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Besprechungen: Operette
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L’ Étoile (Der Stern) Oper Frankfurt Besuchte Vorstellung: 7. Oktober 11
Die Operette hat es im modernen Musiktheater nicht
leicht. Abgesehen von einer handvoll Stücke, die regelmäßig auf den Spielplänen auftauchen (allen voran die Fledermaus), fristet sie ein Schattendasein, ist ihre Blütezeit schon lange vorbei.
Und dennoch sorgt sie für volle Häuser und erreicht ihr Publikum. Der Oper Frankfurt, mit ihrem anspruchsvollen Programm zwischen Traditionspflege und Neuentdeckungen chargierend, wurde immer
wieder angetragen, doch auch Operetten zu spielen. Abgesehen von der letztjährigen „Fledermaus“ ist es jetzt so weit. Zwischen kämpfenden Amazonen („Penthesilea“) und einem Liebe erfahrenen
Drachentöter („Siegfried“) steht Emmanuel Chabriers Opéra-bouffe „L’Étoile“ (Der Stern) auf dem Spielplan. Zeit, sich gemütlich in den Opernsessel fallen zu lassen und an der turbulenten
Geschichte des König Ouf I teilzuhaben, zumal die Operette erstmals in Frankfurt aufgeführt wird. Die Potpourri-Ouvertüre erfüllt die Erwartungen an eine heitere musikalische Form. Doch die
einzelnen Arien sind anspruchsvolle, schöne Nummern, alles andere als platte Gassenhauer. Emmanuel Chabrier, ein Zeitgenosse und Anhänger Wagners, erweist sich hier nicht als Epigone,
lediglich die Verwendung von musikalischen Motiven zeigt die Nähe zu Wagner auf. Mit David Alden als Regisseur und Christophe Mortagne in der Hauptrolle des Königs Ouf I ist der Oper
Frankfurt mit „L’ Ètoile“ ein überraschender Hit gelungen, auch für diejenigen, die sich dem Musiktheater eher mit vorsichtigen Schritten nähern möchten. Über versteckte Regietheatersymbole
muss man hier nicht nachdenken und kann sich dennoch über anspruchsvolle Musik, grandiose Sänger und eine hochwertige Bühnenästethik erfreuen. König Ouf I springt dem Tod von der Schippe,
zumindest vorläufig. Wie es dazu überhaupt gekommen ist, wie er es schaffte und dabei sich auch noch ein Liebespaar fand, davon erzählt die dreiaktige Opéra-bouffe (französische Bezeichnung
für eine heitere Oper), die an der Oper Frankfurt im französischen Original gegeben wird (mit deutschen Übertiteln). Regisseur David Alden ist in Frankfurt kein Unbekannter, hier inszenierte
er vor neun Jahren bereits Franz Schrekers „Schatzgräber“. Zusammen mit Bühnenbildner Gideon Davey (auch verantwortlich für die bunten Kostüme) verlieh er der 1877 in Paris uraufgeführten
Operette eine moderne wie überaus komische Szenerie (jedoch ohne das vorgesehene morgenländische Kolorit). Der erste Akt spielt in der Wartehalle eines Flughafens, in der Wartende die
französische Tageszeitung „Le Monde“ lesen, inklusive Gepäcklaufband der „Etoile Air“, Reinigungskräften und Sicherheitsleuten. Ein idealer Platz für Ankommende und Abreisende. Für König Oufs
Macht über sein Volk steht eine Überwachungskamera, die in der Mitte hängt. Der Astrologe Siroco fährt über einen engen Aufzug aus dem Bühnenboden hoch. Mit seinem Rauschebart, fettem Bauch
und überdimensionierten Füßen könnte er auch einem Planeten aus Star Wars entstammen. An Atemnot leidend hängt er sich immer wieder an die Sauerstoffflasche, was akustisch verstärkt, mit
abnormen, schrägen Geräuschen verbunden ist. Hinter dieser skurrilen Figur versteckt sich Simon Bailey, der hier vor allem schauspielerisch gefordert ist. Wie auch die Figur des König Ouf I.
Diese gibt überaus spielfreudig der Franzose Christophe Mortagne, sei es als resoluter Herrscher auf dem Thron oder als sich als Müllmann unters Volk mischende. Seine Fröhlichkeit,
Leichtigkeit und Unbekümmertheit wirkt ansteckend, in seiner Furcht vor dem Tod leidet man gerne mit ihm. Dabei gefällt Mortagne auch vokal mit schönem tenoralem Schmelz. Der zweite Akt
spielt im Inneren von Oufs Palast, der hier als moderne Loftwohnung samt verspiegeltem Bad (für seine Selbstverliebtheit) gezeigt wird. Gesanglich im Mittelpunkt steht die Figur des Lazuli.
Diesen gibt als Hosenrolle die irische Sopranistin Paula Murrihy, Ensemblemitglied der Oper Frankfurt. Farbenreich, innig und mit großem Gespür die Gefühlswärme Chabriers umsetzend. Als
attraktive Damen bezaubern stimmschön Juanita Lascarro (Prinzessin Laoula) und Sharon Carty (Aloès). Den Fürst Hérisson de Porc-Epic (Stachelschwein) gibt mit erhabener Ironie Michael McCown.
In weiteren Rollen sind dabei: Julian Prégardien (Tapioca), Hans-Jürgen Lazar (Patacha) und Sebastian Geyer (Zalzal). Spiel- und sangesfreudig zeigt sich auch der von Michael Clark
einstudierte Chor. Sechs Tänzer sorgen als Hofdamen in Oufs Harem für optische Freuden, die bis hin zu einem angedeuteten Can Can reichen (Choreografie: Beate Vollack). Nach einer plakativ
gespielten Ouvertüre zeigte Henrik Nánási, designierter Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin, am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters feines Gespür für die rhythmische
Faktur. Dabei geht die Musik nicht in Wagnerische Tiefe, erfreut aber, korrespondierend zum Bühnengeschehen, mit viel musikalischem Witz. Der immer näher rückende Tod wird mittels schwarzer
Sterne angedeutet. Doch der Drang nach Lebenslust und Freuden siegt und so finden sich am Ende alle glücklich beisammen. Beschwingter, kräftiger Applaus für einen heiteren musiktheatralischen
Ausflug.
Markus Gründig, Oktober 11
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Blaubart Staatstheater Mainz Besuchte Vorstellung: 7. November 09 (Premiere)
Noch sind es vier Tage, bis die „fünfte Jahreszeit"
beginnt. Doch spätestens beim euphorischen Premierenschlussapplaus mit Cancan tanzendem Ensemble und Regieteam ist klar, das dieses Jahr in Mainz die neue Fastnachtskampagne früher als üblich
eröffnet wurde. Das Publikum ist kaum zu halten und klatscht begeistert und einhellig im 2/4-Takt mit, nicht ein einziger Buhruf wird hörbar. Dabei ist die Geschichte vom Ritter Blaubart
alles andere als lustig. Schließlich ist die Hauptfigur ein liebesgieriger Potentat, der bereits fünf Frauen hat umbringen lassen und weitere umbringen will. Verantwortlich für diesen Coup
zeichnet der junge Regisseur Søren Schuhmacher (der von Regiegrößen wie Andreas Homoki, Willy Decker und Christof Loy ausgebildet wurde), ein gebürtiger Hamburger und derzeitiger
Wahl-Berliner. Wie schaffte er es als kühles „Nordlicht“ eine solch ausgelassene Stimmung auf die Bühne des Staatstheaters Mainz zu bringen, wo kein Ensemble sondern eine große Familie zu
erleben ist? Hat ihm seine Studienzeit in Köln die rheinische Frohnatur nahe gebracht? Wie er im Vorfeld der Premiere berichtete, begeisterte ihn die außergewöhnliche Energie, die Spielfreude
und die gute Zusammenarbeit am Staatstheater Mainz von Anfang an.
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Blaubart Staatstheater Mainz Popolani (Patrick Pobeschin), Boulette (Patricia Roach), Blaubart (Alexander Spemann),
Chor und Statisterie des Staatstheaters Mainz Foto: Martina Pipprich
Schuhmacher verlegte die Handlung von der Bretagne nach Italien und zeigt das Stück als Mafiosikrimi der 20er-Jahre. Das erste Bild ist örtlich noch nicht geografisch festgelegt.
Der Dorfplatz zeigt eine Fläche in der freien Natur, mit Schneeberg als angedeutetes Gebirge und ein WC-Häuschen als Hütte Saphirs. Ein Blumenbeet mit dunkelblauen Blumen,
erfrorene Palmen und dunkle aufziehende Wolken im Hintergrund machen deutlich, dass es nicht bei den anfänglichen fröhlichen Liebesspielen mit roten Rosen bleiben wird. Der
Ahnensaal im Palast des Königs beschränkt sich auf ein wechselndes Ahnenbild, im Garten lockt ein kleiner Pool und die Höflinge des Königs führen ihre Devotions-Übungen mit
freiem Oberkörper und einem Handtuch um die Lenden durch.
Finster wirkt der Keller des Alchimisten, ein imposantes Labor im Stile Frankensteins, mit sechs Leichenkammern, einer Statuengalerie und im Hintergrund drohend vorbei
schwimmenden Rochen. Mit großem Getöse werden die fünf gefangen gehaltenen Frauen aus ihrem gläsernen Kabinenversteck befreit. Demgegenüber fällt das letzte Bild
etwas ab. Der Ballsaal im Palais des Königs Bobèche hat immerhin einen großen Kronleuchter, ansonsten aber nur einen golden schimmernden Bühnenprospekt und ein
eingeblendetes Großbild eines feudalen Saales im Hintergrund (Bühne: Norbert Bellen). Doch zu diesem Zeitpunkt bedarf es keiner großen visuellen Ablenkungen, die Regie hat
das Geschehen fest im Griff und lockt mit ständig neuen Highlights, dabei das ganze Geschehen auf die Schippe nehmend. So geben die Gefolgsleute Blaubarts ein
„Maschinenpistolen-Ballett“ und laufen große und kleine Mäuse über die Szenerie, was das Publikum immer wieder zu Lacher und Zwischenapplaus motiviert.
Mit starker vokaler Präsenz gibt Alexander Spemann einen von dämonischen Zügen befreiten, leichtfüßigen Blaubart. Patricia Roach singt und spielt sich als resolute, lebens-
und liebeslustige Boulotte im Reifkleid (Kostüme: Carola Volles) in den Vordergrund, während Kammersänger Jürgen Rust als König Bobèche vor allem sein komödiantisches
Talent ausspielen kann. In den weiteren Rollen gefällt Patrick Probeschin als Alchemist Popani, genauso Axel Herrig (bekannt als „Falko“), der kurzfristig die Rolle des Graf Oscar
übernahm, Alexander Kröner als jugendlicher Prinz Saphir, Inga-Britt Adersson als seine auserwählte Fleurette und Katherine Marriott als deren Mutter (Königin Clementine). In
das bunte, karnevalistisch angehauchte Treiben, fügt sich der von Sebastian Hernandez-Laverny einstudierte Chor mit großer Spielfreude ein. Thomas Dorsch leitet das
Philharmonische Staatsorchester Mainz mit starkem Verve, bringt Offenbachs schwarzen Humor zum funkelnden Glühen und zweischneidige Musik
Zum großen Schlussbild fallen kleine Glitzersterne vom Bühnenhimmel und eine Sprechblase verkündet „… to be continued“. Dermaßen aufs Feiern eingestimmt, kann die
Meenzer Fassenacht 2010 kommen und lässt sich die Wartezeit auf eine Fortsetzung leichter überbrücken.
Markus Gründig, November 09
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Die Fledermaus schauspielfrankfurt Besuchte Vorstellung: 25. Oktober 08 (Premiere)
In Frankfurt haben Operetten
Seltenheitswert. Allenfalls in der Alten Oper oder der Jahrhunderthalle ist ab und an eine Gastspielproduktion auf großer Bühne zu sehen. Da hat es das Publikum etwa in Mainz oder Wiesbaden
schon leichter, hier stehen Operetten regelmäßig auf den Spielplänen der Großen Häuser, allen Unkenrufen zum Trotz. Neben einer meist leicht zu verstehenden Geschichte bieten Operetten nach
wie vor beste Unterhaltung mit leichter, oftmals ins Ohr gehender Musik. Einen Beweis für die Aktualität von Operetten bietet jetzt ausgerechnet das schauspielfrankfurt, mit Karin
Neuhäusers avantgardistischer Interpretation des Operettenstücks par Excellence: Johann Strauss´ Fledermaus. “Trinke Liebchen, trinke schnell“, „Ich lade gern mir Gäste ein“ und „Mein Herr
Marquis“ sind nur einige der Fledermaus-Hits, die ab sofort lustvoll das Frankfurter Publikum verführen wollen und den Traum von einem leichteren Leben ohne Alltagssorgen schüren. Dabei kommt
die Inszenierung ohne ausgewiesene Sänger aus, es ist das Ensemble vom schauspielfrankfurt, dass sich hier famos in das Herz der Zuschauer singt und spielt.
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Die Fledermaus schauspielfrankfurt Gabriel von Eisenstein (Martin Butzke) und Rosalinde von Eisenstein (Susanne Buchenberger)
Foto: Alexander Paul Englert
Neuhäuser hat das Stück gekürzt, bloßgelegt und dezent mit weiteren aktuellen Musikstücken ergänzt (wie Katie Meluas „Lilac Wine“), um die Strausssche Gefühlswelt ins
Heute zu übertragen. Mit vielen humoristischen und parodistischen Einfällen bewegt sie sich allerdings auch knapp an der Grenze zur Klamotte.
Das auch in Erwachsenen noch Kinder stecken können, zeigen die Kostüme (Franz Lehr). Die illustre Festgesellschaft präsentiert sich als Vertreter der Comic-Generation (mit
Kermit, Miss Piggy, Panzerknacker, Asterix und Obelix). Mit spitzen Witzen geben Statler und Waldorf, die vom Balkon aus kommentierenden älteren Herren aus der Muppets
-Show, ihr Bestes. Als Hilfe für die Zuschauer gibt es Übertitel für die Liedtexte und die Vorgeschichte von Dr. Falkes Erniedrigung wird als Video eingeblendet.
So bunt wie die Gäste, ist auch die an einen Kindergeburtstag erinnernde Bühne (auch Franz Lehr). Auf der Drehbühne wurde für jeden der drei Akte ein nahezu leerer Raum
geschaffen, mit plakativen Luftballontapeten (und einem Meer von Luftballon im Chambre séparée der Orlofskyschen Villa).
Neuhäusers Trumpf ist die Homogenität des Ensembles, bei dem sich Stefko Hanushevsky mal wieder selbst übertrifft. Als androgyner, glatzköpfiger Prinz Orlowsky im
schwarzen Leder und Tutu, glänzt er sängerisch, die ganze Bandbreite seiner Stimme auslotend und mit mimischen Feinspiel. Herrlich schrullig die Ordnung bewahrend, gibt
Mechthild Grossmann den Gerichtsdiener Frosch. Ein kleines Musikensemble unter der Leitung von Matthias Flake sorgt für eine spritzige Begleitung.
Markus Gründig, Oktober 08
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Der Vetter aus Dingsda Staatstheater Mainz Besuchte Vorstellung: 31. März 07 (Premiere)
Ein breites Spektrum
musikalischer Werke bietet das Staatstheater Mainz in dieser Saison, der ersten von Intendant Matthias Fontheim. Nach Oberon, Kein Ort Nirgends, Die Zauberflöte und Pelléas et Mélisande
feierte nun der beliebte Operettenklassiker „Der Vetter aus Dingsda“ Premiere im Großen Haus, ein wunderbarer Dessert, wie ein Herr beim Herausgehen anmerkte. Ein wunderbares Dessert ist
etwas, was man sich zwischen Zunge und Gaumen zergehen lassen kann, wo goutierend Glücksgefühle freigesetzt werden.
Dem stimmungsvollen Schlussapplaus im Takt folgend, hat das Publikum im Staatstheater Mainz in der Tat diesen Abend goutiert. Eingängig sind die Melodien mit Ohrwurmqualität von Eduard
Künneke, die vor allem bei den reiferen Besuchern noch wohl bekannt sind („Strahlender Mond“, „Ich bin nur ein armer Wandergesell“). Aber gerade wegen Ihrer Eingängigkeit, gefällt diese
mitreißende Musik auch unmittelbar demjenigen, der diese Operette dass erste Mal hört. Das Inszenierungsteam von Philip Tiedemann macht aus der Unnatürlichkeit des Komödienhaften Stoffes
keinen Hehl und zeigt das Stück recht traditionell, als großes Puppentheater. Dieses steht in Form eines klassizistischen Hauses nach hinten versetzt auf der Bühne. Der große Wohnraum
verbirgt sich zunächst noch hinter einem dunkelroten Vorhang, so dass die Szenerie an den Anfang einer jeden Folge der Augsburger Puppenstube erinnert. Die Darsteller sind hier aber nicht an
Fäden aufgezogen sondern haben allesamt einen zweiten Unterleib: in verkleinerter Form bei gleicher Ausstattung. Wenn Sie diesen über den Rand des Wohnraums hängen, ergeben sich stets
komische optische Eindrücke. Auf Tänze wird verzichtet, dafür bewegen sich diese Halbpuppen umso mehr und auch das Haus gerät im Laufe der Handlung immer mehr ins wanken. Lokalstar Franz Pohl
sorgt als Bühnenhausmeister nicht nur für das Auf- und Zuziehen des Vorhangs, er betreibt auch das Donnerblech und die Windmaschine, vor allem aber bewegt er durch Drehen an der Kurbel dafür,
dass am vorderen Bühnenrand die unterschiedlichsten Requisiten (neben Wein, Gläsern auch ein Boot) entlangfahren. Das Haus öffnet sich mitunter nach hinten und gibt den Blick frei auf eine
zauberhafte Waldlandschaft oder einen Sternenhimmel, bei stimmungsvollster Ausleuchtung. Das unter der Leitung von Sebastian Hernandez-Laverny spielende Philharmonische Staatsorchester
Mainz hatte hörbar Spaß an dem Mix aus gefühlsvollen Liedern und flotten Schlagern. Überzeugt haben auch die sängerische und schauspielerischen Darbietungen (hier mit englischen,
französischen und italienischen Einschlag). Kerrie Sheppard als Julia de Weert und Alexander Spemann (mit schönem Schmelz) als August bildeten das Hauptpaar. Ihr Glück fanden auch Hannchen
(temperamentvoll: Evelyn Czesla) und Roderich (jugendlich: Martin Erhard), in alter Verbundenheit blieben Josse (komödiantisch stark: Ks. Jürgen Rust) und Wimpel (Edith Fuhr). Dazu mit
gleicher guten Laune dabei: Egon von Wildenhagen (Patrick Pobeschin) als ungeschickter Verehrer (der am Ende einen Phallus-Kaktus als Geschenk präsentiert) und die Diener Hans (Lothar
Berberich) und Karl (Reiner Weimerich).
Der Traum vom Glück, hier kann er geträumt werden und goutiert, eben wie ein leckeres Dessert.
Markus Gründig, April 07
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Die verwandelte Katze (La Chatte Métamorphosée en femme)
Die andere Seite der Oper Frankfurt
Der Abend beginnt nicht um 19.30h oder 20.00 Uhr, nein es ist 22.15h als die Musiker mit der Ouvertüre beginnen. Das Publikum sitzt auch nicht schön brav in Reih und Glied im
großen Saal der Oper, sondern bequem an kleinen Bistrotischen mit weißer Tischdecke, Wein und Kanapees in entspannte Atmosphäre vor einer kleinen Bühne.
Bereits in der Saison 2003/04 präsentierte die Oper Frankfurt erfolgreich die Reihe „Offenbachiade“ zu später Stunde. Jetzt folgte als Nachzügler der Operetten-Einakter „Die Verwandelte Katze“ von Jacques Offenbach in der Inszenierung von Spielleiter James McNamara.
Vor dem noch geschlossenen roten Vorhang steht ein kleines Körbchen und mittendrin irgendetwas kleines Schwarzes, das sich ab und an zaghaft bewegt. Beim Einsetzen
der Musik fängt es an sich richtig zu räkeln und plötzlich erkennt man auch einen Kopf, Pfoten und dass es sich um ein kleines Kätzchen handelt. Schleck, schleck, die
Pfötchen müssen sauber sein. Der Vorhang öffnet sich und gibt den Blick frei in eine kleine Stube mit türkiser Tapete und zwei Geweihen an den Wänden. Schon stolziert
Kammerzofe Marianne in Hausschuhen (herrlich: Birgit Schmickler) in die kleine leere Stube ein, nimmt das Kätzchen liebevoll auf den Arm und erzählt von ihrem Herrn
Junggesellen Guido (Michael McCown, schön komisch), der kurz drauf erscheint, ebenso wie der Magier Dig-Dig (Zoltán Winkler). Schnell hat Dig-Dig seinen Zauberring an
Guido verkauft, womit dieser die Verwandlung der geliebten Katze in eine attraktive Frau vollzieht und sich ein Haufen neuer Probleme auftun…
Dabei ist die Sopranistin Juanita Lascarro in der Rolle der verwandelten Katze Minette der Star dieses Quartetts. Sie schleckt weil’s einfach in ihr steckt, nicht nur reichlich
Sahne, wälzt sich auf dem Boden und faucht gehörig herum, sie weiss auch Guido ihre Krallen zu zeigen.
Im Publikum immer wieder reichlich lautstarke Lacher, schließlich war die Operette einst als zeitsatirische und gesellschaftskritische Form des Musiktheaters entstanden.
Bei dieser lustigen Unterhaltung zu später Stunde wird aber auch anspruchsvoll gesungen und unter der Leitung von Hartmut Keil spielt das fünfköpfige Instrumentalensemble
mit viel Schwung. Die Spielfreude der Darsteller wie der Musiker schwappt vom ersten Takt an auf das Publikum über.
Leider ist die einaktige Operette viel zu schnell vorüber, hier würde man gerne die ganze Nacht sitzen und dem lustig fröhlichen Treiben zuschauen.
Auch wenn die Oper Frankfurt nicht ihre Stärke im Operettenbereich sieht, hier ist sie besser als sie denkt. „Die verwandelte Katze“ zeigt dass auch die leichte Muße durchaus
ihren Platz am Main haben kann, ohne in die Trivialität zu verfallen. Das Potential Ihres Ensembles ist groß genug, auch dieser Herausforderung zu begegnen.
Markus Gründig, September 05
Infos zum Stück
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