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Besprechungen: CD´s (2)
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Falk & Sons: Celebrate Bach (Emarcy / Universal Music 06025 2782274)
Johann Sebastian Bach kann man zwar nicht als das "A und O" ("Anfang und Ende" nach dem griechischen
Alphabet) der Musik bezeichnen, jedoch für die Geistliche Musik schon. Der 1685 in Eisenach geborene Komponist,
Orgel- und Klavier-Virtuose beeinflusst noch heute Menschen, die oftmals in der Kirche ihre erste Begegnung mit ihm hatten. So auch Dieter Falk, der nicht nur als me
hrfach ausgezeichneter „Keyboarder des Jahres“ in der Jazz-Szene bekannt ist, sondern auch als erfolgreicher Produzent, Komponist und last, but not least als Jurymitglied bei
der Castingshow Popstars (2006 und 2007). Zusammen mit seinen beiden Söhnen Max (17 Jahre) und Paul (14 Jahre) hat er jetzt eines der
außergewöhnlichsten Instrumental-Alben des Jahres veröffentlicht: „Celebrate Bach“ (Dieter Falk: Piano & Keyboards; Max Falk: Percussion & Drums; OPaul Falk: Organ & Keyboards).
Der Titel deutet es schon an, dem nimmermüden Schöpfer von Fantasien, Fugen, Kantaten, Konzerten, Messen,
Motetten, Oratorien, Partiten, Passionen, Präludien, Suiten und Toccaten ist diese Hommage mit einigen seiner
bekanntesten Werke gewidmet. Zu Beginn des Albums steht mit “Jesu meine Freude“ (aus der Motette BVV 227)
das stärkste Stück. Es bildet einen hammerharten Auftakt. Alles, was das gesamte Album auszeichnet, findet sich
hier genial vereint: die Freude über Bach, die Freude am (gemeinsamen) Musizieren, kunstvolle Arrangements, die
die eingängigen Melodien überaus variationsreich interpretieren. Von Eintönigkeit keine Spur. Zarte Melodiebögen
wechseln sich mit sich majestätisch aufbauenden und kreischenden E-Gitarrenklängen zu einem donnernden
Freudeinferno auf. Und das nur mit drei Keybords. Entspannung folgt mit „Badinerie“ aus der Orchestersuite BWV
1067 (das man sich zunächst auch als Hintergrundmusik zur Ziehung der Lottozahlen vorstellen kann und dem später schmissige Bläsersätze beigemischt wurden) und dem
bekannten „Air“ (BWV 1068). Wobei es gerade die modulationsreiche Umsetzung ist, die dieses Album auszeichnet. Denn obwohl man die Stücke kennt und wieder erkennt, klingen sie doch wie neu.
Rockiger ist dann wieder „Jesu bleibet meine Freude (BWV 147), das sich dynamisch und facettenreich aufbauscht, sodass man es sich auch gut als Begleitmusik zu einer
Actionserie vorstellen kann. „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ führt träumerisch wieder zu ruhigeren Gewässern. Als wäre Till Brönner mit von der Partie, sorgt hier
Trompetenklang für eine Baratmosphäre. Funky-Bläsersätze im rockigen Swing-Rhythmus führen in „Gloria“ zu großen Showformat. Das „Praeludium Nr.1 (BWV 248) ist
eigentlich eine kleine Nummer aus dem Wohltemperierten Klavier. Durch die Hintereinanderstellung von Begleitung und Melodie wirkt es wie glanzvoll aufgepimt. Schwungvoll im
Big Band Sound versprüht „Jauchzet, frohlocket“ (BWV 248) noch einmal gute Laune pur. Wie das abschließende euphorische „In dir ist Freude“, dem das besinnliche „Was Gott
tut das ist wohlgetan“ vorangestellt ist.
Nicht nur zur bevorstehenden Weihnachtszeit ist „Celebrate Bach“ ein hervorragendes Gutelaune-Album, auch bei Stimmungsschwankungen während des Jahres ist es wärmstens zu empfehlen.
Markus Gründig, November 11
www.falkmusic.de
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Bruno Böhmer Camacho: Nostalgic Vision Sony Music Germany (Sony Classical), ASIN: B004NRAY4I
Ist das jetzt ein Bubi oder schon ein Mann? Auf dem Coverbild zu seiner Solo-CD „Nostalgic Vision“ wirkt der
gebürtige Kolumbianer Bruno Böhmer Camacho schon sehr jung, trotz edlem Outfit in Hemd und Weste. Dabei ist
der 25jährige Musiker erfahrener als er zunächst optisch wirkt. Aufgewachsen in der Industrie- und Hafenstadt
Barranquilla, kam er 2002 nach seinem Schulabschluss zusammen mit seinen langjährigen Freunden Juan Camilo
Villa und Rodrigo Villalón nach Deutschland, dem Heimatland seines Vaters. Hier gewann er bereits den 1. Platz
beim Folkwangpreis Essen (2006 und 2008), war Finalist bei den Leverkusener Jazztagen (2008) und dem World
-Jazzpartners Popkomm (2008). Zudem erhielt er eine Nominierung für den BMW International Jazz Award (2009).
Im vergangenen Jahr ist er als Pianist in die deutsch-kubanische Formation Klazz Brothers & Cuba Percussion
eingestiegen. Das in 2011 bei Sony Classical erschienene Album „Nostalgic Vision“ markiert für ihn einen neuen
Höhepunkt. Auch wenn seine Freunde hier wieder mitmusizieren (Juan Camilo Villa am E-Bass und Rodrigo Villalón
am Schlagzeug sowie weitere Gastmusiker), dominiert sein Klavierspiel. Die meisten Stücke hat Camacho selbst
komponiert. Nur zwei Coverversionen (Stings „Fragile“ und „Poinciana“ von Nat Simons und Buddy Bernier) wurden in die insgesamt 12 Stücke umfassende Auswahl aufgenommen.
Mal verträumt, mal melancholisch, aber immer von tiefen Emotionen geprägt begeistert dieses Jazz und Fusion
Album, das dem Smooth Jazz aber auch den kolumbianischen Wurzeln Camachos nahe steht. Einen großen
Einfluss auf seine musikalische Entwicklung hatte nicht nur die Mutter (eine Konzertpianistin), sondern auch deren
Vater (also sein Großvater): Ángel María Camacho y Cano, ein international bekannter Musiker, Komponist und
Förderer der karibischen Musik. Schon das erste Stück „Volcanic ashes“ (Aschewolke) berührt im soften Jazz Stil.
Es ist wohl eines von Camachos persönlichsten Stücken, hat er doch im vergangenen Jahr seinen Vater verloren. Stücke wie „Beyond Heaven“, „Static motion“, „Riga without
you“ und „The final sorrow“ eignen sich zum Träumen, Kuscheln oder nur zum Genießen. Erstmals singt Camacho auch (die spanischen Texte sind im Booklet abgedruckt und
die Titel zumindest ins Englische übersetzt worden). Sein Gesang bei den Jazzballaden wie „Quiero Olvidar (I wish I’d forget“) oder „Un Pajarito“ (One Little Bird“) unterstreicht
die beruhigende Stimmung der Stücke. Der Albumtitel „Nostalgic Vision“ passt als Hinwendung zu einer inneren Harmonie vergangener Zeiten, die heute immer seltener zu werden droht. Wunderbar!
Markus Gründig, Juli 11
www.brunoboehmer.com
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2Cellos ~ Luka Sulic und Stjepan Hauser Sony Music Germany / MASTERWORKS, ASIN: B0050R27BS
Violinisten wie Nigel Kennedy, Vanessa-Mae und nicht zuletzt David Garrett erreichen mit ihrem Spiel auf der Geige
nicht nur ein klassisches Publikum, sondern auch viele Menschen, die mit Klassik eigentlich wenig oder nur selten
etwas anzufangen wissen (und André Rieu ist auch nicht zu vergessen). Für Furore sorgten im vergangenen Jahr
die jungen kroatischen Musiker Luka Sulic und Stjepan Hauser. Ihre Einspielung von Michael Jacksons "Smooth
Criminal" wurde auf Youtube millionenfach angeklickt. Wobei sie nicht auf Geigen spielen, sondern auf Violoncellos
(Cellos). Diese gehören als Tenor-Bass-Instrumente zwar zur Familie der Violinen, sind ähnlich gebaut, haben aber
eine größere Korpuslänge und Zargenhöhe. Sie werden über einen Stachel auf dem Boden gestützt, ihr
Tonumfang umfasst etwas mehr als 4 Oktaven. Vor allem seit Vivaldi rückte das Violoncello im Bereich der
Kammermusik in den Mittelpunkt, als Soloinstrument ist es bis heute allerdings nicht so populär wie die Violine. Dies
können Luka Sulic und Stjepan Hauser mit ihrer Debüt-CD nun ändern. Denn die an der renommierten Royal
Academy of Music in London und am Royal Northern College of Music in Manchester ausgebildeten Musiker spielen
keine Werke aus dem klassischen Repertoire, sondern zeitgemäße Pop- und Rockmusik (neben Songs von Michael
Jackson auch von U2, Guns N`Roses, Nirvana, Kings of Leon und Sting). Als Vorband von Elton John rocken sie seit Juni durch große Hallen in Europa und den USA.
Zu Beginn des Albums steht „Where The Streets Have No Name“, das sich auch als erste Einspielung auf dem U2
Album „The Joshua Tree“ befand. Von den insgesamt zwölf populären Coverversionen ragen zunächst die
energetisch und stürmisch eingespielten Stücke wie „Smooth Criminal“, „Welcome To The Jungle“ und „Smells Like
Teen Spirit“ hervor. Es sind Rockklassiker in neuem Gewand. Wobei sie nicht ihre Härte eingebüßt haben. Durch
das leidenschaftliche, intensive Spiel und dem Einsatz verschiedener Techniken (wie zupfen und trommeln) klingen die Stücke auf den Streichinstrumenten heftiger und härter als vermutet.
Poetisch und verträumt sind die ruhigeren Nummern, wie Stings „Fragile“ oder „The Resistance“ der britischen Band Muse. Ohne zu sehr ins Sentimentale abzudriften, gewinnen
diese Stücke durch ihre langsameren Tempi an Ausdruck und wecken den Wunsch, mehr von Cellos gespielte Musik kennenzulernen.
Markus Gründig, Juli 11
www.2cellos.com
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Francesco Tristano: bachCage Deutsche Grammophon (Universal), ASIN: B004KBSQ2E
Der gebürtige luxemburgische Pianist und Techno-DJ Francesco Tristano hat bereits elf Alben veröffentlich. Jetzt
folgte das zwölfte, dabei ist er gerade einmal 29 Jahre jung. Doch hat er sich schon einen besonderen Ruf
erworben, da sein Repertoire zwar die populären Klassiker berücksichtigt. Als großer Techno-Fan sind sein
Repertoire und seine Einspielungen aber auch von modernen Musikstilen abseits klassischer Musik geprägt.
Das trifft auch auf das neue Album „bachCage zu, das jetzt unter dem Label der „Deutsche Grammophon“
erschienen ist (Tristano ist neu bei deren Muttergesellschaft Universalmusic unter Vertrag). Der Titel drückt schon
aus, dass es hierbei nicht nur um Bach und Cage geht, wie auch Tristano selber verkündete, dass dies kein
normales Klavierrecitalalbum sei. Das wäre dem avantgardistischen Künstler auch zu simpel. Er sieht sich hierbei
eher als Kurator, der dem Publikum beide Welten näher bringen will, indem er mit seiner, nicht unbedingt klassischen Interpretation, zeitgemäße Strukturen hervorhebt.
Dabei liegen zwischen Johann Sebastian Bach (Spätbarockkomponist per excellence) und John Cage (moderner
Konzeptkünstler per excellence) nicht nur Welten, sondern auch 227 Jahre. Bach wurde 1685 im thüringischen Eisenach geboren, Cage 1912 im kalifornischen Los Angelos.
Neben kurzen von ihm selber komponierten Eingangs- und Zwischenstücken, stehen auf dem Album vor allem
Bachs Partita Nr.1 in B-Dur (BWV 825), die vier Duette BWV 802 – 805 und Cages „The seasons“ im Mittelpunkt des Albums.
Die Partita 1 nimmt in Bachs Œuvre einen besonderen Stellenwert ein, ist sie doch die erste Partita, die als gedruckte Fassung erschien (im Eigenverlag, Teil seiner
„Clavierübungen, seines „Opus 1“). Noch heute ist sie sehr populär. Es handelt sich um stilisierte barocke Tanzsätze, die allerdings nicht zum Tanzen geeignet sind. Alle
melodischen sieben Sätze zeichnen sich durch einen glanzvollen und leichten Klang aus. Beendet wird die Partita mit einem Glanzstück: einer rasanten Gigue. Die
Zwölfachtelbewegung in eine in Vierteln durchlaufende, durch Sprünge mehr als drei Oktaven umgreifenden Melodielinie und nachschlagende Achteltriolen in der Mittellage
zerlegt und bei der der Pianist beständig die Hände überkreuzen muss.
In der Interpretation dieser Partita von Francesco Tristano wird die virtuose Spielfreude von ihm deutlich. Voller jugendlichem Sturm und Drang fegt er durch das Werk. Im
schnellen Tempo, harten und spitzen Anschlägen ist er von einem träumerischen, zarten Klangspiel weit entfernt. Wie ein hektisches Heran- und umtasten, (so ist die Gigue bei
dieser Aufnahme auch eine viertel Minute kürzer als gewöhnlich).
Besänftigend wirkend und wie in eine schwebende Zwischenwelt überleitend: das nachfolgende, knapp neunminütige „In a landscape“. Perfekter hätte der Übergang von Bach
zu Cage nicht sein können. Cages Musik ist ja vor allem konzeptionell gedacht. „In a landscape“ stammt ebenso wie „The seasons“ aus dem Jahr 1947, also aus der früheren Zeit
von Cage, markieren gleichzeitig aber auch den Übergang seines Kompositionsstils. Ein Jahr später erschien sein bahnbrechendes zyklisches Großwerk „Sonatas & Interludes
für präpariertes Klavier“.
Tristano verzichtet bei dieser Einspielung auf ein präpariertes Klavier, Nachbearbeitungen und Soundeffekte wurde später im Studio eingearbeitet (besonders deutlich sind sie
bei „tristano interludes“ zu hören). Wo er bei Bach vehement und stürmisch spielte, ist er bei Cage umso langsamer und ruhiger. Das entkräftigt stellenweise Cage und zeigt die
Verbindung zwischen beiden auf (die bei dieser Stückeauswahl des Albums besonders hervorgehoben wird). „In a landscape und „The seasons“ nehmen eine Sonderstellung
in Cages Gesamtwerk ein, da sie von impressionistischen Reminiszenzen geprägt sind, womit sie den ungeübten Cagehörer nicht so ganz verschrecken. Anders als Vivaldis
„Die vier Jahreszeiten“, beginnen Cages seine mit dem Winter. Sie folgen damit dem indischen Konzept. „Winter“ drückt Ruhe aus, „Spring“ ist dynamischer, die Schöpfung
symbolisierend. „Summer“ wirkt eher verhalten, den Status quo festhaltend, als Leichtigkeit und „Fall“ führt die Zerstörung vor.
Die kurzen vier Bach Duette BWV 802-805 stammen aus dem 1739 dritten Teil der Bachschen „Clavierübungen“. Hierbei fesselt mit rauschenden Skalenläufen besonders das
Duetto e-Moll BWV 802 und das liebliche Idyll Duetto G-Dur BWV 804, eine ansprechende Melodie die in weichen Terzenparallelen ausgespielt wird. Einen Höhepunkt exaltierter
Klangerfahrungen und ausgefallener Kompositionskunst (Sternenbilder der südlichen Hemisphäre als Basis) markieren Cages monumentale „Etude australe“, die 1974/75
entstanden und der deutsch-amerikanischen Pianistin Grete Sultan gewidmet wurden. Gleichwohl stellen sie hohe Anforderungen an den Pianisten. Die hier vorgestellte achte
Etüde aus dem 1. Buch spielt Tristano mit großer Klarheit.
Den Abschluss des Albums bildet Bachs Menuett II aus der französischen Suite Nr.1 (BWV 812), nach einem pittoresk und verspielten Klang verfremdeten Eingang, gleicht es in
der andächtig gespielt Interpretation fast einem Abendgebet.
Ein starkes Studioalbum mit einer fesselnden Interpretation, die behutsam das breite Spektrum zwischen Bach und Cage auf einen gemeinsamen Nenner bringt, als intensive und
schwebende Klanginstallation eigensinnigen Spiels von Francesco Tristano (Produzent: Moritz von Oswald und Soundmix von Raschad Becker).
Markus Gründig, März 11
www.francescotristano.com
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G lee: The Music, Volume 1
Sony Music
Seit Mitte Januar läuft auf Super RTL jeden Montag zur Primetime die mehrfach ausgezeichnete US-Serie „Glee“,
eine Art moderne Adaption von „Fame“ aus den 80er Jahren. Allerdings mit dem Unterschied, dass es nicht um die
New York City High School for the Performing Arts geht, sondern um die fiktive McKinley High School in Lima/Ohio.
Die Musical-Comedy stammt von Ryan Murphy, der mit „Nip/Tuck – Schönheit hat ihren Preis“ und „Popular“ bereits
auf sich aufmerksam gemacht hat. Gesungen wird hier viel, schließlich steht der Glee-Club, ein Schulchor, im
Mittelpunkt der Handlung. Wobei es sich hier um einen amerikanischen Show-Chor handelt, der wesentlich lockerer
rüber kommt als ein deutscher Chor und bei dem auch viel getanzt wird. Bei den Songs handelt es sich meist um
Coverversionen aktueller Popsongs. Schon vor dem Start von „Glee“ in Deutschland war die Serie in rund 30
Ländern zu sehen, wobei insbesondere in den USA das Phänomen „Glee“ zu den ganz großen TV-Erfolgsgeschichten der letzten Jahre zählt.
Gleiches gilt auch für die CD „Glee Volume 1“, die ab 18. Februar 2011 nun auch in Deutschland zu kaufen ist (in
den USA ist bereits Glee Volume 4 erhältlich). Viele Glee-Fans (die sogenannten „Gleeks“) haben sich die Musik
daher schon längst anderweitig besorgt. Jetzt ist sie überall in Deutschland erhältlich und lässt das Glee-Fieber
bequem im Player genießen, wann und wo immer man will. Denn das Besondere bei Glee ist, die können da alle
super singen und selbst alte Songs hören sich, neu arrangiert und interpretiert, zeitgemäß an. Gleich der erste
Song ist ein Highlight der insgesamt 17 Songs umfassenden CD. Journeys “Don’t Stop Believin’” findet hier eine
schwungvolle Neuinterpretation, die morgens gehört, jegliche Müdigkeit verfliegen lässt und einen powervoll in den
Tag starten lässt. Optisch hinterlässt Cory Monteith (der Football-Quarterback Finn) mit seinem sportlichen Körper
einen super Eindruck, gesanglich ist er aber bei “Can’t Fight This Feeling”, dem zweiten Song der CD, etwas blass,
zu uninspiriert plätschert der Song dahin. Grooviger geht es dann bei Kanye Wests “Gold Digger” zu, hier gegeben von Matthew Morrison (dem Chorleiter Will) mit Unterstützung von Amber Riley.
Rihannas “Take a Bow” wird von Lea Michele (der ehrgeizigen Rachel) voller Inbrunst gesungen, gleiches gilt auch für ihre Fassung von „Taking Chances“. Stärker kommt sie in
den beiden Duetts mit Cory Monteith (Finn) rüber (“No Air” und „Keep Holding On).
Mit ihren runden Körperformen gilt sie zwar nicht als aussichtsreiche Kandidatin für „Americas next Topmodel“, dafür aber für „American Idol“: Amber Riley (Mercedes). Sie hat
eine herrlich soulige und überaus kräftige Stimme, zu der Jazmine Sullivans “Bust Your Windows” wunderbar passt. Bei „NN“ rockt sie voll durch. Allein wegen ihr lohnt sich der Kauf der CD.
In der vierten Folge (der ersten Staffel) war Kristin Chenoweth als talentierte, aber trinkfreudige April zu Gast. Sie begeistert schon im Quartett gesungenen „Somebody to love“,
doch wie sie dem Musicalschinken „Maybe This Time“ (Cabaret) Esprit, Sex und Verruchtheit verleiht, ist einfach genial und das schrille Ende ist einfach geil.
Etwas belanglos wirken die Ensemblenummer “Somebody to Love” und „Sweet Caroline“ vom coolen Macho Mark Salling (Puck), da hätte eine härtere Nummer besser gepasst.
Auch Kevin McHale (Rollstuhl Artie) hätte man einen besseren Titel geben können als „Dancing With Myself“.
Temporeich singt Quinn Fabray alias Cheerleaderin Quinn den Song “You Keep Me Hangin’ On” und groovet ordentlich mit „Bust a Move“ (mit Unterstützung von Matthew Morrison/Will).
Finaler Song der CD ist das stark verkürzte Duett „Defying Gravity“ aus dem Musical „Wicked“. Dort bildet er den Höhepunkt vor der Pause, bei dem die Hexe Elphaba frei und
schwerelos auf ihrem Besen in die Höhe schwebt. Diesen Zauber können Chris Colfer (der schwule Kurt, hier mit Kopfstimme singend) und Lea Michele (Rachel) nicht toppen.
Das CD-Booklet enthält leider keine Songtexte, immerhin aber ein paar schöne Bilder der Serie. Diese ist derzeit jeden Montag um 20.15 Uhr auf SuperRTL zu sehen.
Markus Gründig, Februar 11
http://glee.superrtl.de
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Hélène Grimaud „Resonances“ Deutsche Grammophon (# 477 8766 )
Die 1969 im südfranzösischen Aix-en-Provence geborene Hélène Grimaud zählt zu profiliertesten Pianistinnen unserer Zeit. Von der mehrfach ausgezeichneten Künstlerin gibt es b
ereits viele CD-Einspielungen. Für ihre CD mit Stücken von Clara Schumann ("Reflections") gewann sie im Jahr 2005 den Echo-Klassik-Preis. Auf ihrer neuesten
Einspielung „Resonances“ begibt sie sich auf Spurensuche zu Sonaten von Mozart, Liszt, Berg und Bartok, den
großen Komponisten der österreichisch-ungarischen Monarchie. Die Werke stammen aus unterschiedlichen
Epochen (1778, 1857, 1907 und 1915), die von der Wiener Klassik über die Romantik bis zur neuen Musik des Expressionismus reichen.
Den Anfang macht ein schwierig zu spielendes Werk des Meisters Mozart. Seine monumentale Klaviersonate Nr. 8
(KV 310) war seine erste Komposition in Paris, wo er nach dem Tod seiner Mutter weilte. Hier entstanden mehrere
dunkel gefärbte Stücke. So ist auch die Sonate Nr. 8 kein heiteres Werk, auch wenn der erste Satz im „Allegro
maestoso“-Tempo heroisch und schwungvoll beginnt und es über „Andante cantabile con espressione“ im
pathetischen 2. Satz, bis zum „Presto“ im kurzen und wilden 3. Satz weiter geht. Neben der Klaviersonate c-Moll
(KV 475), ist dies Mozarts einzige Moll-Sonate (a-Moll) für Klavier, mit einer düster, schwermütigen Färbung.
Grimaud spannt einen dichten Gefühlsbogen, um die ungewohnt schicksalhafte Hoffnungslosigkeit mozartscher
Klänge aufleben zu lassen. Geprägt von den Eindrücken, die ihn in Paris erfassten, nimmt dieses Werk eine
Ausnahmestellung in seinem Œuvre ein (eindeutige biografische Bezüge zu tragischen Vorkommnissen während der Komposition sind nicht bekannt).
Nach dem aufwühlenden Mozartstück geht es mit einem ruhigen, aber musikalisch sehr interessanten expressionistischen Stück weiter, mit Alban Bergs populären einsätziger h
-Moll Klaviersonate Opus 1, die im Jahr 1907 entstand und die für Grimaud der Ausgangspunkt dieses Albums war. Die Sonate folgt formal der klassischen Sonatenform (mit
Exposition, Durchführung, Reprise und Coda), weist in ihrer Vielschichtigkeit aber bereits eindeutig auf die Werke der Wiener Schule hin.
Franz Liszts große H-Moll-Sonate (S 178) erfordert ein hohes Maß an Gestaltungskraft und zählt zum schwierigsten, was je für Klavier geschrieben worden ist. Der Romantiker
Liszt widmete die Sonate Robert Schumann (als Dankeschön für dessen Fantasie in C [Op.17], die Schumann Liszt gewidmet hatte). Die vier Sätze haben die Tempi „Lento assai
- Allegro energico“, “Grandioso – Recitativo”, “Andante sostenuto” und “Allegro energico - Andante sostenuto - Lento assai” und beschreiben romantisch verklärt das Leben
einer Künstlerpersönlichkeit. Grimoud schafft es hier ein dichtes Gefüge von innigen Emotionen erklingen zu lassen, bis hin zum Zustand höchster Emphase. Gleichzeitig wird der
bekenntnishaften Tonfall des Werks (ein Künstlerleben in Tönen) beleuchtet.
Den Abschluss bilden die sechs Rumänischen Volkstänze von Béla Bartók aus dem Jahre 1915 (Sz. 56), sechs Miniaturen mit einer durchschnittlichen Dauer von einer Minute
„Der Tanz mit dem Stabe“ (Allegro moderato), „Gürteltanz“ (Allegro), „Der Stampfer“ (Andante), „Tanz aus Butchum“ (Moderato), „Rumänische Polka“ (Allegro) und „Schnelltanz“
(Allegro - Allegro vivace)). Heutzutage werden diese überwiegend mit Violine gespielt (meistens in der Bearbeitung von Zoltán Szekély), weshalb diese Aufnahme ganz
besonders zu beachten ist. Ohne begleitende Violine wirkt die Melodik der Tänze anders, gerade in der besonnenen Umsetzung von Helen Grimaud. Sie fasst damit die
vielfältigen Stimmungen der zuvor gespielten Sonaten quasi im Schnelldurchlauf noch einmal zusammen und führt den Zuhörer mit energischen, fröhlichen und lebhaften Tönen
zurück in die Gegenwart und ins Licht.
Mit Ihrem Album „Resonances“ lädt Hélène Grimauds ein, sich träumerisch auf Erkundungen in die eigene Gefühlswelt zu begeben.
Markus Gründig, Oktober 10
www.helenegrimaud.com
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