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Musical Besprechungen: Teil 10
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Best of Musical Gala 2010 Besuchte Vorstellung: 9. März 10 (Festhalle Frankfurt/M)
Eine Musicalgala findet immer ihr
Publikum, sei es eine Musicalgala in einem Hotelsaal, auf einem Schiff oder in einem Stadttheater. Die Produktionen fallen dabei jedoch sehr unterschiedlich aus. Von lediglich bemüht, bis hin
zu einfach nur perfekt. Wenn nun die Stage Entertainment mit acht der angesagtesten Sänger des Genres in die größten Hallen der Republik zieht und somit nach eigenem Bekunden die größte
Musical-Gala Europas (mit ausschließlichen Highlights der Original-Musicals) präsentiert, sind die Erwartungen hoch. Um den Abend zusammenzufassen: Sie werden nicht enttäuscht! Die Show
begeistert und fesselt vom ersten Augenblick an, weil einfach alles perfekt stimmt: Großartige Darsteller, ein fantastisches Tanzensemble (die ausgefallenen Choreografien stammen, wie die
Gesamtregie, von Jani Walsh-Weber), ausgefallene und bezaubernde Kostüme (Reto Tuchschmid, oftmals aus den Originalshows) und dazu ein in der großen Showbühne versenktes Live-Orchester (mit
Bernhard Volk als leidenschaftlicher musikalischer Leiter). Das Bühnenbild von Jürgen Schmidt-André sorgt mit dem passenden Lichtdesign von Manfred „Ollie“ Olma immer wieder für
stimmungsvolle Atmosphäre (es werden stets an die Originalinszenierung angedeutete Bilder eingeblendet). Erfreulich ist auch, dass fast alle Songs in Deutsch gesungen werden.
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Best of Musical Gala 2010 We Will Rock You DMJ und Willemijn Verkaik Foto: Markus Gründig
Das Programm der „Best of Musical Gala 2010“ ist zwei geteilt: Im ersten Akt stehen unvergessene, im 2. Akt aktuelle Musical-Hits im Mittelpunkt. Wobei das nur ein loser
Aufhänger ist und keinesfalls zu eng gesehen werden darf. Das wird schon bei der Eröffnungsnummer „Lass den Zauber entstehn“ aus dem 70er-Jahre Musical „Pippin“
deutlich. Denn diesen Song dürften die wenigsten Besucher schon kennen (da sind noch eher die „Pippin“-Songs „With You“ oder „Morning Glow“ von diversen Sängerporträt
-CDs bekannt). Als Einstimmung eignet sich das Lied vor allem vom Text her „Lass den Zauber entstehen, wir verführen Dich mit Magie…Irgendwann erkennst du dann das
Wunder der Fantasie“. Vom musikalischen Drive her könnte man sich gut auch eine schmissigere Eröffnungsnummer vorstellen. Dabei sind die Darsteller von Anfang an dabei,
die 4. Wand zu überwinden und begrüßen so schon bei dieser groß angelegten Ensemblenummer per Handschlag und mit strahlendem Lächeln einzelne Besucher auf ihren Plätzen.
Das Musical „Chicago“ erhielt durch die (noch weiterhin laufende) Broadway-Revival-Produktion von 1996 einen weltweite Fangemeinde. Im Jahr 2002 sorgte die grandiose
Verfilmung von Rob Marshall (mit Stars wie Catherine Zeta-Jones, Renée Zellweger, Richard Gere und Queen Latifah) für Furore. Bei der „Best of Musical Gala 2010“ wird der
„Zellenblocktango“ nicht nur als verführerischer Tanz heißer Damen gezeigt, die gefallenen Engel in heißen Strapsen erzählten halbszenisch ihre jeweilige Mördergeschichte.
„West Side Story“ ist sicherlich einer der populärsten Musicalklassiker (eine spannende Neuinszenierung steht zudem im April am Theater Magdeburg an). Gleichwohl sind die
Melodien und Lieder vielen bekannt, nicht zuletzt von Aufnahmen mit absoluten Weltstars. An dieses Niveau kann Patrick Stanke bei „Maria“ noch nicht ganz anschließen, fehlt es
doch noch an Strahlkraft bei den hohen Tönen. Doch dafür kann er dann als Saal-Einheizer und als Big Bopper mit „Chantilly Lace“ aus „Buddy – Das Buddy Holly Musical“ umso
mehr auftrumpfen und sorgte mit seiner sympathischen Art auch als Edna Turnblad („Hairspray“) für einen nachhaltig starken Eindruck.
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Best of Musical Gala 2010 Sister Act: “Spread the love around” mitte: Pia Douwes (li), Elisabeth Hübert (re) und Ensemble
Foto: Markus Gründig
Das Musical Sunset Boulevard war von Dezember 1995 bis Juni 1998 im Rhein-Main-Theater in Niedernhausen als Großproduktion zu sehen. Andrew Lloyd Webbers
dramatische und suggestiv wirkende Melodien haben von ihrem Reiz indes nichts eingebüßt und so dürften sich viele Besucher in der Frankfurter Festhalle gerade über die
beiden gebotenen Nummern gefreut haben. Zunächst hatte der smarte Mark Seibert sein erstes Solo mit dem Titelsong „Sunset Boulevard“, den in Niedernhausen zuerst Uwe
Kröger interpretiert hatte. Seibert passt diese Rolle wie angegossen, vielleicht ist er ja im November in Magdeburg dabei, wenn sich dort der Vorhang für die erste
Stadttheaterproduktion dieses Musicals hebt.
Über Pia Douwes zu schreiben, gleicht Eulen nach Athen zu tragen. Die Grande Dame des Musicals überzeugt einfach in jeder Nummer, sei es als Männer verschlingende
Mörderin in „Chicago“, als Stummfilmdiva Nora Desmond, als nervende Fernsehtussi in „Ich war noch niemals in New York“ oder als schlichte Brooklyn im gleichnamigen Musical
(mit dem einst von Eden Espinosa gesungenen Song „Once Upon A Time“, der wohl extra für sie in dieses Programm eingefügt wurde).
Willemijn Verkaik stand noch am Tag vor der ersten Frankfurter „Best of Musical Gala“ in Oberhausen bei der Premiere von „Wicked – Die Hexen von Oz“ auf der Bühne des
Metronom Theaters. Dass sie viel mehr als grüne Hexe Elphaba kann, bewies sie hier mit großer Wandlungsfähigkeit u.a. als Sommergirl (mit „Do you love me?“ aus „Dirty
Dancing“) und als Killer Queen (mit „Another one bites the dust“ aus „We Will Rock You“).
Elisabeth Hübert ist ebenfalls weit mehr als die Jane, mit der sie in der Hamburger Produktion von Disneys Musical „Tarzan ®“ glänzt. Wie Anton Zettelholm ist auch sie aus der
SAT.1 Castingshow „Ich Tarzan, du Jane“ als Sieger hervorgegangen. Zettelholm schwingt sich auch in der Frankfurter Festhalle überaus sportlich und singend von einem
Urwaldbaum herab, vermittelt mit „Rave on / Oh boy“ aus „Buddy“ aber auch melancholische Stimmung, während er an der Seite von Mark Seibert am Marterpfahl („Der Schuh
des Manitu“) wieder für Komik sorgt. David-Michael Johnson, kurz DMJ, machte sich bereits als Brit in „We Will Rock You“ einen Namen, hier begeistert er beim Eröffnungssong
„Lass den Zauber entstehen“ und in „Er lebt in dir“ aus Disneys „Der König der Löwen“. Nicht zu vergessen ist die charismatische Ana Milva Gomes, die als feurige Latina in
„West Side Story“ zeigt was es heißt in „America“ zu leben, mit "Dir gehört mein Herz" das Herz erwärmt und mit Ausblick auf die neue Musicalsensation „Sister Act“ selbst in Nonnentracht mitreißt.
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Best of Musical Gala 2010 Zugabe: „Hinterm Horizont geht’s weiter” v.l.n.r. Ana Milva Gomes, Pia Douwes, Mark Seibert
Foto: Markus Gründig
Am Ende Standing Ovations und als Zugabe den Titelsong aus dem im November in Berlin startenden Udo Lindenberg Musical „Hinterm Horizont geht’s weiter“. Ist auch die
diesjährige „Best of Musical Gala“ Tournee inzwischen beendet, eine Neuauflage dieser großartigen Show wird hoffentlich in 2011 folgen (dann vielleicht mit Ausschnitten aus
den angesagtesten allerneusten Musicals, wie Andrew Lloyd Webbers “Love Never Dies” , Andrew Lippas “Addams Family” oder Green Days “American Idiot”). Wer die
diesjährige “Best of Musical Gala” versäumt hat kann Pia Douwes gemeinsam mit Annika Bruhns auf der “Still Friends”- Tour im März und April 10 in ausgewählten Städten erleben.
Markus Gründig, März 2010
Infos zur Best of Musical Gala 2010
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Jesus Christ Superstar Katakombe, Frankfurt/M Besuchte Vorstellung: 24. Februar 10 (Premiere)
Am 23. Februar 2010 begannen im
Londoner Adelphi Theatre die Voraufführungen (Previews) des neuesten Musicals von Andrew Lloyd Webber: «Love Never Dies». Es ist die Fortsetzungsgeschichte seines Musicals «Das Phantom der
Oper», das 1986 seinen Siegeszug um die Welt antrat. 15 Jahre davor, im Jahr 1971, feierte Webbers Musical «Jesus Christ Superstar» seine Premiere, das seitdem ebenso wie das «Phantom» zum
populären Musicalkanon gehört (von Webber wird es gar als «Rock-Oper» bezeichnet). Mit diesem Stück, das im Rhein-Main-Gebiet zuletzt im Sommer 2007 bei den Burgfestspielen Bad Vilbel zu
sehen war, bereichert die Frankfurter Katakombe ihre aktuelle Jubiläumsspielzeit (die stolze 50.).
Jesus Christ Superstar Katakombe, Frankfurt/M
Judas (links: Biagio Spatola), Maria (Christine Richter) und Jesus (links: Raphael Dörr) Foto: Katakombe Frankfurt
Dabei ist die letzte Musicalpremiere der Katakombe erst vier Monate her, im Oktober gab es bereits ein christliches Musical: «Martin L.» Das wurde in der Frankfurter Alten
Nikolaikirche gespielt. Von sakraler Atmosphäre ist dagegen in den Räumen der Katakombe (einem ehemaligen Kino) nichts zu spüren. Dafür Theaterluft pur: die Zuschauer
sitzen in diesem 100-Plätze-Theater nahe an der Bühne, teilweise sogar auf ihr. Der Raum mit seinen offenen, schwarzen Wänden erinnert an New Yorker Off-Off
Broadwaytheater. Hier, mit kleinem Ensemble, ein solch großes, durchkomponiertes Musical zu präsentieren ist schon mutig (Konzeption für die Katakombe: Marcel Schilb und
Carola Moritz). Mit großer Spiel- und Singfreude meistern die zwei Damen und die sechs Herren diese Herausforderung jedoch hervorragend. In der Inszenierung von Carola
Moritz wird überwiegend auf leerer Bühne gespielt. Was bei der Eröffnungsnummer noch etwas zaghaft wirkt, wandelt sich schnell zu einer erfrischenden, zeitgemäßen
Umsetzung. Jesus Christ Superstar ist hier ein moderner Typ, dessen Tod zum Medienereignis stilisiert wird (und bei dem am Kreuz dann ein kleines Meer von Blumen,
Stofftieren, und Teelichtern der Jünger Trauer widerspiegelt).
Raphael Dörr gibt den Jesus mit starkem Charisma und Format (besonders innig sein «Gethsemane»). Im kurzen Rock und roten Stiefeln verkörpert Christine Richter eine leicht
laszive Maria Magdalena, die später aber auch anrührend ihr «Wie soll ich ihn nur lieben» singt. Mit seinem Vollbart und Wollmütze verkörpert Biagio Spatola als Judas am
stärksten einen Juden, ganz so als sei er einer Zeichnung Kees de Korts entsprungen.
Ein Live-Orchester gibt es nicht, aber auch keine Konserven. Mit Ulrich Jokiel wurde ein Allroundtalent engagiert, der in Frankfurt schon in der Komödie und im Fritz-Remond
-Theater zu erleben war: auf der Bühne, am Piano und als musikalische Leiter. So hat er hier nicht nur die musikalische Leitung inne und spielt das einzige Keyboard, sondern
gleichzeitig auch die Rolle des Hohepriesters Annas. Wie die meisten Beteiligten Mehrfachrollen übernehmen und so mal Partygäste, Handwerker, Reporter oder Geschäftsleute
mimen (mit dabei sind noch Ben Engel, Michael Jackl, Carola Moritz und Jan Reimitz).
Die gegenwartsbezogene Kostüme (Schals mit JCS Initialen auf Alltagskleidung, Blaumannanzug für die Handwerker, Discohemd, Glanzanzug und Glitterjacket für die
«Superstar-Szene») stammen von Marie-Luise Macey. Fast schon ein wenig trashig wird «Herodes´Song» dargeboten, mit einer fetzigen tänzerischen Einlage (Choreographie: Jan Reimitz).
Jesus Christ Superstar an der Katakombe Frankfurt besticht gerade durch den Verzicht auf alles Spektakuläre und wirkt durch den intimen Rahmen besonders eindringlich
(zumal ohne Verstärkung von Mikrophonen gesungen wird).
Markus Gründig, Februar 10
Infos zum Stück
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English Theatre Frankfurt: 30 Years of Entertainment ~ Musical Revue für Sponsoren und Freunde English Theatre Frankfurt, 31. Januar 10
30 Jahre jung ist das English Theatre Frankfurt. Gegründet von Kevin Oakes, Jon Johnson, Mary Jackson und Ken Elrod, wurde die erste Spielzeit 1979/1980 des damals noch unter „“Café
Theater” firmierenden Hauses in Frankfurt Sachsenhausen gegeben. 1980 kam Judith Rosenbauer zum Ensemble, bald übernahm Sie auch die Leitung. Sie führte das Haus über 20 Jahre, zu zuvor
ungeahnter Größe: über die Spielstätten in der Hamburger Allee und in der Kaiserstrasse bis kurz vor den Umzug zur gegenwärtigen Spielstätte im Galileohochhaus. Im Jahr 2002 übernahm der
jetzige Intendant, Daniel John Nicolai, die Leitung. Seitdem wird das Theater als gemeinnützige GmbH geführt. Die gute Stimmung im Team spiegelt sich in der sagenhaft positiven Resonanz beim
Publikum wider, ist das English Theatre Frankfurt doch mittlerweile ein nicht mehr weg zu denkender Bestandteil des kulturellen Angebots im Großraum Rhein-Main.
In der ersten Dekade
wurden ausschließlich Theaterstücke gespielt. „A Slice of Saturday Night“ war das erste Musical, es wurde in der Saison 1990/1991 gespielt. Seitdem haben Musicals einen festen Platz im
Spielplan des Theaters. Den Rekord stellte in der Saison 1997/1998 das Musical „Rocky Horror Show” auf, es lief neun Monate bei ständig ausverkauftem Haus. Neben den Musicals als
Publikumsmagneten spielen aber auch die Sponsoren und Freunde des Theaters eine immer wichtigere Rolle. Auch auf diesem Gebiet kann das größte englischsprachige Theater auf dem Kontinent eine
stolze Bilanz ziehen. Dank des großen Einsatzes, hier sei vor allem die charmante, gebürtigen Wienerin, Ulrike M. Jefcoat (Head of Marketing) genannt, engagieren sich nicht nur die Städte
Frankfurt und Eschborn und die Commerzbank AG als Hauptsponsor, sondern viele weitere namhafte Firmen und Bürger für dieses Theater.
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English Theatre Frankfurt: 30 Years of Entertainment ~ Musical Revue für Sponsoren und Freunde Sonya Kraus (Mitte) und Cast des Musicals “The Full Monty” Foto: Markus Gründig
Jetzt war für das English Theatre Frankfurt Zeit, sich einmal bei den Sponsoren und Freunden mit einer ganz besonderen Vorstellung zu bedanken: einer Musicalrevue mit
Liedern aus allen bisher gezeigten Musicals. Bedingt durch die Vorstellungen von „The Full Monty“ fand diese Feier an einem Sonntagnachmittag statt, der Spiel und
Sangesfreude der Darsteller tat dies aber keinen Abbruch und auch dem Publikum gefiel das 90-minütige Programm außerordentlich gut. Das Team um Thomas Lorey
(Musikalischer Leiter) und Emma Kelly (Choreographie) hatten sich gehörig ins Zeug gelegt. Viel zu schade, dass es bei dieser einen Vorstellung bleiben soll. Die 24 (!) Songs
wurden mit viel Liebe, ideenreich und oftmals mit ausgefallenen Choreographien dargeboten. So gab es selten zu sehende Charleston-Tanzschritte bei „Won´t You Charleston
With Me“ aus dem Musical „The Boyfriend“ (gesungen und getanzt von Julia J. Nagle und Oliver Brenin). Ein Klassiker des Musicaltanzes bildet mittlerweile Bob Fosses
Gruppenchoreografie zu „All that Jazz“ aus dem Musical „Chicago“, die hier unter Führung von Emma Kelly gezeigt wurde.
Jeder der vorgetragenen Songs bildete ein Juwel für sich. Wobei Tom Gilling im Frank ‘N’ Furter Kostüm inklusive High Heels das Publikum am meisten zum toben brachte, aber auch Valda Aviks mit ihrer Interpretation von „When You´re Good To Mama“ (aus „Chicago“). Für anrührend leise Momente sorgten unter anderem Matthew Hendrickson (mit „Mr.
Cellophane“ aus „Chicago“) und Lucy (mit „Maybe ThisTime“ aus „Cabaret“).
Seasons Of Love (Rent) und „Let The Sun Shine In“ (Hair) beendeten diesen großartigen Nachmittag, den als besonderes Bonbon (neben den exquisiten Speisen vom
Intercontinental Hotel) die Schauspielerin und Talkmeisterin Sonya Kraus charmant, galant und strahlend moderierte.
Markus Gründig, Februar 10
Liste der Musicals im English Theatre Frankfurt:
Season 2009/2010: The Full Monty Season 2008/2009: Little Shop of Horrors (x2) / Hair Season 2007/2008: Five Guys Named Moe Season 2006/2007: City of Angels / Seussical (x1) Season 2005/2006: Rent Season 2004/2005: Cabaret Season 2003/2004:
Jesus Christ Superstar / Kat and the Kings
Season 2002/2003: - Season 2001/2002: Spend Spend Spend Season 2000/2001: Return to the Forbidden Planet Season 1999/2000: La Cage Aux Folles Season 1998/1999: Kat and the Kings Season 1997/1998: Rocky Horror Show
Season 1996/1997: Sweet Charity Season 1995/1996:
Blood Brothers / Ain´t Misbehavin Season 1994/1995: A Slice Of Saturday Night / Little Shop of Horrors Season 1993/1994: Chicago Season 1992/1993:
The Boyfriend Season 1991/1992: Blood Brothers Season 1990/1991: A Slice of Saturday Night Season 1989/1990: - Season 1988/1989: - Season 1987/1988: - Season 1986/1987: -
Season 1985/1986: - Season 1984/1985: - Season 1983/1984: - Season 1982/1983: - Season 1981/1982: - Season 1980/1981: - Season 1979/1980: -
(x2) Produktion der Theatre Unlimited Performing Company (x1)
Produktion des English Theatre Frankfurt Drama Club
www.english-theatre.org
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The Full Monty English Theatre Frankfurt Besuchte Vorstellung: 6. November 09 (Premiere)
Der Großteil der Musicalbesucher sind
Frauen. Wenn es in einem Musical dann auch noch über eine Gruppe gestandener Männer geht, die professionellen Strippershows Konkurrenz machen wollen, in dem sie „Alles“ zeigen, ist eigentlich
klar, dass dieses Musical ein Selbstläufer sein muss. Insoweit ist es schon verwunderlich, dass die erste Aufführung des Musicals „The Full Monty“ in Deutschland erst jetzt, im November 2009,
also neun Jahre nach der Broadway-Premiere, erfolgte.
Das English Theatre Frankfurt, das größte englischsprachige Theater auf dem europäischen Festland, krönt damit seine Jubiläumsspielzeit (30 Jahre). „The Full Monty“ basiert auf dem
gleichnamigen britischen Film von 1997. Das Musical (Buch Terrence McNally), im Jahr 2000 im Old Globe Theatre in San Diego uraufgeführt, verlegt die Handlung vom britischen Sheffield in die
US-amerikanische Stadt Buffalo, einst ein bedeutender Standort der Stahlindustrie. In der Banken- und Dienstleistungsstadt Frankfurt wurde für diese Produktion im English Theatre ein
imposantes, in die Jahre gekommenes Stahlwerk auf die Bühne gezaubert (Bühne: Diego Pitarch). Bei der schon mächtig Eindruck schindenden Eröffnungsszene können die Zuschauer den Prozess der
Stahlherstellung beobachten. Hier raucht und zischt es, während das heiße Roheisen in die Bodenfugen abgelassen wird. Thomas Lorey unterstreicht als musikalischer Leiter bereits bei der
Ouvertüre den jazzigen Charakter der Pop-Rock-geprägten Musik von David Yazbek. Dazu beweist sich dieses Einheitsbühnenbild auch als äußerst wandlungsfähig, mit wenigen Mitteln wird es zum
Tanzsaal mit Discokugel, heimischen Wohn- und Schlafzimmer, Backstage- und Showbühne, bis hin zum Friedhof. Die vielen Bildwechsel erfolgen überaus fließend, Personal in dicken Schutzanzügen
(Kostüme: Constanze Walldorf) hilft bei den Umbauten (ebenso ein fast ständig im Betrieb befindliches Laufband, das sich quer über die Bühne zieht).
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The Full Monty English Theatre Frankfurt “Hot Metal” Foto: Anja Kühn
Die Faszination dieser Show liegt in den unspektakulären Alltagstypen, die mit ihren kleinen oder größeren Schwächen für Sympathie sorgen. Regisseur Ryan McBryde leistete
wieder einmal ganze Arbeit, mit gutem Gespür die Balance zwischen Ernst und Witz zu halten.
In Zeiten der aktuellen weltweiten Rezession besitzt das Stück eine zusätzliche Aktualität, auch wenn im Musical allein die Männer die Arbeitslosen sind und die Frauen im
Geschäftsleben erfolgreich ihren Mann stehen.
Casting Dircetor Amy Rycroft bewies wieder einmal ein gutes Gespür für rollengerechte Typen, denn die Auswahl der, überwiegend britischen, Darsteller ist als äußerst
gelungen zu beurteilen. Als der wegen ausstehender Alimentzahlungen um sein Besuchsrecht bangende und deshalb die Show organisierende Jerry, hat Mark Powell die
größte Rolle und trumpft bereits mit seinem ersten Song „Man“ auf und berührt mit seinem Wiegelied „Breeze Off the River“. Mit intensiver Präsenz und rundum guten Stimmen
spielen sich aber auch alle anderen Darsteller von Szene zu Szene in die Herzen der Darsteller: Sei es Muttersöhnchen Malcolm (Kristopher Milnes), der Liebesglück mit dem
zwischen den Lenden gut ausgestatteten Ethan (Oliver Brenin) erfährt (herrlich sentimental ihr auf Mollys Beerdigung gesungenes Duett: „You Walk with Me"), oder der wegen
seiner Leibesfülle mit seiner Frau nicht mehr intim werden könnende Dave (Tom Giling), bis hin zu Harold (Matthew Hendrickson), der seit Monaten seiner ihn unendlich liebenden
Ehefrau die Arbeitslosigkeit verschweigt. Mit dem muskulösesten Körper wartet der auf alt getrimmte Adé Sapara in der Rolle von Noah („Horse“) auf. Ein Highlight für sich stellt
Valda Aviks in der Rolle der in die Jahre gekommenen, liebenswert schrulligen Bühnendiva Jeanette dar.
Bis am Ende „The Full Monty“ gezeigt wird, vergehen die knapp drei Stunden (inkl. einer Pause) im Fluge. Dank makelloser,jugendfreier Unterhaltung mit leisen sozialkritischen
Tönen und Mut stiftender Perspektive in die persönliche Zukunft.
Markus Gründig, November 09
Infos zum Stück
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Martin L. Die Katakombe Frankfurt in der Alten Nikolaikirche am Römerberg BesuchteVorstellung: 20. Oktober 09 (Premiere)
Edgar Allan Poe, Kaiserin Elisabeth, Ludwig II, Buddy Holly, Falko, aber auch Bonifatius, Elisabeth von Thüringen bis hin zu Jesus Christus: schon oft wurde über Leben historischer
Persönlichkeiten ein Musical geschrieben. So wundert es nicht, dass es auch ein Musical über Martin Luther, den großen Kirchenreformator, gibt. Ungewöhnlich ist höchstens, dass dieses Musical
von einem norwegischen Autorenduo stammt und erst im vergangenen Jahr in Erfurt uraufgeführt wurde.
Martin L. Die Katakombe Frankfurt Martn Luther (li., Jürgen Amonath) und Jörg (re., Markus Dinhobl) Foto: Die Katakombe Frankfurt
In Erfurt wurde das Musical, das respektvoll wichtige Stationen Martin Luthers skizziert (nebst dazu erfundener Liebesgeschichte), groß im Rahmen der dortigen Domfestspiele
inszeniert. In Frankfurt ist es in einer speziell für Kirchenaufführungen zugeschnittenen Fassung zu sehen. Das hat Vor- und Nachteile. Die Produktion der Frankfurter
Katakombe (in Zusammenarbeit mit der Evang.-luth. St. Paulsgemeinde und der Ev. Kirche in Hessen und Nassau) lebt in erster Linie von ihrer Unmittelbarkeit. Denn gespielt wird
in der kleinen Alten Nikolaikirche, die Bestuhlung ist für diese Aufführung kreuzähnlich angeordnet. Die Handlung läuft überwiegend vor dem Altarraum und in den Gängen.
Große Nebenräume für die zahlreichen Kostümwechsel gibt es nicht, diese erfolgen hinter abgehängten Bereichen. So hat das Ganze schon vom Formalen her einen
besonderen, intimen Charme. Dazu geben die neun Darsteller über 20 Rollen, viele sind also in Mehrfachbesetzung zu erleben. Die vielen Szenen laufen schnurlos ab, da sitzt
jeder Auftritt. Was hier nicht so einfach ist, da ja von allen vier Seiten aus gespielt wird.
Vorteilhaft ist auch die räumliche Umgebung, da allein durch den Kirchenraum eine sakrale Stimmung und Bühnenlandschaft gegeben ist, die nicht viel mehr benötigt. Dazu gibt es
eine stimmungsvolle Ausleuchtung und einen hervorragenden Sound (beides Folker Seipelt). Das Musical beginnt hier im heute, denn die Protagonisten tragen zunächst moderne
Alltagskleidung. Erst langsam kommen historische Kostüme und Gewänder hinzu, die Überleitung zum Historischen wird dadurch immer dichter (Kostümstudio: Marie-Luise
Macey). Wobei bei der großen Papstszene auch nicht vor modernen Showkostümen zurückgeschreckt wird, mit Fummel, Glitter und Sonnenbrillen. Und selbst Tanzszenen
werden geboten, wie bei der großen Ensemblenummer „Was für ein prächtiger Tag“ (Choreographie: Vivien van Deventer). Regisseurin Carola Motitz zeigt ein großes Gespür
an richtigem Timing und sorgt für spannende, pausenlose, 1 3/4 Stunden Spieldauer.
Die musikalische Begleitung kommt vom Band, dabei sind überwiegend eintönige Synthesizerklänge zu hören, die das Musical unter Wert wiedergeben. Übertrumpft wird dies
jedoch durch die guten Stimmen (auch wenn manchem Sänger in der Höhe mitunter etwas die Luft ausging). Jürgen Amonath überzeugt in der Figur des wahrheitssuchenden
Martin L. und gibt der Rolle ein großes Maß an Authentizität. Sein stets alles hinterfragender Alter Ego „Jörg“ (unter dem Pseudonym Junker Jörg lebte Luther inkognito auf der
Wartburg) wird von Markus Dinhobl mit mephistofischem Spaß gegeben. Felicia Groh bezirzt als Ursula mit Anmut und Liebreiz.
Der Parforceritt durch die wichtigsten Lebensstationen Martin Luthers (Gewitter, Reichstag zu Worms, Bibelübersetzung, Bauernkriege) verdeutlicht, wie wichtig es auch heute
noch ist, Unrecht beim Namen zu nennen und den Blick auf das Wesentliche nicht zu verlieren. Dem Team der Katakombe ist es gelungen, dies sogar noch unterhaltsam zu vermitteln. Bravo!
Markus Gründig, Oktober 09
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Kiss Me, Kate Staatstheater Wiesbaden Besuchte Vorstellung: 11. Oktober 09 (Premiere)
Broadwayfeeling in Wiesbaden
1948 in Philadelphia uraufgeführt, erlebte „Kiss Me Kate“ seine deutschsprachige Erstaufführung sieben Jahre später in Frankfurt/Main (Städtische Bühnen, Kleines Haus), wo es
zuletzt im Jahr 2002 in der Komödie (mit Petra Constanza und Hardy Rudolz) zu sehen war. Nun ist das Stück in einer nahezu broadwayreifen Inszenierung am Staatstheater Wiesbaden zu erleben:
13 Darsteller, 8 Tänzer, dazu noch ein großer Chor und Statisterie, sorgen für eine glänzende Musicalproduktion, die dieses Musicalurgestein behutsam in die Neuzeit transferiert. Beim
furiosen Schlussbild sind über 60 Personen auf der Bühne zu zählen. Doch allein schon der Auftakt weckt Erinnerungen an große Musicalshows wie „A Chorus Line“ oder „42nd Street“. Auf der
leeren Bühne fangen die Darsteller an sich zu strecken und zu recken, die Tänzer machen sich warm und legen los. Mit dem Openingsong „Premierenfieber“ überträgt sich bereits der sagenumwobene
Bühnenzauber, die Spannung und das Fieber vor der Show direkt in den Publikumsaal, selbst auf weit hinten liegende Sitzplätze. Großartig auch die Eröffnungsnummer „Es ist viel zu heiß“ im
zweiten Teil (mit Simone Brähler als Inspizientin). Hier sorgt das aufreizende Tanzensemble für prickelnde Momente, wobei etwas mehr Sinnlichkeit anstelle von extrem hohen Tempo auch nicht
schlecht wäre (Choreografie: Andrea Heil).
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Kiss Me, Kate Staatstheater Wiesbaden Lilli Vanessi (Annette Luig) und Fred Graham (Dirk Schäfer) Foto: Staatstheater Wiesbaden
Dass die vielen Beteiligten auf der Bühne locker Platz haben, liegt auch an dem nüchternen, ja nahezu leeren Bühnenbild von Florian Etti. Abgesehen von zwei Holzkisten, einem
Tisch und einem Klavier ist die Bühne die ganzen drei Stunden über eine leere Fläche. Allein durch zwei unterschiedliche Arten von Bühnenprospekten wird ein Unterschied
deutlich, ob es sich gerade um eine Szene auf oder hinter der Bühne handelt. Für Szenen auf der Bühne gibt es nur großflächige, pastellfarbene Prospekte, für Szenen hinter
der Bühne stimmungsvollere Ansichten eines roten Vorhangs und einer dunkelbraunen Theaterrückwand. Umso origineller sind die historisierenden Kostüme für die
Schauspieler (auch Florian Etti), die an Shakespeares Zeit erinnern.
Regisseurin Iris Gerath-Prein zeigt diesen Klassiker, der mit seinem traditionellen Frauenbild durchaus mit einer gewissen Patina behaftet ist, als zeitloses Stück. Natürlich nicht
als ein Stück pro Patriarchat oder als Emanzipationsstück, aber als eine zeitgemäße Form für eine beständigere Partnerschaft. Am Ende kehrt Lilli zu ihrem Fred zurück, macht
ihm aber auch unmissverständlich deutlich, dass er auch künftig mit ihrer widerspenstigen Art zu rechnen hat.
Mit Annette Luig als Lilli Vanessi (Katharina) und Dirk Schäfer als Fred Graham (Petruchio) bietet das Staatstheater Wiesbaden ein hochkarätiges und rasend streitendes
Traumpaar, das auch gesanglich vortrefflich harmoniert und glänzt. Mit ihrem „Schlag nach bei Shakespeare“ avancieren die beiden Ganoven (Eric Biegel und Klaus
Krückemeyer), die bei Fred seine vermeintlichen Spielschulden eintreiben wollen, zu Publikumslieblingen.
Das Stück wird komplett in Deutsch gegeben (mit stets guter Aussprache), in der neuen Übersetzung von Susanne Felicitas Wolf, die erstmals im vergangenen Jahr bei der
Produktion der Komischen Oper Berlin zu hören war. Zu Gehör kommt die Orchestration von Don Sebesky, die für das Broadwayrevival 1999 geschrieben wurde. Am Pult des
Staatsorchester Wiesbaden sorgt Wolfgang Wengenroth dafür, dass Cole Porters Hits mit viel Schmiss gespielt werden. Manch Lieder werden gar leise vom Publikum
mitgesummt („wie z.B.“Wunderbar“).
Markus Gründig, Oktober 09
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Der Skandal Showbühne Mainz Besuchte Vorstellung: 3. Oktober 09
Vor zehn Jahren überraschten die Showstoppers im Hattersheimer Posthofkeller mit ihrer Revue „Musical Konfusical“, bei der
bekannte Melodien mit neuen, oftmals satirisch bissigen Texten versehen wurden.
Sebastian W. Wagner, damaliges Mitglied der Showstoppers, gründete dann vor drei Jahren mit seiner Frau die Mainzer
Showbühne, ein Theater, dass ganz ohne staatliche Förderung auskommt. Hier hat er u.a. bereits drei selbstgeschriebene
satirische Revuen auf die Bühne gebracht. Vorläufiger Höhepunkt seines kreativen Schaffenstalents bildet „Der Skandal“, sein
erstes Musical, das in seinem familiär geführten Theater seine Uraufführung erlebte.
Es gibt wohl kaum ein Thema, das nicht schon im Musicalbereich bearbeitet wurde. Den wahrscheinlich größten Skandal in der
Baubranche zu thematisieren ist allerdings neu. Das junge Start-Up Unternehmen Investigating Media braucht bringend Aufträge
und hängt der International Buildings Association KG kurzerhand einen fetten Skandal an. Der Betrug fliegt natürlich schnell auf,
doch ist damit auch das Ende von Investigating Media besiegelt? Hier sei nur soviel verraten, dass Wagner mit einer
salomonischen Lösung überrascht, bei dem Hilfe aus einer ungeahnten Ecke eine wesentliche Rolle spielt.
Doch kann so ein Thema für einen unterhaltsamen Abend sorgen, wo schon die Medien tagein tagaus über alle möglichen
Skandale berichten und man bei einem Theaterbesuch eher in eine andere Welt versetzt werden möchte, als die nackte Realität
vorgespielt zu bekommen? Im ersten Akt lässt sich schon etwas daran zweifeln, zu bemüht und kopflastig kommt die
Geschichte daher, auch wenn die sechs Darsteller alles geben und in wilden Tanzszenen (Choreografie: Walter Baumilas)
durch ihre schlichtes Büro fegen. Doch im zweiten Akt ist alles anders. Regisseurin Sabine Koch sorgt für eine Wende. Der
Erfolg durch den Skandal sorgte für Geld in der Firmenkasse, die Schlabberkleidung wurde gegen schicke Kostüme und
Anzüge getauscht. Doch diese äußeren Veränderungen sind es nicht, die zählen, sondern dass jetzt alles ein Gang ruhiger
angegangen wird und auch das Herz der Zuschauer erreicht wird. Hier sind es vor allem Julia Heiser als Alessa Lechler und
Sabine Koch als Ihre Mutter Ricarda Lechler, die mit Ihren Balladen berühren. Carloin Isabelle Ruthig wandelt sich von der
oberflächigen, Mäusespeck futternden Programmiererin Tamara Luft zu einer verantwortungsbewussten reifen Frau. Plötzlich
geht es um viel mehr als nur um einen Skandal, es geht darum, seinen eigenen Weg zu finden, um Freundschaft und Liebe.
Meike Jeismann gibt die hintergangene Christina Zeltik, Bastian Korff den Ideenstifter Alexander Baier und Patrick Twinem den findigen Sicherheitsbeauftragten Alfred Wunderlich.
Wagners gute Laune Musik untermalt die Geschichte stimmig. Er spielt nicht nur am Klavier, sondern leitet auch das kleine Liveorchester, das für einen schmissigen Soundmix
aus Rock-, Pop und Jazzmusik sorgt. Grundweg hervorragend und ein Genuss war die sängerische Leistung, sei es bei den solo vorgetragenen Liedern, als auch bei den
kunstvoll arrangierten Chorsätzen. Am Ende rockte der Saal und die Hoffnung wuchs, dass sich auch so manches Problem im realen Leben lösen wird.
Markus Gründig, Oktober 09
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Cabaret Schauspiel Frankfurt (Bockenheimer Depot) Besuchte Vorstellung: 2. Okotber 09 (Premiere)
“Willkommen, bienvenue, welcome“
heißt es ab sofort im Bockenheimer Depot, allerdings nur bis zum 19. Oktober 09 (danach wird das Depot für andere Veranstaltungen benötigt). Dieses Willkommen bei der 2. Premiere unter der
neuen Intendanz von Oliver Reese heißt nicht nur, dass mit der Wiederbespielung des Bockenheimer Depots die Theatergemeinde sich über diesen außergewöhnlichen Ort freuen kann, sondern es ist
auch eine Einladung an den klassischem Theater fern stehenden Bürger, wieder Produktionen des Schauspiel Frankfurt zu besuchen. Das Musical „Cabaret“ hat im Raum Frankfurt schon eine
gewisse Tradition, war es hier in den letzten Jahren doch schon zweimal in Bad Vilbel (mit dem Theater Willy Praml in der Alten Mühle und bei den diesjährigen Burgfestspielen) und am English
Theatre Frankfurt zu erleben. Wenn sich nun das Schauspiel Frankfurt zum Saisonauftakt dieses Stückes annimmt, sind die Erwartungen natürlich hoch gesteckt, da das künstlerische Potenzial
hoch ist. Herausgekommen ist eine künstlerisch hochinteressante und dabei unterhaltsame Inszenierung, die viele Dinge in ungewohnter Art präsentiert, bei der die sängerischen Leistungen mit
den schauspielerischen und tänzerischen Hand in Hand gehen (diese aber nicht übertreffen).
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Cabaret Schauspiel Frankfurt Kit Kat Club Tänzerin (Irene Klein), Sally Bowles (Franziska Junge), Frl. Kost (Valery Tscheplanowa)
Foto: Sebastian Hoppe
Das Publikum sitzt sich auf zwei Tribünen gegenüber, in der Mitte befindet sich eine hölzerne Drehbühne, zu der zwei breite Stege führen, das sechs-Mann Orchester in
futuristisch ulkigen (Schlaf-) Anzügen, sitzt seitlich vor einem samtroten Vorhang. In den Zuschauerbereich hereinführende Lampenketten sorgen für eine warme
Clubatmosphäre, ein Ort zum Wohlfühlen.
Ein Schaffner (und späterer Conferencier im weißen Frack mit schwarzen Lackstiefeln) betritt die Bühne und illuminiert mit Rauch die Bahnfahrt, bei der sich Cliff Bradshaw und
Ernst Ludwig erstmals begegnen. Eine schöne Idee von Michael Simon (Regie und Bühne), von deren Art es bei dieser Produktion mehrere gibt und die beim Publikum gut
ankommen. Auch wenn die Geschichte hier mehr vom Spaßfaktor aus gezeigt wird als das Erwachen des Nationalsozialismus herauszustellen, wie bei der Produktion der
Burgfestspiele Bad Vilbel. Dementsprechend wurde das Stück auch auf pausenlose 1 ¾ Stunden gekürzt. Die Band „Theatermusikensemble“ unter der Leitung von Johannes
Bartmes sorgt für einen frischen Cabaret-Sound, abseits gewohnter Hörgewohnheiten. Kanders Musik wird dabei stark verfremdet, leicht verjazzt und leicht soulig gespielt.
Dazu passen die ausgefallenen und schrillen Kostüme von Janine Werthmann die die Kit Kat Club Girls tragen.
Gänzlich anders ist die Sally Bowles gezeichnet, nicht schwarzhaarig wie eine Liza Minelli, sondern fast engelhaft mit weißen Haaren (Franziska Junge). Frl. Schneider, die
Pensionswirtin, ist hier keine verhärmte alte Frau, sondern ein lebenslustiges Energiebündel, deren gute Laune ansteckend wirkt (Josefin Platt). Torben Kessler als Cliff spielt
ganz den gewissenhaften Schriftsteller (singt zwar nicht, dafür tanzt er sich durch das Leben mit Sally). Christian Bo Salle gibt einen mehr sauber gewaschenen Strahlemann
als undurchsichtigen, zynischen Conferencier. Mit seiner balsamischen Stimme ragt der unter seinem langen schwarzen Bart und Mütze nicht zu erkennende Joachim Nimtz in
der Rolle des Herrn Schultz heraus. Die intensiven Begegnungen mit Frl. Schneider erfolgen rührend als Schattenspiel.
Der Conferencier ist eigentlich als bisexuell vorgegeben, davon ist aber wenig zu spüren, dafür überrascht Ernst Ludwig (Mathis Reinhardt) mit einer zweideutigen Einladung an
Cliff. Daneben begeistert Frankfurts „Tanzschlager“ James Rizzi oberkörperfrei als Matrose und Liebhaber für Frl. Kost (Valery Tscheplanowa), muss allerdings als Drag Queen
im Song „If you could see her through my eyes“ anstelle eines Affen herhalten (in Zeiten wo die Bundesrepublik wohl bald ihren ersten schwulen Außenminister haben wird,
hätte dies durchaus abseits klassischer Klischees gezeigt werden können). Irene Klein lässt als Kit Kat Tänzerin Frenchie vermuten, man sei im Tigerpalast, ob ihrer famosen
Beweglichkeit (sie zeichnet auch für die Choreografie verantwortlich).
Das Musical wird in deutscher Sprache gegeben, die Songs werden in Englisch gesungen, manche auch nur kurz angeschnitten. Ein kurzweiliger Rausch, sehr unterhaltsam
und eine erfrischend andere Cabaret-Inszenierung.
Markus Gründig, Oktober 09
Infos zum Stück
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