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Besprechungen: Operette

Im Weißen Rössl
Burgfestspiele Bad Vilbel
Besuchte Vorstellung: 13. Juli 13

“…’s ist einmal im Leben so, grad der allerschönste Traum, bleibt nur Schaum…”

Es ist ein Klassiker und eines der erfolgreichsten Stücke des musikalischen Unterhaltungstheaters: Ralph Benatzkys 1930 uraufgeführte Singspiel „Im Weißen Rössl“. In Bad Vilbel war es zuletzt 1998 und 1999 in einer erquickenden Produktion des Frankfurter Theaters Willy Praml in der Alten Mühle zu sehen, mit leicht grotesken Umsetzungen, um die im Stück vorhandene Glückseligkeitssehnsucht als fatal bloß zu stellen. Die Inszenierung der 27. Burgfestspiele Bad Vilbel verzichtet auf moderne Regietheaterbezüge und belässt das Stück an seinem vorgesehenen Handlungsort, dem zauberhaften St. Wolfgang im österreichischen Salzkammergut, zu Beginn des 20. Jahrhunderts.


Im Weißen Rössl
Burgfestspiele Bad Vilbel
Josepha Vogelhuber (Angelika Bartsch), Leopold Brandmeyer (Wolfram Boelzle)
© Eugen Sommer

Schon die Bühne von Pia Oertel stimmt das Publikum auf die am Fuße des Schafberges gelegene Marktgemeinde St. Wolfgang ein. Rechts steht das Hauptgebäude des legendären Hotels „Der Weiße Rössel“ (mit einem ebensolchen an der Wand hängendem Emblem), mit einer mit Blumen versehenen grünen Girlande um die Eingangstür. Natürlich fehlt auch ein Balkon für das „Kaiserzimmer“ Nummer 4 nicht. Im Hintergrund ist eine zu begehbare Bergkulisse aufgebaut. Auf der linken Seite befindet sich vorne der Außenbereich der zum Hotelbetrieb gehörenden Gaststätte und hinten ein Stall, aus dem zur Freude der Zuschauer zwei Kuhköpfe schauen. Mit liebevollen Details wurde hier, bei aller notwenigen Einfachheit ob des ständigen Stückewechsels während der Festspiele, eine zauberhafte Atmosphäre geschaffen. Dazu zählen auch die dezent vom Band eingespielten typischen Landgeräusche, wie das Krähen eines Hahnes, das Muhen von Kühen und das Klingen ihrer Glocken. Auf den  Wolfgangsee, an dem das Hotel ja liegt, wurde nicht ganz verzichtet, der Bühnenrand zum Publikum ist quasi das Ufer, hier strecken der Oberkellner Leopold und der Jungkellner Piccolo ihre Füße ins Wasser.

Lokalkolorit zeigen auch die Musiker in feschen Lederhosen, die allerdings verdeckt spielen müssen. Die legendären Schlagermelodien ertönen unter der Leitung von Stephan Ohm lebhaft und nicht platt. Des Kaisers Lied („’s ist einmal im Leben so“) wird gar von einer (elektronischen) Zither ummalt.


Im Weißen Rössl
Burgfestspiele Bad Vilbel
Wilhelm Giesecke (Axel Kraus), Dr. Otto Siedler (Timo Ben Schöfer)
© Eugen Sommer

Der von Benedikt Bach einstudierte große Chor der Bad Vilbeler Burgfestspiele ist mit großer Spielfreude dabei, als wenig Zeit habende Touristengruppe, als Einwohner von St. Wolfgang, die ihrem Kaiser Franz Joseph I von Österreich (souverän: Ulrich Cyran, auch Reiseleiter der Touristengruppe) ein Morgenständchen singen und gar als Kuhherde (mit entsprechenden Masken).

Regisseur Benedikt Borrmann, der für die Burgfestspiele Bad Vilbel in den letzten Jahren vor allem die Schlagerrevuen schwungvoll inszenierte, zeigt auch hier wieder sein Können und eine für die Verhältnisse des Spielorts sehr subtile Personenführung, bei der alle Seiten für Auftritte genutzt werden. Dabei gibt es auch kleine Tanznummer (Choreographie: Stephan Brauer) und eine possierliche „Marionetten“-Szene (zu „Im Salzkammergut, da kann man gut lustig sein“).

Stark ist das Ensemble, allen voran mit Wolfram Boelzle als hoffnungslos verliebter Zahlkellner Leopold und Angelika Bartsch als energische „Rössl“-Wirtin Josepha Vogelhuber. Ihrem facettenreichen Spiel zuzuschauen ist eine Freude, vielleicht gerade auch deshalb, weil hier keiner ein Blatt vor dem Mund nimmt und sagt was er denkt und das führt zu vielen humorvollen Momenten.


Im Weißen Rössl
Burgfestspiele Bad Vilbel
Kathi Weghalter (Stephanie Marin), Piccolo (Tino Leo)
© Eugen Sommer

Doch auch die weiteren Rollen sind hervorragend besetzt. Der gebürtige Kölner Axel Kraus gibt einen herrlichen Urgestein, den Berliner Unternehmer Wilhelm Giesecke. Jennifer -Julia Carons Ottilie ist eine Energie geladene und stets gut gelaunte junge Frau, Timo Ben Schöfer ist alles andere als ein nüchterner, trockneter Rechtsanwalt, sein Dr. Siedler besticht durch Verve. Dem steht konträr Rollen bedingt der Professor Hinzelmann des Kai Möller gegenüber, der nicht nur ruhig seine Urlaubsmomente genießt, sondern auch seine Sparsamkeit anzupreisen weiß. Als der schöne Sigismund betört Martin Brücker das Klärchen. Dieses gibt mit anrührender Zurückhaltung Regina Speiseder, die gleichzeitig als heißes Stubenmädchen Zenzi begeistert. Einnehmend bei „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist?“, hier zeigen sie sich in traditionellen Badekleidern (Kostüme: Anja Müller). Stephanie Marin, dem Publikum bereits u.a. aus „Anatevka“ und „Kiss me, Kate“ bekannt, gefällt nicht nur als Briefträgerin Kathi Weghalter, sondern auch als Stubenmädchen und Schmusi von Piccolo. Diesen gibt Tino Leo, zwar ohne eigenes, dennoch spielt er sich mit seiner charmanten Art in den Vordergrund.
Gesprochen wird mit leichtem Dialekt, was die Urlaubsstimmung zusätzlich aufblühen läßt.
Zum Ende finden sich zwar alle Liebespaare dann doch recht schnell, eine gewisse Ernüchterung bleibt, schließlich “…’s ist einmal im Leben so, grad der allerschönste Traum, bleibt nur Schaum…“.
Super Stimmung, das Publikum klatscht bei einzelnen Liedern begeistert mit und spendete hinterher viel Beifall.

Markus Gründig, Juli 13

Infos zum Stück

Die Fledermaus
Oper Frankfurt
Besuchte Vorstellung: 9. Februar 13 (2. Wiederaufnahmepremiere)

Johann Strauß´ „Fledermaus“ begründete den Weltruhm der klassischen Wiener Operette. Sein Opus magnum ist angefüllt mit walzerseligen Melodien. Die berauschende Musik berührt das Innerste und führt in eine Welt der Glückseligkeit, fern jeder Realität. Sie löst Gefühle von Unbeschwertheit, von Lebensfreude und Lebenslust aus und der Alltag ist bei diesen Melodien schnell vergessen. Ein Publikumsmagnet, der mit seiner ansteckenden Feierlaune gerne zu Silvester oder, wie jetzt, zu Fasching auf den Spielplänen steht. Die „Fledermaus-“ Inszenierung von Christof Loys hatte vor zwei Jahren ihre Premiere an der Oper Frankfurt, nun fand die zweite Wiederaufnahme statt. Loys ungewöhnliche Umsetzung zeigt, dass ein Operettenklassiker auch mit Niveau und Anspruch zu inszenieren ist und dennoch auch den Publikumsgeschmack trifft. Der starke und uneingeschränkte Applaus bei der Wiederaufnahme zeugt davon, dass Loys Inszenierung beim Publikum angekommen ist (zudem gab es viel Zwischenapplaus und viele herzhafte Lacher im Publikum) auch wenn sie nach der Premiere in 2011 zunächst kein uneingeschränktes Lob erfahren hat. Denn Loy hat hier vieles anders gemacht, als mancher Operettenfreund es von der „Fledermaus“ gewohnt ist. Aus den drei Akten hat Loy eine zweiteilige Fassung erstellt, bei der die Reihenfolge der Nummern neu arrangiert wurde. Nach der Ouvertüre beginnt die Operette bereits auf dem Ball und dann gibt es gerade im ersten Teil immer wieder Wechsel zwischen Szenen, die vor und während des Balls spielen. Manches Handlungsmotiv erfährt so mehr Plausibilität. Gewohnte, übliche Klischees nicht zu erfüllen, bietet einen neuen Blick auf ein bekanntes Werk. In diesem Fall vor allem auf die Personen, die bei Loy Individuen und keine Karikaturen sind. Ihre Beweggründe und ihr Charakter wurden deutlich herausgearbeitet. Dennoch muss man nicht auf anzügliche, glanzvolle und temperamentvolle Szenen verzichten.


Die Fledermaus
Oper Frankfurt
Adele (Christiane Karg)
© Wolfgang Runkel
www.wolfgang-runkel.de

Das Einheitsbühnenbild von Herbert Murauer (auch Kostüme) zeigt einen eleganten und großzügigen Wohnraum, der gleichzeitig als Wohnort Eisensteins wie als Palais des Prinzen Orlofsky dient (und später auch als Amtsstube des Gefängnisdirektors). Ortswechsel werden lediglich durch die unterschiedliche Ausleuchtung bemerkbar (Licht: Olaf Winter). Der von Matthias Köhler einstudierte Chor singt mit Verve aus dem Orchestergraben, während die neun Sänger und ein Musiker auf der Bühne (am Akkordeon französische Liebesstimmung verbreitend: Vassily Dück) von zehn Damen und Herren, den so genannten „Ballettratten“, unterstützt werden. Sie kommen vor allem bei den Ballszenen zum Einsatz und sorgen mit ihren lasziven Bewegungen für aufreizende Momente.

Bei den Sängern gab es bei dieser Wiederaufnahme eine bewerkenswerte Neubesetzung. (Noch) Ensemblemitglied Christiane Karg, die erst kürzlich als Mellisande triumphierte, gab ihr Rollendebüt als Adele und überzeugte dabei in ganzer Linie. Sängerisch bestach sie von ihrem ersten Lied an mit ihrer geschmeidigen und glanzvollen Stimme, brillierte aber vor allem auch darstellerisch als charmante wie feierwillige Balldebütantin (in weiteren Vorstellungen wird alternierend auch wieder Britta Stallmeister die Adele geben). Nicht neu dabei, aber dennoch die herausragendste Rolle mit viel trockenem Witz erfüllend: der Countertenor Martin Wölfel. Wobei er sogar gleich zwei Rollen inne hat. Den gelangweilten Prinz Orlofsky und die des trinkfreudigen Gefängniswärters Frosch. Gesanglich überaus souverän („Ich lade gern mir Gäste ein“), fallen seine im Falsett gesprochenen Textpassagen auf, wirkt er zunächst sprachlich wie ein altes Mütterchen. Seine Sonderrolle wird gleichwohl dabei deutlich gesteigert. Bei der besuchten Wiederaufnahmepremiere erhielt er den stärksten Schlussapplaus.
Daniel Schmutzhard gab einen jugendlich wirkenden Eisenstein par excellence, mit Schmiss und Leidenschaft zeigte er einen stürmischen Draufgänger. Kammersängerin Barbara Zechmeisters gefiel außerordentlich als liebestolle und temperamentvolle Rosalinde. Auch die weiteren Rollenbesetzung zeugten von hohem Niveau: Thorsten Grümbel als irritierter Gefängnisdirektor Frank, Stephan Rügamer als Gesangslehrer und Galan Alfred, Sebastian Geyer als Freund und Notar Dr. Falke, Hans-Jürgen Lazar als pointierter Advokat Dr. Blind und Andrea M. Dewell als Adeles beratende Schwester Ida. Das von Roland Böer geleitete Frankfurter Opern- und Museumsorchester spielte mit großer Hingabe die walzerseligen Champagnermelodien.
Die Fledermaus an der Oper Frankfurt: Eine Wohlfühlmedizin, ganz ohne Rezept!

Markus Gründig, Februar 13

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Fatinitza
Staatstheater Mainz
Besuchte Vorstellung: 23. November 12

Nach zuletzt „Die Fledermaus“ (Jan. 2009), „Blaubert“ (Nov. 2009) und „Eva“ (Nov. 2011) wurde am Staatstheater Mainz für die Saison 2012/13 eine besondere Operetten-Rarität ausgegraben: Franz von Suppés „Fatinitza“. Der gebürtige Belgier, eigentlich Francesco Ezechiele Ermenegildo Cavaliere Suppè Demelli heißend, gilt als Begründer der Wiener Operette, dem später Größen wie Johann Strauß und Carl Millökker folgten. Zu seiner Zeit war Suppé sehr bekannt und populär. Durch seine Aufenthalte in Italien, mit Eindrücken von Donizetti und Rossini, zeichnen seine im Goldenen Zeitalter der Wiener Operette entstandenen Werke die Verbindung von italienischer Melodik und tänzerischer Eleganz und Leichtigkeit aus.


Fatinitza
Staatstheater Mainz
Graf Kantschukoff (Ks. Hans-Otto Weiß), Lydia (Vida Mikneviciute),
Fatinitza/Wladimir Samoiloff (Patricia Roach), Julian von Golz (Thorsten Büttner)
Foto:
Martina Pipprich

Am Staatstheater Mainz wurde „Fatinitza“ jetzt von der gebürtigen Amerikanerin Lydia Steier mit viel Aufwand und großem Ensemble inszeniert. Manches ist dabei sehr plakativ und stark überzeichnet. Aber Lachen ist gesund und wenn nicht im Theater, wo dann? Und wo gibt es derart viele Freiräume mit Klischees und Vorurteilen zu spielen und sie ad absurdum zu führen, wenn nicht auf der großen Bühne? So gibt es nicht nur ein wildes Huhn namens Olga an der Seite von Sergeant Steipann (kraftvoll: Ks. Jürgen Rust), sondern auch allerhand liebestolles Volk aller Klassen.
Dazu zwei groß gewachsene, schwarz gekleidete bauchfreie Leibwächter des Generals Kantschukoff (mit seinem Bass betörend: Ks. Hans-Otto Weiß), ein sechzehn Damen umfassender Harem, der von einem divenhaften Aufpasser (Mustapha: Florian Gierlichs) in Schach gehalten wird und einem vor Lokalpatriotismus und sportlicher Attitüde strotzenden "Reformtürken" (mit tenoraler Verführung im schwarzen Jogginganzug mit goldenen Lettern: Alexander Spemann) gehört.
Gesanglich und szenisch im Mittelpunkt stehen zwei Frauen: Patricia Roach (als Fatinitza alias Wladimir Samoiloff) und Vida Mikneviciute (als Lydia). Insbesondere Patricia Roach gefällt mit ihrem lustvollen Spiel als vermeidliche Fatinitza (mit stark behaarter Brust und Beinen und einem Gemächt im XXL-Format). In Moskowiter Tracht (Goldstiefel, kurzen Lederrock; knappes Top; Kostüme: Ursula Kudrna) gibt sich Mikneviciute stark, auch stimmlich. Wobei die Aufführung eine sehr gute, geschlossen wirkende Ensembleleistung darstellt, bei der jedes Einzelnen großer Spaß an dieser Produktion auffällt.
Gesanglich hervorzuheben sind daher die mehrstimmigen Lieder, wie das Quartett „Eine Zuflucht winket Dir“ (Kantschukoff/Lydia/Vladimir/Julian), das Glocken-Sextett „Silberglöckchen rufen helle“ (Nursidah/Julian/Izzet/Diona/Zuleika/Besika) und die starke, auch schauspielerische, Leistung des von Sebastian Hernandez Laverny einstudierten Chores. Auch das Philharmonische Staatsorchester Mainz zeigt großen Enthusiasmus. An dessen Pult vermittelt Florian Csizmadia, der für einen noch volleren Klang nicht nur neue Bläserstimmen geschrieben hat, eine große musikalische Farbigkeit (die besonders in der schönen Ouvertüre und den Zwischenspielen auffällt).

Wobei Regisseurin Lydia Steier dem humorvollen Treiben dezent einen ernsten Rahmen gegeben hat. Die Verwechslungskomödie ist eingebettet in eine Berichterstattung eines rasenden Reporters. Den gibt es zwar auch schon in der Vorlage, nur wurde seine Rolle hier aufgewertet. Stets nach seiner Assistentin rufend, nutzt er das handlungsarme Geschehen, um Filmmaterial für eine neunteilige Dokumentation zu sammeln. Wie auch nicht nur eine Filmsequenz in Stummfilmmanier gedreht und eingeblendet wird, auch Kriegsbilder konterkarieren das bunte Treiben auf der Bühne (die Handlung spielte ursprünglich zu Zeiten des Krimkriegs). Das Spiel mit Geschlechterkonventionen, Vorurteilen und der Wahrheit erfährt somit eine weitere Ebene.
Auf die Bühne wurde von Katharina Schlipf neben einem Krämerwagen ein wandlungsfähiges Raumensemble gestellt. Der erste Akt spielt vor einem in die Jahre gekommenen bzw. inzwischen geschlossenen Armeegebäude mit Imbiss („Pizza“ und „Krapfen“ verkünden abgeblätterte Werbetafeln auf Russisch). Im zweiten Akt wird das Gebäudefragment gedreht und zeigt nun das herrschaftliche, vor Gold nur so glänzende Innere im Palast des Paschas. Für den finalen dritten Akt wird es in ein Realtainment Studio für die Julian von Golzs Show „Trau Dich!“ umgewandelt. Wobei die Handlung ursprünglich in der Türkei und Bulgarien, im Jahre 1877 spielt. Doch auch schon andere Produktionen haben die Handlung vorverlegt, in die Zeit des zwischen Russland und der Türkei stattfindenden Krimkriegs (1853-1856).
Ein großes, farbenfrohes Schlussbild entlässt den Zuschauer erheitert in die Nacht. Beim Verlassen des Mainzer Staatstheater summt es im Kopf noch weiter: „Wie schade, wie schade“… Musik die beim ersten Hören im Ohr bleibt, spricht für sich. Und diese humorvoll und mit so viel Leidenschaft dargebotene Farce hilft hervorragend gegen die trübe Stimmung von grauen Herbst- und Wintertagen.

Markus Gründig, November 12

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L’ Étoile (Der Stern)
Oper Frankfurt
Besuchte Vorstellung: 7. Oktober 11

Die Operette hat es im modernen Musiktheater nicht leicht. Abgesehen von einer handvoll Stücke, die regelmäßig auf den Spielplänen auftauchen (allen voran die Fledermaus), fristet sie ein Schattendasein, ist ihre Blütezeit schon lange vorbei. Und dennoch sorgt sie für volle Häuser und erreicht ihr Publikum. Der Oper Frankfurt, mit ihrem anspruchsvollen Programm zwischen Traditionspflege und Neuentdeckungen chargierend, wurde immer wieder angetragen, doch auch Operetten zu spielen. Abgesehen von der letztjährigen „Fledermaus“ ist es jetzt so weit. Zwischen kämpfenden Amazonen („Penthesilea“) und einem Liebe erfahrenen Drachentöter („Siegfried“) steht Emmanuel Chabriers Opéra-bouffe „L’Étoile“ (Der Stern) auf dem Spielplan. Zeit, sich gemütlich in den Opernsessel fallen zu lassen und an der turbulenten Geschichte des König Ouf I teilzuhaben, zumal die Operette erstmals in Frankfurt aufgeführt wird. Die Potpourri-Ouvertüre erfüllt die Erwartungen an eine heitere musikalische Form. Doch die einzelnen Arien sind anspruchsvolle, schöne Nummern, alles andere als platte Gassenhauer. Emmanuel Chabrier, ein Zeitgenosse und Anhänger Wagners, erweist sich hier nicht als Epigone, lediglich die Verwendung von musikalischen Motiven zeigt die Nähe zu Wagner auf.
Mit David Alden als Regisseur und Christophe Mortagne in der Hauptrolle des Königs Ouf I ist der Oper Frankfurt mit „L’ Ètoile“ ein überraschender Hit gelungen, auch für diejenigen, die sich dem Musiktheater eher mit vorsichtigen Schritten nähern möchten. Über versteckte Regietheatersymbole muss man hier nicht nachdenken und kann sich dennoch über anspruchsvolle Musik, grandiose Sänger und eine hochwertige Bühnenästethik erfreuen.
König Ouf I springt dem Tod von der Schippe, zumindest vorläufig. Wie es dazu überhaupt gekommen ist, wie er es schaffte und dabei sich auch noch ein Liebespaar fand, davon erzählt die dreiaktige Opéra-bouffe (französische Bezeichnung für eine heitere Oper), die an der Oper Frankfurt im französischen Original gegeben wird (mit deutschen Übertiteln). Regisseur David Alden ist in Frankfurt kein Unbekannter, hier inszenierte er vor neun Jahren bereits Franz Schrekers „Schatzgräber“. Zusammen mit Bühnenbildner Gideon Davey (auch verantwortlich für die bunten Kostüme) verlieh er der 1877 in Paris uraufgeführten Operette eine moderne wie überaus komische Szenerie (jedoch ohne das vorgesehene morgenländische Kolorit). Der erste Akt spielt in der Wartehalle eines Flughafens, in der Wartende die französische Tageszeitung „Le Monde“ lesen, inklusive Gepäcklaufband der „Etoile Air“, Reinigungskräften und Sicherheitsleuten. Ein idealer Platz für Ankommende und Abreisende. Für König Oufs Macht über sein Volk steht eine Überwachungskamera, die in der Mitte hängt. Der Astrologe Siroco fährt über einen engen Aufzug aus dem Bühnenboden hoch. Mit seinem Rauschebart, fettem Bauch und überdimensionierten Füßen könnte er auch einem Planeten aus Star Wars entstammen. An Atemnot leidend hängt er sich immer wieder an die Sauerstoffflasche, was akustisch verstärkt, mit abnormen, schrägen Geräuschen verbunden ist. Hinter dieser skurrilen Figur versteckt sich Simon Bailey, der hier vor allem schauspielerisch gefordert ist. Wie auch die Figur des König Ouf I. Diese gibt überaus spielfreudig der Franzose Christophe Mortagne, sei es als resoluter Herrscher auf dem Thron oder als sich als Müllmann unters Volk mischende. Seine Fröhlichkeit, Leichtigkeit und Unbekümmertheit wirkt ansteckend, in seiner Furcht vor dem Tod leidet man gerne mit ihm. Dabei gefällt Mortagne auch vokal mit schönem tenoralem Schmelz.
Der zweite Akt spielt im Inneren von Oufs Palast, der hier als moderne Loftwohnung samt verspiegeltem Bad (für seine Selbstverliebtheit) gezeigt wird. Gesanglich im Mittelpunkt steht die Figur des Lazuli. Diesen gibt als Hosenrolle die irische Sopranistin Paula Murrihy, Ensemblemitglied der Oper Frankfurt. Farbenreich, innig und mit großem Gespür die Gefühlswärme Chabriers umsetzend. Als attraktive Damen bezaubern stimmschön Juanita Lascarro (Prinzessin Laoula) und Sharon Carty (Aloès). Den Fürst Hérisson de Porc-Epic (Stachelschwein) gibt mit erhabener Ironie Michael McCown. In weiteren Rollen sind dabei: Julian Prégardien (Tapioca), Hans-Jürgen Lazar (Patacha) und Sebastian Geyer (Zalzal).
Spiel- und sangesfreudig zeigt sich auch der von Michael Clark einstudierte Chor. Sechs Tänzer sorgen als Hofdamen in Oufs Harem für optische Freuden, die bis hin zu einem angedeuteten Can Can reichen (Choreografie: Beate Vollack). Nach einer plakativ gespielten Ouvertüre zeigte Henrik Nánási, designierter Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin, am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters feines Gespür für die rhythmische Faktur. Dabei geht die Musik nicht in Wagnerische Tiefe, erfreut aber, korrespondierend zum Bühnengeschehen, mit viel musikalischem Witz. Der immer näher rückende Tod wird mittels schwarzer Sterne angedeutet. Doch der Drang nach Lebenslust und Freuden siegt und so finden sich am Ende alle glücklich beisammen. Beschwingter, kräftiger Applaus für einen heiteren musiktheatralischen Ausflug.

Markus Gründig, Oktober 11

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Blaubart
Staatstheater Mainz
Besuchte Vorstellung: 7. November 09 (Premiere)

Noch sind es vier Tage, bis die „fünfte Jahreszeit" beginnt. Doch spätestens beim euphorischen Premierenschlussapplaus mit Cancan tanzendem Ensemble und Regieteam ist klar, das dieses Jahr in Mainz die neue Fastnachtskampagne früher als üblich eröffnet wurde. Das Publikum ist kaum zu halten und klatscht begeistert und einhellig im 2/4-Takt mit, nicht ein einziger Buhruf wird hörbar.
Dabei ist die Geschichte vom Ritter Blaubart alles andere als lustig. Schließlich ist die Hauptfigur ein liebesgieriger Potentat, der bereits fünf Frauen hat umbringen lassen und weitere umbringen will. Verantwortlich für diesen Coup zeichnet der junge Regisseur Søren Schuhmacher (der von Regiegrößen wie Andreas Homoki, Willy Decker und Christof Loy ausgebildet wurde), ein gebürtiger Hamburger und derzeitiger Wahl-Berliner. Wie schaffte er es als kühles „Nordlicht“ eine solch ausgelassene Stimmung auf die Bühne des Staatstheaters Mainz zu bringen, wo kein Ensemble sondern eine große Familie zu erleben ist? Hat ihm seine Studienzeit in Köln die rheinische Frohnatur nahe gebracht? Wie er im Vorfeld der Premiere berichtete, begeisterte ihn die außergewöhnliche Energie, die Spielfreude und die gute Zusammenarbeit am Staatstheater Mainz von Anfang an.


Blaubart
Staatstheater Mainz
Popolani (Patrick Pobeschin), Boulette (Patricia Roach), Blaubart (Alexander Spemann),
Chor und Statisterie des Staatstheaters Mainz
Foto:
Martina Pipprich

Schuhmacher verlegte die Handlung von der Bretagne nach Italien und zeigt das Stück als Mafiosikrimi der 20er-Jahre. Das erste Bild ist örtlich noch nicht geografisch festgelegt. Der Dorfplatz zeigt eine Fläche in der freien Natur, mit Schneeberg als angedeutetes Gebirge und ein WC-Häuschen als Hütte Saphirs. Ein Blumenbeet mit dunkelblauen Blumen, erfrorene Palmen und dunkle aufziehende Wolken im Hintergrund machen deutlich, dass es nicht bei den anfänglichen fröhlichen Liebesspielen mit roten Rosen bleiben wird. Der Ahnensaal im Palast des Königs beschränkt sich auf ein wechselndes Ahnenbild, im Garten lockt ein kleiner Pool und die Höflinge des Königs führen ihre Devotions-Übungen mit freiem Oberkörper und einem Handtuch um die Lenden durch.
Finster wirkt der Keller des Alchimisten, ein imposantes Labor im Stile Frankensteins, mit sechs Leichenkammern, einer Statuengalerie und im Hintergrund drohend vorbei schwimmenden Rochen. Mit großem Getöse werden die fünf gefangen gehaltenen Frauen aus ihrem gläsernen Kabinenversteck befreit. Demgegenüber fällt das letzte Bild etwas ab. Der Ballsaal im Palais des Königs Bobèche hat immerhin einen großen Kronleuchter, ansonsten aber nur einen golden schimmernden Bühnenprospekt und ein eingeblendetes Großbild eines feudalen Saales im Hintergrund (Bühne: Norbert Bellen). Doch zu diesem Zeitpunkt bedarf es keiner großen visuellen Ablenkungen, die Regie hat das Geschehen fest im Griff und lockt mit ständig neuen Highlights, dabei das ganze Geschehen auf die Schippe nehmend. So geben die Gefolgsleute Blaubarts ein „Maschinenpistolen-Ballett“ und laufen große und kleine Mäuse über die Szenerie, was das Publikum immer wieder zu Lacher und Zwischenapplaus motiviert.
Mit starker vokaler Präsenz gibt Alexander Spemann einen von dämonischen Zügen befreiten, leichtfüßigen Blaubart. Patricia Roach singt und spielt sich als resolute, lebens- und liebeslustige Boulotte im Reifkleid (Kostüme: Carola Volles) in den Vordergrund, während Kammersänger Jürgen Rust als König Bobèche vor allem sein komödiantisches Talent ausspielen kann. In den weiteren Rollen gefällt Patrick Probeschin als Alchemist Popani, genauso Axel Herrig (bekannt als „Falko“), der kurzfristig die Rolle des Graf Oscar übernahm, Alexander Kröner als jugendlicher Prinz Saphir, Inga-Britt Adersson als seine auserwählte Fleurette und Katherine Marriott als deren Mutter (Königin Clementine). In das bunte, karnevalistisch angehauchte Treiben, fügt sich der von Sebastian Hernandez-Laverny einstudierte Chor mit großer Spielfreude ein. Thomas Dorsch leitet das Philharmonische Staatsorchester Mainz mit starkem Verve, bringt Offenbachs schwarzen Humor zum funkelnden Glühen und zweischneidige Musik
Zum großen Schlussbild fallen kleine Glitzersterne vom Bühnenhimmel und eine Sprechblase verkündet „… to be continued“. Dermaßen aufs Feiern eingestimmt, kann die Meenzer Fassenacht 2010 kommen und lässt sich die Wartezeit auf eine Fortsetzung leichter überbrücken.

Markus Gründig, November 09

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Die Fledermaus
schauspielfrankfurt
Besuchte Vorstellung: 25. Oktober 08 (Premiere)

In Frankfurt haben Operetten Seltenheitswert. Allenfalls in der Alten Oper oder der Jahrhunderthalle ist ab und an eine Gastspielproduktion auf großer Bühne zu sehen. Da hat es das Publikum etwa in Mainz oder Wiesbaden schon leichter, hier stehen Operetten regelmäßig auf den Spielplänen der Großen Häuser, allen Unkenrufen zum Trotz. Neben einer meist leicht zu verstehenden Geschichte bieten Operetten nach wie vor beste Unterhaltung mit leichter, oftmals ins Ohr gehender Musik.
Einen Beweis für die Aktualität von Operetten bietet jetzt ausgerechnet das schauspielfrankfurt, mit Karin Neuhäusers avantgardistischer Interpretation des Operettenstücks par Excellence: Johann Strauss´ Fledermaus.
“Trinke Liebchen, trinke schnell“, „Ich lade gern mir Gäste ein“ und „Mein Herr Marquis“ sind nur einige der Fledermaus-Hits, die ab sofort lustvoll das Frankfurter Publikum verführen wollen und den Traum von einem leichteren Leben ohne Alltagssorgen schüren. Dabei kommt die Inszenierung ohne ausgewiesene Sänger aus, es ist das Ensemble vom schauspielfrankfurt, dass sich hier famos in das Herz der Zuschauer singt und spielt.


Die Fledermaus
schauspielfrankfurt
Gabriel von Eisenstein (Martin Butzke) und Rosalinde von Eisenstein (Susanne Buchenberger)
Foto:
Alexander Paul Englert

Neuhäuser hat das Stück gekürzt, bloßgelegt und dezent mit weiteren aktuellen Musikstücken ergänzt (wie Katie Meluas „Lilac Wine“), um die Strausssche Gefühlswelt ins Heute zu übertragen.
Mit vielen humoristischen und parodistischen Einfällen bewegt sie sich allerdings auch knapp an der Grenze zur Klamotte.
Das auch in Erwachsenen noch Kinder stecken können, zeigen die Kostüme (Franz Lehr). Die illustre Festgesellschaft präsentiert sich als Vertreter der Comic-Generation (mit Kermit, Miss Piggy, Panzerknacker, Asterix und Obelix). Mit spitzen Witzen geben Statler und Waldorf, die vom Balkon aus kommentierenden älteren Herren aus der Muppets -Show, ihr Bestes. Als Hilfe für die Zuschauer gibt es Übertitel für die Liedtexte und die Vorgeschichte von Dr. Falkes Erniedrigung wird als Video eingeblendet.
So bunt wie die Gäste, ist auch die an einen Kindergeburtstag erinnernde Bühne (auch Franz Lehr). Auf der Drehbühne wurde für jeden der drei Akte ein nahezu leerer Raum geschaffen, mit plakativen Luftballontapeten (und einem Meer von Luftballon im Chambre séparée der Orlofskyschen Villa).
Neuhäusers Trumpf ist die Homogenität des Ensembles, bei dem sich Stefko Hanushevsky mal wieder selbst übertrifft. Als androgyner, glatzköpfiger Prinz Orlowsky im schwarzen Leder und Tutu, glänzt er sängerisch, die ganze Bandbreite seiner Stimme auslotend und mit mimischen Feinspiel. Herrlich schrullig die Ordnung bewahrend, gibt Mechthild Grossmann den Gerichtsdiener Frosch.
Ein kleines Musikensemble unter der Leitung von Matthias Flake sorgt für eine spritzige Begleitung.

Markus Gründig, Oktober 08

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Der Vetter aus Dingsda
Staatstheater Mainz
Besuchte Vorstellung: 31. März 07 (Premiere)

Ein breites Spektrum musikalischer Werke bietet das Staatstheater Mainz in dieser Saison, der ersten von Intendant Matthias Fontheim. Nach Oberon, Kein Ort Nirgends, Die Zauberflöte und Pelléas et Mélisande feierte nun der beliebte Operettenklassiker „Der Vetter aus Dingsda“ Premiere im Großen Haus, ein wunderbarer Dessert, wie ein Herr beim Herausgehen anmerkte. Ein wunderbares Dessert ist etwas, was man sich zwischen Zunge und Gaumen zergehen lassen kann, wo goutierend Glücksgefühle freigesetzt werden.
Dem stimmungsvollen Schlussapplaus im Takt folgend, hat das Publikum im Staatstheater Mainz in der Tat diesen Abend goutiert.
Eingängig sind die Melodien mit Ohrwurmqualität von Eduard Künneke, die vor allem bei den reiferen Besuchern noch wohl bekannt sind („Strahlender Mond“, „Ich bin nur ein armer Wandergesell“). Aber gerade wegen Ihrer Eingängigkeit, gefällt diese mitreißende Musik auch unmittelbar demjenigen, der diese Operette dass erste Mal hört.
Das Inszenierungsteam von Philip Tiedemann macht aus der Unnatürlichkeit des Komödienhaften Stoffes keinen Hehl und zeigt das Stück recht traditionell, als großes Puppentheater. Dieses steht in Form eines klassizistischen Hauses nach hinten versetzt auf der Bühne. Der große Wohnraum verbirgt sich zunächst noch hinter einem dunkelroten Vorhang, so dass die Szenerie an den Anfang einer jeden Folge der Augsburger Puppenstube erinnert. Die Darsteller sind hier aber nicht an Fäden aufgezogen sondern haben allesamt einen zweiten Unterleib: in verkleinerter Form bei gleicher Ausstattung. Wenn Sie diesen über den Rand des Wohnraums hängen, ergeben sich stets komische optische Eindrücke. Auf Tänze wird verzichtet, dafür bewegen sich diese Halbpuppen umso mehr und auch das Haus gerät im Laufe der Handlung immer mehr ins wanken. Lokalstar Franz Pohl sorgt als Bühnenhausmeister nicht nur für das Auf- und Zuziehen des Vorhangs, er betreibt auch das Donnerblech und die Windmaschine, vor allem aber bewegt er durch Drehen an der Kurbel dafür, dass am vorderen Bühnenrand die unterschiedlichsten Requisiten (neben Wein, Gläsern auch ein Boot) entlangfahren. Das Haus öffnet sich mitunter nach hinten und gibt den Blick frei auf eine zauberhafte Waldlandschaft oder einen Sternenhimmel, bei stimmungsvollster Ausleuchtung.
Das unter der Leitung von Sebastian Hernandez-Laverny spielende Philharmonische Staatsorchester Mainz hatte hörbar Spaß an dem Mix aus gefühlsvollen Liedern und flotten Schlagern. Überzeugt haben auch die sängerische und schauspielerischen Darbietungen (hier mit englischen, französischen und italienischen Einschlag). Kerrie Sheppard als Julia de Weert und Alexander Spemann (mit schönem Schmelz) als August bildeten das Hauptpaar. Ihr Glück fanden auch Hannchen (temperamentvoll: Evelyn Czesla) und Roderich (jugendlich: Martin Erhard), in alter Verbundenheit blieben Josse (komödiantisch stark: Ks. Jürgen Rust) und Wimpel (Edith Fuhr). Dazu mit gleicher guten Laune dabei: Egon von Wildenhagen (Patrick Pobeschin) als ungeschickter Verehrer (der am Ende einen Phallus-Kaktus als Geschenk präsentiert) und die Diener Hans (Lothar Berberich) und Karl (Reiner Weimerich).

Der Traum vom Glück, hier kann er geträumt werden und goutiert, eben wie ein leckeres Dessert.

Markus Gründig, April 07

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Die verwandelte Katze (La Chatte Métamorphosée en femme)

Die andere Seite der Oper Frankfurt

Der Abend beginnt nicht um 19.30h oder 20.00 Uhr, nein es ist 22.15h als die Musiker mit der Ouvertüre beginnen. Das Publikum sitzt auch nicht schön brav in Reih und Glied im großen Saal der Oper, sondern bequem an kleinen Bistrotischen mit weißer Tischdecke, Wein und Kanapees in entspannte Atmosphäre vor einer kleinen Bühne.
Bereits in der Saison 2003/04 präsentierte die Oper Frankfurt erfolgreich die Reihe „Offenbachiade“ zu später Stunde. Jetzt folgte als Nachzügler der Operetten-Einakter „Die Verwandelte Katze von Jacques Offenbach in der Inszenierung von Spielleiter James McNamara.
Vor dem noch geschlossenen roten Vorhang steht ein kleines Körbchen und mittendrin irgendetwas kleines Schwarzes, das sich ab und an zaghaft bewegt. Beim Einsetzen der Musik fängt es an sich richtig zu räkeln und plötzlich erkennt man auch einen Kopf, Pfoten und dass es sich um ein kleines Kätzchen handelt. Schleck, schleck, die Pfötchen müssen sauber sein. Der Vorhang öffnet sich und gibt den Blick frei in eine kleine Stube mit türkiser Tapete und zwei Geweihen an den Wänden. Schon stolziert Kammerzofe Marianne in Hausschuhen (herrlich: Birgit Schmickler) in die kleine leere Stube ein, nimmt das Kätzchen liebevoll auf den Arm und erzählt von ihrem Herrn Junggesellen Guido (Michael McCown, schön komisch), der kurz drauf erscheint, ebenso wie der Magier  Dig-Dig (Zoltán Winkler). Schnell hat Dig-Dig seinen Zauberring an Guido verkauft, womit dieser die Verwandlung der geliebten Katze in eine attraktive Frau vollzieht und sich ein Haufen neuer Probleme auftun…
Dabei ist die Sopranistin Juanita Lascarro in der Rolle der verwandelten Katze Minette der Star dieses Quartetts. Sie schleckt weil’s einfach in ihr steckt, nicht nur reichlich Sahne, wälzt sich auf dem Boden und faucht gehörig herum, sie weiss auch Guido ihre Krallen zu zeigen.
Im Publikum immer wieder reichlich lautstarke Lacher, schließlich war die Operette einst als zeitsatirische und gesellschaftskritische Form des Musiktheaters entstanden.
Bei dieser lustigen Unterhaltung zu später Stunde wird aber auch anspruchsvoll gesungen und unter der Leitung von Hartmut Keil spielt das fünfköpfige Instrumentalensemble mit viel Schwung. Die Spielfreude der Darsteller wie der Musiker schwappt vom ersten Takt an auf das Publikum über.
Leider ist die einaktige Operette viel zu schnell vorüber, hier würde man gerne die ganze Nacht sitzen und dem lustig fröhlichen Treiben zuschauen.
Auch wenn die Oper Frankfurt nicht ihre Stärke im Operettenbereich sieht, hier ist sie besser als sie denkt. „Die verwandelte Katze“ zeigt dass auch die leichte Muße durchaus ihren Platz am Main haben kann, ohne in die Trivialität zu verfallen. Das Potential Ihres Ensembles ist groß genug, auch dieser Herausforderung zu begegnen.

    Markus Gründig, September 05

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