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Besprechungen Musicals: Teil 12
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Best of Musical Gala 2012 Festhalle Frankfurt Besuchte Vorstellung: 13. Februar 12 (Frankfurt-Premiere)
Auch 2012
beweist Stage Entertainment, dass sie die führende Kraft im Musicalgeschäft ist. Mit Shows in Berlin, Hamburg, Obernhausen und Stuttgart begeistert sie jeden Abend aufs Neue das Publikum.
Die exzellente Show „Best of Musical“ präsentiert einen bunten Querschnitt beliebter Songs aus aktuellen Produktionen und aus der Musicalschatzkammer. Erstmals 2004 vorgestellt, ist derzeit
die fünfte Ausgabe unterwegs in zwölf deutsche Großstädte (nach 2004. 2006, 2007 und 2010). Wobei es nicht nur ein „Best of“ von eigenen Stage Entertainment Musicalproduktionen ist (von denen
dieses Jahr „Dirty Dancing, Disneys „König der Löwen“, „Sister Act, „Tanz der Vampire“ und Disneys „Tarzan“®¨ vertreten sind). Dieses Jahr trägt die Show den Untertitel „Musical
meets Movie“ und präsentiert u.a. zusätzlich Songs aus „Burlesque“ und „Moulin Rouge“. Auch das Musical „Dreamgirls“ ist vertreten, bekannt wurde dieser Klassiker durch die Verfilmung mit
Jamie Foxx, Beyoncé Knowles und Jennifer Houston in den Hauptrollen. Auch „Rebecca“ fehlt nicht, das im Dezember 2011 seine Deutschlandpremiere im Stuttgarter Stage Palladium Theater
hatte. Und als ein besonderes Highlight präsentiert die Best of Musical Gala 2012 bereits einen Ausblick auf die nächste Eigenproduktion: ROCKY, die im November im Hamburger TUI
Operettenhaus-Theater ihre Uraufführung erleben soll.
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Best of Musical Gala 2012 Festhalle Frankfurt, 13. Februar 12 Opening „Hunderttausend Watt“ © Markus Gründig
Großer Aufwand und Live-Orchester In jeder Vorstellung präsentieren nicht nur acht Top-Solisten aus den Original-Produktionen 47 Songs aus 20 verschiedenen Hit-Musicals und Musical-Filmen. Sie werden auch von 16
Tänzerinnen und Tänzern begleitet. Ebenso anerkennenswert ist, dass die Musik nicht vom Band kommt, sondern wieder von einem 19 Musiker umfassenden Live-Orchester unter
der Leitung von Bernhard Volk gespielt wird. 380 aufwendige und maßgeschneiderte Kostüme sorgen neben der akustischen Verzauberung auch für eine optische (Kostüme Reto
Tuchschmid / Masken und Perücken: Harold Mertens). Die riesige Bühne besteht aus LED-Wänden, die meisterhaft stets aufs Neue Szenen imaginieren. Wie eine düster,
geheimnisvolle für „Rebecca“ oder eine gruselig bläuliche für „Tanz der Vampire“ (Bühnenbild Jürgen Schmidt-André / Lichtdesign Manfred „Ollie“ Olma). Das Kreativteam ist nahezu
dem von 2010 gleich. So zeichnet auch wieder Jani Walsh-Weber für Regie und Choreographie verantwortlich.
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Best of Musical Gala 2012 Festhalle Frankfurt, 13. Februar 12 Opening „Hunderttausend Watt“ mit Elisabeth Hübert und Tanzensemble
© Markus Gründig
100.000 Watt in der Frankfurter Festhalle Nach einer kurzen Ouvertüre eröffnete der von Sebastian de Domenico (Musik) und Heiko Wohlgemuth komponierte Song „Hunderttausend Watt“ den Abend. Jeder der acht Top
-Solisten kam, effektvoll von Tänzern begleitet, aus den Tiefen der Bühne hervor und alle fanden sich zu einem schönen Gruppenbild zusammen. Von da an ging es Schlag auf
Schlag weiter, mit meist drei Songs pro Musical/Musicalfilm. Keiner der acht Solisten wurde dabei besonders in den Vordergrund gestellt, das taten sie alle, jeder für sich, auf seine
Art. Dabei war oftmals die Einbeziehung der Tänzer fließend, d.h. kaum zu erkennen. Eine überaus harmonische Gruppenleistung also.
Best of Musical Gala 2012 Festhalle Frankfurt, 13. Februar 12 Das Orchester bei “Rebecca” © Markus Gründig
Sexy Damen und Herren Fürs Auge gab es natürlich auch einiges. Die Damen zeigten sich beispielsweise bei „Dreamgirls“ in schulterfreien, elegant glitzernden blauen Kleidern (ein wenig an Meerjungfrauen
anmutend), die Herren präsentierten oftmals oberkörperfrei ihre großen Muskeln und starken Körper. Top-Solist Alexander Klaws muss sich diesbezüglich übrigens nicht hinter
seinen Tanzkollegen verstecken. Der ehemalige DSDS-Sieger macht auch im knappen und luftigen Tarzan-Kostüm einen überzeugenden, sportlichen Eindruck.
Ob acht Tänzerinnen nun zeitgleich ein Spagat am Bühnenrand hinlegen oder die Tänzer Handstände, Mehrfachsalti oder Spagatsprünge hinlegen, die Choreografie von Jani Walsh
-Weber ist stets ausgefallen, sportlich orientiert und sehr rasant. Das verlangt den Tänzern einiges ab. Von Anspannung ist in den Gesichtern aber keine Spur zu erkennen (selbst
von der ersten Reihe aus nicht). Sie strahlen immer mit ihrem schönsten Lächeln. Bravo!
Best of Musical Gala 2012 Festhalle Frankfurt, 13. Februar 12 Yngve Gasoy Romdal, Elisabeth Hübert und Tänzer bei: Tanz der Vampire
© Markus Gründig
Top-Solisten Die Szenen greifen nahtlos ineinander über. Einzelne Blöcke werden charmant von den Solisten im Duo anmoderiert. Die Grand Lady der Musicalszene, Pia Douwes übernimmt keine
Moderatorentätigkeit. Glänzt dafür aber als intrigante Mrs. Danvers im engen schwarzen Kleid (Musical „Rebecca“) bei ihrem Song „Sie ergibt sich nicht“, gibt sich gut gelaunt im
Blaumann und mit Bohrmaschine ausgestattet im Musical „Mamma Mia!“ („Mamma Mia!“) und zeigt umrahmt von jungen sexy Tänzern bei „Burlesque“ ihre schönen Beine.
Alexander Klaws gibt sich inzwischen als alter Hase des Musicalbusiness ganz entspannt und souverän, vor allem bei „Fremde wie ich“ (Musical „Tarzan“®¨). „Draußen ist Freiheit“,
im Duett mit Elisabeth Huber, scheint ihn gar zu unterfordern.
Best of Musical Gala 2012 Festhalle Frankfurt, 13. Februar 12 Moderation: Patricia Meeden und Mathieu Boldron
© Markus Gründig
Seine Deutschkenntnisse erheblich verbessert hat der Franzose Mathieu Boldron. Wo er bei „Endlose Nacht“ (Disneys „Der König der Löwen“) noch etwas unsicher wirkte, war er
als Polizeibeamter Eddie Fritzinger bei „Tief in mir“ (Sister Act“) ganz in seinem Element als Comedian. Konstant auf hohem Niveau war natürlich auch Yngve Gasoy-Romdal, sei es als
Graf Krolock (Tanz der Vampire) oder als ?„Kein Lächeln war je so kalt“ (Musical „Rebecca“). Wobei die Kälte ihn wohl etwas stark beeinflusst hat, insgesamt wirkte er nicht so
leidenschaftlich dabei wie die anderen. Sabrina Weckerlin hat sich inzwischen stark entwickelt. Hier gefiel sie besonders bei den Songs aus „Dirty Dancing“. Patricia Meeden fiel
besonders bei „Dreamgirls“ und „Sister Act“ auf. Bester Song war das höchst eindrucksvoll gesungene Duett „Roxane“ („aus „Moulin Rouge“) mit „DMJ“ David-Michael Johnson und
Alexander Klaws, bei dem die Violinistin Annika Litzendorf die Gelegenheit bekam, ihr Solo am Bühnenrand zu geben.
Als einziges Ärgernis kann man ihn zwar nicht beurteilen, eher als etwas überflüssig: Der Exkurs zu „Rapunzel neu verföhnt“ und dem Disney Mix. In so einer Abendshow wirkt ein
derartiger Kinderausflug fehl am Platz.
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Best of Musical Gala 2012 Festhalle Frankfurt, 13. Februar 12 Schlussapplaus © Markus Gründig
Höhepunkt des Abends war der Ausblick auf „Rocky“, mit boxenden und fleißig trainierenden (Bauchübungen, einarmigen und einbeinigen Liegestützen, Seilspringen etc.)
Protagonisten. Die beiden Songs „Eye of the tiger“ und „What about us“ weckten große Lust auf die Uraufführung im November. Da hielt es dann auch keinen mehr auf seinem Platz:
Standing Ovations und viel Applaus für einen großartigen Abend!
Markus Gründig, März 12
Mehr Infos zu Show
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The Who’s Tommy English Theatre Frankfurt Besuchte Vorstellung: 12. November 11 (Premiere)
Well a young man He ain't got nothin' in the world these days (aus “Young Man Blues”, covered von The Who, Original von Mose Allison)
Tommy is back in town. Naja, nicht ganz, denn schließlich fand im Sommer 1995 die deutsche Erstaufführung (in englischer Sprache) im benachbarten Offenbach statt
(einen Ausschnitt des Bühnenprogramms gab es allerdings im Sommer 1995 beim „Sound of Frankfurt“ Openair auf der Zeil). Im eigens umgebauten Offenbacher Musicaltheater, dem heutigen
Capitol-Theater, wurde die Original Broadwayinszenierung von Regisseur Des McAnuff im Bühnenbild von John Arnone für 1 ¼ Jahre gezeigt. Nachfolgende Produktionen müssen inzwischen nicht mehr
die Originalinszenierung übernehmen, was den Regisseuren mehr Freiräume gibt. Und Ryan McBryde, der am English Theatre Frankfurt bereits fast schon als Hausregisseur angesehen werden kann,
macht sich dies bei seiner Umsetzung zugute. Zuvor inszenierte er am Haus bereits sehr erfolgreich die Musicals „Spring Awakening“, „The Full Monty“ und „Hair“, wie auch die Theaterstücke
„Hysteria“, „Deathtrap“ und „The Fox“.
The Who’s Tommy English Theatre Frankfurt Tommy (Leo Miles) und Ensemble © Bobby Anders
Bei The Who’s Tommy werden eingefleischte Tommy-Fans mit einigen Überraschungen und neuen Liedern konfrontiert, denn McBryde hat die Geschichte des tauben, stummen und
blinden Flipperspielers Tommy Walker in ein stringenteres dramaturgisches Gerüst gepackt. Mit der Konsequenz, dass einzelne Nummern in einer anderen Reihenfolge gezeigt
werden. Schließlich weicht schon Pete Townshends und Des McAnuffs Musicalfassung von Ken Russels Filmfassung von 1975 (u.a. mit Eric Clapton, Roger Daltrey, Elton John,
Jack Nicholson, Pete Townshend und Tina Turner) ab und die wiederum vom 1969 veröffentlichten Album. Der Bettler ist bei McBryde ein christlicher Priester, der Tommy dann
natürlich keine unter Drogen stehende Prostituierte, sondern die heilige Madonna anpreist (die Gypsy Queen steht hier zu Beginn des 2. Akts auf der Bühne). Auffälligster
Unterschied ist aber, dass Tommy von Anfang bis Ende als Patient der Psychiatrie gezeigt wird, das Flipperspielen als therapeutisches Mittel empfohlen wird. Gefangen in einem
schmalen Käfig steht er zunächst im Raum, schwebt dann kurzzeitig darüber, erlebt sodann die Geschichte als düstere Erinnerung an vergangene Zeiten, um schließlich wieder dort
zu landen, wo es begann: im Käfig. Kein offen glückliches Finale. Und dennoch eine gigantische Inszenierung, die sehr detailverliebt die Geschichte herausgearbeitet hat, die mit
einem jungen, energetisch aufgeladenen Ensemble mit starken Stimmen glänzt und mit einem atemberaubenden Tempo die durchkomponierte „Musical Journey“ einfallsreich und
modern in ihrem historischen Rahmen zeigt. Witzig das „Ballett“ der Kriegsbomber auf Drahtstäben, schön die weihnachtliche Illumination mit bunten Lämpchen, ergreifend die
angedeutete Misshandlung Tommys von Uncle Earnie und seinen Abbildern auf einer Fetisch-Drehscheibe (der umfunktionierten Weihnachtstafel), belebend die impulsiven
Tanzszenen (wie bei „Pinvall Wizard“ und „Sensation“; Choreografie: Drew McOnie) und schön die stets der Zeit entsprechenden Kostüme von Eva Weinmann.
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The Who’s Tommy English Theatre Frankfurt Tommy (Leo Miles) und Ensemble © Bobby Anders
Das Trauma von Tommy steht für McBryde für das Trauma Großbritanniens nach dem 2. Weltkrieg. Aus dem ist das Land zwar als Sieger hervorgegangen, aber viele Ortschaften
wurden von deutschen Bombern zerstört, markiert die Zeit zudem einen Wendepunkt der ehemaligen kolonialen Großmacht zu einem problembeladenen Staat, der sich zunehmend
isoliert (immerhin ist der EU-Staat bis heute nicht der Eurozone beigetreten). Dazu sieht er auch Parallelen zu uns heute, wie beispielsweise die Fluch in digitale Scheinwelten.
Die Bühne von Diego Pitarch (der am English Theatre auch längst kein Unbekannter mehr ist), zeigt ein detailverliebtes Abbild der Harfield Gardens, einer kleinen Straße im westlichen
London (in der die Familie Walker wohnt). Die Spuren des 2. Weltkrieges sind unverkennbar, denn die Backsteinbauten sind noch nicht wieder aufgebaut. Der Ruß klebt noch an ihnen
. Es ist eine düstere Trümmerlandschaft, die Assoziationen zu Gotham City oder der Adams Family weckt (Lichtdesign: Ben Cracknell). Im Hintergrund gibt eine große Öffnung, die
multipel genutzt wird (als runde Projektionsfläche, Spiegel und für effektvolle Auf- und Abtritte). Den Boden ziert großflächig ein schäbiges Abbild des Union Jack (der britischen
Nationalflagge). Auf einer Galerie befindet sich eine weitere runde Projektionsfläche (auf der u.a. Kriegsszenen, Londonimpressionen, surrealistisch anmutende Traumbilder und ein
Datumsticker gezeigt werden; Video: Tapio Snellman). Dort oben sitzt leicht versteckt auch die fünfköpfige Band, die unter der Leitung von Thomas Lorey für einen kräftigen, satten
und rockigen Sound sorgt. Viele akustische Spezialeffekte, wie Kriegsgeräusche, Herzschläge und zersplitternde Spiegel (Sounddesign: Stephan Weber / David Horn) reichern die
Musik an (und übermalen sie mitunter, wie bei der „Ouvertüre“, die der Rückblende wegen nach „It´s a Boy“ gespielt wird).
Tommy ist auch hier in drei Altersstufen zu erleben, wobei er als deutliches Merkmal seiner Behinderung fast die ganze Zeit über gesichtslos ist (also eine Maske trägt). Als
erwachsener Tommy gibt Leo Miles diesem ein ganz eigenes Profil. In einem roten Rollkragenpulli ist er äußerlich zwar „zugeknöpft“, aber gerade im 2. Akt kann er stimmlich umso
freier auftrumpfen. Kimmy Edwards erhielt für ihr intensiv gegebenes Lied „Acid Queen“ als Zigeunerbraut unterm großen schwarzen Liebeszelt den ersten Zwischenapplaus. Als
treu sich um ihren Sohn bemühende Eltern gefallen Natalie Langston (Mrs Walker) und Mark Powell (Captain Walker). Jamie Tyler gibt einen einzigartigen schrägen Uncle Ernie,
Giovanni Spanó einen ungezügelten Cousin Kevin. Wobei die meisten Darsteller mehrfach besetzt sind, also noch andere Rollen spielen. Wie vor allem die anderen Beteiligten (Jemma
Alexander, James Ballanger, Kimmy Edwards, Shimi Goodman, Katy Hard, Simon Hardwick und Callum Train).
The Who’s Tommy ist dank Regisseur Ryan McBryde weit mehr als nur eine schöne Nummernfolge, sondern künstlerisch perfekt aufbereitetes Musiktheater, das zudem mit großen
Hits aus der goldenen Zeit des Rock glänzt. Auf der Bühne des größten englischsprachigen Theaters auf dem Kontinent ist es noch bis zum 12. Februar 2012 zu erleben (an den
Adventsamstagen 2011 gibt es zusätzliche Nachmittagsvorstellungen).
Markus Gründig, November 11
Infos zum Stück
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