus der Rolle zu fallen,
weil sie in einem Blumenstrauß leider nicht die Requisiten des Theaters entdeckt sondern einen Liebesbrief von Fred an Lois. Der unglückliche Zufall fügt die Geschicke
geschickt zum glücklichen Ende.
„Kiss Me, Kate“ knüpft einerseits an Bühnenwerke an, die das Theater selber zum Thema machen, etwa wie Mozarts „Der Schauspieldirektor“, Lortzings „Die Opernprobe“,
Donizettis „Viva la Mamma!“ und auch „Ariadne auf Naxos“ von Strauss/Hofmannsthal, ist aber andererseits ein amerikanisches Tanzmusical par excellence. Schwungvolle
Tanznummern zwischen Foxtrott, Walzer und Swing, ironische Couplets wie „Bloß kein Mann!“, liedhafte Balladen wie „Seltsam“ und pfiffige Ensemblenummern wie „Schlag
nach bei Shakespeare!“ und „Es ist viel zu heiß!“ exponieren eine musikalische Bandbreite, die voller szenischer Schwungkraft und Emotionalität sind. „Kiss Me, Kate“ gewann
1949 fünf „Tony Awards“ und war auch in den Jahren danach das erfolgreichste und meist gespielte Musical am Broadway. 1953 wurde es von George Sidney verfilmt und
eroberte in der deutschen Übersetzung des Berliner Kabarettisten Günter Neumann in den 50er Jahren die deutschen Theaterbühnen. Der amerikanische Arrangeur Don
Sebesky hat für eine New Yorker Neuproduktion 1999 die Partitur von Cole Porter neu eingerichtet, den Jazz- und Big-Band-Sound verstärkt und auch die Gesangsnummern
neu instrumentiert. Diese Version hatte 2008 als deutsche Erstaufführung einen Sensationserfolg an der Komischen Oper Berlin und wird nun auch am Hessischen Staatstheater Wiesbaden gespielt.
Nach dem großen Erfolg von „My Fair Lady“ inszeniert Iris Gerath-Prein nun auch diesen Klassiker des amerikanischen Broadway-Musicals. Die Berliner Choreografin Andrea
Heil erarbeitet die Tanzeinlagen mit einer kleinen Kompanie von Musical-Tänzern. Wie schon bei „My Fair Lady“ werden die beiden Hauptrollen von Annette Luig (Lilli Vanessi/
Katharina) und Dirk Schäfer (Fred Graham/Petrucchio) verkörpert. Die musikalische Leitung übernimmt Wolfgang Wengenroth, der seit dieser Spielzeit als 2. Kapellmeister am
Hessischen Staatstheater Wiesbaden engagiert ist.
Dirk Schäfer (Fred Graham/Petruchio) studierte Schauspiel an der Hochschule „Mozarteum“ Salzburg. Nach einem Aufenthalt in Japan arbeitete er als Schauspieler und
Sänger u.a. am Thalia Theater Hamburg, Staatstheater Oldenburg, den Bühnen Kiel, Hamburger Kammerspielen und dem Staatstheater Cottbus. Gastspiele führten ihn u.a.
nach Lübeck, Braunschweig, zum Festival „Gewaltig Leise“ im Rahmen der Kieler Woche, an die Hamburger Kammerspiele und nach Nürnberg. Er hat außerdem in Film- und
Fernsehproduktionen u.a. von ZDF, ARD und SAT 1 mitgewirkt. Dirk Schäfer war im Theater in Rollen wie Jason („Medea“), Zahnarzt („Kleiner Horrorladen“), Karl Moor („Die
Räuber“) oder Frank`N`Furter („Rocky Horror Show“) zu sehen. An den Bühnen Kiel initiierte er den Jacques Brel – Abend „Doch davon nicht genug“, mit dem er erfolgreich
gemeinsam mit seinem Ensemble „Trio Total“ gastierte und mittlerweile schon verschiedene andere Programme herausbrachte, u.a. zuletzt „Tango und Piaf“ und
„Phantastisches von Gogol“. Mit seinem Brel-Soloabend „Doch davon nicht genug“ gastierte Dirk Schäfer auch im Großen Haus des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden.
Der Pianist und Dirigent Wolfgang Wengenroth wurde in Bonn geboren. Er studierte Klavier und Dirigieren an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Graz (u.a.
bei Wolfgang Bozic). Er dirigierte u.a. das RSO Frankfurt, die Radio-Philharmonie Hannover und die Nordwestdeutsche Philharmonie Herford. Als Pianist gastierte er u.a. hinaus
beim Steirischen Herbst, bei Wien Modern und den Dresdner Tagen für Zeitgenössische Musik. 2001 führte er in mehreren Städten das komplette Klavierwerk Arnold
Schönbergs auf. Nach einem mehrjährigen Engagement an der Komischen Oper Berlin ist Wolfgang Wengenroth seit 2007 als Kapellmeister am „Theater für Niedersachsen
Hildesheim-Hannover“ engagiert. Hier dirigierte er neben Reprisen u.a. von „Rigoletto“, „Der Freischütz“ und „Carmen“ die Neueinstudierung von Humperdincks „Hänsel und
Gretel“ sowie die Neuproduktionen von Otto Nicolais Oper "Die lustigen Weiber von Windsor" und Franz Lehárs Romantische Operette "Das Land des Lächelns". Daneben ist
Wengenroth Conductor in Residence der Neuen Philharmonie Frankfurt und unterrichtet an der Musikhochschule in Hannover.
Andrea Heil (Choreographie) beendete ihre Karriere als Tänzerin mit der Musicalproduktion „Chicago“ am Theater des Westens. Sie ist Absolventin des Diplom-Studiengangs
Choreographie bei Prof. Dietmar Seyffert an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin. Als Choreographin arbeitete sie u. a. für „Der Entertainer“ (Schauspiel
von John Osborne am Meininger Theater), „Die 7 verflixten Ehen“ für das Theater des Westens, „Final Call Back“ und „group“ – zwei Absolventenprojekte des Studiengangs
Musical/Show der Universität der Künste in Berlin, Eduard Künnekes Wahlkampf-Operette „Herz über Bord“, für Kofi Yakpos und Rainer Killius’ „RAPsodie Schichtwechsel“ an
der Neuköllner Oper. Gemeinsam mit Regisseurin Heidi Mottl erarbeitete sie die Inszenierungen von „Die Flut“ von Boris Blacher und unter der musikalischen Leitung von Jing
Wang die szenische Erstaufführung der Funkoper „Malpopita“ von Walter Goehrs. Des weiteren schuf sie Choreographien für die Musicals „Das Geheimnis der Mona Lisa“
und „Cabaret“. Andrea Heil unterrichtet seit 1994 an der Universität der Künste in Berlin im Studiengang Musical/Show. Sie schuf die Choreographie für die Ostseefestspiel
-Produktion „West Side Story“ auf der Seebühne Stralsund und hat für FriedrichstadtPalast Berlin choreographiert. [© Staatstheater Wiesbaden]
Opernforum zu „Kiss Me, Kate“: Sonntag, 4. Oktober 2009, 11.00 Uhr, Foyer
Wie verirrt sich Shakespeare ins Musical? Wie setzt man Kunst und Wirklichkeit zusammen? Worin unterscheidet sich die Arbeitsweise im Musical von Oper und Operette?
Diese und andere Fragen stehen im Mittelpunkt dieser Einführungsmatinée. Mitglieder des Produktionsteams und des Ensembles geben einen Einblick in die Werkstatt ‚Musical’.
Moderation: Bodo Busse. Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft der Freunde des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden e.V.
www.staatstheater-wiesbaden.de
Zur Inszenierung der Komischen Oper Berlin:
Premiere: 31. Mai 08 Einführungsmatinee:
18. Mai 2008, 12:00 Uhr mit Koen Schoots, Barrie Kosky und Solisten der Produktion Weitere Aufführungen in der Spielzeit 07/08:
6./7./14./20./25. Juni, 2./10./11./26. Juli 2008, jeweils 19:00 Uhr
Musikalische Leitung: Koen Schoots Inszenierung: Barrie Kosky Bühnenbild:
Klaus Grünberg Kostüme: Alfred Mayerhofer Choreographie: Otto Pichler Chöre: Daniel Mayr Dramaturgie: Ingo Gerlach Licht: Franck Evin
Besetzung:
Fred Graham/Petruchio: Roger Smeets Lilli Vanessi/ Katherine: Dagmar Manzel Lois Lane/Bianca: Sigalit Feig Bill Calhoun/ Lucentio:
Danny Costello Hattie, Garderobiere: Barbara Sternberger Paul, Garderobier:Thomas Ebenstein Harry/Hortensio: Robin Poell 1. Ganove: Peter Renz
2. Ganove: Christoph Späth Ralph, Inspizient: Matthias Spenke Harrison Howell: F. Dion Davis Harry Travour/Baptista: Hans-Martin Nau
Dick/Gremio: Miha Podrepsek
und das Orchester der Komischen Oper Berlin.
Tanzensemble:
Axel Baer, Kym Boyson, Friedrich Bührer, Betty Dir, Andrea Heil, Robert Johansson, Silvano Marraffa, Mimi Messner, Nora Pichette, Miha Podrepsek, Robin Poell und Katarina Trinkewitzova
 |
Es steht für Glamour, Entertainment und tiefsinnigen Witz. Es ist der Evergreen des internationalen Musiktheaters, eines der erfolgreichsten Musicals überhaupt. Es ist zugleich
das Musical, dass das Genre in Deutschland überhaupt erst bekannt und sogleich polulär machte. Die Komische Oper Berlin erweckt einen Mythos zu neuem Leben: Kiss me, Kate. Es überzeugt sowohl durch eine glamouröse Komödie aus der Welt des Showbiz, durch den Pointenreichtum der Dialoge als auch durch die eingängige, schmissige
Musik. Cole Porter hat für Kiss me, Kate einige seiner größten Hits geschrieben: »Wunderbar«, »Seltsam« (»So In Love«), »Viel zu heiß« (»Too Darn Hot«) und »Schlag’ nach
bei Shakespeare« (»Brush up Your Shakespeare«).
Ab dem 31. Mai 2008 ist Kiss me, Kate erstmals an der Komischen Oper Berlin zu sehen, mit Dagmar Manzel, Roger Smeets, Sigalit Feig und Danny Costello in den Hauptrollen.
Barrie Kosky inszeniert das musikalisch neu arrangierte und von Suzanne Wolf neu übersetzte Stück – und kostet die temporeichen Seiten der Backstage Comedy voll aus.
Wenn sich im Theater Rolle und Privates vermischen, kommt es meist zu Komplikationen. Es ist keine gute Idee, mit seiner Exfrau und seiner aktuellen Geliebten im selben Stück
aufzutreten. Fred Graham hätte es vermeiden können, schließlich ist er nicht nur der Hauptdarsteller in Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung, sondern zugleich auch
Produzent und Regisseur. Dass nun aus Versehen auch noch die Blumen für die neue Liebe in die Garderobe der geschiedenen gebracht werden, ist kurz vor Premiere
durchaus gefährlich. Und so machen Lilli und Fred ihre private Auseinandersetzungen über die im Stück vorgesehenen wüsten Beschimpfungen hinaus zum handfesten
Gegenstand der Show. Am Ende müssen zwei Ganoven dafür sorgen, dass das Stück im Stück auch zu Ende gespielt wird – nicht nur aus literarischem Interesse. Klingt alles
ziemlich überdreht. Und das ist es auch. Dagmar Manzel und Roger Smeets übernehmen die Partien von Fred/Petruchio und Lilli/Kate.
Dagmar Manzel ist eine der erfolgreichsten deutschen Schauspielerinnen. Eine besondere Liebe Manzels gilt der Musik. So brillierte sie unter anderem am Deutschen Theater in
der Titelrolle der Offenbach-Operette Die Großherzogin von Gerolstein. Manzel hat für ihre Arbeit zahlreiche Preise erhalten. Zum Beispiel wurde sie zur »Schauspielerin des
Jahres 2002« gewählt und erhielt für ihre Hauptrolle in dem Fernsehfilm Leben wäre schön den Adolf-Grimme-Preis 2004.
Harry Kupfer holte Roger Smeets 1986 erstmals an die Komische Oper Berlin. Hier sang er in über 150 Vorstellungen den Grafen in Kupfers Die Hochzeit des Figaro, darüber hinaus in Don Giovanni, Carmen, Banditen, Der gewaltige Hahnrei, Hoffmanns Erzählungen, Eugen Onegin, Turandot und Orpheus in der Unterwelt. Roger Smeets hat mit
vielen anderen bedeutenden Regisseuren zusammengearbeitet, u. a. mit Dario Fo, Klaus-Michael Grüber, Andrei Serban, Graham Vick, Aidan Lang und Pierre Audi. Er sang u.
a. unter den Dirigenten Riccardo Chailly, John Crosby, Hartmut Haenchen, Kenneth Montgomery, Rolf Reuter, David Robertson, Hans Vonk, Edo de Waart, Alberto Zedda. In der
holländischen Erstaufführung von Leonard Bernsteins A quiet place war er Junior. Er spielte in Maastricht den Zaren in Lortzings Zar und Zimmermann, den Grafen in Mozarts Figaro und den Albert in Werther von Massenet. Zuletzt war er an der Komischen Oper Berlin als Graf Almaviva in Die Hochzeit des Figaro (2002/03) als Escamillo in Carmen (2003/04) und in der Titelpartie von Sweeney Todd zu erleben.
Dagmar Manzel und Roger Smeets als Kate und Fred. Allein diese Besetzung verleiht der Geschichte ein stärkeres Gewicht. In der Inszenierung Barrie Koskys stehen Fred
und Lilli nicht am Anfang ihrer Karriere, sondern eher an deren Ende; sie haben viel erlebt, viele Kämpfe ausgetragen – mit- und gegeneinander. In gewisser Weise geht es für
sie beide darum, zum vielleicht letzten mal eine Entscheidung zu treffen, die für ihr weiteres Leben von existenzieller Bedeutung ist. Mit Smeets und Manzel konnten für die
Hauptpartien Darsteller gewonnen werden, die den Figuren die notwendige Tiefe geben und auch deren Problematiken transportieren. Nicht erst mit seiner Inszenierung von Die Hochzeit des Figaro hat Barrie Kosky bewiesen, dass er ein großer Meister der Komödie und des Slapsticks ist. Mit dem
Choreographen Otto Pichler hat er zudem einen Künstler an seiner Seite, der mit dem eigens für die Produktion gecasteten zwölfköpfigen Tanzensemble für die zum Musical
gehörende tänzerische Geschwindigkeit und Artistik sorgt. Klaus Grünbergs Bühnenbild ermöglicht auf überraschende Weise sekundenschnelle Wechsel zwischen onstage und backstage und wartet mit einer wunderbaren Showtreppe auf. Und last but not least steht mit Koen Schoots ein erfahrener Dirigent des Genres am Pult, der bereits zum
zweiten Mal in der Behrenstraße gastiert.
Karten:
Kartentelefon: 030.47 99 74 00, Montag bis Samstag 9:00 bis 20:00 Uhr, Sonntag 14:00 bis 20:00 Uhr, Preise… So – Do 12,00 – 62,00 €, Fr + Sa 15,00 – 72,00 €,
karten@komische-oper-berlin.de, www.komische-oper-berlin.de
Inszenierungsteam
Koen Schoots (Musikalische Leitung)
Koen Schoots wurde in den Niederlanden geboren und studierte an der Musikhochschule von Maastricht Dirigieren, Klavier und Gesang. 1984 begann er im österreichischen
Klagenfurt als Korrepetitor und avancierte innerhalb von vier Jahren zum Ersten Kapellmeister. 1989 wechselte er als Erster Kapellmeister nach Gelsenkirchen.
Von 1992 bis 2002 widmete er sich hauptsächlich dem unterhaltenden Musiktheater, indem er u. a. in Hamburg Cats, in Bremen und Köln Jekyll & Hyde und am
Friedrichstadtpalast Berlin dirigierte. Seit Beginn der Spielzeit 2003/04 ist er als fester Dirigent an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf/Duisburg engagiert und
konzentriert sich wieder mehr auf das klassische Repertoire. Er dirigierte in Düsseldorf Tosca und Macbeth sowie die Ballettabende Coppelia und Der holzgeschnitzte Prinz.
Neben seinem Engagements in Düsseldorf gastierte er regelmäßig: Sweeney Todd an der Komischen Oper Berlin, Die Zauberflöte, Carmen und Aida bei den Opernfestspielen
St. Margarethen (Österreich), Frank Wildhorns The Scarlet Pimpernel am Opernhaus Halle und dessen neuestes Musical Dracula am Theater St. Gallen, die Fantasy Oper Gormenghast von Irmin Schmidt in Luxemburg und Lille und das neue tschechische Musical Romeo und Julia in Saarbrücken. Außerdem dirigierte er u. a. die Uraufführung
von The Day Before in Philadelphia, Der Freischütz bei den Sommerfestspielen Saar, Les Misérables im Theater St. Gallen, Nabucco und La Traviata bei den
Opernfestspielen St. Margarethen und Die Jüdin von Toledo an der Deutschen Oper am Rhein.
Barrie Kosky (Inszenierung)
Barrie Kosky wurde in Melbourne/Australien geboren und lebt heute in Berlin. Er ist Regisseur für Schauspiel, Musiktheater und Festivals. Zu seinen Inszenierungen gehören u. a. Senecas Oedipus und O’Neills Mourning becomes Electra bei der Sydney Theatre Company, King Lear bei der Bell Shakespeare Company, The Golem, Nabucco, Der
fliegende Holländer und Wozzeck am Sydney Opera House, Oedipus Rex an der Queensland Opera, Goethes Faust I und II bei der Melbourne Theatre Company; Orestia von Liza Lim, Die Hochzeit des Figaro und Der Barbier von Sevilla an der Victoria State Opera, The Knot Garden beim Melbourne Spoleto Festival und The Burlesque Tour mit Paul Capsis.
1990 bis 1997 war er künstlerischer Leiter der Gilgul Theatre Company. Dort inszenierte er Der Dybbuk, Es brennt..., Levad, The Wilderness Room und The Operated Jew.
1996 übernahm er die künstlerische Leitung des Adelaide Festivals. Im Frühjahr 2001 wurde er gemeinsam mit Airan Berg künstlerischer Leiter des Schauspielhauses Wien. Dort führte er Regie bei Medea, Boulevard Delirium, Dafke!!, Macbeth und Der verlorene Atem.
Seine Inszenierung von Claudio Monteverdis Orfeo bei den Innsbrucker Festwochen für Alte Musik (Musikalische Leitung: René Jacobs), die 2004 auch an der Berliner
Staatsoper Unter den Linden gezeigt wurde, erregte internationales Aufsehen. 2003 kam an der Komischen Oper Berlin seine umjubelte Inszenierung von Ligetis Le Grand Macabre heraus. Mit Die Hochzeit des Figaro legte er seine zweite Regiearbeit an diesem Hause vor. In der Spielzeit 2006/07 setzte er Glucks Iphigenie auf Tauris in Szene.
Klaus Grünberg (Bühnenbild)
Klaus Grünberg stammt aus Hamburg, studierte Bühnenbild bei Erich Wonder in Wien. Seit 1994 arbeitet er als als freier Bühnenbildner und Lichtdesigner an Theatern und
Opernhäusern in Europa sowie in Kuwait und Buenos Aires – u. a. mit den Regisseuren Tatjana Gürbaca, Barrie Kosky, Sebastian Baumgarten, André Wilms, Thilo Reinhardt,
Antoine Gindt, Heiner Goebbels und Christof Nel. Mit Tatjana Gürbaca erarbeitete er u. a. Turandot und Rigoletto am Opernhaus Graz, Strawinskys Mavra auf einem
Lastwagen für die Berliner Staatsoper, Dido and Aeneas am Festspielhaus Baden Baden, die Uraufführung von Philippe Hersants Der schwarze Mönch an der Oper Leipzig und Le Grand Macabre am Theater Bremen. Er entwarf die Bühnenbilder für Barrie Koskys Inszenierungen von L’Orfeo an der Berliner Staatsoper, Die Hochzeit des Figaro und Iphigenie auf Tauris an der Komischen Oper Berlin, Lohengrin an der Wiener Staatsoper und Der Fliegende Holländer sowie Tristan und Isolde am Aalto-Theater Essen.
Regelmäßig erarbeitet Klaus Grünberg mit dem Komponisten und Regisseur Heiner Goebbels Musiktheaterproduktionen, z. B. Max Black, Hashirigaki, Landschaft mit entfernten Verwandten, eraritjaritjaka und Stifters Dinge, die weltweit zu sehen waren. 1999 eröffnete er in Hamburg das MOMOLMA (museum of more or less modern art).
Alfred Mayerhofer (Kostüme)
Der gebürtige Österreicher hat seit 1992 Kostüme für zahlreiche Film-, Schauspielund Musik-Theater-Projekte entworfen. Gemeinsam mit Barrie Kosky erarbeitete er u. a. A
Midsummer Night’s Dream am Bremer Theater Lohengrin an der Wiener Staatsoper sowie Der fliegende Holländer und Tristan und Isolde am Aalto-Theater Essen. Am
Schauspielhaus Wien gingen diesen gemeinsamen Produktionen die Zusammenarbeit bei Hoffmanns Erzählungen, Das Schloss (2005), Wiener Lächeln mit den Wiener
Sängerknaben und Das verräterische Herz (2004) voraus. Ebenfalls 2004 besorgte Mayerhofer die Ausstattung von Barrie Koskys Inszenierung der Krönung der Poppea, die
am Berliner Ensemble und 2007 beim Edinburgh Festival gastiert. Darüber hinaus entwarf er die Kostüme für Die Vögel (Künstlerhaus 2004), Die eiligen 3 Könige (WUK 2004), Slow Dance (Altes Kino 2003), Die Falle (Sargfabrik/Kinderfestival 2000), Lissaboner Traviata (Theater mbH 2000) und zuletzt Die Weberischen (Regie: Stephanie Mohr,
Mozartjahr/Vereinigte Bühnen Wien 2006). Neben seinem Bühnenschaffen ist Alfred Mayerhofer auch Kostümbildner von Filmproduktionen wie Nordrand (1999), Nitro (2004) und YOON (2006). An der Komischen Oper Berlin entwarf er die Kostüme für Iphigenie auf Tauris in der Inszenierung von Barrie Kosky.
Ingo Gerlach (Dramaturgie)
Ingo Gerlach studierte Musikwissenschaft, Literaturwissenschaft und Geschichte in Bonn und Berlin. Als Stipendiat des DAAD und des italienischen Außenministeriums
verbrachte er ein Studienjahr in Bologna und arbeitete dort am Archivio Bruno Maderna. Ingo Gerlach war Mitinitiator der an der Humboldt-Universität zu Berlin ins Leben
gerufenen »Akademie Musiktheater heute – Berlin-Salzburg« und ist Alumni der daraus hervorgegangenen »Akademie Musiktheater heute« der Deutschen Bank. Bei der
ersten RuhrTriennale 2002 - 2004 unter der Intendanz von Gérard Mortier war er als Freier Mitarbeiter der Dramaturgie beschäftigt. Seit 2005 arbeitet er als Dramaturg an der
Komischen Oper Berlin und hat bisher unter anderem Händels Orest in der Inszenierung von Sebastian Baumgarten und Hoffmanns Erzählungen (Regie: Thilo Reinhardt) betreut.
Franck Evin Licht
Franck Evin wurde in Nantes/Frankreich geboren. Er erhielt 1983 ein Stipendium des französischen Kultusministeriums und wurde Assistent des Beleuchtungschefs an der
Opéra de Lyon. Hier arbeitete er u. a. mit Ken Russell und Bob Wilson zusammen. Seit 1986 ist er regelmäßig im Düsseldorfer Schauspielhaus, in Nantes, Strasbourg,
Montpellier, Paris, Caen, Lyon, Bochum, Wien, Los Angeles, Bonn und Brüssel tätig. Ebenso arbeitete er in den letzten Jahren an den Opernhäusern von Oslo, Amsterdam,
Stockholm, Tokio, an der Staatsoper München und der Opéra de la Bastille, Paris, sowie an der Scala di Milano. Seit der Spielzeit 1995/96 ist er Künstlerischer Leiter des
Beleuchtungswesens der Komischen Oper Berlin und ist hier u. a. für das Lichtdesign in Die Liebe zu drei Orangen, Don Giovanni, Die Csárdásfürstin, Alcina, Die
Entführung aus dem Serail, Lady Macbeth von Mzensk, Die Hochzeit des Figaro, Jewgeni Onegin, Così fan tutte und Der Rosenkavalier verantwortlich. Im März 2006 wurde
Franck Evin mit dem »Opus – dem Deutschen Bühnenpreis 2006« in der Kategorie Lichtdesign für die Lichtgestaltung der Oper Così fan tutte ausgezeichnet.
Ensemble:
Roger Smeets (Fred Graham)
Der holländische Bariton Roger Smeets erhielt seine Ausbildung an der Musikhochschule seiner Heimatstadt Maastricht. Er war von 1983 bis 1986 Mitglied des Opernstudios
der holländischen Operngemeinschaft (De Nederlandse Opera). In dieser Zeit hat er sich in vielen Produktionen der niederländischen Oper als ein gefragter Sänger einen
Namen gemacht. 1986 holte ihn Harry Kupfer an die Komische Oper Berlin. Hier trat er in über 150 Vorstellungen als Graf in Kupfers Die Hochzeit des Figaro, der Titelpartie in Don Giovanni, Escamillo in Carmen, als Fürst von Mantua in Offenbachs Banditen, Petrus in Goldschmidts Der gewaltige Hahnrei und in der Doppelpartie Muse/Nicklausse in Hoffmanns Erzählungen auf. In Adolf Dresens Inszenierung von Eugen Onegin sang er 1988 die Titelpartie. An der Komischen Oper Berlin verkörperte er in Christine Mielitz‘ Turandot- Inszenierung die Partie des Ping, in Harry Kupfers Orpheus in der Unterwelt den Pluto. Roger Smeets hat mit vielen bedeutenden Regisseuren zusammengearbeitet,
u. a. mit Dario Fo, Klaus-Michael Grüber, Andrei Serban, Graham Vick, Aidan Lang und Pierre Audi. Er sang u. a. unter den Dirigenten Riccardo Chailly, John Crosby, Hartmut
Haenchen, Kenneth Montgomery, Rolf Reuter, David Robertson, Hans Vonk, Edo de Waart und Alberto Zedda. In der holländischen Erstaufführung von Leonard Bernsteins A quiet place war er Junior. Er spielte in Maastricht den Zaren in Lortzings Zar und Zimmermann, den Grafen in Mozarts Figaro und den Albert in Werther von Massenet. Roger
Smeets gewann den Sonderpreis der niederländischen Musik beim Internationalen Gesangswettbewerb 1989 in Hertogenbosch. 2001 sang er in der Weltpremiere von Gold, 92 bares in a crashed car von Peter Greenaway die Partie des Achim sowie denTheseus in der Uraufführung der Oper Creon des Holländers Huub Kerstens.
Mit der Komischen Oper Berlin gastierte er 1991 und 1998 in Japan und 1992 in Wien. Zuletzt war er an der Komischen Oper Berlin als Graf Almaviva in Die Hochzeit des Figaro (2002/03), als Escamillo in Carmen (2003/04) und in der Titelpartie von Sweeney Todd (2005) zu erleben.
Dagmar Manzel (Lilli Vanessi/Katherine)
In Berlin geboren, gehört die Absolventin der Schauspielschule »Ernst Busch« in Berlin zu den erfolgreichsten deutschen Schauspielerinnen. Von 1980 bis 1983 war sie am
Staatsschauspiel Dresden, von 1983 bis 2001 gehörte sie dem Ensemble des Deutschen Theaters Berlin an. Seitdem arbeitet sie frei am Deutschen Theater und anderen
großen Häusern, seit den 80er Jahren zunehmend auch in Film und Fernsehen. Eine besondere Liebe Dagmar Manzels gilt der Musik: Nach ihrem erfolgreichen Solo-Liederabend Ich bin ein Wesen leichter Art brillierte sie am Deutschen Theater in der
Titelpartie der Offenbach-Operette Die Großherzogin von Gerolstein. In der Spielzeit 2004/05 spielte Manzel am Deutschen Theater die Varieté-Sängerin Lucette in Georges
Feydeaus Komödie Ein Klotz am Bein. Daneben war sie in Neil LaButes Beziehungsdrama Tag der Gnade zu sehen. In Film und Fernsehen spielte sie u. a. in Helmut Dietls Schtonk und in Rainer Kaufmanns Die Apothekerin neben Katja Riemann. Es folgten Frankfurter Kreuz von Romuald
Karmakar und Crazy von Hans-Christian Schmid. 1997/98 drehte sie den Dreiteiler Der Laden, für den das Darstellerteam den Grimme-Preis in Gold erhielt. In der Serie Klemperer − Ein Leben in Deutschland spielte Dagmar Manzel die Frau des jüdischen Professors Klemperer (ausgezeichnet mit dem Deutschen Fernsehpreis 2000) und war
die Petra Kelly in der ARD-Produktion Kelly/Bastian – Geschichte einer Hoffnung. Im Frühjahr 2008 ist sie im Kino in dem Film Frei nach Plan von Franziska Meletzky in der
Rolle der Rocksängerin Anne zu sehen. Dagmar Manzel hat für ihre Arbeit zahlreiche Preise erhalten. Von der Kritiker-Jury der Zeitschrift »Theater Heute« wurde sie zur
»Schauspielerin des Jahres 2002« gewählt, u. a. für Luc Percevals Inszenierung Traum im Herbst (Autor: Jon Fosse) an den Münchner Kammerspielen. Für ihre Hauptrolle im Fernsehfilm Leben wäre schön erhielt sie den Adolf-Grimme-Preis 2004.
Die Partie der Mrs. Lovett in Sweeney Todd in der Spielzeit 2004/05 war ihre erste Arbeit an der Komischen Oper Berlin. In der Spielzeit 2006/07 trat sie als Solistin in den
»Konzerten zum Neuen Jahr« auf.
Sigalit Feig (Lois Lane/Bianca)
Sigalit Feig wurde in Tel Aviv geboren und kam Anfang der 80er Jahre mit ihrer Familie nach Berlin. Die Sängerin studierte an der Stage School of Music, Dance & Drama in
Hamburg und vertiefte ihre Gesangsausbildung bei Ida Kelarova in Prag. Ersten Rollen in Hamburg folgten Engagements in Bremen, Darmstadt und zu den Festspielen in Bad Hersfeld in der Rocky Horror Show und in Dantons Tod. Am Schiller-Theater Berlin spielte sie die Nr. 9 in Sekretärinnen und ging als Chaja in Ghetto auf Tournee. In Kassel
spielte sie im Musical The Life von Cy Coleman. Sie stand in Hair im Raimund-Theater Wien und als Acid Queen in Tommy bei den Sommerfestspielen Amstetten auf der Bühne.
Sie arbeitete mit der »Jazzkantine« und den »Tenoritas«. Sigalit Feig sang in Some girls are bigger than others in London, mit anschließender Tournee durch Großbritannien und Irland. Zuletzt spielte sie Anita in West Side Story und
Lucy in Jekyll and Hyde an den Vereinigten Bühnen Bozen.
Danny Costello (Bill Calhoun/Lucentio)
Ausgebildet in Ballett, Jazz, Stepp und Gesang in den USA, zeigt sich die Vielseitigkeit Danny Costellos auch in seinen Engagements als Sänger, Tänzer, Choreograph,
Dokumentar- und Synchronsprecher. Mit der internationalen Tournee von Sophisticated Ladies kam er 1992 nach Europa und blieb. Die Tournee von 42nd Street schloss sich
an, bevor Berlin seine neue Heimat wurde und das Theater des Westens sein Zuhause. In zwölf großen Inszenierungen stand er dort als Solist oder im Ensemble auf der Bühne − Anything Goes, UfA-Revue, Blue Jeans, Piraten und Chicago, um nur einige zu nennen. Internationale Produktionen führten ihn u. a. nach Österreich, Japan und
Frankreich. Zu den Höhepunkten seiner Karriere gehören die Erstaufführungen von Street Scene in Berlin, Lissabon und Turin, für die er auch als Choreograph tätig war.
Im Friedrichstadtpalast choreographierte Danny Costello erstmalig 2002 für die Weihnachtsrevue Jingle Bells. Glanzlichter, im Jahr 2007 war dort sein Debüt als Solist auf der
Bühne. In der Spielzeit 2007/08 ist er an der Komischen Oper Berlin in Kiss me, Kate in der Inszenierung von Barrie Kosky in der Partie des Bill Calhoun/Lucentio zu erleben.
Barbara Sternberger (Hattie, Garderobiere) Die Sopranistin studierte an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin. Ihr Debüt gab sie als Nuri in Tiefland bereits im zweiten Studienjahr. Erste Engagements folgten
von 1965 bis 1969 in Magdeburg und Neustrelitz. 1969 wurde die Sängerin von Walter Felsenstein an die Komische Oper Berlin engagiert. Zu den Partien, die sie am
erfolgreichsten verkörpert hat, gehören die Fleurette in Ritter Blaubart, Gretel, Lauretta, Marzelline, Gilda, Blondchen, Despina, Erste Dame und die Königin in Die Verurteilung
des Lukullus. Von 1975 bis 1985 war sie ständiger Gast an der Semperoper Dresden und der Oper Leipzig. Neben zahlreichen Rundfunk- und TVOpernproduktionen hatte die
Sängerin auch große Erfolge im Konzert- und Liedgesang. 1982 wurde Barbara Sternberger zur Kammersängerin ernannt. In der Spielzeit 2003/04 sang die Sopranistin an der
Komischen Oper Berlin u. a. die Frau des Dorfrichters in Jenufa, Giovanna in Rigoletto, die Bäckerin in Das Märchen vom Zaren Saltan, Annina in La Traviata, Anhilte in Die
Csárdásfürstin, die Amme in Die Prinzessin auf der Erbse und Excellenz Hardegg in Das Land des Lächelns.
Thomas Ebenstein (Paul, Garderobier)
Der Tenor wurde in Kärnten/Österreich geboren und erhielt seine Gesangsausbildung an der Wiener Musikuniversität bei Helena Lazarska. 2001 war er Preisträger beim
Internationalen Dvo}ák-Wettbewerb in Karlsbad, 2003 gewann er den Musica-Juventutis-Wettbewerb des Wiener Konzerthauses. Gastengagements führten den Tenor bereits als Boten in Verdis Aida zu den Wiener Festwochen, als Erster Gefangener in Fidelio zu den Osterfestspielen in Salzburg (auch auf CD für EMI Classics), als Zweiter
Priester in Die Zauberflöte zur RuhrTriennale Bochum, als Armand in Lehárs Der Graf von Luxemburg ans Theater an der Wien und an die Wiener Volksoper, als Alfred in Die
Fledermaus zu den Operettenfestspielen Langenlois und als Tony in West Side Story zu den Ostseefestspielen Stralsund. Dabei arbeitete er u. a. mit Dirigenten wie Sir Simon
Rattle, Marc Minkowski, Bertrand de Billy und Plácido Domingo. Der Tenor widmet sich überdies dem Liedgesang und der geistlichen Vokalmusik (u. a. mit Helmuth Rilling). In der
Spielzeit 2004/05 wurde er Ensemblemitglied der Komischen Oper Berlin und sang seitdem u. a. Pedrillo, Don Otttavio, Monostatos, Andres in Wozzeck, Basilio in Die Hochzeit des Figaro, Valzacchi in Der Rosenkavalier, Jakob Schmidt in Aufstieg Fall der Stadt Mahagonny und die vier Dienerrollen in Hoffmanns Erzählungen. In der Spielzeit 20o7/08
verkörpert er außerdem Don Ottavio in Don Giovanni, Gustl in Land des Lächelns und Paul in Kiss me, Kate.
Peter Renz (1. Ganove)
Der Tenor war Mitglied des Dresdner Kreuzchors und bekam schon während seines Gesangsstudiums an der Dresdner Musikhochschule ein Engagement an der
Staatsoperette Dresden. Danach war er Mitglied der Theater in Potsdam und Magdeburg und dort in den Partien des Belmonte, Ottavio und Tamino zu erleben. Seit 1985 war er
ständiger Gast der Komischen Oper Berlin, wo er u. a. den David in Die Meistersinger von Nürnberg sang.Von 1986 an war der Tenor Mitglied des Solistenensembles des
Metropol Theaters Berlin. Hier wirkte er in fast allen Produktionen der Operette mit. Mit der Spielzeit 1998/99 wurde Peter Renz festes Ensemblemitglied der Komischen Oper
Berlin und war in den Partien des Tanzmeisters in Ariadne auf Naxos, Dr. Blind in Die Fledermaus, Raoul de St. Brioche in Die lustige Witwe, Remendado in Carmen, Bardolph
in Falstaff, Büttel Bamford in Sweeney Todd, Mr. Upfold in Albert Herring, Truffaldino in Die Liebe zu drei Orangen, Boni in Die Csárdásfürstin und Don Curzio in Die Hochzeit
des Figaro zu erleben. In der Spielzeit 20o7/08 werden Tobby in Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny, die vier Dienerrollen in Hoffmanns Erzählungen, Monostatos in Die
Zauberflöte, Alcindor in La Bohème und der 1. Ganove in Kiss me, Kate dazukommen.
Christoph Späth (2. Ganove)
Der gebürtige Berliner studierte an der Hochschule der Künste Berlin (UdK), am Oberlin Conservatory und an der Yale University in den USA. Nach zwei Jahren im Ensemble
am Landestheater Altenburg war er freischaffend als Tenor tätig und dabei zu Gast u. a. an den Opernhäusern Braunschweig, Amsterdam, Triest, Palermo und Lyon. 1993
debütierte er bei den Salzburger Festspielen unter Nikolaus Harnoncourt und 1998 bei der Münchner Musikbiennale in der Uraufführung der Oper Visions of Lear von Toshio
Hokosawa. Seit 1997 ist er ständiger Gast der Komischen Oper Berlin und seit der Spielzeit 2002/03 fest im Ensemble der Komischen Oper Berlin und sang hier den Vašek in Die verkaufte Braut, Bob Boles in Peter Grimes, Jaquino in Fidelio, Boni in Die Csárdásfürstin, Pedrillo in Die Entführung aus dem Serail. Als Pedrillo gastierte er 2006 auch
am Teatro Massimo di Palermo. Ebenso war er als Prinz in Die Liebe zu drei Orangen, Schäbiger und Sinowi in Lady Macbeth von Mzensk, Goro in Madame Butterfly,
Valzacchi in Der Rosenkavalier, Basilio in Die Hochzeit des Figaro, Fatty und Jim Mahonney in Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny und Erster Geharnischter in Die
Zauberflöte zu erleben.
F. Dion Davis (Harrison Howell)
F. Dion Davis wurde in Washington D.C. geboren und studierte an der Howard University Musikpädagogik sowie Kostüm und Bühnenbild. Nach dem Studium tanzte er mit der
Ballet Company am Stadttheater Bern unter Ricardo Duse. Berlinern ist er vor allem durch seine Musical Engagements am Theater des Westens mit Helmut Baumann und Jürg Bürth wie in La Cage aux Folles, Die Kurt Weill Revue, Grand Hotel, Chicago, Let’s Pop und Dream Girls bekannt. Er spielte in zahlreichen Opern- und
Schauspielaufführungen mit u. a. Remandado in Carmen, Njegus in Die lustige Witwe, Monostatos in Die Zauberflöte in Inszenierung von George Tabori (Circus Roncalli),
Andy in Seon Joplins' Treemonisha für die Schwetzinger Festspiele sowie Tituba in Hexenjagd, Schreiber in Viel Lärm um nichts, Anthony Candolini in Master Class und
Behemoth in Der Meister und Margarita. Als Choreograph zeichnete er unter anderem für die Produktionen von Evita, Chicago, Show Boat, Cyrano, Jesus Christ Superstar,
Gypsy, Street Scene und Romeo und Julia verantwortlich. Für den Regisseur Dror Zahavi hat er in letzter Zeit Schliemann und Sophia, Die Luftbrücke und Berlin Salsa choreographiert. Außerdem ist F. Dion Davis auch als Dozent für verschiedene Performing Arts Schulen tätig, wie die Universität der Künste, das ISSF und auch als Artistic
Consultant für die Stage-Coach-Theater-School Berlin. Er war Künstlerischer Leiter des Musicals Cats am Musical Theater Potsdamer Platz.
Hans-Martin Nau (Harry Travour/Baptista)
Hans-Martin Nau wurde nach dem Gesangsstudium in Weimar über Engagements in Plauen/Vogtland und am Landestheater Halle/Saale (Händelpreis) 1969 an die Komische
Oper Berlin engagiert. Hier wurde er 1983 zum Kammersänger ernannt. Er sang an die hundert mittlere, kleine und kleinste Partien an diesem Haus (Melitone, Gremin, Kezal,
Bartolo, Zar Saltan, Mandarin, Colline, Haushofmeister). Große Anerkennung fand seine Gestaltung der Partie des Vaters in Der verlorene Sohn von Benjamin Britten, die er
fünfzehn Jahre lang beim Carinthischen Sommer in Ossiach (Kärnten) sang. In den letzten Spielzeiten sang er u. a. den Notar in Der Rosenkavalier, den Frosch in Die Fledermaus, Antonio in Die Hochzeit des Figaro und den Graf Ferdinand
Lichtenfeld in Das Land des Lächelns auf der Bühne der Komischen Oper Berlin. In der Spielzeit 2007/08 wird Hans-Martin Nau die Partie des Benoit in La Bohème übernehmen. [© Komische Oper Berlin]
www.komische-oper-berlin.de
Zur Inszenierung am Staatstheater am Gärtnerplatz, München:
Musikalische Leitung: Andreas Kowalewitz Inszenierung: Ana Haffter
Bühne / Kostüme: Peter Cazelet Choreographie: Philip Taylor
Lilli Vanessi (Katharina): Marianne Larsen / Cornelia Horak Fred Graham (Petruchio):
Torsten Frisch / Hans Kitzbichler Ann Lane (Bianca): Marion Musiol Bill Calhoun (Lucentio): Daniel Prohaska / Gido Schimanski Harry Trevor (Baptista):
Martin Hausberg Gremio, der erste Freier: Markus Heckel / Jan von der Heyden Hortensio, der zweite Freier: Oliver Polster Ralph, Inspizient: Dieter Rupp
Hattie, Garderobiere: Ks. Gisela Ehrensperger / Ks. Susanne Heyng Paul, Garderobier: Florian Simson Zweiter Ganove: Gunter Sonneson / Patrick Lammer
Harrison Howell, Produzent: Dirk Lohr Ein Pförtner: Uli Nillius
Staatstheater am Gärtnerplatz
Zur Inszenierung der Frankfurter Komödie:
“Kiss me, Kate” wurde vom 24. Januar bis 14. April 2002 in der Komödie Frankfurt gespielt:
Regie: Claus Helmer Choreographie: Hardy Rudolz Bühne: Klaus-Ulrich Jacob Kostüme: Monika Seidl
Mit:
Petra Constanza, Hardy Rudolz, Joanne Bell, Christine Richter, Alex Friese, Joseph Saxinger, Hans Zürn, Robert Lenkey, u.a.
Erfrischend, spritzig, farbenfroh und ohne verkrampften Bombast: Hardys neuer Coup
Und das Kät(h)chen knutscht schon wieder – oder immer noch. Das tut es seit 54 Jahren mehr oder weniger pausenlos. Cole Porters Kabinettstückchen ist nicht tot zu
kriegen. “Kiss me, Kate!”, dieser unsterbliche, vergnügliche Klassiker, begeistert das Publikum seit seiner Uraufführung anno 1948 am New Yorker Broadway rund um den
Globus und wurde in 18 verschiedenen Sprachen aufgeführt. Keiner Mensch weiß, wie oft die widerspenstige Lady seitdem gezähmt wurde und ziemlich heftige Klapse auf
den Allerwertesten kassierte. Es hat unzählige und zum Teil sehr differenzierte Inszenierungen davon gegeben. Die Frankfurter Komödie hat diese ellenlange Liste jetzt um
eine äußerst reizvolle und charmante Variante bereichert.
Am Donnerstag dem 24. Januar 2002 ging in dem kleinen, intimen Theater in der Neuen Mainzer Straße die Premiere über die Bühne. Professor Claus Helmer, Direktor des
Hauses und Regisseur in Personalunion, hat das Stück auf seine wesentlichen Elemente reduziert und von allem verkrampftem Bombast befreit, wie er leider viel zu oft auf
und von kleineren Bühnen gepflegt wird, was dann aber meist eher peinlich und wie gewollt und nicht gekonnt wirkt. Eine abgespeckte Light-Version heraus kam dabei
trotzdem nicht. Im Gegenteil: Die Produktion geriet hochgradig dicht und intensiv, lustig und unterhaltsam, wie es einer Musical-Comedy geziemt, und wird von einer scheinbar
spielenden Leichtigkeit getragen.
Nachgerade minimalistisch fiel die “Orchestrierung” aus. Zwei Pianist(inn)en, Ulrich Jokiel und Mitzi McManus, das war’s schon. In keinem Augenblick der mit Pause nahezu
dreistündigen Aufführung vermisst das Publikum ein großes Ensemble im Orchestergraben. Es würde in diesem Rahmen und an diesem Ort sowieso auch nur störend
wirken. Nein, die Hits Cole Porters – kaum ein anderes Musical ist mit so vielen, längst zu Evergreens avancierten Ohrwürmern garniert wie die küssende Kät(h)e – entfalten
gerade in dieser sparsamen Instrumentierung ihren volle und spritzige Beschwingtheit. Und die Akteure singen ohne Mikro – “unplugged” sozusagen. Dadurch wird der
erfrischende Eindruck dieses gelungenen Gesamtkunstwerkes noch verstärkt.
Nun darf sich eigentlich jeder Intendant, der “Kiss me, Kate” auf den Spielplan setzt, auf der sicheren Seite wähnen. Das ist nun mal ein Selbstläufer. Magnetwirkung und
Schubkraft entfalten in Frankfurt zusätzlich noch die prominenten Namen auf der Besetzungsliste, die der “Komödie” bis zum 14. April volle Säle garantieren dürften: “Alt”
-Meister Hardy Rudolz, hierzulande, wenn man so will, ein bzw. d e r Musical-Star der ersten Stunde, die begnadete Petra Constanza und das stimmliche Multi-Talent Joanne
Bell. Sie sind eingebunden und integriert in ein durch und durch spielfreudiges und hoch ambitioniertes Ensemble.
Vor allem Hardy Rudolz ist die zentrale, alles beherrschende Figur auf den Brettern – und das nicht nur, weil er hier als Fred Graham/Petruchio neben seiner langjährigen
Freundin Petra Constanza (Lilli Vanessi/Katharina) den Status des Hauptprotagonisten genießt und diesen in der von ihm gewohnten Exzessivität ausfüllt. Der Mann hat nun
mal eine unnachahmliche Bühnenpräsenz, die ihn selbst in der winzigsten Nebenrolle noch zum zentralen Akteur machen würde, der ungeteilte Aufmerksamkeit auf sich
zieht. Sonst eher auf tragische, traurig-düstere, und ambivalente Charaktere fixiert, darf und kann der Künstler hier sein bis dato sorgsam verborgenes komödiantisches
Talent voll ausleben und -spielen. Und er tut das mit Esprit, Verve und Hingabe.
Obwohl am Premierenabend leicht erkältet– was aber kaum jemand merkte – agierte dieser herausragende Darsteller mit Power, vollem Stimm- und Körpereinsatz. Ganz
“nebenbei” zeichnete Hardy auch noch für die mit viel Pepp, Akrobatik, Witz und Eleganz garnierte Choreografie verantwortlich – und selbige zählt unbestritten zu den
eigentlichen Stärken der Inszenierung.
Die Kostüme (Monika Seidl) sind opulent, farbenfroh und humorig-abgedreht), das Bühnenbild (Klaus Ulrich Jacob) phantasievoll, wandelbar und von raffinierten, kurzweilig
-überraschendem Einfallsreichtum. Und dass sich die beiden, im ungestümen Applaus sonnenden Ganoven (Robert Lenkey und Hans Zürn) nach ihrem Showstopper
“Schlag’ nach bei Shakespeare” erst durch Schüsse aus der Wasserpistole, abgefeuert von den beiden Pianisten, von der Bühne vertreiben lassen, ist ein origineller, feucht
-fröhlicher Abgang. Mag man andererseits durchaus über die ins Dekolleté walzerseliger Damen gesteckte Würste streiten. Q. & ©: Jürgen Heimann
Zur Inszenierung in Gelsenkirchen 2001:
Das große Knutschen in der Raumstation - Witzig, mit leichter Hand inszeniert
Man suche in diesem dichten kulturellen Umfeld nicht die Konkurrenz der großen Nachbarn, fürchte sie aber auch nicht, schrieb Generalintendant Peter Theiler vor ein paar
Wochen bei der Vorstellung des neuen Spielplanes für die Saison 2001/02. Brauchen die Gelsenkirchener auch nicht. Mag das Namenskürzel des Hauses auch in einem
anderen Zusammenhang negativ behaftet sein, so klapprig und überaltert wie die marode russische Raumstation ist die, nein das “MIR” (steht für Musiktheater im Revier)
keineswegs. Im Gegenteil. Nach Auflösung des Verbundes mit Wuppertal (als Tandem firmierten beide Einrichtungen bis dahin an zwei verschiedenen Standorten als
“Schillertheater Nordrhein-Westfalen”) präsentierte das Haus am Gelsenkirchener Kennedyplatz unlängst seine erste, eigenständige Musical-Produktion: “Kiss me, Kate. ”
Ein unsterblicher Klassiker aus der Feder des legendären Cole Porter, aber alles andere als ein verstaubter Schinken aus der Mottenkiste des Genres. Der Musical-Hit, der
1948 in New York seine Uraufführung erlebte und seitdem weltweit unzählige Male aufgeführt wurde, ist zeitlos. Mit leichter Hand hat der englische Regisseur Timothy
Coleman diesen Evergreen inszeniert. Dabei heraus kam eine freche, respektlose und, wie es das Buch verlangt, temperamentvolle und witzige Musical-Comedy, die alle
Erwartungen an einen vergnüglichen und unterhaltsamen Theaterabend erfüllt. Es war eigentlich eine Doppelpremiere: Für die Inszenierung selbst und für Cosima Sophia
Osthoff, der damit als neuer Erster Kapellmeisterin des Hauses am Pult der Neuen Philharmonie Westfalen einen brillanter Einstand glückte.
Besinnen auf die eigenen Kräfte
Der (natürlich ausverkaufte) “MIR”-Start in die (klassischen) Musicalgefilde wird weitere Flüge nach sich ziehen, nicht nur für das küssende
Käthchen; die nächste musiktheatralische Produktion ist bereits in Arbeit, wobei Details noch als Verschlusssache gelten. Aber auch dabei dürfte
sich die Besatzung der Raumstation aus eigenen Kräften rekrutieren. Diesen Kurs gedenken die Verantwortlichen konsequent einzuhalten.
Verzicht auf die Verpflichtung externer Stars und Konzentration auf das Potenzial vor Ort. Selbst ist der Mann (und die Frau). Mag ja sein, dass
Künstler von überregionaler Reputation zusätzlich Publikumsschübe bewirken könnten, doch: Erstens dürfte “Kiss me Kate” in Gelsenkirchen
auch so zum Selbstläufer werden. Zweitens ist die Bandbreite des jungen, ambitionierten Ensembles derart breit an- und ausgelegt, dass es einer
personellen Verstärkung von außerhalb kaum bedarf.
Die Cast präsentierte sich bei der Premiere als geschlossene, stimmige
Einheit, die stilsicher und selbstbewusst alle Hürden des Stücks meisterte – im Ausdruck, der Choreografie und der stimmlichen Power. Porters
Partitur strotzt ja nur so vor intelligenten, hit-trächtigen Einfällen. (Das gilt übrigens auch für das mit vielen raffinierten Wortspielereien gespickte
Libretto. Die Texte muteten zur Zeit ihrer Entstehung ziemlich gewagt an. Heute stößt sich indessen niemand mehr daran.) Sie entfalten aber erst
dann ihre ganze Wirkung, wenn sie entsprechend umgesetzt, wohldosiert mit Herzblut und Seele gelebt werden. Es ist sicher ein schwieriges
Unterfangen, die vokale und emotionale Variationsbreite der Porter’schen Melodien voll auszuschöpfen. Das ist in Gelsenkirchen aber gelungen.
Der Bogen spannt sich von jazzig-swingenden Ensemble-Nummern über komödiantische Sequenzen (hier vor allem das burleske Lied der belesenen Ganoven “Brush up your
Skakespeare”), romantische Balladen (“So in Love”) bis hin zu Show-Stoppern wie zum Beispiel “Another op’ in, another show”. Tarantella-Klang-Rhythmen und
Mandolinenklänge verpassen dem Ganzen partiell noch ein folkloristisches Flair. Köstlich aber auch jenes “Wunderbar”, eine Parodie auf die Walzer der Wiener Opperette. Die
Songs selbst sind im englischen/amerikanischen Original belassen. Zum besseren Verständnis für jene, deren Schul-Englisch da an seine Grenzen stößt, wird die deutsche
Übersetzung auf eine große, über der Bühne angebrachten Tafel projiiziert. Die Dialoge zwischen den einzelnen Musiknummern sind in Deutsch gehalten.
Komisch und zickig
Die Protagonisten Lilli Vanessi/Kate und Fred Graham/Petruchio haben bei “Kiss me, Kate” zwangsläufig im Vordergrund zu stehen. Beide Doppelrollen sind hier mit Anke
Sieloff und Erin Graves hervorragend besetzt. Beide Künstler – er charmant-komisch, sie energiegeladen-zickig – sind prächtig bei Stimme, geben ein Traumpaar ab und
kleiden ihre Parts mit wuchtiger theatralischer Ausstrahlung aus. Einfach zum auf die Schenkel-Klopfen die beiden Ganoven (in Gelsenkirchen gehen als solche im Wechsel
Nyle P. Wolfe, Jerzy Kwika und Nikolai Miassojedov an den Start), die ihre zwielichtigen (”gewaltbereit in ehrlichster Absicht”) Charaktere kraft ihres
halbseidenen Amtes voll ausleben - mit Spieldrang und -wut, und das derart komisch und überzeugend, dass es regelmäßig Szenenapplaus gibt. Allein diese skurillen Gangster lohnen den Besuch.
George Hansen als Bill Calhoun/Lucentio und der mimisch treffsicher-witzige Waldemar Mauelshagen als Paul/Baptista erweisen sich als weitere personelle
Pluspunkte auf der Besetzungsliste. Und da wäre noch Elise Kaufmann, der ja als “Lois Lane”, der Schwester unseres Käthchens, nur eine Nebenrolle zugedacht ist,
die sie aber graziös, frisch und frech auskleidet und ihr so einen ganz neuen Stellenwert verleiht. Die packenden Tanzsequenzen und neuzeitlich aufgepeppten
Istrumentalpassagen reihen sich nahtlos in die intensive Dichte dieses Stücks ein, das als kompaktes Gesamtkunstwerk gelten darf.
Davon abgesehen: Vergleicht man die Eintrittstarife der populären und auf lange Laufzeit angelegten Hochglanz-Musicals mit denen in Gelsenkirchen, sollte die
Entscheidung, wohin demnächst, nicht schwerfallen.
|