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Besprechung: Show & Event - Teil 2 -
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Flic Flac - “ARTgerecht” Gastspiel in Frankfurt Besuchte Vorstellung: 29. April 10 (Premiere)
Ein Zirkus der rockt
Nicht ohne Grund nennt sich der Zirkus Flic Flac im Untertitel „the modern art of circus“. Denn Flic Flac ist alles andere als ein gewöhnlicher Zirkus: Es gibt keine
Elefanten, Ponys oder sonstige Tiere und auch keine typischen Clowns. Dafür hammerharte artistische Nummern, die mit rockigen Beats und opernhaften Arien in einer an Tempo kaum zu
überbietenden Show aktionsreich und spektakulär dargeboten werden. Ein Zirkus, der rockt – und wie! Das aktuelle Programm "ARTgerecht“ wurde von dem französischen Regisseur Bruno
Darmagnac inszeniert, der hier, im Gegensatz zu manch früherer Flic Flac Show, zwar nicht auf düstere Elemente verzichtet, ihnen aber als Pendant auch Engelhaftes gegenüberstellt. Dies wird
schon gleich zu Beginn deutlich, bei dem die weiß gekleideten Artisten auf weißem Boden in vollkommener Harmonie „artgerecht“ zusammenleben. Die ukrainische Sopranistin Alexandra Gerbey
unterstützt als Fee mit ihrem arienhaften Gesang diese verzauberte Szenerie (was sie später wiederholen wird, dann schwingt sie sich jedoch nicht nur zu Koloraturhöhe auf, sondern
gleichzeitig auch artistisch am Vertikaltuch, ohne auch nur ein wenig aus dem Atem zu geraten). Als erste Nummer präsentiert die russische Tsisov Truppe auf dem Hoch- und Schrägseil
waghalsige Läufe, mit einem Spagat, bei dem die Artistin mit ihren Füßen auf den Köpfen von zwei Läufern ruht oder bei dem, auf einem Kopf ruhend, ein Handstand gegeben wird (wohlgemerkt auf
dem Hochseil, bei gleichzeitiger Präsenz von vier weiteren Artisten auf dem Seil nebst Querbalken).
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Flic Flac Tsisov-Artisten Foto: Markus Gründig
Ein so paradiesischer Zustand der Harmonie und Eintracht kann auf Erden nicht von Dauer sein. Und so mischt Rockröhre Frank Fabry als Bösewicht das Paradies mal so richtig
auf und befreit die Menschen aus der Mittelmäßigkeit. Er bestreitet musikalisch weite Teile der Show. Seine Lieder erinnern stark an den Stil von Rammstein. Ihre brachiale
Stimmung mit basslastigen Beats passt hervorragend zu den besonders kraftvollen Nummern, wie bei den „Bikers“, mit ihren Sprüngen und Salti auf LKW-Reifen und an der
russischen Schaukel. Aber auch zum Wasser und Feuer speienden Anatoli Zhukov oder Larissa Kasteins hingebungsvoller und sexy Performance an der Pole-Stange (zu „Ich
will sterben für dich“). Diese Artisten sind dann auch in Schwarz gekleidet, also bei dem wenigen, was sie zum Teil tragen.
Im Wechselspiel mit Gut und Böse folgen den actionreichen Nummern auch immer wieder poetisch anmutende Vorführungen, wie die der jungen Äquilibristin Tatjana Kastein (die
ihren Körper auf einem Arm gestützt scheinbar knochenlos drehen und wenden kann) und der ukrainischen Crazy Flight Juniors (die Ähnliches, allerdings aufeinander [!], vorführen).
Einfach nur peinlich ist Komiker, Jongleur und Zauberkünstler Steve Eleky, der im Schottenoutfit allein mit seinen Grimassen das Publikum zum Toben bringt. Sein lang gezogenes
„Hi“ bohrt sich sofort als Ohrwurm fest, da hilft dann auch nicht mehr, dass er es mit einem kleinen Plastik „Hai“ erklärt (der aber eigentlich weiblich ist, heißt nämlich „Hei-di“).
Krasse Artistik bieten auch Nicolai Kuntz am Schwingtrapez, die Heros am fliegenden Trapez, Yulia Galenchyk am Vertikalnetz (was mehr einem Tuch ähnelt) und die Bulgaren
Miroslav Toskov und Nicolay Dobrovolov am Strapatenseil. Da bleibt nur Hochachtung vor jedem Athleten.
Flic Flac ohne den „Globe of Speed“ ist undenkbar. Viele kommen allein wegen der Finalnummer, bei der mittlerweile bis zu acht kolumbianische Fahrer auf Motocross-Maschinen
durch eine Stahlkugel (Durchmesser: 5,60 Meter) sausen, kreuz und quer, sodass es nur so aus dem Globe qualmt.
Bevor mit einem furiosen Abschied, bei dem die Fetzen fliegen, das 2,5-stündige Programm beendet wird, haben sich die Fee und der Bösewicht gefunden und schreiten einer
gemeinsamen Zukunft, trotzt aller Gegensätze, entgegen.
Seit über 20 Jahren gibt es Flic Flac, gegründet wurde er von den Brüdern und Artisten Benno und Lothar Kastein mit ihren Ehefrauen Scarlett Kaiser-Kastein und Gabi Kastein
in Isselburg bei Bocholt. Die aktuelle Tournee „ARTgerecht“ wird als Abschiedstournee bezeichnet, denn die Macher gönnen sich ab Sommer 2010 eine kreative Pause (eine
Wiederaufnahme des Spielbetriebes ist nicht in konkreter Planung). Also nichts wie hin, denn zu sehen gibt es Atemberaubendes, in knackigen Formen und last, but not least, zu
attraktiven Preisen (von Euro 18,50 bis 42.50).
Markus Gründig, April 10
Infos und weitere Bilder zur Show
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Bäppi & Lars: Abramakabra ~ Die Hexe und der Zauberer Bäppis Theatrallalla Frankfurt Besuchte Vorstellung: 29. Dezember 09
Simsalabim: Da will ich hin!
Bei diesem Programm trifft die Kunst der Travestie auf die Kunst der Magie. Warum diese Kombination erst jetzt von Bäppi
& Lars Ruth, den Frankfurter Weltstars, in einer bezaubernden und herrlich blödsinnigen Show gezeigt wird, ist schon verwunderlich, geht es doch in beiden Künsten darum, dem Publikum
falsche Realitäten vorzumachen. Bei seinen jüngsten Rekordshows „Samstags gibt´s dick Supp“ und „Angela, du goldisch Maus“ zeigt Travestiekünstler Thomas Bäppler alias Bäppi nicht nur
seine eleganten Beine, sondern besticht auch in den ausgefallensten Kostümen als singende und ansteckend fröhlich hessisch babbelnde Grande Madame. Lars Ruth gastierte in Bäppis Theatrallalla
zuletzt im Mai 09 mit seinem Mentalmagie Soloprogramm. Stop. Mentalmagie, was ist denn das? Als Spezialgebiet der Zauberkunst kombiniert die Mentalmagie Suggestion, Psychologie und Magie.
Doch auch Prinzipien von Telepathie, Psychokinese und Hypnose finden sich hier wieder. Kurz gesagt: es geht darum die Gedanken anderer zu lesen oder vorherzusehen (spätestens seit den großen
Uri Geller TV-Shows dürfte die Mentalmagie eigentlich jedem bekannt sein).
Wenn nun also erstmalig Bäppi und Lars gemeinsam arbeiten, kann nur eine lachmuskelintensive, spannungsgeladene und zauberhafte Show herauskommen. So sind es auch die Meister des
Unmöglichen aus Las Vegas höchstpersönlich, die zu Beginn im kuscheligen Theatrallalla Theater erscheinen: Siegfried (alias Bäppi) schiebt Roy (Lars Ruth) im Rollstuhl durch den Saal auf die
Bühne, natürlich mit Montecore, dem bissfreudigen weißen Tiger, im Schlepptau.
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Bäppi & Lars: Abramakabra ~ Die Hexe und der Zauberer Bäppis Theatrallalla, Frankfurt Foto: Thomas Goos
Noch bevor der smarte Lars Ruth seine erste Mentalnummer zeigt, gibt er sich als Sänger zum Besten (das macht er gar nicht mal so schlecht; wobei auch Bäppi noch einmal
gesangstechnisch ordentlich zugelegt hat). Während Ruth singend um einen Biergarniturtisch zieht, macht es plötzlich zisch, rums und Donnerschlag und schon steht in ihrer
ganzen Pracht die gute Bäppi im kurzen roten und wild glitzernden Paillettenkleid funkelnd auf der Bühne und freut sich wie eine Prinzessin. Wow, da hat die Hebebühne von
PitStop (eine Etage tiefer) ganze Arbeit geleistet (wie Bäppi später den Zauber ihrer plötzlichen Erscheinung erklärt).
Gut gelaunt und mit unter die Gürtellinie frotzelnden Kommentaren zieht Bäppi durch das Publikum (und drückt dabei zehn Gästen Stift und Zettel in die Hand), bereitet Lars Ruth
die „Lidl-Nummer“ vor. Mit Unterstützung von Peggy aus dem Publikum, die eine der zehn ausgefüllten Zettel, der vorgabegemäß ein Produkt und den Preis beinhaltet, zieht. Und
was befindet sich in der Lidl-Tüte, die neben den beiden steht? Genau das von einem Gast ausgewählte Produkt, natürlich inklusive Kassenzettel mit dem exakten Preis
Später beim Russischen Roulett wird statt Revolvern ein Zimmermannsnagel verwendet. Stefan aus dem Publikum gibt sich tapfer und schlägt wagemutig auf die aufgestellten
Pappbecher, bis am Ende tatsächlich geklärt ist, unter welchem der die Hand durchbohrende Nagel versteckt war. Später werden noch Sektgläser und –flaschen scheinbar aus
dem Nichts hervorgebracht, genauso wie eine Batterie von Weckern und selbst ein Häschen fehlt dabei nicht. Beeindruckend ist, wie Lars Ruth ausgewählte Gegenstände blind
erkennt und nicht nur bei der Potter-Nummer (bei der er einen kleinen Tisch durch den Saal schweben lässt) oder seiner „Verschwindens-Nummer“ fragt man sich: „Wie macht
er das bloß?“ Gibt es doch eine höhere Macht die hier mitwirkt?
Mitwirken tut vor allem Hausherrin Bäppi. Zappelnd und fröhlich alle Gliedmaße von sich streckend, fragend: „Was ist das?“, bekennt sie, sich selbst von spitzen Kommentaren
nicht ausnehmend, dass sei ausgelassener Speck! Weihnachtsplätzchen und das Festtagsessen blieben halt nicht folgenlos. Sie babbelt frech und fröhlich wie ihr der Schnabel
gewachsen ist, singt frohgemut im ostfriesischen sado-maso Schlampenrock, da kann auch ein Magier sie nicht stoppen und schon gar nicht der Licht- & Tontechniker, der ihr
nach gut zweieinhalb Stunden den Saft abdrehen will.
Bis dahin gab es nicht nur verblüffende und herzhaft komische Momente, sondern auch besinnliche, wie bei der Mosaikbildnummer oder beim aus der Hand gezauberten
Schneetreiben zu dem Lied „Winter in Kanada“.
In schöner Erinnerung bleibt aber auch Assistent Tobi, der als genervter Junker im Gothic Style vor „guter Laune“ fast explodierte. Die von Dirk Schicke und Thomas Bäppler
inszenierte Show läuft noch bis zum 6. Januar 10 in Bäppis Theatrallalla, beste Gelegenheit also für einen bezaubernden Start in das neue Jahr.
Markus Gründig, Dezember 09
www.baeppiundlars.de
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Bäppi La Belle: Samstags gibts dick Supp Theater in der Tanzschule, Frankfurt Besuchte Vorstellung: 7. März 08
Oh Gott diese
Samstage! Muss es denn jeden Samstag Suppe geben? Im Hause Bäppler war dies der Fall und Bäppi La Belle kann noch heute ein Lied davon singen. Doch die Suppe am Samstag ist nicht ihre einzige
unleidige Erinnerung an die Kindheit im Frankfurter Stadtteil Griesheim. Gepflogenheit der unterschiedlichsten Art dienen Bäppi La Belle jetzt als Vorlage für eine neue, schrille Show
(Showtexte, Choreografie und Bühnenbild: Thomas Bäppler). Seien es die Eigenarten von schwangeren Frauen, Müttern mit zu laxen Erziehungsmethoden oder wertlose Männer („Brüste ohne Milch,
Eier ohne Schale, Sack ohne Geld und wegen 70 gr. Wurst lohnt es sich nicht ein ganzes Schwein zu kaufen“).
Bei Bäppi bekommt jeder sein Fett weg, freilich stets mit Charme und einem derben Augenzwinkern vermittelt und scheut sich auch nicht vor selbstironischen Bemerkungen.
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Bäppi La Belle als Lia Wöhr Foto: TiTs-Theater, FFM
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Dabei gibt sie sich u.a. als Marlene Dietrich, im Bein freien schwarzen Kunstkleid mit roten Nähten („Batman als Tunte von Gotham City“), konservativ als Lia Wöhr, im roten
Discodress als Frida (ABBA) und endlich erstmals als Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth. Die aufwändigen Kostüme von Vladimir Vlahovic und Bärbel Klaesius wurden
auch für diese Show extra für sie handgefertigt. Allein für ein langes schwarze Kleid wurden 150 m Marabu-Boa verarbeitet. Viele Kleider geben dabei den Blick auf ihre
atemberaubende Beine frei, die nach wie vor bei den anwesenden Damen für Neid und für Begeisterung bei den Herren sorgen.
Musikalische Klassiker wie „Ich bin die fesche Lola“, „Sag mir, wo die Blumen sind“ (mit sozialkritischer Aktualisierung), „Dancing Queen“ (unterstütz vom ekstatischen Dresser
Tobi) bringen den Saal in Stimmung und auch ein Vorschlag für eine hessische Landeshymne fehlt bei der mit viel Lokalkolorit gewürzten Show nicht. Für dumme Sprüche aus
dem Off sorgt zudem der von Hitradio FFH bekannte Luigi (alias Johannes Scherer).
Was bei einem Besuch von Bäppi La Belles Show zählt ist vor allem das Gesamtprodukt: ein Abend voller Lacher und unbeschwerter Kurzweil. Da schmeckt einem dann auch
am Samstag wieder die dick Supp.
Markus Gründig, März 08
Infos zur Show
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